6 SCHWERPUNKT Rettungsübung im Lötschberg-Basistunnel
18 AKTUELL Neues digitales Organisationstool
26 PORTRÄT Samariterverein Vals: First Responder im Bergdorf
Die Brandkatastrophe in Crans-Montana hat viele Menschen tief erschüttert.
Für die verletzten Patientinnen und Patienten, für ihre Angehörigen sowie für die Hinterbliebenen der Verstorbenen ist dieses Ereignis ein lebenslanger Einschnitt. Unsere Gedanken sind bei allen, die mit Verlust, schweren Verletzungen oder grosser Ungewissheit leben müssen. Ihnen gilt unsere aufrichtige Solidarität.
Gleichzeitig möchten wir all jenen danken, die in dieser Ausnahmesituation Hilfe geleistet haben und weiterhin leisten. Zahlreiche Einsatzkräfte, Ersthelfende sowie Fachpersonen im Gesundheitswesen stehen unter grosser Belastung im Einsatz. Auch Samariterinnen und Samariter waren vor Ort im Einsatz. Ihnen allen sprechen wir unsere Anerkennung aus.
Allen, die Betroffene weiterhin begleiten, pflegen und unterstützen, wünschen wir viel Kraft und Ausdauer in dieser herausfordernden Zeit.
Auch mehrere Wochen nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana sind wir noch immer fassungslos. Das unendliche menschliche Leid geht uns nahe, auch wenn die meisten von uns nicht direkt betroffen sind. Unter den Ersthelferinnen und Ersthelfern vor Ort waren auch Samariterinnen und Samariter, die das Erlebte zuerst verarbeiten müssen. Wir werden zu einem späteren Zeitpunkt – mit der nötigen Distanz – darüber berichten. Die Einsatzkräfte vor Ort werden jedoch zurecht als Helden gefeiert, denn ohne ein funktionierendes First-Responder-Dispositiv hätte die Katastrophe wohl noch grösseres Leid verursacht.
Auch wenn eine solche Katastrophe nicht vorhersehbar ist und hoffentlich niemals mehr stattfinden wird, ist es wichtig, auf den Ernstfall vorbereitet zu sein. Darum führt die BLS zusammen mit der SBB etwa alle zehn Jahre eine gross angelegte Übung im Lötschberg-Basistunnel durch. Dabei geht es vor allem darum, dass die Zusammenarbeit der Organisationen reibungslos funktioniert und die Passagiere, ob verwundet oder nicht, innerhalb von 2½ Stunden evakuiert werden können. Wir waren am 22. November bei der Übung vor Ort und haben unter anderem den Einsatz der Samariterinnen und Samariter bei der Vorbereitung wie auch der Durchführung der Rettungsübung begleitet. Bericht ab Seite 6.
Das Schwerpunktthema der Ausgabe widmet sich auch dem Material, das bei einer solchen Rettungsübung zum Einsatz kommt. Im Interview mit Flavio Donati, Hauptverantwortlicher für das Materiallager in Gordola (TI), ab Seite 16 wird offenbar, dass die Verwaltung eines Samariter-Lagers Sorgfalt und Aufmerksamkeit, Ordnung, Präzision und regelmässige Kontrollen erfordert. Wie sich das Material entwickelt hat und welche neuen Tools auf dem Markt vorhanden sind, zeigen wir Ihnen ab Seite 12 mit einem Rückblick und einem Ausblick auf interessante Inserate verschiedener Anbieter in unserer Zeitschrift.
Ausserdem stellen wir Ihnen in der aktuellen Ausgabe die Köpfe der Geschäftsprüfungskommission vor (ab Seite 22) und nehmen Sie mit nach Vals (GR), wo Claudia Berni dafür gesorgt hat, dass dank der First-Responder-Gruppe die Erste Hilfe im Bergdorf innerhalb einer angemessenen Zeitspanne erfolgen kann (ab Seite 26).
Viel Spass beim Lesen wünscht Ihnen
ANITA SIMEON LUTZ Redaktionsleitung
INHALT
6 RETTUNGSÜBUNG IM LÖTSCHBERGTUNNEL
Gross angelegte Übung mit rund 1000 involvierten
Personen
12 AUS DEM ARCHIV
Material aus den 50ern
14 ÜBERBLICK
Eine Auswahl an aktuellen
Tools und Materialien
16 INTERVIEW
Im Gespräch mit dem Materiallagerverwalter Flavio Donati
18 SANBOARD
Effiziente Einsatzplanung für Sanitätsdienste
20 MEHR BESTÄNDIGKEIT
Rückblick Herbstkonferenz der Kantonalpräsidien
22 AKTUELL
Die Mitglieder der neuen Geschäftsprüfungskommission (GPK)
24 ERSTHELFER SYMPOSIUM
Ersthelfer – mit einem Bein schon im Gefängnis?
Bei der gross angelegten Rettungsübung im LötschbergBasistunnel ging es vor allem darum, die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Organisationen zu festigen. Die Samariter:innen waren an verschiedenen Orten im Einsatz.
IMPRESSUM
«samariter» 1/2026
Erscheinungsdatum: 18.02.2026
Herausgeber
Samariter Schweiz
Martin-Disteli-Strasse 27
Postfach, 4601 Olten
Telefon 062 286 02 00 redaktion@samariter.ch www.samariter.ch
Bestellungen für Abonnemente sowie Adressänderungen bitte schriftlich an obige Adresse.
Abonnementspreis
Abonnement für Aussenstehende: Fr. 33.– pro Jahr
4 Ausgaben pro Jahr
Auflage: 16 800 Exemplare
Redaktion
Leitung: Anita Simeon Lutz (asi)
Westschweiz: Chantal Lienert (cli)
Südschweiz: Mara Zanetti Maestrani (m.z.)
redaktion@samariter.ch
Postadresse:
Redaktion «samariter»
Postfach, 4601 Olten
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Fotos
Titelseite und Inhaltsverzeichnis: Marion Nitsch
Editorial: Mike Peter
RETTUNGSÜBUNG IM LÖTSCHBERGTUNNEL
Im Lötschberg-Basistunnel übte die BLS mit 450 Statist:innen das Reagieren in einem Notfall. Das Szenario: Brand im Intercity. Das Ziel: die schnelle Evakuierung und die Zusammenarbeit der Einsatzkräfte unter realistischen Bedingungen testen. Auch die Samariter:innen halfen tatkräftig mit.
Die Schwerverletzten werden von der Feuerwehr in den Lösch- und Rettungszug getragen und so nach Frutigen ins Interventionszentrum der BLS gebracht.
drücklichsten ist wohl die Nachahmung einer Verbrennung dritten Grades mit sichtbaren Kennzeichen an Gesicht und Händen. Aber auch die abgetrennte Hand ist glaubwürdig nachempfunden. Allen «Schwerverletzten» wurde noch ein zusätzliches Fläschchen mit Bluttinktur mitgegeben, um vor Ort der Glaubwürdigkeit noch nachzuhelfen.
Minutiöse Vorbereitung
Verantwortlich für die Moulagierung von rund 60 Leuten ist der Samariterverein Grossaffoltern, der sich über die Region hinaus einen Namen bezüglich der Zurechtmachung von Unfallfigurant:innen gemacht hat. Den Lead hat Monika Spring, Kursleiterin beim Samariterverein Grossaffoltern. Zusammen mit einem Team von sechs Leuten werden an drei Tischen verteilt die künstlichen Verletzungen angebracht. Manche Moulagen sind bereits auf Pflastern vorbereitet worden
•
An der Übung waren insgesamt über 1000 Personen beteiligt. Rund 450 Freiwillige übernahmen die Rolle der Reisenden mit teils schweren Verletzungen.
In aller Herrgottsfrühe haben wir uns am 22. November 2025 ins Berner Oberland aufgemacht, um bei der gross angelegten Rettungsübung am Lötschberg-Basistunnel dabei zu sein. Als wir um 8 Uhr da ankommen, erwartet uns ein etwas skurriler Anblick. Auf den ersten Blick schwer verletzte Menschen trinken gemütlich einen Kaffee, reden über das Wetter oder schicken noch schnell einen Guten-Morgen-Gruss an ihre Liebsten. Erst auf den zweiten Blick ist zu erkennen, dass die Verletzungen nicht echt sind. Die Schrammen nur aufgemalt, die tieferen Wunden moulagiert. Am ein-
und müssen vor Ort nur mehr appliziert werden. Den Katalog der Verletzungen haben die Samariter:innen bereits im Vorfeld erhalten, und anhand einer Liste werden die jeweiligen «Opfer» abgehakt. Die Figurant:innen tragen ihrerseits einen klar formulierten Steckbrief bei sich, auf dem ihre Rolle und ihre Verletzung nach dem Brandereignis beschrieben ist. Und dies scheint mir wohl eine der schwierigsten Aufgaben überhaupt: als Patient:in mit schweren Verbrennungen in der Rolle zu bleiben oder die fiktive Tochter, die an einem moulagierten Bauchwanddurchbruch leidet, nicht aus den Augen zu lassen.
Aber wofür diese möglichst realitätsnahe Nachempfindung der Wunden? Shila Jampen, stellvertretende Leiterin des koordinierten Sanitätsdienstes des Kantons Bern, schafft Klarheit: «Die möglichst originalgetreue Moulagierung hilft den Rettungskräften, die Schwere der Verletzung einzuordnen und die Patient:innen richtig zu triagieren.»
