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SAMARITER Das Verbandsmagazin von Samariter Schweiz
Wachen über Millionen von Menschen 12 AV IN DER WAADT Ein neuer Name für die Samariterbewegung
16 BUSINESS
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EDITORIAL
Herzlich willkommen Liebe Samariterinnen, liebe Samariter «Alles neu macht der Mai» heisst es bekanntlich, und bevor ein Verdacht aufkommt, ich könnte den Monat verwechselt haben – nein, das ist nicht der Fall. Und trotzdem: Im Wonnemonat Mai sind einige wegweisende Entscheidungen bei Samariter Schweiz getroffen worden. Zunächst konnten wir vom Zentralvorstand im Mai verkünden, dass Barbara Rüttimann unsere neue Geschäftsführerin wird. Sie hat die Leitung der Geschäftsstelle am 13. Juni 2022 übernommen. Am 18. Juni, an der AV in Chavannes-de-Bogis, haben die Delegierten der Verbände sie kennengelernt. Wir vom Zentralvorstand sind überzeugt, eine motivierte und offene Geschäftsführerin in der Person von Barbara Rüttimann gefunden zu haben. Sie wird sich mit Elan für die Themen und Anliegen einer der grössten Freiwilligenorganisationen in der Schweiz einsetzen. Frau Rüttimann ist 56 Jahre alt und lebt in Thalwil, im Kanton Zürich. Sie bringt eine mehr als 20-jährige Berufserfahrung in verschiedenen Managementfunktionen von Profit- und Non-Profit-
Organisationen mit. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit ihr in einer spannenden und prägenden Zeit von Samariter Schweiz. Am 14. Mai durften wir das zweite Dialogforum für die Verbundsentwicklung (STP1) durchführen. Dabei konnten wir mit über 60 Teilnehmenden aus den Kantonalverbänden, den Basisvertretungen der Samaritervereine und der Jugend sowie aus der Geschäftsstelle in einen Dialog treten, um uns über tragfähige Strukturen von Samariter Schweiz zu unterhalten. Die konstruktiven und wertvollen Ergebnisse werden am 17. September im nächsten Dialogforum weiterverfolgt. Es freut mich besonders, in dieser Ausgabe Erika Kuczynski und Fabian Kästli stellvertretend für den grossen und unermüdlichen Einsatz der Samariterinnen und Samariter vorzustellen. Beide zeichnet ihre wertvolle Arbeit im Dienst der Gesellschaft aus. Ich wünsche eine anregende Lektüre in den Sommertagen.
INGRID OEHEN Präsidentin des Zentralvorstandes samariter 3/2022 3
18 PROFESSIONELL AUFGESTELLT BEI GROSSEN UND KLEINEN ANLÄSSEN INHALT 06 SCHWERPUNKT Mit Herzblut im Dienst der Mitmenschen Porträt einer Samariterin und eines Samariters 10 WISSEN Ratschläge, Informations blatt und Sicherheitsregeln bei Unfällen mit Elektro autos
4 samariter 3/2022
12 AKTUELL Statutarisches, Wahlen, Ehrungen und Geselligkeit an der Abgeordnetenver sammlung in Chavannesde-Bogis (VD) 13 AKTUELL Kurz vorgestellt: Laurent Audergon, neu im Zentralvorstand
14 NACHRUF Nachruf auf Jacques Küng, Ehrenmitglied und langjähriger Samariter aus dem Kanton Glarus 16 AKTUELL Letzter Probelauf für «SECO TopTen» – ein neues Angebot für Firmenkunden
IMPRESSUM «samariter» 3/2022 Erscheinungsdatum: 10. August Herausgeber Samariter Schweiz Martin-Disteli-Strasse 27 Postfach, 4601 Olten Telefon 062 286 02 00 Telefax 062 286 02 02 redaktion@samariter.ch www.samariter.ch Abonnemente, Adressänderungen schriftlich an obige Adresse Abonnementspreis Einzelabonnement für Aussenstehende: Fr. 33.– pro Jahr 4 Ausgaben pro Jahr Auflage: 18 000 Exemplare Redaktion Paolo D’Avino (pda) Stefan Franzen Westschweiz: Chantal Lienert (cli) Südschweiz: Mara Zanetti Maestrani (m.z.) Telefon 062 286 02 00 Telefax 062 286 02 02 redaktion@samariter.ch Postadresse: Redaktion «samariter» Postfach, 4601 Olten Inserate Fachmedien Zürichsee Werbe AG Laubisrütistrasse 44, 8712 Stäfa Telefon 044 928 56 11 Telefax 044 928 56 00 samariter@fachmedien.ch www.fachmedien.ch
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samariter 3/2022 5
SCHWERPUNKT PORTRÄT
«Meine Umwelt lebenswerter machen» Erika Kuczynski wollte das Präsidium des Samaritervereins Regensdorf und Umgebung eigentlich nie übernehmen. Mittlerweile ist sie seit 40 Jahren im Amt. Ihr Antrieb: soziales Engagement und Teamarbeit. TEXT: Paolo D’Avino / FOTO: Streiflicht, Nicole Wagner Erika Kuczynski ist eine umtriebige Person. Das sei sie schon von Kindesbeinen an, sagt sie, und auch mit 70 Jahren könne sie nicht anders. Sie sei zwar nicht mehr an so vielen Fronten gleichzeitig tätig wie früher, doch ihr Engagement für die Gemeinschaft habe nicht nachgelassen. «Solange die Gesundheit mitspielt, will ich mich für meine Mitmenschen einsetzen», sagt die pensionierte Mittelschullehrerin mit einem Schmunzeln im Gesicht.
Verantwortung übernehmen Wieso diese Eigenschaft so ausgeprägt sei, wisse sie selbst nicht so recht. «Dieser Charakterzug wur6 samariter 3/2022
de mir offenbar von meinen Eltern in die Wiege gelegt. Meine Mutter war schon im Samariterverein und mein Vater im Männerchor.» Doch helfen zu wollen, ihre soziale Ader, ist für Erika Kuczynski nicht einfach Selbstzweck. «Ich will meine Umwelt ein bisschen lebenswerter machen. Wenigstens in meinem persönlichen, überschaubaren Radius.» Verantwortung übernommen, wie sie es nennt, hat sie ein Leben lang. Sie ist Präsidentin des SV Regensdorf und Umgebung. «Im 40. Amtsjahr bereits.» Sie ist Präsidentin des Harmonika-Clubs Regensdorf und Umgebung mit seinem Orchester Accordissimo, seit mehr als 40 Jahren. Sie war 20 Jahre politisch im Gemeinderat von Regensdorf
tätig. «Davon 12 Jahre als Gemeindepräsidentin.» Und nicht zu vergessen ihr Engagement im Vorstand des Samariterverbandes des Kantons Zürich und im SSB. «Unter anderem 12 Jahre im Zentralvorstand.»
