

Eddie Rasnake
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Eddie Rasnake







Falls nicht anders angegeben, sind die Bibelstellen zitiert nach der Revidierten Elberfelder Übersetzung 2006. Copyright SCM R. Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten. Rasnake, Eddie Wegweiser zu Gottes Willen Ein Bibelkurs
Titel des amerikanischen Originals God’s Will Copyright © 2025 by Eddie Rasnake. Translated by permission.
Dieses Buch ist eine vom Autor gekürzte und neu ins Deutsche übersetzte Fassung von Den Willen Gottes erkennen (682.010).
ISBN 978-3-95790-108-8
© 2026rigatio Stiftung gGmbH Carl-Benz-Straße 2 57299 Burbach
Übersetzung: Bettina Bräul, Ruppichteroth
Umschlag und Satz: rigatio
Bildernachweis:
Titel, S.6.: AdobeStock_109102673
S. 14: joshua-leong-zfuaViTnu1o-unsplash
S.26: jakub-zerdzicki-kPoSgf_cjTk-unsplash
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Druck: ARKA, Cieszyn (Polen)
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Vorwort
Wie fängt man eigentlich an?
Wegweiser Nr. 1
Vorfahrt gewähren
Wer ist der Herr deines Lebens?
Wegweiser Nr. 2
Der Notruf
Das Gebet und die Heilige Schri
Wegweiser Nr. 3
Mehr Information
Ratschläge und Kostenberechnung
Wegweiser Nr. 4
Umleitung
Glückliche Umstände
Wegweiser Nr. 5
Parken verboten
Leben im Glauben
Wegweiser Nr. 6
Vorgeschriebene Fahrtrichtung
Der Heilige Geist
Nach Go es Willen handeln
Julia wälzt sich in ihrem Bett hin und her. Sie kann nicht schlafen. Ihre Gedanken rasen, während sie versucht, ihre Situation einzuordnen. Heute Abend, als sie im Foyer des Studentenwohnheims saßen und sich unterhielten, hatte Ben das Thema Hochzeit wieder angesprochen. Ihre Beziehung entwickelt sich für ihr Empfinden ein bisschen zu schnell, obwohl sie eigentlich schon das Gefühl hat, in ihn verliebt zu sein. Vielleicht ist er ja der Richtige, aber sie ist sich einfach nicht sicher. „Was soll ich tun, Herr?“, betet sie inständig.
Sam kritzelt fahrig an seinem Projekt herum, bis ihm vor lauter Nervosität die Mine seines Bleistifts abbricht. Er kann sich einfach nicht auf die Arbeit konzentrieren. Seine Gedanken kreisen immer wieder um die Entscheidung, die er treffen muss. Das Jobangebot scheint zu schön, um wahr zu sein: eine enorme Gehaltserhöhung, eine eigene Sekretärin, ein Firmenwagen und ein Job, in den er sich richtig reinhängen könnte. Aber dafür müssten sie wegziehen und Freunde, Familie und Gemeinde

zurücklassen. Außerdem würde es die Kinder aus der Schule reißen, dabei hat ihr Sohn Jannis gerade erst einen Platz als Stammspieler der schulinternen Fußballmannschaft bekommen. Sam betet verzweifelt: „Was soll ich tun, Herr?“
Tobis Magen verkrampft sich, während er gedankenverloren in seinem Essen herumstochert. Seine Mutter hat sein Lieblingsessen gekocht, aber er hat gar keinen Appetit. Bis zum Abitur sind es nur noch drei Wochen, und er hat immer noch keine Ahnung, was er danach – geschweige denn den Rest seines Lebens – machen soll. Soll er studieren? Oder soll er das Angebot seines Vaters annehmen und in den Familienbetrieb einsteigen? Tief in seinem Herzen keimt der Wunsch, mit seinem Freund David in die Mission nach Südamerika gehen, aber er weiß, dass seine Eltern das auf keinen Fall zulassen würden. Flüsternd formt er seine Lippen zu einem stummen Gebet: „Was soll ich tun, Herr?“
„Was soll ich tun, Herr?“ Hast du das auch schon einmal gebetet? Wenn es dir so geht wie mir, dann ist es mehr als einmal in deinen stillen Gebeten vorgekommen. Oft wünschen wir uns insgeheim, Gott würde seinen Willen einfach in Großbuchstaben über den Himmel schreiben oder hörbar zu uns sprechen. Vielleicht bist du wie ich ziemlich misstrauisch gegenüber denen, die erzählen: „Gott hat mir gesagt …“, wünschst dir aber gleichzeitig, er würde dir auch einmal etwas „sagen“.
Wir fragen nach Gottes Willen, weil wir von Grund auf glauben, dass er weiß, was das Beste ist. Aber tief im Inneren fürchten wir die Konsequenzen einer falschen Entscheidung und wünschen uns deshalb, Gott würde die Entscheidung für uns treffen. Sein Weg für uns verläuft nicht immer so glatt, wie wir es uns oft wünschen, aber er möchte uns führen, und – auch wenn es Menschen gibt, die etwas anderes behaupten – es macht einen Unterschied, wie wir uns entscheiden.
Die Heilige Schrift enthält uns Gottes Willen nicht vor. Tatsächlich kommt dieses Thema sogar recht häufig vor. Ich glaube nicht, dass uns die Erkenntnis von Gottes Willen schwerfällt, weil er ihn nicht mehr so deutlich zeigt wie früher. Mir scheint, es besteht eher darin, dass wir aus den Augen verloren haben, wie Gott kommuniziert, und deshalb an den falschen Stellen nach Antworten suchen. In diesem Kurs erfährst du, wo die richtigen Stellen sind. Es sind keine Lektionen aus dem „Elfenbeinturm“, sondern praktische und leicht anwendbare Prinzipien aus Gottes Wort. Und keine Sorge: Sie sind für jeden zugänglich und gut verständlich.
Die Suche nach Gottes Führung ist keine Art geistlicher Ostereiersuche, bei der Gott seinen Willen versteckt und sagt: „Na los, versuch ihn zu finden!“ Ich bin überzeugt, dass der Weg zu Gottes Willen mit deutlichen Wegweisern versehen ist, um uns zu leiten. Aber wie bei einer Reise in ein anderes Land müssen wir die Schilder erst erkennen, dann deuten, und ihnen zuletzt Folge leisten, um richtig anzukommen.
Der entscheidende erste Schritt im Prozess, den Willen Gottes zu erkennen, ist die Beobachtung (Wegweiser wahrnehmen). Wenn wir die Wegweiser, die Gott vor uns
aufstellt, übersehen oder nicht einmal nach ihnen Ausschau halten, dann können wir nicht erwarten, Gottes Willen zu finden.
