

Bundesverband Tierschutz e.V.

Magazin des
Bundesverband Tiersc hutz e.V. Ausgabe 2/2025

Wer mit den Wölfen heult

Inhalt
Interview mit Dr. Antje Oldenburg
Seite 4 Sachbezogene Debatte um Wölfe überfällig
Zunahme von Animal Hoarding-Fällen
Seite 8 Wir fordern begleitende Psychotherapie
Hundetrainerin warnt:
Seite 10 Ständige Kontrolle schadet dem Hund
Kolumne von Fred Grimm
Seite 13 Tierärzte aus der Natur
Spendenaufruf
Seite 14 Übernehmen Sie eine Patenschaft für unsere Pferde?
Achtung Lebensgefahr: Seite 15 Hunde vor Überhitzung schützen
Tierheim Wesel Seite 16 Wir stellen die neue Leiterin Andrea van Vorst vor
EU geht gegen illegalen Welpen vor Seite 18 Schärfere Bestimmung auf Online-Plattform edogs
Stadtfüchse
Seite 20 Die Story zum Bild
Studie belegt:
Seite 21 Tierschützer haben eine hohe psychische Belastung
Lucys aufregende Welt
Seite 22 Hund als Kind-Ersatz?
Tierheim Wesel Seite 23 Happy End für Anthony
Impressum
Tierschutz-Magazin des Bundesverband Tierschutz e.V. Herausgeber: Bundesverband Tierschutz e.V., Karlstraße 23, 47443 Moers Tel. 02841 / 252 44, E-Mail: office@bv-tierschutz.de, Webseite: www.bv-tierschutz.de Redaktion: Verantwortliche Redakteurin i.S.d.P.: Claudia Lotz Hauptstadt-Pressestelle, Tel. 0331 / 235 411 47, E-Mail: lotz@bv-tierschutz.de Fotos: Bundesverband Tierschutz e.V., Tierheim Wesel, Illustrationen Seiten 15 und 22 © Ronja Sievers; Titelbild © Olgalis /dreamstime.com, Kangal Seite 6 © zz3701 /iStock, Seite 8 © Vadim Ginzburg /dreamstime.com, Seite 9 © Ylivdesign /dreamstime.com, Seite 10 © fotografixx /iStock, Seite 11 © dageldog /iStock, Seite 20 © Johannes Schiffner, Rückseite © Miguegranaino9 /dreamstime.com Gedruckt auf FSC-zertifiziertem Recyclingpapier mit „blauem Engel“, Auflage ca. 2.500 Exemplare Kontakt Tierheim Wesel: An der Lackfabrik 4, 46485 Wesel Tel. 0281 / 566 99, E-Mail: info@tierheim-wesel.de, Webseite: www.tierheim-wesel.de
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Während dieses Magazin fertig gestellt wird, geht ein ganz besonderer Fall durch die Medien: Im Frühjahr 2024 verschafften sich zwei „Aktivisten“ Zutritt in einen Schlachthof, um das Leid von Schweinen unter CO2Betäubung filmisch festzuhalten. Das Material wurde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Im Juli 2025 verhandelte das Landgericht Oldenburg über den (rechtlich bezeichneten) „Hausfriedensbruch“ und verurteilte die Tierschützer zu einem Schadensersatz von 98.000 Euro an den Schlachthofbetreiber.
Der Schlachthof habe keinen Rechtsverstoß begangen, der die Straftat der beiden „Aktivisten“ rechtfertigen würde, so die Argumentation des Gerichts. Die CO2-Betäubung ist legal, sie ist ein nach EU-Recht zulässiges Verfahren und mit dem deutschen Tierschutzgesetz vereinbar.
Die ethische Frage: Wenn die CO2-Betäubung legal, aber grausam ist, weil sie den Schweinen einen schmerzhaften, leidvollen Weg in den Tod beschwert, dürfen dann nicht alle Mittel und Wege ausgeschöpft werden, um dieses Unrecht zu dokumentieren? Muss sich der demokratische Staat nicht gefallen lassen, dass Missstände offengelegt werden, indem Videos auch heimlich gedreht und verbreitet werden, um die Öffentlichkeit aufzuklären?
Um den ethischen Aspekt geht es immer im Tierschutz: Die einen tun den Tieren etwas an – und die anderen versuchen das Unrecht an den Lebewesen wieder gut zu machen. Dass der Tierschutz ein Arbeitsumfeld mit hoher psychischer Belastung ist, wie eine Studie herausstellt, kann dabei nicht wirklich überraschen (Seite 21).
Vorwort
Belastend, wenn auch in völlig anderer Hinsicht, kann auch die fortwährende Kontrolle von Hundehaltern über ihren Hund sein, wie die Hundeexpertin Katharina Marioth in ihrem spannenden Beitrag ausführt. Wie beide – Hund und Besitzer – aus dieser Überfürsorglichkeit herausfinden, lesen Sie auf den Seiten 10 bis 12.
In unserem Titelthema geht es in dieser Ausgabe um den Wolf und die Kontroverse, die seine Rückkehr nach Deutschland begleitet. Dr. Antje Oldenburg, die sich ehrenamtlich im NABU engagiert, lässt uns teilhaben an der aktuellen Debatte um Wölfe, ihren Schutzstatus und effektives Weidetiermanagement.
Dass sich neben allen aktuellen Ereignissen (Zunahme von Animal Hoarding-Fällen, Seite 8) auch in unserem Tierheim viel getan hat, beschreiben wir in den folgenden Beiträgen: Das Tierheim hat seit 1. Juli eine neue Leiterin. Andrea van Vorst stellen wir Ihnen auf den Seiten 16 und 17 vor – und der letzte Dobermannbruder hat endlich ein Zuhause gefunden. Wo Anthony heute lebt und wie glücklich er seine neue Familie macht, erzählen wir Ihnen auf der letzten Seite dieses Magazins.
Ich danke für Ihr Vertrauen in uns und wünsche Ihnen einen schönen Spätsommer.
Herzlichst,
Ihre Claudia Lotz
Interview mit Dr. Antje Oldenburg „Der Wolf sei satt, die Schafe unversehrt“

ist die Ansprechpartnerin für das Thema Wolf und Herdenschutz. Wie notwendig die Rückkehr zu einer faktenbasierten Debatte ist, wenn es um die (vermeintliche) Gefährdung durch wieder in Deutschland ansässige Wolfsrudel geht, erklärt die überzeugte Naturschützerin im Interview.
Wann kam der Wolf nach Deutschland zurück – und wo leben die meisten Rudel?
Dr. Antje Oldenburg: Seit ein aus Westpolen zugewandertes Paar im Jahr 2000 in der Muskauer Heide, einem Truppenübungsplatz in der Oberlausitz (Sachsen), zum ersten Mal nach rund 150 Jahren für wölfischen Nachwuchs auf deutschem Boden sorgte, ist der Bestand auf 209 Rudel, 46 Paare und 19 residente Einzeltiere im Monitoringjahr 2023/24 angewachsen.
Diese Entwicklung verlief zunächst sehr schleppend: Es dauerte fünf Jahre, bis im Monitoringjahr 2005/06 ein zweites Rudel nachgewiesen wurde, 2010/11 waren es sieben und 2015/16 siebenundvierzig Rudel. In den Folgejahren zogen die Zuwachsraten kräftig an und schwächten sich mit Beginn der 2020er Jahre wieder deutlich ab – eine Populationsentwicklung, wie sie auch für andere, sich ausbreitende Arten charakteristisch ist.
Da die Ausbreitung in nordwestlicher Richtung erfolgt, konzentrieren sich die Wolfsvorkommen nach wie vor auf die nordöstlichen Bundesländer, während die Wiederbesiedlung anderer Landesteile nur sehr zögerlich verläuft. Zwar haben sich in Bayern (7), Baden-Württemberg (1), Hessen (1), Nordrhein-Westfalen (2), Rheinland-Pfalz (2),
Schleswig-Holstein (1) und Thüringen (1) inzwischen einige wenige Rudel etabliert, die meisten lebten im Monitoringjahr 2023/24 jedoch in Brandenburg (58), gefolgt von Niedersachsen (48), Sachsen (37), Sachsen-Anhalt (32) und MecklenburgVorpommern (19).
Gilt der Wolf (noch) als gefährdet?
Dr. Antje Oldenburg: Am 6. Dezember 2024 hat der Ständige Ausschuss der Berner Konvention einen Vorschlag der Europäischen Union gebilligt, den Schutzstatus des Wolfs von „streng geschützte Tierart“ (Anhang II) auf „geschützte Tierart“ (Anhang III) herabzustufen. Nachdem diese Herabstufung drei Monate später in Kraft getreten war, hat am 8. Mai 2025 auch die Mehrheit der EU-Abgeordneten in das populistische Anti-WolfsGeheul von Kommission und Rat eingestimmt und der Änderung der Anhänge IV und V der FloraFauna-Habitat-Richtlinie (FFH-RL) zugestimmt. Diese Entscheidung ist rein politischer Natur und wurde auf fragwürdige Weise im Schnellverfahren unter Umgehung von Artikel 19 der FFH-Richtlinie durchgedrückt, demzufolge Änderungen zur Anpassung des Anhangs IV an den technischen und wissenschaftlichen Fortschritt einen einstimmigen Beschluss erfordern.
Dass die wissenschaftlichen Voraussetzungen für eine Umlistung in Anhang V nicht erfüllt sind, hatten bereits im Vorfeld der Abstimmung im Ständigen Ausschuss der Berner Konvention mehr als 700 Fachleute der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft sowie der Large Carnivore Initiative for Europe, der renommierten Fachgruppe für große Beutegreifer im IUCN (International Union for Conservation of Nature), in einer gemeinsamen Stellungnahme deutlich gemacht, in der die pauschale europaweite Abschwächung des Schutzstatus als voreilig kritisiert wurde. Nach Auffassung der Expertinnen und Experten basiert der Beschluss auf lückenhaften, widersprüchlichen Grundlagen, sei wissenschaftlich nicht ausreichend fundiert und schaffe einen gefährlichen Präzedenzfall, der in Zukunft weitere Arten gefährden könne.
Insgesamt betrachtet ist die Entscheidung des EU-Parlamentes ein herber Rückschlag und ein Angriff auf den europäischen Artenschutz und es bleibt zu hoffen, dass die vor kurzem von der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe e.V. und dem Freundeskreis freilebender Wölfe e.V. angekündigte gemeinsame Klage vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) Erfolg haben wird.
Warum kommt es zu Konflikten zwischen Mensch und Wolf?
Dr. Antje Oldenburg: Mensch-Tier-Konflikte sind ein weltweites Phänomen und können überall dort auftreten, wo die Lebensräume und Interessen von Menschen und Wildtieren aufeinandertreffen. Sie nehmen aufgrund des ungebremsten Bevölkerungswachstums und der damit einhergehenden Expansion von Städten und Siedlungen, der Zerschneidung von Lebensräumen durch Verkehrsinfrastruktur und der Erschließung neuer Flächen zur landwirtschaftlichen Nutzung oder zur Rohstoffgewinnung weiter zu.
Konflikte zwischen Mensch und Wolf drehen sich seit jeher um zwei Problemfelder: Der Gefährdung von Menschen und Weidetieren. Würde die Debatte um die Gefahr für Menschen ausschließlich faktenbasiert geführt, so wäre sie schnell beendet, denn an der Gefahrenlage hat sich seit der Rückkehr der Wölfe in ihr angestammtes Verbreitungsgebiet nichts geändert. Das Ergebnis der beiden NINA-Studien von 2002 und 2021, die Wolfsübergriffe zwischen 1950 und 2000 sowie zwischen 2002 und 2020 untersuchten, hat nach wie vor Gültigkeit: Wolfsangriffe auf Menschen sind in Europa trotz steigender Wolfspopulation extrem gering. Das Risiko, durch einen Zeckenbiss, einen Wespenstich oder bei einem Wildunfall zu sterben, ist ungleich größer als durch einen Wolf.