Für den Bauchwanddurchbruch wird der Figurantin ein Säckchen mit echten Gedärmen angehängt.
lässt die fiktive Verletzung echt erscheinen.
Um 10 Uhr erhalten die Figurant:innen noch ihre letzten Anweisungen. Dabei gilt es, sich mit der zugewiesenen Rolle vertraut zu machen und das Szenario zu kennen. Dieses sieht vor, dass der Intercity-Zug, welcher um 11.00 Uhr von Frutigen losfährt, im Bereich des Bistrowagens Feuer fängt, das sich sehr schnell auf die anderen Waggons ausbreitet. Dabei wird die Rauchbildung anhand von Nebelmaschinen mit Wasser und Glykol simuliert.
Da der Zug im mittleren Abschnitt des Tunnels stehen bleibt, wo der Ausbau der zweiten Tunnelröhre noch nicht abgeschlossen ist, erfolgt die Evakuierung über den Stolleneingang bei Ferden mit Postautos, die in den Rohbau der zweiten Röhre einfahren können. Im unteren Abschnitt des Tunnels sind die Evakuierungsstollen bereits ausgebaut, sodass eine Evakuierung über die zweite
«Die möglichst originalgetreue Moulagierung hilft den Ret tungskräften, die Verletzung einzuordnen und die Patient:innen richtig zu triagieren.»
Röhre mit einem Zug möglich wäre. Im oberen Teil Richtung Frutigen ist im Moment nur eine Evakuierung zu Fuss und mit Kleinbussen möglich. Die Schwerverletzten werden im vorgegebenen Szenario im Lösch- und Rettungszug transportiert.
Kurz vor 11 Uhr begeben sich die Figurant:innen in den Zug Richtung Wallis. Jedem wurde auf dem Weg noch ein Sack mit Proviant und Wasser mitgegeben. Die Übung ist auch aus logistischer Sicht
Die Moulagistinnen des SV Grossaffoltern versuchen, das Verletzungsszenario möglichst originalgetreu wiederzugeben.
Bluttinktur
Skurrile Situation: mit Verbrennungen dritten Grades noch schnell die Nachrichten checken ...
eine Meisterleistung. Über 1000 Personen sind daran beteiligt. Die letzte Übung in dieser Grössenordnung wurde 2013 durchgeführt. Das Interventionspersonal wird jedoch regelmässig geschult. Es besteht aus den Feuerwehren der beiden Bahnunternehmen BLS und SBB, die von den örtlichen Feuerwehren unterstützt werden. Insgesamt sind 140 Feuerwehrleute, je rund 20 Angehörige von Polizei und Sanität sowie andere Führungskräfte der Kantone Bern und Wallis für die Intervention im Lötschberg-Basistunnel ausgebildet. Hinzu kommen 90 Buschauffeure der Postauto AG Oberwallis, die bei der Passagierevakuation aus dem Tunnel eingesetzt werden können.
Die Übung beginnt
Um 12 Uhr geht der Notruf per Funk an alle beteiligten Personen ein. Die Fäden laufen in der Einsatzzentrale zusammen, die möglichst nahe am Tunneleingang eingerichtet worden ist. Eine Wagenburg aus Polizei, Feuerwehr und Sanität ergänzt die Zentrale. Von hier aus werden die Rettungskräfte angeleitet und koordiniert.
Viele der Verletzungsmoulagen sind bereits auf Pflastern vorbereitet worden und müssen nur noch drapiert werden.
Im Interventionszentrum bereitet sich derweil die erweiterte Rettungssanitätsmannschaft auf das Eintreffen der ersten Patient:innen vor. Mit dabei sind auch elf Samariter:innen der Einsatzgruppe S+, die unter der Leitung von Pia Baumann, Samariterlehrerin und Kursleiterin beim Samariterverein Zollikofen, stehen. Diese Einsatzgruppe S+ wurde im Jahr 2004 gegründet und besteht aus rund zwanzig Samariter:innen aus insgesamt
Lächeln mit abgehackter Hand: vor dem Übungsbeginn erlaubt, während der Übung müssen jedoch alle in ihrer Rolle bleiben.
In der Einsatzzentrale laufen alle Fäden zusammen. In erster Linie geht es dabei darum, den Überblick zu bewahren.
13 Samaritervereinen der Region Thun. Zusätzlich zur Einsatzgruppe Grossraum Thun existiert auch für die Region Obersimmental-Saanenland eine separate Gruppe. Beide Gruppen werden mit einer Logistikgruppe von Schutz und Rettung Thun ergänzt. Die Kernaufgaben der Einsatzgruppen S+
Vorbereitung für das Eintreffen der Patient:innen. Das Material stammt aus zwei Anhängern, den Einsatzwagen META2 und KATA5
Die Samariter:innen der Einsatzgruppe S+ stehen unter der Leitung von Pia Baumann (SV Zollikofen).
bestehen in der Sicherstellung des Aufbaus und des Unterhalts der sanitätsdienlichen Infrastruktur, in der Betreuung von leicht verletzten oder unverletzten Personen sowie der Übernahme delegierter logistischer Aufgaben. Die Einsatzgruppe S+ trainiert regelmässig den Umgang mit Material sowie den Aufbau und die Instandhaltung der Infrastruktur. Diese Übungen erfolgen in Zusammenarbeit mit der Logistiktruppe von Schutz und Rettung Thun.
•
Die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Organisationen verlief weitestgehend reibungslos und wurde durch die Übung für
den Notfall gefestigt.
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Bei der Übung am Lötschbergtunnel stehen die Samariter:innen genau für oben genannte Aufgaben im Einsatz. Als Erstes helfen Sie bei der Aufstellung des KATA-Anhängers, der direkt in der Halle des Interventionszentrums zu liegen kommt. Im Aussenbereich kommt ein weiterer Materialwagen, der META2, zum Einsatz. Aus diesem werden die Liegen für die Schwer- und Mittelschwerverletzten geholt und aufgestellt. Das Interventionszentrum in Frutigen verfügt bereits über eine entsprechende Zoneneinteilung in Blau (ohne Überlebenschance), Rot (vital bedrohter Patient), Gelb (schwer verletzt) und Grün (leicht verletzt).
Sobald die verletzten Passagiere per Postauto oder per Rettungszug eintreffen, werden sie von ausgebildetem Sanitätspersonal triagiert. Bei der Vortriage können auch die Samariter:innen zum Einsatz kommen. Ihnen obliegt aber vor allem die Aufnahme der Personalien sowie die Erbringung von Erste-Hilfe-Massnahmen bei den weniger schwer Verletzten. Die blaue und die rote Zone bleibt dem medizinischen Fachpersonal vorenthalten. Aber wenn auch da mal eine helfende Hand oder spezifisches Material gebraucht wird, sind die Samariter:innen zur Stelle. «Das Ziel der Übung ist, die Zusammenarbeit der Organisationen zu festigen und alle Personen innerhalb von 2½ Stunden aus dem Tunnel zu bergen», erklärt Benjamin Känzig, Gesamtprojektleiter der BLS. Alles in allem ziehen die Verantwortlichen eine positive Bilanz, die Zusammenarbeit aller Beteiligten hat reibungslos geklappt.
Mit der im Rettungswagen integrierten Kranvorrichtung werden die Schwerverletzten aus dem Zug geladen.
Die Betreuung von Verletzten braucht Empathie. Meist gibt es nicht nur physische, sondern auch psychische Wunden.
Die Samariter:innen helfen bei der Registrierung und der Vor t riagierung der Verletzten.
SOS-Notfalluhr
Mit dieser Uhr aus einer Anzeige aus dem Jahr 1958 trägt man den Notfallausweis mit Angaben zur Blutgruppe, zur Telefonnummer des Notfallkontakts und Angaben zu Allergien und weiteren medizinischen Besonderheiten stets bei sich. In Zeiten von AppleWatch etc. ist dies vielleicht überflüssig, aber es gibt auch aktuelle, edle Ausführungen solcher SOS-Kapseln.
Von der Notfallkapsel bis zum Pyramidenzelt
Vieles hat sich verändert im Materialbereich. Einiges wurde weiterentwickelt, und manche Materialien und Utensilien wurden durch neuere Erfindungen abgelöst. Hier einige Anzeigen aus den Samariter-Zeitschriften der 1950er-Jahre.
TEXT: Anita Simeon Lutz, FOTOS: Archiv
Erste-Hilfe-Koffer
Die Erste-Hilfe-Koffer haben in den letzten Jahrzehnten sicher einige Aktualisierungen erfahren, aber eines ist und bleibt das oberste Gebot: Ordnung und Übersicht über das vorhandene Material sind das A und O – vor allem wenn es unter zeitlichem Druck eingesetzt werden muss.
Reanimationskoffer
In den 1950er-Jahren gab es noch keine Defibrillatoren, aber lebensrettende Pumpen waren bereits im Einsatz. Diese Anzeige erschien sowohl in der deutsch- als auch in der französischsprachigen Ausgabe.