Doch damit ist der Prozess noch nicht abgeschlossen. Wir mögen die Wegweiser beachten, aber wenn unsere Sinne nicht darauf trainiert sind, sie zu interpretieren (Bedeutung richtig verstehen), dann haben sie für uns denselben Nutzen wie die Blindenschrift für einen Sehenden.
Und dann: Selbst wenn wir die Schilder gesehen und richtig interpretiert haben, so helfen sie uns erst, wenn wir sie anwenden (Anweisungen befolgen).
Ich möchte das an einem Beispiel verdeutlichen: Ein Stoppschild schützt dich nicht vor einem Autounfall, wenn du nicht anhältst. Um aber anzuhalten, musst du es erst gesehen haben. Dann musst du seine Bedeutung verstehen und danach handeln. Gottes Wegweiser funktionieren genauso. Sie können uns nicht ins Ziel navigieren, wenn wir auch nur einen Schritt in diesem Prozess auslassen.
Beobachtung, Interpretation und Anwendung sind allgemeingültige Schritte jeglicher Kommunikation. Wenn dich diese Schritte zur Suche nach Gottes Willen an Schritte im Bibelstudium erinnern, ist das kein Zufall. Die Bibel ist Gottes verschriftlichter Wille und eines seiner Mittel, um mit uns zu kommunizieren. In diesem Kurs erfährst du, wie du mit Gott in Kontakt treten, seine Worte interpretieren und anhand praktischer Anwendungsfragen deine Situation bewerten kannst, um nach Gottes Willen zu handeln. Ich habe die Gleise für dich verlegt, aber du musst den Zug führen.
Bevor wir jedoch diese Wegweiser zum göttlichen Willen ausfindig machen, müssen wir einige Grundvoraussetzungen beachten: Um das Thema richtig behandeln zu können, müssen wir die Wahrheiten über den Willen Gottes aus göttlicher Perspektive betrachten.
Was Go es Wille ist
Leider haben viele von uns ein erschreckend mangelhaftes Bild von Gott und seiner Sicht auf uns. Wir neigen dazu, ihn wie den sprichwörtlichen „grauhaarigen alten Mann mit Krückstock“ zu sehen statt als guten Hirten und liebenden Vater. Wir malen uns aus, wie er über die Zinnen des Himmels nach Leuten Ausschau hält, die Spaß haben, damit er bestrafen und ihnen sagen kann: „Hör auf damit!“
Der Autor und Redner Dan Hayes drückte es so aus: „Oft machen wir uns schuldig, weil wir denken: Gottes Wille zu folgen bedeutet, das erste Boot nach Borneo zu nehmen und den Rest unseres Lebens damit zu verbringen, in irgendeiner Eingeborenenhütte Geschwüre zu versorgen“. Aber ich frage mich, wie viele von uns tief im Inneren, unter der getünchten Fassade unserer Geistlichkeit wirklich glauben, dass Gottes Wille für unser Leben gut ist – auch wenn wir nicht nach Borneo gehen? Das erinnert mich an den alten Quäker, der in einem Moment der Ehrlichkeit zu Gott
sagte: „Es wundert mich nicht, dass du nur so wenige Freunde hast, wenn man bedenkt, wie du die behandelst, die dir geblieben sind.“
Die Heilige Schrift zeichnet jedoch ein ganz anderes Bild von Gott und seinem Willen. Er ist der Vater des Erbarmens und der Gott allen Trostes (2Kor 1,3), der gute Hirte, der sein Leben für seine Schafe hingibt (Joh 10,11), der souveräne Gott, der uns so sehr liebt, dass er uns seine Kinder nennt (1Jo 3,1), der Vater, der nur gute Gaben gibt (Jak 1,17) – und die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Gott möchte nicht, dass wir unglücklich sind. Er möchte unserem Leben Sinn geben und uns ihm ähnlicher machen.
In Römer 12,2 finden wir eine klare Beschreibung von Gottes Willen: Er ist „das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.“ Denk einen Moment lang darüber nach. Gottes Wille für dich persönlich ist wirklich gut . Sein Wille ist wohlgefällig (das griechische Wort bedeutet „erfreulich, angenehm“) und vollkommen (sinngemäß „das, was den Bedürfnissen des Menschen entspricht“). Gottes Wille für dich und mich ist all das und noch mehr.
Sind wir ehrlich miteinander. Hattest du nicht auch schon mal damit zu kämpfen, deinen eigenen Willen dem Willen Gottes vorzuziehen? Ich schon. Stell dir vor, wie sehr es uns in solchen Situationen helfen würde, wenn wir wirklich verstehen würden, dass sein Wille, sein konkreter Wunsch für uns in dieser Situation gut, wohlgefällig und vollkommen ist. Vielleicht bist du gerade jetzt auf der Suche nach Gottes Willen. Dann kann es dir ein Trost sein, mit Sicherheit zu wissen, dass sein Wille besser für dich ist als dein eigener!
Warum wir Go es Willen brauchen
Hast du dir schon einmal Zeit genommen, um dich mit der Frage zu beschäftigen, warum du Gottes Willen überhaupt kennen musst? Vermutlich nicht. Das ist keine Frage, die ein Christ sich stellen sollte, aber sie beantworten zu können, ist wirklich von Vorteil. Es ist nämlich das „Warum“, das uns befähigt, das „Wie“ konsequent umzusetzen. Womöglich findet sich die beste Antwort auf das „Warum“ in Epheser 5,15-17, wo wir ermahnt werden: „Seht nun genau zu, wie ihr wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise! Kauft die rechte Zeit aus! Denn die Tage sind böse. Darum seid nicht töricht, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist!“
Das unterscheidet den weisen vom törichten Mann: Der Weise „versteht, was der Wille des Herrn ist.“
Es ist unmöglich, dass wir in diesen bösen Tagen das Beste aus unserer Zeit herausholen, wenn wir Gottes Willen für uns nicht kennen. Auf dieser Grundlage können wir mit Sicherheit sagen, dass Gott möchte, dass wir seinen Willen kennen.
In Kolosser 1,9 formuliert der Apostel Paulus dieselbe Wahrheit mit etwas anderen Worten. Er betet für die Gläubigen in Kolossä: „… dass ihr mit der Erkenntnis seines Willens erfüllt werdet in aller Weisheit und geistlichem Verständnis.“
In Vers 10 begründet er dieses Gebet: „… um des Herrn würdig zu wandeln zu allem Wohlgefallen, fruchtbringend in jedem guten Werk und wachsend durch die Erkenntnis Gottes.“ Du siehst, es ist unmöglich, des Herrn würdig zu wandeln oder Gott zu gefallen, ohne seinen Willen zu kennen und zu tun.
