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Quirin Quartalsbuch 2. Quartal 2021 – Quirin Privatbank

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Quirin Quartalsbuch Schmidts Tagebücher und Mays Logbücher im Überblick

2. Q uartal 2021


Schmidts Tagebuch „Das zweite Quartal 2021 verbinde ich mit Allzeithochs an den Börsen und einer sehr guten Wertentwicklung für unsere Kund:innen, die mich persönlich sehr freut. Darüber hinaus konnten wir über viele weitere Erfolge berichten, z. B. über unser gutes Geschäftsergebnis in 2020, die Auszeichnung der Top-Berater von WhoFinance, unsere

K ARL MAT THÄUS SCHMIDT

nachhaltige Unternehmenszertifizie-

Vorstandsvorsitzender

rung – und den erneuten Stiftung-Wa-

der Quirin Privatbank AG

rentest-Testsieg von quirion als beste

und Gründer von quirion

digitale Geldanlage. Zudem habe ich mich mit den Themen Provisionsverbot, private Altersvorsorge und Aktienkultur in Deutschland beschäftigt. Viel Vergnügen!“ APRIL 2021 4

Eieieieiei

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Geldanlagen kann man nicht Probe fahren

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Der Glücks- und Erfolgsbeschleuniger

MAI 2021 23

Demokratisierung der Geldanlage – jeder kann gut anlegen

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Private Altersvorsorge: mit Garantien garantiert weniger JUNI 2021

35

Das Märchen von Altersarmut, SparMinistern und dem bösen Aktionär

40

Wir haben gewonnen – ein Tagebuch nicht nur über Fußball

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Quirin Quartalsbuch | 2. Quartal 2021

Eieieieiei 01. April 2021

Es fällt mir wirklich sehr schwer. Ihnen wahrscheinlich auch. Aber versuchen wir es trotzdem einfach mal. Lassen wir uns allen aktuellen Widrigkeiten zum Trotz von ein bisschen Osterfreude anstecken. Suchen wir gemeinsam nach Erfreulichem, nach Positivem, nach zuversichtlich Stimmendem und seien wir vielleicht sogar ein bisschen albern. Tatsächlich muss ich dieser Tage auch gar nicht so lange suchen, um – zumindest in unserer Bank – etwas Erfreuliches zu finden. Denn in der letzten Woche haben wir als Vorstand, das heißt mein Kollege Johannes Eismann und ich, im Rahmen des Geschäftsberichts das Geschäftsergebnis der Quirin Privatbank AG für das Jahr 2020 veröffentlicht. Trotz der immensen Herausforderungen für alle Kundinnen und Kunden, aber auch für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bank war es ein wirtschaftlich erfolgreiches Jahr. Wir konnten den widrigen Umständen zum Trotz und dank der Treue unserer Kundinnen und Kunden auch 2020 weiter wachsen und dabei einen nennenswerten Gewinn von 4,3 Millionen Euro erwirtschaften. Zudem betreuen wir so viele Kunden und Assets wie nie zuvor.

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Schmidts Tagebuch

Eieieieiei

Geschäftsergebnis 2020: So viele Kunden und Assets wie noch nie

4,9

36.000

4,3

Mrd. Euro verwaltetes Vermögen

10.000

0,6

26.000

Mrd. Euro verwaltetes Vermögen

Mrd. Euro verwaltetes Vermögen

Kunden

Kunden

uirin Privatbank

Kunden

Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Das zeigt, dass sich auch aus einer überaus kräftezehrenden, fast schon aussichtslos erscheinenden Situation Gutes ergeben kann. Nie im Leben hätte ich im März vor einem Jahr angesichts der ersten Pandemiewelle und der Einbrüche an den Anlagemärkten gedacht, dass ich 12 Monate später ein erfreuliches Geschäftsergebnis für unsere Bank berichten kann. Das freut mich sehr und stimmt mich auch für andere, aktuell noch anhaltende Herausforderungen positiv. Das ist ja im Grunde ein Kern der Osterfreude: Auch aus dem tiefsten Zweifel und der scheinbar schwersten Niederlage kann noch etwas Positives auferstehen. Ostern ist aber nicht nur eine Zeit der Freude, sondern auch der Eier, vor allem in Form von Schokolade. Ich freue mich jetzt schon, meinen Kindern am Ostersonntag dabei zuzusehen, wie sie die versteckten Nester suchen – insbesondere meiner jüngsten Tochter, die sich mit ihren zwei Jahren zum ersten Mal so richtig auf die Suche begeben wird. Aber selbst die Großen haben ihren Spaß daran, viele Schoko-Eier in ihren Körbchen zu sammeln. Als Banker habe ich meinen Kindern aber natürlich nicht nur ein Körbchen, sondern mehrere besorgt. Warum, fragen Sie? Nun, wenn Sie mein Tagebuch regelmäßig lesen, werden Sie wissen, dass ich auch noch aus den entferntesten gedanklichen Gefilden ohne Umschweife die Brücke zur Geldanlage schlagen kann. So auch hier: Denn wenn etwas in Sachen Geldanlage wirklich unumstößlich ist, wenn etwas selbst durch tiefste Finanzmarktkrisen wie im letzten Jahr hindurch Gültigkeit hat, dann diese (Binsen-)Weisheit, die ich zu Ostern ganz subtil auch meinen Kindern einimpfe: Nicht alle Eier in einen Korb legen!

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Quirin Quartalsbuch | 2. Quartal 2021

Zugegeben, bei den Ostereiern wäre es nicht weiter schlimm. Obwohl – was, wenn plötzlich der Vater das eine Körbchen mit all den Eiern entdeckt und es ihn überkommt? Naja, lassen wir das. Bei der Kapitalanlage gibt es aber kaum einen wichtigeren Grundsatz als den der Diversifikation (das klingt bloß nicht so österlich). Dementsprechend stellen wir die Portfolios unserer Kundinnen und Kunden nicht nur zu Ostern, sondern das ganze Jahr über so auf, dass möglichst viele Eier in ganz unterschiedlichen Körbchen sich zu einem optimalen Portfolio zusammensetzen. Wir danken unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihren gerade im letzten Jahr oft so mühevollen Einsatz und unseren Kundinnen und Kunden dafür, dass sie uns trotz alledem gewogen geblieben sind. Herzlichen Dank! Zudem haben wir uns zwei weitere – sehr erfreuliche – Eier sozusagen selbst ins Nest gelegt. Zum einen sind 25 unserer Beraterinnen und Berater bundesweit als „Top Berater 2021“ von dem unabhängigen Bewertungsportal für Finanzen WhoFinance ausgezeichnet worden. Das kann man nur schaffen, wenn viele zufriedene Kunden dort eine entsprechend positive Bewertung abgeben. Hierfür ein herzliches Dankeschön – und natürlich auch an die Kolleginnen und Kollegen, deren Beratung zu so erfreulichen Zufriedenheitswerten geführt hat.

Unsere Berater sind TOP Diese Kolleginnen und Kollegen wurden auf WhoFinance von unseren Kunden als Top Berater bewertet

Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Zum anderen haben wir just dieser Tage das Siegel „Gesicherte Nachhaltigkeit“ vom Deutschen Institut für Nachhaltigkeit & Ökonomie erhalten. Dieses bescheinigt uns, dass wir als Unternehmen bereits aktiv nachhaltig

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Schmidts Tagebuch

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agieren und fortlaufend in eine nachhaltige Zukunft investieren, um die ökonomischen, ökologischen und sozialen Bedürfnisse der heutigen wie auch der zukünftigen Generationen zu befriedigen. Konkret bedeutet das, dass wir alle Prozesse optimieren, um uns nachhaltiger aufzustellen und eine nachhaltige Unternehmenskultur zu etablieren.

GESICHERTE NACHHALTIGKEIT

PRÜFSIEGEL 2021 Investition in die Zukunft

Dabei verwenden wir kostengünstige und auf Wunsch auch nachhaltige Eier. Wir legen sie in verschiedene Körbchen, sprich investieren in verschiedene Anlageklassen. Diese wählen wir nicht nach Gusto aus und wir tun dabei auch nicht so, als ob wir aus der unüberblickbaren Vielzahl an Eiern die wenigen besten auswählen könnten. Sondern die Auswahl und Zusammenstellung der Eier und der Körbchen folgt klaren Kriterien, die sich an den Erkenntnissen der wissenschaftlichen Kapitalmarktforschung orientieren. Und schließlich vergessen wir nicht, wo wir welche Eier hingelegt haben, sondern haben sie in ihren Körbchen stets im Blick und sortieren bei Bedarf um. So können sich die Eier langfristig vermehren und sind gleichzeitig geschützt, falls mal ein Körbchen herunterfällt oder geplündert wird. An dieser Stelle hinkt der Vergleich mit Ostern zugegebenermaßen, denn da werden es jeden Tag weniger Eier im Körbchen.

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Quirin Quartalsbuch | 2. Quartal 2021

Meinen Kindern werde ich das, wenn sie alt genug sind, dann auch (vernünftig) erklären. An Ostern geht es aber doch erst einmal nur um die Freude, die Zuversicht, die Hoffnung auf wieder gemeinschaftlichere Tage. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Lieben ein erholsames, ein Kraft spendendes und ein fröhliches Osterfest. Und natürlich viele Eier! Aber Sie wissen ja: Nicht alle in einen Korb legen …

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Schmidts Tagebuch

Geldanlagen kann man

nicht Probe fahren 16. April 2021

Ja, da ist sie mal wieder. Lange nicht gehört und schon ein wenig vermisst – und plötzlich kommt sie unverhofft um die Ecke: die Forderung nach einem Provisionsverbot in der Bankberatung, zu lesen im aktuellen Bundestagswahlprogramm der Grünen.1 Diese Forderung aus politischen Kreisen ist grundsätzlich nicht neu, das kommt immer mal wieder vor, wenn es eben gerade ins politische Kalkül passt. In den Anfangsjahren der Quirin Privatbank haben mich solche Ankündigungen zuversichtlich gestimmt, mittlerweile weiß ich, dass aus diesen hehren Forderungen meist nicht viel wird. So ist die Quirin Privatbank heute wie bei der Gründung vor 15 Jahren noch immer die einzige Bank in Deutschland, die ausschließlich gegen Honorar berät und die auf die Annahme jedweder Provisionen verzichtet. Dass wir nach wie vor die Einzigen sind, liegt vor allem an der Tatsache, dass es bis heute kein Verbot von Provisionen gibt. Das ist aus Anlegersicht bitter.

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Quirin Quartalsbuch | 2. Quartal 2021

Verkaufs- statt Beratungsgespräche Denn der provisionsbasierte Abverkauf herkömmlicher Banken bringt für Anleger mehrere Probleme mit sich: Provisionsfinanzierte Banken stellen mutmaßlich gerne ihre eigenen Interessen (möglichst hohe Provisionen zu erzielen, und zwar möglichst oft) nach vorn und die des Kunden (möglichst niedrige Kosten bei einer qualitativ hochwertigen Anlage) nach hinten. Sie verkaufen oft das, was den höchsten Ertrag bringt, das sind meist überteuerte hauseigene Produkte. Es gibt zwar oft günstigere oder bessere Produkte am Markt, diese werden aber nicht angeboten, weil sie zu wenig Ertrag abwerfen. So werden oft falsche oder überteuerte Produkte verkauft und Beratungsgespräche sind so im Laufe der Zeit komplett zu Verkaufsgesprächen verkommen.

Verbot ist richtig, da freiwillig keine Abkehr Die Idee eines gesetzlichen Provisionsverbots ist deshalb heute richtiger und wichtiger denn je. Freiwillig wird es seitens der Branche keine Abkehr von Provisionen geben, dafür verdienen herkömmliche Banken viel zu viel damit. Ein Bankvorstand sagte mal zu mir: „Herr Schmidt, ich finde Ihr Konzept der Honorarberatung super und würde es auch gern so umsetzen. Das kann ich aber nicht, da ich im Provisionsbetrieb schlichtweg mehr verdiene!“ So offen geben das die wenigsten zu. Und ja, auch wir könnten mit Provisionen mehr verdienen, als wir es jetzt tun, wollen aber nicht gegen unsere Kunden Geld verdienen, sondern mit ihnen.

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Schmidts Tagebuch

Geldanlagen kann man nicht Probe fahren

Volkswirtschaftliche Schäden enorm – und oft erst spät erkennbar Warum bin ich so ein Fan und Verfechter der unabhängigen Beratung? Weil der volkswirtschaftliche Schaden, der in der provisionsbasierten Beratung für uns alle entsteht, enorm ist und verhindert werden könnte, wenn das System ein anderes wäre. Zudem treten die Folgen einer durch Provisionsanreize falschen Beratung erst Jahre später zu Tage. Beim Autokauf kann ich eine Runde um den Block fahren, um die Funktionsfähigkeit des Wagens zu testen. Die Qualität einer Anlageberatung kann ich nicht testen, sie zeigt sich erst nach 10, 20 oder 30 Jahren. Und dann ist es meist zu spät, das angestrebte finanzielle Ziel noch zu erreichen. Deshalb ist die Finanzberatung ein Vertrauensgut und kein Gebrauchsgut. Ich habe den Eindruck, dass Verbraucher heute beim Autokauf besser geschützt sind als bei der Bankberatung, beispielsweise durch die Produkthaftung.

Gesetzgeber schützt lieber Banken als Anleger Doch statt im Sinne aller Anleger tätig zu werden und Provisionen zu verbieten, hält der Staat lieber seine schützende Hand über die Bankenbranche. Die nationale Umsetzung der europäischen Finanzmarktrichtlinie MiFID II kommt einem Bankenschutzgesetz gleich, nicht einem Verbraucherschutzgesetz. Zudem gibt es keine Voraussetzungen für einen gleichberechtigten Wettbewerb der beiden Systeme (provisionsfinanzierte Verkaufsgespräche und unabhängige Beratungsgespräche gegen Honorar) nebeneinander. Das ärgert mich persönlich ganz besonders. So existiert keine steuerliche Gleichstellung, denn auf Honorare fallen 19 Prozent Umsatzsteuer an, auf Provisionen nicht. Und das Honoraranlageberatungsgesetz ist sicher gut gemeint, aber es stellt den Nachteil, die Bezahlung, in den Vordergrund. Besser wären Berufsbezeichnungen wie beispielsweise in den USA, hier werden die Berater entweder als independent (also unabhängig) oder dependent (von Provisionen abhängiger Berater) bezeichnet.

Kunde wird über den Tisch gezogen Doch die Praxis hierzulande sieht anders aus: Durch die Provisionsorientierung der Finanzberatung sitzt der Kunde auf der gegenüberliegenden Seite des Tisches – und wird regelmäßig über denselben gezogen. In anderen beratenden Berufen ist es selbstverständlich, dass der Berater zu 100 Prozent die Kundeninteressen vertritt. Niemand würde zu einem Steuerberater gehen, der vom Finanzamt bezahlt wird. Bei der Geldanlage hingegen vertrauen die Menschen Banken, obwohl sie von Fondsgesellschaften oder Versicherungen für den Verkauf ihrer Produkte bezahlt werden.

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Quirin Quartalsbuch | 2. Quartal 2021

Viele Länder machen vor, wie Anlegerschutz funktioniert Provisionsverbote und vergleichbare Regelungen für mehr Anlegerschutz in Europa

Seit 2018 verpflichtet die Finanzmarktrichtinline MiFID II* Banken zu mehr Transparenz bei den Kosten der Geldanlage und fördert die unabhängige Anlageberatung. Einige Staaten haben noch weitergehende Regeln aufgestellt, um Anleger besser zu schützen und zu informieren. Teils sind Provisionen sogar komplett verboten. Ein Überblick.

5 3 7 6

1

generelles Provisionsverbot Provisionsverbot nur für Versicherungen 12

landeseigene Regeln und Initiativen

11

4 2

10

8 9

Geltungsbereich von MiFID II*

1

Niederlande Seit 2014 gilt ein Provisionsverbot für alle Anlageprodukte für Privatkunden. Eine Evaluierung des Verbots 2018 zeigte, dass die Qualität der Beratung gestiegen ist.

2

Großbritannien Finanz- und Versicherungsmakler dürfen seit 2013 für die Vermittlung kapitalbildender Produkte an Privatkunden keine Provisionen mehr annehmen.

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Norwegen Seit 2008 herrscht ein Kommissionsverbot für unabhängige Makler für Versicherungsprodukte. Der Kunde zahlt seine Prämie ohne Provisionszuschlag für den Makler.

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Dänemark Seit 2006 besteht eine Regulierung der Provisionszahlungen für unabhängige Versicherungsmakler. Die Verordnung wurde schrittweise bis 2011 eingeführt.

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Finnland Es gilt ein Provisionsverbot für Versicherungsprodukte. Seit 2008 dürfen Versicherungsmakler ausschließlich von ihren Kunden bezahlt werden.

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Irland 2019 stellte die Zentralbank ein Paket neuer Regeln mit Provisionsverboten und neuen Anforderungen an die Transparenz vor. Es wurde nicht umgesetzt.

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Schweden Die Versicherungswirtschaft hat 2003 eine Selbstregulierung der Provisionen eingeleitet. 2016 lehnte das Finanzministerium ein Provisionsverbot ab.

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Deutschland Seit 2014 ist die Honorarberatung durch das Honoraranlageberatungsgesetz in Deutschland gesetzlich geregelt. Ein Provisionsverbot gibt es nicht.

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Österreich Es besteht kein Provisionsverbot. Die Gewerbeordnung sieht vor, dass Versicherungsvermittler Honorare verlangen dürfen, wenn sie vorab vereinbart wurden.

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Schweiz 2009 lag ein Gesetzentwurf zu einem Vergütungsverbot für Makler durch die Versicherungen vor. Der Gesetzentwurf wurde nicht umgesetzt.

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Litauen 2007 veröffentlichte die Versicherungsaufsicht Pläne, Versicherungen zu verbieten, Courtagen an Makler zu zahlen. Es wurde noch keine Verfügung erlassen.

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Frankreich Die Finanzaufsicht empfiehlt im Januar 2020, dass Anbieter unabhängiger Anlageberatung keine Anreize oder Gebühren von Dritten erhalten dürfen.

Von Beginn an ohne Provisionen Als erste Honorarberaterbank in Deutschland bietet die Quirin Privatbank seit 2006 provisionsfreie und unabhängige Beratung sowie ein wissenschaftlich fundiertes, intelligentes Anlagekonzept. Und das für kleine und große Vermögen, digital und persönlich an 15 Standorten deutschlandweit.

* Seit dem 3. Januar 2018 gelten EU-weit die Regeln der zweiten europäischen Finanzmarktrichtlinie, MiFID II (Markets in Financial Instruments Directive). Sie verpflichtet Banken, die Gesamtkosten von Finanzdienstleistungen und deren Auswirkungen auf die Rendite darzustellen sowie zwischen den Kosten für das Produkt und für die Dienstleistung zu differenzieren. Zudem untersagt MiFID II Banken und anderen Finanzdienstleistern bei unabhängiger Anlageberatung Zuwendungen von Dritten anzunehmen. Das Verbot umfasst auch Vertriebsprovisionen. Derzeit findet eine Evaluierung der MiFID II statt.


Schmidts Tagebuch

Geldanlagen kann man nicht Probe fahren

Europäische Nachbarn machen vor, wie es geht Dabei kann der Interessenkonflikt des Beraters ganz einfach aufgelöst werden, indem der Berater ausschließlich vom Kunden bezahlt wird. So ist es bei uns im Haus. Der Einzige, der uns bezahlt, ist der Kunde. Und der Vorteil liegt auf der Hand: Der Kunde bekommt einen Anlageberater, dem er zu 100 Prozent vertrauen kann, und on top noch günstigere und bessere Produkte. Das zeigen Analysen aus Ländern, in denen die unabhängige Beratung bereits etabliert ist, wie Holland und England. Flankiert wird sie von einem Provisionsverbot – der Berater darf sich nicht von Produktanbietern bezahlen lassen. Dadurch haben sich die Qualität der Finanz- und Anlageberatung und die der angebotenen Produkte erheblich verbessert, auch wenn die Vertreter der Provisionsindustrie gern und immer wieder das Gegenteil behaupten. Gegen die positiven Erfahrungen insbesondere der europäischen Nachbarn macht die Provisionslobby in enormem Ausmaß mobil. Die Argumente gegen ein Provisionsverbot und eine damit verbundene flächendeckende Einführung der Honorarberatung sind seit Jahren die gleichen: Herkömmliche Banken beraten kostenlos. Das ist in zweierlei Hinsicht ein Trugschluss: Die Beratung ist nicht kostenlos, die Kostenabrechnung erfolgt für den Laien jedoch meist intransparent. Anleger haben oft keine genaue Kenntnis über die konkrete Höhe und Summe aller Kosten, es kann der Eindruck entstehen, die Beratung an sich sei kostenlos. Es finden keine Beratungs-, sondern eher Verkaufsgespräche statt. Die Kunden wollen einfach nicht für Beratung zahlen. Sie tun es de facto aber. Um die tatsächlichen Kosten einer Anlage zu verstehen (und dann gegebenenfalls zu wechseln), müssten Anleger die oft sehr umfangreichen Gesamtkostenbescheinigungen genau studieren – die wenigsten tun das jedoch. Wenn Anleger aufgezeigt bekommen, was sie in der vermeintlich kostenlosen Provisionsberatung für ihre Anlagen zahlen und was sie demgegenüber in der unabhängigen Honorarberatung bezahlen würden (wo sie zudem kostengünstige und gute Produkte bekommen, weil es keine hauseigenen Produkte gibt), dann würde der Großteil sofort das System wechseln.

* Seit dem 3. Januar 2018 gelten EU-weit die Regeln der zweiten europäischen Finanzmarktrichtlinie, MiFID II (Markets in Financial Instruments Directive). Sie verpflichtet Banken, die Gesamtkosten von Finanzdienstleistungen und deren Auswirkungen auf die Rendite darzustellen sowie zwischen den Kosten für das Produkt und für die Dienstleistung zu differenzieren. Zudem untersagt MiFID II Banken und anderen Finanzdienstleistern bei unabhängiger Anlageberatung Zuwendungen von Dritten anzunehmen. Das Verbot umfasst auch Vertriebsprovisionen. Derzeit findet eine Evaluierung der MiFID II statt. Quellen: BEUC, VZBV, Dr. Fred de Jong, Central Bank of Ireland, Finansinspektionen, Deutscher Bundestag, AMF, eigene Recherche und eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

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Quirin Quartalsbuch | 2. Quartal 2021

Honorarberatung ist nur etwas für vermögende Kunden, es werden Menschen von der Beratung ausgeschlossen, die sich die Honorare nicht leisten können. Eine Auswertung des Verbraucherzentrale Bundesverbandes zeigt, dass nur 2 Prozent der Bevölkerung in Großbritannien die entstehenden Kosten als Hinderungsgrund ansahen, sich beraten zu lassen.2 Es gibt auch für kleinere Vermögen keinen Grund, an dem Provisionsmodell festzuhalten. Oft wird zur Rechtfertigung das große Filialnetz vorgeschoben. Das soll die Beratung gerade für weniger vermögende Kunden sicherstellen – und ist gleichzeitig die gesetzliche Lücke, um weiterhin Provisionen zu vereinnahmen. Bessere Lösungen für eine flächendeckende Beratung aller Bürger gibt es bereits durch den Einsatz digitaler Lösungen. Standardisierte Produkte, die gut und günstig sind, stellen in Kombination mit persönlicher Betreuung vor Ort sicher, dass alle Menschen sich eine Beratung leisten können, nicht nur jene mit viel Geld. So handhaben wir das auch in unserem Haus – wir bieten Anlegern drei Modelle der Anlage und Betreuung an, darüber haben wir ja auch schon mehrfach berichtet.