Jüngstes Vorstandsmitglied Sich in den Dienst der Mitmenschen zu stellen, sich für eine Gemeinschaft einzusetzen, macht sie aus Überzeugung. Damals, als sie als junge Frau in den Vorstand des SV Regensdorf gewählt wurde, meldete sie sich an der Generalversammlung nur zu Wort, weil auf der Suche nach neuen Vorstandsmitgliedern ein Samariter die fehlende Bereitschaft der Jungen bemängelte. Er meinte, dass man bei ihnen nie wisse, woran man sei. Sie würden kommen und gehen. Das konnte sie unmöglich auf sich sitzen lassen. «Das Gleiche kann man auch von den Alten sagen», erwiderte sie damals. Dann ging es schnell. Noch am gleichen Abend wurde sie zur Vizepräsidentin gewählt.
Es kam anders als gedacht Die Wahl nahm sie damals mit der Hoffnung an, niemals das Präsidentenamt übernehmen zu müssen. Doch es kam anders als gedacht. «Es gab ernst zu nehmende Unstimmigkeiten im Verein.» Eine Lösung musste her, und so wurde Erika Kuczynski nach Bekanntgabe des Rücktritts des damaligen Präsidenten angehalten, dessen Amt zu übernehmen. Von ihrer ersten Amtshandlung weiss sie nichts mehr, doch «ich habe unglaublich viele Erlebnisse in Erinnerung». Spontan kommt ihr das Jubiläumsjahr zum 75. Vereinsgeburtstag in den Sinn, mit der Durchführung der kantonalen DV und der erstmaligen Verleihung der Henry-Dunant-Medaillen in der katholischen Kirche sowie dem Jubiläumsabend mit Gästen aus Politik, Wirtschaft und Samariterwesen. «Dann der Gesundheitsevent 2002 und 2010 im reformierten Kirchgemeindehaus, das Samariterbeizli am Rägifäscht 2009 und die Sanitätsdienste am Watterfäscht, an der Furttalmesse und an der Dälliker Chilbi. Nicht zu vergessen die aktuellen, anspruchsvollen Sanitätsdienste an den Turnieren des Pferdesportstalls Sigg, die Organisation von jährlich drei Blutspenden und die zahlreichen Bevölkerungs- und Individualkurse.»
Allen Schwierigkeiten zum Trotz Wenn jemand so lange im Amt ist, könnte man der Person schnell Sesselkleberei auslegen. Erika
Kuczynski musste bis jetzt so etwas nie erfahren. Ganz im Gegenteil! Es war ihr in all den Jahren immer ein zentrales Anliegen, «nicht mich selbst, sondern den Mitmenschen ins Zentrum zu setzen, vor allem dann, wenn er Hilfe benötigt», sagt sie ohne zu zögern. Diese Hilfe geht über das Verarzten von sichtbaren Wunden hinaus, denn als Präsidentin und Samariterin sei sie oft auch zur Stelle gewesen, wenn die Seele von Mitmenschen schmerzte. «Ein Präsident oder eine Präsidentin ist in der täglichen Vereinsarbeit nur so gut wie das Vorstands- und das samaritertechnische Team.» Die vielen Ämter haben sie reich an Erfahrung gemacht und geholfen, die eigenen Lebenssituationen oder -krisen zu bewältigen. Vor allem die Jahre in der Politik. «Oft wurde mit harten Bandagen und zum Teil unfairen Methoden gekämpft.»
Bald kürzertreten Sie bereue keinen ihrer Schritte, und selbstverständlich habe es in ihrer langen Zeit als Präsidentin des Samaritervereins Höhen und Tiefen gegeben. Zu schaffen machten ihr die Vakanzen im Vorstand, die immer wieder neu besetzt werden mussten. Doch das Positive überwiege, und das Herzblut, das die Samariter:innen und das Vereinskader an den Tag legen, mache sie zuversichtlich. «Die Samariter:innen braucht es auch in Zukunft.» Für den Sanitätsdienst an Sport- und Kulturanlässen wie auch als Hilfeleistende im kleineren und privaten Umfeld. Zum Schluss bleibt die eine Frage. «In diesem Jahr mit den Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen des Vereins braucht es noch mein Netzwerk und mich als Präsidentin», sagt sie mit einem Augenzwinkern. Doch in einem Nebensatz räumt sie ein, dass ihre Nachfolge keinesfalls geregelt sei, sie im Verein zwei oder drei valable Kandidat:innen der jüngeren Generation sehe. Namen nennt sie keine. Nur so viel: Die potenziellen Nachfolger:innen setzen sich für die Gemeinschaft schon jetzt ein. Eine Anforderung, die für Erika Kuczynski unerlässlich ist.
ANGABEN ZUR PERSON Vorname, Name: Beruf:
Erika Kuczynski lic. phil. I / Mittelschullehrperson für Französisch, pensioniert Alter: 70 Jahre Zivilstand, Kinder: Verheiratet, Mutter von zwei Söhnen, vier Enkelkinder samariter 3/2022 7
SCHWERPUNKT PORTRÄT
Selbstbestimmt und Samariter Tagsüber ist er Gärtner, in seiner Freizeit leidenschaftlicher Samariter. Trotz Geburtsgebrechen führt Fabian Kästli ein selbstbestimmtes Leben. Sein Traumberuf: Rettungs- oder Transportsanitäter. Auf dieses berufliche Ziel arbeitet er hin. TEXT: Paolo D’Avino / FOTO: Streiflicht, Nicole Wagner
8 samariter 3/2022
Fabian Kästli erscheint gut gelaunt zum Interviewtermin, er fühlt sich sichtlich wohl in seiner Haut. Von Aufregung keine Spur. Im Gegenteil: Er legt gleich los. Es sprudelt nur so aus ihm heraus. Enthusiastisch erzählt er von seinem Werdegang in Erster Hilfe. Mit 16 Jahren hat er den Nothelferkurs besucht, mit 18 trat er der Milizfeuerwehr Bereich Verkehrskompanie Schutz & Rettung Zürich bei, heute ist der 28-Jährige im Besitz der Ersthelfer Stufe 3 IVR und im Samariterverein Binningen aktiv. Es ist nicht von der Hand zu weisen: Er ist vom Samaritervirus infiziert. Kein Wunder. Die Freiwilligenarbeit und das Samaritergen sind ihm in die Wiege gelegt worden. «Mein Vater war bei der Milizfeuerwehr, meine Mutter ist Mitglied im Samariterverein Seebach Zürich», sagt er gleich zu Beginn des Gesprächs. Und mit jedem Satz, der folgt, vermittelt er seine Begeisterung für die Erste Hilfe.
