„Was fuer eine Geschichte erzaehlen wir uns wenn das Leben sich nicht so entwickelt wie wir uns das vorgestellt haben?“ Ich entdecke mich dabei, wie ich versuche mir das Ende von Covit-19 vorzustellen: Wir koennen wieder unter Menschen gehen. Wieder reisen. Geburtstage feiern und Graduations. Wir koennen einander wieder eine Umarmung geben ohne einander zur Gefahr zu werden. Menschen haben ihre Arbeitsstelle wieder und kleine Geschaefte oeffnen wieder die Tueren. Was fuer Geschichten erzaehlen wir uns wenn das Leben sich nicht so entwickelt wie wir uns das vorgestellt haben?“ »Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.« Diesen Satz sagt der junge Besitzer eines heruntergekommenen Hotels in dem Film »Best Exotic Marigold Hotel«. Vorher sollen diesen Satz schon Oscar Wilde und John Lennon gesagt haben, aber richtig bekannt wurde der Spruch erst durch den Film. Da reist eine Gruppe älterer Herrschaften aus England nach Indien, weil ihnen dort im Best Exotic Marigold Hotel ein sorgloses Ruhestandsleben in einem herrschaftlichen Palasthotel versprochen wurde. Der Palast stellt sich als Bruchbude heraus und schon in den ersten Tagen merken die neuen Bewohner, dass sie ihre Heimat zwar hinter sich gelassen haben, dass ihre Vergangenheit und ihre Probleme aber mitgekommen sind. Sonny, der junge indische Hotelbesitzer, hat den Traum einen Platz so wunderbar zu schaffen, dass die aelteren Bewohner des Hotels niemals sterben wollen. Er lässt sich von allen Beschwerden und allen Problemen fast nie aus der Ruhe bringen, und wenn die Verzweiflung überhand nimmt, sagt er jenen klugen Satz: »Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.“ II. Diesen Satz hätte auch der Prophet Jeremia sagen können. Er lebte in einer dunklen Zeit im 6. Jahrhundert vor Christus. Weite Teile von Israel und Juda sind von den Babyloniern eingenommen worden. Die Städte dort sind zerstört, die Elite des Landes wurde nach Babylon deportiert. Jerusalem aber ist noch frei. Und der König in Jerusalem tut so, als ob das auch immer so bleiben würde. Dabei kommen die Babylonier mit ihrer mächtigen Armee immer näher. Jeremia erkennt: Jerusalem hat keine Chance! Und er weiß: Das ist Gottes gerechte Strafe dafür, dass das Volk seinen Bund gebrochen hat. Als Prophet hat Jeremia viel zu tun: Schon lange hielten sich der König
und die Menschen nicht mehr an Gottes Gebote. Sie verehren andere Götter, sie kümmern sich nicht um Witwen und Waisen, sie lügen, betrügen und stehlen. Deshalb, so richtet Jeremia die Botschaft Gottes aus, wird Gott die Babylonier Jedoch weder der König, noch die Priester, noch das Volk wollen auf Jeremia hören. Für sie ist er ein Schwarzseher, ein Unruhestifter, ein Spinner. Aber Jeremia lässt sich nicht von seinem Weg abbringen. Er predigt den Untergang, auch wenn er verhaftet und geschlagen wird, wenn Anschläge auf ihn verübt werden und er in Lebensgefahr ist. III. Und dann tritt ein, was Jeremia vorausgesagt hat: Die Babylonier belagern Jerusalem. Die Geschichte die Jeremia vorausgesagt hat, erfuellt sich. Jerusalem wird nicht verschont. Und doch plötzlich redet Jeremia dann auf einmal ganz anders. Als alle wussten, dass sie jetzt dem Untergang und Verderben entgegen gehen und bereuten, dass sie Gottes Weg verlassen haben, da kuendigt Jeremia eine neue Geschichte an: Er sagt eine Zeit voraus, in der Gott seinen Bund erneuern wird. Dann wird der Mensch Gott erkennen, und das Gesetz Gottes wird den Menschen ins Herz geschrieben sein. Sie werden Gottes Wort befolgen, nicht weil sie es müssen und weil sie dazu ermahnt werden, sondern weil sie es wollen. Dies ist nicht das Ende, sagt Jeremia voraus, auch wenn Jerusalem jetzt zerstört wird, auch wenn ihr in das Exil geführt werdet, auch wenn ihr so weit von Gottes Wegen und seinem Gesetz entfernt seid, dies ist nicht das Ende. Gottes Geschichte mit Euch geht weiter. Euer Weg mit Gott geht weiter, Gottes Gnade wird größer sein als eure Schuld. Dies ist nicht das Ende, denn am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.« IV. Das ist ein guter Satz, ein Satz, der Hoffnung macht, auch in ausweglosen Situationen. »Das ist das Ende«, denkt der Mann, der seine Frau und Kinder mit dem Virus angesteckt hat, und seine Frau liegt nun auf der Intensivstation. »Das ist das Ende, mit dieser Schuld kann ich nicht leben. Was wird wenn meine Frau nicht gesund wird? Ich dachte, dass meine Kumpel zu sehen und ein