Doch das kulturhistorische Verhältnis zwischen Wolf und Mensch, die Geschichten, Märchen, Legenden und Sagen, die ihn als blutrünstige, gefräßige Bestie, als Inkarnation des Bösen schlechthin darstellen und unsere Vor- und Einstellungen zumindest unterschwellig beeinflussen, sind eine schwere Bürde, die von populistischen Bewegungen geschickt genutzt wird, um Emotionen zu wecken und Ängste zu schüren statt auf einen sachlichen Umgang mit dem Thema hinzuarbeiten.
Im Gegensatz zu Menschen gehören Weidetiere, insbesondere Schafe und Ziegen, zum Beutespektrum von Wölfen und sind daher grundsätzlich einer Gefährdung ausgesetzt. Wie sämtliche nationalen und internationalen Studien, Untersuchungen und Erhebungen zeigen, hängt dabei das Ausmaß der Nutztierschäden nicht in erster Linie von der Größe des Wolfsbestandes oder der Anzahl der Nutztiere ab, sondern von der Frage, wie gut oder schlecht Weidetiere geschützt werden.
Anders ausgedrückt: Herdenschutz funktioniert, wo er fachgerecht nach bestem Wissen und Gewissen ausgeführt wird. Leider ist eine fachgerechte Anwendung von Herdenschutzmaßnahmen selbst in Bundesländern mit mehrjähriger Wolfspräsenz noch immer keine Selbstverständlichkeit, obwohl längst eine Bandbreite an Informationsmaterialien in gedruckter und digitaler Form zur Verfügung stehen, Herdenschutzmaßnahmen gefördert, Entschädigungen gezahlt und Beratungen von Wolfsberatern, staatlichen Institutionen und Nichtregierungsorganisationen angeboten werden. So geht beispielsweise aus dem Bericht zu Prävention und Nutztierschäden 2023 hervor, dass in Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt in bis zu drei Viertel der Übergriffe auf Schafe und Ziegen kein bzw. nur ein eingeschränkter Mindestschutz vorhanden war.
Dabei ist insbesondere bei Nebenerwerbsbetrieben und in der Hobbyhaltung noch viel Luft nach oben, während sich die meisten Haupterwerbsbetriebe inzwischen der Herausforderung gestellt und den
Deutsche Märchenstraße: Skulptur von Wolf und Geißlein auf dem Kirchplatz in Wolfhagen

Herdenschutz in ihren Arbeitsalltag integriert haben. Wichtig ist, aus den Fehlern und Versäumnissen der Naturschutzverbände, der Politik und der zuständigen Behörden und Institutionen zu lernen und künftig die Bevölkerung rechtzeitig sachlich und wissenschaftsbasiert über Wölfe zu informieren sowie die Weidetierhaltenden so früh wie möglich davon zu überzeugen, dass nur die Umsetzung von geeigneten Präventionsmaßnahmen ein Garant für ein langfristiges Miteinander von Menschen, Weidetieren und Wölfen ist.
Welche Lösungen gibt es – und welche Wege gehen andere Länder?
Dr. Antje Oldenburg: Die Präsenz großer Beutegreifer ist weltweit seit Jahrtausenden Teil der bäuerlichen Lebens- und Wirtschaftsweise. In Ländern und Regionen, in denen die Wölfe nie ausgerottet wurden, gibt es eine kontinuierliche Tradition des Herdenschutzes, die von Generation zu Generation weitergegeben wurde. In diesen Regionen werden die Herden tagsüber hinter wolfsabweisenden Zäunen gehalten oder wie eh und je von Hirten und Herdenschutzhunden bewacht und nachts in Pferchen gekoppelt.
Im wolfsfreien Deutschland hatte sich indes rund 150 Jahre lang niemand mehr ernsthaft Gedanken um Herdenschutz vor großen Beutegreifern machen müssen. Schafe, Ziegen, Rinder und Pferde weideten auf eingezäunten Koppeln, doch waren die Zäune bestenfalls geeignet, die Herde zusammen zu halten. Schutz vor Eindringlingen boten sie nicht. Bewährte Methoden waren in Vergessenheit geraten und mussten wieder erlernt oder vor dem Hintergrund geänderter Haltungsbedingungen und der Entwicklung neuer Technik modifiziert werden.
Hierzulande spielen im Herdenschutz heute elektrifizierte Zaunsysteme eine zentrale Rolle, die es sowohl in mobilen als auch in festinstallierten Varianten und in unterschiedlichen Höhen gibt. Während in der Schafhaltung vielfach mobile Elektronetze Verwendung finden, werden Rinderund Pferdeweiden mit wolfsabweisenden 5- bzw.
6-reihigen Elektro-Festzäunen umgeben, deren Litzen aus hochleitfähigem Glattdraht bzw. speziellem Pferdedraht bestehen.
Je nach Tierart werden fachlicherseits Höhen von mindestens 120, 140 und 160 cm empfohlen. Da Wölfe in der Regel versuchen, unter Zäunen hindurch zu schlüpfen, ist es wichtig, dass der Abstand zwischen Boden und unterster Litze nicht mehr als 20 cm beträgt. Außerdem müssen regelmäßig Erdung und Spannung kontrolliert und Aufwuchs entfernt werden, damit der Zaun nicht an Schlagkraft und somit an Wirksamkeit verliert. Glücklicherweise gibt es inzwischen eine Bandbreite an unterschiedlichen Geräten und Maschinen zur Pflege von Herdenschutzzäunen (auch an Hanglagen und Gräben), die von Motorsensen über Tellermähwerke im Front- und Heckanbau bis hin zu selbstfahrenden Heißluftsystemen reichen und den Arbeitsaufwand deutlich reduzieren.
Neben dem technischen Herdenschutz setzt eine wachsende Anzahl an Schäfereien auf den Einsatz von Herdenschutzhunden - einer uralten Kulturtechnik, die vor allem in einigen abgelegenen Bergregionen wie beispielsweise in den Karparten, Pyrenäen, Abruzzen und im Apennin seit Jahrhunderten praktiziert wird. Ihre Aufgabe besteht darin, die ihnen anvertraute Herde selbstständig vor Übergriffen großer Beutegreifer wie Wolf, Luchs und Bär (oder auch vor zweibeinigen Eindringlingen) zu schützen und im Ernstfall auch zu verteidigen.

