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SAMARITER Das Verbandsmagazin des Schweizerischen Samariterbunds

Solidarität in der Pandemie 12 WISSEN

Wie Viren unseren Körper austricksen

14 AKTUELL

COVID-19 bestimmt den Terminplan

30 INTERVIEW

Roman Burkart über die Kreislaufstillstand-Strategie


JEDES ENGAGEMENT BRAUCHT EINE SOLIDE BASIS

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EDITORIAL

DA, WENN MAN UNS BRAUCHT Liebe Samariterinnen, liebe Samariter Die vergangenen Wochen und Monate waren eine grosse Herausforderung für uns alle, und noch ist nicht absehbar, wie sich die Lage weiter entwickelt. Sicher ist aber, dass wir als Samariterinnen und Samariter gemeinsam einen wichtigen Beitrag zur Pandemiebewältigung leisten. Als Erste-Hilfe-Organisation wissen wir: Jeder kann Leben retten. Aktuell tun wir genau das, indem wir uns an die Vorgaben des Bundes halten, die Verhaltens- und Hygienemassnahmen umsetzen und unsere Mitmenschen, die Gemeinden und Behörden unterstützen. Gehen wir als Vorbild voran, und vergessen wir dabei nie, wie wichtig der Selbstschutz ist: Denn nur wenn wir gesund bleiben, können wir anderen helfen. Praktisch alle von uns verfügen zudem über die IVR Stufe 2 und sind somit erprobt in Erster Hilfe auf verschiedene Arten. Einige von uns haben sogar den Pandemiekurs absolviert und können direkte Unterstützung anbieten. Ich weiss, dass sehr viele von Euch bereits einen wichtigen Beitrag geleistet haben und dies immer noch tun. Sei es bei Einsätzen für Gesundheitseinrichtungen, Gemeinden und Behörden oder bei

der Unterstützung von Partnerorganisationen. Andere helfen beherzt in ihrer direkten Nachbarschaft. Bereits der regelmässige Kontakt am Telefon, das Zuhören und Beruhigen können in dieser Zeit sehr viel bewirken. Für all die guten Samaritertaten danke ich Euch ganz herzlich! Ihr beweist damit vor allem eines: Auf die Samariterinnen und die Samariter ist Verlass. Auch in schwierigen Zeiten sind wir da, wenn man uns braucht. Das ist gelebte Solidarität. Durch unser gemeinsames Engagement können wir zeigen, dass wir alle zusammen die Samariter Schweiz sind. Gemeinsam sind wir stark. Als Samariterin bin ich gerade in solchen Zeiten ganz besonders stolz darauf, Eure Präsidentin sein zu dürfen und mit Euch diesen Weg zu gehen. Denn Samaritersache ist Herzenssache, in jeder noch so schwierigen Phase des Lebens. Ich wünsche Euch von Herzen viel Erfolg und vor allem: Bleibt gesund! INGRID OEHEN Präsidentin Schweizerischer Samariterbund samariter 2/2020   3


6 HELFENDE HÄNDE GEGEN CORONA 12 DIE WELT DER VIREN 14 COVID-19 BESTIMMT DEN TERMINPLAN 22 VOM AUSBRUCH ZUR PANDMIE 38 SO WIRKEN SEIFE, MASKE UND CO.

INHALT 15 AKTUELL Neue Wege in der Mittelbeschaffung Starke Partnerschaft für Erste-Hilfe-Wissen Mehr Spielspass im komplett neuen Erste-Hilfe-Spiel Grosses Interesse am Einführungskurs für Vorstandsmitglieder

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20 VEREINE UND VERBÄNDE Ostschweiz wählt Samariterin des Jahres Kurzmeldungen aus dem Vereinsleben 26 BLUTSPENDE Junge Männer braucht das Land 29 SIE SIND DRAN Rätsel und Sudoku

30 REDE UND ANTWORT Kreislaufstillstand: Deshalb braucht es eine nationale Strategie 32 DIGITAL Alarmierungssystem «made in Ticino» 34 WISSEN Unfall mit dem Elektroauto: Was Ersthelfer beachten sollten


IMPRESSUM «samariter» 2/2020 Erscheinungsdatum: 13. Mai Herausgeber Schweizerischer Samariterbund SSB Martin-Disteli-Strasse 27 Postfach, 4601 Olten Telefon 062 286 02 00 Telefax 062 286 02 02 redaktion@samariter.ch www.samariter.ch Abonnemente, Adressänderungen schriftlich an obige Adresse Abonnementspreis Einzelabonnement für Aussen­stehende: Fr. 33.– pro Jahr 4 Ausgaben pro Jahr Auflage: 22 600 Exemplare Redaktion Christoph Zehnder (cze) Matthias Zobrist (mzo) Stefanie Oehler (soe) Westschweiz: Chantal Lienert (cli) Südschweiz: Mara Zanetti Maestrani (m.z.) Sekretariat: Monika Nembrini Telefon 062 286 02 00 Telefax 062 286 02 02 redaktion@samariter.ch Postadresse: Redaktion «samariter» Postfach, 4601 Olten

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SCHWERPUNKT  SOLIDARITÄT IN DER PANDEMIE

DER KERN DES SAMARITERGEDANKENS Die Corona-Pandemie stellt das Samariterwesen auf eine harte Probe. Gleichzeitig ruft sie das Beste in den Samariterinnen und Samaritern hervor, die sich in einer schwierigen Zeit auf vielfältige Weise solidarisch zeigen. TEXT: Christoph Zehnder, Chantal Lienert und Mara Zanetti Maestrani FOTOS: Remo Nägeli, zVg 6  samariter 2/2020


Zeitpunkt nicht mehr als eine Randnotiz. Mit steigenden Fallzahlen in den Nachbarländern ändert sich das schnell. Ende Februar wird der erste Fall von Covid-19 im Tessin bestätigt. Die Massnahmen und Empfehlungen des Bundes haben grosse Auswirkungen auf das Samariter­ leben. Für Bevölkerungs- und Firmenkurse gelten zunächst neue Verhaltensregeln. Auf das Händeschütteln wird ebenso verzichtet wie auf das Beatmen der Übungspuppe. Teilnehmende sind aufgefordert, die Hygienemassnahmen strikt zu befolgen, und werden bei Krankheitssymptomen vom Kurs ausgeschlossen. Viele Sanitätsdienste werden nach dem Verbot von Grossveranstaltungen ohnehin hinfällig. Am 16. März erklärt der Bundesrat schliesslich die «ausserordentliche Lage» und verschärft kurz darauf das Versammlungsverbot. Der Präsenzunterricht an allen Unterrichtsstätten wurde bereits eingestellt. Damit sind ab Mitte März praktisch sämtliche Samariter­ aktivitäten auf Eis gelegt. Kurse, Übungen, Weiterbildungen, Versammlungen – alles wird abgesagt oder bis auf Weiteres verschoben.

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«Wer einen solchen Einsatz leistet, ist mit Herz und Seele Samariter.»

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Pragmatische Lösungen und Eigeninitiative

Samariter im Einsatz beim Corona-Drive-inTestzentrum in Bern.

Anfang Januar deutet noch wenig auf ein aussergewöhnliches Samariterjahr 2020 hin. In den Vereinen werden die ersten Monatsübungen durchgeführt, Jahresversammlungen und kommende Sanitätsdienste geplant, und nach den Feiertagen füllen sich auch die Anmeldeplätze für die Bevölkerungskurse wieder. Das neuartige Coronavirus ist zu diesem

Innert kurzer Zeit kommt ein grosser Teil des öffentlichen Lebens – und damit auch des Vereinslebens – zum Stillstand. Nur die Blutspende­a k­ tionen laufen weiterhin. Das Coronavirus hat aber auch in diesem Bereich einiges durcheinander­ gebracht. Während mancherorts Spender abgewiesen werden müssen, damit die Sicherheitsmassnahmen eingehalten werden können, fehlen andernorts langjährige Spender, weil sie einer Risikogruppe angehören. Aus demselben Grund können viele erfahrene Samariterinnen und Samariter nicht oder nur eingeschränkt an den Spendenaktionen teilnehmen. Kommt hinzu, dass viele Spendenlokale nicht mehr verfügbar sind. In solchen Situationen sind pragmatische Lösungen gefragt. «Wir haben einen kantonalen Pool eingerichtet, für den sich bereits etwas mehr als 30 Samariterinnen und Samariter angemeldet haben», sagt Véronique Stoller, Präsidentin des Waadtländer Kantonalverbands auf Anfrage. Ihre samariter 2/2020   7


SCHWERPUNKT  SOLIDARITÄT IN DER PANDEMIE

Genfer Amtskollegin Ariane Chassot ist derweil um die Situation der Ausbilder besorgt. Ihr Verband unterhält ein Team von professionellen Ausbildern, die derzeit nicht arbeiten dürfen. Für insgesamt acht Personen musste die Präsidentin deshalb Kurzarbeit beantragen.

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«Die Menschen fühlen sich sicher bei den Samaritern.»

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Im Tessin, das bekanntlich erheblich von Covid-19 betroffen ist, trifft es auch die Samariterbewegung besonders hart. In Anbetracht der vielen Einschränkungen hat der Kantonalverband die Zusammenarbeit mit dem Blutspendezentrum gesucht und vor allem junge Samariterinnen und Samariter aufgerufen, sich zu engagieren. Sei es beim Empfang oder beim Transport von Spendern. All das natürlich immer unter Einhaltung der gültigen Vorsichtsmassnahmen. Viele Tessiner Samaritervereine haben von sich aus Kontakt mit lokalen Behörden aufgenommen. Ihre Mitglieder erledigen Einkäufe oder kleinere Botengänge für gefährdete Mitmenschen. Samaritervereine in der ganzen Schweiz tun es den Tessinern gleich. Durch Eigeninitiative beweisen sie ihre Solidarität in einer schwierigen Zeit. In ihrem Umfeld, in Zeitungen, in sozialen Medien und auf anderen Kanälen bieten sie ihre Hilfe an. Spontan, unkompliziert und verlässlich unterstüt-

Probelauf für einen Abstrich im Drive-in-Testzentrum. Für diese Posi­ tion ist Vollschutz vorgeschrieben.

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zen sie die Gemeinschaft in der Pandemiesitua­ tion – genau so, wie sie im Notfall einer verletzten Person helfen würden.

Corona-Test bei den Samaritern Dank ihrer Ausbildung sind Samariterinnen und Samariter eine wertvolle Unterstützung für das öffentliche Gesundheitswesen. Das wissen auch die Behörden. Auf verschiedenen Ebenen wurde darum frühzeitig die Zusammenarbeit gesucht. In mehreren Kantonen stehen Samariterinnen und Samariter im Einsatz, um das Fachpersonal zu entlasten. Das Kantonsspital Luzern zum Beispiel hat Mitte März auf Notfallbetrieb umgestellt und seine Kapazitäten für die Behandlung von Covid-19-Patienten ausgebaut. Samariterinnen und Samariter leisten dabei einen wichtigen Beitrag. «Sie machen Abstriche für Schnelltests, prüfen die Vitalzeichen und kümmern sich um die Erstversorgung. In der Nacht unterstützen sie ausserdem die Bettenstationen», erklärt Claudia Schatzmann vom Kantonalverband Luzern. Sie koordiniert den Einsatz und kann auf einen Pool von rund 90 Personen aus allen Ecken des Kantons zurückgreifen. Die Aktion konnte auf Initiative von SSB-Zentralpräsidentin Ingrid Oehen, die am Luzerner Kantonsspital den Bereich Bildung leitet, innert kürzester Zeit umgesetzt werden. Es ging alles sehr schnell. Mittlerweile habe sich der Betrieb gut eingependelt, sagt Claudia Schatzmann. Trotzdem müsse man oft flexibel sein. Etwa dann, wenn es kurzfristig zu Ausfällen im Einsatzplan komme. Die Samariterin windet ihren Kolleginnen und Kollegen ein Kränzchen: «Höchstens zwei Anrufe braucht es, bis ein Ersatz gefunden ist. Alle sind sehr motiviert.» Diese gros­se Hilfsbereitschaft ist für sie der Kern des Samariterwesens: «Alle, die einen solchen Einsatz leisten, sind mit Herz und Seele Samariter.» Eine ähnliche Aufgabe wie ihre Luzerner Kollegen haben Anfang April Berner Samariterinnen und Samariter in einem Drive-in-Testzentrum in Bern übernommen. Mit der geplanten Eröffnung eines Walk-in-Testzentrums könnten insgesamt bis zu 1000 Tests pro Tag durchgeführt werden, auf Voranmeldung und ohne ärztliche Überweisung. Die Samariter machen Abstriche, erfassen die Personalien von Testpersonen und übernehmen administrative Aufgaben. «Pro Schicht stehen zehn bis zwölf Leute im Einsatz. Eine Schicht dauert jeweils vier Stunden», erklärt André Roggli vom Kantonalverband Bernischer Samaritervereine. Die Schichten sind so geplant, dass sie


Samariter und Militär-Sanitäter stehen gemeinsam im Einsatz.

