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SAMARITER Das Verbandsmagazin des Schweizerischen Samariterbunds

Täuschend echte Nachbildungen 12 INTERVIEW

Die Strategie des SSB wird breit getragen

26 CORONA

Samariter an verschiedenen Fronten im Dauereinsatz

36 AUSSTELLUNG

Baden feiert 125 Jahre Samariterverein


Erste Hilfe hat viele Gesichter

Danke für Ihre Spende und Unterstützung.


EDITORIAL

«Samaritersache ist Herzenssache» Liebe Samariterinnen, liebe Samariter Das Schwerpunktthema der vorliegenden Nummer ist das Moulagieren. Nachdem die dreidimensionalen Wachsobjekte eine Weile fast in Vergessenheit geraten waren, wurden sie wiederentdeckt. Die Moulagen werden heute u.a. in der Ausbildung von angehenden Ärztinnen und Ärzten genutzt. Die Samariterinnen und Samariter haben dieses Handwerk durchgehend gepflegt. Es ist für mich ein schönes Beispiel, mit welcher Gewissenhaftigkeit und Praxisnähe die Ausbildung im Samariterwesen erteilt wird. Am Ersthelfer-Symposium, dem auch ein Bericht in dieser Nummer gewidmet ist, konnte man sehen, wie wichtig kompetentes und beherztes Eingreifen von Ersthelfern ist. Und die Aktivitäten des Kantonalverbands Thurgau mit Curaviva zeigen, dass es neue Aufgaben für Samariterinnen und Samariter gibt, die in Zukunft wohl noch an Bedeutung gewinnen werden. Dies alles zeigt das Potenzial und mögliche Einsatzgebiete für Samariterinnen und Samariter: in der Ersthelfer-Ausbildung, als vielseitige Unterstützer in Krisen oder besonderen Lagen, aber auch als Helfer, die mit Rat und Tat anderen Menschen zur Seite stehen. Die Samariter sind eine grossartige Bewegung, inspiriert von Henry Dunant und geleitet von den universalen Rotkreuz-

Prinzipien. Das Rote Kreuz und das Samariterherz haben gros­se Strahlkraft und das Potenzial, noch vieles in dieser Welt zum Besseren zu wenden. Für mich selbst kommt nach etwas mehr als drei Jahren als Direktor des Schweizerischen Samariterbundes (SSB) der Moment, auf Wiedersehen zu sagen. Ab April werde ich eine neue Aufgabe als Direktor von Caritas Schweiz übernehmen. Es war ein grosses Privileg, einen lebendigen Verbund in der Phase der Neuausrichtung operativ führen zu dürfen. Ich bedanke mich für das Vertrauen, das mir entgegengebracht wurde, für die kritischen und konstruktiven Diskussionen, für das Ausrichten auf ein gemeinsames, langfristiges Ziel. Samaritersache ist Herzenssache, habe ich gelernt, als ich zum Samariterbund stiess. Heute würde ich sagen: Samaritersache ist auch Zukunftssache. Ihnen, Ihren Kolleginnen und Kollegen, dem SSB und dem zukünftigen Samariter Schweiz wünsche ich den Blick nach vorn, Durchhaltevermögen und Beständigkeit in unruhigen Zeiten – die Pandemie hat uns diese Tugenden neu gelehrt!

Ihr Peter Lack samariter 1/2022  3


6 DER ZAUBER DER NACHBILDUNGEN

INHALT 10 WISSEN Erste Hilfe bei Wunden 14 AKTUELL Direktor Peter Lack verlässt den SSB. Eine Würdigung 15 STRATEGIE Der SSB ist auf dem Weg in die digitale Zukunft

4  samariter 1/2022

16 PARTNERSEITEN Sicher auf Schnee­ touren unterwegs – eine gute Vorbereitung hilft

21 VEREINE UND VERBÄNDE Kurzmeldungen und Aktuel­les von den Verei­ nen und Verbänden

18 SYMPOSIUM Es war ein voller Erfolg: Im KKL in Luzern fand das ErsthelferSympo­sium 2021 statt

26 CORONA Samariterkuriere im Kan­ ton Thurgau im freiwilligen Einsatz für Altersheime 28 CORONA Samariterinnen und Samari­ter im Dienst der Impfstation am LUKS


IMPRESSUM 12 INTERVIEW Beatrice Stalder spricht im Interview über den Strategieprozess 2024

24 HINTERGRUND Die jüngste Kampagne des SSB mit Radio Energy zielt auf ein jüngeres Publi­ kum ab

«samariter» 1/2022 Erscheinungsdatum: 9. Februar Herausgeber Schweizerischer Samariterbund SSB Martin-Disteli-Strasse 27 Postfach, 4601 Olten Telefon 062 286 02 00 Telefax 062 286 02 02 redaktion@samariter.ch www.samariter.ch Abonnemente, Adressänderungen schriftlich an obige Adresse Abonnementspreis Einzelabonnement für Aussen­stehende: Fr. 33.– pro Jahr 4 Ausgaben pro Jahr Auflage: 22 600 Exemplare

36 AUSSTELLUNG Das Historische Museum in Baden spürt dem Samaritergedanken nach

Redaktion Paolo D’Avino (pda) Matthias Zobrist (mzo) Westschweiz: Chantal Lienert (cli) Südschweiz: Mara Zanetti Maestrani (m.z.) Telefon 062 286 02 00 Telefax 062 286 02 02 redaktion@samariter.ch Postadresse: Redaktion «samariter» Postfach, 4601 Olten

29 ÜBERBRÜCKUNGSHILFE Wichtige finanzielle Überbrückungshilfe vom SRK 30 PARTNERSEITE Eine nationale Stabs­ stelle für den Sanitäts­ dienst 31 BILDUNG Neuanerkennung vom Swiss Resuscitation Council (SRC) erhalten

32 SIE SIND DRAN Herausforderung Schwedenrätsel und Sudoku 34 WARENSHOP Neu im Sortiment 38 AKTUELL Ein kurzer Rückblick auf den Tag der Ehe­ maligen

Inserate Fachmedien Zürichsee Werbe AG Laubisrütistrasse 44, 8712 Stäfa Telefon 044 928 56 11 Telefax 044 928 56 00 samariter@fachmedien.ch www.fachmedien.ch Layout, Druck, Versand Stämpfli Kommunikation, 3001 Bern staempfli.com Fotos Titelseite und Inhaltsverzeichnis: shutterstock

39 SERVICE Meinungen und mehr samariter 1/2022  5


SCHWERPUNKT NACHBILDUNGEN

DER ZAUBER DER NACHBILDUNGEN Moulagen – das Wort mutet fremd an. Doch ein Blick in den Duden klärt auf. Moulagen sind farbige dreidimensionale und lebensgrosse Abformungen von Körperteilen zur naturnahen Wiedergabe menschlicher Krankheitsbilder. Auf Spurensuche bei den Samaritern und im Moulagen­museum in Zürich. TEXT: Paolo D’Avino 6  samariter 1/2022


Dem Filmset ähnlich Damit an Kursen und Übungen möglichst realitätsnah gearbeitet werden kann, werden Figurantinnen und Figuranten so dargestellt, dass sie wie echt aussehen. «Das Schminken liegt mir im Blut und am Herzen», betont die Kursleiterin und Instruktorin im Zürich Oberland. Mit Filmblut, Wachs, Puder und vielen anderen Requisiten setzt Susanne Angst die «Verletzten» sorgfältig in Szene, bevor diese in ihre Rolle als Figurantin oder Figurant schlüpfen. «Es ist wie auf dem Filmset oder im Theater. Bevor die Schauspielerinnen und Schauspieler die Bühne betreten, gehen sie zur Vorbereitung in die Maske», vergleicht Angst die zwei unterschiedlichen Welten. Alles muss glaubwürdig und echt daherkommen und «alle werden in ihre Rolle eingeführt, damit sie sich der Situation gerecht verhalten können, wenn die Helferinnen und Helfer am Unfallort eintreffen», erklärt Susanne Angst. «Nur wenn man praxisnah trainieren kann, lässt sich abschätzen, was im Ernstfall zu erwarten ist.»

Realitätsnah üben

Wie echt: die perfekt angefertigte Wunde. (Foto: shutterstock)

Es ist ihr grosser Traum, einmal in einem «Tatort» die Leichen herzurichten und zu schminken. «Zur Not dürfte es auch ein anderer Krimi sein», sagt Susanne Angst und lacht. Die gelernte Kosmetikerin und Visagistin ist mit Leib und Seele Samariterin. Seit über 20 Jahren ist sie Mitglied im SV Dübendorf und dort unter anderem verantwortlich für das Moulagenteam. Ihr Set ist heute nicht die Film-, sondern die Samariterbühne.

Die realistische Unfallgestaltung ist heute einer der effektivsten Bestandteile der Praxisausbildung von Samaritern und Samariterinnen. Davon ist auch Susanne Angst überzeugt. Dabei sind die Schminke und die Darstellung von Verletzten nur ein Teil des Puzzles. Genauso entscheidend sei die Auswahl des Unfallortes wie auch das Auslegen der Figuranten. «Es ist das Gesamtpaket, das zur Glaubwürdigkeit beiträgt.» Zudem müssen die Darstellerinnen und Darsteller gut geschult sein und die Symptome passend zur Verletzung wiedergeben. «Wenn beispielsweise bei einer Übung zum Thema Verbrennung eine Wunde arteriell bluten würde, entspräche das nicht der Wirklichkeit.» Die Parallelen zum Film sind frappant. Die realitätsnahe Unfallgestaltung sieht Susanne Angst als Auslöser für ein erfolgreiches Lernen. «Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, unabhängig davon, ob es eine Kleingruppe ist oder ein grösseres Team bei einer Katastrophenschutzübung, sind motivierter, wenn sie sich die Übung nicht nur im Kopf vorstellen müssen», sagt die erfahrene Kursleiterin. «Sie haben mehr Spass und nehmen mehr mit als an einem anderen Kurs.»

Internationale Ausstrahlung Realitätsnahe Moulagen sind auch im Moulagenmuseum in Zürich zu sehen. Das Haus mit internationaler Ausstrahlung ist mit seiner Sammlung nicht nur Anlaufstelle für Medizinstudierende, sondern auch für die rund 4000 Besuchenden pro samariter 1/2022  7


SCHWERPUNKT NACHBILDUNGEN

«Allerdings wurden sie nicht als Krankheiten der Haut interpretiert», sagt Geiges. Erst ab Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Haut als ein Organ mit eigenständigen «Krankheiten» angesehen. Dadurch hat sich das Spezialfach der Haut- und Geschlechtskrankheiten herauszubilden begonnen, und es wurde nötig, die unterschiedlichen Hauterscheinungen möglichst detailgetreu zu beschreiben und in Bildern und Nachbildungen festzuhalten. Dr. med. Michael L. Geiges, Kurator Moulagenmuseum.

Susanne Angst: Sie führt das Moulagenteam im SV Dübendorf.

Jahr. Viele aus dem Ausland. «Moulagen sind lebensecht aussehende Nachbildungen erkrankter Körperteile, die über ein Gips- oder Silikonnegativ gegossen werden. Die dreidimensionalen, völlig detailgetreuen Objekte in Lebensgrösse bestehen aus einem Wachs-Harz-Gemisch», sagt Dr. med. Michael Geiges. Im Museum an der Haldenbachstrasse 14 sind gegen 600 der über 2000 Wachsmodelle aus der Zürcher Sammlung zu sehen. «Sie gehören zu den am besten erhaltenen Moulagen weltweit», betont der Kurator und Museumsleiter stolz. Das Wort stamme vom französischen «mouler» beziehungsweise von «moule», was übersetzt in etwa «formen» oder «Gussform» heisst. «Viele Samaritervereine kommen uns besuchen», sagt Geiges. Dass der Begriff Moulage im Samariterwesen angewendet wird, stört Geiges und Sabina Carraro, die Konservatorin und Restauratorin im Museumsteam, nicht im Geringsten. Die Herstellungstechniken seien nicht vergleichbar. Eines haben sie jedoch gemein: «Das Lebensechte übertrifft auch in einer digitalisierten Welt noch jede bildliche Darstellung.»

In Nachbildungen festhalten In Zürich gehen die Anfänge der Moulagensammlung mit der neu gegründeten Dermatologischen Klinik einher. 1916 wurde die Klinik eröffnet. Der damalige Professor für Haut- und Geschlechtskrankheiten wünschte sich aus dem Einrichtungskredit für 3000 Franken Material zur Anfertigung von Moulagen. Der Grund: Die Nachbildungen stellten ein wichtiges Lehrmittel im Hörsaal dar. 1922 schrieb Bruno Bloch: «Eine dermatologische Klinik ohne eigene Moulagensammlung und ohne die Möglichkeit, die in ihr vorkommenden, praktisch oder theoretisch wichtigen Fälle moulagieren zu lassen, ist nicht vollständig.» Hautausschläge wurden schon vor über 2000 Jahren beschrieben. 8  samariter 1/2022

Abguss aus Gips und Silikon «Es war die Geburtsstunde der wissenschaftlichen Medizin», betont Geiges, der im Frühjahr 1999 die konservatorischen Aufgaben des Museums übernahm. «Obwohl die Kunst der Moulagenherstellung durch die Jahre hindurch beinahe verloren ging, schätzen wir es, diese Werke erhalten und auch neue Moulagen herstellen zu können.» Am ersten internationalen Kongress für Dermatologie und Syphiligraphie 1889 in Paris hat die Ausstellung der Moulagen dermassen Aufsehen erregt, dass in der Folge viele Kliniken eigene Sammlungen einrichteten. So später auch in Zürich. «Die

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«Mit Filmblut, Wachs, Puder und vielen anderen Requisiten werden die ‹Verletzten› sorgfältig in Szene gesetzt.»

