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SAMARITER Das Verbandsmagazin des Schweizerischen Samariterbunds

Startklar für die Neuausrichtung 12 EIN JAHR CORONA

COVID-19 prägte das Samariterjahr auf allen Ebenen

14 ONLINE-ÜBUNGEN

Wissen und Kontakte pflegen trotz Einschränkungen

26 STUMMER INFARKT

Längst nicht jeder Herzinfarkt ist als solcher erkennbar


Erste Hilfe hat viele Gesichter

Danke fĂźr Ihre Spende und UnterstĂźtzung.


EDITORIAL

Schritt für Schritt in die Zukunft Liebe Samariterinnen, liebe Samariter Halten wir uns zu Beginn des neuen Jahres noch mal vor Augen, was wir in den letzten Monaten alles gemeinsam erreicht haben. Wir haben bewiesen, dass Samariterinnen und Samariter bereit sind, andere in einer schwierigen Lage zu unterstützen. Wir haben ein attraktives und flexibles Bildungsmodell erarbeitet, neue Wege der Mittelbeschaffung erschlossen und die finanzielle Situation stabilisiert. Wir pflegen heute einen regelmässigen Austausch mit den Rotkreuz-Rettungsorganisationen und kommunizieren offener und transparenter denn je. All das haben wir gemeinsam erreicht – trotz Corona und oft engem Zeitplan.

Manch einer Samariterin, manch einem Samariter mögen die Veränderungen zu langsam gehen. Aber wir tun gut daran, nichts zu überstürzen, sondern fokussiert Schritt für Schritt voranzuschreiten. Auf diese Weise haben wir bereits eine beachtliche Strecke zurückgelegt und manches Etappenziel erreicht. Um die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen zu meistern, sind wir weiterhin gefordert, die notwendigen Schritte gemeinsam zu gehen. Oft ist eine solche Entwicklung auch mit Ängsten und Loslassen verbunden. Lasst uns die Veränderungen mutig zusammen anpacken! Ich bin überzeugt, dass wir auf gutem Weg sind, und freue mich, diesen Weg mit euch zu gehen.

Zweifelsohne die bedeutendste Wegstrecke war die Entwicklung der neuen Strategie «Samariter der Zukunft». Nach der Genehmigung an der (schriftlich durchgeführten) Abgeordnetenversammlung sind wir bereit für die Umsetzung. Wir gestalten unsere Strukturen gemeinsam nach innen und aussen. Unsere Strategie wird uns in die Zukunft führen und dabei den Samaritergedanken bewahren. Ab Anfang 2022 werden wir schliesslich den Namen «Samariter Schweiz» als Dachmarke in der ganzen Schweiz führen.

Ich sage euch von Herzen Danke. Auf allen Ebenen wird grossartige Arbeit geleistet, um den Samariterinnen und Samaritern eine Zukunft zu geben. Ich bin stolz, in dieser besonderen Lage eure Präsidentin zu sein. Es erfüllt mich mit gros­sem Respekt, mitzuerleben, wie sich alle engagieren und dabei teilweise über sich hinauswachsen. Ihr seid der Beweis dafür, dass Samaritersache immer auch Herzenssache ist. INGRID OEHEN Präsidentin Schweizerischer Samariterbund samariter 1/2021  3


6 GEMEINSAM IN DIE ZUKUNFT Der Weg für die Neuausrichtung des Verbunds ist frei. Nach der Genehmigung der Strategie «Samariter der Zukunft» geht es nahtlos weiter mit der Umsetzung 10 DAS SAMARITERWESEN STEHT IM ZENTRUM Direktor Peter Lack beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die Umsetzung der neuen Verbundstrategie

INHALT 12 EIN JAHR CORONA Wie die Pandemie das vergangene Samariterjahr geprägt hat

18 ALLES AUF EINEN BLICK Das Bildungsangebot des SSB übersichtlich in einer Broschüre

14 VEREINSÜBUNGEN ONLINE So halten sich Vereine trotz Übungspause auf dem Laufenden

19 RETTEN IST KLASSE Start des neuen Schulprogramms von Rega und Samariterbund

17 TEXAID COVID-19 wirkt sich auch auf die Partnerorganisation aus

20 VERABSCHIEDUNG Zwei Persönlichkeiten – und ihr Engagement für das Samariterwesen

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22 SIE SIND DRAN Schwedenrätsel und Sudoku 23 AUS DEM WARENSHOP Aktuelle Angebote zum attraktiven Samariterpreis 24 ZEICHEN DER ANERKENNUNG Die Albert Koechlin Stiftung zeichnet vier SamariterKantonalverbände aus


IMPRESSUM «samariter» 1/2021 Erscheinungsdatum: 10. Februar Herausgeber Schweizerischer Samariterbund SSB Martin-Disteli-Strasse 27 Postfach, 4601 Olten Telefon 062 286 02 00 Telefax 062 286 02 02 redaktion@samariter.ch www.samariter.ch Abonnemente, Adressänderungen schriftlich an obige Adresse Abonnementspreis Einzelabonnement für Aussen­stehende: Fr. 33.– pro Jahr 4 Ausgaben pro Jahr Auflage: 22 600 Exemplare Redaktion Christoph Zehnder (cze) Matthias Zobrist (mzo) Westschweiz: Chantal Lienert (cli) Südschweiz: Mara Zanetti Maestrani (m.z.) Sekretariat: Monika Nembrini Telefon 062 286 02 00 Telefax 062 286 02 02 redaktion@samariter.ch Postadresse: Redaktion «samariter» Postfach, 4601 Olten

25 EIN LEBEN FÜR DEN VEREIN Vereinspräsidentin für mehr als ein halbes Jahrhundert

33 EINE FRAGE DES VERTRAUENS Das Zewo-Gütesiegel garantiert sorgsamen Umgang mit Spenden

26 UNTERSCHÄTZTE GEFAHR Stumme Herzinfarkte sind häufig und nur schwer zu erkennen

32 GEGEN WUNDINFEKTIONEN Schweizer Forscher entwickeln einen antibakteriellen Verband

30 SRK-FAMILIE Ein Manifest für mehr Anerkennung für Freiwilligenarbeit

35 SERVICE Kontakte und Termine

Inserate Fachmedien Zürichsee Werbe AG Laubisrütistrasse 44, 8712 Stäfa Telefon 044 928 56 11 Telefax 044 928 56 00 samariter@fachmedien.ch www.fachmedien.ch Layout, Druck, Versand Stämpfli AG, 3001 Bern

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SCHWERPUNKT  SAMARITER DER ZUKUNFT

DIE WEICHEN FÜR DIE ZUKUNFT SIND GESTELLT Mit dem Ja zur Strategie «Samariter der Zukunft» haben die Abgeordneten den Weg für die Neuausrichtung des Gesamtverbunds freigemacht. Die Ziele sind hoch, das Tempo ebenfalls. TEXT: Christoph Zehnder

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alles andere im vergangenen Jahr – ganz im Schatten der Coronapandemie. An eine Tagung mit mehreren Hundert Teilnehmenden war im vergangenen Jahr nicht zu denken. Dass die Abgeordnetenversammlung als höchstes Organ trotzdem beschlussfähig blieb, zeugt von der Anpassungs- und Widerstandsfähigkeit der Samariterbewegung. Auch auf der Traktandenliste ging es im weitesten Sinne um Anpassungen. Wichtigster Punkt war die Strategie «Samariter der Zukunft». Die Abgeordneten haben diese auf schriftlichem Weg mit deutlicher Mehrheit genehmigt und damit grünes Licht für die Neuausrichtung des Verbunds gegeben. Bis zu diesem Meilenstein war es ein weiter Weg. Wir erinnern uns: 2018 wurden die ersten Schritte für eine Neuausrichtung des Gesamtverbunds eingeleitet. Mit der Vision und Mission wurde das Fundament für die Neuausrichtung gelegt. Auf dieser Grundlage wurde 2019 und 2020 die eigentliche Strategie erarbeitet. Sie umfasst sämtliche Bereiche des Samariterwesens und ist der Leitfaden, an dem sich die Entwicklung der nächsten Jahre orientiert. Die Strategie besteht aus sechs einzelnen Handlungsfeldern. Jedes enthält mehrere Ziele, Prozesse und Aktionen, die sich in zahlreichen Sitzungen, Workshops, Tagungen und zahlreichen Einzelgesprächen herauskristallisiert haben. «Wir haben unsere Stärken und Schwächen analysiert, ebenso die Risiken und Chancen», erklärt Direktor Peter Lack, der den Strategieprozess geleitet hat. «Anhand der Schwächen wurde der Handlungsbedarf definiert und daraus die Handlungsfelder mit den einzelnen Zielen abgeleitet.» An diesem Prozess haben viele Hände mitgearbeitet. Der Strategieprozess war von Anfang an als Gemeinschaftswerk konzipiert. Vertreterinnen und Vertreter aus Vereinen und Verbänden waren daran ebenso beteiligt wie der Zentralvorstand und die Mitarbeitenden der Geschäftsstelle.

Vom Handlungsfeld zum Projekt Es grenzt schon fast an Ironie: Die Abgeordnetenversammlung vom 21. November 2020 war eine der wegweisendsten der vergangenen Jahre und doch hat sie eigentlich gar nicht stattgefunden. Jedenfalls nicht auf die Weise, wie der Anlass normalerweise durchgeführt wird. Anstelle der jährlichen Zusammenkunft der Vereins- und Verbandsvertretungen gab es schriftliche Beschlüsse, statt regem Austausch und spannenden Begegnungen Mailverkehr und Telefonate. Der Anlass stand – wie so ziemlich

Die Verabschiedung der Strategie bestätigt, dass dieses Vorgehen richtig war und sich bewährt hat. Es wird daher während der Umsetzung fortgeführt. Vereine, Verbände, Zentralvorstand und Geschäftsstelle arbeiten weiter eng zusammen. Der Zentralvorstand ist Auftraggeber und gibt als Steuergruppe den Kurs vor. So wie Vision und Mission die Grundlage für die Strategie bildeten, dient die Strategie als Ausgangspunkt für die Umsetzung. Und so wie die Strategie aus sechs Handlungsfeldern besteht, erfolgt die Umsetzung in sechs strategischen Projekten: Verbundsentwicklung, Freiwillisamariter 1/2021  7


SCHWERPUNKT  SAMARITER DER ZUKUNFT

genarbeit, Aufbau Geschäftsstelle, Ausbau Business, Jugend und Kooperationsprojekt KSD. Die Projekte bedeuten eine Konkretisierung der Strategie. «Sie betreffen zum Teil mehrere Handlungsfelder», erklärt Peter Lack. «Es sind zudem die Bereiche, in denen der grösste Handlungsbedarf besteht.» Fünf der sechs Projekte wurden noch im letzten Jahr gestartet. Die Leiterinnen und Leiter tauschen sich monatlich aus, definieren Schwerpunkte und Meilensteine und informieren über den aktuellen Stand.