sich überlappen und eine geordnete Übergabe stattfinden kann. Über 100 Personen aus verschiedenen Vereinen im gesamten Kanton haben sich auf den Aufruf des Verbands gemeldet. Die Einsatzbedingungen, etwa das Arbeiten im Vollschutzanzug, sind zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig. Auf der Abstrich-Position ist der Vollschutz aber zwingend. «Wenn jemand lieber nicht auf diesem Posten arbeiten will, ist das kein Problem», sagt André Roggli. Es werde ohnehin darauf geachtet, dass die Helfer immer wieder auf verschiedenen Positionen eingesetzt würden. Das mache den Einsatz auch interessanter. Der Berner Samariter und ehemalige Ausbilder ZO hat das Pilotprojekt auf dem BEA-Expo-Areal in Bern im Auftrag des SRK mit aufgebaut. Bis Redaktionsschluss liefen in mehreren Kantonen Abklärungen für weitere Testzentren nach dem Berner Modell. Wie bei einem Ersthelfer-Einsatz steht auch in den Testzentren der Selbstschutz an erster Stelle. Die Sicherheitsmassnahmen sind streng. In Lu-

zern umfassen die Anweisungen ganze sechs Seiten. In Bern übt man den richtigen Umgang mit Schutzmaterial unter anderem mithilfe von Schulungsvideos (zu sehen auf redcross.ch/schulungtestzenter), die in Zusammenarbeit mit der Sanitätspolizei Bern eigens zu diesem Zweck erstellt wurden. «Alle bekommen vor dem Start eine gründliche Einführung», sagt André Roggli. Eine umfassende Vorbereitung, gute Betreuung und klare Vorschriften sollen das Infektionsrisiko auf ein Minimum reduzieren. Sie stärken aber auch das eigene Sicherheitsgefühl, was gerade in dieser aussergewöhnlichen Situation wichtig ist. Koordinationsleiterin Claudia Schatzmann teilt Neulinge bei ihrem Ersteinsatz deshalb immer einer erfahrenen Person zu. Trotz aller Routine: Respekt vor dem Virus haben alle, Angst wäre aber fehl am Platz. «Wenn man sich an die Massnahmen hält, ist die Chance einer Ansteckung kleiner als beim Einkaufen», sagt Claudia Schatzmann. Und auch André Roggli weiss: «Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Solange man aber sauber arbeitet, kann eigentlich nichts passieren. samariter 2/2020   9


SCHWERPUNKT  SOLIDARITÄT IN DER PANDEMIE

Am Kantonsspital Luzern entlasten Samariter das Spitalpersonal. (Foto: zVg)

Darauf wird sehr geachtet.» Weder in Luzern noch in Bern war zum Zeitpunkt unserer Anfrage eine Ansteckung mit SARS-CoV-2 im Rahmen des Testbetriebs bekannt.

Auch die Öffentlichkeit nimmt Notiz von diesem Engagement. Allen voran natürlich jene, die sich testen lassen. «Wir erleben eine grosse Wertschätzung von den Menschen», bestätigt André Roggli. «Sie registrieren sehr wohl, dass es Samariter sind, die sie testen. Viele sind dafür sehr dankbar.» Ähnliche Erfahrungen macht man auch in Luzern: Die Rückmeldungen vom medizinischen Fachpersonal sowie von den Behörden sind sehr positiv, berichtet Claudia Schatzmann. Die zu testenden Personen bringen den freiwilligen Helfern zudem grosses Vertrauen entgegen: «Die Menschen fühlen sich sicher bei den Samaritern», sagt sie. Sie ist überzeugt, dass der Einsatz auch die Samariterinnen und Samariter selbst enger zusammenschweisst. Ob im Spital, in der Nachbarschaft, beim Blutspenden oder untereinander – Samariterinnen und Samariter beweisen mit ihren vielfältigen Aktionen während der Pandemiesituation eindrücklich, dass Solidarität – einer der sieben Rotkreuzgrundsätze – mehr als ein Schlagwort für sie ist. Sie ist der eigentliche Kern des Samaritergedankens. Solidarität ist eine Lebenseinstellung, die besonders in schwierigen Zeiten zum Vorschein kommt.

Ein gemeinsames Problem bewältigen Die Samariterinnen und Samariter sind bei ihren Einsätzen nicht allein. Sie handeln stets unter Anleitung von Pflege- und Fachpersonal und können sich bei Unsicherheiten auch an dieses wenden. In Luzern werden die Spitäler zusätzlich von der Armee unterstützt, in Bern arbeiten die Samariterinnen und Samariter gemeinsam mit Angehörigen des Schweizerischen Militär-SanitätsVerbands. Für Gärtchendenken ist in dieser Situation kein Platz. Alles muss funktionieren, man muss sich aufeinander verlassen können. Der gemeinsame Einsatz hat sogar einen positiven Ne-

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«Wir erleben eine grosse Wertschätzung.»

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beneffekt: Die verschiedenen Organisationen lernen sich besser kennen und schätzen. Wo zu anderen Zeiten ein gewisses Konkurrenzdenken nicht ungewöhnlich ist, arbeitet man jetzt Hand in Hand an der Bewältigung eines gemeinsamen, grösseren Problems. 10  samariter 2/2020

CORONAVIRUS, COVID-19 UND SARS-COV-2 Die verschiedenen Begriffe rund um das neuartige Virus sorgen oft für Verwirrung. In der Öffentlichkeit ist häufig schlicht vom Coronavirus die Rede. Streng genommen handelt es sich dabei um eine Virenfamilie, der auch das neuartige Virus angehört. Die wissenschaftliche Bezeichnung lautet SARS-CoV-2. Die Abkürzung steht für severe acute respiratory syndrome coronavirus 2 (schweres akutes Atemwegssyndrom Coronavirus 2). Covid-19 bezeichnet die durch das Virus ausgelöste ­Erkrankung und ist ebenfalls eine Abkürzung. Sie steht für coronavirus disease 2019 beziehungsweise Corona­virus­k-Krankheit 19. Die Nummer bezieht sich auf das Jahr 2019, in dem die Krankheit erstmals beschrieben wurde.


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WISSEN

Die Welt der Viren Viren sind der Auslöser für viele Infektionskrankheiten. Aber wie funktionieren Viren überhaupt, und warum sind sie so erfolgreich? TEXT: Christoph Zehnder

Sie befallen Menschen, Tiere, Pflanzen, Pilze und Bakterien und kommen so ziemlich überall vor. Ihr Aufbau ist relativ einfach, ihre Tricks umso erfolgreicher. Vermutlich sind sie so alt wie das Leben selbst, gelten aber allgemein nicht als Lebewesen. Manchmal machen sie uns krank, und manchmal sind sie sogar nützlich. Sehen kann man sie nur unter dem Elektronenmikroskop. Es gibt vieles, was wir noch nicht über Viren wissen. Aber eines ist sicher: Viren sind sonderbar.

Wandelndes Kopierprogramm Viren existieren in verschiedenen Formen und Grössen. Manche sind rund, andere eher stäbchenförmig. Die meisten untersuchten Arten messen im Durchmesser zwischen 20 und 300 Nanometer. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar ist etwa 60 000 Nanometer dick. Sie sind viel kleiner als Bakterien. Wie viele Viren es gibt, kann nur geschätzt werden. Alleine die Säugetiere sollen über 300 000 verschiedene Arten beherbergen. Identifiziert wurden bis heute zirka 3000. Im Wesentlichen bestehen Viren aus ihrem Erbmaterial in Form von Nukleinsäure und einer Proteinkapsel. Man könnte sagen: Viren sind ein wandelndes Kopierprogramm mit Ver­packung. Manche haben auch noch eine äussere Hülle, so auch die Coronaviren. Die Fortsätze auf deren Hülle erinnern an einen Kranz oder eine Krone, auf Lateinisch Corona. Viren besitzen keinen eigenen Stoffwechsel und können sich nicht selbstständig vermehren, was sie von den Bakterien unterscheidet. Für die Fortpflanzung benötigen sie die Zellen von anderen Organismen. Viruspartikel ausserhalb von Zellen bezeichnet man als Virion. Virionen docken an die Wirtszellen an und schmuggeln so ihr Erbgut hinein. Dazu brauchen sie aber den passenden Schlüssel. Sie können deshalb nur bestimmte Zellen befallen. Passt der Schlüssel nicht zum Schloss, findet 12  samariter 2/2020

keine Infektion statt. Kann das Virus aber in die Zelle eindringen, programmiert es diese zu einer Virenfabrik um. Die Zelle produziert dann neue Viruspartikel, die wiederum neue Zellen befallen. Dieser Kreislauf wiederholt sich immer wieder, sodass sich das Virus rasend schnell ausbreitet. Meistens sterben die befallenen Zellen bei diesem Prozess ab, der Körper wird krank.

Trickreicher Eindringling Sobald das körpereigene Immunsystem den Eindringling erkannt hat, setzt sich ein Abwehrmechanismus in Gang. Befallene Zellen werden neutralisiert, die Virenproduktion gestoppt. Nach einer Infektion erinnert sich das Immunsystem an den Erreger. Der Körper wird immun. Das Problem ist nur: Viren sind sehr anpassungsfähig und mutieren ständig. Das für die Grippe verantwortliche Influ-


enzavirus ist damit sehr erfolgreich. Indem es seine Oberfläche verändert, findet es immer wieder einen passenden Schlüssel. Darum muss auch bei jeder Grippewelle wieder ein neuer Impfstoff her. Durch Mutation können Viren die Artenbarriere überspringen. So kann es sein, dass ein Tiervirus plötzlich auch Menschen befällt. Wo Menschen und Tiere eng beieinanderleben, ist dieses Risiko grösser. Auch das neuartige Coronavirus steht im Verdacht, aus der Tierwelt auf den Menschen übergesprungen zu sein. Um von einer Person zur nächsten zu springen, gehen Viren unterschiedliche Wege. Einige verbreiten sich über Tröpfcheninfektion. Beim Husten, Niesen oder auch Sprechen gelangen sie in die Luft und so zum nächsten Organismus. Die Ansteckung über Berührung mit infizierten Personen oder kontaminierten Gegenständen nennt man Schmierinfektion. Manche Virenarten verschaffen sich Zugang mittels Insektenstichen, während andere nur durch den Austausch von Körperflüssigkeiten übertragbar sind.

Viren zur Heilung

Die Folgen einer Virusinfektion können ganz unterschiedlich sein. Viele Infektionen verursachen eine akute Erkrankung. Andere rufen nur leichte oder gar keine Symptome hervor. Herpes kann lange unbemerkt im Ruhezustand verharren, bevor es sich bemerkbar macht. Oft tut es das, wenn das Immunsystem bereits geschwächt ist. Andere Viren – zum Beispiel HIV – verursachen chronische Infektionen. Mittlerweise weiss man auch, dass manche Viren die Entstehung von Tumoren begünstigen können, zum Beispiel Hepatitis B und C.

Viren haben verständlicherweise einen schlechten Ruf. Sie haben aber auch nützlichen Seiten. Im Meer sorgen sie dafür, dass sich Algen nicht endlos vermehren. Im Körper halten sie schädliche Bakterien in Schach. Die Medizin hat gerade erst damit begonnen, ihre Eigenschaften zu nutzen. Viren haben also das Potenzial, neben all dem Leiden, das sie verursachen, zu wirksamen Werkzeugen im Kampf gegen andere Krankheiten zu werden.

Es ist oft gar nicht so einfach, zu erkennen, ob Bakterien oder Viren für eine Infektion verantwortlich sind. Für die Behandlung ist das aber wichtig. Gegen eine Vireninfektion sind Antibiotika zum Beispiel nutzlos (ausser es kommt zu einer Sekundärinfektion durch Bakterien). Das Gegenstück zu Antibiotika sind Virostatika. Diese Medikamente wirken auf den Stoffwechsel ein und können sehr starke Nebenwirkungen auslösen. Durch ihre grosse Anpassungsfähigkeit besteht zudem immer die Möglichkeit, dass die Viren resistent werden. Gegen viele Virenerkrankungen gibt es wirksame Impfstoffe. Durch die Impfung lernt das Immunsystem, wie es ein Virus bekämpfen kann. Durch gezieltes Impfen ist es möglich, ein Virus auszurotten. Gegen die Pocken ist das gelungen. Seit 1977 wurde keine Erkrankung mehr registriert. Die Entwicklung von Impfstoffen ist aber aufwendig. Die trickreichen Viren machen es der Wissenschaft nicht leicht. Noch immer wird zum Beispiel an Impfungen gegen HIV geforscht.