Anleger haben die Wahl: digital, persönlich oder eine Kombination aus beidem Drei verschiedene Anlage- und Beratungsmodelle bei der Quirin Privatbank und ihrer digitalen Tochter quirion, basierend auf dem Honorarprinzip Das

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DIGITALE MODELL

HYBRIDE MODELL

PERSÖNLICHE MODELL

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Quelle: Quirin Privatbank AG

Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Da sich die Honorarberatung nicht durchgesetzt hat, gibt es keine Nachfrage. Ergo ist die Honorarberatung keine gewünschte Dienstleistung. Das ist natürlich totaler Quatsch, denn was ich nicht kenne, kann ich auch nicht als Alternative in Betracht ziehen. Und die meisten Menschen kennen die Honorarberatung eben immer noch nicht– auch dank der erfolgreichen Lobbyarbeit der gesamten Provisionsindustrie.

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Schmidts Tagebuch

Geldanlagen kann man nicht Probe fahren

Provisionsberatung reduziert Anlageerfolg Amüsant fand ich auch das folgende Argument gegen ein Provisionsverbot, das ich neulich gelesen habe: Das staatliche Ziel der Vermögensbildung ist für die breite Bevölkerungsschicht nur mit Provisionsberatung sicherzustellen. Ich musste herzlich lachen, aber eigentlich ist es ja nicht zum Lachen, sondern eher erschütternd. Genau das Gegenteil ist der Fall. Die Provisionsberatung ist eben gerade nicht geeignet für die Vermögensbildung, weil viel zu große Teile des Vermögens und der Erträge beim Berater oder der Bank landen – in Form von Ausgabeaufschlägen, Managementgebühren, Verwaltungskosten, Bestandsprovisionen, Performance Fees etc. Ich habe erst kürzlich ausführlich über das Thema geschrieben, im Tagebuch vom 19. März 2021. Daraus stammt auch die folgende Kostenaufstellung, die einfach noch mal veranschaulichen soll, wie nachteilig der Provisionsbetrieb im Vergleich zur Honorarberatung ist. So kommt beispielsweise ein Anleger, der auf kostengünstige ETFs und eine unabhängige Beratung setzt, bei einem Anlagevolumen von 200.000 Euro nach 10 Jahren auf ein um 30.000 Euro besseres Anlageergebnis – trotz Beratungshonorar.

Unabhängige Beratung günstiger als Provisionsberatung Kostenvergleich per anno zwischen unabhängiger Beratung bei der Quirin Privatbank inklusive Produktkosten und aktiver Fondsanlage bei herkömmlichen Banken ETFs

aktiver Fonds

0%

0,3 %

Managementgebühr & Depotbankgebühr

0,33 %

1,70 %

Transaktionskosten

0,10 %

0,70 %

0%

0,30 %

Gesamtkosten Fonds

0,43 %

2,70 %

Honorar Quirin Privatbank

1,28 %

Gesamtkosten Anlage

1,71 %

Ausgabeaufschlag*

Performanceabhängige Gebühr**

2,70 %

* 10 Jahre Haltedauer unterstellt, 3 % Ausgabeaufschlag ** Beispiel: 15 % über 5 % Bruttorendite (angenommener Anlageerfolg = 7 % p. a.), nicht in Berechnung einbezogen ETF-Kosten orientieren sich an den3aktuellen Produktkosten des Aktienportfolios der Vermögensverwaltung „Markt“ * 10 Die Jahre Haltedauer unterstellt, % Ausgabeaufschlag der Quirin Privatbank. Berechnung vom 18.03.2021.

** Beispiel: 15 % Petersmann-Institut über 5 % Bruttorendite (angenommener Anlageerfolg = 7 % p. a.), nicht in Berechnung Quellen: Studie (https://www.petersmann-institut.de/fileadmin/downloads/studien/studie3/Studie-IIIKompaktversion.pdf), eigene Berechnungen und eigene Darstellung Quirin Privatbank AG einbezogen Die ETF-Kosten orientieren sich an den aktuellen Produktkosten des Aktienportfolios der Vermögensverwaltung „Markt“ der Quirin Privatbank. Berechnung vom 18.03.2021. Quellen: Studie Petersmann-Institut (https://www.petersmann-institut.de/fileadmin/downloads/studien/ studie3/Studie-III- Kompaktversion.pdf), eigene Berechnungen und eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

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Quirin Quartalsbuch | 2. Quartal 2021

Honorar klingt teuer, ist es aber nicht Honorare kennen viele von Ihnen vielleicht vom Steuerberater, vom Architekten oder vom Rechtsanwalt. Zunächst klingt das manchmal teuer und wird oft auch mit einer stundenweisen Vergütung gleichgesetzt. Dem ist aber nicht so. In der Bankberatung ist das Honorar in der Regel kein Stundenhonorar, sondern ein jährlicher Prozentsatz vom angelegten Vermögen. Egal wie oft Sie mit Ihrem Berater sprechen, an den Kosten ändert sich nichts, Sie zahlen nicht pro Stunde, sondern eben pauschal pro Jahr für die Verwaltung Ihres Vermögens – bei der Quirin Privatbank sind das beispielsweise 1,28 Prozent aufs angelegte Vermögen. Und das ist zusammen mit den Fondskosten immer noch deutlich weniger, als Sie für die Produkte in provisionsfinanzierten Häusern bezahlen.

Wir gehen unseren Weg Besser, günstiger und für alle Vermögensklassen umsetzbar – das ist die unabhängige Beratung gegen Honorar. Und trotzdem gibt es auch hier schwarze Schafe, wie dieser Tage die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg berichtete.3 Das ist sehr ärgerlich und zudem ein gefundenes Fressen für die Provisionslobby deutscher Banken. Fakt ist und bleibt aber dennoch, dass die Chancen, eine Beratung auf Augenhöhe zu erleben, passende Produkte angeboten zu bekommen und einen maximalen Anlageerfolg durch niedrige Kosten einzufahren, bei der unabhängigen Beratung ungleich viel höher sind als in provisionsfinanzierten Bankbetrieben. Seit 15 Jahren beraten wir unsere Kundinnen und Kunden unabhängig, wir haben keine hauseigenen Produkte, sondern können die besten Produkte am Markt für sie aussuchen. Damit entfällt der in anderen Häusern gängige und den Alltag bestimmende Vertriebsdruck, Produkte an den Mann oder die Frau zu bringen, die oft nicht zum Kunden, zum Rendite-Risiko-Profil oder zur Anlagedauer passen. Anfangs wurden die Bank und ich dafür oft belächelt, die Unkenrufe der provisionsfinanzierten Branche waren laut. Das kann nicht funktionieren, war man sich einig. Wir hatten uns mehr Rückenwind von der Politik erhofft, im Interesse aller Anleger in Deutschland. Mal sehen, ob er jetzt kommt, sollten die Grünen eine Regierungspartei werden. Ich würde mich freuen, aber ich weiß, dass wir unseren Weg auch ohne politischen Rückenwind erfolgreich weitergehen, weil wir Kunden haben, die den Nutzen der unabhängigen Beratung kennen und schätzen. Vielen Dank für Ihr Vertrauen. 1 Quelle: https://cms.gruene.de/uploads/documents/2021_Wahlprogrammentwurf.pdf 2 Quelle: https://www.vzbv.de/sites/default/files/downloads/2019/01/09/europaeische_provisionsverbote_und_deutsche_fehldarstellungen.pdf 3 Quelle: https://www.verbraucherzentrale-bawue.de/aktuelle-meldungen/geld-versicherungen/sparen-und-anlegen/widerrufsrecht-rettet-verbraucher-vor-21000-euro-rechnung-58852

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Schmidts Tagebuch

Der Glücks- und

Erfolgsbeschleuniger 30. April 2021

Vermissen Sie es auch, das gesellige Zusammensitzen – im Restaurant, bei Kunst- und Kulturveranstaltungen, beim Stammtisch, im RotarierClub, nach erfolgreichem Spiel, Satz und Sieg beim Feierabendbier im Tennisverein? Mir fehlt das sehr, diese physischen Zusammentreffen mit Familie, Freunden, aber auch mit mir bis dahin unbekannten Menschen – auf Kunden- und Interessentenveranstaltungen, auf Netzwerk-Abenden. Um diese physischen Zusammentreffen – spontaner Natur genauso wie geplanter – ein Stück weit zu kompensieren, lassen sich soziale Medien nutzen. Sie verlängern die Netzwerkidee der momentan kaum möglichen Präsenzveranstaltungen und übertragen sie ein Stück weit in die digitale Welt. Hier ist Austausch, Interaktion, Teilhabe, Gemeinschaft möglich – anders als in der analogen Welt, aber sie ist möglich.

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Quirin Quartalsbuch | 2. Quartal 2021

Und die digitalen Netzwerke erfreuen sich immer größerer Beliebtheit – nicht erst seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie, aber diese hat sicher zur weiteren Etablierung sozialer Netze beigetragen und diese verfestigt. Doch wieso tummeln sich Menschen überhaupt in sozialen Netzwerken, wieso haben sie das auch früher schon getan und weshalb werden sie es auch in Zukunft weiterhin tun – egal ob analog, digital oder in beiden Welten? Und das, liebe Leserinnen und Leser, ist eine ziemlich spannende Frage. Denn hier wirken uralte menschliche Grundbedürfnisse, haben Sie das gewusst? Was auf den ersten Blick so profan und oberflächlich wirkt – oft wird der Vorwurf laut, in den digitalen sozialen Netzwerken sind doch nur Selbstdarsteller und Egomanen unterwegs –, ist auf den zweiten Blick ein hochgradig spannendes Thema. Grundsätzlich kann man sechs Nutzungsformen sozialer Netzwerke unterscheiden. Die analoge Form, die Offline-Netzwerke sozusagen, hat es immer schon gegeben. Sich in Gruppen zusammenzutun, Ideen, Erfahrungen und Wissen auszutauschen, Empfehlungen zu geben und zu erhalten, Allianzen zu schmieden – das alles hat zur Weiterentwicklung des Menschen beigetragen. Daneben haben sich in den letzten 20 bis 30 Jahren viele Online-Medien entwickelt und etabliert, besser bekannt als soziale Netzwerke oder auch Social Media. Bitte springen Sie nicht gleich ab, das wird jetzt kein Ausflug zu Facebook oder TikTok, versprochen. Sowohl die digitalen als auch die analogen Netzwerke werden meist entweder privat oder im beruflichen Kontext genutzt, aber es gibt auch Mischformen.

Soziale Netzwerke gab es (offline) schon immer Sechs stark vereinfachte Typen von sozialen Netzwerken aus Nutzersicht online

Instagram YouTube facebook TikTok

HOUZZ

Rotary

offline

Golfclub Fußballverein

Privat

Studentenverbindung

Mischform

Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

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LinkedIn XING

Alumni-Treff Job-Messe PR-Stammtisch Business-Angel

Business


Schmidts Tagebuch

Der Glücks- und Erfolgsbeschleuniger

Die Bedürfnisse, die hinter der Nutzung sozialer Medien stehen – und das gilt für analoge wie digitale Netzwerke, für private wie berufliche Nutzung gleichermaßen –, sind so alt wie die Menschheit selbst. Bereits vor über 50 Jahren hat der US-Psychologe Abraham Harold Maslow untersucht, was Menschen motiviert und antreibt. Neben lebenserhaltenden Grundbedürfnissen wie Essen und Schlafen hat er fünf psychische Grundbedürfnisse definiert. Ein Teil davon spielt beim Netzwerken eine erhebliche Rolle, wie ich Ihnen gerne zeigen möchte.

Soziale Netzwerke erfüllen wichtige menschliche Grundbedürfnisse Bedürfnispyramide nach dem US-amerikanischen Psychologen Abraham Maslow Erfüllung u.a. auch in sozialen Netzwerken Selbstverwirklichung

Wachstumsbedürfnisse

Ich-Motive

Defizitbedürfnisse

Individualität | Lebenszweck Talententfaltung Anerkennung | Status Achtung | Macht

Soziale Motive

Kontakt | Liebe Gruppenzugehörigkeit

Sicherheitsbedürfnisse

Schutz | Vorsorge Angstfreiheit

Psychologische Bedürfnisse

Hunger | Durst Atmen

Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Eines der stärksten Motive ist der Wunsch nach sozialer Zugehörigkeit – es ist ein uraltes menschliches Grundbedürfnis. Denn in Gruppen ist der Mensch schon immer am erfolgreichsten gewesen, deshalb hat er stets einen heftigen inneren Drang, einer Gruppe anzugehören. Socialising ist also eine Überlebensstrategie – und diese soziale Dynamik wird übertragen auf Medienplattformen wie soziale Netzwerke. Dabei definieren Menschen sich im Verhältnis zu anderen. In Netzwerken – online wie offline – trifft man auf Gleichgesinnte. Das erfüllt unser Bedürfnis nach Nähe und Kommunikation. Durch Likes und Kommentare – oder in den Begrifflichkeiten der analogen Welt gesprochen: durch Kommunikation und Interaktion – wird das Belohnungssystem im Gehirn angesprochen. Und das macht uns glücklich. Neben dem Wunsch nach Zugehörigkeit spielt auch der Aspekt der Selbstverwirklichung eine große Rolle. Gerade dieses Bedürfnis können soziale Medien im Internet relativ schnell und einfach befriedigen. So kann jeder, der mag, sich an allen möglichen Konversationen beteiligen, diese kom-

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Quirin Quartalsbuch | 2. Quartal 2021

mentieren, eigene Beiträge, Videos, Fotos oder Grafiken erstellen und mit dem entsprechenden Publikum teilen. Und so ein Bild von sich selbst zeichnen. Hier kann aus Nutzersicht das Bedürfnis nach Anerkennung, Status oder Macht gestillt werden. Zudem sind die allermeisten Netzwerke demokratisch. Es gibt zwar Ausnahmen, die genau davon leben, eine künstliche Exklusivität herzustellen und damit Begehrlichkeiten zu wecken, das ist aber eher in der analogen Welt der Studienverbindungen, Eliteunis oder Wirtschaftsclubs der Fall. Die digitalen sozialen Medien sind hier meist deutlich liberaler – jeder kann mitmachen, jeder kann Konsument und Produzent zugleich sein. Damit fällt ein Stück weit die Deutungshoheit der klassischen Medien weg – sie verlieren immer öfter ihre Funktion als Gatekeeper, da Informationen sich im Internet und in den sozialen Medien schneller und oft ungefiltert verbreiten – mit allen Vor- und Nachteilen, die dieser Prozess hat.

Mit jedem weiteren Kontakt potenziert sich die Kraft Ihres Netzwerkes! Netzwerk aus 5 × 5 Kontakten Netzwerk aus 10 × 10 Kontakten

Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Nutzen Sie die Power eines großen Netzwerkes! ‚Das ist ja alles gut und schön, aber wo ist denn der Nutzen?‘, denken Sie jetzt vielleicht. Suchen Sie gerade einen Architekten, einen Steuerberater oder einen neuen Hausarzt? Oder einen neuen Geschäftspartner, einen Unternehmensnachfolger oder frische Geschäftsideen? Oder möglicherweise einen Fitnesstrainer, einen neuen Tennispartner o. Ä.? Bei jedem dieser Anliegen kommen Sie deutlich schneller zum Ziel, wenn Sie ein gutes und großes Netzwerk haben. Nehmen wir mal mich, beispielsweise. Ich habe auf der Business-Plattform LinkedIn rund 5.300 Kontakte und Follower.

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Schmidts Tagebuch

Der Glücks- und Erfolgsbeschleuniger

Wenn jeder dieser Kontakte ebenfalls 5.300 andere Kontakte hätte, stünde mir über meine Kontakte ersten Grades ein Netzwerk von etwa 28.000.000 Menschen zur Verfügung – achtundzwanzig Millionen, das ist enorm. Wo hat man als Privatperson oder Unternehmer Zugang zu so einer großen Community – und das kostenfrei? Einer der spannendsten Kontakte, die ich bei LinkedIn kennengelernt habe, ist Andreas Franik. Ich hatte ihn schon mehrere Jahre als Moderator im Finanzbereich auf dem Schirm und mit Interesse verfolgt – und wie sich rausgestellt hat, war es andersherum genauso. Er hat mich dann kontaktiert – und seit über einem Jahr produzieren wir gemeinsam überaus erfolgreich meinen Podcast „klug anlegen“. Und auch der eine oder andere Top-Berater hat so seine Karriere in der Bank gestartet.

Netzwerke sind für mich Glücks- und Erfolgsbeschleuniger Soziale Netze befriedigen also einerseits tief in uns verborgene psychologische Bedürfnisse – egal ob wir sie digital oder analog nutzen. Und andererseits bringen sie eine Reihe von konkreten Nutzen mit sich, vor allem sind sie eben auch der Ersatz für wegfallende physische Netzwerkveranstaltungen. Wir schlagen also mehrere Fliegen mit einer Klappe. Für mich persönlich sind Netzwerke – online wie offline gleichermaßen – der am stärksten unterschätzte Glücks- und Erfolgsbeschleuniger. Ich kann Probleme schneller lösen, komme schneller zum Ziel, kann Hilfe in Anspruch nehmen, aber auch anbieten. Wichtig ist, dass ein gutes Netzwerk kein Selbstläufer ist. Es bedarf der Pflege und Arbeit. Das gilt in der digitalen Welt genauso wie in unserer physischen Welt. Zudem ist es wichtig, nicht nur im eigenen Saft zu schmoren, also nicht nur die eigenen Kollegen ins Netzwerk einzuladen, sondern sich viel breiter aufzustellen, beispielsweise indem man verschiedenen Gruppen folgt, sich an Diskussionen beteiligt, oder Menschen

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folgt, die einen inspirieren. Genau wie wir das mit den Portfolios unserer Kunden tun – wer breit diversifiziert, hat mehr davon. Zudem ist eine gewisse Portion Neugierde eine Grundvoraussetzung für erfolgreiches Netzwerken. Kinder haben diese Eigenschaften von Natur aus, uns Erwachsenen gehen sie meist ein Stück weit verloren. Gerade beim Netzwerken ist Aufgeschlossenheit aber wichtig. Liebe Leserinnen und Leser, welche Netzwerke – online wie offline – nutzen Sie? Was liegt Ihnen mehr – die analoge Welt mit physischen Netzwerktreffen oder die digitale Welt? Wenn Sie Lust haben, freue ich mich, wenn Sie mir auf LinkedIn folgen. Das ist das soziale Netzwerk, welches ich am stärksten nutze – hier finde ich viel Inspiration und habe schon eine Reihe toller Kontakte geknüpft. Vielleicht trifft das ja auch auf Sie zu und Sie finden neue spannende Informationen, Inspiration, Austausch oder Kontakte, die Ihre persönliche Welt bereichern? Lassen Sie uns dort vernetzen mit der Zuversicht, dass wir trotzdem bald auch wieder in den Genuss des physischen Netzwerkens kommen. Wenn Sie kein Fan der digitalen Welt sind, dann hoffe ich, dass wir uns, sobald es möglich ist, auf einer analogen Veranstaltung, die wir regelmäßig in unseren 13 Niederlassungen bundesweit für Kunden und Interessenten durchführen, persönlich vernetzen können. Ich freue mich darauf! Eine Übersicht aller Veranstaltungen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier: www.quirinprivatbank.de/veranstaltungen.

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Demokratisierung der Geldanlage – jeder kann

gut anlegen 12. Mai 2021

Wenn ich im Jahr 2000 zur Geburt meines ältesten Sohnes 20.000 Euro für ihn breit gestreut am internationalen Aktienmarkt angelegt hätte, könnte er sich aller Voraussicht nach zu seinem 50. Geburtstag über mehr als eine Million Euro freuen. Ohne weiteres Zutun meinerseits, wohlgemerkt. Allein dank des Wachstums der Kapitalmärkte werden aus 20.000 Euro mehr als eine Million Euro, wenn man sie nur lange genug wachsen lässt. Wahnsinn, finden Sie nicht auch?

Mit 20.000 Euro zum Millionär Wertzuwachs einer Einmalanlage von 20.000 Euro über 50 Jahre bei einer angenommenen Nettorendite von 6,8 Prozent per anno (Simulationsrechnung)

>1.000.000 €

1.000.000 € 800.000 € 600.000 € 400.000 € Investition: 20.000 €

200.000 € 0€ 0

10

20

30

40

50

Jahre Schematische Darstellung auf Basis einer stochastischen Simulationsrechnung mit einer durchschnittlichen Renditeerwartung von 7,3 % bei einer Volatilität von 21,5 %. Abzüglich Kosten (0,5 %) ergibt sich eine angenommene Nettorendite von 6,8 %. Im Erwartungswert ergibt sich bei den angegebenen Parametern über den dargestellten Zeitraum ein Endwert von über Schematische auf Basis einer stochastischen Simulationsrechnung mit einer 1 Million Euro.Darstellung Die Wertentwicklung ist – grundsätzlich nicht prognostizierbaren – Schwankungen unterworfen. Es durchschnitthandelt sichRenditeerwartung nicht um die Simulationveiner Anlagestrategie der Volatilität Quirin Privatbank, an Indizes gemessenen Aktienmarktlichen on 7,3 % bei einer von sondern 21,5 %.derAbzüglich Kosten (0,5 %) ergibt entwicklung auf Basis vergangener Daten und stochastischer Simulationen. Die Zahlenangaben beziehen sich auf eine sich simulierte eine angenommene Nettorendite von Wertentwicklung 6,8 %. Im Erwartungswert ergibt sich denErgebnisse. angegebenen frühere Wertentwicklung und die frühere ist kein verlässlicher Indikator für bei künftige Quelle: eigene Darstellung und eigene Berechnung Quirin AGvon über 1 Million Euro. Die Wertentwicklung Parametern über den dargestellten Zeitraum einPrivatbank Endwert ist – grundsätzlich nicht prognostizierbaren – Schwankungen unterworfen. Es handelt sich nicht um die Simulation einer Anlagestrategie der Quirin Privatbank, sondern der an Indizes gemessenen Aktienmarkt- e ntwicklung auf Basis vergangener Daten und stochastischer Simulationen. Die Zahlenangaben beziehen sich auf eine simulierte frühere Wertentwicklung und die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

Quelle: eigene Darstellung und eigene Berechnung Quirin Privatbank AG

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Quirin Quartalsbuch | 2. Quartal 2021

Diese Zahlen zeigen einmal mehr, wie enorm das Wachstumspotenzial an den Kapitalmärkten ist. Leider wissen das noch immer viel zu wenige Menschen. So liegen hierzulande noch immer Milliarden Euro auf Giro-, Tages- oder Sparkonten, wo sie dank Inflation und Minuszins immer weniger werden. Dabei ist es ganz einfach, Geld besser anzulegen. Ich möchte mehr Menschen für eine Aktienanlage begeistern, egal ob sie Normalverdiener sind und sich erst noch ein finanzielles Polster aufbauen wollen oder bereits über ein Vermögen verfügen und dieses mehren wollen. Das ist mein ganz persönlicher Ansporn, meine Motivation, mein Ziel. Wichtig ist dabei, nicht einfach irgendwie in Einzelaktien zu investieren oder irgendeinen beliebigen ETF zu kaufen, sondern sich beraten zu lassen – und zwar möglichst unabhängig. Leider gibt es in Deutschland – außer bei uns im Haus – kaum unabhängige Beratung. Deshalb haben wir die Mindestanlage bei der Quirin Privatbank auf 25.000 Euro reduziert. Damit wollen wir noch mehr Sparer ermutigen, ihr Geld am Kapitalmarkt anzulegen, und ihnen die Angst vor selbigem nehmen. Zudem haben so sofort deutlich mehr Menschen Zugang zu einer unabhängigen Beratung, was wiederum eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Anlage am Kapitalmarkt ist.