Go es Verheißung der Erkenntnis seines Willens Wir wissen, dass wir Gottes Willen brauchen, aber mir scheint, wir fühlen uns oft wie der berühmte Esel, der einer Karotte an der Angel hinterherjagt: Egal, wie sehr wir uns anstrengen, wir können ihn nicht erreichen. Sicher ist allerdings, dass das Problem wahrscheinlich bei uns liegt, wenn wir Gottes Willen suchen, ihn aber nicht finden können. Unser Herr verspricht uns: „Wenn aber jemand von euch Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der allen willig gibt und keine Vorwürfe macht“ (Jak 1,5).
Achte auf deinem Weg zu Gottes Willen besonders auf die häufigen Fehler, die Menschen machen, um so manchen Fallstrick zu vermeiden. Dieses Buch verspricht keine göttlichen Botschaften am Himmel oder Stimmen aus dem Jenseits, aber wenn du Gottes Prinzipien folgst, wirst du seinen Willen finden. Auf dem Weg dahin wirst du mehr und mehr lernen, wie er kommuniziert. Ehrlich gesagt habe ich dieses Buch aus zwei Gründen geschrieben:
Erstens: Ich weiß, wie es ist, um die Erkenntnis von Gottes Willen zu ringen, und ich möchte dir bei deiner Suche helfen.
Zweitens: Wenn ich dich ganz praktisch durch den Prozess führen und dir helfen kann, Gottes Reden zu verstehen, dann habe ich dich auch auf dem Weg in die Zukunft weitergebracht. Wenn du das nächste Mal Gottes Führung suchst, wird es dir schon leichter fallen. Ich möchte nicht nur, dass du Gottes Willen erkennst; ich möchte auch, dass es zu deinem Lebensstil wird, ihm nachzufolgen und auf alles zu hören, was er dir zu sagen hat.
Die „Alternativenfalle“
Einer der häufigsten Stolpersteine im Prozess der Erkenntnis von Gottes Willen ist das, was ich „die Alternativenfalle“ nenne. Lass mich erklären, was ich damit meine. Wenn wir eine Entscheidung treffen müssen, beschränken wir uns allzu oft auf zwei Optionen: Entweder – Oder, eine Wahl zwischen zwei Alternativen. Das scheint zunächst keine große Rolle zu spielen, aber wenn wir in diesen Modus abrutschen, können wir uns auf die falsche Bahn manövrieren. Das Problem ist: Wenn wir uns die Optionen selbst ausgedacht haben, können beide falsch sein.
In meinem zweiten Collegejahr hatte ich mit einer Entscheidung zu kämpfen, die sehr wichtig für mich war. Ich besuchte ein mittelgroßes staatliches College im Süden des Landes und war ein Jahr zuvor Christ geworden. Und nun, wo ich in der Beziehung zu Christus wuchs, überlegte ich, ob es nicht besser für mich wäre, an ein christliches College zu wechseln, um mein Bibelwissen zu vertiefen. Außerdem spielte ich Fußball und sah an dem anderen College den Vorteil, dass
das Trainings- und Wettbewerbsniveau deutlich höher lag als hier. Andererseits könnte ich hier fortfahren, andere Leute in meiner Umgebung mit dem Evangelium zu erreichen.
Mein Lösungsansatz für dieses Dilemma war, Gott zu fragen: „Soll ich auf dem staatlichen College bleiben oder aufs christliche wechseln?“ Auf den ersten Blick klingt das vernünftig, und doch habe ich bereits dabei einen entscheidenden Fehler gemacht. Ich habe mich auf diese zwei Optionen beschränkt: eine Entweder-oderAbwägung. Diese Art von Entscheidung mag zwar leichter zu treffen sein als eine mit vielen Optionen, aber ich hatte nicht bedacht, dass möglicherweise keine der beiden Optionen Gottes Lösung zu meinem Problem war. Das Ergebnis war, dass die Entscheidung viel komplizierter und aufreibender ausfiel, als sie hätte sein müssen.
Nach wochenlanger Quälerei mit erhöhtem Verbrauch an Kopfschmerztabletten setzte ich mich schließlich hin und versuchte, genau herauszufinden, welche Bedürfnisse ich zu befriedigen versuchte. Ich stellte fest, dass ich mich nach einer tieferen Kenntnis der Heiligen Schrift sehnte und meine fußballerischen Fähigkeiten ausbauen wollte. Mich reizte die Vorstellung, zu testen, wie weit ich es in diesem Sport bringen würde. Alles soweit in Ordnung. An beiden Wünschen war an sich nichts auszusetzen. Meine beiden Hauptfaktoren waren also 1. Vertiefung meiner Bibelkenntnis und 2. Weiterentwicklung meiner fußballerischen Fähigkeiten.
Wie hättest du an meiner Stelle entschieden? Wenn du wie ich mit diesen beiden Zielen konfrontiert und auf diese beiden Optionen beschränkt wärst, würdest du dich wahrscheinlich fürs christliche College entscheiden. In diesem Fall war das jedoch nicht Gottes Wille. Ich glaube, dass ich im Fall eines Schulwechsels einige der wichtigsten Gelegenheiten zum Dienst für immer verspielt hätte, die mir als junger Christ offenstanden. Obwohl ich an der christlichen Schule mein Bibelwissen vertieft hätte, glaube ich, dass es mich gehindert hätte, es anzuwenden. Die unglaublichen Dienstmöglichkeiten auf einem staatlichen College-Campus sind im Vergleich zu fast jedem anderen Bereich unserer Gesellschaft einmalig, und Gott hat mich enorm gesegnet, als ich sie nutzte.
Wie habe ich diese Entscheidung also getroffen? Durch den Rat eines guten Freundes zeigte Gott mir die „Alternativenfalle“, in die ich mich selbst gebracht hatte. Und schließlich betete ich: „Gibt es eine andere Lösung, um diese Ziele noch besser zu erreichen?“
Dieses Gebet war so befreiend! Kurz darauf hörte ich von einer Ferienveranstaltung, die meinen gesamten Entscheidungsprozess radikal veränderte. Ein Mitschüler erzählte mir von einer Sommerbibelschule, in der ich mein Wissen über das Alte und das Neue Testament sowie über grundlegende biblische Lehren vertiefen könnte. Ausgerechnet in diesem Sommer führte das Missionswerk Athleten in Aktion genau in dieser Stadt ein Fußballtrainingslager durch und ich bekam die Erlaubnis, an ihren Trainingseinheiten teilzunehmen.
Das war ohne Zweifel Gottes Wille. Diese dritte Option bot mir die Vorteile eines christlichen Colleges und noch einige mehr, ohne dass ich den Dienst aufgeben musste, den ich an der staatlichen Schule hatte. Aber um diese Lösung zu finden, musste ich aus der „Alternativenfalle“ ausbrechen.