Von den zahlreichen regionalen Rassen, die sich in nahezu allen europäischen Hirtenkulturen herausgebildet haben, werden in Deutschland vorzugsweise fünf anerkannte Rassen gehalten und zumeist in Kombination mit Herdenschutzzäunen eingesetzt: Kaukasischer Owtscharka,Maremmano-Abruzzese, Kangal (Foto), Kuvasz und Pyrenäenberghund. Zwar ist die Zucht, Ausbildung und Sozialisation von Herdenschutzhunden nicht einfach und bedarf einer eingehenden vorherigen Beratung und Schulung, doch ist ihr Einsatz – auch in Gebieten mit hohem Prädations-
druck – äußerst effektiv, weil Wölfe die kämpferischen Auseinandersetzungen mit den großen, kräftigen und äußerst robusten Verwandten in der Regel vermeiden, um selbst keine Verletzungen zu riskieren. So haben beispielsweise die an der IG Herdenschutz plus Hund e.V. in Sachsen-Anhalt beteiligten Weidetierhaltenden mit insgesamt etwa 25.000 Tieren seit sechs Jahren keinen einzigen Riss zu vermelden.
Außerdem gibt es eine Reihe ergänzender Hilfsmittel wie beispielsweise Flatterbänder und Breitbandlitzen zur Verhinderung von Übersprüngen oder Abschreckungssysteme mit visuellen, akustischen und olfaktorischen Reizen, die aufgrund möglicher Gewöhnungseffekte meistens nur temporär als Notmaßnahme eingesetzt werden und bei anhaltender Gefährdungslage auf jeden Fall gewechselt werden sollten. Ob KI gesteuerte Abschreckungssysteme mit variierenden Stimuli geeignet sind, Wölfe auch langfristig zu vergrämen, wird derzeit in einem Forschungsprojekt in Niedersachsen erprobt.
Die Schweiz arbeitet u.a. im Herdenschutz mit Phero monhalsbändern. Was ist von dieser zusätzlichen Möglichkeit der Wolfsabwehr zu halten?
Dr. Antje Oldenburg: Grundsätzlich ist jedes praktikable und bezahlbare Mittel zur Verbesse rung des Herdenschutzes begrüßenswert. Das in der Schweiz entwickelte Pheromon-Halsband macht sich die abschreckende Wirkung von Boten stoffen zunutze, die zur innerartlichen Kommuni kation verwendet werden. Indem es die natürli chen Duftstoffe eines Wolfsreviers simuliert, senden die mit dem Halsband ausgestatteten Weidetiere ein geruchliches Warnsignal an jeden Wolf, der sich der Herde nähert: Vorsicht, dieses Territorium ist besetzt!
Die 2023 im Praxistest in der Schweiz, Italien und Österreich erzielten Ergebnisse können sich durchaus sehen lassen: In den an der Erprobung beteiligten Betrieben sank die Anzahl an Wolfsrissen um bis zu 60%. Da die Pheromon-Dispenser nur alle fünf bis sechs Monate gewechselt werden müssen, halte ich diese neue Möglichkeit der Wolfsabwehr für einen vielversprechenden Baustein in mehrgleisigen Schutzkonzepten, zumal man sie auch in so genannten Sonderstandorten einsetzen kann, also in Gebieten, in denen der Herdenschutz aufgrund topografischer Gegebenheiten erschwert ist.
Nachtpferchen und visuellen oder akustischen Abschreckungsvorrichtungen nicht zuletzt von der korrekten Umsetzung und der regelmäßigen Überprüfung ihrer Funktionalität ab. Dass die empfohlenen fachlichen Standards im Herdenschutz ebenso wenig einen hundertprozentigen Schutz garantieren können wie Fahrradschlösser mit maximaler Sicherheitsstufe oder hochmoderne Sicherheitssysteme im Auto, versteht sich eigentlich von selbst.
Dennoch werden einzelne Angriffe auf geschützte Weidetiere immer wieder dazu benutzt, sämtliche Herdenschutzmaßnahmen in Bausch und Bogen zu verdammen. Der Weg zu einer friedlichen Koexistenz von Mensch und Wolf ist beschwerlich und erfordert letztlich eine positive Grundeinstellung zu konfliktträchtigen Wildtieren, wie sie in den estnischen Sprichwörtern „Der Wolf sei satt, die Schafe unversehrt“ und „Des Wolfes Schuld, des Viehhüters Fehler“ zum Ausdruck kommt.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass vorbeugende Maßnahmen betriebsbezogen gestaltet und an die regionalen Besonderheiten wie Nutztierart, Herdengröße und Topografie angepasst sein sollten. Dabei hängt die Wirksamkeit von Zaunsystemen, Herdenschutzhunden, Behirtung,
Antje Oldenburg ist promovierte Anglistin. Sie arbeitet als Englischdozentin und Gästeführerin mit Schwerpunkt Natur/Landschaft und Kulturhistorie des ländlichen Raumes. Für den NABU bietet sie naturkundliche Führungen an und begibt sich dabei auf die Spuren unserer heimischen Wildtiere. Die gebürtige Niedersächsin hat den Freundeskreis freilebender Wölfe e.V. bei der fachlichen und rechtlichen Prüfung von artenschutzrechtlichen Ausnahmegenehmigungen unterstützt und im Rahmen von WikiWolves-Einsätzen Weidetierhalterinnen und Weidetierhaltern beim Bau wolfsabweisender Zäune geholfen.
Warum eine verpflichtende Psychotherapie wichtig wäre Immer mehr Animal Hoarding-Fälle

Im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte fliegt eine Tierhaltung auf. Wieder einmal geht es um Animal Hoarding, das „krankhafte Sammeln von Tieren“.
Nahezu 300 Degus in kaputten, verdreckten, zu kleinen Käfigen. Viele Tiere trächtig, verletzt, mit Bisswunden, Augenentzündungen, andere bewegen sich frei in der zugekoteten Wohnung. Wenigen Wochen zuvor ein Fall im Oberallgäu mit ca. 300 Kleintieren, darunter 180 Zebrafinken. In Bad Lauchstädt in Sachsen-Anhalt werden 119 Hunde aus desaströsen Verhältnissen befreit und im Osten Magdeburgs 600 Schafe sichergestellt und 400 tote Tiere auf dem verwahrlosten Grundstück gefunden. Außerdem sechs Hunde, von denen einer von der Polizei erschossen wird, weil er sich bei der Rettungsaktion aggressiv verhalten hatte.
Diese Liste könnte beliebig fortgesetzt werden –alleine diese Fälle in den vergangenen Monaten zeigen das Ausmaß der Tragödie. Oft kommt für die Tiere jede Hilfe zu spät – und wenn sie es doch geschafft haben, Verwahrlosung, Mangelversorgung, Infektionen, Verletzungen und fortwährender Trächtigkeit getrotzt zu haben, dann steht jetzt
die nächste Hürde an: Das verlorene Vertrauen zum Menschen wieder aufbauen zu können und die Chance zu bekommen, ein gutes Zuhause zu finden.
Wenn Häuser und Wohnungen geräumt werden, in denen Menschen die Tierhaltung über den Kopf wuchs, sind die vier Wände nebst Grundstück oft für längere Zeit unbewohnbar. Die Hauseigentümer müssen umfassend renovieren – und die involvierten Tierheime eine große Anzahl Tiere auf einmal aufnehmen, die in der Regel nicht gesund und verhaltensauffällig geworden sind, tiermedizinisch versorgt werden müssen und längere Zeit brauchen, ehe sie vermittlungsfähig sind.
Was sind das für Menschen, die Tiere um sich horten und dabei jedes Maß an Hygiene, Fürsorge und Verantwortung verlieren?
Vor 2010 wurde das erste Mal vom Animal Hoarding als ernstzunehmender psychischer Erkrankung gesprochen. Das Phänomen tritt weltweit auf, beschränkt sich also nicht auf den westlichen Kulturkreis.
In der Psychologie geht man davon aus, dass Animal Hoarder (sexuelle) Gewalt in der Kindheit erfahren haben, Vernachlässigung und Einsamkeit durchlitten haben. Wenn in dieser schweren Zeit ein Tier zur Seite stand, wird es als einzige stabile Komponente im Leben wahrgenommen, vertrauter Freund, Helfer und Seelsorger auf vier Pfoten.
Die enge Bindung zu Tieren setzt sich im Erwachsenenalter fort, wobei die Tiere einen Stellenwert bekommen, der wider ihre Natur ist: Sie werden zum Partner- und Freundersatz stilisiert. Es werden kaum Bindungen zu anderen Menschen aufgebaut – und wenn ja, sind sie konfliktbeladen und durch mangelndes Vertrauen gekennzeichnet.
Tod, Verlust (Partner, Arbeitsplatz etc.), Verlassenwerden – diese und weitere Lebenskrisen können dazu führen, dass die Tierhaltung ab einem bestimmten Zeitpunkt komplett entgleist. Es kommen mehr und mehr Tiere hinzu, sie werden nicht tiermedizinisch behandelt, nicht kastriert und nicht mehr adäquat mit Futter versorgt. Das Leid und die Verelendung der Tiere werden ebenso wenig wahrgenommen wie die zunehmende Verschmutzung und Verwahrlosung des Wohnumfeldes.

Häufig werden Nachbarn auf die Zustände aufmerksam, zögern noch, die entgleiste Tierhaltung anzuzeigen. Andere gehen couragiert vor und kontaktieren die zuständigen Veterinärämter. Doch nicht immer ist die Reaktion der Behörde so konsequent, wie sich die Anzeigenden das gewünscht hätten. Es folgt eine angekündigte Kontrolle, die selbst Animal Hoarder dazu nutzen, die Tierhaltung oberflächlich „ansehnlich“ wirken zu lassen. Erst wenn Auflagen nicht erfüllt werden, stehen die Ämter noch einmal vor der Tür – und doch bleibt im Nachgang so oft zu beklagen, dass die behördliche Intervention fast immer zu spät kam.
Und es stellt sich weiter heraus, dass viele Animal Hoarder bereits Tierhalteverbote hatten und dies den Behörden bekannt gewesen war! Auch unter-
einander – Ordnungsamt zu Veterinäramt – fehlt es wie zum Beispiel im Fall Bad Lauchstädt an der Weitergabe von entscheidenden Informationen, so nämlich dieser, dass die Animal Hoarderin eine bereits verurteilte Tierquälerin war.
Wenn der Druck aus der Nachbarschaft und den Behörden doch zu stark wird, gelingt es vielen Animal Hoardern, wieder und wieder den Wohnsitz zu wechseln. Sie ziehen in einen anderen Landkreis oder ein anderes Bundesland und verwischen damit ihre Spuren.
Unsere Forderungen, um der aktuellen Zunahme von Animal Hoarding-Fällen effektiv begegnen zu können:
Eine bundesweite Datenbank, in der alle Personen gelistet sind, die durch Animal Hoarding und andere Formen der Tiermisshandlungen aufgefallen sind und verwaltungsrechtliche oder strafrechtliche Tierhalteverbote erhalten haben.
Auf diese Datenbank müssten außerdem Tierkliniken, Tierarztpraxen und Tierschutzverbände sowie Tierheime Zugriff haben, weil sie häufig die ersten Ansprechpartner für Menschen sind, die eine Anzeige beim Veterinäramt scheuen und ihre Beobachtungen lieber ihrer Tierärztin oder dem nahegelegenen Tierheim mitteilen
Personelle Aufstockung von Veterinärämtern, um Tierhaltungen nicht so weit eskalieren zu lassen, dass Tiere bereits verstorben sind bzw. die Anzahl der Tiere sehr hoch geworden ist
Grundsätzlich Kontrollen unangemeldet durchzuführen
Finanzielle Aufstockung der Tierheime als Sonderbudget für Animal Hoarding-Fälle.
Neben diesen Aspekten wäre es unerlässlich, bei Animal Hoardern die Verurteilung wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz mit einer Psychotherapie zu kombinieren. Ohne diese begleitende Betreuung werden Animal Hoarder – das zeigt leider die Praxis – wieder und wieder rückfällig. Die Psychotherapie muss verpflichtend sein, weil erfahrungsgemäß Animal Hoarder keine Einsicht in ihr Krankheitsbild haben. Sie sehen sich als Retter der Tiere, fühlen sich unverstanden, diskriminiert und halten ihre Tierhaltung bis zum bitteren Ende für vorbildlich.
Unsere Bitte: Zögern Sie nicht, eine Tierhaltung anzuzeigen, wenn Sie den Eindruck haben, dass Tiere leiden. Ihr zügiges Einschreiten kann Leben retten!
Hundetrainerin warnt:
Ständige Kontrolle schadet dem Hund
Eigentlich erhoffen sich viele Hundehalter, durch Kontrolle über ihren Hund mögliches Problemverhalten zu vermeiden. Doch oft ist genau das Gegenteil der Fall: Wie man lernt, den eigenen Hund weniger zu kontrollieren und ihm mehr zu vertrauen, beschreibt die Hundetrainerin Katharina Marioth im folgenden Beitrag.