Quirin Privatbank senkt Mindestanlage auf 25.000 Euro

100.000 € Mindestanlage bisher

25.000 € Mindestanlage ab sofort

Quelle: Quirin Privatbank AG

Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Manche Banken suggerieren nach außen gerne, dass es gute Geldanlagen nur für wirklich hohe Anlagevolumen gibt, die richtig guten Produkte also den Kunden vorbehalten sind, die einen sechs- oder besser noch einen siebenstelligen Anlagebetrag mitbringen. Das ist aber Quatsch und ergibt aus wissenschaftlicher Sicht auch gar keinen Sinn. Heute kann jeder gut Geld anlegen – unabhängig davon, ob er 1.000 Euro, 100.000 Euro oder 10.000.000 Euro investieren möchte. Eine Zweiklassengesellschaft gibt es vielleicht noch bei der Deutschen Bahn, aber nicht mehr bei der Geldanlage. Allerdings halten einige Privatbanken ihren Kundenkreis mit diesen hohen Mindestanlagesummen bewusst klein und elitär. Ich persönlich halte davon

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Demokratisierung der Geldanlage …

nicht viel. Im Gegenteil: Wir wollen den vorsichtigen Aufschwung in Sachen Aktienkultur, der sich seit letztem Jahr abzeichnet, nutzen und für alle Anleger da sein, die sich vielleicht zum ersten Mal an die Börse wagen, aber natürlich auch für alle, die schon länger am Kapitalmarkt investieren.

Gut anlegen: einfach und für alle möglich Gut anlegen funktioniert für alle Vermögensklassen nach demselben Prinzip und basiert im Wesentlichen auf drei Faktoren: breite Streuung in die weltweiten Märkte, Verzicht auf Prognosen und Einsatz kostengünstiger Anlageinstrumente wie ETFs. Das Wissen darum ermöglicht heute eine gute Anlage für alle. Vor zwanzig Jahren sah das noch anders aus – da gab es beispielsweise noch keine kostengünstigen ETFs, da mussten Sie noch überteuerte aktive Fonds oder Einzelaktien kaufen, wenn Sie an den Renditechancen der weltweiten Kapitalmärkte partizipieren wollten.

Gut anlegen ist für alle Vermögensklassen einfach möglich Erfolgsfaktoren einer renditeorientierten Geldanlage

breite Streuung weltweit

Verzicht auf Prognosen

kostengünstige Anlageinstrumente (ETF)

Quelle: Quirin Privatbank AG

Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

„Das muss doch besser gehen!“ Das heißt, in den letzten Jahren ist etwas gelungen, was mich persönlich schon lange umtreibt: die Demokratisierung der Geldanlage. Ich war schon immer ein Fan der Idee des ehrbaren Kaufmannes, der zusammen mit seinem Kunden, aber nicht gegen ihn Geld verdienen möchte. Parallel trieb mich seit meinem Studium immer der Gedanke an: „Das muss aus Anlegersicht doch anders, das muss doch besser gehen!“

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Demokratisierung waschkörbeweise Los ging es damit, dass mich im BWL-Studium der Aktienhandel faszinierte. Gleichzeitig war ich genervt, wie umständlich und langsam das damals funktionierte. Daher steckten ein paar Kommilitonen und ich die Köpfe zusammen – heraus kam Consors, damals als Consors Discount Broker, einer der ersten Onlinebroker in Deutschland. Das war eine wirklich verrückte Zeit. Wir erhielten waschkörbeweise Depoteröffnungsanträge, kamen kaum hinterher und wuchsen in rasantem Tempo. Dass ich Consors später dann aufgrund der Schieflage des Mutterinstituts SchmidtBank verkaufen musste, hat mich tief getroffen. Doch als Unternehmer gehören eben auch Rückschläge dazu. Das Thema Demokratisierung der Geldanlage ließ mich trotzdem nicht los. Oft wurde ich von Freunden gefragt, welche Bank ich empfehlen könnte. Die Antwort war immer dieselbe: keine. Alle waren provisionsfinanziert. Die Gier nach immer mehr und höheren Provisionseinnahmen ließ eine ganze Branche auf den Hund kommen. Der Kunde war nur noch die Kuh, die gemolken werden musste. Immer öfter kam es zu Falschberatungen durch den Verkauf von unpassenden und überteuerten Produkten. Und in der Folge zu enttäuschten Kunden. Zu dieser Zeit reifte eine neue Idee in mir – eine von Provisionen unabhängige Beratung, wie sie in den USA schon länger praktiziert wurde, musste doch auch in Deutschland umsetzbar sein. Die Idee zur Quirin Privatbank war geboren, 2006 wurde sie gegründet.

Demokratisierung der Geldanlage made by Karl Matthäus Schmidt

Gründung Consors

1994

vereinfachter Aktienhandel

Gründung Quirin Privatbank

2006

erste unabhängige Anlageberatung

Start quirion

2013

erste digitale Vermögensverwaltung

Start hybrides Modell

2020

alles aus einer Hand

Senkung Mindestanlage Quirin Privatbank

2021

mehr Menschen am Kapitalmarkt

Quelle: Quirin Privatbank AG

Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

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Demokratisierung der Geldanlage …

2013 übertrugen wir das provisionsfreie Modell der Vermögensanlage der Quirin Privatbank in die digitale Welt und gründeten quirion. Die digitale Geldanlage bietet Anlegern einen Zugang zu einer professionellen Vermögensanlage, die in dieser Qualität bis dato nur sechsstelligen Vermögen vorbehalten war – und das ab 500 Euro einmaliger Anlage oder ab 30 Euro monatlicher Sparrate. quirion ist damit einerseits die digitale Verlängerung unserer Vermögensverwaltung und unserer provisionsfreien Beratung, aber auch die Öffnung für andere Vermögensklassen. Zudem haben wir beide Marken eng verzahnt – allein der Kunde entscheidet, in welcher Welt er unterwegs sein möchte – in der digitalen Welt von quirion, in der persönlichen Welt der Quirin Privatbank oder in beiden Welten zugleich.

Fit für den Kapitalmarkt Doch damit nicht genug: Um unserer Vision – mehr Menschen an den Kapitalmärkten – noch näher zu kommen und um die weit verbreiteten Vorbehalte gegen die Aktienmärkte abzubauen, bieten wir allen Neukundinnen und Neukunden neben der dauerhaft gesenkten Mindestanlagesumme in der Quirin Privatbank auch ein dreiteiliges Börsen-Coaching an. Wir sitzen nicht auf unserem Fachwissen und behalten es für uns, wie viele andere Häuser das tun, um die Kunden in gewisser Weise von der Beraterin bzw. vom Berater abhängig zu machen. Nein, wir wollen alle Anlegerinnen und Anleger fit für den Kapitalmarkt machen. Mein Kollege Arndt Kussmann, Leiter Portfoliokonzepte, macht dabei die Funktionsweisen der Märkte transparent, beleuchtet die wichtigsten Anlageklassen und gibt konkrete Tipps für die Geldanlage am Kapitalmarkt.

Ausblick: einfach, einfacher, am einfachsten Was wird über die Demokratisierung der Geldanlage hinaus in Zukunft wichtig sein? Die bedingungslose Orientierung am Kundenbedarf. Und der spricht eine klare Sprache: Der Konsum und die Inanspruchnahme von Dienstleistungen muss heute vor allem eines sein: einfach. Immer mehr Unternehmen erkennen das und bedienen die Kundenbedürfnisse entsprechend: kontaktloses Bezahlen mit dem Smartphone, Onlineshopping à la Amazon, Buchung eines E-Scooters via App etc. Auch wir haben hier noch Luft nach oben und arbeiten an entsprechenden Features für unsere Kundinnen und Kunden. Und diese Einfachheit gilt mehr denn je auch für die Finanzbranche. Vermeintlich exquisite und komplexe Produktkonstruktionen für besonders gute Kunden, meist verbunden mit höheren Anlagerisiken und unnötig überzogenen Kostenstrukturen, braucht heute niemand mehr. Sie werden dank einer immer stärkeren Transparenz und Verbraucheraufklärung zum aussterbenden Dinosaurier – und das ist gut so.

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Auch wenn von einigen Banken und Finanzdienstleistern genau das Gegenteil suggeriert wird: Es war noch nie so einfach wie heute, Geld gut anzulegen und Vermögen aufzubauen, denn in den letzten Jahren hat sich eine echte Demokratisierung der Geldanlage vollzogen. Sie brauchen heute nicht erst ein Vermögen, um es gut anlegen zu können. Das müssen aber noch viel mehr Menschen erfahren – und deswegen mache ich mich jetzt wieder an die Arbeit.

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Private Altersvorsorge: mit Garantien garantiert

weniger 28. Mai 2021

Sie haben es sicher gelesen: Der Höchstrechnungszins befindet sich im freien Fall und sinkt im kommenden Jahr erneut. Doch was besagt diese Zahl? Sie gibt den Zins an, den Versicherer ihren Kunden pro Jahr über die gesamte Laufzeit von kapitalbildenden Versicherungsverträgen garantieren müssen. Im Jahr 2000 lag dieser wohlgemerkt noch bei stattlichen 4 Prozent, seit 2017 beträgt er 0,9 Prozent und selbst dieser geringe Garantiezins ist nun nicht mehr haltbar und muss ab 2022 bei Neuverträgen auf 0,25 Prozent abgesenkt werden.

Quellen: GDV, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

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Damit werden Versicherungen für die kapitalbildende Altersvorsorge mehr und mehr zum Auslaufmodell. Denn wenn Versicherungen nur noch mit einem Zins von 0,25 Prozent kalkulieren dürfen, ist es schwer, diesen zu garantieren und zugleich ihre Kosten zu decken, die schon mal bis zu 10 Prozent der eingezahlten Beiträge ausmachen können. Zudem führt die Kapitalgarantie dazu, dass die Versicherungsanbieter nahezu kein Kapital mehr mit Renditechancen anlegen können. Genau das – renditestarke Anlagen wie Aktien – wäre aber wichtig, um attraktiv für Anleger zu sein. Es ist den Versicherern jedoch untersagt, ein Teufelskreis. Am Ende können Anleger froh sein, wenn der Versicherer sein Mindestverzinsungs-Versprechen halten kann. Unter dem Druck, auch die Altverträge mit den hohen Garantiezinsen zu bedienen, ist es nicht verwunderlich, dass manche Versicherer schon in Solvenzprobleme geraten sind. Selbst eigene Vertreter der Versicherungsbranche warnen zum Teil schon vor verstärkten Pleiten in diesem Sektor.

Gesetzliche Rente reicht nicht – private Vorsorge ist ein Muss Das ist harter Tobak. Aber ist die private Altersvorsorge damit am Ende? Nein, Altersvorsorge und Ruhestandsplanung sind aufgrund der demographischen Entwicklung wichtiger denn je. Die zukünftigen Rentner werden aus der gesetzlichen Rentenversicherung kaum noch eine ausreichende Versorgung erhalten – das ist leider so sicher wie das Amen in der Kirche und ergibt sich rein rechnerisch. Denn wenn eine Gesellschaft immer älter wird und gleichzeitig die Standards wie Renteneintrittsalter usw. gehalten werden sollen, sinkt die gesetzliche Rente automatisch. Die Rentenlücke, also die Kluft zwischen dem letzten Nettoarbeitsverdienst und der gesetzlichen Rente, wird in Zukunft wahrscheinlich noch größer, wenn nicht noch mehr Steuergelder in das System gepumpt werden als heute ohnehin schon. Wer also im wohlverdienten Ruhestand den Gürtel nicht enger schnallen möchte, der muss privat vorsorgen.

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Private Altersvorsorge …

Die Ansparphase ist enorm wichtig Doch wie kann ich am besten vorsorgen? Wichtig ist bei dieser Frage zunächst die Unterscheidung in zwei Phasen der Altersvorsorgeplanung: die Anspar- und die Entnahmephase. Der Ansparphase kommt dabei eine ganz besonders wichtige Rolle zu – sie entscheidet darüber, wie viel Vermögen ich aufbaue, bis ich in Rente gehe. Und das ist wichtig, denn Fakt ist: Wer im Alter gut leben will, braucht ein kleines Vermögen. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei heute geborenen Kindern bei etwa 81 Jahren, der Rentenbeginn bei aktuell 67 Jahren. Bleiben Renteneintrittsalter und Lebenserwartung so, muss ich für durchschnittlich 14 Jahre zusätzliches Kapital ansparen, um meine gesetzliche Rente aufzustocken. Wenn ich meine gesetzliche Rente beispielsweise mit 2.000 Euro pro Monat aufstocken möchte, kommen in 14 Jahren stattliche 336.000 Euro zusammen. Und die muss ich erst einmal zusammensparen.

Private Rentenversicherungen nach wie vor sehr beliebt Ein beliebtes Instrument, um dieses Ziel zu erreichen, sind private Rentenoder Lebensversicherungen. Sie rangieren bei der idealen Altersvorsorge zusammen mit Immobilien und der staatlichen sowie der betrieblichen Rente weit vorn. Mehr als zwei Drittel der Deutschen sehen die private Lebensund Rentenversicherung als eine ideale Form der Altersvorsorge an.1 Bemerkenswert ist auch, dass dieser Wert von 2014 bis 2019 stark gestiegen ist.

Quellen: Deutsche Rentenversicherung, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

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Doch wie geeignet sind diese Altersvorsorgelieblinge tatsächlich? Schauen wir uns dafür die beiden Phasen der Altersvorsorge einfach mal genauer an.

Versicherungen taugen nicht für die Ansparphase In der Ansparphase kommt es darauf an, das Geld renditeorientiert anzulegen, damit sich die eingezahlten Beiträge möglichst stark vermehren. Das können Versicherungen nicht leisten, das konnten sie noch nie und können sie heute weniger denn je. Deshalb sind Aktienanlagen allein wegen ihres Renditepotenzials in der Ansparphase ein Muss, Versicherungen haben da nichts verloren – sie sind schlichtweg zu teuer, zu unflexibel und vor allem zu unrentabel.

Quellen: Deutsche Rentenversicherung, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG Schematische Darstellung auf Basis einer stochastischen Simulationsrechnung mit einer durchschnittlichen Renditeerwartung von 7,3 % bei einer Volatilität von 21,5 %. Abzüglich Kosten (0,5 %) ergibt sich eine angenommene Nettorendite von 6,8 %. Im Erwartungswert ergibt sich bei den angegebenen Parametern über den dargestellten Zeitraum von 30 Jahren ein Endwert von etwa 732.000 Euro. Die Wertentwicklung ist – grundsätzlich nicht prognostizierbaren – Schwankungen unterworfen. Es handelt sich nicht um die Simulation einer Anlagestrategie der Quirin Privatbank, sondern der an Indizes gemessenen Aktienmarktentwicklung auf Basis historischer Daten und stochastischer Simulationen. Derartige Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Weiterentwicklung.

Eine Beispielrechnung zeigt, warum Versicherungen für die Kapitalbildung nicht geeignet sind. Spare ich als Anleger über 30 Jahre monatlich 500 Euro mit einem Zinssatz von 0,9 Prozent – dem aktuellen Höchstrechnungszins der Versicherungen –, komme ich auf einen Endbetrag von 207.000 Euro.

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Private Altersvorsorge …

Kalkuliert mit dem zukünftigen Höchstrechnungszins von 0,25 Prozent, wird aus wenig noch weniger – das Guthaben liegt dann noch bei 187.000 Euro. Ein Problem, das sich hier besonders zeigt: Es gibt quasi keinen Zinseszinseffekt mehr – und das macht sich vor allem bei langer Anlagedauer deutlich negativ bemerkbar. Zahle ich die 500 Euro stattdessen in eine breit gestreute Kapitalmarktanlage ein, dann komme ich nach 30 Jahren etwa auf ein Endvermögen von 732.000 Euro (Erwartungswert). Natürlich gibt es keine Garantie auf dieses Endvermögen – aber ist diese Garantie wirklich mehr als 500.000 Euro wert? Ich finde, nicht. Denn selbst bei einem extrem unwahrscheinlichen Szenario, beispielsweise einem 50 %-Crash einen Tag vor der geplanten Auflösung der Anlage, bliebe mit über 360.000 Euro immer noch ein deutlich größeres Vermögen als mit garantiertem Minizins.

In der Entnahmephase können Versicherungen sinnvoll sein In der Entnahmephase unterscheide ich zwischen zwei Lebenssituationen: In meinem ersten Szenario ist der Ruheständler auf garantierte Zahlungen bis ans Lebensende angewiesen. Diese müssen also zu 100 Prozent sicher und planbar sein. In diesem Fall – und nur in diesem Fall – kann eine Versicherung sinnvoll sein. Der Anleger würde das angesparte Kapital für eine Sofortrente in eine Versicherung einzahlen. Eine nennenswerte Verzinsung gibt es dann in der Rentenphase zwar nicht mehr, aber dafür eben eine lebenslange Rentengarantie. Und damit bin ich auch schon in der zweiten denkbaren Lebenssituation: Bei ausreichend großem Vermögen ist vermutlich gar keine 100-prozentige Planungssicherheit nötig. In diesem Fall sollten auch in der Auszahlphase die Chancen der Kapitalmärkte genutzt werden. Warum? Die Auszahlphase ist mit 15, 20 oder noch mehr Jahren einfach viel zu lang, um auf die Chancen zu verzichten. Allerdings gilt es, die Aktienquote mit zunehmendem Alter zu verringern und so das Risiko zu reduzieren. Eine unabhängige Beratung hilft herauszufinden, welche der beschriebenen Optionen für die persönliche Situation die am besten passende ist.

Altersvorsorge trotz sinkender Garantiezinsen so einfach wie nie Ich wäre nicht der, der ich heute bin, wenn ich ein Fan von Versicherungen wäre – sie haben ihre Berechtigung, sind aber in Sachen Vermögensaufbau und Altersvorsorge zu unflexibel, völlig überteuert und bringen kaum Rendite. Es gibt bessere Wege, um rentierlich so viel Vermögen wie möglich für den eigenen Ruhestand aufzubauen: Aktienanlagen. So konnte man beispielsweise mit einem breit diversifizierten globalen Aktienportfolio wie dem MSCI World von 2004 bis Ende 2019 eine durchschnittliche Jahres-

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rendite von 7,9 Prozent erzielen. Im Vergleich dazu ist die laufende Verzinsung der klassischen Lebens- und Rentenversicherung in den vergangenen Jahren stetig gesunken und lag 2019 nur noch bei 2,46 Prozent.

Durchschnittliche Jahresrendite im Vergleich seit 2004 AKTIENPORTFOLIO

VERSICHERUNGEN

Global aufgestellt und breit diversifiziert

Klassische Lebens- und Rentenversicherungen

vs 7,9 %

2,46 %

Quellen: https://i1.wp.com/www.dividendenadel.de/wp-content/uploads/2019/02/DividendenAdel-MSCI-World-Renditedreieck-2020-Einmalanlage.jpg, https://www.assekurata.de/fileadmin/mediendatenbank/Dokumente/Presse/Pressemitteilungen/2019/Ueberschussbeteiligung/ Quellen: Assekurata_PM_Studie_Ueberschussbeteiligung_Garantien_2019.pdf, eigene Darstellung. https://i1.wp.com/www.dividendenadel.de/wp-content/uploads/2019/02/DividendenAdel-MSCI-WorldDiese Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Renditedreieck-2020-Einmalanlage.jpg, https://www.assekurata.de/fileadmin/mediendatenbank/ Stand: Januar 2020

Dokumente/Presse/Pressemitteilungen/2019/Ueberschussbeteiligung/ A ssekurata_PM_Studie_Ueberschussbeteiligung_Garantien_2019.pdf. Diese Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Eigene Darstellung der Quirin Privatbank AG Stand: Januar 2020.

Die erneute Absenkung des Höchstrechnungszinses macht die Lage nicht besser, im Gegenteil. Mit dem Absinken des garantierten Zinses sinkt die Attraktivität der klassischen Rentenversicherung noch weiter und die Vorsorgelücke wächst. Doch das ist kein Grund, Trübsal zu blasen. Eine zielführende private Altersvorsorge ist heute einfacher denn je – mit einer langfristigen Anlage an den weltweiten Kapitalmärkten. So kann – flexibel, günstig und rentabel – ausreichend Vermögen für einen sorgenfreien Ruhestand aufgebaut werden. Wer mehr Risikobereitschaft zeigt, kann mit einer guten Mischung aus verschiedenen Vorsorgeprodukten mehr erreichen. Nicht ohne Grund fordern Verbraucherschützer und Finanzexperten schon seit Jahren dazu auf, die Altersvorsorge endlich mit Aktien zukunftsfest zu machen. Und ich kann mich dem nur anschließen: Aktien sind heute eine der letzten Möglichkeiten, mit einer Geldanlage wirklich Vermögen aufzubauen. Damit Ihre Ruhestandsplanung aber tatsächlich ein auskömmliches Alterseinkommen sicherstellt, reicht es nicht, lediglich verstärkt auf Aktien zu setzen. Vielmehr sollten bei der konkreten Konstruktion von Altersvorsorgedepots wissenschaftlich fundierte Qualitätsaspekte beachtet werden. Genau das ist unsere Mission. 1 Quelle: BEVÖLKERUNGSBEFRAGUNG der Deutsche Rentenversicherung Bund, 11. Juli 2019

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Das Märchen von Altersarmut, Spar-Ministern und dem

bösen Aktionär 11. Juni 2021

Seit rund 30 Jahren bin ich jetzt in Sachen Aktien und Geldanlage unterwegs. Bei allen Veränderungen, die ich auf meinem Weg erlebt und selber mitgemacht habe, gibt es aber zwei Dinge, die sich nicht oder nur wenig verändert haben: erstens die Tatsache, dass mit Aktien langfristig eine gute Rendite erzielt werden kann. Ich habe den Zusammenbruch des Neuen Marktes ab dem Jahr 2000 erlebt, die Finanzkrise 2007 und natürlich den Corona-Crash im vergangenen Jahr. Und trotz dieser Rückschläge beweisen alle Statistiken und auch der Blick in unsere Portfolios: An Aktien führt für den Vermögensaufbau kein Weg vorbei. Für Sie mag das vielleicht langweilig klingen, auch weil ich es an dieser Stelle mantramäßig wiederhole. Warum ich das mache? Das hängt unmittelbar mit der zweiten „Konstante“ der letzten 30 Jahre zusammen: der anhaltend niedrigen Aktionärsquote in Deutschland. Ja, ich weiß, im vergangenen Jahr ist die Zahl auf gut 12 Mio. Aktionäre und Fondsbesitzer gestiegen und liegt damit so hoch wie seit 2001 nicht mehr.

