SCHWEIZ MAI 2021 CHF 3.80
« WIR MUSSTEN IRRE « DIE SECURITY SCHNELL SEIN.» WAR UNS ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN
AUF DEN FERSEN.»
EXTRA WINGS FOR LIFE WORLD RUN
JETZT ABONNIEREN: GETREDBULLETIN.CH
ALLE INFOS ZUM LAUF-EVENT DES JAHRES
SKATEBOARD-FOTOGRAF JAKE DARWEN ÜBER DIE MAGIE DES AUGENBLICKS AM RANDE DES VERBOTENEN
Polestar 2 — 100% elektrisch – warum länger warten?
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E DI TO R I A L
WILLKOMMEN
EIN MANN, EIN BILD
Viel Spass mit der neuen Ausgabe von The Red Bulletin! Die Redaktion
Der Neuseeländer Jake Darwen macht lässige SkateboardFotos – immer auf der Hut vor Securitys. Ab Seite 20
110
Tonnen Bananen werden jedes Jahr beim Wings for Life World Run verputzt. Noch mehr Zahlen zum LaufEvent auf Seite 14.
POINTEN FÜR DIE LETZTE SEITE
Nicolas Mahler, hier im Selbst porträt, ist preisgekrönter Comiczeichner und ab jetzt fix bei uns zu sehen: Seite 98
4
NICOLAS MAHLER
Die 26-jährige Breakdancerin erzählt, wie sie zu ihren Wurzeln fand: ab Seite 40.
DIE KURVE GEKRATZT
JAKE DARWEN (COVER), CHRISTIAN ANWANDER
WIE SINA SICH SELBST ENTDECKTE
Natürlich können Sie diese Zeilen erst ein mal in Ruhe fertig lesen, Sie können aber auch sofort auf Seite 64 blättern (falls Sie das tun, kommen Sie bitte nachher wieder). Dort sehen Sie ein Bild, das Fotograf Philipp Horak von Tarek Rasouli gemacht hat. Dieser Name wird Ihnen jetzt vermutlich nichts sagen, es sei denn, Sie sind Mountain bike-Profi. Tarek Rasouli ist nämlich der wichtigste Bike-Manager Europas. Und er sitzt seit einem Unfall im Rollstuhl. Warum also gleich auf Seite 64 blättern? Weil Sie da einen Mann mit offenem Blick und freundlichem Lächeln sehen und nicht einen Augenblick daran zweifeln werden, dass er es versteht, sein Leben gut zu leben. Und dass er mit seinem Rollstuhl einen Wheelie macht, ist, als würde er Ihnen verschmitzt-verschwörerisch zuzwinkern. Grosser Mann, grosse Geschichte!
THE RED BULLETIN
ALPHATAURI.COM
© Jean Nouvel, Gilbert Lézénès, Pierre Soria et Architecture-Studio / Adagp, Paris, 2021
I N H A LT The Red Bulletin im Mai 2021
LAUFEN
58 IM NAMEN DES PAPSTES
COVERSTORY
20 VON DER MAGIE DES VERBOTENEN
Die Schweizerin Camille Chenaux läuft erfolgreich für das Team Vatikan.
Skateboard-Fotograf Jake Darwen: seine besten Bilder und die Geschichten dazu.
MOUNTAINBIKE
WINGS FOR LIFE I
34 L ÄUFER MIT HERZ
Marathon-Star Tadesse Abraham hilft Menschen, die in der Schweiz eine neue Heimat suchen.
Ex-Skirennläufer Marco Büchel erzählt, wie er die Teilnehmer des Wings for Life World App-Run anfeuert.
BREAKDANCE
40 TANZ DICH FREI
Tarek Rasouli ist Dreh- und Angelpunkt der MTB-Szene – seit er im Rollstuhl sitzt.
KÜNSTLICHE INTELLIGENZ
70 MONUMENTAL ANDERS
KI wird die Menschheit verändern. Forscher Richard Socher erzählt uns, wie und warum.
GUIDE
Tipps für ein Leben abseits des Alltäglichen
82 W INGS FOR LIFE WORLD RUN. Wie der App-Run funktioniert.
SKYDIVING
84 R ICHTIG GUTES ZEUG. Tipps, Termine und Liebhaberstücke.
Stunt am texanischen Nacht himmel: wie aus einer verrückten Idee himmlische Fotos entstanden.
86 M OTORRÄDER. Bikes sind die besten Mentaltrainer – 8 Beispiele.
8 GALLERY 14 ZAHLEN, BITTE!
6
38 MOTIVIEREND Ex-Skistar Marco Büchel wird uns beim Wings for Life World Run anfeuern.
77 TRAVEL. Total abgehoben: Paragleiten am Mont Blanc mit Bergführer Calum Muskett.
Wie die Österreicherin Sina beim Breakdance Seele, Sinn und Selbstbewusstsein fand – die Geschichte einer Reise.
50 KOMET MIT HELM
BEWEGEND ist die Reise, die B-Girl Sina unternommen hat, um sich selbst zu finden.
64 MIT RAD UND TAT
WINGS FOR LIFE II
38 UNSER MANN IM OHR
40
83 G AMING. Jacob Mourujärvi erklärt, wie man eSport-Profi wird.
92 B OULEVARD DER HELDEN. Coco Chanels Weg zur Mode-Ikone.
16 FUNDSTÜCK 18 DAS PHILOSOPHEN-INTERVIEW
96 IMPRESSUM 98 CARTOON
58 ERHEBEND Camille Chenaux läuft für das Leichtathletik-Team des Heiligen Vaters.
THE RED BULLETIN
DUSTIN SNIPES, CHRISTIAN ANWANDER, MATTIS KUMMER, NICOLA CARIGNANI
50 LICHTGESTALTEN Der Kometen-Stunt der Red Bull Air Force- Skydiver am Nacht himmel von Texas.
THE RED BULLETIN
7
ALDEYJARFOSS, ISLAND
Ein Fall für Mr. Garcia Der Pilot des roten Hubschraubers. Der kühne Mann im blauen Wildwasserboot. Der Fotograf auf dem Felsen gegenüber. Auf diesem Bild, aufgenommen in der spektakulären Kulisse des isländischen Hochlands, zeigen drei Profis, was sie können: Der amerikanische Extrem-Kajakfahrer Evan Garcia stürzt sich, gefilmt aus dem Helikopter, den 20 Meter hohen Aldeyjarfoss-Wasserfall hinunter, der tschechische Lichtbildner Jan Kasl macht das Beste draus. Abenteuer im Bild: jankaslphoto.com
9
JAN KASL
NEOM, SAUDI-ARABIEN
Voll am Sand
ERIC VARGIOLU/DPPI/RED BULL CONTENT POOL
DAVYDD CHONG
Wenn man nur lang genug von oben auf diese Wüstenzunge am Golf von Akaba schaut, dann taucht bald einmal ein schlafender Drache auf. Hier sehen wir den Truck der Russen Anton Shibalov, Dmitrii Nikitin und Ivan Tatarinov, der am Drachenmaul furchtlos Staub aufwirbelt. Die Besatzung hatte allerdings keine Zeit für Fabelwesen, denn bei ihrer Teilnahme an der Rallye Dakar – die nun zum zweiten Mal in Saudi-Arabien stattfand – galt: voll aufs Pedal! Der Franzose Éric Vargiolu hatte jedenfalls den Finger zur richtigen Zeit am Auslöser. Instagram: @eric_vargiolu
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LAAX, SCHWEIZ
DEAN TREML/RED BULL CONTENT POOL
LiftkabelKunststück Wenn in Laax die Sonne in einem Wolkenmeer versinkt, hebt eine Freestyle-Legende ab. Für sein «Snomx»-Filmprojekt stieg der Schweizer Mat Rebeaud, 38, auf eine E-Maschine, um zu zeigen, was sich damit im Schnee alles anstellen lässt. Die Landung auf einem Liftkabel nach dem Sprung über den Kicker rechts im Bild wäre aber selbst für einen Piloten seiner Klasse zu viel des Guten – das auf den ersten Blick sensationelle Ereignis ist eine optische Täuschung. QR-Code scannen, Video sehen und staunen 13
Z AHL EN, BI T T E!
WINGS FOR LIFE WORLD RUN
Gemeinsam läuft’s besser Zum achten Mal laufen Menschen am 9. Mai rund um den Globus zur gleichen Zeit für den guten Zweck. Hier die beeindruckenden Zahlen – von der ältesten Teilnehmerin zum imposanten Bananenverbrauch.
95
32,43
Jahre alt war die bislang älteste Teilnehmerin. Die Südafrikanerin lief 7,24 Kilometer.
Kilometer schaffte Wings for Life World Run-Fixstarter Andreas Goldberger, der 2020 rund um den Mondsee lief.
Menschen haben bislang im Rollstuhl teilgenommen.
110
Tonnen Bananen wurden beim Lauf verputzt. Das entspricht dem Gewicht von 18 Elefantenbullen.
2.800.000
Euro Spendengeld wurden allein beim Lauf im Vorjahr gesammelt.
110410
59
6
Forschungsprojekte in 13 Ländern unterstützt Wings for Life derzeit. Ihr Ziel: Querschnittslähmung heilbar zu machen.
Kontinente, 13 Zeitzonen und 195 Länder umspannt das Teilnehmerfeld des Laufs.
250.000
22.287
699.150
Rückenmarksverletzungen assieren weltweit pro Jahr, p die Hälfte bei Verkehrsunfällen.
Melde dich an und lauf mit: wingsforlifeworldrun.com
Menschen haben seit 2014 am Wings for Life World Run teilgenommen. 14
THE RED BULLETIN
GETTY IMAGES, MARKUS BERGER FOR WINGS FOR LIFE WORLD RUN
Kilometer – fast zehnmal die Distanz zum Mond und zu rück – legten die Teilnehmer in sieben Jahren zurück.
CLAUDIA MEITERT
war die Startnummer der Russin Nina Zarina, die 2020 zum zwei ten Mal en suite die Weltbeste bei den Frauen war: Sie hielt bei 54,23 Kilometern, als das virtuelle Catcher Car sie einholte.
7.378.113,6
Teams (also Gruppen von Teilnehmern, die sich ein gemeinsames Ziel setzen) wurden bisher gegründet – mehr, als es Fussballvereine in Deutschland gibt.
4070
FLÜÜÜGEL FÜR DEN SOMMER.
MIT DEM GESCHMACK VON DRACHENFRUCHT.
NEU
BELEBT GEIST UND KÖRPER.
F U ND ST Ü CK
Die Beatles am «Abbey Road»-Cover. Der Zebra streifen steht seit 2010 unter Denkmalschutz.
THE BEATLES
Rock ’n’ Rolle
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THE RED BULLETIN
GETTY IMAGES, ALAMY
Original Klopapierrolle von der Toilette der Londoner Abbey Road Studios, 1969 Zwischen Februar und August 1969 nahm die berühmteste Pop-Band der Welt ihr letztes gemeinsames Album auf. Es hiess genauso wie die Studios: «Abbey Road». Auch unser Fundstück spielte eine Rolle: «Die meisten Dinge liefen damals sehr flauschig ab», heisst es dazu in einem Brief von einem EMI General Manager, «nicht jedoch dieses Klopapier, das den Beatles zu hart und zu glatt war. Ausserdem fanden sie es erbärmlich, dass jedes Blatt von EMI gestempelt war. Die Rolle wurde sofort ausgetauscht.»
N N A K H U H C S F U A L M E N I E M . N E U A R T R E ICH BLIND V stin g-Spezia in n n u R l e ff y R , a L aur
Wir sind Läufer.
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DAS PH ILOS O PHEN- IN T ERV IE W
SOKRATES FRAGT:
«Erkennst du dich selbst, oder postest du noch?» Social Media ist für ihn nichts anderes als der antike Markt von Athen: eine Gelegenheit, bei der man die Weltbilder seiner Zeitgenossen zum Einsturz bringt. Wie das funktioniert, erklärt der grosse Denker Sokrates in unserem fiktiven Interview mit dem deutschen Philosophen Christoph Quarch.
Heisst das, wir machen uns in den sozialen Medien alle etwas vor? Vielleicht nicht alle, aber viele. Es ist wirklich wie früher auf dem Markt von Athen. Die Leute wollen sämt «Den Leuten ist lich Aufmerksamkeit. Sie wollen bewundert und wertgeschätzt jedes Mittel recht, werden. Aus diesem Grund ist um attraktiv zu ihnen jedes Mittel recht, um gut und attraktiv zu scheinen – und scheinen, und sie sie vergessen darüber, gut und vergessen darüber, attraktiv zu sein. Das ist schade.
Ja, schon. Und was ist aus Ihrer Sicht ein Nutzer? Lassen Sie uns mal so tun, als wäre hier ein Nutzer, den wir fragen könnten: «Hey Nutzer, wer bist du?» – «Was ist das für eine komische Frage, schau dir mal mein Profil an, dann weisst du’s.» – «Okay, da finde ich ein Foto und ein paar Infos über dich. Aber das war doch wohl noch nicht alles.» – «Na klar, ich kann doch nicht mein ganzes Leben in mein Profil quet schen.» – «Das will ich hoffen, aber dann bist du doch offenbar etwas anderes als dein Profil. Oder sagen wir so: Dein Profil ist ein Bild von dir – aber du bist nicht mit diesem Bild identisch …» Merken Sie, worauf ich hinauswill?
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zu sein.»
Haben Sie deshalb keinen Facebook-Account? Och, ich würd mir schon noch einen anlegen, denn für Social Media gilt am Ende das Gleiche wie für den Markt in Athen: Du kannst darin als Fake-Avatar herumlaufen und dich mit deinem Profil verwechseln, du kannst Social Media aber auch für Dialoge nutzen, in denen du anfängst, dich selbst zu erkennen und deine albernen Selbstinszenierungen als das zu durch schauen, was sie sind: fruchtlose Schattenspiele, die dich davon abhalten, wirklich du selbst zu sein. SOKRATES (ca. 470–399 v. Chr.) ist die Galionsfigur der euro päischen Philosophie. Zu Lebzeiten war der griechische Denker berühmt dafür, unreflektierte Selbst- und Weltbilder infrage zu stellen. Damit zog er den Zorn vieler Mitbürger auf sich, die ihn in einem fragwürdigen Prozess zum Tode verurteilten. CHRISTOPH QUARCH, 56, ist deutscher Philosoph, Theologe, Unternehmens-Coach und Autor zahlreicher philosophischer Bücher. Zuletzt erschienen: «Platon und die Folgen», Verlag J. B. Metzler, Stuttgart.
THE RED BULLETIN
BENE ROHLMANN
Wie meinen Sie das? Man nennt diese Leute Nutzer. attraktiv Ja, das weiss ich. Aber was ist das – ein Nutzer? Sehen Sie: Bei uns im alten Griechenland kannte jeder die Tempel inschrift in Delphi. Sie lautete: «Erkenne dich selbst!» Deshalb frage ich jeden Nutzer, ob er sagen kann, was es heisst, ein Nutzer zu sein. Verstehen Sie, was ich meine?
DR. CHRISTOPH QUARCH
the red bulletin: In den sozialen Medien können Menschen sich zeigen und einander begegnen – selbst wenn sie physisch an verschiedenen Orten sind. Ist das nicht ein grossartiges Instrument, um miteinander ins Gespräch zu kommen? sokrates: Ha, da haben Sie mir einen schönen Köder hingeworfen, mein Freund. Denn Sie wissen ja genau, dass ich ein riesengrosser Fan von Gesprächen bin. Und warum nicht auch mal chatten oder twittern? Mir ist nur eines nicht ganz klar dabei: Wer sind eigentlich die jenigen, die auf Social Media kommunizieren?
Sie wollen sagen, dass man im Netz eigentlich nur mit einem Bild von sich unterwegs ist, aber nicht als die Person, die man eigentlich ist? Genau das meine ich. Und jetzt kommt’s: Ein Bild kann wahr oder falsch sein. Es kann das, was es abbildet, getreu wiedergeben, es kann aber auch ein Zerrbild sein. Meistens ist Letzteres der Fall: Das Bild, mit dem Sie in sozialen Medien unterwegs sind, gibt dann gar nicht zu erkennen, wer Sie tatsächlich sind, sondern nur, wer Sie gern sein wollen. Es ist fast immer ein Wunschbild, das Sie von sich haben. Und das ist ziemlich oft ein verdammter Fake.
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Wir sind Läufer.
P O RT FO L IO
« Wir hatten nicht viel Zeit. Die Securitys waren uns auf den Fersen» Skateboard-Fotograf Jake Darwen über die Magie des Augenblicks am Rande des Verbotenen. Text ANDREAS WOLLINGER
Volles Rohr
Anthony Schultz, Seoul, Südkorea, 2016
«Vor dem grössten Einkaufszentrum Seouls steht diese perfekte Full Pipe. Das Problem sind nur die vielen Wachleute. Ein paar von den Jungs lenkten sie ab, Anthony hatte Zeit für genau zwei Versuche, dann haben sie uns des Areals verwiesen.»
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Unter dem Regenbogen
Casey Ainsworth, Adelaide, Australien, 2015 «Casey entdeckte untertags diese wirklich steile Bank (eine Schräge, die Tricks zulässt; Anm.), wir gingen abends hin, um ungestört zu sein. Da stellten wir fest, dass das Stadion beleuchtet war, was die Sache gleich noch viel schöner machte.»
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Nicht mal Fliegen ist schöner
Marius Syvänen, Tugun, Australien, 2018 «Fast zu schön, um wahr zu sein, aber diese Bowl ist nur ein paar hundert Meter von der Landebahn des Flughafens von Gold Coast entfernt. Marius und ich stoppten, dass die Flugzeuge zirka alle 20 Minuten ankamen. Schwebte also ein Flieger herein, legte Marius los. Es dauerte lang, bis wir es präzise hinbekamen, aber das war es allemal wert.»
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Sprünge im Schulhof
Jake Hayes & Jordan Trahan, Los Angeles, USA, 2019 «Klassische Schulhof-Session, mitten im Hoch sommer. Meine Blitzgeräte explodierten fast in der Hitze, aber die Jungs behielten einen kühlen Kopf und schafften es, ihre Kickflips über den Tisch perfekt zu synchronisieren.»