Verbandsmaterial
Die erste Verbandstofffabrik der Welt stand in Schaffhausen. Die Wurzeln der heutigen IVF Hartmann AG reichen bis ins Jahr 1871 zurück. Heinrich Theophil Bäschlin war der Erste, der das Rezept zur Entfettung der Baumwolle von Dr. Victor von Bruns konsequent einsetzte und dadurch steriles Verbandsmaterial herstellte. 1984 erwarb die IVF die Sauter SA und nahm damit die starke Marke DermaPlast in ihr Sortiment mit auf.
Basler Rettungstuch
Das Basler Rettungstuch der Firma Geiser & Cie., später Tenta AG, war zur schnellen Rettung von Patient*innen aus dem Gefahrenbereich gedacht. An der Blache waren links und rechts jeweils drei Handgriffe angebracht, die das Tragen erleichterten. 1990 wurde das Unternehmen an die Forbo AG in Zürich verkauft, und 1997 verkaufte die Forbo AG die Tenta AG weiter an die Bieri Blachen AG in Grosswangen.
Pyramidenzelt
Das Pyramidenzelt der Schweizerischen Leinen-Industrie AG in Niederlenz im Kanton Aargau, das hier in einer Anzeige aus dem Jahr 1958 feilgeboten wird, kann wohl kaum mit den Hightechstoffzelten der neuen Generation verglichen werden. Dennoch bot schon damals die einfache, schnell aufbaubare Struktur eines Zeltes den Samaritervereinen Schutz vor Wind und Wetter und die Wahrung der Privatsphäre der Patientinnen und Patienten.
Pro-Tent-Faltzelte
Für die robusten Faltzelte von ProTent gibt es unzählige Einsatzmöglichkeiten – vom mobilen PromotionStand über werbewirksamen Stand für Spendenaktionen bis hin zur wetterfesten Überdachung für Events. Aufgrund des kompakten Packmasses und des geringen Gewichts lassen sich die Faltzelte ganz einfach transportieren und reibungslos auf- und abbauen. Dabei überzeugen sie mit robuster Schweizer Premiumqualität und halten auch schwierigen Witterungsbedingungen problemlos stand.
Mehr Infos: www.pro-tent.com
Vom Defibrillator bis zum faltbaren Hightechzelt
Im Zentrum des Einsatzmaterials steht nach wie vor der Mensch. Neue Technologien ermöglichen jedoch eine vereinfachte Handhabung und eine effizientere Erste-HilfeLeistung im Notfall.
TEXT: Anita Simeon Lutz
FOTOS: zVg
flawa iQ
Stellen Sie sich einen Erste-Hilfe-Koffer vor, der selbstständig meldet, wenn Material fehlt, oder das Ablaufdatum überwacht – und automatisch für Nachschub sorgt. Genau das leistet flawa iQ: Das digitale Erste-Hilfe-System überwacht seinen Inhalt komplett eigenständig, dokumentiert lückenlos und liefert nebenbei wertvolle Erkenntnisse für die Prävention. Verletzungsmodule zur Einmalanwendung unterstützen Ersthelfer:innen in Stresssituationen maximal, um bestmöglich die Erstversorgung zu gewährleisten. Was revolutionär klingt, ist bereits in über 350 Schweizer Betrieben im Einsatz.
Mehr über flawa iQ unter: www.flawa-iq.ch
Sanboard
Sanboard ist die All-in-one-Software für Sanitätsdienste und Samaritervereine, um die Organisationsverwaltung zu vereinfachen und Sanitätsdienste von A bis Z zu planen und durchzuführen. Von der Sanitätsdienstanfrage über die Schichtplanung und Patientenprotokollierung bis hin zur Rechnungsstellung an den Veranstalter können alle Schritte in der Sanboard-Software erledigt werden. Und dies jederzeit und von überall. Mehr über den Einsatz der Sanboard-Software erfahren Sie im Artikel über das Iron-Bike-Race ab Seite 18.
Mehr Infos: www.sanboard.ch
Defibrillator
1965 erfand der britisch-irische Kardiologe Frank Pantridge den ersten tragbaren Defibrillator, automatisierte externe Defibrillatoren (AEDs) für Laien verbreiteten sich in den 1990er-Jahren. Heute werden sie im Samariterwesen regelmässig eingesetzt und geschult. Mit den neuen SRC-Reanimationsrichtlinien steigen die Anforderungen an das Kursmaterial. Pro zwei Teilnehmende werden neu eine Puppe und ein AED-Trainingsgerät benötigt. Die ViVest Trainer X1 und X3 zum Beispiel sind moderne, ultraleichte und handliche Defibrillatoren mit verschiedenen voreingestellten Trainingsszenarien sowie grafischen (X1) oder visuellen (X3) und akustischen Anleitungen.
Im Samaritershop erhältlich: www.samariter.shop
ProtectAid Solutions
Der mobile Sichtschutz von ProtectAid Solutions sorgt für Diskretion und Würde am Einsatzort. Er schafft in Sekunden einen geschützten Bereich, wo Privatsphäre und Sicherheit entscheidend sind. Ob am Unfallort, bei Grossveranstaltungen oder in anspruchsvollen Umgebungen – die Sichtschutzplane von ProtectAid bietet den Menschen nicht nur Hilfe, sondern auch Schutz. Neu gibt es den Sichtschutz auch mit integrierter Wärmefunktion. Dies ist ideal für die Versorgung von Patient:innen bei Kälte oder längeren Einsätzen – für mehr Komfort und Sicherheit.
Mehr Infos: www.protectaid.ch
Zwei Lagerräume und ein ausgestatteter Lieferwagen
Wie verwahrt, lagert und aktualisiert ein Verein sein Material?
Als mögliches Beispiel dafür dient unser Gespräch mit Flavio
Donati, Vizepräsident und Materialverantwortlicher der Sektion
Tenero- Contra und Circolo della Navegna.
TEXT: Mara Zanetti Maestrani
FOTOS: zVg
Flavio Donati ist Hauptverantwortlicher für das Materiallager des Samaritervereins des Bezirks Locarno.
Der Samariterverein des Bezirks Locarno umfasst das weitläufige Gebiet, das sich von der Gemeinde Tenero-Contra bis zu den Gemeinden Minusio, Gordola, Mergoscia, Brione sopra Minusio, Cugnasco-Gerra, Lavertezzo Piano und Gambarogno erstreckt. Er wurde 1949 gegründet und zählt derzeit rund fünfzig aktive Samariter:innen.
Herr Donati, haben Sie in Ihrem Verein einen Materialverantwortlichen? Wenn ja, seit wie vielen Jahren?
Wir haben ein Vorstandsmitglied, nämlich mich, das seit über fünf Jahren für das Material verantwortlich ist. Bei dieser Aufgabe werde ich von Fabio Ruch als Betreuer unterstützt.
Wie hat sich Ihr Materiallager in den letzten zwanzig Jahren verändert?
Vor zwanzig Jahren hatten wir nur wenig Material: ein paar Erste-Hilfe-Koffer, die später durch einige Taschen mit Decken und Tragen ergänzt wurden. Das Material wurde damals teilweise im alten Sitz der Grundschule von Tenero gelagert. Wir hatten auch einige Puppen und Materialien für die interne und externe Ausbildung des Vereins. In den letzten Jahren gab es grosse Veränderungen: Wir konnten ein Lager für das Material in Gordola, in einem Bunker unter dem Kindergarten, für alles, was für die medizinischen Dienste notwendig ist, zur Verfügung stellen; dort werden auch die Ersatzuniformen aufbewahrt. Darüber hinaus verfügen wir seit 2018 ebenfalls in Gordola über einen Sitz für unsere Ausbildungskurse und Sitzungen, wo wir das Material für die Unterweisungen (von Puppen bis hin zu einem interaktiven Touchscreen und anderen Lehrmitteln) lagern.
Schliesslich haben wir uns 2014, anlässlich unseres 65-jährigen Bestehens, einen als mobilen Sanitätsposten ausgestatteten Lieferwagen zugelegt, der – wenn er nicht im Einsatz ist – bei den Berufsschulen in Gordola geparkt ist. Wir waren die erste Sektion im Tessin, die mit einem ErsteHilfe-Fahrzeug ausgestattet wurde, das für Bereit-
Der 2014 eingeweihte Transporter ist insbesondere mit allem notwendigen Material für Einsätze in der Region ausgestattet.
schaftsdienste bei Veranstaltungen und Events verschiedener Art eingesetzt wird. Der Transporter ist insbesondere mit allem notwendigen Material für Einsätze in der Region ausgestattet und verfügt darüber hinaus über einen kleinen Vorrat an häufig benötigten medizinischen Materialien. Dieses Material wird im Falle einer Verwendung sofort ersetzt und aktualisiert.
Was sind die wichtigsten Materialien (Typologie), die sich in Ihrem Lager befinden?
Das Material für medizinische und sanitäre Dienste, für das wir einen Vorrat anlegen, besteht hauptsächlich aus Artikeln mit langer Haltbarkeit oder
Ordnung und Übersicht: ein Blick ins Innenleben des Transporters, der Erste Hilfe Einsätze in der Region Locarno wesentlich vereinfacht.
langen Lieferzeiten. Was Medikamente betrifft, wurde beschlossen, keinen zusätzlichen Vorrat mehr anzulegen, um Verschwendung zu reduzieren: Material, dessen Verfallsdatum abläuft, wird ersetzt, indem wir es direkt bei der Vertragsapotheke beziehen. Die Verwaltung eines Samariterlagers erfordert daher Sorgfalt und Aufmerksamkeit, Ordnung, Präzision und regelmässige Kontrollen.
