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Quirin Quartalsbuch 1. Quartal 2021 – Quirin Privatbank

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Quirin Quartalsbuch

Schmidts Tagebücher und Mays Logbücher im Überblick

1. Q uartal 2021


Schmidts Tagebuch „Auch das erste Quartal 2021 steht voll und ganz im Zeichen der CoronaPandemie. Trotz vieler unverändert bestehender Unwägbarkeiten und Herausforderungen sollten wir den Blick auf das Positive nicht verlieren. Das ist mir im Privaten wie im unternehmerischen Kontext wichtig – und das zeigt sich auch in dem einen oder

K ARL MAT THÄUS SCHMIDT

anderen Tagebuchbeitrag. Zudem be-

Vorstandsvorsitzender

leuchte ich den Hype um den Bitcoin

der Quirin Privatbank AG

sowie den krimireifen GameStop-Fall

und Gründer von quirion

und mache deutlich, wie bei der Geldanlage mehr vom Rendite-Kuchen für Sie übrig bleibt. Ich hoffe, Ihren Appetit angeregt zu haben, und wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen!“

JANUAR 2021 4 10

Alles wird immer … besser Die teuerste Pizza aller Zeiten

FEBRUAR 2021 19

GameStop, Robinhood und Co. – mutieren die Börsen zu Spielcasinos?

25

In guten wie in schlechten Zeiten

MÄRZ 2021 32

Unternehmer an die Macht!

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Damit vom Kuchen etwas übrig bleibt

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

Alles wird immer … 08. Januar 2021

besser

Wow, das sind aber gute Nachrichten. So tolle Neuigkeiten gab es lange nicht. Wann haben Sie das beim Fernsehen oder beim Zeitunglesen zuletzt gedacht? Ich für meinen Teil weiß es – ehrlich gesagt – nicht mehr. Es ist auf jeden Fall etwas länger her. Denn oft dominieren negative Meldungen die Nachrichten. Doch ich habe mich auf die Suche begeben. Und es gibt sie – die vielen guten Meldungen über große und kleine Veränderungen hin zu einer besseren Welt. Nachrichten über ein Start-up, das Wasser von Mikroplastik reinigt. Über eine App gegen das Hungern.1 Über Kühlschränke und Klimaanlagen, die deutlich weniger Energie verbrauchen als bisher.2 Über ein Pflegeheim, in dem 56 Bewohner und Mitarbeiter an Corona erkrankten, aber niemand einen schweren Verlauf erlitt und alle mittlerweile wieder genesen sind.3 Über Ziegelsteine, die aus Plastikmüll hergestellt werden und aus denen wiederum Schulen für afrikanische Kinder gebaut werden.4 Über ein Ozonloch, das so klein ist wie seit 30 Jahren nicht mehr.5

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Schmidts Tagebuch

Alles wird immer … besser

Schaut man sich die Nachrichten an oder liest Zeitung, scheint es jedoch oft, als gäbe es nur Katastrophen, Skandale, Konflikte. Alles scheint immer schlimmer zu werden. In einem Krisenjahr wie dem vergangenen oder in Anbetracht der aktuellen Ereignisse in den USA potenziert sich dieser Eindruck und verstärkt das Gefühl, die Welt gerate aus den Fugen. Doch das täuscht: Die Welt wird nicht immer schlechter. Im Gegenteil, sie wird immer besser. Und uns das vor Augen zu halten, ist wichtig – insbesondere in Krisenzeiten.

Angst steigert die Auflagen Sollten Sie sich schwertun, zu glauben, dass die Welt stetig besser wird, dann ist das nur verständlich. Unsere Medien – egal ob TV, Zeitungen oder digitale Produkte – leben von möglichst aufmerksamkeitsstarken Neuigkeiten. Das gelingt mit negativen Meldungen besser als mit positiven. Sorgen und Ängste steigern die Auflagen und Einschaltquoten. Im Grunde geht es immer darum, mit einer Meldung möglichst viel Aufmerksamkeit zu generieren. Da geraten Nachrichten, die positiv sind und deshalb eben auch etwas langweiliger, schnell ins Hintertreffen. Stattdessen wird – bitte entschuldigen Sie meine Ausdrucksweise – alle paar Tage eine neue mediale Sau durchs Dorf getrieben. Zudem können Medien natürlich auch nicht über das berichten, was (glücklicherweise) nicht passiert ist. Ein Zug, der nicht entgleist, ist erwünschte Normalität – und damit keine Berichterstattung wert.

Nicht mehr Krisen als früher – nur mehr Medien Parallel hat jeder Einzelne von uns heute Zugang zu ungleich viel mehr Informationen, als es beispielsweise vor 30 Jahren noch der Fall war, von der längeren Vergangenheit ganz zu schweigen. Regelrechte Informationsfluten strömen in Echtzeit auf uns ein, wenn wir uns nicht aktiv dagegen wehren oder gezielt selektieren. Dieses Mehr an Informationen suggeriert gleichzeitig, es würde auch mehr Negatives passieren.

Es geht uns so gut wie noch nie zuvor Doch dieser Eindruck trügt. Es geht uns so gut wie nie zuvor, uns allen. Ich möchte das gerne mit ein paar Zahlen und Fakten belegen, in Anlehnung an einen Artikel von Hans Rosling („Die Welt wird immer besser“, erschienen in der FAZ am 9. April 2018). Ich teile nicht alle seine Einschätzungen und oft fehlen mir auch Bezüge und Relationen. In der Grundtendenz zeigt Rosling aber zutreffend, worum es mir geht: Auch wenn es noch viele Themen gibt, die wir angehen und lösen müssen, ging es uns noch nie so gut wie heute.

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

1. So ist beispielsweise die Alphabetisierung aller Menschen in den letzten beiden Jahrhunderten weltweit enorm vorangeschritten. Heute können 86 Prozent aller Erwachsenen lesen und schreiben.

Alphabetisierung Anteil der Erwachsenen (über 15 Jahre) mit Grundfertigkeiten im Lesen und Schreiben

86 % 2016

10 % 1800

1800

1900

2000

Quellen: Gapminder basierend auf UNESCO und van Zanden 2009; eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Quellen: Gapminder basierend auf UNESCO und van Zanden 2009; eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

2. Einen großen Fortschritt gab es auch beim Zugang zu Wasser aus geschützten Quellen. Heute haben 88 Prozent aller Menschen diesen Zugang – das sind 30 Prozent mehr, als es 1980 waren.

Wasserversorgung Anteil der Menschen mit einer mindestens grundlegenden Trinkwasserversorgung

88 % 2015

58 % 1980

1980

1990

2000

2010

Quellen: WHO 1991, WHO/UNICEF 2015; Weltbank, Improved Water Source; eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Quellen: WHO 1991, WHO/UNICEF 2015; Weltbank, Improved Water Source; eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

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Schmidts Tagebuch

Alles wird immer … besser

3. Ähnlich verhält es sich bei der Nutzung des Internets – ein wichtiger Aspekt der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und an der Bildung.

Internet Anteil der Menschen weltweit, die das Internet nutzen

50 % 2019

0% 1980 1980

1990

2000

2010

Quellen: Gapminder basierend auf ISC; ITU ITC Facts and Figures 2017; eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Quellen: Gapminder basierend auf ISC; ITU ITC Facts and Figures 2017; eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

4. Die Kindersterblichkeit ist in den letzten 200 Jahren extrem gesunken – von weltweit 44 Prozent auf 4 Prozent. Das hat sicher auch damit zu tun, dass der Anteil der geimpften einjährigen Kinder bei 88 Prozent liegt. 1980 waren es gerade einmal 22 Prozent.

Kindersterblichkeit Kindersterblichkeit ist drastisch gesunken, da immer mehr Kinder geimpft werden. Kindersterblichkeit

Impfungen

Anteil der Kinder, die vor dem 5. Lebensjahr sterben

Anteil der einjährigen Kinder, die zumindest eine Impfung erhalten haben

88 %

40 %

2016

1800

4%

22 %

2016

1980

1800

1900

2000

1980

1990

2000

2010

Quellen: Gapminder basierend auf UN-IGME, Human Mortality Database; WHO Global Health Observatory, Immunizaition; eigene Darstellung Quirin Privatbank AG Quellen: Gapminder basierend auf UN-IGME, Human Mortality Database; WHO Global Health Observatory, Immunizaition; eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

5. Der Anteil der Erdoberfläche, der als Naturschutzgebiet oder als Nationalpark besonderen Schutz erfährt, ist stetig gestiegen.

Naturschutzgebiete Anteil der Erdoberfläche, der als Nationalpark oder Naturschutzgebiete ausgewiesen ist

14,7 % 2016

0,03 % 1900 1900

1950

2000

Quellen: Gapminder basierend auf Abouchakra et al. 2016 und UNEP; eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Quellen: Gapminder basierend auf Abouchakra et al. 2016 und UNEP; eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Und so lassen sich viele weitere Beispiele positiver Entwicklungen finden (siehe auch Roslings Artikel). Die Lebenserwartung ist so hoch wie nie, es darf nicht mehr überall geraucht werden, die Menschen achten immer mehr auf eine nachhaltige Lebensweise – sogar bei der Geldanlage. Kritiker werden sagen, dass es trotzdem noch zu viele Menschen gibt, die Hunger leiden, zu viele Regenwälder, die abgeholzt werden, zu viele Rechtspopulisten und Diktatoren, die im politischen Geschehen aktiv mitmischen, zu viele Menschen, die nur die Schattenseiten einer globalisierten Welt zu spüren bekommen,nicht aber deren Vorzüge. Ja, das ist völlig korrekt. Und von all diesen Themen dürfen wir uns auch nicht abwenden. Aber wir sollten unseren Blick nicht nur darauf richten, was es noch zu tun gibt, sondern auch darauf, was wir schon erreicht haben. Die bisher erzielten Erfolge bestärken uns, auch die noch offenen Baustellen anzugehen. Es gibt noch viel zu tun – aber wir haben auch schon viel erreicht. Es ist kein Widerspruch, die bereits erzielten Erfolge zu feiern und zugleich um weitere Verbesserungen zu kämpfen.

Erfolge geben Kraft Das gilt auch für die aktuelle Krise. Auch hier wird meist mehr gemeckert als gelobt. Ja, es ist fraglich, ob Schulschließungen und neue, drastische Kontaktbeschränkungen, die vor allem jüngere Kinder treffen, die besten

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Schmidts Tagebuch

Alles wird immer … besser

Mittel der Wahl sind, um die Pandemie zu bekämpfen. Und ja, die Impfungen könnten vielleicht etwas schneller gehen. Aber ernsthaft – zu Beginn der Pandemie galt eine so zeitnahe Entwicklung eines Impfstoffes noch als ziemlich unwahrscheinlich, da war von ganz anderen Zeiträumen die Rede. Und jetzt haben wir sie – nach etwa neun Monaten starten die ersten Impfungen. Und es sind bereits knapp 400.000 Menschen in Deutschland geimpft, das ist im internationalen Vergleich gar nicht schlecht. Also freuen wir uns, statt immer zu meckern, dass alles besser und schneller gehen müsse. Richten wir unseren Blick darauf, was wir bereits erreicht haben und wie wir mit dieser fundamentalen Krise umgehen. Wir wehren uns systematisch, wir stehen füreinander ein, nehmen Rücksicht aufeinander und helfen uns gegenseitig. Wenn wir wollen, dass es weiter aufwärtsgeht, brauchen wir alle miteinander Zuversicht und Optimismus. Die bereits erzielten Erfolge geben uns Kraft und Motivation. Das Verbreiten von Panik und Angst hingegen ist genauso schädlich wie ein Virus – und eigentlich noch viel schlimmer, denn dagegen gibt es keine Impfung.

Wir brauchen mehr gute Nachrichten Von den Medien wünsche ich mir eine insgesamt ausgewogenere Berichterstattung mit mehr Lebensrealität und eine entdramatisierte Welt, die die noch bestehenden Herausforderungen anpackt und die erzielten Erfolge würdigt. Es gibt zunehmend Initiativen und Projekte einzelner Medien, die es sich zum Ziel gemacht haben, bewusst auch über positive Entwicklungen zu berichten. Jedoch sind diese eher noch in der Unterzahl. Es ist und bleibt also an uns, unsere Wahrnehmung zu schärfen, gute Neuigkeiten zu suchen und bewusst wahrzunehmen, negative Nachrichten in Relation zu setzen, Bezüge herzustellen und parallel gezielt das Positive nach vorn zu stellen. Achtsamkeit ist nicht ohne Grund ein immer stärker werdender Trend, denn die zugrundeliegende Idee ist eine gute. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die vielen positiven Ereignisse – in Ihrem Alltag, in Ihrem näheren Umfeld, aber auch in der großen weiten Welt. Wir sollten den guten Nachrichten genauso viel Aufmerksamkeit schenken wie den Themen, die wir noch angehen und vorantreiben müssen. Dann sehen wir auch, dass die Welt immer besser statt schlechter wird. [1] https://www.welt.de/sponsored/rolex/perpetual-planet/article219299020/Angewandte-Technik-Erentwickelt-eine-App-gegen-den-Hunger.html [2] https://goodnews.eu/good-news-jahresrueckblick-das-waren-eure-liebsten-good-news2020-teil-1/ [3] https://www.nzz.ch/zuerich/coronavirus-bei-ausbruch-in-pflegeheim-kam-niemand-zu-schadenld.1579376 [4] https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/blog/elfenbeinkueste-innovation-plastikmuell-baustein-fuer-zukunft/172554 [5] https://www.heise.de/newsticker/meldung/Ozonloch-2019-so-klein-wie-seit-30-Jahren-nichtmehr-4582499.html

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

Die teuerste Pizza 22. Januar 2021

aller Zeiten

384 Millionen Dollar für zwei Pizzen. Ich dachte, ich lese nicht richtig. Im Mai 2010 kaufte Laszlo Hanyecz zwei Pizzen im Wert von 41 US-Dollar – und bezahlte als erster Mensch mit Bitcoins. Die 10.000 digitalen Münzen, mit denen er damals die Rechnung beglich, sind heute unglaubliche 384 Millionen US-Dollar wert.1 Da bekomme selbst ich als langjähriger Banker leichtes Herzflattern. Mit Geschichten wie dieser wird der aktuelle Hype um Bitcoin, die bekannteste aller Kryptowährungen, derzeit immer weiter befeuert. Die Nachrichten überschlagen sich, kein Tag vergeht ohne neue spektakuläre Schlagzeilen. Kam Ihnen da nicht auch schon mal der Gedanke „Hätte ich damals nur welche gekauft, ganz am Anfang, als sie noch so wahnsinnig günstig waren“, als Sie zum gefühlt zehnten Mal gelesen haben, dass die Bitcoin-Kurse zuletzt regelrecht durch die Decke geschossen sind?

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Schmidts Tagebuch

Die teuerste Pizza aller Zeiten

So funktionieren Kryptowährungen Vereinfachte Darstellung am Beispiel Bitcoin Transaktion

Transaktion

Transaktion

Bernds öffentlicher Schlüssel

Sabines öffentlicher Schlüssel

nächster öffentlicher Schlüssel

Besitzer Bernd vorherige Signatur

Besitzerin Sabine Bernds Signatur

Sabines Signatur

Vereinfacht dargestellt ist eine elektronische Münze eine Kette digitaler Signaturen mit dem Besitzer am Ende. Der Besitzer gibt die Münze weiter, indem er ans Ende der Kette eine Transaktion anfügt und mit seinem geheimen Schlüssel unterschreibt. Mit dem öffentlichen Schlüssel lässt sie sich überprüfen. Quellen: www.heise.de/ct/artikel/So-funktioniert-die-Kryptowaehrung-Bitcoin-3742304.html, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Quellen: www.heise.de/ct/artikel/So-funktioniert-die-Kryptowaehrung-Bitcoin-3742304.html, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Eine andere verrückte Geschichte ist die des Deutschen, der in den USA lebt und der den Zugangscode zu seinem Bitcoin-Tresor vergessen hat. Er besitzt Bitcoins im Gegenwert von rund 220 Millionen US-Dollar, kommt an dieses unglaubliche Vermögen aber nicht heran, wenn ihm der Code nicht wieder einfällt.2 Zwei von zehn Versuchen bleiben ihm noch, den passenden Code einzugeben – ansonsten bleibt das Vermögen für immer unerreichbar. Es ist dann nicht mehr als ein paar verschlüsselte Bits und Bytes auf einem USB-Stick.

Mediales Interesse ist enorm und spekulative Käufer lassen Kurse steigen Rund um den Bitcoin ist ein regelrechter Hype entstanden – nicht wenige Anleger wollen dabei sein und jagen dem scheinbar schnellen Geld hinterher. Die Kurse vieler Kryptowährungen befinden sich derzeit auf einem Allzeithoch, nicht selten sind sie seit ihrer Auflage um mehrere tausend Prozent gestiegen. Und glaubt man bestimmten Analysten, dann ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Sie gehen beispielsweise mit Blick auf den Bitcoin von denkbaren Kursen um die 100.000 Euro (!) aus, aktuell steht er bei etwa 30.000 Euro. Ich bin seit mehreren Jahrzehnten am Kapitalmarkt aktiv –

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

Wertzuwachs von Kryptowährungen am Beispiel Bitcoin Kursentwicklung in den vergangenen fünf Jahren (in US-Dollar) 45.000 40.000 35.000 30.000 25.000 20.000 15.000 10.000 5.000

21 Ja n.

20 Ju l.

20 Ja n.

19 Ju l.

Ja n.

19

18 Ju l.

18 Ja n.

17 Ju l.

17 Ja n.

Ju l.

Ja n.

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0

Stand: 18.01.2021 Quellen: Bloomberg, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Stand: 18.01.2021. Quellen: Bloomberg, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

privat und beruflich, ich habe Fehler gemacht und viel gelernt dabei – und sage deshalb aufgrund meiner langjährigen Erfahrung: Wenn ich diese euphorischen Schlagzeilen lese, klingeln bei mir sämtliche Alarmglocken.

Der Traum vom schnellen Reichtum Das Fatale: Anlegern wird mit diesen extrem hohen Kurszielen suggeriert, was bekanntermaßen der älteste Menschheitstraum schlechthin ist: schneller Reichtum ohne viel Aufwand und Arbeit. Für mich ist es eher ein Albtraum: Erinnerungen an den Neuen Markt, an das Platzen der Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende und an diverse Betrugsvorwürfe und -fälle wie Infomatec, EM.TV oder Teldafax drängen sich mir auf. Dabei faszinieren mich die Technik und die Idee der Kryptowährungen natürlich schon per se. Denn sie haben unbestreitbar Potenzial in vielerlei Hinsicht. Und trotzdem ist Vorsicht geboten.

Geldverkehr ohne prüfende Instanz Doch was verbirgt sich eigentlich hinter Kryptowährungen, von denen es mittlerweile ziemlich viele gibt? Kurz gesagt: Es sind künstlich an Rechnern geschaffene Digitalwährungen. Sie entstehen durch das Lösen komplexer mathematischer Aufgaben. Diese Berechnungen übernehmen die Hochleistungscomputer von sogenannten Minern auf der ganzen Welt – sie „schürfen“ das digitale Gold.

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Schmidts Tagebuch

Die teuerste Pizza aller Zeiten

Das Besondere dabei ist, dass die digitalen Währungen dezentral verwaltet und international gültig sind, aber nicht wie sonst von einer Regierung, Behörde oder Bank zentral organisiert werden. Sämtliche Transaktionen und auch die Erschaffung laufen dezentral über das Rechnernetz aller Teilnehmer ab. Die Miner erbringen dabei den digitalen Service, diese Transaktionen zu sichern und fälschungssicher zu dokumentieren. Für diese Services, für seine „Schürf“-Dienste, erhält der Miner Bitcoins. Der Bitcoin ist also die Entlohnung der Miner, die ihre Rechenzentren für diese Transaktionen zur Verfügung stellen. Die Gesamtzahl der Bitcoins ist auf 21 Millionen begrenzt. Aktuell wurden bereits rund 18,5 Millionen Bitcoins geschürft.

Die Bitcoin ist die bekannteste Kryptowährung Anteil der Bitcoin am Wert aller Kryptowährungen

Bitcoin 69 %

1,02 Gesamtwert

Bio. US-Dollar

Ethereum 14 %

Tether 2,5 %

Litecoin 1,2 %

Ripple XRP 1,2 %

Sonstige 12,1 %

Quellen: FAZ vom 10. Januar 2021, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Quellen: FAZ vom 10. Januar 2021, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Bitcoins stehen für einen alternativen Gesellschaftsentwurf Wenn man weiß, was hinter Bitcoins steckt, dann erkennt man auch schnell den Grund für den aktuellen Hype. Erstmalig wurde durch die digitalen Münzen die Möglichkeit einer dezentral organisierten Gesellschaft ins Spiel gebracht, in der es keine zentralen Instanzen (Notenbanken oder – ganz einfach – das Grundbuch) mehr gibt. Sprich, die hinter dem Bitcoin stehende Blockchain-Technologie ermöglicht nicht nur Kryptowährungen, sondern kann die Gesellschaft und den Alltag von uns allen verändern. Sie könnte Banken und Notare ersetzen – und damit ungeheure Effizienzgewinne bringen.

Die Vorteile: nicht umkehrbar und fälschungssicher Die speziellen Eigenschaften von Bitcoins bieten einige Vorteile: Sie sind schnell, anonym und die mit ihnen getätigten Transaktionen unumkehrbar und fälschungssicher. Bei Anhängern gelten sie als DAS Zahlungsmittel

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

der Zukunft. Es gibt Parallelen zum Gold, wie beispielsweise die Knappheit und die darauf basierende Relevanz als Wertaufbewahrungsobjekt. Da das Schürfen der Bitcoins auf 21 Millionen Münzen begrenzt ist, sind Bitcoins ein knapper, digitaler Rohstoff – und weil das Verständnis dafür stetig wächst, steigt der Bitcoin-Preis. Von diesen Vorteilen war seinerzeit scheinbar auch eine Kundin angetan, die mir vor zwei Jahren auf einer Veranstaltung der Quirin Privatbank zurief, dass sie noch nie Aktien besessen habe, weil sie ihr zu gefährlich seien, dass sie aber kürzlich Bitcoins erworben habe. Da war ich erstmal sprachlos. Gerade für sicherheitsorientierte Anleger (wie diese Kundin es offensichtlich war), sind Bitcoins ungeeignet. Es lässt sich kein fundamentaler (fairer) Wert errechnen und es ist reine Spekulation, wie sich die Kurse in Zukunft entwickeln werden.