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meisten Moulageure entwickelten ihr eigenes Rezept und ihre eigene Technik und bewahrten diese wie heute Köche als streng gehütetes Geheimnis.» Früher waren es Abdrücke aus Gips, heute aus Silikon, die mit einem Wachs- oder Wachs-HarzGemisch ausgegossen werden. «Die Rohmodelle werden dann nach dem Aushärten aus der Abdruckform entnommen und bemalt.»

Wertvolle Dokumente Auf diese Weise sind bis heute Moulagen und Bilder entstanden, die bildlich einem Originalbefund fast gleichkommen. Doch Moulagen wurden nicht nur als Hilfsmittel und Anschauungsmaterial in den Vorlesungen eingesetzt. Sie dienten als Vorlagen für Farbdrucke in Atlanten und Lehrbüchern wie beispielsweise im dermatologischen Jacobi-Atlas. Früher auch zur Aufklärung und Ab-


Das Moulagenmuseum in Zürich zeigt dreidimensionale Nachbildungen von erkrankten Körperteilen in Form von Moulagen. In der Ausstellung sind gegen 600 Wachsmodelle zu sehen. (Foto: UZH, Lindner)

schreckung der Öffentlichkeit. «Vor allem von Geschlechtskrankheiten», sagt Geiges. Nachdem die dreidimensionalen lebensgrossen Wachsobjekte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch die Farbfotografie fast in Vergessenheit geraten sind, werden sie heute als wertvolle medizinhistorische Dokumente geschätzt, die teilweise Krankheiten zeigen, die es heute in dieser Form kaum oder nicht mehr gibt. Beispielsweise die Hauttuberkulose, Pocken oder Spätformen der Syphilis.

Modellieren in drei Schritten Susanne Angst wollte an diesem Novembertag in Dübendorf einen Moulagekurs für Anfänger geben. Doch Corona, so vermutet sie, hätte ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht. «Irgendwie habe ich das Gefühl, dass sich die Menschen trotz der 3G-Regelung noch immer nicht trauen, an Weiterbildungskursen teilzunehmen.» Sie hätte gerne ihr Wissen um die Fertigung und Herrichtung weitergegeben. Das Moulagieren will gelernt sein, und so hätten die Anfänger im Kurs den Einsatz der Hilfsmittel kennengelernt. Ob es nur ein wenig Blässe oder Schweiss im Gesicht braucht, einen blauen Fleck, einen herausgerissenen Fingernagel, eine grosse, klaffende Fleischwunde mit viel Blut oder einen offenen Knochenbruch: Alles ist für das Fallbeispiel inszenierbar. «Dabei geht es in einem ersten Schritt darum, die Haut für die Wunden vorzubereiten.» Dann modelliere man die Wunden und zuletzt würden diese geschminkt.

Nicht an Bedeutung verloren Die Dübendorferin sei per Zufall vor über 20 Jahren in die Welt der Samariterinnen hineingerutscht. «Das Moulagenteam führe ich nun seit etwas mehr als zehn Jahren.» Und sie erinnert sich an ihren ersten Kurs zur Schminktechnik von Verletzten. «Der damalige Ausbildner war nicht ganz auf der Höhe», sagt Susanne Angst mit einem Schmunzeln im Gesicht. Ihr Handwerk lernte sie dann «by doing» und als Assistentin von Vreni Reh, mit der sie einige Kurse geben durfte. «Ihrer Arbeit wohnte ein Zauber inne, von ihr habe ich unglaublich viel gelernt», sagt Angst. Auch Michael Geiges ist nach wie vor von den Moulagen fasziniert. Er sei sehr stolz auf die Sammlung in seinem Museum und auf das, was sein Team leiste. In der Dermatologischen Klinik des Universitätsspitals Zürich fände seit einigen Jahren der Einführungskurs in das Spezialfach der Haut- und Geschlechtskrankheiten im Moulagenmuseum statt, sagt Geiges und ergänzt, dass «die Sammlungen nach wie vor eine grosse Bedeutung in der Lehre und Forschung haben. Die Moulagen werden von Studierenden der Medizin zur Vorbereitung des Staatsexamens genutzt.» Bei den Samaritern setzt sich Susanne Angst dafür ein, das Wissen um die Technik dem Nachwuchs zu vermitteln. Auf die Frage, ob sich ihr Traum mit dem «Tatort» verwirklichen wird, sind es ihre leuchtenden Augen, die ihre Leidenschaft verraten. Ihre Antwort: «Wer weiss. Vielleicht nach diesem Artikel.» samariter 1/2022  9


WISSEN

Nur eine saubere Wunde kann heilen Kleine Wunden sind schnell passiert: beim Sport, zu Hause oder bei der Arbeit. Wie behandelt man solche Verletzungen am besten? Dr. med. Sabine Heselhaus, Fachärztin für Chirurgie, gibt Auskunft zur korrekten Wundversorgung. TEXT: Paolo D’Avino FOTOS: zVg Auf dass Notfälle niemals eintreten mögen. Doch Unfälle sind schnell passiert, und nicht immer ist auf Knopfdruck das nötige Wissen zur Wundbehandlung abrufbar. Was also tun bei solchen Verletzungen? Dr. med. Sabine Heselhaus weiss, was am besten hilft. Sie ist Chirurgin und hat sich auf die Heilung komplexer Wunden spezialisiert. Der «samariter» hat sie gefragt, wie man die häufigsten Wunden richtig verarztet. «Grundsätzlich sollten Wunden wenn möglich nur mit Schutzhandschuhen versorgt werden», sagt Sabine Heselhaus, «denn zum einen besteht bei offenen Verletzungen eine grosse Infektionsgefahr und zum anderen muss sich die helfende Person vor Kontamination, zum Beispiel mit Hepatitis B und HIV, schützen.» Im Grunde genommen wiederholt sich das Vorgehen bei allen Arten von Wunden. «Reinigen, desinfizieren und steril abdecken», betont Heselhaus. In der modernen Wundbehandlung sind folgende Faktoren zu beachten: Wunden heilen in einem optimalen Milieu besser und schneller. Dabei darf die Wunde nicht austrocknen, aber auch nicht zu feucht sein. Je nach Stadium der Wundheilung muss dann das Verbandsmaterial angepasst werden. Die Empfehlung der Fachärztin: «Wunden können aber im-

mer noch wie früher mit einer sterilen Gaze, die mit einer physiologischen Kochsalzlösung befeuchtet ist, verbunden werden. Dann sollte der Verband aber täglich gewechselt werden. Um das Austrocknen oder Anheften am Wundgrund zu verhindern, kann man auch ein Hydrogel auf die Gaze nehmen.»

Schürfwunden Schürfwunden sind meist die Folge eines Sturzes. Knie, Handfläche, Ellenbogen und Gesicht sind besonders oft betroffen. Meist handelt es sich um harmlose, oberflächliche Verletzungen. «Trotzdem können sie sehr schmerzhaft sein», sagt Sabine Heselhaus. Was tun? «Die Schürfwunde sollte von Schmutz gereinigt werden. Dazu eignen sich am besten sterile physiologische Kochsalzlösungen oder antiseptische Wundspüllösungen und sterile Gazekompressen; grobe Fremdkörper wie Steinchen können mit einer Pinzette oder Handschuhen entfernt werden. Nur im Notfall und bei sehr stark verschmutzten Wunden sollte mit Leitungswasser gespült werden, da das Leitungswasser durch die Leitungsrohre verkeimt sein kann und so die Wunde zusätzlich kontaminiert wird. Wichtig ist deshalb immer, die Wunden nach der Reinigung gut

Die Wunden immer reinigen, desinfizieren und steril abdecken, ansonsten besteht eine Infektionsgefahr.

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zu desinfizieren. Kleine, nur oberflächliche Schürfwunden kann man dann anschliessend an der Luft trocknen lassen, und es bildet sich ein Wundschorf. Diese Kruste schützt die Wunde und fällt in der Regel nach abgeschlossener Wundheilung von selbst ab. Grössere und vor allem tiefere Schürfwunden sollten mit einer nicht klebenden sterilen Wundauflage abgedeckt werden. Dazu eignen sich zum Beispiel spezielle Gazen, die mit einer desinfizierenden Salbe getränkt sind.

Schnitt- und Stichwunden Bei Schnitt- oder auch Stichwunden können Strukturen wie Blutgefässe, Nerven oder Sehnen verletzt sein, und die Wunde kann stark bluten. «Ist eine Arterie betroffen, kommt es zu pulsierenden Blutungen.» Bei einer starken Blutung einen Druckverband anlegen, und bei pulsierenden Blutungen den Rettungsdienst aufbieten. «Die Wunden müssen meist chirurgisch versorgt und genäht werden.» Verletzungen mit einem Messer oder mit einem anderen scharfen Gegenstand sind gemäss Sabine Heselhaus hei-

• «Grundsätzlich sollten Wunden

wenn möglich nur mit Schutzhandschuhen versorgt werden.»

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kel, denn man weiss nie, welche Organe in der Tiefe mit verletzt sind. Das kann sogar lebensbedrohlich sein oder im Verlauf schlimme Infektionen zur Folge haben. «Tiefere Wunden also steril abdecken, Fremdkörper nicht entfernen und Wunde ärztlich versorgen lassen.» Eine leicht klaffende Schnittwunde der Haut kann nach Desinfektion mit einem Klammerpflaster versorgt werden, grössere Schnittwunden sollten innerhalb von sechs Stunden genäht werden.

Platzwunden Ein stumpfer Schlag oder ein kräftiger Stoss – schon platzt die Haut auf. «Häufig entsteht die Platzwunde dort, wo die Haut unmittelbar auf dem Knochen liegt, besonders an Kopf und Stirn, an den Augenbrauen oder am Ellbogen», ergänzt He­ selhaus. Durch die Verletzung kommt es häufig zu einer starken Blutung, besonders an der Kopfhaut. «In erster Linie ist die Blutung zu stoppen. Dazu reichen in der Regel steriles Verbandsmaterial, Gaze oder Tupfer, den man mehrere Minuten auf die

Platzwunde drückt.» Manchmal hat es im Verbandskasten auch sterile, blutstillende Watte, die man direkt auf die Wunde legt und dann mit einer Gaze darüber auf die Wunde drückt. Bedrohlich ist die Verletzung selten, es sei denn, der Unfallhergang und die Heftigkeit des Schlages könnten auch zu einer Ver­letzung der darunterliegenden Strukturen wie Knochenbrüchen oder Gehirnerschütterung geführt haben. Kleinere Platzwunden kann man nach dem Desinfizieren mit einem Klammerpflaster zusammenziehen, sie heilen meist gut. «Ein Arzt sollte dann aufgesucht werden, wenn die Wundränder weit auseinanderklaffen oder die Blutung nicht gestoppt werden kann», erklärt Heselhaus.

Prellungen/Quetschwunden Nach stumpfer Gewalteinwirkung auf den Körper kann es durch Gewebeverletzungen unter der Haut zu einem Bluterguss (Hämatom) kommen. Dabei können sich auch grössere Mengen Blut im Gewebe verteilen, ohne dass es anfänglich zu einer auffallenden Schwellung kommt. «Sollte sich ein grösseres, fluktuierendes Hämatom bilden oder wenn es zum Beispiel am Unterschenkel zu einer Schwellung im Bereich der Muskellogen kommt, ist manchmal ein chirurgischer Eingriff unumgänglich.» An den Extremitäten kann es nämlich durch Schwellung des raumfordernden Hämatoms zu Durchblutungsstörungen oder Lähmungen durch Druck auf Blutgefässe oder Nerven kommen. Akut empfiehlt sich eine Behandlung mit kalten Umschlägen, Kühlbeuteln oder Cold Packs sowie gegebenenfalls ein leichter Kompressionsverband. Die Kühlung reduziert das Einbluten und lindert die Schmerzen.

ZUR PERSON Dr. med. Sabine Heselhaus arbeitet seit 1999 als Fachärztin für Chirurgie. Sie hat sich auf die Heilung komplexer und chronischer Wunden spezialisiert. Seit 2015 führt sie ihre eigene Praxis in Adligenswil und behandelt auch Patientinnen und Patienten zu Hause oder in Pflegeheimen. Das erfordert eine inter­­disziplinäre und interprofessionelle Zusammenarbeit mit Hausärzt/innen, spezialisierten Ärzt/innen, Pflege- und Spitex-Diensten sowie Fachleuten aus dem Gesundheitswesen wie zum Beispiel Podolog/innen, Orthopädietechnikern und -schuhmachern sowie Ernährungs­ berater/innen. Dafür hat sie 2015 den Verein Luzerner Wund­ management mitgegründet, dem sie als Präsidentin vorsteht. Informationen dazu: www.wundnetzwerk.ch/www.komplexe-wunden.ch samariter 1/2022  11


REDE UND ANTWORT

«Die Strategie wird breit getragen» Béatrice Stalder begleitet den Schweizerischen Samariterbund als externe Beraterin in seinem Strategieprozess. Ein gutes Jahr nach dem klaren Ja zur Strategie an der Abgeordneten­ versammlung schaut sie auf bereits Erreichtes und beleuchtet, was noch alles angepackt werden muss. INTERVIEW: Matthias Zobrist Frau Stalder, Sie begleiten den SSB be­ diskutiert hat. Es gab also reits rund zwei Jahre bei seinem Strate­ einen offenen Dialog, bevor gieprozess. Wie würden Sie den Verlauf alles festgelegt war. bis heute beschreiben? Béatrice Stalder: Wir sind im Sommer 2019 gestar- Im Strategieprozess ar­ tet und haben innerhalb eines guten Jahres die beiten sehr heterogene Strategie erarbeitet. Das ist in sehr enger Zusam- Gruppen zusammen. Mit­ menarbeit mit der Basis passiert. Da hat Zentral- arbeitende der Geschäfts­ präsidentin Ingrid Oehen eine klare Leitlinie ge- stelle, Mitglieder des Zentral­ setzt. Sie wollte nicht etwas Abgehobenes, sondern vorstandes, von eine Strategie in einer Sprache, die jede und jeder Kantonalverbänden versteht. So sind wir mit einer durchmischten Ar- und Samariterver­ beitsgruppe gestartet und haben in mehreren einen. Eine Her­ Workshops die Strategie ausgearbeitet und mit ver- ausforderung? schiedenen Akteuren abgestimmt. Was man rückblickend auch sagen muss: Die Geschäftsstelle war 2019, verglichen mit heute, in einem geschwächten Zustand. Man war nicht so gut aufgestellt, die Zusammenarbeit hat nicht immer ideal funktioniert, die Stimmung war schlecht und auch das Bild nach aussen teilweise negativ. Das hat sich sehr stark verändert.

