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Wenn man über die queere Community nachdenkt, kommen zuerst viele außergewöhnliche Erscheinungen in den Kopf: Drag Queens und -Kings, extravagante Outfits, viel Glitzer und Regenbögen. Sobald man sich dieser Welt hingibt und sich näher mit ihr beschäftigt, wird man feststellen - es ist genau das - aber auch noch so viel mehr. Durch den Überbegriff Queer blendet man oftmals aus, dass es sich hierbei um Menschen handelt. Menschen, denen man wahrscheinlich sehr häufi g im Alltag begegnet. Selten fragen wir Andere nach der Sexualität oder dem gender. Wir gehen von einer heterosexuellen Cis-Person aus oder verlieren uns in Vorurteilen.
Die Lebensrealitäten von Queers ist nicht so leicht zu übersehen: Bereits in 2022 ist die registrierte Zahl der Angriffe gegen queere Menschen weiter angestiegen. Insgesamt 1.400 Straftaten wurden als Gewalt gegen Queer eingeordnet. Die Dunkelziffer ist vermutlich deutlich höher. Laut den Daten des Bundeskriminalamts und des Bundesinnenministeriums wurden im Jahr 2023 1.499 Fälle im Bereich “sexuelle Orientierung” und 854 Fälle im Bereich “geschlechtsbezogene Diversität” gemeldet Dies entspricht einem Anstieg der Vorfälle gegen lesbische, schwule, bisexuelle und queere Menschen um 49 % und gegen trans*, intergeschlechtliche und nicht-binäre Menschen um 105 %. Die meisten Vorfälle geschehen im öffentlichen oder nicht-privaten Raum. Architektur hat nicht die Macht, solche Taten zu verhindern, jedoch sozialpolitische Veränderung hervorzubringen. Durch Sichtbarkeit, Sicherheit und Teilhabe können die Wünsche und Anforderungen queere Personen erkannt, sowie Diskriminierungspotenziale und Gefahrensituationen minimiert werden. Öffentlicher Raum bietet eines der größten Diskriminierungspotenziale für Queers. Ausgehend von der Annahme, dass die Bedingungen und Bedürfnisse geschlechtlicher und sexueller Minderheiten derzeit in der Stadtplanung noch nicht näher form liert wurden, muss ein queerfeministisch- inklusiverer Ansatz verfolgt werden: „Inwieweit lassen sich Diskriminierungspotenziale für queere Personen im öffentlichstädtischen Raum erkennen, einordnen und welche stadtplanerischen Anforderungen resultieren aus diesen?“.
Queere Räume sind soziale wie auch architektonische Konstrukte. Beides steht in ständiger Wechselwirkung und ist ebenso in Abhängigkeit von Gesellschaft und Politik wie von planerischer Umsetzbarkeit. Architektur kann gleichermaßen politische Kämpfe austragen, wie auch repräsentieren. Die gesellschaftliche Meinung wird in den öffentlichen Raum getragen und dort ausgefochten. Ein queer feministischer Ansatz in städtebaulicher Planung ist nicht nur ein Selbstzweck, sondern dient einer verbesserten Lebensqualität, der Gleichberechtigung sozialer Gruppen und der erhöhten Qualität der gebauten Umgebung. Existenzielle Standards, menschliche Wünsche und Rechte, Würde und Gemeinwohl sind Aspekte, die nicht an einer sozialpolitischen Grenze enden sollten, sondern fachübergreifend und gemeinschaftlich mit den Möglichkeiten jeder Expertise dazu beitragen, eine inklusive und gerechte Umgebung für Queers und alle Menschen zu schaffen.
Peter-Henlein-Straße
Die Masterthesis befasst sich mit Anforderungen von queeren Personen an den gebauten Raum. Hierfür wurde Literaturarbeit, eine empirische Studie in Nürnberg, eine quantitative Umfrage, sowie Interviews durchgeführt. Dabei wurden Anforderungen an den Aktionsplan Queeres Nürnberg gestellt, um den Unterpunkt „öffentlicher Raum“ anzufügen. Die folgenden beispielhaft aufgeführten Anforderungen benennen einen queer inklusiven Planungsanstatz für eine architektonische und städtebauliche Umsetzung. Sie sind ein Ausschnitt einer lösungsorientierten Zusammenfassung, der in dieser Arbeit ausgeführten Themenbereiche.
Klaragasse
Luitpoltstraße
Magnus-Hirschfeld-Platz
Inklusives Sportangebot Bei einem inklusiveren Sportangebot im Außenraum können Stepper und Matten bereits im Boden integriert sowie Start- bzw. Treffpunkte vorgesehen werden. Dies geschieht bereits am Beispiel von Trampolinen.