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Kein Aktionärs-Boom in den letzten 20 Jahren in Deutschland Anlegerinnen und Anleger in Aktien und Fonds/ETFs (in Millionen) 14 12,9

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12,4 11,5 11,1

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10,5 10,8 10,3 10,3 9,3

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5,8 5,2 4,7 4,6

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4,6 4,6

5,5

2,3 2,1 2,1 1,9 2,0 1,7 1,7 1,5 1,7 2,0 2,0 1,6 1,9 1,7 1,7 1,4 1,4 1,3 1,5

2 3,1 2,9 3,0 2,7 2,4 2,4 2,4 2,2 2,2 2,3 2,4 2,9 2,8 2,5 2,9 2,6 2,9 2,5 2,6 3,0

03 20 04 20 05 20 06 20 07 20 08 20 09 20 10 20 11 20 12 20 13 20 14 20 15 20 16 20 17 20 18 20 19 20 20

02

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20

20

01

0

nur Aktien

Aktien und Fonds/ETFs

nur Fonds/ETFs

Quellen: Deutsches Aktieninstitut e. V., eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Quellen: Deutsches Aktieninstitut e. V., eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Die Entwicklung in 2020 freut mich natürlich, aber bei 12 Mio. von 83 Mio. ist noch viel Luft nach oben – insbesondere im internationalen Vergleich. Und es ändert eben auch nichts daran, dass wir in den letzten 20 Jahren, anders als an den Aktienmärkten, keine deutliche Steigerung erlebt haben. Zur Einordnung: Der Dax ist seit Ende 2001 um knapp 200 Prozent gestiegen (inklusive Dividenden), der amerikanische Dow Jones Index ohne Dividenden um 240 Prozent und der MSCI World hat sich ziemlich genau verdreifacht. In der gleichen Zeit sank die Zahl der Aktionäre und Fondsbzw. ETF-Anleger um 500.000. Unglaublich. Aber woran liegt das denn eigentlich, habe ich mich in den letzten Wochen öfter gefragt. Meine kurze Antwort wäre: An einer regelrechten Kapitalmarktfeindlichkeit in Deutschland. Das klingt vielleicht etwas hart, aber ich erläutere gerne, wie ich zu diesem Urteil komme. Unsere Einstellung zu Aktien, anderen Wertpapieren und Geldanlagen wird an verschiedenen Stellen geprägt und beeinflusst. Eigene Erfahrungen, Schule, Familie und natürlich auch Politik und Medien spielen eine große Rolle. Und an vielen dieser Stellen beobachte ich sie, die Kapitalmarktfeindlichkeit. Ein paar Beispiele der jüngeren Vergangenheit: Auf der aktuellen Titelseite des „Spiegel“ sitzen Anleger auf einer Feuerwerksrakete, die mit ihnen unkontrolliert in den Himmel fliegt. Dazu die Überschrift „Im Rausch der Börse“ und in der Online-Version noch ein Hinweis auf die neue Lust der Deutschen am Zocken. So ein Titel schreckt mehr ab und bestätigt Vorurteile, als dass er

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Schmidts Tagebuch

Das Märchen von Altersarmut …

die Aktienkultur fördert. In diesem Fall umso ärgerlicher, weil im eigentlichen Artikel sogar viele richtige und wichtige Hinweise stehen, beispielsweise der Tipp, kostengünstig und breit gestreut in ETFs zu investieren und nicht zu versuchen, den Markt zu timen, also vermeintlich optimale Ein- und Ausstiegszeitpunkte zu finden.

Aber es kommt noch besser: Wie wir aufmerksamen Zeitungsleser mittlerweile wissen, legen sowohl unser Finanz(!)- als auch unser Wirtschafts(!) minister kein Geld in Aktien an. Obwohl ich vermute, dass sie am Ende des Monats zumindest etwas Geld für einen Sparplan übrig haben müssten. Stattdessen setzen beide nach eigener Aussage aufs Sparbuch – und schrumpfen damit Jahr für Jahr ihr Erspartes. Mein Mitleid hält sich in diesem Fall zwar in Grenzen, aber das Signal, das sie senden, ist fatal.

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Fondsanlage ≠ Altersvorsorge? Wirklich? „Schön“ auch die Zusammenfassung eines Gesprächs mit einem jungen SPDLandtagsabgeordneten, der erzählt hatte, monatlich 1250 Euro in verschiedenen Fonds anzusparen. „Die Zeit“ fasste es bei Twitter so zusammen:

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Bijan Kaffenberger, 31, ist Politiker und Mitglied des hessischen Landtags. Privat vorsorgen will er nicht, er investiert lieber in Aktien und eine Fußball-Dauerkarte.

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Ich hatte erst die Vermutung, es sei Satire – war es aber nicht. Andere Politiker machen gerne auch direkt Stimmung gegen die Aktie. Noch krasser wird es in diesem Tweet:

“

„Aktienbasierte Altersvorsorge“ oder „Dein noch schnellerer Weg in die Altersarmut“

verziert und gekrönt mit dem Symbol eines sich die flache Hand vor den Kopf schlagenden Menschen. Absenderin: eine Bundestagsabgeordnete von „Die Linke“. Sie bezog sich dabei auf einen entsprechenden Vorschlag der FDP. Mit ihr würde ich wirklich gerne mal über Altersarmut diskutieren – in der Hoffnung, mir nachher nicht die Hand vor den Kopf schlagen zu müssen. Und zur Krönung wendet sich das Blatt auch gerne mal kurzzeitig, zumindest wenn es in die Geschichte passt: In einer ZDF-Doku über den Wirecard-Skandal waren die Leerverkäufer, die an der Börse an fallenden Kursen verdienen, auf einmal „die Guten“. Eine Gruppe, die in anderen Berichten zum Kapitalmarkt sehr gerne als das personifizierte Böse dargestellt wird. Da fällt mir spontan Pippi Langstrumpf ein: „Ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt.“ Diese Liste ließe sich sicher beliebig fortsetzen, aber die Beispiele zeigen eine negative Grundeinstellung, die ich an vielen Stellen von Medien und Politik beobachte. Wo und wie soll in diesem Umfeld eine Aktienkultur wachsen? Vielleicht in den Schulen? Ob die Schulen kapitalmarktfeindlich sind, weiß ich, ehrlich gesagt, nicht. Ich fürchte eher, dass Aktien und Co. in der Schule einfach kein Thema sind. Meinen einzigen schulischen Kontakt mit Wertpapieren hatte ich während des Börsenspiels der Sparkassen. Das lief, glaube ich, drei Monate. Bei mir ist hängengeblieben, dass das Spiel nur gewinnen konnte, wer sein gesamtes virtuelles Geld in eine einzige Aktie investierte und das Glück hatte, dass genau diese Aktie in den drei Monaten des Spiels stark anstieg. Das ist für die Anlage von echtem Geld völlig falsch. Oft höre ich auch den Vorwurf, es gebe immer noch viele Lehrer, die sehr negativ gegenüber Wertpapieren eingestellt seien. Entweder aus Unkenntnis oder aus ideologischen Gründen. Das kann ich nicht beurteilen und ich hoffe, es ist nur ein Vorurteil. Fest steht für mich aber, dass Schule keine Wissensbasis schafft, mit der Schülerinnen und Schüler dann später ihr selbst verdientes Geld kompetent anlegen können.

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Schmidts Tagebuch

Das Märchen von Altersarmut …

Botschafter gesucht Bleiben also Familie und Freundeskreis. Sollten in Ihrem Umfeld schon alle Menschen Aktien-Fans sein, freut mich das natürlich. Wenn nicht, hätte ich eine Bitte an Sie, liebe Leserinnen und Leser. Werden Sie aktiv und legen Sie ein gutes Wort für die Aktie ein, falls im Familien- oder Freundeskreis (mal wieder) die üblichen Klischees und Vorurteile gegenüber einer Anlage in Wertpapieren bemüht werden. Kleiner Werbeblock: Über eine Empfehlung, diese Wertpapieranlage bei der Quirin Privatbank oder unserer digitalen Tochter quirion zu probieren, würde ich mich natürlich sehr freuen. Dies ist bereits ab einer Anlagesumme von 25.000 bzw. 500 Euro möglich. Aber jetzt zurück zum Thema.

Die 4 typischen Vorurteile gegenüber Aktien, die so nicht stimmen

zu viel Risiko

nur für Reiche

Spielcasino

nur für Profis

Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Quellen: Deutsches Aktieninstitut e. V., eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Erläutern Sie, dass ein aktienbasierter, langfristiger Vermögensaufbau nichts mit skrupellosen Spekulanten und Kryptowährungshasardeuren zu tun hat, sondern mit einer Beteiligung am Wirtschaftswachstum. Eine breit gestreute langfristige Anlage in ein ETF-Portfolio ist der sicherste Schutz vor Altersarmut – und nicht der Grund für diese. Und natürlich ist mir klar, dass leider nicht jeder Mensch in Deutschland die Mittel hat, jeden Monat hohe Summen zu sparen. Aber gestatten Sie mir dazu noch einen Gedanken: Aktuell zahlen über 39 Mio. Menschen jeden Monat ihren Beitrag in die gesetzliche Rentenversicherung. Ein System, das jährlich mit zusätzlichen Milliarden aus der Steuerkasse gestützt werden muss. Trotzdem müssen wir uns auf eine weiter steigende Lebensarbeitszeit bei sinkenden Renten einstellen. Würde zumindest ein Teil der Rentenbeiträge am Kapitalmarkt angelegt, hätten wir aus meiner Sicht schon sehr viel gewonnen – nämlich höhere Renten und (zukünftige) Rentner, die jedes Jahr auf ihren Mitteilungen der Rentenversicherung schwarz auf weiß sehen könnten, dass der Kapitalmarkt nicht böse ist, sondern lohnend. Für die Aktienkultur wäre das ein riesiger Schritt nach vorne. Dafür setzen mein Team und ich uns ein und freuen uns über jeden Unterstützer.

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Quirin Quartalsbuch | 2. Quartal 2021

Wir haben gewonnen – ein Tagebuch nicht nur

über Fußball 25. Juni 2021

Wir haben gewonnen. Das ist ein Satz, den viele von uns in den nächsten rund 14 Tagen gerne noch öfter hören möchten – schließlich läuft gerade die Fußball-Europameisterschaft. Die Vorrunde ist vorbei und die deutsche Nationalmannschaft hat nach der Auftaktniederlage doch noch das Achtelfinale erreicht. Jetzt gilt es, möglichst alle verbleibenden Spiele zu gewinnen, damit aus dem „Wir haben gewonnen“ so schnell kein „Die haben verloren“ wird. Wer am Ende den Pokal in den Händen halten wird, ist natürlich noch völlig offen. Sehr unwahrscheinlich ist es aber, und damit sei das Thema Fußball an dieser Stelle auch abgeschlossen, dass der Sieger Portugal heißen wird. Denn dann hätte der amtierende Europameister seinen Titel erfolgreich verteidigt – und das gelang seit 1960 erst einer Mannschaft: Spanien 2012. Eine Titelverteidigung ist also extrem schwierig und deshalb so selten – es sei denn, man ist der FC Bayern München …

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Schmidts Tagebuch

Wir haben gewonnen …

Umso mehr freut es mich, dass uns die Titelverteidigung trotzdem gelungen ist. Und damit meine ich wirklich uns, also die Quirin Privatbank und unsere digitale Tochter quirion. Wir sind nämlich Testsieger bei der Stiftung Warentest. quirion hat es geschafft, nach 2018 erneut als bester Robo-Advisor für eine Geldanlage von 40.000 Euro ausgezeichnet zu werden. Mit einer Gesamtnote von 1,6 konnten wir das Ergebnis des letzten Tests sogar noch verbessern.

Das quirion-Konzept, das ja auf den wissenschaftlich fundierten Anlagegrundsätzen der Quirin Privatbank beruht, überzeugt aber nicht nur die unabhängigen Tester, sondern auch immer mehr Kunden. Aktuell vertrauen 35.000 Anlegerinnen und Anleger in Summe über 800 Mio. Euro der digitalen Vermögensverwaltung von quirion an. Die Zeichen stehen also mehr denn je auf Wachstum. Da ist der Testsieg auch für mich persönlich eine Bestätigung und etwas, das mich sehr stolz macht.

quirion wächst weiter 40.000

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Kunden

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Verwaltetes Vermögen in Mio. Euro

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Verwaltetes Vermögen in Mio. Euro

Kundenanzahl und verwaltetes Vermögen

Stand: Juni 2021

Stand: Junieigene 2021Darstellung Quirin Privatbank AG Quelle: Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

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Quirin Quartalsbuch | 2. Quartal 2021

Ich habe quirion 2013 als Marke der Quirin Privatbank gegründet, um das Prinzip der Honorarberatung in Kombination mit einer kostengünstigen ETF-basierten Vermögensverwaltung auch für niedrigere Anlagesummen zu ermöglichen. Schon damals war mir klar, dass das wirtschaftlich nur machbar ist, wenn ich die Möglichkeiten nutze, die die Digitalisierung bietet. Wir haben also nicht nur die Honorarberatung aufs deutsche Finanzparkett gebracht, sondern mit quirion auch einen der ersten Robo-Advisor. Diese digitale „Konkurrenz“ haben wir uns ganz bewusst ins Haus geholt, um die veränderten Bedürfnisse und Erwartungen an die Geldanlage zu befriedigen und neue Kundengruppen zu erschließen. Im Fokus vieler anderer Banken stehen nach wie vor nicht die Bedürfnisse des Kunden, sondern der Verkauf zu teurer – und eventuell sogar unpassender – Produkte. Aber ich schweife ab …

Demokratisierung der Geldanlage made by Karl Matthäus Schmidt

Gründung Consors

1994

vereinfachter Aktienhandel

Gründung Quirin Privatbank

2006

erste unabhängige Anlageberatung

Start quirion

2013

erste digitale Vermögensverwaltung

Start hybrides Modell

2020

alles aus einer Hand

Senkung Mindestanlage Quirin Privatbank

2021

mehr Menschen am Kapitalmarkt

Quelle: Quirin Privatbank AG

Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Mit quirion haben wir eine leistungsstarke Kombination aus Wissenschaft, Mensch und Technik entwickelt und diese in den letzten Jahren konsequent weiterentwickelt. Die optimale Portfoliostruktur ermittelt die Technik sehr effizient – mit Hilfe eines Fragenkatalogs, den unsere Anlageexperten auf wissenschaftlicher Basis entwickelt haben. Die ETF-Portfolios wiederum werden komplett von unserem Anlagemanagement, also Professor Stefan May und Team, konstruiert. Hier setzten wir bewusst nicht auf die Technik. Wir glauben nicht daran, dass Kollege Computer in der Lage ist, dauerhaft zuverlässige Marktprognosen und Anlageentscheidungen zu treffen. Deshalb bleibt unser Team lieber am Puls der Kapitalmarktforschung, statt auf

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Schmidts Tagebuch

Wir haben gewonnen …

vermeintliche Wunderalgorithmen zu setzen. Hier bestätigen uns übrigens auch die Experten der Stiftung Warentest. Ihr Urteil in der Rubrik „Mängel im Portfolio“ lautet „Keine“. Neben dem „Gut“ für die geringen Kosten gibt es auch Top-Noten für die Ermittlung des Kundenstatus, also den oben beschriebenen Fragenkatalog zur Ermittlung des passenden Portfolios, und das Informationsangebot.

Top-Noten von Stiftung Warentest Mängel im Portfolio

Jährliche Kosten

Keine

Gut

2,2

Informationen zu Produkt und Kosten

Sehr gut

0,8

Ermittlung Kundenstatus

Sehr gut

1,3

Quellen: Stiftung Warentest (Ausgabe 07/2021), eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Quellen: Stiftung Warentest (Ausgabe 07/2021), eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

In der Kundenberatung setzen wir dann selbstverständlich auf die Kolleginnen und Kollegen in den Niederlassungen der Quirin Privatbank. Bei quirion ist die persönliche Beratung im Premium-Modell enthalten. Egal ob vor Ort, am Telefon oder per Videochat: Auch hier hat der Kunde dank Digitalisierung die Wahl, selber zu entscheiden, wie er beraten werden möchte. Im Kern geht es aber sowohl bei der Quirin Privatbank als auch bei quirion darum, Anlegerinnen und Anlegern eine Alternative zur klassischen provisionsgetriebenen Bankberatung zu bieten. Der Kunde soll entscheiden, wo er sich bei uns am besten aufgehoben fühlt – bei der Bank oder beim Robo, der auch gar nicht so technisch und unpersönlich ist, wie viele glauben. Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, mein Tagebuch schon öfter gelesen haben, wissen Sie, dass ich für dieses Thema wirklich brenne. Seit vielen Jahren setze ich mich dafür ein, die Interessen der Anlegerinnen und Anleger in Sachen Geldanlage zu vertreten. Dabei werde ich nicht müde, immer wieder über (zu hohe) Kosten, (niedrige) Qualität und (mangelnde) Transparenz zu sprechen. Und genau diese Kriterien hat eben auch die Stiftung Warentest zu den zentralen Kriterien ihrer Beurteilung gemacht – und quirion zum Testsieger (für eine Anlage von 40.000 Euro). Deshalb gestatten Sie mir hoffentlich, dass ich in dieser Ausgabe von Schmidts Tagebuch ausnahmsweise mehr als üblich über das „wir“ und „uns“ geschrieben habe, aber der Erfolg bedeutet mir tatsächlich sehr viel und ist eine tolle Bestätigung für unsere Arbeit – eine echte Mannschaftsleistung von Quirin Privatbank und quirion. Danke an dieser Stelle ans ganze Team und natürlich danke für das Vertrauen an unsere Kundinnen und Kunden.

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Quirin Quartalsbuch | 2. Quartal 2021

Und selbst wenn Deutschland am Ende nicht Fußball-Europameister werden sollte, dann hoffentlich doch ein Land der besseren Anleger. Daran und dafür arbeiten wir jeden Tag.

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Mays Logbuch „Die Börsen kannten auch im zweiten Quartal nur eine Richtung und zwar nach oben. Da kommen bei vielen Anleger:innen zwei Fragen auf. Erstes: Lohnt sich angesichts des hohen Kursniveaus überhaupt noch ein Einstieg an der Börse und zweitens: Kann die Wirtschaft überhaupt immer weiter wachsen oder ist nicht irgendwann

PROF. DR. STEFAN MAY

ein Ende erreicht? Darüber hinaus

Leiter Anlagemanagement

beschäftigen wir uns mit den Themen

der Quirin Privatbank AG

Inflation und Staatsverschuldung und Sie erfahren, warum der kurzfristige Renditeanstieg an den Anleihemärkten keine Zinswende bedeutet. Viel Vergnügen beim Lesen!"

APRIL 2021 46

Die Zinswende ist (mal wieder) abgesagt

52

Konjunktur: Vom Winterblues geradewegs zum Gute-Laune-Sommer MAI 2021

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Allzeithochs an den Aktienmärkten – Einstieg sinnlos? Oder gar Zeit auszusteigen?

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Wirtschaftswachstum und kein Ende?

JUNI 2021 71

Das Inflationsgespenst ist zurück

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Staatsverschuldung – „Point of no Return“ bereits überschritten?

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Quirin Quartalsbuch | 2.Quartal 2021

Die Zinswende ist (mal wieder)

abgesagt 09. April 2021

Es ist ein Phänomen der nun schon langjährigen Niedrigzinsphase, dass die Kapitalmarktteilnehmer in gewisser Regelmäßigkeit von der Angst vor nachhaltig steigenden Anleiherenditen gepackt werden. Immer wieder steigt sie an den Märkten schleichend empor wie ein böser Geist aus der Flasche. Anschließend haben sich die steigenden Anleiherenditen dann aber wieder verflüchtigt und damit auch die entsprechenden Anlegersorgen. Vieles spricht dafür, dass es sich mit den jüngsten, vergleichsweise starken Renditeanstiegen (vor allem in den USA) und den mit ihnen verbundenen Ängsten wieder so verhält.

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Mays Logbuch

Die Zinswende ist (mal wieder) abgesagt

Erhöhte (US-)Renditedynamik – wenig Brisanz Generische Renditen* 10-jähriger Staatsanleihen in den letzten 5 Jahren 4,0 %

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* Hinweis: Generische Renditen beziehen sich auf feste Laufzeiten in Jahren und nicht auf konkrete Finanzinstrumente. Sie werden unter der Annahme errechnet, dass diese zum aktuellen Zeitpunkt emittiert wird und die Laufzeit besitzt, die betrachtet werden soll (hier 10 Jahre).

* Hinweis: Generische Renditen beziehen sich auf feste Laufzeiten in Jahren und nicht auf konkrete Stand: 07.04.2021 Finanzinstrumente. Sie werden unter der Annahme errechnet, dass diese zum aktuellen Zeitpunkt emittiert Quellen: Bloomberg, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG wird und die Laufzeit besitzt, die betrachtet werden soll (hier 10 Jahre). Diese Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit. Die frühere Wertentwicklung ist kein zuverlässiger Indikator für künftige Ereignisse.

Stand: 07.04.2021 Quellen: Bloomberg, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG Diese Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit. Die frühere Wertentwicklung ist kein zuverlässiger Indikator für künftige Ereignisse.