Viren unter dem Mikroskop (v. l.): Influenza, Masern, Coronaviren. (Fotos: CDC/Wikimedia)

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AKTUELL

Pandemie und ihre Folgen Was bedeutet die Pandemie-Situation für die Samaritertätigkeiten und geplante Veranstaltungen? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick. Welche Aus- und Weiterbildungen sind befen sich neu am 21. November 2020 in Frauentroffen? feld. Alle Lehrgänge und Weiterbildungen der Erwach- • Für die Herbstkonferenz musste ebenfalls ein senen und der Jugend sowie die geplanten WeiErsatzdatum gefunden werden. Neues Datum: terbildungstagungen bis Ende Juli 2020 wurden 23. Januar 2021. abgesagt. Bereits geleistete Arbeiten wie Vorbe- • Das Jugendlager (JuLa) des SSB, das am Pfingstreitungsaufträge, Praktika, Standortbestimmung wochenende in der Deutsch- und Westschweiz verfallen jedoch nicht. hätte stattfinden sollen, wurde abgesagt. Das nächste JuLa wird vom 22. bis 24. Mai 2021 Was bedeutet das für die Zertifizierungen? durchgeführt. Durch diese Absagen – wie auch diejenigen von Vereinsübungen – gehen Weiterbildungsstunden Wie wirkt sich die Pandemie-Situation auf die verloren. In Absprache mit den Zertifizierungsstel- Geschäftsstelle aus? len gelten für die Rezertifizierungen folgende Lö- Von der Geschäftsstelle werden diejenigen Aufgasungen: ben prioritär bearbeitet, die der Pandemiebewältigung dienen. Das heisst: die Unterstützung der • SRC: Das Zertifikat wird um sechs Monate über Kantonalverbände, der Vereine und der Samaritedie aktuelle Frist verlängert. rinnen und Samariter bei der Ausführung zusätz• IVR: Das Stufenzertifikat wird um sechs Mona- licher Aufgaben sowie die Pandemie-Information te über die aktuelle Frist verlängert. Den Verei- und -Kommunikation. Eine weitere zentrale Aufnen wird empfohlen, die Kurse samt Teilneh- gabe besteht in der Koordination der Pandemiemern stehen zu lassen und das Kursdatum zu bewältigung mit dem Schweizerischen Roten ändern, sobald ein neuer Termin feststeht. Kreuz (SRK), den Rotkreuz-Organisationen • SGS: Die SGS stellt betroffenen Kursleitenden (RKO) und Rotkreuz-Rettungsorganisationen für die Zeit vom Rezertifizierungsdatum bis (RK-RO) sowie mit den Behörden (national und 31. Dezember 2020 ein temporäres Kompetenz- kantonal). Anfragen, Aufträge und Anliegen, die zertifikat aus. Es handelt sich um eine automa- nicht im Zusammenhang mit der Pandemiebewältische Verlängerung, sofern die Rezertifizierung tigung stehen, werden bis auf Weiteres nicht prionicht bereits ordentlich beantragt wurde. An- ritär behandelt. Die Geschäftsleitung und der schliessend wird für die Restlaufzeit ein neues Zentralvorstand haben zudem ein Pandemie-Team offizielles Zertifikat ausgestellt. gebildet. Mit Pandemie-Newslettern werden Verbände und Vereine laufend über die aktuelle SituFindet die Samaritersammlung statt? ation informiert. Sämtliche Informationen sind Aufgrund der Pandemie-Situation verzögert sich auch im Extranet verfügbar. (SSB) auch die Samaritersammlung (SamSam). Anstatt wie geplant vom 24. August bis 5. September findet sie voraussichtlich in den Kalenderwochen 39/40 vom 21. September bis 3. Oktober 2020 statt. Welche weiteren Anlässe sind betroffen? • Die Präsidentenkonferenz, die am 21. und 22. März 2020 hätte stattfinden sollen, wird am 22. August in Nottwil durchgeführt. • Die Abgeordnetenversammlung musste ebenfalls verschoben werden. Die Abgeordneten tref14  samariter 2/2020

WICHTIGER HINWEIS

Die aufgeführten Daten und Informationen entsprechen dem Stand zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses und können aufgrund der dynamischen ­Situation kurzfristig ändern. Beachten Sie bitte die aktuellen Informationen im Extranet.


AKTUELL

NEUE WEGE ZUR MITTELBESCHAFFUNG Im April wurde ein Spendenmailing an rund zwei Millionen Haushalte in der deutschund französischsprachigen Schweiz versandt. Der grossartige Einsatz der Samariterinnen und Samariter im Rahmen der Pandemiebewältigung macht die Wichtigkeit unseres Milizsystems für die Bevölkerung besonders deutlich. Allzu häufig aber geht im Alltag vergessen, welche wichtigen Aufgaben das Samariterwesen Tag für Tag übernimmt. Voraussetzungen dafür sind der unermüdliche Einsatz der Samariterinnen und Samariter in der Ersten Hilfe wie auch die Sicherstellung der für solche Einsätze erforderlichen Aus- und Weiterbildungen und Übungen. Die Beispiele aus der Pandemiebewältigung erinnern daran, wie wichtig das Samariterwesen ist und dass wir auf allen Ebenen unseres Verbundes auf Spenden angewiesen sind. Dabei spielt Aktualität eine zentrale Rolle. Die Samaritersammlung konnte aufgrund der dafür benötigten Vorlaufzeit nicht kurzfristig früher durchgeführt werden. Aus­ serdem hätten die vom Bund verordneten Schutzmassnahmen die Sammlungsaktivitäten der Vereine verunmöglicht. Mit Spendenmailings können ausserdem zusätzliche Personen erreicht werden.

Eine solche Ausweitung der Spenderbasis ist für die Samariterinnen und Samariter für die Zukunft wichtig. Seit Beginn der Pandemie übernehmen sie wichtige Aufgaben und entlasten Behörden sowie Gesundheitseinrichtungen oder unterstützen Privatpersonen. Es haben jedoch nicht alle Verbundsmitglieder Leistungsverträge mit Kantonen oder Gemeinden. Das hat auch Auswirkungen auf die finanzielle Situation der Vereine. Aus diesem Grund und aufgrund der Rückmeldungen im Strategieprozess wurden in Anbetracht der ausserordentlichen Lage neue Wege der Mittelbeschaffung gewählt. Die Spenden werden direkt und indirekt an die Vereine gehen: Direkt, da ein Anteil der Spenden an die Kantonalverbände ausgeschüttet wird, die diese Mittel an ihre Samaritervereine weitergeben können. Und indirekt, weil aufgrund der Spenden die finanzielle Situation des Schweizerischen Samariterbunds so verbessert werden soll, dass weniger Mittel durch die Verbände und Vereine eingebracht werden müssen. (SSB)

PARTNERSCHAFT ZWISCHEN SRK UND HELSANA SRK und Helsana haben einen Partnerschaftsvertrag unterzeichnet. Davon profitieren auch Samaritervereine und Kantonalverbände. Helsana und das Schweizerische Rote Kreuz • Die Geschäftsstelle übernimmt zur Entlastung (SRK) engagieren sich beide für die Gesundheit der Verbände und Vereine die Kommunikation der Gesellschaft. Unter dem Motto «Zwei starke und auch die Rabattabwicklung. Partner fürs Leben!» sind sie deshalb eine dreijährige Partnerschaft eingegangen. Die Partnerschaft umfasst die Themenbereiche «Entlastung Unterstützung für Samariter betreuende Angehörige» und «Erste Hilfe». Die im Pandemieeinsatz Umsetzung im Bereich «Erste Hilfe» erfolgt in Aus aktuellem Anlass leisten die Partner einen geenger Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen meinsamen Beitrag zur Bewältigung der CovidSamariterbund. Davon profitieren auch die Kan- 19-Pandemie. Helsana spendet dem SRK eine tonalverbände und Samaritervereine: Million Schweizer Franken. Damit werden Schutz• Kunden und Mitarbeitende von Helsana werden material für den Freiwilligendienst und Unterzum Besuch von Erste-Hilfe-Kursen motiviert stützungsangebote des SRK und der SRK-Retund erhalten Rabatt. Dieser wird über die Part- tungsangebote finanziert. Samaritervereine und nerschaft finanziert, den Vereinen und Verbän- Kantonalverbände, die einen Einsatz zur Pandeden entstehen keine Einbussen. miebewältigung leisten, können für ihre Projekte • Durch die schweizweite Sensibilisierung für Ers- ebenfalls Unterstützung beantragen. (SSB) te Hilfe rückt das Thema stärker in den Fokus, und damit auch die Arbeit der Samariterinnen INFORMATIONEN AUF: und Samariter. redcross.ch/de/coronavirus/intervention samariter 2/2020   15


AKTUELL

Mehr Spielspass im Nothilfekurs Das Erste-Hilfe-Spiel des SSB ist ein wichtiges Element im Selbstlernteil des Nothilfekurses Blended Learning. In den vergangenen Monaten erhielt es eine intensive Auffrischungskur.

TEXT: Matthias Zobrist Mit der Lancierung des Nothilfekurses Blended Learning 2012 hat der SSB auch ein Erste-HilfeSpiel veröffentlicht. Eigenständig und auf spielerische Weise können sich die Kursteilnehmer/innen via Handy oder Tablet Erste-Hilfe-Wissen aneignen: Handelt es sich bei den dargestellten Situatio­nen überhaupt um einen Notfall? Wo lauern Gefahren? Wie muss ich alarmieren? All das vermitteln die verschiedenen Minispiele. Um den gesamten Parcours abschliessen zu können, ist nebst Grundlagewissen für den Notfall auch Geschicklichkeit gefragt. So muss der Spieler zum Beispiel durch Heben und Senken des mobilen Gerätes eine Herzdruckmassage bei einem Patienten durchführen, bis die Ambulanz eintrifft. Dabei erhält er ein Gefühl für den Rhythmus und die Frequenz, die bei der Reanimation empfohlen sind. Die definierten Lernziele und die Spielinhalte, die zu deren Erreichen beitragen, wurden allesamt vom Bundesamt für Strassen (ASTRA) geprüft. Damit ist das Spiel offiziell als Teil der Ausbildung anerkannt und das spezielle Kursangebot als Gesamtpaket von der Prüfstelle Société Générale de Surveillance SA (SGS) zertifiziert.

Rückmeldungen ernst genommen Die erste Version hatte einige Schwachpunkte. Das ging unter anderem aus einer Evaluation hervor, die der SSB 2018 bei Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Selbstlern-Nothilfekurses durchge16  samariter 2/2020

führt hatte. Der Kurs als Ganzes erhielt gute Noten. Das Erste-Hilfe-Spiel wurde dagegen teilweise kritisch bewertet. Einerseits wurden technische Mängel angeführt: Der benötigte Speicherplatz der App sei zu gross oder die Bedienung des Spiels mühsam und fehlerhaft. Anderseits wiesen Kommentare darauf hin, dass das Spiel zu wenig zur Vermittlung des Nothilfewissens beitrage. Auch aus den Reihen der Kursleiter/innen gab es Anstös­ se, was zu verbessern wäre. Die Rückmeldungen wurden ausgewertet, analysiert und ein Konzept für eine Überarbeitung erstellt. Klar war, dass bei dieser Gelegenheit die Grafiken und Animationen komplett überarbeitet werden sollten. Sie wurden nämlich von verschiedener Seite als zu kindlich und nicht sehr modern kritisiert.

Auf der ganzen Linie verbessert Seit diesem Frühling ist die neue Version nun im Google Play Store und im App Store von Apple erhältlich. Was auf Anhieb ins Auge sticht, ist natürlich die neue Grafik. Alle Illustrationen und Animationen wurden komplett neu gemacht. Das Erscheinungsbild kommt jetzt der jugendlichen Zielgruppe angepasst daher. Viel investiert wurde daneben in die Benutzerfreundlichkeit. War die Bedienung früher an gewissen Stellen des Spiels etwas umständlich oder holperig, spielt es sich heute flüssig. Zudem wurden zwei Spielsituationen komplett neu konzipiert und allgemein die Wis-


Eine Etappen des Parcours, in der Spielfigur Alice eine Notfallsituation antrifft.

sensvermittlung stärker gewichtet. Zu guter Letzt erhielt das Spiel einen neuen Namen: Erste-HilfeParcours. Damit wird besser zum Ausdruck gebracht, dass der Spieler mit dem neuen Aufbau die einzelnen Schritte in einem Notfall bewältigen muss: Notfall feststellen, Gefahren erkennen, alarmieren, Patient beurteilen, helfen. Bei der Gestaltung der neuen Version wurde auch die Basis der Samariter einbezogen. Beispielsweise konnten verschiedene Kursleitende ihre Meinung zur Auswahl des Illustrators äussern oder sich inhaltlich einbringen. Nebst dieser Innensicht war das ASTRA bei der Konzepterstellung eng eingebunden. Dadurch war stets sichergestellt, dass die Überarbeitung nicht plötzlich zum Bumerang bei der Zertifizierung wird. Mit der überarbeiteten App gewinnt der Nothilfekurs Blended Learning nochmals deutlich an Attraktivität. Und vielleicht laden künftig nebst den Kursteilnehmenden vermehrt andere Interessierte das Gratis-Spiel herunter und lernen auf dem Erste-Hilfe-Parcours, wie sie im Notfall richtig reagieren.

Vermitteltes Wissen: Wie macht man einen Druckverband.

Geschafft: Alle Posten des Parcours sind gemeistert.

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Da dank Gönnern. Unsere Gönner halten uns in der Luft und ermöglichen uns, jährlich mehr als 11’000 Menschen zu helfen.

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AKTUELL

STARTHILFE FÜR NEUE VORSTANDSMITGLIEDER TEXT: Matthias Zobrist

Wer hat eigentlich den Schweizerischen Samariterbund (SSB) gegründet? Nicht wenige würden bei dieser Frage wohl auf Henry Dunant tippen. Schliesslich werden die Ehrenmitglieder des SSB mit einer Medaille ausgezeichnet, auf der das Gesicht des Begründers des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz zu sehen ist. Doch am Ursprung des Samariterwesens in der Schweiz steht ein deutlich weniger bekannter Mann: Ernst Möckli. Er hat 1884 den ersten Samariterkurs veranstaltet. Und vier Jahre später haben sich dank seiner Initiative die ersten 14 Samaritervereine zum SSB zusammengeschlossen. Dort setzt der kostenlose Kurs «Einführung für neue Vorstandsmitglieder» an.

