M « S it St am ra ar teg ite ie r d bro er s Zu c h ü ku re nf t»
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SAMARITER Das Verbandsmagazin des Schweizerischen Samariterbunds
Sicher unterwegs 6 SCHWERPUNKT Erste Hilfe im öffentlichen Verkehr
14 AKTUELL
Mittelbeschaffung als gemeinsame Aufgabe
26 VEREINE
Samariter unterstützen Alters- und Pflegeheime
JEDES ENGAGEMENT BRAUCHT EINE SOLIDE BASIS
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ENTFALTE DEIN KÖNNEN
EDITORIAL
Unterwegs Liebe Samariterinnen, liebe Samariter Damals, 2008, war ich noch in der Geschäftsprüfungskommission. In jenem Jahr, am Samariterkongress in Brig, überzeugte mich eine ausserordentliche «Findungskommission», mich für einen Posten im SSB-Zentralvorstand zu bewerben. Und so wurde ich im Jahr 2009 tatsächlich von der Generalversammlung für meine erste Amtszeit gewählt. Und so begann meine spannende und interessante Reise. Damals dachte ich: «12 Jahre Engagement und dann bin ich alt und ziehe mich aus dem öffentlichen Dienst zurück.» Jetzt, da sich die Reise dem Ende zuneigt, fühle ich mich überhaupt nicht alt, im Gegenteil! Es ist nicht das erste Mal, dass ich eine Funktion aufgebe. Jene beim SSB fällt mir jedoch besonders schwer. Aber es ist gut so, wie es ist. Eine Reise besteht immer aus Höhen und Tiefen, aus Erfolgen und Krisen. Der menschliche Aspekt, die Freundschaften zu den Kantonalvorständen und all den Samariterinnen und Samaritern gaben mir stets die nötige Kraft und Ausdauer für meine Arbeit. Dafür danke ich Ihnen von ganzem Herzen! Mit Freude war ich in der ganzen Schweiz unterwegs. Die Energie, die ich überall spürte – auch in schwierigen Zeiten –, hat mich angespornt, dranzubleiben und Aufgaben, Projekte und Pläne weiterzuverfolgen. Die schönste Reise? Ich habe an mehr als 40 kantonalen Versammlungen teilgenommen. Unzählige Anlässe sind mir im Herzen geblieben. Mit besonderer Freude erinnere ich mich an das Jahr im Organisationskomitee für die 125-Jahr-Feier des Schweizerischen Samariterbunds, zusammen mit Thomas Brocker. Gekrönt wurde dieses freiwillige Engagement am 18. März 2013, als wir am Bahn-
hof von Tenero Hunderte Samariterinnen und Samariter begrüssen durften, die mit einem Sonderzug ins Tessin angereist waren. Falls Sie jetzt neugierig oder nostalgisch werden: Auf YouTube gibt es ein Video davon. Nicht immer scheint auf Reisen die Sonne. Es gibt auch Wolken, Gewitter und Stürme. Als Vizepräsident des Zentralvorstands habe ich all diese Situationen erlebt. Ich musste mich von Menschen verabschieden, die für den SSB sehr wichtig waren; Menschen, die Teil der Geschichte der Schweizer Samariterbewegung sind. Ich erinnere mich an viele schöne und emotionale Momente, aber auch an schwierige Entscheidungen und Fehler. Es war wirklich eine bereichernde Reise! In zwölf Jahren habe ich viele Veränderungen erlebt. Ich möchte allen Menschen, die mich aufgenommen, begleitet und miteinbezogen haben, meinen aufrichtigen Dank aussprechen. Als Tessiner sage ich «Grazie». Ich denke, ich habe wirklich viel gegeben. Im kommenden Monat läuft mein Mandat aus. Dass ich niemals aufgegeben habe, liegt nicht zuletzt an meinen Kollegen im Zentralvorstand. Meinem Ruhestand blicke ich daher gelassen und dankbar entgegen, und ich bin froh, weiterhin als Passagier mit an Bord zu sein. Ich bin überzeugt und zuversichtlich, dass wir Schweizer Samariterinnen und Samariter auf dem richtigen Weg sind, dass wir uns behaupten können und von den Behörden und der Bevölkerung auch in Zukunft geschätzt werden!
RENATO LAMPERT Vizepräsident Schweizerischer Samariterbund samariter 2/2021 3
6 ERSTE HILFE IN BUS UND BAHN 10 MOTORRADUNFÄLLE: HELM ABNEHMEN ODER NICHT? 12 RETTUNGSGASSE: DIE WICHTIGSTEN FRAGEN UND ANTWORTEN
INHALT 11 SONDERBEILAGE Die neue Strategie einfach erklärt, im handlichen Format
20 SOLIDARITÄT Schweizer Samariterkleidung für Ersthelfer in Rumänien
25 AUS DEM WARENSHOP Die praktische SamariterOutdoorapotheke für draussen und unterwegs
14 FUNDRAISING Mittelbeschaffung als gemeinsame Aufgabe des Verbunds
22 BLUTSPENDE Wie sich die Coronapandemie auf die Blutspende auswirkt
26 VEREINE UND VERBÄNDE Samariter helfen in Alters- und Pflegeheimen
18 INTERVIEW Bereichsleiter Benjamin Kuoni über Bildung und Freiwilligenmanagement
24 MARIA-FISCHERFONDS Chance für Samaritervereine in Bergregionen
28 EIN LEBEN GERETTET Dank Kenntnissen aus der Samariter Jugend rettete Giulia Speziale ein Leben
4 samariter 2/2021
IMPRESSUM «samariter» 2/2021 Erscheinungsdatum: 12. Mai Herausgeber Schweizerischer Samariterbund SSB Martin-Disteli-Strasse 27 Postfach, 4601 Olten Telefon 062 286 02 00 Telefax 062 286 02 02 redaktion@samariter.ch www.samariter.ch Abonnemente, Adressänderungen schriftlich an obige Adresse Abonnementspreis Einzelabonnement für Aussenstehende: Fr. 33.– pro Jahr 4 Ausgaben pro Jahr Auflage: 22 600 Exemplare Redaktion Christoph Zehnder (cze) Matthias Zobrist (mzo) Westschweiz: Chantal Lienert (cli) Südschweiz: Mara Zanetti Maestrani (m.z.) Sekretariat: Monika Nembrini Telefon 062 286 02 00 Telefax 062 286 02 02 redaktion@samariter.ch Postadresse: Redaktion «samariter» Postfach, 4601 Olten
29 KURZ UND BÜNDIG Kurzmeldungen aus der Welt der Samaritervereine 31 SIE SIND DRAN Schwedenrätsel und Sudoku
34 AUS DER SRK-FAMILIE Unparteilichkeit ist der Rotkreuzgrundsatz des Jahres 2021
Inserate Fachmedien Zürichsee Werbe AG Laubisrütistrasse 44, 8712 Stäfa Telefon 044 928 56 11 Telefax 044 928 56 00 samariter@fachmedien.ch www.fachmedien.ch Layout, Druck, Versand Stämpfli AG, 3001 Bern
35 SERVICE Kontakte und Termine
32 AUS DEM ARCHIV Vor 100 Jahren nahm die SSB-Geschäftsstelle den Betrieb auf
samariter 2/2021 5
SCHWERPUNKT ERSTE HILFE IM ÖFFENTLICHEN VERKEHR
SICHER UNTERWEGS AUF STRASSE UND SCHIENE Bahn und Bus gelten als sehr sichere Transportmittel. Trotzdem kann es unterwegs zu Notfallsituationen kommen. Die Samariter tragen dazu bei, dass in solchen Fällen rasch Erste Hilfe geleistet wird. TEXT: Christoph Zehnder
6 samariter 2/2021
Wo viele Menschen unterwegs sind, können Notfallsituationen nicht ausgeschlossen werden. Verkehrsbetriebe sorgen deshalb vor.
Unfallsituationen im Strassenverkehr gehören zum Standardrepertoire vieler Erste-Hilfe-Kurse. Die Nothilfekurse, die viele Samaritervereine seit Jahrzehnten anbieten, sind für angehende Autolenkerinnen und -lenker schliesslich obligatorisch. Notfälle gibt es aber nicht nur im Individualverkehr. Auch wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, kann unvermittelt in eine Situation geraten, in der jemand Erste Hilfe benötigt. Die Verkehrsbetriebe sind für die Sicherheit ihrer Fahrgäste verantwortlich. Was das heisst und was das mit den Samaritern zu tun hat, erfahren wir, indem wir uns selbst auf den Weg machen. Für die erste Etappe nehmen wir den Bus. Kein anderes öffentliches Transportmittel wird in der Schweiz häufiger benutzt. Am Steuer sitzt ein Profi. Berufschauffeure und -chauffeurinnen tragen eine grosse Verantwortung. Erst recht, wenn sie Fahrgäste transportieren. In der Schweiz benötigen sie für den Personentransport mit Cars und Bussen (Kat. D) sowie Kleinbussen mit mehr als acht Sitzplätzen neben dem Führerausweis auch einen Fähigkeitsausweis zum Nachweis ihrer Ausbildung. Das richtige Verhalten in Notfällen ist ein
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«Ohne regelmässige Weiterbildung dürfen die Chauffeure nicht fahren.»
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elementarer Bestandteil dieser Ausbildung. Dazu gehören neben grundlegenden Erste-Hilfe-Massnahmen auch die Lagebeurteilung, Alarmierung, Bergung von verletzten Personen oder die Evakuierung des Fahrzeugs im Brandfall. Festgehalten sind diese Lernziele in der Chauffeurzulassungsverordnung (CZV).
