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SAMARITER Das Verbandsmagazin des Schweizerischen Samariterbunds

Erste Hilfe für die Psyche 12 INTERVIEW

Wie weiter mit den Firmenkursen?

16 AKTUELL

«Retten ist KLASSE – Erste Hilfe an Schulen»

20 KURSE

Lehrgänge und Tagungen 2022 im Überblick


Erste Hilfe hat viele Gesichter

Danke für Ihre Spende und Unterstützung.


EDITORIAL

«Wenn die Seele schmerzt» Liebe Samariterinnen, liebe Samariter Nicht nur Schürfungen, eine Verbrennung oder ein Knochenbruch schmerzt, auch die seelischen Verletzungen tun weh. Wer schon selbst kritische Lebensereignisse oder psychische Belastungssitu­ ationen durchlebt hat, weiss, wie sich das Leben schlagartig von einer Sekunde auf die andere ver­ ändern kann. Verluste, Trennungen, plötzliche Erkrankungen, existenziell lebensbedrohliche Si­ tuationen oder Gewalt sind nur einige Beispiele von Belastungen, die das Leben wortwörtlich «auf den Kopf stellen» können. Zwei Aspekte bei diesen psychischen Ausnahme­ situationen sind jenen bei körperlichen Problemen oder Unfällen sehr ähnlich: Erstens schockiert de­ ren unerwartetes Auftreten. Die Unberechenbar­ keit kollidiert mit unserem Bedürfnis nach Kont­ rolle. Auf einmal haben wir das Leben nicht mehr «im Griff». Zweitens ähneln die psychischen Ab­ wehrmechanismen dem körperlichen Notfallpro­ gramm. So wird bei einem akuten Blutverlust die überlebenswichtige Sauerstoffversorgung auf das Gehirn und das Herz zentralisiert. Damit funk­ tioniert der Körper vorübergehend in einem Über­ lebensmodus. Genauso verhält es sich mit den psychischen Bewältigungsstrategien. Sie dienen dazu, den psychischen Schmerz zu dosieren oder abzublocken, um die Seele zu schützen. Von aussen

betrachtet, mögen die klassischen Stressreaktionen wie Kampf, Flucht oder Erstarrung erstaunlich oder sogar befremdlich wirken. Daher ist es auch für uns Nothelfer wichtig, die psychischen Notfallprogramme zu kennen, um selbst Ruhe und einen klaren Kopf in Krisen- und Belastungssituationen zu wahren. Schon seit Län­ gerem haben die psychologische Nothilfe und CareWissen Eingang in die Samariter-Welt gefunden. Vielleicht ist es unter dem Leitstern «Menschlich­ keit» der sieben Grundsätze des Roten Kreuzes eine der wichtigsten Aufgaben als Helfer überhaupt: als Mensch präsent zu sein. Gerade dann, wenn einem der Boden unter den Füssen weggezogen wird, kön­ nen der menschliche Kontakt, ein offenes Ohr und die menschliche Wärme durch den finsteren Tunnel der Verlassenheit oder Ohnmacht hindurch beglei­ ten und damit ebenfalls Leben retten. Ein wichtiges Wirkungsfeld, wo wir Samariterinnen und Sama­ riter wertvolle Unterstützung geben können. Ich wünsche eine spannende Lektüre, und tragt Sorge zu euch!

MATHIAS EGGER Vizepräsident Schweizerischer Samariterbund samariter 4/2021   3


6 ERSTE HILFE FÜR DIE SEELE

INHALT 10 WISSEN Gehirnerschütterungen kommen häufiger vor, als man denkt 14 AKTUELL Die Schaffhauser Polizei frischt in einem Firmenkurs ihr Wissen in Erster Hilfe auf 20 LEHRGÄNGE Praktischer Überblick über Kurse und Tagungen 2022 4  samariter 4/2021

25 SAMSAM 22 VEREINE UND Umfrage zur SamariterVERBÄNDE sammlung 2021. Teil uns Kurzmeldungen und deine Eindrücke mit Aktuelles von den Vereinen und Verbänden 26 BLUTSPENDE Sich mit dem Online-Impf24 MARIA FISCHER check informieren, ob zur Finanzielle Hilfe für die Blutspende zugelassen Vereine und Verbände in Bergregionen 27 NEUES AUS DEM WARENSHOP Von den Aktionen bis zum 20. Dezember 2021 profitieren


IMPRESSUM 12 INTERVIEW Benjamin Kuoni spricht über den aktuellen Stand der strategischen Ausrichtung des Projektes «Ausbau Business»

16 AKTUELL «Retten ist KLASSE» – ein Projekt, das der SSB zusammen mit der Rega speziell für Schulen konzipiert hat

«samariter» 4/2021 Erscheinungsdatum: 11. November Herausgeber Schweizerischer Samariterbund SSB Martin-Disteli-Strasse 27 Postfach, 4601 Olten Telefon 062 286 02 00 Telefax 062 286 02 02 redaktion@samariter.ch www.samariter.ch Abonnemente, Adressänderungen schriftlich an obige Adresse Abonnementspreis Einzelabonnement für Aussen­stehende: Fr. 33.– pro Jahr 4 Ausgaben pro Jahr Auflage: 22 600 Exemplare

28 SRK-FAMILIE REDOG – 50 Jahre Pioniergeist. Ein Blick in die Geschichte der Suchund Rettungsorganisation

30 SIE SIND DRAN Herausforderung Schwedenrätsel und Sudoku 32 AUS DEM ARCHIV Oskar Bernhard erkannte früh die Notwendigkeit des alpinen Rettungswesens

34 VEREINE UND VERBÄNDE Auszeichnung für vier Jugendgruppen des Samariterverbandes Unterwalden 35 SERVICE Meinungen und mehr

Redaktion Paolo D’Avino (pda) Matthias Zobrist (mzo) Westschweiz: Chantal Lienert (cli) Südschweiz: Mara Zanetti Maestrani (m.z.) Telefon 062 286 02 00 Telefax 062 286 02 02 redaktion@samariter.ch Postadresse: Redaktion «samariter» Postfach, 4601 Olten Inserate Fachmedien Zürichsee Werbe AG Laubisrütistrasse 44, 8712 Stäfa Telefon 044 928 56 11 Telefax 044 928 56 00 samariter@fachmedien.ch www.fachmedien.ch Layout, Druck, Versand Stämpfli Kommunikation, 3001 Bern staempfli.com Fotos Titelseite und Inhaltsverzeichnis: shutterstock

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SCHWERPUNKT  PSYCHOLOGISCHE ERSTE HILFE

ERSTE HILFE FÜR DIE SEELE Wie behalten Samariterinnen und Samariter einen klaren Kopf, wenn sie bei ihren Einsätzen mit Menschen konfrontiert werden, die seelisch überfordert sind? Oder was tun, wenn Helferinnen und Helfer selbst an die Grenze ihrer emotionalen Belastbarkeit kommen? Gabi Ceric von der Psychologischen Ersten Hilfe St. Gallen und Roger Staub von der Stiftung Pro Mente Sana geben Antworten, wie wichtig die Psychologische Erste Hilfe ist. TEXT: Paolo D’Avino 6  samariter 4/2021


Schlagkräftige Krisenmanager Gabi Ceric gehört seit 2006 zur Einsatzgruppe der Psychologischen Ersten Hilfe St. Gallen (PEH) und referiert auf Einladung des SV Widnau an der Vereinsübung an diesem Abend Ende September zum Thema Psychologische Erste Hilfe. Die PEH, ursprünglich eine für die Betreuung von Opfern und traumatisierten Helfern im Rahmen von Gross­ereignissen zuständige Gruppe, wurde Ende 2005 in eine Organisation umgewandelt, die auch bei der Bewältigung belastender alltäglicher Er­ eignisse zum Einsatz kommt. Eine heterogene Mannschaft. Die 50 Mitglieder der PEH stammen aus ganz unterschiedlichen Berufen. So auch Ce­ ric. Sie ist Seelsorgerin und arbeitet als Pfarreibe­ auftragte für die katholische Kirche in Oberriet.

Geschichten helfen

Bei der Psychologischen Ersten Hilfe geht es darum, sich auf einen Menschen einzulassen, der etwas Schlimmes erlebt hat. (Foto: shutterstock)

Es ist ein Satz, der es in sich hat und den Gabi Ceric oft zu Betroffenen sagt. «Sie reagieren völlig normal auf eine sehr aussergewöhnliche Situa­ tion.» Diese Aussage helfe den Menschen in der ersten Phase, das Unfassbare zu verstehen. Ein Unglücksfall komme immer unvorbereitet, und Betroffene seien in einer solchen Situation meist seelisch überfordert. «In der Fachsprache redet man von einer akuten Belastungsreaktion», klärt Ceric gleich zu Beginn ihres Vortrages beim Sa­ mariterverein Widnau (SG) auf. Eine solche Re­ aktion trete innerhalb weniger Minuten auf und könne über Stunden bis zu Tagen dauern.

«Sich auf einen Menschen einlassen, der etwas Schlimmes erlebt hat, seine Bedürfnisse aufneh­ men», so bringt Gabi Ceric ihre Tätigkeiten auf den Punkt. In den ersten Stunden gehe es darum, alle Massnahmen zu ergreifen, die dazu beitragen wür­ den, die Betroffenen im Schock zu schützen, zu be­ ruhigen und ihnen dabei zu helfen, das Geschehene so zu verarbeiten, dass eine erinnerbare Geschichte entstehe. «Eine solche sehr persönliche Geschichte in Wort und Bildern hilft, die Eindrücke besser zu ver­ arbeiten», erzählt Ceric in ihrem Referat. Die Mit­ tel der Psychologischen Ersten Hilfe seien vielseitig. Es helfe beispielsweise, wenn die betroffene Person Menschen habe, die ihr nahestünden und kontak­ tiert werden könnten. Oder, sie mit warmen Geträn­ ken oder Essen zu versorgen. Doch in den allermeis­ ten Fällen wollten die Menschen reden. «Und ich bin für sie da. So lange, wie es mich braucht», bemerkt Ceric, um hinzuzufügen: «Wer schweigen will, darf schweigen! Wer allein sein will, darf das auch.» «Das Aushalten ist das Schwierigste überhaupt», doch im Laufe der Jahre habe sie gelernt, den Gefühlen und den Wünschen der Betroffenen freien Lauf zu lassen. «Die Menschen reagieren in einer ausser­ gewöhnlichen Situation ganz unterschiedlich. Die einen packt die Wut, die anderen ziehen sich ins Schneckenhaus zurück.» Das müsse man respektie­ ren und aushalten.