Manchmal ist zu viel Fürsorge das größte Hindernis. In der Hundetrainingspraxis zeigt sich immer wieder: Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. In diesem Artikel möchte ich Ihnen von einem besonders eindrücklichen Fall berichten, der deutlich macht, wie übermäßiges Management und Kontrolle im Alltag mit Hund zu Unsicherheit und Problemverhalten führen können – und wie der Weg zurück zur echten Beziehung gelingt. Es ist eine Geschichte über Angst, Vertrauen, Veränderung – und darüber, wie tief uns unsere Hunde spiegeln können.
Der Fall: Hündin Nala
Nala ist eine einjährige Labradoodle-Hündin –wuschelig, sensibel, charmant. Ihre Halterin, Julia, liebt sie abgöttisch. Vielleicht zu sehr. Denn aus ihrer tiefen Sorge heraus, etwas falsch zu machen oder ihre Hündin Gefahren auszusetzen, hat sich eine kontrollierende Dynamik entwickelt.
Nala ist ständig an der Schleppleine, darf nicht zu anderen Hunden, wird bei jedem Reiz abgelenkt und in ihrem Verhalten permanent korrigiert. Anfangs geschah das aus Angst vor Kontrollverlust – später, weil sich genau dieses Verhalten, das man vermeiden wollte, immer stärker zeigte.
Nala zieht an der Leine, bellt bei Hundebegegnungen, erschrickt bei raschelnden Blättern und ist auch zu Hause kaum zur Ruhe zu bringen. Sie wirkt angespannt, überfordert – und gleichzeitig wie in einer ständigen Erwartungshaltung. Julia ist erschöpft, emotional aufgerieben.
Sie sucht Hilfe bei mir – mit der Hoffnung, „dass die Hündin endlich lernt, runterzufahren“.
Analyse: Kontrolle erzeugt Unsicherheit beim Hund
Im Erstgespräch wird schnell klar: Julia meint es gut – aber sie managt jede Sekunde. Sie lebt in einer Art Dauer-Alarmbereitschaft. Jede mögliche Gefahr wird vorausgedacht, jeder Reiz möglichst schnell abgeblockt. Was dabei verloren geht: Nalas Möglichkeit, selbst zu lernen, sich selbst zu erleben und Sicherheit aus sich heraus zu entwickeln. Nala darf nicht wachsen. Sie erlebt sich nicht als kompetent – und wird dadurch immer unsicherer. Ihre Welt wird kleiner, ihre Reaktionen größer.
Ich erkenne: Der Schlüssel liegt nicht im Hund, sondern im Verhalten der Halterin. Es braucht keine neue Technik, keine weitere Korrektur –sondern eine innere Kehrtwende. Gemeinsam beginnen sie, kleine Schritte in Richtung Freiheit zu gehen – unter Anleitung, aber mit Raum für echte Erfahrungen.
Die Wende: Vertrauen statt Kontrolle beim Hund Es beginnt ganz unspektakulär – mit einem Spaziergang ohne Worte. Ich begleite Julia und Nala in ein ruhiges Waldstück. Die Leine wird lockerer. Der Blickkontakt wird gesucht – nicht erzwungen. Julia lernt, Nala zu beobachten, statt sie zu bewerten. Sie beginnt, ihrer Hündin wieder zu vertrauen.
In sicheren Umgebungen darf Nala freier laufen. Julia übt, Situationen auszuhalten, ohne sofort eingreifen zu müssen. Sie entdeckt, dass Ruhe nicht durch Kommandos entsteht, sondern durch Haltung. Zu Hause verändert sich der Umgang ebenfalls: weniger ständiges Korrigieren, mehr achtsames Begleiten. Rituale werden vereinfacht, Erwartungen angepasst.
Und dann passiert das, worauf Julia insgeheim nie zu hoffen wagt: Nala entspannt sich. Sie beginnt, sich selbst zu regulieren. Sie schnuppert, pausiert, schaut ihre Halterin an – nicht aus Unsicherheit, sondern aus Verbindung. Nala schläft tiefer, bellt weniger, zieht nicht mehr wie besessen an der Leine. Es sind keine Wunder, sondern stille Zeichen einer neuen Beziehungsqualität.
„Kontrolle gibt dem Menschen ein Gefühl von Sicherheit – dem Hund oft das Gegenteil. Wir müssen lernen, loszulassen – aber mit Struktur und Klarheit.“
Dieser Fall zeigt eindrücklich:
Weniger Management = mehr Selbstwirksamkeit beim Hund.
Vertrauen entsteht durch konsequente, ruhige Führung – nicht durch ständige Korrektur.
Orientierung ist keine Kontrolle, sondern Beziehung.
Die emotionale Welt des Menschen prägt die Sicherheit des Hundes.
Checkliste: So erkennen Sie, dass Sie Ihrem Hund zu viel sind
Sie greifen in jede Interaktion Ihres Hundes ein, bevor er selbst reagieren kann.
Ihr Hund schaut ständig zu Ihnen, aber nicht aus Verbindung – sondern aus Unsicherheit.
Sie vermeiden konsequent Hundekontakte, neue Umgebungen oder unvorhersehbare Situationen.
Sie haben das Gefühl, Ihr Hund „kann nichts alleine“ oder „funktioniert nur mit Ihnen“.
Ihr Hund zeigt auffällig viele Stresssignale (Hecheln, Zittern, Winseln, Übersprungverhalten).
Ihre Spaziergänge sind von ständiger Anspannung und Planung geprägt.
Sie fühlen sich erschöpft vom dauerhaften Management – und trotzdem ändert sich nichts.
5 Übungen für mehr Entscheidungssicherheit beim Hund
Wegkreuzungen selbst wählen lassen: Bieten Sie an Kreuzungen oder Abzweigungen die Möglichkeit, dass Ihr Hund entscheidet, wohin es geht. Beobachten Sie seine Körpersprache – und folgen Sie bewusst seiner Wahl.
Schnüffelzonen einrichten: Markieren Sie auf dem Spaziergang eine Zone (z. B. ein Waldstück), in der der Hund eigenständig erkunden darf – ohne Leinenimpulse oder Kommandos.
Reize beobachten lassen: Statt bei Begegnungen (Jogger, Fahrräder, Hunde) sofort abzulenken, bleiben Sie auf Abstand stehen und lassen Sie den Hund schauen. Atmen Sie ruhig, seien Sie präsent. Sicherheit entsteht durch gemeinsames Aushalten.
Entscheidungen im Haus üben: Lassen Sie Ihren Hund zwischen zwei Liegeplätzen, zwei Spielzeugen oder zwei Wegen im Haus wählen – ohne Eingreifen. Es stärkt seine innere Klarheit.
Frage statt Befehl: Nutzen Sie eine offene Körpersprache und laden Sie Ihren Hund ein („Magst du mitkommen?“), statt ihn zu dirigieren. Sie werden überrascht sein, wie oft Hunde kooperieren, wenn sie dürfen, statt müssen.

Körpersprache-Signale: So erkennen Sie Entscheidungssicherheit
Aufrechte Körperhaltung: Der Hund steht locker, aber stabil auf allen vier Pfoten, ohne sich kleinzumachen oder zu ducken.
Neutrale Rute: Die Rute bewegt sich locker, hängt entspannt oder wedelt leicht, ohne steif oder eingeklemmt zu sein.
Selbstgewählter Blickkontakt: Der Hund sucht Ihre Nähe oder den Blick, nicht aus Abhängigkeit, sondern weil er Verbindung sucht.
Erkundungsverhalten: Schnüffeln, sich umsehen, eigenständig Wege wählen – Zeichen für Interesse und kognitive Freiheit.
Kurzes Innehalten vor Entscheidungen: Der Hund stoppt, schaut kurz, wägt ab – und trifft dann eine Wahl. Das ist gelebte Selbstwirksamkeit.
Zwischen Angst und Vertrauen liegt die Freiheit
Der Fall Nala steht exemplarisch für viele Mensch-Hund-Teams. Gut gemeinte Überbehütung führt nicht selten zu genau dem Verhalten, das man verhindern wollte. Und manchmal ist der Weg zur Veränderung kein Training, sondern eine innere Reise.
Hundetraining bedeutet deshalb auch, die eigenen Ängste zu reflektieren. Sich zu fragen: Was will ich wirklich –und was projiziere ich auf meinen Hund? Vertrauen entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch Mut. Durch die Bereitschaft, nicht perfekt zu sein – sondern echt.
Wenn wir unsere Hunde führen wollen, müssen wir bereit sein, uns selbst zu begegnen. Die Beziehung beginnt da, wo die Kontrolle endet.
Über die Autorin
Katharina Marioth ist Hunde-Expertin, Autorin für Fachartikel und Buchautorin (Mein Herz schlägt Hund, GU Verlag). Außerdem Gründerin von Stadthundetraining und Entwicklerin des KEML-Prinzips, das Hundebesitzern „das richtige Werkzeug für jede Situation“ bietet, um den Hund souverän, gewaltfrei und mit Spaß durch die Herausforderungen des Alltags zu führen.
Fragen Sie Katharina Marioth gerne für ein Team-Management-Kommunikation-Coaching an. „Auch im beruflichen Alltag können wir viel von den Hunden lernen“, sagt die Hunde-Expertin. Für Vorträge und Seminare richten Sie Ihre Anfrage bitte an pr@stadthundetraining.de