Ohne Kurs keine Fahrerlaubnis Viele Samaritervereine bieten sogenannte CZVKurse an. Diese sind auf die Chauffeur-Weiterbildung zugeschnitten. Auch während der Pandemie sind diese Kurse gefragt, wie Heidi Signer vom thurgauischen Samariterverein Schönholzerswilen bestätigt. «Die Teilnehmer sind darauf angewiesen. Ohne regelmässige Weiterbildung dürfen sie nicht samariter 2/2021 7
SCHWERPUNKT ERSTE HILFE IM ÖFFENTLICHEN VERKEHR
Buschauffeure tragen eine grosse Verantwortung. Erste Hilfe ist ein wichtiger Teil ihrer Ausbildung.
fahren», erklärt die Kursleiterin. Zur Kundschaft des Vereins zählen Transportbetriebe, Selbstständige sowie öffentliche Verkehrsbetriebe. Obwohl die Vorgaben streng sind, ist das Leiterteam bei der Kursgestaltung sehr kreativ. Für die praktischen Übungen fährt schon mal ein Traktor vor, oder es wird ein Schulbus inklusive Kindern aufgeboten. «So was kommt bei den Teilnehmern natürlich gut an», sagt Heidi Signer. In den Erste-Hilfe-Kursen laufe mehr als in anderen Weiterbildungen, bestätigen ihr auch die Chauffeure. Das Wichtigste sei aber, so die Kursleiterin, dass die Teilnehmenden dabei wirklich etwas lernen.
Alarm via Taste oder Telefon Vom Bus steigen wir um auf die Bahn. In keinem anderen europäischen Land wird mehr Zug gefahren als in der Schweiz. Pro Einwohner rund doppelt so viele Kilometer wie in Frankreich oder Deutschland. Die SBB befördern pro Tag rund 1,25 Millionen Passagiere. Im letzten Jahr waren es aufgrund der Pandemie zwar etwas weniger, aber dennoch bleibt die Bahn ein bevorzugtes Transportmittel von Herr und Frau Schweizer. Wo täglich so viele Menschen unterwegs sind, kommt es zwangsläufig zu medizinischen Zwischenfällen. Im fahrenden Zug stellt eine solche Situation für 8 samariter 2/2021
alle Beteiligten eine besondere Herausforderung dar. Glücklicherweise geschieht das nur selten. «Es handelt sich um eine tiefe zweistellige Fallzahl pro Jahr», erklärt SBB-Mediensprecher Daniele Pallecchi auf Anfrage. Kommt es dennoch dazu, gilt es wie bei jedem Notfall die entsprechenden Stellen zu alarmieren. Über die Notfallnummer 0800 117 117 können Passagiere und Zugpersonal die Transportpolizei erreichen. S-Bahnen verfügen im Eingangsbereich zudem über eine Nottaste für eine direkte Verbindung zur Notfallzentrale der Transportpolizei. Nach der Alarmierung koordiniert die Betriebszentrale alle weiteren Schritte. Nottaste und Notrufnummer sind meistens übrigens zielführender als die Notbremse. Diese sei nur in absoluten Notfällen zu betätigen, wenn etwa ein Zug versehentlich losfahre, erklärt Daniele Pallecchi. Denn wenn der Zug aufgrund einer Notbremsung irgendwo unterwegs zum Stillstand kommt, dauert es mitunter länger, bis professionelle Hilfe eintrifft. Hält er gar in einem Tunnel oder auf einer Brücke, wird es für die Rettungskräfte noch viel schwieriger, zu der verletzten Person zu gelangen. Deshalb können Lokführer die Notbremse auch überbrücken. «Bei einem schweren Vorfall wird der Zug an einem für Blaulichtorganisationen gut zugänglichen Ort angehalten»,
so der SBB-Sprecher, «beispielsweise am nächstgelegenen Bahnhof des nächsten Spitals – auch ausserhalb des Fahrplans. Dort wartet dann bereits eine Ambulanz, alarmiert durch unsere Betriebszentrale.» Wichtig sei, wie bei jedem Notfall, keine Zeit zu verlieren. Fahrgäste sollten in begleiteten Zügen zudem die Kundenbegleiter informieren. Diese haben die Möglichkeit, mittels Durchsage nach einem Arzt zu suchen.
Gut ausgerüstet und ausgebildet Der Schweizerische Samariterbund bildet seit Jahren Mitarbeitende der Bundesbahn aus. Unter den Kursteilnehmenden finden sich vom Gleisbauer bis zum Büroangestellten alle möglichen Berufsgruppen. Natürlich müssen auch Zugbegleiterinnen
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«Bei einem schweren Vorfall wird der Zug an einem gut zugänglichen Ort angehalten.»
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und -begleiter lebensrettende Sofortmassnahmen anwenden können und dieses Wissen regelmässig auffrischen. Angehörige der Transportpolizei erhalten während ihrer Grundausbildung sogar eine noch umfassendere Ausbildung in Erster Hilfe. Sie werden zusätzlich in der Taktischen Einsatzmedizin ausgebildet, damit sie auch in brenzligen Situationen Hilfe leisten können. In Einsatztrainings und Wiederholungkursen wird die Erste Hilfe immer wieder thematisiert und die erlernten Fähigkeiten geübt. Wie sieht es eigentlich mit dem Erste-Hilfe-Material im Zug aus? Ein Zugabteil ist schliesslich kein Sanitätsposten, und ohne passende Ausrüstung sind die Möglichkeiten für Erste Hilfe begrenzt. «Sämtliche Personenzüge der SBB sind mit einer Bordapotheke ausgestattet», sagt Daniele Pallecchi. Neuere Fernverkehrszüge verfügen ausserdem über Laiendefibrillatoren. Im «FV-Dosto» oder im auf der Gotthardroute verkehrenden «Giruno» sind diese deutlich gekennzeichnet und allgemein zugänglich. Auch an immer mehr Stationen findet man Automatische Externe Defibrillatoren (AED). In grösseren Bahnhöfen betreibt die SBB eigene AED-Standorte, anderswo werden sie in Zusammenarbeit mit Dritten angeboten, zum Beispiel mit den lokalen Behörden.
Für grössere Zwischenfälle unterhält die SBB eine professionelle Einsatzorganisation mit 330 Mitarbeitenden, Lösch- und Rettungszügen sowie Einsatzfahrzeugen für Schiene und Strasse. Diese Interventionseinheit bewältigt rund 7000 Einsätze pro Jahr. Dazu gehören Störungen an Sicherheitsanlagen, Brände, das Evakuieren von defekten Zügen und vieles mehr. Bahnreisende bekommen davon nur selten etwas mit. Denn die Aufgabe der Einheit besteht nicht zuletzt darin, zu verhindern, dass der Bahnbetrieb völlig aus dem Takt gerät. Die Lösch- und Rettungszüge sind an mehreren Standorten in der Schweiz stationiert und auch in der Nacht innert kurzer Zeit am Einsatzort. Die Mitarbeitenden können jeden Punkt auf dem Schienennetz in 15 bis 30 Minuten erreichen.
Sicherstes Verkehrsmittel Glücklicherweise verläuft unsere Reise ganz ohne Zwischenfälle, und wir erreichen unser Ziel unbeschadet. Erstaunlich ist das nicht. Denn die öffentlichen Verkehrsmittel gelten als sehr sicher. Glaubt man den Statistiken, ist das Risiko eines tödlichen Unfalls im Auto sechs Mal höher als im Bus und fast sechzig Mal so hoch wie im Zug. Trotzdem können Notfallsituationen auch in Bahn, Bus, Tram usw. nie ganz ausgeschlossen werden. Umso wichtiger ist, dass dann jemand Erste Hilfe leisten kann. Vielleicht ist es kein Samariter. Es ist aber gut möglich, dass die Person von einem Samariter oder einer Samariterin ausgebildet wurde.
SBB-Zugpersonal und Transportpolizei sind ausgebildet in Erster Hilfe. Bei grösseren Zwischenfällen ist eine Interventionseinheit schnell vor Ort. Hier eine Übung mit Blaulichtorganisationen im Bözbergtunnel. (Foto: SBB / Gaëtan Bally)
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WUSSTEN SIE?
Helm ab oder nicht? Die Frage, ob nach einem Unfall der Helm abgenommen werden soll, sorgt selbst unter Bikern immer wieder für Unsicherheit. Frühlingszeit ist Motorradzeit. Für viele bedeutet das Freiheit und Lebensgefühl. Es bedeutet aber auch ein höheres Unfallrisiko. Motorradfahrerinnen und -fahrer machen einen Viertel aller Schwerverletzten bei Verkehrsunfällen aus. Jeder zehnte
1. Helfende A umfasst und fixiert den Helm mit beiden Händen, Helfende B öffnet den Kinnriemenverschluss.
verletzt sich dabei im Halswirbelbereich. Ersthelfende sind deshalb oft unsicher: Helm ab oder nicht? Diese Frage führt selbst unter Motorradfahrenden immer wieder zu Diskussionen. Auch wenn es früher anders gehandhabt wurde, in den Nothilfekursen der Samariter wird die Helmabnahme seit Jahren praktisch geübt. Dabei gilt es einige wichtige Punkte zu beachten. Ist die verunglückte Person bei Bewusstsein, kann sie bestenfalls selbst entscheiden oder den Helm sogar selbst abnehmen. Bei bewusstlosen Personen heisst es: Helm ab! So kann die Person in die stabile Seitenlagerung gebracht werden. Mit aufgesetztem Helm ist die Atemwegssicherung in der stabilen Seitenlagerung nicht möglich, da Erbrochenes nicht richtig abfliessen kann. Auch für die Reanimation einer leblosen Person muss der Helm entfernt werden, da die zurückfallende Zunge sonst die Atemwege verlegt und keine korrekte Beatmung durchgeführt werden kann. Am besten lässt sich der Helm übrigens abnehmen, wenn man zu zweit ist (siehe Bildstrecke).
2. Helfende B umfasst das Kinn und die Halswirbelsäule. Sie achtet darauf, diese nicht zu bewegen. Helfende A zieht den Helm vorsichtig über den Kopf.
3. Helfende B stabilisiert weiterhin die Halswirbelsäule, Helfende A fasst den Kopf und stabilisiert ebenfalls die Halswirbelsäule. Der Kopf wird sorgfältig abgelegt.