Vom Ursprung bis zu aktuellen Herausforderungen Für die tägliche Arbeit der Samariterinnen und Samariter mag dieses Wissen zwar nicht entscheidend sein. Doch den Ursprung und die Entwicklung des SSB zu kennen, kann auch das Verständnis für die heutige Verbundsstruktur fördern – und im Idealfall zu einer gemeinsamen Identifikation

beitragen. «Das ist ein schöner Nebeneffekt des Kurses», meint Kursleiter Roger Hayoz. «Ich sehe den Hauptnutzen für die Teilnehmenden aber vor allem darin, dass sie sich mit der aktuellen Struktur des Samariterbunds und mit der Geschäftsstelle in Olten vertraut machen können. Und es ist eine gute Gelegenheit, um sich mit anderen Samaritern auszutauschen und zu vernetzen.» Zum Teil über die Geschäftsstelle gehören auch die verschiedenen Dienstleistungen, welche die Vereine nutzen können: zum Beispiel der Printshop, die Lehrmittelplattform oder das Extranet, wo viele Vorlagen und eine Menge Wissenswertes für die Vorstandsarbeit im Verein zu finden sind. In einem weiteren Schwerpunkt des Kurses setzen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einer Herausforderung auseinander, mit der sich viele Vereine konfrontiert sehen: Wie gewinnen wir neue Mitglieder und wie werden diese im Verein begrüsst? In Gruppen diskutieren die Samariterinnen und Samariter über Abläufe und Strategien in ihren Vereinen und erhalten durch den Austausch wertvolle Inspiration und Gedankenan­ stösse.

Kurs weckt reges Interesse

Der Begründer des Samariter­wesens in der Schweiz: Ernst Möckli

Im Juni 2018 wurde der Kurs zum ersten Mal als Pilot durchgeführt. Bis heute sind drei weitere Durchführungen dazugekommen. Eine vierte musste diesen April wegen des Corona­v irus abgesagt werden. Alle Kurse waren sehr gut besucht – ein Zeichen dafür, dass er neue Vorstandsmitglieder anspricht. Hauptzielgruppe sind Vereinspräsidenten und -präsidentinnen, aber auch Mitglieder mit anderen Funktionen im Vorstand. Erstaunlicherweise waren von den bisher rund 60 Teilnehmenden aber beinahe ein Viertel Samariterinnen und Samariter mit viel Wissen und Erfahrungen, nämlich Samariterlehrer und Kursleiterinnen. Diese Mischung macht den Kurs als Gefäss für den Austausch noch wertvoller. samariter 2/2020   19


VEREINE UND VERBÄNDE

Lebensretterin ist Samariterin des Jahres Ruth Bischofberger ist vom Samariterverband St. Gallen und Fürstentum Liechtenstein als «Samariterin des Jahres» ausgezeichnet worden. Sie hat einem jungen Ringer das Leben gerettet und stellt ihre Freizeit seit 43 Jahren in den Dienst der Samaritertätigkeit. Wegen des Coronavirus fand die Preisverleihung im kleinen Kreis statt. TEXT und FOTO: Ralph Dietsche Der Samariterverband St. Gallen und Fürstentum Liechtenstein hat im März erneut den Titel «Samariter des Jahres» verliehen. Gewonnen hat ihn die langjährige Samariterin Ruth Bischofberger aus Oberriet. Sie ist seit 21 Jahren Vereinspräsidentin, seit mehr als 40 Jahren Samariterlehrerin und hat alleine letztes Jahr gegen 100 Stunden Sanitätsdienst geleistet. Und dies freiwillig. In seiner Laudatio lobte der St. Galler Nationalrat und Vertreter der Micarna, Mike Egger, die Verdienste von Ruth Bischofberger: «Sie ist mit Leib und Seele Samariterin. Ausschlaggebend für den Sieg war für die Jury das Leben, das sie einem jungen, durchtrainierten Ringer an einem Sportanlass zusammen mit zwei Helfern gerettet hat. Genau für solche Situationen üben die Samariter unzählige Stunden. Dies immer in der Hoffnung, das Gelernte nie anwenden zu müssen. Wie sich in diesem konkreten Fall zeigt, hat sich das Trainieren gelohnt.» Nebst Bischofberger waren mit Regina Krohn (Bronschhofen), Margrit Zürcher (EbnatKappel), Daniel Beck (Triesenberg) und Roland Wetli (Au-Heerbrugg) vier weitere Samariter für den begehrten Titel nominiert.

sagt die sichtlich gerührte «Samariterin des Jahres». Gleichzeitig erwähnt sie, dass sie den Titel auch allen anderen Anwärtern gegönnt hätte: «Auch sie haben für das Samariterwesen Grossartiges geleistet.» Bei der Titelvergabe gehe es in erster Linie darum, die Samaritertätigkeit generell ins Zentrum zu rücken. Dies unterstreicht Ursula Forrer, Präsidentin des Samariterverbands St. Gallen und Fürstentum Liechtenstein: «Die Samariter sind meist stille Helfer im Hintergrund. Dies erschwert uns die Öffentlichkeitsarbeit. Deshalb sind Anlässe wie dieser eine ideale Plattform, um die Leistungen der Samariter zu präsentieren.»

Abgespeckte Feier Ursprünglich geplant war eine würdige Feier mit zahlreichen Gästen aus den Bereichen Politik, Gesundheitswesen, Wirtschaft und Gesellschaft bei der Micarna in Bazenheid. Aufgrund der aktuellen Coronavirus-Situation wurde die öffentliche Veranstaltung vorsorglich abgesagt. Die Verleihung erfolgte daher im kleinen Kreis. An dieser nahm nebst den Nominierten und dem Laudator Nationalrat Mike Egger auch Roman Habrik, Gemeindepräsident von Kirchberg, teil. Dieser freute sich, dass «seine» Gemeinde als Durchführungsort der Preisverleihung auserwählt wurde, und schenkte der «Samariterin des Jahres» einen Gutschein für ein gemeinsames Frühstück auf dem Hohen Kasten.

Glückliche Siegerin Für Ruth Bischofberger scheint das Jahr 2020 ein Glücksjahr zu sein. Wenige Tage vor der Preisverleihung – am 20. Februar – hat die Samariterin ihren langjährigen Vereinskollegen und Lebens­ partner Peter Hutter geheiratet, und jetzt wurde ihr Einsatz für das Samariterwesen noch mit der Samariter-Trophäe gekrönt. «Die Nomination hat mich überrascht und sehr gefreut. Ich hätte aber nie gedacht, dass ich den Titel sogar gewinne», 20  samariter 2/2020

Ruth Bischofberger ist mit Leib und Seele Samariterin.


VEREINE UND VERBÄNDE

DREI SAMARITER­ VEREINE SCHLIESSEN SICH ZUSAMMEN HERZNACH (AG) Am 24. Januar 2020 fand die Gründungsversammlung der Samariter Staffeleggtal statt. Der neue Verein entstand aus dem Zusammenschluss der drei Samaritervereine DensbürenAsp, Herznach und Ueken. Während der vergangenen zwei Jahre konnten sich die 40 Aktivmitglieder der drei Vereine bei gemeinsamen Monatsübungen langsam besser kennenlernen. Mit der Fusion hat dieser Annäherungsprozess erfolgreich geendet. Bei der Gründungsversammlung waren 32 Aktiv- und 7 Ehrenmitglieder sowie Gäste des Gemeinderates, der Feuerwehr und des Kantonalverbandes anwesend. Zur ersten Präsidentin des neuen Vereins wurde Monica Rubin gewählt. Auch das Jahresprogramm unter dem Motto «Kopf, Hand und Herz» wurde einstimmig genehmigt. Die Monatsübungen finden weiterhin abwechselnd in den drei Gemeinden statt. Durch die Bündelung der Kräfte verfügt der Verein über vier Kursleiter/innen und kann auch künftig Bevölkerungskurse im Staffeleggtal durchführen. (Monica Rubin)

Die neuen Ehrenmitglieder und der Vorstand des Samaritervereins Giswil.

SAMARITERVEREIN GISWIL FEIERT JUBILÄUM GISWIL (OW) Im Februar konnte der Samariterverein Giswil sein 70-jähriges Bestehen feiern. An der Jubiläumsgeneralversammlung nahmen als Gäste auch der Giswiler Gemeinderat Peter Burch sowie Roland Zeidler, Präsident des Samariterverbands Unterwalden, teil. Die Tischdekoration, gebastelte Segelschiffe und ein Leuchtturm auf dem Vorstandstisch, gab bereits einen Hinweis auf eine Veränderung im Verein. Ein neu gewählter «Kapitän» soll das Vereinsschiff zielbewusst in die Zukunft steuern. Gewählt wurde Bruno Abächerli. Nebst dem Blick in die Zukunft wurde natürlich auch die lange Vereinsgeschichte beleuchtet. Stellvertretend dafür wurden sechs langjährige Mitglieder für ihr Engagement geehrt. Besonders bemerkenswert ist die Ehrung des Gründungsmitglieds Friede Lüthi, die sich seit 70 Jahren für den Samariterverein Giswil einsetzt. (Renate Peter)

Der Vorstand und die Kursleiter/innen der Samariter Staffeleggtal.

IHR VEREINSBEITRAG Schicken Sie Text und Foto separat an redaktion@samariter.ch. Bevorzugt werden Zuschriften mit nicht mehr als 1000 Zeichen (inkl. Leerzeichen). Die Redaktion behält sich vor, Beiträge zu kürzen oder nicht zu veröffentlichen. samariter 2/2020   21


HINTERGRUND

Vom Ausbruch zur Pandemie Von vereinzelten Fällen zur globalen Pandemie kann es sehr schnell gehen, wie das Coronavirus zeigt. Was hat es mit Bezeichnungen wie Epidemie oder Pandemie auf sich, und wodurch unterscheiden sie sich?

TEXT: Christoph Zehnder

lange nicht mehr aufgetreten ist. Ausbrüche stehen oft im Zusammenhang mit verseuchtem Wasser oder verseuchten Lebensmitteln. In der Schweiz führen zum Beispiel verschiedene SalmonellenStämme oder Noroviren immer wieder zu Ausbrüchen. Mit der Beseitigung der Quelle der Krankheit endet in der Regel auch der Ausbruch.

Endemie – eine ständige Gefahr

In manchen Regionen sind gewisse Krankheiten sozusagen ein Dauerproblem. Die Zahl der Erkrankten bleibt über einen langen Zeitraum auf einem konstant hohen Niveau. In diesem Fall spricht man von einer Endemie. Malaria wird häufig als typisches Beispiel für eine Endemie genannt. Die Krankheit, hervorgerufen durch einzellige Parasiten, kommt hauptsächlich in den tropischen Regionen vor und wird von dort heimischen Stechmücken übertragen. Malaria ist weltweit die häufigste Infektionskrankheit. Jährlich erkranken rund Ausbruch – die ersten Fälle 200 Millionen Menschen daran. Endemie bedeutet Tritt eine Infektionskrankheit plötzlich vermehrt so viel wie «im Volk», oder etwas freier übersetzt innerhalb einer begrenzten Gemeinschaft, Region «einheimisch». Neben Krankheiten werden auch oder Saison auf, ist von einem Ausbruch die Rede. Tier- und Pflanzenarten als endemisch bezeichnet, Schon eine einzige Erkrankung kann einen Aus- die nur in einem örtlich begrenzten Gebiet anzubruch darstellen, wenn die Krankheit noch nie oder treffen sind. Infektionskrankheiten haben die Menschheit seit je heimgesucht. Heute reisen Viren und Bakterien mit uns kreuz und quer um die Welt. Die Gefahr von sich immer weiter ausbreitenden Krankheiten ist daher eine ständige Herausforderung. Epidemie und Pandemie sind Begriffe, die in diesem Zusammenhang häufig fallen. Was unterscheidet eine Epidemie von einer Pandemie oder einer Endemie?

PANDEMIEN UND EPIDEMIEN DER GESCHICHTE Antoninische Pest Ausbreitung: Römisches Reich Tote: 7–10 Mio.

2 Jh.

1346–1353

Pocken Ausbreitung: Mexiko Tote: 5–8 Mio.

1519/1520 1918–1920

Pest Ausbreitung: Europa Tote: 25 Mio.

22  samariter 2/2020

Asiatische Grippe Ausbreitung: weltweit Tote: 1–2 Mio.

1957/1958 1968–1970

Spanische Grippe Ausbreitung: weltweit Tote: 25–50 Mio.

HIV (seit 1980) Ausbreitung: weltweit Tote: 39 Mio.

H1N1 Ausbreitung: weltweit Tote: 18 449

seit 1980 2002/2003

Hongkong-Grippe Ausbreitung: weltweit Tote: 1 Mio.