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Big City, Bright Lights
Marquise Henry, Los Angeles, USA, 2020 «Ich war schon immer ein grosser Fan davon, mein Motiv von hinten zu beleuchten, wann immer ich die Gelegenheit dazu habe. Die Art und Weise, wie die Schatten dann mit dem Boden verschmelzen, und das Glühen hinter der Person: Ich liebe es!»
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Kunst und Können
Louie Dodd, Melbourne, Australien, 2016 «Louie skatet immer an Stellen, die so toll sind, dass man sich wünscht, ihn dabei fotografieren zu können. Glücklicherweise ging mein Wunsch in Erfüllung: Diese abstrakte Skulptur steht im Herzen von Melbourne.»
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Springen im Brunnen Dean Palmer, Peking, China, 2014
«Ich wollte immer schon jemanden in einem Springbrunnen fotografieren, aber meistens wollen die Leute nicht nass werden. Als ich mit Dean in Peking war, fragte ich ihn, ob er Lust habe. Nach fünf Minuten war er tropfnass. Er ist dann ins Hotel zurück, holte sich neue Klamotten, und weiter ging’s.»
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Sicherheit ist relativ
Franky Villani, Los Angeles, USA, 2020 «Nach dem Ausbruch von Corona hatte ich einen Monat lang kein Foto geschossen. Dann erkannten wir, dass geschlossene Schulen sichere Orte waren – keine Menschen weit und breit. Franky wählte prompt den am wenigsten sicheren Trick: den 50-50 Grind Hippie Jump – über das Geländer durch das Loch im Zaun.»
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Eine Frage des Gleichgewichts
Gabriel Summers, Melbourne, Australien, 2015 «Bis heute weiss keiner, wer das gebaut oder wozu es ge dient hat – eine wilde Konstruktion mit herausstehenden Nägeln und Sperrholzstücken, die sich gegenseitig über lappen. Gabriel musste wie ein Turner balancieren, um sein Brett in die richtige Position zu bringen, und dann einfach das Beste hoffen. Zum Glück ist nichts passiert.»
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Mit 16 zog sich Jake Darwen eine Knieverletzung zu – nicht lustig, wenn man davon träumt, Skateboardprofi zu werden. Doch der S onnyboy aus Auckland, Neuseeland, nützte das halbe Jahr Krankenstand kreativ: Er legte sich eine Kamera zu, um Teil der Szene zu bleiben, wenn er schon nicht selber fahren konnte. Schnell wurde die Fotografie zu seiner neuen Leidenschaft, wobei er den gleichen Zugang wählte wie beim Skateboarden: «Du kannst nicht aufhören, dich zu verbessern, das macht süchtig», sagt er. Nach fünf Jahren in Australien übersiedelte er schliesslich nach Los Angeles und zählt heute, mit 28, zu einem der gefragtesten Skateboard-Fotografen der Welt. Vor allem weil er es versteht, die flüchtigen Tricks der Boarder und ihre Umgebung mit wachem Blick und perfektem Timing zu Gesamtkunstwerken zu erhöhen. «Ich glaube», sagt er, «dass man ein Foto auf die Art dazu bringt, eine Geschichte zu erzählen.» Bilder aus Jakes Leben: Instagram: @jakedarwen
Tag der Fahne
Jake Hayes, Chongqing, China, 2014 «Diese Flaggen fielen mir auf, als wir von einem Spot zum nächsten unterwegs waren. Ich kletterte auf einen Baum, um den Blickwinkel richtig hinzukriegen, und Jake machte ein paar Kickflips. Zum Glück waren nirgends Securitys.»
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Wings for Life World Run I
«Du brauchst nur ein Ziel» Tadesse Abraham, 38, hält den Schweizer Rekord im Marathonlauf. Privat schraubt er das Tempo lieber runter. Und hilft Menschen, die wie er in der Schweiz eine neue Heimat suchen. Interview KARIN CERNY Fotos JANOSCH ABEL
Er läuft 200 Kilometer pro Woche. Und liebt es, wenn ihm Zeit für einen ausgiebigen Mittagsschlaf bleibt. Denn im Leben von Tadesse Abraham geht es um die richtige Mischung aus Entspannung und Leistung. Seit 2016 hält er den Schweizer Rekord im Marathon – mit 2 Stunden, 6 Minuten und 40 Sekunden, aufgestellt in Seoul (womit er auf Platz vier landete, 1:27 Minuten hinter dem Sieger). Der Weg dahin war lang: In Eritrea geboren, setzte er sich während eines Wettkampfs in Belgien ab und stellte 2004 einen Asylantrag in der Schweiz. 2014 wurde er ein gebürgert – und gilt heute als bestes Beispiel für gelungene Integration. Jetzt hilft er jungen Menschen, die wie er Migrationshintergrund haben. Sein «THSN Refugee Team» wird am 9. Mai beim Wings for Life World Run in Genf mitlaufen. THSN steht für «The Human Safety Net», ein Start-up-Programm, das Flüchtlinge bei der Verwirklichung ihrer Ge schäftsideen unterstützt.
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Hatten Sie Vorbilder? Am Anfang nicht, es gab keinen Fernseher in unserem Dorf. Ich wusste gar nicht, wer die Champions waren. Ich wollte einfach bei Wett kämpfen dabei sein und gewinnen. 2004 sind Sie aus dem autoritär regierten Eritrea geflüchtet und in der Schweiz gelandet. Konnten Sie Deutsch? Kein Wort. Das war schon schwierig, aber der Sport hat mir sehr geholfen, mich schnell zu integrieren.
the red bulletin: Wo erwische ich Sie gerade? tadesse abraham: Ich bin auf Trainingslager in Äthiopien und komme gerade vom Mittagessen. Vormittags bin ich 21 Kilometer gelaufen, nachmittags stehen noch einmal zehn an.
Ist das ein Grund, warum Sie sich sozial engagieren? Um anderen zu helfen, denen es ähnlich geht? Definitiv! Viele Leute schämen sich, dass sie die Sprache nicht perfekt beherrschen. Ich möchte ihnen die Hemmungen nehmen. Ihnen klar machen, dass es wichtig ist, zu spre chen, auch wenn die Grammatik nicht perfekt ist.
Addis Abeba liegt auf fast 2 400 Metern. Probleme mit der Höhe haben Sie keine? Die Höhe liegt mir. So bin ich auf gewachsen, ich akklimatisiere mich dementsprechend schnell. Äthiopien ist wie eine Heimat für mich, ich spreche die Sprache, mag das Essen, finde leicht Trainingspartner. Und die Laufstrecken sind sehr abwechs lungsreich.
Sie leiten das «THSN Refugee Team». Was ist das genau? Ein Projekt, das die Versicherung Generali Schweiz gemeinsam mit mir ins Leben gerufen hat. Es geht darum, junge Menschen mit Migrationshintergrund und Flucht erfahrung über Sport zu integrieren. Beim Trainieren redet man unge zwungener, kommt auf neue Ideen und findet Freunde.
Sie sind im Nachbarland Eritrea auf einem Bauernhof gross gewor den. Wie sind Sie eigentlich zum Laufen gekommen? Als Kind wollte ich unbedingt Rad rennfahrer werden. Aber dann bin ich gestürzt. Mir ist nichts passiert, aber das Velo war kaputt. Und meine Eltern hatten nicht genug Geld, um mir ein neues zu kaufen. Ich musste zehn Kilometer in die Schule zu Fuss gehen. Damit ich nicht immer zu spät komme, begann ich zu laufen. Mit sechzehn war ich der Schnellste meiner Schule. Mein Lehrer hat gemeint, ich müsste mit dem Laufen weitermachen. Und das habe ich.
Muss man eine bestimmte Zeit laufen, um in diesem Team auf genommen zu werden? Nein, wir sind bunt gemischt, Männer und Frauen, Anfänger und Spitzensportler. In Genf besteht das Team im Moment aus rund 20 Leu ten. In Zürich werden wir auch bald starten, das mussten wir wegen Co rona verschieben. Wir helfen Flücht
THE RED BULLETIN
«Es geht nicht nur ums Gewinnen. Wichtig ist der Teamgeist» Tadesse Abraham über seine Prinzipien im Sport
THE RED BULLETIN
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Wings for Life World Run I
«Für mich ist es okay, wenn mich jemand aus meinem Team schlägt.»
Lauf ins Glück
Das Laufen brachte Tadesse Abraham eine neue Heimat. Und seine Frau. «Tade», wie ihn Freunde und Fans nennen, war in Eritrea schon ein erfolgreicher Athlet, als er sich bei einem Wettkampf in Europa in die Schweiz absetzte. Beim Laufen lernte er später in seiner Wahlheimat auch seine Frau Senait kennen, die damals als Hobbyläuferin für den New Yorker Marathon trainierte. Sie wuchs in der Schweiz auf, arbeitet in der Finanzbranche, hat aber wie ihr Mann eritreische Wurzeln. Die b eiden leben mit ihrem Sohn Elod in Genf. tadesse-abraham.ch
lingen, wenn sie Spitzensportler werden wollen, aber auch, wenn sie eine Lehre oder Ausbildung suchen. Welche Rolle spielen Sie da? Ich bin der grosse Bruder. Ein guter Freund, mit dem man locker reden kann. Zumindest anders als mit ihrem Chef. Ich bin einer von ihnen, weiss, wie man schnell eine Lösung finden kann. Gibt es im Refugee-Team Läufer, die Ihnen später mal Konkurrenz machen können? Fünf sind extrem gut. Aber ich hatte nie Angst, dass jemand besser ist als ich. Wer gut trainiert, der gewinnt. Für mich ist es okay, wenn mich jemand aus dem eigenen Team
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schlägt. Das bedeutet doch bloss, dass ich meinen Job gut gemacht habe. Es geht beim Sport nicht nur ums Gewinnen, darum, möglichst viele Kilometer möglichst schnell zu laufen. Wichtig ist der Teamgeist. Ist Marathonlaufen denn nicht eine relativ einsame Sache? Klar, bei den Wettkämpfen bist du allein. Aber beim Training wäre ich ohne Team aufgeschmissen. Dann würde ich bei schlechtem Wetter einfach auf dem Sofa liegen bleiben. Welche Tricks haben Sie bei Wett kämpfen, um sämtliche Energie reserven freizusetzen? Positive Gedanken helfen. Ich blende die Konkurrenz aus, denke an die vielen Leute, die hinter mir stehen. Meine Familie, mein Team, mein Verein, alle, die im Ziel auf mich warten. Dann bin ich mit voller Kraft unterwegs. Wie geht es Ihnen mit dem Druck? Klar, das macht mir manchmal schon Stress. Vor allem, wenn ich für mein Land laufe und die Erwartungshaltung gross ist. Ich denke dabei mehr an meine Heimat als an mich. Wenn Millionen Menschen an dich glauben, dann möchtest du die einfach nicht enttäuschen. Genau das gibt mir dann aber auch wieder den nötigen Kick, mich durchzukämpfen.
Ich laufe einfach los. Der Rest ergibt sich von selbst. Sie trainieren gerade für die Olym pischen Spiele, die ab Ende Juli in Tokio stattfinden sollen. Glauben Sie, die Corona-Pandemie könnte Ihnen noch einen Strich durch die Rechnung machen? Als Athlet muss ich zu 100 Prozent daran glauben, dass die Spiele stattfinden werden. Alles andere wäre kontraproduktiv. Nur so bin ich motiviert. Was für einen Tipp geben Sie jungen Läuferinnen und Läufern? Alles ist möglich, du brauchst nur ein Ziel. Du musst bei der Sache bleiben, auch wenn es gerade nicht rund läuft. Positiv sein, aber Selbstkritik zulassen. Abgesehen davon finde ich, dass man nicht immer nur trainieren kann. Auch ein Spitzensportler muss das Leben geniessen. Ich möchte keine Maschine werden. Es muss möglich sein, auch mal mit Freunden abzuhängen. Wie schalten Sie ab? Ich schlafe wahnsinnig gern. Auch tagsüber. Wenn es mir gelingt, eine Stunde zu schlafen, dann bin ich wieder voller Tatendrang. Auch wenn ich Zeit mit meiner Familie verbringe, kann ich völlig im Moment leben. Und Wandern macht mir Spass. Dann ist die Schweiz ja geradezu ideal für Sie. Ja, die Natur liegt vor der Haustür. Ich gehe gern in den Wald, geniesse die verschiedenen Lichtstimmungen und den Vögeln beim Singen zuzuhören. Das klingt vielleicht kitschig, aber es gibt mir Ruhe. Mit Tadesse Abraham unterwegs – auf Instagram: tadesse_abraham_official
Haben Sie Rituale? Eigentlich nicht. Ich mache beim Start und im Ziel ein Kreuzzeichen, weil ich gläubig bin. Aber ich gehe die Strecke nicht im Kopf durch. THE RED BULLETIN
Wings for Life World Run II
Der frühere Weltklasse-Skiläufer Marco Büchel, 49, wird beim Wings for Life World Run alle Teilnehmer anfeuern – als Stimme der offiziellen App. Neben dem Spass am Laufen hat «Büxi» einen ganz persönlichen Grund dafür. Text HANNES KROPIK
Was fällt Marco Büchel ein, wenn er an den Wings for Life World Run denkt? «Das Grinsen in den Gesichtern der Teilnehmer. Wir waren wie eine verschworene Gemeinschaft.» In diesem Jahr wird Büchel dieser Gemeinschaft so nah sein wie noch nie zuvor: Als Stimme in den Ohren aller Schweizer Teilnehmer – er wird sie per App anfeuern. Der Wings for Life World Run ist ein besonderer Lauf: Er wird weltweit zeitgleich gestartet. Und jeder Cent des Startgeldes der Teilnehmer fliesst in die Erforschung von Rückenmarksverletzungen. Erklärtes Ziel der Stiftung Wings for Life ist es, Querschnittslähmungen heilbar zu machen. Der Lauf findet dieses Jahr am 9. Mai als App-Run statt: Jeder Teilnehmer entscheidet selbst, wo er startet. Wie das genau funktioniert, erklären wir auf Seite 83. Marco Büchel, Ex-Weltklasse-Skirennläufer und seit Jahren Botschafter des Wings for Life World Runs, wird als Mann im Ohr für zusätz liche Motivation sorgen: «Ich will, dass die Läufer richtig Gas geben!» Der 49-jährige Liechtensteiner galt in seiner aktiven Karriere als unerschrockener Racer, der sein Ziel nie aus den Augen verliert. Büxi, wie
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er von Freunden und Kollegen genannt wird, gewann sein erstes Weltcuprennen mit 31, den letzten seiner insgesamt vier Triumphe feierte er mit 36 Jahren. Jetzt engagiert sich der Weltmeisterschaftszweite im Riesentorlauf von 1999 intensiv im karitativen Bereich. Nicht zuletzt beim Wings for Life World Run: «Bewegungsfreiheit ist für mich mehr als nur ein Wort. Es kann doch nicht sein, dass wir eine Querschnittslähmung einfach als gegeben hinnehmen! Menschen, die so eine Verletzung erleiden, müssen die Hoffnung haben, dass Nervenbahnen wieder einen gewissen Grad an Reaktionsfähigkeit erhalten können. Deshalb finde ich es grandios, dass wir mit unserem Startgeld die Forschungen unterstützen.» Als Speed-Spezialist war ihm das Risiko seines Sports sehr wohl bewusst. «Du weisst um die Gefahr von Verletzungen. Ein Kreuzbandriss, ein Beinbruch, das ist normal. Aber eine Querschnittslähmung geht über deinen Horizont hinaus.» Marco erinnert sich genau an den 8. Dezember 2001. Sein Schweizer Kollege Silvano Beltrametti, tags zuvor noch Dritter beim Super-G, verunglückte bei der Abfahrt im französischen Val-d’Isère: «In der Sitzung am Abend hat uns der Schweizer Teamchef informiert, dass Silvano eine Querschnittsverletzung erlitten hat und künftig auf den Rollstuhl angewiesen sein wird. Wir waren
Es kann jeden treffen Die Fakten zeigen, dass niemand vor einer Rückenmarksverletzung gefeit ist. Tatsächlich ist die Hälfte davon Resultat von Verkehrsunfällen, 24 Prozent sind auf Stürze zurückzuführen. Nur drei Prozent betreffen Extremsportler. Um Geld für die Forschung zu sammeln, machen am 9. Mai 2021 wieder tausende Menschen beim Wings for Life World Run mit, um so die Rückenmarksforschung zu unterstützen. Der gesamte Erlös fliesst in diese Forschung. Alle I nfos zum aktuellen Stand und zum Lauf: wingsforlifeworldrun.com
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MATTIS KUMMER
Der Mann in unseren Ohren
lles Männer mitten im Leben. Doch a wir sind uns in den Armen gelegen und haben Rotz und Wasser geheult.» Einen Tag später ist er dennoch im Riesenslalom gestartet: «Weil das mein Lebensinhalt war.» In seinem Freundes- und Bekanntenkreis gibt es mehrere Menschen mit Querschnittslähmung. Tatsächlich kann es jeden treffen – im ganz normalen Alltag, bei einem Verkehrsunfall, einem Sturz. Tatsächlich sind nur neun Prozent der Rückenmarksverletzungen auf Sportunfälle zurückzuführen. Einer von ihnen ist Büxis früherer Ski-Kollege Roland Gassner: «Er war gerade im Spital, als er im Fernsehen eine Übertragung des Wings for Life World Run gesehen hat. Er hat mich angerufen und gesagt: ‹Büxi, wir brauchen einen eigenen Länderlauf in Liechtenstein!› Seither motivieren wir jedes Jahr mehr Menschen, daran teilzunehmen. Und wer weiss, vielleicht bekommen wir ja bald unseren eigenen Run.» Marco Büchels persönliche Bestmarke, bis er vom Catcher Car ein geholt wurde, liegt bisher bei 22 Kilometern. Dass die Liechtensteiner Landsleute seine Begeisterung für diese Veranstaltung teilen, freut Marco ungemein: «Wir haben eine klassische Laufstrecke am Rheindamm an der Grenze zur Schweiz.»
«Ich will, dass die Läufer richtig Gas geben.» Motivator Marco Büchel verspricht maximalen Einsatz als Antreiber.