4. Helfende B kann ihre Stabilisierung lösen. Helfende A stabilisiert die Halswirbelsäule.
5. Anschliessend die bewusstlose Person in die stabile Seitenlage bringen.
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AKTUELL
Die Strategie kurz erklärt Mit der neuen, gemeinsamen Verbundstrategie sind die Samariter unterwegs in die Zukunft. Doch was beinhaltet die Strategie, was verbirgt sich hinter Begriffen wie Vision oder Handlungsfelder? Eine Broschüre und ein Video fassen das Wichtigste zusammen.
Strategie 24 r Zukunft 20 Samariter de
Vertreter/innen aus Kantonalverbänden und Samaritervereinen, Mitglieder des Zentralvorstandes und Mitarbeitende der Geschäftsstelle haben gemeinsam eine neue Strategie erarbeitet, um das Samariterwesen in der Schweiz fit für die Zukunft zu machen. Resultat ist die breit abgestützte und ganzheitliche Verbundstrategie «Samariter der Zukunft», die an der letzten Abgeordnetenversammlung verabschiedet wurde. Während der ganzen Strategieerarbeitung hat der SSB mit thematischen Newslettern und Artikeln im «samariter» über den Prozess und die Meilensteine berichtet. Transparente Information bleibt auch in der Phase der Umsetzung der strategischen Projekte ein wichtiger Pfeiler.
Als Broschüre und als Video Eine Informationsbroschüre fasst die wichtigsten Aspekte der Strategie einfach und verständlich zusammen. Sie zeigt auf, wofür die Samariter stehen (Mission), wohin sie in Zukunft wollen (Vision) und wie sie dorthin gelangen. So findet sich auf wenigen Seiten die Basis für die konkrete Strategieumsetzung, die Anfang Jahr mit fünf Projekten gestartet hat. Der Aufbruch in die Zukunft findet zeitgemäss auch in digitaler Form statt: Ein Erklärvideo bringt das Wesentliche der neuen Strategie in rund 90 Sekunden auf den Punkt – einfach und für jedermann.
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WISSEN
Durch diese Gasse müssen sie kommen Das Bilden einer Rettungsgasse ist seit Anfang Jahr Pflicht. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur neuen Regelung, die im Notfall Leben retten kann. TEXT: Christoph Zehnder Ersthelfende wissen, dass im Notfall oft jede Minute zählt. Wenn Rettungskräfte nicht zum Einsatzort kommen, weil sie im Verkehr stecken bleiben, kann das fatale Folgen haben. Mit der Anfang Jahr in Kraft getretenen Pflicht zur Bildung einer Rettungsgasse sollen solche Situationen verhindert werden. Die neue Regelung soll sicherstellen, dass Blaulichtfahrzeuge und andere Einsatzkräfte im Notfall schnell ans Ziel gelangen und Staus rasch wieder aufgelöst werden. Grundsätzlich mussten Verkehrsteilnehmer diesen Fahrzeugen schon vorher Platz machen, und die Rettungsgasse ist auf Schweizer Autobahnen auch nicht ganz neu. Sie war aber eher eine Benimmregel als eine Pflicht. Die Anpassung des Strassenverkehrsgesetzes schafft klare Verhältnisse. Wer im Stau keinen Platz für eine Rettungsgasse lässt, muss mit einer Busse rechnen. Die neue Regelung soll gewährleisten, dass Betroffene im Notfall schnell Hilfe erhalten. Eine Ret-
Das Bilden einer Rettungsgasse kann Leben retten.
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tungsgasse kann im Extremfall Leben retten. Das funktioniert natürlich nur, wenn sich alle daran halten. «Die grosse Mehrheit der Verkehrsteilnehmenden hält sich sehr gut an die Vorgaben», heisst es bei Schutz & Rettung Zürich auf Anfrage. Man mache grundsätzlich gute Erfahrungen und habe bisher auch noch keine Verkehrsteilnehmer verzeigen müssen. In einigen Ländern ist die Rettungsgasse schon länger Pflicht, in der Schweiz muss sie sich noch etablieren. Deshalb hier die wichtigsten Fragen und Antworten zur Rettungsgasse:
Wann muss ich die Rettungsgasse bilden? Sobald der Verkehr auf der Autobahn oder Autostrasse ins Stocken gerät, sollte die Rettungsgasse gebildet werden.
Wie wird die Rettungsgasse gebildet? Bei einem Stau müssen die Automobilisten zwischen der linken und der rechten Spur – bei dreispurigen Strassen zwischen der linken und den beiden rechten Spuren – genügend Platz für Rettungsfahrzeuge frei lassen.
Gilt die Rettungsgasse nur auf der Autobahn? Die Rettungsgasse sollte vorwiegend auf der Autobahn oder Autostrasse angewendet werden. Um den Rettungskräften im Inner- oder Ausserortsbereich das Vorbeifahren zu ermöglichen, sollte möglichst an den rechten Strassenrand gefahren werden. Notfalls müssen die Fahrzeuglenker mit gebotener Vorsicht auf das angrenzende Trottoir ausweichen.
Dürfen Motorradfahrer die Rettungsgasse nutzen, oder müssen diese auch zur Seite fahren? Gemäss Art. 47 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SVG) müssen Motorradfahrer ihren Platz in der Fahrzeugkolonne beibehalten, wenn der Verkehr angehalten wird.
Wenn andere keine Gasse bilden, muss ich dann auch nicht? Nutzen Sie die Chance, und zeigen Sie den anderen Verkehrsteilnehmenden vorbildlich, wie die Rettungsgasse funktioniert. Fahren Sie zur Seite, und man wird Sie sicher nachahmen. Einer muss den Anfang machen! Quelle: rettungs-gasse.ch
Können die Einsatzfahrzeuge nicht einfach auf dem Pannenstreifen fahren? Die Rettungsgasse ist in einigen Nachbarländern bereits Pflicht. Für die Schaffung eines einheitlichen Prinzips sowie einer klaren und einfachen Verhaltensregel für die betroffenen Fahrzeuglenker wird der Pannenstreifen im Normalfall nicht durch die Rettungskräfte befahren.
Darf ich, wenn ich mich auf der rechten Spur aufhalte, den Pannenstreifen als Rettungsgasse nutzen?
Bei einem Stau müssen die Automobilisten zwischen der linken und der rechten Spur – bei dreispurigen Strassen zwischen der linken und den beiden rechten Spuren – genügend Platz für Rettungsfahrzeuge frei lassen. (Grafik: rettungs-gasse.ch)
Um den Rettungskräften das Vorbeifahren zu ermöglichen, darf im Notfall auf den Pannenstreifen gefahren werden.
Darf ich im Stau mein Fahrzeug verlassen, wenn die Gasse gebildet ist? Nein, das Betreten der Fahrbahn ist gemäss Art. 43 Abs. 3 des Strassenverkehrsgesetzes (SVG) und Art. 36 Abs. 3 der Verkehrsregelnverordnung (VRV) verboten.
Darf ich in meine vorherige Spur zurück, wenn die Einsatzkräfte durchgefahren sind? Die Rettungsgasse sollte während der ganzen Staudauer aufrechterhalten werden. Es können noch weitere Einsatzkräfte kommen. Oft benötigt es auch einen Pannen- oder Unterhaltsdienst für die Reinigung der Unfallstelle.
DIE RETTUNGSGASSE-PFLICHT IM WORTLAUT «Fahren auf Autobahnen und Autostrassen mit mindestens zwei Fahrstreifen in eine Richtung die Fahrzeuge mit Schrittgeschwindigkeit oder befinden sie sich im Stillstand, so müssen diese Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei-, Sanitäts-, Feuerwehr-, Zoll- und Hilfsfahrzeugen zwischen dem äussersten linken und dem unmittelbar rechts danebenliegenden Fahrstreifen eine freie Gasse bilden.» Verkehrsregelnverordnung Art. 36, Abs. 7 samariter 2/2021 13
AKTUELL
Mittelbeschaffung als gemeinsame Aufgabe Als Freiwilligenorganisation ist die Samariterbewegung auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Mit einer gemeinsamen, integrierten Fundraisingstrategie soll das Potenzial als Gesamtverbund besser genutzt werden. Dazu hier die wichtigsten Fragen und Antworten. TEXT: Christoph Zehnder
Umsetzung integrierte Fundraisingstrategie
Fundraising SamCH Vision 2024 SSB Koordination national • Samariter-Sammlungskalender • ZEWO-Sammelkalender (SamSam und SSB) • Material für SamSam • Weiterbildung, Coaching, Qualitätssicherung • Erfahrungsaustausch Umsetzung national • Spendenmailings SSB • Grossspenden-Fundraising (Major Donor) • Legate-Fundraising (Erbschaften) • Standaktionen (Dialog-Fundraising) • nationale Kooperationen mit Firmen (Sponsoring) • Stiftungen (Projektpartnerschaften) • Weitere Fundraisingmassnahmen
14 samariter 2/2021
KV Koordination kantonal • Planung kantonale Fundraisingaktionen • Information Aktivitäten und Erfolge Umsetzung kantonal • Fundraisingaktionen kommunizieren und durchführen • Evaluation und Weiterentwicklung
SV Umsetzung regional/lokal • Kommunikationsaktivitäten • Standaktionen • Bindung der Freiwilligen in ihre Aktivitäten und Projekte • Weitere Aktivitäten Freiwillig • Fundraisingaktivitäten • Gewinnung von Neuspendern durch SamSam • Gewinnung von neuen Gönnern durch persönliche Ansprache • Pflege der Beziehung zu Gönnern
Samaritersammlung 2014–2020 2 500 000
914
879 765
2 000 000
713
701
683 521
1 500 000
1 000 000
500 000
0
2014
2015
2016
2017 Ertrag
2018
2019
2020
Teilnehmende
Die Zahl der teilnehmenden Vereine ist seit Jahren rückläufig, was sich auf das Ergebnis der Sammlung auswirkt.