Gefühle auffangen Welche Ereignisse und Einsatzsituationen beson­ ders belastend sind, zeigte die Seelsorgerin exem­ plarisch in ihrem Referat auf. «Es sind vor allem jene Erlebnisse traumatisierend, in denen Kinder, Jugendliche oder persönlich bekannte Opfer schwer samariter 4/2021   7


SCHWERPUNKT  PSYCHOLOGISCHE ERSTE HILFE

verletzt wurden oder zu Tode kamen», sagt Gabi Ceric. «Nicht zu meinem Auftrag gehören zum Bei­ spiel suizidverhindernde Gespräche, Intervention bei häuslicher Gewalt oder die Betreuung von Ver­ gewaltigungsopfern.» Die Einsätze im Kanton hät­ ten im Laufe der Jahre zugenommen. «Nicht weil es immer mehr schwerere Unfälle oder Naturkatastro­ phen gibt», hebt Ceric hervor. Das Milizsystem der Psychologischen Ersten Hilfe habe sich bewährt. «Wir können einiges auffangen und so das Risi­ ko von psychischen Beschwerden reduzieren.» Die PEH könne über die Sanitätsnotrufzentrale 144 jederzeit aufgeboten werden, und sie komme dann zum Einsatz, wenn die vor Ort zur Verfügung ste­ henden Organisationen an ihre Grenzen stiessen. «Diese Zusammenarbeit funktioniert bestens», er­ gänzt Ceric. Im Durchschnitt rückt die Einsatz­ gruppe rund 100-mal im Jahr aus. «Bis heute ist die PEH bereits in 74 Fällen im Einsatz gewesen.»

Betroffene nie allein lassen Wenn Gabi Ceric gerufen wird, weiss sie, was auf sie zukommt. Die Abläufe mit dem Rettungs­ dienst, der Feuerwehr und der Polizei sind zwar eingespielt, doch sie wiederholt es wie ein Mantra, dass es wichtig sei, die Betroffenen nicht allein zu lassen. «Das ist ein entscheidender Faktor», ansons­ ten bestünde grosse Gefahr, dass aus einer akuten Belastungsreaktion eine lang anhaltende psychi­ sche Erkrankung entstehe. «Und leider passiert das häufig», meint auch Roger Staub. Er ist Geschäfts­ leiter der Stiftung Pro Mente Sana. Die Stiftung hat das Programm «ensa – Erste Hilfe für psychi­ sche Gesundheit» in der ganzen Schweiz etabliert. «Laien lernen, frühzeitig Erste Hilfe zu leisten,

tigen. «Als Gesellschaft profitieren wir alle davon», denn würden Betroffene aus Angst vor einer Stig­ matisierung ihr Leiden verstecken oder keine Hil­ fe suchen, würde die Behandlung aufwendiger und unter Umständen die Prognose der Genesung schlechter. «Unbehandelt können psychische Be­ lastungen schlimmer werden.» Dass die Zeit Wun­ den heile, sei ein Irrglaube.

Ohne Vorurteile Oft würden sich die Symptome schleichend be­ merkbar machen. «Zuerst schläft man schlecht, dann häufen sich die Albträume, oder zunehmen­ de Lustlosigkeit drückt aufs Gemüt und Wohlbe­ finden.» «Oft muss man auf Antworten von Betrof­ fenen warten», was mühsam sein könne und das Umfeld schnell überfordere. Es beginne damit, dass ein Erste-Hilfe-Gespräch für psychische Ge­ sundheit gelernt sein müsse, sagt Staub. «Nach einem Erste-Hilfe-Kurs wissen die Teilnehmen­ den, wie sie Erste Hilfe leisten können, kennen die Hilfsangebote und bauen Distanz zu Betroffenen und Vorurteile ab.» «Mit mehr geschulten Ersthel­ fenden könnten Belastungen rechtzeitig vom Um­ feld aufgefangen und bei Bedarf viel früher und einfacher von Fachpersonen therapiert werden.»

• «Ohne Vorurteile auf Betroffene zugehen und sie nicht allein lassen.»

•

wenn Personen in ihrem Umfeld psychische Pro­ bleme oder Krisen durchleben. Psychische Krank­ heiten sind tabuisiert, wir sprechen nicht darüber: Daher wissen auch nur wenige, was sie in so einem Fall tun können.» Deshalb erachtet Staub es als zentrale Aufgabe, auch im psychologischen Bereich Erste Hilfe zu leisten und die betroffene Person zur Inanspruchnahme professioneller Hilfe zu ermu­ 8  samariter 4/2021

Gabi Ceric gehört seit 2006 zur Einsatzgruppe der Psychologischen Ersten Hilfe St. Gallen (PEH).


Die Samariterinnen und Samariter des SV Widnau (SG) hören der Referentin gespannt zu.

Auch die Helfer kann es treffen Keiner ist vor belastenden Ereignissen gefeit. Das gelte auch für Samariterinnen und Samariter, vor allem dann, wenn sie in ihrem Einsatz selbst an die Grenzen der Belastbarkeit gingen. «Nicht nur Op­ fer von Unfällen, Katastrophen und Gewalt sind dem Risiko ausgesetzt, traumatisiert zu werden, sondern auch deren Helferinnen und Helfer», sagt Gabi Ceric. Das Vermeiden des Unfallortes oder ein gesteigerter Beruhigungsmittelkonsum würden auf eine problematische Entwicklung hindeuten. Das Risiko dabei: «Beim Vermeiden bleibt die Er­ innerung an das Ereignis erhalten und wird nicht von neuen Erfahrungen überschrieben.» Deshalb empfiehlt Ceric, unter anderem, sich auch selbst zu beobachten, denn ein vermeidender Bewältigungs­ stil bringe nicht die erhoffte Besserung. Die Folge könnten Störungsbilder wie Depression, Angst­ störung, Psychose, Substanzmissbrauch und -ab­ hängigkeit, oder auch Persönlichkeitsveränderung nach einer Extrembelastung, sein. Bilder blieben im Kopf haften, wie dies auch an der Vereinsübung in Widnau zur Diskussion kam. Mit den rechtzeitig und richtig getroffenen Massnahmen der Psycho­ logischen Ersten Hilfe könne man das Risiko und psychische Beschwerden reduzieren und bei Perso­ nen mit erhöhtem Risiko frühzeitig weiter gehende Unterstützung einleiten, meint Ceric. «Man sollte sich auch nach einem Einsatz austauschen, über die Ereignisse sprechen, sich entlasten und sich selbst etwas Gutes tun.» Das hilft und ist genauso wirksam wie der Satz, den die Seelsorgerin oft am Anfang zu Betroffenen sagt.

WORAN IST SEELISCHE ÜBERFORDERUNG ZU ERKENNEN? Akute Belastungsreaktionen auf aussergewöhnliche Erlebnisse sind kurz, häufig und normal. • Vornehmlich vernünftiges Verhalten: Ausklammern von Gefühlen, fehlendes Empfinden von Schmerz sowie Erschöpfung • Vornehmlich gefühlsbezogenes Verhalten: Nichterkennen von Gefahren, kopflose Flucht, Betrieb­samkeit, Lach- und Weinanfälle, unaufhaltsamer Redefluss • Kindlich anmutendes Verhalten: Stottern, stammeln, wimmern, sich anklammern • Körperliche Symptome: Kalter Schweiss, Herzrasen, trockener Mund, weiche Knie, Zittern, Ohrensausen • Erstarren: Scheinbares Unbeteiligtsein, Verkennung der Umgebung, das Gefühl, nicht mehr sich selber zu sein, Schrecklähmung, Teilnahmslosigkeit Bei folgenden Stellen bekommen Sie Hilfe • Pro Mente Sana: Tel. 0848 800 858 (Normaltarif) • Die Dargebotene Hand: Tel. 143 • Für Kinder und Jugendliche: Tel. 147 • Notruf und Care-Teams: Tel. 144 Weitere Informationen • Erste-Hilfe-Kurse für psychische Gesundheit (ensa) www.ensa.swiss • Nationales Netzwerk Psychologische Nothilfe (NNPN) www.nnpn.ch • Care Teams Notfallseelsorge Schweiz www.cns-cas.ch Quelle: PEH des Kantons St. Gallen

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WISSEN

«Gehirnerschütterungen sind nie belanglos!» Eine Gehirnerschütterung ist meist von Kopfschmerzen oder Übelkeit begleitet. Sie ist die leichteste Form einer Schädel-Hirn-Verletzung. Typische Zeichen: Verwirrtheit, Erinnerungs­lücken und oft auch kurzzeitige Bewusstlosigkeit. TEXT: Paolo D'Avino

Die kürzlich angelaufene Produktion von Netflix gibt keine neuen Erkenntnisse über den Gesund­ heitszustand von Michael Schumacher. Der sie­ benfache Formel-1-Weltmeister zog sich beim Ski­ fahren in den französischen Alpen bei einem Sturz, trotz Helm, ein schweres Schädel-Hirn-Trauma zu. Es war ein tragischer Unfall. «So schlimme und lang anhaltende Folgen muss nicht jede Kopfver­ letzung haben», betont Dr. med. Peter Zangger, Facharzt für Neurologie, Mitgründer und Ehren­ mitglied von FRAGILE Suisse. Doch der Fall von Michael Schumacher zeige, wie das Leben schnell in eine andere, ungewollte Richtung gehen könne.

Leichte traumatische ­Hirnverletzung Gehirnerschütterungen (oder Commotio cere­bri) sind häufiger, als man denkt. Sie ereignen sich beim Sport, bei Verkehrsunfällen und vor allem bei Stürzen. Eine Gehirnerschütterung ist die leichteste Form eines Schädel-Hirn-Traumas oder eine «leichte traumatische Hirnverletzung», wie Peter Zangger sagt. «In der Schweiz erleiden pro Jahr rund 40 000 Menschen eine solche Verlet­ zung.» Kopfverletzungen sind eine häufige Unfall­ folge, mit denen auch Samariterinnen und Sama­ riter konfrontiert sind. «Die Symptome sind unterschiedlich. Meist sind es kürzere Bewusst­ seinstrübungen bis kurze Nicht-ansprechbarkeit», meint der Neurologe, der 35 Jahre Erfahrung im Umgang mit Hirnverletzungen hat. Doch es kön­ nen auch Gleichgewichtsstörungen oder Amnesien bis zu einem Tag auftreten. Typisch seien anfäng­ liche Benommenheit, Schwindel oder Seh- und Gedächtnisstörungen. «Verdächtig ist, wenn der Patient bewusstlos war, eine Erinnerungslücke be­ 10  samariter 4/2021

treffend Unfallhergang hat oder über Kopfschmer­ zen und Übelkeit klagt.»