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EINE FRAU STEHT KOPF
Auch aus diesem Blickwinkel bewahrt Sina die Übersicht.
Breakdance
DIE WUNDERSAME VERWANDLUNG DER SINAMARIA NEUGEBAUER IN
#SOULSISTERSINA B-Girl SINA, 26, Vater Tiroler, Mutter Marokkanerin, fühlt sich zunächst «halb-halb». Heute hat sie begriffen, dass das kein Makel, sondern eine perfekte Mischung ist. Dazwischen übt sie in Casablanca Salti, lernt, einer Legende zu vertrauen und Reisen ohne Ziel zu akzeptieren. Text WOLFGANG WIESER Fotos CHRISTIAN ANWANDER
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Breakdance
«Du musst die Atmosphäre lesen, du darfst dich aber nicht von ihr irritieren lassen.»
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«Das ist meine Zeit, um zu zeigen, was ich kann. Das ist meine Zeit, um zu glänzen.»
Breakdance
SELBSTBEWUSST
Offener Blick, klassische Pose. Sina hat gelernt, sich zu behaupten.
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ina weiss, was sie will, wenn sie in den Kreis springt. Sie will in 45, höchstens 60 Sekunden etwas Einzigartiges er schaffen. «Das ist meine Zeit, um zu glän zen», sagt sie. Der Kreis ist ihre Bühne. Eine Bühne, wie es sie kein zweites Mal gibt. Immer einzigartig, jedes Mal neu. Geformt von Menschen, die gleicher massen Freunde und Kritiker, Quelle der Inspiration und Konkurrenten sind. B‑Boys. B‑Girls. Wie Sina, 26. Das B steht für Break, es ist ihre Art zu tanzen, in der Szene Breaking genannt, der allgemein geläufige Begriff heisst «Breakdance». Sina war die erste Österreicherin im Finale des weltweit grössten und wichtigsten BreakingBewerbs, des Red Bull BC One. Bevor Sinas Zeit zu glänzen gekommen ist, gilt es, den Kreis zu erobern. «Du musst die Atmosphäre lesen», sagt Sina, «du darfst dich aber nicht von ihr irritieren lassen.» Das heisst auch, kaum erkennbare Gesten der B‑Girls und B-Boys, die es wie sie ins Zentrum zieht, rich tig zu interpretieren. Und sie, wenn’s sein muss – weil nichts und niemand jetzt ihrem Auftritt im Wege stehen soll –, davon abzuhalten, vor ihr hineinzuspringen. Oft reicht ein angedeuteter Schritt, um den Raum zu sichern, manchmal braucht es eine leichte Schulter drehung, um den Weg in Zentrum zu blocken. Dafür sind Präsenz und Präzision notwendig. Und das Gespür für die Situation: «Ich gehe oft direkt runter auf den Boden. Dann habe ich den meisten Platz für mich», sagt Sina. Das hat viel mit Stärke und Selbstbewusstsein zu tun – und mit Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Denn Moves – Bewegungen anderer Breaker – zu übernehmen ist verpönt. Wer das macht, ist schnell als übler Nach ahmer oder als «Biter», wie es im B-Jargon heisst, ab gestempelt: «Du darfst dich von Moves inspirieren lassen, darauf antworten, reagieren, sie weiterentwickeln, aber du darfst sie niemals kopieren», sagt Sina. Wenn Sina ihre Welt erklärt, tut sie das oft mit einem kaum merkbaren Zögern, so, als würde sie noch einmal nachdenken über das, was sie gerade zu sagen beabsich tigt. Abseits ihrer Bühne ist sie «eher zurückhaltend», wie sie meint. Beobachterin statt Akteurin. Hat sie jedoch den Kreis erobert, verändert sich alles, dann wird sie zum Mittelpunkt ihrer Welt. «Das ist meine Zeit, um zu zeigen, was ich kann. Diese Zeit geniesse ich», sagt sie, oder eben: «Das ist meine Zeit, um zu glänzen.» Dies ist die Geschichte ihrer Reise ans Licht, die Ge schichte der wundersamen Wandlung der Innsbruckerin Sinamaria Neugebauer zur SoulSisterSina. Sie beginnt in einem Palast.
THE RED BULLETIN
DAS ZAUBERHAFTE LEBEN IN EINEM PALAST IN TAROUDANT
Das Palais Salam liegt an der Avenue Moulay Ismail mitten in Taroudant. Etwa 80.000 Menschen leben in dieser Stadt im Süden Marokkos. Sie befindet sich an der Strasse nach Ouarzazate, dem vier Autostunden entfernten Tor zur Sahara. Manche nennen Taroudant Marrakeschs kleine Schwester, andere dessen Grossmutter. Denn mit ihrer sechs Kilometer langen Stadtmauer aus rotbraunem Lehm ähnelt sie Marokkos Millionen-Metropole. Der Palast, im 18. Jahrhundert errichtet, war lange Zeit Regierungssitz des Sultans. All das interessiert Sina, die hinter den Mauern des Palais Salam aufwächst, nicht. Sie spielt mit den Kätz chen, die wie aus dem Nichts auftauchen und wieder verschwinden, planscht im Pool; und wenn sie Lust hat, bestellt sie sich Eis mit Erdbeeren. Regen ist selten, und selbst in den Wintermonaten sinkt die Temperatur kaum unter zehn Grad. Sie führt ein sonniges Leben, unbeschwert wie eine kleine, glückliche Prinzessin. «Ich bin sehr dankbar für meine Kindheit, ich habe mich sehr frei gefühlt», sagt Sina. In der Realität ist der Palast ein Hotel. Und Sina bewohnt mit ihren Eltern eines der Appartements. Mama Keltouma ist Berberin, Papa Arthur Tiroler. Den Sommer verbringt die dreiköpfige Familie in Öster reich, den Winter in Marokko. Hier wie dort organisiert der Vater Touren, die Mutter plant, zeichnet und steht ihm mit Tipps zur Seite. Mit fünf Jahren begleitet Sina ihren Vater erstmals in die Wüste: «Wir haben im Auto geschlafen, das war aufregend.» Die kindliche Leichtigkeit verschwindet mit Schul beginn. «Meine Eltern hatten die Idee, dass ich eine bessere Zukunft habe, wenn wir ganz in Österreich leben.» Die Familie übersiedelt nach Innsbruck: «Mit sechs Jahren habe ich das erste Mal Schnee gesehen.» 45
Breakdance Breakdance
SINA & DIE B-BOYS
Ihre Bewegungen fliessen: Sina beim Red BulletinFotoshooting in Wien mit Arno (links) und Imad.
«Du darfst dich von Moves inspirieren lassen, darauf antworten, Die Tage im Palast verblassen. Ob sie Heimweh nach dem Königreich am Meer hatte? Sina zögert, dann sagt sie: «In Marokko ist alles ein bisschen lebendiger.» Die Schulzeit ist nichts, was besondere Erinnerungen in Sina weckt. Sie lässt sich mit einem Satz erledigen: «Ich hab mich aufgehalten gefühlt.» Nach der Matura ist sie nicht mehr zu stoppen. Sie arbeitet bei der Streetwear-Kette Snipes und verdient dort genug Geld, um mit einer Freundin für drei Monate nach Casablanca zu übersiedeln.
VERSTÄNDIGUNGSPROBLEME IM LAND DER KINDHEIT
Casablanca ist wie Taroudant eine Stadt in Marokko. Aber das ist auch schon die einzige Gemeinsamkeit. Die Hafenstadt am Atlantik hat knapp dreieinhalb Millionen Einwohner, rund 40-mal so viele wie Taroudant. Das marokkanische Arabisch, das hier gesprochen wird, hat mit Sinas Dialekt aus Taroudant wenig zu tun. Plötzlich hat sie im Land ihrer Kindheit Verständigungsprobleme. 46
Und nachts allein rauszugehen ist nicht die klügste Entscheidung, die eine junge Frau treffen kann. Wer sich also fragt, was eine Zwanzigjährige dazu treibt, in eine Stadt aufzubrechen, die erst einmal nur gross ist, stellt die richtige Frage. Sinas Antwort: «Ich wusste, die Leute hier trainieren anständig, von denen kann ich etwas lernen, und ich wollte auch zurück zu meinen Wurzeln.» Die Leute, von denen Sina spricht, sind B-Boys und B-Girls rund um den bekannten marokkanischen Breaker The Wolfer. Sie hat die Crew ein Jahr zuvor, 2013, kennengelernt: beim Red Bull BC One in Agadir, von dem sie bei einem Besuch in ihrer alten Heimat Taroudant erfahren hatte. Sina bittet ihre Mutter, sie in die 83 Kilometer entfernte Stadt zu fahren – ohne zu wissen, ob sie überhaupt mitmachen kann. Sie tanzt auf der Promenade am Strand, schafft die Pre-Selection, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt wenig Breaking-Erfahrung hat. Die Battles lässt sie aber aus: «Meine Mutter wollte nach Hause, es hat mir nicht leidgetan, es war ein schöner Tag.» THE RED BULLETIN
sie weiterentwickeln, aber du darfst sie niemals kopieren.» Doch sie ahnt, dass diese Art zu tanzen ein Weg in ein neues Leben sein kann: «Was mir am meisten getaugt hat, war das Selbstbewusstsein, das die alle h atten. Die Kids. Die Anfänger. Die haben sich sofort getraut. Jeder will zeigen, was er kann.» Sina will das auch. Und deshalb muss es Casablanca sein. Denn The Wolfer und seine Truppe sind dort daheim. «Ich wusste, dass ich tanzen will, und ich wollte nach Marokko, weil mich die Jungs schon in Agadir inspiriert haben, sie waren international bereits sehr bekannt, und ich habe mir gesagt, wenn du besser werden willst, dann musst du mit Leuten trainieren, die besser sind als du – man sagt doch immer, man soll sich mit den Leuten umgeben, die das erreicht haben, was man selber anstrebt.» Sie tanzen auf der Strasse, abends nach acht, wenn die Geschäfte geschlossen haben. Es gilt ein simples Prinzip: Nur wer wagt, gewinnt. «Man muss sich durchsetzen können, das geht bei uns unter, wir sind zu nett, zu schüchtern, wir halten uns zurück», THE RED BULLETIN
sagt Sina, wenn sie sich daran erinnert. Sie sagt wir und meint ich. Sina verlässt ihre Komfortzone, geht Risiken ein: «Ich habe zum ersten Mal akrobatische Sachen gemacht, das hätte ich mich vorher nie getraut.» Sie übt Salti am Strand – und verletzt sich dabei am Arm. Ellbogenluxation, sie muss zurück nach Österreich. Der Ausflug in ihre neue Welt endet einen Monat früher als geplant. Aber es nicht das Ende ihrer Reise.
«NUR WENN DU GUT BIST, FÄLLST DU AUF.»
In den nächsten Monaten ist sie viel unterwegs – reist nach Deutschland, Holland, Spanien. Vor allem aber geht es nach Schweden – und zwar für ein Jahr. Sie will es wissen. Will ihre Breaking-Skills perfektionieren. Dort unterrichtet Fredrick Herranen – als «Freeze» Mitglied der skandinavischen «Ghost Crew» – eine Breaking-Legende seit den 1980er-Jahren. Ein Wissender. «Ich habe viel mit ihm geredet. Über meine Zweifel, 47
Breakdance
REVERENZ
Der Hut ist ein Verweis an die Anfänge von Breaking in den späten 1970er-, f rühen 1980erJahren.
Und sie schafft es als erste Österreicherin ins Finale des Red Bull BC One. Sie hat gelernt, was es heisst, die eigene Perspektive zu finden, wie Freeze es ihr in Schweden geraten hat. Sie ist gut in dem, was sie macht. Und sie fällt damit auf. Und was, Sina, kommt als Nächstes? «Keine Ahnung, ich versteife mich nicht mehr auf ein Ziel. Ich weiss nur, dass die Reise noch nicht zu Ende ist.»
WIE DU DEINEN EIGENEN KREIS ERSCHAFFST
dass ich nie das werde geben können …» Dieser Satz hat kein richtiges Ende, weil ihr wieder einfällt, was Freeze ihr vor Jahren beim Mittagessen gesagt hat und wie wichtig ihr das war: «Kannst du dich noch daran erinnern, was der und der am Vormittag gemacht hat? Kannst du nicht, nein, natürlich nicht, niemand erinnert sich daran. Wenn du nicht gut warst, denken die anderen nicht darüber nach. Das heisst aber auch, dass du nicht darunter leiden musst. Nur wenn du gut bist, fällst du auf. Du musst deine Perspektive wechseln.» Das sind Sätze, die ihr zu denken geben. Aber es sind nicht nur Freeze’ Weisheiten, auch ihr Körper sendet Signale: «Ich habe in der Zeit in Schweden mit etwas Ähnlichem wie einem Hexenschuss gekämpft. Ich hatte ständig eine Blockade im Nacken, in der linken Schulter, im linken Ellbogen. Woher das gekommen ist, konnte niemand sagen.» Sina beschliesst, ihre Heilung selbst in die Hand zu nehmen: «Ich habe das wieder in den Griff gekriegt.» Sie lernt loszulassen. Denkt viel nach. Heute sagt sie: «Das Tanzen habe ich gebraucht, um selbstbewusster zu werden, um meine Wurzeln zu finden. Früher war ich disconnected. Heute gehört Marokko genauso zu meinem Leben wie Österreich. Ich fühle mich nicht mehr halb-halb.» Und wie zum Beweis ihrer neuen Kraft sagt sie: «Ich bin eine schöne Mischung.» Plötzlich geht alles leichter: 2016 heiratet sie The Wolfer (sie nennt ihn natürlich bei seinem Vornamen, Mustafa) in Österreich, ein Jahr darauf wird noch einmal in Marokko gefeiert. Ihre Modemarke «From The Soul» nimmt Fahrt auf. Der Name ist funky, vor allem aber ehrlich: «Er ist perfekt», sagt Sina, «weil jeder nur für sich selbst sagen kann, was seine Seele berührt.» 48
Beim Shooting für The Red Bulletin trägt Sina Weiss. «Ein Kompromiss», sagt sie. Die anfangs geplanten bunten Outfits funktionieren nicht. Also setzt Sina erst die strahlend weisse Plüschvariante eines Kangol-Hutes auf. Als Reverenz an die Breaking-Anfänge in den späten 1970er-, frühen 1980er-Jahren. Dann schlüpft sie in ein passendes weisses VintagePolo. Sie hat es abgeschnitten, mit Ösen und einem dünnen Band versehen, das vorn in einer Masche zusammenläuft und es so in ein bauchfreies «From The Soul»-Teil verwandelt. Dazu trägt sie eine weisse Hose und weisse Sneakers. Sieht nach allem aus, nur nicht nach einem Kompromiss. Und wer beobachtet, wie sie sich bewegt, versteht den Satz, den sie in einem der Gespräche gesagt hat: «Für Breaking brauchst du den Körper eines Athleten und den Ausdruck eines Künstlers.» Noch viel besser als dieser Satz ist eine Anmerkung, die sie nebenbei macht, die aber ihre Anstrengungen, ihre Kämpfe, ihre Wandlung widerspiegelt. «Weisst du, irgendwann merkst du, dass du keine Lust mehr hast, etwas zu beweisen. Du erkennst, dass die Stimmung in dem Kreis, in den du gerade noch unbedingt hineinwolltest, nicht deine Stimmung ist. In solchen Momenten mache ich einen Schritt zur Seite.» Früher hätte dieser Schritt zur Seite ihren Rückzug eingeleitet, heute ist er der Beginn einer Offensive. Sina erschafft ihren eigenen Kreis. Mit B-Girls und B-Boys, die ihr folgen. Dafür ist sie längst stark genug. Wer Sina begleiten will: @soulsistersina Wer sie erleben möchte: Sina wird beim Red Bull BC One Cypher Austria am 22. Mai in Wien dabei sein. redbull.com/cypheraustria
THE RED BULLETIN
Breakdance
«Ich versteife mich nicht auf ein Ziel. Ich weiss nur, dass die Reise nicht zu Ende ist.»
Skydiving
KOMET
MIT HELM
Die Skydiver der Red Bull Air Force als menschliche Flugobjekte am Nachthimmel: Bei uns erzählt US-Fotograf Dustin Snipes, wie aus seiner verrückten Foto-Idee ein Stunt für die Geschichtsbücher wurde. Text NORA O’DONNELL Fotos DUSTIN SNIPES
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RED BULL AIR FORCE
Lebende Fackel Ein Skydiver der Red Bull Air Force im Nachthimmel über Marfa, Texas. Die US-Kleinstadt ist für ihre mysteriösen Licht phänomene berühmt, die «Marfa Lights». Um diese für ein Foto projekt nachzustellen, zündeten die Athleten kurz nach dem Absprung pyrotechnische Raketen an ihren Fussgelenken.
Skydiving
HimmelsKunstwerk Dieses Bild besteht aus 48 Fotos: Sechs Kameras und je acht Lang zeitbelichtungen waren nötig, damit der gesamte Flug der vier Skydiver zu sehen ist – vom Absprung über den Formations flug bis zu ihrem Verschwinden hinter den Bergen. «Ein abstraktes Gemälde auf einem schier end losen Nachthimmel», schwärmt Fotograf Dustin Snipes.