Die Nachteile: intransparent, illiquide, kein Sachwert dahinter Neben den Chancen bergen Kryptowährungen wie die Bitcoin auch Risiken. So sind sie beispielsweise viel zu illiquide, man kann derzeit kaum damit bezahlen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass der Online-Bezahldienstleister PayPal angekündigt hat, künftig auch Bitcoin für Zahlungen zuzulassen. Das Argument, die digitale Währung erleichtere die Zahlungsabwicklung, ist eine glatte Fehleinschätzung, wenn Sie mich fragen! Wie sollen bei Kursschwanken von oft mehreren tausend Euro innerhalb eines Tages Ein- und Verkäufe, Miet- und Kreditverträge geplant und berechnet werden? Zudem können irrtümliche bzw. fehlerhafte Zahlungen nicht rückabgewickelt und Hackerangriffe nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Außerdem besteht eine aus Anlegersicht ungünstige Ballung: Gegenwärtig besitzen 1.900 „Großanleger“ etwa 41 Prozent der digitalen Währung. Steigt ein Großanleger aus, kann es zu einem erheblichen Kursrutsch kommen. Kryptowährungen sind zudem sehr viel stärker von der Akzeptanz in der Bevölkerung abhängig als andere Anlagegüter, da kein Sachwert dahintersteht wie bei Aktien oder Anleihen. Hinter herkömmlichen Währungen wiederum stehen Zentralbanken. Für den Bitcoin hingegen gibt es keinen fundamentalen Wert, sondern nur einen Preis. Und letztlich sind Bitcoins ein Stück Technik – wenn sie sich nicht weiterentwickeln, werden sie zukünftig durch bessere ersetzt werden. Manch ein Anleger sieht den Bitcoin trotzdem schon als Alternative zu den Zentralbanken und dem sogenannten „Fiat Money“ (Objekt ohne inneren Wert, das als Tauschmittel dient). Dabei hat Geld im Wesentlichen drei Funktionen: es ist Recheneinheit, allgemein akzeptiertes Tausch- und Wertaufbewahrungsmittel. Der Bitcoin ist allenfalls als Recheneinheit in der

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derzeitigen Form brauchbar. Für die anderen Funktionen hingegen ist er untauglich: Als Tauschmittel wird er noch viel zu wenig akzeptiert und zur Wertaufbewahrung ist er – im Gegensatz zu Gold – viel zu spekulativ. Man soll ja niemals nie sagen, aber bevor der Bitcoin staatlich kontrolliertes Geld ersetzen kann, müssen noch einige gravierende Probleme gelöst werden.

Ökologischer Wahnsinn Ein weiterer wichtiger Aspekt für uns als Quirin Privatbank ist der Nachhaltigkeitsaspekt, der für uns kein bloßes Lippenbekenntnis, sondern ein ernsthaftes Anliegen ist. Die Herstellung und Nutzung von Bitcoins verbraucht eine schier unvorstellbare Menge Energie. Es ist paradox: Immer mehr Menschen wollen ihr Geld sinnvoll und nachhaltig anlegen, gleichzeitig liebäugeln viele mit einer Digitalwährung, die durch ihren enormen Stromverbrauch regelrecht zur „Schmuddelwährung“ Nummer eins geworden ist.

So umweltschädlich sind Bitcoins Jährlicher Verbrauch durch Bitcoin-Schöpfung

37

78

11

Megatonnen CO₂

Milliarden kWh

Kilotonnen Elektromüll

Das entspricht dem Ausstoß von Neuseeland

Das entspricht dem Verbauch von Chile

Das entspricht dem Aufkommen von Luxemburg

Quellen: FAZ vom 10. Januar 2021, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Quellen: FAZ vom 10. Januar 2021, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Wie viel Energie Bitcoin konkret frisst, berechnet der „Consumption Index“. Der Blick auf eine einzelne Transaktion muss nicht nur Klimaaktivisten das Fürchten lehren: Der Stromverbrauch ist so hoch wie jener eines amerikanischen Durchschnittshaushalts in 23 Tagen, aufs Jahr gerechnet verbraucht Bitcoin mehr Strom als die gesamte Schweiz.

Möglicherweise härtere staatliche Regulierung Klimapolitische Überlegungen sowie die starke Nutzung im Darknet (anonymes Netz) könnten letztlich dazu führen, dass Staaten die Herstellung von Bitcoins verbieten oder die Gewinne aus entsprechenden Transaktionen mit hohen Steuern belegen. Falls sich eine nennenswerte Anzahl von Ländern

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zu einem solchen Schritt entschließen würde, dürften Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der Bitcoins aufkommen und den Preis stark drücken.

Bitcoin verbraucht mehr Strom als die Schweiz Geschätzter Stromverbrauch pro Jahr (in TWh)¹ 5.564

China 3.902

USA 537

Deutschland

309

UK Niederlande

109

Bitcoin²

90

Schweiz

58

[1] Werte für die Länder beziehen sich auf das Jahr 2016

[1] [2] Werte die Länder beziehen sich auf das Jahr 2016. [2] Stand: 01.12.2020. Stand:für 01.12.2020 Quellen:University University of of Cambridge, BitcoinBitcoin Electricity Consumption Index, statista, eigene Quellen: Cambridge, Electricity Consumption Index,Darstellung statista, Quirin Privatbank AG eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Last, but not least: Langfristig stellt sich zudem die Frage, ob es Bitcoin & Co. schaffen werden, das Vertrauen von mehr Investoren zu gewinnen. Bislang steht der Ruf der Kryptowährungen als gern genutztes Mittel zur Terrorismusfinanzierung und Geldwäsche dem aber maßgeblich entgegen. Auch die Betreiber einiger Handelsplattformen müssen sich regelmäßig mit Vorwürfen der Marktmanipulation und des laxen Anlegerschutzes auseinandersetzen.

Finger weg von Bitcoins – es sei denn, Sie brauchen Nervenkitzel So faszinierend ich die Idee hinter der digitalen Währung und die technische Umsetzung einerseits finde, so abschreckend ist das Thema andererseits für mich, wenn ich es durch meine Anlegerbrille näher betrachte. Um es klar und deutlich zu sagen: Eine Investition in Bitcoins ist und bleibt reine Spielerei und Spekulation, denn niemand kann abschätzen, wann sich die Kurse wohin entwickeln werden. Natürlich kann der Bitcoin-Kurs durchaus weitere Höhen erklimmen. Aber ein Wertanstieg lässt sich in keiner Weise durch realwirtschaftliche Entwicklungen erklären oder gar voraussagen. Um mit Bitcoins reich(er) zu werden, muss man immer jemanden finden, der die digitale Währung kauft und bereit ist, mehr als den eigenen Einstandspreis zu bezahlen – ein gewagtes Spiel. Und wie wir aus früheren Spekulationsblasen wissen, locken heftige Kursanstiege immer neue Käufer an, die die Kurse weiter befeuern – bis das

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Die teuerste Pizza aller Zeiten

Kartenhaus einstürzt. Darum kann man den Hype um den Bitcoin durchaus mit der Situation in Holland Mitte des 17. Jahrhunderts vergleichen. Damals hatte eine Spekulationswelle um Tulpenzwiebeln dafür gesorgt, dass der Preis einer einzigen Zwiebel den eines Einfamilienhauses erreichte. Die Tulpen waren dabei nicht die erste Spekulationswelle in der Menschheitsgeschichte und die Bitcoins werden sicherlich nicht die letzte sein.

Nicht der erste Anlage-Hype – und auch nicht der letzte Im Zeitverlauf gibt es immer wieder Hypethemen – hier einige Beispiele aus der Vergangenheit

1633 Tulpen-Zwiebeln

1893 US-EisenbahnAktien

2020 Bitcoin

2018 Cannabis-Aktien

2000 Dotcom-Titel

2015 FANG-Aktien (Facebook, Amazon, Netflix, Google)

Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Die Krönung in Sachen Kryptowährungen ist: Jene, die die digitalen Währungen so hochjubeln, besitzen oft gar keine, sondern zocken nur mit (gehebelten) Zertifikaten auf selbige. So waren im vergangenen Jahr Zertifikate auf den Bitcoin mit einem Umsatz von 199 Millionen Euro erneut das meistgehandelte Produkt an der Frankfurter Zertifikatebörse.3 Das ruft auch die Aufsichtsbehörden auf den Plan: So plädierte erst kürzlich die EZB-Chefin Christine Lagarde für eine weltweite Regulierung, da Bitcoins hochspekulative Anlageobjekte seien. Deshalb gilt für das Gros der Anleger: Finger weg! Der Bitcoin ist und bleibt nichts anderes als ein künstlich geschaffenes Gebilde und ein Spielzeug für Zocker. Sie, liebe Leserinnen und Leser, wissen doch, wie es besser geht: mit breit gestreuten Investitionen, hinter denen echte Substanz – nämlich

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

beispielsweise Unternehmen – steckt statt bloßer Spekulation. Das schont die Nerven und schützt Ihr Vermögen – möglicherweise sogar vor dem Totalverlust. Wie immer bin ich neugierig und würde gern Ihre Meinung zu dem Thema erfahren. Haben Sie Bitcoin? Oder haben Sie vor welche zu kaufen? Was denken Sie über diesen neuen Trend? Schreiben Sie mir gerne direkt an kms@quirinprivatbank.de – ich freue mich und bin gespannt auf Ihre Ansichten. PS. Übrigens: Einen digitalen, also einen programmierbaren Euro, der von der EZB herausgegeben wird, halte ich für sehr wichtig. Das täte unserer vom Maschinenbau geprägten Wirtschaft gut und könnte einen Wettbewerbsvorteil darstellen – warum, dazu ein anderes Mal mehr. [1] FAZ vom 10. Januar 2021: „Der Hype um Bitcoin“ [2] https://www.tagesschau.de/wirtschaft/bitcoin-passwort-vergessen-101.html [3] https://finanzbusiness.de/nachrichten/fintech/article12689475.ece

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GameStop, Robinhood und Co. –

mutieren die Börsen zu Spielcasinos? 05. Februar 2021

Wer nicht gerade über langjährige Kapitalmarkterfahrung verfügt und Finanzmarktnachrichten und Börsenkurse nur am Rande verfolgt, der könnte derzeit den Eindruck gewinnen, die Börsen mutierten mehr und mehr zu Spielcasinos. Insbesondere Anlegern, die noch keine Erfahrungen mit dem Kapitalmarkt haben, könnte sich dieser Schluss aufdrängen. Glücksspielartig wirken beispielsweise die aktuellen Ereignisse rund um die Aktie der amerikanischen Videospielkette GameStop. Regelrechte Anlegerschwärme und sogenannte Short-Spekulanten haben sich mehrere Tage lang einen heftigen Kampf geliefert und so für enorme Schwankungen bei der an sich wenig bekannten Aktie gesorgt.

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David gegen Goliath: Wie Kleinanleger die Wall Street das Fürchten lehren wollen Schlagzeilen wie „Kleinanleger zwingen milliardenschweren Hedgefonds in die Knie“ gab es dieser Tage unzählige. Einige davon klangen wie David gegen Goliath oder wie Robin Hood gegen den Sheriff von Nottingham. Eine positive Konnotation schwang hier spürbar mit. Aber geht es hier wirklich um Gut gegen Böse, um Arm gegen Reich? Und was ist eigentlich passiert? Der Aktienkurs des geschäftlich schwer angeschlagenen Unternehmens GameStop befand sich schon länger auf Talfahrt. Verschiedene Hedgefonds1 setzten darauf, dass die Kurse auch weiterhin fallen würden. Und nun kam die Überraschung: Vor allem junge Privatanleger verabredeten sich in speziellen Internetforen wie beispielsweise Reddit, dagegen zu wetten, und investierten in großem Umfang in GameStop. Damit trieben sie den Aktienkurs extrem in die Höhe, was wiederum Milliardenverluste für die Hedgefonds bedeutete. Ein Art Machtkampf entbrannte, initiiert von der Generation der Millennials, die es den „Großen“ mal so richtig zeigen wollte. Was zeitweise ja auch geklappt hat.

Broker-Apps fördern Zocker-Mentalität Eine wichtige Rolle dabei haben auch Broker-Apps wie die passend betitelte Robinhood-App gespielt. Solche Apps führen dazu, dass der sehr kostengünstige Handel mit Einzelaktien floriert, insbesondere in den USA. Sie sind aber mit Vorsicht zu genießen. In meiner Brust schlagen hier durchaus zwei Herzen, wie sich sicher denken können, schließlich habe ich selbst vor fast

Hedgefonds und Kleinanleger liefern sich Wettschlacht um GameStop Kursentwicklung der GameStop-Aktie in US-Dollar 350

347,51

300 250 200 150 100 50

53,50

Fe b. 21 19 .0 1. 21 21 .0 1. 23 21 .0 1. 25 21 .0 1. 27 21 .0 1 29 .21 .0 1. 31 21 .0 1 02 .21 .0 2 04 .21 .0 2. 21

Fe b. 20

Fe b. 19

Fe b. 18

Fe b. 17

Fe b. 16

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Stand: 04.02.2021 (Tages-Schlusskurse) Quelle: Bloomberg, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Stand: 04.02.2021 (Tages-Schlusskurse). Quelle: Bloomberg, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG Diese Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit. Die frühere Wertentwicklung ist kein zuverlässiger

für künftige Ereignisse. DieseIndikator Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit. Die frühere Wertentwicklung ist kein zuverlässiger Indikator für künftige Ereignisse.

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Schmidts Tagebuch

GameStop, Robinhood und Co.

30 Jahren mit Consors den ersten Online-Broker in Deutschland gegründet. Einerseits schätze ich den einfachen, direkten Zugang zu den Kapitalmärkten sehr. Andererseits habe ich damals schon relativ schnell feststellen müssen, dass die Consors-Kunden, die am aktivsten gehandelt haben, auch das meiste Geld verloren haben. Und das wird auch diesmal passieren beziehungsweise ist schon passiert. Denn es ist bei derartigen Zockereien ohne Substanz in aller Regel nur eine Frage der Zeit, bis die Blase platzt. Und das Platzen ist schon in vollem Gange. Lag der Kurs der Aktie Anfang des Jahres noch bei 18 US-Dollar, stieg er zwischenzeitlich (im Tagesverlauf des 29.1.2021) auf über 480 US-Dollar und ist jetzt dabei, sich wieder dem harten Boden der Tatsachen zu nähern. Zum Redaktionsschluss dieses Beitrages lag er bei 53,5 US-Dollar (Schlusskurs vom 4.2.2021).

Viel verbrannte Erde bleibt zurück Diese herben Rückschläge sind eine logische Konsequenz, wenn Aktienkurse ohne solide Gründe in den Himmel steigen. So schreibt GameStop ja Verluste und befand sich bereits vor Corona auf Schlingerkurs. Und ein solches Unternehmen ist quasi ungewollt zum Spielball von Zockern geworden. Aber: So schnell sich solche Spekulationswellen aufbauen, so schnell werden sie auch wieder gebrochen, wenn einige Anleger anfangen, Kasse zu machen. Dann setzt der Herdentrieb in die andere Richtung ein und alle rennen wie die Lemminge hinterher.

Stabilität des gesamten Finanzsystems in Gefahr? Angesichts dieser Ereignisse stellt sich vielen Anlegern die Frage, ob Wetten wie die rund um GameStop nicht die Stabilität des gesamten Finanzsystems in Gefahr bringen können. Aber da kann ich Sie beruhigen: Um den rund 80 Billionen US-Dollar schweren globalen Aktienmarkt in seiner Funktionsweise auszuhebeln, bräuchte es eine riesige, homogen agierende Anlegergruppe – und das auf Dauer. Davon kann aber nicht die Rede sein. Zwar hat sich die ursprüngliche Käufergruppe verabredet und abgestimmt gekauft, was einen ersten Kursschub bewirkte. Dann aber setzte ein, was so häufig passiert: Anleger, welche den Kursanstieg realisierten, sind auf den bereits fahrenden Zug aufgesprungen, weil sie weitere Kursgewinne witterten. Damit wurde das Ganze zu einer klassischen Spekulationsblase, die Gewinner und Verlierer hervorbringen wird. Von einer homogen handelnden Gruppe kann dann keine Rede mehr sein. Auch die aktuelle Kursentwicklung von GameStop zeigt, dass am Ende die üblichen Marktmechanismen von Angebot und Nachfrage greifen. Die im Netz getroffenen Absprachen waren lediglich die Initialzündung für den Kursaufschwung. Vollkommen und dauerhaft entkoppeln von der (Markt-)Realität

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

können sich Aktien aber eben nicht. So wurde der GameStop-Zug wohl viel schneller gestoppt, als sich das viele der Initiatoren der Bewegung erhofft hatten. Das Finanzsystem wird also nicht auf den Kopf gestellt. Zudem hat es schon ganz andere Krisen überstanden, ohne seine originären Funktionen verloren zu haben. Man denke nur an das Platzen der Technologieblase zur Jahrtausendwende, die Weltfinanzkrise 2008/2009 oder die Euro-Krise.

Viele Anleger halten die Börsen ohnehin für Casinos Aber zurück zur Casino-Assoziation. Fragt man Anleger heute, warum sie nicht in Aktien investieren, dann ist die häufigste Antwort: Aus Angst, alles zu verlieren. Diese Furcht ist bei Anlegern oft tief verankert. Sie glauben, eine Anlage an den Kapitalmärkten sei bloße Zockerei und viel zu riskant. In eine ähnliche Richtung zeigen Studien wie die der Frankfurt School of

Die Deutschen meiden Aktien aus Angst vor Verlusten Mögliche Gründe für geringe Aktienmarktteilnahme in Deutschland

Angst vor hohem Verlust durch ökonomische Katastrophe

67 %

38 %

Vermögen zu klein

66 %

n. a.

Fehlendes Wissen

65 %

25 %

Kein Vertrauen in Aktienmärkte

64 %

27 %

Nervosität bei selbst kleinen Verlusten

63 %

25 %

Angst vor Betrug

62 %

33 %

Angst vor selbst unwahrscheinlichem Aktiencrash

61 %

38 %

NichtAktienbesitzende

Aktienbesitzende

Quelle: Frankfurt School of Finance & Management, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG https://www.frankfurt-school.de/home/newsroom/news/2019/November/Studie-Aktienteilnahme Diese Abbildung fasst die Antworten von 2.761 Studienteilnehmenden, getrennt für Nicht-Aktienbesitzende (2.094) und AktienQuelle: Frankfurt School of Finance & Management, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG besitzende (667), auf die Frage zusammen: „Inwieweit treffen die folgenden Aussagen rund um das Thema ‚Aktienmarktteilnahhttps://www.frankfurt-school.de/home/newsroom/news/2019/November/Studie-Aktienteilnahme me‘ auf Sie zu?“. Die Studienteilnehmenden konnten dabei jeweils unter den Antwortmöglichkeiten 1 („trifft gar nicht zu”) bis 5 („trifft voll zu”) wählen oder keine Angabe machen. In der Grafik wird angegeben, wieviel Prozent der Studienteilnehmenden der jeweiligen Aussage zustimmten (d.h. mit „trifft eher zu“ oder „trifft voll zu” antworteten). Keine Angabe wurde dabei als NichtzuDiese Abbildung fasst die Antworten von 2.761 Studienteilnehmenden, getrennt für Nicht-Aktienbesitzstimmung behandelt. „n.a.“ bezieht sich auf vier Aussagen, die Aktienbesitzenden nicht vorgelegt wurden. Alle Prozentzahlen sind(2.094) zum Zweck der Repräsentativität gewichtet. Antworttexte sowie zusätzliche zusammenende und Aktienbesitzende (667),Die aufvollen die Frage zusammen: „Inwieweit treffen die folgenden Ausfassende Statistiken finden sich in Tabelle 1.5 im Appendix zu Kapitel 1.

sagen rund um das Thema ‚Aktienmarktteilnahme‘ auf Sie zu?“. Die Studien­teilnehmenden konnten dabei jeweils unter den Antwortmöglichkeiten 1 („trifft gar nicht zu”) bis 5 („trifft voll zu”) wählen oder keine Angabe machen. In der Grafik wird angegeben, wieviel Prozent der Studienteilnehmenden der jeweiligen Aussage zustimmten (d.h. mit „trifft eher zu“ oder „trifft voll zu” antworteten). Keine Angabe wurde dabei als Nichtzustimmung behandelt. „n.a.“ bezieht sich auf vier Aussagen, die Aktienbesitzenden nicht vorgelegt wurden. Alle Prozentzahlen sind zum Zweck der Repräsentativität gewichtet. Die vollen Antworttexte sowie zusätzliche zusammen­- fassende Statistiken finden sich in Tabelle 1.5 im Appendix zu Kapitel 1.

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GameStop, Robinhood und Co.

Finance & Management, nach der 67 Prozent der Befragten Angst vor hohen Verlusten haben.2 Hierzu trugen sicher auch schlechte Erfahrungen wie beispielsweise zur Jahrtausendwende mit der Telekom-Aktie bei – und die aktuellen Ereignisse um GameStop werden dem einen oder anderen sicher auch in schlechter Erinnerung bleiben. Dabei ist eben genau das Gegenteil der Fall – Aktienanlagen sind, speziell in Zeiten von Niedrig- und Minuszinsen die Anlageform, die langfristig die höchsten Renditen erwarten lässt – wenn man es denn richtig macht.

Aktien beteiligen am unternehmerischen Wachstum Denn die Grundidee hinter der Aktie ist nicht Zockerei, sondern höchst solide. Der Käufer einer Aktie wird zum Miteigentümer des Unternehmens. Damit beteiligt er sich an den unternehmerischen Chancen, aber eben auch an den Risiken. Für das Inkaufnehmen dieser Risiken wird er mit einer Risikoprämie entlohnt. Das sind zum einen Dividenden, zum anderen Kursgewinne, die letztlich auf dem Wirtschaftswachstum bzw. auf dem Gewinnwachstum des Unternehmens basieren. Vielen Anlegern ist dieses Grundprinzip der Einzelaktie nicht bekannt, es ist in Vergessenheit geraten oder wird manchmal von aktuellen Ereignissen überlagert.

