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SAMARITER Das Verbandsmagazin des Schweizerischen Samariterbunds
Mehr Flexibilität in der Samariter-Ausbildung 12 BILDUNG 2021
Alle Kurse und Tagungen auf einen Blick
16 FEHLENDES WISSEN
Nur jede zweite Person traut es sich zu, im Notfall zu helfen
30 FREIWILLIGKEIT
Was Freiwillige antreibt und andere davon abhält
Erste Hilfe hat viele Gesichter
Danke fĂźr Ihre Spende und UnterstĂźtzung.
EDITORIAL
MUT ZUR MODERNEN BILDUNG Liebe Leserinnen, liebe Leser Als Samariterinnen und Samariter sind wir gemeinsam über die Bücher gegangen und haben mit vereinten Kräften eine neue Strategie erarbeitet. Innerhalb der verschiedenen Arbeitsgruppen wurde und wird noch immer grossartige Arbeit geleistet für eine mutige Neuausrichtung unserer Bewegung. Sie alle haben den Weg in die Zukunft vorgezeichnet. Mit Ihrer Unterstützung und einer starken Führung wird uns unter anderem auch die Harmonisierung auf allen Ebenen gelingen. Das Thema dieser Ausgabe lautet Bildung. Als kürzlich bei einem Kadertreffen Anpassungen in diesem Bereich angekündigt wurden, gab es einen Aufschrei. Nennen wir das Kind beim Namen: Die letzte Bildungsreform als kompliziert zu bezeichnen wäre noch untertrieben … Es hat viel Energie gekostet, die verschiedenen Lager zu vereinen. Darauf möchten wir in Zukunft lieber verzichten.
Dazu ein Gedanke: Ich halte es für zielführend, die Struktur unserer Kaderausbildung zu vereinfachen. Wir sollten nicht systematisch eine umfangreichere Ausbildung verlangen als unsere Mitbewerber dies tun. Mir gefällt auch die Vorstellung, dass wir uns nicht mehr in endlose Projekte verzetteln. Konzentrieren wir uns stattdessen auf das Wesentliche. Ich jedenfalls freue mich schon heute auf ein Bildungsangebot, das unserer neuen Strategie entspricht. Als eines von vielen Werkzeugen wird es dazu beitragen, uns noch attraktiver zu machen. Nur Mut, wir können das! DAGMAR BAETTIG Mitglied des Zentralvorstands
samariter 4/2020 3
INHALT 15 CLUB 2013 Clubpräsident Kurt Sutter über Mitglieder und Ziele des Clubs
24 ERSTHELFER GLOBI Der beliebte Comicheld als Ersthelfer in neuer Auflage
20 FILM AB Junge Samariter drehen in Obwalden ein professionelles Lernvideo
25 VEREINE UND VERBÄNDE Stabübergabe im Kantonalverband Freiburg
22 BLUTSPENDE Engagement kennt keine Grenzen
26 EIN WETTKAMPF ZUM JUBILÄUM Besuch bei den Samas'Kids von Savièse
4 samariter 4/2020
29 KURZ UND BÜNDIG Kurzmeldungen aus dem Vereinsleben 30 FREIWILLIGENARBEIT IN DER SCHWEIZ Was die Menschen motiviert oder davon abhält, sich für andere einzusetzen 32 SIE SIND DRAN Rätsel und Sudoku
IMPRESSUM «samariter» 4/2020 Erscheinungsdatum: 18. November Herausgeber Schweizerischer Samariterbund SSB Martin-Disteli-Strasse 27 Postfach, 4601 Olten Telefon 062 286 02 00 Telefax 062 286 02 02 redaktion@samariter.ch www.samariter.ch Abonnemente, Adressänderungen schriftlich an obige Adresse Abonnementspreis Einzelabonnement für Aussenstehende: Fr. 33.– pro Jahr 4 Ausgaben pro Jahr Auflage: 22 600 Exemplare Redaktion Christoph Zehnder (cze) Matthias Zobrist (mzo) Westschweiz: Chantal Lienert (cli) Südschweiz: Mara Zanetti Maestrani (m.z.) Sekretariat: Monika Nembrini Telefon 062 286 02 00 Telefax 062 286 02 02 redaktion@samariter.ch Postadresse: Redaktion «samariter» Postfach, 4601 Olten
33 AUS DEM WARENSHOP Abstand halten mit dem praktischen HygieneSchlüsselanhänger
37 UNTER NEUER LEITUNG Philipp Matthias Bregy übernimmt das Zentral präsidium von REDOG
34 WUSSTEN SIE? Im Tessin wurde eine Strasse nach einer Samariterin benannt
39 SERVICE Kontaktadresse und Redaktionstermine
Inserate Fachmedien Zürichsee Werbe AG Laubisrütistrasse 44, 8712 Stäfa Telefon 044 928 56 11 Telefax 044 928 56 00 samariter@fachmedien.ch www.fachmedien.ch Layout, Druck, Versand Stämpfli AG, 3001 Bern
36 AUS DER SRK-FAMILIE Die neuen SRKBotschafter machen sich stark für Erste Hilfe samariter 4/2020 5
SCHWERPUNKT BILDUNG
Einfacher, flexibler und näher an der Basis
Ein Samariter gibt künftigen Samariterlehrern sein Wissen weiter. (Foto: zVg)
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Mit der Neuausrichtung der Samariter-Bildungslandschaft wird nicht alles auf den Kopf gestellt. Bewährtes wird weitergeführt. Gleichzeitig wird das Ausbildungssystem aber vereinfacht und flexibler gestaltet. Und: Die Kantonalverbände übernehmen darin neu eine tragende Rolle. TEXT: Matthias Zobrist Seit Monaten wird an der Zukunft des Samariterwesens gearbeitet. Wichtiger Schwerpunkt dabei ist ebenfalls das Bildungssystem, das die Samariterinnen und Samariter durchlaufen, um ihr ErsteHilfe-Wissen später an andere weitergeben zu können. Startschuss dafür war bereits im Spätherbst 2018. An der Präsidentenkonferenz erhielt eine Arbeitsgruppe – zusammengesetzt aus Samariterinnen und Samaritern aus allen Sprachregionen sowie einem Vertreter aus dem Jugendbereich – folgenden Auftrag: basierend auf dem Bildungsbedarf der Kantonalverbände und Vereine ein «Grobkonzept Bildung SSB» erstellen. Konkret sollte die Gruppe Aufbau und Inhalte der aktuellen Ausbildungslehrgänge des SSB überprüfen und Optimierungspotenzial aufzeigen. Bei der Evaluierung sollte sie weiter die Kosten für die Lehrgänge aufschlüsseln, sodass die Geschäftsstelle diese künftig kostendeckend durchführen kann. Unter Einbezug der Basis entstand in den folgenden Monaten ein Konzept. Thomas Stoiber, Leiter der Arbeitsgruppe Bildung, präsentierte an der Verbandskonferenz vom 25. Januar 2020 zusammen mit dem stellvertretenden Leiter Dominic Siegenthaler den Vorschlag. Dieser zielt vor allem darauf ab, unnötige Redundanzen abzubauen. Die bewährten Inhalte der jetzigen Kurse sollen aber grösstenteils weitergenutzt werden. Gleichzeitig wird das System durch eine Modularisierung flexibler und fokussierter auf den Bildungsbedarf ausgerichtet, was die Attraktivität der Ausbildungsfunktionen stärken würde. Zudem sollen die Kantonalverbände wieder mehr in die Bildung ihrer Samariter eingebunden werden. Denn heute ist es teilweise so, dass die Samariterinstruktoren und die Verantwortlichen für Aus- und Weiterbildung gar keinen Überblick darüber haben, welche Samariter aus ihrem Kanton überhaupt eine Weiterbildung starten.
Dem Konzept Leben einhauchen Das Grobkonzept wurde an der Konferenz verabschiedet und anschliessend an den Bereich Bildung
der Geschäftsstelle des SSB weitergegeben. Dort sollte das theoretische Konzept konkret weiter ausgearbeitet und umgesetzt werden. Das ist in den vergangenen Monaten geschehen. «Wir wollten auf der Basis des Grobkonzepts die Bildungsangebote auch einfacher und besser verständlich machen für die Samariter», erklärt Andrea Schmid, Fachspezialistin Aus- und Weiterbildung an der Geschäftsstelle, die massgeblich an der Ausarbeitung mit gewirkt hat. «Für viele sind die heutigen Ausbildungswege nämlich zu wenig klar. Wir merken das an den vielen Anrufen und E-Mails von Samaritern, die wir beraten müssen.»
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«Für viele sind die heutigen Aus bildungswege zu wenig klar.»
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Vereinfacht wird das Kurswesen unter anderem dadurch, dass die Ausbildung zum Kursleiter 1 IVR (siehe Box Seite 8 zum Wechsel SSB zu IVR) neu die Basis für alle weiteren Lehrgänge darstellt. Egal ob jemand Samariterlehrer oder Kursleiter einer höheren Stufe werden möchte: Zuerst absolviert er die Ausbildung zum Kursleiter 1. Alle folgenden Lehrgänge bauen darauf auf. Dadurch wird unter anderem die bisherige Passerelle vom Samariterlehrer zum Kursleiter hinfällig. Und wer Samariterlehrer werden will, besucht einfach die entsprechende Ausbildung. Weil sich dabei Synergien mit der Basisausbildung nutzen lassen, verkürzt sich diese von sieben auf fünf Tage. Angepasst wird auch der weiterführende Weg von Kursleiter/innen. Erwerben sie die Qualifikation Stufe 3 IVR, verfügen sie direkt über das Zertifikat «Kursleiter 2 IVR» und dürfen entsprechende Kurse unterrichten. Nur wer ebenfalls individuell zusammengestellte Erste-Hilfe-Kurse leiten möchte, muss über das neue Diplom «Kursleiter Zielgruppenkurse» samariter 4/2020 7
SCHWERPUNKT BILDUNG
verfügen. Diese Ausbildung ist nur vom Namen her neu und entspricht inhaltlich sowie punkto Umfang dem heutigen Lehrgang «Kursleiter 2 SSB».