Milkstraße
Label abbauen Für den Abbau von Labeln können Abteilungen in fließenderen Übergängen kategorisiert werden oder nach anderen Regelungen der Unterteilung (beispielsweise Oberbekleidung, Jacken,...) und nicht nach dem Geschlecht. Außerdem ist die Bezeichnung von „Damen-“ oder „Herren“-Abteilung zu hinterfragen. Das Auslagern von Abteilungen in eigene Nutzungen sollte nur in Anbetracht von Sicherheitsaspekten möglich sein.
Divers, Neutral, Unisex, All-Gender Eine neutrale Toilette sollte nach Möglichkeit gesetzlich festgelegt werden. Umlabeln von bestehenden WCs ist nur unter baulichen Maßnahmen oder als Übergangslösung tragbar. Alle Toiletten erfordern eine Gesamtausstattung, bestehend aus Kleiderhaken, Bürste, Papierspender, Hygienemülleimer und Hygienebeutel. Diese sind auch nachträglich noch in allen Kabinen anzubringen. Nach fi nanzieller und räumlicher Möglichkeit sind Wasserspender in einzelnen Kabinen einzuplanen. Pissoirs und Urinale sind in genderneutraler Ausführung auszustatten. Durch die Anbindung von raumhohen und bodentiefen Trennwänden werden Sicherheitsaspekte, auch bei Pissoirs, verstärkt. Wickeltische müssen in einem neutralen Bereich (eigener Raum oder neutrale Toilette) angebracht und zugänglich gemacht werden.
Mehr Toiletten im Außenraum
Die Anzahl öffentlicher Toiletten im Außenraum muss gesteigert werden. Dies in Form von geschlossenen Räumen mit verschiedenen Bereichen, Barrierefreiheit und Wickelbereich. Auch die Litfaßsäulen-WC‘s sollten in ihrer Anzahl stark erhöht und auch in Bereichen wie Transit und der Südstadt etabliert werden. Hierfür müssen diese vollständig ausgestattet und mit neutralen Symbolen gekennzeichnet werden.
Weitere Aktionspunkte werden in der Arbeit ausgeführt.


Sich


sicherer unsicher
Personenzuordnung





feminin maskulin divers
unsichere Tageszeit
tag nacht beides
Platz
zu eng ausreichend
People movement
Route angepasst ungenutzt
Sichtfeld
geschützt uneinsehbar einsehbar
Belichtung
viel Licht Licht dunkel
Flucht
möglich nicht möglich



Der Aufseßplatz in Nürnbergs Südstadt durchlief im Laufe der Jahre seit den 90er Jahren bereits einige Veränderungen. Für einige von diesen wurde auch eine Bürger*innenbeteiligung initiiert. Dennoch ist dieser öffentliche Platz weiterhin einer der unbeliebtesten in Nürnberg. In dem Masterprojekt wurde dem Thema Partizipation und der Frage der Transparenz von Planungshintergründen nachgegangen. Hierfür wurden Interviews mit Akteuren und Anwohnenden geführt, sowie eine eigene Kurzbeteiligung gestaltet.
Durch unsere Recherche von Akteuren zu Bürger*innen sind wir auf viele Problemstellungen gestoßen. Nicht nur in vergangenen Zeiten, auch in der Fragestellung “wie beteiligt man richtig?”. Um die Meinung von so vielen Personenkreisen wie möglich abzudecken ist es unabdingbar geworden Beteiligungen auch in das digitale Zeitalter zu bewegen. Dies jedoch nicht nur in Bezug auf Online-Beteiligung von Zuhause - sondern die Möglichkeit, spontan an einer Partizipation mitzuwirken, wenn man von dieser im öffentlichen Raum angesprochen wird. Hierdurch können bereits Sprach- und weitere barrieren abgebaut werden.
Einen “Schuldigen” gibt es wohl nicht. Eher eine Aneinanderreihung von Ereignissen, die zu einer Problemsituation führten. Die größte Herausforderung für zukünftige Beteiligungen - sowie das größte Hindernis der Vergangenen, liegt nach unserem Ermessen an der fehlenden Transparenz zwischen Planern, Akteuren, von städtischer Seite und Bürger*innen.
In Zusammenarbeit mit Yasemin Raab und Andrea Scheuerlein
















Auf der letzten Seite der Beteiligung konnten die Teilnehmenden eigene Gestaltungswünsche beschreiben und einzeichnen
















Alle Gestaltungsideen der Teilnehmenden wurde in ein Modell übersetzt und der Stadt Nürnberg vorgestellt.