Aktien beteiligen Anleger am Unternehmenserfolg Funktionsweise einer Aktie, vereinfachte Darstellung

Aktionäre profitieren von Kursgewinnen, Dividenden und Mitbestimmung

Unternehmen erhöht Finanzkapital

Beteiligung an unternehmerischen Chancen, aber auch an Risiken

Quelle: Quirin Privatbank AG

Quelle: Quirin Privatbank AG

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

Aber: Nicht nur in eine, sondern in viele Aktien investieren Kapitalmarktereignisse, die in der Öffentlichkeit eine so große Aufmerksamkeit generieren wie momentan GameStop, können zweierlei Folgen haben: Sie verstärken die ohnehin schon bestehende Angst, Börsen seien unkalkulierbare Spielcasinos. Oder sie wecken den Wunsch, an diesen irrationalen Wachstumsphantasien teilzuhaben und schnell reich zu werden. Auf den Punkt gebracht: Angst und Gier sind zwei Seiten ein und derselben Medaille. Das kann dazu führen, dass Anleger sich entweder auf die Suche nach den Top-Titeln machen und dabei einen Totalverlust riskieren. Oder dass sie Aktien komplett meiden und stattdessen das Geld auf Nullzins-Sparkonten parken oder dass sie falschen Versprechungen dubioser Anlagen am grauen Kapitalmarkt folgen. Mit Ersterem verpassen sie „nur“ Rendite, mit Letzterem gehen sie viel zu hohe Risiken ein und gefährden damit ihr gesamtes Vermögen. Meine Befürchtung ist, dass der Hype um GameStop die in Deutschland ohnehin verhaltene Aktienkultur in meinen Augen erneut zurückwirft und die Etablierung der Aktie als Teilhabe am wirtschaftlichen Fortschritt und als Säule der Altersvorsorge zusätzlich erschwert. Dabei ist diese für die Vermögensbildung und -mehrung unabdingbar. Entscheidend dabei ist, wie man in Aktien investiert: nicht in Einzeltitel und nicht getrieben von einem Wettkampf gegen die Großinvestoren, sondern breit gestreut und rational nach wissenschaftlichen Kriterien. Und wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, das beherzigen, können Ihnen verrückte Auswüchse des Kapitalmarkts auch nicht gefährlich werden. Zudem schlagen Sie mehrere Fliegen mit einer Klappe – Sie partizipieren am wirtschaftlichen Wachstum von Unternehmen, was der Grundidee von Aktien entspricht, und durch die breite Streuung reduzieren Sie die Risiken langfristig erheblich. Denn ein Totalausfall eines Titels fällt bei einem breit diversifizierten Depot mit beispielsweise 10.000 Aktien so gut wie gar nicht ins Gewicht. Und so hat die Aktienanlage dann auch überhaupt nichts mit einem Spielcasino gemein, sondern schont kurz- und langfristig die Nerven und vor allem den Geldbeutel. [1] Hedgefonds: Investmentfonds, die in der Regel sehr spezielle und auch komplexe Anlagestrategien verfolgen und dabei oft hohe Risiken eingehen. [2] Frankfurt School of Finance & Management und Goethe-Universität Frankfurt, Studie „Zum Rätsel der Aktienmarktteilnahme in Deutschland“, Dezember 2019

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Schmidts Tagebuch

In guten wie in

schlechten Zeiten 19. Februar 2021

In schweren Zeiten ist ein verlässlicher Partner an der eigenen Seite Gold wert. Das gilt im Privaten, im Job, aber auch bei der Geldanlage. Das Jahr 2020 würde ich durchaus als schwieriges Jahr bezeichnen, vor allem aus Anlegersicht. Ich kann zwar mit gutem Gewissen sagen, dass wir als Bank alles darangesetzt haben, unsere Kundinnen und Kunden gut durch diese herausfordernde Zeit zu begleiten. Aber ist uns das auch gelungen?

Um das herauszufinden, haben wir Ende 2020 – wie in den Jahren zuvor – unsere Kundinnen und Kunden gefragt. Wir wollten wissen, wie zufrieden sie mit uns als Bank, mit ihrem Berater, mit unserer Performance, mit unserer Kommunikation etc. sind. Die Präsentation der Ergebnisse fühlt sich für mich jedes Mal ein bisschen wie früher die Zeugnisausgabe in der Schule an. In den letzten Jahren haben unsere Kundinnen und Kunden uns zwar immer wieder ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt, trotzdem war ich diesmal – ehrlich gesagt – ganz schön nervös. Schließlich ging es um 2020, das schlimmste Anlegerjahr seit der weltweiten Finanzmarktkrise 2008/2009. Ein Jahr, das uns alle vor komplett neue Herausforderungen gestellt und uns viel Improvisationstalent abverlangt hat. Doch für mich war vom ersten Tag dieser Pandemie an klar: Wegducken gilt nicht. Und das war anscheinend die richtige Vorgehensweise. Denn unsere Kundinnen und Kunden haben uns bescheinigt, genau das zu sein, was man in schwierigen Zeiten braucht – ein guter Partner, der einem mit Ruhe und Besonnenheit zur Seite steht.

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

Kommunikation ist das A und O Doch wie haben wir das geschafft? Das A und O in Krisen ist die Kommunikation. Und in einer Krise, in der wir alle auf räumliche Distanz gehen mussten und noch immer müssen, gilt das noch zehnmal mehr. So haben wir als Quirin Privatbank im März natürlich alle Mitarbeiter umgehend ins Homeoffice geschickt und sie quasi über Nacht technisch so ausgestattet, dass der Bankbetrieb und die Kommunikation zu den Kunden aufrechterhalten werden konnten. Parallel haben wir mit einem großen Kraftakt und in Rekordtempo neue Wege der Kommunikation beschritten, um den Kontakt zu unseren Kundinnen und Kunden halten und sogar noch intensivieren zu können.

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie bieten wir eine digitale Anlegersprechstunde (Quirin Live) pro Monat an, wir haben unsere Kundenkommunikation auf eine wöchentliche Taktung umgestellt und senden unseren Kunden abwechselnd „Schmidts Tagebuch“ und „Mays Logbuch“. Im wöchentlichen Podcast „klug anlegen“ besprechen wir die wichtigsten Finanzthemen und versorgen Sie mit Anlegertipps. Das kam und kommt gut an, wie einerseits die Teilnehmer-, Leser- und Hörerzahlen in diesen neuen Kommunikationsformaten zeigen, und andererseits belegen das die Ergebnisse der Kundenbefragung 2020. 67 % der Befragten haben die veränderte Kommunikation während der Coronakrise als gut oder sehr gut bewertet.

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Schmidts Tagebuch

In guten wie in schlechten Zeiten

Persönlichkeit und Transparenz als Trumpf in der Krise So gehören für unsere Kundinnen und Kunden beispielsweise das wöchentlich wechselnde „Schmidts Tagebuch“ (62 %) und „Mays Logbuch“ (54 %) zu den wichtigsten Informationskanälen zum Thema Geldanlage, direkt nach dem Gespräch mit dem persönlichen Berater (67 %).

Beliebte Informationsquellen unserer Kunden Neben dem Berater liegt die neue Kundenkommunikation ganz vorn

67 %

Berater Schmidts Tagebuch

62 %

Mays Logbuch

54 % 30 %

Publikationen aus der Vermögensverwaltung 18 %

Website

14 %

Podcast „klug anlegen“ Regionaler Newsletter

7%

Quirin Live

6%

Keine dieser Wege / informiere mich nicht

7%

Quelle: Kundenbefragung Quirin Privatbank AG im November 2020, befragt wurden 1.098 Kunden der Quirin Privatbank

Quelle: Kundenbefragung Quirin Privatbank AG im November 2020, befragt wurden 1.098 Kunden der Quirin Privatbank

Zudem werden die Tage- und Logbücher, der Podcast und die Anlegersprechstunde nicht nur als wichtig, sondern von mehr als 70 % der befragten Kundinnen und Kunden auch als inhaltlich gut bzw. sehr gut bewertet. Doch auch hier ist erkennbar, dass es das persönliche Gespräch nicht ersetzen kann. Auf Platz 1 rankt die Beraterin oder der Berater mit 83 %. Auch die Frequenz der neuen Kommunikationsmittel wird von drei Vierteln der Befragten als genau richtig bewertet. Da unsere veränderte Kommunikation so gut bei unseren Kunden ankommt, werden wir sie beibehalten, auch wenn Corona nicht mehr unser Leben bestimmt. Das heißt aber nicht, dass wir alles, was wir „früher“ gemacht haben, nie wieder tun. Keine Sorge. Ich persönlich kann es kaum erwarten, dass wir uns wieder persönlich gegenübertreten, in großen Runden diskutieren und auch mal miteinander anstoßen. Wir werden in Zukunft einfach beides tun: digitale Veranstaltungen und Kommunikationsformate, die eine unkomplizierte Teilnahme ermöglichen, regelmäßige Podcasts und eine engmaschige Kundenkommunikation auf der einen Seite und hochwertige persönliche Veranstaltungen auf der anderen Seite.

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

Die neue Kommunikation kommt sehr gut an Mehr als 70 % der befragten Kunden bewerten die neuen Kommunikationstools als gut oder sehr gut Ø Berater Podcast „klug anlegen“

32 %

Quirin Live

43 %

29 %

5,3

8%

5,1

19 %

42 %

19 %

8%

5,0

Schmidts Tagebuch

21 %

50 %

22 %

4,9

Mays Logbuch

20 %

51 %

23 %

4,9

Regionaler Newsletter

15 %

Publikationen aus der Vermögensverwaltung Website 6 (sehr gut)

36 %

47 %

5

4

3

47 %

19 % 11 %

2

16 %

50 % 41 %

19 % 21 %

37 %

1 (ungenügend)

4,9 4,9 4,6

keine Angabe

Quelle: Kundenbefragung Quirin Privatbank AG im November 2020, befragt wurden 1.098 Kunden der Quirin Privatbank

Quelle: Kundenbefragung Quirin Privatbank AG im November 2020, befragt wurden 1.098 Kunden der Quirin Privatbank

Auf diese Ergebnisse können wir stolz sein Meine eingangs beschriebene Nervosität war mit Blick auf die Ergebnisse der Kundenumfrage unnötig: Trotz absolutem Krisenmodus haben unsere Kundinnen und Kunden uns auch für 2020 eine extrem hohe Gesamtzufriedenheit bescheinigt. So gaben 77 % an, zufrieden oder sehr zufrieden mit der Quirin Privatbank zu sein.

Das hat unsere Kunden 2020 am meisten begeistert

der persönliche Berater

Gelassenheit/ Beruhigung in der Krise

Informationsversorgung in der Krise

Quelle: Kundenbefragung Quirin Privatbank AG im November 2020, befragt wurden 1.098 Kunden der Quirin Privatbank

Quelle: Kundenbefragung Quirin Privatbank AG im November 2020, befragt wurden 1.098 Kunden der Quirin Privatbank

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Schmidts Tagebuch

In guten wie in schlechten Zeiten

Dabei ist es kein Geheimnis, dass ihre Zufriedenheit stark von der erzielten Performance beeinflusst wird. Das ist absolut nachvollziehbar und würde mir nicht anders gehen. In 2020 war die Performance nicht schlecht, aber natürlich auch nicht überragend. Also wenn man bedenkt, wo die Märkte Ende März standen, bin ich persönlich sehr happy mit den erzielten Ergebnissen, aber im Vergleich zu anderen Jahren war die Rendite etwas schmaler, das ist richtig. So gaben diesmal auch nur 42 % an, mit der erzielten Performance zufrieden zu sein, 2019 waren es noch 66 %. Allerdings sind 60 % der Befragten der Meinung, dass sich ihre gewählte Anlagestrategie bewährt hat, was verdeutlicht, dass die geringere Zufriedenheit mit der Performance auch mit dem generellen Markteinbruch zusammenhängt. Erwähnen möchte ich gern noch die erfreulich hohe Weiterempfehlungsbereitschaft: Grundsätzlich gaben 44 % der Neukunden an, durch Weiterempfehlungen auf die Quirin Privatbank aufmerksam geworden zu sein. 2019 waren es nur 39 %. Zudem hat sich der Net Promoter Score (Kennzahl, die misst, inwiefern Konsumenten ein Produkt/eine Dienstleistung weiterempfehlen würden, indem der Anteil der Befürworter um den Anteil der Kritiker bereinigt wird) von 2012 bis heute stetig verbessert und ist von damals 16 auf heute 36 gestiegen. Das ist im Vergleich zur restlichen Finanzbranche ein sehr guter Wert und ein toller Erfolg, der in einem schwierigen Jahr wie 2020 doppelt wertvoll ist.

Hausaufgaben für uns Bei aller positiven Resonanz – ein paar Hausaufgaben haben Sie uns auch mitgegeben, und das ist gut. So sind einige Kunden unzufrieden, weil sie einen häufigen Wechsel ihres persönlichen Beraters hinnehmen mussten. Das ist in der Tat unerfreulich und auch wenn das bei uns im Hause eher die Ausnahme ist, versuchen wir alles, genau das im Interesse aller Kunden zu vermeiden. Das darf ich Ihnen an dieser Stelle versichern. Und auch beim Onlinebanking haben wir noch Verbesserungspotenzial, auch wenn die Zufriedenheit hier bereits spürbar gestiegen ist. Lag die Gesamtzufriedenheit 2007 noch bei 3,5, steht sie jetzt bei 4,6 (6 = sehr zufrieden, 1 = unzufrieden). Wir werden weiter an den Prozessen arbeiten, um das Onlinebanking noch komfortabler und nutzerfreundlicher für Sie zu gestalten.

Das Beste aus zwei Welten bei der Anlage Ich sagte es schon, bei der Interaktion mit unseren Kunden werden wir zukünftig das Beste aus der digitalen und der analogen Welt miteinander verbinden. In anderer Hinsicht haben wir das 2020 bereits getan. Denn 2020 war nicht nur das Corona-Jahr, sondern auch unser erstes Jahr als One Bank. Wir haben die beiden Marken – die Quirin Privatbank und unsere digitale Tochter quirion – stringent miteinander verbunden. Konkret bedeutet das:

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

Wir bieten allen Kunden jetzt drei Modelle der Anlage und Beratung an. Entscheidend ist hierbei einzig, was der jeweilige Kunde möchte: eine rein digitale Anlage bei quirion, ein hybrides Modell mit dem Besten aus beiden Welten – der digitalen Anlage bei quirion plus persönliche Beratung in den Niederlassungen der Quirin Privatbank oder ein Rundum-sorglos-Paket ohne digitale Komponente, sprich Anlage und Beratung erfolgt in den Niederlassungen der Bank.

Anleger haben die Wahl: digital, persönlich oder eine Kombination aus beidem Drei verschiedene Anlage- und Beratungsmodelle bei der Quirin Privatbank und ihrer digitalen Tochter quirion, basierend auf dem Honorarprinzip Das

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DIGITALE MODELL

HYBRIDE MODELL

PERSÖNLICHE MODELL

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Quelle: Quirin Privatbank AG

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Dieses neue Modell als One Bank funktioniert nach einem Jahr Praxis hervorragend. Und das ist doppelt erfreulich, weil es intern zunächst doch auch einige Widerstände und Bedenken gab. Mittlerweile sehen die Kolleginnen und Kollegen, dass dieses Modell genau das ermöglicht, was Kern unserer DNA ist: den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen.

In guten Händen In einem Jahr wie 2020 – geprägt von einer weltweiten Pandemie, von heftig einbrechenden Kapitalmärkten über alle Indizes hinweg, von mentaler Belastung und unbekannten Einschränkungen unseres normalen Lebens – zufriedene Kunden zu haben, ist ein echter Ritterschlag. Von unseren Kundinnen und Kunden bescheinigt zu bekommen, dass sie sich bei uns gut aufgehoben

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Schmidts Tagebuch

In guten wie in schlechten Zeiten

fühlen, ihr Geld in guten Händen wissen und wir trotz all dieser Widrigkeiten einen guten Job gemacht haben, erfüllt mich mit echter Dankbarkeit. Wir haben sicher nicht so viele Kunden wie andere Häuser, aber wir haben Kunden, die zu uns passen, die uns vertrauen und die selbst in schwierigsten Zeiten Ruhe bewahren – was wiederum dafür spricht, dass sie bei der richtigen Bank sind und von kompetenten Beraterinnen und Beratern gut betreut werden. Wir haben im Krisenjahr 2020 investiert, vor allem in den Dialog mit den Kunden – und das hat sich schon jetzt doppelt und dreifach gelohnt. Dass uns unsere Kunden auch weiterhin vertrauen können, zeigt das Geschäftsergebnis 2020, welches wir am 25. März veröffentlichen. Nur so viel sei vorab verraten: Wir sind eine solide Bank mit einem zukunftsfähigen Geschäftsmodell. Und wir werden auch weiterhin alles tun, um der beste Partner in Sachen Geldanlage zu sein – in guten wie in schlechten Zeiten.

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Unternehmer

an die Macht! 05. März 2021

Geburtstage und Jubiläen sind in der Regel etwas Schönes, in diesem Falle jedoch nicht: Corona „feiert“ sein 1-Jähriges. Seit einem Jahr hält uns das Virus in Atem und zwingt uns zu Einschränkungen im täglichen Leben, im sozialen Miteinander, im beruflichen Kontext, auf Unternehmensebene.

Im März 2020 war die komplexe Gemengelage rund um das neuartige Virus mit unbekannter Infektiosität, unklaren Übertragungswegen und fraglichen Inkubationszeiten für uns alle Neuland. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt kaum Mittel, dem Virus Einhalt zu gebieten. Am damals verhängten harten Lockdown für Deutschland führte daher kein Weg vorbei. So konnte die Verbreitung des Erregers verlangsamt, die Infektionskurve geglättet und die Lernkurve steiler werden.

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Schmidts Tagebuch

Unternehmer an die Macht!

Wir brauchen eine Strategie für ein Leben mit der Pandemie Seitdem ist ein Jahr vergangen. Wir haben einiges erreicht in dieser Zeit und der Worst Case mit überfüllten Intensivstationen ist – im Gegensatz zu einigen anderen Ländern – ausgeblieben. Und doch haben wir, hat Deutschland diese 365 Tage nicht gut genug genutzt, um gewonnene Erkenntnisse in entsprechende Maßnahmen umzusetzen. Im Gegensatz zu vor einem Jahr wissen wir heute sehr viel über das Virus, die Übertragungswege und die vulnerablen Gruppen. Leider haben wir zu wenig aus diesem Wissen gemacht. Und so ist die Liste der staatlichen Versäumnisse diesbezüglich lang: Zuerst mangelte es an Masken, dann an Schutzausrüstung für Klinikpersonal, an Corona-Tests, an Laborkapazitäten und nun an Impfstoff. Zudem fehlte mir schon seit längerem eine tragfähige Strategie für einen Weg raus aus dem Lockdown hin zu einem Leben mit der Pandemie. Denn so viel ist sicher: Corona wird so schnell nicht aus unserem Leben verschwinden. Doch statt mit einem langfristigen Konzept rauszukommen aus dem Krisenmodus, haben wir uns von einem Lockdown zum nächsten gehangelt.

Unternehmer würden in dieser Krise anders agieren Was ist das Problem daran? Dem Staat, unserer Regierung fehlt es oft an einer gewissen unternehmerischen Grundeinstellung. Jeder Unternehmer würde anders mit dieser Krise umgehen. Er würde nicht über Wochen und Monate den Lockdown-Hammer auspacken und in Kauf nehmen, dass alles zu Bruch geht, was ihm in die Quere kommt. Und damit meine ich nicht „nur“ die wirtschaftliche Existenz von so vielen, sondern auch die Schulbildung unserer Kinder, die eingeschränkte Gesundheitsversorgung abseits von Corona oder die Vereinsamung vieler Menschen. Der Unternehmer würde

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

sehr viel differenzierter vorgehen und schauen: Wo sind die gefährdeten Gruppen, wie kann man diese besonders gut schützen, ohne zu hohe Kollateralschäden zu verursachen? Was muss man wirklich schließen und was kann unter Einhaltung möglicher Sicherheitsvorkehrungen weiterlaufen? Klar, so ein differenzierteres Vorgehen bedeutet mehr Mühe, Aufwand und Risiko und es wäre auch kein sofort wirksames Allheilmittel – der Lockdown ist es aber definitiv noch viel weniger. Allein die wirtschaftlichen Schäden beziffern Experten auf 1 Milliarde Euro – am Tag wohlgemerkt. Und das sind nicht nur Unternehmensgewinne, sondern die Existenzgrundlage unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger. Von den schwerer zu beziffernden Ausfällen, z. B. bei der Schulbildung, ganz zu schweigen.

Unternehmerisches Denken? Fehlanzeige! Besonders heikel ist das Thema Impfen. Es ist wirklich eine enorme Leistung aller Beteiligten, wie schnell die verschiedenen Impfstoffe entwickelt wurden. Umso bedauerlicher ist die schleppende Verteilung, denn was nützt der schnellste Impfstoff, wenn er nicht effizient unters Volk gebracht wird? Es ist ernüchternd, dass wir – also unsere Unternehmer – in kürzester Zeit Impfstoffe produzieren können, aber unser Staat z. B. keine bundesweite Hotline für Impftermine hinbekommt.

2,7 % der Deutschen sind geimpft Geimpfte Personen in Deutschland per 03.03.2021 4.389.074 4 Mio. Erstimpfung erhalten

Vollständig geimpft

3 Mio. 2.215.504 2 Mio.

1 Mio.

Quellen: impfdashboard.de (https://impfdashboard.de/), eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Quellen: impfdashboard.de (https://impfdashboard.de/), eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

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20 21 03 .0 3.

01 .0 2. 20 20 08 .0 2. 20 20 15 .0 2. 20 20 22 .0 2. 20 20

20 20

25 .0 1.

20 20

18 .0 1.

20 20

11

.0 1.

20 20

04 .0 1.

28 .

12 .2 02 0

0 Mio.


Schmidts Tagebuch

Unternehmer an die Macht!

Ein weiteres Beispiel: Aus jeder Impfstoff-Ampulle wollte man nach der Bestellung plötzlich sechs statt der bis dahin kalkulierten fünf Impfdosen ziehen. Daraufhin haben die Impfstoff-Hersteller den Umfang der Ampullen-Lieferung reduziert. Denn die Lieferverträge beziehen sich auf die Anzahl von Impfdosen, nicht von Ampullen. In der Praxis wiederum ließen sich aber doch nur fünf Dosen je Ampulle ziehen statt der erhofften sechs. Letztlich gab es damit nicht 20 Prozent mehr, sondern etwa 15 Prozent weniger Impfdosen als ursprünglich geplant. Ein Unternehmer hätte hier wahrscheinlich eher Impfstoffmengen statt Impfdosen verhandelt. Nun will Biontech zum Selbstkostenpreis besondere Spritzen liefern, mit denen das Ziehen von sechs Dosen pro Ampulle doch noch gelingen soll. Auch bei der Corona-Warn-App fehlt mir das unternehmerische Abwägen von Chancen und Risiken. Die App ermöglicht die Nachverfolgung potenzieller Kontakte und kann damit helfen, die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Doch statt einer schnellen, verpflichtenden Nutzung für alle entbrannte eine Debatte um den Datenschutz, die ich nicht nachvollziehen kann. Wenige personenbezogene Daten werden zeitlich begrenzt gespeichert, dafür schützen wir Menschenleben, erhalten individuelle Freiheitsrechte zurück und können den Lockdown abmildern – was gibt es da zu überlegen? Stattdessen gefährden wir Existenzen und sorgen uns um den Datenschutz.