Die Kantonalverbände sind am Zug Neben dem neuen Aufbau des Ausbildungssystems ändert sich aber auch innerhalb der Lehrgänge einiges. Zwar bleiben die Inhalte zu 80 Prozent gleich, der Aufbau der Basisausbildung «Kursleiter 1 IVR» wird dagegen ziemlich stark verändert (siehe Schema auf Seite 9). Neu braucht es für den Zugang zur Ausbildung ein sogenanntes Eintrittsticket. Grundvoraussetzung ist, dass die Interessierten Aktivmitglied in einem Samariterverein sind und über eine aktuelle Stufe IVR 2 verfügen. Anschliessend müssen sie drei verschiedene Schulungselemente besuchen: • Orientierungsveranstaltung: Sie umfasst die Inhalte des heutigen «Kick-offs». Die Teilnehmenden lernen dort unter anderem die Samariterorganisation kennen und erfahren die Details über ihren Ausbildungsweg. • Plattformenschulung: In der Schulung werden die wichtigsten Funktionen der verschiedenen Plattformen vermittelt, welche die angehenden Kursleiter/innen nutzen werden (Extranet, myLearning, Lehrmittel, OMS). • Fachtechnisches Vorbereitungselement: eine eigentliche Prüfung, bei der das fachtechnische Wissen der Kandidatinnen und Kandidaten getestet wird. Dabei wird sowohl Theorie als auch Praxis geprüft. Eine weitere grosse Änderung wird auch sein, dass die Kantonalverbände diese drei Schulungselemente durchführen werden. Dadurch übernehmen sie mehr Verantwortung und rücken gleichzeitig näher an die Samariter, die eine Ausbildung machen wollen. «Die Samariterinnen und Samariter sind dadurch von Beginn ihrer Samariterkarriere an im Austausch mit Instruktoren aus ihrem Kanton. Damit haben sie auch gleich eine Bezugs- und Ansprechperson. Die-
WIESO IVR STATT SSB? Bereits bei der Konzipierung der heutigen Kurse stand zur Diskussion, von Kursleiter 1 IVR zu sprechen. In der damaligen Situation entschied man sich aber dagegen und wollte mit dem Zusatz SSB auch den Fokus auf samariterspezifische Themen innerhalb der Kurse richten. Daran ändert sich auch mit der neuen Bezeichnung nichts. Es wird weiterhin viel «Samariter» in den Lehrgängen stecken. Mit dem Wechsel im Diplomtitel ergibt sich aber eine Gleichbehandlung in allen Rettungsorganisationen. 8 samariter 4/2020
ser direkte Draht ist äusserst wertvoll», ist Andrea Schmid, selbst lange Zeit Instruktorin, überzeugt. Auch wenn die 24 Kantonalverbände künftig diese Vorbereitungskurse durchführen werden, sollen sie inhaltlich in der ganzen Schweiz gleich sein. Damit lässt sich eine einheitliche Qualität sicherstellen. Zudem wird Samariterinnen und Samaritern so ermöglicht, Teile ihres Eintrittstickets grundsätzlich auch in einem anderen Kanton erarbeiten zu können, wenn dies aus terminlichen oder anderen Gründen nötig sein sollte. Spätestens wenn man alle Punkte des Eintritts tickets erfüllt hat, muss man einen Vertrag mit seinem Samariterverein unterzeichnen. Um zum eigentlichen Kursleiterkurs zugelassen zu werden, müssen die angehenden Kursleiter dem Verhaltenskodex zugestimmt und verschiedene Online-Weiterbildungssequenzen absolviert haben. Anschlies send steht dem Besuch der zwei Kursmodule zu je zwei Tagen nichts mehr im Weg. Bei diesem Teil der Ausbildung wird sich gegenüber heute wenig verändern. Dafür wird aber ein abschliessendes Element hinzukommen: Um das Zertifikat Kursleiter 1 IVR zu erhalten, müssen alle Teilnehmenden selbst einen Nothilfekurs leiten. Ein erfahrener Kursleiter begleitet sie bei der Vorbereitung und der Durchführung. Ebenfalls wird ein Instruktor mindestens drei Stunden den Kurs besuchen und anschliessend Rückmeldungen und Tipps abgeben.
Wie geht es weiter? In den kommenden Monaten wird in einer Arbeitsgruppe der Geschäftsstelle weiter an den inhaltlichen Details und den Prozessen gearbeitet. So muss beispielsweise das fachtechnische Vorbereitungselement konzipiert werden. Bei dieser Feinausarbeitung können sich auch die Bezeichnungen der einzelnen Kurselemente usw. noch ändern. Im September 2021 startet dann ein Pilotkurs Kursleiter 1 IVR. Bei dieser Durchführung ist für das Eintrittsticket noch die Geschäftsstelle verantwortlich. Nach Abschluss des Pilotkurses wird dieser ausgewertet, damit allfällige Anpassungen am Konzept möglich sind. Erst dann ist die Übersetzung ins Französische und Italienische vorgesehen. Nicht berücksichtigt wurden bei der bisherigen Ausarbeitung die Ausbildungen im Bereich Jugend. Sie waren aber stets im Hinterkopf. Denn eines ist klar: Die neuen Jugendlehrgänge sollen besser mit den Lehrgängen aus dem Erwachsenenbereich verknüpft werden. Das wird es jungen Samariterinnen und Samaritern ermöglichen, ihre
Karriere von Beginn weg besser zu planen, und ihnen ihren Übertritt von der Jugend zu den Erwachsenen erleichtern. Die Ausbildungsangebote für die Jugend werden erst ab 2023 überarbeitet, wenn die Pilotkurse im Erwachsenenbereich durchgeführt und ausgewertet worden sind und das neue System somit definitiv verankert ist.
Auch wenn die Bildung für die Samariter neu gestaltet wird: Samariterinnen und Samariter, die noch den alten Ausbildungsweg absolviert haben, werden nicht durch die Maschen fallen. Für sie wird es einfache und unkomplizierte Möglichkeiten geben, damit sie auch im neuen System ihre Funktionen weiter wahrnehmen können.
Bildung des SSB heute und morgen Lehrgänge heute • Kursleiter 1 SSB, 4 Tage • Kursleiter 2 SSB, 6 Tage • Samariterlehrer, 7 Tage • BLS-AED SRC Generic Instructor, 1 Tag (Passerelle Samariterlehrer und Jugendtrainer zum Kursleiter 1 SSB) • Passerelle Kursleiter 1 SSB zum Samariterlehrer, 5 Tage • Samariterinstruktor, 4 Tage • Vereinscoach, 3 Tage
Beispiel: Aufbau Lehrgang Kursleiter 1 SSB
Lehrgänge ab 2022 • Kursleiter 1 IVR, 4 Tage • Neu: Kursleiter 2 IVR, 0 Tage (nur formal) • Kursleiter Zielgruppenkurse, 6 Tage • Samariterlehrer, 5 Tage • BLS-AED SRC Generic Instructor, 1 Tag (neu: nur noch für Rezertifizierung und Passerelle Jugendtrainer) • Passerelle fällt weg • Samariterinstruktor, 4 Tage • Vereinscoach, 3 Tage
Beispiel: Aufbau Lehrgang Kursleiter 1 IVR
Voraussetzungen Aktiver Samariter, aktuelle Stufe 2 IVR, Vertrag mit Verein, Verhaltenskodex, WBTs, Vorbereitungsaufträge. Dauer: 3 Stunden
Eintrittsticket Aktiver Samariter, aktuelle Stufe 2 IVR, Orientierungsveranstaltung, Fachtechnisches Vorbereitungselement, Plattformenschulung Dauer: ca. 10 Stunden
Kick-off Grundsätze SRK, Aufbau SSB, Schulung Verhaltensmodell Dauer: 4,5 Stunden
Voraussetzungen Vertrag mit dem Verein, Verhaltenskodex, WBTs, Vorbereitungsaufträge, Verhaltensmodell Dauer: 5 Stunden
1. Block Präsentation und Persönlichkeit Dauer: 2 Tage
1. Block Präsentation und Persönlichkeit Dauer: 2 Tage
2. Block Fallbeispiele, BLS-AED SRC Generic Instructor Dauer: 2 Tage
2. Block Fallbeispiele, BLS-AED SRC Generic Instructor Dauer: 2 Tage
Praktikum Leiten eines Nothilfekurses und Qualifizierung durch Samariterinstruktor, Dauer: 7 – 10 Stunden
Diplom Kursleiter 1 SSB Erteilen von standardisierten Kursen: NHK, NfK, BLS-AED, Stufe 1 IVR
Zertifikat Kursleiter 1 IVR Erteilen von standardisierten Kursen: NHK, NfK, BLS-AED, Stufe 1 IVR
samariter 4/2020 9
REDE UND ANTWORT
«Die Bildung des SSB ist breit akzeptiert» André Roggli hat in der Arbeitsgruppe Bildung am Grobkonzept für die Neuausrichtung der Bildung des SSB mitgewirkt. Als interimistischer Leiter des Bereichs Bildung und Freiwilligenmanagement der Geschäftsstelle hat er in den vergangenen Monaten auch die konkrete Umsetzung begleitet. INTERVIEW: Matthias Zobrist
stand erhalten, zum Beispiel dass die Bildungsangebote kostendeckend sein müssen. Es war auch klar, dass wir das Ausbildungssystem nicht neu erfinden mussten, sondern ein sehr grosser Teil gut funktioniert. Es ging also darum, Optimierungspotenzial aufzuzeigen und herauszufinden, wie das System leichter und flexibler gestaltet werden könnte.
Wie wurde sichergestellt, dass die Bedürfnisse der Vereine und Verbände berücksichtigt werden?
Was hat den Ausschlag gege- Die Arbeitsgruppe war sehr gut durchmischt: verben, dass man 2018 begon- schiedene Sprachregionen, unterschiedliche Funknen hat, das Ausbildungs- tionen. Wir haben alle einen sehr engen Bezug zur system für die Samariter Basis und konnten auch unsere eigenen Erfahrununter die Lupe zu nehmen? gen einbringen. Zudem hatten wir mit der erwähnAndré Roggli: Das waren vielfältige Gründe. Einerseits hatte man damals bereits zwei Jahre mit dem heutigen Bildungssystem gearbeitet. Deshalb war es wichtig, einmal kritisch zu reflektieren, wie wir unterwegs sind und was optimiert werden könnte. Andererseits stand damals wegen der finanziellen Situation in der André Roggli war Mitglied in der Arbeitsgruppe BilGeschäftssteldung und leitet interimistisch den Bereich Bildung le des SSB die und Freiwilligenmanagement beim SSB. ganze Bildung still. In dieser Phase hat man als ersten Schritt eine Umfrage bei den Kantonalverbandspräsidentinnen und -präsidenten gemacht. Man wollte herausfinden, welche Ausbildungen sie wirklich brauchen und man deshalb trotzdem anbieten sollte.
ten Umfrage schon einmal den Puls bei den Verbänden gefühlt. Auch wurden die Kantonalen Aus- und Weiterbildungsverantwortlichen mehrmals als Spiegelpersonen mit einbezogen.
Der Bereich Bildung der Geschäftsstelle des SSB hat auf der Basis des Grobkonzepts das neue Ausbildungssystem ausgearbeitet. Die Kantonalverbände übernehmen künftig eine wichtige Rolle. Welche Vorteile verspricht man sich davon?
Die Verbände rücken wieder näher an die Samariterinnen und Samariter aus ihren Kantonen. Heute findet der erste Kontakt zwischen Instruktoren und Ausbildungsteilnehmenden erst bei der «Standortbestimmung» statt. Weil die Instruktoren künftig die Schulung der Vorbereitungselemente des Grundkurses übernehmen, werden sie sich auch verstärkt mit konkreten Herausforderungen der Kursleitenden auseinandersetzen. Sie werden daher zum wichtigen Ansprechpartner für ihre Leute und können sie von Beginn weg enger begleiten. Nicht zuletzt verspreche ich mir, dass mit den neuen Aufgaben der Job der Instruktoren noch Den Grundstein für die eigentliche Neu- spannender wird.
ausrichtung hat die Arbeitsgruppe Bildung gelegt. Wie ist sie bei der Erarbeitung des Grobkonzepts vorgegangen?
Wir kannten durch die Umfrage bei den Kantonalverbänden bereits deren Bedürfnisse. Zudem hatten wir gewisse Vorgaben aus dem Zentralvor10 samariter 4/2020
Kann ein kleiner Kantonalverband die verschiedenen, vorgesehenen Schulungselemente überhaupt durchführen? Für kleine Verbände ist es wohl sinnvoll, sich diesbezüglich mit anderen zusammenzutun, sodass
nicht jeder alles allein machen muss. Das ist in anderen Bereichen auch bereits so und funktioniert meiner Meinung nach ganz gut. Zudem soll der Zugang zu den Vorbereitungselementen grundsätzlich offen sein. Man kann diese also in der ganzen Schweiz und nicht nur in seinem Kanton absolvieren.
gelingt am besten, wenn man einen Kurs von A bis Z durchführt und dabei von einem erfahrenen Kursleiter begleitet wird und ein Instruktor Tipps für eine erfolgreiche Kursleiterkarriere mitgeben darf.