Was hat mich also in diese Falle getrieben? In erster Linie zwei Dinge: Erstens hatte ich nicht ausreichend gebetet und auch die Kosten nicht angemessen überschlagen. Zweitens hatte ich keinen Rat von anderen eingeholt. Nachdem ich diese beiden Dinge getan hatte, konnte ich mich aus der Falle befreien und Gottes Willen erkennen.
Wie sieht es bei dir aus? Bist du schon einmal in solch eine Falle getappt? Mir ist klar, dass diese Falle manchmal ganz okay erscheint. Wenn dich zum Beispiel jemand fragt, ob du ihn heiraten willst, ist die Entscheidung dann nicht eigentlich eine Jaoder-Nein-Entscheidung? Nein, ist sie nicht. Deshalb ist die „Alternativenfalle“ so tückisch. Wenn dich jemand fragt, ob du ihn heiraten willst, hast du mindestens drei Möglichkeiten: 1. Ja sagen und heiraten; 2. Nein sagen und Schluss machen; 3. Um Zeit bitten, weil du für diese Entscheidung noch nicht bereit bist. Vielleicht kennst du die Person noch nicht gut genug, oder es gibt Unsicherheiten über deine Zukunft oder was auch immer. Lass dich nicht von jemand anderem in diese Falle drängen.
Ein vor vielen Jahren geschriebenes Buch über den Willen Gottes behauptete, es sei dem Herrn eigentlich egal, ob ich Brötchen oder Toast zum Frühstück esse. Solange meine Entscheidung nicht gegen eine klare Anweisung der Heiligen Schrift verstößt, ist es gleichgültig, wofür ich mich entscheide. Das mag zwar auf den ersten Blick nachvollziehbar erscheinen, reduziert Entscheidungen aber auf eine Entweder-oder-Ebene. Auch wenn Gott vielleicht keine Vorliebe in meiner Wahl von Brötchen oder Toast hat, bevorzugt er vielleicht keine der beiden Optionen, die ich ihm anbiete. Stattdessen möchte er vielleicht, dass ich etwas Nahrhafteres esse. Du siehst, unser wahres Bedürfnis ist nicht nur Gottes Wille bei einer bestimmten Entscheidung; wir brauchen auch seine Weisheit .
Wir brauchen seine Perspektive und sein ewiges Wertesystem, um unsere Entscheidungen zu ordnen. Dieser Kurs soll dir nicht nur helfen, die Entscheidung zu entdecken, die Gott bereits für dich getroffen hat; er soll dir auch helfen, die Prinzipien seines Wortes zu verstehen und sie bei allen Entscheidungen anzuwenden, zu denen er dich aufruft.
Obwohl manche Situationen tatsächlich nur zwei Alternativen bieten, sind diese Situationen viel seltener, als wir meinen. Lass jedoch den Mut nicht sinken, wenn du mit der „Alternativenfalle“ zu kämpfen hast. Du kannst zur Freiheit und zur Fähigkeit durchdringen, Gottes Willen zu erkennen, auch wenn er keiner deiner beiden Möglichkeiten entspricht. Denke daran: Gott möchte mehr als du selbst, dass du seinen Willen kennst, und er wird ihn dir zeigen. Du musst nur lernen, auf das zu hören, was er sagt. Und das wirst du! Darum geht es in diesem Buch.
Jetzt wird’s persönlich
Warum hast du diesen Bibelkurs gekauft? Vielleicht, um Prinzipien über Gottes Willen für deine eigenen Interessen und dein persönliches Wachstum zu finden. Oder du suchst Gottes Willen eher für bestimmte aktuelle Umstände. Warum nimmst du dir nicht jetzt ein paar Minuten Zeit, um herauszufinden, welcher Bereich deines Lebens dir genau zu schaffen macht? Wenn du dann die Prinzipien in diesem Kurs durcharbeitest, kannst du sie auf deine konkrete Frage beziehen und die Wahrheiten auf dein unmittelbares Bedürfnis anwenden.
Keine Sorge, wenn dein erster Versuch ein wenig lückenhaft ist; mit der Zeit und der Übung im Bibelkurs wird es dir immer besser gelingen, deine Gedanken zu notieren.
Nimm dir ein paar Minuten Zeit, um herauszufinden,in welchen Bereichen deines Lebens du Go es Willen erkennen möchtest und wie die Lösung aussehen kann!
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Wegweiser Nr. 1
Lena wälzt sich unruhig in ihrem Bett hin und her, während sich ihr Bettlaken zu einem unordentlichen Knoten verheddert. Das Leuchten der Digitaluhr zeigt ihr an, dass es schon ziemlich spät ist, doch an Schlaf ist nicht zu denken. In ihrem Kopf laufen die Ereignisse des Tages ab wie in einem Film. Als Sara sie vor einigen Monaten anrief und sie bat, ihre Brautjungfer zu werden, war sie voll aufgeregter Vorfreude. Sie hatten während des Studiums zusammengewohnt, und auch wenn sich ihre Wege in letzter Zeit nicht mehr so oft gekreuzt haben, ist es immer noch eine besondere Beziehung. Jetzt aber wünscht sie sich, sie wäre nie hergekommen. Es ist zwar schön, die alten Freunde wiederzusehen und sich auszutauschen, aber noch nie hat sie sich als Single so auffallend einsam gefühlt. Es scheint, als wären alle ihre Studienfreunde bereits verheiratet und würden Familien gründen.
„Komm schon, Lena, fang den Brautstrauß!“, hatten sie gejubelt, als wenn sie ihr einen Partner aufzwingen wollten. Bisher hatten ihr die bohrenden Fragen ihrer Freunde nach ihrem Liebesleben nichts ausgemacht, aber jetzt kämpften ihre Emotionen mit der erbarmungslosen Realität.
Sie wird schließlich auch nicht jünger. Ihre biologische Uhr tickt, besonders wenn sie noch Kinder haben möchte. In ein paar Monaten werde ich dreißig, denkt sie. Oh Mann, das klingt ja furchtbar. Vielleicht bin ich einfach zu wählerisch. Vielleicht gibt es „den Richtigen“ gar nicht. Vielleicht wird es Zeit, dass ich mich nach dem „Akzeptablen“ umschaue. Tom würde da ganz bestimmt reinpassen.
Sie hatten sich letztes Jahr auf der Weihnachtsfeier ihrer Anwaltskanzlei kennengelernt und trafen sich seither regelmäßig. Er sieht ganz gut aus, denkt sie nach, während sie im Kopf seine Qualitäten durchgeht. Er hat eine gute Position in der Insolvenzabteilung der Kanzlei ... in ein paar Jahren könnte er Juniorpartner sein.
