Genossenschaftsbrief 2/2026
NR. 333
© Adobe Stock, r_tee
Die Mitgliederinformation des Raiffeisenverbandes Oberösterreich
Neue Regeln – neue Chancen In den nächsten Monaten werden die Würfel für wesentliche Rahmenbedingungen unserer Genossenschaften fallen. Die Funktionärstagung des Raiffeisenverbandes OÖ. lieferte dazu spannende Impulse aus erster Hand zur neuen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und zur Frage, ob es endlich zur dringend notwendigen regulatorischen Trendwende bei Kleinbanken kommt. Mehr dazu und weitere Neuigkeiten aus dem Genossenschaftswesen lesen Sie in dieser Ausgabe.
Inhalt 03
High-Noon in der Gesetzgebung
04
Funktionärstagung
08
KI in Genossenschaften
10
Vom Wir-Gefühl zur Wirksamkeit
12
Wie Zell an der Pram sein Wirtshaus sichert
13
Wenn eine Genossenschaft den Tisch für alle deckt
14
Von der Heizgemeinschaft zur Genossenschaft
14
Marktschank erhält Ortsbildpreis
15
Exkursion mit HLBLA St. Florian
16
Termine
08 04 12
2
Raiffeisenverband OÖ.
EDITORIAL
High-Noon in der Gesetzgebung In den nächsten Monaten werden entscheidende Weichen gestellt, die die rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unserer Genossenschaften für die Zukunft maßgeblich prägen werden. Sowohl der mehrjährige Finanzrahmen der Europäischen Union mitsamt den neuen Regelungen für die Gemeinsame Agrarpolitik Verbandsdirektor Dr. Norman Eichinger (GAP) der Jahre 2028 bis 2034 als auch eine grundlegende Evaluierung der Bankenregulatorik sind zentrale Punkte der Tagesordnungen der Entscheidungsträger in Brüssel.
D
ie Wettbewerbsfähigkeit Euro-
erkannt. Mit ihrem Vorschlag eines
Agrargenossenschaften besonders
pas hat aufgrund des geopoliti-
eigenständigen Regelwerks für Klein-
bedeutsam sind. Der Vorschlag der
schen Umfelds als Ziel völlig zu Recht
banken abseits der Baseler Regelun-
Europäischen Union für den neuen
stark an Bedeutung gewonnen. Unter
gen haben sie einen Paukenschlag
mehrjährigen Finanzrahmen von
diesem Blickwinkel wird erstmals auch
gesetzt, der das Problem an der
2028 bis 2034 sieht insgesamt eine
in der Bankenregulatorik nunmehr auf
Wurzel packt: Die hohen regulato-
massive Budgetsteigerung auf rund
europäischer Ebene eine grundlegende
rischen Anforderungen der Baseler
2 Billionen Euro vor. Mit dem gestei-
Reform diskutiert. Vor allem ausge-
Regelungen sind grundsätzlich für
gerten Betrag sollen auch zentral
hend von der großen Finanzkrise 2008
international tätige Großbanken
neue Zukunftsthemen (Verteidigung,
ergab sich in den Folgejahren eine
und nicht für regionale Kleinbanken
künstliche Intelligenz, usw.) adres-
gewaltige Flut an neuen Vorschriften
konzipiert. Dennoch hat die Euro-
siert und auf europäischer Ebene für
für Banken. Von diesem regulato-
päische Union – im Gegensatz zu
vergangene Krisen aufgenommene
rischen Tsunami massiv betroffen
anderen hoch entwickelten Finanz-
Schulden rückgeführt werden. Dabei
sind auch die oberösterreichischen
märkten wie die Schweiz, die USA und
wurden die für die Landwirtschaft
Raiffeisenbanken, die für die damali-
seit dem Brexit auch UK – diese in
zweckgewidmeten Töpfe im ersten
gen Fehlentwicklungen während der
vielen Bereichen für alle Banken als
Vorschlag deutlich reduziert und erst
Finanzkrise in keiner Weise verant-
verbindlich erklärt. Inwiefern sich der
nach massiven Protesten wieder
wortlich waren. Ganz im Gegenteil –
neue deutsche Vorschlag im aktuell
aufgestockt. Gleichzeitig gibt es zur
sie haben mit ihrem kundenorientier-
laufenden europäischen Evaluierungs-
generellen Steigerung des EU-Bud-
ten regionalen Bankgeschäft während
prozess durchsetzt, werden die aktuell
gets starken Widerstand vieler
all der Krisen der letzten Jahre massiv
erarbeiteten und für das erste Quartal
Länder, die selbst mit hohen Defiziten
zur Stabilisierung unserer Wirtschaft
2027 erwarteten Gesetzesvorschläge
kämpfen. Letztlich werden es ent-
beigetragen.
der EU-Kommission zeigen.
scheidende Verteilungskämpfe um die künftigen finanziellen Mittel für
Dass das jetzige Ausmaß an Regu-
Mindestens genauso spannend sind
die europäische Landwirtschaft sein,
lierung gerade für regionale Klein-
die derzeit geschmiedeten heißen
die angesichts des geopolitischen
banken nicht zielführend ist, haben
Eisen der Gemeinsamen Agrarpolitik,
Umfelds auch die Versorgungssicher-
die Verantwortlichen der deutschen
die für die heimische Land- und Forst-
heit Europas besonders berücksichti-
Finanzmarktaufsicht und Bundesbank
wirtschaft und damit für unsere vielen
gen müssen.
Raiffeisenverband OÖ.
3
THEMA
Genossenschaftsanwalt Walter Lederhilger, Holger Mielk, Direktor Oliver Sitar, Verbandsdirektor Norman Eichinger (v.l.)
Neue Regeln, neue Herausforderungen, neue Möglichkeiten Marion Pammer - DW 29141
Rechtliche Rahmenbedingungen prägen die Zukunft unserer Genossenschaften ganz wesentlich. Für Unternehmen und Funktionsträger ist es entscheidend, regulatorische Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, einzuordnen und ihre Auswirkungen auf die Praxis abzuschätzen. Die diesjährige Funktionärstagung des Raiffeisenverbandes OÖ. für Spitzenvertreter des Genossenschaftswesens in Oberösterreich bot dazu wertvolle Einblicke aus erster Hand. Mit Oliver Sitar, Direktor in der Generaldirektion Landwirtschaft und ländliche Entwicklung der Europäischen Kommission, und Holger Mielk, Leiter Recht im Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, standen zwei ausgewiesene Experten auf der Bühne, die den Blick über nationale Grenzen hinaus richteten. Ihre Vorträge zeigten, wie stark regulatorische Rahmenbedingungen die Zukunft von Landwirtschaft und Finanzwirtschaft – und damit der Genossenschaften – beeinflussen. Gleichzeitig machten sie deutlich, dass Veränderung nicht nur neue Anforderungen mit sich bringt, sondern auch Chancen eröffnet. Die wichtigsten Erkenntnisse und Impulse der beiden Referenten haben wir nachfolgend zusammengefasst. 4
Raiffeisenverband OÖ.
