DEUTSCHLANDS SCHĂ–NSTE SEITEN

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DEUTSCHLANDS SCHĂ–NSTE SEITEN

VON AGENTENAUSTAUSCH BIS
FONTANE-RADWEG, VON LORIOT BIS SPREEWALDGURKE

MARKTFRISCH
VITAMINE AUS SĂśDFRĂśCHTEN
HANDWERK
WIE AUS WEIDEN KĂ–RBE WERDEN
Schloss Rheinsberg im Landkreis OstprignitzRuppin gehört zu den beliebtesten Ausflugszielen in Brandenburg

16 ĂśBERRASCHEND & VIELSEITIG
Bilderreise durch Brandenburg
15 FINDEN SIE DEN GLĂśCKSPFENNIG und gewinnen Sie 100 Euro!
Titelbild: Blick auf Potsdam
Hier gibt es Beiträge als Hörversion. Mehr dazu auf den entsprechenden Magazinseiten
24 VOGELHOCHZEIT
Die faszinierende Balz der GroĂźtrappen
26 UNTERWEGS MIT FONTANE
Radtour auf den Spuren des Schriftstellers
32 DER ALTE FRITZ
Wie Friedrich der Große Preußen prägte
34 SO SCHMECKT BRANDENBURG!
Die vielseitige KĂĽche des Bundeslands
40 DEN LEBENDEN UND DEN TOTEN
Der SĂĽdwestkirchhof in Stahnsdorf blĂĽht
45 GEWUSST WO?
48 FLECHTWERK
Besuch bei einer Korbmacherin
54 SAGENGESTALTEN Zwerge




56 SCHĂ–N MIT SCHLEIFE
Das Saarland – Industrierevier und Kulturlandschaft
64 VERTRAUTE RUNDE
Geselligkeit mit Tradition: der Stammtisch
66 REICHE GESCHICHTE
Welterbe: Altstadtbummel durch Regensburg
74 SĂśDFRĂśCHTE Von Ananas bis Zuckermelone
78 BASTELTIPP Betonfliesen bedrucken
80 GARTENIDEEN Schrebergarten
82 HEILUNG AUF REZEPT Kulturgeschichte der Apotheke
86 DIE SCHĂ–NE VOM RHEIN Naturdenkmal Loreley
88 EINER WIE KEINER Wildtier Feuersalamander
92 BEEREN & BLÄTTER Heilpflanze Lorbeer
95 LESER FĂśR LESER
96 KURZTRIPS Auf nach ... Mannheim, Husum und Sigmaringen
102 VOLKSLIED Die Gedanken sind frei
104 GESCHICHTE ZUM ANFASSEN
Zeitreisen im Deutschlandmuseum Berlin
110 HEREINSPAZIERT! Tag der Offenen Gartenpforte
112 DAHEIM-RÄTSEL Spiele zu gewinnen!
114 GOLDENE STADT
Entdeckungen im französischen Nancy
120 NASE PUTZEN FĂśR PROFIS
Deutsche Dampfreiniger in aller Welt
122 GRĂśSSE AUS BRASILIEN
123 VORSCHAU

TIERWELT
Zur Balz im FrĂĽhjahr liefern Brandenburgs GroĂźtrappen eine tolle Show
TEXT: DOROTHEE FAUTH
Bald wird er wieder zum Hotspot fĂĽr Weltreisende: der GĂĽlper See im westlichen Havelland.
Dann ist die Luft erfüllt von Flattern, Schnattern, Sägen und Zirpen. Zehntausende Zugvögel rasten jedes Frühjahr in einem der bedeutendsten Feuchtgebiete Deutschlands:
Gänse, Enten, Bekassinen sowie Kraniche, deren abendlicher Einflug ein Spektakel ist. Andere feiern dort Vogelhochzeit, bleiben und brüten in den Feuchtwiesen, Schilfgürteln und auf dem Wasser, über dem Schwarzmilan, Rohrweihe, Seeund Fischadler kreisen.
Von Aussichtspunkten und Beobachtungstürmen lässt sich dieses rege Treiben am Verkehrsknotenpunkt verfolgen – am besten frühmorgens. Noch intensiver wird das Erlebnis auf einer geführten Vogelwanderung des Naturparkzentrums Westhavelland.
Ganz besondere Führungen bieten Ranger des Nabu im April und Mai im Havelländischen Luch, rund 35 Kilometer östlich des Gülper Sees, an. Es geht zur Balz der scheuen Großtrappe, einem der schwersten flugfähigen Vögel der Welt, der vom Aussterben bedroht ist. Die Tiere sehen aus wie langbeinige Truthähne und können mit bis zu 16 Kilogramm Gewicht wie Flugzeuge nur gegen den Wind auffliegen.
Die Hähne liefern bei der Brautwerbung eine Riesenshow. Um die Hennen zu beeindrucken, plustern sie ihre braun-schwarz gesprenkelten Federn gewaltig auf und werfen den Kopf in den Nacken. Plötzlich krempelt einer das weiße Untergefieder nach außen, die anderen machen es ihm prompt nach. Die sonst so gut getarnten Steppenvögel gleichen jetzt riesigen Schneebällen. Die Weibchen sind begeistert. Genau wie die Zuschauer.