Der Spagat zwischen den verschiedenen Ansprüchen, Wünschen und Bedürfnissen von der Geschäftsstelle über die Kantonalverbände bis zu den Samaritervereinen war sicher grösser als in anderen Institutionen, bei denen ich bereits Strategieprozesse begleitet habe. Für mich war das aber auch eines der Highlights meiner Arbeit. Bei den Sitzungen in dieser durchmischten Arbeitsgruppe haben Ingrid Oehen und Wie erreicht man, dass eine so umfassen­ Peter Lack Ideen eingebracht – teilweise recht vide Strategie breit abgestützt ist und sie am sionäre –, und die Basis hat darauf reagiert. Das war ein wunderbares Pingpong aus Vorschlägen, Ende alle Verbundsebenen weiterbringt? Wir hatten einerseits eine tolle Arbeitsgruppe mit Antworten, Einwänden, Kritik und neuen VorSamariterinnen und Samaritern aus verschiedenen schlägen. Meine Rolle dabei war, daraus ein ExRegionen, die viel Sachverstand von der Basis mit- trakt zu bilden, von dem man sagen kann: Das ist gebracht haben. Zusammen haben wir die strategi- ein strategisches Ziel, das wir verfolgen wollen. sche Analyse gemacht und vor allem den Strategieentwurf erarbeitet. Es gab viele Rückkoppelungen Worin sehen Sie die grösste Stärke in der mit dem Zentralvorstand, der Steuergruppe. Das neuen Strategie? zweite wichtige Element war, dass man den Stra- Dass die Strategie breit getragen wird und sie dem tegieentwurf in einem ziemlich frühen Stadium Samariterbund helfen wird, sich auf die Zukunft an Präsidentenkonferenzen und Dialoganlässen auszurichten. Der Samariterbund weiss, was und 12  samariter 1/2022


wohin er will. Die inhaltlichen Schwerpunkte sind klar: Gute Ausbildungen für Samariterinnen und Samariter, die Freiwilligenarbeit und die Firmenkurse, die den ganzen Verbund mitfinanzieren sollen. Aber auch eine fitte, moderne und schlanke Geschäftsstelle und ein breiter Verbund mit Tradition, der gleichzeitig dynamisch ist und die Entwicklungen der Zeit mitmacht.

STRATEGIE 2024

beiten. Es ist auch zu prüfen, ob man mehr regionale Geschäftsstellen schaffen kann, die das Administrative möglichst digital und effizient abwickeln können. Es wird dort wichtig sein, dass die Kantonalverbände die Nähe zueinander suchen und nicht gegeneinander arbeiten. Dieser Prozess muss positiv anzulaufen beginnen.

Seit November 2020 ist die Strategie offi­ Wo sind noch die grössten Stolpersteine? ziell verabschiedet. Was wurde in der Zwi­ Ich sehe das grösste Risiko darin, dass man sich zu wenig einigen kann. Oder sich nicht einigen will. schenzeit gemacht? Das Projektteam für die Umsetzung der sechs strategischen Projekte hat sich organisiert. Die Projekte sind unterschiedlich weit fortgeschritten. Am weitesten ist sicher der Ausbau des Bereichs Business, inklusive des neuen Kursangebots. Bei der Freiwilligenarbeit und der Jugend liegen Konzepte vor, und es ist klar, wohin man will. Hier ist seit November 2021 auch die Finanzierung durch die Humanitäre Stiftung SRK gesichert. Das wichtigste Projekt von allen ist die Entwicklung des Verbunds. Dieses Projekt soll die Strukturen und Prozesse dynamisieren. Ohne Verbundsentwicklung können wir nicht in die Zukunft gehen. Ingrid

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«Ohne Verbundsentwicklung können wir nicht in die Zukunft gehen.»

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Oehen hat auch hier grosses Gewicht darauf gelegt, dass wir eng mit der Basis zusammenarbeiten und möglichst alle mitnehmen können. Viel getan hat sich an der Geschäftsstelle. Sie hat sich operativ auf die Umsetzung der Ziele und Massnahmen ausgerichtet. Beispielsweise hat man den Einsatz von Ressourcen oder das Dienstleistungsangebot kritisch hinterfragt und überarbeitet. Weit vorangeschritten ist man bei der Digitalisierung an der Geschäftsstelle. Dieser Aspekt ist besonders zu loben.

Welches sind die wichtigsten Schritte, die in den nächsten Monaten anstehen? Zentral sind die Dialogveranstaltungen von Ingrid Oehen mit der Basis zum Projekt Verbundsentwicklung. Wir wollen hier alle mitnehmen, um Strukturen und Prozesse zu verschlanken, neue Modelle anzudenken und enger zusammenzuar-

Wir müssen beginnen, in vielen Bereichen gleiche Standards zu etablieren, wie bei den Firmenkursen: gleicher Standard, gleicher Preis, gleicher Ablauf. Ein gemeinsamer Auftritt, einheitliche Marke und einheitliches Logo. Dieser Einigungsprozess ist sehr wichtig. Wir wollen niemanden verlieren. Alle sollen sich als Teil des Verbunds integriert fühlen. Das ist ein grosses Ziel.

Gibt es ein persönliches Highlight aus den vergangenen rund zwei Jahren? Die erste Dialogveranstaltung vom 23. November 2019 in Luzern. Die Arbeitsgruppe hat auf dem Podest die Strategie vorgestellt. Und dann hat man intensiv in den Gruppen die strategischen Zielentwürfe diskutiert. Die Basis hat viele Vorschläge gemacht und kritisch interveniert. Da ist richtig intensiv diskutiert worden. Danach hat man die Strategie überarbeitet und relativ viel davon berücksichtigt. Das war für mich ein Leuchtturm, und ich habe gesehen, wie die Samariterinnen und Samariter funktionieren, wie sie miteinander diskutieren, wie ihre Sprache ist, dieses Bodenständige, Beherzte. Das war wirklich toll.

Zur Person Béatrice Stalder (59) arbeitet als Managementberaterin mit eigener Firma seit 1995 für Verwaltungen und Non-Profit-Organisationen. Sie hat sich auf Strategieund Organisationsentwicklungen spezialisiert und arbeitet für eine grosse Anzahl namhafter Organisationen sowie Ämter auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene. Béatrice Stalder ist ausgebildete Arbeits- und Organisationspsychologin sowie Betriebsökonomin und weist langjährige Erfahrung in der Erwachsenenbildung, in Coaching und Kadernachwuchsförderung auf. Sie lebt mit ihrer Familie in Liebefeld Bern. samariter 1/2022  13


AKTUELL

LIEBER PETER Bewegung hält bekanntlich Geist und Körper fit. Wer stets in Bewegung bleibt, dem geht nicht so schnell die Luft aus. Und in Bewegung ist auch der Schweizerische Samariterbund (SSB) während deiner Zeit als Direktor geblieben. Kaum hast du vor dreieinhalb Jahren bei uns angefangen, mussten wir gemeinsam das Ruder herumreissen, den Kurs korrigieren und das grosse Schiff SSB aus dem Sturm in neue Gewässer führen. Dies war wahrlich kein leichtes Unterfangen. Heute kann ich sagen, dass der SSB wieder in ruhigeren Gewässern schwimmt. Dank deinem Geschick und dank einer ausgewogenen Strategie 2024, die gemeinsam mit den Verbänden aufgegleist wurde. Mit der neuen Strategie geht es darum, eine gesunde Balance zwischen den Kantonalverbänden, den Samaritervereinen und dem Dachverband zu finden und die Marke «Samariter» zu positionieren. In der ersten Phase deiner Tätigkeit ging es vor allem darum, für die nächsten ein bis zwei Jahre über die Runden zu kommen. Nur schon das war eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, die du gemeinsam mit dem Zentralvorstand, dem Team der Geschäftsstelle und gemeinsam mit den Vereinen und Verbänden bravourös gemeistert hast. Es war zu diesem Zeitpunkt allen klar, dass einige Dinge nicht mehr funktionieren können wie bis anhin. Die notwendigen Anpassungen führten zu kontroversen Diskussionen. Sei es innerhalb des Verbundes, vom Kursteilnehmer bis hin zum Bund, oder sei es bei den Partnern im koordinierten Sanitätsdienst. Diesen Diskussionen hast du dich immer souverän gestellt und warst ein verlässlicher Verhandlungspartner. Ich habe vier Monate vor dir als Zentralpräsidentin angefangen und kann mich noch gut an unsere ersten Gespräche erinnern. Damals ging es darum, den Weg zu definieren – 14  samariter 1/2022

die jeweils nächsten Schritte, um den SSB in die Zukunft zu retten. Es war eine äusserst turbulente und anspruchsvolle Zeit. Oft wähnten wir uns in einem Tunnel – ohne das Licht am Ende erkennen zu können. Ohne deinen engagierten und unermüdlichen Einsatz, ohne deine ausgeprägte Fähigkeit, Netzwerke zu knüpfen und zu nutzen, und ohne deine Umsicht wäre wohl auch heute noch kaum ein Lichtschimmer sichtbar. Wir tragen beide auf unterschiedlichen Ebenen unserer Organisation Verantwortung. Du als Direktor, ich als Präsidentin. Ich bin überzeugt, dass es sowohl das Zusammenspiel als auch die kritische Auseinandersetzung mit dem Gegenüber braucht. Nur so kann sich eine Organisation weiterentwickeln. Ich bin sehr froh, dass ich diese Aufgabe als deine «SparringPartnerin» übernehmen konnte. Du warst für mich als Bindeglied zwischen dem Zentralvorstand und der Geschäftsleitung immer mehr als nur ein Brückenbauer. Für meinen Geschmack war unser gemeinsame Weg bis dahin viel zu kurz. Doch nun hast du dich entschlossen, dich einer neuen Herausforderung zu stellen. Du erweiterst deinen Bewegungs­radius bei der Caritas Schweiz. Damit verlieren wir – und da darf ich sicherlich auch im Namen des ganzen Zentralvorstandes sprechen – einen visionären, umsichtigen und beliebten Direktor. Wir werden dich vermissen. Es war aufregend und erfahrungsreich, mit dir in Bewegung zu bleiben. Der ganze Zentralvorstand wünscht dir in deinem neuen Wirkungsfeld nur das Allerbeste. Und mein ganz persönlicher Wunsch an dich zum Schluss: Bleib auch in deiner neuen Aufgabe immer in Bewegung!

Ingrid Oehen, Zentralpräsidentin SSB


STRATEGIE 2024

«Schöne, digitale Welt» Die Samariter-Software- und -Hardwaresysteme sind alt und komplex geworden und entsprechen nicht mehr den heutigen Anforderungen. Nun steht eine umfangreiche Moderni­ sierung an, um die Samariterinnen und Samariter in das digitale Zeitalter zu führen. In der Strategie 2024 der Samariter Schweiz steht als eines der Ziele: Wir nutzen die Digitalisierung als Chance für den Wandel auf allen Ebenen. Um dieses Ziel erreichen zu können, muss der Schweizerische Samariterbund aber komplett nachrüsten. Das aktuelle Extranet beispielsweise, in dem alle aktiven Samariterinnen und Samariter Informa­ tionen zum Kurswesen oder zur Vereinsadministration finden, ist seit über 15 Jahren im Einsatz. Im vergangenen Jahr hat der SSB deshalb seine Informatiksysteme und -applikationen umfassend analysiert. Ziel war, nebst einer grundsätzlichen Modernisierung, die Anzahl digitaler Systeme zu reduzieren, Komplexität abzubauen, die Prozesse für alle zu vereinfachen und letztendlich die ICTMittel (Informations- und Kommunikationstechnik) kosteneffizienter einzusetzen.

Eine erprobte Branchenlösung als Herzstück Im Zentrum der Modernisierung steht die Software Tocco mit Fokus auf zwei Schwerpunkte: Verbands- und Mitgliedermanagement sowie Weiter­­ bildungs- und Kursverwaltung. Damit deckt sie zwei zentrale Aspekte der Tätigkeiten des Schweizerischen Samariterbunds ab. Bei der Evaluation hat sie sich deshalb als ideale Lösung herausgestellt. Was momentan in unterschiedlichen Systemen gemacht werden muss, kommt künftig aus einem Guss – einfach, effizient und mit weniger Schnittstellen. Zudem ist diese neue Branchenlösung flexibel und erweiterbar. Davon können auch die Kantonalverbände und Samariter­vereine profitieren, indem sie einen eigenen, separaten Bereich in Tocco für ihre Datenverwaltung nutzen können. Der Einstieg in die digitale Samariterwelt erfolgt künftig über ein neues Intranetportal, das ebenfalls technischer Bestandteil von Tocco ist. Wie das heutige Extranet wird es eine Informationsplattform sein – einfach deutlich moderner und aufge-

räumter. Nebst Informationen, Neuigkeiten und Kursausschreibungen bietet die neue Lösung einen weiteren Vorteil: Jeder Kantonalverband, jeder Samariterverein und jedes Mitglied hat sein persönliches Login, um Mutationen und Kursanmeldungen vorzunehmen oder auch Qualifikationen und Zertifikate hochzuladen und zu verwalten. Durch die direkte Anbindung an Tocco fliessen diese Eingaben direkt in die zentrale Datenverwaltung der Geschäftsstelle.