Die richtige Form und Struktur Die Verbundsentwicklung ist das Komplexeste der sechs strategischen Projekte. Es geht dabei um die Frage der zukünftigen Form der Samariterorganisation. Denn die heutigen, historisch gewachsenen Strukturen des Verbunds machen es oft schwierig, in einem dynamischen Umfeld effizient zu reagieren. Ein strategisches Ziel ist daher, dass die Prozesse zur Meinungs- und Entscheidungsfindung einfacher und dynamischer werden. Das betrifft mehrere Handlungsfelder: Sowohl der Aufbau zum agilen, modernen und qualitativ hochstehenden Dienstleister (Handlungsfeld 2) wie auch die Entwicklung zukunftsfähiger Strukturen (Handlungsfeld 6) sind darin enthalten. Übers Knie gebrochen wird aber nichts. Die Suche nach der bestmöglichen Struktur für den Verbund ist ein gemeinsames Unterfangen und benötigt Zeit. Wie auf Seite 9 zu se-

hen ist, sind sämtliche Ebenen des Verbundes in diesen Prozess eingebunden. Nicht nur Vereine und Verbände, sondern auch Jugend und Bildung sollen mitreden, wenn es um die Weiterentwicklung des Verbunds geht. Das Projektteam wurde zwischen Sommer und Herbst letzten Jahres einberufen und hat bereits eine tägige Videokonferenz sowie weitere Meetings durchgeführt. Es steht unter der Leitung von Zentralpräsidentin Ingrid Oehen. Auch in anderen Gruppen geht es zügig vorwärts. Im Projekt «Aufbau Geschäftsstelle» unter der Leitung von Direktor Peter Lack wurden mehrere Teilziele definiert. Die Geschäftsstelle soll zum effizienten und kompetenten Dienstleister für Mitglieder, Kunden und Partner werden. Als Dreh- und Angelpunkt auf nationaler Ebene benötigt sie dafür die passenden Tools. Zum Beispiel im digitalen Bereich. Im Herbst wurde eine externe Evaluation durchgeführt. Es ist klar, dass in puncto Digitalisierung Nachholbedarf besteht. Weiter stellt sich – ähnlich wie bei der Verbundsentwicklung – die Frage nach der künftigen Organisationsstruktur. Eine vernetzte, bereichsübergreifende Arbeitsweise mit moderner Führungsstruktur soll die nötige Agilität gewährleisten. Um Kosten und Ressourcen zu schonen, werden zudem Möglichkeiten geprüft, einzelne Dienstleistungen auszulagern oder in einer Kooperation anzubieten, zum Beispiel gemeinsam mit dem SRK.

MISSION

HANDLUNGSFELDER

1. Samariter retten Leben, leisten Erste Hilfe und unterstützen in besonderen Lagen.

1. Eine der grössten, gemeinnützigen Freiwilligenorganisationen der Schweiz

2. Samariter informieren über das richtige Verhalten im Notfall und in besonderen Lagen.

2. Aufbau zum agilen, modernen und qualitativ hochstehenden Dienstleister

3. Samariter stellen die Bildung in Lebensrettung und Erster Hilfe sicher.

3. Ausbau Firmenkurse und Sanitätsdienste

4. Samariter engagieren sich freiwillig in jeder Altersgruppe.

4. Stärkung der Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen

5. Samariter bilden eine der Rettungsorganisationen des SRK.

5. Solide Finanzierungsbasis und effiziente Geschäftsstelle

6. Samariter organisieren sich wirtschaftlich selbsttragend.

6. Entwicklung zukunftsfähiger Strukturen Samariter Schweiz

STRATEGISCHE PROJEKTE 1. Verbundsentwicklung 2. Freiwilligenarbeit 3. Aufbau Geschäftsstelle 4. Ausbau Business

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5. Jugend 6. Kooperationsprojekt KSD


PROJEKTGRUPPE VERBUNDSENTWICKLUNG Leitung Ingrid Oehen Präsidentin Schweizerischer Samariterbund

Kantonalverbände

Zentralvorstand Theresia Imgrüth Nachbur Mitglied Zentralvorstand

Adrian Bertschi Vizepräsident Kantonalverband AG Christin Brigger Präsidentin Oberwalliser Samariterverband

Peter Lack Direktor Schweizerischer Samariterbund André Roggli Projektmitarbeit Bildung Instruktor KV Bern

Ausbildung Cordula Equey-Dübener Ausbildnerin ZO Kantonalverband VD

Regionalverbände Danielle Brusato Präsidentin Regionalverband Bern-Mittelland

Geschäftsstelle

Beratung Ruth Aregger Aregger Consulting AG

Jugend Koni Tanner Jugendleiter SSB

Samaritervereine Adriano Meili Präsident Samariterverein Region Thalwil

Ladina Valencia Aregger Consulting AG

Unterstützung René Giopp Assistenz für die Zentralpräsidentin

Ganzheitlich denken und handeln Diese Beispiele zeigen auf, dass die Umsetzung der Strategie bereits in vollem Gange ist. Ausserdem machen sie deutlich, wie komplex diese Transformation ist. Einzelne Handlungsfelder und Projekte können nicht wirklich isoliert betrachtet werden. Kein Bereich des Samariterwesens steht für sich allein. Schwachpunkte auf einem Gebiet führen unweigerlich zu Problemen anderswo. Es ist unumgänglich, den Prozess immer auch ganzheitlich zu betrachten. Noch wichtiger ist aber, dass sich der gesamte Verbund als Einheit versteht. Jedes Vereinsmitglied ist ein wertvoller Teil dieser gemeinsamen Bewegung. Die schrittweise Einführung der gemeinsamen Marke Samariter Schweiz ab 2022 soll diese Einheit und den Zusammenhalt signalisieren. Samariter Schweiz umfasst die lokalen Samaritervereine, die Kantonal- und die Regionalverbände,

die Samariterjugend, die Geschäftsstelle des gesamten Verbunds sowie die entsprechenden Gremien. Die Gemeinsamkeit steht im Vordergrund. Dass es gemeinsam besser geht, haben die vergangenen zwei Jahre bewiesen. Vom Start des Strategieprozesses bis zum Beginn der Umsetzung wurde jeder einzelne Schritt gemeinsam unternommen. Bis 2024, dem Etappenziel der Strategie, werden viele weitere folgen. Turbulenzen wird es auch weiterhin geben. Aber das wird die Samariterbewegung nicht davon abhalten, mutig in die Zukunft zu gehen. Ebenso wenig wie die Pandemie sie daran hindern konnte, die Weichen für diese Zukunft zu stellen. Der «samariter» wird weiterhin über die Umsetzung der Strategie berichten. Weitere Informationen zum Thema finden Sie im Extranet. samariter 1/2021  9


REDE UND ANTWORT

«Unsere Stärke können wir nur gemeinsam ausspielen» Nach dem Ja der Abgeordneten kann die Neu­ ausrichtung der Samariterbewegung beginnen. Im Interview spricht Direktor Peter Lack über die Umsetzung der Strategie «Samariter der Zukunft». INTERVIEW: Christoph Zehnder Die Abgeordneten haben die neue Strategie gutgeheissen. Die Versammlung wurde im November schriftlich durchgeführt. Wie müssen wir uns das vorstellen? Peter Lack: Ursprünglich sollte die Versammlung online stattfinden. Mit 270 Abgeordneten war das aber nicht möglich. Deshalb wurde der schriftliche Weg gewählt. Leider entfiel dadurch auch der persönliche Austausch, was ich persönlich sehr bedaure. Denn die Abgeordnetenversammlung ist viel mehr als ein statutarisches Gremium. Sie hat auch eine wichtige gesellschaftliche Funktion.

Direktor Peter Lack leitet das Gesamtprojekt der Neuausrichtung sowie das strategische Projekt «Aufbau Geschäftsstelle».

ersten Phase arbeiten Samariter und Mitarbeitende der Geschäftsstelle zusammen in den Projektgruppen. Auftraggeber ist der Zentralvorstand, der den gesamten Prozess eng begleitet.

Was ändert sich mit der neuen Strategie für die Vereine und Verbände konkret?

Mittelfristig werden wir vermutlich etwas anders organisiert sein. Wie, das wollen wir gemeinsam mit Die Strategie wurde mit grosser Mehrheit Vertretern der Basis herausfinden. Die Verbundsentwicklung ist sicher das komplexeste Projekt, verabschiedet. Wie geht es nun weiter? Jetzt setzen wir diese Strategie gemeinsam mit un- aber vielleicht auch das entscheidendste für die Zuseren Mitgliedern in die Realität um. In den kom- kunft. Wir müssen mit der knappen Ressource menden vier Jahren wird mit Hochdruck an den «Freiwilligenarbeit» sorgsam umgehen, momentan ist unser Bedarf mit fast 900 Vereinen nur schon für die Strukturen riesig. Letztlich geht es in der Strategie darum, effizienter zu werden. Heute leisten manche Samariter so viel, dass es ihnen irgendwann zu viel wird. Das kann nicht die Lösung sein. Deshalb braucht es eine effizientere Struktur. Wir wollen einen Rahmen schaffen, damit freiwillige Samariter ihre Leistungen möglichst gut und mit Freude erbringen können. Weiter gewinnt die Jugend an Bedeutung. Sie soll besser wahrgenommen sechs strategischen Projekten gearbeitet. Diese werden und ihren Einfluss geltend machen können. umfassen die Bereiche Verbundsentwicklung, Frei- In der Aus- und Weiterbildung sind die Anpassunwilligenarbeit, Geschäftsstelle, Business, Jugend gen ja bereits in einer phasenweisen Umsetzung. sowie Kooperationsprojekte. Alle diese Projekte Unser Bildungssystem wird vereinfacht und durchleiten sich aus der Strategie ab. Wie schon in der lässiger (vgl. «samariter» 04/2020).

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«Der soziale Charakter gehörte schon immer zum Samariterwesen.»