SARS Ausbreitung: weltweit Tote: 774

2009/2010 seit Dez. 2019

COVID-19 Ausbreitung: weltweit


Ohne Gegenmassnahmen breitet sich eine Pandemie immer weiter aus. (Symbolbild: Shutterstock)

Epidemie – plötzlicher Anstieg Wie die Endemie beschränkt sich auch die Epidemie auf eine bestimmte Region oder Bevölkerungsgruppe. Jedoch nimmt die Zahl der Krankheitsfälle und der Neuerkrankungen rasch zu. Epidemien entstehen etwa, wenn ein neuer oder mutierter Krankheitserreger auftritt. Den für die Grippe verantwortlichen Influenza-Viren gelingt das zu unserem Leidwesen fast jeden Winter. Da sie sich ständig verändern, überraschen sie unser Immunsystem immer wieder aufs Neue. In der Schweiz führt die Grippe jedes Jahr zu 112 000 bis 275 000 Arztkonsultationen. Eingeschleppte Erreger haben in der Vergangenheit zu verheerenden Epidemien geführt. So waren zum Beispiel die Krankheiten der europäischen Siedler für die Ureinwohner des amerikanischen Kontinents fatal.

Pandemie – über Grenzen hinweg Wenn sich die Epidemie immer weiter ausbreitet und dabei Länder und Kontinente überschreitet, spricht man von einer Pandemie. Die Krankheit ist dann nicht mehr örtlich beschränkt. Sie kann dabei weite Teile der Weltbevölkerung erfassen. Die wohl bekannteste Pandemie war bis vor Kurzem die Spanische Grippe von 1918 bis 1920. Auch Aids wird oft als Pandemie bezeichnet. Eine «normale» Grippewelle führt hingegen trotz weltweiter Verbreitung nicht zwingend zur Pandemie, da sie hauptsächlich saisonal auftritt. Die Begriffe Endemie, Epidemie und Pandemie beziehen sich üblicherweise auf Infektionskrankheiten, sind aber nicht zwingend darauf beschränkt.

Sie sagen auch nichts über die Gefahr einer Krankheit aus, sondern nur über ihre Verbreitung. Ab wann eine Epidemie zur Pandemie wird, entscheidet die Weltgesundheitsorganisation. Diese hat COVID-19 am 11. März zu einer Pandemie hochgestuft. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich bereits über 120 000 Menschen in über 114 Ländern angesteckt.

Die Macht der Worte Es gibt gute Gründe, weshalb die obersten Gesundheitshüter zunächst zurückhaltend waren mit der Bezeichnung Pandemie. Als sie 2009 die Schweinegrippe (H1N1) zur Pandemie erklärten, herrschte überall Alarmstimmung. Später wurde die WHO dafür kritisiert, unnötig Panik zu verbreitet zu haben. Das sollte sich nicht wiederholen. Die WHO ist sich der Signalwirkung des Wortes sehr bewusst. «Pandemie ist kein Wort, das man leichtfertig oder unvorsichtig verwenden sollte», sagte WHO-Generalsekretär Tedros Adhanom Ghebreyesus, als er die Statusänderung verkündete. Falsch verwendet könne es zu unnötigem Leid und zu Tod führen. Eine genaue Abgrenzung zwischen Epidemie und Pandemie besteht gemäss WHO indes nicht. Und auch an der Dringlichkeit änderte sich durch die Bezeichnung nichts. Wenn überhaupt, dann sollte eine Deklaration als Pandemie jene Länder aufrütteln, die bis dahin in den Augen der WHO zu wenig unternommen hatten, um das Virus in den Griff zu bekommen.

Quellen Bundesamt für Gesundheit, WHO samariter 2/2020   23


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BLUTSTAMMZELLSPENDE: JUNGE MÄNNER BRAUCHT DAS LAND … Das Schweizer Register für Blutstammzellspender hat per 1. April seine Aufnahmekriterien geändert. Gesucht sind vor allem junge Männer. TEXT und FOTOS: Blutspende SRK Schweiz

Eine Blutstammzellspende ist für Menschen mit Leukämie oder einer anderen schweren Erkrankung des Blutes oft die einzige Chance auf Heilung. Im Schweizer Register für Blutstammzellspender, das von Blutspende SRK Schweiz geführt wird, sind über 145 000 Personen eingetragen, davon 35 Prozent Männer und 65 Prozent Frauen. Passen bestimmte Gewebemerkmale mit einer Patientin oder einem Patienten überein, kommen die Registrierten als Spender infrage und ihre Blutstammzellen können einer kranken Person transplantiert werden. 26  samariter 2/2020

«TAG DER TAT» AM 19. SEPTEMBER Der «Tag der Tat», also der weltweite Tag der Blutstammzellspende, findet dieses Jahr bereits zum siebten Mal statt. Blutspende SRK Schweiz durfte jedes Jahr auf die engagierte Hilfe von Samariterinnen und Samaritern zählen, die an diesem besonderen Tag auf die Blutstammzellspende aufmerksam gemacht haben. In der nächsten Nummer des «samariter» verraten wir Ihnen, was wir in diesem Jahr alles planen. Reservieren Sie sich schon einmal den 19. September 2020!


Gesucht: Männer zwischen 18 und 25 Medizinische Erkenntnisse zeigen, dass Transplantationen von Blutstammzellen jüngerer unverwandter Spender zu besseren Überlebenschancen von Patientinnen und Patienten führen. Deshalb passt das Schweizer Register seine Rekrutierungsstrategie an. Auch weltweit sind die Register daran, ihre Kriterien entsprechend anzupassen. Gesucht sind vor allem junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren. Die Altersobergrenze für eine Registrierung liegt neu bei 40 Jahren anstatt wie bisher bei 55 Jahren. Wie bis anhin bleiben Menschen bis zu ihrem 60. Altersjahr im Register. Frauen können und sollen sich weiterhin registrieren. Blutspende SRK Schweiz möchte den Anteil registrierter Männer jedoch auf 50 Prozent erhöhen.

ÜBERARBEITETE WEBSITE Blutspende SRK Schweiz hat einen neuen Webauftritt. Design und Inhalt wurden überarbeitet. Ein frisches, zeit­ gerechtes Layout sorgt für Klarheit. Da fast 70 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer über ihr Handy auf die Website gelangen, ist insbesondere auch die mobile Version der Website optimiert worden. Für Samariterinnen und Samariter besonders hilfreich sind das Blutspendebarometer und das Terminreservierungssystem. Diese Neuerungen sollen es allen Spendern noch einfacher machen, ein Blutspendezentrum aufzusuchen. Durch die konsequente Einhaltung der Richtlinien für barrierefreie Websites wird www.blutspende.ch das Label AA+ tragen.

«League for Hope» für Blutstammzellspende Ab diesem Frühjahr präsentiert sich das Schweizer Register deshalb in einem neuen Gewand: als «League for Hope», einer sichtbaren, gemeinsamen Bewegung, der sich die verschiedensten Menschen zugehörig fühlen sollen. Jene, die mit Blutstammzellen transplantiert worden sind und ihre Angehörigen; Menschen, die sich im Register eingetragen haben und bereit sind, bei Bedarf ihre Blutstammzellen zu spenden, und solche, die den Ausbau des Registers finanziell unterstützen. Alle tragen dazu bei, eine Welle der Hoffnung durchs Land zu schicken. Blutspende SRK Schweiz verfolgt damit auch in Zukunft das Ziel, für jeden Patienten die passende Spende zu finden. Das farbige Herz der «League for Hope» setzt dazu ein Zeichen und soll der Blutstammzellspende zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen.

CHF 140.–. Diese Kosten müssen mit Spendengeldern gedeckt werden. Neben der klassischen Geldspende lanciert Blutspende SRK Schweiz jetzt auch ein Supportangebot. Jede Supporterin, jeder Supporter zahlt pro Kalenderjahr einen Supportbeitrag und unterstützt damit den Ausbau des Registers für Blutstammzellspender. Der Jahresbeitrag kostet für Erwachsene CHF 45.–, für ein Paar CHF 80.– und für eine Familie 120.–. Zum neuen Supportangebot von Blutspende SRK Schweiz gehört, dass auch die Supporterin, der Supporter finanzielle Unterstützung bekommt, falls sie oder er selbst erkrankt und eine allogene Blutstammzellspende benötigt. Ausgezahlt wird dann eine Soforthilfe in Höhe von CHF 10 000.–.

Junge Männer sind «stille Helden» Unter der «League for Hope» geht Blutspende SRK Schweiz mit der Social-Media-Kampagne «Silent Heroes» auf die Suche nach jungen, registrierungswilligen Männern. Als Botschafter treten dabei 18 Junge auf, die in ihrem spezifischen Gebiet bereits «Helden» sind, z. B. ein Poetry-Slammer, ein Schwinger, ein Tänzer oder ein Mountainbiker. Und als stille Helden sind sie überzeugte Blutstammzellspender. Mehr Infos: www.leagueforhope.ch

Als Supporter finanziell helfen Jährlich registrieren sich rund 12 000 Personen als Blutstammzellspender. Jede Registrierung kostet

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REDE UND ANTWORT

«Es braucht ein System, um Leben zu retten» Durch eine nationale Überlebensstrategie sollen die Über­ lebenschancen bei einem Herzkreislaufstillstand ver­bessert werden. Mitini­tiant und SRC-Präsident Roman Burkart über die Ziele der Strategie und wie diese erreicht werden können. INTERVIEW: Christoph Zehnder

An wen richtet sich diese Strategie? Alle grossen Akteure des Rettungswesens sind mit am Tisch. Grundsätzlich richtet sich die Überlebensstrategie aber an jedermann. Um die Überlebenschancen zu verbessern, braucht es alle. Die Strategie dient gesamtschweizerisch als Leitfaden, an den sich alle halten können.

Welche Rolle fällt dabei Laienrettern wie Samaritern oder First-Responder-Netz­ werken zu? Roman Burkart: Präsident des Swiss Resuscitation Council.

Warum braucht es eine nationale Überle­ bensstrategie bei Kreislaufstillstand? Roman Burkart: In der Schweiz sterben jedes Jahr rund 8000 Menschen durch plötzlichen Kreislaufstillstand. Das entspricht etwa der Zuschauermenge in einem Eishockeystadion. Das Durchschnittsalter der Betroffenen ist mit 68 Jahren zudem relativ tief. Darum müssen wir etwas unternehmen, um die Überlebenschancen zu verbessern, insbesondere im Zeitraum bis zum Eintreffen der Rettungsdienste.

SWISS RESUSCITATION COUNCIL Der Swiss Resuscitation Council (SRC) bezweckt, die Qualität der Wiederbelebung in der Schweiz zu verbessern, und legt die nationalen Richtlinien in diesem Bereich fest. Die ent­sprechenden Kursinhalte des Schweizerischen Samariterbunds sind vom SRC zertifiziert. Roman Burkart ist Präsident des SRC sowie Geschäftsführer des Interverbands für Rettungswesen (IVR). 30  samariter 2/2020

Man unterscheidet grundsätzlich zwischen spontaner und organisierter Rettung. Ob die organisierte Rettung durch Laien oder Profis geschieht,

• «Die Samariter sind für uns sehr relevant. »

•

ist im ersten Moment nicht so wichtig. Wichtig ist, dass es schnell geht. Darum sind auch die Samariter für uns sehr relevant. Denn einerseits sind sie als normaler Teil der Bevölkerung überall vertreten, und andererseits verfügen sie über das nötige Wissen. Entscheidend ist aber, dass geschulte Laienretter, wie die Samariter, im Notfall auch aufgeboten werden können.

Wie weit sind wir heute von den einzelnen Zielen der nationalen Überlebensstrategie entfernt, und wo besteht der grösste Handlungsbedarf? Im klinischen Bereich werden wir schon sehr bald genauer wissen, wo wir stehen. Wir analysieren derzeit die Daten von Swissreca, dem Langzeitre-


gister für präklinische Herzkreislaufstillstände. Unser Motto lautet: «Es braucht ein System, um Leben zu retten.» Und um das System zu verbessern, muss man wissen, wo man steht. Andere Ziele, zum Beispiel ein höherer Bekanntheitsgrad der Notrufnummer 144, sind aufwendiger zu überprüfen. Das braucht mehr Zeit. Ausserdem wurden mit dem Coronavirus die Prioritäten im Gesundheitsbereich verschoben.

Ab und zu ist es eine Herausforderung. Andererseits ist es auch bereichernd. Jede Region hat schliesslich ihre eigenen Bedürfnisse und andere Ressourcen. In Genf oder Basel ist die Situation völlig anders als in einem Bergkanton. Es hat aber durchaus Platz für regionale Konzepte. Für die Ausbildung und die Ausrüstung sollten jedoch in der gesamten Schweiz die gleichen minimalen Standards gelten.

Angestrebt wird unter anderem, dass 90 Prozent der Beobachter eines Kreis­ laufstillstandes in weniger als drei Minu­ ten mit der Reanimation beginnen. Ein ehrgeiziges Ziel.

Die nationale Überlebensstrategie bei Kreislaufstillstand wurde im Herbst 2019 lanciert. Wie geht es jetzt weiter?

Es ist zwar ehrgeizig, soll aber auch ein Ansporn sein. Theoretisch ist es machbar. Nehmen wir das Beispiel Tessin: Dort sind wir mit dem First-Responder-Modell schon relativ nahe dran. Aber nur, weil man sich dort schon vor einiger Zeit Gedanken darüber gemacht hat. Deshalb hat das Tessin heute auch eine Vorreiterrolle, an der sich mittlerweile fast alle Kantone orientieren.