Hintergrund ist in erster Linie, die Ausbildung in den Vereinen durch die Samariterlehrer zu vereinfachen. Mit der Basisausbildung haben wir die Grundlage geschaffen, dass jeder Samariterlehrer künftig alle Lehrgänge in seinem Verein durchführen kann, also auch die Repetitionen der Stufe 2 und die BLS-AED-Lehrgänge. Wir können die Leute auch besser einbeziehen und schauen, dass Samariterlehrer in den Themen fit sind, die sie an Übungen vermitteln. Und: Auch wenn ein Samariterlehrer schliesslich nicht als Kursleiter aktiv sein muss, erhoffen wir uns natürlich trotzdem, künftig den einen oder anderen Kursleiter mehr zu haben und somit ein paar zusätzliche Bevölkerungskurse anbieten zu können.
die im Jugendbereich aktiv sind, sollen leicht zu den Erwachsenenlehrgängen wechseln können. Deshalb wartet man auch, bis die Erwachsenenbildung sauber aufgegleist ist, damit man das gewährleisten kann.
Die Ausbildung der Samariterjugend soll erst angegangen werden, wenn diejenige Die Ausbildung zum Kursleiter 1 wird neu der Erwachsenen etabliert ist. Gibt es bezu einer Art Basisausbildung für alle Sa- reits erste Ideen, in welche Richtung es mariter, welche die Bevölkerung oder an- gehen könnte? dere Samariter in Erster Hilfe unterrichten Wir werden sicher auch bei der Jugend offen sein möchten. Welche Überlegungen stecken und uns alles genau anschauen. Wichtig ist, dass wir gute Übergänge schaffen können. Diejenigen, hinter diesem Entscheid?
• «Die Verbände rücken wieder
näher an die Samariterinnen und Samariter aus ihren Kantonen.»
•
Die Funktion des Samariterlehrers rückt also näher an diejenige des Kursleiters?
Die letzte grosse Änderung war 2017, als unter anderem alle Kursangebote der SaBezüglich Ausbildungsweg: ja. Die ursprüngliche mariter durch den Interverband für RetIdee der heutigen Ausbildungsstruktur war sicher tungswesen (IVR) zertifiziert wurden. Sie gut. Es sollte nicht jeder alle Funktionen überneh- verlief jedoch nicht reibungslos. Was wird men müssen. Man konnte also entweder Kurslei- man dieses Mal anders machen? ter 1, Kursleiter 2 oder Samariterlehrer sein, was die Freiwilligen und ihr Zeitbudget entlasten sollte. Die Realität hat aber gezeigt, dass ein Grossteil unserer Kursleiter auch Samariterlehrer ist. Und die wenigsten sind ausschliesslich Samariterlehrer.
Der Schnitt von damals ist mit der Neuausrichtung der Bildung von heute nicht zu vergleichen. Als wir 2016 das heutige Bildungssystem eingeführt haben, gab es da wenig negative Stimmen von der Basis. Das zeigt: Die Bildung des SSB ist breit akzeptiert und wird grösstenteils geschätzt. 2017 kam neben Auffallend bei der neuen Basisausbildung der IVR-Zertifizierung noch viel anderes neu dazu: ist der Abschluss mit einem Praktikum. das digitale Lehrmittel und die OMS-Plattform Dieses besteht aus der Durchführung ei- für die Kursadministration zum Beispiel. Das hat nes Nothilfekurses. Welcher Lerneffekt ist viele vor grössere Herausforderungen gestellt. Das dabei zu erwarten? neue Bildungssystem wird dagegen kein radikaler Wir wollen damit gewährleisten, dass die Ausbil- Wechsel. Trotzdem werden wir die Vereine und dungsteilnehmenden vor ihrem Abschluss einmal Verbände dabei begleiten und unterstützen. einen ganzen Kurs durchführen können. Im heutigen System gibt es zwar auch gewisse praktische Teile, doch haben die meisten Teilnehmenden nur Sequenzen des Kurses selbst unterrichtet. Wir wollen, dass sie mit ihrem Abschluss wirklich fit sind und die Elemente des Kurses im Griff haben. Das samariter 4/2020 11
BILDUNG
Lehrgänge und Tagungen 2021 Kick-off Kurs Kick-off Kick-off Kick-off Kick-off Kick-off
Kurstage 27.02.2021 27.02.2021 12.04.2021 12.04.2021 04.06.2021
Ort Olten Mont-sur-Lausanne Olten Mont-sur-Lausanne Olten
Sprache DE FR DE FR DE
Kurstage 20.04.2021 08.05.2021 19.06.2021
Ort Olten Olten Olten
Sprache DE DE DE
Kurs Kursleiter 1 SSB Lehrgang I, 4 Präsenztage
Kurstage 27.–28.03.2021 22.–23.05.2021
Ort
Sprache DE
Kursleiter 1 SSB Lehrgang II, 4 Präsenztage
24.–25.04.2021 26.–27.06.2021
Nottwil
FR
Pilotkurs Kursleiter 1 IVR 4 Präsenztage
11.–12.09.2021 13.–14.11.2021
Nottwil
DE
Kursleiter 2 SSB Lehrgang I, 6 Präsenztage
28.–29.08.2021 29.–31.10.2021 04.12.2021
Nottwil
DE
Kursleiter 2 SSB Lehrgang II, 6 Präsenztage
28.–29.08.2021 29.–31.10.2021 04.12.2021
Nottwil
FR
Kursleiter 2 SSB Lehrgang III, 6 Präsenztage
Noch offen
Noch offen
IT
Kurs Samariterlehrer SSB Lehrgang I, 7 Präsenztage
Kurstage 24.–25.04.2021 25.–27.06.2021 21.–22.08.2021
Ort Nottwil
Sprache DE
Samariterlehrer SSB Lehrgang II, 7 Präsenztage
08.–09.05.2021 02.–04.07.2021 18.–19.09.2021
Nottwil
FR
Samariterlehrer SSB Lehrgang III, 7 Präsenztage
03.–04.07.2021 17.–19.09.2021 20.–21.11.2021
Nottwil
DE
Kurs Passarelle Kursleiter 1 SSB zum Samariterlehrer Lehrgang I, 5 Präsenztage
Kurstage 19.–21.03.2021 08.–09.05.2021
Ort Nottwil
Sprache DE
Passarelle Kursleiter 1 SSB zum Samariterlehrer Lehrgang II, 5 Präsenztage
16.–18.04.2021 05.–06.06.2021
Nottwil
FR
Eintrittsticket Pilotkurs Kursleiter 1 IVR Kurs Orientierungsveranstaltung Plattformenschulung Fachtechnisches Vorbereitungselement
Ausbildungen Kursleiter Nottwil
Ausbildungen Samariterlehrer
Passerellen
12 samariter 4/2020
Kurs Passerelle Kursleiter 1 SSB zum Samariterlehrer Lehrgang III, 5 Präsenztage
Kurstage 03.–05.09.2021 06.–07.11.2021
Ort Nottwil
Sprache DE
BLS-AED SRC Generic Instructor* BLS-AED SRC Generic Instructor* BLS-AED SRC Generic Instructor* BLS-AED SRC Generic Instructor*
16.01.2021 22.05.2021 26.06.2021 04.12.2021
noch offen Nottwil Nottwil Nottwil
IT DE FR DE
* Passerelle vom Samariterlehrer zum Kursleiter 1 SSB sowie vom Jugendtrainer zum Kursleiter 1 SSB
Vereinscoach Kurs Vereinscoach Lehrgang I, 3 Präsenztage
Kurstage 23.–24.10.2021 04.12.2021
Ort Nottwil
Sprache DE
Vereinscoach Lehrgang II, 3 Präsenztage
23.–24.10.2021 04.12.2021
Nottwil
FR
Weiterbildung Vereinscoach Lehrgang I
21.08.2021
Nottwil
DE
Weiterbildung Vereinscoach Lehrgang II
30.10.2021
Nottwil
DE
Weiterbildung Vereinscoach Lehrgang III
30.10.2021
Lavey-les-Bains
FR
Weiterbildung Vereinscoach Lehrgang IV
27.11.2021
Nottwil
DE
Kurstage noch offen 27.03.2021 19.05.2021 07.08.2021 23.10.2021 27.11.2021
Ort Olten online online Olten Nottwil Nottwil
Sprache DE DE DE DE DE DE
Kurs Jugendkader Ausbildung Lehrgang I
Kurstage 02.–04.04.2021
Ort Les Paccots
Sprache FR
Jugendkader Ausbildung Lehrgang II
13.–15.05.2021
Wislikofen
DE
Jugendkader Ausbildung Lehrgang III
noch offen
noch offen
IT
Tagung Kadervorkurs (KVK) Ausbilder Zentralorganisation Jugend + Erwachsene
Kurstage 22.01.2021 22.–23.01.2021
Ort Nottwil Nottwil
Sprache DE/FR/IT DE/FR/IT
Kadertagung I Kadertagung II Konferenz für Aus- und Weiterbildung Tagung kantonale Beauftragte Jugend Tagung kantonale Beauftragte Jugend
13.02.2021 06.03.2021 28.05.2021 27.02.2021 30.10.2021
Nottwil Nottwil noch offen Olten Olten
DE DE/FR/IT DE/FR/IT DE DE
Tageskurse Kurs TCS-Pilotkurs «Kindersicherheit» Einführung für neue Vorstandsmitglieder Einführung für neue Vorstandsmitglieder Einführung für neue Vorstandsmitglieder Visualisieren Moulagieren
Ausbildungen Jugend
Tagungen
Änderungen vorbehalten
samariter 4/2020 13
ALTKLEIDERSAMMLUNG IN ZEITEN VON CORONA Die Corona-Pandemie stellt viele Unternehmen vor grosse Herausforderungen. Auch TEXAID ist von den Auswirkungen betroffen und versucht diese Zeit so gut wie möglich zu meistern, damit Alttextilien auch künftig ökologisch verwertet werden können. Die Bestrebungen für eine möglichst ökologisch sinnvolle Altkleidersammlung verfolgt TEXAID deshalb auch in diesen herausfordernden Zeiten weiter.
Vorübergehende Zunahme der Sammelmenge
lager anmieten, um die gesammelten Textilien einzulagern.