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Wie kann der einzelne Samariter, die einzel- ändert sich mit dem Namen jedoch auch der Spirit, ne Samariterin diesen Prozess unterstüt- das wollen wir natürlich gemeinsam bewirken, zen? eben das «Wir» stärken. Sie sollten vor allem mit Stolz und Freude Samariter sein und das auch nach aussen hin zeigen. Ausserdem sollten wir uns alle gegenseitig unterstützen und offen für Neues sein. Wir haben alle ein gemeinsames Ziel und der Kern des Samariterwesens steht dabei im Zentrum. Das heisst nicht, dass wir bei jeder Frage immer alle einer Meinung sein müssen, das ist gar nicht möglich in einem so grossen Verbund. Wichtig ist, dass wir einander zuhören und sagen, was wir gut finden und was nicht. Nur so finden wir gemeinsame, pragmatische Lösungen.

Das «Wir» wird in der Strategie stark betont. Wie wichtig ist es, dass sich der Verbund als Einheit versteht? Das ist ein zentraler Punkt. Bisherige Strategien waren Strategien der Geschäftsstelle. Jetzt haben wir eine Verbundsstrategie. Darin heisst es wörtlich «wir Samariter gemeinsam». Denn nur gemeinsam können wir unsere Stärke als nationaler Anbieter von Erste-Hilfe-Kursen und Sanitätsdiensten und weiteren Dienstleistungen ausspielen. Das erfordert aber gewisse Standards. Sei es im Erscheinungsbild, im Webauftritt oder in den sozialen Medien, in der Ausbildung oder unseren Dienstleistungen. Es ist nicht kundenfreundlich, wenn über eine Dienstleistung jedes Mal neu verhandelt werden muss und sie je nach Samariterverein oder Kantonalverband anders gehandhabt wird. Regional mag es zusätzliche Angebote geben, nicht alles muss uniform sein. Aber wir wollen ein Basispaket anbieten, das man in der ganzen Schweiz bekommt. Das macht es für alle etwas einfacher: für unsere Partner, unsere Kunden und auch für uns selbst.

Wird deshalb die Dachmarke «Samariter Schweiz» eingeführt? Die Geschäftsstelle der Dachorganisation wird ab 2022 unter dem Namen «Samariter Schweiz» auftreten. «Samariter» darin an erster Stelle. Denn das macht uns aus. Diese Anpassung möchten wir auch im Verbund anregen. Denn aktuell kursieren verschiedene Bezeichnungen: Hier ein Kantonalverband der Samaritervereine, dort ein Samariterverband eines Kantons. Es mag ein Detail sein, aber darunter leidet die Wiedererkennbarkeit. Für Aussenstehende ist es manchmal schwierig, sich zurechtzufinden. Eigentlich sollte auf den ersten Blick klar sein, mit wem man es zu tun hat. Eine einheitliche Bezeichnung erleichtert den Zugang. Ein neuer Name allein bewirkt aber nichts. Manchmal

Der Grundgedanke des Samariterwesens bleibt aber weiterhin derselbe? Absolut! Manche finden sogar, dass wir uns mit der neuen Strategie wieder stärker auf unsere Wurzeln besinnen. Dass Samariter Ansprechpersonen für die Gemeinschaft sind oder sich – wie aktuell – in ausserordentlichen Lagen engagieren, ist nicht neu. Viele Vereine haben sich schon immer für hilfsbe-

• «Die Pandemie hat gezeigt, dass

wir auf dem richtigen Weg sind.»

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dürftige Personen in ihrem Umfeld eingesetzt, weit über Erste-Hilfe-Kurse hinaus. Dieser soziale, gemeinnützige Charakter gehört zum Samariterwesen und hat auch in der neuen Strategie Platz.

Welchen Einfluss hatte eigentlich die Coronapandemie auf die Strategie? Die Unterstützung in besonderen Lagen war schon vor der Pandemie ein Thema. Insofern hatte Corona die Strategieentwicklung nicht total verändert. Hingegen war das Thema zu Beginn des Strategieprozesses noch ein abstrakter Gedanke. Niemand konnte ahnen, dass eine solche Situation schon kurze Zeit später eintreten würde. Die Pandemie hat hingegen gezeigt, dass wir mit unserer Strategie auf dem richtigen Weg sind. Samariter können mehr als Erste-Hilfe-Kurse und Sanitätsdienste. Das wird von uns erwartet, und diese Erwartungen haben wir in der Pandemie erfüllt. Darauf dürfen wir stolz sein.

Der Zeitplan sieht eine Umsetzung bis 2024 vor. Wo stehen wir im Jahr 2024? Die Menschen in der Schweiz nehmen uns als frische und dynamische Organisation wahr, die auch für jüngere Menschen attraktiv ist. Es gibt mehr Formen der Mitwirkung im Samariterwesen, zum Beispiel befristete Engagements oder für ein bestimmtes Projekt. Wir können unsere Leistungen gesamthaft deutlich und rasch aufzeigen und verfügen über ein klares Profil. Man kennt unser freiwilliges Engagement in seinen Facetten und unsere Marktposition ist gestärkt. Wir werden neue Leute dazugewinnen. 2024 sind die Samariter eine attraktive Organisation, der viele Menschen gerne angehören möchten. samariter 1/2021  11


AKTUELL

Ein Jahr mit vielen Einschränkungen und grosser Hilfsbereitschaft Im Februar 2020 erreichte das Coronavirus die Schweiz. Die Pandemie hat auch das Samariterwesen geprägt. Ein Rückblick auf zwölf Monate im Ausnahmezustand. TEXT: Matthias Zobrist FOTO: Remo Nägeli, zVg Hätte jemand Anfang Januar 2020 aufgezeigt, was uns in den anschliessenden Monaten alles erwartet, man hätte ihn wohl als Spinner abgetan. Spätestens mit dem Lockdown in der Schweiz Mitte März begann sich ein solch unvorstellbares Szenario jedoch langsam abzuzeichnen. Fortan gab es beinahe nur noch ein Thema: Corona, Corona und nochmals Corona. Plötzlich gehörten Händedesinfektionsmittel und Hygienemasken zu unserem Alltag. Soziale Kontakte mussten eingeschränkt werden und viele Branchen hatten mit grossen wirtschaftlichen Einbussen zu kämpfen. Die Pandemie hat auch das Samariterwesen ziemlich auf den Kopf gestellt. Während mehreren Monaten konnten Erste-Hilfe-Kurse gar nicht oder nur mit Einschränkungen durchgeführt werden. Veranstaltungen, an denen Samariterinnen und Samariter Sanitätsdienst geleistet hätten, wurden reihum abgesagt. Und Vereinsübungen fanden nicht oder in ungewohntem Rahmen statt – zum Beispiel online (lesen Sie dazu den Artikel auf S. 14).

Flexibel und engagiert Doch die Samariterinnen und Samariter zeigten unter diesen besonderen Umständen grosse Flexibilität und bewiesen bereits zu Beginn der ersten Welle im Frühling ihren Wert für die Bevölkerung. Viele Samaritervereine engagierten sich auf unterschiedliche Weise für die Gesellschaft. Während die einen Nachbarschaftshilfe leisteten und zum Beispiel Einkäufe für vulnerable Personen tätigten, nähten andere Masken und Schutzkittel für das Pflegepersonal oder machten Abstriche in CoronaTestzentren. Zum Teil konnten solche Einsätze dank Spenden und weiteren Unterstützungshilfen 12  samariter 1/2021

finanziert werden (siehe Kasten). Einer der Vereine, die von solchen Geldern profitiert haben, ist der Samariterverein Lungern. Dessen Mitglieder haben Hausärzte bei der Blutentnahme bei Risikopatienten unterstützt, Medikamente verteilt und auch bei der Telefonbetreuung mitgeholfen. «Die Bereitschaft bei den Samariterinnen und Samaritern war riesig. Viele wollten einfach helfen», erinnert sich Vereinspräsidentin Sandra Schallberger. «Trotz der schwierigen Situation hatte unser Einsatz auch seine schönen Seiten, haben wir doch viel Dankbarkeit und Wertschätzung für unsere Arbeit erhalten.» Eine weitere Herausforderung für das Samariterwesen: Der Ausfall von Erste-Hilfe-Kursen und Sanitätsdiensten riss bei manchem Samariterverein und Kantonalverband ein Loch in die Kasse. Das SRK stellte denjenigen, die dadurch in eine existenzbedrohende Lage kamen, grosszügige Überbrückungshilfe zur Verfügung. Die Geschäftsstelle des SSB übernahm bei den verschiedenen Hilfszahlungen eine zentrale Rolle. Sie erschloss die zusätzlichen Finanzquellen für die Vereine und Verbände, koordinierte deren Gesuche und beriet sie bei Fragen.

Die Geschäftsstelle im Ausnahmezustand Die Mitarbeitenden der Geschäftsstelle sahen sich grundsätzlich mit zusätzlichen Aufgaben und einer Menge Herausforderungen konfrontiert. Schnell wurde ein Pandemieteam ins Leben gerufen, um rasch entscheiden und zum Beispiel die Samariterinnen und Samariter mit für sie relevanten Informationen versorgen zu können. Denn Fragen drängten sich viele auf. Wie muss man vorgehen,


Samariter im Einsatz beim Corona-Drive-in-Testzentrum in Bern.

wenn die Mitgliederversammlung nicht in der in den Statuten festgeschriebenen Frist durchgeführt werden kann? Wie sieht es mit dem Versicherungsschutz bei Pandemieeinsätzen aus? Wie lässt sich der IVR-Stufenerhalt sicherstellen, wenn keine dafür notwendigen Vereinsübungen stattfinden können? Und das sind nur ein paar Beispiele. Die Geschäftsstelle des SSB suchte in dieser Zeit auch intensiv die Zusammenarbeit mit dem SRK und den anderen Rotkreuz-Rettungsorganisationen. Zum einen kamen so die bereits erwähnten Hilfszahlungen zustande. Zum anderen wurden verschiedene Pandemieeinsätze wie das Testzentrum in Bern erst gemeinsam möglich. Organisiert und aufgebaut wurde dieses vom SRK, im Einsatz gestanden und Abstriche gemacht haben dann in erster Linie Mitglieder von Samaritervereinen sowie des Schweizerischen Militär-Sanitäts-Verbands. «Die Zusammenarbeit mit der nationalen Geschäftsstelle des SRK und den anderen SRKRettungsorganisationen war sehr erfreulich, vertrauensvoll und konstruktiv. Mit gebündelter Kraft konnten wir zudem Dinge umsetzen, für die wir an der SSB-Geschäftsstelle nicht die Ressourcen gehabt hätten», erzählt SSB-Direktor Peter Lack. Der Blick zurück zeigt, dass auf allen Ebenen des Gesamtverbunds Ausserordentliches geleistet worden ist. Es war für alle ein schwieriges Jahr, aus dem die Samariter aber gestärkt hervorgehen. Man ist näher zusammengerückt und hat in der Krise gros­ses Engagement und Flexibilität an den Tag gelegt. Das sind gute Zeichen für die Zukunft.