Wir haben viele positive Reaktionen erhalten. Viele orientieren sich bereits daran. Aktuell geht es darum, Daten zu sammeln und auszuwerten. Nur so können wir vergleichen und die richtigen Schlüsse ziehen. Im Herbst finden die 3. Reanimationsgespräche statt. Bis dahin wollen wir die Optimierungsmassnahmen am System priorisiert haben und dann als Promoter und Koordinator diese auch einleiten. Bis dahin liegen weitere Erkenntnisse vor, und man wird entscheiden können, in welche Richtung es geht.

Wie steht die Schweiz punkto Laienreani­ Weitere Informationen: mation im internationalen Vergleich da? Eigentlich ganz gut, wie frühere Studien gezeigt haben. Allerdings wurden dabei nur einzelne Teile der Schweiz abgebildet. Man muss daher aufpassen, dass man nicht Äpfel mit Birnen vergleicht. Für eine sinnvolle Auswertung braucht es zudem noch weitere Daten. Zum Beispiel, wie es dem Patienten geht, nachdem er aus dem Spital entlassen worden ist. Aus diesem Grund haben wir die Überlebenskette um zwei Glieder ergänzt: «Preparedness and Readiness» und «After Care» (etwa Vorsorge und Bereitschaft und Nachsorge, Anm. d. Red.).

Die nationale Überlebensstrategie orien­ tiert sich an einem ähnlichen Konzept aus Schottland. Was zeichnet dieses Modell aus? Wissen Sie, wir haben im Tessin vor einigen Jahren die European Resuscitation Academy durchgeführt, an der auch Vertreter aus Schottland teilgenommen haben. Die Schotten haben von uns gelernt und daraus eine nationale Strategie entwickelt. Vieles davon ist jetzt wieder in unser Projekt geflossen. Beide Strategien haben als Basis die 10 Schritte aus der Resuscitation Academy.

Ist die föderalistische Struktur in der Schweiz mit ihren kantonalen Gesund­ heitssystemen ein Hindernis auf dem Weg zu einer landesweiten Strategie?

www.resuscitation.ch

NATIONALE ÜBERLEBENS­ STRATEGIE BEI KREISLAUF­ STILLSTAND Die Strategie umfasst 27 strategische Ziele in folgenden Bereichen: • Vermeiden • Erkennen • Kardiopulmonale Reanimation • Defibrillation • Erweiterte Reanimationsmassnahmen • Postreanimationsversorgung • Nachsorge • Kultur und Kontext Zu jedem Ziel werden mögliche Massnahmen genannt sowie der angestrebte Erreichungsgrad. Zum Beispiel: Mindestens 50 Prozent der Bevölkerung sollen in BLS-AED geschult sein. Als mögliche Massnahmen für dieses Ziel sieht die Strategie etwa Ausbildungsrichtlinien, Förderung des Kurswesens oder Aufklärungskampagnen vor. Die vollständige Strategie ist online verfügbar auf www.resuscitation.ch. samariter 2/2020   31


DIGITAL

ERSTE HILFE OHNE GRENZEN Mit der neuen App CH Responder kann ein First Responder künftig in mehreren Kantonen alarmiert werden. Die im Tessin entwickelte Anwendung soll das Netzwerk an einsetzbaren Ersthelfenden deutlich vergrössern. TEXT: Mara Zanetti Maestrani Sie sind First Responder, wohnen im Kanton Bern und reisen jeden Tag ins solothurnische Olten zur Arbeit? Die App CH Responder ermöglicht es Ihnen, dass Sie bei einem Herz-Kreislauf-Notfall in Ihrer Nähe, aus beiden Kantonen Alarmmeldungen erhalten. Das verbessert die Chance, dass Sie bei Notfällen aufgeboten werden, Sie Erste Hilfe leisten und damit die Überlebenschancen des Betroffenen deutlich erhöhen können. Die neue App wurde von der DOS Group SA aus Mendrisio entwickelt. Das Unternehmen ist unter anderem auf Anwendungen für Smartphones spezialisiert und hat bereits die App «Momentum» entwickelt. Diese ist ebenfalls eine Alarmierungsapp, die bereits in 13 Kantonen im Einsatz ist. Mit CH Responder lässt sie sich jetzt äusserst nützlich erweitern. Konkret geht es darum, dass die BLSAED-Zertifikate, die in den jeweiligen Wohnkantonen registriert sind, über die Kantonsgrenze hinaus verfügbar sind. Grundlage für die Nutzung der App ist also, dass man in einem der kantonalen Netzwerke, die Momentum einsetzen, als First Responder registriert ist. «Der Zweck der CH-Responder-App ist es, die Überlebenschancen von Menschen mit Herzstillstand weiter zu erhöhen. Jedes Jahr gibt es in der Schweiz 8000 solcher Fälle und bisher überleben weniger als fünf Prozent der Betroffenen, weil der Rettungsdienst sie oft nicht rechtzeitig erreicht. Die App füllt also diese Lücke», erklärt Roberto Rinaldi, Marketingmanager des MomentumTeams bei der DOS Group SA.

Eine erfolgreiche Kombination Im Kanton Tessin führten 2014 der Weitblick der Stiftung Ticino Cuore und eine fast zufällige Begegnung mit Stefano Doninelli, Eigentümer der 32  samariter 2/2020

DOS Group SA, selbst First Responder und Präsident des Tessiner Alpenrettungsdienstes SAS, zur ersten Momentum-App. Dank dem bereits vorhandenen dichten Netz von First Respondern liess sie sich auch sogleich erfolgreich einsetzen. Seither haben sich im Tessin die Überlebenschancen von Menschen, die ausserhalb des Spitals einen Herz-Kreislauf-Stillstand haben, auf fast 60 Prozent erhöht. Der Kanton ist damit zum Paradebeispiel für die ganze Schweiz geworden. «Die Stiftung wollte die neuen Technologien nutzen, um den Opfern eines Herzstillstands zu helfen», erzählt Stefano Doninelli. «Wir haben diesen Wunsch mit meiner Erfahrung als Informatiker und aktiver Retter in der Rettungskolonne von Sottoceneri und SATI Ticino vereint.» Das solide Hintergrundwissen, gepaart mit IT-Kenntnissen, hat zu einer lebensrettenden Anwendung geführt, die auch die wichtigsten Rettungsorganisationen nutzen: Polizei, Feuerwehr, Krankenhäuser und Rettungsdienst. Momentum wurde ein grosser Erfolg und kam in immer mehr Kantonen zum Einsatz. Als letzter hat vor rund eineinhalb Jahren der Kanton Basel die App eingeführt. Seither hat sich dort die Überlebensrate der von einem Herzstillstand betroffenen Menschen von 10 auf 40 Prozent erhöht.

So funktioniert die Alarmierung CH Responder geht nun noch einen Schritt weiter. Die Anwendung zielt auf die Schaffung einer schweizweiten «Community of First Responders» ab, zu der die bereits auf kantonaler Ebene tätigen First Responder Zugang haben. Bei der Entwicklung war der Austausch zwischen den einzelnen, kantonalen First-Responder-Netzwerken und den kantonalen Gesundheitsämtern enorm wichtig. Die Alarmierung erfolgt wie bei Momentum über


den Notruf 144. Dieser kann auf eine Datenbank zurückgreifen, in der alle registrierten First Responder der Region gespeichert sind, und so die erste wichtige Sichtung vornehmen. CH Responder steht natürlich nicht nur freiwilligen Rettern wie den Samaritern, sondern auch dem medizinischen und paramedizinischen Personal zur Verfügung. Je mehr geschulte Menschen in der Lage sind zu helfen, desto besser stehen die Chancen, Menschen mit Herzstillstand zu retten.

Blick in die Zukunft Die vergangenen Monate waren eine Art Pilot­ phase, während der CH Responder in den Kantonen Solothurn und Bern eingeführt und unter realen Bedingungen getestet wurde. Seit der Lancierung am 13. Januar 2020 wurden über die App bereits rund 300 Ersthelfende aufgeboten. Bis Ende des Jahres sollen weitere Kantone hinzukommen, darunter das Tessin und die beiden Halbkantone von Basel. Andere wie die Waadt, Luzern, Uri, Unterwalden und der Aargau haben ebenfalls Interesse angemeldet. Und wie geht es sonst weiter? «Wir entwickeln immer innovativere Rettungssysteme mit neuen Funktionen. Zum Beispiel Drive on Street. Die Anwendung ermöglicht über Tablets, die an Bord von Krankenwagen montiert sind, Fahrzeuge und Rettungseinsätze mit einem einfachen Klick zu verwalten. Darüber hinaus sind wir dank Technologien wie der Virtual Reality in der Lage, reale Eingriffe zu simulieren und Übungen für die Retter zu reproduzieren. Es ist eine sehr befriedigende Arbeit, weil wir etwas sehr Nützli-

FIRST-RESPONDERNETZWERKE IN DER SCHWEIZ Viele Samariterinnen und Samariter verfügen über einen gültigen BLS-AED-SRC-Ausweis und somit über die Voraussetzungen, um bei einem First-Responder-Netzwerk mitzumachen. Interessierte kontaktieren dafür am besten das Netzwerk in ihrer Region. Hier eine Auswahl: • • • • • • • • •

BE: www.firstresponder.be BS/BL: www.stiftung-ersthelfer.ch GE: www.save-a-life.ch LU, NW, UR: www.firstresponderzentralschweiz.ch OW: www.herz-obwalden.ch SO: www.first-responder-solothurn.ch VD/FR/JU: www.fondation-first-responder.ch VS: www.coeurwallis.ch TI: www.ticinocuore.ch

Etwa 300 Einsätze haben die rund 1500 über CH Responder alarmierten Ersthelfer bereits geleistet.

ches für die Menschen tun.» Auch er hat dank «seiner» App bereits einmal bei einem Herz-KreislaufNotfall eingegriffen. Es sei ein «seltsamer» Moment gewesen. Aber er habe die wirkliche Bedeutung ihrer Arbeit gespürt. Wie nahe am Geschehen der Zeit die DOS Group SA ist, zeigt sie auch während der Coronavirus-Pandemie: Sie hat innerhalb kurzer Zeit eine neue Gruppe in der App eingebaut, damit bei ­einem Infektionsverdacht nur First Responder aufgeboten werden, die mit Masken und allem Notwendigen ausgestattet sind, um eine weitere Ansteckung zu vermeiden. Diese Weiterentwicklung wurde auch von der Stiftung Ticino Cuore ermöglicht.

Die App herunterladen CH Responder kann kostenlos in den App-Stores von Google und Apple heruntergeladen werden. Voraussetzung ist, dass bereits die App Momentum eines First-Responder-Netzwerks genutzt wird und man dort auch registriert ist.

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WISSEN

Gefahrenquelle Elektroauto? Laien sind oftmals als Erste vor Ort, um nach einem Ver­ kehrsunfall Erste Hilfe zu leisten. Sind Elektroautos darin verwickelt, lohnt es sich, ein paar Dinge zu beachten. TEXT: Matthias Zobrist

Autos mit alternativem Antrieb sind im Trend. Vor allem Hybridfahrzeuge und reine Elektroautos sind stark auf dem Vormarsch. 2019 war in der Schweiz bereits mehr als jedes zehnte neu gekaufte Auto zumindest teilweise mit Strom unterwegs. Und dieser Anteil dürfte in den kommenden Jahren noch deutlich zunehmen. Doch sind Elektroautos sicher oder steht nach einem Unfall womöglich die gesamte Karosserie unter Strom? Und was hat es mit den Medienberichten über kaum zu löschende Fahrzeuge auf sich? Solche Fragen betreffen auch Ersthelfende. Grund genug, die Eigenheiten bei Unfällen mit Elektroautos genauer zu beleuchten.

Angst ist fehl am Platz So viel vorweg: Statistisch gesehen sind Elektroautos nicht weniger sicher als normale Pkw – weder für die Insassen noch für Rettungskräfte und Ersthelfende. Es gibt aber ein paar Unterschiede, die

Nach schweren Verkehrsunfällen ist für Ersthelfende immer Vorsicht angebracht – unabhängig vom Antrieb der involvierten Fahrzeuge (Foto: Shutterstock).

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beachtet werden sollten. Die Gefahr eines Stromschlags gehört zumindest für Ersthelfende nicht dazu. «Wer die Karosserie eines verunfallten Elektrofahrzeuges berührt, muss keinen Stromschlag befürchten. Ein solches Szenario ist äusserst unwahrscheinlich und es ist uns auch kein entsprechender Fall aus dem In- oder Ausland bekannt», beruhigt Michael Derungs, Fachspezialist für moderne Antriebssysteme bei Schutz & Rettung Zürich. Ein Stromschlag, verursacht vom Hochvoltsystem für den Antrieb, wäre auch absolut verheerend. Denn im Gegensatz zur normalen Bord­elektronik für Lüftung, Navigationsgerät oder elektrische Fensterheber läuft dieses nicht nur mit 12 Volt, sondern mit ca. 200 bis 800 Volt. Deshalb ist einer der wichtigsten Sicherheitsmechanismen bei einem Elektroauto, dass das Hochvoltnetz innert Sekundenbruchteilen herunterfährt, sobald der Airbag ausgelöst wird. Kommt hinzu, dass die Batterie – Kernstück des Ganzen – bei den meisten Modellen zentral in der Wagenmitte oder im Unterboden verbaut und somit bestmöglich vor einer Beschädigung geschützt ist. Gefährlich wird es erst, wenn ein Auto ausgebrannt ist und dabei ebenfalls die Isolation der Hochvoltbauteile zerstört wurde. Das ist aber definitiv kein Fall mehr für Ersthelfende. Gefahr geht für Ersthelfende von herumliegenden oder heraushängenden Hochvoltbauteilen aus. Solche Komponenten sind bei den meisten Fahrzeugen an ihrer orangen Farbe erkennbar und dürfen keinesfalls ohne entsprechende Schutzhandschuhe weggetragen oder berührt werden. Ersthelfende dürften dieser Gefahr aber nur bei schweren Verkehrsunfällen begegnen. Und dann ist sowieso Vorsicht geboten. «Nach einem heftigen Crash sollte man sich einem Fahrzeug grundsätzlich vorsichtig nähern und nur dann, wenn es wirklich Hilfe direkt


an der Unfallstelle braucht. Es könnten sich auch bei einem konventionellen Fahrzeug beispielsweise unvermittelt brennbare Flüssigkeiten entzünden», gibt der ausgebildete Rettungssanitäter und aktive Berufsfeuerwehrmann Derungs zu bedenken.