1. Warum braucht es eine verbundsübergreifende Fundraisingstrategie? Unsere Lebensgewohnheiten verändern sich: Wir sind mobiler und flexibler denn je. Wohn-, Arbeitsund Familiensituation wechseln häufiger und mit ihnen die Themen, die wir bereit sind, zu unterstützen. Das hat Auswirkungen auf den Spendenmarkt. Non-Profit- und Freiwilligen-Organisationen sammeln Spenden, indem sie die Menschen von ihrer Arbeit überzeugen und für ihr Anliegen gewinnen. Im Samariterwesen war das bisher eher eine lokale Angelegenheit. Die Vereine sammeln Spenden dort, wo man sie kennt. Weil heute aber viele Menschen weniger lokal verwurzelt sind, wird diese Aufgabe immer schwieriger. Umso wichtiger ist ein gemeinsames Vorgehen als Gesamtverbund.
2. Worauf stützt sich die Fundraisingstrategie? Eine noch vor Corona durchgeführte Machbarkeitsstudie zeigte das Potenzial auf: Wer die Samariter kennt, schätzt ihre wertvolle Arbeit; die Vereine und Verbände sind lokal verankert und mit rund 20 000 aktiven Mitgliedern und 2800 JugendMitgliedern schweizweit im Einsatz. Das sind gute Grundvoraussetzungen für einen Auftritt am Spendenmarkt. Viele Vereine können in ihrem Umfeld auf treue Unterstützung zählen. Wer aber keinen direkten Bezug hat, zum Beispiel durch persönliche Erfahrungen und Kontakte, weiss oft wenig über die Samariterarbeit. Die Studie hat gezeigt, dass diese Personen mit gezielten Fundraisingmassnahmen abgeholt werden können. Die
Erfahrungen aus den letztjährigen Spendenmailings haben diese Annahmen bestätigt.
3. Wie stehen Vereine und Verbände zum Fundraising? Eine kürzlich durchgeführte Umfrage hat gezeigt, dass die meisten Samaritervereine und Kantonalverbände Fundraisingaktivitäten durchführen, allen voran die Samaritersammlung. Alternativ oder zusätzlich führen sie eigene Spendenbrief-Versände, Haustürsammlungen oder Standaktionen durch. Sie nutzen solche Aktionen auch, um auf ihr Angebot und ihre Leistungen aufmerksam zu machen. Für gezieltes, nachhaltiges Fundraising fehlen aber oft die Zeit und das Know-how. So führt zum Beispiel nur jeder dritte Verein oder Verband, der Spendenbriefe verschickt, eine Spenderdatenbank. Die Umfrage bestätigt nochmals das grosse Potenzial. Wenn alle ihr eigenes Süppchen kochen, kann dieses aber nicht voll ausgeschöpft werden.
4. Welche Rolle spielt Fundraising in der neuen Verbundstrategie? Die Abgeordneten der Kantonalverbände und Samaritervereine haben Ende 2020 die neue Verbundstrategie genehmigt. Ein erklärtes Ziel dieser Strategie ist ein ausgewogenes Finanzierungsmodell für den Verbund. Aktuell stützt sich die Finanzierung auf wenige Standbeine (Gebühren, Kursabgaben etc.). Kommt es in einem Bereich zu Ausfällen, gerät das System schnell ins Wanken. Fundraising ist ein weiteres Standbein. Es verleiht dem Verbund mehr finanzielle Stabilität und stärkt so die ganze Organisation. samariter 2/2021 15
AKTUELL
5. Was hat mein Verein vom gemeinsamen Fundraising? Mittelbeschaffung ist aufwendig. Durch integriertes Fundraising wird die Basis entlastet – zeitlich wie finanziell. Die Geschäftsstelle führt die Massnahmen durch und trägt die Kosten und das Risiko dafür. Der Nettoertrag wird aufgeteilt zwischen Kantonalverbänden und Geschäftsstelle. Damit können die Vereine und Verbände von der Finanzierung der Geschäftsstelle entlastet werden. Die Kantonalverbände setzen ihren Anteil zum Nutzen der gemeinnützigen Tätigkeit von KV und Vereinen in ihrem Gebiet ein. Die Vereine profitieren also direkt und indirekt von zentral koordinierten Fundraisingmassnahmen.
6. Und was ist mit der SamSam? Die jährliche Samaritersammlung (SamSam) ist weiterhin ein fester Termin im Kalender. Sie ist wichtig für die Pflege und den Aufbau der Beziehungen zu den Menschen vor Ort. Darin liegt die grosse Stärke der Vereine. Niemand kennt die Situation in der Region besser als sie. Die Resultate
der SamSam stagnieren allerdings, und immer weniger Vereine nehmen daran teil. Die Fundraisingstrategie sieht vor, dass Vereine und Verbände in Zukunft die Kosten für Material und Versand im Rahmen der Sammlung selbst tragen. Sie behalten dafür aber auch sämtliche Einnahmen für sich. Die Geschäftsstelle unterstützt sie dabei weiterhin mit Beratung, Textvorlagen und dem Erstellen von Begleitmaterial. Mit einem gemeinsamen Sammlungskalender werden die jährlichen Fundraisingaktionen frühzeitig geplant und aufeinander abgestimmt.
7. Wie geht es jetzt weiter? An der Verbandskonferenz im Januar 2021 wurde die Vision Fundraising vorgestellt und anschlies send aufgrund der Rückmeldungen überarbeitet und am 13. März an der Präsidentenkonferenz präsentiert. Auf der Grundlage des Konzepts «Vision Fundraising 2024» arbeiten die Geschäftsstelle und Mitglieder nun an der Entwicklung des gemeinsamen Fundraisings.
NACHGEFRAGT «Erfolgreiches Fundraising kann viel mehr erreichen» Was macht erfolgreiches Fundraising aus? Oft wird unter erfolgreichem Fundraising verstanden, dass möglichst wenig finanzielle Investition möglichst viele Spenden bringt. Das beschreibt aus meiner Sicht aber noch lange nicht alles. Erfolgreiches Fundraising kann noch viel mehr erreichen – es können Spenderinnen und Spender für die «Sache gewonnen» werden, und es können Freunde und Verbündete in der Organisation geworben werden. Und wenn es gelingt, mit diesen Unterstützenden die Aufgaben der Organisation zu erfüllen, und es gelingt, dass Fundraising in der Organisation geliebt wird – dann spreche ich von erfolgreichem Fundraising. In einer Organisation wie dem Samariterbund, mit Kantonalverbänden, Samaritervereinen und einem Hauptsitz – wie sollte das Fundraising organisiert sein? Nationales Fundraising, da wo es sinnvoll ist, und regionales Fundraising, auch da wo es sinnvoll ist. Je weiter die Organisationsebene vom persönlichen Kontakt zu den Spenderinnen und Spendern entfernt ist, desto unpersönlicher wird die Spenderansprache. Das heisst: Fundraising über die Spenderbriefe an die Bevölkerung sollte auf nationaler Ebene organisiert werden. Das ist effizient und kostengünstig und kommt aus «einem Guss». Und je näher die Organisation zu den Spendenden Kontakt hat, desto mehr sollte das Fundraising bei den Sa-
16 samariter 2/2021
maritervereinen sein. Die Mitglieder der Samaritervereine sind in den Regionen oft bekannt, und sie können zum Beispiel an Standaktionen sehr persönlich um Unterstützung bitten – das kann national nicht umgesetzt werden. Wer sind die Spenderinnen und Spender, die die Samariter unterstützten? So ganz genau können wir das jetzt noch nicht sagen – in zwei bis drei Jahren werden wir eine Analyse dazu machen. Heute gehen wir davon aus, dass die Spenderinnen und Spender zu den 85 Prozent der spendenden Bevölkerung gehören, 55 Jahre und älter sind, ihre jährliche Haushaltsspende bei 300 Franken liegt, und sie spenden, weil sie von der Arbeit der Samariter überzeugt sind und sie ihren Werten entspricht. Ausserdem wollen sie etwas Gutes tun und dabei ein gutes Gefühl für sich erzeugen. Zur Person: Felizitas Dunekamp, Geschäftsführerin der Agentur für Fundraising- und Organisationsberatung Dunekamp GmbH, ist seit fast 20 Jahren im Bereich Fundraising tätig. Im Auftrag des Schweizerischen Samariterbunds hat sie 2019 eine Machbarkeitsstudie durchgeführt, und sie begleitet den Verbund bei der Umsetzung der integrierten Fundraisingstrategie.
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REDE UND ANTWORT
«Die Bildung ist ein Kernbereich des Samariterbunds» Benjamin Kuoni leitet seit Januar 2021 den Bereich Bildung und Freiwilligenmanagement beim Schweizerischen Samariterbund. Im Interview erläutert der Bildungsfachmann, wie Bildung in Zukunft beim SSB daherkommen wird und welchen Stellenwert sie in der Samariterbewegung hat. INTERVIEW: Matthias Zobrist Benjamin Kuoni, Sie haben am 1. Januar den Bereich Bildung und Freiwilligen management beim SSB übernommen. Wie sind Sie gestartet?
dividuell und flexibel online stattfinden. Im Präsenzunterricht steht dann vor allem die praktische Anwendung im Zentrum. Diesen Ansatz wollen wir in die Ausbildung der Samariterinnen und SamaBenjamin Kuoni: Die ersten Wochen waren intensiv riter, aber auch in unsere Kursangebote für die Beund zugleich sehr motivierend. Es gilt, einige kom- völkerung und für Firmen einfliessen lassen. plexe Herausforderungen jetzt rasch anzupacken und zu bewältigen. Mein Team hat mich offen empfangen und unterstützt mich grossartig seit meinem Start. Die Coronasituation machte meinen Einstieg insofern speziell, als dass ich viele Meetings nur online durchführen konnte und kann. Wir arbeiten alle so gut wie möglich im Homeoffice. Dadurch braucht es einiges mehr an Koordination. Wir müssen laufend kreative Lösungen finden, damit wir uns als Team trotzdem begegnen und austauschen können – zum Beispiel mit unserem regelmässigen digitalen Znüni per Videotelefonie.