Die Mitglieder des Samaritervereins des Bezirks Locarno bei der Einweihung des neuen Transporters im Jahre 2014.
Das Organisationstalent
Mit der Sanboard-Software hat Marc Wittwer ein Tool geschaffen, das die Organisation und die Abwicklung eines Sanitätseinsatzes von Samaritervereinen massiv vereinfacht.
TEXT: Anita Simeon Lutz, FOTOS: Marc Wittwer
Schweisstreibende Marathonstrecken, actionreiche Fun-Trails und ein Bike-Village mit atemberaubenden Shows und leckerem Streetfood: das ist das BikeSide MTB Festival in Einsiedeln (ehemals IRON BIKE RACE Einsiedeln). Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 29. Austragung Ende September 2025 kommen matchübersät am Ziel auf dem Vorplatz des Klosters Einsiedeln an. Die Iron-BikeRace-Strecke mit einer Länge von 81 Kilometern und einer Höhendifferenz von 3000 Metern ist eine der herausforderndsten der Welt. Herausfordernd ist auch das Sicherheitsdispositiv mit Samariter-Einsatzposten auf der Wegstrecke. Verantwortlich für die Organisation ist Lucas Hänni, Chef des Technischen Ausschusses beim Samariterverein Einsiedeln. Total stehen über 30 Samariterinnen und Samariter an diesem Wochenende im Einsatz. Rund 20 davon sind im Feld an zehn unterschiedlichen Erste-Hilfe-Posten verteilt. Die Eventzentrale hat sich im Schulhaus in der Nähe des Zielraums eingenistet. Noch ist es ruhig, aber man ist auf alle Eventualitäten vorbereitet. Der Einsatz wurde minutiös vorbereitet, und alle auf dem Platz und im Feld wissen, was zu tun ist.
Ob auf dem Handy, dem Tablet oder dem Laptop: die Sanboard-Software ist für alle Benutzeroberflächen optimiert und einfach und intuitiv handhabbar.
Veranstalter können alle Schritte in der Sanboard-Software erledigt werden. Und dies jederzeit und von überall.
Einfach bedienbare Software
Zur Organisation und Bewachung des Einsatzes setzt der Samariterverein Einsiedeln auf das digitale Organisationstool Sanboard, das von Marc Wittwer zusammen mit Experten aus dem Samariterwesen spezifisch für die Anforderungen und Herausforderungen der Samaritervereine konzipiert worden ist. Es handelt sich um eine All-in-one-Software, um die Organisationsverwaltung zu vereinfachen und Sanitätsdienste von A bis Z zu planen und durchzuführen. Von der Sanitätsdienstanfrage über die Schichtplanung und Patientenprotokollierung bis hin zur Rechnungsstellung an den
Die Verantwortlichen des Vereins Einsiedeln sind sehr angetan von der einfach zu handhabenden Softwarelösung. Lucas Hänni: «Ich kann jederzeit die Position meiner Einsatzkräfte eruieren, und als ausgebildeter Rettungssanitäter schätze ich auch das einfache Patientenprotokoll, das die Nachverfolgung eines jeden einzelnen medizinischen Notfalls vereinfacht.» Auch Rahel Hensler, die beim Hauptposten im Schulhaus den Einsatz überwacht, meint: «Das Programm ist sehr intuitiv, sodass alle Mitglieder des Vereins die Handhabung verstehen.» Und die beiden Herren, die ebenfalls im Schulhaus Posten stehen und zu den schon etwas älteren Semestern gehören, geben ihr vollumfänglich recht: «Natürlich mussten wir uns umstellen, aber die Software ist so benutzerfreundlich, dass jeder ‹Tubel› damit klarkommt.»
Auf Herz und Nieren geprüft
Marc Wittwer ist zwar selbst kein Samariter, aber er hat sich das Wissen bei unterschiedlichen Pilotvereinen wie etwa dem Samariterverein Einsiedeln geholt. «Bis dato steht das Programm bereits bei über 30 Samaritervereinen im Einsatz. Seit der Einführung des Prototyps vor vier Jahren haben wir bereits viele Learnings und Optimierungen in die Programmierung einfliessen lassen können. Nun wage ich zu behaupten, dass das Programm so weit fortgeschritten ist, dass es eigentlich für jeden Verein einsetzbar und auf alle Eventualitäten vorbereitet ist», erklärt Marc Wittwer.
Diesem Teilnehmer ist es egal, wie sich die Samariter:innen organisieren, aber im Notfall müssen sie zur Stelle sein.
Und diese Aussage wird in Einsiedeln gerade verifiziert. Auf die Frage von Lucas Hänni, ob die Ansicht der Geländekarte nicht mit Satellitenbildern vereinfacht werden kann, macht Marc Wittwer zwei Klicks, et voilà: die Karte erscheint so, wie sie Lucas Hänni gerne hätte. Das Programm gibt es apropos auch auf Französisch und auf Italienisch.
Mehr Infos zu Sanboard: www.sanboard.ch
auch als ausgebildeter Rettungssanitäter von der Sanboard-Software absolut überzeugt.
Marc Wittwer hat an der ETH Robotics studiert und ist der Gründer und Softwareentwickler von Sanboard.
Dank Sanboard hat Rahel Hensler auch in der Zentrale jederzeit den Überblick über den Einsatz.
Lucas Hänni ist
Der Wunsch nach mehr Beständigkeit
An der Herbstkonferenz der Kantonalpräsidien wurden die Resultate der Umfrage Stabilita vorgestellt. Ausserdem ging es um die Konferenzplanung der nächsten Jahre sowie um Informationen der Geschäftsstelle. Und es gab genügend Platz für den Austausch unter den Samariterverbänden.
TEXT und FOTOS: Anita Simeon Lutz
Als Einstieg in die Konferenz, die wiederum im Kongresszentrum der Paraplegikerstiftung in Nottwil stattfand, überbrachte Ömer Güven als Vertreter des Rotkreuzrats im Zentralvorstand von Samariter Schweiz die Grüsse des SRK: «Es sind nur wenige Worte notwendig, um unsere Rotkreuz-Bewegung zusammenzufassen. ‹Tutti fratelli› –alle Menschen sind gleich. Das waren die Worte der Frauen in Castiglione, als Henry Dunant sie überzeugte, verwundete Soldaten zu pflegen – ohne Unterschied der Nationalität, ohne zu fragen, welcher Seite sie angehören. Diese Vision, geboren aus Mitgefühl, wurde zum Grundstein des Roten Kreuzes. Und genau diese Botschaft, diese Haltung, lebt in euch Samariterinnen und Samaritern weiter: helfen, ohne zu fragen wem! […] Ich bin mir bewusst: Die Anforderungen an euch werden immer grösser. Die Herausforderungen werden komplexer. Und doch seid ihr bereit –nicht aus Pflicht, sondern aus Leidenschaft. Dafür danke ich im Namen des gesamten Rotkreuzrates von Herzen.»
Die Konferenz wurde von den Vizepräsident:innen des Zentralvorstands geführt: Ursina Pally Hofmann und Tobias Pflugshaupt-Trösch. Sie stellten den gesamten Zentralvorstand auch nochmals vor. Ausserdem durften sie offiziell zwei neue Mitglieder in den Kantonalpräsidien willkommen heissen: Thomas Chastonay, Vizepräsident des Oberwalliser Samariterverbands, und Stéphane Witschard, Präsident des Samariterverbands Unterwallis / Valais romand. Ausserdem informierte der Zentralvorstand über seinen Entscheid, an der Folgestrategie festzuhalten und sie zur Operationalisierung an die Geschäftsstelle zu übergeben. Diese erarbeitet einen Massnahmenplan und informiert den Zentralvorstand sowie den Verbund über die erarbeiteten Schritte im Frühjahr 2026.
Resultate Umfrage Stabilita
Mit Spannung wurden auch die Resultate der gesamtschweizerischen Umfrage Stabilita zu Verbesserungsmöglichkeiten von Samariter Schweiz erwartet. Die Umfrage umfasste verschiedene Fragestellungen zu den Themen
Die Präsident:innen der kantonalen Samariterverbände hören dem Grusswort des Rotkreuzratsvertreters Ömer Güven aufmerksam zu.
Organisation, Kommunikation, Finanzen, Kurswesen, Strategie und externe Einflüsse. Wir präsentieren hier einen Auszug der Resultate:
Organisation: In vielen Rückmeldungen zeigen sich eine deutliche Ermüdung und Verunsicherung durch die Vielzahl an laufenden Veränderungen innerhalb von Samariter Schweiz. Es wird deutlich, dass Stabilität, klare Zuständigkeiten und ein verlässlicher Informationsfluss erwartet werden. Die Befragten wünschen sich mehr Konstanz, transparente Kommunikation zu geplanten Änderungen sowie genügend Zeit für deren Umsetzung in den Vereinen. Viele Vereine wünschen sich eine spürbare Entlastung bei administrativen Aufgaben.