Viel Arbeit 2022 Bis alle technischen Umstellungen erfolgt sind, steht noch eine Menge Arbeit an. Klar ist, dass die Samariterinnen und Samariter nicht einfach ins kalte Wasser geworfen werden. Es wird Schulungen beziehungsweise Anleitungen geben, in denen die wichtigsten Arbeitsschritte und Prozesse in den neuen Applikationen gezeigt werden. So sollte der Start Anfang 2023 hoffentlich reibungslos über die Bühne gehen. Wir freuen uns auf die neue Welt und treiben das Projekt mit grossem Enthusiasmus voran. Die grösste Herausforderung wird die Schulung und das Freischalten der neuen digitalen Welt für die rund 20 000 Samariterinnen und Samariter Anfang 2023 sein. Für dieses Vorhaben sind wir auf die Zusammenarbeit und Unterstützung aller Samariterinnen und Samariter angewiesen. Insbesondere für Schulungen suchen wir informatikaffine Mitglieder, die gerne ihre Vereinskolleginnen und -kollegen beim Einstieg in die neue digitale Umgebung begleiten möchten.

Interessierte können sich gerne melden unter: sonja.dombois@samariter.ch. Bitte benutzen Sie den Betreff «Key user» in Ihrer E-Mail. (SSB) samariter 1/2022  15


PARTNERSEITEN

Sicher unterwegs im Schnee Durch den Schnee zu wandern und dabei die Natur neu zu entdecken, begeistert immer mehr Menschen. Viele Tourismus­regionen bieten markierte Winterwanderwege und ausgeschil­ derte Schneeschuh­routen an. Eine sorgfältige Vorbereitung der Touren im Schnee hilft, Not­ fälle zu verhindern. TEXT und FOTOS: Rega Ob Schneeschuhlaufen oder Winterwandern: Die Touren im Schnee verlangen eine gute Planung. Informieren Sie sich über die Verhältnisse vor Ort, schätzen Sie Ihre Fähigkeiten realistisch ein, und planen Sie Ihre Routen entsprechend. Gehen Sie mit adäquater Ausrüstung auf Ihre Tour, und nehmen Sie idealerweise eine Notfallausrüstung für Lawinenunfälle mit Lawinenverschütteten-Suchgerät (LVS), Sonde und Schaufel mit.

Richtig winterwandern Beim Winterwandern können Sie die signalisierten Winterwanderwege (pinke Wegweiser mit Wandererpiktogramm) nutzen. Diese verlaufen möglichst abseits von Strassen und meist auf schneebedecktem Untergrund. Winterwanderwege ver­langen Aufmerksamkeit und Vorsicht wegen des Schnees und der möglichen Rutschgefahr. Davon abgesehen stellen sie keine besonderen Anforderungen an die Wanderer und entsprechen dem technischen Anspruch eines gelb markierten Wanderwegs ohne Hindernisse.

Sicher unterwegs im Winterzauber Möchten Sie lieber mit den Schneeschuhen durch die weisse Pracht laufen? Wenn Sie damit noch wenig Erfahrung haben, folgen Sie am besten den signalisierten Schneeschuhrouten (pinke Wegweiser mit Schneeschuhsymbol). Diese werden vom Betreiber gegen Lawinen geschützt, und schwierige Passagen werden in der Regel gesichert. Sie sind jedoch nicht so präpariert wie die Winterwanderwege und eignen sich deshalb nur für Schneeschuhe. Wenn Sie anspruchsvollere Touren abseits der markierten Routen planen, sollten Sie Ihr technisches Können und Ihre Kondition richtig einschätzen. Je mehr Erfahrung Sie haben, desto besser können Sie die Risiken einschätzen, insbesondere 16  samariter 1/2022

Zögern Sie im Notfall nicht: Alarmieren Sie frühzeitig über die RegaApp oder die Notrufnummer 1414.

die Lawinengefahr. Berücksichtigen Sie beim Schneeschuhlaufen immer die aktuellen Schneeverhältnisse: Informieren Sie sich anhand des Lawinenbulletins (www.slf.ch), und erkundigen Sie sich vor Ort nach den lokalen Bedingungen.

Geeignete Kleider und Schuhe Beim Winterwandern oder Schneeschuhlaufen sollten Sie ausserdem auf die richtige Bekleidung achten. Feste, wasserdichte Schuhe mit griffiger Sohle sorgen für trockene Füsse und einen guten Halt. Ihre Kleidung sollte dem Wetter angepasst sein und auch einen Regenschutz umfassen. Denken Sie zudem an analoges oder digitales Kartenmaterial (z. B. Wanderkarte) und genügend Proviant. Abgerundet wird Ihre Ausrüstung mit einer Taschenapotheke, einer Rettungsdecke und Ihrem Mobiltelefon.

Rega alarmieren Auch bei einer guten Vorbereitung und ausreichend Vorsicht im Gelände können Unfälle passieren oder medizinische Probleme auftreten. Zögern Sie in solchen Fällen nicht, die Rega via Rega-App oder Notrufnummer 1414 zu alarmieren. Tun Sie dies im Notfall frühzeitig: Schlechtes Wetter und/ oder Dunkelheit oder schlechte Sicht können eine Rettung verzögern oder gar verunmöglichen. Warten Sie also nicht zu lange mit Alarmieren.


Da dank Gönnern. Unsere Gönner halten uns in der Luft und ermöglichen uns, jährlich mehr als 11’000 Menschen zu helfen.

Jetzt Gönner werden: rega.ch/goenner


Organisator und SVBS-Präsident Stefan Kühnis eröffnete das ausverkaufte Ersthelfer Symposium 2021.

Ausverkauftes Haus Die gemeinsame Veranstaltung der Schweizerischen Vereinigung für Betriebssanität (SVBS) und von Betriebsapotheke.ch fand erstmals statt. Thematisiert wurden Verletzungs­muster bei Augen-, Rücken- und Stromverletzungen sowie bei Verbrennungen – und natürlich die richtige Erste Hilfe in diesen Notfällen. TEXT: Paolo D’Avino FOTOS: Jonas Weibel Stefan Kühnis war die Freude ins Gesicht geschrieben. Kein Wunder. «Es ist ein unglaublich gutes Gefühl, wieder vor Publikum auftreten zu dürfen», sagt der Organisator und SVBS-Präsident. Und noch besser sei es in einem ausverkauften Haus. 270 Teilnehmerinnen und Teilnehmer fanden den Weg ins KKL nach Luzern, um neues Praxiswissen rund um Erstehilfemassnahmen bei verschiedensten Verletzungsgefahren zu sammeln.

Atem angehalten Emotionen kamen zum Schluss des ErsthelferSymposiums auf. Standing Ovation für Philipp 18  samariter 1/2022

Bosshard, den «Special Guest», der 2014 durch einen Arbeitsunfall schwere Verbrennungen erlitt. Er verlor 88 Prozent seiner Haut. Der ausverkaufte Saal im KKL Luzern hielt bei seiner Geschichte den Atem an. Er erzählte von seinem Leidensweg, von seiner körperlichen und mentalen Gene­sung, vom Training für den Iron Man und von seinen Zukunftsplänen. «Auf meinem Weg zurück in den Alltag haben mir so viele Menschen Kraft gegeben. Oder besser: Sie haben an meine Kraft geglaubt. Dieses Erlebnis hat mich verändert. Vielleicht mehr als alles andere», sagte Bosshard. «Ich will zeigen, dass ein Neuanfang möglich ist. Und dass es sich lohnt, nach einem Schicksalsschlag durchzustarten.»


SYMPOSIUM

Impressionen

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SYMPOSIUM

Erste Hilfe kann Leben retten Ohne Hilfe wäre Philipp Bosshard nicht mehr am Leben. Und es sind wohl seine Ausführungen, die das Wesen aller Ersthelfenden in treffender Art und Weise wiedergeben. «Erste Hilfe kann Leben retten. Ohne den Einsatz von Ersthelfenden wäre eine solche Geschichte wie diejenige von Philipp Bosshard nicht möglich», sagt Stefan Kühnis. In der ersten Ausgabe stand die Erste Hilfe bei Verbrennungen, Augen-, Rücken- und Stromverletzungen im Fokus. Drei Referenten und eine Referentin führten durch diese Themenwelten. Sie wählten dabei eine Sprache und eine Methodik, die für Betriebssanitäter:innen, Samariter:innen, Rettungskräfte und alle anderen Ersthelfenden einen Mehrwert bot. Es wurden Notfälle thematisiert, die gar nicht so selten vorkommen, aber bei den Betroffenen und den Ersthelfenden viel Unsicherheit auslösen können und häufig mit Angst behaftet sind.

Augennotfälle, Rückenverletzungen und Stromverletzungen Eröffnet wurde das Symposium von Dr. med. Dietmar Thumm, der das Thema Augennotfälle behandelte. Der Augenarzt erklärte, dass es in der Schweiz jedes Jahr rund 43 500 Augennotfälle gibt. «Die richtige Erste Hilfe und das Wissen darum, kann Augenlicht retten», meinte Thumm. Auch Dr. med. Michael Krapf argumentierte in seinem Vortrag mit Zahlen. «Viele irreparable Rückenverletzungen gehen auf Strassenverkehrsunfälle zurück», sagte der Facharzt und ergänzte, dass Rückenverletzungen viel Respekt auslösen würden.

«Das liegt in der Natur der Sache. Eine irreparable Verletzung an der Wirbelsäule hat massive Auswirkungen auf die Betroffenen.» Umso wichtiger sei die richtige Erste Hilfe. Er wolle den Ersthelfenden nicht den Respekt, aber wenigstens die Angst vor Rückenverletzungen nehmen, sagte Krapf am Ende seines Referates. Strom dagegen ist unsichtbar, geräuschlos, geruchlos – und gefährlich. Was die Sache unberechenbar macht: Stromverletzungen sind oft nicht unmittelbar spürbar. Trotzdem kann sich der Elektrolythaushalt verschieben, und die Impulsgebung des Herzens wird instabiler. Das kann sich über mehrere Stunden hinziehen. «Plötzlich stolpert das Herz, flimmert oder setzt aus.» Wie man als Ersthelfer nach einem Stromunfall also genau reagieren muss, erklärte Anja Oehen während ihrer Ausführungen.

Verbrennungen: Ruhe bewahren Verbrennungen und Verbrühungen gehören zu den häufigsten Verletzungen im Haushalt. Sie können aber auch draussen und am Arbeitsplatz geschehen. Für Ersthelfende gilt als Erstes: Ruhe bewahren und sich selbst nicht in Gefahr bringen. Welche Erste-Hilfe-Massnahmen dann wichtig sind, damit der Arzt, die Ärztin oder die Rettungskräfte später eine bestmögliche Heilung in Gang setzen können, unterscheidet sich je nach Verbrennungsgrad. Dr. med. Peter Steiger gab einen Überblick. Nach seinem Referat bat Peter Steiger den «Special Guest» des diesjährigen Ersthelfer-Symposiums auf die Bühne – und das Plenum hielt den Atem an.

SVBS AWARD Der SVBS AWARD 2019 ging an Manuela Greco, Vorstandsmitglied des Samariterverbands Schaffhausen. Sie hat an einem Weihnachtsbaumverkauf im Dezember 2019 mit einer erfolgreichen Reani­ mation das Leben eines Mannes gerettet. Corona­ bedingt wurde ihr die Auszeichnung am diesjährigen Anlass überreicht. Der SVBS AWARD 2020 zeichnete die Betriebs­ sanität der IBM Research Europe – Zurich aus, die mit ihrem vorbildlichen Einsatz rund um einen Augennotfall mit Natronlauge das Augenlicht eines Mannes rettete. 20  samariter 1/2022


VEREINE UND VERBÄNDE

TRAININGSLAGER SAMARITERJUGEND das traditionelle PizzaNachtessen auf dem Plan. Der Samstagmorgen stand unter dem Motto «Fachtechnik Erste Hilfe». Das ABCDE-Schema wurde erlernt und vertieft. Ebenso wurde fleissig «Funken» geübt und das Handling mit dem Dreiecktuch. Doch auch das Vergnügen kam nicht zu kurz. Der Samstagabend wurde in Form eines «bunten Abends» gestaltet. Am Sonntagmorgen wurde RUNG (Realistische Unfallgestaltung) geübt und Samariter-T-Shirts bunt gestaltet. Mit Theaterblut, Wachs und viel Schminke mussten UnfallverletzunSV BIEL-BENKEN (BL) Am 27. August 2021 startete das gen am Menschen nachgestellt werden. Handwerkliches traditionelle Trainingslager der Samariterjugend Biel-Ben- Können, aber auch eine Portion Kreativität sind notwendig, ken. Es ging in den Jura. 29 Jugendliche, davon 6 Mitglieder um ein Verletzungsmuster realistisch nachzustellen. Einige der Help-Gruppe Riehen, und 10 Helfer wurden mit dem Jugendliche haben wieder perfekte Moulagen hergestellt Car zum Jurahaus in Fornet-Dessous gefahren. Nach der und kreative T-Shirts gestaltet. Besten Dank an das HelferAnreise standen die Zimmerverteilung, das Einräumen und team und an Denise für die feine Verpflegung!

SAMARITERINNEN UND SAMARITER BESCHENKT Die Migros Genossenschaft Zürich hat ein Herz für die Samariterinnen und Samariter. Sie sagt Danke und spendet aus ihrem Fonds für Fundsachen, den sie für soziales Engagement nutzt, allen Aktivmitgliedern ihres Einzugsgebietes einen Geschenkgutschein im Wert von 50 Franken.