FINANZIELLE UNTERSTÜTZUNG AUS UNTERSCHIEDLICHEN TÖPFEN Mit verschiedenen Finanzspritzen konnten das zusätzliche Engagement sowie die Einnahmeausfälle von Vereinen und Verbänden zumindest teilweise gedeckt werden: • Überbrückungszahlungen SRK Das SRK hat Rotkreuz-Unterorganisationen finanzielle Überbrückungshilfen von gesamthaft max. 300 000 Franken zur Verfügung gestellt, wenn diese durch Einnahmeausfälle aufgrund von COVID-19 existenziell bedroht sind. • Unterstützung für Pandemieeinsätze durch SRK Zahlreiche Samaritervereine und Kantonalverbände haben beim SRK Unterstützungsbeiträge für ihre Einsätze zur Pandemiebewältigung beantragt. Insgesamt wurden rund 90 000 Franken gesprochen. Berücksichtigt wurden sowohl kleinere Einsätze, etwa für Einkaufshilfen, sowie aufwendige Projekte wie die Produktion von Anleitungsvideos. • Spende Ernst Göhner Stiftung 78 Samaritervereine und 7 Kantonalverbände haben einen Beitrag aus der Ernst Göhner Stiftung erhalten. Die Stiftung hatte sich aufgrund des Spendenmailings zu einer grosszügigen Spende von 50 000 Franken bereit erklärt. • Weitergabe Ertrag aus Spendenmailing Im Frühling hat der SSB zum ersten Mal in seiner Geschichte ein Spendenmailing an die Schweizer Bevölkerung versandt. Die Hälfte des Nettoertrags, der das Mailing eingebracht hat, wird an die Kantonalverbände weitergegeben.

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AKTUELL

Vereinsübung via Internet – kein Ersatz, aber eine Chance für Neues Die Pandemie hat viele Samaritervereine in eine verfrühte Winterpause geschickt. Es gibt aber viele Möglichkeiten, um in Kontakt zu bleiben und trotz Corona gemeinsam seine Erste-Hilfe-Kenntnisse zu üben. TEXT: Christoph Zehnder FOTOS: Samariterverein Winterthur-Stadt

Vereinsübung einmal anders: Statt im Vereinslokal treffen sich die Mitglieder des Samaritervereins Winterthur-Stadt online.


Kurzes Aufatmen in der Samariterwelt im letzten Juni, als die Schutzmassnahmen nach dem Lockdown wieder gelockert wurden und endlich wieder Übungen durchgeführt werden durften. Die Freude währte bekanntlich nicht lange. Bereits im Herbst verschärfte sich die Lage wieder und mit ihr die Vorschriften. Viele Vereine sahen sich gezwungen, verfrüht die Winterpause anzutreten. Darunter leidet nicht nur das Vereinsleben, sondern auch die vereinsinterne Ausbildung. Schliesslich dienen die Übungen dazu, das Erste-Hilfe-Wissen zu festigen und zu vertiefen. Damit das nötige Wissen im Einsatz abrufbar ist und die Handgriffe sitzen, braucht es regelmässiges Training. Während sich einige Vereine mit der Situation abgefunden haben, suchten andere nach Alternativen. So zum Beispiel der Samariterverein Winterthur-Stadt. Im November führte dieser seine Monatsübung zum ersten Mal online durch. «Das hat erstaunlich gut geklappt. Wir hatten rund 30 Teilnehmende», erzählt Franziska Kläui. «Hätten wir die Übung im Vereinslokal durchgeführt, wären es sicher weniger gewesen», so die Samariterlehrerin. Statt im Vereinslokal haben sich die Mitglieder auf einer Online-Plattform getroffen und konnten so den letzten Teil ihres Stufe-2-Refreshers durchführen.

Online gelten andere Regeln Die kreative Übungsleitung hat ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt mit Präsentationen, praktischen Aufgaben und einem Wettbewerb. «Der theoretische Teil über die Anatomie ging sehr gut», so die Samariterlehrerin. Folien und anderes Anschauungsmaterial lassen sich einfach mit den Teilnehmenden am anderen Ende der Leitung teilen. Die Präsentation erfolgt statt auf der Leinwand einfach am Bildschirm. Wie gut die Teilnehmenden zuhause aufgepasst hatten, zeigte sich anschliessend bei einem spannenden OnlineQuiz. «Für die Fallbeispiele haben wir auch ein paar kurze Filme gemacht mit verschiedenen Situationen, wie Verbrennung, Arbeits- oder Töffunfall.» Als Figuranten haben dabei Franziska Kläuis Familienmitglieder mitgewirkt. Während der Übung wurde sie technisch von ihrem Mann Andy unterstützt, der auch Mitglied im Samariterverein ist. Es sei auf jeden Fall besser, eine solche Übung nicht allein zu leiten, sagt Franziska Kläui. Denn eine Präsentation moderieren und gleichzeitig die Gruppe im Auge behalten ist im virtuellen Übungslokal noch schwieriger als in

der realen Welt. Es kann schon vorkommen, dass jemand ein technisches Problem hat oder kurz aus der Leitung fliegt. Der Supporter kann in solchen Fällen eingreifen, ohne dass die Präsentation unterbrochen werden muss. Ganz allgemein gelten bei Online-Treffen etwas andere Regeln als bei einer persönlichen Zusammenkunft. Der Ablauf

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«Online-Tools kann man auch ganz gut im Präsenzunterricht einsetzen.»

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ist strukturierter, die Moderatoren sprechen einzelne Teilnehmer gezielt an. Diese müssen zuerst ihr Mikrofon einschalten, bevor sie sich mitteilen. Ohne Disziplin geht das nicht. «Es war aber auch sehr spannend. So konnten wir die Fallbeispiele für einmal ganz gezielt und detailliert mit einzelnen Mitgliedern besprechen.»

Einfach mal ausprobieren Franziska Kläui ist beruflich als Pädagogische ICTSupporterin unterwegs und kennt sich daher mit digitalen Werkzeugen aus. Diesen Vorteil hat nicht jeder Übungsleiter. Dessen ist man sich auch im Kantonal Freiburgischen Samariterverband (KFSV) bewusst. Anfang Dezember lud er deshalb Samariterlehrer, Jugendleiter, Kursleiter und andere Interessierte zum Kurs «Vereinsübungen online durchführen» ein. Rund 40 Samariterinnen und Samariter aus der ganzen Schweiz haben daran teilgenommen – selbstverständlich online. Sie lernten verschiedene Tools wie Padlet, Quizizz oder YouTube kennen und erhielten Tipps und praktische Beispiele, wie sie diese einsetzen können. Doch lohnt sich der Aufwand für eine OnlineÜbung überhaupt? Warum nicht einfach warten bis zur nächsten «richtigen» Übung? «Es geht darum, den Verein zusammenzubringen», sagt Roger Hayoz vom KFSV, der den Kurs geleitet hat. Es sei wichtig, in dieser Zeit mit den Leuten in Kontakt zu bleiben. Sonst rutsche das Vereinsleben für manche immer weiter in den Hintergrund. Man dürfe sich aber keine Illusionen machen: «Online erreicht man nie alle Mitglieder», sagt er. Andererseits seien digitale Tools aber auch eine Chance, um potenzielle Neumitglieder zu gewinnen. Warum nicht eine Präsentation, ein Video oder ein Quiz aus einer samariter 1/2021  15


AKTUELL

Ein interaktives Quiz bringt Spannung in die Online-Übung.

Vereinsübung auf die Website stellen? Sogar ein Schnupperabend vom heimischen Sofa aus ist denkbar. Die digitalen Hilfsmittel bieten unzählige Möglichkeiten. Und auf noch etwas weist Roger Hayoz hin: «Online-Tools kann man auch ganz gut im Präsenzunterricht einsetzen.» Ihr Nutzen wird mit dem Corona-Spuk nicht einfach verschwinden. Im Gegenteil: In der Arbeits- und der Bildungswelt finden sie immer mehr Verwendung. Die Pandemie hat diesen Prozess lediglich beschleunigt. Roger Hayoz empfiehlt jedoch, sich auf wenige Tools zu konzentrieren, diese dafür aber regelmässig einzusetzen. «So gewöhnt man sich daran und lernt schnell, wie sie funktionieren.» Die meisten OnlinePlattformen sind einfach zu bedienen und mehr oder weniger selbsterklärend. Die Grundfunktionen sind meistens kostenlos. So kann jeder Verein ausprobieren, was funktioniert und was nicht.

Nur nichts tun ist falsch! Im Samariterverein Winterthur-Stadt hat man genau das getan. «Wir wollten es einfach mal versuchen», sagt Franziska Kläui über ihre erste OnlineÜbung. Das Experiment kam bei den Mitgliedern gut an, sodass auch die traditionelle Chlaus-Übung mit Jahresrückblick auf diese Weise durchgeführt wurde. Die Mitglieder erhielten per Post eine schriftliche Einladung mit einem kleinen Präsent. «Statt gemeinsames Fondue gibt es halt Tee und Schöggeli vor dem Bildschirm.» Eine OnlineÜbung ersetzt die persönliche Begegnung nicht. Das weiss auch die Samariterin. «Aber es ist immer noch besser, als nichts zu machen. Nur nichts tun ist falsch!» 16  samariter 1/2021

Fallbeispiele wurden als Video präsentiert und anschliessend ausführlich besprochen.

TIPP Webinar «Vereinsübungen online durchführen» Der SSB bietet aktuell Online-Schulungen für die Planung und Durchführung von virtuellen Vereinsübungen an. Das Angebot richtet sich in erster Linie an Samariterlehrer/innen und Jugendtrainer/innen. Anmeldung und weitere Informationen auf mylearning.