Im Lockdown hat TEXAID eine deutliche Zunahme der Sam-
Durch die eingeschränkte Verwertungskapazität sind welt-
melmenge verzeichnet. Dies vor allem deshalb, weil die Be-
weit die Lagerbestände an unsortierten Alttextilien ange-
völkerung die Zeit in der Kurzarbeit und im Homeoffice auch
stiegen. Dieses Überangebot hat einen Einfluss auf die Prei-
fürs Aufräumen und Aussortieren des Kleiderschranks ge-
se für Alttextilien, welche derzeit deutlich unter Druck sind.
nutzt hat. TEXAID konnte die Leerung der Altkleidercontainer aber trotzdem, auch unter Einhaltung der Vorgaben des Bundesamts für Gesundheit, immer gewährleisten. Die
Erfreuliche CO ² -Reduktion
Sammelstellen werden weiterhin regelmässig angefahren
Das Ziel, die selbstverursachten CO ² -Emissionen kontinuierlich zu reduzieren, hat TEXAID auch in diesen heraus-
und die Container entsprechend geleert. In der Zwischen-
fordernden Zeiten weiterverfolgt. So konnten im Jahr 2019
zeit hat sich die Sammelmenge wieder normalisiert, wobei
durch diverse Massnahmen im Rahmen der Swiss-Clima-
in den letzten Monaten eine Reduktion der Sammelmengen
te-Zertifizierung rund 30 Prozent CO ² pro Tonne gesammel-
zu verzeichnen ist.
ter Altkleider eingespart werden (verglichen mit dem Basiserhebungsjahr 2013).
Einbruch des Absatzmarktes Neben der vorübergehenden Zunahme der Sammelmenge ist es zu einem praktisch kompletten Einbruch des Absatzmarktes gekommen. Somit musste TEXAID weitere Aussen-
www.texaid.ch
AKTUELL
DER FREIWILLIGEN - UND DER JUGENDARBEIT VERPFLICHTET Der «Club 2013» bezweckt die Förderung und Unterstützung der Samaritersache in der Schweiz in ideeller wie auch in materieller Hinsicht. Ein besonderes Interesse gilt dabei der Jugendarbeit. Drei Fragen dazu an Clubpräsident Kurt Sutter. Herr Sutter, welche Samariterprojekte unterstützt der «Club 2013»? Bereits im Protokoll der ersten ordentlichen Clubversammlung im Juni 2014 haben wir die Grundsätze der Verwendung der Mittel unseres Clubs wie folgt festgelegt: Die Gesuche sollen strategiekonform, aber nicht Teil des jährlichen SSB-Standardprogramms sein. Es soll etwas Spezielles sein, das ausserhalb des Budgets liegt. Die Auswahl der konkreten Projekte, die unser Club finanziell mitträgt, verläuft so, dass die Geschäftsstelle des SSB uns Vorschläge unterbreitet. Im Clubvorstand entscheiden wir dann, welches Vorhaben wir der Clubversammlung zur Genehmigung vorlegen wollen. Seit der Clubgründung konnten wir so mehr als 50 000 Franken ausschütten. In den letzten Jahren haben wir uns auf die Unterstützung der Vorbereitung und Durchführung des Jugendkongresses konzentriert. Nun hoffen wir, eine neue Idee des Jugendkongresses unterstützen zu können.
Wer sind die Menschen im «Club 2013», und wer kann Mitglied werden? Unsere knapp 50 Mitglieder sind mehrheitlich ehemalige Ehrenamtliche des SSB und der Kantonalverbände. Daneben gehören aber auch aktive und pensionierte Angestellte des SSB dazu.
Mit der Clubmitgliedschaft zeigen wir, dass wir der Samaritersache verbunden bleiben, auch wenn wir unsere Mitarbeit für den SSB beendet haben.
Warum lohnt es sich, im «Club 2013» zu sein? Wer Clubmitglied wird, stärkt die Jugend- und die Freiwilligenarbeit des SSB, aber nicht nur «Club 2013»-Präsident und früherer SSBmit artigem Applaus an Zentralsekretär Kurt Sutter. Versammlungen und Tagungen, an denen über entsprechende Leistungen berichtet wird. Applaus und lobende Dankesworte sind zwar wichtig, aber sie genügen nicht, denn auch Freiwilligen- und Jugendarbeit kostet. Es ist wichtig, und es lohnt sich, sich dafür bei uns zu engagieren.
Anmeldung und weiterführende Informationen zum «Club 2013» finden Sie auf samariter.ch oder per E-Mail an: club2013@samariter.ch.
Im Alter zu Hause leben Heimelig Betten möchte, dass Sie sich zuhause fühlen. Wir beraten Sie gerne und umfassend und übernehmen die erforderlichen administrativen Aufgaben mit den Kostenträgern.
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samariter 4/2020 15
AKTUELL
Nur jede zweite Person traut es sich zu, im Notfall zu helfen Die Hälfte der Bevölkerung fühlt sich in Notfallsituationen und bei Erste-Hilfe-Massnahmen unsicher. Grund dafür ist fehlendes oder veraltetes Wissen. Viele Schweizerinnen und Schweizer würden einen Ausbau der Erste-Hilfe-Ausbildung begrüssen. TEXT: Christoph Zehnder
«Rasch und kompetent Erste Hilfe leisten!» – für Samariterinnen und Samariter ist das selbstverständlich. Auch Menschen, die keinem Samariterverein angehören, sind grundsätzlich hilfsbereit, wenn es um medizinische Notfälle geht. Vielen von ihnen fehlt es aber an Wissen und Sicherheit, um im entscheidenden Moment die nötigen Massnahmen zu ergreifen. Das zeigt eine spannende Studie im Auftrag des Schweizerischen Roten Kreuz und Helsana (siehe Kontext). Demnach fühlt sich mehr als die Hälfte der Menschen in der Schweiz unsi-
PARTNERSCHAFT VON SRK UND HELSANA Der Schweizer Krankenversicherer Helsana und das SRK sind Anfang 2020 eine dreijährige Partnerschaft eingegangen (vgl. «samariter» 02/2020). Beide Organisationen engagieren sich für das Leben und die Gesundheit der Gesellschaft. Einer der inhaltlichen Schwerpunkte der Partnerschaft liegt darin, die Schweiz für die Wichtigkeit der Ersten Hilfe zu sensibilisieren. Als Rettungsorganisation des SRK ist der Schweizerische Samariterbund eng in diese Partnerschaft eingebunden. Auf diversen Kanälen wird auf das Kursangebot der Samaritervereine aufmerksam gemacht. Dank der Zusammenarbeit zwischen Helsana und dem Schweizerischen Roten Kreuz erhält das Thema Erste Hilfe eine starke Präsenz in der Öffentlichkeit und es wird auf die wichtige Arbeit der Samaritervereine aufmerksam gemacht. 16 samariter 4/2020
cher, einer anderen Person im Notfall zu helfen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Mehrheit der Befragten selbst schon Erfahrungen mit Notfällen gemacht hat. Interessanterweise führt eine solche Erfahrung aber offenbar zu einer grösseren Bereitschaft zum Eingreifen. Das heisst, wer bereits einen Notfall einer anderen Person miterlebt hat, neigt eher dazu, anderen zu helfen. Und das nicht nur in einem medizinischen Notfall.
• Je grösser die Erste-Hilfe-
Kenntnisse, desto höher die Hilfsbereitschaft.
•
Grosse Hilfsbereitschaft, bescheidene Kenntnisse Ein Grossteil der Befragten (93 Prozent) gab an, in einer Notsituation den Rettungsdienst zu alarmieren. Die Mehrheit wäre auch bereit, die Unfallstelle zu sichern (74 Prozent) und Erste-Hilfe-Massnahmen anderer zu unterstützen (65 Prozent). Wiederbelebungsmassnahmen durchzuführen, würde sich aber nur etwas mehr als jeder Zweite zutrauen. Die Gewissheit, dass die Rettungssanität unterwegs ist, ist der häufigste Grund, sich etwa bei einem Verkehrsunfall mit Verletzten eher rauszuhalten.
In einem medizinischen Notfall muss rasch gehandelt werden. Vielen Menschen fehlt aber das nötige Wissen.
Weitere Gründe sind das Gefühl, nicht kompetent genug zu sein, oder die Angst, etwas falsch zu machen. Grundsätzlich gilt: Je mehr Kenntnisse über Erste Hilfe, desto grösser die Bereitschaft, im Notfall einzugreifen. Interessanterweise schätzen die meisten ihre eigene Hilfsbereitschaft aber höher ein als die der Allgemeinheit. 85 Prozent sind überzeugt, dass sie zum Beispiel bei einem Vorfall mit einer bewusstlosen Person handeln würden. Demgegenüber gehen bloss 38 Prozent davon aus, dass andere das ebenfalls täten. Die Realität liegt vermutlich irgendwo dazwischen.
75 +72 +38 +18 +11 +7
Schweizerischer Samariterbund (SSB) 75 Schweizerisches Rotes Kreuz (SRK)
72
Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG)
38
Touring Club Schweiz (TCS) 18
Schweizerischer Militär-Sanitäts-Verband (SMSV)
11
SanArena Rettungsschule
7
0
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30
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50
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70
Zur Frage: «Kennen Sie die folgenden Kursanbieter von Erste-Hilfe-Kursen?» (mehrere Antworten möglich)
80
Selbstvertrauen ist das eine, wie sieht es aber mit tatsächlichen Erste-Hilfe-Kenntnissen aus? Die Studie kommt zum Schluss, dass das Wissen über Erste-Hilfe-Massnahmen in der Bevölkerung eher gering ist. Bloss jeder Zehnte verfügt über ein umfassendes Wissen in diesem Bereich. Die repräsentative Studie liefert dazu einige spannende Ergebnisse: samariter 4/2020 17
AKTUELL
• Rund drei Viertel würden bei einem medizinischen Notfall die Notrufnummer 144 wählen. Daneben wurden auch die Nummern von Polizei, Feuerwehr, Rega sowie die europäische Notfallnummer 112 genannt. Nur 2,3 Prozent würden eine völlig falsche Nummer wählen. • Geläufigstes Schema für Soforthilfe ist immer noch GABI. Nur etwa jeder Vierte kennt das ABC- respektive das CABD-Schema. Allerdings konnten nur 40 Prozent die Bedeutung der Schemata richtig benennen. • Jeder Dritte kennt das Defibrillator-Zeichen nicht oder weiss nicht, wofür es steht. Immerhin die Hälfte der Befragten würde sich aber zutrauen, einen Defibrillator zu bedienen, auch ohne vorher genau zu wissen, wie das geht.
ÜBER DIE STUDIE Die Befragung des SRK und von Helsana, durchgeführt von der Forschungsstelle Sotomo, beleuchtet die Thematik der Ersten Hilfe in der Schweiz. Im Juli 2020 wurden 3000 Personen in der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Schweiz befragt. Basis für die Befragung bildeten die Online-Panels von Sotomo und Intervista. Durch eine statistische Gewichtung sind die Ergebnisse der Studie repräsentativ für die sprachintegrierte Bevölkerung der Schweiz ab 18 Jahren.
Meistens bleibt es bei einem Kurs
Mehrheit für Obligatorium
Jüngere Menschen verfügen im Schnitt über bessere Erste-Hilfe-Kenntnisse, die sie häufig im Rahmen eines Kurses für die Autoprüfung erworben haben. Jede dritte Person hat im beruflichen Umfeld oder während der Ausbildung einen Nothilfekurs besucht. In beiden Fällen geht es nicht nur um Pflichterfüllung: Immerhin ein Viertel der Befragten gab an, dass dies zum Allgemeinwissen gehöre oder sie generell besser auf Notfälle vorbereitet sein möchten. Häufig bleibt es aber bei einem einzigen Kurs, und dieser liegt im Schnitt rund 15 Jahre zurück. Bei der älteren Bevölkerungsgruppe sind es sogar 24 Jahre. Es überrascht deshalb nicht, dass das Erste-Hilfe-Wissen mit zunehmendem Alter deutlich abnimmt.