Nicht unbeobachtet lassen Die Ursache jeder Hirnerschütterung sei eine gros­ se Kraft- oder heftige Schleudereinwirkung auf das Gehirn, erklärt Peter Zangger. Dabei «kann das Gehirngewebe gequetscht oder übermässig gezerrt werden». Eine Diagnose von aussen ist schwierig. «Es ist nicht auf den ersten Blick erkennbar, wie ernsthaft die Kopfverletzung ist.» Deshalb emp­ fiehlt Peter Zangger, für die Beurteilung des Ge­ sundheitszustandes den Glasgow Coma Score (GCS) anzuwenden. «Die Bewertung des Bewusst­ seinszustands erfolgt anhand von drei Kriterien.» Zu prüfen sei, ob der Patient die Augen spontan öffnen könne, ob er zusammenhanglose Laute von sich gebe und wie seine motorischen Fähigkeiten

• «Vor allem bei mehreren

durchgemachten Gehirnerschüt­ terungen kann es beim Heilungs­ prozess zu Komplika­tionen kommen.»

•

seien. Ihm ist bewusst, dass sich bei der Ersten Hilfe eine Kopfverletzung nicht immer nach sol­ chen definierten Standards beurteilen lässt. Oft reiche es, die Betroffenen für einige Stunden «aus dem Verkehr zu ziehen» und eine «lockere» Über­


Kopfverletzungen sind eine häufige Unfallfolge. In der Schweiz erleiden pro Jahr rund 40 000 Menschen eine solche Verletzung. (Foto: shutterstock)

wachung zu organisieren. «Bei Sportanlässen soll­ te der Patient dem Wettkampf fernbleiben.»

HINWEISE AUF GEHIRNERSCHÜTTERUNG

Das Credo: ernst nehmen Meist heilt eine Gehirnerschütterung bei den Be­ troffenen ohne langwierige Folgen innert Tagen aus. «In 85 Prozent der Fälle bleiben keine erkenn­ baren Folgen zurück.» Die grösste Gefahr besteht darin, dass sich eine Person durch einen erneuten Sturz wieder verletzt. Dann ist grosse Vorsicht geboten. «Vor allem bei mehreren durchgemachten Gehirnerschütterungen kann es beim Heilungs­ prozess zu Komplikationen kommen.» Bei Tests stelle man oft geringe Defizite fest. Beispielsweise in der Feinmotorik, beim Gleichgewichtssinn oder beim visuellen System. Das kann zu «einer gerin­ gen Zunahme von vorzeitiger Demenz führen». Gehirnerschütterungen sollte man also nicht auf die leichte Schulter und die Warnzeichen ernst nehmen. «Im Zweifelsfalle ist eine Spitaleinwei­ sung die beste Lösung», sagt der Neurologe und fügt hinzu: «Gehirnerschütterungen sind nie be­ langlos!»

• Kopfschmerzen • Übelkeit / Erbrechen • Bewusstlosigkeit • Ungewohnte Verhaltensweisen • Erinnerungslücken betreffend Unfallhergang FRAGILE Suisse Fragen zu Hirnerschütterungen oder anderen Hirnverletzungen? Bei FRAGILE Suisse, der Organisation für Menschen mit Hirnverletzung und deren Angehörige, erhält man weiter gehende Informationen: www.fragile.ch

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REDE UND ANTWORT

«Momentan sind wir die Nummer eins» Benjamin Kuoni ist seit Januar 2021 Leiter Bereich Bildung und Freiwilligenmanagement beim SSB. In seiner Funktion leitet er das strategische Teil­ projekt «Ausbau Business». Ein Überblick über den Stand des Projekts und die nächsten Schritte. INTERVIEW: Matthias Zobrist Das Ziel in der Strategie ist klar formuliert: die Nummer eins unter den Anbietern für Firmenkurse im Bereich der Ersten Hilfe zu sein. Wo stehen die Samariter heute? Benjamin Kuoni: Momentan sind wir die Num­ mer eins und haben auch alle Vorteile auf unserer Seite. Wir sind der einzige Anbieter, der für Fir­ menkunden in der ganzen Schweiz Kurse anbieten kann. Doch die Konkurrenz schläft nicht, wie eine von uns durchgeführte Marktanalyse zeigt. Bei den Kursen der IVR-Stufe 1 bis 3 haben wir rund 50 Mitbewerber, bei BLS-AED-Kursen etwa 500. Einige wie SIRMED oder seit Kurzem die Migros Klubschule sind bereits sehr gut aufgestellt. Und die Konkurrenz wird in den kommenden Jahren sicher noch deutlich stärker. Halten wir dieser Ent­ wicklung nichts entgegen, werden wir bald nicht mehr die Nummer eins sein.

Benjamin Kuoni will, dass die Samariter weiterhin der grösste Anbieter von ErsteHilfe-Kursen für Firmen bleiben.

Welches sind die grössten Herausforderungen?

Die grösste Herausforderung sehe ich in der inter­ nen Konkurrenzierung. Aus Sicht des Kunden ist es nicht nachvollziehbar, wieso er nicht überall dasselbe zum selben Preis erhält. Schliesslich steht überall der Name Samariter drauf. Das führt zu Verwirrung und unnötigem Aufwand für den Kunden. Wir müssen lernen, konsequent aus Kun­ densicht zu denken. Wie ist er aufgestellt? Was braucht und erwartet er? Will ein Kunde seine Mitarbeitenden in Erster Hilfe ausbilden, muss er unser Angebot rasch finden. Dieses muss leicht verständlich und unsere Preise so transparent wie möglich sein. Im Firmenkursbereich müssen wir Du hast den grossen Vorteil der schweiz- ein Bewusstsein im ganzen Verbund entwickeln, weiten Abdeckung herausgestrichen. dass wir stets als Samariter Schweiz auftreten, mit Liesse sich der besser nutzen? dem Ziel, für unsere Firmenkunden die bestmög­ Bei den Erste-Hilfe-Kursen sind wir eigentlich wie liche Erste-Hilfe-Ausbildung anzubieten. Migros und Coop – mit vielen Filialen in der ganzen Schweiz. Für Firmen mit verschiedenen Standorten Das hört sich sehr marktwirtschaftlich an. sind wir der einzige Anbieter, der in jeder Filiale Ist das kein Widerspruch für eine Freiwildasselbe Produkt anbieten kann. Und das in allen ligenorganisation wie die Samariter? Landessprachen, in Englisch und wenn nötig in In meinem Verständnis bewegen sich die Samari­ weiteren Sprachen. Doch diesen Vorteil geben wir terinnen und Samariter heute in zwei Welten. Im heute sehr leicht aus der Hand, indem jeder ein biss­ Kursbereich und Sanitätsdienst haben wir verita­ chen macht, wie er will. Je nach Region und Durch­ ble Marktsituationen mit immer mehr Mitbewer­ führungspartner erhält ein Firmenkunde sehr un­ bern, die ebenfalls profitorientiert arbeiten. Hier terschiedliche Kursangebote und erlebt teilweise gilt es, eine qualitativ hochwertige Dienstleistung sehr unterschiedliche Kurse. Dadurch können wir zu marktkonformen Preisen zu erbringen. Ich bin unseren Marktvorteil der schweizweiten Abde­ überzeugt, dass wir gegen unsere Mitbewerber nur ckung gar nicht wirklich nutzen. dann bestehen können, wenn wir konsequent

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marktwirtschaftlich und profitorientiert denken und handeln. Der grosse Unterschied zu unseren Mitbewerbern ist, dass wir den Gewinn nicht er­ wirtschaften, um uns selbst zu bereichern, sondern um die Tätigkeiten in unserer zweiten, gemeinnüt­ zigen Welt querfinanzieren zu können. Nur so können wir auch in Zukunft gemeinnützige Ange­ bote für bedürftige Menschen in unserer Gesell­ schaft erbringen und den Samaritergedanken wei­ ter vorantreiben.

STRATEGIE 2024

und aufzufrischen. Das zweite Modul, das sogenannte Advanced Individual Training, wird nach Kundenbedürf­ nissen ausgestaltet. Die Teilnehmenden können Erste-Hilfe-Massnahmen erlernen und trainieren, die auf für sie relevante Unfallrisiken und erlebte Vorfälle zugeschnitten sind. Als Letz­ tes wird man ein sogenanntes Testmodul buchen können. In einem Übungsszenario mit Figuranten werden Abläufe und Kompetenzen der Ersthelfen­ den vor Ort und unter realen Bedingungen getestet und ausgewertet.

Kern der neuen Business-Strategie ist ein ganzheitliches Konzept bestehend aus Beratungs- und Ausbildungsangeboten. Auch an der Organisation hinter den FirWas ist der Hintergrund für diesen An- menkursen soll sich etwas ändern. Was satz? bedeutet das für die Kantonalverbände Jeder Arbeitgeber ist von Gesetzes wegen für den und Samaritervereine? Gesundheitsschutz seiner Angestellten verant­ wortlich. Im Bereich der Ersten Hilfe muss er drei Voraussetzungen erfüllen: Er braucht ein ErsteHilfe-Konzept, das entsprechende Material und die sanitätsdienstliche Infrastruktur sowie eine bestimmte Anzahl ausgebildeter Ersthelfer. Mit unserem neuen Firmenkundenangebot «Erste Hil­ fe im Betrieb (SECO-TopTen)» wollen wir den Unternehmen in der Schweiz mit Beratung, Un­ terstützung und Ausbildung helfen, diese Grund­ voraussetzungen vollumfänglich zu erfüllen.

Wie sieht das Beratungsangebot konkret aus? Die Beratung ist dreistufig: In einem Erstgespräch wird der Istzustand analysiert, Defizite aufgedeckt und Empfehlungen für deren Behebung abgege­ ben. Bei Beratung Stufe 2 schaut sich eine unserer Fachpersonen vor Ort alles an und unterstützt das Unternehmen dabei, die Vorgaben zu erreichen. Auf Stufe 3 bieten wir dem Kunden im Abo-Ser­ vice eine Art Sorglospaket. Wir führen regelmässi­ ge Material- und Infrastrukturkontrollen durch, nehmen die entsprechenden Anpassungen direkt vor und ersetzen abgelaufenes Material.