Katarina Marioth: „Als Autorin, IHK-zertifizierte Hundeverhaltensberaterin, Sachverständige für den Hundeführerschein und den Wesenstest gefährlicher Hunde des Landes Berlin, habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, Hundebesitzern dabei zu helfen, die individuellen Bedürfnisse und Herausforderungen ihres Hundes erfolgreich zu bewältigen. Mit meinem Team arbeite ich in Deutschland, Schweiz und Österreich.
Ich bin Mitglied der ARGE Odorolodie e.V. und des Instituts für Listenhundeforschung. Ich helfe Ihnen bei Verhaltensproblemen mit Ihrem Hund. Mein Ziel ist es, Ihnen und Ihrem Hund dabei zu helfen, ein eingespieltes Team zu werden und den Alltag sicher zu meistern.“
Dieser Artikel erschien in seiner Originalversion auf PETBOOK (www.petbook.de), einem Online-Magazin für Haustiere, auf dem Hundetrainerin Katharina Marioth regelmäßig Tipps und Ratschläge rund um das Thema Hundeerziehung gibt. Wir bedanken uns für die freundliche Genehmigung, den Text nachdrucken zu dürfen. Weitere Artikel: www.petbook.de/autor/katharina-marioth
Kolumne
Tierärzte aus der Natur
„Im Prinzip haben Bären die Kopfschmerztablette erfunden“, schreibt Fred Grimm in seiner Kolumne für das Bio-Magazin Schrot & Korn (7/2025). Wir bedanken uns für die freundliche Genehmigung, den Text hier nachdrucken zu dürfen.
Von Fred Grimm
Ich muss zugeben, mit meinen Fähigkeiten als Tierbeobachter ist es nicht weit her und das liegt nicht nur an meinen schlechten Augen. Umso leichter bin ich zu beeindrucken, wenn ich lese, was Forschende dabei herausbekommen haben. Offenbar gibt es jede Menge von Tieren zu lernen. Mir war zum Beispiel neu, welche medizinischen Fähigkeiten etwa in Affen, Bären oder Haussperlingen stecken. So weben letztere beim Nestbau Fasern aus Zigarettenkippen in ihre Behausungen, weil ihnen das Gift blutrünstige Läuse und Zecken vom Halse hält. Von Würmern befallene Affen zerkauen spezielle Blätter. Sie enthalten Substanzen, die helfen, die ungebetenen Gäste auszuscheiden. Schafe und Ziegen nehmen gegen Parasiten gerbstoffhaltige Pflanzen zu sich. Auch Bären greifen zu Medizin, sobald sie Kopfschmerzen oder Entzündungen plagen. Genauer: Sie fangen an zu knabbern. Von irgendwoher wissen sie, dass Weiderinde Salicylsäure enthält, die wir NichtBaumbekauer als Grundstoff für Aspirin kennen.
Der niederländische Biologe Jaap de Roode hat diese und andere wundersamen Erkenntnisse in einem Buch zusammengetragen, das kürzlich auf Englisch erschienen ist. „Doctors by Nature“ ist eine Hommage an die medizinischen Naturtalente aus der Tierwelt und an die Forschenden, die sie entdeckt haben. De Roode hat die intensive Beschäftigung mit Monarchfaltern auf das Thema gebracht. Wenn deren Weibchen bestimmte Infektionskrankheiten bekommen, legen sie ihre Eier auf Seidenpflanzen ab. Die enthalten für Schmetterlinge eigentlich giftige Stoffe, schützen aber den Nachwuchs, ebenfalls krank zu werden. Impfen light also.



De Roode vermutet, dass unsere Urahnen sich in der Tierwelt vieles abgeschaut und so letztlich die moderne Medizin begründet haben. Je mehr er über Tiere lerne, erklärte der Wissenschaftler in einem Interview zu seinem Buch, umso größer werde sein Respekt.
Fred Grimm
Der Hamburger Journalist schreibt für Schrot & Korn seine Kolumnen „über die Wege und Umwege hin zu einer besseren Welt“.
Von den auf Gesundheit und Vorsorge bedachten Schmetterlingen und Bären ist es ein weiter Weg zu unserem neuen Landwirtschaftsminister, der laut Parteifreund Markus Söder endlich mit der „Tofu-Tümelei“ Schluss machen soll. Alois Rainer, der mit fünfzehn sein erstes Schwein schlachtete, verwahrte sich denn auch gleich nach seiner Berufung gegen Ideen, die Tierquälerei in der deutschen Fleischindustrie durch eine Sondersteuer zu beenden, mit der ein tierfreundlicherer Umbau finanziert werden könnte. Ob er tatsächlich in die traurige Parade vieler Amtsvorgänger passt, die sich Tiere nur als Rohmaterial für – möglichst billige – Schnitzel oder Wurst vorstellen konnten, lässt sich noch nicht beurteilen. Umso schöner wäre es, würde Minister Rainer bei seiner Arbeit genau jene Demut und jener Respekt leiten, mit denen Forschende wie de Roode auf unsere Mitgeschöpfe blicken.
Helfen Sie uns mit einer Patenschaft?

Wenn es heiß wird im Wendland, sieht man die Pferde im Schatten unter den mächtigen alten Bäumen stehen. Und sie stehen so, dass Menschen, die mit Pferden nicht vertraut sind, sich wundern: Die Gruppe steht Kopf an Schweif im Wechsel, auf dass jedes Pferd durch den Schweif des Nachbarn Kühlung um die Nüstern bekommt und die Fliegen vertrieben werden.
Was hat sich getan in den letzten Wochen, die unsere drei Pferde nun in Thunpadel bei Lüchow Dannenberg im Wendland leben?
Zuerst einmal gibt es eine Liebesgeschichte zu erzählen – und zwar von Davinci, dem sechs Jahre alten Rappen, der nicht mehr geritten werden darf und darum zum „Gnadenbrotpferd“ wurde. Ihn haben wir im Februar mit dem Fuchs Felix und der alten Ponystute Fee aufgenommen und hier auf dem Kastanienhof mit seinen weitläufigen Weiden bei der Pferdefamilie Lange untergebracht.
Davinci hat plötzlich Lucienne gesehen, eine 20 Jahre alte Stute, die der Hofbesitzerin Annette Lange gehört. Und beschlossen, ihr fortan zur Seite zu stehen und dies wörtlich zu nehmen. Die beiden Pferden grasen dicht beieinander, die Nüstern berühren sich, sie folgen sich beim langsamen Schreiten über die Weide und machen auf Beobachter einen innig vertrauten Eindruck – Pferdeglück eben.
Genauso haben sich auch Felix und die Ponystute Fee nach neuen Freunden umgeschaut und ihre Begeisterung für den Neuzugang Jasper, einen Friesen, entdeckt. Die Drei fühlen sich sichtlich wohl miteinander und stehen oft gemeinsam im Schatten der alten Bäume (Bild oben).
Fee, Felix und Davinci hatten bei ihrer Ankunft im Februar auf dem Kastanienhof mit Haarlingen zu kämpfen. Die kleinen Parasiten verursachen großen Juckreiz und führen zu entsprechenden Wunden, wenn sich die Pferde mit Zähnen bearbeiten, um die Krabbelei zu unterbinden. Die Pferde werden mit einer Lotion behandelt, die über den Rücken gegossen wird und die Haarlinge abtötet.
Die zierliche Stute Fee, die nach einer Tierquälerei nur knapp mit dem Leben davonkam, hatte nicht nur zusätzlich noch eine Pilzinfektion im Gepäck, sondern auch noch eine periodische Augenentzündung, die schubweise auftritt.
Ein akuter Schub zeigt sich durch Schwellung, Tränen und Röte der Augen bzw. einem weißlichen Schimmer im Augeninneren, der auf den ersten Blick wie eine entstehende Blindheit wirkt. Doch die Tierärztin, die selbst bis abends auf den Hof kommt, wenn ein Pferd Hilfe braucht, hat Entwarnung gegeben und erklärt, dass es sich nicht um eine drohende Erblindung handelt, sondern um eine körpereigene Reaktion auf die Augenentzündung. Die Salbe, mit der die Entzündung behandelt wird, schlägt gut an – und überhaupt geht es Fee besser, wenn auf sonnengleißende, heiße Tage kühlere folgen. Denn das UV-Licht reizt ihre Augen,
Fee mit Lichtschutzmaske, rechts Felix

Bitte helfen Sie uns mit Spenden und/oder einer Patenschaft, den Unterhalt der drei Pferde zu finanzieren. Die Pferde kosten im Monat zusammen ca. 1000 Euro, hinzu kommen die Rechnungen für die Tierärztin, den Hufschmied und die Medikamente.
Wir bedanken uns im Voraus für Ihre Hilfe. Bitte geben Sie bei einer Spende das Stichwort Pferde Kastanienhof ein. Sollten Sie eine Patenschaft übernehmen wollen, wählen Sie „Ihr Pferd“ aus und legen den Monatsbetrag fest, mit dem Sie für „Ihr Pferd“ da sein möchten.
Warum schon wenige Minuten im Auto tödlich sein können Achtung! Lebensgefahr!
„Sie wollten sich nur schnell im See erfrischen und ließen dazu ihre Menschen ganz kurz im Auto. Doch für ihre Besitzer kam jede Hilfe zu spät, weil sich das Auto in der Sonne lebensgefährlich aufgeheizt hatte…“
Mit dieser Illustration will unsere Tierschutzlehrerin Ronja Sievers auf die jährlich wiederkehrenden Vorfälle mit zurückgelassenen Hunden in Autos hinweisen. Dass die Illustratorin dieses Mal die Menschen in ihren Autos unter der zunehmenden Aufheizung des Wagens leiden lässt, ist künstlerische Freiheit zu nennen.
Zugrunde liegt ihrer Illustration ein in diesem Sommer durch die Medien gehender Fall: Ein junger Mann lässt den Familienhund im Auto auf einem Parkplatz zurück und geht schwimmen. Als er erfrischt zum Auto zurückkehrt, ist der Hund lebensgefährlich dehydriert – er stirbt.
Und es nicht der einzige Fall. Immer wieder unterschätzen Hundebesitzer die Schnelligkeit, mit der sich das abgestellte Auto bei sommerlichen Temperaturen (selbst im Schatten!) aufheizt und bringen ihr Tier damit in Lebensgefahr.
Schon Minuten in einem heiß werdenden Wagen können für Hunde zur tödlichen Falle werden. Der Grund: Hunde können nicht wie Menschen schwitzen, sondern gleichen hohe Außentemperaturen durch Hecheln aus. Allerdings nur bis 27 Grad. Darüber hinaus gehende Temperaturen führen bei Hunden zum Wasserverlust und lassen das Blut eindicken – Kreislaufversagen und Tod sind die Folge.
Deswegen gilt: Hunde dürfen niemals bei Außentemperaturen ab 22 Grad im Auto zurückgelassen werden. Das Wageninnere heizt sich schnell – und selbst im Schatten – so sehr auf, dass Hunde die ansteigende Umgebungstemperatur nicht mehr durch Hecheln kompensieren können.
Wer seinen Hund trotz hoher Außentemperaturen mitführen muss, sollte ihm jede Stunde Wasser vorsetzen und mit erhöhter Aufmerksamkeit auf drohende Anzeichen von Überhitzung achten. Diese zeigen sich so: Übermäßiges, schnelles Hecheln Benommenheit, Taumeln, Zusammenbrüche, Speicheln, Erbrechen, Durchfall.
Ob Sonnenstich, hierbei erwärmt sich das Gehirn infolge direkter Sonneneinstrahlung, oder Hitzschlag – die betroffenen Hunde müssen umgehend in schattige, kühle und gelüftete Bereiche gebracht werden. Feuchte Umschläge um die Beine bringen Erleichterung. Ist der Hund nicht ansprechbar oder erholt er sich nicht binnen Minuten, suchen Sie bitte sofort die nächste Tierarztpraxis auf.
Bestimmte Voraussetzungen führen dazu, dass Hunde Hitze und Schwüle noch schlechter als ihre Artgenossen vertragen können. Dazu gehören:
Alter, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht dickes Fell, starke Unterwolle (gegebenenfalls den Hund scheren lassen) kurznasige Rassen wie Boxer und Möpse etc..