THEMA
GASTREFERENT HOLGER MIELK:
Kampf gegen die Regulierungsflut: Warum kleine Banken ein eigenes Regelwerk brauchen Seit vielen Jahren kannte die Entwicklung in der europäischen Bankenregulierung nur eine Richtung: Mehr, mehr, mehr. Zunehmend stellt sich die Frage nach dem Nutzen dieser Regularien in Relation zu den damit verbundenen Kosten – gerade für kleinere Kreditinstitute. Die deutsche Finanzmarktaufsicht BaFin sowie die Deutsche Bundesbank preschten mit einem radikalen Vorschlag vor. Grundproblem in der EU
genau dieses Grundproblem lösen
Insofern wurde die Sichtweise der
Das Grundproblem der Regulatorik in
würde: ein eigenständiges Kleinban-
EU-Kommission im Rahmen ihres am
der Europäischen Union besteht darin,
kenregime abseits der geltenden
15. Juli 2026 veröffentlichten Berichts
dass die Baseler Regelungen für die
Regelungen. Banken mit einer Bilanz-
zur Wettbewerbsfähigkeit des Banken-
Finanzwirtschaft grundsätzlich für alle
summe von unter 10 Milliarden Euro
sektors mit großer Spannung erwartet.
Kreditinstitute gelten. Dabei waren
könnten diesem Vorschlag zufolge in
diese seit jeher nur für international
ein anderes Regelwerk wechseln, bei
Sicht der EU-Kommission
tätige Großbanken gedacht. In anderen
dem die Anforderungen an Eigenmit-
Dieser basiert auf einer öffentlichen
hochentwickelten Finanzmärkten wie
tel- und Liquiditätsbestimmungen
Konsultation mit fast 100 Fragen, zu
den USA oder der Schweiz, aber seit
wesentlich einfacher sind, es spürbare
der es 217 Rückmeldungen gegeben hat.
dem Brexit auch in Großbritannien,
Vereinfachungen bei Offenlegung und
Mehr als 70 % der Antwortenden halten
kommen die Baseler Regelungen für
Meldewesen gibt, spezielle proportio-
den aktuellen Rahmen für Kleinbanken
kleinere Banken gar nicht zur Anwen-
nale Regelungen in Verbindung mit
für nicht ausreichend proportional. So
dung. Stattdessen existiert dort ein
EBA-Leitlinien gegeben wären, usw. Im
hält letztlich auch die EU-Kommission
eigenes „Kleinbankenregime“ mit
Gegenzug wäre von diesen Banken eine
in ihrem Bericht fest, dass Komplexität
spezifischen und deutlich einfacheren
höhere "leverage ratio" („Eigenkapital-
und Granularität kleinere Banken über-
Regelungen. Wenn seitens europäischer
kennzahl“) zu erfüllen, um die Stabilität
proportional belasten und stellt sie
Behörden nunmehr von Vereinfachun-
des Bankwesens abzusichern. Kurzum:
ein klareres und weniger belastendes
gen der Regulatorik für Kleinbanken die
dieser Vorschlag würde das Problem an
Regime in Aussicht. Gleichzeitig wird
Rede ist, meinen diese damit vielfach
der Wurzel packen und eine maßgebli-
im Bericht der Wert einheitlicher Stan-
lediglich weitere Ausnahmen für Klein-
che Bürokratieentlastung bringen.
dards betont. Insofern vernimmt man
banken im Rahmen des geltenden
teils Kritik, wonach dieser Bericht der
dass das Regelwerk (Basel) an sich
Unterschiedliche Sichtweisen
nur für international tätige Großban-
Die Reaktionen der EU-Länder auf
ken gedacht war, wird dadurch nicht
diesen Vorstoß fallen unterschied-
adressiert.
lich aus. Unterstützer sind neben
Regelwerks. Das Grundproblem jedoch,
Holger Mielk
Deutschland auch Österreich, Polen,
Ein Paukenschlag der deutschen Aufsicht
stark ablehnend hingegen Frank-
Für einen Paukenschlag sorgten dann
reich. Letztlich sind die bankregula-
im Jahr 2025 völlig überraschend
torischen Bestimmungen EU-Recht,
die deutsche Finanzmarktaufsicht
weshalb es für Änderungen einer
BaFin gemeinsam mit der Deutschen
Einigung zwischen EU-Kommission,
Bundesbank mit einem Vorschlag, der
EU-Rat und EU-Parlament bedarf.
Portugal, Irland und Luxemburg,
Raiffeisenverband OÖ.
5
THEMA
EU-Kommission so formuliert sei,
das Risikomanagement (MaRisk)“
Fazit
dass sich darin jeder wiederfinden
wesentliche Schritte in Richtung
Auf Basis des Vorschlags aus Deutsch-
könne. Entscheidend werden letztlich
Vereinfachung gesetzt. Dabei wurde
land besteht nunmehr erstmals seit
die konkreten Gesetzesvorschläge
der Umfang generell gegenüber der
Langem die Chance, tatsächlich wesent-
der EU-Kommission sein, die dazu im
vorherigen Fassung reduziert und die
liche Vereinfachungen in den regulato-
ersten Quartal 2027 erwartet werden.
Regelungskomplexität verringert. Im
rischen Anforderungen für Kleinbanken
Vordergrund der neuen Regelungen
zu erreichen. Ein eigenständiges Klein-
Deutsche Aufsicht setzt wichtige Schritte
steht eine stärkere Prinzipienorien-
bankenregime würde das Grundpro-
tierung unter Berücksichtigung der
blem lösen, wonach derzeit für Groß-
Unabhängig von dem erhofften
Proportionalität. So hat die BaFin bei
banken konzipierte Baseler Regelungen
Umdenken bei den europäischen
der heurigen Publikation der neuen
für alle Kreditinstitute in Europa zur
Gesetzgebern hat die deutsche
MaRisk richtig festgehalten: „MaRisk
Anwendung kommen. Eine Regelung
Aufsicht bereits jetzt im Rahmen der
schaffen mehr Spielraum für Banken…
analog zu jener hochentwickelter
Möglichkeiten, die das europäische
Die Novelle zeigt, dass Aufsicht nicht
Kapitalmärkte wie der Schweiz, Groß-
Rahmenwerk bietet, bei der heurigen
immer mehr Regulierung bedeuten
britannien und den USA würde den oft
Neufassung ihres Rundschreibens
muss. Gute Aufsicht ist die Reduktion
genannten Proportionalitätsgrundsatz
zu den „Mindestanforderungen an
auf das Wesentliche.“
tatsächlich mit Leben erfüllen.