Und der Ausbildungsteil? Das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO hat in seiner Wegleitung zur gesetzlichen Verordnung die TopTen der medizinischen Notfälle aufgeführt, bei denen Ersthelfende in einer Firma kompetent Erste Hilfe leisten können müssen. In unserem eintägigen Grundkurs decken wir diese zehn Not­ fallthemen ab. Laut Verordnung müssen ausge­ bildete Ersthelfer anschliessend regelmäs­sig Wie­ derholungskurse besuchen. Hier bieten wir drei halbtägige Modulvarianten an. Das erste Modul dient dazu, das erlernte Grundwissen zu festigen

Wie in der Strategie festgehalten, ist die Geschäfts­ stelle für Unternehmen mit Standorten in mehre­ ren Kantonen zuständig. Die Kantonalverbände für diejenigen mit mehreren Standorten in nur einem Kanton. Die Samaritervereine betreuen ih­ rerseits Unternehmen mit nur einem Standort in­ nerhalb des Vereinsgebiets. Daran ändert sich grundsätzlich nichts. Die Geschäftsstelle ist mit

•

«Im Firmenkursbereich müssen wir ein Bewusstsein im ganzen Verbund entwickeln.»

•

Hochdruck dabei, das Service Center Business aufzubauen, um ihre Kunden ab Juli 2022 mit dem neuen Produkt «Erste Hilfe im Betrieb (SECOTopTen)» bedienen und gleichzeitig die Verbände und Vereine bei Bedarf unterstützen zu können.

Das hört sich nach viel Arbeit an? Ja. Um das bewältigen zu können, bauen wir ein Team auf, das für die Kundenakquisition, Bera­ tung und Kursorganisation zuständig sein wird. Schliesslich werden wir einen Pool mit qualifizier­ ten Kursleiterinnen und Kursleitern einrichten, welche die Beratungen und die Kurse vor Ort durchführen werden. Interessierte Kantonalver­ bände können später im Rahmen eines Franchi­ sings das neue Kursprodukt, die IT-Infrastruktur sowie die Prozesse zur Abwicklung der Beratung, Unterstützung und Ausbildung nutzen, wenn sie gewisse Voraussetzungen erfüllen. samariter 4/2021   13


AKTUELL

Die Polizei – dein Ersthelfer Notfälle erfordern schnelles und richtiges Handeln. Das gilt auch für die ersten lebensrettenden Massnahmen. Die Schaffhauser Polizei frischt in einem Firmenkurs ihr ­Wissen in Erster Hilfe auf. TEXT und FOTOS: Paolo D’Avino

Professionelle Hilfe Verkehrs- und Arbeitsunfälle, Raubdelikte, Schlä­ gereien oder häusliche Gewalt sind nur einige der Notfallsituationen, mit denen ein Polizeikorps konfrontiert wird. Und bei solchen Einsätzen ist oft Erste-Hilfe-Kompetenz gefragt. Dieses Fach­ wissen holt sich die Schaffhauser Polizei alle zwei Jahre in einer Weiterbildung im Bereich «Sanitäts­ dienst». «Dabei ist die Wiederholung des Bereiches BLS-AED immer ein zwingender Bestandteil, während andere Inhalte wechseln», erklärt Ravi Landolt. Das könne beispielsweise ein Szenario­ training mit medizinischem Inhalt oder aber auch medizinische Themen im taktischen Bereich sein. «Gewisse Aufgaben führen wir mit eigenem Per­ sonal aus, doch für die wichtigsten lebensrettenden Massnahmen, beispielsweise die Wiederbelebung, sind wir auf professionelle Partner, die das nötige Wissen und auch die spezielle Ausrüstung mitbrin­ gen, angewiesen.»

Erhöhung der Flexibilität

Manuela Greco erklärt, wie eine bewusstlose Person in die stabile Seitenlage zu bringen ist.

Die Polizei ist vor Ort, der Rettungsdienst alar­ miert. Jede Minute zählt. «Die Mitarbeitenden im Frontdienst können immer in die Lage kommen, als erste Einsatzkräfte vor Ort zu sein», sagt Ravi Landolt, Chef Sicherheitspolizei bei der Schaff­ hauser Polizei. «Deshalb ist es nie ausgeschlossen, dass Polizistinnen und Polizisten Erste Hilfe leisten müssen. Bis die Sanitätskräfte eintreffen, erwarten wir, dass sie die nötigen Massnahmen einleiten.» 14  samariter 4/2021

Spezialistinnen und Spezialisten dafür sind bei­ spielsweise die Mitglieder der Samaritervereine im Kanton Schaffhausen. Rund 180 Polizistinnen und Polizisten werden in Etappen in ihrer Weiter­ bildung geschult, aufgeteilt in Gruppen von sechs Personen. Dass eine solche Anzahl überhaupt bewältigbar ist, machte erst eine Strategieände­ rung möglich. «Dafür haben wir eine Person an­ gestellt, die in einem 10-Prozent-Pensum alle Anfragen für Firmenkurse zeitnah betreut», sagt Jürg Geiser, Präsident des Kantonalverbands Schaffhausen. Mit der Auflösung des Stadtver­ eins Schaffhausen sei im Kanton ein weisser Fleck bei der Samaritersammlung, im Sanitätsdienst und eben bei den Kursen entstanden. «Bei den Firmenkursen mussten wir eine Lösung finden, weil einzelne Vereine mit diesen ‹am Anschlag›


waren.» Die Kursleiterinnen und Kursleiter seien berufstätig und könnten nicht an allen Tagen Fir­ menkurse durchführen.

Aufmerksames Kader Die von Jürg Geiser erwähnte Person ist Manuela Greco. An diesem Morgen im September ist diese in ihrem Element. Die Offiziere der Schaffhauser Polizei hören der Instruktorin aufmerksam zu. Für die Kursleiterin kein Grund, angespannter zu sein. Im Gegenteil. Es sei für sie eine schöne Erfahrung. «Es ist sehr interessant, ein Teil des Einsatztrai­ nings der Polizei zu sein», meint Manuela Greco. Und so erklärt sie den Offizieren, wie Patientinnen und Patienten in eine stabile Seitenlage zu bringen sind und was in Erstickungsnotfällen zu tun ist. Und sie instruiert die Polizisten in der richtigen Herzdruckmassage. «Es ist wichtig, dass sie an den Reanimationspuppen die Wiederbelebung bei Atem- und Herz-Kreislauf-Stillstand und den Ein­ satz des Defibrillators repetieren», erklärt Greco.

Fit für die Zukunft In den Firmenkursen sieht Jürg Geiser grosses Ent­ wicklungspotenzial. «Sie sind eine Möglichkeit, den Verband finanziell unabhängiger zu machen.» Geht es nach ihm, will er den Bereich wieder in ruhigere und vor allem zukunftsfähige Bahnen führen. Zum Teil seien früher im Kanton bei ver­ schiedenen Vereinen Offerten eingeholt worden, was unabwendbar zu unterschiedlichen Angeboten führte. Eine Konkurrenzsituation, der «wir mit der Schaffung dieser Stelle entgegenwirken, bevor es zu weiteren Unstimmigkeiten unter den Vereinen kommt», sagt Geiser. Die Unternehmen sollen ei­ nen Ansprechpartner haben. «Wir wollen eine ech­ te Alternative zu anderen Kursanbietern werden, frei nach dem Motto: Wir Samariter bieten das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis.» Dies nicht zum Nachteil der Vereine. «Die Kursleiter 2 der Vereine können auf Stadtgebiet ebenfalls Firmenkurse er­ teilen.» Zudem erhalten die Vereine eine Entschä­ digung, wenn sie Kursleiter und Material zur Ver­ fügung stellen. Jürg Geiser und Manuela Greco hoffen nun auf einen grossen Pool an Kursleitern 2, auf den beide zurückgreifen können.

Viel Herzblut Auf der Suche nach einem kompetenten Partner habe man sich für die diesjährige Aus- und Wei­ terbildung für den Samariterverband Schaffhau­ sen entschieden, betont Ravi Landolt von der Po­

Für den Erste-Hilfe-Einsatz repetieren die Polizisten die Reanimation.

lizei. «Ein Grund dafür war, dass uns fachkundige regionale Instruktoren mit modernem Trainings­ material zur Verfügung stehen.» Denn wenn er im Dienst auf Samariterinnen und Samariter treffe, stelle er immer wieder fest, mit wie viel Herzblut und Leidenschaft sie ihren Auftrag verrichten wür­ den. Ein wichtiger Dienst, so Landolt. Für die Be­ völkerung und auch für die hauptberuflichen Ein­ satzkräfte wie den Rettungsdienst oder die Polizei. «Normalerweise hat man nicht sehr viel Berüh­ rungspunkte mit der Polizei», betont Manuela Gre­ co. Sie geniesst den Moment, und sie freut sich auf eine weitere Zusammenarbeit. «Eine Kooperation mit der Polizei Schaffhausen besteht in diesem Sinne nicht.» Doch für Manuela Greco ein schöner Anfang, die Firmenkurse im Kanton Schaffhausen fit für die Zukunft zu machen. samariter 4/2021   15


AKTUELL

Lernen fürs Leben Der S ­ chweizerische Samariterbund und die Schweizerische Rettungsflugwacht Rega haben das Programm «Retten ist KLASSE – Erste Hilfe an Schulen» Anfang Januar 2021 lanciert. In diesem ­lernen die S ­ chülerinnen und Schüler im Notfall, Erste Hilfe zu leisten. TEXT: Paolo D’Avino  FOTOS: Gaëtan Bally Die Zahl lässt aufhorchen. Jedes Jahr verletzen sich Grundlagen kennenlernen gemäss Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) «Erste Hilfe zu leisten und in Notfallsituationen rund 49  000 Schülerinnen und Schüler an schnell und richtig zu handeln, ist keine Frage des Schweizer Schulen. Grund genug, ein Erste-Hilfe- Alters», sagt Melanie Fussen, Fachspezialistin für Pro­ g ramm ins Leben zu rufen. Getreu dem Jugend- und Freiwilligenmanagement beim SSB. Grundsatz «Nur nichts tun ist falsch» hat der Bereits einfache Massnahmen können dazu beitra­ Schweizerische Samariterbund (SSB) in Zusam­ gen, schlimme Folgen zu verhindern oder gar menarbeit mit der Schweizerischen Rettungsflug­ Leben zu retten. Hier setzt das Programm an. «In wacht Rega das Projekt «Schulsamariter» bereits einfachen und speziell auf Jugendliche ausgerich­ im Jahr 2015 ins Leben gerufen. Nun ist das Pro­ teten Sequenzen lernen die Schülerinnen und gramm komplett überarbeitet sowie an die aktuel­ Schüler, wie sie eine Notfallsituation erkennen, wie len Bedürfnisse der Schulen angepasst und im sie richtig handeln und sich kompetent verhalten.» Januar 2021 unter dem Namen «Retten ist KLAS­ Das Programm richtet sich an Lehrpersonen und SE – Erste Hilfe an Schulen» neu lanciert worden. Jugendliche ab 12 Jahren. «Dank modularem Auf­

Kurze Verschnaufpause: Die Übung an den MiniAnnes ist nicht ohne.