Bitter ist auch, dass es bis heute kein flächendeckendes Konzept für digitalen Unterricht gibt. Seit Ende letzten Jahres werden Eltern erneut dazu verdonnert, neben ihrem eigentlichen Job parallel ihre Kinder zu beschulen, obwohl sie dafür weder Zeit haben noch dafür ausgebildet wurden. Das ist mehr als eine Zumutung. Und die Kosten für die Volkswirtschaft sowie die Langzeitfolgen für die Kinder sind enorm.

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Ökonomische Folgekosten des Schulausfalls Ausfall beim Lebenseinkommen in Prozent bei einem Schulausfall von …

… 12 Wochen Frühjahr 2020

3%

… 18 Wochen Frühjahr 2020 + 6 Wochen bis Ende Februar 2021

… 22 Wochen Frühjahr 2020 + 10 Wochen bis Ostern 2021

4,5 %

5,5 %

Berechnung der Kosten, kumuliert bis Ende des Jahrhunderts Quellen: handelsblatt.com, eigene(https://impfdashboard.de/), Darstellung Quirin Privatbank AG Quellen: impfdashboard.de eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Und so ließe sich die Liste der Versäumnisse und Flickenteppiche noch weiter fortsetzen. Aber lassen Sie uns an dieser Stelle nicht weiter klagend in den Rückspiegel schauen (der ja zugegebenermaßen auch immer erst im Nachhinein Klarheit verschafft). Nein, schauen wir voraus und fragen wir uns: Was kann uns denn in den nächsten Monaten helfen und was können wir für künftige Krisen lernen?

Unternehmen sind bessere Krisenmanager als der Staat Zunächst einmal: Viele Unternehmen haben mit ihrer Anpassungsfähigkeit und ihrem Innovationsgeist dazu beigetragen, bei der Lösung der aktuellen Krise ganz maßgeblich mitzuhelfen. Sie haben unter anderem mehrere Impfstoffe in weniger als einem Jahr entwickelt und zur Zulassung gebracht, Masken, Schutzkleidung usw. in ausreichenden Mengen hergestellt, auch „made in Germany“, und dafür in vielen Fällen jahrelang etablierte Geschäftsmodelle und Prozesse über den Haufen geworfen, mobiles Arbeiten auf breiter Fläche eingeführt, um ihre Mitarbeiter und damit auch ihre Kunden zu schützen, kreative Konzepte für ihre jeweiligen Geschäftsmodelle entwickelt, Kundenkontakte und Veranstaltungen digitalisiert. Dabei gehört es zu einem erfolgreichen Unternehmertum, insbesondere auch zu einem effizienten Krisenmanagement, immer agil zu arbeiten, Entwicklungen regelmäßig zu hinterfragen, aus Fehlern zu lernen, Prozesse anzupassen etc. Und davon müsste sich der Staat aus meiner Sicht eine ganz dicke Scheibe abschneiden, wenn er als Krisenmanager erfolgreicher sein will.

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Unternehmer an die Macht!

Wir brauchen mehr Unternehmer- und weniger Beamtentum Das könnte funktionieren, indem sich die verantwortlichen Politiker bei jeder Maßnahme fragen, wie sie sich den Marktmechanismus zunutze machen können und wie sie die oft krisenerprobten Unternehmer mit einbeziehen können. Ja, auch das wird nicht in jedem Fall hervorragend funktionieren, und in machen Konstellationen wird der Markt als Regelungsmechanismus auch von vornherein ausscheiden. Aber so haben tragfähige, innovative und effektive Konzepte zumindest die Chance zu entstehen, die sie in unserem staatlichen Bürokratie-Apparat oft nicht haben.

Exkurs: Willkommen in den 70ern Wir Deutschen glauben zudem gern, wir wären Super-Organisatoren und so eine Pleite wie die mit dem Berliner Flughafen sei eine Ausnahme. Irrtum! Leider ist dem nicht so – bei vielen Themen sind wir nicht mehr so gut, wie wir es mal waren oder sein könnten. Und das gilt leider auch für das Corona-Management. Der erste Schritt, um von diesem Mittelmaß wieder wegzukommen, ist, das überhaupt erst einmal zu erkennen. So ist beispielsweise unsere Verwaltung überwiegend auf dem Stand der 70er Jahre stehen geblieben. Behörden und Ämter haben keine Wettbewerber - und damit entfällt auch der Drang und Zwang, sich stetig weiterzuentwickeln. Doch da, wo es naturgemäß keinen Wettbewerb gibt, trägt der Dienstherr die Verantwortung dafür, dass es trotzdem vorangeht und Innovation entstehen kann. Die Realität sieht aber oft so aus, dass das nicht erwünscht ist und das Umfeld dafür gar nicht geschaffen wird. So wird in der aktuellen Situation zwar allen Unternehmern empfohlen, ihre Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten zu lassen, für Mitarbeiter in Ämtern ist das aber nur selten möglich, weil es meist an der technischen Ausstattung fehlt. Zudem regiert in vielen Behörden nicht nur die Optik der 70er, sondern auch deren Spirit. Wie soll in einem solchen Umfeld Kreativität und Innovation entstehen? Kein Wunder, wenn es dann auch beim Corona-Krisenmanagement knirscht. Das zeigt beispielsweise die Verteilung der FFP2-Masken. Was es gekostet hat, die Masken zu organisieren und dann an sämtliche Apotheken zu verteilen, bei der Bundesdruckerei die Gutscheine erstellen zu lassen und diese dann über die Krankenkassen versenden zu lassen – wäre es nicht deutlich effizienter gewesen, sie einfach jedem Haushalt in Deutschland per Post zu senden? Auch hier muss sich einiges bewegen. Wir brauchen in unseren Amtsstuben, in der Politik und in der Verwaltung die Innovationskraft der freien Wirtschaft und dafür aber auch die erforderliche technische Ausstattung, wir brauchen kreative Köpfe und den Mut, auch mal Fehler zu machen, wir brauchen generell mehr Erfindergeist und Menschen wie Uğur Şahin.

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

Wir brauchen eine stärker differenzierende Corona-Politik Zudem brauchen wir eine stärker differenzierende Corona-Politik. Die seit einem Jahr andauernde Gleichmacherei der Regierung ist langfristig ökonomisch nicht tragbar. Die ersten Ansätze hierfür sind nun endlich da, so hat die Bundesregierung vorgestern einen entsprechenden Stufenplan für schrittweise Lockerungen vorgelegt. Ein Jahr nach Pandemiebeginn reichlich spät, aber immerhin. Die wichtigste Funktion einer differenzierteren Corona-Politik ist dabei, den Rückhalt in der Bevölkerung für die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung dauerhaft zu sichern. Denn das Virus wird uns noch eine Weile begleiten. Deshalb sollten notwendige Maßnahmen zukünftig mit mehr Bedacht beschlossen werden – nicht mit dem Hammer, sondern eher mit der Pinzette, wenn Sie so wollen.

Bleiben wir zuversichtlich Wer regelmäßig mein Tagebuch liest, der weiß, dass ich ein grundsätzlich positiver Mensch bin, dem es fernliegt, zu meckern und zu nörgeln. Ich packe lieber an und ändere das, was mir nicht gefällt. Das kann ich in meinem eigenen Unternehmen auch genauso handhaben – und bin damit nicht nur in unserem Umgang mit der aktuellen Krise recht erfolgreich. Daher auch mein Versuch aufzuzeigen, was man unternehmerisch gedacht aus den Versäumnissen der letzten Monate lernen kann, ja lernen muss. Trotz aller Schwierigkeiten bin ich zuversichtlich, dass wir bald einen dauerhaften Weg aus der Krise hin zu einem Leben mit dem Virus finden werden. Und die Zeichen stehen dieser Tage zum ersten Mal seit langem ganz gut. Neben dem Stufenplan der Bundesregierung für eine schrittweise Lockerung schrieb der Tagesspiegel am Mittwoch, dass jedes Klassenzimmer in Berliner Schulen schon in der kommenden Woche mit einem WLAN-Router ausgestattet werden soll, um einen digitalen Unterricht zu ermöglichen. Es gibt sie also, die kleinen Gründe, um zuversichtlich zu bleiben. Und das wünsche ich auch Ihnen, liebe Leserinnen und Leser – bleiben Sie optimistisch und zuversichtlich.

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Schmidts Tagebuch

Damit vom Kuchen etwas

übrig bleibt 19. März 2021

Rund 4,5 Milliarden Euro pro Jahr könnten deutsche Anleger sparen, wenn sie ihr Vermögen in kostengünstige Kapitalmarktanlagen wie Aktien-ETFs investieren würden statt in überteuerte Aktienfonds.1 Das ist eine echte Verschwendung von Volksvermögen – und damit auch von Wohlstand und Lebensqualität der Anleger.

Doch wie kommt das? Der größte Teil des deutschen Investmentfondsvermögens ist in Aktienfonds angelegt, die in der Regel aktiv gemanagt werden. Laut BVI betrug dieser Anteil Ende letzten Jahres 459 Milliarden Euro.2 Die Aktivität dieser Fonds erstreckt sich vor allem auf den Versuch, durch gezielte Einzeltitelauswahl, möglichst optimales Timing und auf Basis von Prognosen eine Rendite zu erzielen, die möglichst nachhaltig über der Rendite vergleichbarer Aktien- bzw. Anleiheindizes liegt. Diese Versuche lassen sich die Fondsmanager in der Regel gut bezahlen. Gemessen am Ergebnis sind entsprechende Fonds aber oft unnötig teuer. Und diese Kosten fressen wiederum einen spürbaren Teil der Rendite auf. Gleichzeitig tragen sie entscheidend dazu bei, dass es aktiven Fonds in aller Regel eben gerade nicht gelingt, über einen längeren Zeitraum relevante Vergleichsindizes hinter sich zu lassen. Doch dazu später mehr. Lassen Sie uns zunächst einen Blick auf all das werfen, was sich in einem Fonds grundsätzlich an Kosten verbergen kann – denn darüber wird meiner Meinung nach viel zu selten gesprochen.

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

Hohe Kosten schmälern den Anlageerfolg Grundsätzlich können alle Fondsanlagen mit einer ganzen Reihe von Kosten verbunden sein: der einmalige Ausgabeaufschlag, auch bekannt als Agio, für den Erwerb der Fondsanteile die jährlichen Verwaltungs- bzw. Managementgebühren für das Fondsmanagement die Depotbankgebühr für die Wertpapierverwahrstelle die Transaktionskosten, die auf Fondsebene beim Wertpapierkauf/-verkauf entstehen und oft heftige und intransparente Kostentreiber sind die Performancegebühr, wenn beispielsweise der zugrundliegende Vergleichsindex (Benchmark) geschlagen wurde. So weit, so gut – oder eben auch nicht, da all diese Positionen den Anlageerfolg schmälern können.

Irritierende Gesamtkostenquote Um verschiedene Fonds im Hinblick auf ihre Kostenstruktur besser miteinander vergleichen zu können, nimmt die Branche eine Kennzahl zur Hand, die Total Expense Ratio (TER). Das wird gemeinhin mit Gesamtkostenquote übersetzt – ein Begriff, der suggeriert, dass sämtliche Kosten inkludiert sind. Sind sie aber nicht. Im Gegenteil, einige ganz wesentliche Kostenkomponenten fehlen in der TER, weshalb sie für Laien irreführend sein kann. Denn die fehlenden Kosten können ordentlich zu Buche schlagen. Allem voran die Transaktionskosten, die laut einer Studie des Petersmann Instituts3 zwischen 0,01 und 1,97 Prozent betragen – per anno wohlgemerkt.

Irritierende Gesamtkostenquote Nur ein Teil der üblichen Fondskosten ist in der Gesamtkostenquote TER (total expense ratio) enthalten

Managementund Depotbankgebühr

Ausgabeaufschlag

Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

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Transaktionskosten

Performanceabhängige Gebühr


Schmidts Tagebuch

Damit vom Kuchen etwas übrig bleibt

Die Transaktionskosten entstehen durch fortlaufende Aktienan- und Aktienverkäufe in bestehenden Fonds. In der medialen Berichterstattung fallen sie oft hinten runter, wie zuletzt im Wirtschaftswoche-Artikel „Wenn der Fonds sich selbst bedient“ vom 19. Februar 2021. An sich ein guter Artikel, der viele wichtige Punkte thematisiert. Doch die Transaktionskosten kommen deutlich zu kurz. Das ärgert mich ein wenig, denn gerade den Medien kommt eine wichtige aufklärende Funktion für Anleger zu. Auch die bei einigen Fonds anfallende Performancegebühr fehlt in der TER, obwohl sie oft mit 10 bis 25 Prozent der erzielten Überrendite (gegenüber dem Vergleichsindex) zu Buche schlägt. Ebenfalls nicht eingerechnet in die TER ist der Ausgabeaufschlag, der zum Beispiel bei Aktienfonds oft bei einmaligen 3 bis 5 Prozent liegt und der in einigen europäischen Ländern – zu Recht – bereits verboten ist. In Summe heißt das, dass auf die TER noch eine ganze Reihe von Kosten oben draufkommen. Von „total“ kann also keine Rede sein. Das Petersmann Institut ermittelt z. B. bei globalen Aktienfonds eine durchschnittliche TER von rund 2 Prozent und spricht davon, dass bei den erweiterten TER (TER plus Transaktionskosten) Sätze von 2,5 bis hin zu 3 Prozent per anno keine Seltenheit sind.4

Aktive Fonds ohne Mehrwert All diese Kostenpositionen werden von aktiven Fondsmanagern oft damit gerechtfertigt, dass sie eben aktiv handeln, sprich Wertpapiere gezielt kaufen und verkaufen, um damit eine tolle Rendite für den Anleger zu erzielen. Lapidar heißt es dann oft: „Performance heilt alles.“ Das ist aber einfach Unsinn – und zwar aus folgenden Gründen: Aktive Fondsmanager erzielen in aller Regel keine nachhaltige, also über einen längeren Zeitraum währende Überrendite, und wenn es ihnen doch einmal gelingt, dann ist ein solcher Erfolg unter statistischen Aspekten tatsächlich als zufällig einzustufen. Das wurde im Rahmen jahrzehntelanger Kapitalmarktforschung immer wieder wissenschaftlich belegt. Neben den teils gravierenden Fondskosten ist für diese enttäuschende Bilanz vor allem die Tatsache verantwortlich, dass es den Fondsmanagern zu selten gelingt, günstige Ein- und Ausstiegszeitpunkte zu erwischen und eine vorteilhafte Einzeltitelauswahl vorzunehmen. In der Praxis richten viele Anleger bei Anlageentscheidungen den Fokus nach wie vor stark auf den historischen Anlageerfolg eines aktiven Fonds und vernachlässigen dabei die Kostenaspekte. Der Schein der historischen Fondsrenditen ist dabei aber trügerisch. Denn so selbstverständlich es schon aus rein statistischen Gründen ist, dass es immer wieder Fonds gibt,

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

Der Großteil der aktiven Fondsmanager scheitert am Markt Wie viel Prozent der aktiven, prognosebasierten Anlagestrategien schlagen über 3, 5 und 10 Jahre einen repräsentativen Vergleichsindex nicht? 3 Jahre

5 Jahre

10 Jahre

100 % 90 % 80 % 70 % 60 % 50 % 40 % 30 % 20 % 10 % 0% Europäische Aktien

US-Aktien

Schwellenländeraktien

Globale Aktien

Stand: 31.12.2019 Quellen: SPIVA-Report (2019) für in Europa angesiedelte Aktienfonds, S&P Dow Jones Indices, eigene Darstellung Quirin

Stand: 31.12.2019 Privatbank AG

Je nachSPIVA-Report Anlageregion und(2019) Zeitraum zwischen 234 und 1.189Aktienfonds, Aktienfonds untersucht. Quellen: fürwurden in Europa angesiedelte S&P Dow Jones Indices, DieseDarstellung Zahlenangaben beziehen sich auf dieAG Vergangenheit. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für eigene Quirin Privatbank künftige Ergebnisse.

Je nach Anlageregion und Zeitraum wurden zwischen 234 und 1.189 Aktienfonds untersucht. Diese Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

die vor allem über eher kürzere Zeiträume hinweg sehr gute Ergebnisse erzielen, umso unwahrscheinlicher wird es im Zeitverlauf, dass sich dieser Erfolg fortsetzt. Anders ausgedrückt: Es gibt immer wieder Fondsmanager, die besser abschneiden als vergleichbare Indizes und bei denen dann hohe Kosten vermeintlich (!) vernachlässigbar sind. Im Zeitverlauf wechseln diese Favoriten aber ständig und völlig unvorhersehbar. Niemand kann letztlich, Stand heute, wissen, wer der Star-Fondsmanager von morgen ist. Wer das könnte, könnte auch den DAX-Stand vom Jahresende vorhersagen. Der Star von heute kann also der Tiefflieger von morgen sein und dann schmerzen die hohen Kosten doppelt.

Nettorenditen kaschieren die oft hohen Kosten Wer einen genaueren Blick auf die Kostenseite werfen möchte – und das lege ich Ihnen aus genannten Gründen sehr ans Herz –, der sollte nicht nur auf die Nettorendite schauen, also das was am Ende an Ertrag aus Anlegersicht übrig bleibt, sondern auch auf die Bruttorendite, die Rendite vor allen Kosten. Die Differenz zwischen beiden sind die Kosten, die Sie als Anleger zahlen. Dass auf Fondsunterlagen oft nur die Nettorenditen bzw.

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Schmidts Tagebuch

Damit vom Kuchen etwas übrig bleibt

nicht vollständige Kostenquoten ausgewiesen werden, erschwert Anlegern den Durchblick.

Gute Kosten, schlechte Kosten Statt also überteuerte aktiv gemanagte Fonds zu kaufen, wie beispielsweise den globalen Aktienfonds Carmignac Investissement E EUR Acc, der laut der Petersmann-Studie öfter in den Bereich von 3 Prozent per anno erweiterter Gesamtkostenquote vorstößt, sollten Anleger einfach auf den Markt setzen – das bringt meist bessere Renditechancen zu deutlich geringeren Kosten. Realisiert werden kann das mit ETFs. Diese bilden kostengünstig einen Index nach und decken damit einen Teil des Marktes ab. So kann man sich die unnötigen – man könnte auch sagen: die schlechten – Kosten des aktiven Fondsmanagements sparen.

Unabhängige Beratung ist ihr Geld wert Einen Teil der ersparten Kosten sollten Anleger stattdessen in eine gute unabhängige Beratung investieren. Der wesentliche Vorteil hierbei: Die Produkte werden unabhängig von möglicherweise lockenden Provisionen (die Banken für die Vermittlung von teuren aktiven Fonds erhalten) ausgesucht. Stattdessen sind Fakten wie die Qualität der Fondsgesellschaft, die Produktprüfung unter Einschluss aller tatsächlich anfallenden Kosten etc. entscheidend. Unterm Strich sparen Anleger damit im Vergleich zum herkömmlichen aktiven Management – trotz Beratungshonorar – immer noch eine Menge Geld. Zudem schafft die Beratung einen Mehrwert, indem sie Produkte und Strategien findet, die tatsächlich zur Situation des jeweiligen Kunden passen. Und unabhängige Berater können dem Kunden beistehen, wenn es an den Märkten mal turbulent zugeht. Das kann der teurere aktive Manager nicht leisten.

Weniger Kosten, mehr Rendite Noch besser und zudem oft günstiger, als auf einzelne Fonds zu setzen, ist es, einen unabhängigen Vermögensverwalter zu beauftragen. So zahlen die Kunden der Quirin Privatbank in der Regel 1,28 Prozent per anno für die unabhängige Beratung und die Vermögensverwaltung plus 0,43 Prozent an Produktkosten (inkl. aller relevanten in diesem Beitrag genannten Kostenkomponenten). Damit landen sie bei insgesamt 1,71 Prozent per anno, was aber eben deutlich günstiger ist als der durchschnittliche aktiv gemanagte Fonds, wie die nachfolgende Grafik zeigt. So kommt der Anleger, der auf kostengünstige ETFs und eine unabhängige Beratung setzt, bei einem Anlagevolumen von 200.000 Euro nach 10 Jahren auf ein um 30.000 Euro besseres Anlageergebnis – trotz Beratungshonorar.

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

Unabhängige Beratung günstiger als Provisionsberatung Kostenvergleich per anno zwischen unabhängiger Beratung bei der Quirin Privatbank inklusive Produktkosten und aktiver Fondsanlage bei herkömmlichen Banken ETFs Ausgabeaufschlag*

aktiver Fonds

0%

0,3 %

Managementgebühr & Depotbankgebühr

0,33 %

1,70 %

Transaktionskosten

0,10 %

0,70 %

0%

0,30 %

0,43 %

2,70 %

Performanceabhängige Gebühr**

Gesamtkosten Fonds Honorar Quirin Privatbank

1,28 %

Gesamtkosten Anlage

1,71 %

2,70 %

* 10 Jahre Haltedauer unterstellt, 3 % Ausgabeaufschlag ** Beispiel: 15 % über 5 % Bruttorendite (angenommener Anlageerfolg = 7 % p. a.), nicht in Berechnung einbezogen

* 10 Die Jahre Haltedauer unterstellt, Ausgabeaufschlag ETF-Kosten orientieren sich an den3 % aktuellen Produktkosten des Aktienportfolios der Vermögensverwaltung „Markt“ der Quirin Privatbank. Berechnung vom 18.03.2021.