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Skydiving
«Wir machen diesen Sprung nicht, weil er leicht, sondern weil er schwierig ist.» Fotograf Dustin Snipes
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ie so viele wilde Abenteuer beginnt auch diese Geschichte mit einer verrückten Idee – sie stammte von USFotograf Dustin Snipes. «Je verrückter, desto besser», sagt er trocken. «In der Regel bedeutet das nämlich, dass es noch niemand vorher versucht hat.» Die Hochebene von WestTexas hat etwas ganz Besonderes zu bieten: einen Nachthimmel von ausserirdischer Schönheit. Die Seehöhe und die Abwesenheit von Lichtverschmutzung lassen Millionen von Sternen funkeln wie Juwelen. Und über allem schwebt der mystische Schleier der Milchstrasse. Doch damit nicht genug: Nahe der Kleinstadt Marfa werden immer wieder mysteriöse Lichterscheinungen beobachtet – pulsierende Kugeln in allen möglichen Farben, mittlerweile weltweit 54
bekannt unter dem Schlagwort «Marfa Lights». Para normale Phänomene? Atmosphärische Spiegelungen von Scheinwerfern oder Lager feuern? UFOs? Wer weiss. Für Fotokünstler Dustin Snipes jedenfalls eine würdige Kulisse, um einen Nachtflug der Red Bull Air Force ge bührend zu inszenieren: Was wäre, so der Grundgedanke der Aktion, wenn diese Weltklasse-Athleten selbst zu Marfa Lights würden? Snipes, in Los Angeles daheim, verbrachte Monate mit der Planung des Husarenstücks: Es galt, hunderte von Variablen mit einem Team von Experten einigermassen berechenbar zu machen. «Es gab mehr Unwägbarkeiten als bei jedem anderen Shooting, das ich je gemacht habe», sagt er. Snipes und das Team der Red Bull Air Force schlugen ihr Basislager auf der historischen Cibolo Creek Ranch auf. Zu ihr gehören mehr als
Ein Mann sieht Rot Kurz nach Sonnenuntergang bringt Dustin Snipes seine Ausrüstung in Stellung. Das rote Licht ist ein entscheidendes Werkzeug für die Nachtfotografie – weil es die Augen des Fotografen im Dunkeln weniger blendet als normales Licht. THE RED BULLETIN
DAN WIX, RED BULL AIR FORCE
Fotograf Snipes (li., mit seinem Team) kam im September 2020 zum ersten Mal nach Marfa, Texas, um sich nach Locations für das nächtliche Skydiving-Shooting umzusehen. «Die Planung dauerte Monate», sagt er, «weil es jede Menge Variablen gab.»
Aufstieg und Fall Bild oben: Das Red Bull Air Force-Team im Flugzeug vor dem Absprung. Um sich auf einem mondlosen Himmel sichtbar zu machen, wickelten sich die Athleten in Ketten von LED-Lichtern; dazu ver wendeten sie Pyrotechnik, die das Tempo und die Energie während des freien Falls rüber bringen sollte. Das liess sie am Ende wie menschliche Kometen wirken.
«Es gab mehr Unwägbarkeiten als bei jedem anderen Shooting, das ich je gemacht habe.» Fotograf Dustin Snipes Fotograf Snipes bat die Athleten, während der drei Sprünge mit dem Einsatz von LED-Lichtern und Pyrotechnik zu experimentieren. «Das LED liefert schnörkellose Linien», sagt er. «Aber die Pyro fügt so viel Zufälligkeit hinzu und verleiht dem Ganzen einen wunderbar geheimnisvollen Look.»
Skydiving
Touchdown
RED BULL AIR FORCE
Bloss zwei winzige Lichter boten den Springern Orientierung auf dem Weg zur Landung. «Rundherum waren nur Berge … und absolute Finsternis», sagt Team-Captain Jon DeVore. «Das Abenteuer wäre wohl ziemlich böse ausgegangen, hätten wir es nicht zum rich tigen Landeplatz geschafft.»
Schweres Geschütz Um die ganze Schönheit des Nachthimmels über Marfa und den Flug der Bullen auf ein Bild zu bekommen, bastelte sich Fotograf Snipes ein Gestell für seine Canon-EOS-Kameras. Jede von ihnen machte acht Langzeitbelichtungen über die drei Minuten, die die Springer in der Luft waren. Die Konstruktion musste leicht für den Transport sein und stabil genug, um den Kameras Halt zu bieten. Snipes brauchte fünf Tage, um das Ding zu bauen. THE RED BULLETIN
120 Quadratkilometer Land – mehr als genug Platz für störungs freie Aufnahmen. Doch all die penible Vor bereitung half Snipes nicht bei der grössten Herausforderung: beleuchtete Körper, die aus 3000 Metern drei Minuten lang in die Dunkelheit fallen, ordent lich aufs Bild zu kriegen. Er verwendete ein Set-up aus neun Kameras, die auf ein selbst gebasteltes Gestell montiert wa ren, um ein 180-Grad-Panorama hinzubekommen. «Immer, wenn ich so etwas mache», sagt Snipes, «muss ich an das denken, was Präsident John F. Kennedy seinerzeit über die Mondmissionen sagte: ‹Wir machen das nicht, weil es leicht, sondern weil es schwierig ist.› Du willst schliesslich nicht den ganzen Tag mit langweiligen Spaziergängen verbringen.» Das ganze Video der Marfa-LightsSprünge: redbull.com
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Laufen
IM NAMEN DES HEILIGEN VATERS
Vor drei Jahren ist die Schweizer Studentin CAMILLE CHENAUX, 30, unverhofft zur Leichtathletin geworden – sie läuft für das 2019 gegründete Team des Vatikans. Jetzt will sie mit Gottes Hilfe die Flagge des Heiligen Stuhls zu den Olympischen Spielen bringen. Text CHRISTOF GERTSCH Fotos NICOLA CARIGNANI
SIE HAT EINEN SCHUTZENGEL
Camille Chenaux beim Training auf der Engelsbrücke in Rom
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THE RED BULLETIN
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ie kam als Achte ins Ziel, über eine halbe Minute hinter der Siegerin, vom Publikum auf der Piazza del Popolo nicht weiter beachtet. Trotzdem veränderte dieser Samstag im September 2018 das Leben von Camille Chenaux. Denn einer nahm bei dem Wettlauf über eine Meile in Rom doch von ihr Notiz – ein spanischer Priester, betraut mit einer grossen Aufgabe: Als Unter sekretär des Päpstlichen Rates für die Kultur sollte er «Athletica Vaticana» aufbauen, den ersten offiziellen Sport verband des Vatikans. Dazu brauchte er unter anderem Läuferinnen und Läufer, die mit dem kleinsten Staat der Welt auf irgendeine Weise verbunden waren. «Ist das nicht die Tochter von Philippe Chenaux?», fragte er. Die Schweizerin Camille Chenaux, damals 27 Jahre alt, war Hobbyläuferin mit einer Vergangenheit als Hobby fussballerin und Hobbytriathletin. Ihre ersten Lebensjahre hatte sie in der Schweiz, in Belgien und Frankreich verbracht, doch heimisch geworden war sie in Italien. Zwei Jahre zuvor hatte sie ihren Master in European Studies ge macht, und jetzt, im September 2018, 60
BLICK NACH VORN
Ursprünglich war Camille nur Hobbyläuferin. Doch mit den Erfolgen wurden die Ziele ambitionierter.
«ALS KIND SCHWOR ICH MIR, DASS ICH MICH ALS PROFISPORTLERIN VERSUCHEN WÜRDE.» THE RED BULLETIN
Laufen
«FRÜHER GLAUBTE ICH, DASS IM LEBEN NICHT PLATZ IST FÜR UNI UND INTENSIVES TRAINING.»
begann sie ihre Dissertation an der Uni versità Roma Tre. Thema: «Populismus in Deutschland und Italien». Und ja: Camille Chenaux ist die Toch ter von Philippe Chenaux, einem Profes sor für Kirchengeschichte an der Päpst lichen Lateranuniversität. Das machte sie in den Augen des spanischen Pries ters zu einer potenziellen Sportlerin von Athletica Vaticana.
PICTUREDESK.COM
Nonnen, Schweizergardisten und Zimmerleute sind im Team dabei
Als der Verband ein Vierteljahr später ge gründet wurde, im Rahmen einer spekta kulären Medienkonferenz Anfang 2019 im Presseraum des Heiligen Stuhls, zählte er sechzig Mitglieder, darunter Nonnen, Zimmerleute, Apotheker, Museums angestellte, Schweizergardisten – und die Tochter eines päpstlichen Professors. In den darauf folgenden Wochen be richteten Medien aus aller Welt über das Leichtathletikteam des Papstes. Man erfuhr, dass sich vatikanische Läuferinnen und Läufer bereits seit Jahren zum morgendlichen Training am Ufer des Tiber treffen und natürlich davon träumen, die Flagge des Heiligen Stuhls dereinst bei der Eröffnung der Olympischen Spiele zu sehen. Man erfuhr aber auch, dass sie realis tisch bleiben wollen und sich zunächst die Teilnahme an den Kleinstaatenspielen zum Ziel gesetzt haben, einem alle zwei Jahre stattfindenden Sportereignis, bei dem europäische Länder mit weniger als einer Million Einwohnerinnen und Ein wohnern startberechtigt sind. Überhaupt, so hiess es, verstehe man sich eher als Amateurbewegung, deren Zweck auch darin bestehe, die päpstliche Botschaft in den Sport zu tragen. Wer konnte da ahnen, dass Zufalls mitglied Camille Chenaux schon bald viel grössere Ambitionen hegen würde? THE RED BULLETIN
ZUVERSICHTLICH
Camille Chenaux mit Mitgliedern von «Athletica Vaticana» vor der beein druckenden Kulisse des Petersdoms.
STRAHLEND
Papst Franziskus schüttelt «seiner» Botschafterin Camille die Hand.
Camille hält alle Vatikan-Rekorde von 1000 bis 10 000 Meter
Zwei Jahre nach der Gründung von Athletica Vaticana ist sie mit Abstand die beste Läuferin der Gruppe, auf sämt lichen Distanzen zwischen 1000 und 10 000 Metern hält sie den vatikanischen Rekord. Sie ist nicht Weltklasse, bei wei tem nicht – aber sie ist jetzt 30 Jahre alt, und kaum ein Wettkampf vergeht, an
dem sie nicht ihre Bestzeiten pulverisiert. Um das ein wenig einzuordnen: Mit der Zeit, die sie voriges Jahr über 1500 Meter lief, hätte sie in der Schweizer Saison bestenliste Platz 8 belegt. Die ehemalige Hobbyläuferin und bal dige Doktorin der Politikwissenschaft ist also innert Kürze an den Punkt gelangt, an dem niemand lacht, wenn sie sagt, sie möchte sich für die Leichtathletik-Euro pameisterschaften 2022 qualifizieren. Und dann vielleicht für die Olympischen Spiele 2024.
Späte Karriere: «Mit 20 hätte ich nicht die Fähigkeiten gehabt»
Wie kam das? Camille Chenaux sagt, alles beginne mit einem Versprechen, das sie sich als Kind gegeben habe. «Ich war ein grosser Sportfan, schaute im Fernsehen unzählige Wettkämpfe. Ich schwor mir, dass ich mich irgendwann in meinem Leben als Profisportlerin versuchen würde.» Die Eltern standen dem Traum lange im Weg: Nicht, dass sie sich dagegen wehrten, dass ihre Tochter Sport treibt, aber sie bestanden darauf, dass die Schule Vorrang hat. Damals tat sich Camille Chenaux gelegentlich etwas schwer mit dieser 61
Laufen
Vorgabe, doch heute betrachtet sie die elterliche Hartnäckigkeit als Glücksfall. «Ich hätte mit zwanzig nicht die Fähig keiten für eine Profikarriere gehabt. Jetzt ist mein Körper zwar zehn Jahre älter, aber mein Kopf ist dafür auch um zehn Jahre erfahrener.» Erstens wisse sie nun genau, wie sie sich ernähren müsse, «das ist im Sport ja eine kleine Wissenschaft». Zweitens habe sie im Studium gelernt, mit Prüfungs situationen klarzukommen und sich vom Stress nicht bremsen, sondern antreiben zu lassen. Und drittens zehre sie von einer gewissen Gelassenheit: «Ich hatte schon im Studium Erfolg, ich muss mir im Sport nichts beweisen.»
Ein Leben zwischen Dissertation und ausgiebigem Lauftraining
Am Beispiel der Läuferin Camille Chenaux könnte man einige spannende Fragen stellen: Wie leistungsfähig ist ein ver gleichsweise alter, dafür noch nicht jahr zehntelang auf Spitzenniveau geschun dener Körper? Gibt es eine Alternative zum im Sport allgegenwärtigen Jugend wahn? Was ist im Wettkampf wichtiger – Körper oder Geist? Doch um all diese Fragen geht es ihr gar nicht. Wenn sie läuft, folgt sie einem
«ICH HATTE SCHON IM STUDIUM ERFOLG, ICH MUSS MIR IM SPORT NICHTS BEWEISEN.» 62
Urbedürfnis. Sie sagt: «Schaue ich beim Laufen in den Himmel, fange ich an zu träumen. Ich bin in Kontakt mit der Natur, bei Sonne, Regen, Schnee. Laufen hat für mich etwas Mystisches, es ist tat sächlich so etwas wie eine Entdeckungs reise zu mir selbst.» Dazu gehört, dass sie erfahren will, wo ihre Grenzen liegen. Darum dieser beinahe grenzenlose Aufwand, das täg liche Ausbalancieren von Dissertation und Langstreckenläufen: Morgens arbeitet sie von sieben bis neun und läuft von zehn bis zwölf Uhr, nachmittags arbeitet sie von zwei bis vier und läuft von fünf bis sieben. «Früher glaubte ich, dass im Leben nicht Platz ist für zwei derart in tensive Beschäftigungen. Heute weiss ich, dass man besser beides hat: Sport lenkt mich von der Universität ab, und die Universität macht, dass ich mir nie lange den Kopf zerbreche, wenn es im Sport einmal nicht läuft.»
«WENN ICH LAUFE, FÜHLE ICH MICH FREI VON ALLEM, DA BIN ICH MIR GANZ NAH.»
Mit jedem Schritt wurden Camille ihre Ziele klarer
Meistens trainiert sie allein, aber Athle tica Vaticana stellt ihr einen Profitrainer zur Verfügung, der ihr Pläne schreibt. Sie sagt: «Wenn ich laufe, fühle ich mich frei von allem, ich brauche niemanden, da bin ich mir ganz nah.» Camille Chenaux spricht so hin gebungsvoll, aber auch abgeklärt über ihren Sport, dass man leicht vergessen kann, wie jung ihre Karriere noch ist. Als der spanische Priester sie an jenem Samstag im September 2018 ansprach, war ihr Training weit von der heutigen Ernsthaftigkeit entfernt. Sie erkannte auch nicht sofort, dass Athletica Vaticana die Chance ist, ihren Kindheitstraum zu verwirklichen. «Erst als ich den Aufwand erhöhte und von Wettkampf zu Wett kampf besser wurde, fing ich an, die Ziele zu formulieren, die ich jetzt verfolge.»
Bezüglich dieser Ziele gibt es allerdings noch ein Problem, das ausserhalb ihres Einflussbereichs liegt. Bei Olympischen Spielen sowieso, aber auch bei den Klein staatenspielen sind streng genommen nämlich nur nationale Komitees mit mindestens fünf verschiedenen Sport verbänden zugelassen. Zwar verfügt der Vatikan noch über ein Fussball- und ein Cricket-Team, doch deren Mitglieder treffen sich bloss zum Vergnügen. Möglich, dass man für das Leichtathletikteam des Papstes dereinst eine Ausnahme macht, die nächste Ge THE RED BULLETIN
GUT IN SCHUSS
legenheit dazu besteht allerdings erst 2023: Bei den letzten Kleinstaatenspielen 2019 in Montenegro war Athletica Vaticana noch nicht zugelassen, und die diesjährigen Wettkämpfe in Andorra sind wegen der Pandemie abgesagt.
Eine sehr dezent formulierte Botschaft an junge Menschen
Camille Chenaux, die sich als moderat gläubig bezeichnet, weiss das alles, aber sie betont auch, dass es ihr mit Athletica Vaticana noch um etwas anderes gehe. Auf Instagram hat sie mehr als 50 000 THE RED BULLETIN
Follower, voriges Jahr war sie zusammen mit Papst Franziskus auf einem Buch cover zu sehen. «Über den Sport kann ich junge Menschen ansprechen, die sonst vielleicht nicht in Berührung mit der katholischen Kirche kämen.» Dass sie das einmal sagen würde, hätte sie wahrscheinlich auch nicht gedacht, als sie im September 2018 auf der Piazza del Popolo nach Luft rang, zufrieden mit sich, aber auch wahnsinnig ausgelaugt, vom Publikum fast gänzlich unbemerkt.
Mit ernsthaftem Training fing Camille Chenaux erst vor drei Jahren an.
Camille Chenaux beim Laufen via Instagram begleiten: @thesportyblonde
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WHEELIE
Was für Tarek Rasouli auf dem Bike noch Spass war, ist im Rolli im Alltag Notwendigkeit (was jetzt nicht heisst, dass er daran keinen Spass hätte).
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Mountainbike
DAS IST EUROPAS WICHTIGSTER BIKE-MANAGER Vor seinem Unfall war TAREK RASOULI, 46, ein exzellenter Mountainbike-Freerider. Doch erst seit er im Rollstuhl sitzt, wurde er zum Dreh- und Angelpunkt der Szene und veränderte eine komplette Branche zum Besseren. Text WERNER JESSNER Fotos PHILIPP HORAK
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Mountainbike
ine Liste von exakt zehn Personen, die dich beruflich geprägt haben und die du gern zum Abendessen einladen würdest: Wer Tarek Rasouli, 46, diese Frage stellt, beschäftigt ihn über Tage. Zehn Namen, keiner mehr. Legenden der Frühzeit, Superstars von heute, visionäre BikeparkEntwickler, prägende Event-Erfinder, legendäre Filmer, renommierte Sport ärztinnen, hingebungsvolle Trainer: Es ist das Who’s who der Szene. Wirklich nur zehn N amen? Tarek streicht und ergänzt, doch die Liste bleibt viel zu lang.