GASTREFERENT OLIVER SITAR:
Zwischen Dürre, Krieg und Budgetpoker: Wie Europas Agrarpolitik neu gestaltet werden soll Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ist ein zentrales Instrument zur Sicherung der Lebensmittelversorgung und bäuerlicher Einkommen in der Europäischen Union. Für die künftige Finanzperiode der Jahre 2028 bis 2034 werden aktuell in Europa die Karten neu gemischt und sind in den nächsten Monaten wesentliche Entscheidungen zu treffen. Intelligenz, Klima und Energie als
schlag für einen neuen mehrjährigen
Zwei Billionen Euro und viele offene Fragen
Finanzrahmen und die neue Gemein-
In diesem Kontext hat die Europäische
den Anschluss verlieren will. Gleichzei-
same Agrarpolitik vorgelegt. Dieser ist
Kommission für den mehrjährigen
tig ist eine Rückzahlung jener Schulden
stark von den Erfahrungen der jüngsten
Finanzrahmen 2028 bis 2034 ein
eingeplant, die die EU im Rahmen des
Krisen und den aktuellen Herausforde-
deutlich höheres Budget von rund
Projekts NextGen EU aufgenommen
rungen geprägt: Die Covid-Pandemie
zwei Billionen Euro vorgeschlagen.
hat. Mehrere Mitgliedstaaten wie
führte vor Augen, dass rund 95 % der
Hintergrund dieser starken Budget-
auch Österreich stehen einer solchen
EU-Mittel verplant sind und nur wenig
steigerung ist unter anderem auch
Ausweitung des EU-Haushalts jedoch
freie Budgetmittel zur Bewältigung von
der Bericht über die „Zukunft der
stark ablehnend gegenüber. Solange
unvorhersehbaren Krisen zur Verfügung
europäischen Wettbewerbsfähigkeit“
keine einstimmige Einigung der Mit-
stehen. Die Abhängigkeiten Europas
des ehemaligen italienischen Minister-
gliedstaaten über das Gesamtbudget
bei Energie und Verteidigung machte
präsidenten und EZB-Chefs Draghi.
erzielt wird, kann auch die finanzielle
der Krieg in der Ukraine bewusst.
Er erachtet gemeinsame europäische
Zukunft der Agrarpolitik nicht final
Gleichzeitig fordert der Klimawandel
Anstrengungen (und damit neue
festgelegt werden. Grundsätzlich
und es gilt, die Wettbewerbsfähigkeit
Budgets) in wesentlichen Zukunftsbe-
besteht das Ziel, bis Jahresende 2026
Europas zu steigern.
reichen wie Verteidigung, Künstlicher
eine Einigung der Mitgliedsstaaten
Die EU-Kommission hat einen Vor-
6
Raiffeisenverband OÖ.
notwendig, wenn Europa nicht global
THEMA
zum finanziellen Gesamtrahmen zu
abseits der Gunstlagen und
erzielen.
unabhängig von wirtschaftlicher Optimierung, um dadurch die
Gelder für die Landwirtschaft
Vitalität der ländlichen Räume zu
Auf Basis des Erstvorschlags der
stärken. Diese bewusst angelegte
Europäischen Kommission hinsichtlich
Politik soll auch den Strukturwan-
der künftigen Dotierung der Mittel für
del verlangsamen. Gleichzeitig soll
die Landwirtschaft für den Zeitraum
auch auf die Umweltverträglichkeit
2028 bis 2034 waren im Rahmen einer
der Landwirtschaft geachtet wer-
neuen Förderarchitektur zunächst ca.
den. Darüber hinaus soll die Treff-
300 Mrd. Euro als zweckgewidmetes
sicherheit der GAP erhöht werden.
Budget vorgesehen und damit deutlich
Derzeit beziehen 20 % der Land-
weniger als die derzeitigen 387 Mrd.
wirte 80 % der Mittel. Durch die von
Euro im aktuellen Finanzrahmen.
der EU-Kommission vorgeschlagene
die Sorge vor einer schleichenden
Zusätzlich wäre es den Mitgliedsstaa-
Deckelung der Zahlungen und eine
Renationalisierung der Agrarpolitik.
ten überlassen gewesen, aus dem Topf
Degressivität ab gewissen Beträgen
Wenn jedes Land eigene Standards
für die nationalen und regionalen Part-
soll dies erreicht werden, wobei diese
definiert, könnten stärkere Wettbe-
nerschaftspläne in Höhe von 456 Mrd.
Vorschläge heftig umstritten sind. Eine
werbsverzerrungen entstehen.
Euro noch zusätzlich die Landwirtschaft
weitere Maßnahme zur Erhöhung der
Die Herausforderung besteht daher
zu unterstützen, wobei dies keine
Treffsicherheit der Förderungen ist die
darin, den richtigen Mittelweg zwi-
zweckgewidmeten Beträge gewesen
Präzisierung der Definition, wer als
schen Flexibilität und gemeinsamen
wären und die Landwirtschaft um diese
förderfähiger Landwirt gelten soll.
europäischen Spielregeln zu finden.
Gelder mit anderen Interessenten kon-
Und natürlich ist auch die Vereinfachung
kurrieren müsste. Aufgrund massiver
ein zentrales Ziel, um der oft vorgewor-
Proteste zu diesem Erstvorschlag hat
fenen Überregulierung der Sektoren
Generationenwechsel als Schlüsselfrage
die EU-Kommission „nachgebessert“
entsprechend zu begegnen. Dieser
Gleichzeitig rückt zunehmend eine
und spricht nunmehr von rund 400
Vorsatz ist nicht neu und war auch bei
weitere Herausforderung ins Zentrum:
Milliarden Euro für die Landwirtschaft
früheren Reformen vorhanden, hat aber
der Generationenwechsel. Das Durch-
in der kommenden Finanzperiode.
nunmehr einen noch deutlich höheren
schnittsalter europäischer Landwirte
Stellenwert. Gleichzeitig ist zu beden-
liegt bei hohen 56 Jahren. Förderungen
Ziele der GAP
ken, dass für alle 27 Mitgliedsstaaten
allein werden dieses Problem nicht
Mit diesen Geldern sollen mehrere Ziele
geltende EU-Regulierungen den
lösen. Junge Menschen benötigen Per-
erreicht werden. Die jüngsten Krisen
Binnenmarkt fördern und ein unter-
spektiven. Dazu gehören Ausbildung,
haben das ursprüngliche Kernanliegen
schiedliches Regelungs-Wirrwarr der
Finanzierungsmöglichkeiten, moderne
der Gemeinsamen Agrarpolitik wieder
einzelnen Mitgliedsstaaten verhindern.