Kommunikation: Zentraler Kritikpunkt ist eine mangelnde Transparenz und Konsistenz der Kommunikation. Viele Befragte berichten, dass Informationen unvollständig, verspätet oder widersprüchlich sind. Viele wünschen sich eine bessere Koordination zwischen Kantonalverband und Samariter Schweiz, um redundante Mitteilungen zu vermeiden. Ein häufig genannter Kritikpunkt betrifft die sprachliche Qualität der Übersetzungen. Besonders in der Romandie werden die französischen Texte als ungenau, schwer verständlich und fehlerhaft bezeichnet. Auch bei Texten in Deutsch empfinden einige Teilnehmende die Formulierungen als zu komplex oder zu bürokratisch.
Finanzen: Ein Grossteil der Rückmeldungen bezieht sich auf die finanzielle Belastung der Vereine durch Abgaben wie Kursgebühren und Materialkosten an Samariter Schweiz oder an die Kantonalverbände. Viele empfinden die Beiträge als zu hoch und unverhältnismässig im Vergleich zum Nutzen. Viele Vereine empfinden ausserdem die zentral von Samariter Schweiz organisierten Spendenaktionen als kontraproduktiv und konkurrierend zu den eigenen Vereinsaktionen.
Kurswesen: Ein zentrales Thema der Rückmeldungen betrifft die Qualität, Einheitlichkeit und Benutzerfreundlichkeit der Kursunterlagen. In vielen Rückmeldungen wird eine fehlende Balance zwischen Didaktik und Fachtechnik bemängelt. Ausserdem wird der Wunsch nach multimedialen Lerninhalten – insbesondere Videos, Animationen oder interaktive Elemente – betont. Die Erwartungen an den Sanitätsdienst werden, insbesondere im Vergleich zu den verfügbaren Ressourcen und der Qualifikation der Sama riter:innen, als zu hoch beschrieben, da die Samariter:innen mehrheitlich Laienhelfer sind.
Strategie: Mehrere Rückmeldungen bringen den Wunsch zum Ausdruck, dass sich Samariter Schweiz wieder stärker auf seine ursprünglichen Werte konzentrieren soll. Die Samariterbewegung solle wieder stärker auf ihre Basis, den Gemeinsinn und die konkrete Hilfeleistung, ausgerichtet
werden – weg von einer zu stark administrierten und kommerzialisierten Ausrichtung.
Externe Einflüsse: Die Rückmeldungen zeigen deutlich, dass die Themen IVR und die dazugehörigen Plattformen (insbesondere OMS9) eine der meistgenannten und kritischsten Kategorien darstellen. Viele Teilnehmende beschreiben die Systeme als veraltet, unübersichtlich und zu kompliziert in der Handhabung.
Die Kritikpunkte der Umfrage werden vom Zentralvorstand und von der Geschäftsleitung ernst genommen. Die Lösung fliesst in den Massnahmenkatalog zur Strategie 2029 mit ein.
Projektgruppe Stabilita (v.l.n.r.): Benoît de Haller (GE), Carmen Prétat (JU), Christoph Meyer (LU), Beat Keller (ZH) und Roland Gamma (UR)
Mehr Sichtbarkeit
In einem Workshopteil wurde die Frage nach einem zukünftigen Rhythmus der Konferenzen besprochen und Vor- und Nachteile verschiedener Modelle erörtert. Die Geschäftsstelle wird zusammen mit dem Zentralvorstand aus den Workshop-Resultaten ein mögliches Szenario festlegen und dieses in der Frühlingskonferenz präsentieren.
Nach der Vorstellung und den Informationen der GPK (siehe auch Seite 22) orientierte Philipp Moor über die Neustrukturierung der Geschäftsstelle sowie eine Umfrage bei den Mitarbeitenden, die ausnahmslos bessere Bewertungen ergeben hat als im Jahr zuvor. Bettina Zeiter, neue Leiterin der Abteilung Marketing, Kommunikation und Fundraising, stellte den Schwerpunkt ihrer Abteilung für 2026 vor. Dabei wird auf mehr Sichtbarkeit, mehr Wirkung und mehr Verbundenheit gesetzt. Sie schliesst mit den Worten: «Wir freuen uns, gemeinsam mit euch die Marke Samariter Schweiz weiter zu stärken – sichtbar, nahbar und wirkungsvoll.»
Die neue Geschäftsprüfungskommission
An der Abgeordnetenversammlung 2025 wurde nebst dem Zentralvorstand (ZV) auch die Geschäftsprüfungskommission (GPK) teilweise neu besetzt. Hier erfahren Sie, was die Mitglieder dazu bewogen hat, sich für diese Aufgabe zu engagieren, und wie sie die Zukunft von Samariter Schweiz sehen.
1. Was hat Sie dazu bewogen, sich in der GPK von Samariter Schweiz zu engagieren?
Durch meine langjährige Geschäftsführertätigkeit in diversen Spitälern ist mir die Vision von Samariter Schweiz, «Gemeinsam Leben retten und Erste Hilfe leisten», vertraut und familiär. In der Vergangenheit veranschaulichten diverse Ereignisse in unserem Land, wie wichtig der Einsatz der Samariterinnen und Samariter für Mensch und Regionen ist, um zu helfen und zu unterstützen im Sinne der humanitären Grundgedanken. Ich befinde mich in einer Lebensphase, wo ich mich auf strategische Aufgaben fokussiere, daher passt die Aufgabe GPK sehr gut in dieses Zielbild.
2. Welche Aufgaben stehen bei der GPK aktuell an?
Das Jahr 2026 liegt im Fokus der ordentlichen Aufgaben der GPK gemäss Reglement. Dies beinhaltet die konstruktive Prüfung der Arbeiten des ZV, die Visitation der Geschäftsstelle, das Reporting der Tätigkeiten gegenüber der Delegiertenversammlung und last, but not least die Visibilität der GPK und unsere Präsenz an den verschiedenen nationalen Veranstaltungen. Das Ziel der GPK ist, mit dem Zentralvorstand und der Geschäftsstelle die Zusammenarbeit zu festigen und eine erfolgreiche weitere Zukunft der Verbandstätigkeit mit einer stabilen Finanzierung und Ausrichtung zu sichern.
ALEXANDER HERZOG
Dr. rer. soc. oec., lic. oec. HSG, CEMS MIM, CAS EVU HSG, Vorstand, Geschäftsleitungsmitglied, Rechnungsprüfungskommission, Küsnacht (ZH)
1. Was hat Sie motiviert, sich in der GPK von Samariter Schweiz zu engagieren?
Ich engagiere mich in der GPK, weil mir wirksame Governance im Dienst der Öffentlichkeit wichtig ist und Samariter Schweiz eine zentrale Rolle in der Ersten Hilfe und der Freiwilligenarbeit spielt. Mit meiner Erfahrung in Audit, Finanzen, ICT und Aufsichtsgremien kann ich Risiken früh erkennen, Transparenz stärken und Prozesse verbessern. Die Werte der Samariterbewegung entsprechen meinem eigenen Verständnis von Verantwortung und Engagement.
TRIX GISLER
Vizepräsidentin
Samariterin/FAI, Executive Master of Non Profit Management, dipl. Gemeindeschreiberin, Coach IWB
CORINNE ZOSSO
lic. phil., Verbands-/NPO-Managerin VMI, Direktorin, Mediatorin UNI FR, Mitglied SKH (Schweiz. Korps für Humanitäre Hilfe), Düdingen (FR)
1. Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrer Tätigkeit in der GPK von Samariter Schweiz bis anhin gemacht?
Durch meine Tätigkeit in der GPK habe ich wertvolle Einblicke in die Strukturen und Entscheidungsprozesse auf Verbandsebene gewonnen. Als langjährige Samariterin war es für mich bereichernd, das Samariterwesen zusätzlich aus einer Managementperspektive kennenzulernen und meine beruflichen Erfahrungen einzubringen. Die Mitarbeit zeigt mir, wie sinnvoll und wirkungsvoll ein Engagement für das Samariterwesen ist.
2. Welche Themen werden Samariter Schweiz in Zukunft beschäftigen?
Samariter Schweiz hat eine starke Zukunft, wenn es gelingt, Freiwillige zu stärken, Ausbildung und Prozesse zu modernisieren und Partnerschaften im Gesundheits- und Bevölkerungsschutz auszubauen. Die Organisation bleibt wichtig, gewinnt aber durch Digitalisierung, Professionalisierung und klare Governance zusätzlich an Wirkung.
1. Welche Aufgaben stehen aktuell an?
In den ersten Schritten ging es darum, die Zusammenarbeit mit dem neu gewählten Zentralvorstand zu definieren. Die Basis ist gelegt und von gegenseitigem Vertrauen geprägt. Nebst der Teilnahme an verschiedenen Tagungen und Anlässen ist die jährliche Visitation ein Schwerpunkt der GPK. Dabei überprüft die GPK die vorgängig definierten Aufgabenbereiche in Zusammenarbeit mit den dafür verantwortlichen operativen Mitarbeitenden, gibt Inputs und schlägt Massnahmen für das folgende Jahr vor.
2. Wie sehen Sie die Zukunft von Samariter Schweiz?
Ich blicke positiv in die Zukunft. Als grösste Freiwilligen-Organisation der Schweiz im Bereich Erste Hilfe verfügt Samariter Schweiz über ein starkes Branding, qualitativ hochwertige Angebote und eine breite Verankerung in der Bevölkerung. Dank klarer Werte, grossem Engagement sowie Zuverlässigkeit und fachlicher Professionalität wird Samariter Schweiz auch künftig ein geschätzter, verlässlicher Partner bleiben und seine gesellschaftlich wichtige Rolle dank allen Samariterinnen und Samaritern weiter wahrnehmen und stärken.