Der Neuanfang: Optimismus als Rettung
Der Start: Ein Sonnyboy erobert die Bike-Welt Wer wissen will, warum dieser Mann so gut vernetzt ist, muss mitkommen auf eine kleine Zeitreise um die Jahrtausendwende. Wer damals Mountainbike-Fan war, hatte sehr wahrscheinlich ein Poster oder ein Magazin mit Tarek zu Hause. Der Münchner war der einzige Europäer unter den legendären «Fro-Ridern», dem ersten Profi-Freeride-Team des KultHerstellers Rocky Mountain. Diese rare Pflanze hatte seine Wurzeln in einer BMX-Karriere und einer als Fotomodell. Tarek zierte in seiner Karriere eine zweistellige Zahl an Covern internationaler Bike-Magazine. Er sah gut aus und konnte verdammt gut fahren – eine seltene Kombination, vor allem in Europa. So startete er nach der Matura eine Karriere, die er selbst managte. «Ich war meine eigene globale One-Man-Show: Manager, Presse sprecher, Trainer und mehr. Ich war überarbeitet, aber oft untertrainiert. Manchmal war mein Training das Fotoshooting selbst!» Aber es funktionierte. Sein Geld verdiente er auch mit Shows und BMXRennen. Und dann das: «1999 wurde ich auf meiner Heimbahn nur Vizemeister. 66
mit dem Lift im Bike-Resort Sun Peaks rauffahren durften, um die Stelle anzuschauen, auf der sie drehen wollten, sagte Tarek: «What a beautiful view from a wheelchair.» Er hatte eigentlich «chairlift» gemeint, also Sessellift – und doch war der Satz beinahe prophetisch. Was die wenigsten wissen: Tareks Halbbruder, der im österreichischen Kärnten lebt, sitzt seit einem Kletter-Unfall im Rollstuhl. Kurz dachte er an ihn. Zwei Stunden nach diesem Satz schlug der Blitz bei Tarek ein. Der Landehügel war unter dimensioniert, er zu hoch gesprungen. In mehreren M etern Höhe warf er das Bike weg. Bei der L andung auf den Beinen gab der oberste Lendenwirbel auf. Sofort waren bestialische Schmerzen da. Taubheit. Und die Vermutung, dass die BikeKarriere unwiderruflich zu Ende war.
PIONIER DER LÜFTE
Tarek sprang den später ikonisch gewordenen Stunt «Mushroom Drop» in Moab, Utah, als Erster.
wenn es hinter den Kulissen nicht immer so glitzerte – aber wen kümmerte das schon: «Nach meinem ersten Auftritt in ‹Kranked› musste ich reihenweise Autogramme geben – etwas, was mir all die Cover und die sportlichen Erfolge im BMX nie gebracht hatten.»
Der Einschlag: ein Sturz, der plötzlich alles veränderte Für «Kranked 5» sollte im Spätsommer 2002 im kanadischen Whistler gedreht werden, jenem Geburtsort des Free riding. Ein neuer Berg, grosse Verwirrung bezüglich der Drehgenehmigungen, alles sehr konfus. Als die Rider endlich
Wenn Tarek Rasouli von jener Zeit spricht, in der er den Grundstein zu allem Weiteren legte, beginnt er noch im Krankenhaus in Kanada. Der freundliche 150-Kilo-Pfleger mit der Piepsstimme. Dann das Dreibettzimmer in der Reha in Murnau, wo sich der eine Nachbar gar nicht und der andere nur einen Arm bewegen konnte, was diesem immerhin das Kettenrauchen ermöglichte. Tarek lag fröhlich dazwischen: «Ich habe einen Luxus-Querschnitt! Volle Beweglichkeit der Arme und Hände, sogar der Bauch muskeln. Was soll ich da jammern?» Eine Eigenschaft, die Trial-Legende Danny MacAskill an Rasouli bewundert: «Ich habe Tarek noch nie – niemals – über seinen Zustand klagen gehört.» In seinem Inneren sieht es bisweilen freilich anders aus: «Natürlich habe ich Schmerzen. Jeden Tag. Aber andere sind viel schlechter dran.» Man würde seine Schmerzen nicht ahnen, genau wie man vergisst, dass der charismatische Mann mit den vielen Ideen im Rollstuhl sitzt, wenn man länger mit ihm zu tun hat. Seine Zuversicht und sein Anpackergeist sind es auch, die ihn schnell in Kontakt mit Gleichgesinnten bringen – etwa mit den Machern der Wings for Life Stiftung, die sich für die Heilung von Querschnitts lähmung einsetzt (s. Kasten S. 69). Als Stiftungs-Botschafter spricht Tarek seit über 15 Jahren anderen Betroffenen Mut zu, ihr Schicksal in die Hand zu nehmen. THE RED BULLETIN
SCOTT MARKEWITZ
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Im Ziel hab ich geweint, weil ich so enttäuscht war.» Tarek war da immerhin schon 24 Jahre alt. Er stellte das BMX in die Ecke, konzentrierte sich voll aufs Mountainbike – aber nicht auf Rennen, sondern auf Videoproduktionen. Mit immer actionreicheren Clips wuchs er in die Freeride-Szene rein, die sich ausgehend vom kanadischen British Columbia gerade etablierte. Das Medium jener Tage war die VHS-Kassette, die KultReihe hiess «Kranked». Dort fuhren die Götter. Dank seiner Professionalität, aber auch seinem Style arbeitete sich Tarek bis zu den Fro-Ridern nach oben. Seine Sponsoren inszenierten ihn als Sonnyboy mit Models, Party und Glamour, selbst
DAS NETZWERK DES TAREK RASOULI Bei ihm laufen die Fäden zusammen: Der Bike-Manager (in der Mitte) kennt auf zwei Rädern die Götter und die Welt – und bringt sie zusammen.
DER KULT-FILMER DEREK WESTERLUND Von «New World Disorder» bis «Where the Trail Ends»: Er setzt die Athleten in Szene.
BORIS BEYER/RED BULL CONTENT POOL(2), BRYAN RALPH, PHILIP PLATZER/RED BULL CONTENT POOL, COLIN MEAGHER, YORRIX CARROUX, JONNIE BOER, DAVE MACKISON/RED BULL CONTENT POOL, KLAUS BAUER
DER LOCAL HERO ERIK FEDKO
DER YOUTUBE- SUPERSTAR FABIO WIBMER
Tarek hat den besten deutschen Freerider einst bei einem kleinen Event entdeckt.
Der gebürtige Osttiroler hat die Ideen, Tarek und Co tragen sie in die Welt.
DER EVENT-GURU TODD BARBER
DIE BESTE SCHWESTER NATHALIE TANOS
Erfinder des legendären Red Bull Rampage und weiterer Bike-Spektakel
Stellvertretende Geschäftsführerin bei Rasoulution und Tareks rechte Hand
DIE ÄRZTIN DR. CHRISTINE BACHMANN Behandelt Tareks Biker und weitere Top-Athleten.
DER TRAINER LORENZ WESTNER Kümmert sich um begnadete Körper auch in schwierigen Lagen.
DIE TRIAL-IKONE DANNY MacASKILL Der Mann, der uns immer wieder staunen lässt, ist mittlerweile mehr Freund als Klient von Tarek.
THE RED BULLETIN
DER FREERIDE- ÜBERFLIEGER EMIL JOHANSSON DER BIKEPARK-VISIONÄR KORNEL GRUNDNER Setzte Leogang in Salzburg auf die Bike-Landkarte – auch dank Tareks Events.
Der Freerider mit dem vielleicht grössten sportlichen Potenzial weltweit vertraut auf Tareks Netzwerk.
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WIEDER AUF DEN BEINEN
Es ist ein persönlicher Durchbruch: Seit kurzem kann Tarek wieder eigene Schritte machen – mit Hightech-Unterstützung des Exoskeletts EksoNR von Ekso Bionics und immer in Begleitung einer Physiotherapeutin. So will er am 9. Mai sogar beim Wings for Life World Run wieder als Läufer starten.
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THE RED BULLETIN
Mountainbike
Die Revolution: Ein Kolumnist erfindet etwas andere Bike-Events Nach der intensiven Reha-Phase machte Tarek da weiter, wo er vor dem Unfall aufgehört hatte: Er jammerte nicht, sondern managte sich selber, genau wie er es immer getan hatte. Nutzte seine Kontakte. Er schaute beim Magazin «Bike» rein und kam mit dem Auftrag für eine ständige Szene-Kolumne raus. Schliesslich die Anfrage, ob er sich zutrauen würde, ein Event zu organisieren. Hatte er zwar noch nie gemacht, aber er hegte schon lange den Traum, auch Menschen jenseits der Szene für Bike-Events zu begeistern. Und so wählte er die Location nicht versteckt in den Bergen, sondern bei Konstanz am Bodensee und setzte auf Good Vibes und Partystimmung. Aus «Ride to the Lake» sollte später der Red Bull District Ride entstehen, ein BikeSpektakel vor zehntausenden Zuschauern, zuletzt etwa in der Nürnberger Altstadt. Ermutigt vom Erfolg in Konstanz, gründete Tarek mit einer Freundin eine Event-Agentur: Rasoulution. Die Begeisterung und der Optimismus, mit denen Tarek an die Sache heranging, erweckten Dinge zum Leben, die sonst nie und nimmer funktioniert hätten. Das Feuer, das damals aufflackerte, brennt heute unverändert hell: Wenn er vorab den streng geheimen Pilot des jüngsten Danny-MacAskill-Videos «The Slabs» durchschickt, freut er sich wie ein Kind, weil einem seiner Athleten wieder einmal etwas Unfassbares gelungen ist und er seinen Teil dazu beitragen konnte.
back auf dem Bike geben: «Ohne das persönliche Engagement von Tarek weiss ich nicht, wie es ausgegangen wäre. Dafür bin ich ihm total dankbar!» In Summe hat Rasoulution elf Athleten unter Vertrag. Wie sucht ihr die aus? «Spezielles Talent. Und ganz wichtig ist ihr Charakter. Ihre Offenheit, Umgänglichkeit und Bodenständigkeit.» Die letzte Entscheidung trifft Tarek. Ein junger Local Boy wie Erik Fedko kann es genauso schaffen wie jüngst ein bis dato völlig unbekannter Japaner namens Tomomi Nishikubo, den Tarek auf Videos entdeckte. Oder man nimmt den klassischen Weg wie Fabio Wibmer, der als Sechzehn jähriger bei einem von Tarek und Danny
Am 9. Mai: Mit Tarek für die gute Sache laufen Wings for Life World Run Weltweit starten zeitgleich alle Teilnehmer zum Wings for Life World Run. Jeder läuft einzeln, eine App feuert dich an und signalisiert, wenn dich das virtuelle Catcher Car eingeholt hat. Die Einnahmen fliessen zu 100 Prozent in die Rückenmarksforschung. Übrigens, über die App kannst du auch Tareks Rasoulution-Laufteam beitreten. Sei dabei: wingsforlifeworldrun.com
PHILIP PLATZER FOR WINGS FOR LIFE WORLD RUN
Die Familie: Eine Heimat für globale Zweirad-Stars entsteht Rasoulution bietet nämlich auch Athleten- Management, also genau das, was Tarek einst für sich selbst gemacht hat, bloss viel, viel professioneller. Es sind nicht die Schlechtesten, die auf Rasoulution vertrauen: YouTube-Megastar Fabio Wimber zum Beispiel. Das deutsche Supertalent Erik Fedko. Danny MacAskill, längst mehr Kumpel als Kunde. Wer bei Rasoulution ist, gehört zur Familie. Als den schwedischen Jungstar Emil Johansson monatelang mysteriöse Rückenprobleme quälten, liess Tarek ihn nach München einfliegen, wo Spezialisten ein Problem mit einem Wirbel diagnostizierten, ausserdem ein Autoimmun-Problem. Nach zehn Monaten konnte Emil sein ComeTHE RED BULLETIN
Zusammen stark für die Forschung Wie die Wings for Life Stiftung Querschnittslähmung heilen will. Robotergestützte Reha, Proteine, die Nervenwachstum fördern, künstliche Intelligenz, die massgeschneiderte Therapien berechnet: Weltweit fördert die von Botschaftern wie Tarek Rasouli unterstützte Wings for Life Stiftung wegweisende Forschungsprojekte zur Heilung von Querschnittslähmung – und ermöglicht damit schon heute vielen Betroffenen ein besseres Leben. Mehr Infos: wingsforlife.com
MacAskill organisierten Camp auffällt, behutsam reift, mit «Fabiolous Escape» den YouTube-Hit des Jahres l andet – und dann zum globalen Star wird: Der Clip «Wibmer’s Law» zählte zu Redaktionsschluss über 160 Millionen Views.
Das Ergebnis: ein neues Level für das Fahrrad-Universum Das alles liest sich wie ein Märchen. Fest steht: Die Freeride-Szene wäre nicht so professionell und präsentabel, würde nicht Tarek mit seiner Crew die Standards hochschrauben. Vorbei sind die Zeiten, in denen Poster von Mountainbikern nur in den Zimmern der Freaks hingen. Typen wie MacAskill oder Wibmer kennt heute jedes Kind. Auch dass Events um so viel sicherer geworden sind, bei gleichzeitig immer ärgeren Stunts, ist ein Verdienst von – nicht nur, aber auch – Tarek Rasouli. Wenn er vom Rollstuhl aus befindet, dass eine Landung breiter gemacht werden soll, wer würde da widersprechen? Oder dass es eine Kamera position gibt, die die Action der Kids besser einfängt? Oder tausend Details, die nur jemand kennt, der dem Sport seit fast drei Jahrzehnten so viel gegeben hat? «Und warum gibt es im Grossraum München nur drei Pumptracks, aber hunderte Fussballplätze?», fragt Tarek provokant, und man ahnt, womit er sich die nächsten Jahre beschäftigen wird. Das einzig unlösbare Problem bleibt jenes mit den zehn wichtigsten Menschen seiner Karriere. Typen mit einem der massen fest gewobenen Beziehungsnetz kann man kaum in ein so enges Korsett zwängen – sie brauchen Events, um dort alle zu treffen. Wie passend, dass Tarek Rasouli diese Events veranstaltet. Dieser Mann ist goldrichtig da, wo er ist. Hast du dir jemals überlegt, wo du heute ohne den Unfall wärst? «Vermutlich wäre ich viel zu lang bloss Rider geblieben und hätte einiges versäumt.» Wenn er da so sitzt, beim Red Bull Rampage in Utah, dem Red Bull District Ride in Nürnberg oder einem kleinen Event irgendwo, wenn die Jungs draussen sind und fahren, wenn alles läuft, dann fällt ihm manchmal der Satz ein, den er einst zwei Stunden vor dem grossen Crash g esagt hat: «What a beautiful view from a wheelchair.» Mehr über Tareks Welt: rasoulution.com
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Künstliche Intelligenz
« P UTZEN IST KOMPLIZIERTER ALS SCHACH SPIELEN» Der deutsche Spitzenforscher RICHARD SOCHER, 37, gilt als Star der künstlichen Intelligenz. Hier erzählt er, wie smarte Maschinen unseren Alltag verändern werden und welche menschlichen Talente in Zukunft gefragt sind. Interview JÜRGEN SCHMIEDER Fotos JEREMY JACKSON
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DER MASCHINENVERSTEHER
Richard Socher, bis 2020 Chef-Forscher des USSoftware-Unternehmens Salesforce und weltweit vielzitierter KI-Experte
Künstliche Intelligenz
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eien wir doch ehrlich: Die Menschheit hat keine Chance! Maschinen besiegen uns bereits in Brettspielen wie Schach, sie können sicherer Auto fahren als wir, um Längen schneller rechnen und stellen Zusammenhänge her, von denen wir nicht einmal wussten, dass sie existieren. Es kann nicht mehr lange dauern, dann überwacht Big Brother unser Leben, ein Computer bestimmt über unseren Alltag. Gesichtserkennung und Sprach assistenten sind nur die Vorstufen zur Machtübernahme der Maschinen. So oder so ähnlich klingen die üblichen Reflexe auf technischen Fortschritt – besonders beim Thema künstliche Intel ligenz (KI) zeichnen wir gern Horror szenarien. Nur: Ist es wirklich so schlimm, oder gibt es auch Perspektiven, die uns erlauben, einer Zukunft mit KI positiver entgegenzublicken? Richard Socher, bis 2020 ForschungsChef für künstliche Intelligenz beim USSoftware-Unternehmen Salesforce, wählt den optimistischen Ansatz. Der gebürtige Dresdner hat an der US-Elite-Uni Stan ford promoviert – und dabei übrigens im sagenumwobenen Büro 221 gearbeitet, in dem einst auch die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin forschten. Im Jahr 2014 gründete er das Sprach erkennungs-Start-up «Metamind» und verkaufte es zwei Jahre später an Sales force. Heute wendet Socher als CEO des Start-up-Unternehmens «SuSea» KI in der Praxis an. Zeit für einen Reality Check mit einem, der das Thema in allen Details kennt.
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the red bulletin: Herr Socher, Sie haben den schönen Satz gesagt: «Künstliche Intelligenz zeigt uns, wer wir wirklich sind.» Also: Wer sind wir? richard socher: Grundsätzlich müssen wir uns fragen: Was macht den Menschen aus? Ein Punkt, durch den wir uns gern von anderen Arten abgrenzen, ist Intelligenz: Das klingt sehr spezifisch, aber da schliessen sich viele Fragen an, was das überhaupt ist. Da verhilft uns die künstliche Intelligenz zu interessanten Erkenntnissen. Welchen zum Beispiel? Wir stellen plötzlich fest, dass Aufgaben, die wir für simpel halten, sehr kompli ziert sein können und dass vermeintlich komplizierte Tätigkeiten relativ einfach sind. Nehmen wir Schachspielen: Das ist für Computer eher leicht zu lernen. Der Job von Putzpersonal dagegen ist unglaublich schwierig zu automatisieren. Da steckt viel abstraktes und konkretes Wissen drin, das miteinander verknüpft werden muss: Wie schafft man so Ord nung, dass es Sinn ergibt? Was kann eine Maschine heute schon besser als wir Menschen? Aufgaben, die sich wiederholen, zum Beispiel die Analyse von Bildern in der Radiologie. Und die Auswertung sehr grosser Datensätze. Es gibt bei Salesforce ein sogenanntes Lead & Opportunity Scoring: Das hilft Vertrieblern, die eine lange Liste von Kunden haben. Wen sollen sie als Erstes anrufen? Wenn eine künstliche Intelligenz die Nachrichten aus der Branche verfolgt – ob es zum Bei spiel einen neuen Abteilungsleiter gibt –, bereits gesendete E-Mails überprüft und externe Daten einbezieht, dann kann sie voraussagen: Das sind heute die zehn Leute, die am meisten daran interessiert sind, das Produkt zu kaufen. Diese In formation führt dazu, dass die Verkäufer um 30 Prozent effizienter sind. Das verletzt aber womöglich den Stolz des Verkäufers. Klar, es ist wichtig, ihm schlüssig zu erklären, warum er diese Leute anrufen sollte, nur dann vertraut er der Analyse.
Meilensteine in künstlicher Intelligenz haben oft mit Spielen zu tun: Schach, Pokern, das Strategie-Brettspiel Go. Wäre es nicht interessanter, mehr Aufmerksamkeit auf ihre Anwendungen im Alltag zu richten? Das ist genau mein Ansatz. Klar war das ein Riesending, als der Computer in Go gewonnen hat, und es hat auch die Art und Weise beeinflusst, wie die Leute spielen. Ausserhalb der Spielewelt hat sich durch diese Applikation allerdings eher wenig verändert. Algorithmen in Spielen sind selten hilfreich in der echten Welt, wo nicht alles so schön angeordnet ist wie auf einem Spielbrett. Es gibt sehr viele Unsicherheiten, der Zufall spielt eine genauso gewaltige Rolle wie das Berechnen von Wahrscheinlichkeiten. Und kaum gewinnt eine Maschine gegen den Menschen, heisst es: «Jetzt THE RED BULLETIN
CODES FÜR ÜBERMORGEN
Richard Socher erforscht unter anderem, wie uns schlaue Sprachassistenten das Arbeitsleben künftig erleichtern können.
und er wird uns als Spezies gewaltig verändern. Vor 250 Jahren haben 90 Prozent der Menschen in der Landwirtschaft gearbeitet, für die körperliche Arbeit war es wichtig, fit zu sein. Mittlerweile ist es relativ egal, wie gross der Bizeps ist. Andere Qualitäten sind wichtiger. So eine monumentale Verschiebung steht uns durch künstliche Intelligenz bevor. Langfristig bin ich also optimistisch, kurzfristig mache auch ich mir ein paar Sorgen. Worüber? Nehmen wir zum Beispiel Lkw-Fahrer: Sie haben einen knallharten Job. Sie müssen konzentriert sein, auch wenn es manchmal stundenlang geradeaus geht. Sie sind oft Tage oder Wochen von der Familie getrennt, müssen verschiedene Zeitzonen durchfahren. Es ist kein bequemes Leben, und man könnte sagen: Gut, dass wir daran arbeiten, dass eine Maschine das übernimmt. Wenn man aber Lkw-Fahrer fragt, dann sagen die: «Ich liebe meinen Beruf, ich bin gerne allein, ich will nie was anderes machen.» Verständlich. Wenn man die Leute in 150 Jahren fragen wird, ob sie den ganzen Tag allein in einem Lkw sitzen wollen, wird die Antwort wahrscheinlich die gleiche sein, wie wenn man heute fragt, ob sie den ganzen Tag in der prallen Sonne auf einem Feld schuften wollen, bis sie Schwielen an den Händen haben. Sie werden sagen: «Nein, das ist völlig absurd, das macht doch eine Maschine!»
«Vieles ist kulturell bedingt: In Japan etwa finden es alle super, dass mehr Sachen für sie automatisiert sind – da wird der Roboter als Helfer gesehen und nicht als Terminator oder Jobkiller.» werden wir überflüssig.» Oder: «Der Terminator wird kommen.» Das ist auch kulturell bedingt. In Japan etwa finden es alle super, dass mehr Sachen für sie automatisiert sind – da wird der Roboter als Helfer gesehen und nicht als Terminator oder Jobkiller. Niemand kann jeden Tag 10.000 mögliche Kunden überprüfen, so wie niemand jeden Tag THE RED BULLETIN
das komplette Internet manuell durchforsten kann – das kann der Algorithmus von Google deutlich besser. Wozu wird das letztlich führen? Man kann historische Fortschritte als Effizienzsprünge sehen: Dampfmaschine, Elektrizität, Internet. Künstliche Intelligenz ist der nächste Effizienzsprung,
Dennoch haben Lkw-Fahrer Angst, ihren Job zu verlieren. Was sagt man denen? Noch ist es nicht so weit, es ist also noch Zeit, und es ist die Aufgabe der Politik und der Wirtschaft, die Leute darauf vorzubereiten und ihnen zu erklären, dass es für sie andere Aufgaben geben wird. Vielleicht ist die Fragestellung, ob Maschinen Jobkiller sind, die falsche Herangehensweise. Was wäre eine bessere? Das Ziel in der Medizin zum Beispiel ist doch, gesunde Menschen zu haben – und nicht, mehr Arbeitsplätze zu schaffen. In der Radiologie beispielsweise ist die künstliche Intelligenz effizient und kostengünstig. Es gibt zu wenige Radiologen, und die menschliche Intelligenz ist nun wahrlich nicht darauf ausgerichtet, tagtäglich und andauernd auf Schwarzweissbilder zu starren. In diesem Bereich kann KI einen positiven Beitrag leisten. 73
Künstliche Intelligenz Das macht die aktuelle Angst vieler Menschen vor dem Jobverlust aber nicht kleiner. Das stimmt, und deshalb muss die Politik die Menschen mitnehmen. Sozialsysteme müssen das unterstützen. Es muss aber vor allem gezeigt werden, dass es Eigen schaften gibt, die in Zukunft noch stärker gefragt sein werden: Kreativität, Empa thie, Probleme zu erkennen, mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten. Die Maschine stellt die Diagnose, der Arzt übermittelt sie dem Patienten? So ungefähr. Aber der Arzt kann ja noch viel mehr: Vielleicht wird der Arzt die Analysen mehrerer Maschinen kombi nieren, womöglich entdeckt er dabei eine neue Krankheit, ein neues Virus. Diese Kombination von abstraktem und konkretem Wissen ist schwer zu auto matisieren. Wir dürfen nicht vergessen: Eine Maschine ist immer nur so gut wie die Daten, die man ihr gibt. Dadurch entsteht manchmal ein «Bias» – wenn der Algorithmus etwa Stereo type und Vorurteile bedient. Ist das nicht gefährlicher als alles andere? Das ist meiner Meinung nach die grösste Gefahr. Künstliche Intelligenz wird nie rassistisch oder sexistisch programmiert. Sie arbeitet mit den Daten, die sie be kommt. Fragt zum Beispiel eine Bank den Rechner: «Wer soll einen Kredit bekommen und wer nicht?», und die Daten der Bank sehen so aus, dass in der Vergangenheit weniger Frauen einen Kredit zur Firmengründung beantragt haben, dann ist es möglich, dass künst liche Intelligenz den Kreditantrag einer Frau eher negativ bewertet. Da hält uns die künstliche Intelligenz einen Spiegel vor: «Schaut mal, so habt ihr das in der Vergangenheit gemacht.» Man kann da aber auch gegensteuern. Einen Algorithmus kann man ein facher ändern als die Einstellung von 10.000 Vorgesetzten, die immer nur Männer gefördert haben. Richtig, und man muss sich bewusst machen: Künstliche Intelligenz ist eine sogenannte «Omni-Use Technology». Das müssen Sie erklären. Man kann sie für alles verwenden. Man kann mit einem Hammer ein Haus bauen – oder ihn als Waffe benutzen. Mit einem Auto kann man Menschen transportieren – oder sie überfahren. Im Internet kann man wertvolle Informationen schnell teilen – oder illegale Geschäfte machen. 74
MIT DIESEN FÄHIGKEITEN KANNST DU 2021 PUNKTEN
Welche Kompetenzen suchen Unternehmen heute? Um diese Frage zu beantworten, analysierte LinkedIn Millionen Daten seines Karriere-Netzwerks. Hier sind die Antworten.
SOFT SKILLS
HARD SKILLS
1. KREATIVITÄT
1. BLOCKCHAIN
Wer sich abheben will, braucht einzigartige Ideen – und diese setzen Einfallsreichtum voraus. Auf keine menschliche Fähigkeit sind Betriebe heute stärker angewiesen.
2. ÜBERZEUGUNGSKRAFT Gute Ideen sind wichtig, bringen dein Unternehmen aber nur dann weiter, wenn du sie auch erklären kannst – erst den Vorgesetzten, dann womöglich den Kunden.
3. TEAMFÄHIGKEIT IT-Experten mit HR-Profis, Controller mit PR-Experten: Mehr denn je setzen Betriebe heute auf fachübergreifende Teams – dafür musst du kooperieren können.
4. ANPASSUNGSFÄHIGKEIT Noch nie hat sich die Arbeitswelt so rasant verändert wie heute. Deswegen sind Unternehmen auf Leute angewiesen, die Veränderung als Bereicherung sehen.
5. EMOTIONALE INTELLIGENZ Wer nachhaltig erfolgreich sein will, muss langfristige Beziehungen pflegen – etwa mit Geschäftspartnern. Keine Maschine kann hierbei den Menschen ersetzen.
Entwickelt für Kryptowährungen, kommt die Technologie längst auch bei Versicherungen oder im Gesundheitswesen zum Einsatz. Nur Fachkräfte gibt es zu wenig.
2. CLOUD COMPUTING Immer mehr Unternehmen nutzen Cloud-Lösungen für ihre digitale Infrastruktur. Gefragt sind deswegen Spezialisten für Systeme wie Microsoft Azure.
3. ANALYTISCHES DENKEN Tech-Wissen ist wichtig, klar. Aber genauso kommt es für Unternehmen darauf an, etwa aus riesigen Datenmengen die richtigen Schlüsse zu ziehen.
4. KÜNSTLICHE INTELLIGENZ Sie ersetzt viele Jobs, begleitet und weiterentwickelt muss KI aber von Menschen werden. Hierzulande steigen viele Firmen erst jetzt ein und suchen Personal.
5. UX- DESIGN Damit Nutzer etwas kaufen, müssen sie sich auf Websites leicht zurechtfinden. Deswegen sind und bleiben Unternehmen auf eine gute User Experience (UX) angewiesen.
THE RED BULLETIN
Künstliche Intelligenz kann in fast allen Bereichen eingesetzt werden, für positive und negative Zwecke. Gesichtserkennung kann zum Beispiel dabei helfen, Krimi nelle zu verfolgen. Sie kann aber auch für andere, finstere Zwecke eingesetzt werden. Man sollte Technologie nicht verteufeln, die Politik muss hier regu lierend eingreifen. Ist es nicht so, dass der Mensch im Lauf der letzten industriellen Revolutionen zur, nun ja, Maschine geworden ist? Er steht am Fliessband, schraubt an Autos, ordnet Papierstapel. Könnte es sein, dass der Mensch mithilfe von KI wieder menschlicher wird? Unbedingt! Und ich glaube, dass künst liche Intelligenz zu mehr Kommunikation zwischen Menschen führen wird. Immer weniger Leute werden künftig allein langweilige, sich ständig wiederholende Tätigkeiten ausüben. Berufe im zwischen menschlichen Bereich bekommen mehr Wertschätzung: Der Altenpfleger, der Ge schichte studiert hat, ist vielleicht besser
«Ich glaube, dass künstliche Intelligenz zu mehr Kommunikation zwischen Menschen führen wird. Immer weniger Leute werden allein langweilige, sich ständig wieder holende Tätigkeiten ausüben.» in seinem Job, weil er sich besser in ältere Menschen hineinversetzen kann. Er muss dann aber auch besser bezahlt werden. Was würden Sie einem Schüler von heute raten? Was wird er zukünftig können müssen? Zuerst: Informatik, weil man künstliche Intelligenz nicht verstehen kann, wenn man vom Programmieren keine Ahnung hat. Mathematik auch. Aber auch: Ethik, Kunst, Geografie.
Also jene Fächer, vor denen Eltern ihre Kinder eher warnen – aus Angst, sie könnten keinen Job b ekommen. Das wird sich verändern. Zum Beispiel kann Rechtschreibung, so wichtig sie ist, von künstlicher Intelligenz jetzt schon verbessert werden. Es ist aber eine ganz andere Sache, eine fesselnde Geschichte mit kreativen Ideen und fundierter Fach kenntnis zu schreiben. Das wichtigste Skill Set für die Kinder der Zukunft ist deshalb eine gute Mischung aus Geistes wissenschaften und Informatik.
BEYOND THE ORDINARY theredbulletin.com
LORENZ HOLDER / RED BULL CONTENT POOL
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GUIDE
JAKE HOLLAND
CALUM MUSKETT
Tipps für ein Leben abseits des Alltäglichen
PARAGLEITEN AM MONT BLANC – mit Bergführer Calum Muskett
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GUIDE Reisen
«In der kühlen Morgen luft stürze ich mich hin ab Richtung Italien und freue mich auf einen stärkenden Cappuccino im Café neben dem Landeplatz.» Calum Muskett, Bergführer und Paragleiter, erzählt vom Abenteuer «Para-Alpinismus».
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nter meinen Füssen knirscht der Schnee, als ich die letzten Schritte auf dem schmalen Grat mache, der zum höchsten Gipfel der Alpen führt: zum Mont Blanc, 4809 Meter über dem Meer. Eine Wolke bedeckt die französische Seite des Berges, eine eisige Brise bringt meine Augenlider zum Gefrieren. Es ist der 1. September 2019, sieben Uhr früh, und das Gleitschirmverbot in der Region wurde gerade aufgehoben. Mir wird ein bisschen übel, als ich meine Tasche auspacke – die Anstrengung des Aufstiegs hat mir körperlich zugesetzt. Ich bin von Les Houches aus aufgestiegen und seit ein Uhr früh unterwegs – das sind 3800 Höhenmeter in sechs Stunden. Das Tal von Chamonix liegt tief unter mir. Von meinem Standpunkt aus wäre der Weg den Mont Blanc hinunter normaler weise lang, beschwerlich und riskant, er würde über Gletscher und Felswände führen, aber ich werde den Abstieg nicht zu Fuss vornehmen. Ich werde fliegen. Seit 2006 besteige ich Berge. Damals absolvierte ich eine Ausbildung auf den Klippen meiner Heimat Nordwales. Heute, als professioneller Kletterer und Bergführer, folge ich den Jahreszeiten und teile meine Zeit zwischen den Bergen von Snowdonia in Wales und den franzö sischen Alpen auf. Vor zwei Jahren habe ich Paragleiten gelernt, was mir neue Horizonte eröffnet hat. Eine Besteigung des Mont Blanc dauert normalerweise drei Tage und umfasst zwei Seilbahnen und eine Zug fahrt. Wenn ich heute sehr früh auf den Berg klettere, kann ich zum Gabel frühstück wieder zurück sein. Das Fliegen hat etwas Befreiendes – wie nach dem Start, bei dem alles einfach 78
Aufstieg über den Pilier Rouge du Brouillard
stimmen muss, der Druck entweicht, die Füsse baumeln surreal über dem Abgrund, man trickst die Evolution aus und gesellt sich segelnd zu den Vögeln. Nach zehn Minuten, in denen ich die frostbedeckten Seile entwirrt und den Fallschirm ausgelegt habe, bin ich dahin, stürze mich in der kühlen Morgenluft vom Gipfel hinab, gleite Richtung Italien und freue mich – heilfroh, nicht mehr weiterwandern zu müssen – auf einen stärkenden Cappuccino im Café neben dem Landeplatz. Der Flug dauert un gefähr 40 Minuten. Zu Fuss würde eine geführte Gruppe, je nach Können, ein bis zwei Tage brauchen. Para-Alpinismus, wie man in Frank reich sagt, wird zu einer immer belieb THE RED BULLETIN
Wohin soll’s gehen? Ort: Chamonix-Tal
Frankreich Italien
Nächster Flughafen: Genf, Schweiz Transport: sechs Seilbahn anlagen Startplätze: Im Mont-Blanc- Massiv gibt es mehrere, Calum flog einmal vom Gipfel des Mont Blanc, einmal vom Glacier du Brouillard in knapp 4000 Meter Höhe.
JAKE HOLLAND
CALUM MUSKETT
Schmaler Grat: Calum Muskett auf dem Weg zur Biwakstation auf dem Pic Eccles
Talfahrt: Der Gletscher ist für den Start ideal, aber der Untergrund etwas glatt. THE RED BULLETIN
Saisonale Information: Im Juli und August ist Paragleiten im MontBlanc-Massiv ver boten. Grund dafür sind Unfälle in den ver gangenen Jahren und die steigende Zahl der Helikopterflüge.
teren Freizeitbeschäftigung. Wie der Name schon verrät, handelt es sich dabei um eine Kombination aus Paragleiten und Alpinismus, und die europäischen Alpen mit ihren überschaubaren Flug beschränkungen und der hervorragenden Infrastruktur eignen sich für so ein Vor haben besonders gut. Das Konzept ist nicht neu: Pioniere wie der Franzose Jean-Marc Boivin starteten schon vor rund vierzig Jahren von einigen der höchsten Gipfel der Welt. Diese Früh zeit des Sports gipfelte in Boivins Flug vom Mount Everest 1988. Seither hat sich die Technologie des Paragleitens eher zu den Cross-Country-Flügen hin verlagert, wo die Leistung der Trag flächen vor allem darauf ausgerichtet ist, Gleitzahl und Auftrieb zu verbessern. Der aktuelle Weltrekord gelang brasilia nischen Piloten 2016: Sie legten eine Strecke von 564 Kilometern zurück. Die Pioniere des Para-Alpinismus schulterten noch riesige Rucksäcke, die mehr als zwölf Kilo wogen (und darin ist die erforderliche Bergsteigerausrüstung noch nicht eingerechnet), wodurch sich die Kletter/Flug-Missionen eher mühsam und unpraktisch gestalteten. Das änderte sich erst vor kurzem mit neuen Schirmtypen. Die neuen Trag flächen wiegen jetzt nur noch ein Kilo, lassen sich in einen mittelgrossen Beutel stopfen und haben ein ultraleichtes Sitz geschirr. Dieser Technologiesprung hat dem Sport deutlichen Auftrieb gegeben. September 2020. Zusammen mit mei nen Freunden Paul und Jake bin ich wie der auf dem Mont Blanc. Wir versuchen einen Aufstieg über den schwierigsten 79
GUIDE Reisen
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«Lauer Wind hebt den Schirm – und mich sanft von den Füssen.» Calum Muskett, Bergführer und Paragleiter
geschlagenen Schneevorsprung 30 Meter neben mir. Es ist Pauls erster Flug unter Jakes Kommando auf einem ultraleichten Tandemparagleiter. Was für ein Ort für eine Premiere! Mit Steigeisen, um mir Halt auf dem glatten Untergrund zu verschaffen, mache ich meinen Anlauf. Der leichte Stoff erhebt sich schnell und einfach über meinen Kopf, und sobald die Vorder kante die Sonne zu berühren scheint, bläst lauwarmer Wind aus dem Tal den Schirm auf und hebt mich sanft von den Füssen. Ich schaue zurück und sehe, wie Jake und Paul vor Freude jauchzend starten und es sich unter ihren Trag flächen bequem machen. Bergführer Calum Muskett buchen unter: muskettmountaineering.co.uk (für Touren im Raum Chamonix). Ein fünftägiger ParagleitKurs kostet zwischen 500 und 900 Euro, die Ausrüstung rund 3000 Euro. THE RED BULLETIN
JAKE HOLLAND
Felsen des Berges, den Pilier Rouge du Brouillard, einen imposanten Granit monolithen auf 4000 Metern, und das über eine erst im Juli erstmals bezwun gene Route, die als «Incroyable» (zu Deutsch: unglaublich) bekannt ist. Die Sonne scheint, es ist heiss. Unter schmelzendem Schnee auf den Hängen über und unter uns taucht eine schwindel erregende rote Felswand auf, die wir mit unseren Fingerspitzen hinaufklettern. Am Ende eines erfolgreichen Kletter tages schaffen wir es bis zur winzigen Blechschutzhütte auf dem Pic Eccles und zu einem geeigneten Startplatz an einem hängenden Abschnitt des Gletschers nahe der Hütte. Die Position ist furchterregend. An sich ist der immer steiler werdende Schnee hang perfekt für einen Absprung – oder besser: Er wäre perfekt, wenn nicht der ganze Hang immer noch gefroren wäre. Paul und Jake stehen auf einem aus
CALUM MUSKETT
Segeln wie die Vögel: Calum Muskett fliegt über die Gletscherspalten des Glacier du Brouillard (oben) und nähert sich dem Landeplatz im italienischen Val Veny (unten).