Bei der Balz verwandeln sich die Hähne der Großtrappen in gefiederte Schneebälle
Die romantische Reiseroute endet in Potsdam (hier der Alte Markt mit St. Nikolaikirche und Altem Rathaus)
Diesen Beitrag gibt es zum Anhören im Web. Dazu Kamera-App auf Ihrem Smartphone öffnen, Kamera auf den Code richten und auf den Link klicken. Oder: readersdigest.de/audio


Die dritte Etappe des Fontane-Radwegs fĂĽhrt in eine romantische Seenlandschaft. Wie eine Insel erhebt sich Schloss Rheinsberg mit sandfarbener Fassade, goldenen Balkonen und den zwei markanten RundtĂĽrmen, die von noblen
Grünflächen und dem Seeufer umspielt werden. Ein traumhafter Anblick – der Theodor Fontane einst zu einem schriftstellerischen Geniestreich inspirierte.
Als er im Jahre 1858 durch Schottland reiste, erblickte er dort eine Schlossruine, die sich – ganz wie Schloss Rheinsberg! – stolz im Wasser spiegelte.
Der Romancier spürte Sehnsucht. „Erst die Fremde lehrt uns, was wir an der Heimat besitzen“, befand er. Zurück in Preußen, reifte aus dieser Erkenntnis ein Entschluss: Er schnappte sich Stock und Hut – und brach zu seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ auf. Die fünf Bände mit mehr als 5000 Seiten

Barocke Bauwerke, romantische Seen, verträumte Landschaften:
Auf dem Fontane-Radweg reist man auf den Spuren des Schriftstellers
gelten als Meilenstein der Reiseliteratur. Einige der verewigten Routen bilden die Grundlage des vor sechs Jahren eröffneten Fontane-Radwegs.
Er verläuft im Nordwesten Brandenburgs auf einer Länge von 284 Kilometern. In acht Etappen führt er von den barocken Bauwerken Oranienburgs
TEXT: DAVID KRENZ TOUR
bis zu den prächtigen Parks Potsdams. Dazwischen quert die Route vielfältige Landschaften: die brandenburgische Seenplatte, die östliche Prignitz und das Havelland. Radelnde durchfahren Kiefernwäldchen sowie blühende Linden- und Ahornalleen, setzen bei Ketzin mit der Fähre über die Havel
und entdecken verträumte märkische Städtchen wie Altlandsberg. Klöster, Gutshäuser und Rittergüter erzählen von der Geschichte der Region, während das Havelländische Luch, ein Niedermoor, das Fontane als paradiesisch pries, mit Sumpf- und Zugvogelscharen fasziniert (siehe Seite 24)
TEXT: MARTA POPOWSKA
Für die Order, Kartoffeln anzubauen, sind die Deutschen Friedrich dem Großen bis heute dankbar. Auf dem Grab des Markgrafen von Brandenburg und Königs von Preußen auf Schloss Sanssouci in Potsdam liegen häufig Knollen. Der Alte Fritz, wie ihn seine Untertanen später liebevoll nannten, war für seine Zeit ein ungewöhnlicher Herrscher. Als Reformer schaffte er die Folter ab und hob die Zensur auf. Gleichzeitig galt er als ruhmsüchtig. Nachdem er den Thron 1740 bestiegen hatte, führte er Krieg –mehr als 22 Jahre lang.
Friedrichs Privatleben lieferte ebenfalls viel Gesprächsstoff. Sein Interesse galt eher den Männern. Auf seiner Sommerresidenz Sanssouci (französisch „ohne Sorge“) waren Frauen unerwünscht. Im Schlösschen Sorglos traf sich der König zu intellektuellen Männerabendrunden. Seine Frau, Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern, die er auf Wunsch seines tyrannischen Vaters geheiratet hatte, besuchte das Schloss nur einmal – als Friedrich gerade abwesend war. Die Ehe blieb kinderlos, und das Paar lebte getrennt.
Der schöngeistige Friedrich liebte die Philosophie, Literatur und Musik,
spielte vorzüglich Querflöte, verabscheute es jedoch, Malern für Porträts Modell zu sitzen. Aber er schrieb gerne, gab es doch viel von sich zu berichten. Schließlich hatte Friedrich das einst kleine Preußen zu einem Big Player in der europäischen Politik gemacht. Seine Erfolge verewigte er in Büchern und Briefen an einflussreiche Zeitgenossen sowie in diktierten Zeitungsartikeln. Er nutzte alle verfügbaren Medien und wäre aus heutiger Sicht wahrscheinlich ein erfolgreicher SocialMedia-Influencer-König gewesen.



