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The Red Bulletin DE 02/26

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Felix Krüger

fotografiert Größen der Popkultur für Magazine wie „GQ“ und „L’Officiel Hommes“ – und setzt dabei auf einen einzigartigen SnapshotStil. Für uns begleitete er Fitness-Creatorin Anna Engelschall einen Tag lang durch Lissabon. Ab Seite 48

Tin Fischer

sammelt Daten und erzählt mit ihnen Geschichten über die Welt, die in Medien wie „Die Zeit“ erscheinen. In unserem neuen Format „Dataverse“ anlysiert er faszinierende Strömungen unserer Zeit. Los geht’s mit Fitness ab Seite 12.

Shamil Tanna lichtet regelmäßig weltbekannte Athleten wie Kylian Mbappé oder Carlos Alcaraz ab. Für uns fotografierte der Londoner den Zehnkampf-Weltmeister Leo Neugebauer. Die energiegeladenen Aufnahmen siehst du ab Seite 24.

Gibt es beim Trainieren ein schöneres Kompliment als ein augenzwinkerndes „Du Maschine!“? Wir finden: Nein! Das Fitness-Special in dieser Ausgabe widmen wir deshalb diesem Motto. Und zu wem würde die Bezeichnung besser passen als zu Allround-Athlet Leo Neugebauer? Ab Seite 24 erklärt der Zehnkampf-Weltmeister, was er Freizeitsportlern rät. Wie genau Workouts funktionieren, beschreibt dagegen ein Report ab Seite 40 und begibt sich dafür auf eine Reise in die erstaunlichste Maschine überhaupt: unseren Körper.

Eine Reportage über Anna Engelschall, eine von Europas bekanntesten Fitness-Creatorinnen, führt uns wiederum ab Seite 48 nach Lissabon, wo sie gerade lebt und dreht. Und in Wien trafen wir Schauspieler Nick Romeo Reimann, der ab Seite 72 von seinem Kino-Comeback berichtet.

Viel Freude mit dieser Ausgabe, die Redaktion

Der Sonne entgegen: zu Besuch bei FitnessCreatorin Anna Engelschall in Lissabon

Mathilde Steensgaard

Padel-Spielerin

Was Freizeit-Athleten von Zehnkampf-Weltmeister Leo Neugebauer lernen können. Lass dir

Wie Training funktioniert – und wie du es optimieren kannst. Eine Reise in deinen Körper.

Anna-Prinzip

Wie sich Fitness-Creatorin Anna Engelschall treu bleibt, auch wenn der Algorithmus andere Ideale hat.

Vier Run-Communitys zeigen, wie gemeinsames Laufen Großes bewirken kann.

Wie sich der ehemalige Kinderstar Nick Romeo Reimann zurück auf die große Leinwand kämpft.

dunloptyres.com

DUNLOP Reifen sind für die gemacht, die mehr erwarten: präzises Handling, starker Grip und zuverlässige Performance bei jedem Wetter. Dank modernster Fertigungstechnologien und jahrzehntelanger Motorsport-Erfahrung verbinden DUNLOP Reifen maximale Sicherheit mit purer Fahrfreude.

Nazaré, Portugal

Rollende Riesen

Dank eines Unterwasser-Canyons türmen sich im portugiesischen Nazaré bis zu 30 Meter hohe Wellen auf. Die größten weltweit und manchmal, je nach Licht, auch die schönsten. Sie brechen so nahe an Nazarés Leuchtturm, dass die Zuschauer am Ufer wie in einem Stadion mit dabei sein können. Wer sich hier ins Wasser traut, gehört zur Big-Wave-Elite – so auch der Brite Andrew Cotton, 43, hier beim Training im letzten Herbst. Instagram: @andrew_cotty

Dubai, Vereinigte Arabische Emirate Im Anflug

Basketball einmal anders: Drei gegen drei, ein Korb, 10 Minuten oder 21 Punkte – das ist Red Bull Half Court. Beim Weltfinale letzten November in Dubai waren je acht Männer- und Frauenteams am Start, die es von ursprünglich gut 8000 Spielerinnen und Spielern aus über 20 Ländern ins Finale geschafft hatten. Ausnahmetalent Ehab Amin aus Ägypten hatte auf diesem Bild bereits den Sieg vor Augen: Sein Team gewann. Bei den Frauen holten sich die Japanerinnen die Trophäe. @ehab.amin

Meppen, Deutschland

Rennfertig

Das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring stand schon lange auf Max Verstappens Bucket List: Mitte Mai tritt der viermalige Formel-1-Weltmeister tatsächlich beim Klassiker auf der Nordschleife an. Schon jetzt bereit: der spektakulär lackierte Bolide seines Mercedes-AMG Teams Verstappen Racing – vorgestellt in einem Kühlturm in Meppen. Nicht im Bild: die anschließenden Drifts über den sandigen Untergrund.

Pumpen nach Zahlen

Muskeln aufbauen oder Spaß haben? Running oder Bike? Sparring oder Dating? In dieser 3D-Welt kannst du aktuelle Fitness-Trends entdecken.

Daten und Text Tin Fischer

Illustration Tobias Wanders

HÄLT DER RUN AUF DIE STUDIOS AN? Corona dämpfte den Boom der Fitnessstudios. Heute sind die Zahlen der Mitglieder zurück in der alten Größe.

SIND WORKOUTS DAS NEUE TINDER?

Ob Workouts auch ein guter Ort für erste Dates sind? Da sind sich Strava-Nutzerinnen und -Nutzer der Gen Z laut einer Umfrage noch uneins. Die App wächst übrigens, während Tinder schrumpft. So viel dazu.

WARUM GEHST DU WIRKLICH INS FITNESS-STUDIO?

Muskeln aufbauen ist Gym-Besuchern offenbar doch wichtiger als Spaß haben - das geht zumindest aus einer Umfrage unter FitnessstudioBesuchern hervor. Kombinieren lässt es sich natürlich trotzdem!

WELCHE STRAVAGRUPPEN GEHEN STEIL?

Sich einfach zum Workout verabreden und die Straße zum Studio machen? Das wird immer beliebter. Auf Apps wie Strava wächst die Zahl der Gruppen rasant, Wander-Clubs haben sich 2025 weltweit fast versechsfacht.

Echte Leuchte

Dieser Smart-Brick denkt beim Spielen mit – und hat immer passende Sounds und Farben parat. Tech-Checker Kirafn baut schon mal vor.

Das Teil

Per Sensor reagiert der Smart Brick von Lego auf Bewegungen und seine Umgebung, über Tags auf konkrete Teile. So erkennt er etwa bestimmte Figuren und kann via Lautsprecher und LEDs passende Töne und Lichteffekte generieren – theoretisch etwa Sirene und Blaulicht eines Feuerwehr-Trucks.

Der Hype

Kirafin heißt bürgerlich Jonas Willbold, ist 31 und unterhält seine 1,3 Millionen Follower auf TikTok mit ComedyFormaten. Nebenbei folgt er seiner Faszination für Tech-Produkte und -Trends. Für uns nimmt er aktuelle Hypes unter die Lupe.

Der Check

War das Thema auf der TechMesse CES in Las Vegas. Videos auf TikTok performen zuverlässig überragend, erfolgreichster Post mit acht Millionen Views von „beyond the brick“.

Für mich bringt das Teil eine neue Ebene ins Klemmbaustein-Game. Mit 70 Euro für das günstigste Set ist der Preis auch in Ordnung. Schlechte Nachrichten für Weltraum-Muffel: Seine interaktiven Funktionen kann der Stein bisher nur mit „Star Wars“-Sets ausspielen.

MUST-HAVE-FAKTOR

Perfekt für …

… Lego-Techies, die sich bereit fühlen für eine neue Dimension.

Ungeeignet für …

… Lego-Traditionalisten, für die ein Stein gefälligst ein Stein bleiben sollte.

Bitte beschreib dich in 3 Emojis.

Welches Mindset empfiehlst du Triathlon-Einsteigern?

Von welchen Abenteuern träumst du?

Welcher Trend sollte unbedingt ein Comeback feiern?

Worin besteht noch mal der Reiz von München?

Neben Sport postest du auch zu Fashion. Wie würdest du deinen Style beschreiben?

Was genau liebst du am Ausdauersport?

Deine 3 wichtigsten Pieces/ Accessoires für diesen Frühling?

2025 hast du deinen ersten Ironman 70.3 absolviert. Dein Rezept fürs Durchhalten?

Soe Gschwind

zählt in der Gaming-Szene zu den tonangebenden Frauen: Als E-Sport-Managerin, Host und Moderatorin mischt die Schweizerin die Branche und deren Bro-Kultur auf.

Text Pauline Krätzig Foto Armon Ruetz

Nerds stachen schon immer heraus mit ihren Skills und Leidenschaften. Soe Gschwind zeichnet als Kind „Dragon Ball“- und Pokémon-Charaktere, liest Comics und Fantasybücher, lernt selbständig Sprachen und zockt Videospiele – heimlich und nicht nur zum Spaß. „Flucht war es schon auch“, sagt sie. „Eine andere Welt, in der ich mich verlieren konnte.“ Soe und ihr Bruder wachsen in einem Kinderheim auf. An den Wochenenden und in den Ferien sind sie oft bei den Großeltern. Von ihnen bekommen die beiden ihren ersten Gameboy. „Diesen fetten grauen Klotz. Ich musste ihn mit meinem Bruder teilen. Der war größer und stärker, deshalb hab ich meistens nachts gespielt, sobald er geschlafen hat.“ Tagsüber versteckt die damals Elfjährige die Mini-Konsole unter der Matratze. Im Heim sind Videospiele verboten. Aber Soe ist ein Nerd. „Irgendwann haben mein Bruder und ich aus alten Einzelteilen einen ranzigen PC zusammengebastelt, der halbwegs funktioniert hat.“ Das erste von vielen Malen, dass Soe Gschwind ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt.

Vom Nerd zum „Wir“ Über den eigenen PC und das MultiplayerRollenspiel „World of Warcraft“ bekommt Soe Gesellschaft bei ihrer Alltagsfucht, knüpft Kontakte, die bis heute bestehen, ist nächtelang als untote Magierin unterwegs. Fragt man sie, was sie am Gaming fasziniert und schätzt, rattert sie keine Highscores und Top-Games runter, sondern spricht liebevoll von einer Community, die sich vor allem in ihren Anfängen wie eine kleine Familie anfühlte. „Das Schönste am Gaming ist: Du trifst so viele Leute, mit denen du dich sonst vielleicht nie unterhalten hättest, mit denen

On point

Heißt eigentlich Salome GschwindRepp; geboren in Basel; lebt in Los Angeles; wollte mal Comiczeichnerin oder Dolmetscherin werden; hat Tattoos auf dem Bein bis zum Bauch: Totemtiere der Familie in einem riesigen Baum; kann zeichnen, malen, Ukulele spielen und sechs Sprachen

du aber etwas gemeinsam hast. Die gleiche Passion. Als ich meine erste beste Freundin zum ersten Mal in echt gesehen habe …“ Soe lacht. „Sie war ein HardcoreGoth und ich voll Hip-Hop.“ In der virtuellen Welt ist das völlig egal. „Herkunft, Alter, physische Einschränkungen – beim Gaming ist für jeden etwas dabei, und jeder entscheidet für sich, wie er Videospiele erleben möchte. Es gibt kein Richtig und kein Falsch.“

Vom „Wir“ zum Freak

Am liebsten aber schaut Soe anderen beim Spielen zu. „Das hat mich mitgerissen und gleichzeitig total beruhigt.“ Ergibt also Sinn, dass sie das jetzt beruflich tut. Zusehen, Fragen stellen, kommentieren, moderieren, unterhalten: Das gelingt Soe auch schon in den ersten digitalen Gruppenchats richtig gut. Ein Online-Radio entdeckt die Neunzehnjährige und lädt sie zum Talk ein. Wieso sie? „Wahrscheinlich waren meine Kommentare besonders lustig …?“, meint sie fragend. Soe in Aktion zu erleben, lässt keine Zweifel ofen. Kein Wunder, dass sie kurz darauf gleich noch mal entdeckt und 2007 vom Berliner Gaming-Start-up „Freaks 4U“ angeheuert wird. „Plötzlich habe ich bei der Games Convention in Leipzig moderiert. Das war wild.“ „Freaks 4U“ sind zwei Handvoll Enthusiasten, die beginnen, Gaming-Content

professionell zu produzieren, OnlineMultiplayer-Turniere zu veranstalten, und das alles per Audiostream. Pioniere im deutschsprachigen E-Sport. „‚Freaks 4U‘ war noch extrem klein. Wir waren insgesamt zehn Leute, sind zwischen Events hin und her, ich musste die Bühnen buchstäblich erst bauen, auf denen ich dann stand. Parallel habe ich eine Ausbildung zur Mediengestalterin gemacht, weil keiner wusste, ob überhaupt und wie es weitergeht.“

Vom Freak zum Blizzard

Als Blizzard Entertainment die Allzweckwafe Soe nach knapp zehn Jahren bei „Freaks 4U“ abwirbt, ist das „der beste Tag meines Lebens“. Der Spieleentwickler ist damals mit Reihen wie „World of Warcraft“, „Diablo“, „StarCraft“ und „Overwatch“ der Big Player in der Branche und stark im E-Sport präsent. Soe zieht 2016 nach Frankreich, arbeitet in deren Büro in Versailles als stellvertretende E-SportManagerin und Moderatorin. Ein Jahr später lebt sie in Los Angeles, Kalifornien – und nur noch für eines: Blizzards „Overwatch League“, eine professionelle E-Sport-Liga für das Game „Overwatch“. „Ich habe die League mit aufgebaut, konnte mich darauf konzentrieren, das war ein Traum!“ 2024, im verfixten siebten Jahr, platzt dieser. Die Liga wird aufgrund fnanzieller Probleme eingestellt. Zum ersten Mal ist Soe Freelancerin. Doch eine Frau, die sich in einer Branche mit Testosteronüberschuss behauptet, muss die Selbständigkeit nicht fürchten.

Und immer: Boss-Modus

Sexistischen Klischees begegnet Soe seit 18 Jahren im Business mit einem „Fuck you“ und „Jetzt erst recht“. Ihre Fans lieben ihre Konsequenz. „Leider kämpfe ich immer noch gegen den Boys Club an. Homies und Bros werden eher für Jobs angeheuert und abgefeiert, obwohl sie nicht mehr abliefern als Frauen im selben Feld.“ Doch so schnell kegelt niemand das Schweizer Multitool aus der Szene. „Zum Glück hatte ich nach der Kündigung bei Blizzard sofort viele Anfragen.“ Seit drei Jahren ist sie insbesondere bei einem Menschen besonders gefragt: ihrer Tochter. Mit ihr spielt sie aber erst mal nur Lego.

Instagram: @soe.gschwind

„Meinen ersten Gaming-PC hab ich mir aus ranzigen Einzelteilen selbst gebastelt.“

Soe Gschwind über die ersten Schritte auf ihrem Weg zum Selfmade-Gaming-Star

Marteria

wollte Fußballer werden, prägt aber seit zwanzig Jahren Hip-Hop in Deutschland. Nun legt der Rapper sein sechstes Album vor und versichert: Oft führen erst Umwege zum Ziel.

Etwa in der Mitte seines neuen Albums, in einem Song namens „Problemarten“, charakterisiert Marten Laciny, bekannt als Marteria, seinen eigenen Werdegang mit einem einprägsamen Bild: „Lebenslauf sieht aus wie ein EKG“, heißt es da. Das stimmt sowohl für das Privatleben des 43-Jährigen als auch für seine berufliche Laufbahn, wie ließe sich das auch trennen. Beides schießt wie eine Flipperkugel durch die Welt – und er mag das so. Laciny, dessen Debüt „Halloziehnation“ 2006 unter seinem zweiten Alter Ego Marsimoto erschien, gehört zu den einfuss- und erfolgreichsten deutschsprachigen Musikern überhaupt. Er sammelte Top-Chartplatzierungen und PlatinSchallplatten ein, er spielte ausverkaufte Touren und trug Anfang der Zehnerjahre entscheidend mit dazu bei, deutschsprachigen Hip-Hop zu dem populären Musikgenre zu machen, das es bis heute ist.