Die stille Gefahr Wenig beachtet, aber gerade bei leichteren Unfällen umso gefährlicher, ist eine unscheinbare und vor allem lautlose technische Tatsache von Elektroautos: Ihre laufenden Motoren machen keine Geräusche. Stellen Sie sich vor, Sie wollen jemanden aus einem Unfallwagen bergen und dabei drückt der Verunfallte das Gaspedal des stumm vor sich hin summenden Autos. Deshalb sollte man unbedingt als erstes die Handbremse betätigen sowie den Zündschlüssel ziehen oder den Ein-/ Aus-Knopf drücken. Das gilt natürlich auch für «Benziner». Nur dort sind klar hörbare Motorengeräusche eine gute Gedankenstütze in der vielleicht hektischen Situation. Und was ist dran, an den kaum zu löschenden Elektroautos? Tatsache ist, dass ein «Stromer» nicht schneller in Brand gerät als ein «Benziner». Tut er dies doch, gilt vor allem für die Feuerwehr ein anderes Vorgehen. Ursprung des Brandes ist meistens die Batterie. Diese besteht je nach Konstruktionsweise aus Hunderten von einzelnen Batteriezellen. Wird eine solche Zelle beschädigt, ist eine Kettenreaktion in Form von permanenten Kurzschlüssen möglich – von Zelle zu Zelle. Dadurch wird der Brand immer wieder aufs Neue entfacht. Deshalb stellt das Löschen eines Elektroautos eine Herausforderung für Feuerwehrleute dar. Laut Hersteller sind rund 11 000 Liter Wasser nötig, um einen brennenden Tesla endgültig zu löschen. Ein durchschnittliches Tanklöschfahrzeug führt aber nur gut 2000 Liter Wasser mit. Weil der Brand in der Batterie viele Stunden oder sogar Tage nach dem Unfall erneut aufflammen kann, müssen solche Fahrzeuge auch unter besonderen Bedingungen ge­lagert werden. Für Ersthelfende mögen diese Tatsachen zwar interessant sein, sie tangieren sie beim Helfen jedoch nicht. Ein brennendes Auto ist unabhängig von seinem Antrieb immer höchst gefährlich. Bei einem Elektrofahrzeug ist die Gefahr, dass sich Flammen wegen auslaufenden Treibstoffes plötzlich rasend schnell verbreiten, nicht vorhanden. Dafür kann die Reaktion einer brennenden Batterie sehr heftig sein, weil viel Energie sehr schnell freigesetzt wird. Zudem können, bevor die Batterie

brennt, Batteriedämpfe entstehen, die als weisser Rauch entweichen. Die Rauchgase sind brennbar und relativ leicht entzündlich. Und in Verbindung mit Flüssigkeit wie Löschwasser oder den Schleimhäuten eines Menschen entsteht Flusssäure – eine stark ätzende und hochgiftige Chemikalie. Tritt also weisser Rauch aus dem Elektrofahrzeug aus, ist Vorsicht geboten.

Antriebstyp bestimmen, Risiken erkennen Wie bei jedem Notfall, sollte ein Ersthelfer auch bei einem Autounfall mögliche Gefahrenquellen identifizieren. Wenn möglich sollte er deshalb auch den Antriebstyp des Unfallwagens bestimmen. Wichtigste Informationsquelle dazu ist oft der Fahrzeuglenker. Idealerweise befindet sich unter der Sonnenblende auch eine sogenannte Rettungskarte. Auf diesem Dokument ist sofort ersichtlich, um was für ein Fahrzeug es sich handelt und wo sich für die Einsatzkräfte relevante Bauteile befinden. Konnte man den Antriebstyp des Wagens so immer noch nicht bestimmen, kann die AUTORegel helfen, welche die Feuerwehr bei ihren Einsätzen anwendet (siehe Box): Michael Derungs gibt aber zu bedenken, dass keinesfalls zu viel Zeit verloren gehen sollte, nur weil man krampfhaft die AUTO-Regel abarbeitet: «Sie kann für Ersthelfer eine gute Hilfe sein, solange sie nicht auf einmal im Zentrum der Bemühungen steht.» Ob man die Information zum Antriebstyp des Unfallwagens vom Autolenker, von der Rettungskarte oder durch das Identifizieren spezifischer Merkmale erhalten hat: Für die Rettungskräfte kann sie durchaus wertvoll sein und sollte deshalb bereits bei der Alarmierung weitergegeben werden.

DIE AUTO-REGEL • Austretende Betriebsstoffe hören, riechen und sehen, z. B. Zisch- oder Knattergeräusche, Gasgeruch, Lachenoder Nebelbildung • Unterboden, Kofferraum und Motorhaube erkunden, z. B. nach Gastanks oder orangefarbenen Hochvoltleitungen Ausschau halten • Tankdeckel öffnen, z. B. QR-Code, alternative Betankungs-/Ladesysteme oder mehrere Tankdeckel ausmachen • Oberfläche absuchen, z. B. schauen, ob ein Auspuff, markante Beschriftungen oder Erkennungszeichen oder Überdruckventile vorhanden sind samariter 2/2020   35


AUS DEM SAMARITER-WARENSHOP

AUCH DIE AUTOAPOTHEKE VERDIENT EINEN SERVICE Das Erste-Hilfe-Set gehört ins Auto wie Leucht­ weste und Pannendreieck. Welches Material in eine Autoapotheke muss und worauf Fahrzeug­ halter besonders achten müssen. TEXT: Christoph Zehnder

Material muss ersetzt werden, damit im Ernstfall alles einsatzbereit ist. Fachleute empfehlen eine jährliche Kontrolle sowie eine komplette Erneuerung nach fünf bis sechs Jahren – je nach Inhalt. Im Samariter-Warenshop sind sowohl eine Autoapotheke nach DIN 13164 wie auch ein komplettes Set mit Ersatzinhalt erhältlich. Am besten ersetzt man den ganzen Inhalt und klebt den beigelegten Sticker mit dem neuen Ablaufdatum auf die Rückseite.

Sicher und griff bereit

Jeder Autofahrer, jede Autofahrerin sollte vorbereitet sein, um nach einem Verkehrsunfall rasch Erste Hilfe leisten zu können. Dazu gehört auch das Mitführen einer Autoapotheke mit den wichtigsten Erste-Hilfe-Materialien. Im Minimum sollten sich darin eine Rettungsdecke, Einweghandschuhe, eine Schere und natürlich Verbandsmaterial in diversen Ausführungen befinden. Die meisten hierzulande erhältlichen Autoapotheken entsprechen der Sicherheitsnorm DIN 13164 und beinhalten diese Ausrüstung standardmässig.

Ablaufdatum beachten Wer seine Autoapotheke noch nie einsetzen musste, kann froh sein. Genau darum schenkt man ihr aber oft keine grosse Beachtung. Dabei geht vergessen, dass auch Erste-HilfeMaterial nicht ewig haltbar ist. Das gilt erst recht im Auto, wo grosse Temperaturunterschiede dem Inhalt mit der Zeit besonders zusetzen. Heftpflaster und Schnellverbände verlieren ihre Haftfähigkeit, Einweghandschuhe werden spröde, ebenso die Verpackung von Verbandsmaterial, wodurch deren Inhalt nicht mehr steril ist. Wer solches Material dennoch verwendet, riskiert eine Infektion. Medikamente und Arzneimittel gehören nur bedingt in die Autoapotheke und sind in erster Linie für den Eigenbedarf gedacht. Sie reagieren ebenfalls auf die Temperaturschwankungen und verlieren bei grosser Hitze sogar ihre Wirksamkeit. Und auch hier gilt es, auf das Ablaufdatum zu achten. Wie das Fahrzeug braucht deshalb auch die Autoapotheke hin und wieder einen Wartungsservice. Verbrauchtes, defektes oder abgelaufenes 36  samariter 2/2020

Der Verbandskasten sollte im Fahrzeug jederzeit griffbereit sein. Der Kofferraum ist also nicht unbedingt der beste Ort zur Aufbewahrung, schon gar nicht wenn das dringend benötigte Material unter Bergen von Gepäck begraben liegt. Zudem lässt sich ein Kofferraum nach einem Unfall vielleicht nicht mehr öffnen. Auf der Hutablage wird ein Verbandskasten bei einer Vollbremsung zum gefährlichen Geschoss. Besser also, man verstaut die Apotheke im Fahrgastraum, etwa unter dem Sitz oder an der Rückenlehne.

Andere Länder, andere Vorschriften Eine Notfallapotheke gehört ebenso ins Auto wie Leuchtweste und Pannendreieck. In der Schweiz ist allerdings nur das Pannendreieck gesetzlich vorgeschrieben. In vielen EULändern ist das Mitführen einer Autoapotheke hingegen Pflicht und wird von der Polizei auch überprüft. Was auch auf Schweizer Strassen gilt, ist die Verpflichtung, verletzten Personen soweit möglich Hilfe zu leisten. Am ehesten gelingt dies mit der richtigen Ausbildung und einer gut ausgerüsteten Autoapotheke. Die Autoapotheke nach DIN 13164 inklusive Warnweste und Pannendreieck ist im Shop des Schweizerischen Samariterbunds erhältlich. Ein praktisches Set mit Ersatzinhalt zum Auffrischen der Apotheke kann ebenfalls bestellt werden. Samariterinnen und Samariter profitieren beim Kauf vom Mitgliederrabatt. Weitere Details auf der rechten Seite.

GUT ZU WISSEN • Autoapotheke, Pannendreieck und Warnweste sind in vielen EU-Ländern obligatorisch. • Der Inhalt der Autoapotheke sollte regelmässig überprüft und ersetzt werden. • Das Erste-Hilfe-Material sollte bei einem Unfall stets griff­ bereit sein.


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Artikelnummer 2831 CHF 15.– inkl. MwSt. Im Samariter-Warenshop finden Sie zahlreiche weitere Erste-Hilfe-Artikel zum Auffrischen oder Ergänzen Ihrer Autoapotheke. Weitere Informationen auf www.shop.samariter.ch

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WERKZEUGE

So wirken Seife, Masken und Desinfektionsmittel Selbstschutz ist für Ersthelfende und Betreuende oberstes Gebot. Dazu gehört auch der Schutz vor ansteckenden Krank­ heiten. Das wissen wir nicht erst seit dem Coronavirus. Drei Hygiene- und Schutzmassnahmen und wie sie wirken. TEXT: Christoph Zehnder

Seife Das Geheimnis der Seife liegt in ihrer Struktur. Seifenmoleküle sind am einen Ende wasserabstos­ send, am anderen wasseranziehend. Im Wasser bilden sie winzige Bläschen, die Schmutzpartikel aufnehmen können. Beim Händewaschen verkeilen sich die Moleküle in der Virushülle, brechen diese auf und machen das Viruspartikel dadurch unschädlich. Ohne seine Hülle kann das Coronavirus nicht an die Wirtszelle andocken. Gleichzeitig löst Seife die chemischen Verbindungen, durch die Mikroorganismen auf der Haut haften bleiben. Beim Abspülen der Seife werden die beschädigten oder isolierten Fremdkörper weggeschwemmt. Ein weiterer Vorteil: Seife strapaziert die Haut weniger als zum Beispiel viele alkoholhaltige Desinfek­ tionsmittel. Wird die Haut nämlich zu sehr beansprucht, leidet die Schutzfunktion, und winzige Risse entstehen. Eine Einladung für schädliche Mikroorganismen. Nicht erst seit dem Coronavirus ist bekannt, dass häufiges Händewaschen wichtig ist, um die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern. Die aktuelle Situation erinnert uns daran, dass mit einfachsten Mitteln häufig eine grosse Wirkung erzielt werden kann. Die gute alte Seife ist nämlich immer eines der wirksamsten Mittel gegen Krankheitserreger. Vorausgesetzt man benutzt sie auch – und zwar häufig und gründlich.