16  samariter 4/2021


Florian Wohlwend: «‹Retten ist KLASSE› ist eine sehr effektive Lehrmethode.»

bau lässt sich das Programm flexibel in den Unter­ in denen sie dieses Wissen vielleicht einmal brau­ richt integrieren», erklärt Melanie Fussen. Die chen können. Das motivierte auch Florian Wohl­ Unterrichtseinheiten seien so konzipiert, dass sie wend, das Programm in den Lehrplan einzubauen. ohne vertiefte Erste-Hilfe-Vorkenntnisse abgehal­ «Erste Hilfe kommt im Regelunterricht meist zu kurz. Dank dem Angebot kann ich als Lehrper­ ten werden können. son mit wenig Vorbereitung einen anregenden und kompetenzübergreifenden Unterricht durchführen», meint der Schaffhauser Lehrer. Lebensnah und modern Im Programm stehen die Kompetenzen der Schü­ lerinnen und Schüler im Vordergrund. «Retten ist KLASSE – Erste Hilfe an Schulen» vermittelt nicht Angewandte Praxis nur Erste-Hilfe-Wissen, sondern stärkt auch das Für die Klassen ist das Programm kostenlos. Das Verantwortungsgefühl, die Solidarität und die So­ Material wie das MiniAnne-Set und Verbandsma­ zialkompetenz der Kinder und Jugendlichen. Davon terial wird zur Verfügung gestellt. «Einzige Vor­ sind auch Stefanie Häfliger von der Schule Bero­ aussetzung dafür ist, dass alle Schülerinnen, Schü­ münster (LU) und Florian Wohlwend von der Pri­ ler und Lehrpersonen die Feedbackbogen an den SSB retournieren», sagt Melanie Fussen. Andern­ falls würde das Material den Schulen in Rechnung gestellt werden, ergänzt die Fachspezialistin. «Es ist sehr gutes Material», sagt Häfliger und räumt ein, dass sie für die Vorbereitung jedoch einiges an Zeit aufwenden musste. «Ich wollte einfach gut vorbereitet sein und habe auch die Hintergrund­ informationen gut durchgelesen.» Entsprechend marschule Beringen (SH) überzeugt. «Ich finde das motiviert waren die Jugendlichen. «Das direkte eine wunderbare Idee! Das Programm ist lebensnah, Ausprobieren und Anwenden kam sehr gut an», ansprechend und mit dem eBook sehr modern. Jun­ bestätigen beide Lehrpersonen. «Dank den vielen ge Menschen in der Oberstufe gehen langsam in den MiniAnne-Sets konnten die Kinder zu zweit ar­ Ausgang, kommen mit den Mofas oder den Bikes in beiten, was sehr intensiv war», meint Häfliger, und die Schule, besuchen Jugendvereine oder gehen in Wohlwend hebt hervor, dass «man im Unterricht die Badi», sagt Stefanie Häfliger. Alles Situationen, selten Zugang zu so viel Material hat».

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«Das direkte Ausprobieren und Anwenden kam sehr gut an.»

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samariter 4/2021   17


AKTUELL

Praktische Erfahrungen Den Lehrpersonen steht es völlig frei, wie sie das Programm in ihren Lehrplan integrieren. Prakti­ sche Beispiele stehen im Vordergrund, denn die «Wissensvermittlung soll Spass machen», so Mela­ nie Fussen. Das nötige Hintergrundwissen vermit­ telt das eBook. «Es enthält alle Unterlagen und Informationen.» Es seien keine Vorkenntnisse not­ wendig, zudem zeichne sich das Programm durch seine Vielseitigkeit und flexiblen Umsetzungsmög­ lichkeiten aus. «Die Anwendung hat sehr gut funk­ tioniert», sagt Häfliger. «Das Anwenden zeigte dann die Schwierigkeiten beim Arbeiten unter Zeitdruck auf.» Wohlwend hat ähnliche Erfahrun­ gen gemacht. «Es ist zentral, dass die Kinder und Jugendlichen ins Handeln kommen.» Gerade das Anlegen eines Druckverbandes könne nicht häufig genug ausprobiert werden.

Mehr als 100 Klassen «In der Deutschschweiz ist das Programm sehr gut angelaufen», betont Melanie Fussen sichtlich stolz. Mehr als hundert Klassen haben das Programm in den ersten zwei Quartalen 2021 absolviert. «All unsere Erwartungen sind übertroffen worden.» Nun sei man dran, das Programm auch in der Ro­ mandie und im Tessin bekannt zu machen. Vom Programm sind auch Stefanie Häfliger und Flori­ an Wohlwend begeistert. Die Erkenntnisse der Ersten Hilfe gingen über das Klassenzimmer hin­ aus. «Die Schülerinnen und Schüler gewinnen an Sicherheit und Selbstvertrauen», meint Stefanie Häfliger, und Florian Wohlwend betont: «Dank solchen Angeboten können materialintensive und kompetenzübergreifende Themen einfacher in den

Auch das Anlegen eines Druckverbandes ist Teil des Stoffes.

Unterrichtsalltag integriert werden.» Durch das projektorientierte Lernen würden sich die Jugend­ lichen in kurzer Zeit sehr intensiv mit einem The­ ma auseinandersetzen. «Eine sehr wirkungsvolle und effektive Lernmethode», meint der Primarleh­ rer. Das Programm läuft noch bis Ende 2022. So haben es die Rega und der Schweizerische Sama­ riterbund vorerst festgelegt.

WARUM ENGAGIERT SICH DIE REGA FÜR ERSTE HILFE AN SCHULEN? Markus Reichenbach, Leiter Rettungsdienst, Rega

Gemeinsam lernt sich besser.

18  samariter 4/2021

Nach einem Unfall oder einer akuten Erkrankung überbrückt meist eine Ersthelferin oder ein Ersthelfer die Zeit bis zum Eintreffen der professionellen Retter. In dieser Zeit kann richtiges Verhalten den Unterschied ausmachen und Leben retten. Je früher Kinder lernen, in Notfallsituationen richtig zu reagieren und Erste-Hilfe-Massnahmen anzuwenden, desto selbstverständlicher wird es für sie als Erwachsene, im Notfall richtig zu reagieren. Zum richtigen Verhalten gehört auch die Alarmierung: Wie können die Rettungskräfte alarmiert werden? Wann ist eine direkte Alarmierung der Rega via Rega-App oder Alarmnummer 1414 angezeigt? Die Schülerinnen und Schüler lernen unter anderem auch, dass am anderen Ende der Leitung kompetente Einsatzleiterinnen und -leiter sind, die das richtige Einsatzmittel aufbieten und auch Anweisungen zu Erste-HilfeMassnahmen geben können.


Da, um Ihr Leben zu retten. Wir stehen Tag und Nacht für Sie im Einsatz.

Jetzt Gönner werden: rega.ch/goenner


BILDUNG

Lehrgänge und Tagungen 2022 Kick-off Kurs Kick-off Kick-off Kick-off

Kurstage

Ort

Sprache

19.01.2022 04.04.2022 29.06.2022

online online online

DE DE/FR/IT DE/FR

Kursleiter Kurstage

Ort

Sprache

Kursleiter 1 IVR Lehrgang I, 4 Präsenztage

Kurs

23./24.04.2022 25./26.06.2022

Nottwil

DE

Kursleiter 1 IVR Lehrgang II, 4 Präsenztage Kursleiter 1 IVR Lehrgang III, 4 Präsenztage Kursleiter 1 IVR Lehrgang IV, 4 Präsenztage Kursleiter 1 IVR Lehrgang V, 4 Präsenztage Kursleiter 1 IVR Lehrgang VI, 4 Präsenztage Kursleiter Zielgruppenkurse Lehrgang I, 6 Präsenztage

11./12.06.2022 10./11.09.2022 11./12.06.2022 10./11.09.2022 27./28.08.2022 29./30.10.2022 03./04.09.2022 05./06.11.2022 10./11.09.2022 26./27.11.2022 09./10.04.2022 10.–12.06.2022 02.07.2022 27./28.08.2022 07.–09.10.2022 03.12.2022 27./28.08.2022 07.–09.10.2022 03.12.2022

Nottwil

FR

Bellinzona

IT

Nottwil

DE

Nottwil

FR

Nottwil

DE

Nottwil

DE

Nottwil

FR

Bellinzona

IT

Kurstage

Ort

Sprache

19./20.03.2022 13.–15.05.2022 02./03.07.2022 18./19.06.2022 16.–18.09.2022 19./20.11.2022 18./19.06.2022 16.–18.09.2022 19./20.11.2022 20.–21.08.2022 21.–23.10.2022 03./04.12.2022

Nottwil

DE

Nottwil

FR

Bellinzona

IT

Nottwil

DE

Kursleiter Zielgruppenkurse Lehrgang II, 6 Präsenztage Kursleiter Zielgruppenkurse Lehrgang III, 6 Präsenztage

Samariterlehrer Kurs Samariterlehrer SSB Lehrgang I, 7 Präsenztage Samariterlehrer SSB Lehrgang II, 7 Präsenztage Samariterlehrer SSB Lehrgang III, 7 Präsenztage Samariterlehrer SSB Lehrgang IV, 7 Präsenztage

Samariterinstruktor Kurs Samariterinstruktor SSB Lehrgang I, 4 Präsenztage Samariterinstruktor SSB Lehrgang II, 4 Präsenztage Samariterinstruktor SSB Lehrgang III, 4 Präsenztage