2. Sehen Sie die Zukunft von Samariter Schweiz auch durchwegs positiv?
Unter der Voraussetzung, dass Samariter Schweiz finanziell stabil bleibt, die Organisation ihre Strukturen den gesellschaftlichen Veränderungen anpasst und eine nachhaltige Entwicklung sicherstellt, sehe ich die Zukunft durchaus positiv, denn Samariter Schweiz verfügt über eine starke Basis und hat klare Werte. Das Ehrenamt und die Organisationsentwicklung sind zwar grosse Herausforderungen, bieten aber auch Chancen.
Ersthelfer – mit einem Bein schon im Gefängnis?
Das 5. Ersthelfer Symposium vom 8. November 2025 fand erstmals im Luzerner Saal des KKL Luzern statt und sprengte
den Teilnehmerrekord deutlich: 420 Ersthelfer:innen kamen
nach Luzern – und zeigten, dass sie noch mit beiden Beinen ausserhalb des Gefängnisses stehen.
TEXT und FOTOS: zVg, Jonas Weibel | Ersthelfer Symposium
Rechtliche Themen treiben manch einen Ersthelfer und manch eine Ersthelferin um. Da spielen Ängste mit, man könnte etwas falsch machen und dafür belangt werden. Es spielt aber auch Zweifel mit, was erlaubt ist und was nicht. Und teilweise spielen verschiedenste Mythen mit. Das 5. Ersthelfer Symposium vom 8. November 2025 im KKL Luzern widmete sich unter dem Titel «Ersthelfer – mit einem Bein schon im Gefängnis?» solchen rechtlichen Aspekten der Ersten Hilfe.
420 Teilnehmende und 25 Ausstellende folgten dem Ruf der Veranstalter und kamen zum Ersthelfer Symposium 2025 in den Luzerner Saal im KKL Luzern. Durch das Programm führte Donat Hofer, der mit seiner sympathischen und klaren Moderation den Tag strukturierte und die Themen auf inspirierende Weise miteinander verband.
Am Unfallort: was die Polizei und die Staatsanwaltschaft wollen
Michael Muther ist Chef der Sicherheitspolizei Süd des Kantons Luzern und eröffnete das Ersthelfer Symposium 2025. Er brachte den Teilnehmenden näher, wie die Polizei an einem Unfallort vorgeht und wie man sie dabei bestmöglich unterstützen kann. Mit Humor und gleichzeitig grosser fachlicher Tiefe zeigte er, welche rechtlichen Aspekte für Ersthelfende entscheidend sind. Insbesondere, dass jeder Schadenplatz potenziell auch ein Tatort ist. Sein Appell: umsichtig handeln, Spuren schützen und die eigene Verantwortung kennen.
Mit Humor und fachlicher Tiefe brachte Michael Muther den Teilnehmenden näher, wie die Polizei an einem Unfallort vorgeht.
Medien: was Journalisten wollen
Auch häufig an einem Unfallort: Journalist:innen. Dabei trampeln sie gerne auch einmal in eine Gefahrenzone, stehen im Weg und provozieren Aussagen von Ersthelfer:innen, die diese besser nicht machen sollten.
Zusammen mit der Primus AG präsentierte Samariter Schweiz den Safety Day, einen Firmenkurs, der Brandschutz- und Erste-Hilfe-Wissen kombiniert.
Wie geht man also mit diesen verflixten Medienschaffenden um? Kay Schubert, Medientrainer und langjähriger Journalist, nahm das Publikum mit auf eine lebendige Reise durch die Welt der Medienarbeit. Mit grosser Energie und anschaulichen Beispielen vermittelte er, wie Medienschaffende in Einsatzsituationen agieren, und verdeutlichte die Bedeutung der Medienfreiheit sowie des gegenseitigen Verständnisses zwischen Einsatzkräften und Presse.
Medikamente: was das Heilmittelgesetz will
Dürfen wir – oder dürfen wir nicht? Die Medikamentenabgabe ist ein heikles Thema. Dr. Ruedi Hauri, Kantonsarzt des Kantons Zug und ehemaliger Präsident der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte, beleuchtete die rechtlichen Rahmenbedingungen zur Abgabe und Anwendung von Medikamenten durch Ersthelfende. Sein Vortrag machte klar, wie wichtig fundiertes Wissen, klare Richtlinien und fachliche Sicherheit sind, um Betroffenen professionell und rechtlich korrekt zu helfen.
Erste Hilfe hinter Gittern
Den Abschluss bildete Marcel Ruf, Leiter der JVA Lenzburg. Als jemand, der im übertragenen Sinn mit beiden Beinen im Gefängnis steht, gewährte er eindrucksvolle Einblicke in das Sicherheits- und Krisenmanagement innerhalb der Justizvollzugsanstalt. Mit Humor, Authentizität und realen Beispielen zeigte er, wie im Hochsicherheitsumfeld medizinische Notfälle, Brände oder Krisen professionell bewältigt werden.
Das Ersthelfer Symposium 2025
knackte
Rekorde
Durch den Umzug vom Auditorium in den Luzerner Saal des KKL Luzern konnten mehr Ersthelfer:innen
am Ersthelfer Symposium 2025 teilnehmen als bislang. 420 Betriebssanitäter:innen, Samariter:innen, Feuerwehrleute, Sicherheitsbeauftragte, First Responder und weitere Ersthelfer:innen folgten dem Ruf und sorgten für ein volles Haus. Alle Vorträge wurden simultan von Deutsch ins Französische übersetzt, und die Teilnehmenden erhielten 3,5 Stunden an ihr IVR-Zertifikat und zwei SGAS-Fortbildungseinheiten angerechnet.
Aufmerksame Zuhörende: Im Publikum des Ersthelfer Symposiums befanden sich auch zahlreiche Samariter:innen.
Auch die erweiterte Ausstellung wurde rege genutzt und besucht – insgesamt stellten 25 Ausstellende ihre Produkte und Dienstleistungen vor. Ausserdem wurde das Ersthelfer Symposium 2025 von betriebsapotheke. ch (Gold-Sponsor), JDMT Group AG und Procamed AG (Silber-Sponsoren) sowie sureVIVE AG (BronzeSponsor) unterstützt.
Die gemeinsame Veranstaltung der Schweizerischen Vereinigung für Betriebssanität (SVBS) und von IVF HARTMANN fand im Jahr 2021 zum ersten Mal statt und entwickelte sich schnell zu einer Erfolgsgeschichte. Besonderen Wert legen die Veranstalter auch auf das Rahmenprogramm, den Austausch und die angeregten Fragerunden nach den Referaten.
ERSTHELFER SYMPOSIUM 2026
Das nächste Ersthelfer Symposium wird am 31. Oktober 2026 stattfinden, wieder im Luzerner Saal des KKL Luzern. Unter dem Titel «Unfall – hautnah» wird ein Unfall von A bis Z begleitet, von der Ersten Hilfe auf einem Sportplatz über die Luftrettung und die Rehabilitation bis zur Dokumentation durch Ersthelfer:innen und den Datenschutz. Mehr Infos unter: www.ersthelfersymposium.ch
First Responder im Bergdorf
Seit über zwei Jahrzehnten prägt Claudia Berni das Samariterwesen in Vals (GR). Dabei hilft ihr das fundierte Grundwissen aus ihrer beruflichen Arbeit als Pflegefachfrau.
TEXT und FOTO: Annina Dietsche-Veit
Claudia Berni ist keine, die gerne im Mittelpunkt steht. Und doch ist sie für viele im Dorf genau das: eine zentrale Figur, wenn es um Sicherheit, Erste Hilfe und Zusammenhalt geht. Als technische Leiterin, Kursleiterin und langjährige Samariterlehrerin prägt Claudia Berni den Samariterverein Vals mit Ausdauer und Innovationsfreude. «Ich arbeite gerne im Hintergrund, aber wenn etwas gebraucht wird, bin ich da», sagt sie schlicht. Dabei ist ihr Einsatz alles andere als selbstverständlich. Neben ihrem 60-Prozent-Pensum als Pflegefachfrau am Regionalspital Surselva in Ilanz investiert sie unzählige Stunden in die Vorbereitung und das Erteilen von Monatsübungen und Firmenkursen, in die Materialorganisation oder in die Planung von Fallbeispielen. Mit ihrer ruhigen, pragmatischen Art gibt sie Wissen rund um die
Durch die Samariterlehrerin Claudia Berni haben bereits viele Menschen jeden Alters gelernt, in Notfällen richtig zu reagieren und Erste Hilfe zu leisten. Dank ihres gros sen Einsatzes wurde sie auch für den Titel «Ostschweizer Samariterin des Jahres» nominiert.
Erste Hilfe weiter und motiviert andere, im medizinischen Notfall zu handeln. Unter anderem auch ihre Tochter. Diese hat sich im Samariterverein Vals engagiert und ist seit ihrem Wohnortswechsel im Samariterverein in Chur aktiv.