Bier zu trinken - das geht schon. Aber es ging eben nicht. Es ist meine Schuld. Nie wieder kann ich froh werden.« »Das ist das Ende«, sagt die Frau zu ihrem Arzt, der ihr die schwere Diagnose mitteilt. »Meine Lebenspläne werden nicht aufgehen, ich werde lange krank sein und vielleicht viel zu früh sterben müssen.« »Das ist das Ende«, denkt die junge Frau, als sie aufs Facebook schreibt, dass ihr Studio nicht mehr aufmachen wird. Ihr Lebenstraum war es immer gewesen ein Toepferstudio zu haben. „Jetzt ist alles aus. Ich kann die Miete nicht bezahlen. Es kommen keine Kunden mehr. Jetzt bin ich ganz allein.“ Aber Gott sagt: »Das hier ist nicht das Ende. Es wird eine Zeit kommen, da wird alles gut werden.« Diese Zeit kommt allerdings nicht gleich und oft gerade dann nicht, wenn wir sie uns als Menschen am meisten wünschen. »Es kommt die Zeit«, sagt Gott. Sie ist noch nicht da. Nur die Hoffnung ist schon da. Es macht einen Unterschied, was fuer eine Geschichte wir uns vor Augen stellen, was wir denken und glauben, und ob wir annehmen, dass das Unglueck nicht das Ende der Geschichte ist. Es gibt Kraft zum Weiterleben, wenn der Ehemann weiß, dass Gott auch die schwerste Schuld vergeben kann. Es macht Mut zum Kämpfen und Ertragen, wenn die kranke Frau glaubt, dass Gott ihr Leben und Sterben in der Hand hält. Selbst der Tod ist nicht das Ende. Die junge Frau kann sich selbst und ihren Traum ehren, auch wenn er sich nicht so verwirklicht wie sie erhofft hat. Sie hat mit ihrem Studio viel Gutes bewirkt und Menschen sind aufgeblueht wenn sie bei ihr im Studio kreativ sein konnten. V. Und so ist die Geschichte Gottes mit uns Menschen, dass Gott uns nicht aufgibt. Deshalb hat er sein Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten befreit. Deshalb hat er ihnen die 10 Gebote auf den steinernen Tafeln gegeben. Deshalb hat Gott seine Propheten geschickt, die unter dem Einsatz des eigenen Lebens Gottes Willen ausrichten. Und deshalb schickte Gott seinen Sohn Jesus Christus auf die Erde, damit die Menschen erfahren, wie gut es Gott mit ihnen meint. Als Jesus dann am Kreuz starb, dachten die
Menschen, die an ihn glaubten und die mit ihm gegangen sind, dass dies das Ende wäre. Aber es war nicht das Ende. Und als Jesus dann vierzig Tage später in den Himmel auffährt, dachten seine Jünger: »Das ist das Ende.« Aber es war nicht das Ende, denn Gott schickte seinen Heiligen Geist. »Und am Ende ist alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.« VI. Und für diese gute Zeit, die kommen soll, sagt Jeremia einen Bund Gottes mit den Menschen voraus. Dann werden die Menschen nicht mehr nach Gott fragen müssen, sondern sie werden ihn erkennen und sein Gesetz soll in ihre Herzen geschrieben sein. Für uns Christen ist mit Jesus dieser neue Bund Gottes wahr geworden. In Jesus stellt Gott sich ein für allemal auf die Seite der Menschen. Er wird selbst ein Mensch. Wir müssen nicht mehr rätseln, wie Gott ist. Aus den Worten und Geschichten Jesu wissen wir, wie Gott ist. In Jesus gibt sich Gott zu erkennen. Die Liebe ist Gottes Geschichte. Die Liebe ist die Geschichte, die Jesus gelebt hat. Diese Liebe ist die Geschichte, an die uns Gott immer wieder erinnert. Die Liebe ist die Geschichte, das Mass, die Richtschnur, die uns sagt, was zerstoehrend ist und was lebensdienend. Die Liebe macht, dass das Ende gut wird. Wo die Liebe regiert, ist die Zeit, von der der Prophet Jeremia spricht, schon angebrochen. Sie ist noch nicht vollendet. Die Vollendung ist noch nicht ganz da, aber Jeremia blickt in die Weite, er sieht die Geschichte Gottes mit uns Menschen, wie sie bis an das Ende der Welt reicht. Diese Vision des Jeremias, dieses Ende der Geschichte Gottes mit uns Menschen wird nocheinmal beschrieben fast ganz am Ende der Bibel. Dort beschreibt der Visionaer Johannes, wie es sein wird, wenn am Ende der Zeit Gottes neues Reich anbricht, und wenn wirklich alles gut sein wird: In Offenbarung 21: 3b-4 heisst es: „Und Gott wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht
mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein, denn das Erste ist vergangen.“ Und so erleben wir in dieser Zeit eine grosse Ungewissheit, in einer Zeit wo der Virus unser Land belagert, so wie zur Zeit des Jeremia die Babylonier Jerusalem belagerten und einnahmen und wie die Israeliten die in die Gefangenschaft gefuehrt wurden, so fuehlen auch wir uns manchmal wie Gefangene. Wir sind eingeladen, so wie auch unsere Vorfahren es taten, die Geschichte Gottes mit uns Menschen in allem was passiert zu suchen und zu erkennen. »Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.“ Amen.