** Beispiel: 15 % Petersmann-Institut über 5 % Bruttorendite (angenommener Anlageerfolg = 7 % p. a.), Quellen: Studie (https://www.petersmann-institut.de/fileadmin/downloads/studien/studie3/Studie-IIIBerechnungen und eigene Darstellung Quirin Privatbank AG nichtKompaktversion.pdf), in Berechnung eigene einbezogen Die ETF-Kosten orientieren sich an den aktuellen Produktkosten des Aktienportfolios der Vermögensverwaltung „Markt“ der Quirin Privatbank. Berechnung vom 18.03.2021. Quellen: Studie Petersmann-Institut (https://www.petersmann-institut.de/fileadmin/downloads/studien/ studie3/Studie-III- Kompaktversion.pdf), eigene Berechnungen und eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Mit kostengünstigen ETF-Anlagen gibt’s einen Mittelklassewagen on top Ertragsvorteil bei kostengünstiger ETF-Anlage (inklusive Beratungshonorar) versus herkömmliche Aktienfondsanlage ETF-Anlage*

herkömmliche Aktienfonds**

350.000 € Mehrertrag

30.189 €

300.000 €

250.000 €

200.000 € 0

1

2

3

5

4

6

7

8

9

Jahre * inklusive Honorar Vermögensverwaltung Quirin Privatbank, Gesamtkosten per anno 1,71 % ** angenommene Gesamtkosten per anno 2,7 % Entwicklung einer Anlagesumme von 200.000 Euro über 10 Jahre bei identischer Rendite vor Kosten (Bruttorendite) von 7 % per anno, aus Vereinfachungsgründen konstante Renditentwicklung mit Zurechnung der Nettorendite am Jahresende unterstellt. Berechnung vom 18.03.2021.

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Quelle: eigene Berechnungen und Darstellung Quirin Privatbank AG

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Schmidts Tagebuch

Damit vom Kuchen etwas übrig bleibt

Zudem ist es ein Unterschied, ob ich in eine Leistung investiere, die auf Dauer nachweislich keinen Mehrwert bringt (aktives Management) oder in eine unabhängige Beratung, die ganz neutral und ohne Provisionsanreiz die Produkte mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis am Markt für mich als Anleger heraussuchen kann, mein Portfolio an neueste wissenschaftliche Erkenntnisse anpasst und mir in turbulenten Marktphasen mit Rat und Tat zur Seite steht.

Gesetzgeber trägt nicht zu mehr Transparenz bei Große Hoffnungen in Sachen Kostentransparenz hatte ich vor einigen Jahren hinsichtlich der neuen Finanzmarktrichtlinie der EU, MiFID II – ich dachte, wow, jetzt kommt sie endlich, die volle Kostentransparenz für Anleger. Doch die Umsetzung in Deutschland ist so nachteilig für Anleger, dass das Gesetz nicht einem Verbraucherschutz-, sondern eher einem Bankenschutzgesetz gleichkommt. So müssen Banken zwar seit dem 1. Januar 2019 alle Kosten ex post und ex ante ausweisen, die mit einer Anlage verbunden sind. Oft finden sich diese Kostenausweise aber inmitten riesiger Dokumentationsberge, sie sind unübersichtlich und nicht immer eindeutig. Meiner Meinung nach hält der Gesetzgeber hier seine schützende Hand eher über die Provisionsindustrie, zu der die Fondsgesellschaften zählen, und lässt die Anleger im Regen stehen. Das ist bitter, aber umso wichtiger ist gute Aufklärungsarbeit.

Mit unabhängigem Rat mehr vom Renditekuchen Deshalb empfehle ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser: Machen Sie unnötigen Kosten den Garaus. Lassen Sie sich nicht nur von einer tollen (historischen) Rendite blenden, sondern nehmen Sie bestehende Anlagen unter die Lupe und schauen Sie sich vor allem auch die Kostenstrukturen genau an. Denn die Rechnung ist ganz einfach: Bruttorendite minus Kosten gleich Nettorendite, also das, was Sie als Anleger als echten Vermögenszuwachs für sich verbuchen können. Je geringer die Kosten, desto mehr bleibt vom Kuchen für Sie übrig. Und wenn es Ihnen bei der Fülle an Kosten zu unübersichtlich wird, dann holen Sie sich unabhängigen Rat ein – am besten bei Ihrer Quirin Privatbank – denn wir haben Anleger schon unabhängig beraten, noch ehe das gesetzlich geregelt wurde. Und wie Sie ja spätestens jetzt wissen: Die Kosten-Trickkiste der Fondsindustrie ist riesig. Holen Sie sich einen Expertenrat, denn Sie als Anleger tragen das volle Risiko, entsprechend sollte

* inklusive Honorar Vermögensverwaltung Quirin Privatbank, Gesamtkosten per anno 1,71 % ** angenommene Gesamtkosten per anno 2,7 % Entwicklung einer Anlagesumme von 200.000 Euro über 10 Jahre bei identischer Rendite vor Kosten (Bruttorendite) von 7 % per anno, aus Vereinfachungsgründen konstante Renditentwicklung mit Zurechnung der Nettorendite am Jahresende unterstellt. Berechnung vom 18.03.2021. Quelle: eigene Berechnungen und Darstellung Quirin Privatbank AG

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

auch so viel wie möglich vom Rendite-Kuchen bei Ihnen landen. Damit es dann heißen kann: Guten Appetit! [1] Quelle: BVI, www.bvi.de/fileadmin/user_upload/Statistik/Investmentstatistik_20_12_Gesamtmarkt_DE.pdf, laut BVI sind 459 Mrd. Euro allein in Aktienfonds angelegt; die durchschnittlichen Kosten liegen hier unter Berücksichtigung aller relevanten Kostenbestandteile im Bereich von 2,5 % per anno; bei einem Wechsel zu kostengünstigeren ETFs ist von einer Kostenersparnis von 1 bis 2 % auszugehen, hier werden konservative 1 % angenommen, das entspricht bei einem Volumen von 459 Mrd. Euro einer Ersparnis von 4,59 Mrd. Euro. [2] Quelle: BVI, s. o. [3] Studie Petersmann Institut: https://www.petersmann-institut.de/fileadmin/downloads/studien/studie3/Studie-III-Kompaktversion.pdf; Daten stammen von 2015, entsprechen nach unseren Erfahrungen aber nach wie vor den aktuellen Gegebenheiten. [4] Studie Petersmann Institut, siehe oben

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Mays Logbuch „Die Börsen erreichen im ersten Quartal 2021 immer neue Höchststände, obwohl die Existenzen vieler Unternehmen bedroht sind. Was heißt das für Sie als Anleger? In unseren Logbüchern erfahren Sie, wie wir die aktuelle Lage beurteilen, ob die Inflation eine Gefahr für Ihr Vermögen darstellt und was Sie sonst noch für das Anlagejahr

PROF. DR. STEFAN MAY

2021 wissen müssen. Wir stricken für

Leiter Anlagemanagement

Sie effiziente Portfolios, mit denen

der Quirin Privatbank AG

Sie gut gegen die Krise gewappnet sind. Warum es sich deshalb nicht für Sie lohnt, die Nadel im Heuhaufen zu suchen, verrät Ihnen einer unserer Logbuch-Einträge!“ JANUAR 2021 48

Alles was Sie für das Anlagejahr 2021 wissen müssen

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Kapitalmärkte 2021 – endlich klare Perspektiven?

56

Suchen Sie nicht die Nadel im Heuhaufen, sondern nehmen Sie den ganzen Haufen

FEBRUAR 2021 61

Vorsicht, gefährlicher Herdentrieb!

65

Die Schwellenländer melden sich zurück

MÄRZ 2021 75

Inflationsgefahren? Ja, aber anders als vermutet

84

Leistungsversprechen des Anlagemanagements und Benchmarkauswahl

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

Alles was Sie für das Anlagejahr wissen müssen

2021

01. Januar 2021

Beginnen wir den heutigen Logbucheintrag einmal ganz Quirin-untypisch mit einer Kapitalmarktprognose: Wir schreiben das Jahr 2035. Der DAX hat die Hürde von 25.000 Punkten genommen und die Stimmung an den weltweiten Aktienmärkten ist gelöst. Viele Krisen der letzten Jahre sind in den Hintergrund gerückt. Dennoch erinnert man sich noch gut an das Jahr 2020. Das Jahr mit einer der spektakulärsten Aktienmarkt-Kehrtwenden der Geschichte. Solche Comebacks sind legendär, ebenso wie im Sport nach uneinholbaren Rückständen oder in der Musikgeschichte nach nicht mehr für möglich gehaltenen Wiedervereinigungen.

An der Börse sprechen dabei Zahlen die deutlichste Sprache: Im März 2020 verloren die weltweiten Aktienbörsen kaum fassbare 30 Billionen (30.000.000.000.000) US-Dollar an Wert. Danach folgte eine schnelle und kräftige Kurserholung, die allseits bestens bekannt ist und mittlerweile viel besungen wurde. Gern darf daraus ein Evergreen werden, denn die Quintessenz ist für Anleger immens wertvoll.

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Mays Logbuch

Alles was Sie für das Anlagejahr 2021 wissen müssen

Stürmische Börsenzeiten Entwicklung MSCI World Index in den letzten 5 Jahren 400 350 300 250 200 150

20 20 15 .1 2.

20 20 15 .0 6.

20 19 15 .1 2.

20 19 15 .0 6.

20 18 15 .1 2.

20 18 15 .0 6.

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20 17 15 .0 6.

20 16 15 .1 2.

20 16 15 .0 6.

15 .1 2.

20 15

100

Indexentwicklung in Euro, inkl. Dividenden, Stand: 15.12.2020 Quellen: Bloomberg, eigene Darstellung Quirin Privatbank Diese Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit. Die frühere Wertentwicklung ist kein zuverlässiger Indikator für künftige Ergebnisse.

Indexentwicklung in Euro, inkl. Dividenden, Stand: 15.12.2020 Quellen: Bloomberg, eigene Darstellung Quirin Privatbank

Diese Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit. Die frühere Wertentwicklung ist kein zuverlässiger Indikator für künftige Ergebnisse.

Diese Quintessenz hängt mit zwei Börsenweisheiten zusammen. Solche Weisheiten gibt es zuhauf und viele davon sind absolut verzichtbar, aber in einigen Ausnahmefällen sind sie – wie die nachfolgenden – tatsächlich weise. Versuche nicht, schlauer als der Markt zu sein. Wer sich im Börsenjahr 2020 so ruhig wie möglich von den Wellen der Börse hat tragen lassen (was zugegebenermaßen nicht immer eine leichte Übung war), ist am Ende wieder hochgespült worden. Viele, die die Wellen ausnutzen und gezielt von günstigen Aus- und Wiedereinstiegskursen profitieren wollten, dürften noch stärker unter Wasser liegen oder auf dem Trockenen sitzen (wenn nach einem Ausstieg nicht rechtzeitig reinvestiert wurde). Die Börse bezahlt die Zukunft. Ähnlich wie Weisheit Nr. 1 ist auch die zweite wohl selten so zutreffend gewesen wie heute. Aktuelle Aktienkurse antizipieren bereits künftige Entwicklungen, wenn auch nicht immer zu 100 % treffsicher (aber das kann auch sonst niemand, siehe Weisheit Nr. 1). Im Umkehrschluss bedeutet dies: Bei der Geldanlage darf man die gegenwärtige Situation nicht überbewerten – auch wenn es, wie im letzten Jahr, schwerfällt. Wer sich zu sehr mit der Gegenwart beschäftigt, wird von den Börsen oft buchstäblich abgehängt. Besser, man bleibt gleich im Börsenzug sitzen, im Rückwärts- wie auch im Vorwärtsgang. Im abgelaufenen Jahr haben die Börsen also schon die erwartete Entwicklung nach der Pandemie, insbesondere eine erfolgreiche Impfoffensive und eine Wirtschaftserholung, eingepreist. Wie viel genau, kann niemand

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

verlässlich sagen, und ob diese Erwartungen überhaupt erfüllt werden, auch nicht. Trotz alledem beschäftigen sich viele, um nicht zu sagen alle Jahresausblicke von Banken und Investmentgesellschaften genau damit und versuchen dann das daraus resultierende Renditepotenzial in verschiedensten Anlagebereichen und Branchen vorherzusagen. Vor allem Anleger, die im Jahr 2020 mit falschen Ein- und Ausstiegsentscheidungen Rendite liegengelassen haben, erhoffen sich von den entsprechenden Prognosen wohl einen Mehrwert für ihr Vermögen. Die Krise hat uns aber nicht zuletzt auch gelehrt, dass Börsenentwicklungen grundsätzlich unvorhersehbar (vielleicht unvorhersehbarer denn je) sind. In genau diesem Sinne möchten wir mit Ihnen folgende Überlegungen zu den aus unserer Sicht marktbestimmenden Themen im Jahr 2021 (und darüber hinaus) teilen: eben nicht als Basis für Anlageentscheidungen, sondern als gedankliche Leitplanken, die vor allem dazu dienen sollen, sich von ggf. erneuten Kursturbulenzen und vermeintlich heißen Anlagetipps nicht aus der Bahn werfen zu lassen. Taktgeber Corona „Hauptsache, gesund“ – fast schon zur Plattitüde verkommen, ist diese Redewendung aktueller denn je. Corona hat schmerzlich einen an sich glasklaren Zusammenhang offengelegt: Die Gesundheit der Menschen geht Hand in Hand mit der Gesundheit der Weltwirtschaft. Insofern wird vieles von der Verfügbarkeit, der Sicherheit und der Schutzdauer der Impfstoffe abhängen. Die enorm schnelle Entwicklung dieser Impfstoffe ist vielleicht aktuell das beste Beispiel dafür, dass gerade in Krisenzeiten Innovationskraft und Produktivitätssteigerung im Rahmen unserer marktwirtschaftlichen Ordnung besonders ausgeprägt sind. Normalerweise dauert die Entwicklung von Impfstoffen Jahre und nicht Monate – was für ein Entwicklungssprung! Stabwechsel im Weißen Haus Donald Trump kann bis zu Joe Bidens Verteidigung am 20. Januar zwar noch etwas zündeln (z. B. mit weiteren handelspolitischen Brandsätzen Richtung China), aber einen Flächenbrand dürfte er nicht mehr entfachen. Von Joe Biden erwarten wir zwar keinen „Kuschelkurs“ in alle Richtungen, aber doch deutlich konstruktiveres Verhalten, vor allem in Richtung EU. EU ex GB Gerade in den ersten Wochen des neuen Jahres könnten die Nachwehen der zähen Austrittverhandlungen mit Großbritannien noch für stärkere Bewegungen, vor allem auf den europäischen Kurszetteln, sorgen. Beide Seiten ziehen keine Vorteile aus chaotischen Zuständen, was die Wahrscheinlichkeit für einen tatsächlich „harten“ Brexit nach wie vor minimiert. Geld- und Fiskalpolitik im Einklang Die lockere Geldpolitik der Notenbanken wird derzeit auch von einer freigiebigeren Fiskalpolitik begleitet (u. a. Steuererleichterungen, staats-

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Mays Logbuch

Alles was Sie für das Anlagejahr 2021 wissen müssen

garantierte Bankkredite, Konjunkturprogramme). Damit kommt zirkulierendes Geld nicht nur an den Kapitalmärkten an, sondern auch in der Realwirtschaft. Beides dürfte eher zu lange expansiv bleiben als zu früh restriktiv werden. Fraglos birgt dies auch Gefahren, wie z. B. eine sich beschleunigende Inflationierung. Solange diese expansive Politik jedoch nicht zu einem Verlust des Vertrauens in die entsprechenden Institutionen führt, insbesondere in die Notenbanken, ist der Nutzen dieser Maßnahmen deutlich größer als ihr Schaden. Weltwirtschaft mit Luft nach oben Asien zeichnet momentan den Weg der Wirtschaftserholung vor. Die relativ erfolgreiche Pandemieeindämmung führt hier schon zu stabileren Wirtschaftsverhältnissen als in weiten Teilen der restlichen Welt. Global schlummert noch viel Potenzial für das Weltwirtschaftswachstum insgesamt, wenn Investitions- und Konsumstaus nachhaltig aufgelöst werden. Ausrufezeichen für den Freihandel Wegen Corona etwas unbemerkt und ggf. auch unterschätzt, wurden jüngst die achtjährigen (!) Verhandlungen zum größten (!) Freihandelsabkommen der Welt (RCEP, Regional Comprehensive Economic Partnership) zwischen 15 Asia-Pazifik-Staaten zum Abschluss gebracht, die für immerhin 30 % der globalen Wirtschaftsleistung stehen. Dieser wirtschaftspolitische Coup der chinesischen Regierung könnte durchaus eine Gegenbewegung zum Protektionismus auslösen, wenn andere Wirtschaftsregionen nachziehen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die Zuversicht überwiegt Was die Märkte 2021 bewegen dürfte

Taktgeber Corona

Geld- und Fiskalpolitik im Einklang

Stabwechsel im Weißen Haus

Weltwirtschaft mit Luft nach oben

EU ex GB

Ausrufezeichen für den Freihandel

Viele unbekannte Einflussfaktoren

Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank

In all diesen Überlegungen schwingt Zuversicht mit, die z. T. auch schon zum starken Kursaufschwung der letzten Monate beigetragen hat. So war der November 2020 der zweitstärkste Monat des weltweiten Aktienindex

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

MSCI World seit Start der Berechnungen im Jahre 1969. Geraten die beschriebenen Entwicklungen allerdings ins Stocken, kann es fraglos zu (im Zweifel auch empfindlichen) Kursrücksetzern kommen. Zudem weiß niemand, ob sich nicht im neuen Jahr neue Störfaktoren ergeben, die heute noch keiner auf dem Radar hat und die den breiten Aktienmarkt aus ganz anderer Richtung treffen können. Das liegt aber in der Natur der Kapitalmärkte und ist letztlich auch ein Grund, warum man als Anleger auf längere Sicht eine faire Rendite als Entschädigung für das Eingehen und Aushalten solcher Risiken erhält. Die tatsächlichen Entwicklungen lassen sich also weder der Sache nach vorhersagen noch auf der Zeitachse treffsicher einordnen. Von daher können die genannten Punkte zwar gerne als Unterstützung dienen, einer gewählten Kapitalmarktstrategie treu zu bleiben oder sich erstmals grundsätzlich für eine Kapitalmarktanlage zu entscheiden. Sie dürfen aber keinesfalls die ausschlaggebenden Parameter für die konkrete Anlageentscheidung werden (z. B. für die Wahl der persönlichen Aktienquote). Diese Parameter bestimmen Sie letztlich selbst, gerne unterstützt durch Ihre Vermögensberaterin oder Ihren Vermögensberater. Entscheidend dabei sind verlässliche Fakten wie Ihr Anlagehorizont, Ihre Risikotoleranz und Ihre sonstigen Anlageziele und keinesfalls vage Prognosen. Wer Geld an den Kapitalmärkten anlegt, muss natürlich grundsätzlich überzeugt sein, dass sich hier langfristig attraktive Renditen erwirtschaften lassen und dass die Marktwirtschaft auch große Krisen letztlich produktiv überwindet. Und natürlich ist eine solche Überzeugung überspitzt gesagt auch eine Art Prognose. Die Kapitalmarkthistorie zeigt uns aber: Sie ist mit Abstand die verlässlichste und hängt – anders als die alljährlichen Punktprognosen für DAX und Co. – mit grundlegenden ökonomischen Gesetzmäßigkeiten zusammen. Diese Gesetzmäßigkeiten sind es auch, die dafür sorgen werden, dass mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Aspekt aus unserem Einstieg in dieses Logbuch tatsächlich eintreten wird: Der weltweite Aktienmarkt wird in 15 Jahren deutlich höher stehen als heute. Mit dieser Aussicht lohnt es sich, langfristig zu investieren – auch wenn in Bezug auf das unmittelbar bevorstehende Anlagejahr 2021 bei allen begründeten Hoffnungen viele Fragezeichen verbleiben.

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Mays Logbuch

Kapitalmärkte 2021 –

endlich klare Perspektiven? 15. Januar 2021

Wie immer zu Jahresbeginn schießen in der Finanzwelt und in den ihr verbundenen Medien allerlei Prognosen wie Pilze aus dem Boden. Das klingt dann meist so oder so ähnlich: Wie geht es unter dem Corona-Einfluss weiter mit der Wirtschaft und den Börsen? Und wird dann immer filigraner: Welche Anlagebereiche sollte man im neuen Jahr bevorzugen? Bis hin zu den ganz gewagten Fragen: Wo wird der DAX am Jahresende stehen? Welche Aktien werden die Gewinner des Jahres sein? Die Herleitungen der Antworten klingen oft schlüssig, verschleiern aber, dass noch so tiefschürfende Analysen und auch eine jahrzehntelange Kapitalmarkterfahrung keine treffsicheren Antworten liefern können – am allerwenigsten nach einem so extrem turbulenten und vollkommen unvorhersehbaren Anlagejahr wie 2020. Trotz alledem möchten auch wir heute einen Blick auf die aktuellen Rahmenbedingungen an den Kapitalmärkten werfen und Auskunft darüber geben, was unseres Erachtens die Märkte kurz- bis mittelfristig umtreiben und bewegen wird. Dies tun wir trotz der Tatsache, dass wir die meisten herkömmlichen Prognosen, die den Anleger oftmals zu sehr risikoreichen Anlageentscheidungen animieren, für überflüssig, ja sogar gefährlich halten. Unser Ziel ist es vielmehr, Sie auf das Anlagejahr einzustimmen und Sie mit unseren Überlegungen und Erläuterungen eben genau vor überstürzten Handlungen oder vermeintlich brandheißen Anlagetipps zu schützen (wie z. B. derzeit stark gefragten, aber seriös nicht empfehlenswerten Bitcoin-Investments).

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

Zusammengefasst beurteilen wir die Lage derzeit wie folgt: Aktien: Der starke Kursanstieg der letzten Monate legt sicher den Schluss nahe, dass die Börsen schon einige Vorschusslorbeeren für eine nachhaltige Erholung von Wirtschaft bzw. Unternehmensgewinnen (in der Nach-CoronaZeit) verteilt haben. Dennoch und auch trotz der zweifelsohne vorhandenen Ungewissheiten rund um das Corona-Virus überwiegen unseres Erachtens die Positivfaktoren, die genügend Potenzial für ein weiteres positives Aktienjahr bergen, auch wenn die (Börsen-)Bäume dabei nicht in den Himmel wachsen dürften. Mangelnde Alternativen, staatliche Ausgabenprogramme, eine ultralockere Geldpolitik der Notenbanken und nicht zuletzt die weltweit gestarteten Impfkampagnen bleiben mächtige Verbündete der Aktienmärkte.

Die Ruhe nach dem (Börsen-)Sturm MSCI World (in Euro) über einen 5-Jahres-Zeitraum 400 350 300 250 200 150 100 Dez. 15

Dez. 16

Dez. 17

Dez. 18

Dez. 19

Dez. 20

Stand: 31.12.2020 Hinweis: Kursentwicklung inkl. Dividenden Quellen: Bloomberg, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG Stand: 31.12.2020 Diese Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit. Die frühere Wertentwicklung ist kein zuverlässiger Indikator für künftige Ergebnisse.