Ja, er hat leider nicht so eine Beziehung zu Gott wie sie, aber er geht inzwischen manchmal mit ihr in den Gottesdienst und spricht in letzter Zeit auch vom Heiraten. Scheinbar will er jetzt Ernst machen.
Hast du schon einmal mit der Frage gerungen: „Was soll ich tun, Herr?“
Hat Lena Gottes Willen erkannt oder hat sie sich einfach für ihre Wunschvorstellung von Gottes Willen entschieden?
„Vielleicht würde das bedeuten, dass ich dann weniger von einer Unternehmung zur anderen hetze und somit mehr Zeit für Gott hätte. Herr, ich weiß, er wird eines Tages zu dir kommen und ein hingegebener Christ werden“, ruft Lena aus. Sie formt die Worte mit Nachdruck, als wolle sie sich selbst ebenso überzeugen wie Gott. „Herr, ich möchte heiraten ... Ich bin es leid, Single zu sein“, fleht sie, bevor sie schließlich einschläft.
Ein paar Wochen später überrascht Tom sie mit einem Verlobungsring. Emotional beeindruckt von der Situation betet sie leise: „Herr, bitte segne unsere Ehe.“ Hat Lena Gottes Willen erkannt oder hat sie sich einfach für ihre Wunschvorstellung von Gottes Willen entschieden?
Das vielleicht wichtigste Schild auf dem Weg zu Gottes Willen ist „Vorfahrt gewähren“. Ein Problem, das Menschen daran hindert, Gottes Willen zu erkennen, ist die Einstellung: „Herr, zeig mir, was du von mir möchtest, damit ich entscheiden kann, ob ich es tun will.“ Damit wird auf subtile Weise vermittelt, dass wir bei der Entscheidung das letzte Wort haben wollen, anstatt sie dem Herrn zu überlassen. Es deutet auf unser Misstrauen gegenüber Gottes Absichten für uns hin.
Lies Römer 12,2. Wie beschreibt Paulus hier den Willen Go es?
„… dass ihr prüft, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.“
In Römer 12,2 finden wir eine klare Beschreibung von Gottes Willen: Er ist „das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.“ Denk einen Moment lang darüber nach. Gottes Wille für dich persönlich ist wirklich gut . Sein Wille ist wohlgefällig (das griechische Wort bedeutet „erfreulich, angenehm“) und vollkommen (sinngemäß „das, was den Bedürfnissen des Menschen entspricht“). Gottes Wille für dich und mich ist all das und noch mehr.
Sind wir ehrlich miteinander. Hattest du nicht auch schon einmal damit zu kämpfen, deinen eigenen Willen dem Willen Gottes vorzuziehen? Ich schon. Stell dir vor, wie sehr es uns in solchen Situationen helfen würde, wenn wir wirklich verstehen würden, dass sein Wille, sein konkreter Wunsch für uns in dieser Situation gut, wohlgefällig und vollkommen ist. Vielleicht bist du gerade jetzt auf der Suche nach Gottes Willen. Dann kann es dir ein Trost sein, mit Sicherheit zu wissen, dass sein Wille besser für dich ist als dein eigener!
Häufig zweifeln wir an den Worten von Römer 12,2, die sagen, dass Gottes Wille wirklich gut ist. Wir möchten uns das Recht vorbehalten, ein „Misstrauensvotum“ einzulegen, wenn uns etwas nicht gut erscheint oder wir es einfach nicht tun wollen. Aber Gott ist nicht der Regierungschef und er lässt sich nicht verspotten.
Er wird uns seinen Willen so lange nicht offenbaren, bis wir von Herzen zu tun bereit sind, was immer er uns sagt. Gottes Wille ist keine Entscheidung, die man treffen, sondern ein Gebot, dem man folgen muss. Wenn wir uns ihm nicht unterordnen, wird er seinen Atem nicht damit verschwenden, uns Befehle zu erteilen.
Der Theologe Lewis Sperry Chafer schrieb in seinem Buch „He That Is Spiritual“ (Zondervan, 1918): „Gottes Stimme ist laut genug, dass eine willige Seele sie verstehen kann“ (Hervorhebung vom Autor).
Wenn wir nicht an den Punkt kommen, an dem wir Gott Vorfahrt gewähren und ihm jedem Bereich unseres Lebens anvertrauen, wird es uns ergehen wie dem Zweifler in Jakobus 1: Er gleicht einer Meereswoge, die vom Wind bewegt und hin und her getrieben wird. Jakobus schlussfolgert:
„Denn jener Mensch denke nicht, dass er etwas von dem Herrn empfangen wird, ist er doch ein wankelmütiger Mann, unbeständig in allen seinen Wegen“ (Jak 1,7-8).
Lies Römer 12,1-2. Welche Voraussetzungen findest du dort, um den „guten, wohlgefälligen und vollkommenen“ Willen Go es zu erkennen?
„Gottes Stimme ist laut genug, dass eine willige Seele sie verstehen kann.“
Lewis Sperry Chafer
Wenn wir den guten, wohlgefälligen und vollkommenen Willen Gottes erkennen wollen, von dem Römer 12,2 spricht, müssen wir zunächst die Entscheidung treffen, die in Römer 12,1 gefordert wird:
„Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer, was euer vernünftiger Gottesdienst ist.“
Es klingt etwas paradox, aber der erste Schritt auf dem Weg zur Erkenntnis von Gottes Willen ist die völlige Unterordnung. Gott möchte, dass wir bereits Ja sagen, bevor er uns seine Frage mitteilt. Wir alle wissen, dass Jesus Christus der Herr ist. Was diese Textstelle zeigt, ist die Notwendigkeit, den Herrn Jesus Christus auch in unserem Leben Herr sein zu lassen. War er das in Lenas Entscheidung?
2. Tag
Wir sehen die „Herrschaft Jesu über unser Leben“ oft wie die Rolle eines Königs in Großbritannien. Dieses Land wird von einem amtierenden Monarchen regiert, doch nicht er legt die Regeln fest und trifft die Entscheidungen, sondern das Parlament. Aus Respekt vor dem Monarchen befindet sich am unteren rechten Rand eines jeden Gesetzesentwurfs eine schwarze Unterschriftenlinie. Dieser Entwurf wird mit der Bitte an den Buckingham Palace gesendet, dass der König in Form einer Unterschrift auf dem dafür vorgesehenen Feld seine Zustimmung erteilt. Interessant ist jedoch, dass das Gesetz auch dann verabschiedet wird, wenn der König seine Unterschrift verweigert. Nicht er ist der eigentliche Herrscher des Landes, sondern der Premierminister und das Parlament bestimmen das politische Geschehen.