20  samariter 4/2021

Kurstage

Ort

Sprache

10.–13.11.2022

Nottwil

DE

10.–13.11.2022

Nottwil

FR

10.–13.11.2022

Bellinzona

IT


Passerellen Kurs

Kurstage

Ort

Sprache

Passarelle Kursleiter 1 IVR zum Samariterlehrer Lehrgang I, 5 Präsenztage

06.–08.05.2022 25./26.06.2022

online*

DE

Passarelle Kursleiter 1 IVR zum Samariterlehrer Lehrgang II, 5 Präsenztage

12.–14.08.2022 15./16.10.2022

online*

FR

Passerelle Kursleiter 1 IVR zum Samariterlehrer Lehrgang III, 5 Präsenztage

12.–14.08.2022 15./16.10.2022

online*

IT

Passerelle Kursleiter 1 IVR zum Samariterlehrer Lehrgang IV, 5 Präsenztage

16.–18.09.2022 05./06.11.2022

Nottwil

DE

BLS-AED SRC Generic Instructor** BLS-AED SRC Generic Instructor** BLS-AED SRC Generic Instructor** BLS-AED SRC Generic Instructor**

25.06.2022 29.10.2022 05.11.2022 05.11.2022

Nottwil Nottwil Nottwil Bellinzona

DE DE FR IT

* Vorwissen zur Teilnahme an digitalen Veranstaltungen wird vorausgesetzt ** Passerelle vom Samariterlehrer zum Kursleiter 1 IVR sowie vom Jugendtrainer zum Kursleiter 1 IVR

Tageskurse Kurs Moulagieren Moulagieren Visualisieren Visualisieren Arbeiten mit Kindern und Jugendlichen Arbeiten mit Kindern und Jugendlichen

Kurstage

Ort

Sprache

12.11.2022 13.11.2022 12.11.2022 13.11.2022 03.12.2022 03.12.2022

Nottwil Nottwil Nottwil Nottwil Olten Lausanne

DE FR DE DE DE FR

Ausbildungen Jugend Kurs Jugendleiter SSB Modul 1 Jugendleiter SSB Modul 2 Jugendleiter SSB Modul 1 Jugendtrainer SSB

Kurstage

Ort

Sprache

15.–18.04.2022 15.–18.04.2022 26.–28.05.2022 26.–28.05.2022

Les Paccots Les Paccots Wislikofen Wislikofen

FR/IT FR/IT DE DE

Tagungen Kurstage

Ort

Sprache

Kadervorkurs (KVK) Ausbilder Zentralorganisation Jugend + Erwachsene

Tagung

28.01.2022 29.01.2022

Nottwil Nottwil

DE/FR/IT DE/FR/IT

Kadertagung I Tagung kantonale Beauftragte Jugend Kadertagung II Kadertagung III Konferenz für Aus- und Weiterbildung Tagung kantonale Beauftragte Jugend

12.02.2022 26.02.2022 05.03.2022 12.03.2022 20.05.2022 29.10.2022

Nottwil Olten Nottwil Nottwil noch offen Olten

DE DE DE FR DE/FR/IT DE Änderungen vorbehalten

samariter 4/2021   21


VEREINE UND VERBÄNDE

SANITÄTSDIENST AM ­«DORFFEST EINSIEDELN»

GRÜNDUNG SAMARITERSENIOREN HÜRNTAL

EINSIEDELN (SZ) Ursprünglich hatte der Samariterverein Einsiedeln eine Vereinsreise geplant, die aber leider abgesagt werden musste. Dies nahmen die drei Samariter Sarah Schefer, Lucas Hänni und Francesco Bifulco zum Anlass, um eine spezielle Übung zu planen, die durch das ganze Dorf führen sollte. Unterstützt wurden sie durch den Rettungsdienst und die Feuerwehr Einsiedeln. So war Einsiedeln am 14. August 2021 fest in den Händen von Samariterinnen, Samaritern und der Samariterjugend. Sie wurden in sechs Gruppen aufgeteilt und diese mit kleinen und grossen Samaritern durchmischt. Danach begaben sich alle Teil­ nehmenden ausgerüstet mit einem Einsatzrucksack in verschiedene Richtungen ins Dorf. Hier hiess es ­jeweils einen Patienten oder eine Patientin behandeln. Unter anderem mussten sie eine Hirn­blutung, Schnittverletzungen, Sturzverletzungen, Brüche, ­ allergische Reaktionen, eine Hirnerschütterung oder eine Alkoholvergiftung behandeln.

DAGMARSELLEN (LU) Lange mussten die Samariterinnen und Samariter auf den feierlichen Akt warten. Coronabedingt ist er immer wieder verschoben worden. Doch am 28. Mai 2021 durfte die SamSen Hürntal die Gründungsfeier nachholen. Was am 7. November 2019 mit einer ersten Sitzung begann, wurde dann gebührend gefeiert. Zu den Gründungsmitgliedern gehören Uschi Lütolf, Esther Fellmann und Renate Vogt. Als Teilnehmerinnen der HelpOlympiade in Rebstein hörten Esther Fellmann und Renate Vogt zum ersten Mal von einer SamariterSenioren-Gruppe. Die Idee entwickelte sich, die Begeisterung war gross, die Idee entwickelte sich, und zusammen mit der Wunschvorstellung von Uschi Lütolf stand der Gründung der SamSen Hürntal nichts mehr im Weg. Schon an der Gründungsfeier wurden Erinnerungen an die gute alte Zeit ausgetauscht. So soll es gemäss den Gründungsmitgliedern auch bleiben. Ganz nach dem Motto «Weisch no ...».

Die kleinste Teilnehmerin und der sehr grosse Rucksack.

Die SamSen Hürntal. Von links nach rechts: Uschi Lütolf, SamSen-Leiterin, Romy Schenk, Pia Zemp, Edith Bucher, Walter Gassmann, Margrit Müller, Margrit Riedweg und Andreas Lütolf.

ZWEI GOLDENE HENRY-DUNANT-MEDAILLEN Bruno Wolf hat 1961 den ersten Samariterkurs absolviert. Danach liess ihn das «Samaritervirus» nicht mehr los. 1962 trat er dem Samariterverein Baden bei, wo er 1974 in den Vorstand gewählt wurde. Anschliessend leitete er die Geschicke des Vereins über zwei Jahrzehnte lang. Der Schweizerische Samariterbund hat ihm für sein grosses Engagement bereits 2003 die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Für seinen aussergewöhnlichen und langjährigen Einsatz wurde Bruno Wolf dieses Jahr vom Schweizerischen Roten Kreuz mit der goldenen Henry-Dunant-Medaille ausgezeichnet. Leider konnte sie ihm aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands weder an der Preisübergabe noch später überreicht werden. Bruno Wolf verstarb im Juni 2021. Monika Loser trat dem Samariterverein Weisslingen-Kyburg 1988 bei. Bereits ein Jahr später wurde sie in den Vorstand gewählt. Sie war über 30 Jahre aktives Vorstandsmitglied. 22  samariter 4/2021

Obwohl sie seit Längerem kürzertreten wollte, blieb sie dem Verein treu und unterstützte ihn tatkräftig. Letztes Jahr führte sie gar noch eine neue Buchhaltungssoftware ein. 2021 konnte sie ihre Aufgaben nun an das neue Vorstandsteam übergeMonika Loser bei der Verleihung der ben. Ihre Freude, Moti- goldenen Henry-Dunant-Medaille. vation und ihr Herzblut für die Belange der Samariter waren für ihre Vereinskolleginnen und -kollegen stets beeindruckend. Mit der goldenen Henry-Dunant-Medaille würdigt der Rotkreuzrat dieses aus­sergewöhnliche Engagement.


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08.10.21 09:35


AKTUELL

Ersthelfer in Berg­ gebieten gestärkt Die medizinische Grundversorgung in Berggebieten zu ­verbessern: Das war das Ziel von Maria Fischer. Wir stellen stellvertretend zwei Samaritervereine und einen Kantonal­ verband vor, die dank der finanziellen Unterstützung aus dem Nachlass der Ärztin Projekte lancieren konnten. TEXT: Paolo D'Avino Es ist ein Geschenk einer passionierten Hochgebirgsgängerin an die Schweizer Bergbevölkerung. Die Ärztin Maria Fischer (1904–1995) hat bei ihren vielen Bergtouren immer wieder festgestellt, dass Bewohnerinnen und Bewohner in Berggebieten oft eine schlechtere medizinische Grundversorgung haben als solche in «Nicht-Bergregionen». Wenn beispielsweise der Hausarzt einer Gemeinde oder einer Region in Rente geht oder aus dem Dorf wegzieht, ist es häufig sehr schwierig, teilweise gar unmöglich, eine bestehende Hausarztpraxis erneut zu besetzen.

Auf bau einer First-ResponderEinheit Eine Situation, die Edith Sprecher vom Samariterverein Vättis kennt. Das Dorf liegt weit hinten im Taminatal, und bis die Ambulanz in einem Notfall eintrifft, dauert es 30 bis 40 Minuten. Zu lang für Edith Sprecher: «Obwohl die Verletzungen sich unterscheiden und nicht immer eine Ambulanz gerufen werden muss, ist der Samariterverein Anlaufstelle für allerlei Blessuren oder Verletzungen.» Im Notfall sei man die einzige Betreuung vor Ort. Deshalb hat der Samariterverein bei der Geschäftsstelle des Schweizerischen Samariterbunds (SSB) ein Gesuch für Material zum Aufbau einer FirstResponder-Einheit eingereicht. «Diese soll das ganze Tal abdecken und mit ihren drei Standorten Vättis, Valens und Pfäfers den Einwohnerinnen und Einwohnern des ganzen Tals Sicherheit und mehr Unterstützung geben», meint Sprecher.

Notfallrucksäcke im Wallis Ganz im Sinn der Vergabekriterien war das Gesuch des Kantonalverbandes Valais Romand. 24  samariter 4/2021

Schon lange schwebte dem kantonalen Vorstand vor, verschiedene Schwachstellen der Samaritervereine zu beheben: namentlich die Einheitlichkeit, die visuelle Identität und die Qualität der Betreuung. Eine Idee war, die Samaritervereine über den Maria-Fischer-Fonds vollständig mit Notfallrucksäcken auszustatten. «Neben der verbesserten Qualität der Pflege, die diese moderne Ausrüstung

•

«Die Responder-Einheit soll allen im Taminatal Sicherheit geben.»

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bieten wird, verbessert sich auch die Qualität des Sanitätsdienstes wesentlich», sagt der Präsident des Kantonalverbandes Yvan Besse und ergänzt, dass im französischsprachigen Teil des Wallis nun 509 Mitglieder in den Genuss der Neuanschaffungen kommen werden. «Nur 4 von 21 Gemeinden zählen nicht zur Bergregion des Kantonalverbandes Valais Romand.»