Friedrich lieĂź sich nicht gern malen. Dieses Bild entstand lange nach seinem Tod
Höher, weiter, schöner: Baumwipfelpfad mit Aussichtsturm an der formvollendeten Saarschleife bei Orscholz


Das Saarland ist altes Industrierevier und zauberhafte Kulturlandschaft zugleich
TEXT: ANDREAS STEIDEL
GARTENIDEEN
Ein Schrebergarten ist mehr als eine grĂĽne Parzelle. Hier werkelt man in enger Nachbarschaft zu Gleichgesinnten
TEXT: DOROTHEE FAUTH

Aufgeräumte Idylle: Schrebergärten sind kleine Dörfer der Selbstverwirklichung und (hoffentlich) guter Gemeinschaft
Graben und pflanzen, säen und mähen, jäten und ernten – nicht allein, sondern im Gleichtakt mit anderen. Das ist der Biorhythmus vieler Schrebergärtner in Deutschland, dem Europameister der Kleingartensiedlungen. Leipzig ist quasi die Hauptstadt. Mit 6,17 Schrebergärten pro 100 Einwohnern belegt es den Spitzenplatz unter den deutschen GroĂźstädten. Besonders in dicht besiedelten Räumen sind die GartenstĂĽcke am Stadtrand begehrt. Was im 19. Jahrhundert der Gesundheit von Arbeiterfamilien zugute kommen sollte und später als extrem spieĂźig galt, begeistert heute wieÂ
der – auch junge Leute. Doch an eine dieser Parzellen zu kommen, wird nicht selten zur Geduldsprobe, denn die Wartelisten sind meist lang.
Zum sozialen Aspekt kommt der ökologische
Ein Schrebergarten ist nicht nur ein eigenes Stück Land. Jeder Pächter wird auch Teil einer vereinsgeführten Kolonie mit Regeln. So schreibt das Bundeskleingartengesetz vor, dass ein Drittel der Fläche dem Obst und Gemüseanbau und ein weiteres Ziergewächsen wie Blumen gewidmet sein muss, der Rest steht zur freien Verfügung.
DafĂĽr gewinnt man aber auch eine Menge: einen Ort der SelbstverwirkliÂ

chung, Erholung vom Alltag sowie eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten. Stadtkinder kommen dort in Kontakt mit der Natur und finden Freunde gleich hinter der Hecke. Wenn alle an den Wochenenden werkeln, lassen sich leichter neue Kontakte knüpfen als in der Anonymität der Städte. Man gibt sich gegenseitig Tipps, belohnt sich für die Arbeit. „Hey, Nachbar, komm rüber, wir werfen den Grill an!“ Übernachten kann man dann in der kleinen Laube, die zum Schrebergarten gehört wie der Gartenzwerg. Nur dauerhaft dort wohnen ist nicht erlaubt.
Zum sozialen Aspekt kommt meist ein besonderes Verhältnis der Menschen zur Natur. Die meisten gärtnern
umweltfreundlich, freuen sich, wenn es summt und brummt, zirpt und zwitschert und im Unterholz raschelt. Auch das sind Früchte der Arbeit. Wer etwas vom Geist des Schrebergartens in den Hausgarten verpflanzen möchte, kann die Nachbarn zur Beeren oder Tomatenernte einladen, das Plaudern über den Gartenzaun pflegen, Kräuter tauschen und beim Aufbau des Gewächshauses helfen. Und immer mal wieder im grünen Wohnzimmer zusammenkommen –auf einen Kaffee oder eine Bratwurst.
Die Schlange ist ein altes Symbol der Heilkunde – hier schmückt sie die historische Stadtapotheke von 1547 in Füssen


KULTURGESCHICHTE
Vom Stauferkaiser bis zum E-Rezept – die lange Geschichte der Apotheken
TEXT: JENS BEY