Ein Dorf, das zusammenhält
Claudia Berni ist 1999 der Liebe wegen nach Vals gezogen. Ihr Mann Urs ist bei der Alpinen Rettung sowie im Samariterverein aktiv. Anderen zu helfen, ist bei Bernis eine Familienangelegenheit. Denn auch dem 21-jährigen Sohn hat es «den Ärmel reingezogen». Er engagiert sich wie sein Vater in der Alpinen Rettung, deren Mitglieder das Materiallager mit den Samariterinnen und Samaritern teilen. Claudia Berni
kennt in ihrer Wohngemeinde inzwischen jede Ecke, jede Familie, jedes Schaf. «Vals ist das Dorf mit 1000 Einwohnern und 1000 Schafen», sagt sie lachend. Die Nähe zur Bevölkerung, das Vertrauen in den Samariterverein, das spüre man stark: «Wenn wir Spendengelder sammeln oder Kurse anbieten, steht das Dorf hinter uns.» Besonders stolz ist sie auf die etablierte First-Responder-Gruppe. Früher haben Dorfbewohnende Mitglieder des Samaritervereins privat angerufen, wenn jemand gestürzt ist oder Hilfe benötigt hat. Heute werden die First Responder bei lebensbedrohlichen Situationen von der Notrufzentrale aufgeboten und überbrücken die Zeit, bis professionelle Hilfe eintrifft. «In einem abgelegenen Bergdorf wie Vals kann das entscheidend sein. In Notsituationen zählt jede Minute», weiss Claudia Berni.
Fokus auf Nachwuchsförderung
Die engagierte Samariterin denkt voraus. Deshalb hat sich Claudia Berni früh um eine Nachfolgerin in der Funktion einer Samariterlehrerin und Kursleiterin gekümmert. «Ich finde es schön, wenn Jüngere neue Ideen einbringen», sagt sie. So hat ihre Kollegin etwa ein digitales Spiel in eine Übung integriert. Mit grossem Erfolg. Auch ältere Mitglieder seien offen, wenn man ihnen die Neuerungen gut erkläre. Die
Auch bei eisiger Kälte im Einsatz: Claudia am Postendienst beim Valser Herbstlauf.
Nachwuchsförderung liegt Claudia besonders am Herzen. Fast alle Jugendlichen besuchen im letzten Schuljahr den angebotenen Nothelferkurs. Im Kindergarten zeigt sie den Kleinsten, wie man «Pflästerli» klebt, und bei Veranstaltungen vermittelt sie mit dem Globi-Buch am Stand Wissen rund um die Erste Hilfe. Immer mit demselben Grundziel: Basiswissen der Ersten Hilfe zu vermitteln und so einen Beitrag zur Sicherheit der Einwohnerinnen und Einwohner von Vals zu leisten.
Rettungsdienstübung: Sohn Florin bei einer Gleitschirmrettung.
Familienangelegenheit:
auch Tochter Karin steht beim Valser Herbstlauf im Einsatz.
Dank der First Responder Gruppe erfolgt Erste Hilfe im Bergdorf Vals innerhalb einer angemessenen Zeitspanne.
BLICK NACH VORN
Die Samariterbewegung im Tessin und im Moesano feierte ihr 70-jähriges Bestehen. Die Jubiläumsfeierlichkeiten fanden in San Bernardino statt.
TEXT: Mara Zanetti Maestrani
FOTOS: zVg, ASSTM
70 Jahre und kein bisschen müde: Das war die Stimmung, die an diesem kalten und nebligen Herbstsonntag in San Bernardino herrschte, wo sich zahlreiche Samariterinnen und Samariter in der Raiffeisen Alpine Lounge versammelt hatten, um gemeinsam das 70-jährige Bestehen des Kantonalverbandes Tessin und Moesano (Associazione Sezioni Samaritane Ticino e Moesano, ASSTM) zu feiern. Ein Verband, der 37 Sektionen im gesamten Kanton und im Moesano umfasst. Wie wir in der Novemberausgabe von «oggi Samaritani» kurz berichtet haben, war bei der Feier unter den vielen Gästen auch Ursina Pally Hofmann anwesend, die neue Vizepräsidentin des Zentralvorstands von Samariter Schweiz.
Die Gründung der ASSTM
Die ASSTM wurde am 27. März 1955 in Bellinzona offiziell gegründet, als es noch keine schnellen Kommunikationsmittel und Rettungsdienste gab, wie wir sie heute kennen. Bereits zuvor gab es jedoch Samariterverbände, die vor allem während der Kriege und Mobilisierungen von 1939 bis 1945 entstanden waren und dank der Gründung des Kantonalverbands nun eine Dachorganisation hatten, die sie gegenüber der Zentrale in Olten vertrat und als Anlaufstelle für die Ausbildung, Koordination und Unterstützung der lokalen Verbände diente.
Zuvor gab es eine Organisation namens «Associazione Monitori Samaritani del Ticino, Mesolcina e Calanca» (gegründet 1941), die die bereits Mitte des letzten Jahrhunderts bestehenden Samariterverbände zusammenfasste. Die ersten Samaritergruppen wurden oft von Frauen und freiwil -
ligen Krankenpflegern ins Leben gerufen. In Industriegebieten wie Biasca, Bodio, Faido und der Vedeggio-Ebene entstanden Samariterverbände, um Unfälle in Fabriken und auf Baustellen zu bewältigen. «Die Samariterverbände entstanden immer als Antwort auf einen realen Bedarf», sagte Fabio Poncioni in seiner Gedenkrede in San Bernardino. «Wie während der Kriege, als es nur wenige Ärzte gab und die Angst gross war, oder in abgelegenen Tälern, wo ein Unfall stundenlanges Warten bedeuten konnte, oder in Fabriken, wo die Sicherheit von der Hilfsbereitschaft der Kollegen abhing, oder in kleinen Dörfern, wo gegenseitige Hilfe eine Form des Überlebens, aber auch der Hoffnung war.» Hinter jeder Sektion steckte eine einfache Geschichte, erinnerte er sich weiter: «Ein Arzt oder eine Lehrerin, die einen Kurs anboten, ein Pfarrer oder ein Apotheker, die einen Raum zur Verfügung stellten.»
Der erste Präsident der ASSTM war Osvaldo Delcò (Präsident der Sektion Bellinzona Croce Verde). Neben ihm sassen im ersten Vorstand Leone Demaria, Locarno, Pierino Campanini, Biasca, Sergio Crivelli, Mendrisio, Ada Martinoli, Giubiasco, Anna Poretti, Lugano, und Ido De Gottardi, Lumino. Im Jahr 1988, 33 Jahre nach ihrer Gründung, zählte die ASSTM 78 Sektionen, 2228 aktive Mitglieder und über 5500 Fördermitglieder.
Die ASSTM heute
Heute wird die ASSTM von Fabio Poncioni geleitet und umfasst, wie bereits erwähnt, 37 Sektionen mit insgesamt über 600 aktiven Samariter:innen sowie etwa 60 Ausbilder:innen/Instruktor:innen. Jährlich leisten diese Per -
sonen, unterstützt von ihren Samariterkolleg:innen, über 5000 Dienststunden in medizinischen Versorgungsstationen bei Sportveranstaltungen oder anderen Anlässen; darüber hinaus investieren sie jedes Jahr insgesamt über 6000 Stunden in Aus- und Weiterbildung. In diesem Sinne arbeitet die ASSTM weiterhin an der Stärkung der Ausbildung, entwickelt neue Formen der Zusammenarbeit und strebt die Modernisierung der Prozesse an. Es stimmt, dass, wie der Präsident betonte, die Zahl der Sektionen und Samariter:innen im Laufe der Jahre deutlich zurückgegangen ist, aber «hinter den Zahlen stehen Menschen und vor allem die Qualität ihres Engagements. Es war nie die Anzahl der Hände, die wirklich zählte, sondern die Präsenz, die Kompetenz und die Leidenschaft, mit der diese Hände den Mitmenschen entgegengestreckt werden». Der Sitz des Kantonalverbands in Rivera, im Herzen des Tessins, wurde
Momentaufnahmen, Menschen, Übungen und Paraden aus der Vergangenheit (aus den Fotoarchiven der ASSTM).
vor 20 Jahren, am 15. Mai, eingeweiht. Es handelt sich um den ersten und nach wie vor aktuellen festen Sitz des ASSTM, mit einer Teilzeitmitarbeiterin.
Ein Blick in die Zukunft
In seiner Rede während der Feierlichkeit versäumte es der Kantonalpräsident nicht, einen Blick in die Zukunft zu werfen: «Ich kann nicht verhehlen, dass viele unserer Sektionen derzeit schwierige Zeiten durchleben», erklärte er. «Einige kämpfen ums Überleben, andere fragen sich, ob sie noch lange durchhalten können. Und um uns herum dreht sich die Welt weiter: künstliche Intelligenz, Technologie, sofortige Kommunikation ... alles scheint sogar die menschliche Präsenz ersetzen zu wollen. Aber genau deshalb», betonte der Präsident, «wird unsere Rolle noch wertvoller. Denn keine Maschine wird jemals jemandem in die Augen schauen und aufrichtig sagen können: ‹Alles ist gut, ich bin bei dir.› Die Samaritervereine wurden gegründet, um auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Menschen einzugehen, und diese Bedürfnisse sind nie verschwunden: Sie haben nur ihr Gesicht verändert. Heute ist der Schmerz oft still, die Einsamkeit versteckt, die Angst digital. Und doch gibt es hinter jedem Bildschirm, hinter jeder Entfernung immer noch jemanden, der das Bedürfnis hat, gesehen, angenommen und gehört zu werden. Deshalb müssen wir weitermachen. Vielleicht mit weniger Sektionen, vielleicht mit neuen Formen, aber mit dem gleichen Geist wie immer. Indem wir uns weiterbilden, uns anpassen und zusammenarbeiten. Indem wir Technologie als Verbündeten nutzen, nicht als Ersatz. Und vor allem, indem wir uns daran erinnern, dass jedes Mal, wenn ein Samariter oder eine Samariterin sich in den Dienst stellt, sei es auch nur für wenige Minuten, die Welt ein bisschen menschlicher wird. Siebzig Jahre Geschichte lehren uns eines: Wir waren nie stark, weil wir viele waren, sondern weil wir authentisch waren. Und solange wir authentisch, aufmerksam und präsent bleiben, wird das Ideal des Samariterwesens im Tessin und im Moesano weiterleben.»