Ideen und Ressourcen für Online-Übungen und Home Learning • Austausch und Weiterbildung per Videokonferenz (Zoom, Teams, Skype usw.) • Quiz, Wettbewerbe oder Tests (Kahoot, Quizizz, Surveymonkey usw.) • Interaktive Pinnwand (Padlet) • Umfragen mit Mentimeter • Lehr- und Lernvideos auf YouTube (z. B. von Sirmed) • Eigene Arbeitsaufträge erstellen (z. B. Verbände üben und Foto machen lassen) • Arbeitsaufträge aus dem Online-Lehr­ mittel (z. B. Planspiel Verkehrsunfall, Sternlauf, Fallbeispiele theoretisch lösen) • PowerPoint-Präsentation als Video • Visualisierungsauftrag erstellen Weitere praktische Tools für die Zusammenarbeit auf vitaminb.ch/digital


PARADIGMENWECHSEL IN DER ALTKLEIDERSAMMLUNG Die Altkleidersammlung befindet sich derzeit in einem Paradigmenwechsel. Dazu geführt haben mehrere Faktoren: Zum einen die Corona-Pandemie mit dem Einbruch des weltweiten Altkleidermarktes und dem damit verbundenen Zerfall des Altkleiderpreises, zum anderen die Abnahme der Kleiderqualität (Fast Fashion). Weiter führen auch gesetzliche Anpassungen, z. B die sogenannte VVEA, schon länger zu einer Veränderung des bisherigen Systems.

Corona-Pandemie

Kleidung abnimmt und der Materialmix einzelner Textilien

Die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass sich im letzten

immer komplexer wird, sind neue Lösungsansätze gefragt.

Jahr europaweit Unmengen an Alttextilien angesammelt haben, die im zweiten Halbjahr und auch jetzt noch auf den

Gesetzliche Anpassungen

Markt drängen. Das hat Auswirkungen auf den Verkaufs-

Seit Anfang 2019 ist die Verordnung über die Vermeidung

preis. Für Schweizer Altkleider ist dieser um einen Drittel

und die Entsorgung von Abfällen (VVEA) in Kraft. Die Ge-

eingebrochen. TEXAID verzeichnet daher einen gravieren-

meinden werden damit verpflichtet, die Kleidersammlung

den Umsatzrückgang und muss – trotz massiver Einsparun-

als separate Wertstoffsammlung zu führen. Ergänzt wird

gen – das Jahr 2020 mit einem Verlust abschliessen. Eine

die VVEA durch verschiedene Vollzugshilfen, eine davon

Entspannung der Situation ist auch im neuen Jahr nicht zu

ist die verursachergerechte Finanzierung der Siedlungsab-

erwarten.

fallentsorgung. Darin ist aufgeführt, dass Erlöse aus dem Verkauf eines Wertstoffes in die Abfallrechnung fliessen

Kleiderqualität und Materialmix

müssen.

Neben der Zunahme der Menge an Altkleidern beschäftigt TEXAID auch der Fast Fashion-Trend. Fast Fashion-Textilien

Alle diese Punkte führen dazu, dass karitative Vergütungen

weisen eine deutlich minderwertigere Qualität auf und be-

zukünftig nicht mehr oder nur noch deutlich reduziert aus-

stehen aus einem breiten Materialmix. Immer mehr Stoffe

bezahlt werden können. TEXAID ist sich bewusst, dass dies

sind mit synthetischen Fasern versetzt, wobei sich die Recy-

für viele Organisationen eine bedeutende Einnahmequelle

clingverfahren für solche Textilien viel aufwendiger gestal-

war und dieser finanzielle Verlust nicht ohne Weiteres kom-

ten. Mit den Einnahmen aus dem Verkauf von tragbaren

pensiert werden kann. TEXAID bedauert diese Entwicklung,

Textilien als Secondhand-Kleidung wird das Recycling der

da die Auszahlung von karitativen Vergütungen über 40 Jah-

restlichen Textilien finanziert. Da der Anteil noch tragbarer

re lang zur Tradition gehört hat.

www.texaid.ch


AKTUELL

Bildungsbroschüre für den Durchblick Der Schweizerische Samariterbund bietet den Samariterinnen und Samaritern vielfältige Möglichkeiten, um sich Fertigkeiten und Wissen anzueignen. Eine neue Broschüre gibt einen Überblick über das aktuelle Ausund Weiterbildungsangebot des SSB.

kann? Wie steht es mit den Voraussetzungen, und was erwartet die Teilnehmenden inhaltlich und punkto Aufwand? Das neu als Broschüre aufgelegte Aus- und Weiterbildungsprogramm gibt einen detaillierten Überblick über alle Lehrgänge, Hintergrundinformationen zur Ausbildungsphilosophie des SSB sowie zu den verschiedenen Zertifizierungen.

Möglichkeiten aufzeigen, Lust machen

Das Samariterwesen lebt vom freiwilligen Engagement der Samariterinnen und Samariter. Dieses geht oft über die regelmässige Teilnahme an Monatsübungen hinaus. Es braucht jemanden, der den Verein führt, die Finanzen im Griff hat oder administrative Aufgaben übernimmt. Daneben gibt es auch eine breite Palette an Funktionen im Ausbildungsbereich. Damit die Samariterinnen und Samariter auf ihre Aufgaben bestmöglich vorbereitet sind, besuchen sie vorgängig eine Ausbildung beim SSB. Diese Ausbildungen sind auf die Anforderungen der späteren Funktion zugeschnitten – zum Beispiel, um eine Samariter Jugendgruppe zu leiten, die Monatsübungen im Verein durchzuführen oder in Kursen Erste-Hilfe-Wissen an die Bevölkerung weiterzugeben. Doch welche Ausbildung muss absolviert werden, damit eine angestrebte Funktion ausgeübt werden 18  samariter 1/2021

Die Broschüre soll zudem die Lesenden darin bestärken und Lust darauf machen, sich im Samariterwesen zu engagieren. Die Vielfalt der Lehrgänge und Kurse hält für jeden etwas bereit. Es muss nicht immer ein mehrtägiger Lehrgang sein. Wie wäre es mit dem Tageskurs «Moulagieren für Anfänger» oder dem Kurs «Einführung für neue Vorstandsmitglieder», um sich auf eine neue Funktion im Verein vorzubereiten? Ob Halbtageskurs oder mehrtägiger Lehrgang: Alle Ausbildungsangebote des SSB entsprechen zeitgemässer Erwachsenenbildung und sind sehr teilnehmerorientiert. Wer sich gerne in den Unterricht einbringt, wird nicht enttäuscht. Die Lehrgänge und Kurse leben vom aktiven Mitmachen der Teilnehmenden und von deren unterschiedlichen Erfahrungen und Hintergründen. Die Broschüre ist im Extranet unter Bildung und Kurswesen als PDF verfügbar. Sie bildet die aktuellen Lehrgänge und Kurse ab. Sobald die Neuausrichtung der Bildungslandschaft des SSB abgeschlossen ist, werden die Neuerungen ebenfalls in die Broschüre Eingang finden. (SSB)


AKTUELL

Lernen fürs Leben Das gemeinsame Schulprogramm des Schweizerischen Samariterbunds und der Schweizerischen Rettungsflugwacht (Rega) wurde vollständig überarbeitet. Unter dem Motto «Retten ist KLASSE – Erste Hilfe an Schulen» lernen Schülerinnen und Schüler die Grundlagen der Ersten Hilfe kennen. Erste Hilfe ist keine Frage des Alters. In der Schweiz kommen viele Menschen jedoch eher spät mit diesem Thema in Berührung. Aus diesem Grund haben die Rega und der Schweizerische Samariterbund 2015 das Projekt «Schulsamariter» lanciert. Dieses wurde in den vergangenen Monaten komplett überarbeitet und weiterentwickelt. Das Angebot umfasst neu drei Unterrichtseinheiten à je 45 Minuten. «Das Programm ist kürzer geworden und entspricht damit den aktuellen Bedürfnissen der Schulen», erklärt Melanie Fussen, Fachspezialistin für Jugend- und Freiwilligenmanagement beim SSB.

Vielseitig umsetzbar Auch im neuen Programm lernen Schülerinnen und Schüler, wie sie Notfälle erkennen, alarmieren und selbst Erste Hilfe leisten können. Praktische Beispiele stehen dabei im Vordergrund und garantieren viel Lernspass. Das nötige Hintergrundwissen vermittelt ein praktisches eBook. Es enthält zudem alle Unterlagen und Informationen für Lehrpersonen, sodass diese keine besonderen Vorkenntnisse benötigen. «Retten ist KLASSE – Erste Hilfe an Schulen» zeichnet sich durch seine Vielseitigkeit und flexiblen Umsetzungsmöglichkeiten aus. Es steht Lehrpersonen völlig frei, wie sie das Programm in den Unterricht integrieren.

mationssequenz hat die Kinder sehr beeindruckt», weiss Melanie Fussen. Der spannende Aufbau von der Alarmierung bis zur Wiederbelebung mit der MiniAnne biete der Klasse eine interessante Abwechslung im Schulbetrieb.

Kostenloses Angebot «Retten ist KLASSE» richtet sich an Schülerinnen und Schüler ab 12 Jahren. Für die teilnehmenden Klassen ist das Programm kostenlos, und das benötigte Material (MiniAnne-Set und Verbandsmaterial) wird ihnen zur Verfügung gestellt, sofern sie dafür den Feedbackbogen ausfüllen. Mit «Retten ist KLASSE» von Rega und Samariterbund leisten beide Partner gemeinsam einen wichtigen Beitrag zur Förderung von Erste-Hilfe-Wissen in der Schweiz. Das Schulprogramm wurde in der Deutschschweiz per 1. Januar 2021 lanciert; die Umsetzung in der französisch- und italienischsprachigen Schweiz folgt zu einem späteren Zeitpunkt.

Weitere Informationen samariter.ch/retten-ist-klasse

Förderung von Kompetenzen Das Programm berücksichtigt aktuelle Entwicklungen im Bildungsbereich. Die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler stehen dabei im Vordergrund. «Retten ist KLASSE – Erste Hilfe an Schulen» vermittelt deshalb nicht nur Erste-HilfeWissen, sondern stärkt auch das Verantwortungsgefühl, die Solidarität und Sozialkompetenz der Kinder und Jugendlichen. Das Schulprogramm wurde vorgängig an Pilot-Schulen getestet. Das Feedback war äusserst positiv. «Vor allem die Reani-

Praktische Übungen und Beispiele garantieren viel Lernspass.