Die freiwillige Arbeit ist wichtig und alles andere als selbstverständlich. Für den Einsatz dankt die Genossenschaft Migros Zürich. Die Karte hat einen Wert von 50 Franken und kann in allen Supermärkten, Fachmärkten und Restaurants der Migros eingelöst werden.

Die Idee der Migros Genossenschaft Zürich hat der Schweizerische Samariterbund dankbar aufgenommen. Gemeinsam mit den Kantonalpräsidenten und -präsidentinnen Zürich, Schwyz, St. Gallen und Glarus konnte der Gutschein den Aktivmitgliedern ausgehändigt werden. Mit ihrem Engagement leisten Samariterinnen und Samariter beim Sanitätsdienst an Veranstaltungen und Sportanlässen, bei Fortbildungskursen oder Blutspendeaktionen wertvolle soziale Arbeit: Sie erleichtern anderen Menschen den Alltag, hören zu, schenken Zeit und betreuen Verunfallte. Überdies leisten sie Nachbarschaftshilfe. Gerade seit Beginn der Pandemie unumstritten eine wichtige Aufgabe. samariter 1/2022  21


VEREINE UND VERBÄNDE

HENRY-DUNANT-MEDAILLEN SAMARITERVERBAND UNTERWALDEN Die Henry-Dunant-Medaille ist die höchste Auszeichnung, die der Schweizerische Samariterbund vergibt. Acht Samariterinnen und Samariter des Samariterverbandes Unterwalden kamen in den Genuss dieser Auszeichnung. Es sind dies: Antonio Mamone (SV Lopper), Esther Ming-Bürgi (SV Lungern), Angela Waser und Erika Baumgartner (SV OberdorfBüren), Pia von Moos und Roger Wipfli (SV Sachseln) sowie Helen Gisler und Christina Zumbühl (SV Wolfenschiessen). Die Medaillenübergabe wurde an einer besonderen Feier auf dem Vierwaldstättersee durchgeführt.

Von links nach rechts: Dagmar Baettig, Zentralvorstand SSB. Fünf der acht Ausgezeichneten: Angela Waser, Erika Baumgartner, Helen Gisler, Christina Zumbühl, Esther Ming-Bürgi sowie Roland Zeidler, Präsident Samariterverband Unterwalden.

SAMARITERVERBAND URI In der Pfarrkirche Attinghausen wurden die langjährigen Samaritermitglieder aus dem ganzen Kanton geehrt. Nach der Begrüssung durch Pfarrer Franz Imhof konnte Kantonalpräsident Roli Gamma zahlreiche Samariterinnen und Samariter aus dem Kanton Uri sowie Zentralpräsidentin Ingrid Oehen begrüssen. Margret Stalder aus Attinghausen, Manuela Herger aus Bürglen und Peter Herger aus Silenen wurden mit der Henry-Dunant-Medaille ausgezeichnet. Gamma dankte den zwei Empfängerinnen und dem Empfänger für ihr Engagement während 25 Jahren zugunsten des Samariterwesens. Sie hätten die Veränderungen immer mitgetragen und auch trotz vielen englischen Ausdrücken immer weitergemacht. Auch während der Pandemie hätte sich die Bevölkerung immer auf die Samariterinnen und Samariter verlassen können. Die Samariterinnen und Samariter übernähmen Verantwortung. Die Freizeit zugunsten der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen und Sie wurden für ihr Engagement aus­ge­ bei Not Erste Hilfe zu leiszeichnet (von hinten links): Manuela Herger ten, verdiene Respekt und und Margret Stalder mit Peter Herger und Zentralpräsidentin Ingrid Oehen. Anerkennung. 22  samariter 1/2022

SV DÜRRENROTH (BE) Präsidentin Debora Heiniger durfte die verdiente HenryDunat-Medaille Rosa Kauer übergeben. Sie war im Vorstand als Beisitzerin tätig und für die Samaritersammlung zuständig. Speziell im Einsatz war sie beim Gemüserüsten für die Erbsensuppe, die früher beim Vereinsanlass gekocht wurde. SAMARITERVERBAND THURGAU Der grosse und weitläufige Bauernbetrieb der Familie Gsell im kleinen Weiler Balgen bot eine hervorragende Kulisse für das würdige Samariterfest. Normalerweise werden die Samariter für ihren langjährigen Einsatz sowie die Hochhaltung und praktische Umsetzung des Samaritergedankens an der Delegiertenversammlung geehrt. Zweimal konnte die Delegiertenversammlung nun aber wegen Corona nicht öffentlich durchgeführt werden. Deshalb traf man sich jetzt in einem festlichen Rahmen und unter der Teilnahme von Regierungsrat Urs Martin, Gesundheitsdirektor des Kantons Thurgau. Samariterpräsident Bernard Erne zeigte sich sehr erfreut über die grosse Anzahl Jubilare. Folgende Samariterinnen und Samariter aus dem Samariterverband Thurgau erhielten in diesem Jahr die Henry-Dunant-Medaille verliehen: Ursula Feuz und Anja Münst-Berther (SV BichelseeBalterswil-Eschlikon); Elsi Schärer und Ida Eugster (SV Herdern und Umgebung); Jeanette Stacher und Barbara Röösli (SV Kesswil-Uttwil-Dozwil); Anita Schürch und Otto Schäfli (SV Lustdorf-Thundorf ); Anita Götschi (SV Mammern-Eschenz); Gabi Lange (SV Schlatt); Bea Anken und Claudia Seeberger (SV Schönholzerswilen); Sibylle Meyer, Bernadette Schönholzer und Katharina Alder (SV Wängi); Lucia von Rotz (SV Dussnang-Oberwangen); Hanspeter Christen (SV Frauenfeld); Nadja Rohr (SV Hauptwil-Gottshaus); Brigitte Isenegger (SV MatzingenStet­tfurt); Marie-Claude Losey (SV Münchwilen und Umgebung).

SAMARITERVERBAND ST. GALLEN UND FÜRSTENTUM LIECHTENSTEIN Die Ehrungen für langjährige Verdienste im Samariterwesen fand am Samstag, den 28. August, in Benken (SG) in der schön und feierlich geschmückten Rietsporthalle statt. Zentralpräsidentin des Schweizerischen Samariterbunds (SSB) Ingrid Oehen überreichte die verdienten Medaillen an Irmgard Sigg (SV Schaan) und Daniela Biedermann (SV Liechtensteiner Unterland). Ebenfalls geehrt wurden zwei Samariter, die aktiv bereits 50 Jahre Samariterarbeit leisten. Rosemarie Beck und Daniel Beck des SV Triesenberg durften den Dank der Verbandspräsidentin Ursula Forrer entgegennehmen.


LIZENZ ZUM LEHREN

Samariterinnen und Samariter von links nach rechts: Sandra Schallberger, Präsidentin, Barbara Gasser, Sereina Halter, Margrit Schallberger, Rolf Langenbacher von «Härz fir Obwaldä», Gabi Eberhart, Tobias Gasser, Anna Gasser, Irma Gasser, Rosmarie Hodel.

GROSSZÜGIGE SPENDE SV LUNGERN (OW) Der Samariterverein Lungern hat die Zusage für die Bestellung von Kursmaterial im Wert von 15 000 Franken erhalten. Die Spendenübergabe hat im Rahmen einer Monatsübung im Oktober 2021 stattgefunden. Die Samariter übergaben die gesponserten Einsatz- und Ausbildungsmaterialien dem Präsidenten des Vereins «Härz fir Obwaldä» Rolf Langenbacher. Er freue sich auf die weitere gute Zusammenarbeit mit dem Samariterverein Lungern. Wie bei den meisten Samaritervereinen wird es auch in Lungern immer schwieriger, Kaderpersonen zu rekrutieren. Es fehlt vor allem an Freiwilligen in der Aus- und Weiterbildung. Hier hilft der Verein «Härz fir Obwaldä» dem Samariterverein Lungern mittels Instruktoren mit medizinischem Berufshintergrund und diversen Kursmaterialien tatkräftig aus. Nur so können die gestellten Anforderungen des IVR (Interverband für Rettungsmedizin) eingehalten werden.

SAMARITERVERBAND GLARNERLAND Alle zwei Jahre treffen sich die Kursleiter 2 IVR und die Samariterlehrer und -lehrerinnen zum Wiederholungskurs und somit zur Auffrischung ihrer Lizenz zum Lehren. Die beiden Instruktoren Vreni Kubli und Armin Vetter verstanden es auch dieses Mal, einen kurzweiligen und lehrreichen Tag zu gestalten, damit alle Teilnehmer ihr Wissen um die Algorithmen ABCDE und SAMPLER stärken konnten. Auch der Umgang mit Vakuummatratze und Schaufeltrage sowie dem Spineboard wurde geübt. An verschiedenen Fallbeispielen konnten die genannten Algorithmen zur Patientenbeurteilung direkt angewendet werden.

Glarnerland – Patientenbeurteilung nach dem ABCDE.

EHRUNG VON LINA KURTH SV DÜRRENROTH (BE) Mit Lina Kurth hörte nach 38 Jahren eine engagierte Samariterlehrerin und Kursleiterin mit ihrer Arbeit im Samariterverein Dürrenroth an vorderster Front auf. Das Samariterwesen wurde Lina Kurth durch ihre Familie fast in die Wiege gelegt. So war es für sie klar, wie ihre Geschwister diesem Verein beizutreten. Im Jahre 1979 machte sie den Nothelferkurs bei Anni Dubler, und als 20-Jährige folgte gleich die Samariterlehrerausbildung. «Damals waren vier Tage Vorkurs in Triesenberg für mich eine Weltreise», erinnert sich Lina Kurth mit einem Lächeln. Wichtige Eckpunkte waren für die Powerfrau die

Feldübungen zusammen mit anderen Samaritervereinen. Perfekt wurden diese in den Jahren 1987, 1995, 2004, 2012 und 2019 organisiert. Bei der letzten waren sogar die Helpis dabei. Deren Gründung 2018 freute Lina Kurth sehr und war ein erster krönender Abschluss. Wichtig war ihr in all den Jahren, gute Werbung zu machen für die Samaritersache und speziell für den Samariterverein Dürrenroth. «Die Aus- und Weiterbildungen haben sich geändert, aber immer gleichgeblieben ist, dass Erste Hilfe leisten Mut, Zivilcourage, Wissen und Können heisst. Nur nichts machen ist falsch», hält Lina Kurth fest.

Lina Kurth – während 38 Jahren eine engagierte Samariterin.

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HINTERGRUND

Du hast es in der Hand Die jüngste Kampagne des Schweizerischen Samariterbundes mit Radio Energy zielt mit ihrer Botschaft darauf ab, Jugendliche für die Erste Hilfe zu sensibilisieren. Damit auch Jugendliche in Notfallsituationen richtig reagieren. TEXT: Paolo D’Avino / FOTOS: Radio Energy

«Jung, mutig und andersartig wollten wir mit dem Videoclip sein», sagt Beat Brunner, Social-MediaVerantwortlicher beim Schweizerischen Samariterbund (SSB), gilt doch im digitalen Zeitalter, sich in den Online-Medien zünftig Gehör zu verschaffen. Der Projektleiter weiss um die Wirkungskraft des Bewegtbildes. Vor allem bei Jugendlichen, die heute fast ausschliesslich online unterwegs und in den Sozialen Medien erreichbar sind. «Deshalb war es uns wichtig, die Sprache des Zielpublikums zu sprechen und im Dschungel der unzählig vielen Posts und Meldungen auf Facebook, Instagram und YouTube mit einem Clip auf das Tun des SSB aufmerksam zu machen.»

Starke Botschaft Provokativ und unkonventionell ist der Videoclip geworden. Es zeigt vier junge Erwachsene draussen in einer Bar. Die Stimmung nach Feierabend locker und entspannt. Doch plötzlich tritt das ein,

FACTS & FIGURES* 318 000 ERREICHTE PERSONEN 394 000 IMPRESSIONS 151 000 VIEWS 16 266 INTERAKTIONEN 14 525 LIKES 299 KOMMENTARE 192 SHARES 1250 SAVES * Auswertungen über den Zeitraum vom 29. September bis 13. Oktober 2021.

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was niemand vorausahnen kann. Eine Person fällt zu Boden. Bewusstlos. Was tun? Wen benachrichtigen? Erste Hilfe leisten – doch wie? Eine Situa­ tion, die Brunner kennt. «Man will helfen, weiss aber nicht genau, wie.» Dabei geht wertvolle Zeit verloren. «Mit Massnahmen der Ersten Hilfe kann jeder von uns Leben retten. Wir alle haben es in der Hand», sagt Brunner. Genau hier setzt die Botschaft des Clips an. Hätten die zwei Freundinnen richtig reagiert, wäre das Leben des Kollegen zu retten gewesen. Der Schluss, so viel sei verraten, zeigt die Freunde auf dem Friedhof bei der Beerdigung versammelt. «Wir wollten eine starke Botschaft vermitteln, und wir haben bewusst kein Happy End als Schluss gewählt», betont Beat Brunner.

Erwartungen übertroffen Die Zahlen (siehe Box) lassen sich sehen. Mit dem Radiosender waren 100000 vereinbarte Views als Ziel ausgemacht, 151000 schauten sich das Video an; «51 Prozent mehr», freut sich auch Flavia Nicolai, Leiterin Marketing, Kommunikation, Fundraising an der Geschäftsstelle des SSB. «Unsere Erwartungen sind weit übertroffen worden», betont sie. Der Erfolg einer Kampagne sei nicht immer unmittelbar messbar. In diesem Fall schon. Das sei der Vorteil von Social-MediaKampagnen. Die Reichweite lässt sich anhand der Kennzahlen beurteilen. «Wir wollten uns also auf das erste Abenteuer einlassen, wussten im Vorfeld nicht, wie der Clip bei jungen Erwachsenen ankommt.» Auf die Idee, einen Videoclip zu produzieren, kam man über Umwege. Die Dinge kommen einem manchmal zugeflogen, oder wie Beat Brunner es formuliert: «Ideen entwickeln sich eben.» Den Start gab eine Anfrage für ein Kurzinterview von Radio Energy. Man wollte in


Erste Hilfe kann Leben retten. Am besten lernt man die Massnahmen in den Bevölkerungskursen der Samaritervereine.

den Radiosendungen auf das Thema Erste Hilfe hinweisen. «Ich habe dann Auskunft gegeben», doch im Radiospot wurde weder der Name der Auskunftsperson noch auf den SSB hingewiesen. «Unbefriedigend, wie das über den Äther ging», erinnert sich Brunner.