Bevor wir an dieser Stelle die Gründe dafür erläutern, möchten wir noch einmal kurz darauf eingehen, wieso Renditeanstiege überhaupt so kritisch beäugt werden. Intuitiv verständlich ist die Angst vor steigenden Renditen nämlich nicht unbedingt, denn das extrem niedrige Renditeniveau hat unbestreitbar auch den schwerwiegenden Nachteil der Unattraktivität von relativ sicheren Geldanlagen im Anleihe- und Festgeldsektor. Allerdings wiegt die Sehnsucht nach wieder vernünftig rentierlichen Anleihen offenbar nicht so schwer wie die Angst vor dem Druck auf die Aktienmärkte, der durch steigende Renditeniveaus erzeugt werden kann. Steigende Anleiherenditen bedeuten für Aktien nämlich zunehmende Konkurrenz von der Anleiheseite. Zudem haben ansteigende Anleiherenditen auch Einfluss auf die künftige Bezahlbarkeit der globalen Schuldenlast. Die höhere Rendite von heute wird zum Gradmesser der Refinanzierungszinsen von morgen. Vor allem der US-Staatsanleihenmarkt bestimmt nicht nur die Refinanzierungskosten des amerikanischen Staates und Privatsektors, sondern – aufgrund seiner weltweiten Leitfunktion – direkt und indirekt die Refinanzierungskosten rund um den Globus. (Stark) steigende Anleiherenditen führen somit auch oft zu Sorgen über die Finanzstabilität von Unternehmen und somit über die Stabilität des Aktienmarktes.

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Quirin Quartalsbuch | 2.Quartal 2021

Die Renditeanstiege der letzten Monate speisten sich vor allem aus zwei Kanälen: Erwartung einer stärkeren Konjunkturerholung im Zuge einer erfolgreichen Pandemie-Bekämpfung Diese Erwartung führte zu Abverkäufen von Anleiheinhabern (Anleihekurse fallen) und im Umkehrschluss zu steigenden Anleiherenditen, auch weil sie mit der Erwartung nachfragebedingt steigender Preise verbunden ist. Anleiheanleger achten penibel auf die Entwicklung der Preissteigerungsraten, denn bei steigender Geldentwertung werden ihre ohnehin schon mageren Erträge nach Abzug der Inflationsrate weiter empfindlich geschmälert. Kurzfristige Spekulationsgeschäfte Spekulativ orientierte Marktteilnehmer haben versucht, durch eine entsprechende Positionierung auf der Welle der sinkenden Anleihekurse mitzureiten und haben den Trend damit verstärkt.

Warum der Renditeanstieg an den Märkten kurzfristig an seine Grenze stoßen wird oder sie womöglich schon erreicht hat? Konjunkturerholung mit gebremstem Schaum Die nachhaltige Konjunkturerholung wird kommen, da sind sich im Grunde alle Konjunkturbeobachter einig. Sie wird sich aber auf der Zeitachse wahrscheinlich etwas nach hinten verschieben. Und auch die Dynamik der Erholung in den nächsten Monaten dürften einige Marktteilnehmer überschätzt haben. Besonders kleine und mittlere Betriebe könnten in den nächsten Monaten noch einmal verstärkt unter Druck geraten, mit entsprechender Wirkung auf die Großen – denn schließlich sind viele dieser kleineren Firmen auch Zulieferer von Weltkonzernen. Verantwortlich dafür sind vor allem stockende Impfkampagnen in einigen Teilen der Welt und die hartnäckigen Virusmutationen. Sie führen dazu, dass der ohnehin stotternde Wirtschaftsmotor und somit auch die Renditeanstiege ausgebremst werden. Inflationssprünge dürften ausbleiben Eng mit der gebremsten Konjunkturerholung verwoben sind Dämpfer für die Preisentwicklung. Es sieht derzeit nicht danach aus, dass die Firmeninvestitionen und der private Konsum derart stark anspringen, dass dies zu stark steigenden Preisen führt. Auf der Konsumseite spielt dabei vor allem die bereits länger anhaltende Unsicherheit in Sachen Pandemie eine Rolle. Sie hat sich in gewisser Weise verfestigt und wird sich wahrscheinlich erst Schritt für Schritt lösen. Allein die Gefahr, dass es zu neuen Infektionswellen kommen könnte und dass der eigene Arbeitsplatz weiterhin wanken könnte, kann dazu führen, dass der Konsum zunächst noch stärker gebremst wird als zunächst erhofft. Andererseits sind die globalen Lieferketten zum Glück mittlerweile wieder so gut eingerastet, dass auch von der Angebotsseite her kein erheblicher Preisdruck zu

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Mays Logbuch

Die Zinswende ist (mal wieder) abgesagt

erwarten ist, bedingt beispielsweise durch starke Lieferengpässe oder extrem hohe Frachtraten. Währungshüter in Habachtstellung Die ultralockere Geldpolitik der Notenbanken wird vor diesen Hintergründen weiter Bestand haben. Bei Bedarf werden die Währungshüter auch bereit sein, nachzulegen, sei es durch nochmals verstärkte Anleiheaufkäufe am Markt – diese immense Nachfrage zieht die Kurse nach oben und drückt vice versa die Renditen – oder durch andere, ggf. auch unkonventionelle Maßnahmen. Speziell die Amerikaner haben schon bewiesen, dass sie auch an dieser Stelle kreativ sein können. In jüngsten Äußerungen untermauerten Sprecher der Notenbank, dass sie bis 2023 mit einem Nullniveau in Bezug auf den kurzfristigen Leitzins rechnen. Uns würde es nicht wundern, wenn dabei gedanklich noch das Wörtchen „mindestens“ vor der Jahreszahl platziert wäre. Denn auch bei einer stärkeren Konjunkturerholung dürfte die US-Notenbank (und auch andere relevante Währungshüter) alles daransetzen, die globalen Schuldenberge im Staats-, Firmen-und Privatsektor finanzierbar zu halten. Erratische Bewegungen an der Renditefront passen dabei nicht ins Bild.

Corona stoppt die Normalisierung des Leitzinsniveaus Entwicklung der US-Leitzinsen (Fed Fund Rate) in den letzten 20 Jahren 6% 5%

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Hinweise: Die sogenannte Fed Fund Rate ist der Tageszinssatz für die Leihgeschäfte innerhalb des US-Bankensektors für Kredite Die zur Deckung der Mindestreserveverpflichtungen. Er ist der Leitzinsfür der die amerikanischen Geldpolitik und wird von der Hinweise: sogenannte Fed Fund Rate ist der Tageszinssatz Leihgeschäfte innerhalb des US-Notenbank festgelegt bzw. gesteuert, meist innerhalb einer bestimmten Spanne (aktuell z. B. 0,00 % bis 0,25 %; in der US-Bankensektors für K redite zur Deckung der Mindestreserveverpflichtungen. Er ist der Leitzins der Grafik ist immer das obere Ende der Zinsspanne dargestellt). Wenn sich im Rahmen der Geldmarktpolitik der US-Notenbank der Leitzins verändert, wirkt sich dies meistvon auch aufUdie Zinsgestaltung festgelegt von Hypotheken, und Sparkonten aus. amerikanischen Geldpolitik und wird der S-Notenbank bzw.Krediten gesteuert, meist innerhalb 07.04.2021Spanne (aktuell z. B. 0,00 % bis 0,25 %; in der G rafik ist immer das obere Ende der einerStand: bestimmten Quellen: Bloomberg, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG Zinsspanne dargestellt). Wenn sich im Rahmen der Geldmarktpolitik der US-Notenbank der Leitzins verändert, wirkt sich dies meist auch auf die Zinsgestaltung von Hypotheken, Krediten und Sparkonten aus.

Stand: 07.04.2021 Quellen: Bloomberg, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

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Quirin Quartalsbuch | 2.Quartal 2021

Spekulanten verlieren die Lust Angesichts der skizzierten ökonomischen Entwicklungen und des zuletzt gebremsten Renditeanstiegs gehen wir davon aus, dass die Spekulationen auf eine anhaltende Renditedynamik an Reiz verlieren werden. Sie dürften sich in den nächsten Wochen weiter verflüchtigen. „Sichere-Hafen-Anlagen“ auch weiterhin gesucht Auch wenn es die aktuelle Aktienmarktentwicklung nicht suggeriert, ist die Unsicherheit an den Kapitalmärkten aufgrund der Virusmutationen und der z. T. holprigen Impfentwicklungen weiter hoch. Trotz steigender Aktienkurse dürften in den letzten Wochen einige Zuflüsse in den Anleihemarkt (vor allem in Staatsanleihen) auch sicherheitsgetrieben gewesen sein. Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage nach risikoarmen Anlagen in den nächsten Quartalen weiterhin hoch bleiben wird. Großinvestoren auf der Pirsch Seit Ende 2011 (!) kennen Investoren bei Anleiherenditen im Trend nur eine Entwicklung: hin zu immer niedrigeren Niveaus bis unter die Nulllinie (insbesondere nach Abzug der Inflation), unterbrochen von nur kurzen Ausbrüchen nach oben. Dabei konnte man im Zeitverlauf immer wieder beobachten, dass speziell große Anlegeradressen, wie Versicherer oder Pensionsfonds, schnell zur Stelle sind, wenn es zu merklichen Anleiherenditesteigerungen kommt. Halbwegs positive Renditen werden sofort gern eingebucht. Allein das bremst einen aufflackernden Renditeanstieg ab bzw. macht ihm womöglich sogar den Garaus.

Fazit Die geschilderten Hintergründe sind ein wichtiger Teil des Treibstoffs, der die Aktienmärkte in den letzten Wochen in höhere Gefilde geführt hat. Sie wiegen offenbar schwerer als die Enttäuschung über die verschleppte Konjunkturerholung und die anhaltenden Corona-Unsicherheiten. Das sehr wahrscheinlich auch auf längere Sicht niedrige Renditeniveau bleibt ein starker Stützpfeiler für die Aktienmärkte. Dass Regierungen und Notenbanken ein erhebliches Interesse daran haben, die Renditen und somit letztlich auch die Refinanzierungskosten der Wirtschaft im Zaum zu halten, festigt die Perspektiven für die Aktienmärkte trotz des bereits erreichten Kursniveaus. Dieses Interesse wird auch im Falle einer nachhaltigen Wirtschaftserholung mit anziehenden Inflationsraten nicht erlahmen. Damit dürfte aus unserer Sicht die in den letzten Wochen vielfach schon ausgerufene Zins- bzw. Renditewende ein weiteres Mal verschoben worden sein.

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Mays Logbuch

Die Zinswende ist (mal wieder) abgesagt

Erhöhtes Aktienkursniveau in den USA – langfristige Chancen bleiben S&P 500 Index auf 5-Jahres-Sicht 4.500 4.077 4.000 3.500 3.000 2.500

2.042

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Stand: 07.04.2021 Hinweis: Kursentwicklung in US-Dollar, ohne Dividenden.

Stand: 07.04.2021 Quellen: Bloomberg, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG Diese Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit. Die frühere Wertentwicklung ist kein zuverlässiger Indikator für

Hinweis: Kursentwicklung in US-Dollar, ohne Dividenden. künftige Ereignisse.

Quellen: Bloomberg, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG Diese Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit. Die frühere Wertentwicklung ist kein zuverlässiger Indikator für künftige Ereignisse.

Erhöhtes Aktienkursniveau in Europa – langfristige Chancen bleiben MSCI Europa Index auf 5-Jahres-Sicht 150

144

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Stand: 07.04.2021 Hinweis: Kursentwicklung in Euro, ohne Dividenden.

Stand: 07.04.2021

Quellen: Bloomberg, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Diese Kursentwicklung Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit. Die frühere Wertentwicklung ist kein zuverlässiger Indikator für Hinweis: in Euro, ohne Dividenden. künftige Ereignisse.

Quellen: Bloomberg, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG Diese Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit. Die frühere Wertentwicklung ist kein zuverlässiger Indikator für künftige Ereignisse.

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Quirin Quartalsbuch | 2.Quartal 2021

Konjunktur: Vom Winterblues geradewegs zum

Gute-LauneSommer 23. April 2021

„Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“ – diese Redensart findet oft auch in der Volkswirtschaft Verwendung. Meist geht es dabei um die Frage, ob und, wenn ja, wann nach einem konjunkturellen Einbruch die Wachstumskräfte wieder nachhaltig und dauerhaft die Oberhand gewinnen. Angesichts der erneuten Verschärfung der Corona-Pandemie nach einem doch längeren trüben Konjunkturwinter kommen vermehrt Fragen auf, inwiefern denn nun tatsächlich mit einer kräftigen konjunkturellen Erholung ab Sommer (und damit auch im Gesamtjahr 2021) zu rechnen ist. Ob derzeit am Konjunkturhimmel nur eine einzelne Schwalbe zu beobachten ist oder ob wir es bereits mit einem ganzen Schwarm von Schwalben zu tun haben, wollen wir im heutigen Logbuch beleuchten.

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Mays Logbuch

Konjunktur: Vom Winterblues geradewegs …

Vor knapp einem Monat hat der Internationale Währungsfonds (IWF) turnusmäßig seine Publikation „World Economic Outlook“, also seinen aktuellen internationalen Konjunkturausblick, veröffentlicht. Hierbei handelt es sich um eine der weltweit aufwändigsten und umfangreichsten Konjunkturprognosen überhaupt. Insbesondere die Daten zur erwarteten weltwirtschaftlichen Entwicklung finden bei Politikern, Konjunkturbeobachtern, aber auch an den Finanzmärkten regelmäßig große Beachtung – hat die zukünftige Konjunkturentwicklung doch oft maßgeblichen Einfluss auf die Höhe des Steueraufkommens und das Wachstum der Firmengewinne. Natürlich lässt sich das generelle Grundproblem von Prognosen auch hinsichtlich volkswirtschaftlicher Daten genauso wenig lösen wie im Bereich der Kapitalmärkte: Die Zukunft ist ungewiss und nicht vorhersehbar – Prognosen können deshalb nur auf vergangenen Daten und bereits bekannten Zusammenhängen basieren. Ob diese Zusammenhänge auch in Zukunft weiter gelten, ist alles andere als sicher – und damit ist auch die Prognosegüte grundsätzlich begrenzt. Weniger interessant aus volkswirtschaftlicher Sicht ist daher, wie hoch das konjunkturelle Wachstum etwa der Weltwirtschaft in 2021 absolut geschätzt wird. Aufschlussreicher ist vielmehr die Entwicklung der Prognosen im Zeitablauf. Denn der IWF aktualisiert seine volkswirtschaftlichen Schätzungen viermal pro Jahr. Und im Vergleich der aktuellen mit der vorhergehenden Schätzung lässt sich dann sehr gut ablesen, ob wir es aktuell mit einem sich beschleunigenden oder einem sich verlangsamenden konjunkturellen Umfeld (aus Sicht des IWF) zu tun haben.

Die Zuversicht steigt Weltwirtschaftswachstum gemäß IWF-Einschätzung 8% 5,5

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2020

Projektionen:

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Stand: März 2021 Veränderung des realen Bruttoinlandsprodukts (preisbereinigt gegenüber Vorjahr in %)

Stand: März 2021. Veränderung des realen Bruttoinlandsprodukts (preisbereinigt gegenüber Vorjahr in %) Quellen: IWF, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Quellen: IWF, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

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Quirin Quartalsbuch | 2.Quartal 2021

Beim Blick auf die konkreten Daten wird zweierlei klar: Erstens: Der konjunkturelle Einbruch im Jahr 2020 war insgesamt nicht ganz so tief, wie noch anhand der Hochrechnung aus Januar 2021 zu befürchten war. Den aktuellen Zahlen des IWF vom März zufolge wird die Weltwirtschaft insgesamt im Jahr 2020 um 3,3 % geschrumpft sein (im Januar wurde noch mit einem Minus von 3,5 % gerechnet). Diese Korrektur geht vor allem darauf zurück, dass die Entwicklung in der Euro-Zone deutlich glimpflicher verlaufen ist als zuletzt angenommen. Noch im Januar wurde für 2020 mit einem Bruttoinlandsprodukt-Rückgang in der Euro-Zone von 7,2 % gerechnet – die März-Zahlen gehen „nur noch“ von -6,6 % aus. Immerhin ist das ein um 0,6 Prozentpunkte kleineres Minus als zunächst befürchtet. Allerdings ändert dies nichts an folgendem Tatbestand: 2020 war das Jahr mit dem stärksten Konjunktureinbruch der Nachkriegsgeschichte für die Weltwirtschaft – aber doch nicht ganz so desaströs wie ursprünglich befürchtet.

Deutliche Aufhellung nach historischem Einbruch BIP-Wachstum ausgewählter Wirtschaftsräume gemäß IWF-Einschätzung

Welt

Industrieländer

10 %

Schwellen- und Entwicklungsländer

Euro-Zone

USA

China

Deutschland

8,4

8%

6,7

6,0

6%

5,1

4,4

4%

6,4 5,0

4,4

3,6

3,8

5,6 3,5 2,3

2%

3,6 3,4

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0% -2 % -4 % -6 %

-2,2 -3,3

-3,5 -4,7

-4,9 -6,6

-8 % 2020

Projektionen:

2021

2022

Stand: März 2021 Veränderung des realen Bruttoinlandsprodukts (preisbereinigt gegenüber Vorjahr in %) Quellen: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG Stand: MärzIWF, 2021

Veränderung des realen Bruttoinlandsprodukts (preisbereinigt gegenüber Vorjahr in %) Quellen: IWF, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Zweitens: Die globalen Wachstumsaussichten für 2021 sind vom IWF jüngst deutlich angehoben worden: Im Januar noch sollte die Weltwirtschaft in diesem Jahr um ca. 5,5 % wachsen – jetzt wird mit stolzen 6 % gerechnet. Sowohl in den Industrie- als auch in den Schwellenländern liegen die Wachstumsprognosen fast durchgängig über denjenigen aus dem Januar. Grund für die Anpassungen nach oben sind dem IWF zu-

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Mays Logbuch

Konjunktur: Vom Winterblues geradewegs …

folge das riesige Konjunkturprogramm in den USA, ein starkes Wachstum in China sowie Fortschritte beim Thema Impfen (Motto: mehr Impfungen, mehr Wachstum). Ein Land sticht – wie so oft, wenn wir es mit kräftigen konjunkturellen Erholungsprozessen zu tun haben – besonders heraus. Es sind – mit Blick auf die Größe der Volkswirtschaft erwartbar, angesichts des Umgangs mit der Coronakrise im letzten (Trump-)Jahr dann aber trotzdem irgendwie unerwartet – die USA. Das schon im Januar mit +5,1 % für 2021 in Aussicht gestellte sehr kräftige Wachstum wurde nochmals um gut einen Prozentpunkt auf +6,4 % heraufgesetzt. Das ist der mit Abstand größte Sprung von der Januar- bist zur März-Schätzung des IWF. Darüber hinaus beindruckt das Wachstum in China, das nun voraussichtlich statt +8,1 (wie noch im Januar prognostiziert) bei üppigen +8,4 % liegen soll. Wie bereits erwähnt: Auch diese äußerst optimistischen Wachstumszahlen sollte man hinsichtlich ihrer (vermeintlichen) Treffgenauigkeit nicht auf die Goldwaage legen. Aber nichtsdestotrotz zeigen sie sehr eindrücklich, dass derzeit nicht eine einzelne Schwalbe, sondern ganze Schwärme den (Konjunktur-)Himmel bevölkern. Natürlich steht die konjunkturelle Zuversicht – wie so vieles andere auch – nach wie vor unter dem Vorbehalt, dass die großen Volkswirtschaften der Welt im Laufe des Sommers wieder in die Normalität zurückkehren werden. Sofern dies tatsächlich geschieht, sollte einem unbeschwerten Hochsommer – auch konjunkturell – nichts mehr im Wege stehen. Dies gilt im Übrigen – trotz aller momentanen Probleme und Ärgernisse – auch für Deutschland. Das wären dann schlussendlich auch gute Nachrichten für die Aktienmärkte, deren derzeit relativ ambitionierte Bewertungen (in Gestalt des Kurs-Gewinn-Verhältnisses, kurz: KGV) sich in kurzer Zeit normalisieren dürften. Denn nicht zu vergessen: Ein starkes (globales) Wirtschaftswachstum zieht nicht selten einen starken Anstieg der Unternehmensgewinne nach sich – einem der wichtigsten Impulsgeber für steigende Aktiennotierungen. In diesem Sinne: Freuen wir uns auf einen möglichst strahlend blauen, wolkenlosen (Konjunktur-)Himmel im Sommer, an dem sich auch möglichst viele Schwalben erfreuen!

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Quirin Quartalsbuch | 2.Quartal 2021

Allzeithochs an den Aktienmärkten – Einstieg sinnlos?

Oder gar Zeit auszusteigen? 07. Mai 2021

Die weltweiten Aktienmärkte befinden sich derzeit nahe an oder sogar auf ihren historischen Höchstständen. Diese Situation lässt viele Anleger, die sich eigentlich bereits für ein Aktieninvestment entschieden haben, zögern, in den Markt einzusteigen. Manche, die bereits investiert sind, erwägen sogar, diese Höchststände für einen Ausstieg zu nutzen, um dann – so die Idee –, wenn der Markt nachgegeben hat, wieder einzusteigen und dadurch die Renditeperspektiven zu verbessern.

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Mays Logbuch

Allzeithochs an den Aktienmärkten …

Historische Höchststände an den Aktienmärkten Ausgewählte Aktienindexentwicklungen in den letzten 5 Jahren 200 MSCI World

MSCI Emerging Markets

DAX

180 160 140 120 100

r. 21 Ap

.2 0 kt O

r. 20 Ap

.1 9 kt O

r. 19 Ap

.1 8 kt O

r. 18 Ap

O

kt

.1 7

r. 17 Ap

.1 6 kt O

Ap

r. 16

80

Stand: Schlusskurse vom 27.04.2021

Stand: Schlusskurse vom 27.04.2021

indexierte Betrachtung, linear skaliert – alle Indizes inkl. Dividenden und in Euro

Quellen:Betrachtung, Bloomberg, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG inkl. Dividenden und in Euro indexierte linear skaliert – alle Indizes Diese Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für

Quellen: Bloomberg, künftige Ergebnisse. eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Diese Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

Der Hintergrund beider Erwägungen ist sehr häufig die Annahme, dass es nach einem Allzeithoch, wie wir es derzeit vor uns haben, mit den Kursen eigentlich nur noch abwärtsgehen könne bzw. dass nun die Wahrscheinlichkeit für fallende Kurse besonders hoch sei. Nach unserer Überzeugung liegt dem jedoch häufig eine falsche Vorstellung davon zugrunde, wie es sich mit der langfristigen und trendmäßigen Aktienmarktentwicklung tatsächlich verhält. Manchmal hat man sogar den Eindruck, dass offenbar viele Anleger glauben, dass der Aktienmarkt auf mittlere bis lange Sicht eine Art Nullsummenspiel ist, was bedeuten würde, dass die Gewinne des einen zwangsläufig die Verluste eines anderen sein müssen.