Die britische Regierungsform wird formal als konstitutionelle Monarchie bezeichnet. Allzu oft versuchen wir – wie in der britischen Politik – unser Leben als konstitutionelle Monarchie zu gestalten. Wir haben eine Position und einen Platz für einen Monarchen, aber wir treffen die Entscheidungen und bitten dann den Herrn, unseren Plänen zuzustimmen. Wenn ich dem Herrn Jesus nachfolgen möchte, muss ich die Realität anerkennen, dass das Christentum keine konstitutionelle Monarchie ist. Gott will nicht meine Pläne gutheißen; er will meine Zustimmung zu seinen Plänen, und er will, dass ich mich ihnen unterwerfe. Das bedeutet es, Jesus die Herrschaft zu überlassen. Alles andere ist kein wahres biblisches Christentum.
Betrachte die folgenden Verse und gib ihre Kernaussage in eigenen Worten wieder.
Lukas 6,46
Ma häus 21,28-32
Johannes 7,17
In jeder dieser Passagen geht es darum, dass die Herrschaft Jesu in unserem Leben mehr erfordert als ein Lippenbekenntnis. Es genügt nicht, einfach zu sagen, dass Jesus der Herr ist – unsere Hingabe an ihn sollte in unseren Taten und Entscheidungen sichtbar werden. Deshalb fragt Jesus: „Was nennt ihr mich aber: Herr, Herr!, und tut nicht, was ich sage?“ (Lk 6,46). Derselbe Gedanke findet sich in Jesu Gleichnis von den ungleichen Söhnen in Matthäus 21. Der Vers in Johannes 7,17 bringt schließlich den Kerngedanken auf den Punkt: Unsere Hingabe an Gott beeinflusst unsere Fähigkeit, ihn zu hören. Wenn wir uns Gott hingeben, können wir erkennen, welche Entscheidungsoptionen von Gott kommen und welche nicht.
Die beiden tückischsten und gefährlichsten Fallstricke, die uns hindern, Gott die Vorfahrt zu gewähren, sind Stolz und Selbstbezogenheit . Beide sind subtil in ihrem Vorgehen und hinterhältig in ihrem Angriff. Wenn wir nicht auf der Hut sind, werden sie uns wie ein böswillig falschplatziertes Umleitungsschild von der Straße abbringen, auf der wir Gottes Führung erfahren können.
Das Leben von König Saul (1Sam 15) liefert an anschauliches Beispiel dafür. Eine seiner ersten Amtshandlungen als König war die Vollstreckung des Gottesurteils an den Amalekitern. Das war der heidnische Stamm, der das wehrlose Israel während des Auszugs aus Ägypten überfallen hatte. Sauls Auftrag war es nun, dieses heidnische Volk vollständig zu vernichten – eine strenge, aber gerechte Strafe für seine Sündhaftigkeit. Die Bibel nennt das „den Bann vollstrecken“ (1Sam 15,3). Es bedeutete die Tötung jedes Lebewesens – Mann, Frau, Kind und Tier – und die Zerstörung all ihrer Besitztümer und Wohnstätten. Da dieses Volk so sehr von Sünde befleckt war, durfte nichts verschont bleiben, sondern musste alles ausgemerzt werden.
Saul und seine Männer missachteten diese Anweisung jedoch. Sie töteten das Volk (mit Ausnahme von König Agag) und vernichteten alles Wertlose. Aber die guten Dinge – Schafe, Ochsen usw. – behielten sie für sich. Sie waren nur teilweise gehorsam, was im Grunde genommen gar kein Gehorsam ist.
Lies 1. Samuel 15 und schreibe auf, was du aus Vers 11 darüber erfährst, wie Samuel Go es Au rag in die Tat umsetzte.
„Was nennt ihr mich aber: Herr, Herr!, und tut nicht, was ich sage?“
Lukas 6,46
3. Tag
SCHON GEWUSST?
Das hebräische Wort charam oder cherem bedeutet „ausgesondert“ oder „mit dem Bann belegt“. Etwas „Gebanntes“ war etwas, das ausschließlich für Go es Zwecke bestimmt war. Die Beute von Jericho war „geweiht“ oder wörtlich „mit dem Bann belegt“ – sozusagen als Erstlingsfrucht, die dem Herrn gehörte (Jos 7). In 3. Mose 27,28 lesen wir von einem geweihten Opfer und in 27,29 von einer Person unter dem Bann, d. h., diese Person wurde für die Vollstreckung des Urteils für ihre Sünden abgesondert. Amalek gehörte zu denen, die unter dem Bann standen („vollstrecke den Bann“ –1Sam 15,3.8-9.18.20), deren Verbrechen nach Vergeltung schrien, ebenso wie die der Kanaaniter zu Josuas Zeiten.
Achte darauf, was Gott sagt: „Er hat sich von mir abgewandt und hat meine Worte nicht ausgeführt.“ (V. 11). Gott sagt nicht: „Er hat nur einen Teil meiner Gebote befolgt.“ Teilweiser Gehorsam ist gar kein Gehorsam. Wenn ich Gott nur dann gehorche, wenn sein Wille mit meinen Wünschen übereinstimmt, dann folge ich nicht Gott, sondern meinen eigenen Wünschen.
Warum war Saul ungehorsam? Zunächst einmal: Warum hat er König Agag verschont? In dieser Kultur war der König einer besiegten Armee eine Trophäe, die zurückgebracht und zur Schau gestellt wurde. Die Demütigung des besiegten Königs ließ den Ruhm des Siegers noch strahlender erscheinen. Im Grunde entsprang diese Idee dem Stolz Sauls. Er wollte mit seinem Erfolg prahlen.
Was sagen uns die Verse 24 und 30 über Sauls Stolz und Selbstbezogenheit?
4. Tag
Sauls Stolz wird nicht nur in seinem Handeln deutlich, sondern auch in seiner Erklärung für seinen Ungehorsam: „Ich fürchtete das Volk und hörte auf seine Stimme“ (V. 24). Er war eher darum besorgt, wie er vor den Menschen dastehen würde, als darum, Gott zu gefallen (V. 30). Wir sehen seine Selbstbezogenheit daran, dass er die Beute an sich reißt, anstatt völlig gehorsam zu sein.
Am aussagekräftigsten ist jedoch Sauls Reaktion auf die Konfrontation mit seiner Sünde. Er zeigt keine Reue; seine Sünde tut ihm nicht leid. Ihm geht es nur darum, den Konsequenzen zu entgehen (V. 25.30). Saul war nicht demütig, sondern stolz (tatsächlich errichtete er sich nach seinem Sieg sogar ein Denkmal – V. 12). Weil er kein Mann nach dem Herzen Gottes war (1Sam 13,13-14), wurde er von Gott als König verworfen.