Sichtbarer werden Dranbleiben hiess die Devise. Sowohl die Kommunikationsverantwortliche wie auch Beat Brunner wollten es nicht als Misserfolg abtun, und man schaltete kurz vor dem «Welttag der Ersten Hilfe» im September 2021 auf Radio Energy zwei

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«Wir möchten die im Verbund genutzte gemeinsame Marke Samariter und den Samariter­ gedanken bekannter und sicht­ barer machen.»

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Radiospots, die auf Bevölkerungs- und Kleinkinderkurse der Samariter aufmerksam machten. «Radio ist für uns ein geeignetes und gutes Medium, um auf den SSB und die Bevölkerungskurse aufmerksam zu machen.» Die Radiospots liefen über zwei Wochen auf den Sendern in Basel, Bern

Dann ist es zu spät: Die Jugendlichen bei der Beerdigung des Kollegen.

und Zürich. Die Kommunikation hat bekanntlich viele Schauplätze, doch «wenn wir als Organisation sichtbarer werden wollen, brauchen wir die Nähe zum Zielpublikum». Auch zu Jugendlichen. «Wir möchten die im Verbund genutzte gemeinsame Marke Samariter und den Samaritergedanken bekannter und sichtbarer machen.» Denn, so Nicolai, schaffe Nähe Verständnis, und dieses wiederum sei die Grundlage, damit das Zielpublikum wisse, um was es gehe. «Wir wollen mit all unseren Kommunikationsmassnahmen dieses Ziel erreichen», bringt Flavia Nicolai die Arbeit ihrer Marketing- und Kommunikationsabteilung auf den Punkt.

Samariterinnen vermitteln Wissen Der Erfolg des Videoclips belohnte den Mut. «Wir wollen beim SSB in der Kommunikation bewusst neue Wege gehen. Immer im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten natürlich», ergänzt Flavia Nicolai. Kommt es zur Fortsetzung? «Ja», bestätigen die Projektverantwortlichen. Die Finanzierung ist dank der Medienpartnerschaft des SRK mit Radio Energy Schweiz gesichert. Anfang 2022 wird der neue Clip veröffentlicht. Die Fortsetzung knüpft dort an, wo das erste Video aufhört. Auf dem Friedhof sprechen sich die Jugendlichen Trost zu. «Was hätten wir tun sollen? Was hätten wir anders machen sollen?» Die Botschaft ist klar. «Erste Hilfe kann Leben retten. Am besten lernst du die Handgriffe in den Bevölkerungskursen der schweizweiten Samaritervereine», sagt Beat Brunner. samariter 1/2022  25


CORONA

Samariter-Kuriere im freiwilligen Einsatz Trotz umfangreichen Gegenmassnahmen schafft es das Coronavirus, dass sich wieder mehr Menschen mit COVID-19 anstecken. In Altersund Pflegeheimen wird deshalb weiterhin intensiv getestet. Nur: Wie kommen die Proben in kurzer Zeit ins Labor? Dieses Problem lösen Samariterinnen und Samariter als Kuriere.

Kilometerentschädigung. Zurzeit werden 14 Heime und 22 Firmen regelmässig von Montag bis Freitag angefahren, um die Tests abzuholen und nach Tägerwilen zu bringen. «Von März bis Ende Oktober 2021 sind so 27 967 Kilometer gefahren worden», sagt Hansjörg Steffen vom Vorstand des Samariterverbandes Thurgau. Ein Ende ist nicht abzusehen.

TEXT: Hans Suter (Thurgauer Zeitung) FOTOS: zVg

Ein unverzichtbarer Service

Es war am Montagmorgen, 8. März 2021, als Susanne Henle erstmals beim Seniorenzentrum Sulgen zum Abholen von Coronatests vorfuhr, um sie ins Testlabor nach Tägerwilen zu transportieren. Mittlerweile sind gut achteinhalb Monate vergangen. Bis Ende Oktober hat sie 10 791 Kilometer zwischen verschiedenen Testorten und dem Testlabor zurückgelegt. Susanne Henle ist eine von derzeit fünf Samariterinnen und Samaritern (weitere sind willkommen), die sich freiwillig für diese Kurierdienste zur Verfügung stellen. Einen Lohn erhalten sie nicht, nur eine

«Für viele Heime ist es schlicht unmöglich, diese Transportfahrten mit eigenen Mitarbeitenden durchzuführen», wissen Claudia Fichtner, Geschäftsführerin von Curaviva Thurgau, und Hansjörg Steffen, Samariterverband Thurgau Marketing. Deshalb setzte sich Curaviva Thurgau als Verband der Alters- und Pflegeinstitutionen im Thurgau frühzeitig mit dem kantonalen Samariterverband zusammen. «Daraus entstand eine sehr erfolgreiche Zusammenarbeit», wie beide nach mehr als acht Monaten Praxiserfahrung fest­halten. Die Institutionen werden drei- bis fünfmal pro Woche angefahren. «Die Samariterinnen und Sama­

Im Seniorenzentrum Sulgen: Co-Pflegedienstleiter Matthias Beier übergibt der Samariterin Susanne Henle die Box mit den Tests fürs Labor. (Bild: Donato Caspari)

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riter bewirken damit einen Riesennutzen», sagt Claudia Fichtner. «Sie sind sehr zuverlässig und unglaublich schnell – das ist das Allerwichtigste.» Sie wisse zwar nicht in Zahlen, wie viele Positive dadurch entdeckt worden seien. «Aber ich weiss, wie wichtig es ist, dass die Samariterinnen und Samariter weiterhin für uns fahren.» Und das tun sie.

Koordinatorin an COVID-19 erkrankt Koordiniert werden die Fahrerinnen und Fahrer von Tanýa Bauer. Die Sekretariatsmitarbeiterin des Samariterverbands Thurgau stellt auch die Touren zusammen. «In welcher Reihenfolge die Heime angefahren werden, ist aber den Fahrern überlassen», sagt Tanýa Bauer. Und wiederholt, was schon Claudia Fichtner betonte: «Wichtig ist, dass innert nützlicher Frist sämtliche Tests im Labor in Tägerwilen ankommen.» Die Testergebnisse erhalten die Institutionen auf elektronischem Weg. Tanýa Bauer erfüllt die Aufgabe als Koordinatorin mit viel Herzblut. Und das mehr denn je. Nicht nur, weil sie laufend neue Anfragen erhält. Sondern auch, weil sie im Juni dieses Jahres selbst schwer an COVID-19 erkrankt ist und die Gefährlichkeit dieses Virus am eigenen Leib erfahren hat. Noch immer hat sie mit Beschwerden zu kämpfen. Doch wie kam es dazu? Zum eigenen Erstaunen wurde sie trotz allen Schutzmassnahmen angesteckt. Erfahren hat sie es erst durch einen Zufall. «Ich suchte wegen Rückenschmerzen den Hausarzt auf», sagt sie. «Ich hatte keinerlei typische Symptome. Als der Arzt routinemässig den Test gemacht hatte, kam der Schock: positiv!» Dass sie so schwer an COVID-19 erkranken würde, hätte sie nie geglaubt. «Ich habe die Kraft völlig verloren, konnte nicht mehr selbstständig aufstehen und habe während fünf Tagen nichts mehr gegessen und nur unter Zwang getrunken.» Während zweier Monate war sie vollständig krankgeschrieben, weitere zweieinhalb Monate zu 50 Prozent. Sie ist noch immer nicht zu 100 Prozent fit. «Bei zwei Treppen ist mir heute noch eine zu viel», sagt sie nachdenklich. «Es ist ein langer Weg zurück.»

Personal wird regelmässig getestet Dass es immer noch so viele Tests braucht, liegt vor allem an den Impfdurchbrüchen, sagt Claudia Fichtner. Von Januar bis März seien alle Bewohnerinnen und Bewohner geimpft worden, die das wünschten. Nun stehe die Auffrischungsimpfung an. Getestet

Claudia Fichtner, Geschäftsführerin Curaviva Thurgau.

Tanýa Bauer, Samariterverband Thurgau.

werden sie deshalb meist nur bei Ausbrüchen. Dies im Gegensatz zum Personal. Dieses muss sich je nach Arbeitseinsatz jede Woche einem oder mehreren Tests unterziehen – auch wenn es geimpft ist. Dies zum Schutz der Bewohnerinnen und Bewohner. Denn COVID-19 entsteht nicht in Alters- und Pflegeheimen, sondern wird von aus­sen nach innen getragen. Die «Schwachstellen» sind somit die Mitarbeitenden sowie die Besucherinnen und Besucher.

Impfen untersucht Wie aus einer Untersuchung des Impfarztes und Studienleiters Hans Groth hervorgeht, wurden in den 51 Thurgauer Alters- und Pflegeheimen in der Zeitspanne von März 2020 bis Mai 2021 gesamthaft 1107 COVID-19-Infektionen gemeldet. Insgesamt verstarben 237 der 639 COVID-19-positiven Bewohnerinnen und Bewohner (37,1 Prozent) und eine Mitarbeiterin. Diese Todesfälle konzentrieren sich auf 24 von 30 befragten Heimen. «Auffällig ist, dass die höhere Sterblichkeit im Rahmen der zweiten Welle fast ausschliesslich die Bewohnergruppe der über 80-Jährigen betraf.» Hier sei festzuhalten, dass es sich laut Aussagen der Heimleitungen dabei keineswegs um hochmorbide Personen handelte. Das bestätigt auch die Thurgauer Curaviva-Präsidentin Marlene Schadegg.

Überwiegende Mehrheit geimpft Zum Zeitpunkt der Studie waren 81,7 Prozent der befragten Bewohnerinnen und Bewohner zweimal geimpft; mittlerweile sind es circa 90 Prozent. Bei den Mitarbeitenden waren 52,9 Prozent geimpft; inzwischen sind es circa 70 bis 80 Prozent. Den Vorwurf, das Personal lasse sich nur widerwillig impfen, lässt Marlene Schadegg nicht gelten. «Warum darf das Personal nicht ein Abbild der Gesellschaft sein?», stellte sie unlängst bei der Studienpräsentation fragend in den Raum und fügte hinzu: «Fakt ist – die Impfung hat sehr viel genützt.» samariter 1/2022  27


Samariterinnen und Samariter arbeiten an der Impfnacht mit Fachpersonen Hand in Hand. So Karin Fischer.

Zu später Stunde im Einsatz Die Impfstation am Luzerner Kantonsspital (LUKS) ermöglicht mit seiner dritten Impfnacht am 6. Januar 2022 Menschen sich ausserhalb der gewohnten Bürozeiten impfen zu lassen. Und mittendrin leisten Samariterinnen und Samariter zu später Stunde wertvolle Arbeit.

gung, auch an den anderen zwei Ausgaben zeige, «dass wir damit ein Bedürfnis abdecken. Wir wollen möglichst vielen einen unkomplizierten Zugang zum Impfstoff ermöglichen.» Seit einem Jahr sei die Impfstation von Montag bis Samstag im Betrieb, mit der Late Night komme eine Sonderschicht dazu. Und mittendrin Samariterinnen und Samariter.

TEXT: Paolo D'Avino FOTOS: LUKS

Teil des Teams

Bevor sich Ingrid Oehen dem Team zuwendet, schweift der Blick der Leiterin und Mitinitiantin des Impfzentrums am Luzerner Kantonsspital (LUKS) kurz durch die leere Impfstation. Dann gilt ihre Aufmerksamkeit der zwanzigköpfigen Mannschaft, die an diesem Donnerstagabend für die dritte Impfnacht (Late Night) den Dienst aufgenommen hat. Ingrid Oehen richtet unter anderem aufmunternde und motivierende Worte an das Team. Eine intensive Arbeitsschicht, die für die Mitarbeitenden um 18 Uhr begonnen hat und nach Mitternacht enden wird, steht an.

Sonderschicht Impfnacht Die Impfstation in der Turnhalle im ehemaligen Gebäude der Pflegeschule ist gerüstet für den abendlichen Ansturm. Neben den angemeldeten 460 Personen, erwartet Ingrid Oehen zusätzlich noch mehr als 200 Personen, die den Weg über das Walk-in ins Impfzentrum finden. Die rege Beteili28  samariter 1/2022

Eine davon ist Karin Fischer vom SV Zell. Sie ist dem Bereich Administration zugeteilt und für das Einchecken der Impfwilligen des Walk-In zuständig. Wie in der Flugabfertigung, scherzt Fischer und betont, dass es «in der Regel Menschen sind, die sich mit einer Online-Anmeldung schwertun oder nur schwer Zeit finden, an Werktagen zu erscheinen.» Auch viele Mitarbeitenden des LUKS nehmen das Abendangebot in Anspruch. Karin Fischer informiert freundlich und routiniert über den Ablauf. Stimmen die Personaldaten mit denen der Registrierung am Help-Point beim Hauptgebäude des Spitals überein, weist sie die Impfwilligen in die Kabine ein, wo sie unter anderem von Sarah Doswald (SV Cham) oder Roger Kronenberg (SV Rickenbach) geimpft werden. «Beide sind für den Piks am Oberarm speziell geschult worden», sagt Ingrid Oehen und präzisiert, dass sie nur die Samariterinnen und Samariter im Impfteam einsetzen kann, die im Besitze der Ersthelfer-Stufe IVR 2 und BLS-AED-SRC sind. «Im Notfall müssen die Samariterinnen und Samariter intervenieren können».