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AKTUELL

FUNDIERTES FACHWISSEN UND GROSSE HILFSBEREITSCHAFT Laudatio zum Austritt von Fredy Stocker aus der Geschäftsprüfungskommission Nach langjährigem Mitwirken tritt Fredy Stocker als Mitglied der Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Schweizerischen Samariterbunds zurück. Der Zentralvorstand bedankt sich bei Fredy Stocker herzlich für seinen gewissenhaften Einsatz in dieser verantwortungsvollen Funktion und wünscht ihm alles Gute auf seinem weiteren Samariter- und Lebensweg. Weil eine ordentliche Verabschiedung an der Abgeordnetenversammlung nicht möglich war, würdigen wir sein Wirken an dieser Stelle mit einem Abdruck der Laudatio von GPK-Präsident Hans-Jörg Held. Fredy Stocker ist 1975 dem Samariterverein Trimbach beigetreten. Während der letzten 45 Jahre hast du alle Stufen einer Vereins- und Verbandstätigkeit durchlaufen: Du hast als Samariter angefangen, nach wenigen Jahren wurdest du Vorstandsmitglied, Vizepräsident und dann Präsident deines

Stammvereins, sodass du bereits im zarten Alter von 45 Jahren die Henry-Dunant-Medaille in Empfang nehmen duftest. Deine steile Karriere begann nun erst richtig. Du hast dich 12 Jahre im Samariterverband des Kantons Solothurn engagiert, die letzten 10 Jahre bis 2008 gar als dessen Präsident. Anscheinend war dies noch nicht genug. Du strebtest nach noch Höherem: 2010 hast du dich als Mitglied der Geschäftsprüfungskommission des SSB beworben und wurdest durch die Abgeordneten zweimal mit Glanzresultaten ins Amt gewählt respektive bestätigt. Nach dem Ausscheiden von Gérard Bilger aus der GPK im Jahr 2014 hast du spontan das Amt unseres Aktuars übernommen und dieses – wie könnte es für einen Lehrer auch anders sein – mit einem hohen Qualitätsanspruch ausgeübt. Während all der Jahre hast du dich nebst dem Protokollschreiben mit den verschiedensten Themen auseinandergesetzt und dich mit deinem fundierten Fachwissen in unsere Arbeit eingebracht. Durch deine ruhige, sympathische und hilfsbereite Art hast du in unserer Kommission zu einem entspannten Arbeitsklima beigetragen. Lieber Fredy, wir danken dir herzlich für deinen grossen Einsatz und dein Engagement für das Wohl der Samariter und wünschen dir für die Zukunft alles Gute und vor allem: gute Gesundheit. Fredy, bleib so, wie du bist.

Verabschiedung im kleinen Rahmen: Zentralpräsidentin Ingrid Oehen, Fredy Stocker und GPK-Präsident Hans-Jörg Held. (Foto: mzo)

HANS-JÖRG HELD Präsident der Geschäftsprüfungskommission

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AKTUELL

Anita Tenhagen gehörte dem Zentralvorstand von 2009 bis 2018 an und war ab 2011 dessen Vizepräsidentin.

Gebührender Dank für eine Samariterin mit viel Herzblut Verdankung der ehemaligen Vizepräsidentin des Zentralvorstands Anita Tenhagen. Eigentlich war geplant, an der Abgeordnetenversammlung in Frauenfeld Anita Tenhagen persönlich zu verabschieden und ihr langjähriges Engagement für den Schweizerischen Samariterbund zu verdanken. Leider konnte die Versammlung aus den bekannten Gründen nicht stattfinden, weshalb wir mit Anita Tenhagen übereingekommen sind, ihre Tätigkeit im Zentralvorstand in dieser Nummer unserer Verbandszeitschrift zu würdigen. Anita Tenhagen ist Samariterin durch und durch. Vermutlich wurde ihr ihre spätere Leidenschaft in die Wiege gelegt. Denn bereits ihre Mutter war Präsidentin des Samaritervereines Illnau-Effretikon. So kam Anita schon früh mit der Samariterwelt in Kontakt, und ihre Karriere war vorgezeichnet. Nicht nur, dass sie einige Jahre nach ihrer Mutter die Leitung des Illnauer Samaritervereins übernimmt. Sie wird auch Samariterlehrerin und später Instruktorin. Sie übernimmt die Leitung der technischen Kommission im Regionalverband Zürich-Oberland. Neben verschiedenen weiteren Ämtern und Aufgaben steht sie auch regelmässig als Kursleiterin für ihren Verein im Einsatz. Auch in ihrem Beruf sorgt sie – als ausgebildete Betriebssanitäterin – für Sicherheit und kompetente Erstversorgung. An der Abgeordnetenversammlung 2009 wurde Anita Tenhagen schliesslich in den Zentralvor-

stand des Samariterbundes gewählt. Zusammen mit zwei weiteren neu gewählten Mitgliedern galt es, die Ärmel hochzukrempeln und sich in die zahlreichen Dossiers einzuarbeiten. Bereits zwei Jahre später wurde die Illnauer Samariterin zur Vizepräsidentin gewählt und 2013 sowie 2017 von den Abgeordneten im Amt bestätigt. Sie vertrat den Zentralvorstand und die Samariter in zahlreichen Arbeits- und Steuergruppen. Ebenso vertrat Anita Tenhagen die Samariter an vielen Konferenzen der befreundeten Organisationen. Dabei verstand sie sich immer auch als Bindeglied zur Basis. An der Frühjahreskonferenz der Kantonalverbandspräsidenten 2018 reichte sie ihre Demission ein. Anita Tenhagen war mit Herzblut im strategischen Gremium der Samariterbewegung dabei. Mit demselben Herzblut, mit dem sie weiterhin als als Samariterin, Kursleiterin und Vizepräsidentin in ihrem Verein tätig ist. Liebe Anita, ich danke dir herzlich für deine Treue gegenüber dem Samariterwesen und die unzähligen Arbeitsstunden, die du für unsere Organisation geleistet hast. Ich wünsche dir weiterhin viel Freude und Zufriedenheit in deiner Samaritertätigkeit und freue mich auf viele Begegnungen mit dir. INGRID OEHEN Präsidentin Schweizerischer Samariterbund samariter 1/2021  21


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VEREINE UND VERBÄNDE

Auszeichnung für Innerschweizer Samariter Die kantonalen Samariterverbände Uri, Schwyz, Unterwalden und Luzern wurden mit dem Anerkennungspreis der Albert Koechlin Stiftung ausgezeichnet. Mit den Anerkennungspreisen würdigt die Albert Koechlin Stiftung (AKS) Menschen und Organisationen, die sich in unterschiedlichsten Bereichen für die Gesellschaft engagieren. Je einen

Die Preisübergabe an den Kantonalverband Luzern erfolgte anlässlich seiner Henry-Dunant-Medaillen-Feier: Peter Kasper, Gabriela Engeler, Marianne Schnarwiler (v.l.n.r.).

Preisübergabe im kleinen Kreis (v.l.n.r.): Roland Zeidler und Sonja Wiget (OW/NW), Andrea Echser und Roland Gamma (UR), Astrid Jäggi und Frieda Müller (SZ). Oben rechts: Barbara Renggli (AKS) und Peter Kasper (AKS-Stiftungsratspräsident).

24  samariter 1/2021

Anerkennungspreis von 15 000 Franken erhielten die vier kantonalen Samariterverbände von Uri, Schwyz, Unterwalden und Luzern. Die kantonalen Samariterverbände leisten zusammen mit den lokalen Samaritervereinen und den Samariter Jugendgruppen einen wichtigen Beitrag für die Gemeinschaft, begründet die Stiftung den Entscheid in einer Mitteilung. Mit ihrem Sanitätsdienst sorgen die Samaritervereine dafür, dass Verunfallte und Erkrankte bei gesellschaftlichen, sportlichen und kommerziellen Anlässen rasch Erste Hilfe und fachkundige Unterstützung erhalten. Die Mitglieder erfüllen mit Zivilcourage und Verantwortungsbewusstsein humanitäre Aufgaben im Sinne des Rotkreuzgedankens, heisst es weiter. Auch bei der Bewältigung der COVID-19-Pandemie sei auf die Samariter Verlass: So bieten die Samaritervereine Unterstützung für Menschen an, die zur Risikogruppe gehören oder unter Quarantäne das Haus nicht verlassen dürfen. Auch Gesundheitseinrichtungen können auf die Unterstützung vieler Samariterinnen und Samariter zählen.

Willkommene Unterstützung Gabriela Engeler, Präsidentin des Kantonalverbands Luzerner Samaritervereine: «Wir sind sehr stolz und dankbar, dass die AKS unser Engagement in diesen besonderen Zeiten würdigt.» Auch Frieda Müller, Präsidentin des Samariterverbands Kanton Schwyz, ist stolz über diese Auszeichnung. «Die tolle Arbeit unserer Vereine hat dazu geführt, dass die Stiftung auf uns aufmerksam wurde», sagt sie. In der momentanen Situa­tion sei das Preisgeld natürlich sehr willkommen und eine grosse finanzielle Unterstützung für den Verband und die Vereine. Aufgrund der speziellen Umstände wurde die Verleihung der AKS-Anerkennungspreise, die Anfang Januar 2021 im Rahmen eines feierlichen Anlasses hätte stattfinden sollen, nicht in der gewohnten Form durchgeführt. Stattdessen wurden die Anerkennungspreise den Preisträgern in den vergangenen Wochen anlässlich mehrerer Veranstaltungen «im kleinen Kreis» überreicht.


VEREINE UND VERBÄNDE

«Kameradschaft und Zusammenhalt sind das Wichtigste» Mehr als 50 Jahre lang lenkte Bethly Wirth als Präsidentin die Geschicke des Samaritervereins Bümpliz. Jetzt gibt sie die Vereinsführung weiter. TEXT: Christoph Zehnder

Es ist 1968, die Jugend revoltiert, das Schweizer Fernsehen sendet erstmals in Farbe, und die Samariter bieten neu auch Nothilfekurse an. Im selben Jahr wählt der Samariterverein Bümpliz eine junge Frau zur Präsidentin. Bethly Wirth erinnert sich: Zu Beginn sei es schwierig gewesen. «Als ich mit 30 angefangen habe, hiess es: ‹ Was, eine Frau als Präsidentin? ›» Mit ihrer unkomplizierten, kameradschaftlichen Art zieht sie die Skeptiker aber schon bald auf ihre Seite. Über fünf Jahrzehnte lang bleibt sie Präsidentin. Sie leitet Versammlungen, stellt Jahresprogramme zusammen und plant gemeinsame Anlässe und Ausflüge. «Es geht vor allem ums Organisieren», beschreibt sie ihre Aufgabe. Mehr als 30 Jahre ist sie auch als Samariterlehrerin aktiv und engagiert sich im Samariterbund in der Kommission für Vereinsarbeit. «Ich hatte eben einfach die Zeit dafür», erklärt sie lapidar. Den « Verleider » habe sie nie gehabt, wie sie sagt. «Sonst hätte ich das nicht so lange gemacht.»