Aktienmarktentwicklungen – ohne und mit Aufwärtstrend Ein solches Nullsummenspiel würde für die Kursentwicklung bedeuten, dass der Trend eines Aktienmarktes nicht nach oben gerichtet ist, sondern letztlich seitwärts verläuft, wie in der folgenden Abbildung beispielhaft dargestellt. Hier wurde – ausgehend vom normierten Wert 100 – die Entwicklung eines Aktienmarktes am Beispiel des amerikanischen S&P 500 Index über einen Zeitraum von 70 Jahren hinweg stochastisch (d. h. mit Zufallswerten) simuliert. Dabei wurde eine Volatilität (Schwankungsbreite) von 20 % p. a. zugrunde gelegt sowie ein langfristig zu erwartender Wertzuwachs (Rendite) von null. Beides gemeinsam führt zu der dargestellten heftig schwankenden Entwicklung ohne erkennbare Richtung, d. h. ohne Trend.

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Quirin Quartalsbuch | 2.Quartal 2021

Simulation einer S&P-500-Entwicklung ohne Aufwärtstrend Standard-Skalierung (linear) 700 600 Simulierte Entwicklung

500

Trend

400 300 200 100

20 21

20 16

6

20 11

20 0

20 01

19 96

19 91

19 86

19 81

19 76

19 71

19 66

19 61

19 56

19 51

0

Zeitraum: 70 Jahre (31.03.1951 bis 31.03.2021); mit einem unterstellten Trend von 0,0 % p. a. bei einer Volatilität (jährliche

Zeitraum: 70 JahreSchwankungsbreite (31.03.1951 bis um 31.03.2021); mit einem von unterstellten Trend von durchschnittliche die Durchschnittsrendite) 20 % p. a. / Startwert = 1000,0 % p. a. bei einer Volatilität durchschnittliche Schwankungsbreite um die Durchschnittsrendite) von 20 % p. a. / Quelle:(jährliche eigene Darstellung Quirin Privatbank AG Startwert = 100 Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Die Abbildung verdeutlicht, dass in einem solchen hypothetisch trendlosen Aktienmarkt ein historisches Allzeithoch tatsächlich etwas ganz Besonderes wäre. Im dargestellten Beispiel wird es sogar über den gesamten Zeitraum hinweg nie wieder erreicht. Hier wäre es in der Tat wirklich ratsam, auszusteigen. Auch in anderen derartigen Simulationen eines Umfelds ohne Aufwärtstrend besteht nur eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit, dass ein ausgeprägtes Hoch innerhalb einer überschaubaren Zeitspanne jemals wieder erreicht oder gar übertroffen wird. Haben wir es dagegen mit einer Entwicklung zu tun, die der Realität weltweiter Aktienmärkte und damit einem nach oben gerichteten Trend folgt – wie in der folgenden Abbildung dargestellt –, dann ist die Situation eine völlig andere. In dem Fall ist es keine Frage der Wahrscheinlichkeit mehr, sondern es ist so gut wie sicher, dass jedes Allzeithoch über kurz oder lang übertroffen wird. Wie schon die erste zeigt auch die rechte Abbildung eine stochastisch simulierte Aktienmarktentwicklung über einen Zeitraum von 70 Jahren. Allerdings wurde nun ein positiver Trend mit einer zu erwartenden Wertentwicklung von 7 % p. a. zugrunde gelegt. Die Volatilität von 20 % p. a. wurde beibehalten. Sehr deutlich zu erkennen ist, dass sich in diesem Fall – anders als bei einer Entwicklung ohne Trend – laufend Allzeithochs herausbilden, welche anschließend schon nach kurzer Zeit wieder übertroffen werden. Dieses Phänomen zeigt sich übrigens nicht nur in unserer Simulation, sondern auch an den realen Finanzmärkten. So ergibt eine Untersuchung des US-Aktienmark-

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Mays Logbuch

Allzeithochs an den Aktienmärkten …

tes der letzten 95 Jahre1, dass es sich bei einem runden Drittel aller Monatsendstände des S&P 500 Indexes um historische Höchststände handelte. Ein Allzeithoch ist bei einem vorliegenden Aufwärtstrend somit nichts Besonderes, sondern fast der Normalfall. Das Allzeithoch in unserem Simulationsbeispiel unmittelbar vor dem scharfen Einbruch bildet hier eine Ausnahme, da es bis zum Ende der Simulation nicht übertroffen wurde und daher zunächst wie eine günstige Ausstiegsmöglichkeit erscheint. Aber: Schrieben wir die Entwicklung weiter fort, würde sich aufgrund des aufwärtsgerichteten Langfristtrends – unter weiter spürbaren Schwankungen – auch diese Phase als vorübergehend erweisen und es würden neue Allzeithochs folgen.

Simulation einer S&P-500-Entwicklung mit Aufwärtstrend Standard-Skalierung (linear) 16.000 14.000 12.000 Simulierte Entwicklung

10.000

Trend

8.000 6.000 4.000 2.000

20 21

20 16

20 11

20 01 20 06

19 96

19 91

19 86

19 81

19 76

19 71

19 66

19 61

19 56

19 51

0

Zeitraum: 70 Jahre (31.03.1951 bis 31.03.2021); mit einem unterstellten Trend von 7,0 % p. a. (bei einer Volatilität (jährliche

Zeitraum: 70 JahreSchwankungsbreite (31.03.1951 bis um 31.03.2021); mit einem von unterstellten Trend von durchschnittliche die Durchschnittsrendite) 20 % p. a. / Startwert = 1007,0 % p. a. (bei einer Volatilität durchschnittliche Schwankungsbreite um die Durchschnittsrendite) von 20 % p. a. / Quelle:(jährliche eigene Darstellung Quirin Privatbank AG Startwert = 100 Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Es bleibt daher festzuhalten: Wenn Aktienmärkte einen langfristigen Aufwärtstrend aufweisen (und das tun sie in der Realität, mehr dazu nachfolgend), dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis jedes Allzeithoch wieder eingeholt und übertroffen wird.

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Quirin Quartalsbuch | 2.Quartal 2021

Optische Täuschungen Häufig führt ein weiterer Umstand dazu, dass Allzeithochs an den Aktienmärkten als zwingende oder besonders günstige Zeitpunkte zum Aussteigen bzw. Abwarten fehlinterpretiert werden. Zum Hintergrund: Den üblichen grafischen Darstellungen der Entwicklung von Aktienkursen, Indexständen, Depotwerten usw. liegt eine sogenannte lineare Skalierung (Standard-Skalierung) zugrunde. Dies bedeutet, dass auf der vertikalen Achse der Grafik (der sogenannten y-Achse) gleiche absolute Veränderungen des dargestellten Wertes auch dieselbe Strecke auf der y-Achse beanspruchen. Für die Darstellung eines Indexes heißt dies beispielsweise konkret, dass ein Anstieg von 1.000 auf 2.000 Indexpunkte auf der vertikalen Achse dieselbe Strecke einnimmt wie ein Anstieg von 10.000 auf 11.000 Indexpunkte – und dies, obwohl das erste Beispiel einem (relativen) Zuwachs von 100 % entspricht und das zweite lediglich einem von 10 %. Vor allem in Darstellungen langfristiger historischer Kursentwicklungen bewirkt eine solche lineare Skalierung daher eine Verzerrung dahingehend, dass weit in der Vergangenheit liegende Schwankungen im Vergleich zu jüngeren Schwankungen nur sehr wenig ausgeprägt erscheinen und damit im Grunde verharmlost werden. Aktuelle Entwicklungen erscheinen dagegen besonders drastisch und werden somit übertrieben. Betrachten Sie bitte noch einmal die letzte Abbildung, die linear skaliert ist: Aufgrund der Veranschaulichung könnte man vermuten, dass vor 1990 fast keine oder nur sehr geringe Bewegungen stattgefunden haben. Auch entsteht durch die lineare Skalierung der falsche Eindruck, dass das jeweils jüngste Allzeithoch besonders ausgeprägt ist und sich mit Abstand am weitesten vom zugrundeliegenden Trend entfernt hat. In beiden Fällen handelt es sich aber um optische Täuschungen, welche durch die lineare Skalierung hervorgerufen werden. Sie sind besonders stark, wenn in entsprechenden Grafiken Entwicklungen über sehr lange Zeiträume hinweg dargestellt sind. Um Fehlinterpretationen aufgrund dieser Täuschungen zu vermeiden, wird in der professionellen Praxis (aber eben leider oft nicht in gängigen Informationsquellen für die breite Öffentlichkeit wie z. B. Tageszeitungen) die sogenannte logarithmische Skalierung verwendet, die auch als Verhältnis-Skalierung bezeichnet wird. Diese zeichnet sich dadurch aus, dass auf der Vertikalachse nicht gleiche absolute Veränderungen die gleiche Strecke beanspruchen, sondern gleiche prozentuale Veränderungen. Man betrachte hierzu die folgende Abbildung, in der genau dieselbe Wertentwicklung wie in der vorangegangenen Abbildung dargestellt ist, nur eben in logarithmischer Skalierung. Auf der vertikalen Achse sieht man, dass der Sprung von 640 auf 6.400 dieselbe Strecke einnimmt wie der Sprung von 6.400 auf 64.000. Grund: Es handelt sich um dieselbe prozentuale Veränderung, nämlich um eine Verzehnfachung.

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Mays Logbuch

Allzeithochs an den Aktienmärkten …

Simulation einer S&P-500-Entwicklung mit Aufwärtstrend Verhältnis-Skalierung (logarithmiert) 64.000 Simulierte Entwicklung

Trend

6.400

640

20 21

20 16

20 11

20 01 20 06

19 96

19 91

19 86

19 81

19 76

19 71

19 66

19 61

19 56

19 51

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Zeitraum: 70 Jahre (31.03.1951 bis 31.03.2021); mit einem unterstellten Trend von 7,0 % p. a. bei einer Volatilität (jährliche

Zeitraum: 70 JahreSchwankungsbreite (31.03.1951 bisum 31.03.2021); mit einemvon unterstellten Trend =von durchschnittliche die Durchschnittsrendite) 20 % p. a. / Startwert 1007,0 % p. a. (bei einer Volatilität durchschnittliche Schwankungsbreite um die Durchschnittsrendite) von 20 % p. a. / Quelle: (jährliche eigene Darstellung Quirin Privatbank AG Startwert = 100 Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Eine logarithmische Skalierung bewirkt somit, dass die Schwankungen von Kursen und Indizes aus allen Zeiträumen – auch die aus weit zurückliegenden – gleichberechtigt dargestellt werden; die optische Täuschung geringerer Volatilitäten in der Vergangenheit sowie die Übertreibung aktueller Ausschläge wird dadurch vermieden.2 Es bleibt also festzuhalten: Der häufig entstehende Eindruck, dass die aktuellen Höchststände des Aktienmarktes besonders ausgeprägt sind, beruht auf einer optischen Täuschung, welche durch die Linearskalierung der entsprechenden Grafiken verursacht wird. Tatsächlich sind Allzeithochs am Aktienmarkt nichts Besonderes und werden so gut wie sicher über kurz oder lang wieder eingeholt. Dies allerdings wie gesagt nur, wenn Aktienmärkte tatsächlich einen positiven Langfristtrend aufweisen.

Wirtschaftswachstum als Aktienmarkt-Trendfaktor Aber wie sieht es denn nun in der Realität mit diesem positiven Trend aus? Die Beantwortung dieser Frage ist ganz wesentlich für die Kapitalanlage. Denn die Empfehlung an (potenzielle) Anleger, sich durch ein Allzeithoch nicht davon abhalten zu lassen, am Aktienmarkt zu investieren, kann man im Grunde nur verantworten, wenn man davon überzeugt ist, dass die Kurse tatsächlich einem nach oben gerichteten Trend folgen. Und genau dies ist nach unserer Einschätzung der Fall und gilt insbesondere für die Entwicklung des gesamten globalen Aktienmarktes.3

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Quirin Quartalsbuch | 2.Quartal 2021

Die Basis jedes langfristigen Aktienmarkttrends ist das Wirtschaftswachstum. Dies ergibt ökonomisch Sinn und wird auch von der empirischen Finanzmarktforschung bestätigt. Und damit sind wir beim Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) angelangt, d. h. bei der Kennzahl, die am häufigsten verwendet wird, wenn die Leistungsfähigkeit und dir Wachstumskräfte einer Volkswirtschaft gemessen werden sollen. Somit gilt: Das Wachstum des BIP einer Volkwirtschaft ist also der Trendfaktor, an dessen Entwicklung sich die Gesamtheit der Aktienkurse letztlich ausrichtet. Zwar schwanken sie mehr oder weniger heftig um diesen Trendfaktor herum, letztlich jedoch sind die Kurse nach oben gerichtet, weil auch die Wirtschaft beständig wächst. Die folgende Abbildung zeigt (natürlich logarithmisch skaliert) diesen Zusammenhang anhand des Wachstums des BIP der USA als der weltweit größen Volkswirtschaft sowie des breiten amerikanischen Aktienmarktindexes S&P 500.

Tatsächliche S&P-500-Entwicklung versus US-Bruttoinlandsprodukt Verhältnis-Skalierung (logarithmiert) 100.000 S&P 500 Index

US-Bruttoinlandsprodukt (nominell)

10.000

1.000

20 21

20 16

20 11

20 01 20 06

19 96

19 91

19 86

19 81

19 76

19 71

19 66

19 61

19 56

19 51

100

Zeitraum: 31.03.1951 bis 31.03.2021 (Quartalsenddaten)

Zeitraum: 31.03.1951 31.03.2021 indexierte Betrachtungbis / Startwert = 100, (Quartalsenddaten) S&P 500 ohne Dividenden in US-Dollar, nominelles US-Bruttoinlandsprodukt in US-Dollar

indexierte Betrachtung / Startwert = 100, S&P 500 ohne Dividenden in US-Dollar, nominelles USZur logarithmierten Darstellung: Bei der logarithmischen Darstellung zeigt die vertikale Achse für die Wertentwicklung gleiche Abstände für identische,inprozentuale Bruttoinlandsprodukt US-DollarVeränderungen an. Die Wegstrecke einer Kursbewegung von 100 auf 1.000 entspricht der Wegstrecke von 1.000 auf 10.000. Kursbewegungen werden auf diese Weise noch transparenter, vor allem bei sehr langfristigen Charts.

Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Der in dieser Abbildung dargestellte faktische Zusammenhang bestätigt, was in den beiden vorausgehenden Abbildungen nur theoretisch simuliert wurde: dass sich die Aktienkurse nämlich in ihrer Gesamtheit entlang eines langfristig wirkenden Trends immer wieder nach oben bewegen. Dieser Trend wiederum wird im Wesentlichen durch das Wachstum der zugrundeliegenden Volkswirtschaft bestimmt – und im globalen Kontext durch das Wachstum der Weltwirtschaft. Die Abbildung macht aber auch deutlich, dass

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Mays Logbuch

Allzeithochs an den Aktienmärkten …

sich die Kursentwicklung vorübergehend vom zugrundeliegenden Trend abkoppeln und auch über längere Zeiträume hinweg über- und unterschießen kann. Zwar legt die letzte Abbildung hinsichtlich dieser Trendabweichungen eine gewisse Regelmäßigkeit nahe, trotzdem gibt es aber keine Möglichkeit, die Länge der entsprechenden Phasen zu prognostizieren. Wir wissen also, dass Aktienkurse insgesamt immer steigen werden, wir wissen nur nicht, wann. Das ist aber zu verschmerzen, wissen wir doch damit, dass jedes Tief am Aktienmarkt überwunden und jeder Höchststand über kurz oder lang durch noch höhere Kurse entthront wird. Die derzeit so viel beschworenen Allzeithochs verlieren damit vollkommen ihren Schrecken als Einstiegsbremse: Aus einer langfristigen Perspektive – und echtes Investieren sollte immer eine solche mehr oder weniger langfristige Perspektive haben – ist die entscheidende Frage nicht, wann, sondern dass investiert worden ist. Denn wie stark auch immer die weltweiten Aktienmärkte zwischenzeitlich nach oben oder unten schwanken, mit strategischen Investitionen lassen sich letztlich in aller Regel angemessene Renditen erzielen. 1 Quelle: Dimensional Fund Advisors 2 Auch die optische Täuschung aufgrund einer Linearskalierung dürfte zum großen Teil auf die häufig geäußerte Überzeugung zurückzuführen sein, dass die Märkte „früher“ viel weniger volatil und von daher leichter einzuschätzen waren. 3 Grundsätzlich gilt auch für Einzelwerte, dass sie einem Trend folgen. Der große Unterschied zu einem nationalen Gesamtmarkt oder gar zum weltweiten Aktienmarkt besteht darin, dass dieser Trend für eine einzelne Aktie durch das Zuschlagen sogenannter unsystematischer Risiken, d. h. durch Ereignisse, welche sich im Unternehmen hinter der Aktie abspielen, jederzeit gebrochen werden kann (bis hin zum Totalverlust). Ein solcher „Trendbruch“ ist schon bei nationalen Indizes in höchstem Maße unwahrscheinlich, für den Welt-Aktienmarkt dagegen ist er so gut wie ausgeschlossen, weil dies in der Konsequenz bedeutet, dass die Marktwirtschaft insgesamt am Ende wäre.

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Quirin Quartalsbuch | 2.Quartal 2021

Wirtschaftswachstum und

kein Ende? 21. Mai 2021

Regelmäßige Leser unseres „Logbuchs“ wissen bereits, dass wir im Kern unseres Anlagekonzepts auf einen so einfachen wie wirkungsvollen Zusammenhang setzen. Dieser besteht zwischen der Wertentwicklung der globalen Aktienmärkte insgesamt und dem weltwirtschaftlichen Wachstum. Für unser Anlagekonzept bedeutet das: Wer möglichst breit gestreut in den weltweiten Aktienmarkt investiert, der investiert letzten Endes langfristig in nichts anderes als die Entwicklung der Weltwirtschaft. Und da die Weltwirtschaft langfristig beständig wächst, ja aus ökonomischer Sicht gewissermaßen sogar wachsen muss (solange das marktwirtschaftliche System funktioniert), ergeben sich für einen so positionierten Anleger langfristig immer auch auskömmliche Renditen. Von daher sind für eine derartig strategische, im Grunde einzig „echte“ Investition sogenannte „aktive“ Anlagestrategien aus Anlegersicht vollkommen überflüssig. Diese versuchen auf Basis von Prognosen, richtige Zeitpunkte für Kauf- und Verkaufsentscheidungen zu identifizieren („Timing“) oder die vermeintlich aussichtsreichsten Einzeltitel („Stock Picking“) oder Marktsegmente auszuwählen. Solche Strategien sind aus Sicht der Kapitalmarktforschung ohnehin nicht von verlässlichem Erfolg gekrönt. Genau über diese Zusammenhänge haben wir vor zwei Wochen am Beispiel der USA in unserem Logbuch „Allzeithochs an den Aktienmärkten – Einstieg sinnlos? Oder gar Zeit auszusteigen?“ (S. 56) ausführlich gesprochen.

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Mays Logbuch

Wirtschaftswachstum und kein Ende?

Tatsächliche S&P-500-Entwicklung versus US-Bruttoinlandsprodukt Verhältnis-Skalierung (logarithmiert) 100.000 S&P 500 Index

US-Bruttoinlandsprodukt (nominell)

10.000

1.000

20 21

20 16

20 11

20 01 20 06

19 96

19 91

19 86

19 81

19 76

19 71

19 66

19 61

19 56

19 51

100

Zeitraum: 31.03.1951 bis 31.03.2021 (Quartalsenddaten)

Zeitraum: 31.03.1951 31.03.2021 indexierte Betrachtungbis / Startwert = 100, (Quartalsenddaten) S&P 500 ohne Dividenden in US-Dollar, nominelles US-Bruttoinlandsprodukt in US-Dollar

indexierte Betrachtung / Startwert = 100, S&P 500 ohne Dividenden in US-Dollar, nominelles USZur logarithmierten Darstellung: Bei der logarithmischen Darstellung zeigt die vertikale Achse für die Wertentwicklung gleiche Bruttoinlandsprodukt US-DollarVeränderungen an. Die Wegstrecke einer Kursbewegung von 100 auf 1.000 entspricht Abstände für identische,inprozentuale der Wegstrecke von 1.000 auf 10.000. Kursbewegungen werden auf diese Weise noch transparenter, vor allem bei sehr

Zur logarithmierten langfristigen Charts. Darstellung: Bei der logarithmischen Darstellung zeigt die vertikale Achse für die Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG Wertentwicklung gleiche A bstände für identische, prozentuale Veränderungen an. Die Wegstrecke einer Kursbewegung von 100 auf 1.000 entspricht der Wegstrecke von 1.000 auf 10.000. Kursbewegungen werden auf diese Weise noch transparenter, vor allem bei sehr langfristigen Charts. Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

In Reaktion darauf hat uns mehrfach eine Frage erreicht, die uns auch sonst oft gestellt wird und die auch aufgrund ihrer gesellschaftlichen Tragweite zu Recht wieder im öffentlichen Diskurs zu finden ist: „Kann es denn immerwährendes wirtschaftliches Wachstum überhaupt geben? Und selbst wenn: Sollten wir es dann überhaupt anstreben?“ Auf unser Anlagekonzept bezogen bedeutet dies, dass es offenbar nicht unerhebliche Zweifel an dessen Basis gibt – nämlich der Annahme langfristig fortwährenden positiven weltwirtschaftlichen Wachstums. Aber sind diese Zweifel auch berechtigt? Stellen sich immer mehr Menschen zu Recht die Frage, ob es mit der Weltwirtschaft unbegrenzt immer nur aufwärtsgehen kann oder ob nicht irgendwann ein Punkt erreicht ist, an dem keine Steigerung mehr möglich ist – oder ob die Wirtschaftsleistung vielleicht sogar überhaupt nicht mehr gesteigert werden sollte? Zunächst einmal scheinen uns diese Fragen von einem ausgesprochenen Fokus auf die Industrieländer, also auf unsere eigene Lebensrealität, geprägt zu sein. Hierzulande erscheint die kritische Auseinandersetzung, ob es tatsächlich jedes Jahr „immer mehr“ werden muss, zunächst einmal berechtigt zu sein – verfügen wir doch (zumindest im Durchschnitt) schon heute über einen hohen Wohlstand.

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Quirin Quartalsbuch | 2.Quartal 2021

Wenn wir aber die Perspektive auf die weltweite Entwicklung lenken, zeigt sich: Es gibt noch immer viele Volkswirtschaften (und Menschen, die in ihnen leben), die ein sehr großes und sehr berechtigtes Interesse daran haben, dass der Wohlstand spürbar wächst bzw. überhaupt entsteht. Für die Entwicklungsländer ist und bleibt das wirtschaftliche Wachstum unabdingbar, um existenzielle Probleme wie Hunger und gesundheitliche Versorgungsdefizite bis hin zu Gewalt und Krieg überhaupt lösen zu können. Verstehen Sie uns bitte nicht falsch: Wirtschaftliches Wachstum ist keinesfalls ein Selbstläufer, um diese Probleme zu lösen. Es muss natürlich nachhaltiger vonstattengehen als in den vergangenen Jahrzehnten, es muss der breiten Bevölkerung und nicht wie bislang so oft nur korrupten Eliten in den Entwicklungs-, aber auch den Industrieländern zugutekommen. Es muss sich mithin vieles ändern, damit es (noch) besser wird und in allen Gesellschaftsschichten ankommt – ohne wirtschaftliches Wachstum wird es aber in keinem Fall funktionieren. Das zeigt auch ein Blick auf das, was schon in den letzten Jahrzehnten in den Entwicklungsländern erreicht wurde, und zwar nicht nur, aber vor allem durch wirtschaftliches Wachstum.