Das Samariterwesen befindet sich gera de in einer Phase der Neuorientierung. Was bedeutet das für den Bildungsbereich? Die Bildung ist ein Kernbereich des Samariterwesens. Das Bildungsumfeld und die Kundenanforderungen haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Zudem befindet sich der SSB in einer strategischen Neuausrichtung. Dies gilt es bei sämtlichen Entscheidungen über die zukünftige Bildung im SSB zu berücksichtigen. Wo wir sicher voranschreiten wollen, ist die Digitalisierung. Dabei wird der Blended-Learning-Ansatz eine wichtige Rolle spielen. Die Wissensvermittlung soll vermehrt in18 samariter 2/2021
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Wie die Bildungslandschaft hat sich auch die Freiwilligenarbeit in den letzten Jahren stark verändert. Welche Ziele verfolgt der SSB in diesem Bereich? In der Freiwilligenarbeit sehe ich grosses Potenzial für unsere Organisation und die Neugewinnung von Mitgliedern. Aktuell nutzen wir dieses Potenzial jedoch erst zu einem Bruchteil. Auch in diesem Handlungsfeld gab und gibt es sehr dynamische Entwicklungen, die wir verfolgen müssen, wollen wir Erfolg haben. Beispielsweise wollen sich heutige Freiwillige nicht mehr langfristig durch eine Mitgliedschaft binden. Viele wollen sich flexibel und projektbezogen engagieren. Es muss uns also gelingen, attraktive Projekte und flexible Einsatzmöglichkeiten für den SSB aufzubauen.
Sie leiteten zuletzt die Ausbildung beim Zivilschutz des Kantons Solothurn. Was können Samariter und Zivilschutz voneinander lernen? Das schweizerische Milizprinzip bringt es mit sich, dass sich viele gut ausgebildete und fähige Menschen für den Zivilschutz und den SSB engagieren. Das Potenzial an Wissen und Können ist enorm. Dieses zu erkennen und gezielt einzusetzen, hat bei der Armee und im Zivilschutz eine lange Tradition. Davon kann sich der SSB sicher inspirieren lassen. Der SSB zeichnet sich im Gegensatz dazu durch seine vielen Mitglieder aus, die sich mit viel Herzblut und Motivation für die Samariterbewegung einsetzen. Was dadurch alles möglich wird, zeigen aktuell die vielen raschen und kompetenten Hilfeleistungen im Rahmen der Pandemiebewältigung. Generell fände ich es aber wichtig, sich gegenseitig besser kennenzulernen, damit man besser voneinander profitieren und zusammenarbeiten kann. Zur Person: Benjamin Kuoni (36) leitet seit dem 1. Januar 2021 den Bereich Bildung und Freiwilligenmanagement beim Schweizerischen Samariterbund und ist Mitglied der Geschäftsleitung. Zuletzt war er beim Zivilschutz des Kantons Solothurn interimistisch für die Planung, Führung und Weiterentwicklung im Ausbildungsbereich verantwortlich. Davor war Benjamin Kuoni unter anderem beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und als Berufsoffizier der Schweizer Armee im Bildungsbereich tätig. Er besitzt ein Wirtschaftsdiplom VSK, einen Bachelor in Staatswissenschaften ETH und wird dieses Jahr sein Diplom als Erwachsenenbildner SVEB II erwerben.
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HINTERGRUND
Schweizer Samariterjacken für rumänische Ersthelfer Ausgemusterte Samariterkleidung aus der Schweiz findet eine neue Verwendung. Der SSB überlässt einer jungen Hilfsorganisation in Rumänien 20 Einsatzjacken. Dort schützen sie motivierte, freiwillige Ersthelfer vor Wind und Wetter. TEXT: Christoph Zehnder FOTOS: SRAU Rumänien ist kein reiches Land, und die Pandemie macht die Situation nicht gerade einfacher. Umso dringender ist die Unterstützung der Bevölkerung durch nicht staatliche Akteure. In Gala˛ti, einer Stadt mit 250 000 Einwohnern im Osten des Landes, setzt sich die Organisation Asocia˛tia pentru
Salvare, Recuperare s˛ i Ajutor Umanitar (SRAU) (dt.: Verein für Rettung, Bergung und humanitäre Hilfe) in verschiedenen Bereichen ein. Sie kümmert sich unter anderem um die medizinische Erstversorgung, insbesondere von armutsbetroffenen Menschen, und füllt damit eine Lücke im Gesundheitssystem. SRAU wurde letztes Jahr von Octavian Dinu gegründet und zählt inzwischen rund 50 Freiwillige im Alter von 17 bis 40. Dem Verein stehen ehrenamtlich mehrere Pflegefachpersonen und zwei Ärzte zur Seite. «Wir sind eine junge Organisation, haben aber alle Erfahrung im Bereich Erste Hilfe», erklärt der Präsident und Leiter. Jedes Mitglied ist in den lebensrettenden BLS-Massnahmen geschult, einige verfügen auch über umfangreiche rettungsdienstliche Kenntnisse. «Als nächstes möchten wir ein Such- und Rettungsteam gründen und dazu zehn Freiwillige ausbilden», sagt Octavian Dinu.
Zuerst musste das Logo weg
Die Jacken wurden neu beschriftet. Unten der Hinweis, dass es sich um eine Spende der Schweizer Samariter handelt.
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Die Freiwilligen sind – mehr schlecht als recht ausgerüstet – auch im kalten rumänischen Winter unterwegs. Im Oktober letzten Jahres meldete sich Octavian Dinu deshalb beim Schweizerischen Roten Kreuz und bat um eine Kleiderspende für die Freiwilligen. Im Austausch mit dem Schweizerischen Samariterbund stellte sich schnell heraus, dass dieser zufällig noch einige ausgemusterte Parkas in verschiedenen Grössen am Lager hatte. Weil sie noch mit dem alten Samariter-Logo bedruckt waren, konnten sie nicht mehr verkauft werden. Ansonsten waren die Kleidungsstücke aber in einwandfreiem Zustand.
Polen
Slowakei Vor einer weiteren Verwendung mussten die Logos ohnehin entfernt werden. Denn das Symbol des Roten KreuUngarn zes unterliegt einem strengen Markenschutz und darf ausschliesslich von RotkreuzOrganisationen verwendet werden. Gerade weil die Kleidung wetterfest und von hoher Qualität ist, lässt sich die BeSerbien schriftung aber nicht so ohne Weiteres entfernen. In Zusammenarbeit mit dem Lieferanten gelang das schliesslich mithilfe eines Spezialsprays. Von den alten Logos befreit, waren die Parkas – bestehend aus jeweils einer Innenjacke und einer Regen-Aussenjacke – bereit für den Versand nach Rumänien. Dort sind sie seit Anfang des Jahres im Einsatz und schützen die Freiwilligen vor Nässe und Kälte.
Erste Hilfe für sozial Benachteiligte Ähnlich wie die Samaritervereine in der Schweiz arbeitet SRAU mit den örtlichen Behörden und Sicherheitskräften zusammen. Das Vereinslokal stellt die Stadt unentgeltlich zur Verfügung. «Wir
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«Die Jacken sehen toll aus! Wir tragen sie jeden Tag.»
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Moldawien
Ukraine
Rumänien
Galati Bulgarien
Galat˛i liegt im Osten Rumäniens und zählt rund 250 000 Einwohner.
lizei und lokalen Spendern lancierte sie eine soziale Kampagne für Obdachlose. Die Freiwilligen sind dadurch häufig auf der Strasse unterwegs. Dank ihrer auffälligen Kleidung erkennt man sie jetzt sofort. Die Bevölkerung nennt sie in Anspielung auf das Outfit inoffiziell «die Grünen». Mittlerweile sind die ehemaligen Samariterjacken auch mit dem Logo von SRAU beschriftet. «Sie sehen wirklich toll aus!», sagt Octavian Dinu, «wir tragen sie jeden Tag.» Ein Aufdruck weist auf die Herkunft hin: Diese Jacken sind eine Spende der Schweizer Samariter, steht auf der Rückseite in rumänischer Sprache. Ein Zeichen der Dankbarkeit und gleichzeitig auch eine Erinnerung daran, dass Solidarität keine Grenzen kennt.
Weitere Informationen www.facebook.com/SrauGalati
sind gerade dabei, eine Erste-Hilfe-Station auf freiwilliger Basis zu eröffnen, und freuen uns schon sehr darauf», sagt Octavian Dinu. Ein weiteres Projekt ist die Instandstellung eines alten Ambulanzfahrzeugs, das dem Verein kürzlich überlassen wurde. Für die offizielle Zulassung fehlt noch die nötige Ausrüstung wie Beatmungsgeräte oder Defibrillatoren. Das Fahrzeug soll später bei Sanitätsdiensten zum Einsatz kommen und als Notfalltransport für sozial Benachteiligte dienen. «Für Menschen, die sich sonst keinen medizinischen Transport leisten können.»
«Die Grünen» sind ständig unterwegs SRAU unterstützt vor allem die ärmeren Schichten der Bevölkerung. Gemeinsam mit der örtlichen Po-
Grosse Freude bei den rumänischen Freiwilligen über das neue Tenue.
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PARTNERSEITEN
MOBILE AKTIONEN GEFORDERT Die COVID-19-Pandemie wirkt sich auch auf die Durchführung von Blutspendeaktionen aus. Ani ta Tschaggelar, Leiterin Blutspendedienst bei Blutspende SRK Schweiz, erzählt im Interview mehr dazu und äussert sich zur Zukunft der mo bilen Aktionen.
mittel und Schutzmasken. Seither ist in der Schweiz das Spenden von Blut durchgehend möglich, was in anderen europäischen Ländern nicht immer der Fall war. Grosse mobile Aktionen, beispielsweise an Hochschulen, konnten wir jedoch nicht mehr durchführen. Von einem Tag auf den anderen fiel etwa ein Drittel der geplanten Blutspenden weg.