Hilfe zur Selbsthilfe für Kinderbergsteiger Auch Samariter-Jugendgruppen sind in den Genuss von Beiträgen gekommen. So zum Beispiel im Kanton Glarus, wo rund 20 Kinderbergsteiger in Erster Hilfe ausgebildet worden sind. «Die erste gemeinsame Lektion fand am 3. Oktober 2021 statt», bestätigt Verena Kubli des Samaritervereins Netstal. Das Wissen wurde durch junge Samari-


Rund 20 Kinderbergsteiger im Kanton Glarus wurden in Erste Hilfe ausgebildet. (Foto: Thomas Kubli)

terinnen und Samariter vermittelt. Denn die Jugendlichen wissen um die Gefahr beim Klettern, Bergsteigen und Wandern. «Die Risiken sind beim Bergsteigen doch gross, und nicht immer sind Erwachsene in unmittelbarer Nähe. Da auch die Leiter Unfälle erleiden können oder auf Unterstützung angewiesen sind, sollen die Kinder darin ausgebildet werden», betont Verena Kubli. Auch in Zukunft will man die Hilfe zur Selbsthilfe beibehalten, wie Kubli ergänzt. «Erste Hilfe soll zu einem festen Bestandteil des Jahresprogramms der Kinderbergsteiger-Gruppe werden.»

Auskunft und Fragen berghilfe@samariter.ch

BERGREGIONEN SCHWEIZ In der Schweiz gelten alle Flächen ab einer Höhe von 800 m ü. M. als Berggebiet. Von den 2212 Schweizer Gemeinden liegen 814 in Bergregionen. Rund zwei Millionen Menschen leben im Berggebiet. Aus dem Maria-Fischer-Fonds wurden 100 000 Franken für Projekte der Samaritervereine in Berggebieten gesprochen.

UMFRAGE ZUR SAMARITERSAMMLUNG 2021 «Meine Mami ist Samariterin!» war das Thema der diesjährigen Samaritersammlung. Die Geschäftsstelle des SSB hat für die Kantonalverbände und Samaritervereine Sammlungsbroschüren, Ratgeber und Plakate drucken lassen und eine Vorlage für den Sammlungsbrief zum Ausdrucken erarbeitet. Um uns zu verbessern, sind wir auf Ihre Rückmeldungen angewiesen. Haben Sie bereits an der Umfrage teilgenommen? Falls nicht, sind wir Ihnen sehr dankbar, wenn Sie dies noch nachholen. Mit Ihren Antworten erhalten wir wertvolle Hinweise zu notwendigen und gewünschten Anpassungen für die künftige Aufbereitung von Materialien und für die Dienstleistungen für die Samaritersammlung. samariter 4/2021   25


PARTNERSEITEN

Ganz einfach: das Impfbüchlein nehmen und Impfungen im Online-Impfcheck eingeben.

ONLINE-IMPFCHECK VOR DER BLUTSPENDE Mit dem Online-Impfcheck können sich Spenderinnen und Spender selbst informieren, ob sie zur Blutspende zugelassen sind oder eine Wartefrist besteht. Er ergänzt den Online-Kurzcheck und den Online-Travelcheck.

TEXT und FOTOS: Blutspende SRK Schweiz Menschen, die voller Enthusiasmus zur Blutspende gehen und wieder nach Hause geschickt werden, weil sie kürzlich geimpft worden sind – solche Situationen der Enttäuschung will der OnlineImpfcheck vermeiden. Spenderinnen und Spender können jederzeit selbstständig den Impfcheck benutzen und erfahren, ob sie mit der nächsten Blutspende noch zuwarten müssen.

Rund 200 Impfstoffe Der Online-Impfcheck gibt Auskunft über die Wartefristen nach sämtlichen Impfungen, die in der Schweiz von Swissmedic zugelassen sind. Bei jedem einzelnen Impfstoff entscheidet eine Fachgruppe von Blutspende SRK Schweiz, welche Wartefrist bis zur nächsten Blutspende notwendig ist. Ausschlaggebend ist die Art des Impfstoffes. 26  samariter 4/2021

Kürzere und längere Fristen Bei vielen gängigen Impfungen, beispielsweise gegen Hepatitis A, Zeckenerreger oder Grippe, besteht eine Wartefrist von 48 Stunden. Diese Wartefrist gilt auch für die mRNA-Impfstoffe von Moderna und Pfizer/BioNTech gegen Covid-19, die in der Schweiz zugelassen sind. Es gibt jedoch auch Impfstoffe, die eine längere Wartefrist von bis zu vier Wochen zur Folge haben können. Dazu gehören die bekannten Impfungen gegen Typhus oder Gelbfieber, die häufig für aussereuropäische Reisen empfohlen oder gar obligatorisch sind.

Einfache Handhabung Beim Online-Impfcheck gibt man entweder den Impfstoff ein, den man kürzlich erhalten hat, oder den Impfzweck. Sogleich wird angezeigt, ob man Blut spenden darf oder noch zuwarten muss. Zusammen mit dem Online-Kurzcheck und dem Online-Travelcheck ergibt das eine optimale Vorbereitung der nächsten Blutspende. Helfen Sie uns, diese Services bei Blutspenderinnen und Blutspendern bekannt zu machen.

Mehr Informationen: www.blutspende.ch/blutspende


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Postenkoffer, gross, leer Perfekt für den grossen Einsatz. Der praktische Allzweckkoffer bietet viel Platz. Aus hochschlagfestem Kunststoff produziert, bietet der Koffer beispielsweise Stauraum für Material für die Wundversorgung, Verbandsstoffe aller Art, Utensilien zur Diagnostik und sonstiges Verbrauchsmaterial. Der grosse Postenkoffer wird folgendermassen geliefert: • 4× breite Schublade ohne Einteilung • 1× breite Schublade mit Einteilung • 3× schmale Schublade ohne Einteilung

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AUS DEN ROTKREUZ-ORGANISATIONEN

50 Jahre Pioniergeist Von einer kleinen Pionierorganisation zu einer tragenden Such- und Rettungsorganisation: 2021 blickt REDOG auf 50 Jahre Geschichte zurück. Die orange gekleideten Retterinnen und Retter mit ihren Hunden sind ein Symbol für die Soforthilfe für verschüttete und vermisste Menschen geworden. TEXT: Dagmar Wurzbacher FOTOS: REDOG Wer den Spiritus Rector von REDOG noch kannte, spricht mit grossem Respekt von ihm: «Ohne Urs Ochsenbein würde es REDOG nicht geben.» Ende der 1960er-Jahre entwickelten Hundeführerinnen und Hundeführer die Vision, mit ihren Lawinenspürhunden Menschen auch unter Trümmern zu orten. Der Pol in ihrer Mitte: Urs Ochsenbein, Publizist und einer der profundesten Kenner der Beziehung zwischen Hund und Mensch. Er wusste einen Hund rasch einzuschätzen. «Mit dem schaffst du es nie», konnte sein Urteil lauten. Oder das Gegenteil. Und er sollte immer recht behalten. Unermüdlich tüftelte die Gruppe an Trainingsmöglichkeiten, karrte eigenhändig Schutt heran und konstruierte Trümmerhaufen oder nutzte Hausabbrüche, um realitätsnah zu trainieren. Wie

aber entstand die Idee, Hunde für die Suche in Trümmern auszubilden? Peter Kradolfer, enger Wegbegleiter Ochsenbeins, meint bescheiden: «Vom Lawinenkegel zum Trümmerberg: Für die Sucharbeit war es eigentlich kein grosser Schritt.»

Der Weg zur nationalen Rettungsorganisation Der heute über 80-Jährige war erster Präsident und Namensgeber des SVKA, des Schweizerischen Vereins für die Katastrophenhunde-Ausbildung, wie REDOG bei der Gründung 1971 hiess. Peter Kradolfer war leidenschaftlicher Ausbildner. Zuerst von Lawinensuchhunden, später von Hunden für den Katastropheneinsatz. «Das Laufen in Trüm-

1979: Die Ausbildung des «Katastrophensuchhundes» wird offiziell in der Armee eingeführt.

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Die Technik unterstützt die Hundenase: 1982 eingeführt, wurde die technische Ortung stets moderner.

Ohne ihn würde es REDOG nicht geben: Urs Ochsenbein auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1984.

mern ist für Hunde nicht einfach. Da hat es Balken, Mauerteile, Armierungseisen, oft auch Glassplitter. Doch wenn sie selbstständig hinaufklettern und zu suchen beginnen – das ist etwas sehr Schönes und Beeindruckendes.» Seine Augen leuchten. Er sorgte dafür, dass die Schweizer Armee Hundeführer für die Katastrophenhilfe ausbildet. Noch heute können junge Menschen die Rekrutenschule als Milizhundeführer:in absolvieren. Nach Abschluss sind sie Mitglied von REDOG. Hunde helfen und begleiten den Menschen seit Jahrtausenden, doch als Retter werden sie erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts eingesetzt. Der Lawinenspürhund im Schnee, der Sanitätshund zum Aufspüren verwundeter Soldaten und der Trümmerhund, der Menschen während des Zweiten Weltkriegs in zerbombten Häusern aufspürte. «Es war Learning by Doing», erklärt Peter Kradolfer. Mit jedem Einsatz verfeinerten die Hundeführerinnen und Hundeführer die Ausbildung. Peter Kradolfer stand mit Urs Ochsenbein bereits vor der Gründung zweimal im Einsatz. Nach einem Unglück in der Sprengstofffabrik Dottikon und nach einem Felslawinensturz im Wägital. Beiderorts witterten die Hunde Gary und Ari Menschen unter Trümmern. «Das bedeutete, wir waren auf dem richtigen Weg.» Bald schon trainierten in der ganzen Schweiz lokale Gruppen. Mit dem Zusammenschluss im SVKA engagierten sich über die Sprachbarriere hinweg Deutsch- und Französischsprachige für die nationale Rettungshundearbeit. 1974 schloss sich der Kreis mit der Tessiner Gruppe.

Der internationale Durchbruch 1985 gelang REDOG in Mexico City international der Durchbruch. Beim Einsatz mit der Rettungskette Schweiz orteten die Hundeteams neun Menschen lebend unter den Trümmern. «Die

Nordjemen 1982: erster Einsatz im Rahmen der Rettungskette Schweiz.