Aus Samaritersicht besonders interessant ist der Handlungsbedarf aus Sicht der Befragten. Ein sehr grosser Teil (94 Prozent) würde es begrüssen, wenn Nothilfekurse durch obligatorische Kurse in Schulen und Unternehmen ergänzt würden. 27 Prozent würden zudem eine Pflicht für eine Auffrischung des Wissens über bestimmte Zeiträume befürworten. Oft vorgeschlagen wurde auch eine gezielte Schulung mit spezifischen Inhalten oder für bestimmte Personen und Institutionen, zum Beispiel für Vereine. 5 Prozent finden die Ausbildung zu theorielastig und wünschen sich mehr Praxisbezug.
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Das Erste-Hilfe-Wissen nimmt mit zunehmendem Alter rapide ab.
•
Als Kursanbieter werden der Schweizerische Samariterbund und das Schweizerische Rote Kreuz am häufigsten genannt (siehe Grafik auf Seite 17). Von den 8 Prozent der Befragten, die noch nie einen Erste-Hilfe-Kurs besucht haben, wissen viele nicht, wo man einen solchen Kurs findet. Die Autoren der Studie gehen davon aus, dass einige dieser Personen mit einer gezielten Aufklärungskampagne relativ einfach zu einem Kursbesuch motiviert werden könnten. 18 samariter 4/2020
Die Digitalisierung hat in der Erste-Hilfe-Ausbildung längst Einzug gehalten. Samaritervereine bieten entsprechende Blended-Learning-Kurse bereits seit 2012 an. Dennoch möchte nur eine Minderheit den traditionellen Erste-Hilfe-Kurs durch Apps und Online-Kurse ersetzen. Erstaunlicherweise sind die Befürworter eher in der älteren Bevölkerungsgruppe zu finden. Das Bedürfnis nach individuellen Lernangeboten und Homelearning wurde im Zuge der Coronapandemie in den letzten Monaten wohl zusätzlich befeuert. Apropos Corona: In der Studie wurde auch nach den Auswirkungen der Pandemie auf die Hilfsbereitschaft gefragt. Vor allem ältere Personen befürchten, dass Ersthelferinnen und -helfer aus Angst vor einer Ansteckung zögern könnten. Die Mehrheit würde bei einem medizinischen Notfall aber trotz Social Distancing entschlossen Erste Hilfe leisten. Die komplette Studie zum Verhalten und zu den Kompetenzen in Erster Hilfe in der Schweiz finden Sie auf redcross.ch/studie-erste-hilfe
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AKTUELL
Hollywood in Giswil «Wir wollen ein professionelles Lernvideo erstellen» – mit diesem Projekt sind die Jugendgruppen des Samariterverbandes Unterwalden (SVU) an den SRK-Jugendfonds gelangt. «Ready for red cross» war beim Filmdreh vor Ort. Und Action! TEXT: Julia Zurfluh FOTOS: Matthew May
Dreharbeiten in Giswil: In dieser Szene hat sich ein Unfall am Pool ereignet. Alles muss realistisch wirken, sogar Schaulustige belagern die Unfallstelle. Der Film soll in der Ausbildung sowie als Werbung in eigener Sache eingesetzt werden.
Wegen der Corona-Situation musste der Filmdreh verschoben werden. Nun ist es endlich so weit. Heute wollen die jungen Samariterinnen und Samariter folgende Geschichte filmen: Kinder spielen auf dem Schulhausplatz. Nebenan liegt Lea auf einem Liegestuhl am Planschbecken. Es ist ihr heiss. Deswegen holt sie sich einen Ventilator. Das Kabel fällt ins Wasser, und schon ist es passiert – Stromschlag! Einige spielende Kinder in der Nähe leisten Erste Hilfe, alarmieren die Ambulanz und vertreiben Gafferinnen und Gaffer. 20 samariter 4/2020
«Jetzt machen wir es nochmals genau so, wie wir es gestern geübt haben. Einfach noch ein bisschen lauter sprechen. Ich freue mich auf den heutigen Morgen», gibt André Mathis die letzten Anweisungen. Der Theaterregisseur und sein Filmteam sind mit «hartem Geschütz» aufgefahren: professionelle Kameras, Scheinwerfer, Ständermikrofon, Requisiten. Alles, was man auch auf einem Filmset in Hollywood erwarten würde. Nur die schwarz-weis se Klappe fehlt, dafür hat André Mathis ein Klemmbrettchen.
Schul- und Werbevideo «So Patricia, nimm den Defibrillator aus der Wandhalterung und renne dorthin weg. Und Action!» André Mathis schwenkt sein Klemmbrettchen und gibt so den Start für die erste Szene. «Wir wollten etwas Nachhaltiges schaffen», erklärt Hedi Wallimann, kantonale Jugendbeauftragte des SVU, die Idee fürs Lernvideo. «Ein Video können wir für Ausbildungen einsetzen, aber auch für die Werbung. Wir müssen die Szenen und die Griffe mehrmals üben und wiederholen. Das hilft, sich die Gesten einzuprägen», sagt sie und geht zur Seite, um einem jungen Schauspieler für die nächste Szene Platz zu machen. Mehrere Kinder spielen zusammen auf dem Schulhausplatz, bevor der verheerende Stromunfall geschieht.
Zeitaufwendiges Projekt Nun scheint endlich die Sonne über die Berggipfel, und rasch wird es brütend heiss. Das Setting ist perfekt für die Schlüsselszene. Lea macht es sich im Liegestuhl neben dem Pool bequem, holt dann den Ventilator, und schon passiert der unschöne Zwischenfall. «Zucke noch etwas länger, bevor du hinfällst», weist André Mathis Lea an. Dann wendet er sich an das Mädchen, das zu Lea eilen soll, um ihr Erste Hilfe zu leisten. «Clara, du stösst von dieser Seite dazu. So haben wir dich perfekt im Bild.» Lea liegt nun am Boden und Clara wird ihr nach dem Alarmieren Erste Hilfe leisten. Das Kamerateam geht ganz nah ran. «Clara, achte auf Leas Kopf. Schau, dass ihr Mund etwas erhöht liegt», korrigiert Hedi sanft Claras Handgriffe. Da die Videos auch für Schulungen eingesetzt werden, müssen die Handgriffe stimmen. Hedi ist für die Qualitätssicherung zuständig. Nach nur zwei «Takes» ist die Schlüsselszene im Kasten. «Wow! Ich bin begeistert! Ihr habt das nicht gut gemacht, sondern perfekt!», lobt André Mathis die Jungschauspielerinnen. Nachdem einige Nahaufnahmen zu BLS-AED mit dem Phantom gedreht worden sind, packt das Filmteam sein «Geschütz» wieder ein. Am Nachmittag wollen sie in Stans eine weitere Geschichte filmen: Erste Hilfe bei einem Hirnschlag. Bereits an zwei Samstagen zuvor haben sie verschiedene Unfallszenen gedreht. Bis jetzt sind schon 9 Stunden Filmaufnahmen zusammengekommen – für ein Video, das nicht länger als eine gute Stunde dauern soll. Ein beeindruckendes Projekt! «Wir haben jede Geschichte ausformuliert und das Drehbuch wurde mehrmals angepasst», bestätigt Hedi. Jeder Satz musste stim-
Für die Kamera muss jeder Handgriff sitzen.
men. Toll, dass das Leitungsteam und die Kinder bis zum Projektende durchgehalten haben. Das ist nicht selbstverständlich und freut mich sehr.» «Ist doch klar! Der Dreh hat superviel Spass gemacht», ergänzt Lea, die sich von ihrem «Stromschlag» erholt hat. Das aufwendige Projekt wurde dem Leitmotiv HELP (Helfen – Erleben – Lernen – Plausch) der Samariterjugend mehr als gerecht.
Facts zum Projekt Anzahl Mitglieder im OK: 7 Petra Siegrist (Help Giswil), Cornelia Ettlin und Lara Blättler (Help Kerns), Elena Waser und David Waser (Help Stans) und Lukas Ryser (Help Alpnach) sowie Hedi Wallimann (Jugendbeauftragte Samariterverband Unterwalden) Anzahl Teilnehmende: 75 Länge Filmmaterial: 9 Stunden Durch die Verschiebung der Dreharbeiten verzögert sich auch die Fertigstellung. Wann das Video erstmals zu sehen sein wird, ist noch offen.
NEUE PROJEKTIDEE, ABER KEIN GELD FÜR DIE UMSETZUNG? Wir haben eine Lösung: Reicht euer Projekt beim Fonds Ju gendarbeit SRK ein. Ihr könnt bis zu 5000 Franken Unterstüt zung für eure Projekte erhalten. Die Bedingungen, Kriterien und das Eingabeformular findet ihr auf www.redcross.ch/ jugendfonds. Der Fonds Jugendarbeit wird von Credit Suisse unterstützt. Eingabedaten: 15. April und 15. Oktober.
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PARTNERSEITEN
BLUTSTAMMZELLSPENDE – ENGAGEMENT KENNT KEINE GRENZEN Die COVID-19-Pandemie verunmöglichte während einiger Zeit, Registrierungsaktionen für die Blutstammzellspende vor Ort durchzuführen. Im August konnte jedoch im Gymnasium in Thun ein Informations- und Registrierungsanlass stattfinden. Organisatorin war eine Maturandin, die die Blutstammzellspende als Thema ihrer Maturaarbeit gewählt hatte.
TEXT und FOTOS: Blutspende SRK Schweiz Cupcakes und Information sind eine gute Mischung. Das dachte sich Aline Steiner und führte kurz nach den Sommerferien einen Anlass zur Blutstammzellspende im Gymnasium in Thun durch. Aline Steiner hatte sich gründlich mit der Thematik befasst und die Aktion lange vorbereitet. Doch auf einmal schien es fast so, dass ihr Vorhaben «Gym Thun rettet Leben» den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie zum Opfer fallen sollte. Die Maturandin liess sich jedoch nicht ausbremsen, bewies ihr Improvisationsmanagement und konnte den Anlass unter Einhaltung der strikten Sicherheitsvorgaben erfolgreich stattfinden lassen. 22 samariter 4/2020
Schülerinnen und Schüler beantworten den medizinischen Fragebogen online und nutzen die Gelegenheit, sich zu registrieren.
Mittagspause für die Blutstammzellspende «Meine Mutter erkrankte vor zwei Jahren an Leukämie», erzählt Aline Steiner. «Für sie wurde eine passende Blutstammzellspende gefunden. Mein Wunsch ist es, dass so viele Patienten wie möglich gleich viel Glück haben. Und», fährt sie fort, «mit der Aktion wollte ich meine Kolleginnen und Kollegen an der Schule informieren, ihnen die Angst vor einer möglichen Spende nehmen und sie dazu bringen, sich zu registrieren.» Viele interessierte Schüler und Schülerinnen nutzten in ihrer Mittagspause die Gelegenheit und scannten mit ihrem Handy einen QR-Code ein, der sie direkt auf die Onlineregistrierung leitete. Unter Betreuung des Donor-Center-Teams von Blutspende SRK Schweiz machten sie alle Angaben, bestätigten ihre Registrierung und nahmen sich einen Cupcake.
Informationen für alle Ein grosses Anliegen von Aline Steiner war es, alle Personen an der Schule anzusprechen. So wurden auch Schülerinnen und Schüler unter 18 Jahren, die sich noch nicht registrieren können, ausführlich informiert und Lehrerinnen und Lehrer auf die vielseitigen Möglichkeiten eines Engagements für die Blutstammzellspende aufmerksam gemacht. Es entstanden viele angeregte Gespräche, und das eine oder andere Nötli wurde für den guten Zweck gespendet.