Immer in Bewegung bleiben Doch nicht nur: Fabian Kästli hat einen unbändigen Drang, voranzukommen. Das alles ist nicht selbstverständlich. Mit einem Geburtsgebrechen auf die Welt gekommen, musste er so manche Hürde im Leben nehmen. Trotzdem steht er mitten im Arbeitsleben. Er ist in der Stiftung Weizenkorn integriert, wo Menschen wie Fabian Kästli ein Auskommen finden, begleitet und betreut werden. «Ich möchte so selbstbestimmt wie nur möglich durchs Leben kommen», sagt er ganz unverhohlen, und wenn er nicht als Samariter unterwegs ist, ist er Gärtner. «Nicht der klassische», wie Kästli betont, sondern «ich bin eher im Naturschutz tätig.» Heute sei er mit seinen Arbeitskollegen in einem Steinbruch gewesen. Dort mussten die Brombeersträucher gerodet werden, doch seine Tätigkeit umschreibt er so: «Wir erledigen von der Mäharbeit über die Heckenpflege bis zur Neophytenbekämpfung sämtliche Arbeiten eines Gartenbauers.»
Tagsüber Gärtner, im Herzen Samariter Wegen der Arbeitsstelle zog der gebürtige Zürcher von Seebach nach Muttenz. Er brauche die Bewegung und die Begegnungen mit den Menschen. Das sei ihm sehr wichtig, und so erstaunt es nicht, dass ihm die Arbeit als Gärtner sehr gut gefällt. Doch Fabian hat einen Traum. Er will Rettungsoder Transportsanitäter werden. Den Job als Gärtner würde er aufgeben, wobei das Wort aufgeben es für ihn nicht ganz trifft. «Ich würde mein jetziges Hobby zum Beruf und meinen Beruf zum Hobby machen.» Typisch Fabian Kästli. Nicht stillste-
hen. Weiterkommen. Er ist dran, die Weichen zu stellen. Doch es sei noch ein weiter Weg. So fehlen ihm unter anderem die notwendigen Führerausweise, und er müsse noch abklären, welche Voraussetzungen er sonst noch zu erfüllen habe.
Aktiv helfen Als Samariter hilft er, wo er nur kann. Zum Beispiel als Freiwilliger im Bundesasylzentrum des SRK in Basel oder wie im Dezember 2021, als wegen Omikron viele Mitarbeitenden der Spitex krankheitsbedingt zu Hause bleiben mussten. «Das Schweizerische Rote Kreuz suchte Helferinnen und Helfer zur Unterstützung.» Fabian Kästli meldete sich. Während der Weihnachtszeit stand er nach der Arbeit als Hilfspfleger im Dienst der Spitex. «Das sind Aufgaben, die ich gerne mache.» Das Schweizer Fernsehen begleitete ihn bei einem seiner Einsätze. «Das war eine unglaublich gute Erfahrung», sagt er und ergänzt begeistert, dass die TV-Leute des Schweizer Fernsehens richtig professionell ans Werk gingen. «Alles war sehr gut organisiert und vorbereitet.»
Vorfreude auf Sanitätsdienst Er blickt voller Zuversicht in die Zukunft, und wie im Beruf, will er auch im Samariterverein vorankommen. «Die Samariterinnen und Samariter hier im Verein sind mir ans Herz gewachsen.» Das Vereinskader sieht in ihm einen möglichen Ausbildner. «Ich könnte mir gut vorstellen, meine Begeisterung für die Erste Hilfe und mein Wissen später als Samariterlehrer oder Kursleiter weiterzugeben.» Doch vorerst konzentriert er sich auf das, was für ihn Priorität hat. Der Job und eine mögliche Neuausrichtung. Dabei helfen ihm die Erfahrungen als Samariter, die er sich bei seinen Einsätzen im Sanitätsdienst holt. «Wegen Corona fielen viele Übungen aus. So konnte ich das Gelernte nicht anwenden», sagt der 28-Jährige. Nun freut er sich wieder auf die Sanitätsdienste, auch ausserhalb seines Stammvereins, bei denen er sich melden will. Nur zu gut erinnert er sich an den Sanitätsdienst am Eidg. Turnfest in Aarau, am Eidg. Schwing- und Älplerfest in Zug oder am Open Air Gampel. «Ohne Freiwillige wären solche Anlässe gar nicht durchführbar.»
ANGABEN ZUR PERSON Vorname, Name: Beruf: Alter: Zivilstand, Kinder:
Fabian Kästli Gärtner 28 Jahre ledig und keine Kinder samariter 3/2022 9
WISSEN
Neue Gefahren für Ersthelfer bei Elektrofahrzeugen? Auf Schweizer Strassen ist ein Elektrofahrzeug keine Seltenheit mehr. Der Anteil an Fahrzeugen mit Elektro antrieb dürfte auch in den kommenden Jahren wachsen. Doch sind Elektroautos sicher? Was passiert bei einem Unfall? Steht dann das ganze Auto unter Strom? Solche Fragen betreffen auch die Ersthelferinnen und Ersthelfer. Das Informationsblatt weist auf wichtige Punkte hin. TEXT: Stefan Franzen FOTO und GRAFIK: TCS Schweiz Statistisch gesehen sind Fahrzeuge mit alternativem Antrieb nicht weniger sicher als Fahrzeuge, die mit Diesel oder Benzin betrieben werden. Die Gefahr eines Stromschlags ist für die Ersthelfer nicht vorhanden. Eines vorweg Grundsätzlich verändert die Elektromobilität die Erste Hilfe nicht. Es müssen immer noch dieselben Punkte beachtet werden wie bei Fahrzeugen mit einem herkömmlichen Verbrennungsmotor. Am dienlichsten dabei ist das Ampelschema: schauen, denken und handeln. Oberste Priorität beim Handeln hat immer noch – und das wird immer so bleiben – die Sicherheit. Der Selbstschutz von Ersthelfenden geht vor.
Der Hinweiskleber am Fahrzeug ist beim hintersten Fenster auf der Fahrerseite angebracht.
