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The Red Bulletin AT 05/26

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ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN

FISHER

Ein Grenzgänger wird erwachsen: der DJ-Superstar über Erfolg, Exzess und sein Leben als Vater PLUS JESSICA CHASTAIN / JAKUB MENŠÍK / ROMEO KALTENBRUNNER / CARINA REICHT / THOMAS RAFFL


CUT ON COMMAND Die KTM 790 DUKE 2027 wartet nicht. Sie liefert. Jeder Impuls führt zu unmittelbarer Reaktion. Ohne Verzögerung. Ohne Kompromisse. ktm.com Gezeigte Fahrszenen bitte nicht nachstellen, Schutzkleidung tragen und die geltenden Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung beachten! Die abgebildeten Fahrzeuge können in einzelnen Details von den Serienmodellen abweichen und zeigen teilweise Sonderausstattung gegen Mehrpreis.


EDITORIAL & CONTRIBUTORS

Amanda Fordyce Die gebürtige Australierin und Wahl-Londonerin fotografierte die aufstrebende Rapperin Cristale im Stadtteil Brixton. „Sie dort zu begleiten, wo sie aufge­ wachsen ist, war unglaublich inspirierend“, sagt Fordyce. Ab Seite 60

Karin Cerny beschäftigt sich gern mit Alien Content, Zara Larsson oder Streetfood in Nigeria. Next: Fallschirmspringen trotz Höhenangst! Für uns hat sie Oskar Haag und Romeo Kaltenbrunner interviewt. Ab Seite 20

RAFAEL DEPROST (COVER)

Andreas Jakwerth liebt es, zu radeln und zu klettern. Als Fotograf sucht er den perfekten Moment – unter anderem für die „Süddeutsche“, „Die Zeit“ oder „Monocle“. Für The Red Bulletin lichtete er Comedian Romeo Kaltenbrunner ab. Ab Seite 20

D

3

iese Tech-House-­Single klingt uns noch in den Ohren: „Losing It“ hieß sie, und sie machte FISHER zu einem globalen Superstar. In unserer Coverstory erzählt der australische DJ von seinen Kids, dem langsamen Erwachsenwerden und warum er jeden Tag ein Eisbad nimmt. Ab Seite 26. Einen beachtlichen Werdegang hat auch Jessica Chastain hinter sich, ­ihres Zeichens oscarprämierte Schau­ spielerin und Produzentin. In mehr als bescheidenen Verhältnissen auf­ gewachsen, gehört sie heute zum ­Hollywood-Adel – und setzt sich für Gleichberechtigung in der Filmindustrie ein. Ihre Geschichte ab Seite 22! Und der tschechische Tennis-Star Jakub Menšík, aktuell unter den Top 20 der Welt, verrät ab Seite 38, warum ihm Kartenspielen hilft, seine innere Ruhe zu bewahren. Viel Freude mit dieser Ausgabe, die Redaktion

THE RED BULLETIN


6 Der aufstrebende tschechische Tennis-Profi Jakub Menšík, 21, erklärt uns, wie er den Fokus behält.

Musik

Enjoy the Ride 26

Fame und Familie: Star-DJ FISHER über sein Leben zwischen Weltkarriere und Papa-Sein. Tennis

Game, Set and Match!

38 8 14 16 18

Gallery Support Squad Hype-Check Emoji-Interview

69 74 76 80 82 84 86 92 95 96 98

Reise Reisetipp Musik Style Streaming Mindgame Uhren Events Impressum Kolumne Schlussminute

THE RED BULLETIN

Heroes

Romeo 20 Kaltenbrunner Kabarettist

Jessica Chastain 22

Schauspielerin

Oskar Haag 24 Singer-Songwriter

38

Jakub Menšík, tschechischer Tennis-Star, beschreibt die Kraft seiner Routinen. Eishockey

The Captains’ 44 Code Ob Salzburg oder München – die Red Bull-Eishockey-Kapitäne Thomas Raffl und Patrick Hager im Talk über Erfolgshunger und Teamgeist. Fitness

Wonder Workout

52

Welche Superkräfte Sport und Training deinem Körper tatsächlich verleihen. Hip-Hop

Cristale Clear 60 Harter Rap, kluge Lyrics – Cristale De’Abreu, Rising Star der Brit-Hip-Hop-Szene.


LUKÁŠ WAGNETER / RED BULL CONTENT POOL, AMANDA FORDYCE

INHALT

60 Sie ist Londons neuer Rap-Star: Cristale De’Abreu

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LUKAS PILZ/RED BULL CONTENT POOL

STEPHAN HILPOLD

8 GALLERY

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Sölden, Österreich

Tief im Hoch Auf über 3.000 Metern, inmitten der „James Bond“-Kulisse am Gaislachkogl in Sölden, wurde aus einem Workout ein Abenteuer. Fitness-Creator Sascha Huber überraschte 30 Community-Mitglieder mit einem geheimen Training, dessen ­Location sie erst am Eventtag erfuhren. Atemberaubende Aussicht, dünne Höhenluft und Good Vibes machten den TirolStopp der Red Bull Secret Workout Tour zu einer Once-in-a-Lifetime-Experience. Instagram: @sascha_huber_official

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GALLERY

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Águeda, Portugal

Vorneweg

SAMO VIDIC/RED BULL CONTENT POOL

ANNA MAYUMI KERBER

So sieht es aus, wenn sich drei gestandene HRC-Werksfahrer – Rubén ­Fernández, Tom Vialle und vor allem Jeffrey Herlings – an die Fersen des erst 19-jährigen Lucas Coenen heften. Doch in diesem ersten von zwei Rennen im Crossódromo Internacional de Águeda konnte den jungen Belgier keiner mehr einholen. Im zweiten Rennen setzte sich dann Honda-Pilot Herlings, 31, durch. Er ist der d ­ ominante Motocrosser der letzten Jahre und MX-Rekordsieger. Zweiter: Lucas Coenen – wer sonst? redbull.com

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MIHAI STETCU/RED BULL CONTENT POOL

STEPHAN HILPOLD

12 GALLERY

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Odense, Dänemark

Adrenalin mit Aussicht Ein Hindernislauf auf einem Riesenrad? Für Ida Mathilde Steensgaard genau die richtige Challenge. Für ihr jüngstes Obstacle Course Racing-Projekt ver­ wandelte die zweifache Weltmeisterin den 30-Meter-Koloss in ihren ganz persönlichen Klettergarten. Hoch über dem Hafen von Odense absolvierte die Dänin den Parcours erfolgreich in 3 Minuten 33 Sekunden – also noch bevor das rotierende Riesenrad seine Umdrehung vollendete. redbull.com

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SUPPORT SQUAD

Feier deine Crowd! Joey King, 27, gehört zu Hollywoods ange­sagtestem Schauspiel-Nachwuchs. Wir sehen uns ihr Netzwerk genauer an.

Sabrina Carpenter Popstar & BFF

„Sab“ und Joey lernten einander kennen, als sie beide zwölf waren – seitdem sind sie Besties. Die Sängerin überraschte Joey auf deren Hochzeit: Sie performte einen Song, den Joey sehr mag – auf Schwedisch!

Taylor Swift

Musikerin & Neo-Braut

Mit zehn Jahren stand Joey für ein Swift-Video vor der Kamera, in einem Full ­Circle Moment dann 2023 mit Taylor auf der Bühne der „Eras“-Tour. Mittlerweile sind beide Freundinnen verheiratet und feierten natürlich auf der Hochzeit der jeweils anderen.

FAMILIE

Kelli und Hunter King Schwestern

Dreimäderlhaus: Auch die beiden Schwestern ­Joeys sind erfolgreich im Filmund Fernsehbusiness tätig. Privat verbindet die drei ihre Liebe zur Musik – inklusive ­legendärer Sister-­ Karaokeabende.

Patricia Arquette Schlagfertige TV-Mama

Während der Golden Globes 2020 schwang Patricia, die Joeys Mutter in „The Act“ spielte, ihre Trophäe etwas zu euphorisch und traf Joey unabsichtlich am Kopf. Nix passiert! Das Ergebnis: eine Beule und eine richtig lustige Story.

Steven Piet

Produktives Ehegespons

Joey lernte den Regisseur am Set der TV-Serie „The Act“ kennen – und auch gleich lieben! 2023 läuteten auf Mallorca die Hochzeitsglocken. Joey via Instagram: „Married my ­literal BFF. Ugh, so cute.“

Abenteuerlustige Real-Mama

Family first! Jamie ist bei ­jeder Premiere ihrer Töchter und auch bei jedem Spaß dabei: vom Geburtstagskick beim Zip-Lining bis zum spontanen Familien­ tattoo am Mittelfinger.

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Joey Lynn King

Mit der Netflix-Serie „The Kissing Booth“ gelang der US-Aktrice der internationale Durchbruch. Ihre Darstellung der Gypsy-Rose Blanchard in der Serie „The Act“ bescherte Joey einen Emmy und eine Golden-Globe-Nominierung. Ab September ist sie an der Seite von Nicole Kidman und Sandra Bullock in „Practical Magic 2 - Zauberhafte Schwestern“ im Kino zu sehen. Instagram: @joeyking

GETTY IMAGES

Jamie King

BARBARA KAUDELKA

MUSIK-BIZ


WILD ONE SKELETON CHRONO THE ULTIMATE HIGH-PERFORMANCE SPORTS WATCH Uhrmachermeister HÜBNER Wien & Linz Juweliere ELLERT Vösendorf SCS I Juwelier SCHWÖDT Wien Juwelier KOPF Feldkirch I MILLENNIUM Boutique Innsbruck Juwelier THEUERER, Wien I Uhren & Juwelen WEMPE Wien


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HYPE-CHECK

Kirafin

Echte Handarbeit

heißt bürgerlich Jonas Willbold, ist 33 und unterhält seine 1,3 Millionen Follower auf TikTok mit Comedy-­ Formaten. Nebenbei folgt er seiner Faszination für Tech-Produkte und -Trends. Für uns nimmt er aktuelle Hypes unter die Lupe.

Der WOWCube verpasst dem Rubik’s Cube ein Update. Für Tech-Checker Kirafin ist der Würfel bereits gefallen.

Vielseitig bespielbar: Neben verschiedenen Games zeigt der Cube auch das Wetter an.

Das Teil Dieser Würfel ist eine Kon­ sole. In Gestalt des legen­ dären Rubik’s Cube sind auf den 24 Flächen nicht bloß Farben, sondern Screens, auf denen Spiele wie „Space Invaders“ oder „2048“ lau­ fen. Steuerbar durch Drehen, Kippen, Schütteln, Tippen. Erhältlich via wowcube.com Der Check Macht Spaß und trainiert Motorik sowie Hand-AugeKoordination. Geeignet für jede Altersklasse, ideal für Familien. Mit 399 Dollar allerdings grenzwertig teuer. MUST-HAVE-FAKTOR

THE RED BULLETIN

Perfekt für … … alle, die den klassischen Rubik’s Cube durchgespielt haben. Ungeeignet für … … alle, die in ihrem Leben ohnehin schon unter Bildschirm-Overkill leiden.

WOWCUBE

Der Hype Geht vor allem auf YouTube Shorts durch die Decke. Das erfolgreichste Video von Emily’s Playhouse hat unfass­ bare 486 (!) Millionen Views.


Die nachfüllbaren düfte

TOM HOLLAND

DAS EAU DE PARFUM & DAS NEUE AMBER PARFUM


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EMOJI-INTERVIEW

Ohne Worte! In diesem Interview dürfen die Befragten nur mit Emojis antworten. Dieses Mal: Maya Kranawetter, 20, Fitness-Creatorin und selbsternannte „Sportmaus“.

Du hast deinen HYROX Single in Berlin mit einer Zeit von 1:21:43 beendet. Dein Rezept fürs Durchpushen?

Deine Motivation, wenn du keine Lust aufs Training hast?

MAYA KRANAWETTER:

Was macht am Laufen am meisten Spaß?

Was denkt dein Umfeld, wie ein Leben als FitnessCreatorin aussieht?

Wie sieht der perfekte Rest Day aus?

Wie sieht es wirklich aus?

Was steht auf deiner Bucketlist?

Timing ist keine Stärke von dir. Warum kommst du immer zu spät?

Let’s go!

„Irgendwo zwischen Gym, Laufen & HYROX“ schreibt Maya über sich in ihrer Instagram-Biografie. Genau diese Inhalte teilt die 20-Jährige aus Steyr in Oberösterreich auch in den sozialen Medien. Ihr Ziel: Leuten zu zeigen, dass ein erfülltes Leben nicht anstrengend sein muss und man sich weniger den Kopf zerbrechen sollte. Aktuell bereitet sich Maya auf ihren ersten HYROX Mixed Doubles-Bewerb im November vor. Instagram: @mayaa_ktr THE RED BULLETIN

ANDREAS JAKWERTH

Bitte beschreib dich in 3 Emojis.

LISA HECHENBERGER

THE RED BULLETIN:


BETTER TOGETHER

UNSER BESTSELLER FEUCHTIGKEITS-DUO

: N E G I T Ä T S E B % 93

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72H FEUCHTIGKEIT*

*Instrumenteller Test.


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HEROES

hat von seiner Mühlviertler Großmutter gelernt, was ein guter Schmäh alles bewirken kann. Warum der Kabarettist lieber Brücken baut als Vorurteile bedient. Text Karin Cerny Foto Andreas Jakwerth

Als Kind erzählt er in der Schule, sein ­Vater sei im Dschungel von einem Tiger gefressen worden. Die Geschichte ist frei erfunden. Aber Monate später spricht seine Lehrerin beim Elternabend seiner Mutter ihr Mitgefühl aus. „Anscheinend hab ich’s so gut erzählt, dass sie es ge­ glaubt hat“, sagt Romeo Kaltenbrunner beim Treffen im Café Prückel in Wien. Heute füllt der gebürtige Mühlviertler aus Engerwitzdorf (kein Schmäh!) mit seinen Geschichten Kabarettsäle. In ­seinem aktuellen Programm „Heimweh“ ­erzählt er von Dorffesten, die aus dem Ruder laufen, und Wiener Hipstern, die öfter auf Bali waren als im Stadtteil ­Simmering, von absurden Ferialjobs bei der Post – und dem Leben zwischen Stadt und Land.

Humor als Werkzeug

Wer Kaltenbrunner zuhört, merkt schnell, dass er sich nicht für schnelle Pointen ­interessiert, sondern für die Menschen dahinter. „Ich habe mich immer gefragt: Warum geht es manchen besser als mir? Was machen die anders?“ Der Vater ver­ schwand früh aus seinem Leben. Geld war oft knapp. Statt Vorbildern beob­ achtete er Lehrer, Nachbarn und Eltern anderer Kinder. Seine wichtigste Bezugs­ person wurde seine Großmutter. „Sie hatte einen unglaublichen Schmäh, eine gute Goschn und war überhaupt nicht feig.“ Von ihr hat er gelernt: Humor ist ein Werkzeug, sich einen Platz in der Welt zu verschaffen. Zugleich wurde ihm aber auch schnell klar, dass Humor Menschen verbinden kann. Vielleicht wirken seine Programme deshalb nie herablassend. Er macht sich nicht über Menschen lustig.

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On point

Geboren in Linz, Oberösterreich; lebt in Wien; Beruf Kabarettist, Autor und Schauspieler; Lieblings­ essen klassische chinesische Frühlingsrollen; Lieblingsserie „King of Queens“ und „Malcolm mittendrin“; Lieblingsverein FC Bayern München

Er versucht zu verstehen, warum sie so ­ticken, wie sie ticken. Dabei war sein Weg auf die Bühne nicht geradlinig. Fußball war als Jugend­ licher lange sein großer Traum. Doch er erkannte, dass daraus keine Karriere ­werden würde. Nach der Matura und ­einigen Jobs beginnt er in Linz Jus zu stu­ dieren. Zwischen Mit­studierenden aus Akademikerfamilien fühlt er sich fehl am Platz. ­Während andere selbstverständ­ lich über Kanzleien sprechen, arbeitet er ­nebenbei in der Gastro, in Fitnessstudios, Callcentern oder am Hochofen. „Ich habe mich überhaupt nicht wohlgefühlt.“ Heute weiß er: Genau diese Erfahrungen sind Material geworden, aus dem er als Kabarettist schöpfen kann. Inzwischen lebt Kaltenbrunner in Wien-Neubau. Auf der Bühne pendelt er trotzdem ständig zwischen Stadt und Land. „Mir ist wichtig, dass es nicht diesen großen Abstand gibt“, sagt er. Während viele Debatten von Gegensätzen leben, ­interessiert ihn das Verbindende. Er ver­ steht die Skepsis vieler Menschen am Land gegenüber urbanen Eliten. Er sieht aber genauso die Vorurteile, mit denen Menschen aus ländlichen Regionen oft konfrontiert werden. Die größte Gefahr sieht er darin, dass Menschen ihre eigenen

Der Fußballer in ihm

Romeo Kaltenbrunner spürte den Antrieb, sich seine eigene Geschichte zu schreiben. Und Menschen zu finden, die ähn­liche Biografien aufweisen. Einer davon ist der oberösterreichische Fußballer Helmut Köglberger, Sohn eines afroamerikani­ schen Soldaten und eine der prägenden Persönlichkeiten des ­österreichischen Fußballs der Sechziger- und Siebziger­ jahre. Köglbergers Lebensgeschichte fas­ zinierte Kaltenbrunner schon als Jugend­ licher. Auch, weil es Parallelen gibt: ein Aufwachsen außerhalb der großen Zen­ tren, Erfahrungen mit Rassismus, der ­Versuch, sich seinen Platz zu erkämpfen. Eigentlich wollte Kaltenbrunner ihn ­immer kennenlernen. Er schob es lange auf. Dann starb Köglberger 2018. Aus dieser verpassten Begegnung ent­ stand eine andere Idee: Kaltenbrunner ­arbeitet gerade gemeinsam mit Kollegen an der Verfilmung. Seinen Grundthemen bleibt er dabei treu: Ungleichheit, Vor­ urteile, Ausgrenzung. Romeo hat gelernt, aus den Dingen, die gegen ihn verwendet wurden, etwas Eigenes zu machen. Der Schmäh der Oma hilft dabei. Instagram: @romeo_kaltenbrunner Romeo ist mit seinem Programm „Heimweh“ auf Tour, u. a. am 19. November im Oval, Salzburg und am 30. November im Stadtsaal, Wien. romeokaltenbrunner.com

MASKE: MARIETTA DANG, LOCATION: VIELEN DANK AN DIE PRATERSAUNA

Romeo Kaltenbrunner

Lebensrealitäten für die einzig gültigen halten. „Man muss seine Bubble verlas­ sen“, sagt er. Er erzählt von Wiener Bobos ebenso wie von Stammtischen im Mühl­ viertel. Beide Welten bekommen ihr Fett ab. „Wenn man andere Lebensrealitäten kennenlernt, versteht man vieles besser. Die lustigsten Menschen sind oft die, die nicht lustig sein wollen.“ Wen er da­ mit meint? Ein Stück weit sich selbst. Lange hielt Kaltenbrunner an der Idee eines sicheren Berufs fest. Erst Corona brachte ihn zum Nachdenken – wie auch eine Begegnung im Rahmen eines Jobs bei der Stadt Wien mit dem Musiker Willi Resetarits, der in einer Jury saß. Er fragte Kaltenbrunner: „Machst du irgendwas auf der Bühne? Du hast Talent.“ Ein paar Monate später ist Resetarits verstorben. „Das war wie ein Weckruf für mich. Da habe ich mir gedacht: Was ist, wenn mor­ gen alles vorbei ist?“ Also probierte Kalten­ brunner es einfach mit dem Kabarett.


„Die lustigsten Menschen sind oft die, die nicht lustig sein wollen.“ Romeo Kaltenbrunner blickt über den Rand seiner eigenen Bubble.

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HEROES

hat ihre ärmliche Herkunft nie ver­ leugnet. Im Gegenteil: Statt sich in ihrem Ruhm zu sonnen, kämpft die OscarSchauspielerin für eine größere Mission. Text Mariam Schaghaghi

Ihre Geschichte klingt wie aus einer Soap: Mädchen aus ärmlichen Verhältnissen – ihre Mutter hatte sie mit gerade mal siebzehn bekommen –, gesegnet mit unfassbarem Talent, schafft es auf die beste Schauspielschule des Landes. Sie beeindruckt die Größen ihrer Zunft, wird zum Liebling Hollywoods und gewinnt einen Oscar. Und dann heiratet sie auch noch ­einen coolen italienischen Adeligen. All das Jessica Chastain hat wirklich erlebt. Mit einem Tag Verspätung trifft sie zum Interview ein, im roten Hosenanzug, Stilettos und ganz ohne Starallüren. Sie hatte ihren Flug verpasst, kam nicht aus der Verkehrshölle Manhattans raus. „Ich habe vor Nervosität fast in den Vordersitz gebissen“, erzählt sie. Dabei wollte sie ­unbedingt über „Dreams“ sprechen, ihren zweiten Film mit dem mexikanischen ­Regisseur Michel Franco – ein kleines, ­unbequemes Drama über Begehren, gesellschaftliche Grenzen und die Grausamkeit, Liebe mit Besitz zu verwechseln.

Die neue Meryl Streep

Chastain könnte es sich längst einfacher machen – als Megastar. Seit ihrem Durchbruch vor fünfzehn Jahren in Terrence Malicks „The Tree of Life“ neben Brad Pitt gilt sie als M ­ eryl Streep des 21. Jahrhunderts, sorgte mit „The Help“, „Interstellar“ oder „Zero Dark Thirty“ für Box-OfficeHits, gewann für „The Eyes of Tammy Faye“ den Oscar. Doch nie suchte sie Rollen, die ihren Ruhm polieren, sondern vielmehr riskante Stoffe: „Ich will den Blick auf die Welt verändern.“ In „Dreams“ ist sie derzeit im Kino als Frau zu sehen, deren Herkunft von ihrer eigenen weit entfernt ist: Jennifer ist reich und kultiviert, eine Ballettmäzenin, die ihren mexikanischen Geliebten, einen

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On point

Geboren am 24. März 1977 in Sacramento, Kalifornien; hat eine eigene Produktionsfirma namens Freckle Films; lernte Krav Maga; liebt ihren dreibeinigen Hund Chaplin

Tänzer, geheim hält. Soziale Ungleichheit kennt Jessica aus ihrer eigenen Jugend. „Ich habe große Empathie für Menschen, die nicht wissen, wie sie etwas zu essen bekommen“, sagt sie. „Meine Mutter, die uns mit meiner Großmutter allein aufzog, musste oft überlegen, wie sie uns satt kriegt.“ Dieser Satz fällt ohne Selbst­ mitleid. Er erklärt aber die Genauigkeit, mit der sie bis heute auf Menschen blickt, die weniger Glück haben. Im Psychothriller „Other Mommy“, der zu Halloween anläuft, gelingt ihr ­sogar eine Doppelrolle: Sie spielt eine Mutter und deren unheimliches Gegenbild – Positiv und Negativ, Schutzfigur und Bedrohung zugleich. Eine reizvolle Aufgabe für eine Ausnahmeschauspielerin, die ­hellen und dunklen Seiten einer Figur gleich­zeitig sichtbar machen zu können.

Mentor Al Pacino

Ihre Kindheit in Nordkalifornien war alles andere als einfach: Die Mutter schlug sich nach der Trennung als Köchin durch. ­Jessica ging wie ihre zwei Geschwister auf eine staatliche Schule, in der sie nicht viel lernte. Nur auf Schulbühnen und im Tanztheater fühlte sie sich wohl. Ein Stipendium, finanziert von Schauspiel­ genie Robin Williams, brachte sie an die Juilliard School in New York. Dort blühte sie auf. 2006 hörte sie von einem Casting Al Paci­nos, der für sein Filmdrama „Salomé“ eine Hauptdarstellerin suchte. Jessica spielte, tanzte – und verzückte

Ehemann produziert Prosecco

Bis heute fordert die 49-jährige Gleich­ berechtigung und Chancengleichheit ein. Beim Actionfilm „The 355“ entwickelte sie mit den Kolleginnen Penélope Cruz und Diane Kruger ein Produktionsmodell, das sie nicht nur als prominente Zugpferde einsetzt, sondern am Gewinn beteiligt. Als Produzentin von Freckle Films (benannt nach den Sommersprossen der Rothaarigen) schafft sie Raum für Frauen­ figuren und Stoffe, die im Studiosystem leicht übersehen werden. Feminismus ­besteht für sie nicht nur darin, Ungerechtigkeiten zu benennen, sondern Macht gerechter zu verteilen. Statt es sich in Venetien auf dem Landgut ­ihres Ehemannes gutgehen zu lassen (wo er Prosecco produziert), hält Chastain lieber New York die Treue. „Man hört auf der Straße so viele Sprachen, so viele Akzente, und alle fahren U-Bahn – egal aus welcher Schicht man kommt. Für mich ist New York City der beste Ort zum Leben.“ Ihre zwei Kinder bringt sie selbst zur Schule – natürlich mit der Subway. Ja, gegen Chastain scheint Cinderella ein Waisenkind zu sein. Bemerkenswert ist jedoch nicht, dass die begnadete Schauspielerin der Welt entkam, aus der sie stammte. Sondern dass sie sie nicht vergaß. Dass sie auch heute gegen Abhängigkeiten, Demütigungen und ungleiche Chancen kämpft. Chastain hat sich aus dem Nichts auf den roten Teppich vor­ gearbeitet. Aber ihr größter Verdienst ist, dass sie dort nicht stehen blieb. Sondern aus ihrem Märchen eine Mission machte. Instagram: @jessicachastain

GETTY IMAGES

Jessica Chastain

ihn. „Eine Offenbarung, ein Wunder“, schwärmt er bis heute von ihr. Fünf Jahre später kam der große Durchbruch: als sie neben Brad Pitt in Cannes auf dem roten Teppich stand und im Film „The Tree of Life“ von Kultregisseur Terrence Malick zur Sensation wurde. „Ich glaube daran, dass Geschichten und Filme ein Wir-Gefühl unter Fremden erzeugen können und einen besseren ­Umgang miteinander ermöglichen“, sagte Chastain in einer bewegenden Rede, als ihr im Herbst am Hollywood Walk of Fame ein Stern gewidmet wurde.


„Ich suche mir ­Filmstoffe aus, die den Blick auf die Welt verändern.“ Schauspielerin Jessica Chastain, 49, will, dass Macht gerechter verteilt wird.

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HEROES

Oskar Haag hat als 15-Jähriger die Schule abgebrochen. Ein Lehrer erklärte ihn zum „Lost Cause“. Heute trägt der Künstler den Satz tätowiert am Arm – und nennt so sein zweites Album. Text Karin Cerny Foto Michelle Rassnitzer

Als Oskar Haag vor Gustav Klimts berühmtem Gemälde „Der Kuss“ steht, passiert etwas Seltsames. Eigentlich wollte er Freunden aus Kärnten, die auf Besuch in Wien sind, nur das Schloss Belvedere zeigen. Stattdessen hört er plötzlich eine Melodie in seinem Kopf: „Give me the kiss / The one that Klimt was thinking about“. Haag stellt sich in eine Ecke des Museums, summt die Idee ins Handy und sagt zu seiner Freundin: „Ich fahr jetzt heim. Ich muss ein Lied schreiben.“ Heute zählt „Der Kuss“, eine zarte PopBallade, zu den Herzstücken seines neuen Albums „Lost Cause“, das am 25. September erscheint. Es ist ein Album über das Erwachsenwerden – allerdings nicht über jenes, das plötzlich vernünftig, geschniegelt und berechenbar macht, sondern über die Kunst, sich seine Unbeschwertheit nicht nehmen zu lassen.

Selbstermächtigung

„Lost Cause“ klingt zunächst düster. Tatsächlich steckt dahinter eine Geschichte voller Ironie. „Mir wurde als Schüler oft gesagt, ich sei ein verlorener Fall. Dass aus mir nichts wird“, erzählt Haag in einem Coffeeshop im zweiten Bezirk, gleich um die Ecke wohnt er mit seiner Freundin. „Lost Cause“ hat er sich mittlerweile sogar auf den Arm tätowieren lassen. „Ich habe mir solche Kommentare einfach ­zurückgeholt und etwas Eigenes daraus gemacht.“ Sein jüngster Albumtitel ist eine selbstbewusste Umdeutung. Oskar Haag ist heute zwanzig. Seit ­seinem gefeierten Debütalbum „Teenage Lullabies“ von 2023, dessen zarte, verträumte Musik ihm sogar Vergleiche mit Billie Eilish eingebracht hat, ist einiges passiert: Schauspielrollen am Burgtheater und in Filmen, internationale Tourneen,

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On point

Geboren 2005 in Klagenfurt; lebt in Wien; neues Album „Lost Cause“ (ab 25. September); Lieblings­verein FC Barcelona; steht lieber auf der Bühne oder am Filmset, als ein TikTokMusikvideos zu drehen; liebt die Kärntner Kasnudeln seiner Oma

ein kometenhafter Aufstieg. Trotzdem klingt er erstaunlich gelassen. „Ich merke schon, dass ich nicht mehr sechzehn oder siebzehn bin“, sagt er. „Aber genau darum geht es auf dem Album: Man sollte das Erwachsenwerden nicht zu ernst nehmen.“ Er beobachte bei vielen Freundinnen und Freunden, wie plötzlich alles um Karriere, Sicherheit und Zukunftsängste kreise. „Dann denke ich mir: Warum? Es ist doch eh lustig, wie es ist. Man muss nicht plötzlich auf furchtbar ernst machen.“ Vielleicht ist genau das die größte Veränderung. Früher kontrollierte Haag nach jeder Veröffentlichung alle paar Minuten die Streamingzahlen seiner Songs. Heute schaut er oft tagelang gar nicht mehr nach. „Wenn eine Single erscheint, dann erscheint sie halt. Vielleicht läuft sie gut, vielleicht nicht. Mir gefällt das Lied – und das reicht mir.“ Gerade diese Gelassenheit musste er sich erst erarbeiten. Sein Vater Oliver Welter, Sänger der Band Naked Lunch, hatte ihn gewarnt. „Beim ersten Album wartet niemand auf dich. Beim zweiten haben plötzlich alle Erwartungen.“ Genau daran scheiterte Haag zunächst. „Ich habe ein halbes Jahr lang kaum etwas ­zustande gebracht, weil ich ständig dachte: Ich muss jetzt ein Album schreiben.“ Erst als er diesen Gedanken losließ und wieder einfach Songs schrieb, weil es ihm Spaß machte, löste sich die Blockade.

„Es ist e­ igentlich nicht mehr als das: Ich schreibe Lieder, weil ich sie schreiben möchte.“

Chris Martin ist sein Fan

Dass Haag auch international Aufmerksamkeit bekommt, zeigte eine Begegnung mit Coldplay-Sänger Chris Martin. Bei ­einem Treffen österreichischer Musikerinnen und Musiker durften alle eine Minute lang einen Song vorstellen. Haag hatte ­allerdings noch keine Aufnahme seines neuen Stücks „Der Kuss“. Also setzte er sich ans Klavier. Nach einer Minute sagte Martin: „Play the rest of the song!“ Haag spielte weiter. Als Einziger an diesem Abend durfte er seinen Song vollständig präsentieren. Als Schauspieler bleibt Haag wählerisch. „Ich mache nur Projekte, auf die ich wirklich Lust habe.“ Eines davon ist der Spielfilm „Mila/Marija“, der diesen Herbst erscheint und vom bewaffneten Widerstand der Kärntner Sloweninnen und ­Slowenen gegen den Nationalsozialismus ­erzählt. Dafür lernte Haag fast ein Jahr lang Kärntner Slowenisch. „Ich spreche im Film kein einziges Wort Deutsch. Der Dreh war unglaublich spannend.“ Und körperlich fordernd: „Ich musste Ende November achtmal in einen eis­ kalten Bach springen.“ Wer Haag kennt, weiß ohnehin: Schubladen waren nie sein Ding. Er trägt Nagellack und liebt David Bowie ebenso wie die Beatles und das US-Indie-FolkProjekt Beirut. Er ist Schauspieler, Songwriter und Fußballfan, verfolgt bis tief in die Nacht Spiele des FC Barcelona. Auf dem neuen Album reicht die musikalische Bandbreite von Punk über Indie bis Pop. „Ich werde nie ein Album machen, das komplett gleich klingt. Ich höre einfach viel zu unterschiedliche Musik.“ Den Lehrer, der ihm einst prophezeite, aus ihm werde nichts im Leben, hat Haag nie wieder getroffen. Über Freunde hörte Oskar, dass er noch immer über ihn redet. Manchmal ist der schönste Triumph, eine Beleidigung in Kunst zu verwandeln. Und aus einem verlorenen Fall einen Hit zu machen.­ Instagram: @oskar.hg Live-Termine auf oskarhaag.com


„Man muss im Leben nicht auf furchtbar ernst machen.“ Oskar Haag, 20, will sich seine Unbeschwertheit bewahren.

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HOUSE-MANN Text Lou Boyd

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GUILLE GS, GIANNI GALLANT

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MUSIK

Sein bürgerlicher Name ist Paul Nicholas Fisher, die Welt kennt ihn aber als FISHER, 39, House- und Tech-HouseDJ aus Australien.

Bekannt wurde er in seiner Jugend als anarchischer Surfer. Berühmt mit dem Tech-House-Hit „Losing It“. Heute ist er verheiratet und nimmt jeden Tag ein Eisbad. Willkommen bei FISHERs bisher wildestem Ritt: dem Erwachsenwerden. THE RED BULLETIN


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MUSIK

Cool down: Wenn der Druck steigt, steigt FISHER nicht in den Luxuspool, sondern ins Eisbad. THE RED BULLETIN


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2002,

GIANNI GALLANT

Gold Coast, Australien: Der 16-jährige Paul Fisher verbringt seine Tage mit Surfen, Abhängen am Strand und dem Abklappern der unzähligen Partys der Gegend. Er ist hier geboren und aufgewachsen, und auf den ersten Blick unterscheidet ihn nichts von den anderen TeenagerSurfern an der Gold Coast: Er lebt für den nächsten Swell und das nächste Event. Nur nachts, auf den Partys, gibt es dann doch eine Sache, die ihn ungewöhnlich macht: seine Liebe zu House.

THE RED BULLETIN


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THE RED BULLETIN


MUSIK

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FISHER im Moscone Center in San Francisco im Dezember 2025 vor 40.000 Fans

GIANNI GALLANT, CLAIRE BURKE

„Die Musik der Surfszene, das waren damals Pennywise, Blink-182, die ganzen Punk­ bands“, erinnert sich FISHER. „Wenn ich auf diesen Partys House aufgelegt habe, hieß es entweder: ,Was ist das denn?‘ Oder: ,Dreh den Scheiß ab!‘“ Erfolgreicher als die ersten DJ-Versuche ließ sich die Surfkarriere an: Fisher war ziemlich talentiert, im Windschatten der Coolangatta-Größen um Mick ­Fanning und Joel Parkinson schaffte er es schon mit sechzehn auf die Qualifying Series, die zweite Liga des Profisurfens. Billabong war einer seiner Sponsoren. Für die große Championship Tour reichte es zwar nie, aber in der Szene aufgefallen ist Fisher trotzdem – mit dem ihm eigenen Humor: Er ritt die Wellen auf einem

penisförmigen Surfbrett, und in seiner reichlich anarchischen YouTube-Serie „Fish Tales“ hielt er den Stars der Szene ein Mikrofon unter die Nase, das diesem Surfbrett nicht ganz unähnlich war. Parallel dazu legte er auf. Erst allein auf privaten Festen, dann auf den Partys der Surfszene, in Bali, Hawaii, den europäischen Spots, schließlich gemeinsam mit seinem Surfkollegen Leigh Sedley im Duo Cut Snake. 2012 stieg Fisher als 26-Jähriger aus dem Wettkampfsurfen aus, zog nach Los Angeles und machte die Musik zum Beruf. Ab 2017 war er wieder solo unterwegs, aus Paul Fisher wurde FISHER, und „Losing It“ machte ihn 2018 fast über Nacht zum ­globalen Phänomen: Grammy-Nominierung, Platz eins der US-Dance-Club-Charts, Senkrechtstart in die „Top 100 DJs“-Liste des Fachmagazins „DJ Mag“. Seinem Hang zur Extravaganz blieb er treu. Bei den Grammy Awards im Februar 2019 dauerte es im Live-Interview auf dem roten Teppich gerade mal dreißig Sekunden bis zum ersten „Fuck“, seine Musikvideos haben immer etwas, das man mindestens als „unerwartet“ bezeichnen kann – in „Just Feels Tight“ THE RED BULLETIN


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MUSIK

(2021) leitet er nur in weißer Unterwäsche eine ­Aerobic-Gruppe bei ihren Hip Thrusts an –, auf der Bühne sprintete er mit einer Mischung aus Meckern und Lachen hinter dem Pult hin und her und warf sich der Menge entgegen wie früher der Brandung. Seine Uniform: Bucket Hat, offenes gemustertes Hemd und Sonnenbrille um drei Uhr früh. Heute, mehr als ein Jahrzehnt später, ist FISHER immer noch da. Und mit 39 Jahren ist er sogar größer denn je. „DJ Mag“ listet ihn als Nummer sieben aller DJs der Welt, als Nummer eins im House, seine Shows sind auf allen Kontinenten ausverkauft, seine Streams steuern auf die 4-Milliarden-Grenze zu. ­Diesen Sommer übernimmt er auf Ibiza wieder jeden Donnerstag den [UNVRS], den neuesten Megaclub der Insel. Kurz: Der Typ, dem sie an der Gold Coast befahlen, den Scheiß abzudrehen, ist heute der meist­ gebuchte, meistbesprochene DJ der Welt. Bei allem Spektakel: Die größte Wendung in ­FISHERs Geschichte passierte nicht auf einer Bühne. Irgendwo zwischen den Partys und den ausverkauften Shows wurde aus dem Enfant terrible der DanceMusik ein Ehemann und Vater zweier kleiner Töchter. Der Mann, der einst den Hollywood Boulevard für einen Straßen-Rave lahmlegte, schiebt heute ­zwischen zwei Tourstopps Wickeldienst. Was wird aus der Party, wenn der wildeste Mann der Dance-Musik erwachsen wird?

„Mein Manager schrieb mir: ‚Ich weiß nicht, was du angestellt hast, aber du hast das Internet gesprengt.‘“ the red bulletin: „Losing It“ hat 2018 nicht nur Rekorde in eurem eigenen Genre gebrochen. Es lief auch im Mainstream-Radio, was House-Tracks nie schaffen. Wie konnte das passieren? fisher: Es ging alles so irre schnell. Der Song war in vielleicht zwei bis vier Stunden fertig. Dann kam ein Anruf von den Leuten, die beim Coachella-Festival die Do-LaB-Bühne betreiben, die Bühne für elektro­ nische Musik: Am ersten Festivalwochenende hatte jemand den 15-Uhr-Slot abgesagt. Ich habe nur gesagt: „Klar, ich spring ein.“ Auf der Fahrt in die Wüste habe ich den Track meiner Frau und meinem Manager ­vorgespielt. Beide meinten nur: „Heilige Scheiße, ist das heftig.“ Wir kamen also auf die Bühne, und ich sagte: „Filmt das, schauen wir uns die Reaktion an!“ Ich habe auf „Play“ gedrückt, das Handgelenk kreisen ­lassen und in die Menge geschaut. Was in diesem Moment auf dem Dancefloor passierte, war Euphorie pur. Ich werde das nie vergessen. So eine Reaktion habe ich seither nie wieder erlebt.

Die Markenzeichen des Partytiers: ­Bucket Hat, gemustertes Hemd und Sonnenbrille nach Einbruch der Dunkelheit. THE RED BULLETIN

Wie hat sich deine Beziehung zur Musik ver­ ändert? Ist sie heute anders als zu den „Dreh den Scheiß ab“-Zeiten? Null. Ich hatte gerade meine größte Headline-Show überhaupt, in San Francisco, ich stand auf der Bühne, habe die Kids in der ersten Reihe angeschaut und ­gedacht: „Wow, ich wäre jetzt gern da unten, mit meinen Freunden.“ Diese Leute, die feiern, Spaß haben, sich umarmen, lächeln … und meine Musik gehört dazu. Das ist alles für mich! Das hält mich am Laufen: ausgehen, mich inspirieren lassen oder einfach unter die Leute gehen und mit meiner Frau tanzen. Natürlich ist das alles auch anstrengend. Aber es ist es tausendmal wert.

GIANNI GALLANT

Der Clip davon ist mittlerweile legendär … Ich bin am nächsten Morgen aufgewacht, und mein Leben war nicht mehr wie vorher. Mein Manager schrieb mir: „Ich weiß nicht, was du angestellt hast, aber du hast das Internet gesprengt.“ Ab da war alles komplett verrückt. Ich wurde fürs nächste CoachellaWochenende ins Line-up genommen – das gibt es ­eigentlich nicht. Die Leute sind fast nicht mehr reingekommen: Das Zelt war für 8000 zugelassen, drinnen waren 13.000. Fast hätten sie mich nicht spielen lassen. Die Leute sind unter der Zeltwand durchgekrochen, um den Song zu hören. Plötzlich war das ein internationaler Hit, lief überall im Radio. Eine DancePlatte mit drei Wörtern Text! Ich weiß bis heute nicht, was ich dazu sagen soll. Es war einfach magisch.


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„Nichts ist besser als das, was ich jetzt habe.“ FISHER, fotografiert im DAX House in Kalifornien, im April dieses Jahres

THE RED BULLETIN


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Red Bull Midsummer brachte am 20. Juni ein globales Day-Festival nach Wien und feierte zeitgleich in sieben Städten in den längsten Tag des Jahres hinein. Der SunsetHeadliner: FISHER. THE RED BULLETIN


MUSIK

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MATTHIAS HESCHL/RED BULL CONTENT POOL

„Da spürst du die Energie von allen. Ich hab jeden grinsen gesehen. Für mich gibt es keine bessere Atmosphäre.“

THE RED BULLETIN


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So ausgeruht ist FISHER selten: „Ich machte gerade einen Trip von Ibiza nach Kanada, dann Vegas und Florida. Ich habe zwei Tage lang kein Bett gesehen.“ THE RED BULLETIN


MUSIK

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Das Leben eines DJs ist körperlich fordernder, als viele denken. Zermürbt das? Allein schon das Reisen ist brutal für den Körper. Ich machte gerade einen Trip von Ibiza nach Kanada, von Kanada nach Vegas, von Vegas nach Florida – und habe zwei Tage lang kein Bett gesehen. Ich trainiere, ich gehe ins Eisbad. Ich komme vom Surfen, war immer aktiv, ich brauche das auch als Ventil. Das Gym ist für mich der Ort, an dem ich abschalten kann. Vor allem hilft es meinem Denken und meiner Klarheit. Und wobei hilft das Eisbad? Es senkt den Stresspegel. Es ist jeden Tag eine Challenge. Es wird nie leichter, aber ich mag diese kleinen Challenges. Auf Ibiza kann ich nicht surfen, da sind keine Wellen. Meistens komme ich in Städte, nicht an Surfspots. Also brauche ich irgendetwas zum ­Abschalten. Jeder hat sein Ding, und das ist meins! Du bist inzwischen Ehemann und Vater von zwei kleinen Töchtern. Wie lässt sich das Familien­leben mit dem internationalen Leben als DJ vereinbaren? Ganz easy. Die sind voll involviert. Wir gehen dieses Wochenende alle zusammen auf Tour: nach Norwegen und England. Am Samstag habe ich meine Headline-Show in London – eine frühe Show, 19 Uhr –, und ich wollte meine Familie dabeihaben, damit ­Bobbi, unsere Ältere, solche Erlebnisse schon früh mitnimmt. Sie ist der lustigste Mensch, den du je ­getroffen hast. Sie sprüht vor Leben!

FISH-FILETS Fünf besondere FISHER-Sets. Zu finden auf YouTube. Am größten Moscone Center, San Francisco, USA Zwei ausverkaufte Nächte in einem Kongress­zentrum. Mit 40.000 Fans: FISHERs größte Crowd ever.

Am ausgelassensten

Auckland, Neuseeland Silvesternacht auf der sommerlichen Südhalbkugel, FISHER im Showman-Modus: Bucket Hat, breites Grinsen und noch breitere Drops.

GIANNI GALLANT

Am dramatischsten

Tomorrowland, Belgien Zwei Tage vorm Festival brennt die legendäre Hauptbühne des größten Dance-Festivals der Welt ab. Die Veranstalter ziehen eine Ersatzbühne hoch. Als

FISHER spielt, geht ein Wolkenbruch nieder – er spielt weiter, und die Menge tanzt weiter. Einer der Festivalmomente des Jahres 2025.

Am typischsten

EDC Orlando, Florida, USA FISHER zur Primetime in seiner Paradedisziplin: treibender ­Big-Room-Sound, unveröffentlichte Tracks, kein Leerlauf. Wer wissen will, warum ihn jedes Festival als Headliner haben will, fängt hier an.

Am elegantesten

Old Royal Naval College, London, Großbritannien Tech-House unter barocken Decken, Weltkulturerbe als Kulisse – und der Beweis, dass seine Tracks in 300 Jahre alten Sälen genauso hart treffen wie auf dem Festivalgelände.

„Ich denke nicht mehr über mich nach. Jetzt ist alles Familie.“ Das Leben mit deinen Töchtern Bobbi und Andi klingt fast wie das, was man über deine eigene Kindheit gelesen hat. Ja, total. Wenn du an der Gold Coast aufgewachsen bist, hat dich deine Mum um sechs Uhr früh am Strand abgesetzt, und du warst bis zum Abend dort, den ganzen Tag surfen. Die Älteren haben auf dich aufgepasst, und irgendwer hat dir was zu essen ­spendiert. Genau so was wollte ich immer auch für meine Kinder: dass sie sich sicher fühlen bei den Menschen um sie herum und nicht nur von ihren ­Eltern abhängig sind. Mich hat diese Art aufzuwachsen geformt, und das will ich für meine Kinder auch. Was würdest du heute deinem 18-jährigen Ich ­sagen? Würdest du aus heutiger Sicht irgend­ etwas anders machen? Ich habe damals, als es losging, einen Rat bekommen. Jemand hat zu mir gesagt: „Dieses Gefühl des Durchbruchs, das bekommst du nur einmal im Leben. Also genieß die Fahrt nach oben.“ Wenn du so einen Hit hast wie „Losing It“ und sich deine Welt auf einen Schlag ändert: Dieses Gefühl erleben nicht viele. Könnte ich mit meinem damaligen Ich reden, würde ich dem Jungen nur sagen: enjoy the ride. Du meinst, dieses Gefühl, in neue Sphären aufzusteigen, kommt nie wieder? Klar ist das Ziel, größer zu werden und dass so viele Menschen wie möglich meine Musik genießen. Aber meine Prioritäten haben sich verschoben. Ich denke nicht mehr über mich nach. Jetzt ist alles Familie – zu hundert Prozent. Das ist völlig anders als noch vor zehn Jahren, als ich die Freiheit hatte, wild zu sein, feiern zu gehen, jeden Tag zu machen, was ich wollte. Aber nichts ist besser als das, was ich jetzt habe. Du hast über den Coachella-Moment gesagt, dass du eine solche Euphorie seither nie wieder erlebt hast. Wie sieht Euphorie heute aus? Vor kurzem habe ich an einem Abend auf Ibiza ­gespielt, bis sechs Uhr früh, um neun musste ich am Flughafen sein. Ich bin direkt heimgefahren, zumSchlafen war keine Zeit. Meine Tochter ist auf­ gewacht, und wir haben draußen zusammen den Sonnenaufgang angesehen, dann kam meine andere Tochter und hat sich neben mich gekuschelt, meine Frau kam raus, und wir haben einen Kaffee g ­ etrunken. Ich hatte gerade vor 9000 Leuten in einem Club ­gespielt, aber meine Kinder wussten das nicht. Und es wäre ihnen auch egal. Da zu sitzen, mit ihnen, und diesen Sonnenaufgang anzuschauen … das war mit Abstand das euphorischste Gefühl dieser Nacht. Instagram: @followthefishtv THE RED BULLETIN


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MATCH MODE

Jakub Menšík, 21, könnte eine richtig große Karriere vor sich haben. Mental ist der tschechische Tennis­ spieler bereits jetzt unschlagbar. Sein Tipp für innere Ruhe: Kartenspielen. Text Christian Eberle-Abasolo

THE RED BULLETIN


LUKÁŠ WAGNETER/RED BULL CONTENT POOL

TENNIS

Voller Fokus: Jakub Menšík (hier beim Training in Adeje, Teneriffa) hat seine Emotionen perfekt im Griff. THE RED BULLETIN


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Hüne mit Laus­bubenLächeln: Jakub Menšík misst imposante 1,96 Meter.

In der Kraft liegt die Ruhe: Physisches und mentales Training gehören für Menšík zusammen.

Beinarbeit ist Trumpf. Menšík profi­tiert dabei von Leichtathletik in Jugendjahren.

Egal ob Trainings­ einheit oder Tiebreak – der Fokus liegt auf dem nächsten Ball. THE RED BULLETIN


TENNIS

LUKÁŠ WAGNETER/RED BULL CONTENT POOL, JANKASLPHOTO.COM

W

er ein Match von Jakub Menšík verfolgt, bekommt viel zu sehen: knallharte Ser­ vices, dominante Grundlinienschläge und präzise Volleys. Der 1,96-Meter-Hüne aus dem tschechischen Tennismekka Prostějov bringt alles mit, was einen ­modernen Athleten ausmacht. Worauf man bei ihm hingegen warten muss, sind ­Emotionen. Keine geballte Faust, kein aus­gelassener Jubel, keine Frustschreie. ­„Natürlich werde ich im Rahmen eines Matchs auch emotional“, relativiert Menšík. „Ich versuche nur, das nicht nach außen zu kehren – und in Schlüssel­ momenten eiskalt zu bleiben.“ Menšík als kaltherzig darzustellen, wird seinem Charakter aber so gar nicht gerecht. Der 21-Jährige hat ein großes Herz, verbringt die rare Freizeit am liebs­ ten mit Freunden und der ­Familie, tanzt auf TikTok ausgelassen mit seiner Freun­ din und beantwortet im Inter­view so manche Frage mit einem verschmitzten Lächeln. „Ich bin ein freund­licher Mensch und lerne gerne neue Leute kennen, aber wenn ich auf den Platz gehe, bin ich ‚in the zone‘. Dann gibt es nur den Ball und mich.“ Aufgrund seiner reservierten Art steht Menšík oft im Schatten schillernderer Spieler. Als er jüngst mit dem Brasilianer João Fonseca einen davon im FrenchOpen-Viertelfinale eindrucksvoll in drei Sätzen besiegen konnte, war das ­mediale Rampenlicht voll auf Menšík g ­ erichtet. Sein Erfolgslauf in Paris wurde zwar vom späteren Sieger Alexander Zverev

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­ estoppt, die Lobeshymnen der Experten g auf einen kommenden Superstar kannten aber kein Halten. Am meisten imponierte ihnen Menšíks Abgebrühtheit. Seine Ruhe in entscheidenden Momenten, als würde er schon Jahrzehnte auf der Tour spielen. „Als Tennisspieler fühlst du dich oft viel älter“, sagt Menšík, der im Alter von vier Jahren mit dem Sport begonnen hat. „Du bist das Umfeld, das ganze Drum­ herum schon so lange gewohnt.“ Mit zwei Tenniscourts unmittelbar vor der Haus­ tür, einer sportbegeisterten Familie um ihn herum und einem der wichtigsten Nachwuchs­turniere der Welt im Ort war der Weg zum Profi vorgezeichnet. Dass er ihn erfolgreich ­beschreiten konnte, hat stark damit zu tun, dass Menšík dem Mentalen früh denselben Stellenwert wie körper­licher und taktischer Arbeit beigemessen hat. Seit dem Alter von dreizehn Jahren setzt er auf Mentaltraining. Dabei geht es darum, „die ­eigenen Gedanken richtig einordnen zu können“ und Techniken für das Spiel zu erarbeiten. „Ziel ist es, für jede Situa­tion auf dem Platz eine Antwort bereitzu­haben. Das ist ein fortlaufender Prozess.“ Und sehr individuell. „Es gibt kein Uni­versalrezept, wie etwa einen Satz, den ich mir immer wieder aufsage, damit ich mich besser fühle.“ Über die Jahre hat Menšík so ein ­Repertoire an Techniken aufgebaut, die er je nach Bedarf einsetzt: ob beim Auf­ schlag (mit zwölf Assen pro Partie zählt er zu den Top-5 der Welt), nach verlorenen Games oder abseits des Courts. Wie ge­ nau das aussieht, behält er für sich. Nur so viel: „Die Techniken beinhalten Wör­ ter, die ich mir gedanklich vorsage, aber auch Bewegungen, bestimmte Gesten. Meistens geht es darum, mich zu fokus­ sieren, ganz bei mir zu sein.“

Lehre bei Meister Djokovic

Tipps und Kniffe hat sich Menšík nicht nur von Mentaltrainern geholt, sondern auch vom mental stärksten Spieler der Gegenwart: Novak Djokovic. Der Serbe entdeckte Menšík nach dessen Finalniederlage im Juniorenbewerb der Australian Open 2022 und lud ihn zum Training nach Belgrad ein. Seitdem verbindet die beiden eine besondere Beziehung. Diese gipfelte 2025 darin, dass der Schüler seinen Meister schlug. Im Finale des 1000er-Turniers von Miami trium­ phierte Menšík über Djokovic mit 7:6, 7:6. Zweimal im Tiebreak, der ultimati­ ven mentalen Herausforderung. „Gegen mein Idol auf so einer Bühne zu spielen und dann auch noch im Tiebreak zu ge­ winnen, ist ein Traum“, erinnert sich der Sieger. „Novak ist ein absolutes Vorbild. Ich bewundere, wie er mit den schwie­ rigsten Momenten auf dem Platz umgeht. Ich glaube, jeder Spieler möchte dieses Level an Selbstvertrauen und Gelassen­ heit ­unter Druck erreichen.“ Worin er dem 24-fachen Grand-SlamSieger Djokovic mindestens ebenbürtig ist, sind die Ticks. „Vor dem Münzwurf springe ich immer dreimal hoch. Ich muss den Platz unbedingt mit dem rechten Fuß ­zuerst betreten, und nach einem Sieg ver­ suche ich, am nächsten Tag alles exakt ­genauso zu wiederholen – dasselbe Essen, dasselbe Trikot, derselbe Weg zum Platz.“ Dies mag für Außenstehende verrückt klingen, für Tennisspieler sind es bewährte Praktiken, bei all den Reisen und Druck­ situationen Vertrautheit zu erzeugen. „Routinen geben mir etwas, worauf ich mich verlassen kann“, sagt Menšík, ­„besonders in stressigen Momenten.“

„Vor dem Münzwurf springe ich dreimal hoch, den Platz betrete ich immer mit rechts. Routinen geben mir Vertrautheit.“ THE RED BULLETIN


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TENNIS

Jakub Menšík kombiniert explosive Schläge mit stoischer Gelassenheit. Genau das macht ihn so stark.

Wie wertvoll das sein kann, hat er dank seines Bruders früh verstanden. Lukas, drei Jahre älter, ist Autist und für Jakub schon ­immer eine Inspiration. „Das Auf­ wachsen mit ihm hat mir gezeigt, dass Routinen Stabilität, Sicherheit und Ver­ trauen schaffen können. Ich habe ge­ sehen, wie wichtig sie im Alltag für ihn waren. Das hat auch mich geprägt.“

Die „Mental Reset“-Methode

Zu den auffälligsten und auch bewähr­ testen Routinen zählt das gemeinsame Kartenspielen mit Trainer und Betreuern nach den Spielen. „Es ist eine tolle Mög­ lichkeit, zu entspannen, ohne das Gehirn komplett auf Durchzug zu schalten.“ ­Gespielt wird stets dasselbe: „Číča“ (tsche­ chisch „Katze“), ein Spiel, das ähnlich wie das von alten Windows-Computern bekannte „Hearts“ funktioniert. „Karten­ THE RED BULLETIN

spiele halten den Geist aktiv – sie schulen die Konzentration, das Entscheidungs­ vermögen, das Gedächtnis und die Ge­ duld“, so Menšík. „Aber gleichzeitig ist es entspannend, weil man die Zeit mit ­seinem Team genießt. Es ist eine einfache Methode für einen mentalen Reset, bevor es wieder an die Arbeit geht.“ Die „Arbeit“ führt Jakub Menšík im Oktober wieder nach Wien, wo er erstmals bei Red Bull BassLine aufschlagen wird. Er freut sich schon riesig auf das Turnier. Nicht nur, weil dort a ­ usschließlich Tiebreak gespielt wird. „Ich habe nur Gutes über die Atmo­ sphäre gehört und hoffe, dass es richtig laut wird. Ich liebe diese Energie und glaube, Events wie BassLine bringen eine ganz andere Seite der Spieler zum Vorschein.“ Vielleicht sogar einen aus­ gelassenen J­ akub Menšík. Instagram: @mensik.jakub

Sechs Spieler, zwei Gruppen, jeder gegen jeden im Tiebreak-Format: So lässt sich das Turnier in der Wiener Stadthalle am ­einfachsten beschreiben. Zuschauer können interaktiv in die Auslosung ­eingreifen und dank DJ-Sounds ihre Favoriten lautstark anfeuern. Das Line-up ist – bis auf Jakub Menšík – noch nicht fixiert, wird aber garantiert hoch­karätig. Unter den ehema­ligen Red Bull BassLine-Siegern: Carlos Alcaraz (2021) und Alexander Zverev (2023, 2024). Für mehr Infos: QR-Code scannen.

LUKÁŠ WAGNETER/RED BULL CONTENT POOL, MIRJA GEH/RED BULL CONTENT POOL

„Kartenspiele sind eine Möglichkeit, zu entspannen, ohne das Gehirn komplett auf Durchzug zu schalten.“

Red Bull BassLine: Beats & Schläge


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ist seit 2019 Kapitän des EHC Red Bull München und dreifacher DEL-Meister. Der gebürtige Rosenheimer ist Herz und Seele seiner Mannschaft. Auch in der deutschen Nationalmannschaft trägt der 38-Jährige das C auf der Brust. Bei 1,78 Meter Körpergröße wiegt er 83 Kilo.

DOUBLE CHECK THE RED BULLETIN

RED BULL MÜNCHEN/HELGE KIRCHBERGER, EC RED BULL SALZBURG/PATRICK KIRCHBERGER

Patrick Hager


EISHOCKEY

Thomas Raffl

Der 40-Jährige ist eben­ falls seit 2019 Kapitän: bei EC Red Bull Salzburg. Der Hüne hat seine Jungs zu sieben Meistertiteln geführt und zählt zu den produktivsten Spielern der Liga. Bei 1,94 Meter Körper­ größe wiegt er 106 Kilo.

Nach zwei Jahrzehnten und über 1000 Spielen noch immer absolute Leistungsträger: Was die Eishockey-Kapitäne Thomas Raffl und Patrick Hager antreibt. Interview Werner Jessner THE RED BULLETIN


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Thomas Raffl (EC Red Bull Salzburg) gegen Steinbach Black Wings Linz im Jänner in Salzburg

Drei Spiele pro Woche, Auswärtsspiele bis spät in die Nacht, Vollkontakt mit den Gegnern, jeder Shift Vollgas mit Puls am Anschlag: Es gibt wohl keinen Sport, der sowohl körperlich als auch psychisch so anstrengend ist wie Eishockey. Nicht von ungefähr liegt das Durchschnittsalter der Teams deutlich unter 30 Jahren: 28,11 sind es beim EHC Red Bull ­München und gar nur 26,78 beim EC Red Bull Salzburg – und das trotz zweier Spieler, die den Alters­schnitt kräftig nach oben treiben und dennoch jeweils zu den absoluten Leistungs­trägern ihres Vereins zählen. Was motiviert sie, und was können wir für unser Leben daraus mitnehmen? Ein Doppel-Interview in fünf Kapiteln. THE RED BULLETIN


EISHOCKEY

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Kapitel 1:

Hunger

Am besten echt und nachhaltig, dann führt er zum Erfolg.

Thomas raffl

20

Saisonen in der höchsten österreichischen Liga

Patrick Hager (EHC Red Bull München) während eines Spiels im April in München

Patrick Hager

2 20

Saisonen in der höchsten schwedischen Liga

Saisonen in der DEL

783 489

EC RED BULL SALZBURG / GINTARE KARPAVICIUTE, EHC RED BULL MÜNCHEN / CITY-PRESS

Spiele für den EC Red Bull Salzburg in der Liga

Spiele für den EHC Red Bull München in der Liga

73 49

Spiele

für den EC Red Bull Salzburg in der Champions Hockey League

Spiele für den EHC Red Bull München in der Champions Hockey League

142 163

Spiele für das österreichische Nationalteam

Spiele für das deutsche Nationalteam

741 613

Scorerpunkte in der Liga

Scorerpunkte in der Liga

the red bulletin: 1000 Spiele und mehr am ­absoluten Zenit: Geht das allein mit Adrenalin, Härte und schierem Willen? thomas raffl: Keine Chance! Nachhaltiger Erfolg funktioniert nur mit echtem Hunger. Einmaliger ­Erfolg garantiert keinen weiteren – im Gegenteil: Es wird immer schwieriger, weil man sich an Siege gewöhnt und in eine Komfortzone kommt. Aus der muss man sich befreien. Aber wie? raffl: Jeder Einzelne im Team muss mit dem Mindset in den Tag gehen, heute besser zu werden, als er gestern war. So wird man gemeinsam stärker, und man zieht sich gegenseitig. Ihr hattet im Lauf eurer langen Karrieren hunderte Teamkollegen, die längst nicht mehr in der Kabine sind. Was habt ihr anders gemacht? patrick hager: Es sind unterschiedliche Biografien. Die einen hören nach einer Wahnsinnssaison mit 30 Jahren plötzlich auf. Bei anderen reichen Talent oder Motivation nicht unendlich, wieder andere werden in neuen Clubs glücklicher. Langfristiger Erfolg braucht das richtige Umfeld. Als Spieler kannst du in der Kabine einiges abfangen, aber du bist auch ­davon abhängig, dass das Management Charaktere reinbringt, die das Team vorwärtsbringen. Was ist also das Geheimnis? hager: Hunger. Dass nie jemand glaubt: Wir haben schon mal gewonnen, jetzt schau ma mal. Diese Gedanken zu verhindern, ist eine Kunst. Wir beide hatten das Glück, mehrmals Teil hungriger, erfolgreicher Teams gewesen zu sein und unseren Beitrag geleistet zu haben. Es ist einfacher, gut zu sein, wenn die Gruppe rund um einen super ist. THE RED BULLETIN


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EISHOCKEY

Kapitel 2:

Teamgeist

Die Mannschaft trägt dich durch Täler, wenn du mal nicht bei 100 Prozent stehst.

Thomas raffl

Patrick Hager

3 2

Jahre Assistant Captain beim EC Red Bull Salzburg

Jahre Assistant Captain der Kölner Haie

Jahre Captain beim EC Red Bull Salzburg

Jahre Captain des EHC Red Bull München

7 7

THE RED BULLETIN

Kapitel 3:

Physis

Freude am Sieg, nicht Angst vor der Niederlage: Patrick Hager, 38, aus Stuttgart

Training, Verletzungen, Downs: Was hindert, was motiviert? Eishockey wurde zum Ganzjahressport. Wie übersteht der Kopf die Mühen der Ebene, die endlosen Einheiten am Ergometer im Sommer oder in der Kraftkammer, während andere im Freibad liegen? Das wäre doch auch eine reizvolle Möglichkeit in eurem Alter … raffl: Wenn das Freibad verlockender klingt als die Chance auf Erfolg, ist es Zeit, die Schlittschuhe an den Nagel zu hängen. Mein Feuer brennt heute bei jedem Vorbereitungscamp so hell wie als Teenager. In Wahr­ heit ist das meine Lieblingszeit im Jahr: wenn einem Dinge, die im Dezember leicht sind, noch schwerfallen. Wenn sich das Team findet. Wenn man aus der Kom­ fortzone geht, auch Fehler begeht und das durch­ macht, was einem später in der Saison helfen wird.

EC RED BULL SALZBURG/PATRICK KIRCHBERGER, RED BULL MÜNCHEN/HELGE KIRCHBERGER

Ist es für Einzelplayer – sagen wir Roger Federer, Lewis Hamilton oder Marc Márquez – einfacher oder schwieriger, jahrzehntelang an der Spitze zu bleiben, als für euch Teamsportler? raffl: Ich glaube, die wachsen da auf ihre Art rein und lernen, ihre Teams um sich zu nutzen. Wir Eis­ hockeyspieler haben tatsächlich den Vorteil, nicht immer auf 100 Prozent sein zu müssen, weil uns das Team durch Täler trägt. Natürlich willst du immer 100 Prozent geben, aber oftmals hindern uns äußere Faktoren – zum Beispiel Blessuren –, bloß fällt es nicht auf, wenn das Kollektiv funktioniert und man einen gemeinsamen Plan verfolgt. hager: Wer, wie Federer früher, Jahr für Jahr in ­einem Grand-Slam-Finale steht, der nimmt vielleicht eine Niederlage nicht mehr so tragisch, weil er die Situa­tion bereits erlebt hat. Ich kenne das aus unserem Sport: Es gibt immer wieder Spieler, die Finals ver­ loren haben und in den Playoffs unter diesem erhöh­ ten Druck einknicken. Daher ist es umso wichtiger, Erfolg einmal am eigenen Leib erlebt zu haben. Der Adrenalinkick eines Sieges ist nicht zu unterschätzen. Einzelsportler zehren vermutlich genau davon. Wir im Team können darauf zählen, dass andere voran­ gehen, wenn es persönlich mal nicht so läuft. Und beim nächsten Mal ist man wieder selbst der Leader. Ich kann da vermutlich auch für Thomas sprechen: Wir stellen die Freude am Sieg in den Vordergrund, nicht die Angst, eventuell verlieren zu können.


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„Die Frage nach dem Aufhören stellt sich nicht“: Thomas Raffl, 40, aus Villach

hager: Im Sommer merkst du, ob du es noch draufhast und mit den Jungen mithalten kannst. Ich trainiere gern auf eigene Faust, weil ich meinen Körper mittlerweile sehr gut kenne. Die Gier, in der Früh auf die Laufbahn zu gehen oder aufs Fahrrad zu steigen, ist unverändert. Mir muss keiner sagen, dass ich noch zwei 400-Meter-Intervalle laufen soll, auch wenn die Beine brennen. Das weiß ich schon selbst – und es zeigt mir, dass ich bereit bin, noch eine Saison ­anzuhängen. Verletzungen waren nie ein Hindernis? hager: Es gehört Glück dazu, verletzungsarm durch die Saison zu kommen – je älter man wird, desto mehr. Aber professionelle körperliche Vorbereitung hilft, das Risiko zu minimieren. Gerade wir zwei sind gute Beispiele dafür, achtsam mit unserem Körper umzugehen. Wenn wir zusätzlich zur Meisterschaft Champions Hockey League, WM oder Olympische Spiele absolvieren, kommen 90, 95 Spiele im Jahr zusammen. Danach hast du sechs Wochen Sommerpause. Wer fünf davon auf der faulen Haut liegt und erst danach wieder ins Training einsteigt, kann schon auf den Tag warten, an dem es „Peng!“ macht und die Saison ­vorüber ist. Disziplin ist ein wichtiger Faktor, wenn du langfristig auf unserem Niveau bleiben willst.

THOMAS RAFFL

6–8

Stunden Ergometer, 210 Watt Grundlagenausdauer

Patrick Hager

Wie Thomas Raffl und zusätzlich:

7–8 8–10

Stunden Krafttraining

einbeinige Kniebeugen mit 80 Kilo

3–4 105

Stunden Eistraining

Zentimeter einbeiniger Box Jump

400 20

Watt (plus) Auslastung Ergometer

Klimmzüge

Thomas, dein Platz ist direkt vor dem Tor, wo dich die Gegner physisch mit ihren Schlägern ­bearbeiten, oft auch mit unfairen Mitteln. Hast du keine Sekunde lang gedacht: Jetzt reicht’s, ich gehe heim? raffl: Mir taugt das irgendwie. Es ist den Preis wert. Es gibt Situationen, die man zu lieben lernt. Mit dem Aufhören war es bloß vor zwei Jahren knapp, als ich eine Gehirnerschütterung hatte und wochenlang nicht mehr scharf sehen konnte. Da beginnst du zu grübeln, aber dank des professionellen Umfelds war bald ein Ausweg erkennbar. So hat sich die Frage des Auf­ hörens nicht lang gestellt. Mein Kieferbruch in Übersee war ein Kratzer im Vergleich dazu. Ist intrinsische Motivation also der Schlüssel zu einer langen Karriere? hager: Zu 100 Prozent. Die Trainer können dir noch so viele Motivationssprüche an die Wand schreiben: Wenn du dich nicht selbst quälen magst und einen Weg findest, das zu genießen, wirst du nicht lange erfolgreich sein. THE RED BULLETIN


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Ablaufplan Auswärtsspiel Anreise am Vortag: 13–17 Uhr Walking, Mobilisierung, Stretching: 17.30–18 Uhr Dinner: 18.30–19.30 Uhr Teammeeting: 19.45–20.15 Uhr

Spieltag

Frühstück: 8–9 Uhr Warm-up: 10–10.30 Uhr Pre-Game Skate: 10.45–11.15 Uhr Lunch: 12–13 Uhr Nap: 13–16 Uhr Snack: 16–16.30 Uhr Teammeeting: 16.45–17 Uhr

Transfer zum Stadion

Warm-up Off-Ice: 18.30 Uhr Warm-up On-Ice: 19.20 Uhr Spiel: 20 Uhr Cooldown: 22.30–22.50 Uhr

Abfahrt nach Hause

Thomas Raffl, der Ex-Individualist: „Jede Karriere braucht den Support der Familie“.

Kapitel 4:

Routine

Wie der Weg der Motivator sein kann. Habt ihr gelernt, auch den Alltag zu lieben, die Stimmung in der Kabine, die Routine beim Anziehen? raffl: Das Anziehen nicht, das gehört für mich zu den lästigeren Teilen. Ich hatte das Glück, dass mein Erfolg zum richtigen Zeitpunkt gekommen ist und sich positive Routinen etabliert haben. Im Spitzensport investiert man ohne Garantie, dass es jemals zurückkommt. Ich kann mich glücklich schätzen, dass meine Anstrengungen regelmäßig belohnt wurden. THE RED BULLETIN

Wie setzt man sich neue Ziele, wenn man schon so viele erreicht hat? hager: Wir sind 2023 zum letzten Mal Meister geworden, haben bereits eine Durststrecke hinter uns. Dazu kommt die neue Arena, in der wir noch nichts gewonnen haben. Die Chance, hier den Pokal in die Luft zu stemmen, elektrisiert die ganze Gruppe. raffl: Bei mir ist das anders. Ich habe nie an Titel oder Rekorde gedacht. Für mich ist der Weg dorthin der Motivator. Der ist unglaublich aufregend. Eine Meisterschaft feiert man zwei Wochen lang, dann ist es auch wieder gut, und der Pfad beginnt von vorn in all seiner Schönheit, mit allen Entbehrungen und Belohnungen. Für mich hat sich nichts geändert, seit ich dreißig bin: Das Umfeld, der Lifestyle sind gleich, und ich liebe es. Ich genieße mit vierzig das Privileg, ein Jugendlicher sein zu dürfen. Wie schafft ihr es, in eurem Alter mit den Jungen mitzuhalten? raffl: Manches kannst du mit 26 Jahren noch nicht erlebt haben. Dieser Erfahrungsschatz ist unser Vorteil. Eishockey wird besser und professioneller. Ich will und muss von den Jungen täglich Sachen ­abschauen, um mit ihnen mithalten zu können. Mit meinen Erfahrungen von vor 15 Jahren kann ich ­heute nichts mehr anfangen. hager: Als Jugendlicher habe ich gelernt, Stürmer in der Ecke an die Bande zu nageln und erst wieder loszulassen, wenn der Puck weg ist. Das ist vorbei. Das Spiel ist so viel schneller geworden. Wir müssen uns an eine Generation anpassen, die in der Akademie als Teenager so gut trainiert wird, wie wir erst als wir Profis wurden. Aber du kannst so viel Erfahrung haben, wie du magst: Sobald du körperlich hinterherläufst, ist die Karriere vorbei.

EC RED BULL SALZBURG/PATRICK KIRCHBERGER, RED BULL MÜNCHEN/HELGE KIRCHBERGER

Ankunft: zwischen 1 und 4 Uhr, danach individuelle Heimreise


EISHOCKEY

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Der dreifache Familienvater Patrick Hager kann sich auf sein Umfeld verlassen.

Kapitel 5:

Umfeld

Fokussiere immer auf dein Team, nie auf dich selbst!

Thomas raffl Patrick hager Instagram

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hat

3 Kinder

Wer entscheidet jeweils, ob ihr noch ein Jahr anhängt? raffl: Natürlich ist die Familie involviert. Die hat oberste Priorität. Ich bin zweifacher Vater und nicht mehr der Individualist von früher. Jede lange Karriere braucht die Unterstützung der Familie. hager: Ich habe drei Kinder. Würde die Familie nicht mitmachen, wäre es extrem schwierig. Wir haben das Glück, zwischen Salzburg und München zu wohnen, da sind Oma und Opa nicht weit. Wir fühlen uns ­ex­trem wohl in unserem Setting. Das hat es einfacher gemacht, Jahr für Jahr weiterzumachen. Was könnt ihr Akademie-Spielern mitgeben, die so lange Zeit erfolgreich sein möchten wie ihr? raffl: Das ist der falsche Ansatz. Mit fünfzehn hast du keine Ahnung, wie sich dein Leben bis vierzig entwickeln wird. Ich würde sagen: Versuche jedes Jahr besser zu werden. Hab Spaß daran, dich zu pushen. Junge spüren heute aufgrund der Professionalisierung mehr Druck als wir damals. Nicht von ungefähr wurde mentale Gesundheit vermehrt zum Thema. Aber am Ende des Tages ist vieles Charaktersache und jeder seines eigenen Glückes Schmied. hager: Die Kids heute sind international vernetzt und wissen genau Bescheid, wo sie auf einer globalen Skala stehen. Mein Tipp wäre: Konzentriere dich auf dich selbst, mach deine Fehler, korrigiere sie und fokussiere auf dein Team, nicht auf dich selbst. Ich habe viele Top-Talente kommen und gehen sehen. Langfristig haben sich aber jene Spielertypen durch-

gesetzt, die Schritt für Schritt gegangen sind, auch einmal kleinere Rollen akzeptiert und sich bei Gegenwind durchgebissen haben. Wie hat sich eure Rolle im Team geändert? raffl: Mit zwanzig willst du der sein, der die Tore schießt. Heute mache ich alles, was das Team besser macht. Ich bin mir für keine Drecksarbeit zu schade. Ich möchte als einer der Jungs behandelt werden, nicht als etwas Besonderes. Nur so fühle ich mich in einem Team wohl. hager: Dem gibt es nichts hinzuzufügen. Letzte ­Saison habe ich in der vierten Linie mit zwei jungen Spielern an meiner Seite begonnen. Erst wegen ­einer Verletzungsserie im Team musste ich später auch ­andere Rollen ausfüllen. Je mehr Erfahrung, desto vielfältiger bist du einsetzbar. Zusätzlich ­ent­wickelt sich mit den Jahren die Kapazität, das ­große Gesamte im Blick zu behalten und nicht nur auf sich selbst zu schauen. Die Toolbox wächst mit dem Alter? raffl: Mit Sicherheit. hager: Auf dem Eis – aber generell im Leben.

Hier geht es zu „RAFFL – The Captain’s Code“ auf redbull.tv THE RED BULLETIN


Text Michael Moorstedt Illustrationen Fries Vansevenant

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Wir laufen und liften, springen und strampeln. Aber was genau löst das in dir aus? Und wie kannst du die Effekte steigern? Eine Reise in die faszinierendste Maschine der Welt: deinen Körper.

Das Gehirn ist kein Muskel. Und trotzdem beginnt jedes ­Workout im Kopf. Noch bevor du die erste Hantel angreifst, schaltet dein Denkorgan den Körper in den Leistungsmodus – und auch sich selbst um. Die neuronale Aktivität verlagert sich weg vom frontalen Cortex, wo du normalerweise grübelst, planst, kontrollierst. Ein Hard Reset für den Zwischenspeicher. Deshalb fühlt sich der Kopf nach dem Sport klarer an als vorher – weil er es t ­ atsächlich ist. Das Kommando übernimmt jetzt der Motorcortex, zuständig für komplexe Bewegungen. Die Neuronen feuern, die Nebenniere flutet das Blut mit Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol. Stresshormone – klingt übel, ist aber genau das, was du brauchst. Du kennst den Effekt: dieser ­Moment im Sprint, wenn plötzlich alles wegfällt. Hunger, Schmerz, der blöde Tag im Büro – gelöscht. Dein Körper fährt ein Programm hoch, das älter ist als jede Zivilisa­tion und das kurzzeitig Höchst­leistungen ermöglicht. Wer sich dieser THE RED BULLETIN

Hormondusche regelmäßig aussetzt, trainiert nicht nur ­Muskeln, sondern auch sein ­Nervensystem. Belastbarkeit ist keine Charaktereigenschaft. Sie ist ein Trainingseffekt. ­Außerdem schüttet das Gehirn noch Dopamin und Endorphine aus, quasi körpereigene Schmerz­stiller. Die sind verantwortlich für das Gefühl, dass die Welt nach dem Training irgendwie in Ordnung ist. Der System-Hack: Wer sich pusht, für den hat der Körper ein besonderes Schmankerl: Endocannabinoide, körpereigene Lipide, die dem Wirkstoff von Marihuana chemisch verblüffend ähneln – die wahrscheinlichste Erklärung für das Runner’s High. Dafür solltest du mindestens 30 bis 45 Minuten bei 70 bis 80 Prozent der maximalen Herzfrequenz trainieren – du kannst noch sprechen, aber es wird langsam anstrengend.


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Durch den Nachbrenneffekt verbrauchst du Kalorien ohne Training – bis zu 38 Stunden lang nach jedem Workout.

Auch im Stillstand verbraucht dein Körper permanent Energie. Dieser Grundumsatz hält die Vitalfunktionen am Laufen: Atmung, Körpertemperatur, Herzschlag, Hirnaktivität. Überschüssige Energie, die du aufnimmst, landet auf den Hüften – ein normalgewichtiger Mensch trägt bis zu 100.000 Kilokalorien in Form von Fettschichten mit sich herum. Das ist der Reservetank. Erst wenn du ihn ­forderst, schaltet die Körper-Maschine vom Speicher- in den Verbrauchsmodus. Was dann passiert, ist eine Kettenreaktion. Voraussetzung für jede Muskelkontraktion ist der Energie­ träger Adenosintriphosphat, kurz ATP. Das Problem: In den Zellen sind nur winzige Mengen davon vorhanden, die sind nach wenigen Sekunden aufgebraucht. Also muss ATP ständig neu gebildet werden – aus Kohlenhydraten und Fett. Welches Reservoir der Körper anzapft, hängt davon ab, wie du trainierst. Bei kurzen, intensiven Einheiten verbrennt er vor allem schnell verfügbares Glykogen. Bei längeren, moderaten Laufrunden greift er auf den Fettstoffwechsel zurück. Übrigens: Während einer Trainingsphase Diät zu halten, kann kontraproduktiv sein. „Warum sollte der Körper Muskeln aufbauen, wenn er sich in einem kalorischen Defizit befindet?“, sagt Prof. Dr. Stephan Geisler, der an der ISTHochschule Düsseldorf lehrt. Der „Calorie Gap“ dürfe maximal 300 Kalorien betragen.

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Der System-Hack: Kalorien verbrennen ohne Training – klingt zu gut, um wahr zu sein? Durch den Nachbrenneffekt (Excess Post-exercise Oxygen ­Consumption / EPOC) passiert genau das nach jedem Workout, bis zu 38 Stunden lang. ­Anaerobes Training mit hoher Intensität, etwa HIIT, erzeugt dabei einen deutlich höheren Nachbrenneffekt als aerobes Training mit gleichem Aufwand.


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Jeder Motor erzeugt Abwärme – deiner auch. Während des ­Trainings steigt die Körper­ temperatur auf bis zu 39 Grad. „Aber weil die Maschine darauf geeicht ist, eine Temp­eratur von 37 Grad zu halten“, wie Geisler erklärt, springt dann die Klima­ anlage an: Rund zwei Millionen Schweißdrüsen sondern ein ­salzhaltiges Sekret ab, dessen ­Verdunstung auf der Haut den Körper kühlt. Ein mäßig ambitio­ nierter Freizeitsportler ver­ liert so rund einen Liter Wasser

pro Stunde. Gleichzeitig fährt das parasympathische Nerven­ system die inneren Organe her­ unter – Magen, Darm, alles nicht akut Überlebenswichtige wird gedrosselt. Denn jetzt passiert etwas Drastisches: Bis zu 90 Prozent des Bluts, das dein Herz pumpt, fließen in die ­Skelettmuskeln. Kapillaren ­versorgen die Fasern mit Sauer­ stoff und Energie, und je regel­ mäßiger du trainierst, desto dichter wird dieses Netz – der Körper baut neue Versorgungs­ wege. Die Anstrengung trainiert auch deinen wichtigsten Muskel: das Herz. Pro Minute kann es bei Ausdauersportlern bis zu 35 Liter Blut durch den Körper pumpen – bei Untrainierten maximal 20. Und es verändert sich nicht nur die Leistung, sondern auch das Blut selbst: Die Konzentration von HDL steigt – jenem Protein, das überschüssiges Cholesterin aus den Arterien räumt. Das ­Risiko für Gefäßerkrankungen sinkt deutlich. Der System-Hack: Gerade bei Ausdauerdisziplinen neigen Sportler dazu, zu viel zu trinken – der Elektrolyt­ haushalt gerät aus der Balance. Die Faustregel: Nicht mehr als 80 Prozent des Flüssig­ keitsverlusts ersetzen.

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Dritte Runde Kniebeugen, die Oberschenkel glühen. Was jetzt passiert, ist Ingenieurskunst: Über 650 Muskeln arbeiten in deinem Körper, kein einziger allein. Jede Bewegung ist ein Zusammenspiel aus Agonist und Antagonist. Beim Bizepscurl zieht der Bizeps den Arm an, während der Trizeps kontrolliert nachgibt. Wer zum ersten Mal eine Langhantel hebt, dessen Neuronen feuern in den Muskeln

wild und unkoordiniert – und es fühlt sich falsch an. Aber die Muskeln lernen. „Der erste Trainingseffekt entsteht, weil das Nervensystem die Bewegung optimiert“, sagt Prof. Dr. Ste­ phan Geisler – mehr Muskel­ einheiten werden synchron rekrutiert, Muskeln arbeiten zusammen, die Kraft wächst, ob­ wohl der Muskel noch nicht ge­ wachsen ist. Dann, nach Monaten, passiert etwas Frustrierendes: nichts. Du trainierst gleich hart, aber die Effekte stagnie­ ren allmählich. „Trainings­ fortschritte verlaufen nicht linear“, sagt Professor Geisler. Dein Körper hat sich angepasst und sieht keinen Grund, stärker zu werden. Geisler rät: „Das ­Effektivste ist Abwechslung – ab und zu muss man den Körper überrumpeln.“ Andere Übungen, mehr Gewicht, veränderte Wieder­ holungszahlen – die Maschine braucht Variation, um stärker zu werden. Dass Training Spuren hinterlässt, ist normal. Muskel­ kater entsteht durch mikro­ skopisch kleine Risse in den ­Fasern. Laktat sammelt sich bei intensiver Belastung an und übersäuert den Muskel – das bekannte Brennen. Ein bisschen Quälen ist erlaubt. Bei plötz­ lichen Schmerzen ist es Zeit ­aufzuhören. Dein System-Hack: Übertraining ist keine Ausrede von Quittern, sondern ein ­reales Syndrom, das hirn­ physiologisch dem Burnout ­ähnelt. Wer sich keine Pausen gönnt, riskiert, dass der Körper ­Muskelproteine zur Energie­gewinnung abbaut. Die Folge: Leistungsverlust trotz harten Trainings.

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Nach intensiven Einheiten ist der Körper besonders bereit für neue Belastungen – und wird dadurch stärker.

Der Tag danach. Du liegst auf der Couch, die Beine schwer, der Körper still. Und das ist gut so: Denn genau jetzt passiert das Entscheidende. In keinem guten Trainingsplan darf der Rest Day fehlen. Obwohl du ruhst, steht die Maschine nicht still. Der Körper wechselt vom katabolen in einen anabolen Zustand: Risse in den Muskelfasern werden repariert, und zwar so, dass die Muskeln ­stärker nachwachsen als zuvor. Gleichzeitig produzieren sie Myokine, Botenstoffe, die Entzündungen lindern. Glykogenreserven werden nachgeladen, Cortisol sinkt, die Spiegel von Testosteron und Wachstumshormon HGH steigen. Obwohl alles ruhig erscheint, läuft die Maschine auf Hochtouren. Und was kippen wir jetzt rein? Dein Instagram-Feed hat die Antwort: Proteinshakes, BCAAs, Kreatin, ­Magnesium – die Supplement-Industrie verspricht Abkürzungen für alles. Die Wahrheit ist nüchterner. Wer sich ausgewogen ernährt, deckt den Großteil über normale Ernährung. „Etwa 90 Prozent des Trainingseffekts ent­ stehen durch die körperliche Betätigung und mechanische Muskelreize“, sagt Geisler.

Kreatin ist einer der wenigen Stoffe mit gut belegter Wirkung. Protein-Supplements können sinnvoll sein, wenn der Bedarf von 1,6 bis 2,2 Gramm pro Kilo Körpergewicht anders schwer zu erreichen ist. Und die BCAAs, die der durchtrainierte Influencer in die Kamera hält? Bei ausreichender Proteinzufuhr überflüssig. Die beste Investition nach dem Training bleibt: Schlaf, echtes Essen, Geduld. Der System-Hack: Als Faustregel werden 48 bis 72 Stunden ­Pause zwischen intensiven Einheiten emp­ fohlen. Entscheidend ist das Timing: In der sogenannten Superkompensationsphase ist der Körper besonders bereit für neue Belastungen – und wird dadurch stärker. Wer zu früh nachlegt, bremst die Anpassung. Wer zu lange wartet, verschenkt das Fenster. THE RED BULLETIN


Text Jessica Holland Fotos Amanda Fordyce

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STYLING: ROSIE SYKES, HAARE UND MAKE-UP: MARSHA RYAN PHOTOGRAPHER WRITER ILLUSTRATOR

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HIP-HOP Mit drei brachte ihr ein Onkel das Rappen bei, mit zwanzig landete sie mit „Bong Bing“ ihren ersten viralen Hit: The Red Bulletin traf Cristale zum Fotoshoot in Brixton.

Ihr Rap ist hart und düster, ihre Lyrics rasiermesserscharf: Cristale De’Abreu ist der aufgehende Stern der britischen Hip-Hop-Szene. Aufgewachsen im toughen Arbeiterbezirk Brixton, hat die Musikerin und Schauspielerin eines gelernt: mehr zu wollen.

CRISTALE CLEAR THE RED BULLETIN


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as Video zu ihrem Track „Regular Citizen“ zeigt Cristale De’Abreu in einem alt­ modischen Süßwarenladen, um­geben von bunten Glasgefäßen. „Life’s good, but I want more“, singt die Rapperin aus South London und legt dann nach: „I love what I have, but I want way more.“ Das sind mehr als ehrgeizige RapLyrics. Doch wer um die Atemlosigkeit in Cristales bisherigem Leben weiß, hat wenig Zweifel, dass dieses „more“ kommen wird. Mit 25 Jahren hat Cristale De’Abreu Träume verwirklicht, die andere ihr ­Leben lang verfolgen: Sie spielte Fußball, studierte Illustration an der ­University of the Arts London, gewann Poetry Slams und stand für eine Streaming-­ Serie vor Kameras. Jetzt ist Musik dran. Und das auf ihre e­ igene Art: Cristale lie­ fert rasiermesserscharfe Wortspiele und konstruiert komplexe Reimgebilde über harten Londoner Drill genauso selbst­ verständlich wie über karibischen Dance­ hall. Toddla T, der Produzent hinter ­Musikern wie Stormzy oder der Hip-HopFormation Kneecap, b ­ ezeichnete sie ­letztes Jahr in seinem Podcast als „baby GOAT“ und sagte: „Es gibt im Rap eine Richtung, die man kaum noch hört – das reine Handwerk mit ­Sprache. Wenn ich Cristale höre, erinnere ich mich daran, warum ich dieses Genre so liebe.“ Insider begeistert Cristale schon län­ ger. Ein breites Publikum erreichte sie mit ihrer Schauspiel- und Rap-Rolle in der dritten Staffel der Netflix-Hit­serie THE RED BULLETIN

„Top Boy“ (2023) – dort performte sie ­ihren Track „Roadents“ – sowie einer ­Nominierung als Best Hip Hop Act bei den diesjährigen MOBO Awards, dem wichtigsten britischen Preis für Hip-Hop und Black Music. Jetzt ­be­reitet sie ein Mixtape vor: ihre ­erste größere Eigen­ veröffentlichung.

A

n einem Dienstag sitzt Cristale in einem Café in Brixton, schwarzer Trainingsanzug, heiße Schoko­ lade und ohne ihre vergoldeten Zahn­ kappen, den Grills, ihrem Markenzeichen. Niemand würde sie auf den ersten Blick für einen aufgehenden Stern der briti­ schen Rap­szene halten. „Wer mich kennt“, sagt sie mit ruhiger, klarer Stimme, „der weiß, dass ich zu viel mehr fähig bin als zu dem, was ich bisher gemacht habe. Es fühlt sich an, als würde ich erst am Anfang stehen. Und als würde etwas viel, viel Größeres noch kommen.“ Cristale macht ihr Ding. „Ich will mir nicht das Leben von jemand anderem ­anschauen und sagen: ‚Das will ich auch.‘ Damit verbaue ich mir vielleicht meinen eigenen Weg“, sagt sie. Eine kleine Aus­ nahme von dieser Regel gestattet sie sich dennoch: Cristale hat großen Respekt vor der Musikerin Little Simz, der einzigen Frau, die in mehr als zwei Jahrzehnten den MOBO Award als Best Hip Hop Act gewonnen hat. Der Respekt beruht auf Gegenseitig­ keit: Simz hatte Cristale vor der AwardVerleihung Glück gewünscht – und ihr

TANKTOP: ARKET; SHORTS: STONE ISLAND; SOCKEN: NIKE; SCHUHE: NIKE SHOX; SCHMUCK: CRISTALE’S OWN

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TOPIC HIP-HOP

Wortspiele in atemraubendem Tempo: Das ist der Kern von Cristales zwischen Rap, Dancehall und Grime angesiedelter Musik.

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„MAN PROPHEZEITE MIR, DASS ICH MIT SIEBZEHN ALLEIN­ ERZIEHENDE MUTTER SEIN WÜRDE.“ THE RED BULLETIN


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„ICH SAGE IMMER: ‚LITTLE SIMZ WACKELT NICHT MIT DEM HINTERN – WARUM SOLLTE ICH DAS ALSO TUN?‘“

hinterher gratuliert. „Als ich anfing, habe ich immer gesagt: ‚Little Simz wackelt nicht mit dem Hintern – warum sollte ich das tun?‘“, erzählt ­Cristale. „Sie hat so viel erreicht, ohne sich zu verstecken. Wer sagt, dass ich nicht genauso weit ­gehen kann – vielleicht sogar noch weiter –, ohne meine Überzeugungen aufzu­ geben?“ Cristale rappt Drill – eine harte, düs­ tere Version des Rap, die in London groß ­wurde. Aber sie bringt etwas rein, das in diesem Genre selten ist: Verletzlichkeit. Im Track „Antisocial“, den sie bei den MOBO Awards 2024 performte, spricht sie über ihre ziemlich behütete Kindheit, darüber, dass sie nicht zu Black-LivesMatter-Protesten durfte, und darüber, wie unbeholfen sie sich auf Partys fühlt. ­Zwischendurch zitiert sie US-Schriftsteller und Nobelpreisträger John Steinbeck.

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ristales Single „Ready 2 Go“ hat eine spielerische, unaufgeregte Energie. „I drink San Pellegrino“, rappt sie trocken. „If life gimme lemons, I’ll make a mojito.“ 2023 wurden sie und die ebenfalls aufstrebende MC TeeZandos im Internet als Rivalinnen aufgebaut. Dass die Szene von Männern dominiert wird, mag dabei eine Rolle gespielt haben. Doch anstatt das Konkurrenz-Narrativ zu bedienen, entschied sich Cristale zur ­Zusammenarbeit. „Man hat versucht, uns gegeneinander auszuspielen“, sagt sie. „Wir haben uns eines Tages getroffen und sind ins Studio gegangen, einfach um sicher­zugehen, dass alles cool ist – und daraus ist etwas richtig Starkes entstanden.“ Das gemeinsame Freestyle-­ Video für die YouTube-Reihe „Plugged In“ wurde über zwölf Millionen Mal an­ gesehen. „Ich habe keine Clique in der Musik“, sagt Cristale. „Ich gehe meinen Weg allein. Manchmal fühlt sich das nach ­Außenseiterin an – aber ich bin daran gewöhnt.“ Cristale wuchs in Brixton auf, einem Londoner Stadtteil mit starker afrokari­ THE RED BULLETIN

bischer Community, in einem Haushalt mit karibischen Wurzeln – Dancehall, USHip-Hop und UK-Grime liefen im Hintergrund. Mit drei Jahren brachte ihr ein Onkel das Rappen bei. Er schrieb ihr erste Zeilen. Sie lauteten: „My name’s Cristale but I haven’t had a sip“, Cristale gewann damit mehrere Schultalentshows. Doch eigentlich wollte sie ja Fußballerin werden. Mit vierzehn wurde sie von Crystal Palace FC gescoutet, trainierte mit ProfiAmbi­tionen in den Nachwuchsteams der Sechzehn- und Achtzehnjährigen. Dann der Querpass ins akademisch-künstlerische Fach: Sie studierte Illustration an der University of the Arts London. „Viele Leute haben meiner Mutter und mir gesagt, ich würde nie ­etwas erreichen“, sagt sie. „Wegen meiner Herkunft aus Brixton. Man prophezeite mir, dass ich mit siebzehn alleinerziehende Mutter sein würde. Tatsächlich habe ich mit siebzehn meine A-Levels (die britische Matura; Anm.) gemacht.“ Eine vorübergehende Trennung von ihrem langjährigen Freund zu Beginn der Oberstufe brachte sie zu ihren ersten Freestyles. Sie legte ihre Zeilen über ­Drakes Track „From Time“ und postete das Ergebnis auf Instagram. Sie nahm ­erste Tracks im Studio auf und drehte ­Videos für YouTube – übrigens auf An­ raten ihres Vaters. Die Szene wurde schnell aufmerksam. Als Erster meldete sich der Rapper Temz aus Leeds für eine Kolla­boration, kurz darauf kam das An­ gebot, bei 4ZA zu signen, einer neuen ­britischen Label-Partnerschaft zwischen Sony Music und Black Butter Records.

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nfang 2022 nahm sie mit dem ­jamaikanischen Dancehall-Star Laa Lee den Track „Bong Bing“ auf – und rappte erstmals im jamaikanischen Patois statt in ihrem eigenen Londoner Akzent. Cristales Freund ist Tänzer. Bei einer Spätnacht-Gym-Session improvisierten sie ein paar einfache Moves zum Song und nahmen das Ganze in wenigen

VIER TRACKS, DIE CRISTALE GEPRÄGT HABEN CHIP – COWARD (2015) „Die Instrumentation und diese Art, sich im Rhythmus zu bewegen – das hat mich schon als Kind fasziniert.“ BUJU BANTON – BOGLE (1992) „Meine Mutter hörte diesen Song schon, bevor ich geboren war. Man kann sagen: Als ich ‚Bong Bing‘ gemacht habe, wusste ich unbe­ wusst, wie man einen Tanzsong baut.“ BUSTA RHYMES – PUT YOUR HANDS WHERE MY EYES COULD SEE (1997) „Der Rhythmus, die Energie, der Flow, wie die Atmung bei dem Song kontrolliert wird – alles daran ist wahn­ sinnig inspirierend.“ LAURYN HILL – NOTHING EVEN ­MATTERS (FEAT. D’ANGELO) (1998) „‚The Miseducation of Lauryn Hill‘ ist mein Lieblingsalbum aller ­Zeiten. Dieser Track erdet mich besonders.“


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Drill ist eine härtere Version von Rap. Cristale verleiht dem Stil mit ihrer Verletzlichkeit eine ganz eigene Note.

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Abends ist sie im Gym und nimmt ein Video auf, das sie am nächsten Tag postet: Als Cristale das nächste Mal auf ihr Handy schaut, hat das Video zu „Bong Bing“ 100.000 Aufrufe. THE RED BULLETIN

TRAININGSANZUG: NIKE; TANKTOP: ARKET; SCHUHE: NIKE SHOX; SCHMUCK: CRISTALE’S OWN

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„DER SONG ‚BONG BING‘ HAT MEIN LEBEN VERÄNDERT. BIS DAHIN HABE ICH AN MICH GEGLAUBT – ABER NICHT DARAN, DASS ANDERE DAS AUCH TUN.“

RISE & SHINE CRISTALES WEG 2020 Erste Studioaufnahme 2021 Unterschreibt beim Label 4ZA 2022 Viraler Hit „Bong Bing“; MOBO-Nominierung als Best Newcomer 2023 Schreibt den Song „Roadents“ für die Serie „Top Boy“

2024 Rolle im dystopischen Sci-Fi-Film „The Kitchen“ (oben) 2025 MOBO-Nominierung als Best Hip Hop Act 2026 Debüt-Mixtape

Video-Takes auf. Cristale postete den Clip beiläufig am nächsten Tag, während sie ihrer Großmutter die Haare flocht. Als sie das nächste Mal auf ihr Handy blickte, hatte das Video 100.000 Aufrufe. C ­ ristales erster viraler Hit entstand zwischen Gym und Haareflechten. Bald war das Internet voll von Leuten, die eigene V ­ ersionen des Tanzes hoch­ luden – von einem Pärchen vor einer ägyptischen ­Pyramide bis hin zu US-TV-Star Raven-­Symoné in ihrem Wohnzimmer. Influencer posteten „Bong Bing“-DanceTuto­rials. Bis heute wurde der Track in mehr als ­einer halben Million TikTok-­ Videos verwendet und hat über elf Mil­ lionen Streams auf Spotify. „Es war so crazy“, sagt Cristale. „Dieser Song hat mein ­Leben verändert. Bis dahin habe ich an mich geglaubt – aber nicht daran, dass andere das auch tun würden.“ Seitdem überschlagen sich die Ereignisse. Im Juni 2022 erschien Cristales ­Debüt-EP „What It’s Like to Be Young“, es folgten Festivalauftritte in London, New York und Jamaika, Ende des Jahres eine MOBO-Nominierung als Best New­ comer. Und dann kam das Kino: Sie spielte im dystopischen Thriller „The Kitchen“, ­inszeniert von Oscar-Preisträger Daniel ­Kaluuya. Und dann „Top Boy“: Der Music Supervisor der Netflix-Serie lud sie ein, einen Track zu schreiben. Cristale ging in ihr Zimmer, spielte einen Loop auf dem Laptop ab und kam mit einem harten, schnellen Track voller Wortspiele ­heraus – „es war einer der härtesten, die ich je gemacht habe“. „Roadents“ lan­dete in Epi­ sode zwei der dritten Staffel. Heute kennt das Publikum bei Liveauftritten j­ eden Text auswendig. „Das erste Mal, als das passierte“, sagt sie, „war ich geschockt.“ „Mein jüngeres Ich würde das alles meinem heutigen Ich nicht glauben“, sagt Cristale. „Sie würde nicht glauben, dass sie Grills hat. Sie würde nicht glauben, dass sie auf Plakatwänden zu sehen ist und eine Million Follower auf TikTok hat. Sie würde nicht glauben, dass sie Musik machen kann.“

Fünf Jahre im Musikgeschäft haben Cristale eines gelehrt: wie schwierig es ist, sich selbst treu zu bleiben, wenn der Erfolg früh kommt. Im April letzten Jahres trennte sie sich von ihrem Label, ­sicherte sich die Rechte an ihren unver­ öffentlichten Master-Aufnahmen und ­veröffentlicht seitdem unabhängig. Die Association of Independent Music ­nominierte sie prompt für den „One to Watch“-Award 2025.

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emanagt wird sie jetzt von ihrer Mutter Marsha, die sie ins Studio, auf internationale Shoots und über rote Teppiche begleitet. „Wenn meine Mum nicht dabei wäre, hätte man mich wahrscheinlich schon ein Dutzend Mal übers Ohr gehauen“, sagt sie. „In dieser Branche kann man niemandem vertrauen.“ Mutter und Tochter wohnen noch ­immer zusammen in dem Brixtoner Haus, in dem Cristale aufgewachsen ist. Das Tempo in Cristale De’Abreus ­Leben bleibt atemberaubend hoch. 2025 trat sie beim Red Bull Culture Clash auf und ­steuerte einen Track zu einer Kol­ laboration mit dem amerikanischen DJ Drama bei. Ihr Debüt-Mixtape soll noch 2026 ­erscheinen. „Es ist ziemlich per­ sönlich“, sagt Cristale. „Keine ­Features. Nur ich. Es geht um eine Reise zur Klarheit, ­darum, das eigene Leben auf die Dinge auszurichten, die einen wirklich weiterbringen.“ Cristale will vieles: vor 100.000 Menschen auftreten, mehr schauspielen, ­wieder Fußball spielen, ein Bildungs­ programm für junge Menschen in Brixton aufbauen. „Can’t say nothing could never be me“, rappt sie in „Regular Citizen“, „’cause when life starts lifing, anything’s possible.“ Als Cristale ihre heiße Schokolade austrinkt, sagt sie: „Man muss geduldig sein. Und bereit. Solange du dich selbst kennst und jeden Tag kreativ bist, kommt alles andere von selbst.“ Instagram : @cristaleyy THE RED BULLETIN


FLÜÜÜGEL MIT UND OHNE ZUCKER.


GUIDE

Reise / Musik / Style / Streaming / Mindgame / Uhren / Events

TADSCHIKISTAN IM LAUFSCHRITT

JOHN SUMMERTON

Abenteurerin Jenny Tough durchquert die Plateaus im Fann-Gebirge.

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GUIDE

REISE/

WEG GESUCHT

Wild, spektakulär schön und kaum Infrastruktur: Das ist das Fann-Gebirge in Tadschikistan. Mit ­ihrem kleinen 32-Liter-Rucksack kämpft sich Fastpackerin Jenny Tough von Pandschakent bis ins Tarafschon-Tal – allein und mit zittrigen Knien.

Mein Herz hämmert. Schwer atmend setze ich den nächsten wackeligen Schritt in den Geröllhang. Der lose Grund rutscht unter mir weg und zieht mich einen halben Schritt zurück Richtung Tal, das mehr als tausend Meter unter mir liegt. Der Boden unter der dünnen, steinigen Oberfläche ist schlammig nass vom geschmolzenen Schnee. Als wäre der Aufstieg auf diesem ­Untergrund nicht schon mühsam genug, fühlt sich in der Höhe von über 4000 Metern jeder Atemzug an, als würde er mir die Lunge quetschen. Die Passhöhe vor mir scheint zum Greifen nah, und doch komme ich ihr kaum näher: ein Schritt ­hinauf, ein halber zurück, Stunde um Stunde. So etwas wie einen Weg gibt es nicht, also muss ich immer wieder innehalten, um die sicherste Route nach oben zu suchen. Stehen bleiben? Höchstens ein paar Sekunden. Denn stillstehen bedeutet, weiter abzurutschen. Das Fann-Gebirge im Nordwesten ­Tadschikistans, an der Grenze zu Usbe­ kistan, hat es in sich: imposante Gipfel, blau funkelnde Seen. Trotz seiner irren Schönheit ist es bis heute Wildnis geblieben. Einige befestigte Wege gibt es, zaghaften Tourismus, aber viele Ecken sind frei von jeder Infrastruktur.

Wenn Wege fehlen, bleibt manchmal nur das Klettern auf allen vieren. THE RED BULLETIN

Ich bin hier, um die Berge per Fastpacking zu durchqueren. Fastpacking erlebt gerade einen Boom in der Outdoor-Szene, als neue Disziplin, die die Freiheit und Ausgesetztheit des Weitwanderns mit der Athletik des Trailrunnings verbindet: Leichtes Gepäck, lange Tage am Berg, viel Strecke machen, abends biwakieren, am nächsten Morgen geht’s weiter. Seit zehn Jahren erkunde ich auf diese Art die Berge – weltweit und ­natürlich immer wieder die schottischen Highlands, meine Heimat. Für mich gibt es keine schönere Art, die Berge zu erleben: Die Anstrengung der Tage wird mit jeder Menge neuer Eindrücke belohnt, und – das ist mir persönlich am wichtigsten – dein Leben schrumpft auf das Nötigste zusammen. Du siehst, denkst und fühlst klarer als im Alltag. Fastpacking im Fann-Gebirge ist nichts für Anfänger. Du musst – weil du unterwegs keine Chance hast, irgendwas nachzukaufen – alles bei dir tragen, was

JOHN SUMMERTON, JENNY TOUGH

Dein Leben schrumpft


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WEITSICHT. Jenny Tough genießt den Ausblick auf eine der entlegensten Regionen, die sie je gesehen hat.

„Ich bin komplett allein hier oben. Das ist ein Gefühl riesiger Freiheit. Und zugleich beängstigend. Denn wenn etwas passiert, kann mir niemand helfen.“

ABKÜHLUNG. Tough beim Schwimmen in einem der vielen Gletscherseen.

du an Ausrüstung und Verpflegung für den gesamten Trip benötigst. Und ich gehe noch einen Schritt weiter: Ich wage mich allein in mein tadschikisches Abenteuer, bin also in dieser Wildnis bei jeder Entscheidung ganz auf mich gestellt. Ich habe mir mit Karten und Satellitenbildern eine 400-Kilometer-Route zusammengestellt, von der Stadt Pandschakent an der antiken Seidenstraße bis ins Tarafschon-Tal. Ich wollte mich auch als Bergsteigerin fordern. Dieser ehrgeizige Wunsch wurde mir schon am zweiten von sechs geplanten Tagen erfüllt, mit dem fünfstündigen Aufstieg über Schlamm und Geröll – durch ein Gelände, das keinen Sturz verzeiht. Auf dem 4200 Meter hoch gelegenen Pass angekommen, bin ich am Ende meiner physischen und psychischen Kräfte, überglücklich und zittrig zugleich. Erst mal durchatmen, dann den unglaub­ lichen Ausblick genießen: schneebedeckte THE RED BULLETIN


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GUIDE

Anreise

Das Fann-Gebirge liegt im ­Nordwesten Tadschikistans. Man kommt, wenn überhaupt, nur per Geländewagen hin. Infrastruktur? Maximal ein paar Gasthäuser in kleinen Dörfern, wo Wanderer ein Zimmer und Verpflegung finden. Generell ist Tadschikistan kein Shopping-­ Paradies für Trekker. Reise also mit allem an, was du brauchst.

denken und leichter atmen kann. Das sind die Augenblicke, in denen mir das Alleinsein unheimlich wird. Ich würde jetzt viel dafür geben, mich mit jemandem beratschlagen zu können oder wenigstens zu hören, dass alles gut wird.

Alles, was Jenny für sechs Tage Abenteuer braucht, muss in ihren 32-Liter-Rucksack passen. An Erfahrung mangelt es ihr nicht. Sie hat als erster Mensch drei Gebirge im SoloLauf durchquert und das Silk Road Mountain Race zweimal gewonnen. jennytough.com

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Gipfel, blauer Himmel bis zum Horizont, weit und breit keine Menschenseele. ­Dieses vollkommene Alleinsein fühlt sich befreiend und beängstigend zugleich an. Denn wenn hier etwas passiert, ist niemand da, der mir hilft. Und der Gedanke an die Gefahr ist berechtigt. Denn der Abstieg von der Passhöhe sieht furchterregend aus. An der Westkante des Grats hängt eine Schneewechte, der Hang darunter fällt fast senkrecht ab. Das Geröll ist lose – eine gefährliche Kombination. Doch länger hier oben zu bleiben, wäre auch keine gute Idee: Die Höhe verdreht mir den Kopf, jeder Atemzug ist ein Kampf um Sauerstoff. Ich muss hinunter, wo ich wieder klarer

Jenny Tough ist Ausdauerathletin, Abenteurerin und Autorin des Buchs „SOLO: What Running Across Mountains Taught Me About Life“.

JOHN SUMMERTON

„Ich habe im Fann-Gebirge meine Grenzen ausgelotet. Aber jeder einzelne Schritt war es wert!“

Als ich endlich den Talboden erreiche, acht zehrende Stunden nach meinem Aufbruch am Morgen, bin ich so leer, dass die Beine kaum noch gehorchen. Das letzte Stück meines Abstiegs ist eher ein Vorwärtsstolpern. Unten fließt ein Fluss mit Gletscherwasser. Ich halte an, nehme zum ersten Mal an diesem Tag den Rucksack ab und krame mit zitternden Händen etwas zu essen hervor – ein bisschen ­Zucker, damit die Beine wieder zu Kräften kommen. Dann noch einen Platz fürs Biwak finden und mich ausruhen, bevor morgen alles von vorn beginnt. Von außen wirkt das alles wie harter, zermürbender Extremsport. Natürlich gibt es Momente, die sich so anfühlen. Aber meistens ist Fastpacking das genaue Gegenteil: ruhig, fast kontemplativ. Sechs Tage lang habe ich in der Wildnis zwischen Tadschikistan und Usbekistan aus einem 32-Liter-Rucksack gelebt. Ich habe meine Grenzen ausgelotet, sie vielleicht manchmal auch ein wenig überschritten. Aber jeder einzelne meiner ­vielen Schritte war es wert.

JENNY TOUGH

Stolpernd vorwärts


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REISETIPP/

ÅRE YOU READY?

Der schwedische Ski-Ort Åre kann mehr als Winter: ein mythischer Hike über Sumpf-, Troll- und Bergpfade.

Einen Ort, den viele vom Wintersport ­kennen, haben wir, ein Dutzend wanderlustige Skandinavien-Liebhaber, im Sommer erkundet: Åre! Der kleine, aber berühmte Ski-Ort 97 Kilometer nordwestlich vom Flughafen Östersund ist zugleich Schwedens bekanntestes Zentrum für Bergsport und Outdoor-Aktivitäten. Hier findet auch der Kia Fjällmaraton statt, ein einwöchiges Trailrunning-Festival. Heute geht es aber nicht wie beim ­Höhepunkt des Festivals, dem Marathon, über vier Berggipfel, vielmehr nimmt uns unser schwedischer Hike-Guide, die Freeride-Ikone Henrik Windstedt, auf seinen Hausberg mit: Der Weg von Åres Zentrum auf den 1420 Meter hohen Gipfel des Åreskutan überwindet 1000 Höhenmeter und dauert zu Fuß etwa 3¹⁄₂ Stunden. Teil davon ist der Trollstigen, ein amüsant gestalteter Trollpfad mit mythisch-märchenhafter Stimmung und kleinen Bächen, die uns in den sumpfigen Passagen ordentlich Balance abverlangen. Das Gleich­ gewichtstraining ist auch eine perfekte Basis, um sich auf die Skisaison vorzu­

NINA KALTENBÖCK

Regen? Juckt uns nicht! Freeride-Pro Henrik Windstedt (geht voran) erklärt, wie du Core Stability schon beim Hiken trainierst. THE RED BULLETIN

Was sich der Kontrolle entzieht, ist allerdings das Wetter. Es regnet sich waagrecht ein. Da in Åre 1986 die Mountain Brand Peak Performance gegründet

Treeline Hipe Shell Jacket € 250, Freelight Polartec Oberteil € 96, Discover 2-in-1 Shorts € 90, Sling Bag € 90; peakperformance.com THE RED BULLETIN

NINA KALTENBÖCK, PEAK PERFORMANCE

bereiten, erklärt der Freeride World Champion und siebenfache Gewinner der Scandinavian Big Mountain Championships: „Es kommt beim Off-Piste-Fahren nicht nur auf die großen Muskeln an, die du im Gym trainierst, sondern es geht viel um Core Stability, die du mit Rubber Bands, einem Pilates-Ball, beim Klettern, Hiken und Fußballspielen trainieren kannst.“ Beim Freeriden geht es darum, Spaß zu haben. „Das Fahren abseits der Piste braucht Verspieltheit: Fahr öfter mal in einem Funpark, da lernst du Tricks, die dir abseits der Piste helfen, die Ski zu kontrollieren.“

In trockenen Tüchern


GUIDE

Österreich braucht Strominfrastruktur.

Links und rechts oben: FreerideLegende Henrik Windstedt samt ­Wandertruppe auf seinem Hausberg; links unten: Slalom durch das nasse Moos; rechts unten: Stärkung mit feinem Aalbutt im Restaurant Granen

wurde, hüllen wir uns in deren Hiking-­ Kollektion und stellen fest: Funktionalität und Style überzeugen, leicht, bequem, mit den richtigen Details – hält einen auch im Dauerregen trocken. Bleibt die Frage: Wie wärmt man sich nach dem Outdoor-Sport typisch schwedisch auf? Stefano Saccone, CEO von Peak Performance, erklärt es uns: „Ich liebe die schwedische Tradition der Fika, einer Pause mit Nachmittagssnack. Selbst im Office setzen wir uns mit Kerzen, Tee und Zimtschnecken für 15 Minuten zusammen.“ Ein guter Rahmen, um auch auf den neuesten Coup anzustoßen: am 29. Oktober erscheint die Anniversary Collection, mit der die Marke ihr 40-jähriges Bestehen feiert. Aber Achtung: Sie ist limitiert, wird also bald ausverkauft sein. Instagram: @windstedt, @peakperformance, @aregranen

Stromnetzausbau, das einzig wirksame Mittel für ... die Versorgungssicherheit & Elektrifizierung von Wirtschaft und Industrie in Österreich ... die Energiewende & einen starken Standort ... die Verfügbarkeit von preisgünstigem Strom

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GUIDE

MUSIK/

BEATS ZUM ANBETEN

Jazz, Klassik, Bedroom-Pop: Mit ihrem ganz besonderen Sound hatten Wasia Project aus London schon ihren Netflix-­Moment. Hier sind vier Songs, die sie prägten.

Fred Again

I Luv U (2022)

Will: „Kürzlich habe ich ein ­Konzert von Fred Again in London gesehen, es war unglaublich in­tensiv. Wir selbst schreiben vierminütige Songs. Im Dance und Techno geht es darum, einen Span­ nungs­bogen aufzubauen und diese Energie zu halten. Das hat mich bei der Kuratierung unseres Albums inspiriert.“ THE RED BULLETIN

Olivia Hardy und Will Gao sind Geschwister mit britischasiatischem Background. 2019 haben sie Wasia Project gegründet.

Samuel Sebastian Wesley

Wash Me Throughly (ca. 1840)

Will: „Dieses Chorstück habe ich als kleiner Bub gesungen. Kirchenmusik ist sehr inten­ siv und kathartisch, ein biss­ chen wie das Gefühl auf der Tanzfläche, nur auf der an­ deren Seite des klang­lichen Spektrums. Auf jeden Fall sehr bewegend!“

Radiohead

Béla Bartók

Olivia: „Erst letztes Jahr habe ich das Radiohead-Album ‚A Moon Shaped Pool‘ entdeckt – und ich liebe seine experi­ mentelle Seite. Der Song ist hart und traurig, nur Thom Yorkes Stimme und dieses gedämpfte Klavier. Ich liebe Songs, die dieses in sich ­gekehrte, einsame ­Gefühl einfangen.“

Olivia: „Im Violinunterricht habe ich als Teenager diese Volkstänze von Bartók ge­ lernt. Sie waren lebensver­ ändernd, vor allem der vierte Satz. Uns beeinflusst noch heute die Art, Instrumente einzusetzen: minimalistisch, um einen fast unheimlichen Effekt zu erzeugen.“

True Love Waits (2016)

Romanian Folk Dances (1915)

JESSICA HOLLAND

Das Debütalbum „Nocturne“ erscheint am 18. September; Live-Termine: wasiaproject.com

CLARYN CHONG

Wer die Netflix-Serie „Heartstopper“ kennt, hat auch dieses britisch-asiatische Geschwister-Duo schon gehört. Ihr Song „Ur So Pretty“ unterlegte das emotionale Finale der zweiten Staffel. Bereits 2024 begleiteten die klassisch ausgebildeten Musiker Olivia Hardy, 21, und Will Gao, 23, Tom Odell und Laufey auf Tour und spielten 2025 auf dem Lollapalooza und dem Superbloom Festival. Das Duo aus Südlondon steht jetzt vor der Veröffent­ lichung seines Debütalbums, die neueste Single „Bleeding Gold“ beschreibt Gao als „düster, aber dynamisch, intensiver und nachdenklicher“ als frühere Songs. Hardy drückt es so aus: „Das Album basiert auf der Sehnsucht und den Gefühlen, die einen im Laufe der Nacht überkommen können.“ Hier verraten die beiden, welche Musik sie nach Einbruch der Dunkelheit gerne hören.


Mehr Bewegung, mehr Erlebnis. Mit dem Bike neue Strecken entdecken, Gipfel erklimmen oder die Natur aktiv genießen – Falkensteiner verbindet Bewegung, Abenteuer und Erholung. Von abwechslungsreichen Radtouren über Wanderungen bis hin zu entspannten Stunden im Acquapura SPA entstehen Urlaubsmomente, die lange in Erinnerung bleiben. Mehr Infos unter falkensteiner.com

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VOM PROFIFUSSBALLER ZUM KÜNSTLER: WOLFGANG MAIR ALIAS KOWALSKI VOR DEM NEUEN CUPRA RAVAL.

WIE ZWEI REBELLEN DIE WELT BEWEGEN Ein früherer Fußballprofi, der zum Künstler wurde. Ein Weltmeister, der zwischen Backstube und Rennstrecke pendelt. Zwei Geschichten – ein Spirit, den auch der neue CUPRA Raval verkörpert.

Rebellen bewegen Welten. Nicht nur die spanische Automarke CUPRA steht für diesen Anspruch – immer wieder sind es auch Menschen, die Außergewöhnliches leisten. Nicht, weil sie laut auftreten, sondern weil sie konsequent ihren eigenen Weg gehen: kreativ, eigenständig, rebellisch. Gemeinsam mit ServusTV-Moderatorin und CUPRA Marken­ botschafterin Andrea Schlager geht es auf die Suche nach Persönlichkeiten, die ausgetretene Pfade verlassen und zeigen, dass Fortschritt dort entsteht, wo Konventionen hinterfragt werden – darunter der Künstler und ehemalige Fußballer Wolfgang Mair alias Kowalski sowie der Bäckermeister und Supermoto-Weltmeister Lukas Höllbacher. Ihre Wege könnten unterschiedlicher kaum sein – und doch verbindet sie der Mut, Erwartungen zu hinterfragen, Grenzen zu verschieben und dabei vor allem eines zu ­bleiben: sich selbst treu.

Wenn wer sagt, das muss so sein, dann ist es ganz schwierig, dass ich das dann auch so mache. Ich habe immer den Drang, zu beweisen, dass es auch anders geht.“ Wolfgang Mair

Wolfgang Mair – vom grünen Rasen zur Leinwand Eigentlich wollte Wolfgang Mair Interior Designer werden. Stattdessen wurde er Profifußballer – 16 Jahre lang. Gemalt hat er trotzdem immer, oft direkt nach den Spielen, um das Erlebte zu verarbeiten. Nach dem Karriereende begann er noch einmal ganz von vorn: Grafikausbildung, kein Sicher-


ADVERTORIAL heitsnetz, kein Manager. Heute ist er als Künstler Kowalski bekannt – und geht konsequent seinen eigenen Weg. Widerstand hat ihn dabei nie gebremst, sondern eher ange­ trieben. Schon als Jugendlicher ließ er sich von Autoritäten nicht viel sagen, und auch heute gilt: Sagt ihm jemand, etwas gehe nicht, wächst daraus meist erst recht der Antrieb, das Gegenteil zu beweisen. Perfektion war für ihn dabei nie das Ziel – „der eigene Weg und wie man sich weiter­ entwickelt, ist wesentlicher“, sagt er über seinen Weg vom Profisport zur Kunst. Lukas Höllbacher – Bäcker mit Rennsport-DNA Lukas Höllbacher lebt seit zwanzig Jahren in zwei Welten: Als Supermoto-Weltmeister 2025 gehört er an die Spitze seines Sports. Am nächsten Morgen steht er wieder dort, wo er seit seiner Kindheit zu Hause ist – in der Backstube des Familienbetriebs. Die naheliegendste Entscheidung, sagt er selbst, sei der Weg in den Motorsport nie gewesen: „Supermoto war rational sicher nicht der beste Weg. Aber da haben mich einfach die Leidenschaft und die Liebe zum Sport vorangetrieben.“ Getragen hat ihn dabei vor allem der familiäre Zusammenhalt – die Bäckerei ist seit seiner Kindheit Teil seiner Identität, während ihn seine Mutter früh mit dem Motorsport in Berührung brachte. Sport und Hand­ werk sind für ihn längst kein Widerspruch, sondern zwei ­Seiten derselben Leidenschaft. Zwei Welten – ein Antrieb Wolfgang Mair lebt seine Leidenschaft in der Kunst, Lukas Höllbacher im Motorsport. Was sie verbindet, ist der Mut, ihren eigenen Weg zu gehen. Genau dafür steht auch CUPRA – angetrieben von Emotion und Erlebnis.

Rebellen entdecken und CUPRA Experience gewinnen: Erfahre mehr über die rebellischen Lebenswege von Wolfgang und Lukas sowie über weitere Rebellen in unseren Videoporträts bei ServusTV und ServusTV On. Und verrate uns, was dich selbst antreibt: Mit etwas Glück gewinnst du ein exklusives Erlebnis mit dem CUPRA Raval – inklusive Flug mit den Flying Bulls und Übernachtung im ­W interstellgut von TAUROA. JETZT MITMACHEN: cupra-experience.at/rebell

Ich bin Rebell – von klein auf. Aber im positiven Sinn: Für mich hat das nichts Negatives, sondern etwas, das einen weiterentwickelt.“ Lukas Höllbacher

CUPRA

SUPERMOTO-WELTMEISTER 2025 UND BÄCKERMEISTER IN DER ÄLTESTEN BÄCKEREI ÖSTERREICHS – IM GESPRÄCH MIT ANGELIKA SCHLAGER.


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GUIDE

STYLE/

IMMER IN WM-FORM Erling Haaland

Strenger Wikinger

Das brauchst du: dichte, ­lange ­Haare, Glätteisen, Kknekki-Haargummi (Anteile am ­Unternehmen optional)

Igor Matanović

Schwung­voller Scheitel Kräftiges Haar bis in die Spitzen: Davon träumen viele. Kroa­tiens Stürmer Igor Matanović hin­ gegen bescherte seine Haarpracht Albträume. Schließlich wurde der vermeintliche Ausgleichstreffer im WM-Sechzehntelfinale gegen Portugal wegen Abseits nur aberkannt, weil der Ball davor Matanovićs Haarspitzen gestreift und so den Alarm im Spielgerät aus­ gelöst hatte. Der Spruch „um Haares­breite“ hat wohl noch nie besser gepasst. Das brauchst du: gutes ­Aufbaushampoo und noch besseres Haargel

THE RED BULLETIN

Bradley Barcola

Zöpfchen aufs Köpfchen Sich den Look bei französischen Fußballern abzuschauen, ist eine gute Idee, stehen die Team-Zusammenkünfte doch mittlerweile den Pariser Modeschauen in nichts nach. Bradley Barcola trägt Cornrows (eng an der Kopfhaut ­geflochtene Zöpfchen) – und das schon seit Jugendtagen. Ein Beweis, dass der schnelle Flügelstürmer keinen Trends nachläuft, sondern diese schon lange vorgibt. Das brauchst du: längeres Haar, viel Zeit zum ­Stylen (je nach Komplexität der Cornrows zwei bis fünf Stunden)

CHRISTIAN EBERLE-ABASOLO

Während Fußballfans angesichts von sieben Toren in fünf WM-Spielen von der Effizienz des Norwegers verblüfft waren, fragten sich Frauen und Metalheads nur eines: Wie hält dieser Zopf? Die Antwort: Haalands Haargummis (Marke: Kknekki) bestehen aus über 60 geflochtenen Polyester­ fäden. Das sorgt für Grip, schützt das Haar und hat Haaland nach ca. 639 Kopfbällen überzeugt, sich am Konzern hinter der Marke zu beteiligen.

IMAGO (5), GETTY IMAGES

Die Fußball-WM ist vorbei. Die Fußballerfrisuren bleiben. Mit diesen Trends bist du fit für 2030.


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Emiliano Martínez

Volle Breitseite Alexander Schlager

Haare statt Glatze Nachdem er die EM 2024 ver­ letzt verpasst hatte, kehrte der Salzburger zur WM ins ­österreichische Tor zurück. Und so stark wie Schlagers Comeback auf dem Rasen, so stark war das seiner Haare nach früh einsetzender Glatze am Oberkopf. Der Grund: eine Transplantation, bei der exakt 3029 Haarfollikel­ einheiten auf die k­ahlen oder schütteren Stellen verpflanzt wurden. Also fast ein Haar für jede Parade im Turnier. Das brauchst du: fünf bis sechs Stunden Zeit und einen Spezialisten mit 47 Jahren ­Erfahrung: Moser Medical, haarestattglatze.com

Emiliano Martínez hält die Tra­ dition der (im positiven Sinne) verrückten Torhüter seit Jah­ ren mit Stolz aufrecht. Neben obszönen Jubelgesten vermit­ telt der Argentinier das auch durch seine Frisur. Da wird der klassische Undercut über den Ohren schon mal mit der Rü­ ckennummer oder der argen­ tinischen Flagge aufgemotzt. Das brauchst du: ein feines Rasiermesser, temporäres, hochpigmentiertes Haarspray und jemanden, der damit ­umgehen kann

Marc Cucurella

KuschelWuschel Um auf dem Fußballplatz ­unter 22 Spielern hervor­ zustechen, hat man zwei Möglichkeiten: besser spielen als alle anderen oder eine ­wilde Frisur tragen. Spaniens Marc Cucurella macht beides. Und das aus gutem Grund: So kann ihn sein autistischer Sohn im TV leichter erkennen. Ein Beweis, dass irgendwo ­unter dieser Mähne ein sehr großes Herz schlägt. Das brauchst du: Lockenstab oder sehr hohe Luftfeuchtig­ keit; Haarband, um Gesicht und Wuschelkopf zu trennen

THE RED BULLETIN


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GUIDE

Helden der Meere Abenteuer Ozean: Der Umwelt­ ökonom Christian Weigand trifft Polar­forscher, Segelprofis und ­Extremsportler wie Arved Fuchs, Boris Herrmann oder Adrian Mattern und plaudert mit ihnen über außer­ gewöhnliche Expeditionen, Grenz­ erfahrungen und das Leben auf dem Meer. Macht Fernweh.

Wie geht’s? Eine simple Frage, viele Antworten: Fußballprofi Robin Gosens spricht mit Gästen wie Ski-Star Felix Neureuther oder FußballWeltmeister Benedikt Höwedes über mentale ­Krisen, Leistungsdruck und die Geschichten hinter großen Karrieren. Kein Bou­ levard, sondern ehrliche Einblicke, konkrete Strate­ gien und Denkanstöße.

Blut, Schweiß & Training

STREAMING/

VOLL IM FOKUS

Diese Podcasts und Serien zeigen die ganz persönlichen Geschichten hinter großen sportlichen Erfolgen und Rückschlägen.

Wie beeinflusst der Zyklus die Leistung? In der aktuel­ len Staffel sprechen Spit­ zensportlerinnen und Wis­ senschaftlerinnen über Hormone und Gesundheit, Verhütung im Sport und räumen dabei mit Mythen rund um den weiblichen Zyklus auf. Evidenzbasiert und nah an der Praxis.

Ted Lasso

Believe! Nach langer Pause kehrt die Erfolgsserie mit ­Jason Sudeikis zurück. Diesmal übernimmt Ted Lasso ein Frauenfußballteam. Highlight mit ­Optimismus und Herz. (Apple) THE RED BULLETIN

Mourinho

Die drei­teilige Doku begleitet „The Special One“, den Fußballtrainer José Mourinho. Zu Wort kommen Weggefährten wie Sir Alex Ferguson, Samuel Eto’o oder Zlatan Ibrahimović. (Netflix)

American Gladiators

Kultformat mit neuem Anstrich: Die ­legendäre Wettkampf-Show feiert ihr Comeback. Athle­ tinnen und Athleten kämpfen in ­außergewöhnlichen Disziplinen um den Sieg. (Prime)

APPLE TV, NETFLIX, AMAZON PRIME

SASKIA JUNGNIKL-GOSSY

Watch-Tipps


ADVERTORIAL VOLLERES HAAR DANK EIGENHAARVERPFLANZUNG: ALEXANDER SCHLAGER

HAARVERLUST? SICHER PARIERT! Moser Medical zeigt, wie moderne Eigenhaar­ verpflanzung erblich bedingten Haarausfall dauer­ haft behandeln kann. Auch ÖFB-Teamtorhüter Alexander Schlager hat sich dafür entschieden.

© MOSER MEDICAL

Geheimratsecken, lichter wer­ dendes Haar, eine Tonsur: Erblich bedingter Haarausfall beginnt bei vielen Männern schon Mitte zwanzig – und lässt sich heute mit einer Eigenhaarverpflanzung nachhaltig korrigieren. Der Ein­ griff erfolgt schonend, ambulant und an nur einem Tag. Ein Tag, bleibendes Ergebnis Dabei werden Haarwurzeln aus dem dauerhaft wachsenden Spenderbereich am Hinterkopf entnommen und in die betrof­ fenen Areale verpflanzt. Da sie ­gegenüber dem Hormon DHT ­genetisch unempfindlich sind, wachsen sie auch an ihrer neuen Position permanent weiter. Die Behandlung erfolgt unter ­örtlicher Betäubung und ist meist

an einem Tag abgeschlossen. Nach nur einer Woche ist der ­A lltag meist wieder möglich. ­Erste neue Haare zeigen sich nach drei bis vier Monaten, das endgültige Ergebnis nach neun bis zwölf Monaten. Österreichs Nummer eins Seit 47 Jahren ist Moser Medical auf Eigenhaarverpflanzungen spezialisiert und zählt mit mehr als 36.500 Behandlungen zu den erfahrensten Anbietern Europas. Zu den Patienten gehört auch ÖFB-Teamtorhüter Alexander Schlager, der sich Ende 2023 für eine Haartransplantation ­entschied. Sein Ergebnis zeigt, wie natürlich das Resultat heute aussehen kann. haarestattglatze.com

Vorteile auf einem Blick: • Ambulante Behandlung an nur einem Tag • Dauerhafte Lösung bei erblich bedingtem Haarausfall • Eigenhaar für ein natürliches Ergebnis • A lltag meist nach wenigen Tagen wieder möglich … • … und Sport in der Regel nach etwa einer Woche

5 gute Gründe für Moser Medical: • 47 Jahre Erfahrung in der Eigen­ haarverpflanzung • Über 36.500 erfolgreich durch­ geführte Behandlungen • Spezialisiertes Ärzteteam mit langjähriger Expertise • Kostenlose Erstberatung – online oder persönlich • Natürlich wirkende Ergebnisse mit individuellem Behandlungsplan

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MINDGAME/

FINDE ALLE TÄNZER! Willkommen zu einer Rätsel- Challenge, die deine mentale Fitness trainiert. Dieses Mal: Welche Tänzer sind im Spotlight zu sehen?

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PFEFFERMIND

BRATISLAV MILENKOVIĆ

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DIE AUFGABE

Scan den QR-Code, um zur Lösung des Rätsels zu gelangen.

So vollgepackt ist der Dancefloor selten: Fünf der links abgebildeten einzelnen Tänzerinnen und Tänzer verbergen sich im Pulk auf dieser Seite. Tipp: Drei sind einfacher zu finden, zwei etwas komplizierter. Let’s dance! THE RED BULLETIN


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GUIDE

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ZEIT LÄUFT UHREN/

Diese Uhren geben den Takt vor. Wir zeigen, welche Athleten auf sie setzen. Text Wolfgang Wieser

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Tudor Black Bay Chrono Carbon 26

Nimm’s leicht!

GETTY IMAGES/RED BULL CONTENT POOL, JOERG MITTER/RED BULL CONTENT POOL

„Timing ist alles“, sagt Racing BullsPilot Arvid Lindblad, der wie Team­ kollege Liam Lawson die neue, auf 2026 Exemplare limitierte Tudor Black Bay Chrono trägt – eine Hommage an den Rennwagen VCARB 03 samt dessen gelben Akzenten. Weil er’s gerne leicht hat – natürlich nur bei der Uhr, nicht bei seinen Rundenzeiten. Sie besteht aus ­Carbonfasern und wiegt nur 76 Gramm. Preis: € 7.920,–; tudorwatch.com

Arvid Lindblad – auf dem großen Bild gibt der schwedischbritische F1-Pilot der Racing Bulls im belgischen Spa Gas.

Das Zifferblatt in Renngelb feiert den Tudor-Teamgeist.

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Greg Hill auf dem Weg nach ganz oben. Ist er unterwegs, muss es flott gehen.

Suunto Vertical 2

Gipfelstürmer Geht’s auf den Berg, hat es einer besonders eilig: Der 50-jährige ­Kanadier Greg Hill hat 50.000 Fuß, also 15.240 Höhenmeter, in 24 Stunden bewältigt – ein absoluter Gipfel­ stürmer, selten war ein Wort treffender. Wenn er unterwegs ist, setzt er auf Suunto in der Vertical 2-Variante. Weil ein verbesserter Sensor auf der Rückseite noch genauere Messwerte für Blutsauerstoff und Schlaf liefert. Preis: € 599,–; suunto.com

Auf diesem Zifferblatt tut sich was: Insgesamt birgt dieses Suunto-­ Modell 115 Sportmodi.

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GUIDE

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Garmin Forerunner 970

Bereit zum Training? Der 28-jährige Robert Farken hält mit 3:30,09 Minuten den deutschen Rekord über 1500 Meter. Im Training nutzt er die Garmin Forerunner 970 vor allem, um seine Trainingsbereitschaft ein­ zuschätzen: Die Uhr verbindet die aktuelle Belastung mit Daten zu Stress, Er­holung und Schlaf und zeigt an, ob Roberts Körper schon bereit für die nächste Einheit ist. Preis: € 669,99; garmin.com

Withings ScanWatch Nova

HUGO BEUREY @BEUREYSTUDIO

Richtig aufatmen Vom Raucher und Partytiger zum Ultra-Trail-Champion: Der 43-jährige Franzose Yoann Stuck (oben ausnahmsweise am Rad) beweist, dass jeder Neustart mit dem ersten Schritt beginnt. Er setzt seit seinem Sinneswandel auf die ScanWatch Nova von Withings. Sie misst Schritte, Kalorien und VO² max, also die maximale Sauerstoff­auf­ nahme, erkennt über 40 Aktivitäten und zeichnet Routen per GPS auf. Preis: € 599,95; withings.com

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GUIDE

Amazfit Balance Ultra

Alles im Griff

Die Dame mit dem definierten Body ist Joanna Wietrzyk, 22. Die Australierin dominiert HYROX (8 Kraftübungen, dazwischen ist je 1 Kilometer zu laufen), ist Vizeweltmeisterin und Weltrekordlerin mit einer Fabelzeit von 54:25 Minuten. Womit wir bei ihrer Uhr wären, die verspricht, was ihr Name besagt: den Balance-Akt von Training & Regeneration, auch bei ultraharten Sets. Preis: € 599,99; amazfit.com

Norqain Adventure Chrono NHL Limited Edition

Neue Bully-Partner Der Herr im Dress der Montréal Canadiens ist Mark Streit – einst gefeierter NHLStar, nach seiner aktiven Zeit Mitgründer der Schweizer Uhrenmarke Norqain. Seit heuer sind NHL und Norqain Partner. Gefeiert wird das mit einer Limited ­Edition von 1917 Exemplaren – die Stückzahl bezieht sich auf das NHL-Gründungsjahr. Die Uhr birgt wundervolle Details: Zifferblatt im Zerkratztes-Eis-Look, Sekundenzeiger im Bullykreis bei 9 Uhr. Preis: € 4.750,–; norqain.com

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Longines Master Collection

Kraftvolle Eleganz Wer sich, wie die Schweizer Uhrenmarke Longines, als Botschafter der Eleganz versteht, passt grandios zum Pferdesport. Nicht nur wegen der vor Kraft strotzenden Vierbeiner, sondern auch in Würdigung der Looks auf den Rängen, inklusive Frack und Fascinator. ­Weshalb Longines auch Time Keeper beim Royal Ascot in England ist. Und dort eine zeitgemäße Interpretation der klassischen Master Collection zeigte. Preis: € 2.650,–; longines.com

GETTY IMAGES

Das Gerstenkornmotiv auf dem Zifferblatt verleiht Tiefe. Die Uhr gibt es in vier Größen, hier die 41-MillimeterVariante.

Tierische Kraftpakete – durchtrainiert bis in den kleinsten Muskel THE RED BULLETIN


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EVENTS/

SO WOLLEN WIR’S!

Dieser Herbst spielt zahlreiche Wunschkonzerte. Für jeden Geschmack ist ein Gustostück dabei.

8.

Dezember

12.

10.

Premier Padel Major Paris

Placebo

und 13. September

Im Premier Padel Tennis bringen die vier Major-Turniere die meisten Punkte und das höchste Prestige. Dass das Major Paris nun sogar im Roland-Garros-Stadion der French Open stattfindet, belegt den wachsenden Stellenwert von Padel. Red Bull TV zeigt alle Matches exklusiv vom Viertelfinale bis zum Finale. THE RED BULLETIN

November

Die Londoner Alternative-Rockband Placebo releaste 1996 im BritpopHype ihr selbstbetiteltes Debüt­ album. Im Herbst erscheint nun „Placebo RE:CREATED“, eine Neu­ interpretation des Erstlings. Begleitet wird das Album von einer ArenaTour durch Europa, die auch in die Wiener Stadthalle führt. Ebenfalls zu hören sind Songs ihres zweiten Albums „Without You I’m Nothing“.

PHILIPP CARL RIEDL/RED BULL CONTENT POOL, PREMIER PADEL/RED BULL CONTENT POOL

Das Leben ist kein Wunsch­ konzert. Diese Show jedoch schon. Am 8. Dezember wird die ­Raiffeisen Halle im Gasometer in Wien zur Bühne für einen ­Konzertabend, bei dem die Fans mitentscheiden, was passiert. Gemeinsam mit Musiker RIAN entsteht eine Show voller überraschender Wendungen und neuer Songversionen. Tickets und Infos: redbull.com/jukebox

FLORIAN WÖRGÖTTER

Red Bull Jukebox


GUIDE

93

23.

bis 25. Oktober

Formel 1 Grand Prix der USA

8.

Mit gleich vier Rennen auf dem amerikanischen Kontinent startet die Formel-1-WM ins letzte Saisonviertel. Der Circuit of the Americas in Austin, Texas, gilt als besonders abwechslungsreich mit seinen ­­ 20 Kurven und einer endlos langen ­Geraden. Für die F1-Teams liegt die Challenge in der Abstimmung ihrer Boliden. Erschwerend sind die Bodenwellen, die sich auf der Rennstrecke ständig verändern. Im Vorjahr hat Red Bull Racing das beste Set-up gefunden. Max Verstappen ist der Doppelschlag in Sprint und Rennen gelungen. ServusTV und ServusTV On übertragen den Grand Prix der USA live.

bis 10. Oktober

Red Bull Rampage

CHRISTIAN PONDELLA / RED BULL CONTENT POOL, NIKLAS KAMP/RED BULL CONTENT POOL

Der Super Bowl des Freeride-Mountainbikings feiert seine 20. Austragung. Die Sandsteinfelsen der Wüste von Utah, USA, bieten dafür wieder die harte Bühne. ­Bewältigt werden sie von den weltbesten Freeridern und Freeriderinnen am MTB. Für sie zählen nicht Speed und Bestzeit, sondern eine kreative Streckenwahl und waghalsige Backflips oder Three-Sixties. Was 2001 als unverfälschter Ausdruck des Big-Mountain-Freeridings begann, hat sich zu einem Highlight des Actionsports entwickelt. Längst ist das wilde Fahren in den Wäldern und Bergen auch am Fernsehbildschirm erlebbar: Red Bull TV überträgt live.

18.

November

Red Bull Setlist Luciano Zehn Jahre Luciano! Der Berliner Rapper feiert eine Dekade mit Platin und einem Hit, der 265 Millionen Mal gestreamt wurde. Bei Red Bull Setlist zelebriert er diese Karriere mit einem Geschenk an seine Fanbase. Denn das Publikum bestimmt, was auf der Konzertbühne passiert – die Fans voten, welche Songs Lucia­no spielen soll oder welches Cover er neu interpretieren darf. Das Ergebnis: eine Live-Show, die aus der Community heraus entsteht – mit den Fans, die Luciano vom Block bis auf die Main­ stage gebracht haben.

Buchtipp

Die Kunst, stark zu bleiben … … wenn alles zu viel ist“ verabschiedet sich bewusst von klassischen Durch­ halteparolen. Nike Schröder, Mental Health Coach, Co-Founder des luxu­ riösen 5-Sterne-Medical-Spa Palazzo Fiuggi und Speakerin, zeigt, dass viele Frauen nicht an mangelnder Belastbarkeit scheitern, sondern an einem System permanenter Verfügbarkeit, emotionaler Mehrfachverantwortung und gesellschaftlicher Überforderung. Dabei verbindet Nike Schröder persönliche Erfahrungen mit Female Leadership, Burnout-Prävention, Longevity und Erfolg ohne Selbstverlust. Ihr ­Debüt als „Spiegel“-Besteller-Autorin ist eine Geschichte über Krisen und Neu­anfänge und eine Einladung, ­Stärke neu zu definieren. Wertvoll! THE RED BULLETIN


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Cameron Norrie bei Red Bull BassLine 2025 in der Wiener Stadthalle

12.

und 13. September

DTM Sachsenring Die einst als Tourenwagen-Rennserie gestartete DTM feiert ihren 41. Geburtstag. In dieser Saison kämpfen Fahrer und Teams in 16 Rennen um den Titel. Beim siebten Stopp geht es auch für das Team ABT Sportsline an den Sachsenring nach Deutschland. Die in die Landschaft eingebettete Naturrenn­ strecke bietet durch die teilweise überhöhten Zuschauerbereiche spektakuläre Stellen, von denen die Besucher die Rennen verfolgen können. Red Bull TV überträgt live.

23. Oktober

Turntables meet Tennis. Red Bull BassLine ist kein reguläres Tennisturnier: Zum Warm-up der Erste Bank Open kommen auch heuer wieder sechs der besten Tennisspieler der Welt zum Tie-Break-Turnier in die Wiener Stadthalle. Der hörbarste Unterschied zur gewohnten Ruhe am Tennisplatz: Aufgeschla­ gen wird, während der DJ euphorische Beats durch die Tennishalle jagt. ­Außerdem dürfen die Tennis-Fans in der Wiener Stadthalle per PublikumsVoting mitbestimmen, welche Spieler sich in der Gruppenphase gegenüberstehen. Das Finale bestreiten die beiden Gruppensieger. Turn the music on!

29. Oktober

Endless Wellness Wohlgefühl stellt sich bei Endless Wellness erst beim gemeinsamen Feiern & Tanzen ein. Verarbeitet ihr Indierock doch, wenn auch poetischkurios, die eher schweren Themen unserer Zeit. Beim Konzert in der Arena Wien spielen sie Songs ihres Debütalbums „Was für ein Glück“, aber auch vom Zweitwerk „Domino Days“, das im Oktober erscheint. THE RED BULLETIN

5.

November

Anmeldestart Wings for Life World Run Auch beim Wings for Life World Run 2027 lautet das Motto: Gemeinsam laufen, gehen und rollen für die, die es nicht können. Hobbyläufer, Profis, Rollstuhlfahrer und Anfänger treten gemeinsam an, bis sie vom Catcher Car eingeholt werden. 100 Prozent aller Startgebühren und Spenden fließen direkt in die Rückenmarks­ forschung und helfen, eine Heilung für Querschnittslähmung zu finden. Die Registrierung für den Lauf am 9. Mai 2027 öffnet am 5. November.

MIRJA GEH/RED BULL CONTENT POOL, LUCA CELINE, PHILIPP GREINDL FOR WINGS FOR LIFE WORLD RUN

Red Bull BassLine


GUIDE

18.

95

Pedro Acosta

bis 20. September

MotoGP Grand Prix von Österreich

GOLD & GOOSE/RED BULL CONTENT POOL, DEAN TREML/RED BULL CONTENT POOL

Vorhang auf für das MotoGP-Spektakel in der Steiermark. Erstmals startet das Motorradrennen am Spielberg im Spätsommer. Seit dem Streckenumbau am Red Bull Ring gingen zehn Rennen der Königsklasse an Ducati, zwei an das Heimteam von KTM. Im Vorjahr konnte auch Marc Márquez endlich jubeln. ServusTV und ServusTV On zeigen das komplette Geschehen live.

27. September

Red Bull Cliff Diving World Series Polignano a Mare Das Panorama des Red Bull Cliff Diving-Stopps in Italien ist einzigartig: Historische Häuser wachsen aus der Kalksteinküste von Polignano a Mare. Hier stürzen sich männliche und weibliche Klippenspringer nicht nur von der Red Bull Cliff Diving-Plattform ins Meer, sondern auch von Balkonen privater Häuser. Nicht umsonst nennt man die Stadt an der Adria die europäische Hochburg des Cliff Divings. Auf der vorletzten Etappe der Serie ist das Ziel, die King-KahekiliTrophäe, bereits in greifbarer Nähe. Live auf Red Bull TV.

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THE RED BULLETIN


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KOLUMNE

Hier schreibt unser Kolumnist Marcel Hirscher über sein ganz persönliches Sport-Jahr.

Was mich der Skisport über Ziele gelehrt hat

S

ie stärken und stressen. Tragen, ­ziehen, beflügeln – bremsen oder ­lähmen. Unsere großen Ziele im Leben sind der Personalausweis der Sehnsucht: Benennen wir sie, geben wir preis, wer wir sein wollen – und werden daran gemessen. Wie lassen sich Ziele verfolgen, ohne sich von ihnen verfolgt zu fühlen? Hier, was mich der Skisport darüber gelehrt hat: Kein Zielraum ohne das Starthaus Kindheit. Die ersten großen Ziele – Drehen, Krabbeln, Stehen, Sprechen, Gehen – erreichen wir im freien Spiel aus Hingabe und Bestärkung. Wir werden alle als Weltmeister geboren: probieren, scheitern, lernen, wieder probieren. So meistern wir unsere Welt. Über Zielsetzungen denken wir nicht nach: Entwicklung reicht als Ziel. Aller A ­ nfang ist leicht, auch wenn er schwierig ist. Das bleibt nicht ewig so. THE RED BULLETIN


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PHILIPP CARL RIEDL/RED BULL CONTENT POOL, PRIVAT

BEN TALLON

AUSNAHMEATHLET Als Slalom- und Riesentorlaufspezia­ list und sechsfacher „Sportler des Jahres“ hat der Salzburger Skirennfahrer Marcel Hirscher, 37, mit acht Gesamtweltcupsiegen in Folge die Geschichte des alpinen Skisports neu geschrieben. Hier geht es zu Marcels InstagramAccount:

„Das kannst du nicht“ war ein Satz, den ich in meiner Kindheit auf der Stuhlalm, wo meine Eltern Hüttenwirte waren, dankenswerterweise nie hörte. Sondern: „Probier’s!“ Mein erstes SMART-Ziel (spezifisch, messbar, attraktiv, rea­ listisch, terminiert) war ein im Almboden ver­ wachsener Felsbrocken, über den ich schmerzhaft gestürzt war. Also beschloss ich mit fünf Jahren, den Stolperstein auszugraben. Einen Tag bud­ delte ich. In der Dämmerung rollte ich den Stein aus seinem Loch und war mit mir zufrieden. Ziel gesetzt, Ziel erreicht, Problem gelöst. Man kann auch ein Ziel erreichen, das man sich nicht gesetzt hat. So entstand der Strecken­ rekord auf meiner ersten Slackline, dem alten Liftseil, das uns Papa bei der Hütte für Balance­ akte gespannt hatte. Antrieb Neugier: Wie weit kann ich auf dieser Linie gehen? Am Tag X waren es drei Kilometer am Stück hin und her, ohne Runtersteigen. Gut genug, fand ich. Und unter­ nahm nie wieder einen Versuch, den Rekord zu verbessern. Ziele verlieren ihre Strahlkraft, ­sobald sie erreicht sind. Im letzten Schuljahr sollten wir die Frage „Was will ich einmal werden?“ beantworten. Alle gängigen Berufe waren genannt, als ich an der Reihe war. Ich sagte: „Ich will einmal Welt­ meister und Olympiasieger werden.“ Die ganze Klasse lachte. Damals habe ich ein Prinzip verinnerlicht, das ich bis heute beherzige: show, don’t tell. Wer große Herzensziele ausspricht, entblößt Wünsche und Sehnsüchte – und wird fortan daran gemes­ sen. Das erklärt, warum die Interviewfrage „Was ist Ihr Ziel?“ mit „Werde mein Bestes geben“ oder Varianten von „Schau ma, dann seh ma’s“ beant­ wortet wird. Fad, aber smart: Erwartungshaltung führt zu Haltungsproblemen. Die willst du als Athlet nicht haben. Deshalb ist der „Sieg mit An­ sage“ als Schlagzeile eine Rarität. Wenn es eine allgemeingültige Zielformel gibt, kenne ich sie nicht. Dabei scheint die Sache für Skifahrer so einfach: Unser Ziel steht immer vor den Tribünen, praktisch nicht zu verfehlen. Doch ohne den Weg dorthin und die mitlaufende Zeit wäre es ein sinnloses rotes Viereck in weißer Landschaft. Gibt also der Weg dem Ziel seinen Wert – oder das Ziel dem Weg?

„Im letzten Schuljahr sagte ich, ich wolle einmal Weltmeister und Olympia­ sieger werden. Die Klasse lachte. In Wahrheit gilt: show, don’t tell.“

Fragen wir das Gehirn. Aus dem Material des Erlebten bastelt es Collagen der Zukunft. Manche leuchten so farbenfroh, dass unser inneres Auge nicht mehr wegschauen kann: die Sternengeburt dessen, was wir im Leben erstreben. Ein Wunsch wird zur Vision, die Vision zu einer Richtung. An deren fernstem Horizont gewinnt ein Ziel aus einem Gedankengebilde heraus Kontur. Unser inneres Navi dorthin ist das Dopamin­ system. Es reagiert nicht erst beim Erreichen eines Ziels, nein, es kalibriert 24/7 die Routen­ führung. Chancen, Fortschritt, Teilerfolge fließen ebenso in die Routenberechnung ein wie Rück­ schläge, Staus und Umleitungen. Dopamin be­ einflusst Antrieb, Motivation und Frustrations­ toleranz. So bahnen wir uns in unendlich vielen Schritten unseren Weg zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Oder auch nicht. Dann lohnt die Prüfung, ob das Ziel auch wirklich das Ziel ist – also: das eigene Ziel, das man im Herzen pul­ sieren spürt. Wenn ich schon keine Formel habe, dann ­wenigstens drei Herangehensweisen, die mir der Skisport beigebracht hat: 1. Nicht verkopfen. Große Ziele brauchen alle Sinne. Vor einem Rennen besichtigen wir den Lauf, geben der visualisierten Ideallinie Rhyth­ mus, Stimme und Bewegung und speichern den inneren Film in jede Zelle. Darauf zu vertrauen, ist Übungssache. Je lebendiger, desto besser: Das orientiert, sortiert und priorisiert, was unterwegs wichtig ist. Ohne drüber nachzudenken. Auch abseits der Rennstrecke. 2. Der Rundumblick. Ist das Zielbild scharf genug, versuche ich zwei Dinge zu vermeiden – ständig draufzustarren und überhaupt nicht hin­ zuschauen. Der Rundumblick kreist: Wie weit bin ich schon gekommen? Wo befindet sich der große Horizont? Und was ist unmittelbar jetzt vor mir und im Moment das Wichtigste? 3. Vertrauter Kreis. Typsache: Es gibt Men­ schen, die sich mit mutigen Ansagen pushen. Und andere, die niemanden in ihre wahren Ziele einweihen. Ich bin in der Mitte: Welches Ziel ich erreichen und wer ich künftig sein möchte, teile ich im vertrauten Kreis – nicht zuerst auf Insta­ gram. Show, don’t tell. Im Slalom des Lebens ist die Linie zwischen Start und Ziel nie eine Gerade. Oft hilft Rück­ besinnung auf Momente, in denen wir die Idee von Scheitern noch nicht hatten. Weil wir Welt­ meister im Ausprobieren waren. Und Ziele verfolgt haben, ohne uns von ihnen verfolgt zu fühlen. THE RED BULLETIN


SCHLUSSMINUTE

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9 Fragen an

Carina Reicht Die 25-Jährige hat 2025 nicht nur ihren ersten Weltcup gewonnen, sondern auch die Auszeichnung als Österreichs Triathletin des Jahres. Was sie antreibt: Olympia und Pommes.

Welchen Traum hast du?

Olympia 2028 in Los Angeles. Seit Mai läuft die Qualifikation, ich hab auch schon Punkte gesammelt. Eine Teilnahme ist auf alle Fälle realistisch. Ich will mein Potenzial komplett ausschöpfen. Hoffentlich reicht es, um ganz nach oben zu kommen.

Carina Reicht ist zweifache Staatsmeisterin im Aquathlon und Crosslauf sowie Triathlon-Vizestaatsmeisterin.

Was muss in deine Sporttasche?

Meine AirPods. Sie sind überall mit dabei.

Woran denkst du, wenn du über die Ziellinie läufst? Wenn das Rennen richtig gut war: „Ist das gerade wirklich passiert?“ Wenn es eher mittel war: „Okay, weiter.“ Und dann denke ich gleich darüber nach, was ich verbessern kann.

SABRINA LUTTENBERGER

Was hast du dir von deinem ersten ProfiGehalt gegönnt?

Ich hab mir ein neues Handy gekauft.

Deine größte Schwäche?

Ich bin unerträglich ohne Sport. Ein Tag ohne Sport ist das Maximum, was ich aushalte.

Wann hast du dich zuletzt selbst überrascht? Als ich vergangenen Oktober beim Weltcup in Rom gewonnen habe. Ich wusste, dass ich gut drauf bin – aber mit dem Sieg habe ich wirklich nicht gerechnet.

Auf welchen Snack schwörst du? Pommes. Immer lecker.

Die größte Lüge, die du dir selbst erzählst?

Wenn ich zu meinem Freund sage: „Nein, ich brauch nichts zum Essen.“

Die nächste Ausgabe von THE RED BULLETIN erscheint am 24. November 2026. THE RED BULLETIN

MATTHIAS PRETTERHOFER, WORLDTRIATHLON, ADOBE STOCK

Dein Gefühl fünf Minuten vor dem Start?

Eigentlich will ich nur noch, dass es endlich losgeht. Ich versuche, am Start möglichst wenig nachzudenken.


Dominic Thiem | David Alaba

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15. Oktober | Wiener Stadthalle


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