Stolz
Stolz hält uns oft davon ab, Gottes Willen und Weg zu folgen, und hindert uns daran, auf ihn zu hören. Zusammen mit seiner hässlichen Stiefschwester, der Eitelkeit, nistet er sich in unserem Herzen ein und flüstert uns mit süßer Stimme zu: „Dafür bist du doch eigentlich zu gut.“ Natürlich sagt er es nicht ganz so deutlich, aber genau das ist die Botschaft. Stolz setzt Gottes Willen permanent Grenzen. Eitelkeit
fragt meist, was andere denken könnten, wie etwas auf andere wirken würde, und fügt hinzu, dass dies und jenes unter unserer Würde ist. Stolz und Eitelkeit sind zwei Seiten derselben Medaille.
Stolz knüpft Gottes Willen meist an Bedingungen. Er bringt uns dazu, Gott eine Liste der Dinge zu präsentieren, die wir nicht tun wollen, und von ihm zu verlangen, seinen Willen entsprechend anzupassen. Es ist, als ob wir irgendwo in unserem Herzen eine mentale Liste versteckten. Der Stolz sagt zu Gott: „Ich nehme jede Aufgabe an, zu der du mich führst, aber berufe mich bitte zu nichts, wofür ich an einen Ort ziehen muss, der mir nicht gefällt.“ Oder: „Ich tue alles, was du von mir verlangst, solange ich nicht ledig bleiben muss“, oder so ähnlich. Könnte Lena bei ihrer Entscheidung davon beeinflusst worden sein?
Eine ernüchternde Lehre aus König Sauls Leben lautet: Hingabe, die sich an Bedingungen knüpft, ist keine Hingabe. Damit unterwerfen wir uns nicht Gottes Willen und Weg, sondern unserem eigenen. Hingabe schließt alles ein – sonst ist sie keine Hingabe.
Lies Jakobus 4,8.
Was sagt uns der Text über Go es Einstellung gegenüber den Hochmütigen?
Hingabe, die sich an Bedingungen knüpft, ist keine Hingabe an den Willen Gottes, sondern an unseren eigenen Willen.
Wie würde eine hochmütige Person wohl auf diese Worte reagieren?
Gott widersteht den Hochmütigen. Er hat eine dauerhafte Abneigung gegen solche Menschen. Den von Herzen Demütigen dagegen schenkt er Gnade. In Jakobus 1,5 heißt es: „Wenn aber jemand von euch Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der allen willig gibt und keine Vorwürfe macht …“ In den Versen 6-8 lehrt uns Jakobus aber auch, dass wir richtig bitten müssen, denn wer wankelmütig ist, darf nicht erwarten, etwas vom Herrn zu bekommen. Glaube (Vertrauen) ist eine Ausdrucksform der Demut, während Wankelmütigkeit (halb für Gott, halb für uns selbst) ein
„Gott
widersteht den Hochmütigen, den
Demütigen aber gibt er Gnade.“
Ausdruck mangelnder Hingabe ist. Wenn wir Gottes Stimme hören wollen, müssen wir den festen Entschluss fassen, dass sein Weg genau der ist, den wir einschlagen wollen.
Selbstbezogenheit, Egoismus, geht mit Stolz und Eitelkeit einher. Oft sind wir einfach zu sehr mit unseren eigenen Interessen beschäftigt, um daran zu denken, was Gott wichtig ist. Egoismus sagt: „Ich will ...“, und hält das für den obersten Maßstab, um den Willen Gottes zu beurteilen. Du wirst Gottes Willen erst dann finden, wenn du in deinem Herzen fest entschlossen bist, ihn zu befolgen, egal wie er ausfallen wird. Wenn du versuchst, erst herauszufinden, was Gott von dir will, um dann zu entscheiden, ob du dazu bereit bist, verschwendest du nur deine – und Gottes – Zeit.
Einige Wochen nach ihrer Verlobung rief Lena mich an und fragte, ob wir uns treffen könnten. Als wir bei einer Cola zusammensaßen, hielt Lena mir ihren großen funkelnden Diamantring entgegen und sagte lächelnd: „Du kannst mir gratulieren!“ Sie erzählte mir von ihrer Verlobung mit Tom und fragte mich, ob ich sie trauen würde. Zuerst war ich überrascht, aber an Lenas Entschlossenheit merkte ich, dass es ihr total ernst war. „Erzähl mir doch mal, wie Gott dich zu dieser Entscheidung geführt hat“, bat ich. Sofort schlug die Stimmung um.
Ich hatte es gar nicht konfrontativ gemeint, aber Lenas Gesichtsausdruck verriet mir, dass ich einen wunden Punkt getroffen hatte. Sie wurde unruhig und nervös und nannte vage Gründe dafür, warum dies eine gute Entscheidung war. Dann schloss sie mit den Worten: „Ich habe einfach meinen Frieden damit.“
Rückblickend bin ich mir sicher, dass Gott mir eingegeben hatte, diese ziemlich abrupte Frage zu stellen: „Was ist, wenn Tom nicht der Mann ist, den Gott für dich vorgesehen hat?“
Mit einer Mischung aus Schock und Entsetzen erwiderte sie schnell: „Aber ich bin sicher, dass er es ist … er muss es sein!“
Nachdem ich ihr versichert hatte, dass mir viel daran gelegen war, dass es ihr gut ging und sie Gottes Fürsorge erleben konnte, fragte ich: „Ganz ehrlich, Lena, wie sicher bist du dir, dass dies Gottes Wille ist?“ Nach einem peinlichen Moment des Zögerns vertraute sie mir an: „Hm, ich schätze, etwa zu 75 Prozent.“
Sie schien erleichtert, als ich begann, ihr einige Grundsätze über Gottes Willen mitzuteilen, und ich ermutigte sie, Gott weiterhin um Bestätigung seiner Führung zu bitten. Ich fragte: „Lena, würdest du über das, was ich dir erzählt habe, nachdenken und die Entscheidung zurückhalten, bis du dir hundertprozentig sicher bist?“ Ich ermutigte sie auch, übers Wochenende wegzufahren, um sich ungestört der anstehenden Entscheidung und Gott zu widmen.