Hündeler», und das meint der damalige Leiter der Rettungskette Schweiz, Toni Frisch, ganz und gar nicht despektierlich, «haben fantastische Arbeit geleistet, selbstverständlich in Zusammenarbeit mit allen beteiligten Teams. 1981 gehörte REDOG zu den Gründungsmitgliedern der Rettungskette, 1984 stiess REDOG als Rettungsorganisation zum Schweizerischen Roten Kreuz und leistet seither im Notfall Seite an Seite mit der SLRG, den Samaritern und dem Schweizerischen Militär-Sanitäts-Verband Hilfe für Menschen in Not. In seiner Gratulation zum Jubiläum sagt SLRGZentralpräsident Ruedi Schwabe anerkennend: «Wir von der SLRG freuen uns auf die nächsten 50 Jahre. Denn nur gemeinsam sind wir stark!»

Die Pionierarbeit heute Die partnerschaftliche Zusammenarbeit wird angesichts der möglichen Folgen der Erderwärmung noch wichtiger. Die Bereichsleiterin der Verschüttetensuche, Linda Hornisberger, hat erlebt, was dies bedeutet. Sie stand 2019 mit ihrem Border Collie im Wallis im Einsatz, nachdem ein Gewitter einen lieblichen Bergbach in einen reissenden Fluss verwandelt hatte, der zwei Menschen wegspülte. «Auf solche Naturereignisse, die zunehmen werden, müssen wir uns vorbereiten.» Der Pioniergeist der Gründerzeit hat REDOG während der 50 Jahre immer wieder geprägt. Als eine der ersten Organisationen prüfte REDOG in den 1980er-Jahren zusätzlich zu den Hundenasen den Einsatz der modernen Technik mit Kameras und Horchgeräten in Trümmern. Seit fünf Jahren werden Drohnen zur Suche vermisster Menschen im weitläufigen Gelände eingesetzt. Dank Spenden kann REDOG den hohen Standard der Professionalität und die Qualität stets den neuen Anforderungen entsprechend ausbauen. samariter 4/2021   29


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AUS DEM ARCHIV

Oskar Bernhard, Pionier der Bergrettung Dem Engadiner Arzt und Samariter Oskar Bernhard (1861–1939), der als einer der Ersten die Notwendigkeit der Bergrettung erkannte und mehrfach für den Nobelpreis nominiert wurde, ist eine Ausstellung gewidmet. Sie findet derzeit in Romano di Lombardia (Italien) im Rahmen der Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen des lokalen Alpenclubs statt. TEXT: SRK und Mara Maestrani FOTOS: SSB-Archiv

ken, von denen einige Reproduktionen (zusammen mit der gesamten Geschichte des Schweizer Arztes) in unserer Zeitschrift «Samariter» im Jahr 2015 veröffentlicht worden sind (Ausgabe 3, S. 4–6).

«Samariter in den Bergen; Alpine Rettung – Ausstellung von Lithografien des späten 19. Jahrhunderts»: So lautet übersetzt der Titel der Ausstellung, die vom 16. Oktober bis zum 14. November im «Museo d’Arte e Cultura Sacra», im Museum für Kunst und sakrale Kultur, in Romano di Lombardia zu sehen ist. Sie ist von der lokalen Sektion des italienischen Alpen-Clubs (CAI) anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Vereins organisiert worden. Eigentlich hätte die Feier letztes Jahr stattfinden sollen, doch pandemiebedingt wurde sie auf dieses Jahr verschoben. In der Ausstellung sind 40 Lithografien zu sehen: Es handelt sich um die berühmten «Lehrtafeln» der Bergrettungstechni-

Aber wer war Oskar Bernhard? Der Arzt, Sohn eines Apothekers, wurde in Samedan (GR) geboren und war ein grosser Förderer der Kranken­ pflege, zuerst in Graubünden, wo er 1895 in Samedan die Gründung des ersten Engadiner Spitals vorantrieb. Hier entwickelte er als Leiter der Klinik die Behandlung von Knochentuberkulose mit Sonnenlicht (Heliotherapie). Diese Entdeckung brachte ihm zwischen 1920 und 1932 sechs Nobel­ preisnominierungen für Medizin ein. In seiner Funktion als Bergführer und Präsident der Sektion Bernina des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) erkannte der Arzt auch schnell die Notwendigkeit,

Portrait von Oskar Bernhard.

Kunstvolle Vermittlung der Ersten Hilfe.

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die Bergrettung auszubauen. Zu dieser Zeit stieg vor allem in den Alpen die Zahl der Touristen und Bergsteiger, die sich zu Wanderungen und Klettertouren aufmachten. Mit der Popularität stieg auch die Zahl der Unfälle.

Die Kunst, Erste Hilfe zu lehren Im Rahmen der Kurse über «Erste Hilfe bei Verletzungen und plötzlichen Krankheitserscheinungen im Gebirge», die sich vor allem an SAC-Führer richteten, stellte der Arzt Oskar Bernhard 1891 grossformatige Lehrtafeln her, um die Rettungstechniken für Verletzte zu veranschaulichen und zu lehren. Die 55 Originaltafeln (von denen 40 ausgestellt sind) enthalten 173 Zeichnungen mit klaren Anweisungen. Farbige Zeichnungen, die Ästhetik und anatomische Präzision vereinen, waren buchstäblich der Renner. «Il Bernhard», wie ihn die Einheimischen nannten, wurde mit einem Diplom der Zürcher Gewerbeschule und einer Goldmedaille der Münchner Hygiene-Ausstellung ausgezeichnet.

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«Wenn du in einem unglück­ lichen Fall weise und gerecht gehandelt hast, ist das beste Lob das deines Gewissens, das heisst, dass du deinem Nächsten Gutes getan hast.» Oskar Bernhard

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1896 veröffentlichte er einen Leitfaden mit dem Titel «Samariterdienst, mit besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse im Hochgebirge». Die Anleitung zur Bergrettung wurde ins Französische, Italienische und Englische übersetzt und mit Unterstützung des SAC, des Deutschen und des Österreichischen Alpenvereins, des Schweizerischen Samariterbundes und des Roten Kreuzes mehrfach nachgedruckt. Dank der Zusammenarbeit zwischen dem Roten Kreuz und dem SAC wurden ab 1903 Führerinnen und Führer zu Kursen des SRK oder der Samaritervereine aufgeboten.

Lehrtafeln von Oskar Bernhard zur Ausbildung im alpinen Rettungswesen.

DIE AUSSTELLUNG – URSPRUNG UND ZWECK Wir wollten mehr über den Inhalt der Ausstellung in Bergamo erfahren und haben uns an Achille Piacentini, einen der Organisatoren, gewandt. Er ist Autor des Artikels «Il soccorso alpino a fine Ottocento», der im Jahrbuch 2019 des CAI von Bergamo (S. 229–232) veröffentlicht wurde. «Der Ursprung der Ausstellung ist kurios», sagte er uns. «Massenzio Salinas fand im Archiv der Bibliothek der CAI-Sektion Bergamo im Juni 2019 überraschend eine Mappe mit nicht weniger als 73 Drucken. 49 davon in Farbe und 24 in Schwarz-Weiss, die für SAC-Kurse verwendet wurden. Es war eine aussergewöhnliche Entdeckung, und Nachforschungen ergaben, dass es sich um die Originaltafeln einer allerersten Ausstellung in St. Moritz im Jahr 1895 handelte. Daraus entstand die Idee, eine Ausstellung zu organisieren, um an den Mann zu denken, der den Weg für die erste Bergrettung ebnete. Der 50. Jahrestag der CAI-Sektion Romano di Lombardia war der richtige Anlass dafür.»

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VEREINE UND VERBÄNDE

Erste-Hilfe-Filmprojekt ausgezeichnet Vier Jugendgruppen des Samariterverbandes Unterwalden ­erstellten gemeinsam ein Erste-Hilfe-Lernvideo. Mit diesem aufwendigen Projekt gewinnen sie den Credit Suisse Red Cross Youth Award 2021.

In unzähligen Arbeitsstunden haben vier Jugendgruppen des Samariterverbandes Unterwalden das Filmprojekt realisiert.

In unzähligen Stunden Freiwilligenarbeit haben vier Jugendgruppen des Samariterverbandes Unterwalden (Alpnach, Giswil, Kerns und Stans) ein Erste-Hilfe-Lernvideo mit sieben Unfall- und

CREDIT SUISSE RED CROSS YOUTH AWARD Das Kompetenzzentrum Jugendarbeit SRK und die Credit Suisse zeichnen herausragende Projekte von SRK-Jugendorganisationen (Samariterjugend, Jugend SMSV, Jugendrotkreuz, SLRG-Jugend) in den Bereichen Gesundheit, Rettung, Bildung und soziale Integration aus. Junge Menschen sollen mit dieser Unterstützung motiviert werden, Verantwortung zu übernehmen und sich innovativ und kreativ zu betätigen. Der 2019 zum ersten Mal verliehene Credit Suisse Red Cross Youth Award ist auch 2021 mit einer Preissumme von bis zu 10 000 Franken dotiert. Insgesamt wurden 2021 neun Projekte eingereicht. 34  samariter 4/2021

Krankheitsszenen erstellt. Gemeinsam wählten sie die Themenschwerpunkte, dachten sich die Geschichten aus und spielten diese. Die Filme werden nun für Übungen und Ausbildungen sowie für die Mitgliederwerbung eingesetzt. Rund 80 Freiwillige waren am aufwendigen Filmprojekt beteiligt. Die Jury ist beeindruckt von diesem herausragenden und sehr nachhaltigen Projekt. Gemäss den Projektleitenden werden die jungen Freiwilligen noch lange motiviert sein, da gemeinsame Erlebnisse verbinden und stärken. Ebenso konnten sie die wichtigsten Handgriffe der Ersten Hilfe verinnerlichen, da sie mehrmals für den Filmdreh wiederholt wurden. Schliesslich kann der Film vielfältig und über längere Zeit eingesetzt werden. Die Jury ehrt das Filmprojekt mit dem Credit Suisse Red Cross Youth Award 2021 im Wert von über 6000 Franken. Das SRK und die Credit Suisse gratulieren den Gewinnerinnen und Gewinnern und bedanken sich bei allen jungen Freiwilligen für ihr wichtiges Engagement.


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Kontakt Redaktion «samariter» Postfach, 4601 Olten redaktion@samariter.ch Ihre Leserbriefe senden Sie am besten per E-Mail oder Post an die Adresse der Redaktion. Der nächste «samariter» erscheint am 9. Februar 2022. Redaktionsschluss ist am 7. Januar 2022.

Ausgabe-Nr.

Redaktions­ schluss

Erscheinungs­ datum

01/2022

07.01.2022

09.02.2022

02/2022

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11.05.2022

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04/2022

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