Theodor Fontane war einer, Carl Spitzweg auch und August Oetker ebenfalls: Apotheker. Der Schriftsteller und der Maler erfanden sich in ihren Werken neu, Oetker dagegen erfand Backin, ein Backpulver, das so zuverlässig funktionierte, dass es das private Backen revolutionierte.
Ausgetüftelt und angemischt hatte er es in seiner Bielefelder Apotheke, in der Offizin. Seit dem späten Mittelalter wird so der Arbeitsraum, die Werkstatt der Apotheker genannt, in der sie Salben, Tinkturen und Arzneien herstellten. Oder interessante Erfindungen machten, sozusagen als Nebeneffekt: UhuAlleskleber, Streichhölzer, Pralinen, Rübenzucker und eben Backin.
Arzt und Apotheker werden zu unterschiedlichen Berufen Historiker gehen davon aus, dass die erste Apotheke – abgeleitet vom griechischen Wort für „Aufbewahrungsort“ – im 8. Jahrhundert in Bagdad entstand. Dort arbeiteten Drogenund Gewürzhändler eng mit arabischen Medizinern zusammen, die den wissenschaftlichen Ansatz der antiken griechischen Medizin bewahrten und weiterentwickelten.
Über die bedeutende Medizinschule von Salerno in Süditalien, eine der ersten ihrer Art, gelangte dieses Wissen zu den Heilkundigen weiter nördlich, die ihre Wurzeln in volkstümlichen und magisch-religiösen Praktiken hatten, und in die Klöster mit ihren Kräutergärten.
In Italien war es wohl auch, wo der Beruf des Apothekers um 1241 entstand. Im Edikt von Salerno legte der Stauferkaiser Friedrich II. die Trennung des Arzt- und Apothekerberufs fest: Der eine sollte nicht am Verschreiben vieler Medikamente verdienen, der andere keine Patienten behandeln.
Verkauft werden durften die Arzneien jetzt nur noch zu gesetzlich geregelten Festpreisen – was fast 800 Jahre später in Deutschland immer noch gilt: Rezeptpflichtige Arzneimittel kosten

schmückte Dichter, Sänger
Lorbeer (Laurus nobilis)
Merkmale
Immergrüner, bis 10 Meter hoher Strauch oder Baum aus dem Mittelmeerraum. Er hat ledrige, auf der Oberseite glänzende, elliptisch lanzettförmige Blätter mit aromatischem Duft sowie doldige Blütenstände mit unscheinbaren gelblich-weißen Blüten von Mai bis Juli. Die schwarzen Beeren sind eiförmig und glänzen.
Verwendung
Man nutzt die Blätter und Früchte der Heil- und Gewürzpflanze.
Inhaltsstoffe
Die Blätter enthalten ätherisches Öl (Ci-

neol, Linalool), Gerb- und Bitterstoffe. Die Früchte beinhalten ätherisches Öl sowie fettes Öl oder Lorbeerbutter (Glyceride der Laurin-, Linolen- und Ölsäure).
Anbautipps
Der Lorbeer ist nicht winterhart. Er sollte in Regionen mit rauen Wintern als KĂĽbelpflanze kultiviert werden und die kalten Monate in einem kĂĽhlen, frostfreien Raum verbringen.

Sammeltipps
Die Blätter werden im Frühjahr oder Herbst gepflückt und getrocknet; Früchte sammelt man nach der Reife.

Der Lorbeer war schon im Altertum eine beliebte Heil- und Gewürzpflanze. In Griechenland war er dem Gott Apoll geweiht. Dichter und Sänger schmückten sich mit einem Lorbeerkranz – ein Brauch, den später die Römer übernahmen, um ihre Feldherren nach einem Sieg zu ehren. Anhänger des Hippokrates setzten die Pflanze vor allem bei Frauenleiden ein. Der griechische Arzt Dioskurides lobt im ersten Jahundert nach Christus in seinem Werk „Materia medica“ („Die Arzneimittel“) die Heilwirkung der Pflanze. Er setzte sie beispielsweise zur Linderung von Wespen- sowie Bienenstichen ein und verordnete Frauen mit Gebärmutter- und Blasenleiden Sitzbäder in Lorbeerblatt-Abkochungen. Im Jahr 812 ließ Karl der Große den Lorbeer in die Landgüterverordnung aufnehmen und empfahl den Anbau in Deutschland, damit die Pflanze als Arznei- und Gewürzmittel intensiver angewandt werden konnte. Viele Kräuterkundige des Mittelalters, darunter auch die Universalgelehrte Hildegard von Bingen, schätzten den Lorbeer und schrieben ihm vor allem eine magen- und nierenstärkende Wirkung zu. Auch gegen Pest wurde die