Infrastruktur und attraktive Lebensbe-
deutlich ins Bewusstsein gerückt: die
Oliver Sitar
dingungen im ländlichen Raum.
Produktion und damit der Versor-
Mehr Freiheit oder schleichende Renationalisierung?
Viele Ziele und knappe Budgets – die
gungssicherheit in Europa. Gerade
Die Mitgliedstaaten sollen auch unter
nächsten Monate werden zeigen, wie
angesichts der absehbaren klimati-
dem Blickwinkel der Vereinfachung
Europa diesen Balanceakt schafft.
schen Veränderungen wäre es verfehlt,
künftig mehr Spielraum bei der Ausge-
Fest steht jedenfalls: Die Zukunft der
sich in dieser Frage in Sicherheit zu
staltung einzelner Regeln erhalten. Das
Landwirtschaft wird nicht nur auf den
wiegen. Ein grundlegendes Ziel ist es,
kann Vorteile bringen, weil regionale
Feldern entschieden, sondern ebenso
eine flächendeckende Landwirtschaft
Besonderheiten besser berücksichtigt
in den Verhandlungsräumen von
in der gesamten EU zu erhalten – auch
werden können. Gleichzeitig wächst
Brüssel.
Sicherung der landwirtschaftlichen
Raiffeisenverband OÖ.
7
RA
BE
IT
KI IN GENOSSENSCHAF TEN
GSREIHE
AF
GE
C
H
I
N
TEN
KI
Wenn Erfahrung auf Daten trifft
NOSSENS
Direktor Josef Fraundorfer, Geschäftsführer SAATBAU
KI bei Saatbau steht für die Verbindung von Daten, digitalen Werkzeugen und künstlicher Intelligenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Züchtung bis aufs Feld. Landwirtschaftliche Entscheidungen
scheiden. Für die Modellbildung werden
können künftig komplexe Zusammen-
beruhen seit jeher auf Beobachtung
genetische und phänotypische Daten
hänge zwischen Genotyp, Umwelt
und Erfahrung. Heute kommen immer
aus Trainingspopulationen genutzt.
und Bewirtschaftung besser erfassen.
mehr Informationen hinzu – aus Gene-
Dabei werden Merkmale wie Ertrag,
Durch die Kombination verschiedener
tik, Feldversuchen, Drohnen- und Satel-
Qualität, biotische und abiotische
Datenquellen wie genetischer Marker,
litenaufnahmen. Digitale Werkzeuge
Schadfaktoren sowie agronomische
Bild- und Satellitendaten soll die Vor-
und künstliche Intelligenz helfen, diese
Eigenschaften untersucht. Aus diesen
hersagegenauigkeit weiter gesteigert
Informationsfülle gezielter zu nutzen.
Daten lernt das Modell der Genomi-
werden. Trotz aller technologischen
schen Selektion, welche Marker mit
Entwicklungen bleibt die Grundlage
Daten ergänzen Züchterblick
guten Zuchtwerten korrelieren oder
erfolgreicher Pflanzenzüchtung die
Moderne Pflanzenzüchtung nutzt
welche Individuen positive Eigen-
präzise Feldarbeit und die Erfahrung
Genomdaten, um früher bessere Ent-
schaften vererben. Für die praktische
der Züchter.
scheidungen zu treffen. Ein wichtiges
Züchtung bedeutet dies, dass vielver-
Werkzeug ist die genomische Selektion.
sprechende Zuchtlinien früher erkannt
Der Blick von oben
Dabei werden statistische Modelle
und gezielt weiterverfolgt werden
Vom Zuchtgarten führt der Weg auf
genutzt, um auf Grundlage genetischer
können. Aufwändige Feldprüfungen
das Versuchsfeld. Drohnen ermöglichen
Daten Zuchtwerte vorherzusagen.
lassen sich dadurch stärker fokussie-
es, Versuchsflächen rasch und flächen-
Diese genetischen Zuchtwerte dienen
ren, wodurch Zeit und Ressourcen im
deckend aus der Luft zu erfassen. Auf-
dazu, weniger geeignete von vielver-
Zuchtprozess effizienter eingesetzt
nahmen und daraus abgeleitete digitale
sprechenden Zuchtstämmen zu unter-
werden. Moderne Computermodelle
Modelle liefern zusätzliche Informationen über die Entwicklung der Bestände. So lassen sich etwa Vitalitätsunterschiede sichtbar machen, Pflanzenhöhen ableiten oder Lagerstellen auf Parzellenebene dokumentieren. Erprobt wurden digitale Bildauswertungen bereits u. a. bei Mais, Soja und Kürbis. Die Drohne ersetzt dabei nicht den Gang aufs Feld, sondern ergänzt ihn um eine weitere Perspektive. Ebenso wich© Saatbau Linz
tig ist die begriffliche Trennung: Nicht
Drohnen liefern hochauflösende Daten aus dem Versuchsfeld.
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Raiffeisenverband OÖ.
jede digitale Auswertung ist künstliche Intelligenz. Vegetationsindizes oder digitale Höhenmodelle gehören zunächst zur Bild- und Geodatenanalyse.
KI IN GENOSSENSCHAF TEN
steht im Mittelpunkt: Werden Problemstellen zuverlässig erkannt, können Maßnahmen gezielter auf jene Bereiche ausgerichtet werden, in denen tatsächlich Handlungsbedarf besteht. Damit eröffnet sich die Möglichkeit, Betriebsmittel präziser einzusetzen und gezielter auf die Situation im Bestand zu reagieren.
© Saatbau Linz
Im Forschungsprojekt wird erprobt, wie sich Bilddaten und maschinelles Lernen zu praxistauglichen Lösungen für die Landwirtschaft verbinden lassen.
Precision Farming: Die Saatstärke variiert je nach Ertragspotenzial
Wissen weitergeben
KI wird vor allem dort relevant, wo Sys-
Seeding ist dabei ein datenbasiertes
Wertvolles Wissen steckt nicht nur in
teme Bildinhalte automatisch erkennen
Werkzeug und keine KI-Anwendung im
Daten, sondern vor allem in der Erfah-
oder aus großen Datenmengen Muster
engeren Sinn. Gerade diese Unterschei-
rung unserer Mitarbeiter. Digitale Such-
ableiten.
dung ist wichtig: Der Mehrwert entsteht
und KI-Systeme können künftig helfen,
aus dem Zusammenspiel von Daten,
dokumentiertes Fachwissen leichter für
Versuchsergebnissen, Sortenwissen
neue Kollegen zugänglich zu machen.
und pflanzenbaulicher Erfahrung.