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Drei Hinweise für eine sichere Rettung: • 1. Bei leichteren Unfällen besteht die Gefahr, dass ich als Ersthelfer den lautlosen Motor nicht auf Anhieb höre. Daher immer zuerst den Motor ausschalten und die Handbremse anziehen. Gilt auch für Benzin- und Dieselfahrzeuge. • 2. Sobald die Airbags bei einem Elektrofahrzeug ausgelöst sind, wird das Hochvoltnetz innert Sekundenbruchteilen heruntergefahren. • 3. Wenn ein Elektrofahrzeug brennen sollte, führen wir als Ersthelfer keine Rettungen von Personen durch. Dies entspricht derselben Herangehensweise wie bei Benzin- oder Diesel fahrzeugen. Wie bei jedem Notfall sollte eine Ersthelferin oder ein Ersthelfer auch bei einem Autounfall mögliche Gefahrenquellen identifizieren. Wenn eine Gefahrenquelle ersichtlich ist (beispielsweise eine Treibstoffflasche oder orangefarbene Hochvoltleitungen), den Eigenschutz nicht vergessen. Die AUTO-Regel kann dabei helfen, weitere Informationen zum Fahrzeug oder allfällige Gefahren zu erkennen: • Austretende Betriebsstoffe hören, riechen und sehen, beispielsweise Zisch- oder Knattergeräusche, Gasgeruch, Lachen- oder Nebelbildung. • Unterboden, Kofferraum und Motorhaube erkunden und beispielsweise nach Gastanks oder
Toyota Prius
(XW3 Hybrid 5-Türer, ab 2009)
Die Rettungskarte enthält wichtige Angaben zum Fahrzeug mit alternativem Antrieb. Karosserieverstärkung
Steuergerät
Gasgenerator
Gasdruckdämpfer
12 VoltBatterie
Gurtstraffer
Kraftstofftank
Hochvoltbauteile
orangefarbenen Hochvoltleitungen Ausschau halten. • Tankdeckel öffnen und zum Beispiel QR-Code, alternative Betankungs-/Ladesysteme oder mehrere Tankdeckel ausmachen. • Oberfläche absuchen und schauen, ob ein Auspuff, markante Beschriftungen oder Erkennungszeichen oder Überdruckventile vorhanden sind. Weitere Informationen erhalten die Ersthelfenden auch anhand der Rettungskarte. Der TCS und der SFV haben diese Rettungskarte in den letzten Jahren herausgegeben, da immer mehr Fahrzeuge mit alternativem Antrieb auf der Strasse unterwegs sind. Die Rettungskarte ist ein A4-Blatt, auf dem wichtige Informationen für die Rettungskräfte auf-
A Toyota Prius (XW3 Hybrid 5-Türer)
Airbag
geführt sind. Die Rettungskarte enthält Angaben über die Position von Karosserieverstärkungen, über Energiespeicher, Airbags, Gurtstraffer, Gasgeneratoren, Steuergeräte und mehr. Damit der Ersthelfer die Rettungskarte finden kann, ist ein Hinweiskleber beim hintersten Fenster auf der Fahrerseite angebracht. Wenn ein Aufkleber vorhanden ist, befindet sich die Rettungskarte unter der Sonnenblende auf der Fahrerseite.
Quellen • Warum die Rettungskarten benutzen? – TCS Schweiz • https://www.tcs.ch/de/testberichte-ratgeber/ratgeber/alle-themen/rettungskarten.php • Zobrist M. (2020), Samariter 2/20, Seiten: 34 und 35 samariter 3/2022 11
AKTUELL
ABGEORDNETENVERSAMMLUNG UNTER DER SONNE DES WAADTLANDES Zentralpräsidentin Ingrid Oehen begrüsste die Teil nehmenden zur 134. Abgeordnetenversammlung in Chavannes-de-Bogis. Es wurden eine neue Vizepräsi dentin, ein neues Mitglied in den Zentralvorstand, zwei neue GPK-Mitglieder gewählt und zwei Ehrenmitglieder ernannt. Um die mit der Strategie 2024 angestossene Neuausrichtung auch namentlich zu kennzeichnen, wechselt der Schweizerische Samariterbund seinen Namen zu Samariter Schweiz. Zentralpräsidentin Ingrid Oehen hiess die 121 anwesenden Delegierten und Gäste aus der Samariterwelt herzlich willkommen und freute sich, die Teilnehmenden persönlich zu treffen. In ihrer Eröffnungsrede erinnerte sie an den schweren Weg der vergangenen vier Jahre und hob dabei auch die heutige Situation hervor. Die Organisation hat ihre finanzielle Situation wieder auf eine solide Basis gestellt und eine gemeinsame Strategie entwickelt, deren Umsetzung in der Praxis in vollem Gange ist. Oehen begrüsste die neue Geschäftsführerin Barbara Rüttimann, die seit Juni in Olten im Amt ist, und Véronique Stoller, Präsidentin des Kanto-
nalverbands Waadt, herzlich willkommen.
Neuer Name: Samariter Schweiz Der Namenswechsel zu Samariter Schweiz wurde mit einer grossen Mehrheit abgesegnet. Seit Juli 2022 heisst der Dachverband der Samariterinnen und Samariter nun Samariter Schweiz. Der Wechsel zu einem zeitgemässen und kurzen Namen ist als Zeichen der Modernisierung und des gemeinsamen Bekenntnisses zur strategischen Neuausrichtung zu sehen. Das Logo (Marke Samariter) bleibt durch den Namenswechsel unverändert. Administrative Dokumente und Vorlagen werden bei der Geschäftsstelle bis Ende Jahr angepasst. Sowohl der Leistungsbericht 2021 und die Jahresrechnung 2021 als auch das Tätigkeitsprogramm sowie das Budget 2022 wurden verabschiedet. Auf die Anträge der Kantonalverbände aus der Ostschweiz zur Neufinanzierung wurde nicht eingetreten, es bleibt beim Status quo. Eine Reihe von Statutenänderungen, die sich aus der Annahme der Strategie 2024 ergaben, wurde angenommen.
Neuwahlen, Ehrungen und Verabschiedungen waren an der Tagesordnung der 134. Abgeordnetenversammlung in Chavannes-de-Bogis.
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Wahlen und Ehrungen Da mehrere engagierte Personen im Zentralvorstand und in der Geschäftsprüfungs-kommission ihren Rücktritt angekündigt hatten, standen Wahlen auf dem Programm. Laurent Audergon (siehe Porträt nächste Seite) wurde neu in den Zentralvorstand aufgenommen, während Theresia Imgrüth Nachbur, eine seit 34 Jahren engagierte Samariterin und langjähriges Mitglied im ZV wurde zur neuen ZV-Vizepräsidentin ernannt. Trix Gisler und Corinne Zosso wurden in die Geschäftsprüfungskommission gewählt. Die Versammlung verabschiedete die ZV-Vizepräsidentin Dagmar Baettig und den ZV-Vizepräsidenten Matthias Egger sowie Hans-Jörg Held und Paul Häring als Präsident bzw. Vizepräsident der Geschäftsprüfungskommission gebührend. Schliesslich beschlossen die Delegierten, Matthias Egger
nach zwanzigjährigem Engagement für das Samariterwesen und René Giopp, dem ehemaligen und langjährigen Stabsmitarbeiter der Geschäftsstelle in Olten, die Ehrenmitgliedschaft zu verleihen. Die Versammlung drückte damit ihre Anerkennung und Dankbarkeit gegenüber zwei Personen aus, die sich mit Leib und Seele dem Dienst der Samariter verschrieben hatten. Nach der Versammlung tauschten sich die Delegierten bei sommerlichem Wetter an einem Apéro Riche aus, der im Garten des Everness-Hotels in Chavannes-de-Bogis gereicht wurde. Die 135. Abgeordnetenversammlung der Samariter Schweiz findet am 17. Juni 2023 im Kanton Glarus statt.
NEU IM ZENTRALVORSTAND Laurent Audergon – die Redaktion gratuliert Ihnen zur Wahl in den Zentralvorstand von Samariter Schweiz. Was motiviert Sie, sich für die Samariter zu engagieren?