Hilfe für Menschen und Tiere
Das Tierheim Wesel hat eine neue Leiterin
Dienstag, 1. Juli, offizieller Arbeitsbeginn der neuen Tierheimleiterin. Seit Wochen hat Andrea van Vorst im Tierheim ausgeholfen, Einblick in die Abläufe bekommen, Mitarbeiterinnen und Ehrenamtliche kennengelernt –und nun geht es wirklich los. Der Arbeitsvertrag mit dem Bundesverband Tierschutz e.V., dem Träger des Tierheims in Wesel, ist unterzeichnet, die Wochenstunden festgehalten und nun bleibt ihr nichts mehr als zu sagen: „Ich freue mich sehr auf meine neue Tätigkeit“.

Andrea van Vorst, 55 Jahre, kommt aus der Pflege. Sie hat fast 15 Jahre für den Sozialen Dienst mit dementiell veränderten Menschen gearbeitet und ihre Tätigkeit geliebt. „Für Menschen da zu sein, ist mir sehr wichtig“, erklärt die Mutter zweier erwachsener Kinder. Neben ihrem Beruf hat sie Hunde für Tierschutzorganisationen vermittelt –und ist nur einmal zur „Pflegestellenversagerin“ geworden, weil sie den Hund schlussendlich bei sich behalten hat.
Von „Pflegestellenversagen“ spricht man, wenn der Hund, der in einer Pflegestelle auf sein nächstes Zuhause vorbereitet werden soll, aus unterschied lichsten Erwägungen doch bleibt. Auch das Tierheim kennt solche Fälle, allerdings nicht, weil sich die Mitarbeiter nicht von einem Hund trennen möchten, sondern weil es keine Interessenten für die schwierigeren Tiere gibt. „Die Schwervermittel baren liegen mir sehr am Herzen“, deutet Andrea van Vorst eine der Aufgaben an, die sie als Tierheimleiterin in enger Zusammenarbeit mit dem Team angehen möchte.
Dass nicht nur im Tierheim Wesel, sondern in allen Tierheimen Hunde sitzen, die aufgrund ihrer schlechten Sozialisierung zu Dauersitzern geworden sind, hat vordergründig mit dem tierschutzwidrigen Welpenhandel zu tun, aber hauptsächlich mit den Menschen. „Ein Hund braucht Grenzen und Struktur“, sagt die erfahrene Hundehalterin. Andrea von Vorst hat ihr gesamtes Leben mit Hunden verbracht und weiß, wie entscheidend eine klare, souveräne Führung bei Hunden ist.
Wer die Grenzsetzung versäumt, steht hilflos vor seinem Hund, der ihn fordert, herausfordert – und ihm Zweifelsfall zubeißt. Auch Tyson im Tierheim Wesel hat keine Grenzen kennengelernt und verteidigt vehement seine Ressourcen. Auf Spaziergängen läuft er mit Maulkorb und gehört vermutlich nicht zu den Kandidaten, die leicht ein neues Zuhause finden werden.
Doch das Tierheim unterstützt die Vermittlung aller Hunde aktiv. Gleich zu Beginn füllen Interessenten den sogenannten Interessentenbogen aus, in dem alle entscheidenden Parameter abgefragt werden. Adresse, Wohnlage, Alter der Kinder, Berufstätigkeit, Dauer der Abwesenheit, Möglichkeit, den Hund mit zum Job zu nehmen und vieles mehr. Danach werden Gespräche geführt, Besuche im Tierheim arrangiert, die Kontaktaufnahme zwischen potentiellen Besitzern und Hund be-

Saskia (links), Hundetrainerin von "Fokus Hund", bei der Arbeit mit Tyson

Andreas eigene Hunde: Leonberger Hera und Collie Holly

Gerade heute, an ihrem ersten offiziellen Arbeitstag als Tierheimleiterin, gibt es ein gewaltiges Interesse. Der Grund: Zehn Welpen, im Tierheim geboren, stehen zur Vermittlung. Die Eltern, Appenzeller und holländischer Schäferhund, haben bereits ein gutes Zuhause gefunden – und für die Kleinen stehen die Leute Schlange. Zwischen den zahlreichen Anfragen für die Welpen gibt es immer wieder auch andere dringende Anrufe: Eine Mutter erfragt die Aufnahme ihrer Pudelmixhündin, die eifersüchtig auf ihre Kinder reagieren soll und erklärt, dass alle Trainingsmaßnahmen fehlgeschlagen seien, andere wollen sich sofort von ihren Hunden trennen, weil sie sich überfordert fühlen und keinen Weg mehr sehen, mit dem – in bestimmten Situationen zubeißenden – Hund umzugehen.

Andrea van Vorst berät, erklärt, hört zu. „Es sind auch menschliche Tragödien, die wir hier täglich hören. Ich versuche, den Menschen und den Tieren zu helfen; das ist der Unterschied zu meiner früheren Arbeit. Dort ging es um Menschen– hier geht es um Menschen und Tiere. Indem wir den Tieren helfen, helfen wir auch den Menschen.“
In den kommenden Wochen wird Andrea mit den fünf Tierpflegerinnen die Früh- und Spätschichten mitarbeiten, um sich mit jedem Handgriff, der im Tierheim nötig wird, vertraut zu machen. Vor wenigen Tagen hat sie ihr erstes Sommerfest im Tierheim erlebt und mit Freude festgestellt, wie fest verankert das Tierheim in der Region ist.

Das Team in Wesel (v.l.): Miriam, Annalena, Christopher, Daniela, Gabi, Kira, Tamara, Michael, Hans und vorne Andrea
Kazuha mit ihren Welpen
Mia, abgegebene Pudelmixhündin

Vorstoß aus Brüssel

Wird das neue EU-Gesetz den illegalen Welpenhandel wirksam bekämpfen können?
Die EU will stärker gegen den illegalen Welpenhandel vorgehen. Zwei Forderungen, die von Tierschutzorganisationen seit Jahren erhoben werden, um das Milliardengeschäft auf dem Rücken von Hunde- und Katzenwelpen einzudämmen, ist die Chip- und Registrierungspflicht sowie eine EU-weite Datenbank, um die Herkunft der Tiere lückenlos nachvollziehen zu können.
Am 3. Juni stimmte der Agrarausschuss in Brüssel für das Gesetz (EU-Verordnung über das Wohlergehen von Hunden und Katzen und ihre Rückverfolgbarkeit). Neben der Chippflicht und der Registrierung in einer europaweit harmonisierten Datenbank soll auch das Kupieren von Rute und Ohren verboten werden. Ausnahme: Es besteht die medizinische Notwendigkeit für diesen Eingriff, der dann auch nur unter Betäubung stattfinden darf. Auch bestimmte „Dressurmethoden“, darunter der Einsatz elektrischer Hundehalsbänder, werden laut neuer Richtlinien nicht mehr möglich sein. Ausnahmen sollen jedoch der Polizei, dem Militär und dem Zoll vorbehalten sein. Auch Qualzuchten will man einen Riegel vorschieben, indem das Züchten von Tieren mit Qualzuchtmerkmalen verboten und das Ausstellen von Qualzuchten auf Wettbewerben untersagt werden soll.
Grundsätzlich begrüßen wir natürlich den Schritt, den kriminellen Tierhandel durch die Rückverfolgbarkeit von Hunden und Katzen innerhalb der EU stärker zu reglementieren, kritisieren aber Schwächen der Verordnung. So war ursprünglich die Registrierungspflicht für alle Katzen vorgesehen, nicht nur für Zuchtkatzen, wie jetzt beschlossen.
Kritikpunkte
Von der Chippflicht werden Bauernhofkatzen und „kleinere Zuchtbetriebe“ ausgenommen
die vorgesehenen Bestimmungen sollen nicht für den Zoohandel gelten die Mindestanforderungen für die Unterbringung und Fütterung wurden stark abgeschwächt die Chippflicht gilt in der ersten Phase für Züchter und Händler und erst in der zweiten Phase für private Hunde- und Katzenbesitzer die Übergangsfristen sind mit fünf Jahren für Hunde und zehn Jahren für Katzen zu lang.
Der Entwurf muss nun in finalen Verhandlungen von Parlament, EU-Kommission und den 27 Mitgliedsstaaten abgesegnet werden – Trilog wird diese Vorgehensweise im Brüsseler Gesetzgebungsverfahren bezeichnet.
In der EU werden 70 Millionen Hunde und über 80 Millionen Katzen gehalten
Der Handel mit Hunde- und Katzenwelpen ist ein hoch lukratives Geschäft, mit dem über 1,3 Milliarden Euro jährlich umgesetzt werden
Inzwischen sollen fast 60% aller Tierverkäufe über das Internet abgewickelt werden
Hauptabnehmer für Welpen aus kriminellem Handel bleibt Deutschland
Cut bei den Welpen Verschärfte Richtlinien bei edogs
Seit 1. Juni 2025 dürfen bei der Online-Plattform edogs nur noch Welpen aus VDH- und FCI-Zuchten angeboten werden. Damit soll Anbietern aus illegalem Welpenhandel die Möglichkeit genommen werden, ihre jungen Hunde zum Verkauf anzubieten.
Wir begrüßen diesen Schritt ausdrücklich und hoffen, dass nun auch die Bundesregierung den seit langem erhobenen Forderungen von Tierschutzverbänden folgt und Anstrengungen unternimmt, den unseriösen Handel mit Welpen strenger zu reglementieren. In der Tierschutzgesetz-Novelle der Ampelregierung waren Maßnahmen vorgesehen, dem kriminel len Hundehandel konsequenter zu begegnen.
„Die Marschrichtung muss der Gesetzgeber vorgeben“, sagt Felix Ortmann, Kundenmanager bei ehorses, mit Blick auf die notwendigen Eckpunkte – Kennzeichnung und Registrierung, Datenbank und Identifizierungspflicht –, die das kriminelle Geschäft mit Welpen erschweren würden. Auch das Strafmaß bei Verstößen gegen das Tierschutzgesetz müsse drastisch erhöht werden, betont Felix Ortmann. „Alle Beteiligten rund um den unseriösen Welpenhandel kalkulieren die Strafen mit ein, wenn Transporte mit Welpen auffliegen.“
Felix Ortmann ist wie alle seine Kollegen bei ehor ses selbst Hundebesitzer und hofft, dass die Platt form edogs mit seinen neuen Richtlinien dazu beitragen kann, das Anbieten und Erwerben von Hunden noch verantwortungsvoller werden zu lassen. Ehorses, Online-Markt für den Kauf und Verkauf von Pferden, gibt es seit 1999 – fast 20 Jahre später wurde die Abteilung edogs ins Leben gerufen, weil „viele Pferdeleute auch Hundebesitzer waren oder nach einen einem Welpen suchten, nachdem ihr alter Hund verstorben war“, erinnert Felix Ortmann an die Motivation, neben dem virtuellen Pferdemarkt auch einen Hundemarkt zu etablieren.
die Inserate manuell“, beschreibt Felix Ortmann das Procedere. Dennoch habe es in der Vergangenheit immer mehr Anzeigen gegeben, die deutlich erkennbar aus dem Dunstkreis des illegalen Welpenhandels kamen.
„Als Corona die Nachfrage nach Hunden so rasant ankurbelte, nahmen auch bei uns unseriöse Inserate zu“, sagt er. Weil es immer schwieriger geworden sei, die unseriösen Angebote von seriö