Gerade in Bereichen mit langjährigem
Aus Daten wird eine Maßnahme am Feld Wie Informationen in eine konkrete
Erfahrungswissen können sie dabei
fließen können, zeigt Precision Seeding.
Wenn KI Problemunkräuter erkennt
strukturieren und über Generationen von
Gemeinsam mit Farmdok bieten wir
Einen Schritt weiter geht das For-
Mitarbeitern hinweg verfügbar zu halten.
eine teilflächenspezifische Aussaat für
schungsprojekt BROADSENS. Unter
Mais und Soja an. Mehrjährige Satelli-
unserer Koordination wird gemeinsam
ten- und Wetterinformationen sowie
mit Projektpartnern untersucht, wie
Daten unterstützen, Menschen entscheiden
Wissen zu Sorte und Saatstärke helfen,
Problemunkräuter wie Disteln oder
Vom „Züchterblick“ über Drohnen- und
unterschiedliche Ertragspotenziale
Stechapfel mithilfe von Bilddaten und
Satellitendaten bis zur KI-gestützten
innerhalb eines Feldes abzubilden
maschinellem Lernen zuverlässiger
Bilderkennung zieht sich eine gemein-
und daraus Applikationskarten für die
erkannt und kartiert werden können.
same Linie: Informationen gewinnen
Aussaat zu erstellen. Bei Soja wird
Im Projekt werden mehrere Daten-
ihren Wert erst durch fachliche Einord-
auf ertragsschwächeren Bereichen
quellen zusammengeführt, indem
nung. KI kann Muster sichtbar machen,
die Saatstärke erhöht, um eine aus-
Satellitendaten den großflächigen
große Daten schneller auswerten und
reichende Bodenbedeckung sicherzu-
Überblick liefern, Drohnen hochauf-
zusätzliche Hinweise liefern. Gerade in
stellen und die Beikrautentwicklung
lösende Aufnahmen ermöglichen und
der Landwirtschaft, wo kein Jahr und
möglichst gering zu halten, während
Kamerasysteme auf Erntemaschinen
kein Standort exakt gleich ist, bleibt
auf leistungsfähigeren Teilflächen
zusätzliche Informationen während der
Erfahrung unverzichtbar. Die Chance
geringere Saatstärken ausreichen,
Ernte erfassen. Maschinelles Lernen
liegt darin, menschliche Fachkompetenz
da sich die Pflanzen dort stärker ent-
soll dabei helfen, Problemunkräuter in
mit neuen Werkzeugen zu erweitern.
wickeln und verzweigen. Die vorge-
den Bildern automatisch zu erkennen
So kann KI Entscheidungen fundierter
schlagenen Saatstärken können an die
und daraus Karten sowie Entschei-
machen und Fachwissen ergänzen,
betrieblichen Erfahrungen und Bedin-
dungsgrundlagen für die Bewirtschaf-
ohne die Verantwortung des Menschen
gungen angepasst werden. Precision
tung abzuleiten. Der praktische Nutzen
zu ersetzen.
landwirtschaftliche Maßnahme ein-
unterstützen, vorhandenes Wissen zu
Raiffeisenverband OÖ.
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AKTUELLES
Vom Wir-Gefühl zur Wirksamkeit Marion Pammer - DW 29141
16.000 neue Miteigentümer sowie Mitglieder, die ihre Beteiligung auf zehn Geschäftsanteile erhöht haben: Mit dem Projekt „Attraktivierung Miteigentümerschaft“ ist es der Raiffeisenbankengruppe Oberösterreich gelungen, einen langjährigen Trend umzukehren und Menschen wieder stärker für Mitbestimmung, Gemeinschaft und regionale Verantwortung zu begeistern. Einen wesentlichen Anteil daran haben die Genossenschaftsbotschafter auf Mitarbeiter- und Funktionärsebene, die den Genossenschaftsgedanken aktiv in die Banken und Regionen tragen. Darüber hinaus ist die Einführung einer Genossenschaftsdividende geplant, die Miteigentümerschaft und Mitbestimmung in den Genossenschaftsbanken künftig noch stärker erlebbar machen soll. Vom Kunden zum Mitgestalter
Die Menschen hinter dem Erfolg
Das „Warum“ der Genossenschaft vermitteln
Die Ausgangsfrage des Projekts war
Dass dieser Gedanke heute so erfolg-
Vor allem aber vermitteln die Botschaf-
ebenso einfach wie entscheidend:
reich vermittelt werden kann, ist
ter das „Warum“ der Miteigentümer-
Wie kann die Miteigentümerschaft
wesentlich den Genossenschaftsbot-
schaft. Weshalb eine genossenschaft-
wieder sichtbarer und attraktiver
schaftern zu verdanken. Sie zählen
lich organisierte Bank anders funktio-
werden? Die Antworten wurden in
zu den nachhaltigsten Ergebnissen
niert als viele andere Finanzinstitute.
einem umfangreichen Projektpro-
des Projekts. Jede Raiffeisenbank in
Dass Entscheidungen regional getrof-
zess erarbeitet. Ziel war es, den
Oberösterreich verfügt über mindes-
fen werden. Dass Wertschöpfung in
Genossenschaftsgedanken zu
tens zwei Botschafter: eine Person
der Region bleibt. Dass wirtschaftlicher
stärken, die Mitgliederstruktur zu
aus dem Mitarbeiterkreis und einen
Erfolg und gesellschaftliche Verant-
verjüngen und die Bindung an die
Sparringpartner aus dem Kreis der
wortung kein Widerspruch sind. Und
regionale Raiffeisenbank weiter
Funktionäre. Damit wird sicherge-
dass eine Bank ihren Kunden tatsäch-
auszubauen. Das Projekt kam zu
stellt, dass die genossenschaftliche
lich gehören kann.