Samariter Schweiz mit fast 17 000 Samariterinnen und Samaritern beizutreten, bedeutet, Teil der grössten Freiwilligenorganisation im Rettungswesen der Schweiz zu sein, die sich den Grundsätzen der Solidarität und Menschlichkeit verpflichtet fühlt. Es bedeutet auch, meine strategische und taktische Führungserfahrung mit den anderen Mitgliedern des Zentralvorstands, den Präsidentinnen und Präsidenten sowie den Abgeordneten zu teilen. Drei Eigenschaften, die Sie auszeichnen?
Warum braucht es Samariterinnen und Samariter auch in Zukunft?
Die Samariterarbeit ist langfristig angelegt, denn sie vereint Menschen, die sich in Erster Hilfe engagieren wollen. Jeder Freiwillige erkennt sich in dieser starken Gemeinschaft wieder und motiviert sich. Zudem braucht es moderne Strukturen. Das trägt unter anderem dazu bei, den Fortbestand der Samariterinnen und Samariter zu sichern.
Laurent Audergon wurde an der AV vom 18. Juni in den Zentralvorstand gewählt.
Wenn Sie nicht für Samariter Schweiz unterwegs sind, sind Sie gerne ...
Ich werde gerne als eine einnehmende, integrative und verantwortungsbewusste Persönlichkeit be- ... unterwegs auf verschneiten Pisten, auf dem Tenschrieben. Ich lege grossen Wert auf Transparenz, nisplatz, hinter dem Herd – oder beim Unterstütund werde gerne als Brückenbauer beschrieben, zen meiner Teenager und ihrer Teams beim Fusssowohl zwischen den Sprachregionen als auch zwi- ball, Tennis oder Skifahren. Oft bin ich auch mit Fotoapparat oder Videokamera unterwegs, und schen den Anspruchsgruppen. schliesslich bin ich ein leidenschaftlicher Brettund Kartenspieler. Das Engagement in Vereinen ist wichtig, weil ... ... wie Denis Diderot so schön sagte: «Der glücklichste Mensch ist derjenige, der eine grössere Anzahl anderer glücklich macht.» Abgesehen davon bedeutet die Mitarbeit in einem Verein für mich, dass ich meinen Beitrag zum Aufbau der Organi- Vorname, Name: Laurent Audergon Direktor sation leiste. Bei den Samaritern bin ich bestrebt, Beruf: 50 Jahre mich in den Dienst der Sache zu stellen und das Alter: Zivilstand, Kinder: Verheiratet, 3 Kinder (18, 17, 16) Engagement der Jugend zu fördern.
STECKBRIEF
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NACHRUF
EIN LEBEN IN DEN DIENSTEN DER SAMARITER Jacques Küng war für viele Samariterinnen und Samariter ein bekannter Name, und er war zahlreichen auch ein geschätzter Freund und Kollege. Er ist Ende letzten Jahres gestorben. Ein Nachruf.
Im Jahre 1963 begann Jacques’ Samariterkarriere. Er war der jüngste Samariterlehrer im Kanton Glarus. So war er in verschiedenen Vereinen als Samariterlehrer tätig, u.a. in Mühlehorn, Mollis, Filzbach und Linthal. Steil führte seine Karriereleiter nach oben: Samariterlehrer, Technischer und Administrativer Instruktor, CPR-Instruktor. Wen wundert es, dass er bei der Gründung des Samariterverbandes Glarnerland im Jahre 1976 dabei war und zum ersten Verbandspräsidenten gewählt wurde. Auch war er immer stolz, wenn jeweils die Jahresrechnung seines Verbandes mit einem grossen Überschuss abschloss. Auch beim Ertrag aus den Altkleidersammlungen war der Kanton Glarus stets an vorderster Stelle.
In den Jahren 1972 und 1989 organisierte er die Schweizerischen Samariterwettkämpfe im Glarnerland. Das gute Gelingen war vor allem seiner grossen organisatorischen Leistung zu verdanken. 1988 wurde er zum Ehrenpräsidenten des Samariterverbandes Glarnerland ernannt. Seine grosse Erfahrung wurde bald auch vom Zentralvorstand des Schweizerischen Samariterbundes geschätzt. Dort übernahm er mehrere Aufgaben, u.a. die Projektgruppe Samariterwettkämpfe; er stellte sein umfangreiches Wissen dem Steuerungsausschuss und der Finanzkommission zur Verfügung. Nicht weniger als zwölf Jahre war er im Zentralvorstand. Im Jahre 1993 ernannte ihn der Schweizerische Samariterbund zu seinem Ehrenmitglied. Seine Anliegen galten stets den kleinen Samariterverbänden. Nicht selten konnte der Glarner Verband von seinem grossen Engagement profitieren. Obwohl ein Teil seines Herzens für das Rote Kreuz schlug, hat er sich immer sehr stark für die Samariterjugend eingesetzt. Dank ihm sind sechs Help gruppen entstanden. Er war besonders stolz darauf, dass sein kleiner Verband zu einer solchen Leistung fähig war.
Jacques Küng-Camiotto, 13.1.1944 bis 23.12.2021
Wichtig war ihm auch immer, auf dem neuesten Wissensstand zu sein. Trotz seinen vielen Aufgaben drückte er im Jahr 2003 die Schulbank und absolvierte den SVEB1-Lehrgang des Schweiz. Verbands für Erwachsenenbildung. Seinem grossen Engagement und seiner Hartnäckigkeit ist es zu verdanken, dass der Verband bei seinem Rücktritt an der Delegiertenversammlung 2016 auf festen Fundamenten stand. Jacques lebt in der Erinnerung weiter. Denn die Erinnerung ist das, was uns heute noch bleibt.
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Rotkreuzpreis des Schweizerischen Roten Kreuzes
Sie kennen eine Person oder Organisation, die sich auf ganz aussergewöhnliche Art für andere Menschen einsetzt. Ihre Leistung ist beispielhaft, herausragend und nachhaltig. Deshalb soll sie als Vorbild ausgezeichnet werden.
Einreichefrist: 31. Dezember 2022 Weitere Informationen und Vorschlagsformular: www.redcross.ch/rotkreuzpreis
Schlagen Sie diese Person oder Organisation für den Rotkreuzpreis für besondere humanitäre Leistungen vor!