Schwellenländer holen durch Wachstum auf Wachstum Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den Industrie- und Schwellenländern 10 % Industrieländer 8% Schwellenländer 6% 4%

2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019

0%

1980 1981 1982 1983 1984 1985 1986 1987 1988 1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008

2%

-6 %

2020

-4 %

2009

-2 %

Zeitspanne: 1980 bis 2020 Reales (inflationsbereinigtes) Zeitspanne: 1980 bis 2020 BIP-Wachstum, jeweils im Vergleich zum Vorjahr Quellen: IWF, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Reales (inflationsbereinigtes) BIP-Wachstum, jeweils im Vergleich zum Vorjahr Quellen: IWF, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Die positiven Wirkungen dieses Wachstums lassen sich anhand anerkannter Kennzahlen zum globalen gesellschaftlichen Fortschritt belegen. Zwischenfazit: Es kann nicht im Interesse der Menschen in Entwicklungsländern (und damit letztlich auch nicht in unserem Interesse) sein, dass in

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Mays Logbuch

Wirtschaftswachstum und kein Ende?

Zukunft kein oder nur noch ein sehr geringes weltwirtschaftliches Wachstum angestrebt wird.

Beispiele für den gesellschaftlichen Fortschritt Alphabetisierung

Naturschutzgebiete

Anteil der Erwachsenen (über 15 Jahre) mit Grundfertigkeiten im Lesen und Schreiben

Anteil der Erdoberfläche, der als Nationalpark oder Naturschutzgebiete ausgewiesen ist

10 %

86 % 2016

0,03 %

2016

1900

1800

Wasserversorgung

Kindersterblichkeit

Anteil der Menschen mit einer mindestens grundlegenden Trinkwasserversorgung

Anteil der Kinder, die vor dem 5. Lebensjahr sterben

58 %

14,7 %

88 % 2015

40 %

1980

1800

4% 2016

Quellen: Gapminder basierend auf UNSECO und van Zanden 2009; Gapminder basierend UN-IGME, Human Mortality Database; Gapminder basierend auf Abouchakra et al. 2016 und UNEP; UNICEF; Weltbank, Improved Water Source; WHO Global HEALTH Observatory, Immunization; eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Quellen: Gapminder basierend auf UNSECO und van Zanden 2009; Gapminder basierend UN-IGME, Human Mortality Database; Gapminder basierend auf Abouchakra et al. 2016 und UNEP; UNICEF; Weltbank, Improved Water Source; WHO Global HEALTH Observatory, Immunization; eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Obwohl die eingangs genannten Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Wachstums also zunächst durchaus nachvollziehbar sind, erweisen sie sich aber aufgrund ihrer oft aus Industrieländer-Perspektive formulierten Absolutheit zumindest für die Entwicklungs- und Schwellenländer als sehr fragwürdig.

Wachstum ist nicht gleich Wachstum Zudem vermuten wir, dass die Zweifel auch auf einer zu engen Vorstellung dessen beruhen, was Wirtschaftswachstum letztlich bedeutet – und vor allem bedeuten kann. Viele haben hierbei das falsche Bild eines rein quantitativ ausgerichteten Immermehr an Gütern und Dienstleistungen vor Augen. In einem solchen rein quantitativen Kontext wäre permanentes Wachstum in der Tat fragwürdig. Von den Kritikern wird aber häufig übersehen, dass es neben einem rein quantitativen auch ein qualitatives Wachstum gibt und dass diese Art des Wachstums in einem marktwirtschaftlichen Ordnungsrahmen mit fortschreitender wirtschaftlicher Entwicklung zunehmend an Bedeutung gewinnt. Der entscheidende Punkt, ob bestimmte Güter und Dienstleistungen – welche

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Quirin Quartalsbuch | 2.Quartal 2021

auch immer – zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) und dessen Wachstum beitragen, ist letztlich, ob die Menschen bereit sind, dafür zu bezahlen – sprich ob die Güter und Dienstleistungen einen Preis haben. Und genau das ist der Grund, warum im offiziell gemessenen BIP-Wachstum – dem ja immer mit Preisen bewertete Güter und Dienstleistungen zugrundeliegen – qualitative Aspekte u. U. sogar eine sehr große Rolle spielen können.

Qualitatives Wachstum – ein Schlüssel für bessere Lebensqualität Lassen Sie uns, geehrte Leserin, geehrter Leser, anhand eines Gedankenexperiments, dessen Gegenstand uns auch persönlich sehr am Herzen liegt, erläutern, was wir damit genau meinen. Stellen Sie sich vor, die Mehrheit der Verbraucher in Deutschland würde zur Kenntnis nehmen, dass die Steaks, welche in der Pfanne brutzeln, einmal Lebewesen aus Fleisch und Blut waren. Und nehmen wir weiter an, dass die Verbraucher genau aus diesem Grund großen Wert auf artgereichte Tierhaltung legen würden und auch bereit wären, dafür um 30 % höhere Preise für Fleisch- und Wurstwaren zu akzeptieren. Ein 180-g-Schweinesteak beispielsweise würde dann eben nicht mehr nur wie derzeit ca. 3,50 Euro, sondern 30 % mehr, also 4,55 Euro kosten. Aufgrund der damit einhergehenden Verbesserung des Tierwohls würden die Verbraucher dies aber akzeptieren und zugleich ihren Fleisch- und Wurstverbrauch um 20 % einschränken. Was würde dies nun aber für das BIP-Wachstum bedeuten? Zunächst hätten wir es mit einem Rückgang der Produktion um 20 % zu tun. Es würden 20 % weniger Tiere geschlachtet, die zugleich aufgrund ihrer artgerechten Haltung deutlich weniger leiden müssten. Der Wachstumsbeitrag der fleischverarbeitenden Industrie zum BIP wäre jedoch nicht ein Minus von 20 %. Denn für die Auswirkung auf das BIP-Wachstum ist eben nicht nur der Mengeneffekt (20 % weniger Produktion), sondern auch der relative Preiseffekt ausschlaggebend. Und hier hatten wir in unserem Beispiel ja angenommen, dass die Zahlungsbereitschaft und damit auch die Preise für Produkte aus artgerechter Tierhaltung um 30 % steigen. Für das BIP-Wachstum bedeutet das: 80 % der Produktion (oder 0,8) sind mit 130 % des Preises (oder 1,3) zu multiplizieren: Es ergibt sich 1,04 und damit ein um 4 % höheres Bruttoinlandsprodukt als zuvor (100 % Produktion zu 100 % des Preises = BIP von 1). Fazit unseres (natürlich stark vereinfachten) Beispiels: Die Zunahme des BIP um 4 % entspricht einem rein qualitativen Wachstum, welches zu einer erheblichen Verbesserung des Tierwohls geführt hat.1 Ein immer größeres BIP muss also nicht bedeuten, dass eine immer größere Menge an Gütern und Dienstleistungen unserem Planeten zum Nachteil von Mensch, Tier und Umwelt abgerungen wird. Gerade in entwickelten Volkswirtschaften sollte und wird es in Zukunft immer mehr darum gehen, qualitatives Wachstum in den Vordergrund zu stellen. Dies stellt sich allerdings entgegen vielfach geäußerter anderslautender Positionen durchaus

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Wirtschaftswachstum und kein Ende?

auch in einem BIP-Wachstum dar, und zwar durch höhere Preise für die Güter und Dienstleistungen, die in einer Volkswirtschaft qualitative Verbesserungen bewirken.

Relative Preisänderungen und qualitatives Wirtschaftswachstum 3 , 50

€

relativer Preis

+30 %

4 , 55

Verbrauch

€

relativer Preis

130 %

-20 %

Produktion

80 %

BruttoinlandsproduktWachstumsbeitrag

+4 %

Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Fazit: Ein auch in Zukunft anhaltendes Wirtschaftswachstum weltweit ist also zum einen aufgrund der nötigen Aufholbewegungen der Schwellenländer und zum anderen aufgrund der qualitativen wirtschaftlichen Verbesserungen (vor allem) in den Industrieländern erstens vollkommen realistisch und zweitens unter den genannten Voraussetzungen auch absolut wünschenswert. Der mit Hilfe des obenstehenden Gedankenexperiments illustrierte Aspekt des qualitativen Wachstums macht dabei deutlich, dass Wirtschaftswachstum letztlich nichts anderes ist als die ökonomische Konsequenz des permanenten Strebens der Menschen nach einer Verbesserung ihrer Lebensumstände. Speziell im Rahmen eines freien und marktwirtschaftlich organisierten Ordnungsrahmens wird dabei in einem beispiellosen Umfang Kreativität und Erfindungsreichtum freigesetzt, die letztlich in einen nicht abreißenden Innovationsstrom münden. So gesehen ist Wachstum nach unserer Überzeugung nichts anderes als Ausdruck der menschlichen Natur. Von daher ist dann – um auf die vergleichsweise kleine Welt unseres Anlagekonzepts zurückzukommen – tatsächlich auch bei den Renditeperspektiven einer weltweit gestreuten Aktieninvestition tatsächlich kein Ende absehbar. Das hat nichts mit Realitätsferne, Gier oder Wunschdenken

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zu tun. Sondern schlicht mit der Erwartungshaltung, dass unsere marktwirtschaftliche Ordnung auch zukünftig in der Lage sein wird, das zu tun, was sie in den letzten Jahrzehnten geleistet hat: im Rahmen einer unter Schwankungen langfristig letztlich aufwärtsgerichteten Wirtschaftsleistung die Lebensgrundlagen der Menschen weltweit quantitativ wie qualitativ zu verbessern. 1 Selbstverständlich ist uns bewusst, dass es sich beim üblicherweise ausgewiesenen realen BIP-Wachstum um eine inflationsbereinigte Wachstumsgröße handelt. Allerdings erfolgt hierbei eine Korrektur um den Anstieg des allgemeinen Preisniveaus. Mit unserem extrem vereinfachten Beispiel wollen wir aber die Auswirkungen einer Verschiebung relativer Preise verdeutlichen, beispielsweise eines Anstiegs der Fleischpreise im Vergleich zum restlichen Warenkorb. Solche Preisverschiebungen schlagen sich durchaus in einem realen BIP-Wachstum nieder.

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Das Inflationsgespenst

ist zurück 04. Juni 2021

An den Kapitalmärkten (und nicht nur dort) geht derzeit das fast schon in Vergessenheit geratene Inflationsgespenst um. Angefacht werden die Befürchtungen durch die jüngsten Teuerungssignale aus den USA, denn dort gab es einen überraschend starken Anstieg der Verbraucherpreise: Sie kletterten im April um 4,2 % – nach einem Plus von 2,6 % im Monat zuvor. Im Vorfeld wurde „nur“ mit einem Preisanstieg um 3,6 % gerechnet. Auch hierzulande stieg die Teuerungsrate zuletzt deutlich – im Mai lag sie (gemäß der vorläufigen Schätzung) mit 2,5 % so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Nun herrscht Verunsicherung, denn Investoren befürchten angesichts stark steigender Inflationsraten einen Schwenk der Zentralbanken hin zu einer restriktiveren Geldpolitik (um die Inflationsraten im Zaum zu halten).

Langfristige Inflationsentwicklung in Deutschland und in der Euro-Zone 5% 4,1 % 4%

Deutschland Euro-Zone

3,4 %

2,5 %

3%

2,0 %

2% 1% 0%

-0,5 %

-0,6 %

D ez D . 99 ez . D 00 ez D . 01 ez . D 02 ez .0 D ez 3 . D 04 ez . D 05 ez .0 D ez 6 D . 07 ez . D 08 ez . D 09 ez . D 10 ez D . 11 ez . D 12 ez .1 D 3 ez . D 14 ez .1 D 5 ez . D 16 ez . D 17 ez . D 18 ez D . 19 ez .2 0

-1 %

Inflationsraten (VPI Deutschland; HVPI Euro-Zone) vom 31.12.1999 bis 31.05.2021 (aktuelle Mai-Werte basieren auf vorläufigen Schätzungen von destatisHVPI bzw. Eurostat), monatliche Daten, jeweilsbis im Vergleich zum (aktuelle Vorjahr. Inflationsraten (VPI Deutschland; Euro-Zone) vom 31.12.1999 31.05.2021 Mai-Werte Quellen: destatis, Eurostat, eigene Quirin Privatbank AG basieren auf Bloomberg, vorläufigen Schätzungen von Darstellung destatis bzw. Eurostat), monatliche Daten, jeweils im Vergleich zum Vorjahr.

Quellen: Bloomberg, destatis, Eurostat, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

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In unserem Logbuch vom 12. März dieses Jahres („Inflationsgefahren? Ja, aber anders als vermutet“) haben wir bereits ausführlich dargelegt, warum wir die momentanen Ängste vor kräftig und nachhaltig steigenden Inflationsraten (und in der Folge spürbar anziehenden Anleiherenditen) für übertrieben halten. An dieser Einschätzung halten wir auch im Lichte der jüngsten Entwicklungen fest. Nachfolgend erläutern wir Ihnen die Gründe für unsere unveränderte (Inflations-)Einschätzung.

Zurzeit spielen die Märkte die Inflationskarte In Erwartung einer kräftigen globalen wirtschaftlichen Erholung nach Eindämmung der Covid-19-Pandemie rechnen nicht wenige Anleger mit einem stärkeren Teuerungsdruck, der wiederum die Zentralbanken auf den Plan rufen könnte. Eine restriktivere Gangart in der Geldpolitik mit steigenden Zinsen wäre ein schlechtes Vorzeichen für die Aktienmärkte, die von der jahrelangen Zufuhr billigen Notenbankgeldes profitierten und einen regelrechten Gipfelsturm erlebten bzw. immer noch erleben. Die Anleiherenditen würden in diesem Szenario nach langer Durststrecke wieder spürbar steigen, denn um die steigenden Inflationsraten (zumindest teilweise) auszugleichen, verlangen Investoren im Gegenzug höhere Renditen. Folge: Die Refinanzierungskosten der Unternehmen (bei Anleiheemissionen oder Kreditaufnahmen) erhöhen sich und die Anleihe könnte wieder zunehmend als ernstzunehmende Alternative zur Aktienanlage in Betracht kommen.

Teuerungsdruck dürfte kurzfristig anhalten … mittelfristig aber wieder nachlassen Da im vergangenen Jahr der Lockdown das Preisgefüge mächtig durcheinandergewirbelt hat und viele Produkte günstiger wurden, fällt jetzt im Jahresvergleich die Inflationsrate entsprechend hoch aus. Aufgrund der

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Das Inflationsgespenst ist zurück

zunehmenden Wiederöffnung der Wirtschaft dürfte sich der aufgestaute Konsum in den nächsten Wochen und Monaten entladen. So haben die privaten deutschen Haushalte im Krisenjahr 2020 schätzungsweise rund 110 Mrd. Euro mehr gespart als 2019. Schließlich waren Restaurants geschlossen, Konzerte und Festivals wurden abgesagt, Reisen aufgeschoben. Zum Teil werden die Bürger diesen Konsumverzicht demnächst nachholen. Das könnte zu Preissteigerungen führen, wenn die sprunghaft höhere Nachfrage auf ein nur begrenztes Angebot trifft, das sich nicht in der gleichen Geschwindigkeit steigern lässt. Nach den in vielen Sektoren coronabedingten Preisdämpfern im letzten Jahr gibt es nun aufgrund von Impferfolgen und Lockerungen weitere preistreibende Effekte. Zu nennen sind hier insbesondere höhere Rohstoffpreise (speziell Öl), steigende Frachtkosten, Engpässe in einigen Branchen, z. B. bei Halbleitern und Baumaterialien, aber auch Preissteigerungen im Dienstleistungssektor. All diese Faktoren könnten die Teuerung kurzfristig weiter antreiben. Diese Phase – und das ist der entscheidende Punkt – geht unseres Erachtens aber in ein paar Monaten zu Ende, da sich das Angebot dann an die Wiedereröffnung angepasst haben wird und die Lagerbestände wieder aufgebaut sind.

Ölpreisentwicklung auf 5-Jahres-Sicht Nordsee-Ölsorte Brent in US-Dollar 100 86,1

90 80

70,6

70 60 48,9 50 40 30 17,3

20 10

1

0

Ju n. 2

D ez .2

0 Ju n. 2

D ez .1 9

9 Ju n. 1

8

D ez .1 8

Ju n. 1

D ez .1 7

7 Ju n. 1

D ez .1 6

Ju n. 1

6

0

Brent-Spotpreis für die kurzfristige Lieferung; Stand: 01.06.2021

Brent-Spotpreis für die kurzfristige Lieferung; Stand: Quellen: Bloomberg, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG01.06.2021 Quellen: Bloomberg, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Ein großer Treiber der Inflation ist der eben genannte Ölpreis – was man an der Zapfsäule unschwer feststellen kann. Das liegt vor allem daran, dass vor einem Jahr die Ölpreise kurzfristig stärker in den Keller gerutscht waren.

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Damals steckte die Weltwirtschaft wegen der Corona-Pandemie in der Rezession, die Rohölnachfrage ging drastisch zurück. Die jetzt wieder normalisierte Nachfrage führt gegenüber den krisenniedrigen Preisen des letzten Jahres dann zu hohen Teuerungsraten. Hinzu kommt, dass klimaschädliche fossile Brennstoffe seit Jahresbeginn mit 25 Euro pro Tonne CO2 belegt werden, was sie ebenfalls teurer macht. Der für die Inflationsentwicklung wichtige Ölpreis (mit seinen Auswirkungen auf die Energiepreise) hat auf 12-Monats-Sicht um 80 % zugelegt.

Keine absehbare Steigerung des allgemeinen Preisniveaus In der aktuellen Inflationsdebatte kommt zudem eine aus unserer Sicht oftmals nicht genügend berücksichtigte Unterscheidung bei Preisanstiegen zum Tragen. Unter Inflation verstehen Ökonomen genau genommen den Anstieg des allgemeinen Preisniveaus im Durchschnitt. Rein mathematisch kann dieser entweder durch extreme Preissteigerungen einiger weniger Güter und/oder Dienstleistungen bei mehr oder weniger Konstanz der Mehrzahl der übrigen Preise oder aber einen relativ gleichmäßigen Anstieg mehr oder weniger aller Preise hervorgerufen werden. Je stärker nun einzelne Preise – z. B. für Restaurant-/Friseurbesuche, Fahrradkäufe oder Bauholz (um nur einige prominente Beispiele aus der Presse der letzten Wochen herauszugreifen) – übermäßig ansteigen, während das Gros der restlichen Preise mehr oder weniger konstant bleibt, desto mehr sprechen wir von relativen Preisänderungen – also Veränderungen der Verhältnisse der Preise unterschiedlicher Güter und Dienstleistungen untereinander. Breit angelegte – also mehr oder weniger alle Güter und Dienstleistungen umfassende –inflationäre Entwicklungen sind in der Tat ein gefährliches wirtschaftliches Phänomen. Dadurch verlieren Preissysteme allgemein ihre Aussagekraft – sprich ihre Signalwirkung, die zielführende wirtschaftliche Pläne jedes Einzelnen letztlich erst ermöglicht. Nur auf wenige Güter oder Dienstleistungen entfallende, also im Wesentlichen relative Preisänderungen (die gleichwohl im Durchschnitt ebenfalls die Inflation erhöhen) haben demgegenüber einen ganz anderen Charakter. Sie sind im Grunde ein ganz essenzielles Instrument für die Funktionsweise unserer Marktwirtschaft. Bleiben wir beim bereits erwähnten Beispiel des Bauholzes. Auch wenn man kein Bauherr ist, liest man allenthalben, dass Bauholz in den letzten Wochen sehr teuer geworden und mittlerweile auch knapp ist. Dieser Preisanstieg wirkt sich zwar auch auf die (Gesamt-)Inflation aus. Vor allem aber ist er einerseits ein Signal an die Verbraucher, Nachfrage nur dann in Form

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Das Inflationsgespenst ist zurück

von Käufen umzusetzen, wenn sie wirklich unabdingbar ist (der hohe Preis ist hier nachteilig), und andererseits an die Produzenten, möglichst viel zu produzieren (der hohe Preis ist hier vorteilhaft). Derartige Preisanstiege haben also die unabdingbare Funktion, Märkte, die (z. B. aufgrund der wilden Corona-Achterbahnfahrt) aus den Fugen geraten sind, wieder ins Gleichgewicht zu bringen – in unserem Beispiel sinkt durch den Preisanstieg die Nachfrage und das Angebot steigt, die Preise sinken, der Markt normalisiert sich. Solange also die Inflation im Wesentlichen von Letzterem getrieben wird (und das ist im Moment nach wie vor der Fall), ist sie – zumindest vorübergehend – sogar zu begrüßen und nicht pauschal zu verdammen. Die bereits erwähnten Nachholkäufe vieler Konsumenten dürften den Preisauftrieb dann auch nicht auf Dauer befeuern, da sie zeitlich (Beispiel Tourismus) und auch aufgrund der Konstellation (Beispiel Bauholz) nach begrenzt sind. Ob die Inflation tatsächlich dauerhaft anzieht, hängt nach unserer Einschätzung vor allem von einem der wichtigsten Kostentreiber, dem Lohndruck, ab. Dieser würde dann tatsächlich die Gefahr bergen, dass das Preisniveau in Gänze steigt. Allerdings würde der Lohndruck wegen der immer noch relativ hohen Arbeitslosigkeit nur moderat ausfallen (und dürfte das auch weiterhin tun). Hinzu kommt: In vielen Ländern sind Termine für Insolvenzanmeldungen verschoben und teils marode Firmen mit Hilfsgeldern am Leben erhalten worden, was den Lockdowns geschuldet war bzw. immer noch ist. Doch in nicht allzu ferner Zukunft fallen diese Hilfsmaßnahmen weg. Dann vom Markt verschwindende Firmen könnten erhebliche Nachfrageausfälle bei Investitionsgütern, freigesetzte Arbeitnehmer und dadurch wiederum Konsumrückgänge nach sich ziehen – all das würde sich dann wiederum dämpfend auf die Inflation auswirken. Viele im Augenblick inflationssteigernde Effekte dürften folglich nur einmaliger Natur sein und eben nicht dauerhaft. Überdies muss sich erst noch herausstellen, wie nachhaltig das Wachstum aufgrund von nachgeholtem Konsum und Investitionsausgabensteigerung tatsächlich ausfallen wird. Die Verunsicherung ist immer noch recht hoch und viele am Wirtschaftskreislauf Beteiligte könnten mit ihren Ausgaben weiterhin zögerlich umgehen.