einem wichtigen Zeitpunkt: Nach
Idee sowohl innerhalb der Bank als
Sie leisten Überzeugungsarbeit bei
mehreren Jahren rückläufiger Mit-
auch in der Kommunikation nach
der Gewinnung neuer Miteigentümer,
gliederzahlen gelang 2025 erstmals
außen verankert wird. Die Genossen-
unterstützen Veranstaltungen und
die Trendwende. Die Maßnahmen
schaftsbotschafter fungieren als
sorgen dafür, dass die Genossenschaft
zur Attraktivierung der Miteigen-
Multiplikatoren, Motivatoren und
nicht nur organisatorisch, sondern
tümerschaft zeigten Wirkung und
Kommunikatoren. Sie schulen Mit-
auch kulturell gelebt wird. Damit sind
führten wieder zu einem Wachstum
arbeiter und Funktionäre, fördern
sie wichtige Brückenbauer zwischen
bei den Mitgliedern. 2026 hat sich
den Erfahrungsaustausch zwischen
den Werten der Genossenschaft und
diese Entwicklung nochmals deutlich
den Banken und unterstützen die
den Menschen, die diese Werte täglich
beschleunigt. Mit bereits mehr
Entwicklung exklusiver Angebote für
mittragen.
als 16.000 neuen Miteigentümern
Miteigentümer. Gleichzeitig tragen sie
beziehungsweise Aufstockungen auf
dazu bei, dass die genossenschaft-
Mitbestimmung zum Anfassen
zehn Geschäftsanteile zeichnet sich
lichen Werte im täglichen Handeln
Genau dieses Verständnis bildet auch
ein Rekordjahr ab.
sichtbar bleiben.
die Grundlage für einen weiteren
10
Raiffeisenverband OÖ.
AKTUELLES
Baustein des Projekts: die Genossen-
„Soziales“ und „Umwelt“. Im Mittel-
bereit sind, Verantwortung zu über-
schaftsdividende. Sie soll die Miteigen-
punkt steht dabei die Frage, welchen
nehmen, wenn sie erkennen, dass
tümerschaft künftig noch stärker mit
Nutzen ein Projekt für die Menschen
ihre Beteiligung etwas bewirken
Leben füllen und konkrete Mitbestim-
vor Ort stiftet. Das Credo lautet:
kann. Mit den Genossenschafts-
mung ermöglichen. Das Konzept sieht
Projekte und außerordentliche
botschaftern als Multiplikatoren
vor, einen zusätzlichen Fördertopf für
Initiativen fördern, die die Region
und der Genossenschaftsdividende
regionale Projekte einzurichten. Der
noch lebenswerter machen.
als sichtbarem Zeichen gelebter
besondere Mehrwert liegt dabei nicht
Die Genossenschaftsdividende
Mitbestimmung ist es der Raiffei-
allein in der finanziellen Unterstützung
verfolgt damit einen Ansatz, der
senbankengruppe Oberösterreich
regionaler Initiativen. Entscheidend ist
tief in den Wurzeln des Genossen-
gelungen, die Genossenschaftsidee
vielmehr, dass die Miteigentümer oder
schaftswesens verankert ist.
neu aufzuladen, ohne ihre traditio-
die von ihnen gewählten Miteigentü-
Sie macht den Förderauftrag der
nellen Werte aus den Augen zu
mervertreter selbst über die Vergabe
Genossenschaft sichtbar und stärkt
verlieren.
der Fördermittel mitentscheiden
gleichzeitig das Gemeinschafts-
können. Damit wird Mitbestimmung
gefühl. Ganz im Sinne unseres
unmittelbar erlebbar. Aus einem
Slogans „Wir macht's möglich“.
Anteilsschein wird eine Stimme, aus einer Stimme eine konkrete Wirkung
Ein Modell mit Zukunft
für die Region.
Die Marke von 16.000 neuen beziehungsweise erweiterten Miteigentümerschaften ist deshalb weit mehr
Gefördert werden Projekte mit Schwer-
als eine statistische Kennzahl. Sie
punkt in den Bereichen „Region“,
zeigt, dass Menschen auch heute
Genossenschaft.
© Adobe Stock, DisobeyArt
Eine Dividende für die Region
Oder anders gesagt: Aus Kunden werden Miteigentümer. Aus Miteigentümern wird Gemeinschaft. Und aus Gemeinschaft entstehen Projekte, die ganze Regionen voranbringen. Genau darin liegt die besondere Stärke der
Mehr als 16.000 neue Miteigentümer: die Maßnahmen zur Attraktivierung der Miteigentümerschaft zeigen Wirkung.
Raiffeisenverband OÖ.
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NEUE GENOSSENSCHAF TEN
» Mit der Genossenschaft haben wir die ideale Rechtsform gefunden, um dieses für uns so wichtige Projekt gemeinsam umzusetzen. Dass sich bereits so viele Menschen beteiligen, zeigt den starken Zusammenhalt in Zell an der Pram. Bürgermeister Martin Tiefenthaler
Gasthaus Wohlmuth in Zell an der Pram
Aus eigener Kraft: Wie Zell an der Pram sein Wirtshaus sichert Marion Pammer - DW 29141
Was passiert, wenn eine Gemeinde ihr letztes Gasthaus im Ortszentrum zu verlieren droht? In Zell an der Pram lautet die Antwort: zusammenstehen, Verantwortung übernehmen und selbst aktiv werden. Mit der Gründung einer Bürgergenossenschaft schreiben die Zellerinnen und Zeller gerade ein bemerkenswertes Kapitel der Ortsentwicklung.
W
o andernorts über das
und ein engagiertes Proponententeam
zeitgemäßes Ambiente zu schaffen.
Wirtshaussterben geklagt
formierte sich. Mittlerweile zählt die
Parallel dazu läuft die Suche nach den
wird, setzt Zell an der Pram auf Eigen-
Bürgergenossenschaft rund 270 Mit-
künftigen Wirtsleuten auf Hochtouren.
initiative. Nach einem monatelangen
glieder. Gemeinsam haben sie bereits
Wenn alles nach Plan verläuft, soll das
Bürgerprozess steht der Kauf des
430.000 Euro aufgebracht – ein
„neue“ Gasthaus Wohlmuth bereits
traditionsreichen Gasthauses Wohl-
beachtlicher Beweis dafür, wie groß
Ende Oktober seine Türen öffnen.
muth unmittelbar bevor. Damit soll
die Verbundenheit der Bevölkerung mit
Für die Gemeinde wäre das weit mehr
nicht nur ein historisches Gebäude
„ihrem“ Wirtshaus ist. Das ursprünglich
als eine Neueröffnung. Es wäre ein
erhalten bleiben, sondern vor allem
anvisierte Finanzierungsziel rückt
sichtbares Zeichen dafür, dass regio-
ein Ort der Begegnung, der das
damit in greifbare Nähe. Jeder gezeich-
nale Entwicklung nicht immer von
gesellschaftliche Leben im Zentrum
nete Anteil bedeutet nicht nur eine
außen kommen muss, sondern durch
seit Generationen prägt.
finanzielle Unterstützung, sondern
den Zusammenhalt der Menschen vor
auch ein klares Bekenntnis zum Erhalt
Ort entstehen kann.
des Ortszentrums.