Kurse für Samariter*innen
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Stop the bleeding 2. November Differenzierte Patientenbeurteilung 7. November Erste Hilfe nach Algorithmen (SMEDRIX Basic) 25. November Firstresponder*innen Teamtraining im SimCenter 2. Dezember Notfallsituationen im Kindesalter 6. Dezember Ersthelfer Stufe 3 IVR advanced 21. – 22.Dezember SIRMED AG – Schweizer Institut für Rettungsmedizin Guido A. Zäch Strasse 2b | CH-6207 Nottwil | www.sirmed.ch Ein Unternehmen der Schweizer Paraplegiker-Stiftung (SPS) und der Schweizerischen Rettungsflugwacht (Rega)
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AKTUELL
Seit Juli im Angebot Erste Hilfe im Betrieb oder «SECO TopTen» – ein neues Angebot für Firmenkunden – geht in die letzte Testphase, bevor es Samariter Schweiz im Sommer 2022 lanciert. Ein Augenschein bei der Tinovamed GmbH, die sich für den Pilotversuch zur Verfügung gestellt hat. TEXT: Paolo D’Avino FOTOS: Christian Beutler
Er ist die Ruhe in Person. Zumindest äusserlich lässt sich Stefan Franzen nichts anmerken. Doch innerlich brodelt es, wie er auf dem Weg nach Gerlafingen betont. «Ich bin aufgeregt.» Weniger wegen des eintägigen Grundlagenkurses in Erster Hilfe, den er für die Mitarbeitenden der Tinovamed GmbH halten wird, sondern eher wegen der Frage, ob das von ihm neu zusammengestellte Firmenkundenangebot «SECO TopTen» als Ganzes der Feuertaufe standhält.
Gesundheitsschutz ist Arbeit gebersache Stefan Franzen ist Fachspezialist im Bereich Bildung bei Samariter Schweiz. Für die Erste Hilfe im Betrieb hat er die Dokumentation neu zusammengestellt. Heute stellt er das Konzept mit seinem «SECO TopTen» erstmals auf die praktische Probe.
10 ZEITKRITISCHE NOTFÄLLE Die zehn statistisch häufigsten, akutesten und zeitkritischsten medizinischen Notfälle in der Schweiz. Die häufigsten Notfälle sind Bagatellverletzungen. 1. Verletzungen an der Wirbelsäule 2. Psychischer Notfall 3. Starke innere und äussere Blutungen 4. Schwerwiegende Hautverletzungen (Verbrennungen/Verätzungen) 5. Kreislauf- und Bewusstseinsstörungen 6. Krampfanfall 7. Herz-Kreislauf-Stillstand 8. Schlaganfall 9. Herzinfarkt 10. Verletzung der Atemwege 16 samariter 3/2022
Die Idee geht auf die Strategie 2024 zurück. In dieser wurde beschlossen, die Erste Hilfe im Betrieb nach den Grundsätzen des Staatssekretariates für Wirtschaft (SECO) auszubauen und umzusetzen. Kern der Businessstrategie ist ein umfangreiches Beratungs- und Ausbildungsangebot für Unternehmen. Der zugrunde liegende Ansatz: «Jeder Arbeitgeber ist von Gesetzes wegen für den Gesundheitsschutz seiner Angestellten verantwortlich», betont Benjamin Kuoni, Leiter des Bereichs Bildung und Freiwilligenmanagement bei Samariter Schweiz.
Jeweils ein dreistufiges Angebot Drei Voraussetzungen müssen die Unternehmen erfüllen. «Sie brauchen ein Erste-Hilfe-Konzept, entsprechendes Material und die sanitätsdienstliche Infrastruktur sowie eine bestimmte Anzahl ausgebildeter Ersthelfer», sagt Benjamin Kuoni. «Mit dem neuen Firmenkundenangebot ‹SECO TopTen› wollen wir die Unternehmen in der Schweiz beraten, unterstützen und ihnen in der Ausbildung helfen, damit sie die Voraussetzungen erfüllen», ergänzt Stefan Franzen. Sowohl das Beratungs- als auch das Ausbildungsangebot sind dreistufig aufgebaut. In einer Erstberatung wird der Istzustand analysiert, Defizite werden aufgedeckt und Empfehlungen für deren Behebung abgegeben. Auf der zweiten Stufe schaut sich eine Fachperson von Samariter Schweiz vor Ort alles an und unterstützt das Unternehmen, die Vorgaben zu erreichen. «Dabei führen wir regelmässige Material- und Infrastrukturkontrollen durch, setzen die entsprechenden Anpassungen direkt vor Ort um und ersetzen abgelaufenes Material», sagt Franzen.
Ausbildung als Teil des Beratungsangebots Und wie sieht es mit der dritten und letzten Stufe des Beratungsangebotes für die Ausbildung von Ersthelfern im Betrieb aus? «In unserem Grundkurs decken wir die zehn vom SECO definierten Notfallthemen ab», betont Stefan Franzen. Der Kurs kann in einem Tag oder in zwei Halbtagen absolviert werden. Das SECO hat in seiner Wegleitung zur gesetzlichen Verordnung die zehn wichtigsten medizinischen und zeitkritischen Notfälle definiert, bei denen Ersthelfende in einem Unter-
nehmen kompetent Hilfe leisten müssen. «Hier setzt der heutige Grundkurs in Erster Hilfe an», sagt Stefan Franzen. Die Teilnehmenden erlernen und trainieren ErsteHilfe-Massnahmen zu diesen Notfällen (siehe Box).
Individuell auf Unter nehmen zugeschnitten Laut Empfehlung des SECO müssen ausgebildete Ersthelfer im Anschluss an den Grundkurs regelmäs sig Wiederholungskurse besuchen. «Ähnlich wie im Militär», scherzt Franzen. «Hier bieten wir wiederum ein Paket aus drei Modulen an, die jeweils einen halben Tag dauern. Das erste Modul dient dazu, das erlernte Grundwissen zu festigen und aufzufrischen. Das zweite, das sogenannte ‹Advanced Individual Training›, wird auf die Kundenbedürfnisse zugeschnitten. Die Teilnehmenden können Erste-HilfeMassnahmen zu Unfallrisiken, die für das jeweilige Unternehmen relevant sind, vertieft erlernen und ausgiebig trainieren.» Das letzte Ausbildungsmodul habe man als Testmodul definiert. «In einem Übungsszenario mit Figuranten werden Abläufe und Kompetenzen der Ersthelfenden vor Ort und unter fast realen Bedingungen getestet und ausgewertet.»
Nutzung von Synergien Matthias Frey, Geschäftsführer der Tinovamed GmbH, hat für die Hauptprobe für den Grundkurs «SECO TopTen» sofort zugesagt. Als langjähriger Partner von Samariter Schweiz waren für ihn mehrere Gründe ausschlaggebend. «Zum einen überzeugen der Aufbau und der Inhalt des Kurses.» In einem Tag werden die wichtigsten Notfälle besprochen und geübt. «Nach dem Prinzip: so viel Praxis wie möglich, so viel Theorie wie nötig.» Zum andern sei es für ihn als Industriepartner zentral, die Bedürfnisse von Kursanbietern und Kursteilnehmenden zu kennen. «Es ist wichtig, dass die Ausbildenden und Kursteilnehmenden von den aktuellsten Erste-Hilfe- und Trainings-Produkten auf dem Markt profitieren können.»