Pflanze eingesetzt. Heute wird sie vor allem in der KĂĽche, aber auch als Heilmittel verwendet.
Hildegard nutzte sogar die Rinde und die Wurzel
Hildegard verwendete alle Pflanzenteile des Lorbeers, auch die Rinde und die Wurzel. Sie empfiehlt den Lorbeer besonders bei Magenproblemen. Im Falle solcher Beschwerden bereite man ein Pulver aus der Rinde und den Blättern oder aus den Beeren. Das Pulver solle man in Wein kochen und trinken. Auch das aus den Beeren des
Lorbeers gepresste Öl schätzte sie sehr und riet, sich bei „Gicht“ sowie bei „Seiten- und Rückenschmerzen“ damit einzureiben. Vermutlich meinte Hildegard damit rheumatische Beschwerden – noch heute ein Anwendungsgebiet für Lorbeeröl.
Heute setzt man die Blätter und das ätherische Öl ein Innerlich helfen Zubereitungen aus Lorbeerblättern bei Verdauungsstörungen (Blähungen, Völlegefühl, Aufstoßen), Appetitlosigkeit und Koliken, indem sie den Magen beruhigen. Sie wirken auch

Aus den BlĂĽten des Lorbeerbaums entwickeln sich kleine schwarze Beeren
harntreibend und menstruationsfördernd. Darüber hinaus eignen sich Lorbeerzubereitungen zur Hustenbehandlung, weil sie den Schleim lösen. Mit dem ätherischen Öl aus den Blättern kann man sich einreiben, um rheumatische Schmerzen, Gelenkbeschwerden, Verspannungen und Muskelschmerzen zu behandeln. Bei Entzündungen der Mundschleimhaut hilft gegen den Schmerz eine Spülung, für die man Lorbeeröl mit anderen Pflanzenölen vermischt. Hautausschläge behandelt man mit Ölwaschungen oder -kompressen. Ein weiterer Nutzen des Lorbeeröls:
Aus der Luft ist die gitterförmige Stadtstruktur gut zu erkennen. Im Kontrast dazu: der Wasserturm mit Gärten, Wasserspielen und runden Formen im Vordergrund
Dort, wo der badenwürttembergische Neckar in den multinationalen Rhein mündet, liegt eine Stadt mit Ecken und Kanten. Sie ist nicht organisch gewachsen, sondern wurde 1606 erfunden – von Friedrich IV. von der Pfalz: Mannheim. Als der Kurfürst dort den Grundstein für eine Festung legte, schwangen er und seine Baumeister die Federn und skizzierten eine quadratische Planstadt mit gitterförmig angelegten geraden Straßen. Ein Gedanke dahinter: So ließen sich Eindringlinge quer durch die Stadt mit Kanonen beschießen.
Die Festungsanlagen verschwanden, die Quadrate blieben Mannheim erhalten. 144 sind es genau, die der Stadt ihr besonderes Gesicht verleihen. Hinzu kommt, dass die StraĂźen keine Namen tragen, sondern mit Buchstaben und Zahlen durchnummeriert sind.
Seit Friedrich IV. gehört der Erfindergeist zum Lebensgefühl der zweitgrößten Stadt Baden-Württembergs im Herzen der Kurpfalz. In einer Werkstatt im Block T6 erfand Carl Benz 1885/86 das erste Automobil der Welt. Bereits 1817 testete Karl Drais vor seinem Haus in B6 (heute M1) seine Laufmaschine, den Vorläufer des Fahrrads. Und 1880 konstruierte die Firma Siemens in Mannheim den „Senkrechtfahrer“ – den allerersten elektrischen Aufzug.
Mehr als 100 Jahre nach Friedrich IV. setzte Nachfolger KurfĂĽrst Carl Philipp von der Pfalz an der Rheinseite der Stadt ein Zeichen der

KURZTRIPS
Mannheim verblüfft nicht nur mit einem einzigartigen Stadtbild, es glänzt auch als Ort bahnbrechender Erfindungen


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ZEITREISE
Das Deutschlandmuseum in Berlin beschert Besuchern ein ganzheitliches Erlebnis
TEXT: DAVID KRENZ

Die Zeit der Aufklärung –symbolisiert durch die riesige Maske von Immanuel Kant –erzählt von Dichtern und Denkern