Dass aus einer Idee, einem Bürger-
Genossenschaft als Lösung Die Idee einer Bürgergenossenschaft
prozess und dem Engagement von
nahm im Frühjahr konkrete Formen an.
Nächste Schritte
270 Menschen ein gemeinsames Zu-
Bei einem Bürgerabend informierten
Der nächste große Meilenstein steht
kunftsprojekt entstehen kann, macht
sich zahlreiche Interessierte über das
unmittelbar bevor: der Kauf des Gast-
die besondere Stärke der Genossen-
Modell und die Möglichkeiten einer
hauses. Danach sind zunächst kleinere
schaft sichtbar: Sie ermöglicht es
gemeinschaftlichen Übernahme. Die
Sanierungs- und Modernisierungs-
der Bevölkerung, ihr Wirtshaus nicht
Resonanz war überwältigend: Bereits
maßnahmen geplant. Ziel ist es, die
nur zu erhalten, sondern gemeinsam
am ersten Abend wurden Beteiligun-
bestehende Gemütlichkeit zu bewah-
Eigentümer und Gestalter ihrer eige-
gen in beachtlicher Höhe gezeichnet,
ren und gleichzeitig ein freundlicheres,
nen Zukunft zu werden.
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Raiffeisenverband OÖ.
NEUE GENOSSENSCHAF TEN
Wenn eine Genossenschaft den Tisch für alle deckt Marion Pammer - DW 29141
Ein Restaurant, das weit mehr sein möchte als ein Ort zum Essen. Die neu gegründete Genossenschaft „Zimt & Kardamom Solidarisches Restaurant“ in Braunau möchte gutes Essen als verbindendes Element nutzen, Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenbringen und soziale wie ökologische Verantwortung auf besondere Weise erlebbar machen. Ein ambitioniertes Projekt, das zeigt, wie zeitgemäß das Genossenschaftsmodell gerade heute sein kann. Genossenschaft mit sozialem Auftrag
Geplant sind Kooperationen mit regio-
bei „Zimt & Kardamom“ nicht im Vor-
nalen Betrieben, landwirtschaftlichen
dergrund. Wirtschaftliche Überschüsse
Die Genossenschaft wurde am
Produzenten, sozialen Einrichtungen
werden in die Weiterentwicklung des
20. August 2026 von zehn engagierten
wie der Tafel und weiteren Partnern.
Betriebs und seiner sozialen Angebote investiert. Wer die Idee unterstützen
Gründungsmitgliedern ins Leben klares Ziel: ein Solidaritätsrestaurant
Die besondere Würze der Gemeinschaft
Geschäftsanteil von 100 Euro Mitglied
zu schaffen, das wirtschaftlich solide
Das gastronomische Angebot soll
werden. Damit lädt die Genossenschaft
arbeitet und gleichzeitig einen spür-
internationale Küche mit regionalen
Menschen ein, Teil eines Projekts zu
baren gesellschaftlichen Mehrwert
Zutaten verbinden und damit kulturelle
werden, das zeigt: Gutes Essen kann
bietet. Damit soll für alle Menschen
Vielfalt erlebbar machen. Ergänzend
weit mehr sein als Genuss. Es schafft
ein gleichberechtigter Zugang zu
sind Bildungs- und Gemeinschaftsakti-
Begegnungen, fördert Teilhabe und
hochwertigen Mahlzeiten ermöglicht
vitäten geplant, die nachhaltige Ernäh-
stärkt das soziale Miteinander. Genau
werden und ein Treffpunkt für Begeg-
rung fördern und den interkulturellen
darin liegt die besondere Würze von
nungen auf Augenhöhe entstehen.
Austausch stärken. Gewinne stehen
„Zimt & Kardamom“.
gerufen. Gemeinsam verfolgen sie ein
möchte, kann bereits mit einem
Integration und Nachhaltigkeit Ein wichtiger Baustein des Projekts ist die Schaffung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen. Besonders Personen mit Migrationshintergrund sollen die Möglichkeit erhalten, berufliche Erfahrungen zu sammeln, Qualifikationen aufzubauen und langfristig am Arbeitsmarkt teilzuhaben. Ebenso zentral ist der verantwortungsvolle Umgang mit Lebensmitteln. Durch ein Zero-Waste- und Lebensmittelrettungskonzept sollen überschüssige Lebensmittel sinnvoll genutzt werden.
Gründungsmitglieder der neuen Genossenschaft
Raiffeisenverband OÖ.
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AUS DEN GENOSSENSCHAF TEN
VON DER HEIZGEMEINSCHAFT ZUR GENOSSENSCHAFT Was als engagierte Heizgemeinschaft
Für die 15 beteiligten Landwirte
Genossenschaft. Gleichzeitig sorgt
begann, ist nun ein wichtiger Schritt
bringt die Umgründung große Vorteile.
die regelmäßige Revision für Trans-
in Richtung Zukunftssicherheit:
Während in der GesbR alle Mitglieder
parenz und zusätzliche Sicherheit.
Die Nahwärme St. Roman hat sich
mit ihrem gesamten Vermögen
Dieser Schritt zeigt, wie regionale
von einer GesbR in eine Genossen-
hafteten, bietet die Genossenschaft
Zusammenarbeit, nachhaltige Infra-
schaft umgewandelt.
deutlich mehr Sicherheit für ihre
struktur und unternehmerische Weit-
Damit stärkt sie nicht nur ihre recht-
Eigentümer. Ein weiterer Pluspunkt
sicht erfolgreich Hand in Hand gehen
liche Basis, sondern schafft auch
liegt in der flexiblen Ausgestaltung der
können.
neue Möglichkeiten für die regionale Energieversorgung. Mit dem Neubau des Feuerwehrdepots in St. Roman ergab sich für die Verantwortlichen die Chance, einen neuen Standort zu beziehen. Im Sinne einer nachhaltigen Leerstandsnutzung übersiedelt die Nahwärme ins ehemalige Feuerwehrhaus. Zuvor war die Heizgemeinschaft im Keller des Kindergartens untergebracht.
Im alten Feuerwehrhaus findet die neue Genossenschaft nun Platz.