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PERFECT MATCH Einen guten Laufschuh zu finden ist nicht schwierig – den perfekten zu finden, das ist die grosse Kunst. Und genau hier kommt SportXX Ryffel Running ins Spiel …
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SPORTXX
er mit dem Laufen be ginnt, kommt an einer Frage nicht vorbei: Welcher Schuh ist der richtige für mich? Das Wichtigste zuerst: Den perfekten Laufschuh, der sich für alle Läuferinnen und Läufer eignet, gibt es nicht. Es gibt nur den indi viduell richtigen Laufschuh – und diesen findet die neue 3D-Fussund Laufanalyse von SportXX R yffel Running.
So läuft’s ab Bevor ein Schuh überhaupt in das Regal kommt, muss er das Labor passieren: Dort wird er bis ins kleinste Detail geröntgt, aus gemessen und klassifiziert. Bei der Analyse im Store werden mit einem hochmodernen 3D-Scanner die Füsse in Sekundenschnelle auf zwei Millimeter genau vermessen: Länge, Breite, Höhe sowie das Fussvolumen und die statische Fussform sind dabei die entschei denden Messdaten – diese werden anschliessend mit der Schuhdaten bank abgeglichen, bevor es im
nächsten Schritt erstmals sportlich wird. Denn mit dem Laufen über eine Druckmessplatte wird nun die professionelle Laufanalyse erstellt: Sie gibt Aufschluss über Fussauf satz, Belastungsverlauf, Pronation, Abstossphase sowie Laufstil. Und somit wird der richtige Laufschuh gefunden. Die 3D-Fuss- und Lauf analyse ist kostenlos und in allen SportXX Ryffel Running Filialen verfügbar. Einfach online Termin vereinbaren – oder spontan in einer der 25 Filialen vorbeischauen und von diesem Service profitieren: sportxx.ch/laufanalyse
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GUIDE Fitness
WINGS FOR LIFE WORLD RUN
App-solut easy Wie du mit der Wings for Life World Run-App für das Lauf-Event des Jahres trainierst. Und wer dich unterwegs dabei anfeuert. Der Wings for Life World Run findet auch in diesem Jahr virtuell statt. Weltweit starten am 9. Mai tausende Läufer zur selben Zeit. Um teilzunehmen, brauchst du die Gratis-App für iOS und Android. Was sie kann und was Ski-Legende Marco Büchel damit zu tun hat, erfährst du hier.
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Download Die Wings for Life World Run-App ist im A pp Store und auf Google Play erhältlich. Nach dem Download kannst du dich entweder per Facebook-Profil oder mit E-Mail registrieren.
Audio- Experience «Na, schon auf Betriebstemperatur? Das läuft ja wie geschmiert!» Am Renntag erwartet dich ein ganz besonderes Hörerlebnis: Motivator Marco «Büxi» Büchel feuert dich zu Höchstleistungen an. Plus: Updates zum Lauf aus der ganzen Welt, Infos zu den gelaufenen Kilometern, zum Abstand des Catcher Cars u. v. m.
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Training
Community
Simuliere den grossen Tag: Wie beim Lauf kannst du dich im Trainingsmodus vom C atcher Car j agen lassen.
Tritt einem der virtuellen Laufteams in aller Welt bei – oder gründe dein eigenes Team, um gemeinsam ein grosses Ziel zu verfolgen. Ski-Legende Marco Büchel (Bild) ist mit seinem Liechtensteiner Team dabei.
Ziel ist es, einen von dir gesetzten Punkt zu erreichen, bevor dich das Catcher Car einholt.
Beim Wings for Life World Run laufen tausende Menschen in aller Welt gleichzeitig für den guten Zweck: Mit den Einnahmen werden Forschungsprojekte zur Heilung von Rückenmarksverletzungen unterstützt. Melde dich an auf: wingsforlifeworldrun.com THE RED BULLETIN
HANNES KROPIK
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Auch wenn du allein läufst: Mit der App bist du Teil einer globalen Community.
GUIDE Gaming
TIPPS
Spielend Karriere machen
YUNG ELDR
JOE ELLISON
Jacob Mourujärvi ist ein Weltklasse-Spieler des EgoShooters «Valorant». Hier verrät der Schwede, wie er es zum Profi geschafft hat. Red Bull Campus Clutch ist ein weltweites eSport-Turnier für Spieler im Studierenden alter. Gespielt wird «Valorant», ein taktisches Ego-ShooterGame. Schon bevor das Spiel vergangenes Jahr veröffentlicht wurde, brach es einen Rekord: Mit 34 Millionen Stunden an einem Tag ist nie zuvor ein Spiel länger verfolgt worden – und zwar von Zuschauern, die sich die Streams ausgewählter Spieler ansahen. Im Weltfinale von Red Bull Campus Clutch kämpfen die Siegerteams aus jedem Land im Juli um 20.000 Euro Preisgeld und ein Gaming-Center für ihren Uni-Campus. Von Jacob «Pyth» Mourujärvi könnten die CampusClutcher einiges lernen. Der 27-jährige Schwede gehört zur Elite-eSport-Mannschaft G2 und ist einer der besten «Valorant»-Spieler der Welt. Vor neun Jahren wollte er noch IT-Experte werden. «Ich hatte keine Vorstellungen von meiner Karriere, ausser dass ich gerne mit Computern arbeitete.» Damals spielte er das gerade neu erschienene «Counter-Strike: Global Offensive» («CS:GO»), als Mitspieler ihn einluden, einem Team beizutreten. «Mittlerweile arbeite ich jeden Tag mit Computern.» Und zwar als Profispieler … THE RED BULLETIN
Scharfschützen: die Charaktere Phoenix (li.) und Jett aus dem Game «Valorant»
15 Stunden Gaming
Als Mourujärvi mit achtzehn den üblichen Bildungsweg hinter sich liess, spielte er 15 Stunden täglich «CS:GO». «Acht Uhr morgens schlafen gehen, fünf Uhr nachmittags aufstehen und weiterspielen», erinnert er sich. «Aber sobald mir bewusst wurde, dass ich damit Karriere machen kann, änderte ich meine Routine und fing an, wie ein Profi zu denken. Ich hörte auch mit dem Lästern auf, wie es in der Szene üblich ist. Jetzt bin ich ein lieber Kerl.»
Neues riskieren
2015 betrat Pyth Neuland und half beim Aufbau des neuen kanadischen «CS:GO»-Teams Luminosity Gaming. «Durch diese Erfahrung bin ich jetzt teamfähiger, offener und ehrlicher.» Dieser erfolgreiche Schachzug inspirierte ihn gleich für den nächsten: Mourujärvi hörte mit «CS:GO» auf,
Stärken ausspielen
Pyth ist ein Meister des «Clutch Play» – der Fähigkeit, ein Spiel in den letzten Sekunden umzudrehen. Schon 2014 bezwang Pyth im Alleingang seine Gegner in einem «CS:GO»-Match. «Beweise dich, und man wird dich wahrnehmen», sagt er. «Aber Abkürzungen gibt’s keine. Man muss sich Schritt für Schritt hocharbeiten.»
«Ich bin jetzt teamfähiger, offener und ehrlicher.» Jacob Mourujärvi, genannt «Pyth», 27
vor allem auch deshalb, weil er auf Twitter während des Spiels Morddrohungen erhalten hatte. «‹Valorant› hat eine sehr unterstützende Fanbase», erzählt Pyth. Angenehme Arbeitskollegen seien schliesslich überall entscheidend. «Bei G2 sind wir Freunde. Beim Spielen und auch danach.»
Niemals aufhören
Mit 27 gehört Mourujärvi zu den eSport-Veteranen. Was nach dem Karriereende nun kommt? «Ich will weiter im eSport arbeiten, vielleicht ja als Trainer. Viele Spieler üben jeden Tag ihre Treffsicherheit, verstehen aber nicht viel von Teamwork und Strategie. Dabei ist es wie im Fussball: Die Spieler im Team sollten ein ander nicht zu sehr gleichen und eine Einheit bilden.» «Valorant» auf Microsoft Windows: playvalorant.com Die aktuellen Matches beim Red Bull Campus Clutch findest du auf redbull.com. Folge Pyth auf: twitch.tv/pyth
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LENNY KRAVITZ, LAVENDEL UND WEIHRAUCH ROCK-LEGENDE WIRBT FÜR PARFUM, SEINE TOCHTER FÜR YSL-LIPPENSTIFT Wie Lenny Kravitz (li.) riecht, wissen wir jetzt: nach «lichtdurchflutetem Lavendel, schwarzem Zedernholz und mystischem Weihrauch» – kurz nach «Y Le Parfum» von Yves Saint Laurent (YSL), wofür er gerade wirbt; Töchterchen Zoë (re.) rümpft darob nicht das Näschen, sie macht das Gleiche mit YSL-Lippenrot. loreal.com
Richtig gutes Zeug DAVID SIMS/YVES SAINT LAURENT BEAUTY ÖSTERREICH, COURTESY OF FERRAGAMO, COUCH CONSOLE, NICOLAS HOLTZMEYER/RED BULL CONTENT POOL, SAMSONITE EUROPE
Handverlesene Liebhaberstücke, Tipps & Termine. Von der Redaktion empfohlen. Text WOLFGANG WIESER
SCHUH-KUNST DAS VIRTUELLE MUSEUM VON SALVATORE FERRAGAMO Diese lässigen Schuhe von Ferragamo stehen symbolisch für das virtuelle Museum des italienischen Mode-Visionärs. Klare Empfehlung: Schau dir das an! Wer Mode und Geschichte liebt, klickt sich mit wachsendem Entzücken durch. ferragamo.com/museo
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GUIDE Trends HALTE DEINEN FLOW! GARMIN ENDURO Diese Uhr weiss praktisch alles über ihren Träger. Die Eigenschaft, die uns am besten gefällt? Sie misst deinen Flow – also wie flüssig du mit dem Mountainbike die Trails bewältigst. Je niedriger der Wert, desto besser. PS: Und wann du besser Pause machst, sagt sie dir auch. garmin.com
LEBEN IM GLEICHGEWICHT THE COUCH CONSOLE Manch einer mag sagen, das Leben auf der Couch sei nicht das Wahre. Antworte: Aber dafür ich bin ausbalanciert. Dank dieser Konsole – sie (ent-)hält alles, was du für einen entspannten Tag brauchst. Ein Hit auf Kickstarter, eh klar. Lieferung ab Mai. couchconsole.com
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SCHNELL ÜBER DIE ALPEN 1000 KILOMETER ÜBER ALLE BERGE Rauf: laufen. Runter: fliegen. Jene 33 Athleten, die bei der 10. Auflage des Red Bull X‑Alps dabei sind, müssen sich auf Abenteuer gefasst machen. Die Strecke darf nur zu Fuss oder per Gleitschirm absolviert werden. redbullxalps.com
RUCKSACK FINDET STADT SAMSONITE SECURIPAK Endlich ein Rucksack, der nicht so tut, als wollte er auf einen Gipfel geschleppt werden. Nein, er ist eindeutig für den Stadtbewohner des 21. Jahrhunderts gedacht. Das Material heisst Recyclex (ja, es sind PET-Flaschen), ist reiss- und schnittfest, und selbstverständlich gibt es eine Lademöglichkeit. samsonite.com
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MentalMaschinen Allein und doch nicht, konzentriert und doch e ntspannt. Beim Aufsteigen auf diese Motorräder ist der Alltag plötzlich weit weg. Und unterwegs füllen Eindrücke Herz, Hirn und Seele. Text WERNER JESSNER
Eherne Essenz HONDA CB1000R BLACK EDITION Alte Biker-Weisheit: «Hondas fahren immer.» Im Zweifelsfall steht Funktion über E motion. Denn worum geht es denn beim Motorradfahren? Genau: ums Fahren. Und wenn das so brillant fährt wie die 145 PS starke CB1000R, kommen die Emotionen ganz von selbst. In der neuen «Black Edition» versteckt die CB ihre Talente wie ein 5-Zoll-TFT-Farbdisplay, das mit dem Handy gekoppelt Sprachbefehle versteht – perfekt. Viel mehr Understatement geht nicht; bis die erste Kurve kommt und keiner der Schönlinge mehr im Rück spiegel zu sehen ist.
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uf dem Motorrad sieht man die Welt nicht nur, sondern man hört und riecht sie auch. Beim Absteigen fragt man sich als Erstes, wann denn die nächste Dosis dieses be glückenden Stoffs zu haben ist. Motorrad fahren ist mehr als Fortbewegung. Es ist Nahrung für den Kopf, schult Koordination wie Weitblick gleichermassen und fungiert als Ausdrucks mittel der eigenen Persönlichkeit. Wenn rundum Freiheiten zu verschwinden drohen, bleibt immer noch eins: Helm auf, Bike starten – und los. Ob flott oder entspannt, abenteuerlich oder gemütlich: Es gibt kein falsches Leben im richtigen. Und das hat zwei Räder.
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Sein ohne Schein BRIXTON RAYBURN Achtung, Einstiegsdroge! Das Bike sieht nach sündteurem Custom-Bike-Umbau aus, nach viel Hubraum und Spielzeug für harte Jungs – ist aber ein 125er-Motorrad, das man auch mit Autoführerschein bewegen darf. Die «Rayburn» der jungen österreichischen Marke Brixton kombiniert Roadster-Look mit einem standesgemäss luftgekühlten Einzylindermotor. Style-Highlight: der gefederte Ledersattel. Geschmack ist keine Frage des Hubraums: Selbst in der Achtelliter-Klasse gibt es keinen Grund mehr, billige Plastikroller zu fahren. Hubraum: 125 ccm Leistung: 11 PS Preis: 4 190 CHF brixton-motorcycles.com
Um die Welt KTM 1290 SUPER ADVENTURE S Grosse Freiheit! Nur blöd, wenn im richtigen Leben unterwegs der Wind zerrt, der Hintern zwickt und die Knie pitschnass werden. Für die grosse Tour nehme man also ein Bike, das Unbill vom Fahrer fernhält, souverän motorisiert ist und aller Tricks mächtig, die tausend Kilometer oder mehr im Sattel zur Freude werden lassen. Das neue KTM-Flaggschiff hat fünf Fahrmodi von Regen bis Rally, 7-Zoll-TFT-Display und 23-Liter- Tank für enorme Reichweite: Wer jetzt noch zu Hause bleibt, dem ist nicht mehr zu helfen. Hubraum: 1 301 ccm Leistung: 160 PS Preis: ab 20 290 CHF ktm.com
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Reise-Rakete DUCATI MULTISTRADA V4 Gebückt, laut, unkomfortabel, unzuverlässig, aber geil? Dafür stand Ducati einst. Spätestens seitdem die Kultmarke zum VW-Konzern gehört, hat sich das gründlich geändert. Wer auf italienischen Alpenpässen genauso daheim sein will wie auf den Eselpfaden Griechenlands, ist mit der souveränen Multistrada mit ihrem 170 PS starken V4-Motor bestens angezogen. Modernste Elektro nik, elektronisch gesteuerte
Federung und überragender Windschutz sind State of the Art. Bleibt zu hoffen, dass Sie rechtzeitig zum ersten Service wieder zu Hause sind. Das ist nämlich erst bei 60 000 km fällig (Klischees über italienische Technik sind auch nicht mehr, was sie einmal waren). Hubraum: 1 158 ccm Leistung: 170 PS Preis: ab 19 990 CHF ducati.com
Passt perfekt BMW R NINET Wer unverfälschten Fahrspass sucht und ein Motorrad als Ausdruck seiner Persönlichkeit versteht, wählt eine R nineT. Für die S aison 2021 wurde die R nineT-Familie noch mal ver feinert. Der Motor liefert nun im mittleren Drehzahlbereich noch mehr Drehmoment für besseren Durchzug. Geblieben ist der rohe Charakter des luftgekühlten Boxers und das pure Fahrgefühl. Neben Fahrmodi und Integral-ABS ist nun auch ein Tempomat verfügbar, und viele Details wurden optisch aufgewertet. Es sind nun noch mehr Farben und Zubehör für die Individualisierung erhältlich, um aus einer R nineT ein ganz persönliches Motorrad zu gestalten. Hubraum: 1 170 ccm Leistung: 109 PS Preis: 16 850 CHF bmw-motorrad.ch
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Für Alltag und Kurven BMW F 900 R Präzises Handling, sportliches Design und ein drehmomentstarker Zweizylinder-Reihenmotor – die BMW F 900 R steht für Fahrspass bei jeder Gelegenheit (mit Schalt assistent und wählbaren Fahrmodi). Mit 105 PS ist in jeder Situation reichlich Power vorhanden, und dank TFT-Display und Connectivity behält man die wichtigsten Informationen stets im Blick – egal ob auf dem Weg ins Büro oder auf Kurvenjagd in den Alpen. Gibt es leistungsreduziert auch für A-Führerschein-Fahrer. Hubraum: 895 ccm Leistung: 105 PS Preis wie abgebildet: 9 900 CHF bmw-motorrad.ch
Herrlich unkonventionell HARLEY-DAVIDSON PAN AMERICA Anders als die anderen: Jahrzehntelang hat Harley-Davidson diese Fahne vor sich her getragen. Irgendwann begann sich die Spirale zu drehen und wurde zum Klischee. Wie befreit sich Harley aus der Falle? Indem sie ein Bike bauen, das niemand erwartet hätte. Eine Reise-Enduro. Modern. Mit 145 PS, D igitalpaket, ernsthaften Geländekompetenzen
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und brachialer Bremsanlage. Eine Harley, die so konsequent mit Konventionen bricht, wie’s nur echte Freigeister können. Wir sollten an Harley denken, wenn wir uns dabei ertappen, immer dasselbe zu tun. Hubraum: 1 250 ccm Leistung: 145 PS Preis: ab 16 700 CHF harley-davidson.com
Good Vibes MOTO GUZZI V7 SPECIAL Manche Bikes kauft man wegen ihres Aussehens, andere wegen ihres Klangs, die legendäre V7-Serie von Moto Guzzi wegen ihrer Vibrationen. Der längs zur Fahrtrichtung eingebaute luftgekühlte V2-Motor schüttelt auf eine Art, die keinen loslässt, der ihn je probiert hat. Er stösst das Herz an. Zum 100-Jahr-Jubiläum ist das ikoni sche Aggregat auf 850 Kubik
g ewachsen, und als Variante «Special» glänzt die Guzzi mit so zeitlosen Features wie Speichenrädern und echt analogen Armaturen – eine aussterbende Spezies in Zeiten der Volldigitalisierung. Hubraum: 850 ccm Leistung: 65 PS Preis: 10 890 CHF guzzimoto.ch THE RED BULLETIN
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B O U L E VARD DER HEL DEN
COCO CHANEL
DIE ERFINDUNG DES «KLEINEN SCHWARZEN» Serie: MICHAEL KÖHLMEIER erzählt die aussergewöhnlichen Geschichten inspirierender Figuren – faktentreu, aber mit literarischer Freiheit. Folge 1: Wie sich ein Mädchen aus dem Waisenhaus zur Modekönigin adelte.