Desinfektionsmittel Seit dem Ausbruch des Coronavirus stehen auch Desinfektionsmittel hoch im Kurs. Die handlichen Sprays oder Gels sind praktisch, besonders wenn 38  samariter 2/2020

Händewaschen mit Wasser und Seife gerade nicht möglich ist. Hauptbestandteil der meisten Mittel ist Alkohol in einer Konzentration zwischen 60 und 80 Prozent. Bezeichnungen wie «antibakteriell» vermitteln oft den Eindruck, besonders reinigend zu wirken. Bei der Verwendung darf man allerdings nicht zu sparsam sein, sonst nützen die Mittel wenig. Es ist wichtig, das Mittel über die gesamte Oberfläche beider Hände zu reiben, bis diese trocken sind. Studien haben gezeigt, dass Handdesinfektionsmittel in Spitälern und Arztpraxen ein wirksames Instrument sind gegen die Verbreitung von Keimen. Dort kommen die Hände zwar in Kontakt mit Krankheitserregern, sind aber im Allgemeinen nicht stark verschmutzt. Anders sieht es dort aus, wo die Hände wirklich dreckig werden, etwa beim Kochen, im Garten oder beim Sport. Bei stark verschmutzten oder fettigen Händen sind die Mittel weniger effektiv, wie Untersuchungen gezeigt haben. Wasser und Seife sind im Alltag fast immer die bessere Wahl.

Schutzmasken Bis vor Kurzem kannte man das Bild eher aus asiatischen Metropolen: Menschen, die mit einem Mundschutz unterwegs sind. Mittlerweile sind diese Artikel auch bei uns sehr begehrt. Laut Medienberichten werden Schutzmasken in Massen gekauft, gehortet oder sogar gestohlen, in der Hoffnung auf das schnelle Geschäft. Experten und Gesundheitsbehörden sind zurückhaltend, was das Tragen von Masken von gesunden Menschen an-


geht. Nicht zuletzt, weil sie ein falsches Sicherheitsgefühl vermittelt und wichtige Hygiene- und Verhaltensregeln dadurch vernachlässigt werden. Eine Hygienemaske macht vor allem Sinn, wenn eine Person bereits erkrankt ist. Die winzigen Tröpfchen werden darin aufgefangen. Wichtig ist, dass die Maske gut sitzt und ersetzt wird, bevor sie selbst zur Virenschleuder wird. Ein oft unterschätzter Vorteil der Maske: Sie hindert uns daran, an Mund und Nase zu fassen. Das tun wir nämlich fast alle drei Minuten, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Auch in Pflege- und Betreuungseinrichtungen, wo das Personal einem erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt ist, werden Schutzmasken getragen. Dabei unterscheidet man zwischen verschiedenen Typen mit unterschiedlicher Schutzwirkung. Den einfachsten Schutz bieten die mehrlagigen MundNasen-Masken. Nach einmaligem Gebrauch müssen sie entsorgt werden. Besseren Schutz bieten sogenannte FFP-Masken. Die Abkürzung steht für «Filtering Face Piece». Diese filtern auch kleine Partikel aus der Luft, was eine Hygienemaske nicht kann. Manche Modelle haben zudem ein Ventil, das das Ausatmen erleichtert. FFP-Atemschutzmasken werden in drei verschiedene Schutzklassen unterteilt: FFP1, FFP2 und FFP3. Je höher die Zahl, desto stärker der Filter.

TIPP Richtige Verwendung der Hygienemaske 1. Waschen Sie sich vor dem Anziehen der Maske die Hände mit Wasser und Seife oder mit einem Desinfektionsmittel. 2. Setzen Sie die Hygienemaske vorsichtig auf, sodass sie Nase und Mund bedeckt, und ziehen Sie sie fest, sodass sie eng am Gesicht anliegt. 3. Berühren Sie die Maske nicht mehr, sobald Sie sie aufgesetzt haben. Waschen Sie sich nach jeder Berührung einer gebrauchten Hygienemaske, z. B. beim Abnehmen, die Hände mit Wasser und Seife oder mit einem Desinfek­ tionsmittel. 4. Hygienemasken können für mindestens 2 bis 4 Stunden (bis zu 8 Stunden) getragen werden, auch wenn sie feucht sind. 5. Dann ersetzen Sie sie durch eine neue, saubere und trockene Hygienemaske. 6. Einweg-Hygienemasken dürfen nicht wiederverwendet werden. 7. Werfen Sie die Einweg-Hygienemasken nach jeder Verwendung sofort nach dem Ausziehen weg. Quelle: Bundesamt für Gesundheit (BAG)

Das Bundesamt für Gesundheit weist auf seiner Website darauf hin: «Wenn Sie jemanden mit einer Hygienemaske sehen, heisst das nicht, dass diese Person am neuen Coronavirus erkrankt ist. Es gibt verschiedene Gründe, eine Maske zu tragen. Bleiben Sie freundlich zu Menschen, die eine Hygie­ nemaske tragen.»

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AUS DEN ROTKREUZ-ORGANISATIONEN

Notstand an Schulen Ghana gilt als Vorzeigeland in Afrika. Doch punkto Wasserversorgung und Hygiene hinkt der westafrikanische Staat hinterher. Besonders prekär ist die Lage im Nordosten des Landes, wo über 90 Prozent der Menschen ihre Notdurft im Freien verrichten müssen, ohne Möglichkeit zum Händewaschen. Auch öffentliche Einrichtungen wie Schulen und Gesundheitszentren sind ungenügend eingerichtet. TEXT: Franziska Bundi, SRK FOTOS: Bernard van Dierendonck

Die schlechte Wasserversorgung ist ein Gesundheitsrisiko für die Menschen in Ghana.

Margaret, 16, wäscht ihr Mittagsgeschirr beim grossen Wassertank zusammen mit den anderen Mädchen ihrer Klasse. Aus allen Himmelsrichtungen strömen Hunderte von Schülerinnen und Schülern zur Wasserstelle. Sie besuchen die Awe Senior High Technical School in einer ländlichen Region im Nordosten Ghanas. An der Schule werden rund 1700 Jugendliche unterrichtet. Die meisten wohnen im Internat. Margaret ist Tages­ schülerin und muss sich doppelt anstrengen. Der 40  samariter 2/2020

16-Jährigen bleibt kaum Zeit zum Lernen. Als älteste Tochter muss sie ihrer Familie bei den täglichen Arbeiten besonders viel helfen. Wie in vielen Teilen Afrikas ist das Wassertragen auch in Ghana Aufgabe der Mädchen und Frauen. Direkt nach der Schule holt Margaret Wasser, das ihre Familie zum Trinken, Kochen, Waschen und Reinigen braucht. Sie läuft auf dem Trampelpfad zwischen Hirse- und Maisstauden und den Chili- und Erdnusskulturen zum Bohrloch der Dorfgemeinschaft.


Dort pumpt sie Wasser in eine grosse Blechschüssel. Beim Hochheben der 25 kg schweren Last braucht sie Hilfe, doch dann balanciert sie die Wasserschüssel geschickt auf dem Kopf nach Hause. Es wird früh dunkel in den Tropen, deshalb ist Margaret meist erst nach Einbruch der Nacht wieder zu Hause. Sie hilft der Mutter beim Kochen und passt auf ihre kleinen Brüder auf. Um zu lernen, scheut das willensstarke Mädchen keinen Aufwand. «Ich stehe um drei Uhr morgens auf, damit ich eine Stunde lernen kann», erzählt Margaret.

• «Ich stehe um drei Uhr

morgens auf, damit ich eine Stunde lernen kann.»

Die 16-jährige Schülerin Margaret (die Zweite von links) mit ihrer Tante (links), ihren beiden Brüdern und ihren Eltern – die Familie lebt abseits in einem kleinen Haus umgeben von Feldern.

•

Eine Lampe spendet ihr Licht. Elektrizität gibt es in Margarets Dorf keine, doch ihr Vater hat eine Solarzelle auf dem Dach installiert. «Natürlich bin ich dann müde», gesteht sie, «aber Lernen ist mir wichtig.» Ihr Traum, Lehrerin zu werden und mit ihrem Wissen ihrer Gemeinschaft zu helfen, treibt das Mädchen an. Noch vor der Dämmerung läuft Margaret erneut zum Bohrloch, um Wasser zu holen. Damit sie rechtzeitig im Unterricht ist, steigt sie um fünf Uhr auf ihr Velo und fährt eine Stunde bis in die Schule. Frühstück isst sie keines, da ihre Familie wie viele Menschen in dieser Region mit dem Essen sorgsam haushalten muss. Mehrmals täglich holt Margaret für ihre ganze Familie Wasser bei der Wasserstelle und trägt auf diese Weise beachtliche 25 Liter aufs Mal nach Hause.

Schulen ohne genügend Wasser und Toiletten An Margarets Schule stehen für die rund 2000 Menschen, die sich täglich auf dem Areal aufhalten, keine funktionierenden Toiletten zur Verfügung. Der einzige Toilettenbau aus den 1950erJahren mit je drei Löchern im Boden für die Mädchen und für die Knaben ist einsturzgefährdet, der Gestank unerträglich. Margaret und ihre Freundin Patience kichern und deuten in Richtung der Büsche: «Wir gehen dorthin, wenn wir uns erleichtern müssen.» Die anderen Schulkinder, die Lehrpersonen und das Küchenpersonal tun es ihnen gleich. Alle müssen ihr Geschäft im Freien verrichten. Eine Möglichkeit, sich danach die Hände mit Seife zu waschen, gibt es nicht. Das Risiko, sich mit lebensgefährlichen Bakterien und Viren zu infizieren, ist hoch.

Margaret lernt viel und ist eine pflichtbewusste, hochinteressierte Schülerin.

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AUS DEN ROTKREUZ-ORGANISATIONEN

Für Margaret ist das Mittagessen die erste Mahlzeit des Tages: Es gibt jeweils eine einfache Mahlzeit in der engen, stickig heissen Essenshalle der Schule.

Auch die Wasserversorgung der Schule ist mangelhaft. Zwar fliesst derzeit noch reichlich Wasser aus dem Tank, der 3000 Liter fasst. Über ein Bohrloch wird Grundwasser aus 20 Metern Tiefe an die Oberfläche befördert. Doch in der Trockenzeit versiegt diese Quelle für über drei Monate. Die grüne Landschaft wird braun und karg. Dann muss die Schule ihr Wasser kaufen und dieses reicht nicht für alle und alles. Um sich und die Kleider zu waschen, müssen die Internatsschülerinnen und -schüler etwa 15 Minuten zu einem sumpfigen Teich marschieren.

Grosses Cholerarisiko In der offenen Schulküche brodelt das Mittagessen in grossen Töpfen über dem Feuer. Es riecht nach Rauch und einem traditionellen Reisgericht. Die unzähligen Fliegen, die sich ungehindert auf allen Nahrungsmitteln niederlassen, sind ein weiteres Hygieneproblem. Sie übertragen Krankheiten wie Cholera. Von den menschlichen Exkrementen fliegen sie direkt auf das fertig zubereitete Essen. «Deshalb besteht an dieser Schule ein riesiges Cholera­risiko», erklärt Princella Agesine, Krankenschwester beim Ghanaischen Roten Kreuz. «Wenn hier die Krankheit ausbrechen sollte, wären die Folgen für die Schülerinnen und Schüler fatal.»

In Zukunft besser geschützt Das Ghanaische Rote Kreuz verbessert nun schrittweise mit Unterstützung durch das Schweizerische Rote Kreuz in verschiedenen Distrikten an drei Schulen die sanitären Anlagen, den Zugang 42  samariter 2/2020

Eine gute Hygiene ist in einem Gesundheitszentrum wie diesem besonders wichtig, da Frauen hierherkommen, um begleitet von einer Hebamme gebären zu können.

zu Trinkwasser und das Hygieneverhalten. Auch 15 Gesundheitszentren sollen mit fliessendem Wasser und Toiletten ausgestattet werden. Die ausgewählten Gesundheitszentren werden von Frauen zum Gebären aufgesucht. Eine gute Hy­g iene ist darum besonders wichtig. Insgesamt wird sich das Rote Kreuz in 20 Gemeinden engagieren, um den Zugang zu Trinkwasser und Toiletten sicherzustellen. Zudem motiviert es die Menschen, konsequent die neuen Hygienemassnahmen beizubehalten. «Die Dringlichkeit ist hoch», sagt Thomas OkollahOyugi, der Länderkoordinator des SRK in Ghana, als er vor dem Wassertank der Schule steht. Mit relativ wenig Aufwand könne an Margarets Schule die Wasserversorgung gesichert und die sani­tären Anlagen aufgebaut werden, da bereits Bohrlöcher vorhanden seien. «Doch mit dem Bau der Infrastruktur allein ist es nicht getan», mahnt er. «Es braucht intensive Aufklärung, damit die sanitären Anlagen benutzt werden und sich das Hygieneverhalten der Menschen nachhaltig verändert.» Sein Blick schweift in die Ferne, als er sagt: «Das Rote Kreuz möchte mit gutem Beispiel vorangehen und die Schulen dieser Region im Hygienebereich weiterbringen.» Schülerinnen wie Margaret wären in Zukunft besser vor Krankheiten geschützt und in ihrem beschwerlichen Alltag ein wenig erleichtert.

Weitere Informationen: redcross.ch/ghana


SERVICE

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Kontakt Redaktion «samariter» Postfach, 4601 Olten redaktion@samariter.ch Ihre Leserbriefe senden Sie am besten per E-Mail oder Post an die Adresse der Redaktion. Der nächste «samariter» erscheint am 12. August 2020. Redaktionsschluss ist am 10. Juli 2020.

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Redaktions­ schluss

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03/2020

10.07.2020

12.08.2020

04/2020

16.10.2020

18.11.2020

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