Hinweis: Kursentwicklung inkl. Dividenden

Quellen: Bloomberg, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG Diese Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit. Die frühere Wertentwicklung ist kein zuverlässiger Indikator für künftige Ergebnisse.

Anleihen: Ein vermutlich eher holpriges Anleihejahr 2021 liegt vor uns. Viele als sicher geltende Anleihen werfen mittlerweile keine Rendite mehr ab. Eine positive Rendite gibt es nur noch, wenn der Anleiheinvestor stärker ins Risiko geht – sprich sehr lange Laufzeiten wählt (erhöht das Schwankungsrisiko bei Zinsänderungen) oder Abstriche bei der Bonität des Anleiheschuldners macht (erhöht das Schwankungs- und Rückzahlungsrisiko). Trotz der eher gedämpften Aussichten bleiben Anleihen (breit gestreut nach Laufzeiten und Bonitäten) aufgrund ihrer speziellen Eigenschaften (kalkulierbare Zahlungsströme, weniger schwankungsanfällig) ein unverzichtbarer Depotbestandteil zur Stabilisierung eines breit aufgestellten Portfolios.

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Kapitalmärkte 2021 – endlich klare Perspektiven?

Gold: Insgesamt sprechen unseres Erachtens aktuell mehr Argumente für Gold als dagegen. Extrem niedrige Zinsen und ein von vielen Unwägbarkeiten geprägtes Marktumfeld sind ein guter Nährboden für Goldanlagen. Wir gehen davon aus, dass sich das Edelmetall auch in diesem Jahr positiv entwickeln wird. Wir rechnen allerdings nach dem starken Kursverlauf im vergangenen Jahr nur mit einem moderaten Anstieg. Sonstige Rohstoffe: Noch mehr als bei anderen Anlageklassen sehen wir bei Rohstoffen aus dem Industriemetall-, Energie- und Agrarsektor eine hohe Abhängigkeit vom weiteren Verlauf der Corona-Pandemie und der damit zusammenhängenden Wirtschaftsentwicklung. Auch wenn wir zuversichtlich sind, dass sich letztlich die Kraft der Weltwirtschaft und die menschliche Innovations- und Anpassungsfähigkeit durchsetzen werden, bleiben wir in Bezug auf entsprechende Rohstoffanlagen zurückhaltend gestimmt. Sollte es zu unvermutet starken Wirtschaftsrückschlägen kommen, stehen sie u. E. bei Kursrückgängen in der ersten Reihe. Auch wenn hier einzelne Marktsegmente ausdrücklich positiv besprochen werden, warnen wir davor, diesen in Ihrem Vermögen ein zu nennenswertes Gewicht zu verleihen, denn damit verlassen Sie den Weg der strategischen Investition und bewegen sich in die Gefilde der Spekulation. Und wie formulierte es schon Goethe in seinem „Faust I“ sehr trefflich: Ich sag es: ein Kerl, der spekuliert, ist wie ein Tier, auf dürrer Heide von einem bösen Geist im Kreis herumgeführt, und ringsumher liegt schöne, grüne Weide. In diesem Sinne: Bleiben Sie mit dem Löwenanteil Ihres Vermögens auf der schönen grünen Weide von international breit gestreuten Investments, die sich an der globalen Kapitalverteilung an den Börsen orientieren.

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

Suchen Sie nicht die Nadel im Heuhaufen, sondern nehmen Sie

den ganzen Haufen 29. Januar 2021

Die Quirin Privatbank hat als eine der wenigen Privatbanken in Deutschland den Anspruch, bei ihren Anlageentscheidungen und -empfehlungen die anerkannten und relevanten Ergebnisse der wissenschaftlichen Finanzmarktforschung zu berücksichtigen. Aus diesem Grund wollen wir Ihnen die Resultate einer neueren Studie1 nicht vorenthalten, welche die Wertentwicklungen von Aktien des amerikanischen Aktienmarktes detailliert unter die Lupe genommen hat.

Im Gegensatz zu den meisten bislang durchgeführten Analysen, in denen die Aktienmärkte in ihrer Gesamtheit untersucht wurden, liegt der Fokus der vorliegenden Studie ausschließlich auf der Frage, welche konkreten Renditen einzelne Aktien erzielt haben – insbesondere über lange Zeiträume hinweg. Untersucht wurden insgesamt 25.332 Aktien, die von 19262 bis 2016 an den amerikanischen Börsen gelistet waren, also über einen Zeitraum von 90 Jahren. Aufgrund des globalen Marktkapitalisierungsgewichts der US-Aktien, das bei über 50 % liegt3, können die Ergebnisse auch für den Rest der Welt als repräsentativ angesehen werden.

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Mays Logbuch

Suchen Sie nicht die Nadel im Heuhaufen…

Das entscheidende Resultat Die sehr detaillierte Ausarbeitung umfasst über 50 Seiten und fördert eine ganze Reihe interessanter Ergebnisse zutage. Für den Anleger am relevantesten sind allerdings die ermittelten prozentualen Beiträge einzelner Aktien bzw. Aktiengruppen zur Wertschöpfung, die am Aktienmarkt insgesamt erzielt werden konnte. Konkret: In den Jahren 1926 bis 2016 waren an den großen amerikanische Börsen NYSE, AMEX und Nasdaq insgesamt 25.332 Aktien gelistet. Selbstverständlich haben bei weitem nicht alle (in dieser Zeitspanne) gelisteten Aktien bis 2016 durchgehalten; vielmehr gab es laufend Neuzugänge und Abgänge. Die durchschnittliche „Lebensdauer“ aller Aktien (genauer: Zeitspanne, in der sie an der Börse gelistet waren) betrug sogar nur 7 ½ Jahre. Ungeachtet dessen konnte für jede einzelne Aktie ermittelt werden, welcher in US-Dollar gemessene Wertzuwachs in ihrer individuellen Lebensspanne jeweils realisiert wurde („individuelle Wertschöpfung“). Addiert man die Wertzuwächse aller Aktien, so erhält man den Wertzuwachs des Gesamtmarktes („Wertschöpfung des Gesamtmarktes“). Dieser betrug von 1926 bis 2016 rund 35 Billionen USD4. Und an dieser Stelle beginnt die Studie interessant zu werden. Man hat nämlich im Detail untersucht, wie sich die Wertschöpfung des Gesamtmarktes in Höhe von 35 Billionen USD auf einzelne Aktien bzw. Aktiengruppen verteilt. Hierzu wurde zunächst eine Rangfolge der Aktien gemäß ihrer individuellen Wertschöpfung erstellt5. Im nächsten Schritt wurden dann ausgewählte Aktiengruppen (die 5 bzw. 90 besten Aktien) der Ge-

4,31 % aller Aktien gewährleisteten die Wertschöpfung des Gesamtmarktes Prozentuale Wertschöpfungsanteile ausgewählter Aktiengruppen mit der besten individuellen Wertschöpfung Anzahl Aktien mit höchster individueller Wertschöpfung

Anteil an gesamter Aktienzahl*

Anteil an gesamter Wertschöpfung

5

0,02 %

10 %

90

0,35 %

50 %

1.092

4,31 %

100 %

* Gesamtzahl aller Aktien: 25.332 Analysezeitraum: 1926 bis 2016 Quellen: Bessembinder, H., 2018, Do Stocks Outperform Treasury Bills?, Forthcoming Journal of Financial Economics,

*Gesamtzahl aller Aktien: 25.332 AG eigene Darstellung Quirin Privatbank Analysezeitraum: 1926 bis 2016

Quellen: Bessembinder, H., 2018, Do Stocks Outperform Treasury Bills?, Forthcoming Journal of Financial Economics, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

samtzahl aller Aktien gegenübergestellt und ermittelt, wie hoch ihre jeweiligen Anteile an der gesamten Wertschöpfung sind. Die erstaunlichen Ergebnisse sind in den folgenden Abbildungen tabellarisch zusammengefasst und grafisch dargestellt. Das frappierende Ergebnis: Es zeigt sich, dass ein verschwindend kleiner Anteil von 5 Aktien (0,02 % aller 25.332 Aktien) bereits einen Anteil von 10 % der gesamten Wertschöpfung auf sich vereint. Bei 90 Aktien (0,36 % aller Aktien) sind es bereits 50 % und mit lediglich 1.092 Aktien (4,31 % aller Aktien) erreicht man 100 % der Wertschöpfung des Gesamtmarktes. Sinnbildlich sprechen wir hier also von den berühmten Stecknadeln im Heuhaufen. Wie stark der Wertschöpfungsanteil mit zunehmender Größe der Gewinnergruppe ansteigt, wird durch folgende Grafik deutlich.

Wertschöpfung auf wenige Top-Performer konzentriert Kumulierte Wertschöpfungsanteile der „ersten“ 1.100 Aktien (mit der höchsten individuellen Wertschöpfung) an der Wertschöpfung des Gesamtmarktes* 100 % 90 % 80 % 70 %

1.100

60 % 50 % 40 %

Top-Performer

30 % 20 % 10 % 0% 0

100

200

300

400

500

600

700

800

900

1.000 1.100

Anzahl der Unternehmen * Gesamtzahl aller Aktien: 25.332 Analysezeitraum: 1926 bis 2016 Quellen: Bessembinder, H., 2018, Do Stocks Outperform Treasury Bills?, Forthcoming Journal of Financial Economics,

*Gesamtzahl aller Aktien: 25.332 eigene Darstellung Quirin Privatbank AG Analysezeitraum: 1926 bis 2016

Quellen: Bessembinder, H., 2018, Do Stocks Outperform Treasury Bills?, Forthcoming Journal of Financial Economics, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Die zentrale Botschaft der Studie muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Die gesamte an einem Aktienmarkt erzielbare Wertschöpfung konzentriert sich lediglich auf eine verschwindend kleine Gruppe von Aktien. Ganz wichtig dabei: Dieses Phänomen zeigt sich nicht nur im explizit

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Suchen Sie nicht die Nadel im Heuhaufen…

untersuchten Gesamtzeitraum 1926 bis 2016, sondern auch in einer Vielzahl anderer Zeiträume, wobei die jeweiligen Aktiengruppen – und dies ist entscheidend – immer anders zusammengesetzt waren. Die Konzentration der insgesamt ja sehr positiven Wertschöpfung auf relativ wenige „Gewinner“ bedeutet im Umkehrschluss, dass der große Rest der Aktien (in der vorliegenden Studie: 95,69 % aller Aktien) lediglich eine Wertentwicklung in Höhe des risikolosen Zinses und teilweise weit darunter vorweisen kann. Zudem stellte sich heraus, dass der beschriebene Konzentrationseffekt in jüngeren Phasen sogar noch stärker ausgeprägt war als in weiter zurückliegenden Zeiträumen. Dies kann man durchaus als einen Hinweis auf die zunehmende Bedeutung der Internet-Wirtschaft interpretieren, in der tendenziell relativ wenige Unternehmen den Markt dominieren. Alles in allem lässt sich die Studie wie folgt zusammenfassen: Die überdurchschnittliche Wertschöpfung des Aktien-Gesamtmarktes ist auf relativ wenige Einzelwerte mit einer außergewöhnlich positiven Performance zurückzuführen, während die überwältigende Mehrheit der Aktien nur eine weit unterdurchschnittliche Entwicklung vorweisen kann.

Was bedeutet all das für die Anlegerin und den Anleger? Angesichts der skizzierten Ergebnisse liegt dann durchaus der Gedanke nahe, dass es ja ausreichen würde, sich auf die wenigen Top-Werte zu konzentrieren und man sich den gesamten Rest sparen könne. Jedoch wäre das ein verhängnisvolles Missverständnis. Zum einen zeigt die Studie – sowie eine Vielzahl ähnlich gelagerter Untersuchungen –, dass sich der Kreis der „Gewinner-Aktien“, je nachdem, welcher Zeitraum untersucht wird, ständig völlig anders zusammensetzt. Es ist daher unmöglich, im Voraus die jeweiligen Top-Performer herauszufiltern. Dies gelingt halt leider immer erst im Nachhinein! Das bestätigt auch die unabhängige Finanzmarktforschung, welche besagt, dass sogenanntes „aktives“ Wertpapiermanagement, das darauf abzielt, in einem Depot lediglich die vermeintlich aussichtsreichsten Aktien zu halten („stock picking“), letztlich erfolglos ist. Verhängnisvoll wäre dieses Missverständnis jedoch vor allem deshalb, weil der Versuch, sich auf die vermuteten Gewinner-Aktien zu konzentrieren, mit großer Wahrscheinlichkeit nicht nur nicht erfolgreich ist, sondern zusätzlich die Gefahr dramatisch erhöht, ein extrem schlechtes Ergebnis einzufahren. Der Grund hierfür ist eben die Tatsache, dass sich die äußerst positive Wertschöpfung des Gesamtmarktes immer auf relativ wenige (aber leider permanent wechselnde) Werte konzentriert. Denn dies bedeutet im Umkehrschluss, dass der große Rest im Schnitt eine enttäuschende, ja häufig sogar extrem negative Wertentwicklung mit sich bringt. Dies zeigt sich in der Studie unter

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

anderem auch daran, dass die unter den rund 25.000 untersuchten Aktien am häufigsten auftretende Rendite Minus 100 % war, also der Totalverlust. Erwischt man also die Gewinner-Aktien nicht – was im Voraus so gut wie sicher ist! – erhöht sich das Risiko dramatisch, extreme Verluste einzufahren. Will man also an der langfristig attraktiven Wertentwicklung des Gesamtmarktes partizipieren, gibt es rein theoretisch zwei Möglichkeiten: Entweder man ist in der Lage, die jeweiligen Gewinner herauszufiltern, oder aber man hat ein entsprechend der Marktkapitalisierung breit gestreutes Depot (das die Gewinner-Aktien quasi automatisch beinhaltet). Erstgenanntes ist – wie die Finanzmarktforschung zweifelsfrei zeigt – letztlich unmöglich und birgt zudem das extreme Risiko hoher Verluste. Zweitgenanntes dagegen unterstreicht, wie wichtig eine wissenschaftlich saubere Diversifizierung für die Vereinnahmung einer möglichst optimalen Aktienmarktrendite ist. Die Suche nach den Nadeln im Heuhaufen ist somit nicht nur aussichtslos, sondern darüber hinaus sogar extrem gefährlich. Von daher sollte das Motto immer lauten: Nimm den ganzen Heuhaufen. [1] Bessembinder, H., 2018, Do Stocks Outperform Treasury Bills?, Forthcoming Journal of Financial Economics. [2] Als Startjahr wurde 1926 gewählt, weil erst ab diesem Zeitpunkt die Renditen der Ein-Monats-Anleihen des amerikanischen Schatzamtes als Vergleichsmaßstab zur Verfügung stehen. [3] Das Marktkapitalisierungsgewicht amerikanischer Aktien hat in den letzten Jahren aufgrund der überdurchschnittlich guten Wertentwicklung des US-Marktes zwar zugenommen, langfristig und trendmäßig nimmt es aber aufgrund der zunehmenden Bedeutung anderer Volkswirtschaften und Märkte eher ab.

[4] Man bedenke, dass hierbei auch die Wertvernichtungen durch die im Oktober 1929 einsetzende Weltwirtschaftskrise, den Zweiten Weltkrieg sowie die zwischenzeitlichen Finanzmarktkrisen eingerechnet sind. [5] Im Zeitraum 1926 bis 2016 beispielsweise waren die fünf Aktien mit der höchsten individuellen Wertschöpfung (in US-Dollar bzw. bezogen auf ihren prozentualen Anteil an der Gesamtwertschöpfung) Exxon Mobile, Apple, Microsoft, General Electric und IBM (in dieser Reihenfolge). Davon waren Exxon Mobile, General Electric und IBM über den gesamten Zeitraum hinweg gelistet.

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Vorsicht, gefährlicher 12. Februar 2021

Herdentrieb!

Länger andauernde Aufwärtsbewegungen am Aktienmarkt erzeugen unter Anlegern häufig ein stark von Euphorie geprägtes Anlageverhalten. Die hieraus resultierende Kauflaune erstreckt sich allerdings in der Regel nicht auf den breiten Gesamtmarkt, sondern konzentriert sich häufig auf ausgewählte Aktienmarktsegmente. Insbesondere ist immer wieder folgendes Phänomen zu beobachten: Im Verlaufe anhaltend steigender Kurse zeigt sich häufig, dass Anleger zunehmend risikofreudiger werden und zum sogenannten Herden-Verhalten neigen. Darüber hinaus wird die Hausse an den Börsen in den meisten Fällen von Aktien relativ weniger Regionen und/oder Branchen getrieben, die – aus welchen Gründen auch immer – extrem nachgefragt sind, wie derzeit beispielsweise Aktien des Technologiesektors. Anleger orientieren sich oft am Verhalten anderer Marktteilnehmer, die verstärkt in bestimmte Sektoren investieren, und springen auf den bereits fahrenden Zug auf. Sie lassen sich von der entfachten Euphorie mitreißen und sind überzeugt, das Richtige zu tun, denn es machen ja auch alle anderen. Statt mit gesundem Menschenverstand an die Anlage heranzugehen, vertrauen die Anleger auf das, was die Herde macht. Speziell in heiß begehrten Segmenten baut sich mit der Zeit ein großes Kursrückschlagspotenzial, d. h. ein ausgeprägtes Herdenrisiko, auf.

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

Phasen heftig fallender Kurse dagegen sind gekennzeichnet durch eine plötzlich zunehmende Risikoaversion („Wie konnte ich nur einsteigen …?“). Die Verluste konzentrieren sich dabei vor allem in denjenigen Märkten, in denen vorher herdentriebsbedingte Übertreibungen zu beobachten waren.

Problematische Risikokennzahl „Volatilität“ Üblicherweise wird im Rahmen des Anlagemanagements das Risiko mittels der Kennzahl „Volatilität“ (Ausmaß von Kursschwankungen) gemessen, welche häufig auf der Grundlage historischer Zeitreihen ermittelt wird. Historische Volatilitäten haben jedoch folgende Besonderheiten: Werden sie langfristig gemessen, zeigen sie ein relativ konstantes, von aktuellen, unter Umständen auch stärkeren Marktbewegungen weitgehend unabhängiges Risikoniveau an. Kurzfristig dagegen sind sie sehr erratisch und signalisieren meistens in Hochphasen ein geringes und in Tiefphasen ein relativ hohes Risiko.

Aktienmarktentwicklung sowie Kurzfrist- und Langfrist-Volatilität über einen Zeitraum von gut 15 Jahren 200

40 %

180

35 %

160

30 %

140 120

25 %

100

20 %

80

15 %

60

10 %

40

5%

0

0%

10 .12 . 10 04 .12 . 10 05 .12 .0 6 10 .12 . 10 07 .12 . 10 08 .12 .0 10 9 .12 .1 10 0 .12 . 10 11 .12 . 10 12 .12 . 10 13 .12 . 10 14 .12 . 10 15 .12 .1 10 6 .12 . 10 17 .12 . 10 18 .12 .1 9

20

Kursentwicklung MSCI ACWI Rollierende Ein-Jahres-Volatilität

Rollierende Fünf-Jahres-Volatilität

Linke Skala: indexierte kumulierte Kursentwicklung des MSCI ACWI (breit gestreuter Standardaktienindex mit Titeln aus Industrie- und Schwellenländern); auf Euro-Basis inkl. Dividenden Rechte Skala: Volatilität

Linke Skala: indexierte kumulierte Kursentwicklung des MSCI ACWI (breit gestreuter Standardaktienindex Wochendaten, Zeitraum 10.12.2004 bis 28.08.2020 mit Titeln aus Industrie- und Schwellenländern); auf Euro-Basis inkl. Dividenden. Rechte Skala: Volatilität. Quellen: Bloomberg, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Wochendaten, Zeitraum 10.12.2004 bis 28.08.2020

Diese Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit. Die frühere Wertentwicklung ist kein zuverlässiger

Indikator für künftige Ergebnisse. Quellen: Bloomberg, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Diese Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit. Die frühere Wertentwicklung ist kein zuverlässiger Indikator für künftige Ergebnisse.

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Mays Logbuch

Vorsicht, gefährlicher Herdentrieb!

Kurzfrist-Volatilitäten nehmen daher im Verlaufe anhaltender Börsenaufschwünge immer mehr ab und sind am geringsten, wenn das Herdenrisiko am größten ist. Umgekehrt steigen sie nach heftigen Kurseinbrüchen wieder sprunghaft an, was sich sehr deutlich in der Corona-Krise gezeigt hat.

Aktienmarktentwicklung und Kurzfrist-Volatilität vor und während des Corona-Crashs 2020 200

27 %

190

25 %

180

23 % 21 %

170

19 %

160

17 %

150

15 %

140

13 % 11 %

120

9%

14 .12 .2 01 8 14 .2 .2 01 9 14 .4 .2 01 9 14 .6 .2 01 9 14 .8 .2 01 9 14 .10 .2 01 9 14 .12 .2 01 9 14 .2 .2 02 0 14 .4 .2 02 0 14 .6 .2 02 0 14 .8 .2 02 0

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Kursentwicklung MSCI ACWI

Rollierende Ein-Jahres-Volatilität

Linke Skala: indexierte kumulierte Kursentwicklung des MSCI ACWI (breit gestreuter Standardaktienindex mit Titeln aus Industrie- und Schwellenländern); auf Euro-Basis inkl. Dividenden Volatilitätkumulierte Kursentwicklung des MSCI ACWI (breit gestreuter Standardaktienindex LinkeRechte Skala:Skala: indexierte Wochendaten, Zeitraum und 14.12.2018 bis 28.08.2020 mit Titeln aus IndustrieSchwellenländern); auf Euro-Basis inkl. Dividenden. Rechte Skala: Volatilität. Quellen: Bloomberg, eigene Darstellungbis Quirin Privatbank AG Wochendaten, Zeitraum 14.12.2018 28.08.2020 Diese Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit. Die frühere Wertentwicklung ist kein zuverlässiger

Quellen: Bloomberg, Darstellung Quirin Privatbank AG Indikator für künftige eigene Ergebnisse.

Diese Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit. Die frühere Wertentwicklung ist kein zuverlässiger Indikator für künftige Ergebnisse.