Aline Steiner, die Organisatorin von «Gym Thun rettet Leben».
Mehr zum Engagement für die Blutstammzellspende: www.blutstammzellspende.ch/engagement
Der Anlass von Aline Steiner beweist vor allem eines: Engagement kennt keine Grenzen. Die Maturandin aus Thun hat das bewiesen.
TAG DER TAT – EHEMALIGE PATIENTINNEN UND PATIENTEN SAGEN DANKE Zum internationalen World Marrow Donor Day vom 19. September, in der Schweiz bekannt als Tag der Tat, bedankten sich ehemalige Patientinnen und Pa tienten bei den rund 160 000 registrierten Schweizer Spenderinnen und Spendern in einem Video. Sind im Video zu sehen: Rosie, Sascha, Domenique und Kari (im Uhrzeigersinn von oben links). Zum Video: www.blutstammzellspende.ch/tagdertat
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Was ist ein Sonnenstich? Woran erkennt man eine Verstauchung, und wie behandelt man die schmerzende Brandblase am Finger? Kleinere und grössere Unfälle passieren täglich: daheim, auf dem Pausenplatz, auf der Strasse. So kann es vorkommen, dass auch Kinder in eine Notsituation geraten. Richtiges handeln kann lebensrettend sein. Wie das geht, zeigt das umfassende Sach- und Nachschlagebuch «Erste Hilfe mit Globi». Darin vermittelt Globi Kindern und Erwachsenen spielerisch die grundlegende Basis an Nothilfekenntnissen. Witzige und sachkundige Illustrationen verdeutlichen die Szenen, Anleitungen und Nothilfetipps. Die im August erschienene Neuauflage von «Erste Hilfe mit Globi» wurde in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Samariterbund komplett überarbeitet. Die Fachspezialisten standen dem Verlag dabei beratend und unterstützend zur Seite, und Präsidentin Ingrid Oehen hat das Vorwort verfasst. «Erste Hilfe mit Globi» erscheint im Globi-Verlag von Orell Füssli und ist im Samariter-Shop (Artikel-Nr. 5850) erhältlich. (ssb)
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VEREINE UND VERBÄNDE
Die scheidende Präsidentin und neue Verbandssekretärin, Marielle Corboz, und ihr Nachfolger, Denis Orange, sind schon ein eingespieltes Team, da der neue Präsident bereits seit einiger Zeit an den Sitzungen des Vorstands teilnimmt.
Stabübergabe im Freiburgerland Im Beisein zahlreicher Gäste haben die Samariter des Kantons Freiburg am 5. September ihre 73. Delegiertenversammlung abgehalten und einen neuen Präsidenten gewählt. TEXT und FOTO: Chantal Lienert An einem strahlenden Spätsommernachmittag trafen sich die Delegierten der Freiburger Samaritervereine in Farvagny, am Fusse des Gibloux, zu ihrer Jahrestagung. Ursprünglich für April geplant, hatte der Anlass wegen der Pandemie verschoben werden müssen. Auch in der aktuellen Situation wurde streng auf die Einhaltung der Schutzmassnahmen und Hygienevorschriften geachtet. Organisiert wurde die Versammlung vom Samariterverein Farvagny und Umgebung. Zahlreiche Gäste beehrten den Anlass mit ihrer Anwesenheit, darunter mehrere Vertreterinnen und Vertreter von Schwester- und Partnerorganisationen und Behörden, unter anderem auch die Freiburger Staatsratspräsidentin und Vorsteherin des Departements für Gesundheit und Soziales, AnneClaude Demierre. Die Staatsratspräsidentin würdigte das grosse Engagement und die unzähligen Dienste der Samariterinnen und Samariter, insbesondere während des Höhepunktes der Pandemie im Frühling. Diese hatten sich sogar bereit erklärt, im Bedarfsfall eine ganze Entbindungsstation zu verlegen! Sie dankte auch der scheidenden Präsidentin Marielle Corboz für ihre Tätigkeit und erinnerte daran, wie diese einer Journalistin der Zeitschrift Femina
einst sagte: «Als Samariterin leiste ich unmittelbare humanitäre Arbeit.» In ihren drei Jahren als Präsidentin hat Marielle Corboz ein Beziehungsnetz auf kantonaler Ebene gepflegt und dazu beigetragen, die Präsenz der Samariter bei verschiedenen Akteuren im Gesundheits- und Sozialbereich zu verankern. Darüber hinaus hat sie Partnerschaften gefördert, die es unter anderem ermöglicht haben, eine Simultanübersetzung für die Delegiertenversammlung zu finanzieren. Vizepräsidentin Karin Glauser betonte in ihrer Würdigung das ständige Anliegen der abtretenden Präsidentin: Brücken zwischen den beiden Sprachregionen des Kantons zu bauen. Heute hört man in den 41 Vereinen und 8 Jugendgruppen des Kantonal Feiburgischen Samariterverbands (KFSV) die Sprache von Goethe und jene von Molière etwa zu gleichen Teilen. Marielle Corboz war sichtlich erfreut, die Versammlung im Beisein der Vereinsdelegierten leiten zu dürfen. Nach langen Wochen der Isolation und des Austauschs nur über Distanz schätzte sie die persönliche Begegnung umso mehr. In ruhiger und friedlicher Atmosphäre wurden denn auch sämt liche Punkte auf der Tagesordnung angenommen und der neue Präsident mit einer sehr grossen Mehrheit der Stimmen gewählt. Neu wird Denis Orange die Geschicke des KFSV leiten. Der Berufssoldat und Vater von vier Kindern arbeitet beim Kommando Operationen in Bern und ist seit 2017 Samariterinstruktor. Was Marielle Corboz betrifft, so wird sie sich auch weiterhin für den Verband einsetzen, indem sie das kantonale Sekretariat übernimmt. samariter 4/2020 25
VEREINE UND VERBÄNDE
Fünf Kerzen für die Samas'Kids von Savièse und Umgebung Zum fünfjährigen Jubiläum der Samas'Kids von Savièse und Umgebung traten aufgestellte, junge Ersthelfende in einem freundschaftlichen Wettbewerb gegeneinander an – pünktlich zum ersten Wintereinbruch im September. TEXT und FOTOS: Chantal Lienert Fünf Jahre sind ein echter Meilenstein! Diesen haben die Samas’Kids von Savièse und Umgebung im Mittelwallis heuer erreicht. Zur Feier dieses Jubiläums liess das Organisationskomitee unter der Leitung von Marion Liand eine schöne Tradition wiederaufleben und veranstaltete ein Turnier für junge Ersthelferinnen und -helfer aus dem französischsprachigen Wallis. Die OK-Präsidentin ist langjährige Samariterin und hatte im Samariterverein Savièse schon einige Funktionen inne. Und so trafen sich die Help- und Samas’Kids-Gruppen aus Entremont und Monthey-Choëx mit ihren Gspänli aus Savièse am 26. September zum Plausch und gegenseitigen Kräftemessen.
JUNGE ERSTHELFER IM UNTERWALLIS Die Existenz der Samariter-Jugendgruppen im franzö sischsprachigen Wallis hängt von mehreren Faktoren ab: passionierten Leitern, die gerne mit Kindern arbeiten, einem Verein, der gewillt ist, eine Jugendgruppe zu lei ten, genügend jungen Menschen mit Freude an Erster Hilfe sowie Eltern, die ihre Kinder zu den verschiedenen Anlässen fahren und sie wieder abholen. Diese Voraus setzungen waren bei der Neugründung der Jugend gruppe von Savièse glücklicherweise gegeben. Dank der Initiative von Elizabeth Seghezzi und Anne Roten erhob sich die Jugendgruppe 2015 wie Phönix aus der Asche. Derzeit gehören ihr rund fünf Kinder an. Sie wer den von drei Jugendleitern und vier Kursleitern betreut. Im französischsprachigen Wallis gibt es aktuell fünf Samas'Kids-Gruppen: in Conthey, Entremont, Grand-Bisse (Montana), Monthey-Choëx sowie Savièse und Region. Um einen einheitlichen Auftritt zu gewährleisten und unnötige Kosten zu vermeiden – denn Kinder wachsen schnell –, un terhält der Kantonalverband eine Garderobe und vermietet die notwendigen Kleidungsstücke an die Vereine. 26 samariter 4/2020
Nach der frühmorgendlichen Begrüssung fiel um Punkt 9 Uhr der Startschuss. Auf einem Parcours mit acht verschiedenen Posten mussten die Teilnehmer ihre Erste-Hilfe-Fähigkeiten unter Beweis stellen. Gefragt waren auch Geschick, Teamgeist und ein gutes Erinnerungsvermögen. Auf den technischen Posten galt es allerlei Notfälle zu versorgen: Brandwunden vom Grillieren, einen gebrochenen Arm nach einem Velounfall, eine üble Schnittwunde von der Kettensäge sowie einen Herzkreislaufstillstand. An weiteren Stationen wurden Wassergläser auf einer Trage transportiert, ein Hindernislauf mit Bahre absolviert oder eine Partie Kim oder Memory gespielt. Sogar das Erkennen von bekannten Liedern war eine Disziplin auf dem 4 Kilometer langen Parcours quer durch Savièse.
Erwachsene machens nicht immer besser Acht Teams mit je drei bis vier jungen Ersthelfenden unter Aufsicht einer Begleitperson sowie ein Team von Erwachsenen traten in diesem Wettkampf gegeneinander an. Unter den wachsamen Augen der Postenchefs stellten sie ihr Können unter Beweis. Um eines gleich vorwegzunehmen: Die Erwachsenen schnitten nicht immer am besten ab. Einige junge Teilnehmer erwiesen sich als wesentlich effizienter bei diesen Aufgaben. Schliesslich belegten zwei Teams aus Monthey-Choëx – die «Schaufelbahren» und die «SamSplint» – den ersten und den dritten Rang, die Waschbären aus Savièse landeten auf dem zweiten Platz. Die Begeisterung mag durch die COVID-19-Situation etwas gedämpft worden sein. Beim Apéro entstand aber dennoch eine gesellige Runde. Zu den rund 40 Wettkampfteilnehmenden mit Begleitung gesellten sich neben Freunden und Bekannten
Niemand wollte sich den Spass entgehen lassen, einmal den Feuerwehrschlauch zu bedienen.
auch noch Vertreter von Behörden, Zivilschutz und dem Unterwalliser Kantonalverband ASSVR (Association des Sections de Samaritains du Valais romand). Auf Umarmungen und Küsschen wurde verzichtet, um den nötigen Abstand zu wahren. Nichtsdestotrotz freuten sich alle Anwesenden über diese Gelegenheit für einen persönlichen Austausch nach so langer Zeit.
Nach der Arbeit das Vergnügen
terung verfolgten sie die Vorführungen von Polizei und Sanitätsdienst. Manche konnten es kaum erwarten, das Innere des Feuerwehrfahrzeugs zu erkunden. Sie durften Knöpfe betätigen, die Sirene auslösen und an der Spritze hantieren. Ebenso fasziniert waren sie von den Hunden der Stiftung Le Copain sowie den Ausführungen der Halter und Ausbilder. Die im Wallis ansässige Organisation bildet seit über 20 Jahren Assistenzhunde für Behinderte aus, die dann an Kinder und Erwachsene in der ganzen Schweiz vermittelt werden.