TEXT und FOTOS: Blutspende SRK Schweiz
Frau Tschaggelar, was bleibt Ihnen 2020 speziell in Erinnerung? Prägend war die erste Welle der COVID-19-Pandemie. Im März 2020 kam es zum Lockdown, und es wurde ein Veranstaltungsverbot erlassen, das zunächst auch für das Blutspenden galt. Wir holten beim Eidgenössischen Departement des Innern sofort eine Ausnahmebewilligung ein. Das Schweizerische Rote Kreuz stellte uns kurzfristig zusätzliches Schutzmaterial, das damals kaum erhältlich war, zur Verfügung, beispielsweise Desinfektions-
Mehr: www.blutspende.ch 22 samariter 2/2021
Und doch war die Blutversorgung jederzeit gesichert. Ja, so ist es. Die Blutspenderinnen und Blutspender waren sehr solidarisch, sie kamen in Scharen zum Spenden und sorgten so für einen Ausgleich. Darunter waren übrigens auch viele neue Spenderinnen und Spender. Eine Zeitlang hatten wir sogar zu viele Blutspenden, weil die Spitäler verschiebbare Operationen vorübergehend eingestellt hatten und der Bedarf stark sank. Über das ganze Jahr gesehen waren der Bedarf an Blut und die Beschaffung ausgeglichen.
«Mobile Aktionen müssen sich auf die Beschaffung der benötigten Blutgruppen ausrichten, damit die wertvollen Blutprodukte nicht verfallen.» Was bedeutete die COVID-19-Pandemie für die mobilen Aktionen? Viele Herausforderungen auf einmal. Ein grosses Problem waren Räumlichkeiten, in denen die Schutzkonzepte nicht eingehalten werden konnten. Örtliche Helfergruppen suchten nach Alternativen, der Blutspendebus kam zum Einsatz, und die Blutspendedienste veranstalteten Pop-up-Aktionen. Einige Samaritervereine konnten die Blutspendeaktionen nicht mehr begleiten, weil ihre Helferinnen und Helfer zu den Risikogruppen gehörten. Da sprang der Zivilschutz mit Personal ein. Das alles musste von den Blutspendediensten innert kurzer Zeit organisiert werden.
Wie entwickelten sich die mobilen Aktionen? Zunächst konnten wir nur schwer abschätzen, wie viele Personen überhaupt an Aktionen teilnehmen würden. Doch, wie bereits erwähnt, kamen die Spenderinnen und Spender sehr zahlreich. Am Anfang führte das zu längeren Wartezeiten. Doch dann spielten sich die Abläufe ein und die Leute reservierten sich im Voraus ihren Blutspendetermin. Natürlich fehlt noch immer der gesellige Teil nach der Blutspende, wo man sich getroffen und zusammen etwas gegessen hat.
Mobile Aktionen sind ein wichtiger Pfeiler der Blutversorgung. Wird das auch in Zukunft so sein? Ja, sie sind und bleiben bedeutend. 2020 trugen sie mit 45% fast zur Hälfte der nationalen Blutversorgung bei. Wichtig ist, dass auch sie sich möglichst gut auf den Blutbedarf und die benötigten Blutgruppen ausrichten, damit die wertvollen Blutprodukte nicht verfallen.
Was heisst das für die Samariterinnen und Samariter? Je nach Lage werden genau diejenigen Menschen an Blutspendeaktionen eingeladen, deren Blut-
Anita Tschaggelar ist Leiterin Blutspendedienst bei Blutspende SRK Schweiz und Mitglied der Geschäftsleitung. Zudem ist sie ehrenamtlich als Samariterin aktiv und Präsidentin des Samaritervereins Grosshöchstetten.
gruppe es im Moment braucht. Das sind dann vielleicht etwas weniger als gewohnt, eine Blutspendeaktion ist dennoch erfolgreich. Die Samariterinnen und Samariter verfügen über das Hintergrundwissen, um der Bevölkerung solche Zusammenhänge zu erklären. Bei Absprachen zwischen ihnen und den Blutspendediensten helfen bei der Umsetzung ebenso die digitalen Tools, die wir zur Verfügung stellen, beispielsweise das Blutspendebarometer oder die Online-Reservierung.
Sie sind selbst Präsidentin eines Samaritervereins. Wie gestalten Sie Ihre Blutspendeaktionen? Wir sorgen dafür, dass die Mitglieder unseres Samaritervereins über alle Aspekte der Blutspende, also auch den Bedarf an Blutgruppen, auf dem Laufenden sind und Auskunft geben können. Die Blutspendeaktionen sind für uns immer auch eine Plattform, unseren Samariterverein im Dorf bekannt zu machen und neue Mitglieder zu gewinnen. Für die Verpflegung arbeiten wir mit lokalen Sponsoren zusammen. Wir nutzen die Chancen der mobilen Blutspendeaktionen, um uns mit ihnen weiter zu entwickeln. Jetzt online: Jahresbericht 2020 von Blutspende SRK Schweiz auf jahresbericht2020.blutspende.ch samariter 2/2021 23
AKTUELL
Ersthelfer in Berg gebieten stärken Aus dem Nachlass der Ärztin Maria Fischer hat der Schweizerische Samariterbund über die Schweizer Berghilfe 150 000 Franken erhalten. Mit dem Geld soll die medizinische Grundversorgung in Berggebieten verbessert werden. Maria Fischer (1904–1995) war Ärztin und leidenschaftliche Hochgebirgsgängerin. Bei ihren zahlreichen Bergtouren hat sie festgestellt, dass die medizinische Grundversorgung in Berggebieten oft schlechter ist als diejenige im Flachland. Ein Beispiel: Geht eine Hausärztin oder ein Hausarzt in solchen Gemeinden in Rente oder zieht weg, gestaltet sich die Suche nach einer Nachfolge oft als schwierig. Es entstehen Lücken in der medizinischen Versorgung.
Das Gesuchsformular für die Anmeldung eines Projekts sowie eine Liste der Gemeinden in Berggebieten finden Sie auf der Website www.samariter. ch/maria-fischer-fonds. Bei Fragen wenden Sie sich an berghilfe@samariter.ch. (SSB)
Daher hat Maria Fischer die Schweizer Berghilfe in ihrem Testament bedacht. Diese hat den MariaFischer-Fonds gegründet mit dem Ziel, in Berggebieten die medizinische Grundversorgung sicherzustellen und die Stärkung der Ersthelfer zu fördern. Aus dem Fonds hat die Berghilfe dem Schweizerischen Samariterbund 150 000 Franken zur Verfügung gestellt.
In der Schweiz gelten alle Flächen ab einer Höhe von 800 m ü. M. als Berggebiet. Weist eine Hektare unter diesem Wert einen Höhenunterschied von mindestens 225 Metern zwischen dem höchsten und dem tiefsten Punkt auf, wird sie ebenfalls als Berggebiet gerechnet. Jede Gemeinde, deren Fläche zu mehr als der Hälfte diese Kriterien erfüllt, gilt als Berggemeinde. Enklaven im Berggebiet, wie beispielsweise das Rhonetal im Wallis, werden ebenfalls dazugezählt. Damit liegen knapp zwei Drittel der Schweizer Landesfläche und gut ein Drittel aller Gemeinden in Berggebieten.
Chance für die Samaritervereine Mit dem grosszügigen Betrag wollen die beiden Organisationen Samaritervereine und Samariter Jugendgruppen vor allem dabei unterstützen, in ihrer Berggemeinde ein Sanitätszimmer oder einen Notfallposten einzurichten. Dorthin sollen sich die Einwohnerinnen und Einwohner bei einem medizinischen Notfall für die Ersthilfe wenden können. Dafür können die Vereine Erste-Hilfe-Material aus dem Samariter-Shop zu günstigeren Kondi tionen beziehen. Finanzielle Unterstützung erhalten die lokalen Samaritervereine ebenfalls, um der Bevölkerung vergünstigte Erste-Hilfe-Kurse anbieten zu können. Zudem soll die Ausbildung qualifizierter Freiwilliger, die der Bevölkerung bei medizinischen Notfällen oder bei Gesundheitsfragen zur Verfügung stehen, mitfinanziert werden. 24 samariter 2/2021
WAS GILT ALS BERGGEBIET?
Kandersteg: eine von 814 Berggemeinden in der Schweiz. (Foto: Matt Foster)
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SSB INTENSIVIERT ZUSAMMENARBEIT MIT TINOVAMED IM WARENGESCHÄFT Der Schweizerische Samariterbund verstärkt per 1. Juli 2021 seine bestehende und erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Tinovamed GmbH im Warengeschäft. Die Kooperation der beiden etablierten Shop-Anbieter bringt für beide Parteien Vorteile. Der SSB profitiert von schlanken Logistikprozessen, einer modernen digitalen Administrationsabwicklung und der Möglichkeit zu integrierten Marketingaktivitäten. Die Firma Tinovamed baut durch die Aufnahme des Samariter-Warenshops und des Ersthelfershops ihrerseits die Kompetenz in der Logistik aus.