Eine Woche später war die Lena, die ich traf, ein anderer Mensch. Noch bevor sie ein Wort sagte, wusste ich, dass sie ihre Antwort vom Herrn erhalten hatte. Sie begann, mir von ihrem Wochenende mit Gott zu erzählen; sie hatte meinen Rat befolgt und Gott gebeten, die Wegweiser zu seinem Willen auszurichten. Sie erzählte mir von den verschiedenen Ratschlägen, die sie erhalten hatte, und von der Zeit, die sie damit verbracht hatte, „die Kosten zu überschlagen“. Begeistert berichtete sie von ihren Entdeckungen im Gebet und in der Heiligen Schrift und wie sie das Prinzip der Besonnenheit anwandte. „Aber die Wende kam“, gestand sie, „als ich mich der Frage stellte, wer in dieser Entscheidung die Vorfahrt hatte.“
Lenas Augen füllten sich mit Tränen, als sie erzählte, wie sie den Herzensentschluss gefasst hatte, jeden Bereich ihres Lebens Gottes Führung zu überlassen. „Als ich begann, ehrlich mit Gott über verschiedene Bereiche meines Lebens zu sprechen, stellte ich fest, dass ich zwar den Punkt meines Singleseins einmal an Gott abgegeben, ihn mir jedoch irgendwann wieder zurückgeholt hatte. Das Thema Heiraten hatte sich zu einem Anspruch entwickelt, den ich im Herzen an Gottes Willen stellte“, gab sie zu.
Als ihr das bewusst wurde, sprach sie ehrlich mit dem Herrn über ihren Wunsch, zu heiraten. Sie bekannte: „Herr, mein Herz hat sich mehr danach gesehnt, verheiratet zu sein, als dir nachzufolgen.“
Freude strahlte aus ihrem Gesicht, als sie berichtete, wie sie den Herrn um Vergebung gebeten hatte. Und sie hatte ihm gegenüber bekräftigt: „Herr, ich möchte deinem Willen entsprechend leben, auch wenn es bedeutet, allein zu bleiben, weil ich weiß, dass dein Wille das Beste für mich ist. Ich weiß, er wird gut, wohlgefällig und vollkommen sein.“
In dem Moment, als Lena nachgab und dem Herrn ihr Ledigsein übergab, begann sie, Tom mit anderen Augen zu sehen. Er hätte ihr zwar eine feste Beziehung und finanzielle Sicherheit bieten können, doch ihre Liebe zu Christus würde er wahrscheinlich nie mit ihr teilen. Sie erkannte, dass er im Gegensatz zu ihr bei den wichtigen Entscheidungen des Lebens nicht den Willen Gottes suchen würde. Anstatt sie auf ihrem Weg mit Christus zu ermutigen, würde er ihr wahrscheinlich eher Steine in den Weg legen. „Was ich wirklich will“, bekannte sie, „ist ein Ehemann, der mich geistlich führt. Jetzt bin ich bereit, auf den Herrn zu warten und darauf zu vertrauen, dass er mir den Ehemann gibt, den er sich für mich wünscht. Zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit habe ich tiefen inneren Frieden.“ Sie erlebte das wunderbare Gefühl von Gottes Ruhe und dachte im Stillen darüber nach, dass es sich gelohnt hatte, darauf zu warten.
„… ich stellte fest, dass ich zwar den Punkt meines Singleseins einmal an Gott abgegeben, ihn mir jedoch irgendwann wieder zurückgeholt hatte. Das Thema Heiraten hatte sich zu einem Anspruch entwickelt, den ich im Herzen an Gottes Willen stellte.“ Unterordnung ist der wichtigste Schritt, wenn es darum geht, auf Gottes Stimme zu hören. Das entmystifiziert den Prozess der Erkenntnis seines Willens.
Wo stehst du gerade in deiner Suche nach Gottes Willen? Kannst du dich mit Lena und ihren Lebensumständen identifizieren? Kämpfst du gerade mit einer konkreten Situation, in der du eine Entscheidung treffen musst? Beachte folgende Fragen, um deine Situation einzuschätzen, und wende diesen ersten wichtigen Grundsatz an, um Gottes Willen zu bestimmen.
1. Habe ich jemals die Herrscha über mein Leben an Jesus Christus als Herrn übergeben und mich ihm ganz ausgeliefert? Wann war das?
2. Bin ich bereit, Go es Willen in meiner konkreten Situation zu befolgen, egal wie er aussehen mag? Was hindert mich daran?
3. Sind meine Motive von Stolz geprägt? Weigere ich mich, etwas zu tun, das „unter meiner Würde“ ist – was ist das?
4. Sind meine Erwägungen von einer selbstbezogenen Haltung motiviert? (Stelle ich meine Wünsche über den Willen Go es? Welche Beispiele fallen dir ein?)
Wenn du Gottes Willen zu erkennen suchst, wirst du unweigerlich an eine Weggabelung kommen. Die eine Richtung ist Gottes Weg, die andere ist dein eigener. Die Ziele mögen nicht immer unterschiedlich erscheinen – manchmal sind sie auch gleich –, aber die Länge der Wegstrecke und die Art und Weise, wie wir zum Ziel gelangen, sind unterschiedlich. Doch wenn du nur auf deinen eigenen Weg ausgerichtet bist, wirst du Gottes Willen niemals finden.
Du musst dich also entscheiden, aber du musst dir auch bewusst sein, dass deine Entscheidung Konsequenzen hat. Wenn du dich für deinen eigenen Weg entscheidest, wird Gott dich als dein liebender himmlischer Vater disziplinieren und dir weiterhin „Vorfahrt gewähren“-Schilder in den Weg stellen.
Wenn du hingegen seinen Weg wählst, musst du dich ihm unterwerfen und darauf vertrauen, dass seine Entscheidung die beste ist. Ziehe für deine Überlegung Folgendes in Betracht: Gott wird dich niemals enttäuschen, denn sein Wille wird durch seine Allwissenheit gefiltert (er ist allwissend), durch seine Allgegenwart begleitet (er ist gegenwärtig), und durch seine Allmacht vollbracht (er ist allmächtig). Kann dein Wille da mithalten?
Warum entscheidest du dich nicht gleich jetzt dafür, Gott den Herrn in deinem Leben sein zu lassen und dem „Vorfahrt gewähren“-Schild zu gehorchen? Wenn du diese Entscheidung festmachen möchtest, kannst du Gott sagen, was im folgenden Gebet vorformuliert ist. Es ist kein magischer Spruch, der alles verändert, wenn du einfach nur die Worte nachsprichst. Aber wenn du eine ehrliche Haltung vor Gott einnimmst und die Worte von Herzen und in voller Überzeugung betest, dann trittst du auf den Weg, der zu seinem Willen führt.
Gebet
„Herr Jesus, ich möchte, dass du der Herr über mein Leben bist. Ich ergebe mich dir und vertraue darauf, dass du weißt, was das Beste für mich ist. Ich bin bereit, zu tun, was immer du von mir erwartest. Meine Antwort lautet Ja . Hilf mir bitte, deinen Willen zu finden, damit ich ihn tun kann. Amen.“
Hier kannst du dein persönliches Gebet aufschreiben: