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Exploring the Variety of Random Documents with Different Content

Und — mahnte ein Truthahn mit Gekoller: natürlich immer ordnungsvoller!

Im Gegenteil! kreischte ein Lämmergeier: selbstverständlich immer freier!

Ein Löwe brüllte: Professor, ich rate nur immer stolzere Positur!

Ein spukhaft hopsendes Känguru walzte vorüber und pfiff dazu: Herr Professor, man will Sie blos vexieren, Sie müssen die Form immer feiner komplizieren.

Ein kluger Storch hob sacht ein Bein und klapperte mit Bedacht: Nein, nein, bester Herr Professor, es gilt auf Erden nur immer einfältiger zu werden.

So erteilten die Tiere, große und kleine, wilde und zahme im Vereine, dem Herrn Professor ihren huldvollen Rat, als plötzlich aus dem Gratulantenstaat eine goldschmucke Paradiesvogelhenne aufflog und gluckste: Wie ich dich kenne, Freund Künstler, wirst du dir nun vorspiegeln, du sollst unsre Göttin Natur verschniegeln, und wirst deiner neuen Würde grollen und immer rauhbeiniger werden wollen. Und der Herr Professor knurrte was in den Bart und sah wahrhaftig aus wie behaart und streckte verbiestert alle Viere.

Da erschien zuletzt in seinem Quartiere das wildeste und zahmste der Tiere: ein Weib. Das sprach: Lieber Mann, deine Würde ist freilich eine künstliche Bürde.

Aber wir Menschen treiben’s eigentlich nie so natürlich wie das übrige Vieh; selbst die nackte Braut trägt an der Hand ein Ringelein als züchtiges Pfand. Sieh, mit unsern Kleidern, Zierden und Ehrenzeichen

will die alte Hexe Natur erschleichen, daß sich ihr irdisches Maskenfest nicht noch tierischer gehen läßt.

Drum, Künstler, laß dich ruhig verhimmeln; und damit deine Anbeter nicht verlümmeln, lern dich als würdiges Vorbild geberden, denn der Mensch will — immer noch menschlicher werden.

Da hat der neue Herr Professor gelacht, hat seiner Frau einen himmlischen Bückling gemacht und sich sein göttliches Haupthaar geschoren.

Seit der Zeit sind die Herren Professoren der deutschen Kunst-Akademien nicht mehr als Trampeltiere verschrien.

Die verunglückte Göttin

Prolog zur Eröffnung der ersten Freien Volksbühne

Es war im Mai, ein Mittag wolkenschwül. Am offnen Fenster saß ich, ins Gewühl der feuchten Dächer staunend, die gleich Schollen von Silberfelsen, fern ins stille Meer des Himmels hin, aus dumpfer Brandung schwollen: Berlin lag brausend um mich her. Am Horizont, im blassen Dunst, stand blendend auf ihrem Säulenklotz, wie Gold ausspendend, die Siegesgöttin. Um die steifen Glieder bog seltsam bauschig das Gewand sich nieder; zu flattern schien’s im lauen Wind.

Die Sonne blinzelte, bald grell, bald blind. Ich wußte nicht: saß ich im Traum? Es war, als ob der blanke Saum am Fuß der Göttin immer mehr sich bauschte, als ob von fern ein ehern Klirren rauschte. Ich starrte: wahrlich, um die Spitze der Säule klirrten goldne Blitze: die Göttin schüttelte den Siegesspeer. Und plötzlich schleuderte sie weg die Wehr, zur Erde nieder schossen Strahlenstufen, sie schritt hinab, und hohl wie Glockentöne scholl durch die Stadt ein geisterhaftes Rufen:

„Genug des eitlen Ruhms! Kommt her, ihr Söhne, ihr Töchter all des Volkes, kommt herbei! Ich will euch künden einen neuen Mai. Hin werf ich Heim und Waffen in den Kot; genug von Kampf und Schweiß! Aus reinern Sphären, vom Baum der Freiheit pflückt ich Himmelsbrot; mit Ätherhauch soll’s eure Seelen nähren. Die Frucht der Schönheit bring ich auf die Erde, die Kunst, die Seligkeit der Ewigkeiten; vergessen sollt ihr Mühsal und Beschwerde, wie Geister leicht ins Reich der Wahrheit gleiten

wie Geister leicht ins Reich der Wahrheit gleiten. Ein trüber Traum nur ist des Daseins Not, ein Wahn der Schmerz, ein Augenblick der Tod; begeistert ob dem Dunst der Zeiten schweben, das ist die Wahrheit, das heißt Leben!“

So stand sie preisend in der Sonne, winkte; hoch in der Rechten, weithin gleißend, blinkte die wundersame Frucht. Und ihr entgegen aus allen Toren stürmten Glückverlangende, auf allen Straßen drängten Sehnsuchtbangende, Millionen Augen dürsteten nach Segen. Und plötzlich keucht ich selber mit im Schwarm, mit immer drängender gestrecktem Arm; vorstürzend, stammelnd kniet ich in den Sand, umklammerte des Weibes Prachtgewand: „Gieb!“ fleht’ich ächzend — „Gieb uns, gieb uns!“ ächzten die Abertausende, die mit mir lechzten.

Doch hohl herab in unsre Nötigungen erscholl die Glockenstimme wie zersprungen: „Nicht dürft ihr nahn mit irdischer Begier, im Abglanz nur erscheint die Schönheit hier.“ Und scheu verstummten Alle; auf dem Volke lag schwer das Wort wie Nebeldunst und Wolke.

Auf einmal aber, leise, heiser, wild, begann ein Flüstern um das Glanzgebild: „Sie log uns! Wir verschmachten! Fort! Sie log!“ Und, wie die Windsbraut durch den Forst, so flog das Murren weiter, laut und lauter schwellend: „sie log, log, log“ — toll, immer toller gellend, wutschreiend, hohnlachend, und Flüche schallten, und Fäuste fuhren drohend in die Falten des blendenden Kleides, und — ein Schreck — ein Graun: die wimmelnden Reihen starrten wie erstickt: ein Bild des Stolzes hatte sie berückt,

da stand’s, ein Bild der Ohnmacht anzuschaun: ein Krampf erschütterte den Riesenleib, es war als schrumpfte Zoll um Zoll das Weib, matt nieder knickten Hand und Arm, die Himmelsfrucht fiel prasselnd in den Schwarm, zu Moderqualm zerstob sie im Gedränge, zu Flitterspreu der Schale Goldgepränge.

Und vom Gesicht wie abgeschürfte Blattern sah ich des Weibes Götterhaut zerflattern. Aus ihren Augen stierte trüb ein Schein wie schaler Bodenrest aus leeren Bechern, die Lippen knifften dürr und schief sich ein, und aus dem Zahngelücke klang es blechern: „Ach ja — ach je — die Kunst wird alt so sachte. Ihr habt schon Recht — na, seid man still — ich dachte: ihr könnt noch glauben an die ewige Jugend. Na schön, denn nich. Seht, Kinder, ich bin ehrlich; und ist das schwache Rückgrat auch beschwerlich, man macht dann eben aus der Not ’ne Tugend.

Ja, alles Dasein ist ein mürber Plunder, der Menschengeist verpufft sich selbst wie Zunder, der Mitmensch kommt und schluckt den schlimmen Rauch und krigt davon das Grimmen in den Bauch; ein Kunststück ist es, sich davor zu hüten. Drum will ich euch, als Gegengift, die Blüten aus diesem Giftsumpf säuberlich sezieren; ein schwaches Auge liebt das Mikroskop und nicht das Sonnenfernglas zu regieren, und Unkraut wächst ja massenhaft, gottlob. Die Decke von der Fäulnis abzuheben, das ist die Wahrheit, das heißt leben.“

Und wieder rings ein scheu beklommnes Schweigen, ein Nicken, und verzagte Seufzer wehten, wie Herbstlaub rieselt von gesenkten Zweigen; d h i h h i d äh t t

dann — sah ich manchen grinsend näher treten. Da wars, als wüchse wieder hoch die Alte, die hohle Stimme blähte sich und hallte: „Am Schönheitswahnsinn mögen Narren klauben, heut braucht man blos der — Wissenschaft zu glauben! Und da ihr reif seid, Alles zu verstehn, sollt ihr die Kunst in ganzer Nacktheit sehn!“

Und mit den Spinnenfingern krallte ins schlotternde Prunkgewand die Alte, schon sah man durch des Kleides Spalten des greisen Leibes schlaffe Falten, da —: tausendstimmig hub ein Toben an, ein Schrei des Ekels brach den dumpfen Bann, und wie die Brandung von der morschen Klippe zurück ins freie Meergewoge schäumt, so stürmten, stießen, stürzten zorngebäumt die Schaaren weg, weg von dem Spottgerippe und rissen’s um und lachten, und laut lachte ich mit, aus vollem Halse, und — erwachte.

Am offnen Fenster saß ich, ins Gewühl der Großstadt niederstaunend. Frisch und kühl, aus eines Hofes tristem Schattenloch, sproß zu mir auf ins schwüle Mittagsschweigen ein blühender Apfelbaum, als hinge noch schimmernd das Morgenrot an seinen Zweigen. Und wo er über die graue Mauer nickte, hockte ein Straßenkind und gab von seinem Brot einer Gespielin ab, die blaß aus einem Kellerfenster blickte. Das Brot war trocken, das Stück war klein, die Händchen schmutzig — doch der Augen Leuchten so klar und lachend wie der Sonnenschein, der über ihnen rings die schwarzen feuchten Dächer der qualmenden Stadt blitzblank polierte und mit viel hundert Himmelsspiegeln zierte

und mit viel hundert Himmelsspiegeln zierte.

Am Horizont verglomm jetzt in den Dünsten, fahl wie ein Irrlicht hinter Sumpfgespinsten, die plumpe Göttin. Aber an der Ecke dicht unter mir fiel hell der Frühlingsglanz auf eine andre Säule. Bunt Geflecke, grell, ein zerhackter Regenbogenkranz, so klebten prangend die Plakate dran.

Und auf dem Pflaster drängte Mann an Mann; sie lauschten; einer las, gebückt und schief, ein rotes Blatt, das zur Versammlung rief. Verbissener Grimm sprach aus den knochigen Mienen, verschluckte Sorgen brüteten in ihnen; und als der Haufe aus einander wich und als sie sich die rußigen Hände drückten und kargen Gruß die storren Köpfe nickten, da, ja, da wußt ich wohl, dort schlich manch schlechter Wunsch aus haßgepreßter Kehle, doch aus den Blicken schimmerte echt und rein — so sprüht der Funke aus dem harten Stein — die Kampfbegeisterung der wilden Seele. Und sprühte her zu mir mit jäher Wonne, und ward Gesang in mir, Gesang zur Sonne:

Wir Alle, Sonne, sind von deinem Blut!

Uns Alle, Volk, adelt ein Geist der Glut!

Wie Er aus Licht und Dunkel Farben wirkt, im Schooß der Nacht die Saat des Tages birgt, wie Er vom kalten Ätherhauch umflossen sein Flammenblut hat in die Welt vergossen, das immer noch aus unsrer Staubgestalt vor Sonnenheimweh heiße Worte lallt: so kann ein Schattenspiel an leerer Wand, vom Flämmchen unsrer Sehnsucht hingebannt, uns samt der Zeit zur Ewigkeit erheben — und Das ist Kunst, ist Schönheit, Wahrheit, Leben!

Der Feuergeist

Ein Jüngling, wortgewandt, und sehr fürs Volkswohl glühend, oder galt seine Glut mehr seinem Rednerruhm? wer weiß — denn eines Tags nach einer Wahlversammlung sprach er zu einem Freund: welch grenzenloses Glück, so ganz entbrannt zu sein, daß alles mitentbrennt, so Flamme durch und durch, daß sich der Geist vesuvisch am eignen Wort entflammt und jeden andern Geist rings um sich her verzehrt! — der wurde selbigen Nachts von einer Feuersbrunst jäh aus dem Schlaf geweckt. Er sah, noch halb im Traum, durch die verkohlte Tür den Brand nach seinem Bett mit riesiger Zunge lecken, wollte um Hilfe schrein, sprang auf, sah rings die Wände Rauch spein, die Dielen sprühn, schrie Gnade, stotternd Gnade, sah nichts mehr, schrie nur, sah: alles verzehrend fraß der glühende Atem um sich, vesuvisch. Und — o Gnade — was war das? Luft! Er sah sich zusammenbrechen, fühlte sich hochgerissen plötzlich, getragen, weggetragen, durch klirrende Fenster, Wolken, Nachtwolken, Luft — o Glück — o grenzenloses Glück — durch frische Luft getragen, von Fäusten, Retterfäusten, hinab. So kam er zu sich, stand unten, sah hinauf, sah rings das Volksgetümmel vom Feuer geisterhaft beleuchtet, wollte sprechen, Dank sagen, Dank, o Dank — und sprach, sprach nicht, schrie, schrie nur, stotternd und lallend: Gnade! Gnade! — Die Zunge war für immer ihm gelähmt.

Das erlösende Wort

Er weinte, schwieg. Noch hör ich ihn stammeln, höre ihn leiden bei jedem Laut, und höre das Lied meiner Seele dazu, o selig Lied!

„Ich b-b-b-bebe“ — ich bebe mit, „wie kein M-M-Mensch sonst“ — wie einst der Urmensch, „bei j-jedem W-Wort“ — armer Sünder!

„Jedes Wort“ — einst Gestammel — „ist m-mir haha-heilig“ — ist Allen heiliger noch als dir; „sie aber lalala-lachen darüber!“ sie lachen, und du leidest noch?

„Ich k-kann nie s-sagen“ — wer kann je sagen, „was meine S-Seele will“ — Aller Seele! „ich b-bin so verlassen“ — vom einigen Geist.

„Nur m-manchmal, w-wenn ich mein Lalala-Leiden v-vergesse“ — o lache, befreiter Geist — „dann glückt mir“ — o Glück — „das erlösende Wort“. Er weinte, schwieg.

Aber die Liebe

Zwei Folgen Gedichte

Dritte Ausgabe

Hieroglyphe

In allen Tiefen mußt du dich prüfen, zu Deinen Zielen dich klarzufühlen. Aber die Liebe ist das Trübe.

Jedweder Nachen, drin Sehnsucht singt, ist auch der Rachen, der sie verschlingt. Aber ob rings von Zähnen umgiert, das Leben sitzt und jubiliert:

Liebe! —

Erste Folge *

Der befreite Prometheus

Vom Kaukasus hernieder schritt Prometheus; er war erlöst, Zeus gab ihn frei. Der Riese durfte endlich von dem Gletscher herunter, drauf er büßend lag; er durfte nun hinab auf seine Erde, hin zu den Menschen, die er so geliebt, daß er, der eignen Seligkeit zum Trotz, das Feuer des Olympos für sie stahl.

Nicht dauerte den Götterkönig der Himmelsgünstling, der abtrünnige. Warum auch lockte die Versuchung ihn, den Menschen Göttergut hinabzutragen; er hatte seinen Lohn dahin, den Heilandslohn, nach der Olympier unerbittlichem Gesetz. Verraucht nur endlich war der Zorn des Zeus, und Laune wars und Gnade, daß sein Blitz vom Leib des Märtyrers die Fesseln sprengte, die lavastarr gehärteten.

O lange Qual! o Leib, zerfleischt, entstellt!

Noch deckten Schwären die zerschundenen Knöchel; kaum konnten die verkrümmten knorrigen Finger das große Wundmal unterm Herzen schützen, das frisch noch glänzte von den Schnabelschlägen des Tag für Tag drin wühlenden Geierpaars. O Tage voller Wut und Ohnmacht! o Tag der Bitternis, da ihm die Hand, die einst mit Bergen wie mit Würfeln spielte, zum ersten Male erlahmte vor der Übermacht des Neides, des weltbeschattenden, der Götter all! o Tag, als in Verzweiflung starb sein Trotz!

Doch nun war Alles überwunden

Doch nun war Alles überwunden. Erstickt die Kampfglut in den tiefen Augen. Erloschner Gram, verlohte Leidenschaft der einzige Ausdruck der zerfurchten Züge, als trüg’er in sich, wie ein Fremder kalt, nur die verbrannten Wurzeln seiner Kraft. Um seine schmerzgeübte Stirne zauste der eisige Wind des Haars ergraute Büschel. So schritt er abwärts, der gebeugte Riese.

Nur ruhen wollt er, ausruhn bei den Menschen. Sie um sich sammeln, wie ein alter Vater seine Kinder. Ihr Glück genießen, das sie ihm ja dankten. Den Frieden sehn, der lichtfroh aufgegangen, seit er den Himmelsfunken ihnen schenkte, seit er den unstät Irrenden den ersten warmen festen Herd gebaut.

Sich jetzt erfreun an den Geschöpfen, die tierisch wild in Hader, Haß und Habgier einst um das nackte Leben markteten, die seine Tat ja erst zu Menschen schuf.

Und nieder kam er in die mildern Lüfte, ins ebne Land; da sah er blühende Triften, bebaute Äcker, wohlgehegte Gärten, und ringsum lugten Dörfer aus dem Grün, und weither prangten Zinnen sichrer Städte. Da lachte seine Seele: Sieh doch, Zeus, war Das nicht wert der tausendjährigen Pein? Ja, meine Menschen will ich wiedersehn!

Und in die Dörfer ging er, in die Städte, und sah die Menschen, sah sie leben, streben, und ging und ging, und suchte hin und her, und fand: weh, weh des Anblicks: alles wie zuvor! Haß, Hader, Habgier! Nichts war aufgegangen

als andre Habgier, andrer Hader, andrer Haß.

Nur Eines fand er auf der Erde neu: den Neid — den knechtischen, lichtscheuen Neid, o Ekel, den Neid der Menschen um Besitz — und war genug doch da, genug für Alle. In Hütten sah er, in die Burgen sah er; doch es war Alles Eines, war alles wie zuvor — und schlimmer noch.

Zuletzt und matt betrat er eines Priesters entlegnen Hof. Da wohnte ja der Friede, den er vergebens bei den Andern suchte; dort am geweihten Herd, wo hell des Dankes heiliges Sinnbild glomm, die ewige Lampe, wollt er noch Einmal unter Menschen rasten und dann auf immer in die Einsamkeit.

Zum Hausherrn, der die Flamme schütte, sprach er: „Ich bin Prometheus, laß mich ein bei dir!“

Der wandte sich erschrocken, blickte scheu dem großen Mann ins seltsame Gesicht, und schlich geduckt davon, und schloß sich ein, und durch die Tür quoll eine fette Stimme:

„Ich brauch mein Bißchen selbst, verrückter Graubart! Prometheus, der ist tot — und kommt nicht wieder. Ja, damals waren bessre Zeiten noch als heute!“

Dann schlurften Schritte tiefer ins Gemach.

Noch stand der Wandrer. Da: ein Wanken, und der Qualgewohnte, auf die heilige Schwelle schlug er lang hin, zum ersten Mal laut schluchzend, und wehklagte: „O Zeus! sehr furchtbar strafst du! so nicht, so brauchtest du dich nicht zu rächen! das war das Letzte! ich will sterben gehn!“

Und jäh und gellend riß sich ein Lachen los aus der vernarbten Brust

ein Lachen los aus der vernarbten Brust, und brüllend, rasend rannt er weg, der Riese:

„Weg von den Menschen! weg! zum Meer! ins Meer! im Meer, da find’ich Ruhe! endlich Ruhe!“ Nun stand er oben, starr, auf steiler Klippe.

Und wieder sah er im Gelände unten die blühenden Fluren, die beglänzten Triften, bebaute Äcker, wohlgehegte Gärten, und ringsum lugten Dörfer aus dem Grün, und weither prangten Zinnen sichrer Städte.

Da überfiel ihn totgeglaubter Gram, da überfuhr ihn nie erlebter Grimm, brüllend vom Felsgrat brach er Stück auf Stück, und in rasender Blindheit Stück auf Stück anspeiend schmiß er’s hinab, spie, schmiß, und tobend flog übers Meer sein weinendes Gelächter:

„O könnt ich so die ganze Brut zerschmeißen, die mir mein Gut, mein göttliches, veraast! Hha, meine Menschen, hahahah“ —

Da horch, was scholl da? drang da nicht ein Schrei, ein Menschenschrei, ein Hilfeschrei herauf?

Er stierte; dunkel rollend ging die See, von seinen Würfen sturmgleich aufgerührt, und aus dem Gischt trieb halbzerschellt ein Kahn, und in den Strudeln rang ein Mensch ums Leben.

Doch jetzt: schon schäumte von der stillern Flut ein andres Boot heran, draus warf sich ein zweiter Fischer in die Brandung.

Und oben auf der Klippe stand Prometheus und stierte, stierte, und erkannte sie: aus seiner Wandrung hatt’er sie gesehen, die ersten Menschen warens, die er traf: Todfeinde warens — und jetzt kämpfte dort der Feind, dem Feind vereint, um Feindes Leben!

Und endlich siegten sie den schweren Sieg, und schleppten sich zum Strand, und fielen keuchend, sprachlos vor Glück, Geretteter und Retter, einander in die Arme.

Und oben auf der Klippe stand Prometheus, und sah ihr Hab und Gut im Meer versinken, und sah sie lachen — und nun jauchzten sie.

Da überfuhr ihn totgeglaubter Mut, da überfiel ihn nie erlebte Demut, und in die Kniee taumelte Prometheus und auf zum Himmel stammelte Prometheus:

„O Zeus! ich danke dir! du armer Gott!

Ich bin so reich, ich fühle wieder Liebe!

O laß mich leben, laß mich leiden!

Ich will noch einmal zu den Menschen hin!“

Gethsemane

Lautlos steht der starre Hain der Palmen, tiefe Schatten schaun aus Busch und Halmen, ihre blauen Tränen weint die Nacht.

Nur von Menschenlauten tief durchtrauert, steht der stumme Hain und bebt und schauert; einsam seinen Gott anrufend kauert auf den Knien ein Mann in Bettlertracht.

„Höre, höre, Geist der Wahrheit, meinen Zwiespalt, meine dunkle Schuld: der ich wandelte in Kampf und Starrheit, Liebe lehrt ich und Geduld.

Ach! ein Baum, der Licht gab, wollt ich leben, übermächtig der Natur; nur mein Glaube war mir Leben.

Ach, sie sahn nicht auf mein Streben, sahn die Tat, des Baumes Schatten nur.

Übermenschlich hab ich mich vermessen, und sie haben fromm gemeint: Ich, ich lebte selbstvergessen.

Einer, Er nur — Judas! Freund! warum willst du mich verraten?!

O, zertrennte mich doch mein Gebet, daß ich zwiefach lebte Wort und Taten, Menschen menschlich irrend zu beraten, auch dem Zweifel ein Prophet!“

Und zum Mond die Arme wild gebreitet, und die Augen in die Nacht geweitet, läßt er seine dunkeln Blicke irrn.

Und er sieht die Schaaren seiner Qualen, durch das Dickicht brechen bleiche Strahlen und berühren wie mit fahlen

Dolchen marternd seine glühende Stirn.

„Wehe, wehe, Geist der Liebe, voller Reinheit schwebst du, klar und hoch; doch dein Pfad ist Nacht und kalt und trübe, und mich kettete die Erde doch!

Schwerter stieß ich in die weichsten Herzen: Allen wollt ich liebend glühn, aber meiner Mutter mach ich Schmerzen und mit sehnsuchtwundem Herzen weint um mich die Magdalenerin.

Nackt und bloß, und nur ein Menschensohn, wollt ich trösten all mein arm Geschlecht, doch im Mitleid glimmt die Rache schon; auch der Reichste hat auf Liebe Recht! Judas, Judas, kommst du mich zu richten? ist Entsagung, ist Gewalt mein Los? Muß denn diese Welt sich erst vernichten, um das Reich des Friedens aufzurichten?

Freiheit, lebst du im Gewissen blos?“

Und verzagt aufs Antlitz hingezwungen spürt er heftiger die Anfechtungen, seine zarte Stirne trieft von Schweiß. Und er fühlt sein Blut in großen Tropfen von den Schläfen in die Gräser tropfen; seine zuckenden Pulse klopfen an die Erde hart und laut und heiß.

„Geist des Lebens: Klarheit, Klarheit! wird denn nur für Opfer Sieg gewährt? Sieh, es kommt der Jünger Meiner Wahrheit: wähle, Freund! hier Todeskelch, hier Schwert! Selig, meiner Inbrunst mich zu töten, eine Lebensleuchte wollt ich stehn, aber jetzt in Sterbensnöten sieh mich zittern, sieh mich beten: l ß d K l h i üb h !

laß den Kelch an mir vorübergehn!

Allzu willig war mein Fleisch dem Geist! weh: entbrächen meines Glaubens Gluten. Sollen Tausend um mich Einen bluten? Wer nach Meinem Wandel lebt, verwaist. Nein, ich fühl es: nicht wie Ich will, Vater, Geist der Welt, der alle Seelen speist, allen Fleisches Schöpfer und Berater, Du des Lebens, Du des Todes Vater, Deiner Hand befehl ich meinen Geist!“

Und er horcht, er sieht die Nacht erglühen: starrer stehn die Bäume, Fackeln sprühen, wildverworrene Menschenlaute nahn. Und verzückt den Seherblick gehoben, steht und hört er seine Häscher toben, und ein Siegeslächeln schluchzt nach oben: „Judas, komm! ich schreite gern voran.“

Tragische Erscheinung

In einer Wüste lagen viele Menschen, die fast verschmachteten; sie wimmerten. Ein schönes Mädchen nur, mit hilflos braunen Augen, litt stumm den Durst; denn gieriger als der Durst brannte ihr seliges Mitleid.

Da trat, vom glühenden Horizont herwachsend, ein fremder Mann vor dieses Volk; der hob den Zeigefinger ihnen dar.

Aus der gereckten zitternden Spitze quoll ein großer Tropfen Blut, quoll, hing, und fiel, fiel in den Sand; verwundert sah das Volk den fremden Mann.

Der stand und stand, Tropfen auf Tropfen fiel aus seinem Finger in den Sand; und immer, wenn die rote Quelle troff, erbleichte schauernd Er, sie aber staunten, und einige ächzten: er verhöhnt uns.

Da schrie er laut mit seiner letzten Glut: so kommt doch, trinkt! für Euch verblut ich mich!

Doch jenes Mädchen sprach, indeß er hinlosch: sie brauchen Wasser ...

Einsamkeiten

Nun still, mein Schritt, im stillen Nebelfeld; hier rührt kein Leben mehr an meine Ruhe, hier darf ich fühlen, daß ich einsam bin.

Kein Laut, kein Hauch; der bleiche Abend hält im dichten Mantel schwer die Luft gefangen. So tut es wohl dem unbewegten Sinn.

Mein Herz nur hör ich noch; doch kein Verlangen nach Leben ist dies Klopfen. Lust und Schmerz ruhn hinter mir versunken, gleich zwei Stürmen, die sich umarmen und im Wirbel sterben. Was störst du mich, mein allzu lautes Herz!

Sie haben alle nie wie du gefühlt, wie du allein; nicht Freund, nicht Weib noch Kind; sie sind auch einsam. Sieh: dort drüben müht sich ein grüner Schein im Nebelmeer, ein Bahnlicht — sieh: so glimmst auch du im Trüben. Hinaus, hinaus, wo keine Menschen sind!

Was wollt ihr noch? Weiter! auf jenen Hügel, der grau ins Dunkel schwillt. Gesichter, weicht! Sie folgen mir; o hätt ich Flügel! — Und aus dem bleichen Feld tauchen die Sträucher, koboldig, und der Hügel raucht, bis feucht von Schweiß sich dick und breit der Dunstalb an die Brust der Erde saugt. Gesichter, weicht! weicht! Wie sie keuchen! Sie folgen mir. O Qual der Einsamkeit!