Am Nachmittag standen weitere interessante Aktivitäten auf dem Programm. Obwohl unweit schon der erste Schnee lag, zeigten sich die Kinder unbeeindruckt von den tiefen Temperaturen dieses plötzlichen Wintereinbruchs. Mit grosser Begeis-
Nur kurz wurde das spannende Nachmittagsprogramm unterbrochen durch die offizielle Rangverkündung und anschliessende Verleihung der Preise an die Wettbewerbsteilnehmenden.
Die Siegertruppe im Einsatz mit dem Rettungsbrett.
Mitmachen ist alles: Den Mitgliedern der Gruppe «Biber» steht die Freude ins Gesicht geschrieben.
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VEREINE UND VERBÄNDE
SAMARITERLUFT SCHNUPPERN MURI (AG) Der Präsident des Samaritervereins Muri und Umgebung begrüsste Anfang September 2020 gut dreissig Samariter und Gäste zur Monatsübung mit Schnupperabend – unter besonderen Corona-Schutzvorkehrungen. Rund ein Dutzend Besucher erhielt einen spannenden Einblick in die Samariterarbeit. Beim 1. Posten wurde ein gut eingerichteter Sanitätsdienstplatz gezeigt, das Samariterfahrzeug und etliche Hilfsmittel wurden vorgestellt. Beim Posten 2 erhielten die Anwesenden wertvolle Informationen zu ABCDE-Schema, Alarmierung, Atemkontrolle und stabiler Seitenlage. Beim 3. Posten lösten die Samariter ein Fallbeispiel: Notfall im Haushalt. Die Patientin war zuerst ansprechbar, dann bewusstlos, bald leblos. Nach einem kurzen Überblick wurde die Notrufnummer 144 alarmiert und mit Herzdruckmassage begonnen, mit Unterstützung eines AED-Geräts. Zu jedem Posten gab es Rückmeldung von der Übungsleitung. Im anschliessenden geselligen Teil mit Kennenlern-Apéro unterhielten sich Samariter und Besucher bestens. Fast alle Gäste meldeten sich für die nächste Samariterübung in Muri an. Herzlich willkommen beim Hobby, das Leben retten kann! (Text und Fotos: Luzia Zimmermann)
Samariter und Gäste liessen sich das Samariterfahrzeug erklären.
TRAININGSWEEKEND IM BERNER OBERLAND BIEL-BENKEN (BL) / SCHWARZENEGG (BE) Das traditionelle Trainingslager der Samariterjugend Biel-Benken im August fand corona-bedingt nicht im Schwarzwald, sondern in Schwarzenegg bei Thun statt. 20 Jugendliche, davon 3 Mitglieder der Help-Gruppe Riehen, und 9 Helfer nahmen teil. Der Samstagmorgen stand unter dem Motto Erste-Hilfe-Fachtechnik. Auf sieben Posten sollten die Jungsamariter ihr Wissen festigen und erweitern: Massnahmen bei verlegten Atemwegen, Hitzschlag oder Sonnenstich, stabile Seitenlagerung, Reanimation, Patiententransport mit Trage, Anlegen eines Druckverbandes bei starken Blutungen sowie Funktechnik auf dem Sanitätsposten. Nach dem gemeinsamen Mittagessen wurde die Samariterolympiade mit viel Spass und Fachwissen abgearbeitet. Am Sonntagmorgen wurde die RUNG (realistische Unfallgestaltung) geübt. Aus Theaterblut, Wachs und viel Schminke entstanden realistische Unfallverletzungen. Handwerkliches Können, aber auch eine Portion Verständnis für Kinematik sind dafür nötig. Einige Jugendliche haben wieder perfekte Moulagen hergestellt. (Text Edi Lüond / Foto: Denise Lüond, zvg)
Auch Reanima tionsmassnahmen wurden geübt.
NEUES VEREINSLOKAL CRANS-MONTANA (VS) Der Samariterverein GrandBisse entstand 2018 durch den Zusammenschluss der Vereine Crans-Montana und Umgebung sowie Flanthey-Lens. Der Verein zählt rund 40 aktive und 30 passive Mitglieder und engagiert sich in Sanitätsdiensten, Blutspendeaktionen und verschiedenen Sport- und Kulturanlässen wie dem Ski-Weltcup sowie in der Jugendbewegung Bibi’s Kids mit ihren rund 20 Mitgliedern. Er bietet zudem verschiedene Ausbildungen in BLS-AED für Unternehmen, Schulen und Kindergärten in der Region an. Die Verteilung der Räumlichkeiten auf verschiedene Gemeinden war stets eine grosse logistische Herausforderung. Dank hervorragender Zusammenarbeit mit den drei betroffenen Gemeinden von Grand-Bisse (Icogne, CransMontana und Lens) ist seit dem 19. September nun alles an einer Adresse, an der Rue de la Batteuse 19 in Montana-Vil-
lage, vereint. Kurse, Vereinsübungen und andere Aktivitäten finden jetzt alle am selben Ort statt, und auch das dafür nötige Material hat hier seinen Platz. Im Rahmen einer wunderbaren Eröffnungsfeier durfte der Vereinsgötti, Nationalrat Sidney Kamerzin, das Band zu den neuen Räumlichkeiten durchschneiden. (Didier Naga) samariter 4/2020 29
HINTERGRUND
Freiwilligenarbeit ist immer noch attraktiv Das freiwillige Engagement ist ein zentrales Element unserer Gesellschaft. Allen Befürchtungen zum trotz nimmt die Freiwilligenarbeit in der Schweiz nicht ab. Aber sie verändert sich. TEXT: Christoph Zehnder «Freiwilligkeit» ist der Rotkreuzgrundsatz des Jahres 2020. Wie wichtig freiwillige Einsätze sind, hat sich zuletzt während der Coronakrise gezeigt. Überall haben sich Menschen gemeldet, um andere zu unterstützen, die plötzlich in Not waren – ohne dass sie dafür eine Gegenleistung erwarteten. Einsätze wie Fahrdienste, Einkaufs- und Nachbarschaftshilfe sowie Betreuungsaufgaben wurden und werden noch immer unkompliziert angeboten, wo sie benötigt werden. Würden diese Dienstleistungen ausschliesslich nach den Regeln der Marktwirtschaft erbracht, hätte das gewaltige Kosten und mindestens ebenso viel Bürokratie zur Folge. Es ist fast schon paradox: In unserer durch und durch kapitalistischen Gesellschaft ist uneigennützige Arbeit heute wertvoller denn je.
In der Schweiz setzen sich tagtäglich viele Menschen freiwillig für andere ein – nicht nur in der Coronakrise.
ZAHLEN & FAKTEN 18 Jahre sind Freiwillige im Schnitt bereits in einem
Eine Schweiz ohne Freiwillige ist kaum vorstellbar. Rund 62 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner leisten in irgendeiner Form Freiwilligenarbeit. Das geht aus dem kürzlich erschienenen Freiwilligen-Monitor 2020 hervor. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen formeller Freiwilligenarbeit – zum Beispiel in einem Verein – und informeller Freiwilligenarbeit, die häufig spontan und weniger organisiert stattfindet. Haus- und Familienarbeit sind davon ausgenommen. Die Zuordnung ist jedoch nicht immer eindeutig.
Verein oder einer Organisation engagiert.
Berufliche Gründe führen am häufigsten zur Aufgabe eines freiwilligen Engagements in einem Verein oder einer Organisation, gefolgt von familiären Gründen.
40 % der in der Schweiz lebenden Personen können sich vorstellen, (wieder) formelle Freiwilligenarbeit zu leisten.
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Kein Rückgang feststellbar Der Freiwilligen-Monitor, herausgegeben von der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG), liefert eine Art Bestandesaufnahme der Freiwilligenarbeit in der Schweiz. In einer Umfrage gaben über 5000 Personen Auskunft. Die gute Nachricht: Der oft beklagte Rückgang von Frei-
willigenarbeit kann nicht bestätigt werden. Die Zahl der Menschen, die sich für andere einsetzen, bleibt erstaunlich stabil. Veränderungen gibt es jedoch innerhalb der verschiedenen Bereiche. So nimmt das formelle Engagement in Sportvereinen, in Interessenverbänden, im öffentlichen Dienst und auch in Jugendorganisationen tendenziell ab, während es in kulturellen, sozialen und wohltätigen Organisationen eher zunimmt. Im informellen Bereich – also ausserhalb von Vereinen und Organisationen – nimmt das Engagement tendenziell sogar zu. Vor allem Frauen und Pensionierte investieren dafür viel Zeit.
Spass und der Wunsch, anderen zu helfen Spannend wird es bei der Frage, weshalb sich jemand freiwillig engagiert. Spass und Geselligkeit werden am häufigsten genannt, ebenso der Wunsch, anderen zu helfen und etwas zu bewegen. Anerkennung und Wertschätzung spielen ebenfalls eine gewisse Rolle, werden aber nur von einem Viertel der Befragten genannt. Nur die wenigsten engagieren sich aus Pflichtgefühl oder weil sie dafür eine finanzielle Entschädigung erhalten. Die meisten Freiwilligen sind über viele Jahre aktiv. Im Durchschnitt engagieren sie sich seit 18 Jahren in ihrem Verein oder ihrer Organisation. Die Zufriedenheit hängt dabei nicht von der Dauer des Engagements ab. Wer schon lange dabei ist, ist nicht weniger glücklich mit seiner Tätigkeit als jemand, der sich noch nicht so lange freiwillig engagiert.
Potenzielle Freiwillige möchten angesprochen werden Diejenigen, die kein Interesse an Freiwilligenarbeit haben, begründen dies meistens mit Zeitmangel (39 Prozent). Viele möchten sich nicht für ein regelmässiges Engagement verpflichten (31 Prozent). Berufliche und familiäre Veränderungen sind die häufigsten Gründe, um mit der Freiwilligenarbeit aufzuhören. Samaritervereine kennen das: Junge Mitglieder gründen eine Familie, investieren in die berufliche Weiterbildung oder wechseln den Wohnort. Für Vereinsaktivitäten fehlt plötzlich die Zeit. Auf der anderen Seite ist rund die Hälfte der aktiven Freiwilligen offen für eine Ausweitung ihres Engagements. Die überwältigende Mehrheit der ehemaligen Freiwilligen bewertet ihr früheres Engagement als positiv. Rund 40 Prozent der in der Schweiz lebenden Personen können sich vorstellen, (wieder) formel-
le Freiwilligenarbeit zu leisten. Die meisten von ihnen haben auch eine konkrete Idee, wie sie sich betätigen möchten. Am häufigsten ist dies im sozialen oder karitativen Bereich. Darin liegt ein enormes Potenzial für gemeinnützige Organisationen. Zeit ist aber auch hier der Hauptfaktor. Fast die Hälfte der potenziellen Freiwilligen wünscht sich, die freiwillige Arbeit zeitlich flexibel einteilen zu können. Ausserdem müssen die richtigen Leute mitmachen. Ebenfalls bemerkenswert: Ein Fünftel gibt an, dass man sie für ein Engagement direkt anfragen und überzeugen müsste. Auf diesem Weg sind auch die meisten aktiven Freiwilligen zu ihrem Engagement gekommen. Sie wurden von jemandem aus der jeweiligen Organisation überzeugt. Der persönliche Kontakt und die konkrete Anfrage sind also weiterhin ein Schlüsselfaktor bei der Gewinnung von neuen Freiwilligen.