Und was machen die Notenbanken? Auch die Währungshüter sind der Ansicht, dass die Preise nur zeitweilig stärker aufflammen werden – in Deutschland in der Spitze kurzzeitig bis vielleicht sogar 4 %. Die Notenbanker bewahren in Sachen Inflation daher Ruhe und argumentieren wie folgt: Die meisten Volkswirtschaften seien noch weit von der Vollbeschäftigung entfernt. Trotz der einsetzenden Konjunkturerholung fehlten in den USA im April rund 10 Mio. Arbeitsplätze. Im Euro-Raum liege die Beschäftigungsquote immer noch weit unter dem Niveau von vor der Krise.

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Nach einer Inflationsrate im Euro-Raum von durchschnittlich 0,3 % in 2020 rechnet die EZB für die kommenden Jahre mit folgenden Teuerungsraten: 2021: 1,5 % (in der Spitze 2 % im 4. Quartal), 2022: 1,2 % und 2023: 1,4 %. Die Währungshüter würden somit weiterhin für Jahre ihr selbst gestecktes Inflationsziel von knapp unter zwei Prozent verfehlen, das sie für die Wirtschaft mittelfristig als optimal erachten. Diese Marke erreichen sie bereits seit Jahren nicht. Die Notenbanker der EZB dürften somit vermutlich eher froh darüber sein, wenn sich die aktuelle Preissteigerungsrate endlich mal wieder in Richtung des lange nicht gesehenen Zielwertes von rund 2 % bewegt und vielleicht auch kurzfristig darüber hinausschießt. Da wird Zentralbank-Chefin Lagarde gern abwarten und nicht gleich über Zinssteigerungen die begonnene Konjunkturerholung wieder abwürgen wollen. Vor diesem Hintergrund erwarten wir keine vorzeitige geldpolitische Straffung durch die Europäische Zentralbank, auch im Falle von in den nächsten Monaten erst einmal möglicherweise weiter steigenden Inflationsraten. Angesichts des kräftigen Aufschwungs nach der Coronakrise zeichnet sich demgegenüber in der US-Notenbank Fed allerdings tatsächlich eine erste vorsichtige Debatte über das sog. „Tapering“ ab, also über die Reduktion der Anleihekäufe. Eine Reihe von Währungshütern denkt darüber bereits laut nach, wie aus den veröffentlichten Protokollen der US-Zinssitzung vom April hervorgeht. Wenn die Konjunkturerholung weiter rasche Fortschritte mache, könnte es nach Ansicht der Notenbanker auf einer der nächsten Sitzungen „angemessen“ sein, über einen Plan zur Anpassung des Tempos bei den Anleihekäufen zu sprechen.

Langfristige Inflationsentwicklung in den USA 6%

5,6 %

5%

4,2%

4% 3% 2%

2,7 %

1% 0% -1 % -2 %

-2,1 %

D ez . D 99 ez .0 D 0 ez D . 01 ez . D 02 ez D . 03 ez . D 04 ez . D 05 ez .0 D 6 ez D . 07 ez . D 08 ez . D 09 ez . D 10 ez D . 11 ez . D 12 ez D . 13 ez . D 14 ez . D 15 ez .1 D 6 ez D . 17 ez . D 18 ez D . 19 ez .2 0

-3 %

US-Inflationsrate vom 31.12.1999 bis 30.04.2021, monatliche Daten, jeweils im Vergleich zum Vorjahr. Quellen: Bloomberg, Darstellung Privatbankmonatliche AG US-Inflationsrate vomeigene 31.12.1999 bis Quirin 30.04.2021, Daten, jeweils im Vergleich zum Vorjahr.

Quellen: Bloomberg, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

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Mays Logbuch

Das Inflationsgespenst ist zurück

Doch signalisieren die US-Währungshüter auch, dass auf die Diskussion keinesfalls zeitnah mit konkreten Schritten zum Abschmelzen der Anleihekäufe zu rechnen ist. Die US-Notenbank unterstützt die von der Coronakrise getroffene Wirtschaft mit monatlichen Geldspritzen von 120 Mrd. US-Dollar in Form von Anleihekäufen. Sie will daran so lange festhalten, bis substanzielle Fortschritte vor allem bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit erreicht sind. Dies ist auf absehbare Zeit – zumindest Stand heute – nicht der Fall. Somit bleibt als Fazit festzuhalten: Ja, das Inflationsgespenst ist zurück. Zum einen brauchen wir es derzeit aber, um den Wirtschaftsprozess auf die Nachkrisenzeit zu „eichen“. Zum anderen dürfte dieses Gespenst unseres Erachtens nicht allzu lange bleiben. Grundsätzlich gilt: Mit einem weltweit breit gestreuten Depot aus Aktien können Anleger einer Inflation relativ gelassen entgegensehen. Über die Beteiligung an Unternehmen könnten Anleger schließlich von anziehenden Preisen, die die Firmengewinne steigen lassen, sogar profitieren.

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Staatsverschuldung – „Point of no Return“ bereits

überschritten? 18. Juni 2021

Der Blick in die obligatorischen täglichen Statistiken stimmt ja mittlerweile durchaus wieder positiv, denn die Corona-Inzidenzen in Deutschland liegen seit einiger Zeit durchgängig unter 20. Dementsprechend ist nun auch endlich wieder ein Mehr an öffentlichem Leben möglich. Erfreulich viele Orte dieses öffentlichen Lebens – Restaurants, Cafés, Kulturstätten – öffnen wieder ihre Pforten – bzw. es bereiten sich viele Geschäfte, die lange Zeit geschlossen waren, auf den lang ersehnten Neustart vor. Erkauft wurde dieses (sehr mühsame und sorgenbeladene) Überleben vieler Betriebe und Kultureinrichtungen in erster Linie durch die massiven staatlichen Stützungsmaßnahmen der letzten Monate – sprich es wurde sehr viel Geld in die Hand genommen, um eine großflächige Pleitewelle zu verhindern. Diese Stützungsmaßnahmen waren überwiegend schuldenfinanziert. Daher ist in den letzten Monaten, parallel zur alles überlagernden Corona-Pandemie, eine weitere Befürchtung hinzugetreten, nämlich die einer ausufernden und letztlich nicht mehr beherrschbaren Staatsverschuldung. Diese Befürchtung artikuliert sich immer häufiger in der Frage: „Wer soll das bezahlen?“

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Staatsverschuldung …

Corona hat in vielen Ländern die vorher schon angespannte Schuldensituation weiter verschärft Insbesondere hierzulande wächst diese Sorge (ähnlich wie seinerzeit bei der Finanz- und Eurokrise) – weniger mit Blick auf die eigenen nationalen Schuldenstände, sondern vielmehr vor dem Hintergrund der angespannten Schuldensituation unserer (meist südlichen) europäischen Nachbarn, durchaus aber auch hinsichtlich der hohen Schuldenberge in den USA und in Japan. Damals wie heute ist der Grund hierfür: Bereits vor Ausbruch der Coronakrise und der daraus resultierenden massiven Schuldenaufnahme für die erwähnten Stützungsprogramme war der Schuldenstand international sowie bei vielen europäischen Nachbarn deutlich höher als in Deutschland. Allen voran Italien und Spanien wiesen schon Anfang 2020 (zu Beginn der Corona-Pandemie) eine an der jährlichen Wirtschaftsleistung (dem Bruttoinlandsprodukt – kurz: BIP) gemessene Schuldenstandsquote aus, die deutlich über (Italien) oder nur knapp unter (Spanien) 100 % lag. Inzwischen hat auch Spanien diese Schwelle überschritten, in Italien liegt die Schuldenstandsquote nun sogar bei gut 150 %. Parallel zu den rasant steigenden Schuldenbergen speziell in den südeuropäischen Ländern wächst in Deutschland die Sorge, dass diese Schulden eines Tages im Rahmen der EU „vergemeinschaftet“ werden könnten.

Erinnert sich noch jemand an Maastricht? Im Maastricht-Vertrag von 1992 wurden Kriterien für den Beitritt eines Landes zur Währungsunion festgelegt, bekannt auch als „Maastricht-Kriterien“. Diese umfassten Obergrenzen für das öffentliche Defizit sowie für den Schuldenstand. So wurde seinerzeit festgelegt: Der Schuldenstand eines EU-Mitglieds darf 60 % (!) des BIP nicht übersteigen. Eine Quote, die für viele EU-Länder mittlerweile in unerreichbare Ferne gerückt zu sein scheint.

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Ausgewählte Schuldenstandsquoten 300 % 256,2 % 250 % 213,1 % 200 % 155,6 % 150 %

127,1 %

117,1 %

113,5 %

100 %

131,6 %

68,9 %

50 %

nl an d rie ch e

G

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Verhältnis des Schuldenstandes zum nominellen Bruttoinlandsprodukt Stand: 31.12.2020

Verhältnis des Schuldenstandes zum nominellen Bruttoinlandsprodukt

Quellen: IWF (World Economic Outlook Database), eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Stand: 31.12.2020 Quellen: IWF (World Economic Outlook Database), eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Diskutable Berechnungsmethode Die Befürchtungen, welche diese schwindelerregenden Zahlen auslösen, sind nur allzu verständlich. Legen sie doch den Schluss nahe, dass viele Länder schon weit mehr Schulden aufgenommen haben, als für sie tragbar ist. Insbesondere Schuldenquoten von über 100 % suggerieren, dass damit quasi eine unsichtbare rote Linie überschritten wurde, jenseits derer eine Rückführung der Schulden fast nicht mehr möglich ist. Dies ist jedoch eine Fehlinterpretation, die weniger über die tatsächliche Tragfähigkeit staatlicher Schulden aussagt als vielmehr ein weiteres Mal deutlich macht, wie unzulänglich bestimmte Messgrößen sind – insbesondere auch die Schuldenstandsquote –, mit denen wir gemeinhin die Größenordnung der Staatsverschuldung messen. Hier wird nämlich, wie schon kurz erwähnt, der aktuelle Schuldenstand eines Staates (in Deutschland Ende 2020 etwa 2,3 Bio. Euro) ins Verhältnis zur aktuellen Wirtschaftsleistung gesetzt bzw. zur gesamtwirtschaftlichen Produktion eines Jahres (BIP in Deutschland 2020 gut 3,3 Bio. Euro), was für Deutschland eine Schuldenstandsquote von rund 69 % für das Jahr 2020 bedeutet (die aber deutlich steigen wird). Der Vorteil solch einer „knackigen“ Verhältniszahl – und damit letztlich auch der Grund, warum sie verwendet wird –, liegt vor allem in der Möglichkeit internationaler Vergleiche. Aufgrund der Berechnungsweise und der daraus resultierenden Prozentangabe können Schuldenstände weitgehend unabhängig von Größe und Wirtschaftsleistung eines Landes untereinander verglichen werden. Die Krux aber ist hierbei: Der Vergleichsmaßstab, der hierfür herangezogen wird – die jährliche Wirt-

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Staatsverschuldung …

schaftsleistung, gemessen als BIP –, ist aus ökonomischer Sicht nicht die ideale Wahl. Stellen Sie sich bitte einmal vor: Die Frage, ob Sie als Unternehmer oder auch privater Haushalt überschuldet sind, würde ausschließlich danach beurteilt, wie hoch Ihre Verschuldung prozentual gegenüber Ihrem laufenden Jahreseinkommen ausfällt. Als Resultat dieser Berechnungsmethode wäre beispielsweise die überwältigende Mehrheit aller Eigenheimbesitzer überschuldet. Denn der angewendete Quotient ignoriert, dass das Ausmaß der Verschuldung sinnvollerweise am Gesamtvermögen gemessen werden sollte, das dieser Verschuldung gegenübersteht, d. h. im Falle der Staatsschulden: am Vermögen der öffentlichen Hand. Nur: Was betriebswirtschaftlich oder privat relativ einfach zu bewerkstelligen ist, entpuppt sich volkswirtschaftlich als schier unlösbare Aufgabe. Das gesamte Vermögen einer Volkswirtschaft auch nur annähernd (und vor allem aktuell!) zu erfassen, ist nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Dies gilt umso mehr, wenn es um den Wert des Staatsvermögens geht.

Deutsche Schuldenstandsquote aus zwei Blickwinkeln

68,9 %

12,5 %

Staatsschuldenanteil am geschätzten „Ertragswert der öffentlichen Hand“ Staatsschuldenanteil am Bruttoinlandsprodukt Linker Kreis: prozentuales Verhältnis des Schuldenstandes (2,3 Bio. Euro) zum nominellen Bruttoinlandsprodukt (3,34 Mrd. Euro) Rechter Kreis: prozentuales Verhältnis des Schuldenstandes (2,3 Bio. Euro) zum geschätzten „Ertragswert der öffentlichen

Linker Kreis: prozentuales Verhältnis des Schuldenstandes (2,3 Bio. Euro) zum nominellen Hand“ (18,34 Mrd. Euro) Bruttoinlandsprodukt (3,34 Mrd. Euro) Stand: 31.12.2020

Quellen: IWF (World Economic Outlook Database), eigene Berechnungen und Darstellung Quirin Privatbank AG

Rechter Kreis: prozentuales Verhältnis des Schuldenstandes (2,3 Bio. Euro) zum geschätzten „Ertragswert der öffentlichen Hand“ (18,34 Mrd. Euro) Stand: 31.12.2020 Quellen: IWF (World Economic Outlook Database), eigene Berechnungen und Darstellung Quirin Privatbank AG

Trotz der enormen Schwierigkeiten, die mit der erwähnten Erhebungsmethode verbunden sind, gibt es Versuche, diesen Wert zumindest annäherungsweise zu erfassen. Auch wir haben eine entsprechende Schätzung durch-

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geführt und kommen dabei auf einen „Ertragswert der öffentlichen Hand“ in Höhe von rund 18,34 Bio. Euro. Diese Schätzung wurde unter Zugrundelegung einer Reihe stark vereinfachender Annahmen1 durchgeführt, von denen jede einzelne mit durchaus berechtigten Argumenten angezweifelt werden kann. Nichtsdestotrotz ist auch eine derart grobe Schätzung sinnvoll, weil damit zumindest die Größenordnungen (ansatzweise) sichtbar werden, von denen hier die Rede ist. Der entscheidende Punkt ist also weniger, ob der konkrete Wert nun rund 18 Bio. Euro beträgt – oder 15 oder gar 25 Bio. Euro. Viel wichtiger ist die enorme Größenordnung, von der wir hier reden und wie diese sich im Verhältnis zum aktuellen Schuldenstand des Staates darstellt. Setzt man nun die Höhe der Staatsschulden ins Verhältnis zu dem von uns ermittelten Wert, so ergibt sich ein völlig anderes Bild als das, welches durch die herkömmliche Schuldenstandsquote gezeichnet wird.

Festhalten an der alten Berechnungsmethode Nicht zuletzt aufgrund der mit derartigen Schätzungen verbundenen Unwägbarkeiten und potenziellen Konfliktfelder – man denke nur an entsprechende langwierige Diskussionen innerhalb der EU – hat man sich schon vor Jahrzehnten dazu entschieden, die Staatsverschuldung prozentual an der jährlichen Wirtschaftsleistung zu messen (die relativ leicht zu ermitteln ist, für deren Bestimmung es schon lange international etablierte Standards gibt und die stets recht aktuell vorliegt). Damit lassen sich dann zeitnahe Aussagen zur Entwicklung der Verschuldung ableiten und gegebenenfalls rechtzeitige wirtschafts- und finanzpolitische Reaktionen einleiten. Berücksichtigt man aber die hier dargestellten Zusammenhänge, wird die magische Schwelle von 100 % Schuldenstandsquote mehr oder weniger bedeutungslos und (zu Recht) ihres Schreckens beraubt. Von daher sind aus unserer Sicht auch Berichte völlig übertrieben, die derzeit immer mal wieder kursieren und nach denen viele Staatshaushalte unter der aktuellen Schuldenlawine zu kollabieren drohen.

Staatsschulden trotzdem nicht auf die leichte Schulter nehmen Doch wir wollen an dieser Stelle nicht falsch verstanden werden: Wir glauben nicht, dass der fortdauernde Anstieg der weltweiten Staatsverschuldung ohne negative Auswirkungen beliebig möglich ist. Bleiben wir beim Beispiel des privaten Haushalts: Ein Haushalt, der eine Verschuldung aufweist, deren Tilgungsaufwände höher als das laufende Einkommen ist, dem aber gleichzeitig kein Vermögen gegenübersteht, z. B. das selbst bewohnte Haus oder ein Wertpapierdepot, dürfte tatsächlich zunehmende Probleme bekommen, seinen Schuldendienst ordnungsgemäß zu leisten und die Schulden langfristig auch abzubauen. Im übertragenen Sinne bedeutet das: Staatsverschuldung sollte zuallererst immer in Verwendungen fließen,

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Staatsverschuldung …

die auch produktives Vermögen (z. B. in Form von Verkehrsinfrastruktur, Schulen usw.) aufbaut. Damit ist dann auch sichergestellt, dass ausreichend Einkommen, d. h. BIP, erwirtschaftet wird, so dass Schuldendienste auch bei höheren Verschuldungsniveaus geleistet werden können. Die in den letzten Monaten ausgeuferten globalen Staatsschulden sind also in jedem Falle ernst zu nehmen. Unkenrufe jedoch, nach denen die Mehrzahl der weltweiten Staatshaushalte die Grenzen nachhaltigen Wirtschaftens durch überbordende Verschuldung längst überschritten haben und wir bereits einen „Point of no Return“ erreicht hätten, sind aber überzogen. Viel wichtiger, als die derzeit stark steigende Verschuldung zu kritisieren – die wie schon geschildert maßgeblich für den bisher recht glimpflichen konjunkturellen Einbruch in Folge der Coronakrise verantwortlich ist –, wäre es daher, darauf hinzuarbeiten, dass die jüngst entstandene Verschuldung durch starkes Wirtschaftswachstum und Haushaltsdisziplin in den nächsten Jahren wieder nachhaltig abgebaut wird. Vor allem für kommende Krisen entstünde so ein gewisser Puffer, der Regierungen handlungsfähig bleiben ließe. Die Vergangenheit hat allerdings auch allzu oft gezeigt, wie schwer sich Politiker (die schließlich wiedergewählt werden wollen) mit staatlichen Kürzungsprogrammen tun.

Ohne Vertrauen geht’s nicht Und damit sind wir an einem Punkt, den wir auch an anderer Stelle immer wieder betonen: dem Vertrauen. Staatsverschuldung – in welcher Höhe auch immer – wird spätestens dann zu einem ernsthaften Problem, wenn sie zu einer Erosion des Vertrauens der Bevölkerung in die Solidität und Seriosität staatlichen Handelns führt. Davon sind wir derzeit – auch international – noch recht weit entfernt. Trotzdem sollte dieses Vertrauen nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt, sondern sorgfältig gepflegt werden. Wenn derzeit also zu Recht über die Frage diskutiert wird, ob angesichts der nötigen Investitionen in die öffentliche Infrastruktur die Schuldenbremse gelockert werden müsste, dann sollte das mit viel Augenmaß geschehen und nicht in der (vertrauensmindernden) Forderung münden, sie wieder gänzlich abzuschaffen. Und auch in Europa ist bei aller Notwendigkeit von fiskalischer Solidarität im Auge zu behalten, dass aus der Europäischen Union keine reine Transferunion wird, die Missstände nicht mehr beseitigt, sondern zementiert. Anderenfalls gilt in Anlehnung an ein Zitat Willy Brandts: „Vertrauen ist nicht alles, aber alles ist nichts ohne Vertrauen.“ 1 Ausgangspunkt unserer Schätzung ist die Überzeugung, dass eine funktionierende staatliche Infrastruktur neben Arbeit und Kapital (inkl. Boden) einen zusätzlichen (und notwendigen) Produktionsfaktor darstellt. Weiter gehen wir davon aus, dass sich der ökonomische Wert der Gesamtheit aller Produktionsfaktoren ausschließlich aus seinem Potenzial ableitet, eine jährliche Wertschöpfung in Form des BIP zu erzielen. Unterstellen wir hierbei – abgeleitet aus historischen Aktienmarktrenditen – eine jährliche „Wertschöpfungsrendite“ von 6 %, so ergibt sich bei einem BIP-Volumen von rund 3,3 Bio. Euro ein ökonomischer Ertragswert aller volkswirtschaftlichen Produktionsfaktoren (inkl. Faktor Staat) von rund 55 Bio. Euro. Geht man weiter davon aus, dass davon ein rundes Drittel auf die öffentliche Hand entfällt, ergibt sich für eine funktionierende staatliche Infrastruktur im weitesten Sinne ein Ertragswert der öffentlichen Hand von rund 18,34 Bio. Euro.

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Quirin Quartalsbuch | 2.Quartal 2021

Über die Quirin Privatbank Die Quirin Privatbank ist die erste Honorarberaterbank Deutschlands und als unabhängiger Anlageberater bei der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) registriert. Das Geschäftsmodell ist darauf ausgerichtet, Anleger fair und transparent zu beraten. Hierzu gehören komplette Kostentransparenz und die Rückvergütung aller offenen und versteckten Provisionen. 2006 gegründet, betreut das Institut mittlerweile über 10.000 Kunden in Deutschland mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 4,3 Milliarden Euro. Die Honorarberatung der Quirin Privatbank löst den Interessenkonflikt herkömmlicher Bankberater, die oft verkaufen müssen, was die höchste Provision bringt. Die Quirin Privatbank lässt sich dagegen direkt vom Kunden bezahlen und muss daher keine hauseigenen Produkte vertreiben. Sie ist unabhängig in der Beratung und empfiehlt ausschließlich für den Anleger wirklich geeignete und kostengünstige Produkte. Die digitale Tochter quirion wurde 2013 gegründet und ist Deutschlands beste digitale Geldanlage.* Sie ermöglicht einen professionellen Vermögensaufbau bereits ab 500 Euro Anlagesumme – einfach und bequem von zu Hause. Die beiden Unternehmen bieten eine neue Dimension der Beratung und verbinden digitale Geldanlage mit persönlicher Beratung – ein in Deutschland einzigartiges Angebot. Auch in der Vermögensverwaltung verfolgt die Quirin Privatbank innovative Ansätze. Unter dem Titel „Markt – Meinung – Wissen“ wurde gemeinsam mit dem Kapitalmarktforscher Professor Dr. Stefan May ein wissenschaftlich fundiertes Konzept entwickelt, mit dem sich Anleger systematisch die Rendite des Marktes sichern – frei von Prognosen und Spekulation. Das ergänzende Portfolio „Verantwortung“ ermöglicht eine nachhaltige Geldanlage, die ebenfalls in den breiten Markt investiert. Dadurch müssen Anleger langfristig nicht mehr Risiken eingehen und auf Rendite verzichten. Die Vermögensverwaltung wurde bereits mehrfach als „herausragend“ ausgezeichnet, Kunden empfehlen das Institut überdurchschnittlich oft und gerne weiter. * quirion ist Testsieger bei Stiftung Warentest (Finanztest 8/2018 und 7/2021).

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