Es lässt sich somit festhalten: Insbesondere in Marktaufschwungphasen entsteht in besonders stark nachgefragten Anlagesegmenten eine ausgeprägte Kursückschlagsgefahr, sprich ein großes Herdenrisiko. Speziell vor diesem Risiko wird jedoch anhand der üblicherweise im Anlagemanagement verwendeten Risikokennzahl, der Volatilität, nicht gewarnt – im Gegenteil: Bei einer kurzfristigen Volatilitätsmessung bleibt das Rückschlagsrisiko unerkannt und wird sogar noch beschönigt.

Herdenrisiko und Diversifizierung Aus den genannten Zusammenhängen ergibt sich, dass die Diversifikation über eine Vielzahl von Branchen, Regionen und Aktienkategorien (wie zum Beispiel Neben- oder auch Substanzwerten) vor allem im Verlauf anhalten-

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

der Börsenaufschwünge besonders wertvoll ist. Nur auf diese Weise können die in einzelnen Marktsegmenten schlummernden Herdenrisiken vermieden werden, ohne die positiven Renditeaussichten des Aktienmarktes in seiner Gesamtheit zu beeinträchtigen. Aus diesem Grund warnen wir ausdrücklich davor, sich von den außergewöhnlichen Wertentwicklungen einzelner Anlagesegmente blenden zu lassen und dabei die Risikostreuung zu vernachlässigen. Eine konsequente Diversifizierung über eine Vielzahl von Aktienkategorien hinweg bleibt das A und O jeder vernünftigen, disziplinierten und langfristig ausgelegten Anlagestrategie. Darüber sollte auch die jüngste und zugegebenermaßen beeindruckende Out-Performance des Technologie- und Informationssektors nicht hinwegtäuschen. Also widerstehen Sie dem Herdentrieb, denn langfristig erzielen nur diejenigen Anleger hohe Renditen, die kalkuliert, emotionslos und wohlüberlegt agieren – auch wenn das gewiss nicht immer leichtfällt. Zudem gilt: Bei einer hinreichend breit gestreuten Anlage haben Sie automatisch auch die Out-Performer dabei.

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Die Schwellenländer

melden sich zurück 26. Februar 2021

Aktien aus den Schwellenländern – auch Emerging Markets genannt – haben einen regelrechten Traumstart ins neue Jahr hingelegt. Der Frage, ob es sich hierbei nur um ein Strohfeuer oder um den Startschuss für eine längerfristige Aufwärtsbewegung handeln könnte, gehen wir in diesem Logbuch-Beitrag nach. Zu Beginn steht jedoch die Klärung einer ganz anderen Frage:

Was ist ein Schwellenland überhaupt? Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung führt hierzu aus: Eine exakte, international gültige Definition des Begriffs „Schwellenland“ gibt es nicht. Schwellenländer werden meist den Entwicklungsländern zugeordnet. Typisch für sie ist, dass sie sich in einem umfassenden Wandlungsprozess befinden und oftmals ein hohes Wachstum der wirtschaftlichen Leistung und des Pro-Kopf-Einkommens aufweisen. Die soziale Entwicklung (zum Beispiel Gesundheit, Bildung, Energieund Wasserversorgung) kann in Schwellenländern allerdings häufig noch nicht mit dem wirtschaftlichen Wachstum mithalten. Anders ausgedrückt: Diejenigen Länder, die nicht mehr zu den ärmeren Entwicklungsländern zählen, aber auch noch nicht zu den reicheren Industrienationen, nennt man Schwellenländer – das heißt: Sie stehen quasi an der „Schwelle“ zum Industriestaat.

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

Die größten Schwellenländer weltweit inklusive Deutschland zur Einordnung der Größenrelation

Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

MSCI Emerging Markets Index – das „Fieberthermometer“ der Schwellenländerbörsen Der mit Abstand wichtigste und bekannteste Index zur Messung der Aktienmarktentwicklung in den Schwellenländern ist der MSCI Emerging Markets Index. Aktuell beinhaltet der Index knapp 1.400 Aktiengesellschaften aus 27 verschiedenen Schwellenländern. Beherrscht wird der Index von der Region Asien, wobei sich trefflich darüber streiten lässt, ob das Indexschwergewicht China – die immerhin weltweit zweitstärkste Wirtschaftsnation (nach den USA) – noch zu den Schwellenländern zu zählen ist. Als Argumente für das Festhalten am Schwellenländerstatus werden häufig bestehende enorme soziale und regionale Ungleichheiten im Land angeführt. Aktien aus den Schwellenländern haben gemessen am MSCI Emerging Markets Index – wie eingangs bereits erwähnt – einen fulminanten Start ins neue Jahr hingelegt: Seit Jahresbeginn haben sie über 7 % an Wert gewonnen und damit die Konkurrenz auf die Plätze verwiesen. Der breitgestreute MSCI World, der Aktien-Leitindex der Industrieländer, legte nur um knapp 3 % zu (jeweils auf Euro-Basis, ohne Dividenden – Stand: 25.02.2021). Jüngst hat der MSCI Emerging Markets auch sein bisheriges Allzeithoch überwunden, sowohl bei der klassischen, in US-Dollar berechneten Indexvariante als auch bei der in Euro umgerechneten Variante, die in der nachfolgenden Grafik zu sehen ist. Das Allzeithoch des Dollar-Index stammte aus dem Jahr 2007. Damals waren vor allem die sog. „BRIC-Staa-

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Mays Logbuch

Die Schwellenländer melden sich zurück

ten“ – Brasilien, Russland, Indien und China – in aller Munde und Anleger bereit, stolze Preise für Aktien aus diesen Ländern zu bezahlen, um am vermeintlichen Wachstumswunder in diesen vier aufstrebenden Volkswirtschaften teilzuhaben.

Geographische Verteilung der Schwellenländer nach Regionen

Europa

Süd- & Mittelamerika

Afrika & Naher Osten

Asien

7,1 %

4,3 %

7,7 %

80,9 %

Stand: 25.02.2021 Europa-Anteil bedeutet weitgehend Osteuropa. Quellen: Bloomberg, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Geographische Verteilung im MSCI Emerging Markets Index nach Ländern

Taiwan

13,7 %

Indien

Sonstige

9,3 %

9,2 %

China

39,7 % Südkorea

13,3 %

Russland Brasilien

Südafrika

4,4 %

3,5 %

SaudiArabien

2,8 % 2,8 %

Thailand

2,4 %

Stand: 25.02.2021

Stand: 25.02.2021 Quellen: Bloomberg, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG Quellen: Bloomberg, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

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Ende einer längeren Seitwärtsphase? MSCI Emerging Markets Index in der Langfristbetrachtung 2.216 2.000

1.000

500

342

25 .0 2. 91 25 .0 2. 93 25 .0 2. 95 25 .0 2. 25 97 .0 2. 99 25 .0 2. 25 01 .0 2. 03 25 .0 2. 05 25 .0 2. 25 07 .0 2. 0 25 9 .0 2. 25 11 .0 2. 13 25 .0 2. 1 25 5 .0 2. 25 17 .0 2. 1 25 9 .0 2. 21

250

Stand: 25.02.2021 Hinweise: Kursentwicklung in Euro umgerechnet, ohne Dividenden, logarithmierte Darstellungsweise.

Stand: 25.02.2021

Bei der logarithmischen Darstellung zeigt die vertikale Achse für die Kursentwicklung gleiche Abstände für identische,

prozentuale Veränderungen an. Kursbewegung von 500 auf 1.000 entsprichtlogarithmierte der gleichen Wegstrecke wie für den Hinweise: Kursentwicklung in Eine Euro umgerechnet, ohne Dividenden, Darstellungsweise. Anstieg zwischen 1.000 auf 2.000. Kursbewegungen werden auf diese Weise noch transparenter, vor allem bei sehr

langfristigen Charts. Bei der logarithmischen Darstellung zeigt die vertikale Achse für die Kursentwicklung gleiche Abstände für Quellen: Bloomberg, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG identische, prozentuale Veränderungen an. Eine Kursbewegung von 500 auf 1.000 entspricht der gleichen Diese Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit. Die frühere Wertentwicklung ist kein zuverlässiger Indikator Wegstrecke wie für den Anstieg zwischen 1.000 auf 2.000. Kursbewegungen werden auf diese Weise noch für künftige Ereignisse. transparenter, vor allem bei sehr langfristigen Charts.

Quellen: Bloomberg, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG Diese Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit. Die frühere Wertentwicklung ist kein zuverlässiger Indikator für künftige Ereignisse.

Warum erleben Schwellenländer gerade einen besonderen Aufschwung? Eine Vielzahl von Faktoren spielt den Schwellenländern derzeit in die Karten: In Phasen, in denen sich die Weltwirtschaft erholt – und es zeichnet sich mit den begonnenen Impfkampagnen für 2021 eine sehr kräftige Erholung im 2. Halbjahr ab – entwickeln sie sich üblicherweise überdurchschnittlich. Hinzu kommt der mittlerweile kräftige Aufschwung etlicher Rohstoffpreise, der den rohstoffexportierenden Ländern (insbesondere den lateinamerikanischen) zu einem Schub verhilft. Zudem wird die Pandemie in Asien offenbar wesentlich besser bewältigt als in vielen Industrieländern, mit der Folge, dass die dortigen Wirtschaften in weit geringerem Ausmaß unter pandemiebedingten Restriktionen leiden. Obwohl die Konjunktur in den Schwellenländern im Coronajahr 2020 bei weitem nicht so stark wie in den Industrienationen eingebrochen ist, erwarten wir für 2021 nichtsdestotrotz ein überdurchschnittlich hohes Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in den Emerging Markets.

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Mays Logbuch

Die Schwellenländer melden sich zurück

Die Rückkehr zum Oberwasser? Wertentwicklung des MSCI Emerging Markets relativ zum MSCI World 300 %

263 %

250 % 200 %

5

1

150 %

3

100 %

4

50 % 0%

78 %

2

-50 % -100 %

-132 %

25 .0 2. 91 25 .0 2. 93 25 .0 2. 95 25 .0 2. 97 25 .0 2. 99 25 .0 2. 01 25 .0 2. 03 25 .0 2. 05 25 .0 2. 07 25 .0 2. 0 25 9 .0 2. 11 25 .0 2. 13 25 .0 2. 1 25 5 .0 2. 17 25 .0 2. 1 25 9 .0 2. 21

-150 %

1

Phase, in der immer mehr Investoren die Wachstumsphantasie der Schwellenländer entdecken

2

Asienkrise

3

Aufstieg der BRIC-Staaten und Rohstoff-Boom

4

Nach der Finanzkrise gewannen vor allem US-Aktien Oberwasser. Längere Phasen der Underperformance von Schwellenländern gegenüber Industrieländern

5

Beginn einer längeren Outperformance-Phase von Schwellenländern?

Stand: 25.02.2021

Stand: 25.02.2021 Hinweise: Der dargestellte Kurvenverlauf zeigt die Wertentwicklungen (in Euro ohne Dividenden) des MSCI Emerging Markets Index (Schwellenländer) abzüglich der Wertentwicklung des MSCI World Index (Industrieländer) in Prozent. Eine steigende

Hinweise: Dereine dargestellte zeigt die Wertentwicklungen (in Euro ohne Dividenden) Kurve stellt Phase dar, inKurvenverlauf der sich Schwellenländer besser entwickelt haben. Eine fallende Kurve bedeutet, dass sich indes Phase Industrieländeraktien besser entwickelt haben. MSCIdieser Emerging Markets Index (Schwellenländer) abzüglich der Wertentwicklung des MSCI World Index Quellen: Bloomberg, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG (Industrieländer) in Prozent. Eine steigende Kurve stellt eine Phase dar, in der sich Schwellenländer besser Diese Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit. Die frühere Wertentwicklung ist kein zuverlässiger Indikator für entwickelt Eine fallende Kurve bedeutet, dass sich in dieser Phase Industrieländeraktien besser künftigehaben. Ereignisse. entwickelt haben. Quellen: Bloomberg, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG Diese Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit. Die frühere Wertentwicklung ist kein zuverlässiger Indikator für künftige Ereignisse.

Schwellenländer weiter mit guten Wachstumsaussichten Während der Internationale Währungsfonds (IWF) für die Industrieländer ein durchschnittliches Wachstum von 4,3 % in 2021 vorhersagt, liegen die Wachstumserwartungen für die Emerging Markets im Schnitt bei 6,3 %. Die größten Zuwächse werden erneut in Asien (dem Schwergewicht im MSCI Emerging Markets Index) erwartet – angeführt von China und Indien (+8,3 bzw. +11,5 %).

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

Wachstumsvorsprung der Schwellenländer Reales Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (konstante Preise) 8% Industrieländer

Schwellen- und Entwicklungsländer

6,3

6% 4% 2% 0%

2,1

2015

4,7

4,4

4,1

4,5

4,3 3,6

2,4 1,7

2016

2017

2,2

2018

1,6

2019

2021*

-2 % -2,4 -4 % -4,9 -6 %

2020*

Stand: Januar 2021 * Die 2020er- und 2021er-Zahlen basieren auf Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Stand:Quellen: Januar 2021 IWF, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG * Die 2020er- und 2021er-Zahlen basieren auf Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF). Quellen: IWF, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Zwar hat die Pandemie auch in den Schwellenländern ihre Spuren in Form höherer Staatsausgaben bei parallel sinkender Wirtschaftsleistung hinterlassen. Doch auch hier grenzen sich die Schwellenländer positiv ab. Nach IWF-Zahlen hat Covid-19 im Jahr 2020 die Staatsverschuldung in den entwickelten Staaten auf 125 % des Bruttoinlandsproduktes (BIP) getrieben – gegenüber 62 % in den Emerging Markets. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Betrachtung der Haushaltsdefizite (durchschnittlich 11 % gegenüber 6 % in den Emerging Markets). Die relativ niedrigere Verschuldung der Schwellenländer bei gleichzeitig höheren Wachstumsprognosen führt dazu, dass sich das Verhältnis „Schulden zu Bruttoinlandsprodukt“ schneller stabilisiert als in den Industriestaaten. Allerdings sind speziell die in China von offizieller Seite veröffentlichten Daten zur Verschuldungslage mit Vorsicht zu genießen – meist sind sie wenig transparent und lassen sich folglich nur schwer auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüfen. Dabei profitieren viele exportorientierte Volkswirtschaften der asiatischen Region einerseits von der erwarteten Erholung der Nachfrage aus den USA und Europa, andererseits aber auch von der Tatsache, dass sie untereinander immer enger vernetzt sind. Als Beispiel lässt sich Südkorea anführen: 62 % der Exporte der viertgrößten Volkswirtschaft Asiens gehen mittlerweile in andere Schwellenländer – mehr als die Hälfte davon allein nach China und Vietnam. Die USA sind nur noch für 13,5 % der koreanischen Exporte verantwortlich.

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Mays Logbuch

Die Schwellenländer melden sich zurück

Die engere Verflechtung des asiatischen Wirtschaftsraums wurde im November 2020 noch mit der Unterzeichnung der „Regional Comprehensive Economic Partnership“ (kurz: „RCEP“) untermauert, des größten Freihandelsabkommens der Welt, dem sich die zehn ASEAN-Staaten Südostasien, China, Japan, Südkorea, Australien und Neuseeland angeschlossen haben. Last, but not least: Ein schwächerer Dollar – der jüngst zu beobachten war – ist grundsätzlich positiv für die Schwellenländer, da viele dortige Staaten und Unternehmen ihre Schulden in US-Dollar aufnehmen und eine Abschwächung der US-Valuta ihre Zinslast (umgerechnet in die jeweilige Heimatwährung) mindert.

Zurück zur Eingangsfrage: Strohfeuer oder Beginn eines längerfristigen Aufwärtstrends? Um die Antwort vorwegzunehmen: Es bestehen u. E. gute Aussichten, dass die derzeitige Outperformance der Emerging Markets auch mittel- bis langfristig Bestand haben könnte. Wenn man sich die Gründe für diese Annahme näher anschaut, muss man den Blick zwangsläufig Richtung Asien lenken – der mit weitem Abstand größten Region im MSCI Emerging Markets Index (Gewichtung rund 80 %). Viele der bereits erwähnten Faktoren, die den Schwellenländern derzeit in die Hände spielen, dürften nicht nur kurzfristiger Natur sein, sondern auch auf längere Sicht positive Wirkungen entfalten. Hinzu kommen weitere positive Aspekte: Das weltweit größte Schwellenland China hat längst mehr zu bieten als bunte Plastikblumen und kopierte Elektronik. Das Reich der Mitte ist vielmehr zum Technik-Vorreiter, Digitalisierungs-Champion und Pionier in Sachen Elektromobilität aufgestiegen. Mit mehr als 600 Mio. Online-Shoppern sind chinesische Konsumenten heute die wohl begehrteste Verbrauchergruppe der Welt. Nicht mehr lange und die Volksrepublik wird die Weltmacht USA mit ihrer Wirtschaftsleistung überrundet haben, schätzen nicht wenige Ökonomen. Gleichzeitig ziehen andere Länder nach: Vietnam und Thailand sind längst in den internationalen Wettbewerb eingestiegen, Südkorea gilt als „Entwicklungsstar“ und ist inzwischen die zwölftgrößte Wirtschaftsnation der Welt. Länder wie Malaysia, Indonesien und Indien zählen mit Wirtschaftswachstumsraten von 5 bis 6 % pro Jahr (Corona ausgeklammert) zu den am schnellsten expandierenden Staaten der Welt. Allen asiatischen Schwellenländern ist gemein: Die Bevölkerung ist meist jung, gut ausgebildet und das Aufholpotenzial der wachsenden (zahlungskräftigen) Mittelschichten ist groß. Des Weiteren hat ein offenkundiger Rollenwechsel stattgefunden: Während der Westen primär den privaten Konsum stimuliert, investieren China, Südkorea, Taiwan oder Singapur in die Infrastruktur von morgen – sprich: in Mobilität, Energie, Wasser, Klimaschutz und Digitalisierung. Vor nicht allzu langer Zeit hätte man wohl das genaue Gegenteil von den zwei Weltregionen erwartet.

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

Auch wenn der MSCI Emerging Markets Index von der Region Asien klar dominiert wird, wollen wir dennoch kurz einen Blick auf zwei wichtige und große Schwellenländer außerhalb Asiens werfen: Russland: Angesichts der globalen konjunkturellen Erholung und des damit einhergehenden Umstandes, dass sich die für das Land immens wichtigen Ölpreise zuletzt kräftig erholt haben, wird für Russland ein BIPWachstum von 3 % (IWF-Schätzung) für dieses Jahr prognostiziert. Brasilien: Bei den Agrarrohstoffen hat es jüngst kräftige Preisanstiege gegeben – im Januar wurden sogar Mehrjahreshochs markiert. Schlechteren Ernten steht eine hohe Nachfrage gegenüber, die auch durch Finanzinvestoren zusätzlich angeheizt wird. Von dem Preisauftrieb dürfte Brasilien spürbar profitieren, denn die wichtigste brasilianische Exportbranche ist der Agrarsektor – angeführt von Soja, Fleisch, Getreide, Mais sowie Zuckerrohr. Abschließend noch ein Wort zur fundamentalen Bewertung der Aktienmärkte: Trotz des zuletzt kräftigen Kursanstiegs sind die Schwellenmärkte auf Basis der durchschnittlichen Analysten-Gewinnschätzungen für das laufende Jahr mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von gut 15 immer noch spürbar günstiger bewertet als der MSCI World Index, der auf ein KGV von rund 20 kommt. Letzterer wird verstärkt von den USA und somit auch von den dort ansässigen, relativ weit vorgepreschten Technologieaktien dominiert.

Trotz aller Chancen … Risiken bleiben Das politische System in der Volksrepublik China basiert auf dem Führungsanspruch der Kommunistischen Partei. Es handelt sich um ein autokratisches Einparteiensystem. Das sozialistische Wirtschaftssystem ist in der chinesischen Verfassung verankert. Nichtsdestotrotz hat das chinesische Regime in den letzten Jahren versucht, kommunistische Politik mit kapitalistischer Wirtschaft zu verknüpfen. Viele Unternehmen aus der Privatwirtschaft können sich in China frei entfalten, sofern sie keinen politischen Einfluss ausüben oder das Regime verärgern. Wie schnell man es sich mit der politischen Führung verscherzen kann, musste kürzlich der chinesische Internetriese Alibaba schmerzlich erfahren. Weil sein Gründer Jack Ma durch eine nach dem Geschmack der Staatsführung zu forsche Rede in Ungnade gefallen war, sagte die Obrigkeit den bislang weltgrößten Börsengang von Mas Finanzdienstleister Alipay kurzerhand ab und nahm sich sein Lebens­werk Alibaba vor. Diesem wirft der Staat nun monopolistisches Verhalten vor. Ein weiteres Beispiel, das in dieselbe Kerbe schlägt, ist die aktuell verschärfte Zensurregelung für Internet-Blogger. Diese benötigen nunmehr eine von der Regierung ausgestellte Legitimation, wenn sie über ein weitreichendes Spektrum von Themen (z. B. Politik, Militär oder Gesundheit) schreiben wollen. Meinungsfreiheit und China … das

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Mays Logbuch

Die Schwellenländer melden sich zurück

passt leider nicht wirklich zusammen – rasantes Wirtschaftswachstum und China schon eher. Was zudem immer wieder kritisch beäugt wird: Die Verschuldungssituation bei lokalen chinesischen Regionalregierungen und Gebietskörperschaften ist oft sehr undurchsichtig. Hinzu kommt, dass viele Schulden aus dem Unternehmenssektor eigentlich dem Staat zugerechnet werden müssten. Überhaupt ist der Verschuldungsgrad nicht weniger Unternehmen in den letzten Jahren nach Expertenmeinung deutlich angestiegen – seriös überprüfen lässt sich das allerdings nur eingeschränkt. Bis dato hat das an Devisen reiche China das Problem zwar offenbar im Griff, gänzlich ausblenden sollte man dieses Risiko aber nicht. Weitere Knackpunkte könnten sein: Ein schon länger schwelender Belastungsfaktor – der Handelsstreit – gilt weiterhin als die große Unbekannte. Die USA (vor allem auch unter der neuen Regierung Bidens) und China haben zwar ein gesteigertes wirtschaftliches Interesse daran, den Konflikt nicht gänzlich eskalieren zu lassen, aber ausgemacht ist das noch nicht. Die Corona-Impfstoffe haben zudem dafür gesorgt, dass Investoren deutlich optimistischer für den weiteren Verlauf der Weltkonjunktur geworden sind. Dadurch hat ihre Risikobereitschaft zugenommen, wovon auch Schwellenländer profitieren. Sollte der Risikoappetit der Investoren – aus

Schwächelnder Dollar Wert eines Dollars in chinesischen Yuan in den letzten 5 Jahren

7,4 7,16

7,2 7,0 6,8 6,6 6,4 6,53

6,45

6,2 6,0 25.02.16

25.02.17

25.02.18

25.02.19

25.02.20

25.02.21

Stand: 25.02.2021 Quellen: Bloomberg, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Stand: 25.02.2021

Diese Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit. Die frühere Wertentwicklung ist kein zuverlässiger Indikator

für künftige Ereignisse.eigene Darstellung Quirin Privatbank AG Quellen: Bloomberg,

Diese Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit. Die frühere Wertentwicklung ist kein zuverlässiger Indikator für künftige Ereignisse.