Quelle Freiwilligen-Monitor 2020, SGG
DIE SIEBEN ROTKREUZGRUNDSÄTZE Menschlichkeit Unparteilichkeit Neutralität Unabhängigkeit Freiwilligkeit Einheit Universalität Die sieben Rotkreuzgrundsätze sind für alle Mit glieder der weltweiten Rotkreuz- und Rothalbmond bewegung bindend und verpflichtend. Sie bieten allen Menschen, die sich im Zeichen des Roten Kreuzes engagieren, eine praktische Hilfestellung für ihre Tätigkeit. Freiwilligkeit ist der Rotkreuzgrundsatz des Jahres 2020. samariter 4/2020 31
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WUSSTEN SIE?
Die Samariterin, nach der eine Strasse benannt wurde Ada Martinoli hat das Samariterwesen im Tessin wesentlich mitgestaltet. Die Stadt Bellinzona hat vor kurzem eine Strasse nach dieser starken Persönlichkeit benannt in Erinnerung an die selbtslose Samariterin. TEXT : Mara Zanetti Maestrani
Die Via Ada Martinoli erinnert an die selbstlose Samariterin aus Giubiasco. (Foto : TI-Press/Alessandro Crinari)
Frauenhilfsdienst beitrat. Sie wurde der Kriegswäscherei in Bellinzona zugeteilt. In dieser Zeit begann sich die junge Frau auch für das Samariterwesen zu begeistern.
Am 8. März dieses Jahres wurden in Bellinzona im Rahmen einer kleinen Zeremonie eine neue Strassen eingeweiht. Die Stadt würdigte damit eine weibliche Persönlichkeit aus der Region, die mit ihrem persönlichen Einsatz einen grossen Beitrag für die Gemeinschaft geleistet hat. Das Datum ist kein Zufall: Der 8. März ist Weltfrauentag. Die Strasse trägt den Namen Via Ada Martinoli. Sie liegt im Stadtteil Giubiasco, nur ein Steinwurf vom Stadtzentrum entfernt, und ist der 1996 verstorbenen Samariterin Ada Martinoli gewidmet. Ada Martinoli wurde 1920 in Pianezzo geboren, später zog ihre Familie nach Giubiasco. Heute gehören beide Gemeinden zur Stadt Bellinzona. Nach der obligatorischen Schulzeit besuchte sie die Berufsschule für Frauen in Bellinzona und 1941 folgte sie dem Ruf des Vaterlands, indem sie dem 34 samariter 4/2020
Freiwilligenarbeit und Menschlichkeit 1948 wurde sie praktische Kursleiterin im Samariterverein Giubiasco. Der theoretische Teil der Kurse wurde damals noch jeweils einem Arzt anvertraut. Bereits zwei Jahre später übernahm die umtriebige Tessinerin das Vereinspräsidium. Diese Aufgabe erfüllte sie bis zu ihrem Tod mit viel Hingabe und grossem Engagement. Zudem war sie auch Vorstandsmitglied im Samariterverband der italienischsprachigen Schweiz, wo sie sich durch ihren Eifer bei der Weiterentwicklung der diversen Samariteraktiviäten auszeichnete. Anlässlich der Jahresversammlung ihres Vereins von 1960, dem 20. Jubiläumsjahr des Vereins, listete Ada Martinoli die verschiedenen Arten von Kursen auf, die mitunter angeboten wurden: Neben Samariterkursen standen auf dem Programm auch Krankenpflege, Grundlagen der Kinderbetreuung,
Ada Martinoli als Taufpatin der neuen Fahne des Samariter vereins Giubiasco. (Foto: zVg)
Grundlagen der Hygiene sowie praktische Übungen. Darüber hinaus bot der Verein diverse Hauswirtschaftskurse an mit Lektionen über Lebensmittel- und Kleiderhygiene, den Einsatz von Hausmitteln sowie Kochen und Bügeln. Ada Martinoli ermunterte die Samariterinnen und Samariter stets, sich neben der Ersten Hilfe auch für die moralische Unterstützung von Kranken einzusetzen, ebenso für die Betreuung von Kindern und älteren Menschen. Für ihren vorbildlichen Einsatz erhielt Ada Martinoli 1977 die renommierte Henry-Dunant-Medaille als Auszeichnung.
Erste Jugendgruppe im Tessin Mit ihrem beispielhaften Tatendrang inspirierte sie auch viele junge Menschen. 1978 gründete ihr Verein eine der ersten Samariter-Jugendgruppe der Schweiz und die erste überhaupt im Tessin. Unter Mitwirkung dieser Jugendgruppe organisierte sie 1981 erstmals ein Ferienlager für Kinder und junge Erwachsene mit Behinderung in Olivone, das im folgenden Jahr in Camperio wiederholt wurde. Unter ihrer Leitung führte der Verein ausserdem bereits in den 1950er Jahren als einer der ersten
einen «Tag der Kranken» durch. 1996 dauerte dieser Anlass sogar eine ganze Woche. Sie veranlasste dabei Besuche bei rund 120 kranken und älteren Menschen im Dorf sowie in verschiedenen Krankenhäusern, Kliniken und Pflegeheimen im Kanton. Niemand sollte bei dieser Aktion vergessen gehen. Ada Martinoli blieb zeitlebens unverheiratet und lebte mit ihren Eltern in Giubiasco, wo sie lange Zeit eine Gaststätte betrieb. Von 1980 bis 1988 gehörte sie dem Gemeinderat an. Sie starb am 24. Juli 1996 nach kurzer Krankheit. Mit ihrer Würdigung in Form eines Strassennamens hat die Stadt Bellinzona nun dafür gesorgt, dass Ada Martinoli ihrerseits nicht in Vergessenheit gerät. Die Via Ada Martinoli soll auch kommende Generationen an die selbstlose Samariterin aus dem Tessin erinnern.
Quellen Archivi Riuniti delle Donne Ticino, Tracce di donne – Biografie femminili ticinesi del XIX e del XX secolo, Biografie von Lorenza Hofmann (www.archividonneticino.ch/martinoli-ada-1920-1996/) samariter 4/2020 35
AUS DEN ROTKREUZ-ORGANISATIONEN
Neue SRK-Botschafter frischen ihr Erste-Hilfe-Wissen auf Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) darf auf das Engagement von zwei neuen Botschaftern zählen: Der Musiker Stress und die Journalistin Mélanie Freymond werden sich künftig für Projekte des SRK engagieren. Mélanie Freymond ist mit dem SRK bereits seit Längerem verbunden. Die Journalistin und Moderatorin führt seit einigen Jahren durch den jährlichen Rotkreuzball in Genf und engagiert sich als Freiwillige bei der Aktion «2× Weihnachten». Die 42-jährige Romande wird sich auch künftig für die jährliche Spendenaktion einsetzen. Freymond wird ausserdem Projekte zugunsten verletzlicher Menschen, zum Beispiel älterer Menschen oder Kleinkinder, begleiten. Stress wird sich als SRK-Botschafter insbesondere für die Anliegen von Jugendlichen einsetzen. Be-
sonders am Herzen liegt dem Musiker zudem, die Armut in der Schweiz sichtbar zu machen und Wege zu suchen, diese zu verringern. Stress, der als Andres Andrekson in Tallinn geboren und im Alter von zwölf Jahren mit seiner Familie in die Schweiz gekommen ist, wurde schon in seiner Kindheit in der damaligen Sowjetrepublik Estland für Themen wie Chancenungleichheit und Armut sensibilisiert. Er setzt sich seit Jahren für soziale Anliegen ein und hat 2009 den Fischhof-Preis der Gesellschaft Minderheiten in der Schweiz und der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus erhalten.
Die neuen SRK-Botschafter Stress und Mélanie Freymond frischen bei Samariterin Tanýa Bauer ihr Erste-Hilfe-Wissen auf. (Foto: SI / Geri Born)
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Im September erhielten die neuen SRK-Botschafter in Zürich eine Auffrischung in Erster Hilfe von Samariterkursleiterin Tanýa Bauer. Die «Schweizer Illustrierte» begleitete sie dabei. Sein Nothilfekurs liege bereits 20 Jahre zurück, sagte Stress gegenüber dem Magazin. Damit steht er nicht alleine da. Jede zweite Person fühlt sich unsicher, wenn es darum geht, Erste Hilfe zu leisten. Der Grund: fehlendes oder veraltetes Wissen. Mit ihrer Aktion wollen die SRK-Botschafter die Öffentlichkeit sensibilisieren und andere dazu anregen, ihr ErsteHilfe-Wissen ebenfalls aufzufrischen. «Ich kann dies nur empfehlen. Macht einen Kurs! Das kann Leben retten», so der Rapper.
Verletzlichen eine Stimme geben Mit Mélanie Freymond und Stress erweitert sich der Kreis der SRK-Botschafterinnen und Botschafter um zwei weitere engagierte Persönlichkeiten. Neben den beiden Romands darf die grösste humanitäre Organisation der Schweiz beispielsweise auch Mujinga Kambundji, Linda Fäh oder Christian Stucki zu ihren Botschaftern zählen. Die Botschafterinnen und Botschafter des Schweizerischen Roten Kreuzes unterstützen die humanitäre Arbeit im In- und Ausland. Durch ihre Bekanntheit helfen sie mit, den Anliegen von benachteiligten Menschen eine Stimme zu geben.
Neuer Zentralpräsident für REDOG Nationalrat Philipp Matthias Bregy übernimmt das Zentralpräsidium von REDOG, dem Schweizer Verein für Such- und Rettungshunde.
Aufgrund der kontinuierlichen Weiterentwicklung von REDOG in den letzten Jahren ist das Zentralpräsidium längst zu einem Amt mit starker politischer Ausrichtung geworden. Mit Philipp Matthias Bregy übernimmt nun ein Sympathieträger dieses Amt, welcher in der nationalen Politik bestens vernetzt ist. Nach der Wahl von Viola Amherd in den Bundesrat nahm er am 4. März 2019 ihren Platz im Nationalrat ein. Am 20. Oktober 2019 schaffte er erfolgreich die Wiederwahl als Nationalrat. Daneben ist Philipp Matthias Bregy Rechtsanwalt und als Partner in einer Kanzlei in Brig tätig. Er ist verheiratet, Vater eines Sohnes und wohnt mit seiner Familie in Naters (VS). Der Wunsch, sich für eine humanitäre Organisation zu engagieren, und der Zeitpunkt der Anfrage von REDOG, ob er sich ein Engagement als Zentralpräsident vorstellen könne, passten perfekt, sagt Philipp Matthias Bregy. Mit seiner pragmatischen und offenen Art wird Philipp Matthias Bregy REDOG national stärken und die Zukunft von REDOG erfolgreich mitgestalten. Ihm zur Seite stehen mit Markus Willi und Benjamin Tissot-Daguette zwei Vizepräsidenten, die die REDOG-Sparten Vermissten- und Verschüttetensuche vertreten.
Philipp Matthias Bregy ist neuer Zentralpräsident von REDOG. (Foto: zVg)
REDOG, der Schweizerische Verein für Such- und Rettungshunde, ist die einzige Schweizer Organisation, die eine umfassende Ausbildung von Rettungsteams aus Hund und Mensch zur Suche nach vermissten und verschütteten Menschen anbietet. REDOG ist eine Rettungsorganisation des Schweizerischen Roten Kreuzes und international Partner der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) im Bereich Search der Rettungskette Schweiz.
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