OÖ. ORTSBILDPREIS FÜR „MARK TSCHANK“ Eine Genossenschaft, die einen
wo Menschen Verantwortung über-
Ende Mai 2026 als neues Wirtshaus
ganzen Ort belebt – dieses eindrucks-
nehmen und Ideen entwickeln, kann
im Ort einerseits den Ortskern
volle Beispiel zeigt sich im Herzen
etwas Großartiges entstehen.
wiederaufleben lässt und als neuer
von Schenkenfelden. Denn dort,
So auch die „Marktschank“, die seit
Treffpunkt gilt, andererseits aber auch leerstehende Gebäude sinnvoll nutzt. Genau deshalb erhielt dieses innovative Projekt der Bürgergenossenschaft Schenkenfelden dafür den OÖ. Ortsbildpreis und erreichte damit sogar den Landessieg. Die Auszeichnung kürt besonders vorbildhafte Projekte im Rahmen der Dorf- und Stadtentwicklung.
© Land OÖ, Roland Pelzl
Dass dies der Bürgergenossen-
Die Überreichung des Ortsbildpreises an Schenkenfelden fand im Rahmen der Ortsbildmesse 2026 statt.
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Raiffeisenverband OÖ.
schaft Schenkenfelden gelungen ist, zeigt, wie wertvoll das Engagement und die Zusammenarbeit innerhalb einer Genossenschaft sind. Bereits mehr als 370 Mitglieder sind Teil dieses erfolgreichen Projektes.
Die Schüler zu Gast bei der Berglandmilch in Aschbach
„Learning Journey“ der HLBLA St. Florian Franz Gessl - DW 29500
Auch heuer begab sich der vierte Jahrgang der HLBLA St. Florian auf eine spannende Learning Journey zu ausgewählten Einrichtungen der oberösterreichischen Genossenschaften. Ziel dieser Exkursion ist es, jungen Menschen das genossenschaftliche Prinzip näherzubringen und ihnen praxisnahe Einblicke in moderne Arbeitswelten zu ermöglichen. Berglandmilch
kraft des Betriebs eindrucksvoll
zuletzt, da das KLT Traun für seine
Der Auftakt erfolgte im neuen Ver-
veranschaulichte.
innovative Logistiklösung mit dem
anstaltungssaal der Berglandmilch
Logistikpreis 2023 des Vereins Netz-
in Aschbach. In seinem Vortrag zum
Kommissionierlager Traun
werk Logistik ausgezeichnet wurde.
Thema „Genossenschaft“ vermit-
Am Nachmittag stand ein weiterer
Diese Learning Journey bot den
telte Franz Gessl den Schülern
Höhepunkt auf dem Programm: der
Jugendlichen erneut wertvolle Ein-
grundlegendes Wissen zur Funkti-
Besuch des KLT (Kommissionierlager
blicke in die Welt der Genossenschaf-
onsweise von Genossenschaften
Traun) der RWA Raiffeisen Ware
ten und zeigte deren Modernität und
und gab einen Überblick über die
Austria. Ingrid Peraus und Stefan
Zukunftsorientierung.
Vielfalt der Genossenschaftswelt in
Aistleitner gaben einen
Oberösterreich.
umfassenden Einblick in
Im Anschluss präsentierten Markus
die erfolgreiche Entwick-
Zehetgruber und Mariam Stadler
lung des Standorts, von
die Berglandmilch, Österreichs
dem aus österreichweit
größte Molkereigenossenschaft.
Lagerhäuser im Bereich
Neben spannenden Einblicken in
Haus und Garten belie-
das Unternehmen beeindruckte vor
fert werden. Besonders
allem die Besichtigung des hoch-
das vollautomatisierte
modernen Hochregallagers, das
Kleinteilelager sorgte für
die Dimensionen und Innovations-
großes Staunen – nicht
Besichtigung des Kommissionierlagers der RWA in Traun
Raiffeisenverband OÖ.
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Veranstaltungstermine November bis Dezember 2026 Montag, 02.11.2026
Konstruktiver Umgang mit Konflikten (Raiffeisenbanken und Lagerhausgenossenschaften)
Parkhotel Stroissmüller in Bad Schallerbach
Dienstag, 10.11.2026
Fachlich fit - Kreditgeschäft für Funktionär:innen - Vertiefung (Raiffeisenbanken)
Landhotel Forsthof in Sierning
Donnerstag, 12.11.2026
Fachlich fit - Grundbuchsrecht und Liegenschaftsbewertung (Raiffeisenbanken)
Raiffeisenbank in Ried i.I
Donnerstag, 19.11.2026
Selbst- und Zeitmanagement für Spitzenfunktionär:innen (Raiffeisenbanken und Lagerhausgenossenschaften)
Bildungshaus Sankt Magdalena
Freitag, 20.11.2026
Informationstag für Molkereigenossenschaften
Bildungshaus Sankt Magdalena
Samstag, 21.11.2026
Fachlich fit - Genossenschaftsrecht (Raiffeisenbanken)
Online
Montag, 23.11.2026
Informationstag für Lagerhausgenossenschaften
Bildungshaus Sankt Magdalena
Dienstag, 24.11.2026
Fachlich fit - Risikobeurteilung durch Funktionär:innen - Vertiefung (Raiffeisenbanken)
Online
Donnerstag, 26.11.2026
Fachlich fit - Aufsichtsrecht im Überblick (Raiffeisenbanken)
Raiffeisenbank in Ried i.I
Dienstag, 01.12.2026
Praxistag: Wirksame Prüfung durch den Aufsichtsrat (Raiffeisenbanken)
Bildungshaus Sankt Magdalena
Freitag, 04.12. – Samstag, 05.12.2026
Fachlich fit - Aufgaben und Rolle als Funktionär:in und Bankbetriebswirtschaft (Raiffeisenbanken)
Parkhotel Stroissmüller in Bad Schallerbach
Impressum: Medieninhaber und Herausgeber: Raiffeisenverband OÖ.,
Österreichische Post AG FZ 22Z043417 F Raiffeisenverband OÖ., Starhembergstr. 49, 4021 Linz
4021 Linz, Starhembergstraße 49, Redaktion: Marion Pammer BA, Konzept/Layout NEUDESIGN GmbH; Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz: Grundlegende Richtung: Information der dem Raiffeisenverband OÖ. angeschlossenen Erwerbs- und Wirtschafts genossenschaften über grundsätzliche Fragen und über Themen aus den Fachabteilungen des Raiffeisenverbandes OÖ. Hinweis: Der Genossenschaftsbrief richtet sich an Frauen und Männer gleicherm aßen. Zur besseren Lesbarkeit wird auf geschlechts spezifische Doppelnennungen verzichtet.
Raiffeisenverband Oberösterreich
Raiffeisenverband Oberösterreich Starhembergstraße 49, 4021 Linz
Tel.: +43 732 66 92 01 E-Mail: direktion@rvooe.raiffeisen.at
www.rvooe.at