Felix Ortmann von edogs
Welpen mehr von privat angeboten werden, sondern nur noch von Züchtern des Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH) oder der Federation Cynologique Internationale (FCI). Tierheime, Tierschutzverbände und erwachsene Notfälle, die von privat angeboten werden, dürfen weiter nach neuen Besitzern für ihre Hunde suchen.
„Unser Gedanke war dabei immer, Hunden zu einem guten Zuhause zu verhelfen und Menschen die Möglichkeit zu bieten, auf mehreren Wegen nach einem Hund zu suchen.“ Und so inserieren bei edogs Tierheime, Tierschutzverbände, private Anbieter, Züchter und zum Beispiel Landwirte, deren Hofhündin geworfen hat.
Jede Anzeige durchläuft Filter, bevor sie hochgeladen wird. „Außerdem prüfen unsere Mitarbeiter
„Wenn wir vor dem Stichtag 1. Juni 2025 über unsere Filter oder manuelle Prüfung auf ein Inserat aufmerksam wurden, haben wir uns u.a. den Ausweis der Anbieter schicken lassen“, so Felix Ortmann. „Es wird immer schwieriger, die Anbietenden zu identifizieren; das Kriminelle sucht sich einfach überall seinen Weg. Die einzige Prüfung, die allem standhalten würde, wäre die Kontrolle vor Ort.“

Momentaufnahme mit Fuchs
zu schützen und zu retten, wäre seine Handlung noch abscheulicher. Er wüsste als Arzt, was seine Steinwürfe anrichten könnten. Von leichten zu schweren bis tödlichen Verletzungen.
Warum zieht es Füchse und andere Wildtiere eigentlich in die Städte?
Die Gründe: Das Land – zunehmend zersiedelt und intensiv genutzt – bietet heimischen Wildtieren kaum Deckung auf großen Flächen und der Pestizideinsatz tut sein Übriges. In den Städten haben Füchse, Marder, Waschbären und Dachse kaum natürliche Feinde, wenn wir von Menschen wie obig Beschriebenem absehen. An den Verkehr gewöhnen sich die intelligenten und schnell lernenden Tiere wie auch an die Geräusche und auf den ersten Blick artfremde Umgebung. Habitation heißt dieser Anpassungsprozess.
zwischen den Tontöpfen. Pfote vor Pfote setzt der Fuchswelpe, nähert sich verstohlen dem Wassernapf, aus dem üblicherweise meine Hündin trinkt. Und schon springt sie auf, hat den roten Eindringling in ihrem Refugium gesehen, bellt laut und geht dem Fliehenden hinterher. Der Welpe ist wendiger und saust zu seinem Bau zurück, den ich zwischen Sportplatz und Garten vermute.
Mit Einbruch der Dämmerung kommen die Welpen aus ihrer Unterkunft, das Elterntier, das ich tagsüber schon beobachten konnte, hinkt schwer. Die Kleinen spielen wie Hundewelpen, verstecken sich hinter Bäumen, kugeln übereinander, jagen sich und sind seit einigen Nächten dazu übergegangen, Gegenstände von meiner Terrasse zu entführen, die Gartenhandschuhe, die Hundebürste und das Kuscheltier.
So sehr sich die Nachbarschaft über die Füchse freut, so wenig stoßen sie bei manch anderen auf Gegenliebe. Es sollen Steine geflogen sein – und der Werfer kein Geringerer als ein Arzt. Würde man ihn tatsächlich bei der Tierquälerei ertappen und als eben jenen Arzt identifizieren, würde er sich wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz verantworten müssen. Zwar sind auch Ärzte vor dem Gesetz nicht anders zu beurteilen als Menschen ohne Heilberufe, aber bei ihm wöge der moralische Aspekt schwer. Angetreten, um Leben
Reizvoll an den Städten ist auf der einen Seite das Nahrungsangebot, das zwar nicht grundsätzlich zuträglich ist, aber stets vorhanden. Mülltonnen an Restaurants, Supermärkten, Kindergärten, Wohnhäusern, Seniorenheimen und im öffentlichen Raum, dazu Mäuse, Ratten, Vögel, Insekten, Beeren und Früchte in Gärten und Parks. Urbanes Leben mit Straßen, Gebäuden, Hinterhöfen, Parkanlagen, Garagen, Schuppen, Lagerhallen, Gärten und Kleingärten bieten Unterschlupf und zahlreiche Versteckmöglichkeiten.
In den Städten darf als befriedeter Bezirk grundsätzlich nicht gejagt werden, es sei denn, die Untere Jagdbehörde hat über eine Ausnahmegenehmigung zu entscheiden, die zum Beispiel ein Eigentümer beantragt hat und sie mit Gefahr für Mensch und Tier, einem Seuchenverdacht oder einer Überpopulation der betreffenden Tierart begründet. Kürzlich wurde in Berlin-Wannsee eine Ausnahmegenehmigung zum Abschuss von Wildschweinen in einem Wohngebiet erteilt, weil die Rotte einen Reihenhausgarten für sich beanspruchte und die Hausbesitzer sich bedroht fühlten.
Während sich die einen keine friedliche Koexistenz mit Füchsen und anderen heimischen Wildtieren vorstellen wollen, freuen sich die anderen umso mehr über unerwartete Begegnungen wie diese: Ein Jungfuchs lässt sich ohne Scheu von einem Studenten beobachten, der eigentlich auf dem Weg zur Universität ist. Und riskiert zu spät zur Vorlesung zu kommen, um diesen unverhofften Moment, in dem sich ein Mensch und ein Tier so nahe und doch so fern sind, mit der Kamera festzuhalten.
Der Bundesverband Tierschutz e.V. lehnt die Jagd grundsätzlich ab. Besonders kritisch zu bewerten sind dabei Methoden wie die Jagd im und am Bau, wie Jäger sie u.a. bei Füchsen durchführen. In der Paarungszeit der Füchse – zwischen Dezember und Februar – treten Jäger mit ihren scharfen Bauhunden an, die die Füchse aus ihren Bauten heraustreiben. Die oft schon trächtigen Fähen haben keine Chance, zu entkommen. Sie laufen den Jägern direkt vor die Flinte. Und nicht selten haben die Füchse sogar schon Nachwuchs, weil die Winter milder werden und sie bereits schon früher Junge zur Welt bringen. Üblicherweise werden die Welpen im März/April geboren.
Die Baujagd, die auch auf Dachse stattfindet, ist in höchstem Maße abzulehnen. Sie ist tierschutzwidrig und nicht weidgerecht, weil die Tiere keine noch so geringe Chance auf ein Entkommen haben. Darüber hinaus werden die Tiere in ihrem Bau, in dem sie sich sicher fühlen und den Nachwuchs zur Welt bringen sollten, in Todesangst versetzt.
Hier können Sie eine Petition gegen die Jagd am Bau unterzeichnen: https://www.wildtierschutz-deutschland.de/petition-baujagd-schliefanlagen
Studie der American Psychological Association Tierschützer haben eine hohe psychische Belastung
Die Wissenschaftlerin Angela K. Fournier hat in ihrer Studie herausgearbeitet, dass Tierschützer sehr viel häufiger als Menschen in anderen Tätigkeitsfeldern psychischen Belastungen ausgesetzt sind. Dieser sogenannte Disstress ergibt sich aus mehreren Gründen: Die Tierschützer sind täglich mit Misshandlungen, Vernachlässigungen, Schmerzen und Leiden von Tieren konfrontiert. Verstärkend kommt hinzu, dass die Tiere sich selbst nicht über das Erlebte, ihre Traumata und Bedürfnisse äußern können – oder zumindest nicht so, dass wir Menschen es verstehen würden.
Ein weiterer schwerwiegender Aspekt ist, dass Tierschützer gerettete und in Obhut genommene Tiere zwar pflegen, aber im letzten Schritt auch für ihre Euthanasie sorgen, wenn die Tiere unheilbar krank oder lebensgefährlich verletzt sind, so dass ein Weiterleben nicht möglich ist. Noch gravierender dürften Tierschützer die Tötung von gesunden und lebensfähigen Tieren erleben, die in den zahlreichen Tötungsstationen in Süd- und Osteuropa an der Tagesordnung sind (Tierschutzorganisationen versuchen den Tod der Tiere zu verhindern, in dem sie vor Ablauf der Frist die Hunde aufnehmen, doch gelingt diese Hilfestellung nicht immer. Entweder gibt es nicht genug Aufnahmeplätze für die Tiere oder die Betreiber der Tötungsstationen geben die Tiere nicht ab).
Depressionen, Ängste und Schlaflosigkeit als Folge der Schuldgefühle, die Mitarbeiter in Tierheimen oft überkommen, wenn sie ein Tier nicht retten konnten, die Hilfe vergeblich war oder – einer der schlimmsten Erfahrungen im Tierschutz – ein von seinen Besitzern schlecht behandeltes Tier nach einem Gerichtsentscheid wieder zu genau diesen Menschen zurückkommen soll.
Die Wissenschaftlerin betonte bei der Vorstellung ihrer Studie, wie wichtig durch Psychotherapeuten vermittelte Strategien für ein Reframing der negativen Erfahrungen seien. Es ginge darum, trotz emotional belastender Erfahrungen Erfüllung in der Tätigkeit zu empfinden und zu bewahren – und eine gesunde Grenze zwischen der Tierschutzarbeit und dem persönlichen Leben festzulegen.