Fabio Poncioni während seiner Gedenkrede.
Die Vizepräsidentin von Samariter Schweiz, Ursina Pally Hofmann, sprach vor einem grossen Publikum.
Der Festsaal und die zahlreichen Anwesenden.
EINE RÜSTIGE ALTE DAME
Das Dorf Tramelan (BE) liegt in ländlicher Umgebung am Südosthang der Freiberge und zählt rund 4700 Einwohnerinnen und Einwohner. Es verfügt über ein bedeutendes Berufsbildungszentrum, drei Bahnhöfe der Compagnie des chemins de fer du Jura (CJ) und seit über einem Jahrhundert über einen Samariterverein.
TEXT und FOTOS: Chantal Lienert
Es war eine sehr alte Dame, die am 15. November letzten Jahres zur Reise nach Tramelan im Berner Jura eingeladen hatte. Sie wurde 1900 geboren, zu einer Zeit, als Frauen nur lange Röcke trugen und das Heu mit der Sense gemäht wurde. Sie hat zwei Weltkriege, eine Spanische-Grippe-Epidemie, den wirtschaftlichen Aufschwung der Trente Glorieuses, die Ölkrise der 1970er-Jahre und die darauffolgende Uhrenkrise sowie die Covid-19-Pandemie überstanden und geht immer noch aufrecht. Es handelt sich um die «section de samaritains tramelote», den Samariterverein von Tramelan, der anlässlich seines 125-jährigen Bestehens einen Festtag organisiert hatte, zu dem Partner:in, Freund:innen und die Bevölkerung eingeladen waren. Das Festprogramm umfasste einen Vortrag des französisch-schweizerischen Skippers Yvan Bourgnon, Unterhaltungsangebote für Gross und Klein, ein Essen und als krönenden Abschluss eine Show des Lausanner Thomas Wiesel, der für seinen frechen Humor bekannt ist.
Harmonische Zusammenarbeit
Heute zählt der Samariterverein Tramelan dreizehn aktive Mitglieder im Alter zwischen 16 und 60 Jahren, darunter acht Rettungssanitäter IVR 3 und IVR 2. Seit 2011 wird der Verein von Cédric Hiltbrand geleitet und gehört zu den Samariter:innen Bern-Jura, dem Verband, der die französischsprachigen Vereine des Berner Jura und jene des Kan -
Die Robi-Case-Aufbewahrungseinheiten: damit alle möglichst schnell ihr Material finden.
tons Jura zusammenfasst. Die Samaritervereine im Jura sind für medizinische und sanitäre Dienste sehr gefragt und arbeiten eng und häufig zusammen, wobei ihre Mitglieder auch bei anderen Vereinen zum Einsatz kommen. Um diese Zusammenarbeit zu erleichtern, hat der interkantonale Ausschuss ein Projekt für einheitliches Material entwickelt, das allen Sektionen zur Verfügung gestellt wird. Dieses umfasst Robi-CaseAufbewahrungseinheiten, die aus stapelbaren Elementen auf einer Sackkarre bestehen, sowie mobile Taschen. Um die Kosten zu senken – das Budget belief sich auf rund 84 000 Franken –, bat der Vorstand des interkantonalen Vereins die Loterie Romande, die Stiftung für Bergsamariter und die Stiftung für humanitäre Hilfe um Unterstützung. Der Lotteriefonds Bern hingegen war der Ansicht, dass dieses Projekt nicht den Vergabekriterien entsprach.
Das wird die Rettungskräfte aus Bern und dem Jura jedoch nicht davon abhalten, ihre harmonische Zusammenarbeit fortzusetzen und das Samariterwesen zu verteidigen und ins nächste Jahrhundert zu führen.
Diverse Animationen für Gross und Klein wurden vorbereitet.
Auf dem Bild sind zehn der dreizehn Mitglieder des Vereins zu sehen. Hinten rechts der Skipper Yvan Bourgnon.
Nur wer leuchtet, wird rechtzeitig gesehen.
Mit heller Kleidung und Leuchtelementen.
Kurse für Samariter*innen
First Aid Stufe 3 IVR Refresher, Schwerpunkt Stop the bleeding exkl. BLS-AED-SRC Komplett
First Aid Stufe 3 IVR Refresher, Schwerpunkt Human Factors (SimCenter) inkl. BLS-AED-SRC Komplett
SIRMED, Schweizer Institut für Rettungsmedizin Guido A. Zäch Strasse 2b, CH-6207 Nottwil sirmed.ch
Die Revolution der Materialbewirtschaftung von Erste-Hilfe-Koffern
Schluss mit Kontrollgängen, Excel-Listen und VerfallsdatenChaos: flawa iQ ist das erste intelligente Erste-Hilfe-System, das seinen Inhalt selbst überwacht, fehlendes Material automatisch nachliefert und Betrieben wertvolle Daten zur Unfallprävention bereitstellt. Das Ergebnis: 90 % Zeitersparnis, kein Compliance-Risiko und Ersthelfer, die im Notfall jederzeit auf vollständiges Material zählen können.
SCHWEDENRÄTSEL
Federwolke Art der Infektion langsame Gangart Krankenhaus Fluss durch München Bahre röm. Kaiser † 68 billiges Kleid kurz für: um das Gefässstütze Körperorgan 5
zweite Frau des Vaters
Zettelkasten Wut, Raserei Zweiergruppe histor. osteur. Gebiet span.: Insel frischer Niederschlag gepökelt. Fleischspezialität
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Das Lösungswort aus «samariter» 4/2025 lautet:
KOMMUNIKATION
Eine von zehn Bündner Nusstorten vom Hof Ulber-Rahm in Lantsch/Lenz haben gewonnen: Arthur Zeidler, Dietikon; Claudia Belser, Würenlingen; David Herzig, Biel/Bienne; Erika Schlegel, Eichberg; Lorenza Valsangiacomo, Rovio; Lucienne Mühlethaler, Prangins; Marlies Jaggi, Neuheim; Michela Gianora Berta, Moleno; Paul Castle, Bottmingen; Pierre-André Moor, Veyrier.
Lehrgänge und Module
Die Geschäftsstelle von Samariter Schweiz bietet diverse Lehrgänge an. Das vollständige Angebot finden Sie im passwortgeschützten Portal (https://portal.samariter.ch). Hier aufgeführt ist lediglich eine Auswahl. Die Kurse können direkt im Portal gebucht werden. Bei Fragen kontaktieren Sie bitte info@samariter.ch
BLS-AED-SRC-Instruktor:in
Lehrgang
BLS_M01 2026/4 27.03.–28.03.2026 Deutsch Lungern
BLS_M01 2026/5 10.04.–11.04.2026 Deutsch Olten
BLS_M01 2026/6 24.04.–25.04.2026 Deutsch Vaduz
First-Aid-Instruktor:in 1
Lehrgang
2026/1
Samariterlehrer:in/-instruktor:in
Lehrgang Datum
SL_M01 2026/3 08.05.2026 Deutsch Vaduz
Vereinsarbeit – Grundlagenlehrgang
Der Grundlagenlehrgang bietet neuen Vorstandsmitgliedern die Möglichkeit, das Vereins- und Vorstandsleben in all seinen Facetten kennenzulernen. Die einzelnen Module decken aktuelle wie auch Zukunftsthemen ab. Nach dem Besuch aller vier Module gilt der Lehrgang als abgeschlossen.
Modul Daten
Modul 1, Leadership 05.05.2026 Deutsch Olten
Modul 2, Mitglieder 21.05.2026 Deutsch Olten
Modul 3, Organisation 17.06.2026 Deutsch Olten
Modul 4, Planung, Controlling, Steuerung 29.06.2026 Deutsch Olten
Vereinscoach:in – Weiterbildungen
Der Vereinscoach steht den Vorstandsmitgliedern der Samaritervereine bei Fragen der Vereinsführung und Vereinsentwicklung beratend zur Seite. Als Coach:in begleitet und betreut man Vereine und koordiniert die Weiterbildungsbedürfnisse der Vorstände.
Gewinnen Sie einen Aufenthalt im Hôtel des Horologers in der Vallée de Joux im Wert von rund CHF 1000.–!
In ihrem Aufenthalt integriert sind zwei Übernachtungen in einer Junior Suite für zwei Personen inklusive Frühstücksbuffet, Zugang zum Wellnessbereich sowie ein Entdeckungsmenü für zwei Personen in der Brasserie le Gogant. Mehr zum Hotel erfahren Sie unter: www.hoteldeshorlogers.com