Ausstellung im Offenen Büro der Stadt Nürnberg. Die aktuelle Wohnungs- und globale Klimakrise stellt neue Herausforderungen an das städtische (Wieder-)Bauen und die Stadt(um)planung in Nürnberg. Die Ausstellung zeigt Arbeiten von Studierenden (u.a. Partizipation am Aufseßplatz, Nürnberg - Ricarda Oed), welche sich mit ausgewählten Konflikten der Nürnberger Stadt beschäftigten. Das Masterprojekt wurde geleitet von Prof.in und Dr.in Gabu Heindl.









Ausstellung und Führungen organisiert von der Stadt Nürnberg für die jährlichen Stadt(ver) führungen. Gemeinsam mit Kommiliton*innen hatte ich die Gelegenheit mein Projekt aus dem ersten Mastersemester auszustellen (Partizipation am Aufseßplatz, Nürnberg) und Führungen dazu zu geben.





Essay: Schritt Maß Regel















Das Projekt „Mobile | Immobile“ setzt sich mit dem Kreuzungspunkt Landgrabenstraße | Gibitzenhofstraße in Nürnbergs Südstadt auseinander. Als repräsentatives Abbild der Südstadt, spiegelt dieser Kreuzungspunkt, als einer von Vielen, das wahre Leben in der Südstadt wieder. Nicht nur dient ein solcher Punkt als Verbindung von Straßen, oder nur der Überquerung - er kann auch als Treffpunkt, Einkaufsort oder zum verweilen genutzt werden. Ob es der Einkauf nach der Arbeit ist, der Café und Kuchen - Treff im alt-bekannten Bäcker mit den Freundinnen jeden Sonntag, oder der Weg zum einzigen Dönerladen bei welchem man mit „Hallo Chefin“ begrüßt wird - die Südstadt entwickelt an solchen Punkten ein Leben, welches für den Außenstehenden kaum zu erkennen ist. An einer solchen Kreuzung gibt es jedoch ein vorrangiges Themadas Auto. Durch dieses im Vordergrund des Geschehens, scheint der Passant oftmals in den Hintergrund zu geraten. Während die industrielle Gesellschaft oftmals das Wort mobil selbstverständlich mit dem Automobil assoziiert, gewann der Straßenverkehr, sowie dessen Netzwerk an enormer Bedeutung. Diese hat nun zur Folge, dass Fußgängige in der Mobilität Einschränkungen und Hindernisse erleben und ertragen, um dem täglichen Verkehrsgeschehen den Vorrang zu gewähren. Durch Verkehrsregelungen wie Ampeln, Schilder und Fahrspuren an notwendigen Stellen, wird der Weg des Automobils klar strukturiert. Für Fußgängige, welche die gleichen Regelungen zu befolgen haben, sind diese oftmals weniger konventionell oder sogar umständlich. Eckpunkte wie die Landgrabenstraße | Gibitzenhofstraße zeigen auf, dass der Fußweg Unannehmlichkeiten und Umwege enthält, eine Immobilität, um dem Pkw den Vorrang zu gewähren - die Mobilität.
Es war spannend zu beobachten, wie sich verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Problemstellungen auseinandersetzen, oftmals sogar ohne ein Problem bewusst wahrzunehmen. Dies lies uns jedoch mit der Fragestellung enden, ob wir uns bereits ganz selbstverständlich dem Auto untergeordnet haben?
In Zusammenarbeit mit Lukas Hegendörfer























































































































































































































