Vielfalt der Ersten Hilfe Matthias Frey fühlt sich nach der Generalprobe in
Stefan Franzen gibt fachkundig Auskunft in Erster Hilfe.
seinem Entscheid bestärkt. «Die Rückmeldungen der Mitarbeitenden waren sehr positiv, auch wenn am Ende des Tages alle ‹ geschafft › waren.» Der Grundkurs überzeugte auch die, die vorher noch kein grosses Vorwissen in Erster Hilfe gehabt hatten. «Sie waren über die Vielfalt der Situationen überrascht.» Für sein Team sei das eine grossartige Möglichkeit, sich von kompetenter Seite her ausbilden zu lassen. Ein grosses Kränzchen windet er dem Kursleiter Stefan Franzen. «Ein Fachmann. Eindrücklich dabei ist nicht nur sein Wissen im Bereich der Notfallmedizin, sondern auch seine pädagogischen Fähigkeiten sowie seine angenehme Art, den Kursinhalt zu vermitteln.»
Feinarbeit komplettieren Wie bei einem Pilotkurs nicht anders zu erwarten ist, braucht es noch die eine oder andere Anpassung. Das wissen sowohl Matthias Frey als auch der Kursleiter. «Gerade wenn man versucht, so vieles an einem Tag zu vermitteln, ist das eine Herausforderung an die Aufnahmefähigkeit der Teilnehmenden», gibt Frey als Feedback. «Die Prioritäten sind zu überprüfen», meint Stefan Franzen. Doch beide nehmen neue Gewissheiten mit. Matthias Frey die, dass mit dem Grundkurs ein gutes Produkt mit kompetenten Leuten aufgebaut wurde. Für Stefan Franzen, dass es einen Feinschliff braucht. «Wenn mir das gelingt, lancieren wir das neue Angebot für Firmen.» Das freut Stefan Franzen. Auf der Rückfahrt sind seine morgendlichen Sorgen wie von Zauberhand verflogen.
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ARCHIV
Von Mai bis Oktober 2002 leisteten über 1000 Samariterinnen und Samariter aus allen Landesteilen Postendienst auf den Arteplages der Landesausstellung im Drei-Seen-Land.
Von der Berufssanität zur Expo.02 Der Schweizerische Samariterbund erhielt im Jahr 2000 erstmals als Laienorganisation den Auftrag, den Sanitätsdienst während einer Landesausstellung sicherzustellen. Über 1000 Samariterinnen und Samariter waren vor 20 Jahren an der Expo.02 im Einsatz. Damals eine Riesensache, wie sich Felix Pfammatter, damaliger Projektleiter, erinnert. TEXT: Paolo D’Avino / FOTO: Yves André
Als Felix Pfammatter im September 2000 in die Dienste des Schweizerischen Samariterbunds berufen wurde, nachdem er den Job als Chef der Berufssanität Basel beendet hatte, liess er sich für die Dauer der Expo.02 als Projektleiter engagieren. Ganz unbekannt war Pfammatter dem SSB nicht. Er war lange Mitglied des Samaritervereins Riehen (BS) und führte die Samariterinnen und Samariter der beiden Halbkantone in den neunziger Jahren zum Samariterverband beider Basel zusammen, den er in der Folge lange präsidierte. «Der Samaritereinsatz an der Expo.02 war ein Riesending damals», sagt Felix Pfammatter rückblickend «und eine einmalige Chance für den SSB. Denn rund vier Millionen Schweizer Franken standen für den gesamten Einsatz der Samariterinnen und Samariter zur Verfügung.» 18 samariter 3/2022
Aus Expo.01 wurde Expo.02 Die Schweiz ist eines der wenigen Länder, das sich in regelmässigen Abständen in einer Landesausstellung selbst präsentiert. Die bisher letzte war ursprünglich für das Jahr 2001 geplant, musste jedoch aufgrund von Planungsschwierigkeiten und Budgetüberschreitungen um ein Jahr verschoben werden. «Sie war höchst umstritten», sagt Pfammatter. Erst eine neue Führung rund um alt Nationalrat Franz Steinegger, Nelly Wenger und den mittlerweile verstorbenen Martin Heller schaffte den Turnaround. Die Expo.02 fand verteilt auf die vier Standorte Murten, Yverdon-les-Bains, Neu-
ORGANISATION DER SANITÄTSPOSTEN Neuenburg:
1 Postenchef*in, 1 Arzt/Ärztin sowie 5 Samariter*innen
Murten:
1 Postenchef*in, 1 Arzt/Ärztin sowie zusätzlich 1 Samariterposten an der «ExpoAgricole» (Landwirtschaftsmesse)
Yverdon-les-Bains: 1 Postenchef*in, 1 Arzt/Ärztin und 4 Samariter*innen Biel:
2 Postenchef*innen, 1 Arzt/Ärztin und 6 Samariter*innen
ARCHIV AUSSERORDENTLICHER SANITÄTSDIENST
enburg und Biel statt. Vom 15. Mai bis zum 20. Oktober 2002 verzeichnete man über 10 Millionen Besucherinnen und Besucher. Insgesamt 40 verschiedene Ausstellungen, über 13 000 kulturelle Darbietungen auf Bühnen und Plätzen sowie zahlreiche Kunst- und andere Projekte lockten das Publikum auf die vier Arteplages und auf die schwimmende «Arteplage Mobile du Jura».
Postenchefs in der Leitung
der höheren Temperaturen im Sommer – oder Übermüdungszuständen nach Anreise und Besuchsstress sowie Alkohol- und Drogenproblemen. Im Schnitt ging man von täglich rund 80 Hilfeleistungen aus. Letztlich bildeten Notfälle bei der Gesamtzahl der Einsätze, zumindest bis Anfang August, die grosse Ausnahme. «Bereits in der ersten Woche musste sich der Sanitätsposten in Murten um eine Gruppe von zehn Kindern kümmern, die von Magen-Darm-Problemen betroffen waren. Hinzu kamen zahlreiche Fälle von Kreislaufschwäche.» Dafür waren die hohen Temperaturen durch die direkte Sonneneinstrahlung auf den Arteplages verantwortlich. Nach zehn Wochen verzeichneten die Samariterinnen und Samariter bereits über 10 000 Einsätze. «Davon waren die grosse Mehrheit jedoch leichtere Fälle.»