Am Bahndamm nieder wank’ich in den Sand, die glühende Stirne auf die nasse Schiene: o käme jetzt das Eisenrad gerannt! Kalt frißt sich mir das Stahlgefühl ins Mark, die Hände pressen wild den starren Reifen; ich kann nicht mehr. Da: horch: sei stark:

c a c t e a o c se sta heulend am Horizont ein hohles Pfeifen, zwei Augen quellen blendend aus dem matten Dunstdunkel, und — was will der Schatten, was regt sich da der Erlenbusch?

Er löst sich, kommt; es reißt mich hoch, der Schatten naht, ich wills begreifen, er nimmt Gestalt an — Wahnsinn? — Und den Nebel teilt ein schwarzer Streifen, mein wühlender Blick wird still und weit: ein Gruß — stumm stockt in mir ein Schrei: Jubel, ein Mensch! — O Herz — o Einsamkeit — und knatternd stampft der Dampfzug mir vorbei.

Bergpsalm

Der Sturm hat seine Schlangen losgelassen. In langen Windungen zischt Gras und Rohr und keucht der See ans Land; die silberblassen zerwühlten Weiden seufzen laut empor. Empor, empor! Dort, wo die Kiefern sausen, auf kahler Höhe will ich einsam stehn und meine ferne Heimat dämmern sehn und hören, was die dunkeln Wolken brausen.

Ihr grauen Pilger über mir: wohin?!

O könnt ich mit euch, ziellos, ohne Stocken, dies dumpfe Sehnen ohne Maß und Sinn ausschütten in den Sturm wie Nebelflocken!

O meine Heimat! Silbern grüßt der Fluß und glänzt zum Himmel aus dem Blau der Bäume, und aus dem Zauberwald der Kinderträume winkt klar der Mutter Blick und Kuß.

Was weinst du, Sturm? — Hinab, Erinnerungen! dort pulst im Dunst der Weltstadt zitternd Herz! Es grollt ein Aufschrei von Millionen Zungen nach Glück und Frieden: Wurm, was will dein Schmerz!

Nicht sickert einsam mehr von Brust zu Brüsten wie einst die Sehnsucht, nur als stiller Quell; heut stöhnt ein Volk nach Klarheit, wild und gell, und Du schwelgst noch in Wehmutslüsten?

Siehst du den Qualm mit dicken Fäusten drohn dort überm Wald der Schlote und der Essen? Auf deine Reinheitsträume fällt der Hohn der Arbeit! fühl’s: sie ringt, von Schmutz zerfressen! Du hast mit deiner Sehnsucht blos gebuhlt, in trüber Glut dich selber nur genossen; schütte die Kraft aus, die dir zugeflossen, und du wirst frei vom Druck der Schuld!

Und blutig glüht es um die zackigen Türme, ein Dornenkranz umflammt die Stirn der Stadt, ein goldner Fächer scheucht die Wolkenstürme, hernieder strahlt ein Sonnenpalmenblatt.

O Herz der Weltstadt, du Millionenstimme, die gell nach Brot vor Seelenhunger schreit: still quillts wie Heilandsblut durch diese Zeit, die Liebe quillt aus deinem Grimme!

Den Kelch des Schweißes seh ich geistverklärt, das Kreuz der Mühsal blütenlaubumflattert!

Was lachst du, Sturm?! — Im Rohr der Nebel gährt, die Kiefer knarrt und ächzt, mein Mantel knattert: Empor aus deinem Rausch! Mitleid, glüh ab!

Laß dir die Kraft nicht von Gefühlen beugen! Hinab! laß deine Sehnsucht Taten zeugen! Empor, Gehirn! Hinab, Herz! Auf! hinab!

Lied an meinen Sohn

Der Sturm behorcht mein Vaterhaus, mein Herz klopft in die Nacht hinaus, laut; so erwacht ich vom Gebraus des Forstes schon als Kind.

Mein junger Sohn, hör zu, hör zu: in deine ferne Wiegenruh stöhnt meine Worte dir im Traum der Wind.

Einst hab ich auch im Schlaf gelacht, mein Sohn, und bin nicht aufgewacht vom Sturm; bis eine graue Nacht wie heute kam.

Dumpf brandet heut im Forst der Föhn, wie damals, als ich sein Getön vor Furcht wie meines Vaters Wort vernahm.