Was ändert sich für die Kunden? Infolge der engeren Zusammenarbeit wird der Standort des SSB-Warenshops in Olten aufgelöst und in die Infrastruktur von Tinovamed in Gerlafingen integriert. Der Online-Shop und somit die Samariterpräsenz bleiben bestehen. Samariterinnen und Samariter profitieren auf shop.samariter. ch auch nach dem 1. Juli von attraktiven Angeboten zu vorteilhaften Konditionen. Durch die neu entstehenden Synergien steht ihnen sogar ein noch umfangreicheres Sortiment zur Auswahl. Auch die Möglichkeit, Produkte und Kleidung vor Ort kennenzulernen, besteht am neuen Standort. samariter 2/2021 25
VEREINE UND VERBÄNDE
Samariterin Monika Kimmig mit einem Bewohner im Alters- und Pflegeheim Ybrig in Unteriberg. (Foto: APH Ybrig)
Ein Zeichen von Menschlichkeit Mit Einsätzen und Aktionen in Alters- und Pflegeheimen entlasten Samariter das Personal, helfen bei der Pandemieeindämmung und erfreuen die Herzen von Bewohnerinnen und Bewohnern. TEXT: Christoph Zehnder
Die Pandemie setzt Alters- und Pflegeeinrichtungen unter Druck. Besonders bemerkbar machte sich das auf dem Höhepunkt der zweiten Welle. Pflege und Betreuung mussten teils auf das Nötigste reduziert werden, Krankheitsfälle unter den Angestellten verschärften die Situation zusätzlich. Keine schöne Zeit, weder für das Personal noch für die Bewohnerinnen und Bewohner. Viele Einrichtungen konnten aber auf die Unterstützung der Samariter zählen. In Kanton Schwyz entlasteten diese zum Beispiel das Personal im Alters- und Pflegeheim Ybrig in Unteriberg. Sie übernahmen wichtige Betreuungsaufgaben, die die Mitarbeitenden nicht mehr bewältigen konnten. «Es waren keine Pflegeaufgaben», erklärt Heimleiter Martin 26 samariter 2/2021
Baumann. «Sie haben vor allem Zeit mit den Bewohnern verbracht, sich mit ihnen unterhalten, Spaziergänge unternommen, Spiele gespielt und bei der Essensausgabe geholfen.» Besonders freute Martin Baumann, dass die Samariter keine Berührungsängste im Umgang mit den Heimbewohnern hatten. Und auch die Bewohnerschaft schätzte die Helfer sehr: «Nach einer Weile kannten sie die Samariter und freuten sich immer, wenn sie wieder da waren.» Entstanden sei der Kontakt zu den Samaritern via Kanton, erklärt Martin Baumann. Der Kantonalverband Schwyz konnte innert kürzester Zeit mehrere Mitglieder zur Unterstützung ver-
VEREINE UND VERBÄNDE
mitteln. Diese waren jeweils zu zweit im Einsatz, davon eine Person auf der COVID-19-Station. Inzwischen hat sich die Lage auch im Alters- und Pflegeheim Ybrig wieder entspannt. Die Unterstützung der Samariter ist glücklicherweise nicht mehr nötig. Dennoch würde Martin Baumann nach der Erfahrung im letzten Winter sofort wieder darauf zurückgreifen. Beeindruckt hat ihn auch, wie gut die Samariter organisiert sind. «Innerhalb von zwei Tagen war alles aufgegleist. Ich war erstaunt, wie schnell das ging», sagt er rückblickend und fügt hinzu: «Man merkt eben, dass die Samariter in der Rettung tätig sind.»
Unkompliziert und effizient Auch im Nachbarkanton Glarus erwiesen sich die Samariter als vielseitige Helfer. Gemeinsam mit Zivilschutzangehörigen und Freiwilligen standen sie in zwei Einrichtungen in Glarus und Schwanden im Einsatz, wo sie gemäss Kantonalverbandspräsident George Scherer bei der Pflege assistierten, die Bewohner bei den Mahlzei-
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«Wir würden sofort wieder auf die Samariter zurückgreifen.»
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ten unterstützten und interne Transportdienste übernahmen. Ausserdem gingen sie den Gesundheitsbehörden auch beim Testen und Impfen zur Hand. Unterwegs mit der mobilen Equipe des Kantons halfen sie in Altersheimen und Schulen bei der Entnahme von Proben und der Administration. Im Testcenter Glarnerland kümmerten sie sich um die Betreuung der frisch Geimpften. Rekrutierung und Einsatzplanung für diese Einsätze liefen über den Kantonalverband. Unkompliziert und effizient bezeichnet George Scherer den Einsatz der Glarner Samariter stolz. «Und das als Freiwilligenorganisation, die neben den Rotkreuzgrundsätzen keine Leistungsvereinbarung oder andere Abmachungen mit dem Kanton hat.»
che Ausbreitung verhindern. Thurgau lancierte deshalb als erster Kanton regelmässige Tests in Alters- und Pflegeheimen, noch vor der grossen Testoffensive des Bundes. Getestet werden in erster Linie Mitarbeitende und andere Personen, die regelmässig im Heim ein- und ausgehen. Die Proben werden vor Ort genommen und im Labor ausgewertet. Doch wie gelangen sie dorthin? Hier kommen die Samariter wieder ins Spiel. Sie sammeln die Proben bei verschiedenen Heimen ein und transportieren sie zu einem regionalen Analysezentrum. Das Konzept wurde gemeinsam mit Curaviva, dem Branchenverband der Alters- und Pflegeeinrichtungen, erarbeitet. In Absprache mit Curaviva hatte der Schweizerische Samariterbund die Kantonalverbände im Februar dazu aufgerufen, mögliche Einsätze regional abzuklären. Dies ebenfalls mit dem Ziel, möglichst direkt und unbürokratisch Hilfe zu leisten, wo diese benötigt wird. Dass man Menschen in Alters- und Pflegeheimen auch ganz einfach unterstützen kann, zeigt das Beispiel des Samaritervereins Maur. Dieser überraschte die Bewohnerschaft des örtlichen Pflegezentrums anlässlich des «Tags der Kranken» mit selbst gebackenem Kuchen. Auch das ein Zeichen der Solidarität mit den Verletzlichen in unserer Gesellschaft. Und ob diese nun als Betreuung, Fahrdienst oder in Form eines leckeren Desserts daherkommt, ist letzten Endes nicht so wichtig. Was zählt, ist, dass es weiterhin Menschen wie die Samariter gibt, die andere unterstützen. In dieser schwierigen Zeit ist jeder ihrer Einsätze ein wertvolles Zeichen der Menschlichkeit.
Kurierdienst für Coronatests Findet das Virus erst einmal einen Weg in eine Pflegeeinrichtung, wird man es nur schwer wieder los. Regelmässige Tests können eine heimli-
Vielseitige Helfer: Glarner Samariter im Einsatz. (Foto: Samariter GL)
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VEREINE UND VERBÄNDE
Lebenswichtige Kenntnisse Giulia Speziale rettete einem Menschen das Leben. Wir sprachen mit ihr über das Erlebnis und ihre Erfahrung in der Samariter Jugend. INTERVIEW: Mara Zanetti Maestrani
Mehrere Zeitungen berichteten letztes Jahr über Giulia Speziale aus Maggia im Tessin. Die junge Frau besucht in Bellinzona die Handelsschule. Im Mai 2020 rettete sie einem 67-jährigen Radfahrer aus Locarno das Leben. Dieser erlitt einen Herzstillstand und überlebte nur dank Giulias Hilfe. Wie das geht, hat sie in der Samariter Jugendgruppe Bassa Vallemaggia gelernt. Mit dem «samariter» spricht die junge Lebensretterin ein Jahr danach ohne Umschweife über das Erlebte und über ihre Erfahrungen als Mitglied in der Samariter Jugend. «Ein Leben zu retten, war für mich ein sehr bewegendes Erlebnis», sagt die junge Frau rückblickend. «Es war ein aussergewöhnlich intensives Erlebnis, das mich auch sehr geprägt hat.» Es sei besonders befriedigend, zu wissen, dass sie dank ihren Kenntnissen aus den Samariterkursen zu dieser Tat fähig gewesen sei. Diese Kenntnisse seien im wahrsten Sinn lebenswichtig. Unmittelbar nach ihrer Rettungsaktion habe sie sich aber sehr erschöpft gefühlt, auch gefühlsmässig. Was geschehen war, hatte sie tief berührt. «In den Tagen nach dem Vorfall schwankten meine Emotionen zwischen Angst und Verwirrung», erzählt sie. «Ich wusste ja noch nicht, ob meine Hilfe dem Patienten überhaupt etwas gebracht hatte. Nachdem ich erfahren hatte, dass Walter es geschafft hatte, empfand ich ein grosses Glücksgefühl. Es fällt schwer, das in Worte zu fassen. Aber ich würde sagen, dass ich mich wirklich in Frieden und im Reinen mit mir selbst fühlte. All die Ängste und Sorgen, die bis dahin ständig in meinem Kopf herumschwirrten, waren auf einen Schlag verschwunden.» Die Jugendgruppe hat Giulia mittlerweile verlassen, da sie noch viele andere Verpflichtungen hat. Könnte sie sich eine Rückkehr zu einem späteren Zeitpunkt vorstellen, vielleicht als Gruppenleiterin 28 samariter 2/2021
Giulia Speziale lernte in der Samariter Jugend, wie man Leben rettet.
oder Aktivmitglied im Verein? «Ich weiss nicht, ob ich zur Help Bassa Vallemaggia zurückkommen würde», gesteht sie. «Aber wenn ich an die Zeit in der Gruppe denke, war es auf jeden Fall eine wunderbare Erfahrung. Ich habe dabei viel gelernt.» Durch ihre berufliche Ausbildung und ihre anderen Hobbys, wie Skifahren und Reiten, ist sie momentan jedoch zu sehr ausgelastet. «Ich schliesse aber nicht aus, dass ich mich eines Tages wieder einer Gruppe oder einer ähnlichen Organisation anschliessen werde.» Interessierten Jugendlichen legt sie den Beitritt zu einer Samariter Jugendgruppe wärmstens ans Herz. «Teil einer solchen Gruppe zu sein, bringt einem wirklich viel. In der Ausbildung lernt man allerhand Praktisches und Hilfreiches über Erste Hilfe. Das kann im Alltag nützlich sein oder – so wie in meinem Fall – einer anderen Person sogar das Leben retten.» Ausserdem gewinne man dadurch einen Freundeskreis, betont sie. Die Mitglieder seien mehr oder weniger im selben Alter und würden aus dem gleichen Ort kommen. So lerne man in den Gruppenübungen nicht nur die wichtigsten Grundkenntnisse und Massnahmen, sondern habe auch den Plausch mit den Betreuern und Gruppenleitern. «Kurz gesagt: Es macht wirklich Spass, und ich kann es nur jedem empfehlen!»