Fußball als Plan A

Dabei sah es lange so aus, als würde aus dem Jungen, der 1982 in Rostock zur Welt kam, mal ein Proffußballer. Kapitän sämtlicher Jugendmannschaften beim F. C. Hansa Rostock, Rechtsverteidiger der U17-Nationalmannschaft – so hätte es weitergehen können. Wäre er 1999 nicht während einer Reise in New York City von einem Modelscout angesprochen worden: Ob er nicht in die Stadt ziehen und sich für große Modelabels casten lassen wolle? „Natürlich habe ich das gemacht“, sagt Laciny. „Fußball war mein Leben. Aber New York ist New York.“ Die Frage, ob es nicht klüger gewesen wäre, bei der Karriere als Sportler zu bleiben, statt sie gegen eine mit großer Unsicherheit einzutauschen, stellte sich für ihn nicht. Er macht, was ihm Aufregung verspricht,

On point

Geboren in Rostock; Alter 43; lebt auf Rügen; Status: Deutschraps Elder Statesman; monatliche Hörer auf Spotify: 2,4 Millionen pro Monat; Highlights 2026: neues Album, große Tour; Fan von: F. C. Hansa Rostock; Hobbys: Angeln, Kochen

sähen die Gebäude denen am Berliner Alexanderplatz zum Verwechseln ähnlich, erzählt er. Den zurückliegenden Winter hat er in Sri Lanka, Kenia und Thailand verbracht, mit Ayurveda, Angeln, Texteschreiben. Dabei hat er es versucht mit der Sesshaftigkeit. Aber die Hofnung, dass ein Haus auf Rügen mitsamt Schafen und Alpakas ihn zur Ruhe bringen würde, hat sich nicht erfüllt. Um die Tiere kümmert sich jetzt sein Vater, wenn Laciny unterwegs ist. „Ich will unseren ganzen runden blauen Planeten sehen“, sagt er. Fernweh lässt sich ofenbar nicht einfach so abschalten.

Was treibt ihn immer wieder hinaus in die Welt? „Ich komme vom Meer, mein Vater war Seemann.“ Auch seine vier Jahre ältere Schwester sei früh in die USA gegangen. Der Bewegungsdrang liege ihm wohl einfach in den Genen.

Album voller Einfälle

neue Erlebnisse und ein Maximum an Intensität. „So lange man kann, so viel wie geht“, wie es auf seinem neuen Album einmal heißt. Die Zeile könnte sein Lebensmotto sein.

Das mit der großen Karriere als Model klappte dann nicht, zumindest nicht auf lange Sicht. 2003 kehrte Laciny nach Deutschland zurück, zog nach Berlin und lebte fast fünf Jahre von Hartz IV. „In dieser Zeit habe ich meiner Fußballkarriere jeden Tag hinterhergetrauert“, sagt er. „Damals kam mir die Entscheidung gegen den Fußball wie der absolute Fehler vor.“ Aus heutiger Warte sei sie jedoch richtig und wichtig gewesen, fand er doch in dieser Zeit zurück zu dem, was er schon als Teenager und auch während seiner Fußballjahre immer gemacht hatte: texten, rappen, Musik machen. „Das, was wahrscheinlich meine wahre Bestimmung ist“, sagt er. Das klingt, als schließe er es nicht vollkommen aus, dass es da draußen etwas gibt, was ihn noch mehr erfüllt als die Musik.

Bye-bye, Alpakas!

Ganz oben auf der Liste dessen, was ihm im Leben am wichtigsten ist, steht: Reisen. Allein auf dem afrikanischen Kontinent kennt Laciny mehr als ein Dutzend Länder. Im Zentrum Luandas, der Hauptstadt Angolas, eines ehemaligen sozialistischen Bruderstaats der DDR,

Sein gerade erschienenes Album bildet den Abschluss seiner „Zum Glück in die Zukunft“-Trilogie. Wie schon auf den 2010 und 2014 herausgekommenen Vorgängern schaut Marteria hier zurück auf die vergangenen Jahre und zieht Bilanz. Das tight produzierte Album strotzt vor musikalischem Einfallsreichtum, es ist wahrscheinlich sein bestes bislang. Den Fans werden die vielen Zitate und Verweise auf ältere Songs auffallen. So stammt etwa die Marteria-typische Zeile „Die größten Fehler sind die, die man nicht gemacht hat“ aus „Zum König geboren“ von 2009.

„Captain Europa“ handelt vom schleichenden Bedeutungsverlust unseres Kontinents. Darin, mit der Überforderung umzugehen, die viele angesichts der Gegenwart verspüren, sieht der Rapper die Herausforderung unserer Zeit – und eine, die sich ihm ganz konkret stellt. „Wege zu zeigen, wie das Leben trotzdem gut sein kann, Hofnung und Mut zu verbreiten“, sagt er, „dafür tritt man doch an, wenn man Kunst macht.“

Die Frage, wie es sich im Hip-Hop gut altern lässt, beschäftige ihn dagegen kein bisschen: „Ich bin ja keine 80 Jahre alt.“ Die große Aufgabe im Leben sei es doch, sagt Laciny, sich überraschen zu lassen.

Instagram: @marteria

„Hoffnung und Mut verbreiten –dafür tritt man doch an, wenn man Kunst macht.“
In seiner Musik zeigt Marteria,
Leben trotz aktueller Weltlage gut sein kann.
wie das

Victoria Kurz

wagte als erste heimische Padel-Spielerin den Sprung auf die Weltbühne. Ihr Vorteil: dass sie ein „Leftie“ ist. Ihr Wunsch: Deutschlands

Nachwuchs motivieren.

Stell dir vor, du schafst es, professionelle Athletin zu werden, fährst zu internationalen Turnieren und kämpfst dich in deinem Heimatland bis an die Spitze –nur um festzustellen, dass manche noch nie von deiner Sportart gehört haben. Für Victoria Kurz, genannt Vici, ist das Realität: „Mit der Padel-Weltelite haben wir in Deutschland wenig zu tun“, sagt die 26-Jährige. Noch. Denn für die Karlsruherin war und ist dieser Zustand ein Ansporn, Wege einzuschlagen, die vor ihr noch niemand gegangen ist – auch damit es die nächste Generation einfacher hat.

Training mit Männern

Padel ist eine Mischung aus Tennis und Squash und stammt ursprünglich aus Mexiko, heute zählen Spanien und Argentinien zu den weltweit erfolgreichsten Nationen. Dort wird Padel bereits seit den 1970er-Jahren gespielt. Hierzulande war hingegen erst in den vergangenen Jahren ein kleiner, aber stark beschleunigender Boom zu verzeichnen.

„Mein Papa war Basketballtrainer, meine Mama hat auch Basketball gespielt, aber meine Oma Tennis“, erzählt Victoria von ihren frühen sportlichen Einfüssen. „Weil ich mit sechs Jahren eine totale Mädchenphase hatte, habe ich mich für den Tennisrock und gegen die Basketballshorts entschieden.“ Eine gute Entscheidung, wie sich zeigen sollte.

Vici spielt nämlich nicht nur gern, sondern auch gut – stets mit einer potenziellen Profkarriere im Blick. 2019 erhält sie sogar ein einjähriges Tennisstipendium an der Oakland University in Michigan in den USA. Als jedoch während der Pandemie so gut wie keine Turniere stattfnden und sie zufällig auf dem Padel-Court landet, shiftet ihr Fokus. „Tennis wird immer

On point

Alter: 26; kommt aus Karlsruhe; hat ein abgeschlossenes LehramtsStudium in den Fächern Englisch und Mathematik; versucht jede freie Minute mit ihrer Familie zu verbringen; muss am häufigsten die Frage beantworten: Wo bist du gerade?

meine erste große Sport-Liebe bleiben. Padel hat mir aber schnell unglaublich viel Spaß gemacht – und völlig neue Möglichkeiten eröfnet.“

Victorias Stärken auf dem Platz bescheren ihr und ihrer damaligen Partnerin Denise Höfer schnell Siege – und ab 2022 dreimal in Folge den Titel als Deutsche Padel-Meisterinnen. Was Vici von der Konkurrenz abhebt: Zum einen, dass sie ein „Leftie“ ist, also mit links spielt. Außerdem ihre enorme Power am Platz und ihr aggressives Spiel. Und ihre mentale Belastungsfähigkeit: „Egal wie es steht, ich lasse den Kopf nicht hängen“, sagt sie.

Trainieren muss sie zu dem Zeitpunkt allerdings mit Männern, weil es im Umkreis keine Spielerinnen gibt, die stark genug sind. Zu Hause unschlagbar zu sein, ist natürlich ein riesiger Erfolg. Doch Victoria will mehr. Daher trift sie vor zwei Jahren eine Entscheidung: „Für mich war es die größte Challenge, aus dem deutschen Turnierzirkus auszubrechen und zu sagen: Ich wage es, international zu spielen.“ Weil das noch keine Deutsche vor ihr gemacht hat. Leicht war es für sie zunächst defnitiv nicht. „Wenn man in einen Sport reinkommt, der so sehr von anderen Nationen dominiert wird, fühlt man sich am Anfang ziemlich allein“, gibt Vici zu. Besonders wenn man kein Spanisch spricht, die neuen Partnerinnen aber kein Deutsch und nur wenig Englisch

sprechen. Doch sie kämpft sich durch –auf dem Court und abseits davon.

„Der erste Titel hat mir total geholfen, Anschluss zu fnden. So habe ich es auch langsam geschaft, international Freundschaften zu knüpfen.“ Und schließlich etwas zu erreichen, was vor ihr auch noch keiner Deutschen jemals gelungen ist: den Einzug in die Top 100 der Welt, wo sie derzeit auf Platz 80 steht. „Als dieses Ranking letztes Jahr im August rauskam, habe ich es gar nicht geraft. Erst bei der Players Party in Mexiko, drei Monate später, habe ich angefangen zu heulen. Weil der ganze Druck abfel und ich gecheckt habe: Du gehörst wirklich hierher auf diese Premier Padel-Bühne.“ Heute spielt sie nicht nur auf dieser Bühne, sondern berichtet auch über sie: als Expertin auf Red Bull TV, wo die Stopps der Premier Padel Tour live übertragen werden.

Amerika, Australien, Karlsruhe

Als Spielerin nahm Victoria 2025 an 36 Turnieren teil, was in der Regel bedeutet, dass sie von Donnerstag bis Sonntag unterwegs ist – von Amerika bis Australien. Auch das ist nicht immer einfach. „Meine Familie ist mir super wichtig. Wann immer ich zwischen meinem Training in Barcelona und dem nächsten Turnier Zeit habe, fiege ich nach Hause.“ Auch wenn es nur für 24 Stunden ist. Um „Mensch ärgere Dich nicht“ mit ihrer Oma zu spielen. Mamas Hausmannskost zu essen. Ihren Bruder beim Handball anzufeuern. Wenn man sie nach Zielen fragt, wirkt Vici entspannt – unter die Top 100 zu kommen, davon hatte sie immer geträumt. Und: „Egal ob Tennis oder Padel, für mich war immer das Wichtigste, am Platz glücklich zu sein.“ Dann überlegt sie noch einmal. „Eigentlich ist mein Ziel, in drei bis vier Jahren nicht mehr die Nummer eins in Deutschland zu sein.“ Was erst komisch klingt, bis sie nachsetzt: „Weil dann haben wir es geschaft, die Jugend in Deutschland an den professionellen Padel-Sport heranzuführen. Das ist langfristig mein größter Wunsch.“

Erlebe Vici live bei Red Bull Padel Dash –einem globalen, actiongeladenen Wettbewerb für Amateur-Teams. Am 23. Mai in Dortmunds PadelCity übergibt sie den National FinalGewinnerinnen und -Gewinnern ihre Trophys; am Tag davor begleitet sie ein Creator-Turnier als Kommentatorin im Livestream.

Alle Infos und Tickets fürs National Final: redbull.com/padel-dash

„Egal wie es steht, ich lasse den Kopf nicht hängen.“
Kurz geht mit viel Power und mentaler Stärke in jedes Padel-Match.
Vici

Zehnkämpfer gelten als die perfekten Athleten. Hier erzählt Weltmeister Leo Neugebauer, 25, was er Freizeitsportlern mitgeben kann. Spoiler: Es geht um Motivation durch Glück, Jazz und Flow-Momente.

Auf Kurs: Nach seinem WM-Sieg wurde Leo Neugebauer Sportler des Jahres 2025. Als Nächstes im Blick: die Europameisterschaft im August.

Text Jakob Schrenk Fotos Shamil Tanna

Das Shooting fand in der Werner-von-LindeLeichtathletikhalle im Münchner Olympiapark statt. Aufgewachsen bei Stuttgart, lebt und trainiert Leo heute in Austin, Texas.

An einem Samstag um 8.45 Uhr morgens faltet sich ein riesiger Mann aus einem kleinen Auto, streckt die Glieder und richtet sich zu seiner ganzen Größe auf. Auch aus 100 Meter Entfernung ist er problemlos zu erkennen: Leo Neugebauer, 201 Zentimeter groß, 106 Kilogramm schwer, 25 Jahre alt, ZehnkampfSilbermedaillengewinner bei Olympia 2024 in Paris, Gold in derselben Disziplin bei der Weltmeisterschaft 2025 in Tokio.

Der richtige Dreh: Diskus ist Leo Neugebauers Lieblingsdisziplin im Zehnkampf. Fortschritte machte er, als er lernte, sich auch mal locker zu machen.

Die Zehnkämpfer werden auch deshalb die Könige der Athleten genannt, weil sie so vielseitig sind. An zwei aufeinanderfolgenden Tagen müssen sie je fünf Disziplinen absolvieren: sprinten, weit und hoch springen, stoßen und werfen, ausdauernd laufen. Von so einem Universalmeister können auch Amateursportler viel lernen. Also gibt Leo Neugebauer auf den folgenden Seiten Tipps fürs Training, für den Wettkampf und fürs Leben. Denn auch außerhalb der Tartanbahn trift Neugebauer kluge, inspirierende Entscheidungen. Mit neunzehn verließ er seine Heimat Stuttgart und zog nach Austin, um an der dortigen University of Texas Wirtschaft zu studieren – und trainierte unter Bedingungen, von denen Leichtathleten in Deutschland nur träumen können. Auch nach dem Ende seines Studiums ist die Universität seine sportliche Basis.

Man merkt ihm die vielen Jahre in den USA an. Neugebauer wirkt so gut gelaunt und positiv, wie es eigentlich nur US­Amerikaner sein können – er selbst würde wahrscheinlich ein Wort wie „relaxed“ verwenden. Immer wieder streut er englische Begrife ein. Gleichzeitig hat er seinen schwäbischen Dialekt nicht verloren, er wuchs bei Stuttgart auf. Ein globaler Star, aber mit Bodenhaftung, einer, der keinen großen Auftritt braucht, weil er ja selbst schon groß ist, und der zu Shooting und Interview eine Viertelstunde zu früh kommt. Leo Neugebauer sagt: „Das ist mein deutsches Erbe.“

Er weiß, wo er herkommt. Er weiß auch, wo er hinwill. Im August 2026 steht die Leichtathletik­EM in Birmingham an. Europameister war er noch nicht. Bei Olympia 2028 in Los Angeles ist er im besten Athletenalter. Und dann lockt auch noch der Weltrekord im Zehnkampf, der bei 9126 Punkten liegt. Die Fachwelt ist sich einig: Kein anderer Zehnkämpfer hat so gute körperliche Voraussetzungen wie Neugebauer. Jim Garnham, sein Trainer, sagt: „Leo kann schafen, was noch keiner geschaft hat.“

100 METER: HAB SPASS!

Der 100-Meter-Sprint ist die erste Disziplin des Zehnkampfs. Am Start ist den Athleten die Nervosität ins Gesicht geschrieben. Das gilt natürlich auch für Leo Neugebauer. Ruft dann aber der Stadionsprecher seinen Namen, winkt er mit beiden Armen ins Publikum und lächelt dieses breite, unnachahmliche Leo-Neugebauer-Lächeln: „Man darf nicht vergessen, dass es ein Privileg ist, einen großen Wettkampf zu bestreiten“, sagt er. „Und dass das Ganze auch einfach Spaß macht.“ Das ist sein erster, vielleicht sein wichtigster Rat an Amateursportler: Wähle einen Sport nicht, nur weil deine Freunde ihn machen, dein Arzt ihn dir empfiehlt oder ein Creator behauptet, dass man davon Muskeln bekommt. Mach den Sport, der dir Freude bringt. Nicht dein Pflichtgefühl wird dich motivieren, immer weiter zu trainieren. Nicht dein schlechtes Gewissen. Sondern nur das Glück, das du beim Ausüben empfindest.

WEITSPRUNG:

FINDE DEN FLOW!

Im ohnehin anspruchsvollen Zehnkampf ist der Weitsprung eine der anspruchsvollsten Disziplinen: weil man hier Explosivität und Präzision zusammenbringen muss. Es genügt nicht, Vollgas zu geben. Man muss auch den Absprungbalken exakt treffen. Springt man zu spät ab, ist der Sprung ungültig. Springt man zu früh ab, verschenkt man wertvolle Zentimeter. „Der Rhythmus beim Anlauf muss stimmen“, sagt Leo Neugebauer, „man muss im Flow sein.“ „Flow“ ist überhaupt ein wichtiges Wort für Leo Neugebauer. Auf Flow kommt es nicht nur im Wettkampf und im Training an, sondern ganz allgemein im Leben. Diesen Flow kann man sich organisieren. Leo Neugebauer hängt sich dafür in seiner Wohnung Karteikarten auf, mit To­dos für den Tag: „Meditieren“ steht da zum Beispiel, oder „10 Minuten Stretching“, aber auch „Jazz hören“. Das Ziel ist, Rhythmus in den Tag zu bringen, Monotonie zu vermeiden, eine gesunde Abwechslung zu haben zwischen Aktivität und Entspannung, zwischen Sport und geistiger und körperlicher Arbeit, zwischen Arbeit und Genuss.

Positive Ausstrahlung, reflektierte Antworten, inspirierende Inhalte auf Insta: Wo Leo auftritt, kommt er gut an.

„Man darf nicht vergessen, dass es ein Privileg ist, einen Wettkampf zu bestreiten. Und dass das Ganze auch einfach Spaß macht.“

Ready to run: Leo Neugebauer bindet seine Schuhe für den nächsten Lauf.

Schritt für Schritt: Vor jeder Disziplin absolviert Leo ein spezielles Warm-up.

„ Auf den Flow kommt es nicht nur im Wettkampf und im Training an, sondern ganz allgemein im Leben.“

KUGELSTOSSEN: FEILE AN DEN KLEINIGKEITEN!

Jim Garnham, der Trainer von Leo Neugebauer, ist sich sicher: Hätte Neugebauer beim Kugelstoßen in Paris gezeigt, was er eigentlich kann, wäre er Olympiasieger geworden. In Paris stieß Neugebauer die Kugel auf 16,55 Meter –weit unter seinem persönlichen Rekord. In den folgenden Monaten arbeiteten Neugebauer und Garland deshalb noch einmal an den Details. Bei der Weltmeisterschaft in Tokio bindet sich Neugebauer Tape um die Handfläche. Das gibt zusätzliche Stabilität. Neugebauer findet: „Jeder Sportler sollte experimentieren, Kleinigkeiten ändern, beobachten, ob man dadurch besser wird. Zur alten Routine kann man immer zurück.“

HOCHSPRUNG: HÖRE AUF DEINEN KÖRPER!

Der Hochsprung ist die einzige Disziplin, in der sich Leo Neugebauer in den vergangenen Jahren kaum verbessert hat. Im Training spielt die Disziplin keine große Rolle. „Wir haben gemerkt: Je mehr ich Hochsprung trainiere, desto schlechter springe ich“, sagt Neugebauer. Es gibt aber noch einen weiteren Grund für die Zurückhaltung. Genau auf die speziellen Belastungen im Hochsprung reagiert Neugebauers Körper empfndlich; ihm droht schnell eine Knochenhautreizung im Sprungbein. Warum das ausgerechnet beim Hochsprung auftritt, weiß Neugebauer nicht. Aber er weiß, dass er sich keine Verletzungen einhandeln darf. „Wer bei einem Großereignis gut im Zehnkampf abschneidet, hat beinahe immer in den vier Monaten zuvor gut und ohne ungeplante Unterbrechungen trainiert.“ Es kommt also darauf an, aufmerksam in den Körper hineinzuhorchen. Herauszufnden, was dem Körper guttut –und was nicht.

400 METER: DISZIPLIN!

Die 400 Meter schmerzen. Weil sie ganz am Ende des ersten Wettkampftages kommen, wenn man ohnehin schon müde ist. Weil sie nahezu im Vollsprint gelaufen werden – und am Ende das Laktat in die Muskeln schießt. Für Leo Neugebauer sind die 400 Meter eine Frage der Disziplin. „Es geht zum einen darum, sich das Rennen gut einzuteilen.“ Und zum anderen braucht es natürlich auch die Bereitschaft, diese unangenehme Strecke immer wieder zu trainieren. In Austin machen sie das vor allem am sogenannten „Murder Monday“: Sprints unterschiedlicher Länge, immer wieder. Manchmal muss sich Neugebauer übergeben. „Disziplin ist die Grundbedingung für Erfolg im Sport und Erfolg im Leben“, sagt Leo Neugebauer. „Einen Plan haben. Und sich an diesen Plan halten, auch wenn es mal unangenehm ist. Das haben mir meine Eltern schon früh beigebracht.“ Die waren ziemlich streng, sagt Neugebauer. „Früher habe ich mir manchmal gewünscht, dass sie etwas lockerer sind. Heute aber weiß ich: dass es mir in meiner Entwicklung sehr geholfen hat.“

Sein Kick: Bei den 110 Meter Hürden kommt es besonders auf die Konzentration an. Leos Bestzeit: 14,10 Sekunden.

110 METER HÜRDEN: BLEIB FOKUSSIERT!

Bei der WM 2023 in Budapest liegt Leo Neugebauer nach dem ersten Tag auf Goldkurs. Aber in der Nacht findet er keine Ruhe. Er liest die vielen SMS, die ihn im Lauf des Tages erreicht haben: „Leo, du kannst es schaffen.“ Er beginnt nachzudenken: Kann ich wirklich Weltmeister werden? Die Folge: Er verliert den Fokus – und vermasselt am Morgen des zweiten Wettkampftages seinen Lauf über die 110 Meter Hürden, eine Disziplin, die ganz besondere Konzentration verlangt. Die Fähigkeit zu fokussieren zeichnet jeden erfolgreichen Athleten aus, glaubt Leo Neugebauer. Anfang 2023 endete die Beziehung zu seiner damaligen Freundin. Neugebauer hatte schon lange professionell trainiert, nun

aber beschloss er, sein ganzes Leben seinen sportlichen Zielen unterzuordnen. Innerhalb weniger Monate steigerte er seine Zehnkampf­Bestleistung um fast 500 Punkte – eine Sensation. Kleine Tricks helfen, fokussiert zu bleiben. Neugebauer führt zum Beispiel ein Trainingstagebuch, in dem er wichtige Erkenntnisse aus den Einheiten notiert. Diese Lektionen liest er sich dann vor der nächsten Session wieder durch.

DISKUS: NICHT VERKRAMPFEN!

Klar, Disziplin und Ehrgeiz sind wichtig. Man darf aber auch nicht verkrampfen, sagt Leo Neugebauer. Am deutlichsten sieht man das seiner Meinung nach beim Diskuswurf. „Hier kommt es auf geschmeidige Bewegungen an. Wenn du es zu sehr willst, machen die Muskeln zu. Ich versuche daher, mich zu entspannen. Als würde ich gar nicht besonders weit werfen wollen.“ Der Trick funktioniert: Noch nie hat ein Mensch im Rahmen eines Zehnkampfs den Diskus weiter geworfen als Leo Neugebauer.

Jeder Sportler sollte experimentieren, Kleinigkeiten ändern, beobachten, ob man besser wird. Zur alten Routine kann man immer zurück.“

Im Tiefflug: Neugebauer katapultiert sich aus dem Startblock. Im Zehnkampf startet er auf diese Weise beim Hürdenlauf über 110 Meter und beim 400-Meter Sprint.

STABHOCHSPRUNG: SUCH DIR EIN TEAM!

Im Stabhochsprung hat sich Leo Neugebauer enorm gesteigert: von 4,50 Metern im Jahr 2018 auf 5,40 Meter im Jahr 2025. Das verdankt er nicht nur seinem Talent, sondern natürlich auch seinen Trainern – und den anderen Athleten, mit denen er trainiert. „In Austin trainiere ich immer mit den Spezialisten in der jeweiligen Disziplin zusammen“, sagt Neugebauer. „Also mit den Athleten, die nur eine Disziplin ausüben, beispielsweise nur Stabhochsprung.“ Diese Spezialisten sind in ihrer Disziplin besser als der Generalist Neugebauer –und genau deshalb kann er sich viel von ihnen abschauen. Umgib dich mit guten Leuten, empfiehlt Neugebauer. Mit einem Team, das dich unterstützt und fordert. Das gilt nicht nur für den Sport, glaubt er. Es schadet zum Beispiel auch im Job nicht, sich Leute an die Seite zu holen, die schneller, smarter oder besser sind als man selbst.

SPEERWURF:

ÄNDERE, WAS NICHT PASST!

Eine Leichtathletik-Weisheit besagt: Entweder liegt einem das Speerwerfen – oder eben nicht. Wirklich lernen könne man es nicht. Leo Neugebauer hat das Gegenteil bewiesen. Lange quälte er sich durch diese Disziplin, verlor hier bei Olympia 2024 in Paris wertvolle Punkte. Dann entschieden sein Trainer und er sich für einen radikalen Wechsel. „Wir haben das gesamte System aufgebrochen“, sagt Neugebauer. Zum einen hat er seinen Anlauf verlängert – das bringt mehr Geschwindigkeit in den Abwurf. Zum anderen arbeitete er an Koordination und Muskelansteuerung: „Vereinfacht gesagt geht es darum, die Wurfhand möglichst lange hinten zu lassen, die Spannung über den Rumpf aufzubauen und erst im letzten Moment durchzufeuern.“ Bei der Weltmeisterschaft in Tokio steigerte Neugebauer seine persönliche Bestleistung um über fünf Meter –das sind Welten im Zehnkampf. Und für ihn der Beweis: „Es lohnt sich, ganz grundsätzlich nachzudenken und ein Bewegungsmuster noch einmal zu verändern.“

1500 METER: TRAU DICH!

Weltmeisterschaft in Tokio 2025: Vor dem abschließenden 1500-Meter-Lauf liegt Neugebauer in Führung –aber nur knapp. Die größte Gefahr geht von dem PuertoRicaner Ayden Owens-Delerme aus. Nimmt er Neugebauer mehr als 17 Sekunden ab, ist Neugebauer geschlagen. Und Owens-Delerme ist ein sehr guter Läufer. Neugebauer nicht – dafür ist er zu groß und zu schwer. „Die 1500 Meter sind vor allem eine Frage des Muts“, sagt Neugebauer. „Man ist schon ziemlich k. o. von den neun vorherigen Disziplinen. Aber dann darf man nicht verzagen, selbst wenn man schon nach 400 Metern komplett fertig ist. Man muss den Mut haben, Gas zu geben.“ Hab keine Angst vor dem Schmerz, gib alles: Von so einer Haltung kann jeder Amateursportler profitieren. In Tokio zieht Leo Neugebauer in der letzten Runde noch einmal das Tempo an, erreicht das Ziel mit neuem persönlichen Rekord, bricht zusammen. Minutenlang liegt er auf der Tartanbahn. Lächelt sein Leo-Neugebauer-Lächeln. Er ist Weltmeister.

Styling

Kira März

Hair and Make-up

Rebecca Kugler

Let’s go: Leo Neugebauer ist bereit für die nächsten Aufgaben. Sein Fernziel lautet: Olympische Spiele 2028 in Los Angeles.

Michael Moorstedt Illustrationen Fries Vansevenant

Text
Wir laufen und liften, springen und strampeln.
Aber was genau löst das in dir aus? Und wie kannst du die Effekte steigern? Eine Reise in die faszinierendste Maschine der Welt: deinen Körper.

Das Gehirn ist kein Muskel. Und trotzdem beginnt jedes Workout im Kopf. Noch bevor du die erste Hantel anfasst, schaltet dein Denkorgan den Körper in den Leistungsmodus –und auch sich selbst um. Die neuronale Aktivität verlagert sich weg vom frontalen Cortex, wo du normalerweise grübelst, planst, kontrollierst. Ein Hard Reset für den Zwischenspeicher. Deshalb fühlt sich der Kopf nach dem Sport klarer an als vorher –weil er es tatsächlich ist.

Das Kommando übernimmt jetzt der Motorcortex, zuständig für komplexe Bewegungen. Die Neuronen feuern, die Nebenniere flutet das Blut mit Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol. Stresshormone – klingt übel, ist aber genau das, was du brauchst. Du kennst den Effekt: dieser Moment im Sprint, wenn plötzlich alles wegfällt. Hunger, Schmerz, der blöde Tag im Büro –gelöscht. Dein Körper fährt ein Programm hoch, das älter ist als jede Zivilisation und das kurzzeitig Höchstleistungen ermöglicht. Wer sich dieser

Hormondusche regelmäßig aussetzt, trainiert nicht nur Muskeln, sondern auch sein Nervensystem. Belastbarkeit ist keine Charaktereigenschaft. Sie ist ein Trainingseffekt. Außerdem schüttet das Gehirn noch Dopamin und Endorphine aus, körpereigene Schmerzstiller – die sind verantwortlich für das Gefühl, dass die Welt nach dem Training irgendwie in Ordnung ist.

Der System-Hack: Wer sich pusht, für den hat der Körper ein besonderes Schmankerl: Endocannabinoide, körpereigene Lipide, die dem Wirkstoff von Marihuana chemisch verblüffend ähneln – die wahrscheinlichste Erklärung für das Runner’s High. Dafür solltest du mindestens 30 bis 45 Minuten bei 70 bis 80 Prozent der maximalen Herzfrequenz trainieren – du kannst noch sprechen, aber es wird langsam anstrengend.

Durch den Nachbrenneffekt verbrauchst du Kalorien

ohne Training – bis zu 38 Stunden lang nach jedem Workout.

Auch im Stillstand verbraucht dein Körper permanent Energie. Dieser Grundumsatz hält die Vitalfunktionen am Laufen: Atmung, Körpertemperatur, Herzschlag, Hirnaktivität. Überschüssige Energie, die du aufnimmst, landet auf den Hüften – ein normalgewichtiger Mensch trägt bis zu 100.000 Kilokalorien in Form von Fettschichten mit sich herum. Das ist der Reservetank. Erst wenn du ihn forderst, schaltet die Körper-Maschine vom Speicher- in den Verbrauchsmodus. Was dann passiert, ist eine Kettenreaktion. Voraussetzung für jede Muskelkontraktion ist der Energieträger: Adenosintriphosphat, kurz ATP. Das Problem: In den Zellen sind nur winzige Mengen davon vorhanden, die sind nach wenigen Sekunden aufgebraucht. Also muss ATP ständig neu gebildet werden – aus Kohlenhydraten und Fett. Welches Reservoir der Körper anzapft, hängt davon ab, wie du trainierst. Bei kurzen, intensiven Einheiten verbrennt er vor allem schnell verfügbares Glykogen. Bei längeren, moderaten Laufrunden greift er auf den Fettstoffwechsel zurück. Übrigens: Während einer Trainingsphase Diät zu halten, kann kontraproduktiv sein. „Warum sollte der Körper Muskeln aufbauen, wenn er sich in einem kalorischen Defzit befndet?“, sagt Prof. Dr. Stephan Geisler, der an der ISTHochschule Düsseldorf lehrt. Der „CalorieGap“ dürfe maximal 300 Kalorien betragen.

Der System-Hack: Kalorien verbrennen ohne Training – klingt zu gut, um wahr zu sein? Durch den Nachbrenneffekt (Excess Post-exercise Oxygen Consumption / EPOC) passiert genau das nach jedem Workout, bis zu 38 Stunden lang. Anaerobes Training mit hoher Intensität, etwa HIIT, erzeugt dabei einen deutlich höheren Nachbrenneffekt als aerobes Training mit gleichem Aufwand.

Jeder Motor erzeugt Abwärme – deiner auch. Während des Trainings steigt die Körpertemperatur auf bis zu 39 Grad. „Aber weil die Maschine darauf geeicht ist, eine Temperatur von 37 Grad zu halten“, wie Geisler erklärt, springt dann die Klimaanlage an: Rund zwei Millionen Schweißdrüsen sondern ein salzhaltiges Sekret ab, dessen Verdunstung auf der Haut den Körper kühlt. Ein mäßig ambitionierter Freizeitsportler verliert so rund einen Liter Wasser

pro Stunde. Gleichzeitig fährt das parasympathische Nervensystem die inneren Organe herunter – Magen, Darm, alles nicht akut Überlebenswichtige wird gedrosselt. Denn jetzt passiert etwas Drastisches: Bis zu 90 Prozent des Bluts, das dein Herz pumpt, fließen in die Skelettmuskeln. Kapillaren versorgen die Fasern mit Sauerstoff und Energie, und je regelmäßiger du trainierst, desto dichter wird dieses Netz – der Körper baut neue Versorgungswege. Die Anstrengung trainiert auch deinen wichtigsten Muskel: das Herz. Pro Minute kann es bei Ausdauersportlern bis zu 35 Liter Blut durch den Körper pumpen –bei Untrainierten maximal 20. Und es verändert sich nicht nur die Leistung, sondern auch das Blut selbst: Die Konzentration von HDL steigt – jenem Protein, das überschüssiges Cholesterin aus den Arterien räumt. Das Risiko für Gefäßerkrankungen sinkt deutlich.

Der System-Hack: Gerade bei Ausdauerdisziplinen neigen Sportler dazu, zu viel zu trinken – der Elektrolythaushalt gerät aus der Balance. Die Faustregel: Nicht mehr als 80 Prozent des Flüssigkeitsverlusts ersetzen.

Dritte Runde Kniebeugen, die Oberschenkel glühen. Was jetzt passiert, ist Ingenieurskunst: Über 650 Muskeln arbeiten in deinem Körper, kein einziger allein. Jede Bewegung ist ein Zusammenspiel aus Agonist und Antagonist. Beim Bizepscurl zieht der Bizeps den Arm an, während der Trizeps kontrolliert nachgibt. Wer zum ersten Mal eine Langhantel hebt, dessen

wild und unkoordiniert – und es fühlt sich falsch an. Aber die Muskeln lernen. „Der erste Trainingseffekt entsteht, weil das Nervensystem die Bewegung optimiert“, sagt Geisler – mehr Muskeleinheiten werden synchron rekrutiert, Muskeln arbeiten zusammen, die Kraft wächst, obwohl der Muskel noch nicht gewachsen ist. Dann, nach Monaten, passiert etwas Frustrierendes: nichts. Du trainierst gleich hart, aber die Effekte stagnieren allmählich. „Trainingsfortschritte verlaufen nicht linear“, sagt Professor Geisler. Dein Körper hat sich angepasst und sieht keinen Grund, stärker zu werden. Geisler rät: „Das Effektivste ist Abwechslung –ab und zu muss man den Körper überrumpeln.“ Andere Übungen, mehr Gewicht, veränderte Wiederholungszahlen – die Maschine braucht Variation, um stärker zu werden. Dass Training Spuren hinterlässt, ist normal. Muskelkater entsteht durch mikroskopisch kleine Risse in den Fasern. Laktat sammelt sich bei intensiver Belastung an und übersäuert den Muskel – das bekannte Brennen. Ein bisschen Quälen ist erlaubt. Bei plötzlichen Schmerzen ist es Zeit aufzuhören.

Dein System-Hack:

Übertraining ist keine Ausrede von Quittern, sondern ein reales Syndrom, das hirnphysiologisch dem Burnout ähnelt. Wer sich keine Pausen gönnt, riskiert, dass der Körper Muskelproteine zur Energiegewinnung abbaut. Die Folge: Leistungsverlust trotz harten Trainings.

Nach intensiven Einheiten ist der Körper besonders bereit für neue Belastungen –und wird dadurch stärker.

Der Tag danach. Du liegst auf der Couch, die Beine schwer, der Körper still. Und das ist gut so: Denn genau jetzt passiert das Entscheidende. In keinem guten Trainingsplan darf der Rest Day fehlen. Obwohl du ruhst, steht die Maschine nicht still. Der Körper wechselt vom katabolen in einen anabolen Zustand: Risse in den Muskelfasern werden repariert, und zwar so, dass die Muskeln stärker nachwachsen als zuvor. Gleichzeitig produzieren sie Myokine, Botenstofe, die Entzündungen lindern. Glykogenreserven werden nachgeladen, Cortisol sinkt, die Spiegel von Testosteron und Wachstumshormon HGH steigen. Obwohl alles ruhig erscheint, läuft die Maschine auf Hochtouren. Und was kippen wir jetzt rein? Dein Instagram-Feed hat die Antwort: Proteinshakes, BCAAs, Kreatin, Magnesium – die Supplement-Industrie verspricht Abkürzungen für alles. Die Wahrheit ist nüchterner. Wer sich ausgewogen ernährt, deckt den Großteil über normale Ernährung. „Etwa 90 Prozent des Trainingsefekts entstehen durch die körperliche Betätigung und mechanische Muskelreize“, sagt Geisler.

Kreatin ist einer der wenigen Stofe mit gut belegter Wirkung. Protein-Supplements können sinnvoll sein, wenn der Bedarf von 1,6 bis 2,2 Gramm pro Kilo Körpergewicht anders schwer zu erreichen ist. Und die BCAAs, die der durchtrainierte Infuencer in die Kamera hält? Bei ausreichender Proteinzufuhr überfüssig. Die beste Investition nach dem Training bleibt: Schlaf, echtes Essen, Geduld.

Der System-Hack: Als Faustregel werden 48 bis 72 Stunden Pause zwischen intensiven Einheiten empfohlen. Entscheidend ist das Timing: In der sogenannten Superkompensationsphase ist der Körper besonders bereit für neue Belastungen – und wird dadurch stärker. Wer zu früh nachlegt, bremst die Anpassung. Wer zu lange wartet, verschenkt das Fenster.

Mit ihren Videos trainieren Millionen. Weil es für Anna Engelschall nicht um Perfektion geht –sondern um ein gutes Leben.

Text Tobas Moorstedt
Fotos Felix Krüger

Auf der Matte: Als @growingannanas zählt Anna zu den populärsten Fitness-Creatorinnen weltweit – vor allem wegen ihrer Workouts.

Achtsam, menschlich, mit Humor: Anna möchte ihren

Followern Stärke schenken. Unser Autor begleitet die Fitness-Creatorin durch ihre Wahlheimat Lissabon

und bei der Frage: Wie bleibst du dir treu, wenn der Algorithmus andere Ideale hat als du?

Super Bowl à la Anna: Zum Frühstück gibt’s eine Joghurt-Bowl und Notizen, wie der Rest des Tages ablaufen soll.

HOCHFAHREN

Ein Tag, der viel Action und Bewegung beinhaltet, der manche Überraschung bereithält und Nachrichten aus der ganzen Welt bringen wird, beginnt am besten: ganz ruhig. Und still. Und weit entfernt von dem leuchtenden Smartphone­Bildschirm, der nach Aufmerksamkeit schreit. Die Fenster­Roll läden im Apartment in Lissabon fahren quietschend hoch: 200 Meter entfernt fießt der Tejo in den großen, weiten Atlantik. Später am Tag wird der Fluss noch eine wichtige Funktion haben, aber jetzt ist er erst einmal: schön.

Um neun Uhr sitzt Anna Engelschall auf der Couch, ignoriert ihr Smartphone für mindestens weitere 60 Minuten und schreibt in ihr Journal. Der Plan für die nächsten Schritte ihres digitalen Fitnessimperiums entsteht auf Papier: In kleiner, präziser Handschrift notiert sie die Tasks des Tages – zwei Videoschnitte abnehmen, Trainingsplan für den kommenden Monat aufstellen, Gehälter anweisen. Die Liste wird immer länger, in unterschiedlichen Farben, aber sie

immer etwas Persönliches einzuplanen. „Es ist wichtig, sich selbst Raum zu geben.“ Und: „Wenn man es aufschreibt, dann passiert es auch.“

Diesen Satz hat Anna Engelschall, 30 Jahre, von einem berühmten Landsmann gelernt: Arnold Schwarzenegger. Sie kommt wie Mr. Universe aus einem kleinen Dorf in der Steiermark und denkt gerne groß – knapp acht Millionen YouTube­Follower, eine eigene App, MillionenReichweiten auf Instagram und TikTok. Die 1,60 Meter große Österreicherin ist einer der wichtigsten Player auf dem

Online­Fitnessmarkt, der pro Jahr um 27 Prozent wächst – und laut Prognosen bis 2030 knapp 100 Milliarden Euro weltweit erreichen wird. Sie hat sozusagen eine Maschine gebaut, die Menschen auf der ganzen Welt in Bewegung versetzt. Wenn man ihr einen Tag lang folgt, versteht man, wie diese Maschine programmiert wird, was sie am Laufen hält – und was Anna jeden Tag leistet, damit sie nicht überhitzt.

MODE-SWITCH

Was die Welt als 25-MinutenWorkout sieht – Engelschall in bunter Gym Wear, gute Attitude, treibender Beat –, ist das Ergebnis einer tagelangen Produktion: Vier Stunden Planung, Übungsauswahl, Reihenfolge, Intensitätskurve. Eine Stunde für die Musik. Etwas Zeit für Make-up. Dann der Dreh selbst. Schnitt, Unter-

Leben aus der Tasche: Bevor Anna ihre Wohnung verlässt, um ihr nächstes Video zu drehen, packt sie ihren KameraBackpack.

titel, Abnahmeschleifen –eine Excel-Tabelle führt jedes Video durch verschiedene Stages, bis hin zur chinesischen Sprachversion. Mindestens ein fertiges Workout pro Woche muss raus.

Jetzt, um halb elf, wird Anna stiller und fokussierter. „Eigentlich denkt man immer über Content nach. Es gibt keine freie Minute.“ Sie packt die Sporttasche, die Kameratasche, bestellt ein Uber. Ein Blick aus dem Fenster –passt das Wetter zum Plan? Dunkle Wolken schieben sich über den Frühlingstag. Auch wenn man es den Videos nicht ansieht: Der Druck ist da. „Was ich mache, ist wichtig“, sagt sie, „die Menschen da draußen wollen weiterkommen. Sie brauchen mich.“

Dieses Leuchten: Anna dreht gern draußen. Für die Abwechslung und fürs tolle Licht wie hier am Tejo.

Momente, in denen Anna keuchen oder lachen muss, liebt ihre Community besonders:
„ Dann sehen sie, dass ich keine KI bin.“

RECORDING

Die Kamera ist ganz nah dran an Anna. Sie sitzt auf einer Yogamatte auf einer Hafenmole, macht Squats, Planks, Mountain Climbers. Außerhalb des Bildausschnitts stehen abgerockte Lagerhäuser neben moderner Architektur, auf dem Hügel leuchten die historischen Paläste, und Möwenschwärme tanzen über dem Tejo. Das Publikum sieht nichts davon. Nur Anna am Wasser. Einmal schiebt sich ein Containerschiff durchs Bild. Engelschall dreht nicht gerne im Studio.

„Ich will die Leute in meine Welt mitnehmen“, sagt sie. Kein Team, kein Kameramann, kein Regisseur. Nur sie, das Stativ und die Matte. Ab und zu ein Blick direkt in die

Linse. Am liebsten filmt sie alles in einem Take. Wenn der Wind das Stativ umwirft: Restart. Wenn die Sonne hinter einer Wolke verschwindet und der Weißabgleich nicht mehr stimmt: Restart. Aber die Energie ist nicht endlos. „Ich muss mir den Perfektionismus abtrainieren“, sagt sie. Denn ausgerechnet die Momente, die sie am liebsten rausschneiden würde, liebt ihre Community am meisten: Wenn sie selbst eine Pause braucht, weil das Workout brutal ist. Schwitzen, Schnaufen, Lachanfälle. „Dann sehen sie, dass ich keine KI bin.“

Ready, go: Ihre Videos nimmt Anna allein auf. Sie dreht jedes Workout am Stück, ohne Unterbrechung.

LET’S EAT!

Eigentlich ist Anna immer am Essen oder am Essen-Zubereiten. Kleine Date Balls, Reiswaffeln zwischendurch, „weil nichts schlimmer ist, als während einer Filmsession in den Unterzucker zu kommen“. Jetzt ist die Szene im Kasten, und sie freut sich auf ein echtes Essen. Im Lieblingscafé Comoba in Lissabon bestellt sie Fish Tacos mit Dorade, Kohlgemüse, Avocado und grüner Sauce mit Mandeln. Die Farben, die Textur, die Kultur: „Essen ist so toll!“ Auf Instagram postet sie „What I eat in a day“-Videos: Frühstücksbowls, Snacks, Ei und Gemüse, Dinner – und ein Riesenkübel Eiscreme beim Serienschauen. Die Kommentare: „I love you“, „Wo krieg ich die Hosen her?“, „Warum bist du so schlank, wenn du Eiscreme isst?“

Zum Thema Essen gibt es die meisten kritischen Kommentare, erzählt sie. Falsche Produkte, zu viel, zu wenig. Anna beantwortet so viele DMs

wie möglich – manchmal auch auf Spaziergängen, per Voice Message. „Ich will für meine Community da sein“, sagt sie. Immer wieder kommen junge Frauen zu Events, die Hilfe brauchen. Sie nimmt sich Zeit, tauscht sich aus. „Es zeigt mir, wie viel Verantwortung ich habe“, sagt sie. „Was ein einziger Satz bewirken kann. Im Guten wie im Schlechten.“

Teamsport: Im Hintergrund unterstützen Anna verschiedene Mitarbeiterinnen. Im Bild: Producerin Leonor.

ALL HANDS ON DECK

Gestärkt vom Lunch klappt Anna den Laptop auf. Der erste Blick gilt nicht der Inbox oder dem Social Feed, sondern der Datenauswertung von YouTube Studio: grüne Pfeile, die nach oben zeigen. Das System kommentiert: „Looking good!“ Sie sucht immer nach dem Marker „1 of 10“ – bedeutet: Das jüngste Video hat die beste Performance der letzten zehn Uploads. Check. „Immer ein kleiner Sieg“, sagt Anna. Nach geschätzt mehr als 500 hochgeladenen Videos hat sie mittlerweile ein gutes Bauchgefühl entwickelt. „Manchmal weiß ich, dass ein Workout nicht performt, meistens ArmÜbungen“, sagt sie, „aber das ist mir dann egal, die Leute müssen auch was für den Oberkörper tun.“ Trainingsplan sticht Algorithmus.

In Tabellen und Kurven kann Anna, die als Software-Ingenieurin gearbeitet hat, genau sehen, an welchen Stellen Zuschauer abgesprungen sind. Ihre IT-

Skills helfen ihr noch heute: „YouTube ist ganz schön nerdig.“ Je mehr Watchtime ein Video sammelt, als desto relevanter stuft der Algorithmus es ein. WorkoutVideos haben dabei einen Vorteil, sagt sie: Wenn die Leute das ganze Training mitmachen, pusht ihre Motivation nicht nur sie selbst, sondern auch den Content. Win-win. In den letzten drei Minuten allerdings gibt es immer einen ZuschauerDrop – weil die Leute die Stretching- und Cooldown-Übungen weglassen. „Leider unvernünftig“, sagt Anna lachend, „aber ich gebe nicht auf.“

BildschirmZeit: Im Café analysiert Anna die Zahlen ihrer aktuellen Videos – und spricht mit ihrem Team.

An Annas YouTube-Daten lässt sich besser ablesen als an jedem FitnessRatgeber, wie Menschen sich bewegen wollen. Im Jahr 2020, zu Beginn der Pandemie, sammelte ein CrossFit-Video, „in dem ich mich einfach gekillt habe“, über Nacht hunderttausende Klicks. „Weil alle im Lockdown festsaßen, wollten sie sich spüren“, erinnert sie sich. Sie war damals eine der wenigen CrossFit-Creatorinnen auf YouTube. Das Learning: Wirklich viral geht ein Video, wenn man anbietet, was Menschen brauchen – am besten als Erste. Einfach ist das nicht, und „seitdem ist der Fitnessmarkt viel softer und achtsamer geworden“. Japanese Walking statt HIIT. Dass ihre Marke das nachhaltige Wachsen im Namen trägt, zeigt gute Intuition.

@growingannanas: Aus einem Instagram-Handle ist ein kleiner Konzern geworden. Fitness-App, Werbekampagnen, Events und ein knappes Dutzend Kanäle, von Instagram und TikTok über WhatsApp bis Discord. Das sechsköpfge Team sitzt in Berlin, Dinslaken, Lissabon, Prag. Am Nachmittag schalten sie sich oft zusammen – an diesem Tag sind Videographer Matvey und Producerin Leonor vor Ort, weil am nächsten Tag ein Event ansteht. Leonor, 24, hat während der Filmschule in Berlin mit Annas Videos trainiert, bevor sie 2024 zum Team stieß – die eigene Community als Talent-Pool. Vor einigen Monaten haben sie einen zweiten YouTube-Kanal gestartet –@annaengelschall –, auf dem Anna Vlogs aus ihrem Leben postet: Umzug, neuer Freund, aber auch Themen wie Magersucht und Schönheitswahn. „Viele Geschichten basieren auf Nachrichten von Followern“, sagt Leonor. „Sie sollen sich gesehen fühlen.“

LET’S GROW

Erleb Anna als Host der Grow Games:

Beim High-IntensityFitnessrennen begleitete sie Creator durch immer härtere Challenges. Jetzt anschauen:

DIE MISSION

In einem dieser Videos steht Engelschall vor dem Spiegel und sagt: „Jeder fühlt sich mal fett.“ Kein Make-up. Kein Filter. „Jeder ist mal schwach.“ Das ist nicht die ausgeglichene, superftte Anna, das Idealbild aus den Workout-Videos. Das ist ein Mensch mit Geschichte. Mit neunzehn wog sie nur noch 39 Kilo, hasste ihren Körper und sah Sport lange nur als Mittel zum Zweck – um Kalorien zu verbrennen. Endlose Laufrunden. „Wie ein Roboter.“ Bis sie fast verschwunden war.

Dieser Content ist ihr so wichtig wie die Squats und Climbers am Hafen, erzählt sie nach dem Team-Call. Anna Engelschall ist eine Nachfolgerin von Jane Fonda, die in den 1980ern den Aerobic-Boom auslöste und Fitnessstudios für Frauen eroberte. „Shape your Body“, befahl gut zehn Jahre später Cindy Crawford in ihrem Fitness-Blockbuster. Die erste Creatorin, Kayla Itsines, nannte ihren Bestseller „Bikini Body Guide“. Das Ziel war immer dasselbe – ein Körper, der einer Vorlage entspricht. Schlank. Sexy. Oder „stark“, was besser klingt, aber auch Druck aufbaut. Anna dagegen sagt: „Ich möchte, dass meine Follower gesund

Step by step: Nachmittags nimmt sich Anna Zeit für die Dinge des Alltags. Und für sich.

sind.“ Das Instagram-Fitnessstudio ist ein hartes Pfaster. Anna kann so positiv sein, wie sie will – ihre Videos erscheinen zwischen unrealistischen KI-Clickbaits und Scammern, die Peptide vom Schwarzmarkt verkaufen. Wie bleibt man sich selbst treu, wenn der Algorithmus andere Dinge belohnt?

Engelschall postet keine Vorher-/Nachher-Storys, die so tun, als gäbe es ein unfehlbares Rezept für den perfekten Körper – und als wäre es deine Schuld, wenn es nicht klappt. Sie beschäftigt sich mit Essen und postet gerne Bilder vom Food-Shopping in Lissabon – aber keine festen Diät- und Ernährungspläne. „Ich möchte keinen Druck aufbauen“, sagt sie.

„Ich wünsche mir, dass meine Follower gesund sind – und dass sie wissen, dass sie alles schafen können.“

Das klingt ofener und positiver als das alte Fitness-Versprechen – und die Geschäftsfrau in ihr sieht die Chance zur Diversifzierung. „Fitness ist so körperfxiert“, sagt sie. Gerade macht sie sich viele Gedanken um Themen wie Mindset, Planung, Essen, Arbeiten, Familie. Einfach ein gutes Leben.

All dressed up: In ihren Videos liebt Anna Abwechslung, auch bei ihren Outfits – hier etwa mit lässig gebundener Krawatte.

„ Die Reaktionen der Community zeigen mir, was ein einziger Satz bewirken kann –im Guten wie im Schlechten.“

DAS LEBEN IST SCHÖN

In einem Park beobachtet Anna zwei Frauen um die fünfzig, die Intervall-Sprints zwischen zwei Palmen machen. „Spannend, wie unterschiedlich Menschen in verschiedenen Ländern trainieren“, sagt sie. Anna hat ihre Wohnung in Berlin aufgegeben und will von Stadt zu Stadt ziehen, um mehr Input zu kriegen. Einen 9-to-5-Job kann sie sich nicht mehr vorstellen. „Ich liebe die Freiheit, mein eigenes Produkt zu

sein.“ Das Schlimmste wäre, wenn sich das Gefühl einstellt, das Fitness-Ding durchgespielt zu haben. „Ich brauche immer neue Ziele.“

Radfahrer, Jogger, Menschen mit Slickboards am Tejo-Ufer – oft schnürt sie am Nachmittag selbst die Laufschuhe und macht Intervall-Sprints am Flussufer oder in den steilen Gassen der Altstadt. Lissabon ist eine aktive Stadt, die Studios sind voll.

Anna erzählt von ihrer Theorie, dass Städte am Meer sportlicher sind als Metropolen im Landesinneren. Mehr Platz, Licht und Luft. Ein guter erster Stopp für die Welttournee von @growingannanas. „Es ist so bunt und hell“, meint Anna.

Ein Grund, warum viele Creator ausbrennen: Sie haben nur noch Klickzahlen und Business-Needs im Kopf. „Ich wäre sehr unglücklich, wenn ich die Vlogs nicht machen könnte.“

„Schlimm wäre

das Gefühl, das Fitness-Ding durchgespielt zu haben. Ich brauche immer neue Ziele.“

Bestens aufgelegt: Gerade lernt Anna, eigene Tracks zu bauen – für ihre Fitness­Videos und für den Spaß.

COOLDOWN

Die Straßen von Lissabon sind immer noch voll. Aber im Netz wird es langsam ruhiger – weniger Mails, weniger DMs, bisschen mehr Luft. Anna und ihr Freund Adrien haben sich an den Rhythmus der Stadt angepasst, essen erst um zehn. Danach wird wieder trainiert. Aber nicht die Muskeln. „Ich will etwas lernen“, sagt sie. Seit einigen Monaten geben ihr zwei Berliner DJs Unterricht im Auflegen. „Tanzen ist nicht meine Stärke“, sagt sie, „vielleicht bringe ich andere in Bewegung.“ Latin House, ein bisschen Berlin Techno. Das hat einerseits Geschäftsgründe – „generische Musik hat auf YouTube keine Chance mehr“, sagt sie, und ihre Workout­Videos laufen inzwischen zu eigenen Mixes. Andererseits ist es ein kleines Abenteuer.

Am nächsten Tag wird sie auf der Praça do Comércio bei einem Workout Event ein paar hundert Fans trefen. „Es fasziniert mich, wie sich die Menschen verbinden“, sagt sie. Dass sich lokale WhatsApp ­ Gruppen bilden, dass Fremde gemeinsam trainieren und sich danach verabreden. „Das hat nichts mehr mit mir zu tun“, sagt sie. „Die Verbindungen sind echt.“

Auf dem Lissaboner Prachtplatz führt sie ihre Übungen zum ersten Mal zu ihrem eigenen Mix auf. „Ich bin wahnsinnig nervös“, sagt sie.

Ist das nicht toll?

Laut, bunt, digital vernetzt: Run Communitys erobern unsere Städte. Hier kommen vier Crews aus ganz Deutschland, die zeigen, wie gemeinsames Laufen Großes bewirken kann.

Time to shine: Eine Läuferin des Salty Sports Club zeigt nach dem München Marathon ihre Medaille.
„Wir wollen die Leute schon ein bisschen weiterbringen – etwa auf einen Halbmarathon vorbereiten.“ Dana Stamp
Mit wehenden Fahnen: Die adidas Runners unterstützen sich auch nach Sonnenuntergang auf der Strecke.

Viele Run Clubs entstanden während der Pandemie, weil Laufen zeitweise als fast einzige Sportart erlaubt war. Für die adidas Runners Hamburg, die es schon seit zehn Jahren gibt, hatte die CoronaZeit einen anderen Effekt: „Dass damals so viele Laufclubs entstanden sind, hat uns auch noch mal geholfen, unsere Position in der Laufszene klarer zu definieren“, sagt Dana Stamp, Captain der adidas Runners Community. „Wir sind nicht der Laufclub für reine Anfängerinnen und Anfänger, wir wollen die Leute schon ein bisschen weiterbringen. Wenn man sich zum Beispiel für seinen ersten Halbmarathon vorbereitet und bei uns zur Track Session, zum Social Run und zum Long Run geht und dann auch noch selber trainiert, dann ist man perfekt vorbereitet.“ Wo andere Social Runs vor allem die Geselligkeit im Blick haben und man bei 7er- oder 8er-Pace

Große Runde: Vor jedem Lauf wärmen die adidas Runners sich gemeinsam auf und besprechen die Details der anstehenden Einheit.

(Minuten pro Kilometer; Anm.) quatschend vor sich hintrabt, haben die Hamburger Runners ihre Trainingsdaten und Ziele im Blick. „Wir bieten beim Track Run aber auch ein Programm an für Beginner und Wiedereinsteiger“, so Stamp, „die können dann nur achtmal 400 Meter laufen, die Ambitionierten machen zwölf 400-Meter-Intervalle.“ Seine Zeiten zu verbessern, ist ein guter Grund für Run Clubs, ein anderer ist, nicht allein laufen zu müssen – gerade als Frau.

„Im Winter, wenn es früh dunkel wird, ist das echt gruselig“, sagt Dana Stamp. Seit kurzem hat die adidas Runners Community einen Lauf nur für Frauen. Die Stimmung sei einfach etwas anders, und manche Frauen fühlten sich weniger unter Druck, auch weil manchen Männern das Vorneweglaufen etwas zu wichtig ist.

Instagram: @runnershamburg

Im Takt: Gemeinsames Tanzen und Feiern wie hier bei den adidas Runners Hamburg ist fester Teil der Run-Community-Kultur.

Heiter bis ambitioniert: Auf der 400-Meter-Bahn geben die Laufenden alles, auf der Tribüne ist Platz für gute Laune.

Sollten dem 1. FC Köln in der Bundesliga mal die Ultras ausgehen, können sie sich ja beim Social Run Cologne melden. Die haben Erfahrung mit Pyrotechnik: Der „Midnight Miles“-Lauf wurde mit zahlreichen Bengalos in rotes Licht getaucht, beim Köln Marathon wurde tagsüber am Straßenrand mit gelben Rauchschwaden angefeuert, und in Instagram-Videos werden beim Rundenlaufen auf der Tartanbahn schon mal KI-Feuerbälle in den Himmel geschossen. Wem das alles zu wild klingt: Keine Sorge, die Läufe sind sogar hundefreundlich. Ein hübscher Australian Shepherd ist quasi das Runclub-Maskottchen und sehr oft dabei. Vermeintliche Widersprüche gehören zum Social Run Cologne: Ihr größtes Event war etwa ein Pasta-Essen mit drei anderen Run Clubs im führenden Technoclub

Deutschlands. Klingt nicht sehr sportlich, war es aber, denn die Nudeln gab es zur Energiespeicherauffüllung vorm KölnMarathon. „Bei uns geht es um coole Erlebnisse, die in Erinnerung bleiben“, sagt Patrick Rausch. Der Gründer des Social Run Cologne kommt vom Bodybuilding und fand Lauftrefs früher uncool. Bis er sich mal mit einem Kommilitonen zum Laufen traf. Dann liefen sie zu dritt und beschlossen, sich jeden Sonntag um 9.30 Uhr zu trefen. Bald kam die Idee auf, auch andere aus dem Freundeskreis einzuladen, und später öfnete man sich für alle. Alle drei Gründer haben in Köln Sportwissenschaften studiert, das gab Selbstvertrauen – und das nötige Wissen, später auch Track Runs auf der Tartanbahn anzubieten. „Die Triathlon-Vereine fanden das erst nicht so lustig, dass wir da mit 70 Leuten auftauchten“, erinnert sich Rausch. Seither trainiert die Gruppe dort, wo alles begann: auf dem Gelände der Sporthochschule. Und fast jede Woche kommen neue Läufer dazu.

Instagram: @socialruncgn

Sorry, Dynamo Dresden, Dresdner Eislöwen und Dresden Titans! Aber die heißesten Sportler eurer Stadt sind nicht in euren Teams, sondern im Social Sports Club Dresden. Die beschreiben sich auf Instagram als „hottest athletes in town“. Dann wird das stimmen, oder Leon, Luis und Hannes? „Das ist natürlich ein bisschen provokant, aber uns geht es gar nicht um irgendwelche Schönheitsideale. Wir haben gemerkt, dass Sport viel mit uns macht, auch mit unserem Selbstbewusstsein“, sagen die drei Gründer. Und

„Wir haben gemerkt, dass Sport viel mit uns macht, auch mit unserem Selbstbewusstsein.“
Leon Richter,

Luis

Kahle und Hannes Schneider

das gute Körpergefühl wollen sie mit ihrem Run Club weitergeben. Freunde sind sie seit dem Kindergarten, ihr Laufclub begann mit einem Videoaufruf auf Social Media. Mit 10, höchstens 30 Teilnehmern rechneten sie – es meldeten sich 400. Es blieben nur 14 Tage, um alles zu organisieren – samt DJ und Verpflegung. Was die Dresdner von anderen Run Clubs unterscheidet, ist der breite Ansatz als „Sports Club“: Neben Läufen haben sie auch ein Beachvolleyballturnier veranstaltet und ein Treffen im Gym. Für 2026 geplant sind ein PadelTurnier, ein BasketballContest und eine Rennradausfahrt. Ziel ist nicht der Sieg, sondern die Gemeinschaft, oder wie die drei es sagen: „Eine super krass familiäre Atmosphäre.“ Darum konnten sich beim Volleyball nicht feste Teams anmelden, man wurde zufällig ausgelost – der Teamspirit kam von allein. Die Social Runs bleiben aber der Kern, gerne kreativ als Sunset Run, als Weihnachtslauf mit Nikolausmützen oder kürzlich ein Lauf am Weltfrauentag samt Blumen am Ende für jede Läuferin. Instagram: @socialsportsclub.de

Mannschaftsstärke: Am Theaterplatz in Dresden startet der Social Sports Club zu seinem nächsten großen Lauf.

„Für mich ist Laufen eigentlich Therapie“, sagt Lukas Müller, „im Kopf wird’s ruhig, man kann gut nachdenken, man ist frei.“ Er lerne viel über sich, gerade bei harten Läufen wie Marathons. Müller trainiert gerade für einen Ironman, rund 20 Stunden pro Woche. Und doch braucht er die Gruppe, die Läufe im von ihm mitgegründeten Salty Sports Club. „Wenn ich allein laufe, denke ich ständig ans Training, an die Zeit, an die Leistungsdaten. Beim Social Run ist das anders – da unterhältst du dich, und plötzlich sind zehn Kilometer einfach vorbei.“ Was für eine Bereicherung Gemeinschaft im Individualsport Laufen sein kann, merkte er das erste Mal in London. Knapp 1000 Leute liefen gemeinsam durch die Stadt. „Eine unglaubliche Erfahrung“, schwärmt Müller. Im April 2023 lief er mit sechs Freunden in Paris den Marathon, dabei entstand die Idee: Lass uns was gemeinsam machen. Und so gründete er mit Jannis Reichmuth aus der Schweiz, Jan Malte Gollan aus Amsterdam, Maximilian Warum aus Wien sowie Dominik Herrmann und Florentin Becker aus München den Salty Sports Club. Sie starteten gleichzeitig, jeder in seiner Stadt. Als Clubs sind sie derzeit in Wien, München, Hamburg und

Liebe Grüße! Am Straßenrand großer Läufe warten die Supporter der Run Communitys regelmäßig mit kreativen Botschaften.

Madrid aktiv. Auf Strava haben sie schon 13.000 Mitglieder. Wichtig ist ihnen, international zu sein: „Weil es neue Perspektiven bringt, mit Menschen aus anderen Ländern zu laufen.“ Zu den Social Runs kommen Studierende, Expats oder junge Berufstätige, die neu in der Stadt sind. „Deshalb machen wir die Ansagen immer auf Englisch“, sagt Lukas. Instagram: @saltysportsclub

After Run: Wo vorher die Salty-Supporter standen, feiert jetzt eine Läuferin ihren Erfolg beim München Marathon.

„ Beim Social Run unterhältst du dich –und plötzlich sind zehn Kilometer einfach vorbei.“ Lukas Müller

Weiß auf Schwarz: Salty-Läufer im Teamshirt, begleitet vom eigenen

Kameramann beim München

Marathon

That’s the spirit: An Läufen wie dem Wings for Life World Run schätzt Creator und Run-Community-Gründer Lukas Müller vor allem die besondere Stimmung.

Kein Mitgliedsbeitrag, kein Leistungsdruck, keine Ausreden mehr: Lukas Müller, CoGründer des Salty Sports Club, erklärt den Reiz der Social Runs – und wie uns große Ziele beim Laufen verbinden können.

the red bulletin: Die unsportlichste Frage zuerst: Run Communitys gelten als Geheimtipp fürs Flirten. Trift das auch auf den Salty Sports Club zu? lukas müller: Lustig, dass du das fragst. Letztens ging ein Meme rum, Laufclubs seien das neue Tinder. Aber bei uns ist alles entspannt. Klar haben sich hier schon Leute kennengelernt, aber vor allem geht’s ums gemeinsame Laufen.

Okay. Jetzt die kritische Frage: Sind Run Clubs wirklich so neu? Auch in den Siebzigern oder Achtzigern gab es doch schon Lauftrefs. Stimmt. Neu ist eher, dass die Sache durch Social Media einen richtigen Boost bekommen hat und dort auch die Kommunikation zusammenfießt. Auf WhatsApp posten wir wann und wo wir uns trefen. Die Teilnahme ist kostenlos und nicht exklusiv, jeder kann vorbeikommen. Wir starten bei einem Restaurant, da kann man vorher seine Jacken oder Taschen ablegen. Nach dem Lauf kann man dort gemütlich etwas trinken. Am Ende posten wir oft Bilder oder Videos der Läufe, man will ja zeigen, was man macht. Und es gibt Special Events: Workout-Sessions, Kooperationen mit Fitnessstudios oder Aktionen rund um Marathonläufe.

Worum geht es neben dem sportlichen Ehrgeiz?

Bei unseren Social Runs trainieren wir nicht irre hart, sondern wollen gemeinsam eine gute Zeit haben, uns bewegen, Leute trefen. Das Lauftempo ist locker, etwa sechs Minuten pro Kilometer. Da kann man sich gut unterhalten. Wir starten immer mit einer kurzen Begrüßung

und fragen, wer neu ist. Viele kommen allein, aber gehen später mit neuen Kontakten nach Hause. In den Whats App‑Gruppen unserer Städte kann man schreiben: „Hey, ich lauf morgen früh –wer ist dabei?“

Erkennt man euch als Laufgruppe, wenn ihr unterwegs seid?

Wir sind ziemlich laut (lacht) und haben oft Musik dabei. Einer fährt mit dem Rad nebenher und hat eine Lautsprecherbox im Rucksack. Meistens House, Techno, ein bisschen Upbeat. Einfach einen guten Rhythmus haben, das motiviert und macht Spaß.

Wie viel Arbeit bedeutet ein Run Club?

Man muss an den Wochenenden da sein, die Läufe hosten. Große Vorbereitung braucht’s für den Lauf nicht – man postet die Ankündigung, kümmert sich ein bisschen um Organisation. Wenn man besondere Events plant, ist das aber schon viel Arbeit.

„Wir sind ziemlich laut und haben oft Musik dabei. Ein guter Rhythmus motiviert und macht Spaß.“

Lukas Müller

Wie groß kann ein Social Run werden?

Du hast von einem Lauf in London mit 1000 Teilnehmern gesprochen. Irgendwann gibt’s Probleme mit der Stadt – man braucht Platz und muss dem Ver kehr ausweichen. Mit 300 Leuten wäre auch das soziale Miteinander schwieriger – da dauert es allein ewig, bis jeder am Ende sein Getränk hat. Wir haben meis tens so zwischen 50 und 100 Teilnehmer, das ist ideal.

Warum ist es schöner, in der Gruppe zu laufen?

Viele fangen ja motiviert an, aber nach ein paar Wochen kommt der Punkt: „Heute regnet’s, ach, da lass ich’s lieber.“ Wenn du allein läufst, kann’s schnell zäh werden –mit der Gruppe hast du Spaß, du bist ab

gelenkt. Bei einem Social Run verbindet man das Laufen mit einer guten Zeit. Es wird nicht zur Pficht, sondern zur sozialen Aktivität. Der größte Unterschied zum Alleinelaufen ist die Motivation im Win ter. Wenn du weißt, da stehen 50 Leute, die sich auf dich freuen, gehst du hin.

Bleibt die Gruppe zusammen, oder zer fasert das in schnellere und langsamere Läuferinnen und Läufer?

Bei jedem Lauf trefen wir uns fünfzehn Minuten vorher, machen ein kleines Auf wärmprogramm, da entstehen schon kleine Untergruppen. Die Schnelleren laufen oft ein Stück weiter vorne. Aber am Ende sollen alle zusammen ankom men – niemand soll das Gefühl haben, abgehängt zu werden.

REIFEN

Schließ dich an …

... wenn am 10. Mai weltweit hunderttausende Menschen für die gute Sache laufen. Beim Wings for Life World Run starten die Läufer zeitgleich –von Australien über Kanada bis Deutschland. Beendet ist der Lauf, sobald dich das Catcher Car, das die mobile Ziellinie bildet, eingeholt hat. Teilnehmen kannst du, indem du dich für einen der FlagshipRuns in einer Stadt anmeldest. Oder per App Run: Hier kannst du starten, wo immer du möchtest, die App zeichnet deinen Lauf auf und signalisiert dir, wann dich das virtuelle Catcher Car eingeholt hat. Anmeldung und Infos: wingsforlifeworldrun.com

Alle Einnahmen des Laufs fließen in die Rückenmarksforschung. Seit 22 Jahren unterstützt die Wings for Life Stiftung Forscher in ihrem Bemühen, Querschnittslähmung mit innovativen Ansätzen zu heilen – zum Beispiel durch den Schutz bestimmter Zellen, die Neuverschaltung von Nerven oder das Ersetzen zerstörten Gewebes durch Stammzellen und Biomaterialien.

Infos: wingsforlife.com

Ab durch die Mitte: Der Wings for Life World Run - Flagship Run in München führte 2025 über den Königsplatz. Für 2026 ist der Lauf bereits ausverkauft – aber per App Run kannst du von überall aus dabei sein (siehe links).

Und wie verhindert ihr, dass an einem besonders schönen Samstag plötzlich 400 Leute auftauchen?

(Lacht.) Das hatten wir tatsächlich noch nie. Natürlich ist’s im Sommer voller als im Winter – wir waren schon mal über 100 Leute. Bei Regen oder Schnee entsprechend weniger. Meiner Erfahrung nach reguliert sich das von allein.

Begegnet ihr anderen Laufgruppen?

Na klar! Du könntest in München theoretisch jeden Tag bei einer anderen Gruppe mitlaufen – morgens oder abends. Die Leute wechseln ohnehin – wer samstags bei uns läuft, geht am Dienstag vielleicht zu einem anderen Club. Das ist entspannt. Wir sehen das als gegenseitige Inspiration, nicht als Wettbewerb.

Bei aller Entspanntheit: Run Clubs sind auch bei den großen Läufen wie Städte-Marathons sehr präsent. Stimmt. Aber auch da feiern wir das Community-Gefühl, laufen zusammen und

„Wenn tausende andere auf der Strecke und am Straßenrand dabei sind, steigert sich das Gemeinschaftsgefühl.“
Lukas Müller

feuern uns gegenseitig an. Und weil tausende andere auf der Strecke und am Straßenrand dabei sind, steigert sich das Gemeinschaftsgefühl noch mal.

Was verbindet die Läufer?

Zunächst wollen natürlich alle über die Ziellinie kommen. Und das Tolle ist, dass sich wirklich alle gegenseitig unterstützen und einander Mut machen. Und dann gibt es ja manchmal noch größere Ziele, wie beim Wings for Life World Run.

Dabei laufen die Teilnehmer zugunsten der Forschung zur Heilung von Querschnittslähmungen (siehe links).

Ja, genau, und dieser gute Zweck verbindet noch mal zusätzlich – weil es dem Event einen noch tieferen Sinn gibt. Vor allem ist es ein beeindruckendes Beispiel, was gemeinsames Laufen bewirken kann. Das überträgt sich auch auf die Stimmung. Bei meiner ersten Teilnahme im letzten Jahr war ich auf jeden Fall fasziniert.

Inwiefern?

Das ist schon ein besonderes Format –du hast ja keinen klassischen Zieleinlauf, sondern ein sogenanntes Catcher Car, das dich einholt. Das ist mental eine ganz andere Erfahrung, weil du nicht auf ein Ziel zuläufst, sondern eigentlich vor der Ziellinie fiehst (lacht). Das Großartige an diesem Konzept ist: Egal auf welchem Level du bist, du kannst dir dein eigenes Ziel setzen und über dich hinauswachsen.

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Früher war er ein „Wilder Kerl“. Dann ein „Vorstadtkrokodil“. Jetzt kämpft sich der ehemalige Kinderstar Nick Romeo Reimann zurück auf die große Leinwand – als OlympiaRuderer und Krypto-Trader.

STURM VOR DEM RUHIG

Text Stephan Hilpold Fotos Lukas Gansterer

Ob als Trader, Möchtegern-Manager oder Spitzensportler: Nick

startet in Film und

neu durch.

Romeo Reimann, 28,
Fernsehen

Nick über sich selbst: „Ich bin willensstark –und kann ziemlich unnachgiebig sein.“

Es gibt eine alte Filmaufnahme, in der Nick Romeo Reimann gefragt wird, wie viele Autogramme er an diesem Tag bereits geschrieben habe. Im Hintergrund kreischen unzählige Mädels und wohl auch ein paar Jungs. „Heute schon 800“, sagt der Achtjährige und stützt seinen Kopf leicht gelangweilt in die rechte Hand. „Und diese Woche?“, fragt die Interviewerin. „Boah, 8993 oder so was“, sagt Nick.

Ob der Knirps in diesem Moment die Interviewerin auf den Arm nimmt oder ob der Achtjährige das mit den Zahlen einfach noch nicht so richtig hinbekommt, das verrät die Aufnahme nicht. Was sie allerdings verrät: Achtjährige können ziemlich selbstbewusst und unerschrocken sein.

Rund zwanzig Jahre später sitzen wir bei Eierspeise und Schinkenbrot in einem Kaffeehaus in der Wiener Innenstadt. Nick Romeo Reimann lächelt noch immer dieses entwaffnende Nick­RomeoReimann­Lächeln mit leicht geöffnetem Mund und schaut auch sonst dem Kind von damals ziemlich ähnlich. Die Haare kürzer und strubbeliger, dafür spannen sich unter der schwarzen Lederjacke die auftrainierten Muskeln. „Was manche Schauspieler ihr Leben lang nicht erreichen, das hatte ich alles bereits als Kind“, sagt er und erzählt, wie er bei einem Kindergeburtstag das erste Mal „Die wilden Kerle“ gesehen hat.

Sechs war Nick damals und mindestens genauso fußballverrückt wie die Jungs im gerade in den Kinos angelaufenen Kinofilm. „Ich wusste sofort: This is my world!“ Mit Unterstützung seiner Eltern bewarb er sich fürs Casting für den dritten Teil des Blockbusters, und ein Jahr später, als er sieben war, verbrachte er die Schulferien bereits neben den beiden Ochsenknecht­Brüdern vor der Kamera. Mit acht war er dann deutschlandweit bekannt.

Nick war Nerv, furchtlos, frech und das jüngste Crew­Mitglied der Abenteuerbande. Die Filmreihe lockte damals Heerscharen jüngerer Zuschauer in die Kinos, und Nick, der behütet in München aufgewachsene Volksschüler, war plötzlich ein Kinderstar – samt Promo­Touren, Auftritten bei Johannes B. Kerner, unzähligen Interviews und noch viel mehr Autogrammen. Nach drei „Wilde Kerle“­Teilen folgte

„ICH BIN UNBESCHADET HERAUSGEKOMMEN: ABER KLAR, DER FRÜHE ERFOLG HAT MICH VERÄNDERT.“

die Hauptrolle im Blockbuster „Vorstadtkrokodile“

(Nick spielte Hannes an der Seite von Nora Tschirner) samt zwei Fortsetzungen, schließlich die Hörspielreihe „Gregs Tagebuch“, wo Nick die SprecherRolle des Greg übernahm.

Doch dann war erst mal Schluss. Nick konzentrierte sich wieder ganz auf die Schule.

Schwuler Engel mit Pin-up-Body „Ich bin da relativ unbeschadet wieder herausgekommen“, sagt Nick Romeo Reimann heute, „aber natürlich hat mich der frühe Erfolg verändert.“ Gerade hat der NDR eine Doku über Kinderstars gedreht, darüber, wie schwierig es für viele ist, nach dem frühen Ruhm im Erwachsenenleben Fuß zu fassen. Nick war eines der drei ehemaligen Kinder, die porträtiert wurden. Die Filmcrew begleitete den Schauspieler unter anderem auf die Bühne des Wiener Volkstheaters, wo er gerade einen schwulen Engel in der

Erfolgsproduktion „The Boys Are Kissing“ mit Pin-upBody und umgeschnallten Federfügeln gibt, und zu Drehs nach München und ins norddeutsche Ratzeburg, wo er für „Adams Acht“ vor der Kamera stand.

Der Film handelt von dem legendären deutschen Ruder-Achter und dessen Trainer Karl Adam, die bei den Olympischen Spielen in Rom 1960 als absolute Außenseiter in einem spektakulären Endspurt die Goldmedaille holten. Ein Film ganz nach Nicks Geschmack: eine Erfolgsstory mit vielen Hürden (Adam war NS-vorbelastet), eine sportliche Herausforderung (Nick absolvierte als einer der acht Ruderer ein Hardcore-Trainingsprogramm), ein Star-Cast (neben Oliver Masucci als Adam spielen Felix Kammerer, Svenja Jung, Axel Milberg und Heino Ferch).

Und für Nick die Rückkehr auf die große Leinwand. „Ich dachte bereits, der Zug sei abgefahren“, sagt er noch immer etwas ungläubig im Wiener Kaffeehaus. Nach der Schauspielschule in München wurde Nick zwar sofort vom Wiener Volkstheater unter Vertrag genommen, das Kino und das Fernsehen zeigten dem ehemaligen Kinderstar aber die kalte Schulter: „Ich hatte ein Jahr lang nur Absagen bei Filmcastings, dann ein zweites Jahr nur Absagen, schließlich ein drittes Jahr.“ Insgesamt waren es 65 No-sorry-Mails, Nick führte Buch. Er war verzweifelt. Mit jeder Absage stieg bei Nick allerdings auch die Gewissheit, dass er seine Karriere selbst in die Hand nehmen müsse, wenn das schon kein

Alle Hände voll zu tun:

In der neuen Serie „Highter & Wolkig“ eröffnet Nick das erste legale Kiffer-Café Deutschlands.

Simon Winkelmüller

Hair and Make-up

Lydia Gronostay

anderer für ihn machte. Die kindliche Unerschrockenheit, sie ist Nick Romeo Reimann auch als Erwachsenem geblieben. „Ich bin diszipliniert und willensstark – und kann ziemlich unnachgiebig sein.“

Also stürzte er sich neben seinem festen Theaterengagement in freie Projekte, für die er selbst brannte, als Schauspieler und Regisseur („Fugue Four : Response“) und sogar als Ausstellungsmacher („Rage is a good Feeling“ in Baden bei Wien). „Ich kann nicht anders“, sagt er. „Wenn mich etwas packt, dann ist es um mich geschehen.“

Als Kind war es das Skaten, das ihn nicht mehr losließ, als Jugendlicher die Bibel, die er jahrelang fast manisch las – heute sagt er: „Ich bin nicht religiös.“ In der Vorbereitung zu „Adams Acht“ kippte Nick schließlich in den Sport: Neben dem Rudertraining formte er mit vielen Trainings- und Ernährungstabellen seinen Körper, bis er schließlich zehn Kilo Muskelmasse mehr hatte – und das bei einem Körperfettanteil von gerade einmal sieben Prozent. „Nur weil ich ins Gym gehe“, sagt Nick, „bin ich kein toxischer Typ. Ich brauche das einfach.“

Auch als Nick die Kurzgeschichte „Alvin“ des dänischen Schriftstellers Jonas Eika las, packte ihn die Leidenschaft. Nick wusste: Die Story dieses reichen, emotional distanzierten jungen Traders musste er verflmen. Gemeinsam mit Olivia Axel Scheucher (zusammen realisierten sie die meisten von Nicks freien Projekten) organisierte Reimann ein Crowdfunding, um an die nötigen Mittel für das Filmprojekt zu kommen.

Den Rest des Geldes erwirtschaftete er selbst –durch Trading: „Ich habe auf die Underperformance von Altcoins gegenüber Bitcoin und Ethereum gesetzt“, erklärt er. „Das hat ziemlich gut geklappt. Als ich das Geld beisammenhatte, habe ich Trading dann aber wieder sein lassen.“ Die Dreharbeiten für „Heatmap“ sind mittlerweile abgeschlossen, spätestens im Herbst soll der Film in die Kinos kommen.

Der Musterschüler lässt locker

Zu diesem Zeitpunkt, genauer ab 9. September, wird auch „Adams Acht“ im Kino laufen – und Nick Romeo Reimann zumindest für einen kurzen Moment durchatmen können. Die viele Arbeit, die strenge Disziplin, der unbedingte Wille, es zurück auf die große Leinwand zu schaffen – sie haben sich also ausgezahlt? Ja, sagt Reimann, allerdings habe er in den vergangenen Jahren etwas gelernt, das einem Arbeitstier wie ihm nicht immer gefällt: „Disziplin allein führt nicht notwendigerweise zu besserer Kunst. Noch wichtiger ist, sich zu öffnen, etwas von sich selbst preiszugeben, Risiken einzugehen.“

„ICH HABE 65 ABSAGEN BEI FILMCASTINGS BEKOMMEN. ICH MUSSTE MEINE ZWEITE KARRIERE SELBST IN DIE HAND NEHMEN.“

Vielleicht ist es genau das, was man von dem mittlerweile 28-Jährigen, der es an Erfahrung mit vielen Menschen aufnehmen kann, die mindestens doppelt so alt sind, lernen kann: So wichtig es ist, Biss zu haben, so wichtig ist es auch, mal lockerzulassen. Oder um es mit den Worten Nicks zu erklären: „Ein Regisseur hat einmal zu mir gesagt, dass ihn Schauspieler nerven, die ihren Beruf wie einen Sport behandeln. Die perfekt vorbereitet sind, immer alles kontrollieren wollen, alles analysieren und bewerten.“

Zusatz: „Das hat mich sehr getroffen, weil ich mich darin wiedererkannt habe.“

Bereits als Kind war Nick einer derjenigen, die in Tränen ausgebrochen sind, wenn es in der Schule nur einen Dreier für einen Test gab; an der renommierten Otto Falckenberg Schule in München, wo er seine Schauspielausbildung machte, galt Nick als Musterschüler. Auf der wirklichen Bühne und auch vor der Kamera gelten aber andere Regeln.

Ironischerweise war es jene Rolle, derentwegen Reimann 2025 für den wichtigsten österreichischen Theaterpreis, den Nestroy, nominiert wurde, die ihn fast aus der Bahn warf: In „Krankheit oder moderne Frauen“, einem frühen Stück der Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, sollte Reimann am Wiener Volkstheater den Conferencier, den sogenannten „Weißclown“ geben, eine Kunstfigur, die er minutiös ein-

„UNSER EIGENES FILMPROJEKT HABE ICH DURCH TRADING FINANZIERT: ICH HABE AUF BITCOIN UND ETHEREUM GESETZT.“

studierte, zu der er aber keinen rechten Zugang fand: „Ich bin komplett an meine Grenzen gestoßen. Bis ich meine völlige Ratlosigkeit offen zugegeben und mich dadurch ‚nackig‘ gemacht habe. Ich habe mich wie ein Anfänger gefühlt und mich dafür geschämt.“ Was dann passiert ist? „Ab dem Moment“, sagt Reimann, „in dem ich meine Angst in die Arbeit eingebracht habe, lief es.“

Die Rolle in Claudia Bauers gefeierter Inszenierung wurde (neben einem Publikums-Nestroy zwei Jahre zuvor) zu Nicks größtem Erfolg am Theater – und zu einem Best-Practice-Beispiel, wie Reimann mittlerweile auch an andere Arbeiten herangeht, etwa an die Comedyserie „Highter & Wolkig“, die am 20. April auf RTL2 anläuft.

Nick spielt darin den hyperaktiven Möchtegernmanager Korbi, der zusammen mit dem „Berufskiffer“ Wolke in einem Provinznest das erste legale CannabisCafé Deutschlands eröffnen will. „Ich habe das Drehbuch mehrfach komplett gelesen, mir aber nur grobe Punkte notiert, keine detaillierten Spielanweisungen“, sagt Nick. „Mein Ziel war, vorbereitet zu sein, aber im Moment des Drehs frei zu bleiben. Das hat super funktioniert.“

Mobbing abseits der Kamera

Frei sein, das ist ein Wort, das an diesem Vormittag im Wiener Kaffeehaus öfter fällt – als wolle sich der ehemalige Kinderstar, für den es das größte Lob war, wenn ihn jemand „Prof“ nannte, endlich von den Fesseln des frühen Erfolgs befreien. In der Doku „Kinder-Schauspieler“ auf NDR werden auch Aspekte von Nicks früher Karriere thematisiert, über die er bisher selten sprach: wie er als Achtjähriger von den anderen, wesentlich älteren Kinderdarstellern gemobbt wurde und er abseits der Kamera plötzlich nicht mehr Teil der Bande war. „Ich habe schon früh eine unglaubliche Kälte und Härte erlebt.“

Das hat Nick Romeo Reimann allerdings auch stark gemacht – und seinem Selbstbewusstsein bis heute nicht geschadet. Als er damals als Achtjähriger bei Johannes B. Kerner saß, wurde Nick vom Talkmaster gefragt, was einen „wilden Kerl“ ausmache. „Man soll sich nicht von anderen alles sagen lassen“, sagte er damals nach kurzem Stocken. „Man soll seinen eigenen Weg gehen.“

Zusatz: „Und man soll in der Schule keine Fensterscheiben einschießen.“

Instagram: @romeoreimann

Plus zehn Kilo Muskelmasse: Für den Ruderfilm „Adams Acht“ absolvierte Nick ein Hochleistungs-Sportprogramm.

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BEREIT FÜR ACTION

Wellenreiten in Teneriffas Norden

WAS FÜR EIN RITT

Wo geht’s hier zu den Big Waves? Die Surf-Profis Laura Coviella und Ben Larg jagen gemeinsam mit unserer Autorin Traumwellen auf Teneriffa –und entdecken eine Insel voller Überraschungen.

Die Wellen von Punta del Hidalgo verblüffen mich. Man hört sie, lange bevor man sie sieht: den rhythmischen Puls des wogenden Wassers, unterbrochen vom Geräusch der Felsbrocken, die von der Flut ans Ufer der Halbinsel im Norden Teneriffas gespült und wieder zurückgeschleudert werden.

An unserem dritten Tag auf der größten der Kanarischen Inseln sind wir auf der Suche nach extragroßen Wellen. Wir fahren über Bergpässe, vorbei an einem Fleckerlteppich aus Bananen­, Avocadound Drachenbäumen zu den schwarzen Sandstränden im Norden. Die Bedingungen sind perfekt. Die Surfprofis Laura Coviella, eine Einheimische, und der zu Besuch weilende Schotte Ben Larg hechten mit ihren Boards ins Wasser, bevor die Wellen wieder kleiner werden.

Im Schatten der hoch aufragenden Klippen von Bajamar paddeln sie hinaus und werden bald zu zwei winzigen Punkten im fernen großen Blau. Laura und Ben sind auf der Jagd nach Barrels, also jenen

Röhren, die entstehen, wenn Wellen beim Brechen nach vorn klappen.

Die heutige Mission beginnt im frühen Morgengrauen. Für Ben, der schon sein Leben lang surft, ist früh aufzustehen Alltag. Er wuchs auf der schottischen Insel Tiree auf, begann im Alter von zwei Jahren

ZUM ANBEISSEN Laura Coviella und Ben Larg genießen gegrillten Oktopus in einem Lokal bei Los Realejos.

in den kalten Gewässern seiner Heimat zu surfen, und ritt mit sechzehn bereits die Monsterwellen in Nazaré. Heute reist der mittlerweile 21­Jährige fast permanent um die Welt – immer auf der Suche nach idealen Wellen zum Trainieren. Zuletzt war er etwa in Portugal und auf Lanzarote. Teneriffa jedoch bietet noch unerforschte Gewässer. „Es ist schon ewig her, dass ich an einem völlig neuen Ort war“, sagt er, während wir uns für die Action bereitmachen.

Auf Adrenalin

Laura Coviella hat Ben Larg eingeladen, um die vielfältigen Spots der Insel zu testen. Die 26 ­Jährige sammelte ihre ersten Erfahrungen am windigen Strand El Médano auf Teneriffa, bevor sie Profi wurde. „Ich habe Adrenalin schon immer geliebt“, sagt sie grinsend, während sie ihr Board in unseren gemieteten Minivan lädt. „Als ich merkte, dass Adrenalin und Surfen eins sind, dachte ich: Okay, das ist genau mein Ding.“

Text Amy Woodyatt

TENERIFFA ROCKS

Wer vor dieser Insel surft, hat die markanten Vulkanfelsen immer gut im Blick.

IM GRÜNEN Auf den gewaltigen Wellen ist der Schotte

Ben Larg in seinem Element.

DUNKLE SEITE

Ben Larg steht mit seinem Surfboard auf den charakteristischen schwarzen Steinen im Nordosten Teneriffas.

„Teneriffa ist ziemlich crazy – ein Ort nach meinem Geschmack.“

Ben Larg, Big-Wave-Surfer

Laura lebt heute auf der Nachbarinsel Lanzarote und weiß alles über die zahlreichen Spots der Insel. Dank des ganzjährig warmen Klimas gelten die klaren Gewässer Teneriffas als perfekte Anfängerwellen. Aber auch Profis kommen auf ihre Kosten. Ab und zu wachsen die Wellen auf bis zu sechs Meter heran. „An großartigen Tagen kann man die Brandung vom Ufer aus sehen“, erzählt mir Lauras Freund Aki, während wir frühmorgens in den Van steigen und uns auf den 45­minütigen Weg zum Riffbreak von Punta del Hidalgo machen. Auf der Suche nach Surfspots haben wir Zeit, die Kontraste Teneriffas

zu erleben. Das vulkanische Erbe der Insel fällt als Erstes auf, wenn man an der Südküste entlangfährt und die Schicht um Schicht aufeinandergetürmten schwarzen Felsen betrachtet. Im Norden könnte man meinen, man befände sich in einem anderen Land: Sukkulenten, Farne und Bäume ragen aus steilen Klippen hervor, und die Gipfel der Berge sind in Wolken gehüllt. „Die Schönheit der Insel ist der Grund, warum ich es immer genieße, nach Hause zu kommen“, erzählt mir Laura.

Auf zu den Brechern

Sie hat die Information bekommen, dass es am nächsten Tag im Norden der Insel vielversprechende Brecher geben werde. Als wir den Atlantik hinter den dramatischen Klippen von Punta del Hidalgo sehen, wissen wir, dass Laura Coviellas Planung sich ausgezahlt hat. Während ich auf der schwarzen Vulkanlandzunge warte und mir die Gischt ent­

gegensprüht, beobachte ich, wie Ben Larg sich in seinem natürlichen Lebensraum durch das Wasser arbeitet und immer wieder Wellen durchtaucht, um sich in Position zu bringen. Als eine richtig große Welle auf ihn zukommt, paddelt er wie wild, steht auf, verschwindet kurz in einer meterhohen Röhre und gleitet dann triumphierend heraus.

Augenblicke später taucht er aus dem Wasser auf. „Hast du die gesehen?“, fragt er mit verschmitztem Lächeln. Auch wenn es nicht die größte Welle seines Lebens war, ist sie für Ben Larg dennoch genauso befriedigend. „Manchmal sind Sessions wie heute die lohnendsten“, sagt er. „Man hat das Gefühl, die besten Wellen gefunden und gesurft zu haben, sprich, dass man einfach alles richtig gemacht hat!“

Amy Woodyatt schreibt als Autorin über Abenteuersport auf der ganzen Welt: amywoodyatt.com

Travel-Tipps

Teneriffa, die größte der Kanarischen

Inseln, liegt etwa 300 Kilo meter vor der Westküste Marokkos. Die Insel verfügt über zwei Flughäfen –Teneriffa Nord und Teneriffa Süd mit täglichen Flügen von und nach Deutschland. Wer Adrenalin liebt, Surfen aber weniger, kann paragliden, Kajak fahren oder wandern. Wer Entspannung sucht, besucht die Altstadt von San Cristóbal de La Laguna (UNESCOWelterbe) oder beobachtet nachts die Sterne im Teide-Nationalpark. Ein Traum! webtenerife.de

Herausgeber

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Chefredakteur

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Lektorat

Hans Fleißner (Ltg.), Petra Hannert, Monika Hasleder, Billy Kirnbauer-Walek

Produktion

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Lithografie

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PLAYLIST/ TRÄNEN

IM GEBÄCK

Gitarrist and Songwriter

Buck Meek von den New Yorker FolkHelden Big Thief über vier Songs, die seine Kunst prägten.

Hello Germany: Im April und Juni spielen Big Thief in Berlin, Köln, München und Hamburg.

Otis Redding

(Sittin’ on) The Dock of the Bay (1968)

„Als ich klein war, verbrachte ich jeden Freitag bei meiner Großmutter. Sie spielte immer dieses Lied und tanzte dazu mit mir. Das war eine meiner ersten intensiven Erfahrungen mit Musik. Steve Cropper, der hier mitspielt, ist einer meiner Lieblingsgitarristen geworden. Er ist mein Held.“

Buck Meek

Geboren in Houston, gründete Gitarrist

Alexander Buckley „Buck“ Meek 2015 mit der Sängerin und Songwriterin Adrianne Lenker sowie Max Oleartchik (Bass) und James Krivchenia (Schlagzeug) Big Thief. Heute wird die Folk­Band von Fans und Kritikern gefeiert. Mit ihrem neuen Album „Double Infinity“ touren Big Thief im Frühjahr durch Europa. Buck selbst veröffentlichte kürzlich sein viertes Soloalbum „The Mirror“.

Taraf de Haïdouks

A La Turk (2001)

„Diese rumänische Band ist unglaublich. Sie steigern immer weiter ihr Tempo, bis man fürchtet, ihre Hände würden gleich abfliegen. Ich war beeindruckt, als ich erlebte, wie sie sich selbst in Trance versetzen. ‚A La Turk‘ ist mein Lieblingssong. Ich denke immer an ihn, wenn ich selbst Musik mache.“

Metal Firecracker (1998)

„Früher habe ich versucht, möglichst poetische Lieder zu schreiben. Dann hörte ich diesen Song, der brutal ehrlich ist. Er bewegt, weil er so nachvollziehbar ist – einfach ein hammermäßiger Trennungssong. Er hat mich dazu gebracht, offen und aus dem Bauch heraus zu schreiben.“

The Soul Stirrers

Nearer to Thee (1955)

„Für meinen ersten Job lieferte ich mit einem Auto Gebäck in Manhattan aus. Einmal lief dieses Lied im Radio. Die Spiritualität in der Stimme von Sam Cook rührte mich. Ich hielt an, setzte mich an den Straßenrand und weinte. Seitdem denke ich bewusster darüber nach, warum ich Songs schreibe.“

Lucinda Williams

PRESS. RUN. REPEAT.

Manchmal braucht es Druck, damit es läuft – die STOX Running Socks lassen Läuferinnen und Läufer mit gezielter Kompression länger durchhalten und effektiver regenerieren.

Druck gehört zum Sport – entscheidend ist, wie man ihn nutzt. Bei STOX dreht sich alles um die positive Art von Druck: jene, die dich vorantreibt, dich weiterbringt und in Bewegung hält. STOX Energy Socks liefern durch ihre abgestufte Kompression genau das Maß an Unterstützung, das du brauchst – für bessere Durchblutung, weniger Ermüdung und mehr Energie bei jedem Lauf. Das ist Only Good Pressure.

Gegründet 2015 in Amsterdam, hat STOX seine Wurzeln in der Medizin. Die Kompressionsprodukte basieren auf gefäßchirurgischer Expertise und wissenschaftlich fundierter Technologie: Eine abgestufte Kompression, die am Knöchel am stärksten wirkt und zur Wade hin nachlässt, verbessert den Blutrückfluss und die Sauerstoffversorgung der Muskulatur.

Für Läuferinnen und Läufer bedeutet das eine effizientere Durchblutung während des Trainings – und eine schnellere Erholung danach. STOX interpretiert Druck nicht als Belastung, sondern als gezielte Unterstützung für Bewegung, Performance und Regeneration. Die STOX Running-Socken sind für alle, die gerne laufen. Von der morgendlichen Trainingsrunde bis zum Startschuss beim Marathon.

stoxenergy.com

DIE KOMPRESSIONS SOCKEN WURDEN MIT GEFÄSSCHIRURGEN UND TEXTILDESIGNERN ENTWICKELT.

STOX Running Socks

Die STOX Running Socks bieten dank gepolsterter Zehen- und Fersenpartie optimalen Komfort, Dämpfung und sicheren Halt im Schuh – ideal für lange Strecken und unterschiedliche Untergründe, von Asphalt bis Trail.

• Abgestufte Kompression, Kompressionsklasse 2 (23–32 mmHg)

• Fördert die Durchblutung und reduziert Muskelermüdung, Schienbeinschmerzen und Krämpfe

• Gepolsterte Zonen für Komfort und Stabilität

• Material: 53 % Polyamide, 32 % Dryarn®, 15 % Elastane

MINDGAME/ FINDE DEINE LAUF-ROUTE!

Willkommen zu einer RätselChallenge, die deine mentale Fitness trainiert. Folge 7: Rechts abbiegen bis zum Ziel.

DIE AUFGABE

Hier kommt eine etwas andere Streckenführung: Der Start ist klar, das Ziel ist klar – aber dazwischen darfst du nur geradeaus laufen oder rechts abbiegen. Also: Schuhe schnüren und los!

Gut angekommen? Scan den Code und finde heraus, ob du richtig gelaufen bist.

Im Gym, auf Trails, im Büro:

Mit diesem innovativen Gear bestehst du wirklich jede Fitness-Challenge.

SCOTT KINABALU TRAIL EINSATZBEREIT

Der Laufschuh „Kinabalu Trail“ wurde komplett neu entwickelt: Als Allrounder für kürzere Distanzen und gemäßigtes Terrain, der mit seiner Zwischensohle aus Kinetic Fusion Foam Laufspaß, Tempo und Flexibilität zusammenbringt. Scott, € 159,95; scott-sports.com

Souveräner auftreten: Dank 4-Millimeter-Stollen aus Gummi fühlt sich das Laufen mit dem „Scott Kinabalu Trail“ vergleichsweise weich an.

THERABODY

THERAGUN PRIME G6 STABIL

Die Massagepistole „Theragun Prime“ begleitet dich in ihrer sechsten Generation auch bei besonders intensiven OutdoorAbenteuern. Mit stoßfester Gummihülle und verstärkten Ecken übersteht sie Stürze aus bis zu drei Metern Höhe. Therabody, € 319; therabody.eu

ODLO PERFORMANCE X-LIGHT SOMMERFRISCH

Höchstleistungen auch bei Hitze sind mit der Funktionsunterwäsche „X-Light Base Layer“ kein Problem. Sie besteht aus hochelastischem und thermoregulierendem Gewebe. Die „HeiQ Mint Technologie“ reduziert Gerüche. Odlo, € 49,95; odlo.com

SUUNTO RUN SCHWERELOS

Die extrem leichte Laufuhr „Run“ wiegt nur 36 Gramm, ist aber vollgepackt mit Technik: präzise Standortverfolgung, zwölf Tage Akkulaufzeit oder die Messung der Trainingsbelastung helfen, die Laufleistung zu optimieren. Suunto, € 249; suunto.com

Stabiler Typ: Die Ferse bietet sicheren Halt bei schweren die anatomisch geformte Sohle des Adidas „Dropset 4“ erlaubt präzise Körperwahrnehmung.

BROOKS GLYCERIN FLEX RASANT

Der Laufschuh „Glycerin Flex“ punktet mit seiner innovativen Dual-CellTechnologie: Größere Zellen im Fersen bereich dämpfen die Landungen, kleinere Zellen im Vorfußbereich sorgen für ein dynamisches Abstoßen der Zehen. Brooks, € 180; brooksrunning.com

ADIDAS DROPSET 4

FUNKTIONAL

Ob Seilklettern oder Boxjumps: Der FitnessSchuh „Dropset 4“ ist für funktionelles Training gemacht. Seine durchgehende RepetitorSchaumstoff-Zwischensohle gibt Energie gleichmäßig zurück, und Energyrods stützen die Ferse auch beim Heben von schweren Gewichten. 130; adidas.de

Dank seinem innovativen Lens-Lock-System lassen sich die Filter der Sportbrille „Speedsense“ mit nur wenigen Handgriffen Ihr Rahmen besteht unter anderem aus organischen Nebenprodukten der Land wirtschaft und ist frei von fossilen Roh evileye.com

ROSSIGNOL VEZOR GEDÄMPFT

Gemacht für schroffes

Gelände: Das Herz des TrailSchuhs „Vezor“ ist eine Dämpfung, die stickstoffinjizierten N+FOAM- und EVA-Schaumstoff kombiniert. Sie schützt vor Steinschlägen und gibt bei jedem Schritt Energie an den Läufer zurück. Rossignol, € 180; rossignol.com

ON RUNNING CLOUDMONSTER 3

GEFEDERT

Laufen wie auf Wolken: Gleich drei Lagen des massiven Dämpfungssystems CloudTec machen den „Cloudmonster 3“ zum perfekten Schuh für Läufer, die weiche Landungen und kraftvolle Abstöße schätzen. On, € 200; on.com

BLACKROLL THERMO PAD ERHOLSAM

Medizin trifft Design: Das Tiefenwärmepflaster „Thermo Pad“ ist nicht nur wiederaufladbar und kabellos, sondern auch ultradünn und flexibel. So lindert es mit seiner konstanten Wärme von 43 °C Verspannungen, Muskelschmerzen oder Menstruationsbeschwerden, ob im Büro oder rund ums Training. Blackroll, € 149,90; blackroll.com

DYNAFIT ULTRA 100 V3

AUSDAUERND

Der Trail-Schuh „Ultra 100 V3“ ist für die Langstrecke gemacht: Besonders leicht und komfortabel dank superkritischem Schaumstoff in der Mittelsohle, besonders sicher auch in schwierigem Gelände dank integrierter Stabilitätselemente.

Dynafit, € 160; dynafit.com

GARMIN FORERUNNER 970

GRÜNDLICH

Die neue Lauf- und Triathlon-Smartwatch „Forerunner 970“ mit brillantem AMOLED-Touchdisplay verfügt über datenbasierte Laufmetriken auf EliteNiveau. Sie misst sogar, wie stark man beim Aufsetzen des Fußes am Boden abbremst. Garmin, € 749,99; garmin.com

Hier schreibt Bestseller-Autor Leif Randt

eine futuristische Short-Story-Serie für The Red Bulletin. Folge 11:

Euro Disney Actor’s Club

RAUCHZEICHEN

Als Ausgangspunkt jeder Story verwendet Leif Randt ein Handyfoto von seinen Reisen. Aktuelles Motiv: Feuerwerk im Disneyland Paris –für uns kunstvoll in Szene gesetzt von Fotograf Klaus Pichler.

Humor entsteht immer dort, wo Erwartungen gebrochen werden, sagt Ben. Zum Beispiel, wenn ernst aussehenden Leuten plötzlich alberne Dinge passieren. Und ich hätte doch so ein ernstes, verschlossenes Gesicht. „Deiner Kunst hilft das total, dass du selten lächelst“, erklärt er, „du trägst ein Geheimnis in dir. Aber gerade deshalb hast du auch so ein irres Potential für Komik.“ Deshalb möchte Ben, dass ich in seinem neuen Film die Hauptrolle übernehme. Ich soll einen ambitionierten Künstler mittleren Alters spielen, dessen Karriere wider Erwarten doch noch abhebt und der an einem heißen Juniwochenende leicht missmutig an dem Junggesellenabschied eines alten Schulfreundes in Disneyland Paris teilnimmt. Ich hätte mich lange geziert, sei natürlich überhaupt nicht der Typ für Disneyland und hätte zudem das Gefühl, von dem alten Schulfreund längst entfremdet zu sein. Dass ich auch im echten Leben schon ewig in keinem Vergnügungspark mehr war, kann sich Ben natürlich denken. Seit ich ihn vor etwas mehr als einem Jahr kennengelernt habe, bin ich immer wieder skeptisch gewesen. Als er mir vorschlug, an einer Gruppenausstellung teilzunehmen, fühlte ich mich zu alt dafür. Als er ankündigte, mich seiner Tante vorzustellen, einer mächtigen Kunstsammlerin aus Hamburg, hielt ich das zunächst für ein leeres Versprechen. Aber nun hängen einige meiner bedruckten Viskose­Tücher tatsächlich in der Kunsthalle seiner Tante auf St. Pauli, und ich lebe einen Traum, den ich eigentlich schon im Grundstudium verworfen hatte.

Also reisen wir mit der Magnetschwebebahn nach Paris und stehen an einem sonnigen Samstagvormittag gegen 11 Uhr vor den Eingangstoren zu Disneyland, das vor langer, langer Zeit einmal Euro Disney geheißen haben soll. Ben trägt seine Kenny­Shades mit eingebauten Kameralinsen. Dramatisch­süßliche Filmmusik dringt aus zahllosen Lautsprechern, und ich fühle mich in der Rolle, vor Bens Augen hier möglichst ich selbst zu sein, nur teilweise wohl. Ich selbst wäre schließlich gar nicht auf die Idee gekommen, ins Disneyland zu gehen. „Könntest du mir noch ein paar Regieanweisungen mit auf den Weg geben?“, frage ich ernst. Ben lacht. „Du weißt alles, was du wissen musst!“

Ich schaue mich unter den Personen um, die in den Park strömen, und stelle fest, dass Ben der Einzige ist, der noch eine Brille von Kenny Systems trägt. Hier in Frankreich scheinen die Leute über das Tragen von KI­Brillen schon wieder hinaus zu sein. „Da vorne kommen deine Homies!“, ruft Ben. Drei Enddreißiger winken mir zu. Einer von ihnen ist klein und untersetzt, einer sportstudioathletisch, der dritte wirkt hager und vergeistigt. „Pascale!“, rufen sie wie aus einer Stimme und

LEIF RANDT

Geboren 1983 in Frankfurt am Main. Er gilt als Vertreter einer neuen Generation der Popliteratur. Sein neuer Roman „Let’s talk about feelings“ erschien im September.

Am 16. April kommt die Verfilmung seines Bestsellers „Allegro Pastell“ ins Kino.

umarmen mich der Reihe nach. „So geil, dass du es geschaft hast! Laaaaange nicht gesehen! Shot?“ Der Untersetzte hält mir eine PET­Flasche mit ofenem Schraubverschluss hin. „Es ist noch nicht mal Mittag.“ An den Reaktionen merke ich, dass sie genau das von mir hören wollten. Der Trainierte sagt: „Höchste Zeit, sich mal tüchtig einen reinzustellen!“ Der Untersetzte streckt mir die Zunge raus. „Fühl dich nicht gezwungen“, sagt hingegen der Hagere, dessen knapp geschnittenes „Married soon“­T­Shirt darauf hindeutet, dass er wohl der Bräutigam ist, von dem ich mich entfremdet fühlen soll.

Ich schaue zu Ben, kann aus seinem Blick aber keine Anweisung herauslesen, und dann jubeln die drei Typen wie verrückt, als ich einen Zug aus der Flasche nehme. Das Getränk brennt in der Kehle und breitet sich warm im Bauch aus. Der Untersetzte umarmt mich noch einmal fest („Du hast dich kaum verändert!“), und der Trainierte gibt mir mit der fachen Hand einen Schlag auf den Hinterkopf („Prost, Arty Farty“). Ihr Spiel ist laut und übertrieben.

Auf dem Fußweg quer durch Frontierland, in dem es um Cowboys und Wüste geht, erfahre ich wie nebenbei die Namen der anderen drei Spieler – Stefan, Max und Thomas – und möchte mich bei Ben am liebsten über diese bitter unoriginellen Namen beklagen, als Thomas, der Trainierte, kurz aus seiner Rolle ausschert und erwähnt, dass sie by the way alle ihre echten Namen benutzen. „Du bist auch jenseits dieser Show Pascale, oder?“ Thomas soll spürbarerweise einen gut verdienenden Broker darstellen, der maximale Härte performt, aber insgeheim depressiv ist und daher ständig ins Fitnessstudio fieht. Er fragt mich, ob ich durch meine Kunst wenigstens berühmte Leute träfe, wenn da fnanziell schon so wenig bei rumkomme. Und was mein Fünfjahresplan sei. Bevor ich ihm etwas entgegnen kann, fragt Max, der vermutlich Programmierer sein soll, ob ich noch mit Luise zusammen sei, was ich intuitiv verneine, und Stefan, der hagere Bräutigam, kommentiert: „Ich fand, ihr habt nie so gut zusammengepasst.“

Thomas will unbedingt in den Tower of Terror. Er hat Fast Passes für alle gekauft und trinkt regelmäßig große Schlucke aus der PET­Flasche. Der Ride fndet in einem alten HollywoodHotelturm statt, in dem es spukt. Wir sitzen angeschnallt im Aufzug und befnden uns dann

Der Ride findet in einem alten Hollywood-Hotelturm statt, in dem es spukt.

Wir sitzen angeschnallt im Aufzug und befinden uns dann mehrmals im freien Fall. Ich kreische wie ein Kind.

mehrmals im freien Fall. Es ist ein irres Gefühl, ich kreische wie ein Kind. Ben sitzt in der Reihe hinter mir und schneidet hofentlich alles mit. Zurück in der heißen Sommerluft torkelt Stefan, bei dem viel schwerer einzuschätzen ist, welchen Beruf er haben könnte. Ich vermute, dass er gerne Musiker geworden wäre, aber jetzt in einer Unternehmensberatung arbeitet. Sein Torkeln kommt mir unrealistisch vor, bis ich in sein kreidebleiches Gesicht blicke. Er vertrage sonst deutlich mehr, meint er, doch er habe erst gestern ein Antibiotikum abgesetzt wegen seiner Mandelentzündung. Und dann wird es emotional. Stefan sagt, dass er nicht mehr sicher sei, ob er Luna wirklich heiraten wolle („Leute, ich hab panische Angst“) und fängt an zu weinen. Mir fällt natürlich auf, dass Bens Exfreundin auch Luna heißt. Wahrscheinlich möchte er ihr mit dieser TeenieComedy über mittelalte Männer indirekt eine Botschaft senden.

Kurze Zeit später sitzen wir auf der Dachterrasse der Star-Wars-Bar Lounge Lightspeed, die von außen wie ein X-Wing aussieht. Stefan hat nach einem Glas Cola schon wieder etwas Farbe im Gesicht. Mir ist die Lautstärke, in der Max und Thomas auf ihn einreden, etwas peinlich („Torschlusspanik ist total normal!“, „Sie liebt dich voll! Das sieht jeder!“, „Luna wird richtig gut altern, da bin ich sicher“). Mittlerweile glaube ich, dass die drei angetrunken in den Park gekommen sind und ihren Rausch nicht nur gespielt haben. Ben sitzt am Nebentisch und flmt uns mit seiner Brille. Ich habe einen Wookie-Martini bestellt, um etwas an Rausch aufzuholen, und höre den anderen nur zu. Sehr wahrscheinlich wird es später einen Moment geben, in dem Stefan und ich zu zweit in einer sehr langsamen Bahn für Kinder sitzen, und dann haben wir unser Heart-to-Heart, ich helfe ihm mit meinem ehrlichen Außenblick über seine Ängste hinweg, und er hilft mir, mich wieder mehr aufs Wesentliche im Leben zu konzentrieren, nämlich auf Freundschaft. Nach der ruhigen Fahrt durch die liebliche DisneyThemenwelt werden wir uns nicht plakativ in die Arme fallen, sondern uns bloß verbindlich

zunicken, bevor die anderen beiden wieder auftauchen und die Party zu euphorischer Gitarrenmusik weitergeht.

Nachdem er sich wieder gefangen hat, schlägt Stefan stattdessen vor, die schnellste aller Achterbahnen anzusteuern, die Avengers Assemble: Flight Force, die Thomas und Max zu meinem Erstaunen ausschlagen, da sie von so superschnellen Rollercoastern immer Nackenschmerzen bekämen. Stefan und ich kriegen Plätze in der ersten Reihe, und kurz vor dem Start höre ich Ben hinter uns sagen: „Das wird krass!“

Knapp drei Minuten später, als die Fahrt schon wieder seit über einer Minute vorbei ist, muss ich mich draußen in der Sonne übergeben. Der Wookie-Martini kommt wieder raus, ebenso das Mischgetränk und auch das Croque-MonsieurSandwich, das ich morgens am Bahnhof gefrühstückt habe. Stefan hält mir die Haare aus dem Gesicht, obwohl die gar nicht so lang sind, und redet mir gut zu. „Bist du vorher schon mal so eine Highspeed-Bahn gefahren?“ Ben kommt uns mit seiner Brille ganz nah und hat hofentlich alles im Kasten. Ohne aus meiner Rolle zu fallen, frage ich, was Max und Thomas gerade machen, woraufhin mir Stefan erklärt, dass er sie gebeten habe, den weiteren Tag ohne uns zu verbringen.

„Ich hab mich so gefreut, dich mal wiederzusehen. Aber die beiden sind immer so laut, ich kann dich ja kaum hören.“

Obwohl ich schön fnde, was Stefan sagt, muss ich in diesem Moment erneut würgen. Er legt eine Hand auf meinen Rücken. Und ich glaube, dass diese Geste wohl die Tür zu verdrängten Erinnerungen aufstoßen soll. Zu Situationen, in denen man sich in einem Alter von unter zwölf heimlich voreinander ausgezogen hat und das eigentümlich spannend fand, aber überhaupt nicht einzuordnen wusste.

„Gib ihm mal ein Taschentuch, damit er seinen Mund reinigen kann“, sagt Ben. „Oder nein –reinige du seinen Mund mit dem Taschentuch!“

Aus Bens Perspektive sollte dann zu sehen sein, wie Stefan mir die Lippen abtupft, während im Hintergrund die Avengers Assemble: Flight Force vorbeirast. Innerlich gratuliere ich Ben zu diesem Shot.

Den Rest des Nachmittags verbringen Stefan und ich teils Hand in Hand. Wir setzen uns in die langsamsten Fahrgeschäfte und machen Fotos mit Goofy und Pocahontas. An der Seite von Max oder Thomas wäre es mir deutlich schwerer gefallen, diese Art von Nähe zu spielen. Ben macht so gesehen schon ein gutes Casting. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit, als eine Laserund Feuerwerksshow das Publikum aus dem Vergnügungspark verabschiedet, blicken Stefan und ich zum großen Schloss. Stefan sagt, dass er Luna trotz allem heiraten werde. Ich nicke melancholisch und antworte: „Ich weiß.“

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