Horch, wie der knospige Wipfelsaum sich sträubt, sich beugt, von Baum zu Baum; mein Sohn, in deinen Wiegentraum zornlacht der Sturm — hör zu, hör zu! Er hat sich nie vor Furcht gebeugt! horch, wie er durch die Kronen keucht: sei Du! sei Du! —

Und wenn dir einst von Sohnespflicht, mein Sohn, dein alter Vater spricht, gehorch ihm nicht, gehorch ihm nicht: horch, wie der Föhn im Forst den Frühling braut! Horch, er bestürmt mein Vaterhaus, mein Herz tönt in die Nacht hinaus, laut — —

Ausschau bei Nacht

Damals, Seele, ja: ich war ein Kind und das alte Forsthaus dumpf und eng. Und in hellen und in dunkeln Nächten, wenn ich bang am Kammerfenster stand und die düstern Eichen hoch erschauern hörte, wurde mir das Dach noch dumpfer.

Denn immer sah ich, drüben, drüben fern, wo aus der Waldnacht um die Felder die eine hohe Kiefer in den Himmel horchte, immer ruhte dann darüber in den Wolken jener weitgewölbte Schimmerkreis. Und in bleichen Nächten war er blaß und flehend wie ein Heiligenschein, aber in den grauen tröstlich blau und schirmend wie der Glanz von einem klaren Stahlschild, oder mild und gelb wie Kronengold; und ich wollte König werden. Meine Mutter aber sagte mir’s: dort lag Berlin.

Damals wußt ich nicht, warum mir bangte, als sie mir die Stirne küßte. Dort lag die Lichtstadt und strahlte! —

Heute ist auch Nacht; der Mond stiert in mein Fenster, und ich sehe über tausend Dächer. Im schweren weichen Schnee ruhn und horchen mit verhaltnem Atem die Schatten der Stadt. Bis in den blauen Silberschein der Ferne

Bis in den blauen Silberschein der Ferne schwillt in langen Falten weiß und zart die dichte Decke hin, wie über die Kissen eines Täuflings.

Die aber, die darunter schlafen? und wachen?! — Schwarz und scharf stechen die Türme, Kirche neben Kirche, in den kühlen Himmel; stahlspitz flittert ein Glanz um die finsterhohe Kuppelkrone jenes Palastes, und über einem dicken Schlot stockt ein Schild von Qualm. Plötzlich: unten an der Ecke drüben, wo eine Gaslaterne trübgelb mit dem Mondlicht kämpft, schimpft ein frierender Schutzmann ein betrunknes Straßenmädchen aus. Seele, ja: da liegt Berlin.

Weihnachtsglocken

Weihnachtsglocken. Wieder, wieder sänftigt und bestürmt ihr mich. Kommt, o kommt, ihr hohen Lieder, nehmt mich, überwältigt mich!

Daß ich in die Kniee fallen, daß ich wieder Kind sein kann, wie als Kind Herr-Jesus lallen und die Hände falten kann.

Denn ich fühl’s, die Liebe lebt, lebt, die mit Ihm geboren worden, ob sie gleich von Tod zu Tod schwebt, ob gleich Er gekreuzigt worden.

Fühl’s, wie Alle Brüder werden, wenn wir hilflos, Mensch zu Menschen, stammeln: Friede sei auf Erden und ein Wohlgefalln am Menschen!

Jesus der Künstler

Traum eines Armen

So wars, so stand ich: dumpf, doch fühlend: stumm: im roten Saal, im Traum, in dunkler Ecke: stumm, starr und fühlend: schwer: Stein unter Steinen: bang: starr es fühlend ...

Die schlanken Alabastersäulen leuchten. Vom Saum der hohen Purpurkuppel hängen und breiten weit ihr silbern Licht herab im Doppelkreis die großen weißen Ampeln. Die roten Nischen bergen zarte Schatten und spiegeln sich im blanken Pfeilerwerk. Es ist ganz still ...

Und stumm gleich mir und unbewegt, von Nische zu Nische, stehn Gestalten: Mann und Weib. In weißer Nacktheit stehn sie schimmernd da.

Die glatten Sockelblenden werfen Strahlen. Die roten Wände legen lebensweiche geheime Schmelze um den Rand der Glieder. Von Kraft und Ruhe träumt der reine Stein. So sind sie schön ...

Ich aber hocke in der dunklen Ecke und fühle meines Leibes Magerkeit und meiner Stirne graue Sorgenfurchen und meiner Hände rauhe Häßlichkeit.

In meinem Staub, in meinen Arbeitslumpen, mißfarben angetüncht, so hocke ich auf kahlem Postamente, dumpf und bang, vor ihrer Nacktheit mich der Kleider schämend, Stein unter Steinen ...

Nur Einer atmet in der stillen Halle.

Dort in der Mitte, auf dem mattgestreiften eisblassen Marmor, liegt im Dornenkranz, blutstropfenübersät die bleiche Stirn, ein Mensch und schläft. Sein weißer Mantel regt sich in langen Falten leise auf und nieder.

Im Silberlicht der Ampeln glänzen rötlich

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