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SAMARITERVEREIN SCHÖNENBERG-HÜTTEN FUSIONIERT MIT WÄDENSWIL WÄDENSWIL (ZH) Der Samariterverein Schönenberg-Hütten hatte in den letzten Jahren vermehrt Schwierigkeiten, neue Mitglieder zu gewinnen, dies auch für den Vorstand. An den Übungen nahmen immer weniger Samariterinnen und Samariter teil. Postendienste leisteten fast immer die gleichen drei oder vier Personen. An der Vereinsversammlung vom 13. Juli 2020 gaben drei der fünf Vorstandsmitglieder den Rücktritt und den Austritt aus dem Verein bekannt. Wir mussten einsehen, dass es unter diesen Umständen keine Zukunft für den Verein gibt. Nun stellte sich die Frage: Auflösung oder Fusion mit einem anderen Verein? In der Folge wurde mit Vorstandsmitgliedern des Samaritervereins Wädenswil über eine mögliche Fusion gesprochen. Ein künftiges Miteinander ist aus Sicht beider Vereine sinnvoll: • Schönenberg und Hütten gehören zu Wädenswil. • Auch der Wädenswiler Samariterverein ist dankbar für neue Mitglieder. • Kursteilnehmer aus Schönenberg und Hütten nehmen schon jetzt sehr oft an den Kursen von Wädenswil teil. • Für die verschiedenen Angebote (Sanitätsdienst, Blutspendedienst, Kurse, Hilfsmittelverleih, Samaritersammlung usw.) stehen mehr Ressourcen zur Verfügung.
Mit der Fusion wird die Grundlage geschaffen, die humanitären Aufgaben in Sinne des Rotkreuzgedankens sowie die Förderung des Samariterwesens in der ganzen Gemeinde Wädenswil sicherzustellen. Unter diesen Voraussetzungen konnten die Vorbereitungen für eine Fusion respektive Integration aufgenommen werden. In wenigen Wochen wurden die notwendigen Dokumente erstellt und alle Mitglieder der beiden Vereine informiert. Der Samariterverein Schönenberg-Hütten stimmte an der ausserordentlichen Vereinsversammlung vom 9. Dezember 2020 und der Samariterverein Wädenswil am 27. Januar 2021 dem Fusionsvertrag zu. Mit diesen Beschlüssen wird der Samariterverein Schönenberg-Hütten aufgelöst und in den Samariterverein Wädenswil integriert. Für die Bevölkerung von Hütten und Schönenberg ändert sich damit nichts, da der Samariterverein Wädenswil nun das ganze Wädenswiler Gemeindegebiet abdeckt. (SV Wädenswil)
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SEIT 100 JAHREN EIN EIGENES DOMIZIL Am 1. Mai 1921 nahm die ständige Geschäftsstelle des Schweizerischen Samariterbunds offiziell den Betrieb auf. Bis dahin hatten die Sektionen den Verbund jeweils im Turnus geführt. TEXT: Christoph Zehnder
Blick in die Räumlichkeiten der ersten Geschäftsstelle des Schweizerischen Samariterbunds.
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Arnold Rauber wurde 1921 zum ersten Zentral sekretär ernannt.
Das Büro befand sich im Haus des damaligen Zentralsekretärs. (Fotos: Archiv)
In den Anfangsjahren der Samariterbewegung war es üblich, dass eine Sektion für drei Jahre die Leitung der Organisation übernahm. Einen eigentlichen Hauptsitz hatte der Schweizerische Samariterbund nicht. Der «Vorort», wie die Leitungssektion genannt wurde, wechselte zunächst unregelmässig zwischen Bern und Zürich. 1909 wurde Baden mit dieser Aufgabe betraut und drei Jahre später die Sektion Olten. In den darauffolgenden Jahren, in den Wirren des Ersten Weltkriegs und der Spanischen Grippe, hielt man einen Wechsel des Vororts nicht für angebracht. Gleichzeitig erhielten die Samariter aber enormen Zulauf. In den 1910er-Jahren verdoppelte sich die Zahl der Vereine nahezu, und diese übernahmen überdiesimmer neue Aufgaben. Damit stiegen auch die Anforderungen an die ehrenamtliche Geschäftsleitung. Sie war Auskunftsstelle, Vermittlerin, Bildungsstätte und half bei der Materialbeschaffung.
Das Ziel war Kontinuität 1920 beschloss die Abgeordnetenversammlung eine grundsätzliche Neuorganisation des Verbunds. Die wichtigste Änderung bestand in der Schaffung einer ständigen Geschäftsstelle. «Die Entwicklung des Samariterbundes und das Anwachsen der Arbeiten in den letzten Jahren drängten zu diesem Ausbau»,
heisst es dazu im Jahresbericht 1920/1921. Die Wahl des Standorts Olten war nicht nur verkehrstechnisch begründet. Mit der Ernennung des damaligen Zentralpräsidenten Arnold Rauber zum ersten vollamtlichen Zentralsekretär setzte der Samariterbund vor allem auf Kontinuität. Am 1. Mai 1921 nahm die ständige Geschäftsstelle unter seiner Leitung offiziell ihren Betrieb auf. Das Büro befand sich in seinem Haus. Die heutigen Räumlichkeiten an der Martin-Disteli-Strasse entstanden erst Jahre später.
Standortvorteil bis heute Die Schaffung einer ständigen Geschäftsstelle erwies sich als wichtiger Schritt für den Aufbau und die Weiterentwicklung des Samariterwesens. Dennoch gab es zwischenzeitlich auch Bestrebungen für eine Verlegung. 1968 stellte der Waadtländer Kantonalverband den Antrag, einen Umzug nach Bern zu prüfen. Man versprach sich davon eine bessere Zusammenarbeit mit den Bundesbehörden und dem Schweizerischen Roten Kreuz. Das Anliegen erwies sich aber als chancenlos, und die Initianten zogen ihren Antrag schliesslich wieder zurück. Und so ist die ständige Geschäftsstelle auch 2021 noch in Olten angesiedelt. Die zentrale Lage – und damit die gute Erreichbarkeit für Mitglieder aus der ganzen Schweiz – ist heute noch genauso ein Vorteil wie vor 100 Jahren. samariter 2/2021 33
AUS DEN ROTKREUZ-ORGANISATIONEN
ZUSAMMENARBEIT HAT SICH BEWÄHRT Nach einem Jahr im Einsatz hat sich das Schweizerische Rote Kreuz aus dem Betrieb des Corona-Drive-in-Testzentrums in Bern zurückgezogen. Auf dem BERNEXPO-Gelände standen auch Samariterinnen und Samariter im Einsatz.
Rücksprache mit dem Bund hatte das SRK damals ein Pilotprojekt erarbeitet und umgesetzt. Per Ende April 2021 hat sich das SRK aus dem Betrieb des Testzentrums zurückgezogen.
Andere Kompetenzen gefragt Nach einem Jahr im Einsatz im Berner Testzentrum hat das SRK seinen Auftrag erfüllt. In der ersten und zweiten Welle wurden mehr als 26 000 Abstrichtests gemacht. Die neue Teststrategie des Kantons Bern setzt neben Testzentren stärker auf mobile Tests und auf Tests zu Hause. Mit dem Umstellen auf Speicheltests braucht das Personal im Testzentrum zudem keine medizinischen Kenntnisse mehr für das Testing. Die fachlichen Kompetenzen der Mitarbeitenden im Testzentrum sind daher nicht mehr notwendig.
Wichtiger Beitrag zur Eindämmung der Pandemie In der ersten und zweiten Welle wurden im Drive-in-Testzentrum mehr als 26 000 Abstriche gemacht. (Foto: Remo Nägeli / SRK)
Mit dem Aufbau und Betrieb des Corona-Drivein-Testzentrums im Auftrag des Kantons Bern hat das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie geleistet. Gemeinsam mit dem Kanton und namhaften Fachpersonen aus der Wissenschaft sowie nach
Als krisenerprobte Organisation konnte das SRK rasch und unkompliziert Unterstützung bieten und den Betrieb des Zentrums dank dem bestehenden Pool an medizinischem Personal des Schweizerischen Samariterbundes und des Schweizerischen Militär-Sanitäts-Verbandes im grossen Stil ermöglichen. Diese Zusammenarbeit hat sich mehr als bewährt. Das SRK ist stolz, gleich zu Beginn der Coronakrise mit dem Betrieb des Drive-in-Testzentrums Bern einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie geleistet zu haben.
HILFE IN DER NOT KENNT KEINE UNTERSCHIEDE Die 7 Rotkreuzgrundsätze sind für alle Mitglieder der weltweiten Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung bindend und verpflichtend. Die Grundsätze von Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit und Universalität bilden zusammen ein Ganzes. Auch für Samariter sind sie eine praktische Hilfestellung für ihre Tätigkeit. Das Jahr 2021 steht im Zeichen der Unparteilichkeit. Der Grundsatz des Jahres macht deutlich, dass Rotkreuz-Organisationen nicht zwischen Opfer 34 samariter 2/2021
und Täter unterscheiden und auch nicht nach der Ursache der Not fragen. Hilfe erfolgt dort, wo die Not am grössten ist. Für die Erste Hilfe etwa heisst das: Der Grad der Verletzung ist Kriterium, wem zuerst geholfen wird. Persönliche Merkmale wie Nationalität, Religion usw. dürfen dabei keine Rolle spielen.
Weitere Informationen über die Rotkreuzgrundsätze redcross.ch/grundsaetze
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03/2021
09.07.2021
11.08.2021
04/2021
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10.11.2021
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RÄTSEL: LÖSUNGEN VON S. 31
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