«Alle im Rahmen des Sanitätsdienstes eingesetzten Fachpersonen, Ärzte und Pflegefachleute sowie die Postenchefs wurden für die Dauer des festgelegten Einsatzes beim SSB angestellt», erklärt Pfammatter. Dadurch wurde sichergestellt, dass die Mitarbeitenden einen Lohn erhielten und versichert waren. Als der SSB im Frühling 2001 Personal suchte, waren die Wocheneinsätze in kurzer Zeit besetzt. «Interessentinnen und Inter- Sanitätsdienst sichergestellt essenten meldeten sich aus der ganzen Schweiz.» «Durch unsere Sanitätsposten wurde erreicht, dass Insgesamt waren für die Dauer der Expo.02 über für die Besucherinnen und Besucher ein Sanitäts1000 Samariterinnen und Samariter zum Dienst dienst sichergestellt wurde und die Spitäler in der Region rund um die Landesausstellung von möglichst vielen einfachen Behandlungen entlastet wurden», meint Pfammatter. Und darüber wurde genau Buch geführt. «Die Postenchefs waren angehalten, jedem Patienten und jeder Patientin eine Patientenkarte auszuhändigen», ausser die Behandlung beschränkte sich auf die Ausgabe von Tabletten, hygienischem Verbrauchsmaterial sowie Getränken. «Alle Personen, die die Sanitätsstation aufsuchten, wurden mit Zeitangabe und Behandlungs- beziehungsweise Betreuungsart registriert», gemeldet. Pfammatter war im Organisationsstab erinnert sich Pfammatter. «Solche mit Verdacht nicht auf sich allein gestellt. «Zur Seite standen mir mein Stellvertreter Denis Matti, meine Assistentin Katia Mounir und die 15 Postenchefs der einzelnen Sanitätsbereiche.» Letzteren unterstand die Leitung der Sanitätsposten und der dort arbeitenden Ärztinnen und Ärzte. «Sie waren allen Mitarbeitenden gegenüber für taktische und organisatorische Belange weisungsberechtigt», betont Pfammatter und fügt hinzu, dass «die eingesetzten Ärztinnen und Ärzte, Krankenschwestern und -pfleger über die Art der medizinischen Hilfeleistungen entschieden».
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«Insgesamt wurden durch den Sanitätsdienst der Expo.02 25 000 Patient:innen betreut.»
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Notfälle die Ausnahme Bei der Art der Einsätze rechnete man auf den Arteplages im Vorfeld vorrangig mit Wunden und Frakturen, Herzinfarkten, Vergiftungen zum Beispiel durch Insektenstiche oder verdorbene Lebensmittel, Flüssigkeitsmangel – vor allem wegen
Die zur Verfügung gestellten Trottinetts waren bestens ausgerüstet. (Foto Wolfgang Jendsch)
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auf Störung der Vitalfunktionen wurden vor Ort durch Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegepersonal betreut, wenn möglich stabilisiert und durch den öffentlichen Rettungsdienst in eine Klinik gebracht. Chirurgische Fälle, die vor Ort nicht abschliessend behandelt werden konnten, wurden ebenso versorgt und in ein Spital verlegt.» Insgesamt wurden durch den Sanitätsdienst der Expo.02 25 000 Patientinnen und Patienten betreut.
Positives Erlebnis Felix Pfammatter leitete den Sanitätsdienst an der Expo.02 im Rahmen einer befristeten Anstellung beim SSB. In seinem Arbeitszeugnis steht geschrieben, dass der Auftraggeber mit Genugtuung von offizieller Seite das uneingeschränkte Lob für die einwandfreie Erfüllung des übernommenen
NACHGEFRAGT
Quelle: Rettungs-Magazin, 11/12/2002.
Auf den Arteplages in Biel und Murten war es umgekehrt. Deutsch als Muttersprache und gute Französischkenntnisse waren Voraussetzung.
Felix Pfammatter, Projektleiter SSB der Landesausstellung Expo.02
1. Der Einsatz von 1000 Samariterinnen und Samaritern an der Expo.02 war ausserordentlich. Wie eng war die Kooperation mit anderen Hilfs- und Rettungsorganisationen? Der Sanitätsdienst der Expo.02 war durch mich und meinen Stellvertreter im Stab Sicherheit der Expo.02 fest integriert und immer im direkten Kontakt mit den zuständigen Rettungsdiensten und den Spitälern. Der Sanitätsdienst der Expo.02 war auch ständig im Austausch mit dem Sanitätsdienst der Armee. Das war jederzeit sichergestellt. 2. Die Expo.02 fand ja in einer Region mit zwei Sprachen statt. Unüberwindbare Barrieren? Während der gesamten Dauer der Expo.02 gab es keine sprachlichen Probleme – auch nicht mit den eingesetzten Samariterinnen und Samaritern. Dafür sorgten auch die eingesetzten Postenchefs. Auf den Arteplages in Yverdon-les-Bains und Neuenburg waren es Personen mit französischer Muttersprache und guten Deutschkenntnissen. 20 samariter 3/2022
Auftrages entgegennehmen konnte. «Durch geschickte Führung sorgte Felix Pfammatter einerseits dafür, dass trotz ständig wechselnder Zusammensetzung des Personals die geforderte Qualität des Sanitätsdienstes jederzeit gewährleistet war und dennoch ein positiver Teamgeist gepflegt werden konnte. So erreichte es Felix Pfammatter, dass 95 Prozent der eingesetzten Samariterinnen und Samariter ihren Einsatz an der Expo.02 als positives oder sehr positives Erlebnis in Erinnerung behielten.» Die nächste Landesausstellung kann kommen. Die Samariterinnen und Samariter stünden bereit. Wer dann die Leitung als oberster Projektleiter oder -leiterin übernimmt, steht noch nicht zur Debatte. Auf jeden Fall dürfe sich die Person Ratschläge bei Felix Pfammatter holen.
3. Neben den Sanitätsposten patrouillierten auch Samariterinnen und Samariter auf dem Gelände. Wie muss man sich das heute vorstellen? Das gesamte Areal der Expo.02 war durch die zwei Sicherheitsfirmen Securitas und Protectas flächendeckend und rund um die Uhr überwacht – auch mit Video. Ungewöhnliche Situationen wurden umgehend den zuständigen Postenchefs gemeldet, und diese beorderten die Samariter per Funk zum gemeldeten Ort. Auf den gross flächigen Arteplages standen den Samaritern dafür eigene Velos, auf den anderen Arteplages eigene Trottinetts zur Verfügung – und alle aus gerüstet mit einer Box auf dem Gepäckträger mit Defibrillator, Beatmungsbeutel und Wundversorgungsmaterial. 4. Was ist Ihnen besonders von Ihrem Einsatz in Erinnerung geblieben? Zwei Sachen: Erstens legten unsere eigenen eingesetzten zwölf Fahrer mit den fünf VW-Bussen während der Expo.02 rund 500 000 Kilometer unfallfrei zurück. Und zweitens: Die Samariterfamilie der Schweiz zeigte an der Expo.02 einen sehr hochstehenden Einsatz mit viel Engagement und Fachwissen. Eigentlich waren wir eine grosse Familie mit sehr guter Fachkompetenz. Wobei auch persönliche Kontakte mithalfen, einen reibungslosen und auch kameradschaftlichen Einsatz zu leisten.
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Kontakt Redaktion «samariter» Postfach, 4601 Olten redaktion@samariter.ch Ihre Leserbriefe senden Sie am besten per E-Mail oder Post an die Adresse der Redaktion. Der nächste «samariter» erscheint am 9. November 2022. Redaktionsschluss ist der 7. Oktober 2022.
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