CORONA

Heterogene Mischung Diese fachlichen Vorkenntnisse braucht es für die Tätigkeiten in der Wartezone nicht zwangsläufig. Dort zugeteilt sind Lydia Flaviano (SV Emmen) und Urs Bischof (SV Adligenswil Udligenswil). Flaviano schaut vor dem Eingang in die Turnhalle, dass kein Gedränge entsteht und weist die Personen zu den freien Anmeldeschalter. Bischof hingegen nimmt sich den Menschen an, die sich nach dem Piks in der Ruhezone aufhalten. Als Präsidentin des Zentralvorstandes ist Ingrid Oehen froh Für den Piks sind die Samariterinnen geschult worden. und stolz, dass rund die Hälfte der 80-köpfigen Belegschaft, die am Impfzentrum tätig sind, aus Samariterinnen und Samariter besteht. Ohne Fach- Kabine, dem Aufziehen der Impfstoffe und bis zur personal könne sie die Impfstation jedoch nicht Betreuung in der Wartezone sind Samariterinnen aufrechterhalten. Es seien viele pensionierte Pfleg- und Samariter seit etwas mehr als einem Jahr im fachpersonen, die man für die Impfstation rekru- unermüdlichen Einsatz.» Dazu kämen noch die wetiert habe. Zudem darf Ingrid Oehen auf Spitalper- niger offensichtlichen Tätigkeiten im Hintergrund. sonal zurückgreifen. So zum Beispiel auf die «Wir betreuen mit unserem Team auch die kantonaPflegefachfrau Zamire Mazreku, die nicht nur die le Hotline und das Patientenportal ‘Mein Luks’, auf Notfallstation betreut, sondern dort aushilft, wo es dem sich Impfwillige anmelden oder den Impfstoff fachlichen Rat braucht. Oder auf Marco Rossi, wählen können», erklärt Ingrid Oehen. Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene am LUKS, der an der Late Night beim Impfen Hand anlegt. Er lobt das Team über den grünen Klee. Eingespieltes Team «Sie machen hier alle einen unglaublich guten Job.» «Die Late Night sehen wir als zusätzlichen Beitrag Und wenn er nicht impft, steht er dem Team als zur Erhöhung der Impfrate», betont Ingrid Oehen. Fachperson jederzeit für Auskünfte zur Verfügung. Es sei ein kreativer Ansatz, vor allem jetzt wieder mit Omikron. «Die mutierte Variante treibt das Infektionsgeschehen rasant an.» Am LUKS werde Samariter leisten Erste Hilfe weiterhin von Montag bis Samstag geimpft, und Samariterinnen und Samariter arbeiten mit Fach- ob es eine weitere Impfnacht brauche, hänge von personen Hand in Hand. Sie seien genau am richti- der Entwicklung der Pandemie ab. Ausschliessen gen Ort und würden «im wahrsten Sinne des Wortes möchte es die Leiterin nicht. Kurz vor 24 Uhr leert Erste Hilfe leisten.» In der Regel dauere der Impf- sich die Impfstation, und weit nach Mitternacht prozess rund 20 Minuten, sagt Oehen und die Sa- ist dann auch für das Team Feierabend. «Ohne ein mariterinnen und Samariter werden nach Ihren Fä- eingespieltes und gut funktionierendes Team wäre higkeiten eingesetzt. «Vier zentrale Aufgaben halten eine solche Mammutaufgabe nicht zu bewältigen», das Impfzentrum am Laufen.» Was sich so einfach sagt Ingrid Oehen vor dem Nachhausegehen. Ihr anhört, ist im Detail ein komplexes Zusammenspiel. Blick schweift ein letztes Mal durch den leeren «Von der Triage am Empfang, beim Impfen in der Saal. Ihre müden Augen strahlen.

Überbrückungshilfe

UNTERSTÜTZUNG FÜR VEREINE UND VERBÄNDE Die Pandemie hat 2021 auch den Samaritervereinen und Kantonalverbänden finanziell zugesetzt. Weniger Kursdurchführungen und geleistete Sanitätsdienste führten zu Ein­nahmeausfällen. Für Vereine und Verbände, die deswegen in finanzielle Schieflage geraten sind, hat das Schweizerische Rote Kreuz – wie bereits 2020 – finan-

zielle Überbrückungshilfe gewährt. Nach den vom Rotkreuzrat definierten Kriterien konnten Gesuche in der Höhe von insgesamt 86 000 Franken bewilligt werden. Diese grosszügigen Zahlungen waren ins­besondere dank den langjährigen Partnerschaften des SRK mit der Wirtschaft möglich. samariter 1/2022  29


PARTNERSEITE

Eine nationale Koordinationsstelle für den Sanitätsdienst Der Koordinierte Sanitätsdienst (KSD) ist zwar Teil des Armeestabs, doch seine Tätigkeit beschränkt sich nicht auf militärische Bereiche. Er koordiniert die personellen, materiellen und einrichtungsmässigen Mittel sowohl der militärischen als auch der zivilen Stellen für die sanitätsdienstliche Versorgung. Die Coronapandemie hat deutlich gemacht, wie wichtig gerade im Krisenfall der Austausch und die Koordination über Kantons- und Organisationsgrenzen hinweg sind. Der Koordinierte Sanitätsdienst (KSD) nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein. Sein Auftrag: die bestmögliche Versorgung der Patientinnen und Patienten gewährleisten – und das in allen Lagen. Dies ist in der seit fast zwei Jahren dauernden Pandemie eine grosse Herausforderung, wie KSD-Geschäftsführer Stefan Trachsel erzählt: «Der KSD hat seine Aufgaben immer wieder geprobt, um für den Ernstfall vorbereitet zu sein. Zum ersten Mal jedoch sah sich das Team mit einem realen grösseren Ernstfall konfrontiert. Uns war bewusst, Menschen leiden und sterben, wenn wir die falschen Entscheidungen treffen. In solchen Ausnahmesituationen sind sowohl die gute Vorbereitung als auch die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit den militärischen und zivilen Partnern entscheidend.»

Breites Wirkungsfeld Der KSD ist nicht nur im Krisenfall eine wichtige Organisation. Seine Tätigkeiten lassen sich in vier Felder unterteilen: • Konzept- und Projektarbeit Der KSD entwickelt Konzepte und koordiniert Projekte. Dazu gehört eine digitale Plattform, um sanitätsdienstliche Übungen effizient zu planen und umzusetzen. Oder er überprüft Katastrophenpläne von Spitälern und entwickelt sie weiter.

Ein typischer Pandemieeinsatz: Samariter helfen beim Corona-Drive-in-Testzentrum in Bern. (Foto: Remo Nägeli)

30  samariter 1/2022

• Dienstleistungen Zum Dienstleistungsangebot gehört unter anderem das Informations- und Einsatz-System (IES). Es unterstützt Führungs- und Einsatzorganisationen zum Beispiel mit der Übersicht über die Kapazitäten von Spitälern oder ermöglicht eine elektronische Lagedarstellung. • Bildung Der KSD bildet Fachpersonen verschiedener Organisationen zu spezifischen Themen aus. Das Angebot reicht von Fachkursen über Veranstaltungen bis zu E-Learnings. • Vernetzung Das Netzwerk im Sanitätsbereich zu stärken, ist ein weiteres Anliegen des KSD. Dafür nutzt er kantonale Strukturen.

Verbunden mit dem SRK und den Rettungsorganisationen Bereits vor der Pandemie stand der KSD mit dem Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) und seinen Rettungsorganisationen in regelmässigem Kontakt. Die Krise hat die Organisationen noch näher zusammengebracht: Das auf eine normale Lage ausgerichtete Schweizer Gesundheitssystem kam an seine Leistungsgrenze. Angehörige der Armee, Zivilschutz- und Zivildienstleistende und Samariterinnen haben tatkräftig zur Pandemiebewältigung beigetragen und tun dies heute noch. «Mit ihrer Ausbildung bilden die Samariterinnen und Samariter eine wichtige Reserve mit einem breiten Spektrum an Einsatzmöglichkeiten: Grundpflege in Spitälern sowie in Alters- und Pflegeheimen oder als Unterstützung in Impfzentren», erklärt Stefan Trachsel. Die Zusammenarbeit von KSD und SSB wird 2022 intensiviert im Teilprojekt «Samariterunterstützung Pflegenotstand» der neuen Samariterstrategie. Das Ziel ist es, zu klären, wie und mit welchen Leistungen Samariterinnen und Samariter künftig mithelfen könnten, den Pflegenotstand in der Schweiz zu entschärfen. Hauptsächlich werden Formen von Betreuungsaufgaben, Grundpflegeleistungen oder Unterstützungen im Haushalt thematisiert. (SSB)


BILDUNG

Gütesiegel SRC Am 23. Oktober 2021 hat der Schweizerische Samariterbund die Neuanerkennung des Swiss Resuscitation Council (SRC) erhalten. Was besagt das SRC-Gütesiegel? Das SRC-Gütesiegel bestätigt, dass die Unterlagen und Instruktorenqualifikationen eines Kursanbieters durch den SRC geprüft worden sind und den Kursrichtlinien entsprechen. Erlangt der SRC Kenntnis über relevante Nichteinhaltung der vorliegenden Kursrichtlinien, wird der Anbieter vom SRC zur Stellungnahme aufgefordert und bei Bedarf zu Regelkonformität ermahnt. Der SRC hat das Recht, den Regelabweichungen beispielsweise durch «Sitevisits» nachzugehen. Im belegten Wiederholungsfall entscheidet der SRC über seine BLS-Faculty über das weitere Vorgehen und einen allfälligen Entzug des Gütesiegels. Organisationen, denen das Gütesiegel entzogen wurde, werden auf der Homepage des SRC ausgewiesen.

Was für Kursformate unterscheidet der SRC? Der SRC unterscheidet seit Inkrafttreten der Guidelines 2010 folgende Kursformate: 1. BLS-AED-SRC-Quick: Ohne Teilnehmerzertifikat 2. BLS-AED-SRC-Kompakt: Grundlegendes Fertigkeitentraining = Basic Provider 3. BLS-AED-SRC-Komplett: Fertigkeitenver­tiefung und Anwendung in unterschiedlichen Situationen = Generic Provider 4. BLS-AED-SRC-Instruktor: Ausbildungs­tätigkeit = Generic Instructor

In welchen Lehrgängen sind Anpassungen vorgenommen worden? 1. BLS-AED-SRC-Kompakt: Teilnehmerzahl: 1 Kursleiter für 8 TN Mindestalter: 12 Jahre

Material: 1 Puppe + 1 AED pro 2–3 TN, 1 Beatmungshilfe pro TN Hinweis: Puppe mit Feedback zu den Krite­r ien HPCPR Inhalte: Prozessplan neu mit Bewusstlosenlagerung, Power-Point-Folien mit Lehraussagen ergänzt. 2. BLS-AED-SRC-Komplett: Teilnehmerzahl: 1 Kursleiter für 8 TN Mindestalter: 12 Jahre Material: 1 Puppe + 1 AED pro 2–3 TN, 1 Junior/Säugling pro 8 TN, 1 Beatmungshilfe pro TN Hinweis: Puppe mit Feedback zu den Kriterien HPCPR Inhalte: Prozessplan auf 3 Std. angepasst, Thema Schnappatmung entfernt. PowerPoint-Folien mit Lehraussagen ergänzt. Fallbeispiel «Reanimation durch Passanten» entfernt. 3. BLS-AED-SRC-Instruktor: Mindestalter: 18 Jahre 4. BLS-AED-SRC-Komplett Refresher: Gibt es nicht mehr!

Lehrmittelplattform Die Unterlagen im Lehrmittel in allen Sprachen angepasst. Die neuen Plakaturen sind bereits im Extranet unter Bildung/Kurswesen/Kursplakate hinterlegt. samariter 1/2022  31


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INFORMATIONEN AUS DEM WARENSHOP

MEHR SICHERHEIT BEIM SANITÄTSDIENST Im Notfall – oder auch bei kleinen Verletzungen – Erste Hilfe zu leisten, steht bei einem Sanitätsdienst im Zentrum. Nicht zu vernachlässigen ist aber die Sicherheit der Sanitätsdienstleistenden selbst. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet die richtige Einsatzkleidung. Das Reglement zum Sanitätsdienst ist umfangreich und behandelt Aspekte von der Organisation über die Infrastruktur bis hin zur Entschädigung. Es macht aber auch explizite Vorgaben für die Einsatzkleidung: Empfohlen sind die Sicherheitskleider des Samaritershops. Die Kleider entsprechen den gesetzlichen Vorgaben von EN ISO 20471. Zudem sollten zum Schutz vor Verletzungen durch Umknicken, Ausrutschen oder Vertreten Schuhe mit folgenden Eigenschaften getragen werden: Sie sollten mindestens über den Knöchel reichen, robust und geschlossen sein. Als Anhaltspunkt hilft zum Beispiel das Gütezeichen der Beratungsstelle für Unfallverhütung «slip stop».

Sichtbarkeit bringt Sicherheit Damit sicher Erste Hilfe geleistet werden kann, ist unter anderem eine gute Sichtbarkeit der Einsatzkleidung wichtig. Die genannte Warnschutznorm EN ISO 20471 definiert die entsprechenden An-

forderungen. Sie bezieht sich ausschliesslich auf Kleidung für Situationen, in denen das Risiko, übersehen zu werden, hoch ist. Das mag für den Einsatz von Samariterinnen und Samaritern übertrieben anmuten. Ist es sicher auch, wenn man dabei an einen Sanitätsdienst bei einem lokalen Hallenfussballturnier denkt. Doch die Einschätzung ändert sich rasch, wenn Samariterinnen und Samariter bei einem Fahrradrennen im Einsatz stehen oder sie am Dorffest zu einem Notfall an der nahen Hauptstrasse gerufen werden. Ob Warnkleidung nach EN ISO 20471 zertifiziert ist, lässt sich leicht erkennen. Sie ist mit einem Piktogramm gekennzeichnet, das eine Warnweste mit waagrechten und senkrechten Streifen darstellt.