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BENE ROHLMANN, CLAUDIA MEITERT MICHAEL KÖHLMEIER
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rotz der gewaltigen Revolution – anderes behauptete, nicht nur als Lügnerin manche sagen, gerade deswegen dastehen und als eine, die ihren Vater – blieben die Klassenunterschiede und ihre Mutter verleugnete, sie hätte in in Frankreich länger bestehen als Zukunft auch mit mächtigen Feinden zu in manchen anderen europäischen rechnen. Auf den Boulevard wollte und Ländern, vielleicht nicht offiziell, dafür konnte sie nicht verzichten. Also wählte sie aber im täglichen gesellschaftlichen Umdie Legende. gang der Menschen miteinander. Noch bis Wenn der Name Coco Chanel fällt, woran MICHAEL KÖHLMEIER Der österreichische denken Sie? An zwei Dinge: z weitens an in die Mitte des 20. Jahrhunderts genügte Bestsellerautor gilt das Parfum Chanel Nº 5 – e rstens aber an es nicht, wenn allein Leistung einer adeals Grösse unter den ligen Herkunft entgegengehalten wurde. das «kleine Schwarze». Jede Frau weiss, deutschsprachigen Jedenfalls nicht, wenn man zur Spitze der was gemeint ist. Es gehört zu den grössten Erzählern. Gesellschaft gehören wollte. Gegen den Erfindungen der Modebranche – la petite Zuletzt erschienen: Adel, der seine Abstammung bis auf viele robe noire. Dieses schlichte Kleid ist mehr «Die Märchen», Verlag Carl Hanser. Generationen ausleuchtete, half nur die als ein Stück Stoff, es ist ein Begriff, ein Legende, die um die Vergangenheit den Begriff, der sich von seiner Erfinderin Nebel des Gerüchts hauchte. Auf die Nebelschwaden emanzipiert hat. Ich kann mir denken, es gibt junge liess sich alles Mögliche projizieren – tatsächlich alles Frauen, die beides kennen, Coco Chanel und das Mögliche. Wer es schaffte, sich zu einer Legende zu Kleid, aber nicht wissen, dass Erstere die Erfinderin stilisieren, der hatte es geschafft, der verkehrte in der von Letzterem ist. In Amerika heisst es little black dress gleichen Liga wie ein Marquis oder eine Marquise. und wird als LBD abgekürzt. Das kleine Schwarze Gabrielle Chasnel alias Coco Chanel (1883–1971) wurde «die Uniform für alle Frauen mit Geschmack» hatte das sehr früh begriffen. Sie stammte nicht genannt. Jede Frau, die etwas auf sich hält, so habe aus armen Verhältnissen, nein, aus elenden. Wo sie ich erst kürzlich gelesen, hat eines in ihrem Schrank als Kind lebte, dort wurde gehungert und gefroren. hängen, auch heute. Die Mutter starb, da war sie zwölf. Ihr Vater, ein Hausierer, steckte sie und ihre Schwester ins Waisenenn es Coco Chanel schon nicht gelingen haus. Dort lernte sie nähen. Die Nonnen meinten, konnte, um ihre Herkunft eine Legende zu dieses Handwerk biete zumindest eine geringe Chance, spinnen, dann sollte wenigstens ihre grösste dass sich ein Mädchen wie sie später wenigstens einen Erfindung legendären Ursprungs sein. Irgendwann geringen Lebensunterhalt verdiente. Später schämte merkte sie ironisch an, bei hundert Interviews werde sich der Mode-Superstar Coco Chanel für seine Kindsie neunundneunzigmal gefragt, wie sie auf die Idee heit, lange versuchte sie, ihre Biografie zu verbergen zu dem kleinen Schwarzen gekommen sei. Am Anfang oder zu beschönigen. Aber die Neugierpresse hatte wollte sie sich gebildet geben und sagte, die Lektüre längst alles herausgefunden, und Coco war durch und von Tolstois Anna Karenina habe sie darauf gebracht. durch Realistin, sie wusste, sie würde im Wettstreit Bald merkte sie, das machte sich in der Welt der Mode um die Deutung ihres Lebens gegen die eifrigen und nicht gut. Welche Frau wollte sich schon kleiden wie eifernden Reporter unterliegen; sie würde, wenn sie eine russische Romanfigur aus dem 19. Jahrhundert?
Das 20. Jahrhundert würde das Jahrhundert Amerikas werden. Aus Amerika kam der Jazz, aus Amerika kam das Geld, aus Amerika kam der inbrünstige Glaube, jeder Mensch könne es vom Tellerwäscher zum Millio när schaffen. Diese moderne Interpretation des Werde gangs eines klassischen Genies war inspirierend. Dar aus liess sich eine brauchbare, das Geschäft beflügelnde Legende bauen – und nicht nur eine … Hier nun drei Legenden, wie Coco Chanel auf die Idee mit dem kleinen Schwarzen gekommen war.
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m Waisenhaus bekam die kleine Gabrielle von einer der Nonnen zu Weihnachten die Märchen von Charles Perrault geschenkt. Eine der bekanntesten Geschichten in der Sammlung ist Cendrillon ou la Petite Pantoufle de verre. Wir finden dieses Märchen auch bei den Brüdern Grimm, dort heisst es Aschenputtel. Es ist die rührende Mär von dem armen Mäd chen, das von seiner Stiefmutter gedemütigt wird und hinter dem Ofen in der Asche sitzt, während ihre Halbschwestern auf dem glänzenden Ball des Prinzen
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tanzen. Sie habe, erzählte Coco, ihrer älteren Schwes ter und den anderen Mädchen im Waisenhaus dieses Märchen erzählt, immer wieder, und habe es dabei ordentlich ausgeschmückt. Als Aschenputtel endlich in den Palast eingeladen wurde, habe sie kein passendes Kleid gehabt, alles, was sie besass, waren die Fetzen, die ihr die Stiefmutter hingeworfen hatte, und die waren obendrein schwarz von Russ und Asche. Da habe das arme Mädchen Nadel und Faden genommen und aus den Fetzen ein Kleid genäht. Für ein Ballkleid mit Schleppe und langen Ärmeln und Rüschen und Fältchen habe der Stoff nicht gereicht, nur ein schlich tes Kleid sei sich ausgegangen – das kleine Schwarze. Diese Version erzeugte Rührung und speiste den Hunger nach Kitsch, war aber um einen Dreh zu harmlos. Es gab Frauen und Männer, die wollten es so haben, und die sollten es auch so kriegen. Die Harm losen allerdings gehörten nicht zur ersten Kundschaft, das kleine Schwarze war zwar schlicht, aber es betonte die Erotik, die ein Kleidungsstück ausstrahlen kann, auf eine Art, wie sie den anspruchsvollen Damen bisher nicht vor Augen geführt worden war. Einer Legende, das begriff Coco Chanel instinktiv, muss eine Gegen legende Kontra bieten, das bringt Dynamik in die Sache, Streit, und Streit ist gut, denn er zwingt dazu, Partei zu ergreifen, und wer Partei ergreift, macht eine Sache zu seiner eigenen Sache und kämpft dafür.
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ie zweite Geschichte war nicht harmlos, sie liess Skandalöses ahnen. Darum hat Coco diese Legende nie selbst erzählt, aber sie hat gezielt Gerüchte gezündet. Im Waisenhaus des Klosters Obazine erlernte Gabrielle das Handwerk der Näherin. Dazu angeleitet wurde sie von einer jungen Nonne, die unterschied sich von den anderen Schwestern durch ihre Schön heit und Sanftmut. Diese Frau – die in den Gerüchten einmal Michelle, dann Manon, dann Louise hiess – verliebte sich in Gabrielle und zog sie allen anderen Mädchen vor. Auch Gabrielle verliebte sich, aber ihre Gefühle waren andere als die der jungen Ordensfrau, sie genoss das Lob, sie genoss, wenn ihr über die Haare gestrichen wurde, sie genoss es, wenn sie Süssigkeiten geschenkt bekam. Michelle aber – nennen wir sie so – begehrte die erst Vierzehnjährige, und ihre Leiden schaft war umso heftiger und schmerzlicher, als sie diese Regungen bis dahin nicht in sich gespürt hatte. Sie war als Kind ins Kloster gesteckt worden, weil sich ihre Eltern getrennt und die Ehebrüche, die sie be gangen hatten, wiedergutmachen wollten, indem sie ihre Tochter dem Himmel schenkten. Mit sechzehn
Zu einer Legende, das begriff Coco Chanel, muss es eine Gegenlegende geben. 94
war sie geweiht worden, nun war sie zwanzig. Wenn in ihrem bisherigen Leben von Liebe gesprochen wor den war, dann von der Liebe zum Herrn Jesus Christ. Aber den gab es nicht. Oder gab es nicht mehr. Oder hatte es nie gegeben. Man konnte ihn nicht berühren, und wenn man ihn berührte, berührte man den kalten Stein einer Statue. Wie konnte sich ein Mensch, der alle Sinne beisammenhatte, in die Figur einer blossen Erzählung verlieben? Als die junge Nonne Gabrielle begegnete, fiel alle Jenseitigkeit von ihr ab; alle Sehnsucht nach dem Gottessohn kam ihr lächerlich vor, wenn sie das ebenso zarte wie herbe Gesicht des Mädchens sah. Sie wollte nicht mehr Nonne sein. Sie wollte Liebe, richtige Liebe. Als die beiden eines Tages allein waren – so die Legende –, habe Michelle ihre Tracht ausgezogen und sie von sich geworfen. Im Unterrock sei sie vor Gabrielle gestanden – und dieser Unterrock war klein und schwarz. Coco, dies beschworen ihre Freunde, habe nichts weiter zu dieser Legende beigetragen, als dass sie in einem der vielen Interviews sagte, das kleine Schwarze erinnere sie an eine Frau im Unterrock, die sie irgend wann als Kind im katholischen Waisenhaus gesehen habe. Die hundert Münder des Gerüchts machten daraus die Geschichte einer verzweifelten Liebe. Gut fürs Geschäft. Dementiert hat Coco Chanel die Erzählung übrigens nie, bestätigt aber auch nicht. Die dritte Legende bildet eine Synthese von erster und zweiter. Sie ist harmlos und fromm, zugleich aber auch lasziv, in prüden Kreisen wurde sie sogar als gotteslästerlich verurteilt.
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s heisst: In der Karwoche seien die Zöglinge des Waisenhauses angewiesen worden, die Verhüllungstücher für die Kirche zu nähen. Es ist ja bis heute üblich, dass am Karfreitag und am Karsamstag die Kreuze und die Bilder um den Altar verhängt werden – und zwar mit violettem Stoff. Aus Versehen sei eine überzählige Bahn schwarz geliefert worden. Die habe Gabrielle versteckt. Sie war damals ein pubertierendes Mädchen, neugierig auf Abenteuer, sie habe sich gemeinsam mit anderen aus dem Waisen haus heimlich mit Buben aus der Umgebung getroffen. Man habe sich im Dorf zu einem Ostertanzabend verabredet. Alle anderen hatten sogenannte gute Kleidung, nämlich solche, die man am Sonntag anzog. Gabrielle war die Ärmste der Armen, sie besass nur eine Garnitur, und die war schäbig. Um sich für den Tanz schön zu machen, habe sie sich aus dem über schüssigen Stoff ein Kleid genäht. Und weil erstens nur wenig Stoff übrig war, zweitens sie noch nicht gut genug nähen konnte, sie also auf jeglichen Zierrat ver zichten musste, sei eben nur ein knappes, schlichtes Kleid d araus geworden – das kleine Schwarze. Wie auch immer die Wahrheit lauten mag: Das kleine Schwarze wurde zur Legende. Und dieses hübsche Ding hat sich nicht nur von seiner Erfinderin emanzipiert, sondern auch von den Geschichten und Gerüchten, die sich um seine Entstehung ranken – wie die Rosen um das Schloss von Dornröschen, einer fernen Verwandten von Aschenputtel.
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Aktuell erscheint The Red Bulletin in sechs Ländern. Die «Adventure Issue» unserer US-Ausgabe feiert diesen Monat Abenteuer auf Amerikas Gipfeln und in der faszinierenden Unterwasserwelt Mexikos. Mehr Geschichten abseits des Alltäglichen findest du auf: redbulletin.com
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Gesamtleitung Alexander Müller-Macheck, Sara Car-Varming (Stv.) Chefredaktion Andreas Rottenschlager, Andreas Wollinger (Stv.) Creative Direction Erik Turek, Kasimir Reimann (Stv.) Art Direction Marion Bernert-Thomann, Miles English, Tara Thompson Grafik Martina de Carvalho-Hutter, Cornelia Gleichweit, Kevin Goll Fotoredaktion Eva Kerschbaum (Ltg.), Marion Batty (Stv.), Susie Forman, Tahira Mirza, Rudi Übelhör Digitalredaktion Christian Eberle-Abasolo (Ltg.), Lisa Hechenberger, Elena Rodriguez Angelina, Benjamin Sullivan Head of Audio Florian Obkircher Special Projects Arkadiusz Piatek Managing Editors Ulrich Corazza, Marion Lukas-Wildmann Publishing Management Ivona Glibusic, Bernhard Schmied, Anna Wilczek Managing Director Stefan Ebner Head of Media Sales & Partnerships Lukas Scharmbacher Head of Co-Publishing Susanne Degn-Pfleger Projektmanagement Co-Publishing, B2B-Marketing & Communication Katrin Sigl (Ltg.), Mathias Blaha, Katrin Dollenz, Thomas Hammerschmied, Teresa Kronreif (B2B), Eva Pech, Valentina Pierer, Stefan Portenkirchner (Communication) Creative Services Verena Schörkhuber-Zöhrer (Ltg.), Sara Wonka, Julia Bianca Zmek, Edith Zöchling-Marchart Commercial Management Co-Publishing Alexandra Ita Editorial Co-Publishing Raffael Fritz (Ltg.), Gundi Bittermann, Mariella Reithoffer, Wolfgang Wieser Executive Creative Director Markus Kietreiber Projekt Management Creative Elisabeth Kopanz Art Direction Commercial & Co-Publishing Peter Knehtl (Ltg.), Erwin Edtmayer, Simone Fischer, Martina Maier, Andreea Parvu, Alexandra Schendl, Julia Schinzel, Florian Solly, Dominik Uhl, Sophie Weidinger, Stephan Zenz Abo & Vertrieb Peter Schiffer (Ltg.), Marija Althajm, Nicole Glaser, Victoria Schwärzler, Yoldaş Yarar Anzeigenservice Manuela Brandstätter, Monika Spitaler Herstellung & Produktion Veronika Felder (Ltg.), Friedrich Indich, Walter O. Sádaba, Sabine Wessig Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Claudia Heis, Nenad Isailović, Sandra Maiko Krutz, Josef Mühlbacher Finanzen Mariia Gerutska (Ltg.), Klaus Pleninger MIT Christoph Kocsisek, Michael Thaler Operations Melanie Grasserbauer, Alexander Peham, Yvonne Tremmel Projekt Management Gabriela-Teresa Humer Assistant to General Management Sandra Artacker Herausgeber & Geschäftsführer Andreas Kornhofer Verlagsanschrift Heinrich-Collin-Strasse 1, A-1140 Wien Telefon +43 1 90221-0 Fax +43 1 90221-28809 Web redbulletin.com Medieninhaber, Verlag & Herausgeber Red Bull Media House GmbH, Oberst-Lepperdinger-Strasse 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700 Geschäftsführer Dkfm. Dietrich Mateschitz, Dietmar Otti, Christopher Reindl, Marcus Weber
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