Nach 53 Jahren tritt Bethly Wirth als Vereinspräsidentin zurück. (Foto: zvg)

selten. «Wir hatten es immer schön zusammen, haben immer viel gelacht. Dafür möchte ich auch mal allen Danke sagen. Danke für all die schönen Momente und die Unterstützung!» Ein Verein habe auch eine soziale Verantwortung, findet sie. 1985 rief sie deshalb den Silberclub ins Leben, eine Gruppe für die älteren Vereinsmitglieder. Ihr war es stets ein Anliegen, dass sich niemand ausgeschlossen fühlt, schon gar nicht jene, die sich jahrelang im Verein engagiert haben. Die Samariterin ist überzeugt: «Kameradschaft und Zusammenhalt sind das Wichtigste im Verein.»

Mittlerweile haben die Bümplizer ein neues Vereinslokal gefunden und in Anita Gerber und DeDoch jetzt, nach 53 Jahren, ist Schluss. Eigentlich nise Tschannen auch eine neue Vereinsleitung. wollte sie spätestens 2018 aufhören. Weil der Ver- «Ich habe ein gutes Gefühl», sagt Bethly Wirth. ein aber plötzlich eine neue Bleibe suchen musste, Einziger Wermutstropfen ist die aktuelle Situation verschob sie den Rücktritt. «Den Lokalwechsel mit dem Coronavirus. Ein Wechsel unter normawollte ich noch mitmachen. Aber für mich war len Umständen wäre ihr lieber gewesen. Dennoch klar: Sobald wir gezügelt haben, höre ich endgültig blickt sie zuversichtlich in die Zukunft des Vereins, auf.» Viele ihrer Weggefährten bedauerten das sehr. dem sie auch weiterhin die Treue hält. «Ich werde «Einige meinten, wenn ich aufhöre, geht der Ver- sicher noch an Übungen und der Vereinsversammeine zugrunde. Aber so etwas will ich gar nicht lung teilnehmen. Aber einmischen werde ich mich hören!» Auch das gehört zu den Aufgaben einer nicht», verspricht sie und ergänzt: «Ich kann vielPräsidentin: den Verein zusammenhalten, den leicht gut reden, aber ich kann auch ganz gut Frieden wahren. Nötig war das zum Glück nur schweigen.»

Rücktritt verschoben

samariter 1/2021  25


WISSEN

Stummer Herzinfarkt: unterschätzte Gefahr Längst nicht jeder Herzinfarkt ist klar als solcher erkennbar. Manchmal sind die Symptome untypisch oder gar nicht vorhanden. Sogenannte stumme Herzinfarkte kommen häufiger vor als angenommen. TEXT: Christoph Zehnder

Atemnot, Engegefühl und heftige Schmerzen in der Brust – so stellen wir uns üblicherweise die Anzeichen eines Herzinfarkts vor. Diese Symptome treten aber längst nicht bei jedem Herzinfarkt auf. Er kann auch von sehr unspezifischen Symptomen begleitet sein oder sogar gänzlich unbemerkt verlaufen. In diesem Fall spricht man von einem stummen Herzinfarkt. «Betroffene bemerken dabei den Infarkt nicht oder interpretieren die Symptome anders», erklärt Barbara Stähli, Oberärztin am Herzzentrum des Zürcher Universitätsspitals. Schwächegefühl, Müdigkeit, Schwitzen oder Übelkeit können Anzeichen eines Problems mit dem Herzen sein. Wie bei jedem Herzinfarkt

•

«Rund ein Drittel aller Herzinfarkte verläuft stumm.»

•

ist auch bei einem stummen Herzinfarkt die Durchblutung des Herzmuskels gestört, was zu einer Funktionseinschränkung des Herzens führen kann. Ein Herzinfarkt ist lebensbedrohlich und erfordert rasches Handeln. Beim stummen Infarkt wird der Schaden, wenn überhaupt, erst später sichtbar. Manchmal erst nach Jahren. Mittels EKG 26  samariter 1/2021

und anderer Untersuchungsmethoden wie beispielsweise der Echokardiografie lassen sich Hinweise auf einen zurückliegenden, unbemerkten Infarkt finden. «Ein Infarkt hinterlässt vernarbtes Gewebe am Herzen. Solche Narben werden manchmal zufällig entdeckt, während einer Untersuchung in einem anderen Zusammenhang, oder führen im weiteren Verlauf zu einer Herzschwäche», sagt die Kardiologin. Genaue Zahlen über die Häufigkeit gebe es kaum, da sich der stumme Infarkt eben gerade dadurch auszeichne, dass er unbemerkt ablaufe. Stumme Herzinfarkte sind aber keine Seltenheit. In einer Langzeitstudie mit 2000 Personen zeigte sich in einem Beobachtungszeitraum von 10 Jahren bei 10 Prozent der Teilnehmenden Zeichen eines stummen Infarkts. «Je nach Definition geht man davon aus, dass rund ein Drittel der Herzinfarkte stumm verlaufen», sagt Barbara Stähli.

Ursachen und Folgeschäden Die Gefahr von Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt mit dem Alter. Männer tragen allgemein ein höheres Infarktrisiko. Frauen hingegen weisen bei einem Herzinfarkt häufiger atypische Anzeichen wie Schwindelgefühl und Übelkeit auf. Die Symptome können nach einer Weile wieder verschwinden. Sind die Beschwerden erst weg, sehen Betroffene oft keinen Grund mehr, sich untersuchen zu lassen. Stattdessen werden die Symptome einer Grippe oder sonstigen vorübergehenden


Die Spuren eines stummen Herzinfarkts werden manchmal nur durch Zufall entdeckt.

Umständen zugeschrieben. Dies macht einen Herzinfarkt besonders gefährlich, denn unbehandelt erhöht sich die Gefahr von Folgeschäden. Herzinfarktpatienten haben langfristig ein höheres Risiko für weitere kardiovaskuläre Ereignisse. Ein identifizierter Infarkt ermöglicht aber eine gezielte Behandlung, die eine optimale Kontrolle der kardiovaskulären Risikofaktoren und einen gesunden Lebensstil beinhaltet. Als Ursachen für einen stummen Herzinfarkt spielen gemäss Barbara Stähli dieselben Faktoren wie bei einem klassischen Infarkt eine Rolle. Neben erblicher Vorbelastung erhöht vor allem ein ungesunder Lebensstil das Risiko: Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung und Stress sind Gift für unser Herz.

Warum manche Herzinfarkte praktisch unbemerkt verlaufen oder untypische Symptome aufweisen, ist nicht restlos geklärt. Von Diabetespatienten weiss man, dass die hohen Blutzuckerwerte neben den Blutgefässen auch das Nervensystem beschädigen. Dadurch kann auch das Schmerzempfinden beeinträchtigt werden. Betroffene spüren den Infarkt nicht, weil das Schmerzsignal ausbleibt.

Unbehandelt in der Pandemie Dass Betroffene häufig zögern und nicht sofort professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, zeigte sich im letzten Frühling deutlich: Zu Beginn der Coronapandemie gingen die Behandlungszahlen von Herzinfarkten und Schlaganfällen markant samariter 1/2021  27


zurück. Auch das Universitätsspital Zürich verzeichnete laut Barbara Stähli einen Rückgang um rund 40 Prozent. «Diese Entwicklung konnte man weltweit beobachten. Eigentlich wäre eher das Gegenteil zu erwarten gewesen, da COVID-19 auch die Herzgefässe schädigen kann.» Die sinkenden Behandlungszahlen sorgten in Fachkreisen für Besorgnis. Kommt hinzu, dass Menschen mit HerzKreislauf-Erkrankungen zu den besonders gefährdeten Personen gehören. Es ist für sie umso wichtiger, ihre Therapie weiterzuführen und bei einer Zunahme von

•

«Im Zweifelsfall lieber einmal zu viel zum Arzt!»

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Beschwerden die Behandlung anzupassen. Im April riefen die Schweizerische Herzstiftung und die Schweizerische Gesellschaft für Kardiologie deshalb die Bevölkerung dazu auf, mögliche Anzeichen ernst zu nehmen und sofort den Notruf 144 zu alarmieren.

ANZEICHEN EINES HERZINFARKTS • Heftiger Druck und klemmende, beengende oder brennende Schmerzen in der Brust (Dauer länger als 15 Minuten), oft verbunden mit Atemnot und Todesangst • Manchmal Ausstrahlung des Schmerzes in den ganzen Brustkasten, gegen beide Schultern, Arme, den Hals, Unterkiefer oder Oberbauch • Mögliche Begleitsymptome sind blasse, fahle Gesichtsfarbe, Übelkeit, Schwäche, Schweissausbruch, Atemnot, unregelmässiger Puls Quelle: Schweizerische Herzstiftung

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Die Vermutung liegt nahe, dass auch die zögerliche Haltung von Betroffenen eine Rolle beim Rückgang der Behandlungszahlen gespielt hat. Wir erinnern uns: Im Gesundheitswesen wurde schon früh alles unternommen, um für einen Ansturm von COVID-19-Patienten gerüstet zu sein. Nicht dringende Eingriffe wurden verschoben, die Kapazitäten in der Intensivpflege hochgefahren, die medizinischen Einrichtungen von Armee und zivilen Organisationen unterstützt. Unter ihnen auch Samariterinnen und Samariter.

Rasche Abklärung wichtig Die aussergewöhnliche Situation und vielleicht auch die Angst vor einer Ansteckung dürften einige Menschen davon abgehalten haben, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen, obwohl sie diese benötigt hätten. Zu Unrecht, denn Ärzte und Notfalldienste haben bereits früh reagiert und die nötigen Vorkehrungen getroffen, um die Versorgung von HerzKreislauf-Patienten weiterhin auf höchstem Niveau zu gewährleisten. Ein Verdacht auf einen Herzinfarkt sollte nämlich immer so rasch wie möglich abgeklärt werden. Auch wenn die Symptome nicht der gängigen Vorstellung entsprechen, «im Zweifelsfall lieber einmal zu viel zum Arzt!», rät Barbara Stähli. Und auch für Laienhelfer ist gut zu wissen, dass ein Herzinfarkt nicht immer von klassischen Symptomen begleitet sein muss.