Dem verdichteten Wohnen im Umland begegnet das Projekt mit genannter These. Neben der Nachhaltigkeit durch Dachgärten, Anbauten, Solaranlagen, Gebäuderastern, Grünfl ächen und Grauwassernutzung - soll auch die Gemeinschaft in ein zukunftsorientiertes Lebensumfeld übergehen. So gibt es keinerlei Pkw-Stellplätze, die Wohnungen sind ausschließlich mit dem nötigsten Platzbedarf belegt, die Wohnungen besitzen ausschließlich kleine Küchenblöcke - jedoch keine Küchen und wenig Stauraum. Dies wird ersetzt durch Fahrradstationen, gemeinschaftliche Wohnzimmer pro Etage, Gemeinschafts- Küchen und Essräume, Gemeinschaftsräume im Erdgeschoss, sowie Waschräume und „Tausch-Lager“ auf den Wohngeschossen. Das Gründach, der Sonnenschutz, das Tragwerk, sowie Belichtung und Kommunikation in den Wohnungen wurde an diese neuartige Wohnsituation angepasst und neu überdacht. Das große Atrium schafft Blickbezüge über alle Geschosse hinweg und steigert den Austausch der Bewohner.
Das Erdgeschoss bildet die öffentlichen Bereiche, welche von den Bewohnern, Personen aus der Umgebung, aber auch Schulen, Hochschulen und weiteren Bildungseinrichtungen zur Information genutzt werden können, um sich über einen nachhaligen Lebensstandard zu informieren. Die beiden Obergeschosse bilden das Gebäude durch ihre drei Wohntypen, welche in ihrem Raster verspringen um Balkone und Podeste zu generieren. Die Bewohner können in den öffentlichen und internen Bereichen mitwirken um so eine Mietminderung zu erhalten.
Das Grundraster, von 3,75 Metern, dient der Nachhltigkeit des Gebäudes. Es sorgt dafür, dass alle Innen- und Außenwände ein Wohnungsbau - Standardmaß erhalten, keine übermäßigen Verschnitte im Holzrahmenbau generiert werden und rastert die gewählte Hybridbauweise vor. Das Stütz- und Trägerraster bildet die statische Struktur in Innen- und Außenraum, kann allerdings dank lösbarer Fügungen optimal rückgebaut werden. In Zusammenarbeit mit Alexander Brunner.
Das Gebäude weist eine Grundstruktur von 45x45 Metern auf, woraus sich eine Gesamtfläche von 2.025 Quadratmetern pro Geschoss ergibt. Mit insgesamt drei Obergeschossen und dem Erdgeschoss umfasst das Projekt eine Bruttogrundfläche von 6.075 Quadratmetern. Die Flächen verteilen sich auf 1.080 Quadratmeter im Erdgeschoss sowie jeweils 1.665 Quadratmeter in den drei Obergeschossen. Innerhalb dieser Struktur entstehen insgesamt 32 Wohneinheiten für rund 84 Personen. Das Wohnungsangebot gliedert sich in 16 Single-Apartments mit einer Fläche von jeweils 22 Quadratmetern, sechs Paarwohnungen mit jeweils 45 Quadratmetern sowie zehn Familienwohnungen, die mit je 76 Quadratmetern den größten Typus darstellen. Die Wohnungen sind auf ein mindestmaß an nötiger Wohnfläche pro Person berechnet, so dass Bewohnende die öffentlichen Gemeinschaftsflächen als ihren zusätzlichen Wohnraum anerkennen und nutzen
Flächenberechnung:
Gebäudegesamtstruktur 45x45 = 2 025m2
BGF EG = 1 080m2
BGF 1OG = 1 665m2
BGF 2OG = 1 665m2
BGF 3OG = 1665m2
= 6 075m2
Wohnung Single = 16x
Wohnung Pärchen = 6x
Wohnung Familie = 10x
= 32 Wohnungen
= ca. 84 Personen
t gemäß mm
12 mm
2x 130 mm W 40,
Der außenliegende Sonnenschutz ist als flexibles Schiebe-Dreh-System gestaltet und ermöglicht es, Balkonbereiche je nach Bedarf zu öffnen oder abzuschirmen. Über leichtgängige Rollwagen und eine doppelte Laufschiene lassen sich die Elemente verschieben und drehen, sodass individuelle Bereiche für mehr Privatsphäre oder zusammenhängende Außenflächen entstehen. Einfache Stopper fixieren die Module in der gewünschten Position und machen den Sonnenschutz zu einem variablen Gestaltungselement der Fassade.
achverglasung
aschen als ässig
Alle Wohnungen verfügen über Kommunikationsfenster, die sich als Faltschiebe-Elemente zum Laubengang hin öffnen lassen. Sie erweitern den Vorbereich zu einem halböffentlichen Raum, der spontane Begegnungen und Austausch mit der Nachbarschaft fördert. Gleichzeitig ermöglichen innenliegende Faltläden, den Bereich mit wenigen Handgriffen abzuschirmen und jederzeit die gewünschte Privatsphäre herzustellen. Dadurch entsteht ein flexibler Übergang zwischen Rückzug und Gemeinschaft, der die soziale Qualität des Wohnens stärkt.
Ricarda Oed Ing. M.A. Architektur
Heynestraße 19 90443 Nürnberg 0152 07333338
ricarda.oed@gmx.de