Übrigens werden – laut Humane Society of the United States – alleine in den USA pro Jahr über 2,4 Millionen gesunde Tiere eingeschläfert. Die Studie, die schwerpunktmäßig die (im Vergleich zu anderen Berufsfeldern) höhere Selbstmordrate bei Tierärzten untersuchte, wurde auf dem Jahresmeeting der American Psychological Association vorgestellt. Die Zusammenfassung der englischsprachigen Studie finden Sie auf der nachstehenden Webseite. Wer die gesamte Fassung lesen möchte, kann sie auf dieser Seite auch als PDF downloaden.
https://avmajournals.avma.org/ view/journals/javma/254/1/javma.254.1.104.xml
Lucys aufregende Welt
Also ich sag’s
euch!
Da sitzt mein Frauchen am Schreibtisch und verfasst einen Artikel für dieses schöne Magazin hier. Und ich liege tiefenentspannt daneben und riskiere ab und an mal einen Blick, was sie da so alles zu Papier – äh, ich meine natürlich in den PC – bringt.
Die spinnt wohl! Was soll denn dieses komische „Ich-bezieh-michda-mal-auf-irgendwelche-Studien“-Gefasel? Als ob ein Hund Kinderersatz sein könnte. ERSATZ! Ein Hund kann doch kein Ersatz sein!
Na gut. Eines muss ich ihr zu Gute halten. Für mein Frauchen bin ich definitiv das Allerwichtigste. Und zwar von morgens bis abends, in der Nacht und jeden Tag der Woche. Ach ja, und noch was. Aber bitte nicht weitersagen! Ich habe auch warme Klamotten für den Winter, das Haus, in dem sie wohnt, ist eine begehbare, sehr komfortable Hundehütte und da mir meine Gelenke mittlerweile immer mehr Probleme bereiten, ich aber immer und überall dabei sein darf, hat sie jetzt sogar so ein Wägelchen angeschafft, wie es sie auch für Kinder gibt. Da kann sie mich notfalls, wenn der Weg mal zu weit werden sollte, reinpacken.

Ich weiß ja nicht, wie das bei anderen Hundehaltern ist, bei uns bin ich jedenfalls kein Ersatz für irgendwas.
Hund als Kind-Ersatz?
Studie untersucht den Stellenwert von Hunden
Wenn man offiziellen Statistiken Glauben schenken darf, leben in Deutschland fast so viele Hunde wie Kinder unter 14 Jahren, das heißt, etwa 10,5 Millionen Hunde und 11,5 Millionen Kinder. Alle Wirtschaftsbereiche zusammengenommen, beläuft sich der Umsatz pro Jahr auf etwa sechs Milliarden Euro, wodurch mehr als 200.000 Vollzeitarbeitsplätze geschaffen werden.
Sieht man sich in Zoofachgeschäften um, fällt auf, dass nicht nur Futter und notwendiges Zubehör verkauft werden. Groß ist das Angebot auch an Kleidung für die pelzigen Vierbeiner, orthopädisch wertvollen Matratzen, ja sogar Hundewägelchen, die durchaus tauglich für Kleinkinder sind.
Und warum das alles? Im Fachjournal „European Psychologist“ ist zu lesen, dass eine zunehmende Zahl Erwachsener im Alltag kaum noch Kontakt zu kleinen Kindern hätten, Hunde mehr und mehr als Familienmitglied angesehen würden.
Vielfältig sind die Rollen, die sie dabei spielen. Mitbewohner oder bester Freund bei jungen Singles, bei frisch Verheirateten gemeinsames, pflegebedürftiges Wesen vor dem ersten Baby. Kommen dann Kinder in die Familie, werden sie zu Spielkameraden für die Kleinen. Und werden die Nachkommen flügge, füllen sie deren Platz aus, nachdem sie ausgezogen sind. Nicht zu vergessen die Rolle als Helfer gegen die Einsamkeit im Alter.
Zahlreiche Studien haben ergeben, dass Hunde eine ähnliche Bindung zu ihren Haltern aufbauen können wie Kleinkinder zu ihren Bezugspersonen. Möglicherweise können sie diese Rolle sogar besser ausfüllen, weil ein Hund im Gegensatz zu Kindern, die zunehmend selbständiger werden, ein Leben lang auf Fürsorge angewiesen bleibt. Dazu kommt das Kindchenschema, das ganz automatisch einen Fürsorgereflex beim Menschen auslöst.
Lässt sich aus all diesen Dingen folgern, dass Hunde als Kindersatz gesehen werden? Ganz von der Hand zu weisen ist das sicher nicht. Andererseits entscheiden sich aber auch viele Leute für die Anschaffung eines Hundes genau deshalb, weil Hunde eben nicht wie Kinder sind.
Unbestritten dürfte aber sein, dass die Nachfahren des Wolfes eine zentrale, immer wichtiger werdende Rolle im Leben der Zweibeiner einnehmen…
Die Studie heißt „Redefining Parenting and Family –The Child-Like Role of Dogs in Western Societies“ und wurde von ungarischen Forscherinnen vorgestellt. Hier geht es zur englischsprachigen Zusammenfassung (und käuflich zu erwerbendem vollständigen Artikel als PDF-Datei): https://econtent.hogrefe.com/ doi/10.1027/1016-9040/a000552
Illustration
Ronja Sievers
Happy End für Anthony
Der letzte Dobermann darf seine Köfferchen packen
Als Husky Tori starb, trauerte die gesamte Familie. Besonders Elenore, die fünf Jahre alte Tochter, kam schwer über den Tod ihres geliebten Hundes hinweg – und auch ihr Vater, der Bundeswehrsoldat Ricardo Bläske, litt unter dem Verlust. Als seine Frau Veronique den ersten Kontakt zum Tierheim Wesel aufnahm, war er sich noch nicht ganz sicher, ob er sich wirklich schon bereit für einen neuen Hund fühlen würde…

Doch der stürmische Anthony nahm sein Schicksal selbst in die Pfoten. Er wurde von einer Tierpflegerin aus seinem Zwinger geholt und an der Leine vor das Tierheim gebracht, wo die Familie schon auf den Dobermann wartete. „Toni kam rausgeschossen wie auf LSD“, erinnert sich Veronique Bläske lächelnd. „Wir haben ihn schon nach wenigen Minuten ins Herz geschlossen.“
Anthony kommt aus einer Beschlagnahmung. Die Dobermänner stammen aus dem unseriösen Welpenhandel und wurden quer durch Europa transportiert. Die vier Brüder, die im Februar 2023 vom Tierheim Wesel von der Dobermann-Nothilfe übernommen wurden, sind mit bulgarischen Chips versehen und mussten das Kupieren ihrer Ruten und Ohren erdulden.
Während seine Brüder längst vermittelt wurden, bot sich für Anthony in den vergangenen zwei Jahren keine echte Chance. Doch mit Familie Bläske ändert sich endlich das Blatt: Hund und Familie sind auf Anhieb begeistert voneinander. „Woran es lag, dass Toni so viel länger im Tierheim als seine Geschwister auf neue Besitzer warten musste, können wir nicht verstehen“, sagt die sich im Masterstudium (Literatur und Medienpraxis) befindende Veronique.
Die Studentin beschreibt den Rüden als liebevollen, anhänglichen und sichtbar glücklichen Hund. Seine Schwächen: „Toni ist weiterhin sehr stürmisch, kann sich schlecht regulieren und lässt anderen immer etwas zu wenig Raum beim Aufeinandertreffen.“ Deshalb sorgt die junge Mutter dafür, dass der Dobi begleiteten Kontakt mit Artgenossen erhält und so von souveränen Hunden profitieren kann. Sie lässt ihn mit anderen Hunden in einem umzäunten Freilaufgelände in Borken laufen und stellt fest, wie gut Toni der regelmäßige Sozialkontakt tut.
„Wir haben schon noch Arbeit vor uns“, sagt sie mit Blick auf seinen ungebremsten Vorwärtsdrang an der Leine, vor allem, wenn vierbeinige Kumpels in sein Blickfeld kommen. Inzwischen hört Anthony auf seinen Namen, was anfänglich nicht der Fall war – und ist nicht mehr ganz so fixiert auf das Knistern von Tüten, das für ihn gleichbedeutend mit Belohnungsleckerlies war.
Anthony hat seine erste Kurzreise mit seiner neuen Familie nach Brandenburg unternommen und wird im August wieder in die alte Heimat von Veronique reisen. Und Ende des Jahres steht der große Umzug nach Cuxhaven an, weil hier an der Nordsee Ricardo Bläske bei den Marinefliegern der Bundeswehr stationiert ist.
Wir wünschen Toni und seiner neuen Familie viel Glück auf ihrem gemeinsamen Lebensweg und

Familienbild mit Toni
Toni trifft Joker auf dem Hundeplatz

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