Quellen Holy, EW, et al. Cardiology Journal 2020;27(5):633-5; Turkbey, EB, et al. J Am Coll Cardiol 2015;314(18):1945-54


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AUS DEN ROTKREUZ-ORGANISATIONEN

Mehr Anerkennung für freiwilliges Engagement Im Namen von 28 Organisationen hat das Schwei­zerische Rote Kreuz dem Eidgenössischen Parlament ein Manifest zur Förderung und Anerkennung von freiwilligem Engagement übergeben. Freiwillige leisten in Krisenzeiten wie auch im Alltag einen essenziellen Beitrag, damit unsere Gesellschaft funktioniert. Dies muss honoriert werden. Freiwilliges Engagement muss auch in Zukunft attraktiv und gesellschaftlich relevant gestaltet sein, denn es trägt massgeblich zum politischen, gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Funktionieren der Schweiz bei. Freiwilliges Engagement braucht eine Ansprechstelle auf nationaler Ebene, öffentliche Anerkennung, den Abbau von administrativen und rechtlichen Hindernissen und ein Anrecht auf unbezahlten Freiwilligen-Urlaub oder ein freiwilliges soziales Jahr. Dies fordern 28 Organisationen in einem gemeinsam unterzeichneten

Übergabe des Manifests zur Förderung und Anerkennung von freiwilligem Engagement an Nationalratspräsidentin Isabelle Moret. (Foto: Susanne Goldschmid)

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NATÜRLICHE HAUTPFLEGE VOM TOTEN MEER Manifest, das sie anlässlich der Jahrestagung des Netzwerks «freiwillig engagiert» an Nationalratspräsidentin Isabelle Moret übergeben haben. Auch in Krisen wie der aktuellen Coronapandemie spielen Freiwillige eine tragende Rolle für die Gesellschaft. Freiwilliges Engagement ist aber keine Selbstverständlichkeit. Die demografische Entwicklung, zunehmender Bedarf an freiwillig erbrachten Leistungen und der Wunsch nach flexibleren Einsätzen werden künftig grosse Herausforderungen zur Deckung des Bedarfs an Freiwilligeneinsätzen darstellen. Mit den Forderungen aus dem Manifest soll diesen Herausforderungen begegnet werden, damit freiwilliges Engagement auch künftig attraktiv ist.

«Unbezahlbare Ressource» Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) hatte 2020 den Vorsitz der Steuergruppe des Netzwerks «freiwillig engagiert» und daher dessen Jahrestagung durchgeführt. Sie fand aufgrund der aktuellen Situation in digitaler Form statt. «Freiwilliges Engagement verdient mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung, denn es ist eine unbezahlbare Ressource und ein wertvoller Beitrag zum Funktionieren unserer Gesellschaft», sagt SRK-Direktor Markus Mader. An der Podiumsdiskussion zum Thema «die Zukunft der Freiwilligenarbeit gestalten» nahmen Christa Markwalder (Nationalrätin FDP), Gerhard Andrey (Nationalrat GPS), Nicolas Galladé (Vorsteher Sozialdepartement Stadt Winterthur) und Aurélie Cavin (Vorstandsmitglied Schweizerische Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände) teil.

Bedeutung freiwilliges Engagement für die Schweiz Freiwillige leisten in der Schweiz jährlich mehr als 650 Millionen Stunden Einsatz im Wert von rund 34 Milliarden Franken. Freiwilligenarbeit fördert die soziale Integration und den Zusammenhalt. Sie ergänzt professionelle Dienstleistungen und sozialstaatliche Leistungen und trägt zur Deckung der Bedürfnisse der Bevölkerung bei.

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WISSEN

Ein Wundverband, der Bakterien abtötet Damit bakterielle Infektionen direkt in der Wunde bekämpft werden können, haben Empa-Forschende Membranen aus Cellulose entwickelt, die mit antimikrobiellen Eiweissbausteinen ausgestattet sind. Erste Ergebnisse zeigen: Die hautfreundlichen Membranen aus Pflanzenmaterial töten Bakterien äusserst effizient ab. TEXT: Andrea Six, Empa

Dringen Keime in eine Wunde ein, können sie eine dauerhafte Infektion auslösen, die nicht abheilen mag oder sich sogar im Körper ausbreiten und zu einer lebensgefährlichen Blutvergiftung (Sepsis) führen kann. Gerade bei komplexen Wunden stellt sich heute immer häufiger das Problem der Antibiotikaresistenz, da Bakterien wie etwa Staphylokokken unempfindlich gegen die einstige Wunderwaffe der Medizin geworden sind. Forschende der Eidgenössischen Material­ prüfungs- und Forschungsanstalt Empa haben daher Cellulosemembranen entwickelt, mit denen sich derartige Infek­ tionen im Keim ersticken lassen. Das Team um Empa-Forscherin Katharina Maniura vom «Biointerfaces»-Labor in St. Gallen stellte hierzu feine Membranen aus pflanzlicher Cellulose mittels Electrospinning her. Die Cellulosefasern mit einem Durchmesser unter einem Mikrometer wurden zu einem zarten dreidimensionalen Gewebe in mehreren Schichten gesponnen. Besonders flexibel und gleichzeitig stabil wurden die Membranen, nachdem die Forschenden zusätzlich das Polymer Polyurethan miteingesponnen hatten. Um einen antibakteriellen Effekt zu erzielen, entwarfen die Forschenden multifunktionale Eiweissbausteine – sogenannte Peptide –, die sich einerseits an die Cellulosefasern binden können und anderseits eine antimikrobielle Aktivität aufweisen. Diese Peptide haben den Vorteil, dass sie einfacher herzustellen sind und stabiler bleiben als grös­sere Proteine, die empfindlicher auf die chemischen Bedingungen in einer Wunde reagieren.

Hautfreundliche Membranen Behandelte man die Cellulosemembranen mit einer derartigen Peptidlösung, sättigte sich das Faserngerüst mit den Eiweissbausteinen. In Zellkul32  samariter 1/2021

turexperimenten wiesen die Forschenden daraufhin nach, dass die Peptid-haltigen Membranen für menschliche Hautzellen gut verträglich sind. Für Bakterien wie Staphylokokken, die häufig in schlechtheilenden Wunden zu finden sind, waren die Cellulosemembranen hingegen ein Todesurteil. «In Bakterienkulturen wurden über 99,99 Prozent der Keime durch die Peptid-haltigen Membranen abgetötet», so Maniura. Künftig sollen die antimikrobiellen Membranen zudem mit weiteren Funktionen ausgestattet werden. «Die Peptide könnten beispielsweise mit Bindungsstellen funktionalisiert werden, die eine kontrollierte Abgabe von weiteren therapeu­tischen Wirkstoffen ermöglichen», so Maniura.

Yoga für Bindegewebszellen: In Gegenwart der multifunktionalen Eiweissbausteine einer CelluloseOberfläche heften sich menschliche Bindegewebszellen (Fibroblasten), wie erhofft, besser an und beginnen, sich gleichmässig zu verteilen.


WUSSTEN SIE?

Zertifizieren lohnt sich Die Zewo ist die Zertifizierungsstelle für gemeinnützige Non-Profit-Organisationen (NPO), die in der Schweiz Spenden sammeln. Sie sorgt für Klarheit und Vertrauen rund ums Spenden. TEXT: zewo.ch; Dana Mostosi

Die Zewo setzt sich dafür ein, dass gemeinnützige NPO ihre Spenden zweckbestimmt, wirksam und wirtschaftlich einsetzen. Dazu hat sie 21 Standards festgelegt. Diese Standards der Zewo umfassen ethische Aspekte und verlangen von den NPO eine gute Führung und Organisation sowie angemessene Kontrollen. Sie verpflichten zum vertrauenswürdigen Umgang mit Spenden und zu einer klaren Information der Spenderinnen und Spender. Organisationen, die das Gütesiegel der Zewo tragen wollen, müssen sich von der Zewo prüfen lassen. Erfüllen sie die 21 Standards, verleiht ihnen die Zewo das Gütesiegel. Spenderinnen und Spender erkennen an dem Signet, dass ihre Spende in guten Händen ist. Alle fünf Jahre überprüft die Zewo die zertifizierten NPO und stellt sicher, dass sich diese weiterhin an die Standards halten. Der Schweizerische Samariterbund trägt das Zewo-Gütesiegel seit 1988. Die nächste Überprüfung erfolgt 2021. Bei Spendenaufrufen seitens der Geschäftsstelle wird stets das Gütesiegel platziert. Dies bietet eine wertvolle Orientierungshilfe beim Spenden. Zudem profitiert der SSB als zertifizierte NPO von zahlreichen Vorteilen und Rabatten, Sondertarifen und Spezialangeboten wie Vorzugskonditionen bei der Post sowie diversen Medienunternehmen. Für Organisationen als Teil eines nationalen Netzwerks mit einer gesamtschweizerischen oder überregionalen Dach-/Mutterorganisation und rechtlich selbstständigen, regionalen Verbänden (Unterorganisationen) regelt der Zewo-Standard 16 das erleichterte Verfahren zum Erlangen des Gütesiegels.*

So gut kennen Spenderinnen und Spender das Zewo-Gütesiegel Das Zewo-Gütesiegel ist seit der Einführung des neuen Signets im Jahr 2017 deutlich bekannter geworden. Besonders häufig achten jene darauf, die in einem Jahr mehr als 200 Franken gespendet haben. Das zeigt der Vergleich von zwei repräsentativen Umfragen im Auftrag der Zewo, welche die Bekanntheit des Gütesiegels untersucht haben. Auch in der Romandie ist das Zewo-Gütesiegel bekannter geworden und wird beim Spenden mehr beachtet. In der Deutschschweiz kennen 59 Prozent aller Spendenden das Gütesiegel. Davon beachten es 65 Prozent. In der Romandie kennt es knapp jede vierte Person, die spendet. * Ausblick: In einem kommenden Magazin werden wir näher auf einzelne Standards eingehen, wie beispielsweise demjenigen betreffend das erleichterte Verfahren für Unterorganisationen.

Das Zewo-Gütesiegel garantiert den sorgfältigen Umgang mit Spendengeldern. Der Schweizerische Samariterbund trägt es seit 1988.

SPENDENKALENDER Zertifizierte NPO erhalten ein Zeitfenster für ihre grossen, nationalen Spendensammlungen. Die Zewo koordiniert diese Sammeltermine nach thematischen «Kategorien», damit nicht alle Organisationen gleichzeitig zum Spenden aufrufen. Der SSB hat für 2021 zwei Sammlungszeitfenster erhalten: je 13 Tage im April für eine Streusendung der Geschäftsstelle und 13 Tage im September für die schweizweite Samaritersammlung. samariter 1/2021  33


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02/2021

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