Angemessen gekleidet und wiedererkannt Sichtbarkeit ist das eine. Angemessene Bekleidung in der richtigen Qualität ist aber ebenso entscheidend für die Sicherheit. Man muss sich wohlfühlen darin und auch mal zehn Minuten auf hartem Untergrund bei einer Patientin oder einem Patienten knien können, ohne dass die Hose halb durchgescheuert wird. Und mit den richtigen Schuhen hat man in jeder Situation die nötig Trittsicherheit – zum Beispiel, wenn man eine Person auf der Bahre durchs Gelände zum Sanitätsposten tragen muss. Nebst den verschiedenen Facetten der Sicherheit sind bei der Einsatzkleidung weitere Aspekte zu beachten: Da ist einerseits die Einheitlichkeit, die es Hilfesuchenden einfach macht, zu erkennen, wer zu den Ersthelfenden gehört. Andererseits wird mit der richtigen Kleidung auch die Marke Samariter gestärkt. Die Männer und Frauen in der blau-gelben Kleidung mit dem S-Plus-Logo sollen auf den ersten Blick als die kompetenten Ersthelfenden gesehen werden, die sie sind.

Zum Sanitätsdienst gehört auch die richtige Bekleidung.

34  samariter 1/2022

Eine kleine Auswahl des Kleidungsangebots von samariter.shop zeigen die Inserate auf der rechten Seite. Das gesamte Sortiment finden Sie im Onlineshop. In den Räumlichkeiten von samariter. shop in Gerlafingen gibt es auch einen Showroom, wo unter anderem alle Kleider und Schuhe anprobiert werden können.


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AUSSTELLUNG

Erste Hilfe: aktueller denn je Anlässlich des 125-Jahre-Jubiläums des Samaritervereins Baden findet im Historischen Museum Baden eine Ausstellung zu Ursprung und Geschichte des Samaritergedankens statt. Sie dauert vom 28. Januar bis 7. August 2022. TEXT: Paolo D’Avino «Helfen, ohne zu fragen wem!», schrieb Henry «An verschiedenen StaDunant (1828–1910) in seinen Erinnerungen zur tionen haben sie die Schlacht von Solferino angesichts des grossen Möglichkeit, ihren ZuLeids, dem er dort begegnet war. Im Sinne des gang zum Thema zu Zitats gehandelt hat auch der Mann aus Samaria, reflektieren und zu verder barmherzige Samariter in der Bibel, der dem tiefen», meint die DiÜberfallenen in der Wüste selbstlos das Leben rektorin. So könne jede rettete. Nächstenliebe und Barmherzigkeit – die- und jeder mit einem se Werte liegen der Samaritergeschichte und Du- Blick in die Vergangennants Zitat zugrunde. Sie bilden die Basis für die heit eigene ErkenntnisRotkreuzbewegung, zu der auch die Schweizer se gewinnen. Samaritervereine gehören.

Dem Samaritergedanken auf der Spur.

Menschlichkeit und Nächstenliebe

Hohes Ansehen

Das Historische Museum Baden nimmt das 125-jährige Bestehen des Samaritervereins Baden zum Anlass, um dem gesellschaftlichen Wert des Samaritergedankens im Kontext der nationalen und internationalen Rotkreuzbewegung nachzuspüren. «Die Ausstellung erinnert an eine etwas in Vergessenheit geratene Geschichte der Menschlichkeit, Barmherzigkeit oder Nächstenliebe und fragt nach der Zukunft des Samaritergedankens», sagt Carol Nater Cartier, Direktorin des Historischen Museums Baden. Gerade in Zeiten der Pandemie ist der Begriff «Solidarität» so aktuell wie selten zuvor. Die Besuchenden dürfen sich freuen.

In früherer Zeit spielte in Europa die kirchlich ausgeprägte Hilfe eine wichtige Rolle, wobei das Engagement der Frauen von Beginn weg zentral war. Doch Kriegserfahrungen, die fortschreitende Industrialisierung und die Entwicklung der modernen Medizin führten zu einer zunehmenden Verweltlichung der Pflege und Hilfe. Nicht konfessionelle Freiwilligenvereine, die sich «Samariterverein» nannten, bildeten sich, um Menschen in Not uneigennützig Erste Hilfe leisten zu können. Die Gründung des Badener Samaritervereins im Jahr 1897 fiel in eine Zeit, in der es noch wenig Ärztinnen und Ärzte gab. «Die Samariterinnen und

Feldübung im Teufelskeller 1943. (Archiv SV Baden)

36  samariter 1/2022

Spanische Grippe 1918/19, Pflege Grippekranker. (Foto: zVg)


Samariter waren als Einzige gut ausgebildet, um in Fabriken, auf Baustellen oder bei Sportanlässen Erste Hilfe zu leisten.» Sie genossen hohes Ansehen und breite Unterstützung in der Bevölkerung, bei Vereinen und Apotheken.

Im Wandel der Zeit Im Laufe der Zeit sind neue Akteure hinzugekommen. Das Rettungswesen professionalisierte und spezialisierte sich, staatliche und private medizinische Dienstleistungen wurden ausgebaut. Seit den 1980er-Jahren ist der Schweizerische Samariterbund Korporativmitglied des Roten Kreuzes. Die Mission der selbstlosen Hilfe bleibt. Bis heute. Die Samariterinnen und Samariter arbeiten alle nach den Rotkreuzgrundsätzen und retten unabhängig vom Ansehen der Person, von der Nationalität, der Herkunft, dem Glauben oder der politischen Überzeugung Leben. Nur die medizinische Notlage der Patientinnen und Patienten ist ausschlaggebend für die Hilfe. Das freiwillige Engagement für die Gesellschaft hat in der Schweiz Tradition. Der Samariterverein und seine Geschichte sind ein

•

«Die Ausstellung erinnert an eine etwas in Vergessenheit geratene Geschichte der Mensch­ lichkeit [...] und fragt nach der Zukunft des Samariter­ gedankens.»

•

Beispiel von vielen bewährten Schweizer Hilfsorganisationen, die nach dem Milizprinzip funktionieren. «Wer sich heute freiwillig engagiert, ist nicht zwingend mehr Mitglied in einem Verein. Es entstehen neue Formen der gelebten Solidarität, wie uns nicht zuletzt die Coronapandemie zeigt», meint Carol Nater Cartier. Das Milizsystem ist im Umbruch, doch der Samaritergedanke hat nicht ausgedient. Er ist zeitlos und universell.

Quelle Ausstellungsdossier, Historisches Museum Baden, 2021 DEM SAMARITERGEDANKEN AUF DER SPUR 28. Januar bis 7. August 2022 Informationen: www.museum.baden.ch

NACHGEFRAGT: SUSANNE FREI, PRÄSIDENTIN SAMARITERVEREIN BADEN 125 Jahre Samariterverein Baden. Stolz auf das Erreichte? Ja klar, vor allem wenn man schaut, was alles in den letzten 125 Jahren in der Weltgeschichte, der Stadt Baden und dem Samariterverein im Kleinen passiert ist und wo wir überall präsent waren und den Mitmenschen helfen konnten. Badenfahrten und andere grosse Postendienste, Flüchtlingsbetreuung, Sanitätsposten in den Aussenquartieren sowie Mithilfe bei der Bewältigung von Pandemien sind nur einige genannte Punkte. Besonders stolz sind wir auf die Ausbildung von Zehntausenden von Menschen aus dem Bezirk Baden in Nothilfe und Erster Hilfe.

Wo steht der SV Baden heute? Wie viele andere Vereine kämpfen auch wir mit Mitgliedermangel, wobei wir in den letzten Monaten einige Gast- sowie Neumitglieder gewinnen konnten. Bis vor ein paar Monaten haben wir uns mit der Frage beschäftigt: Wird der SV Baden überleben, oder gibt es diesen in ein paar Jahren nicht mehr? Zusammen mit den Mitgliedern hat der Vorstand neue Wege beschritten und Veränderungen vorgenommen, damit wir auch in Zukunft ein stabiler Verein sein werden und unsere Dienste weiterhin anbieten können. Das 125-Jahr-Jubiläum sowie die Möglichkeit der Sonderausstellung haben uns die nötige Motivationsspritze verpasst, und wir freuen uns sehr auf unser Jubiläumsjahr und die anstehende Badenfahrt 2023.

Der Besuch der Ausstellung ist wohl für alle Samariterinnen und Samariter ein Muss. Wieso empfehlen Sie den Besuch? Es geht um den Samaritergedanken – jenen helfen, die es brauchen. Dies wird an der multimedialen Ausstellung mit viel Liebe zum Detail und verschiedenen spannenden Informationen aufgegriffen und der Bevölkerung zugänglich gemacht. Die Geschichte des barmherzigen Samariters und der Gedanke von Henry Dunant werden präsentiert, und viele verschiedene Stimmen wie die des IKRK, SRK und SSB werden zu Wort kommen. samariter 1/2022  37


AKTUELL

Grosses Wiedersehen

Zentralpräsidentin Ingrid Oehen blickte auf ein gutes Jahr zurück.

Am Tag der Ehemaligen trafen sich rund 50 Samariterinnen und Samariter.

Der Schweizerische Samariterbund lud Anfang Dezember 2021 zum grossen Treffen der Ehemaligen ein. Rund 50 Samariterinnen und Samariter tauschten Informationen und Erinnerungen aus. TEXT und FOTOS: Paolo D’Avino Es war einer der Höhepunkte der Ehemaligenfeier des Schweizerischen Samariterbundes (SSB): die Rede von Zentralpräsidentin Ingrid Oehen. Sie blickte nicht nur auf ein gutes Jahr zurück, sondern freute sich, die Anwesenden wieder einmal persönlich zu begrüssen. «Endlich», sagte sie, denn in den zwei Jahren seit dem letzten Treffen sei viel passiert. «Und viel Positives», wie sie ergänzte. «Das Schiff SSB bewegt sich in ruhigeren und stabileren Gewässern.» Der Grundstein für die nachhaltige Weiterentwicklung des Samariterwesens sei an der Abgeordnetenversammlung 2020 gelegt worden. «Damals wurde eine Richtungsänderung eingeleitet, die uns auf allen Ebenen sehr herausfordert», sagte die Präsidentin. Sie sei sehr stolz darauf, dass man innerhalb des Samariterbundes eine Sprache gefunden habe. Nur zusammen liesse sich die Zukunft gestalten. «Es ist uns gelungen, die Kantonalverbände und die Vereine in die Strategiearbeit einzubinden.»

Fortschritte im Strategieprozess Wo man im Umsetzungsprozess steht, haben die Ehemaligen aus erster Hand erfahren. Direktor 38  samariter 1/2022

Benjamin Kuoni gab Einblicke in das Bildungs­konzept 2023.

Peter Lack war dem Treffen online zugeschaltet und zeigte in seinen Ausführungen auf, wo man in der Umsetzung der Strategie steht. «Wir bewegen uns im Spannungsfeld zwischen bezahlten Tätigkeiten und einer nicht kommerziellen Welt, die der Freiwilligenarbeit und der Verbundentwicklung, die wir bis 2024 unter dem Dach des SSB zu vereinen versuchen», betonte Peter Lack, um sich zum Schluss dafür zu bedanken, dass alle am gleichen Strang ziehen würden. In der Freiwilligenarbeit wie auch auf der Geschäftsstelle. Einblicke in das Konzept Bildung 2023 gab Benjamin Kuoni. In seinen Ausführungen schilderte der Leiter Bildungs- und Freiwilligenmanagement auf eindrückliche Weise, wie er künftig die Bildungslandschaft in ein zukunftsfähiges und schlagkräftiges Gesamtsystem einbetten will. Er zeigt sich überzeugt, im Kursbereich und Sanitätsdienst qualitativ hochwertige Dienstleistungen zu marktkonformen Preisen erbringen zu können. «Das gelingt uns nur, wenn wir konsequent marktwirtschaftlich denken und handeln.» Nur so könne der gemeinnützige Samaritergedanken vorangetrieben und die Freiwilligentätigkeit finanziert werden. Neben den Ausführungen und Reden blieb den Gästen im Restaurant Aarhof in Olten genügend Zeit, sich beim Apéro und Mittagessen auszutauschen. Denn, was wäre ein Ehemaligentreffen, wenn man nicht auch aus der guten, alten Zeit erzählen könnte. Beim Rundgang an den verschiedenen Tischen war hie und da der Ausdruck zu hören: «Weisch no?»


SERVICE

DIE NÄCHSTEN AUSGABEN

Kontakt Redaktion «samariter» Postfach, 4601 Olten redaktion@samariter.ch Ihre Leserbriefe senden Sie am besten per E-Mail oder Post an die Adresse der Redaktion. Der nächste «samariter» erscheint am 11. Mai 2022. Redaktionsschluss ist der 8. April 2022.

Ausgabe-Nr.

Redaktions­ schluss

Erscheinungs­ datum

02/2022

08.04.2022

11.05.2022

03/2022

08.07.2022

10.08.2022

04/2022

07.10.2022

09.11.2022

WIR SIND GANZ OHR!

Sie haben eine originelle Idee für eine Übung oder wie man die Dinge auch noch machen kann? Teilen Sie diese mit uns. Sie planen die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, Institutionen oder Interessengemeinschaften? Wir sind ganz Ohr! Wir berichten gerne von Ereignissen aus der Samariterwelt oder begleiten Sie etwa in der Medienbetreuung. Einzige Bedingung: Wir müssen davon wissen. Bitte schreiben Sie uns, und helfen Sie mit, die Ereignisse in der Samariterwelt mit allen zu teilen.

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