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

welchen Gründen auch immer – wieder nachlassen, könnten infolge eines stärkeren Kapitalabzugs vor allem die Schwellenländerbörsen leiden. Und naturgemäß könnten sich auch die Schwellenländer einer Verschärfung der Coronakrise nicht entziehen: Die finanziell weniger üppig ausgestatteten Regierungen in den Schwellenländern könnten möglicherweise schon zu früh gezwungen sein, wieder einen fiskalischen Konsolidierungskurs zu fahren, und als Folge die Konjunkturerholung möglicherweise behindern bzw. verzögern. Eine weitere große Unbekannte ist im Spiel: der US-Dollar. Sollte sich hier der Wind drehen und die US-Währung wieder stärker zulegen, wäre das eine schlechte Nachricht für die Emerging Markets. Die Grafik links zeigt beispielhaft die Entwicklung des US-Dollar in Relation zur chinesischen Währung.

Fazit Nach einer längeren Seitwärtsphase wurden Schwellenländeraktien zuletzt von der Anlegergemeinde zunehmend kritisch hinterfragt. Breit gestreut in Aktien aufstrebender Nationen zu investieren, um ein gut strukturiertes Aktiendepot abzurunden, dürfte sich aber langfristig auszahlen. Das Wachstumspotenzial ist in Schwellenländern höher als anderswo, speziell asiatische Firmen investieren massiv in die Technologien der Zukunft und eine wachsende (zahlungskräftige) Mittelschicht von Verbrauchern entsteht. Die Kursschwankungen an den Börsen der Schwellenländer fallen allerdings erfahrungsgemäß stärker aus als in den Industrienationen. Deshalb sollten interessierte Anleger zwei Grundvoraussetzungen mitbringen: einen langen Atem … und gute Nerven. Aber beides braucht man in der heutigen Zeit ja sowieso.

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Mays Logbuch

Inflationsgefahren? Ja, aber

anders als vermutet 12. März 2021

In den letzten Wochen ist wieder einmal die Inflationsentwicklung ins mediale Rampenlicht gerückt. Das ist eigentlich nichts Besonderes, denn regelmäßig füllen Sorgenbekundungen immer dann die Nachrichten, wenn die Inflationsraten – so wie aktuell – einmal etwas spürbarer den Vorwärtsgang einlegen. (Warum die meist fehlende Berichterstattung über Inflation in vermeintlich „ruhigeren“ Zeiten das eigentliche Risiko für Anleger darstellt, erfahren Sie im letzten Abschnitt dieses Beitrags.) Mit ebensolcher Regelmäßigkeit wird bei diesen Gelegenheiten dann auch gerne vor enormen Auswirkungen auf die Anleihe- und/oder Aktienmärkte gewarnt. Wer aufmerksam die Finanznachrichten verfolgt, nimmt wahr, dass auch dies derzeit wieder – im wahrsten Sinne des Wortes – inflationär der Fall ist. Höchste Zeit also, einen besonnenen ökonomischen Blick auf die jüngsten Entwicklungen zu werfen.

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

Inflation auf dem aufsteigenden Ast Und diese sehen auf den ersten Blick durchaus markant aus. In Deutschland etwa stieg die international vergleichbare (harmonisierte) Inflationsrate von noch durchgängig negativen Werten von August bis Dezember 2020 im Januar auf 1,6 % an. Dieses Niveau dürfte sich in den anstehenden Februarzahlen bestätigen. In Gesamteuropa zogen die Preise im Januar im Vorjahresvergleich um 1,2 % an, nach mehreren Monaten mit Inflationsraten um die Nulllinie (die aktuelle Inflationsrate der reinen Euro-Zone liegt bei 0,9 %). Auch in den USA liegt die Inflationsrate inzwischen bei 1,4 %, nach kräftigen Abtauchern im letzten Jahr. Angesichts dieser doch recht überschaubaren Werte fragt man sich allerdings schon, wo denn die ganze Inflationsaufregung eigentlich herkommt. In Europa und in den USA steht schließlich selbst ein Wert von 2 % noch für Preisniveaustabilität, also eine zwar rechnerische Inflation, die aber von vielen Notenbanken mit unveränderten allgemeinen Verbraucherpreisen gleichgesetzt wird. Auch im historischen Kontext wird deutlich: Nach wie vor sind die Inflationsraten – nachfolgend im Durchschnitt Europas abgebildet – eher zu niedrig als zu hoch.

Historische Inflation in Europa 5%

4,4 %

4% 3%

2,2 % 1,2 %

2% 1% 0%

-0,5 %

Jan. 21

Jan. 19

Jan. 20

Jan. 18

Jan. 17

Jan. 16

Jan. 15

Jan. 14

Jan. 12

Jan. 13

Jan. 11

Jan. 10

Jan. 09

Jan. 07

Jan. 08

Jan. 06

Jan. 05

Jan. 03

Jan. 04

Jan. 01

Jan. 02

Jan. 00

Jan. 99

Jan. 97

Jan. 98

-1 %

Harmonisierte Inflationsrate in Prozent; monatliche Daten, jeweils im Vergleich zum Vorjahr. (Die harmonisierte Inflationsrate wurde in der EU entwickelt, um Preisänderungen international vergleichen und zu einer Gesamtinflationsrate Harmonisierte Inflationsrate in Prozent; monatliche Daten, jeweils im Vergleich zum Vorjahr. für Europa zusammenfassen zu können.) (Die Stand: harmonisierte 31.01.2021 Inflationsrate wurde in der EU entwickelt, um Preisänderungen international Quellen: Bloomberg, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG vergleichen und zu einer Gesamtinflationsrate für Europa zusammenfassen zu können.)

Stand: 31.01.2021 Quellen: Bloomberg, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Kurz zum Hintergrund der aktuellen Preissteigerungen: Im Vergleich zum Vorjahr sind einige Rohstoffpreise, z. B. für Kupfer und Öl, markant angestiegen. Darüber hinaus sind auch einige andere Güter des täglichen Be-

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Mays Logbuch

Inflationsgefahren? Ja, aber anders als vermutet

darfs (insbesondere Nahrungsmittel) deutlich teurer geworden. Das sind einerseits die Folgen einer einsetzenden wirtschaftlichen Belebung auf der Nachfrageseite. Andererseits entsteht derzeit aber auch von der Angebotsseite her etwas Inflationsdruck. Die globalen Lieferketten laufen noch alles andere als rund. Das zeigt sich z. B. an der Halbleiter-Knappheit für die Automobilproduktion oder an den stark gestiegenen Frachtraten für Containertransporte aus China. Nun aber zurück zur medialen Aufregung rund um die Inflationsentwicklung: Dahinter verbirgt sich im Prinzip die Entwicklung anderer Prozentsätze. Es geht um die Renditen von Staatsanleihen diesseits, vor allem aber jenseits des Atlantiks. Ein Blick beispielsweise auf die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen – dem meistzitierten Ankerwert für Staatsanleiherenditen – zeigt, wie kräftig dort der jüngste Anstieg gewesen ist. Auch hier gilt aber: kräftig erst einmal nicht vom Niveau her, denn insgesamt sind die Renditen hier nach wie vor noch sehr niedrig. Die relative Veränderung vollzog sich allerdings sehr abrupt und ausgeprägt, was dann von vielen Marktbeobachtern als Reflex zunehmender Inflationsängste gedeutet wurde.

Renditen 10-jähriger Staatsanleihen Deutschland 4%

USA

3,5 %

3% 3,3 % 1,5 %

2%

1% -0,3 %

0%

M är .2 1

M är .2 0

M är .1 9

M är .1 8

M är .1 7

M är .1 6

5 M är .1

M är .1 4

3 M är .1

2 M är .1

M är .1

1

-1 %

Stand: 09.03.2021 Quellen: Bloomberg, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG Stand: 09.03.2021 Diese Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit. Die frühere Wertentwicklung ist kein zuverlässiger Indikator für

Quellen: Bloomberg, künftige Ergebnisse. eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Diese Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit. Die frühere Wertentwicklung ist kein zuverlässiger Indikator für künftige Ergebnisse.

Das Zusammenspiel von Inflation und Anleiherenditen Aber wodurch entsteht eigentlich der Zusammenhang zwischen Inflation und Anleiherenditen? Vergegenwärtigen wir uns hierzu zunächst, dass An-

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

leihe-Anleger ja einen festen Kupon-Zins erhalten (nicht mit der abgebildeten Rendite zu verwechseln, dazu gleich mehr). Dieser Zins wird in der Regel jährlich vom Anleihe-Schuldner (in unserem Fall: USA bzw. Deutschland) über die ganze Laufzeit hinweg (hier: 10 Jahre) konstant an den Anleger ausbezahlt. Wie hoch letztlich die tatsächliche Rendite über diesen Zeitraum ist, hängt von vielen Faktoren ab, insbesondere aber vom Kurs, zu dem die Anleihe gekauft wird. Je höher hier der Einstiegskurs ist, desto geringer die Rendite, da Anleihen grundsätzlich am Ende der Laufzeit zum Kurs von 100 % zurückgezahlt werden. Kleines Beispiel: Eine heute erworbene Anleihe mit einem Kupon-Zins von 2 % p. a., einer Restlaufzeit von genau 5 Jahren, einem aktuellen Kurs von 103 % und einem jährlichen Zinstermin am 15.07. besitzt eine Rendite von 1,375 % p. a. Würde man sie heute für einen höheren Kurs von 105 % erwerben, ergäbe sich nur noch eine Rendite von 0,97 % p. a. Je höher der Kurs einer Anleihe also steigt (je mehr sie also nachgefragt wird), desto niedriger wird die Rendite und umgekehrt. Neben der Renditeentwicklung beäugen potenzielle Anleger im Anleihesektor auch insbesondere den Verlauf der Inflation. Denn erst nach Abzug der jährlichen Geldentwertung lässt sich sagen, was die eben erläuterte nominale Rendite (also ohne Berücksichtigung der Inflation) tatsächlich (real, also nach Berücksichtigung der Geldentwertung) für einen Vermögenszuwachs über die Laufzeit bietet. Eine steigende Inflation lässt Anleiheinvestments also tendenziell unattraktiver erscheinen. Und damit haben wir einen Grund identifiziert, warum die Anleiherenditen in den letzten Wochen relativ stark und zügig noch oben gelaufen sind. Im Zuge der steigenden Inflationsraten haben (vor allem spekulative bzw. kurzfristig orientierte) Anleger Anleihen verkauft. In der Folge sanken die Kurse und im Gegenzug stiegen die Renditen (wegen des gerade erläuterten Zusammenhangs). Genau genommen liegt diese Entwicklung aber nicht nur in den bis dato ja nicht eklatant gestiegenen De-facto-Inflationsraten begründet, sondern vor allem in den Inflationserwartungen, was auch zu einem vielzitierten Börsen-Bonmot passt: „An der Börse wird die (erwartete) Zukunft gehandelt.“ Diese Erwartungen lassen sich sogar messen, z. B. anhand von Auswertungen sogenannter Inflations-Swapgeschäfte. Die folgende Grafik verdeutlicht, dass sowohl in den USA als auch in Europa bzw. der Euro-Zone von den Marktteilnehmern tatsächlich weiter spürbar steigende Inflationsraten erwartet werden (Erwartung für die nächsten 5 Jahre; aktuelle Inflation USA: 1,4 %, Euro-Zone: 0,9 %). Dies liegt vor allem an der Erwartung einer nachhaltigen Konjunkturerholung nach erfolgreich bekämpfter CoronaPandemie – nicht zuletzt angefacht durch das jüngste 1,9 Billionen US-Dollar schwere Konjunkturpaket in den USA. Ähnlich wie bei den aktuellen Inflationsraten gilt es aber auch hier, die berühmte Kirche im Dorf zu lassen. „Spürbare“ Steigerung bedeutet keinesfalls „über alle Maßen“. Gerade im historischen Kontext wird deutlich, dass

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Mays Logbuch

Inflationsgefahren? Ja, aber anders als vermutet

das aktuelle Erwartungslevel keinesfalls bedenklich ist. Von galoppierender Inflation oder ähnlich übertriebenen Szenarien sind wir meilenweit entfernt.

Inflationserwartungen gemessen an aktuellen Inflations-Swaps 3,0 % USA

Euro-Zone

2,5 % 2,0 % aktuelle Inflationsrate USA: 1,4 %

1,5 % 1,0 %

aktuelle Inflationsrate Euro-Zone: 0,9 %

M är .2 1

M är .2 0

M är .1 9

M är .1 8

M är .1 7

M är .1 6

0,5 %

Aus Marktpreisen abgeleitete Inflationserwartungen für die USA und die Euro-Zone. Stand Inflationserwartungen: 10.03.2021, Stand Inflationsraten: Januar 2021

Aus Marktpreisen abgeleitete Inflationserwartungen für die USA und diePrivatbank Euro-Zone. Quellen: Bloomberg, Bankhaus Metzler, Wirtschaftswoche, eigene Darstellung Quirin AG Diese Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit. Die frühere Entwicklung ist kein verlässlicher Indikator für Stand Inflationserwartungen: 10.03.2021, Stand Inflationsraten: Januar 2021 künftige Ergebnisse.

Quellen: Bloomberg, Bankhaus Metzler, Wirtschaftswoche, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG Diese Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit. Die frühere Entwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

Inflation schürt Sorgen vor Kapitalmarktkorrekturen Wie eingangs bereits erwähnt, wird im Zusammenhang mit Inflationsanstiegen nicht nur gerne das Gespenst deutlich fallender Anleihekurse an die Wand gemalt. Es werden auch Ängste vor möglichen stärkeren Aktienmarktkorrekturen geschürt. Hintergrund: Mit den fallenden Anleihekursen und vice versa steigenden Renditen erhalten Aktien zunehmende Konkurrenz von der Anleiheseite, die ja die letzten Jahre von einem extremen Niedrigzinsniveau geprägt ist. Und was einige Marktteilnehmer noch viel stärker umtreibt: Steigen die Anleiherenditen, hat das auch Einfluss auf die künftige Bezahlbarkeit der weltweiten Schuldenlast – die höhere Rendite von heute wird zum Gradmesser der Refinanzierungszinsen von morgen. Insbesondere der US-Anleihenmarkt bestimmt nicht nur die Refinanzierungskosten des amerikanischen Staates und Privatsektors, sondern – aufgrund seiner globalen Leitfunktion – direkt und indirekt die globalen Refinanzierungskosten. (Stark) steigende Anleiherenditen führen heutzutage auch oft zu Sorgen über die Finanzstabilität von Unternehmen und somit über die Stabilität des Aktienmarktes.

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Quirin Quartalsbuch | 1.Quartal 2021

Inflation und Anleiherenditen - wohin geht die Reise? Vor dem Hintergrund der aktuell zunehmenden Sorgen, vor allem im Hinblick auf die künftige Aktienmarktentwicklung, ergeben sich aus diesen Betrachtungen zwei essentielle Fragestellungen: 1. Gibt es derzeit handfeste Anhaltspunkte, die auf eine deutlich anziehende Inflation hindeuten? 2. Gibt es – unabhängig davon – weitere Faktoren, die aktuell für spürbar ansteigende Anleiherenditen sprechen? 1. Aus unserer Sicht spricht vieles dafür, dass wir es mehr mit einer zu erwartenden Normalisierung der Inflationsraten (und übrigens auch der Anleiherenditen) zu tun haben als mit dem Beginn einer sich verselbständigenden Inflationsspirale. In den nächsten Monaten wird die Inflationsentwicklung vor allem von statistischen Effekten dominiert. Das führt dazu, dass kurzfristig tatsächlich mit einem weiteren Anstieg gerechnet werden muss, der dann allerdings schnell wieder abflachen dürfte. Grund: Vor rund einem Jahr begann die Konjunkturkrise aufgrund der Corona-Pandemie und die Verbraucherpreise gingen dementsprechend in den Keller – und damit auch die Bezugsbasis für die Inflationsraten der kommenden Monate. Das heißt, selbst wenn in nächster Zeit die Inflation deutlich über 2 % steigen sollte, wird dies mehr ein rechnerischer Effekt (sogenannter Basiseffekt) sein als eine ernstzunehmende Preissteigerung. Der Wegfall der im Corona-Jahr beschlossenen Mehrwertsteuersenkung sowie die neue CO₂-Steuer wirken speziell in Deutschland als Sondereffekte zusätzlich preistreibend. Zudem ist der derzeitige Anstieg der Inflationsraten nicht breit angelegt, sondern konzentriert sich auf einige wenige Bereiche wie z. B. die Energie- bzw. Kraftstoffpreise. Einige Marktbeobachter verweisen auf die im Zuge von Corona nochmals deutlich ausgeweitete Geldmenge. Die Notenbanken haben den Kapitalmärkten – und dabei insbesondere dem Bankensektor – in den letzten Jahren durch enorme Anleiheaufkäufe ohnehin schon viel Liquidität zur Verfügung gestellt und dabei ihre Bilanzen aufgepumpt und dies jüngst noch einmal verstärkt. Mit dieser immensen Nachfrage nach Anleihen wollen sie die Renditen niedrig und damit die Refinanzierungsmöglichkeiten von Staaten, Unternehmen und Privatleuten günstig halten. Die Befürchtung, dass rasch wachsende Bilanzsummen der Notenbanken quasi automatisch zu Inflation führen, geht auf einen der ökonomischen Pioniere der Geldtheorie zurück, Milton Friedman. Nach dessen Quantitätstheorie ist Inflation immer ein monetäres Phänomen und immer die Folge einer steigenden Geldmenge. Wenn man sich die Historie aber anschaut, dann stimmt das seit 20 Jahren einfach nicht mehr. Die Geld-

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Mays Logbuch

Inflationsgefahren? Ja, aber anders als vermutet

menge ist teilweise dramatisch gestiegen und trotzdem gab es in der Regel keine nennenswerte Inflation. Das liegt u. a. daran, dass die von der Liquiditätszufuhr begünstigten Banken diese Liquidität nur sehr bedingt als Kredite ausgereicht haben. Das Geld blieb also gewissermaßen in den Kapitalmärkten stecken und floss nicht in die Realwirtschaft. Ökonomen bezeichnen diesen Zusammenhang als „Liquiditätsfalle“. Auch droht u. E. keine sogenannte Lohn-Preis-Spirale, die in der Historie oft zu stärkerer Inflation führte. Sie läuft wie folgt ab: Läuft eine Wirtschaft bei sehr niedriger Arbeitslosigkeit heiß, kommt es meist zu deutlich steigenden Löhnen. Den Lohndruck versuchen die Unternehmen dann über höhere Preise auf den Verbraucher abzuwälzen. Gleichzeitig sorgen die höheren Löhne dafür, dass die Bürger mehr Güter und Dienstleistungen nachfragen, was die Preise weiter ansteigen lässt. Neue Lohnforderungen entstehen und so entsteht die besagte Lohn-Preis-Spirale. Derzeit sind wir aber noch weit von einer voll ausgelasteten Wirtschaft und geringer Arbeitslosigkeit entfernt. Und auch die solche Inflationsspiralen oft beschleunigenden Lohnindexierungen (Kopplung der Löhne an die Inflation) sind heutzutage aus der Mode gekommen. Das liegt auch daran, dass die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften schon über längere Zeit hinweg gering ist. Der zunehmende globale Wettbewerb in Verbindung mit technologischen Fortschritten (Stichwort Digitalisierung) dürfte auf längere Sicht preisdämpfende Wirkungen haben. Nicht zuletzt droht u. E. auch vom gefährlichsten Gegner der Preisstabilität aktuell keine Gefahr. Wenn das Vertrauen der Bevölkerung in

Das spricht derzeit gegen eine Inflationsspirale

Rechnerische Normalisierung statistischer Sondereffekte

Inflationsanstieg nur in wenigen Bereichen

Gestiegene Geldmenge fließt mehrheitlich nicht in die Realwirtschaft

Keine Lohn-PreisSpirale

Globaler Wettbewerb und technologischer Fortschritt

Vertrauen in die Geldpolitik und Währung

Quellen: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

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die Geldpolitik der Notenbanken und die Stabilität der Währung massiv schwinden würde, wären ernsthafte Inflationssorgen berechtigt. Aber trotz Pandemie und Rezession ist das Vertrauen in den Geldwert in der westlichen Welt weiterhin stark verankert. Das belegen übrigens auch die angesprochenen Inflationserwartungen der Marktteilnehmer. An dieser Stelle möchten wir gerne betonen, dass man die aktuell anziehende Inflation auch mit Fug und Recht positiv bewerten kann – ist sie doch auch ein Ausdruck der Regeneration der gebeutelten Wirtschaft. Umgekehrt wäre es viel schlimmer. In einer Welt, in der die Preise flächendeckend fallen, müssten wir uns aktuell deutlich mehr Sorgen machen. 2. Auch unabhängig von der Inflationsentwicklung spricht derzeit wenig für deutlich steigende Anleiherenditen, die dem Aktienmarkt das Leben schwermachen würden. An der extrem lockeren Geldpolitik dürfte sich auf mittlere und wahrscheinlich sogar auf längere Sicht kaum etwas ändern. Angesichts einer global rekordhohen Verschuldung werden die Notenbanken alle Hebel in Bewegung setzen, um stärkere Zins- bzw. Renditeanstiege zu verhindern. Ein weiteres, zuletzt immer wieder zu beobachtendes Phänomen sollte ebenfalls einen „Rendite-Bremsklotz“ darstellen. Je stärker die Renditen steigen, desto schneller und intensiver werden für den Anleihemarkt wichtige Anleger (Versicherungen, Pensionsfonds) beherzt zugreifen und damit zusätzliche Nachfrage entfachen. Sie tummeln sich aufgrund von Anlageregularien vorwiegend auf der renditetechnisch recht ausgetrockneten Anleiheseite und sind für jede Gelegenheit dankbar, sich auch nur leicht positive Renditen sichern zu können. Wenn man wirklich ehrlich ist, weiß letztlich niemand mit Sicherheit, wie sich die Inflation und Anleiherenditen künftig entwickeln. Nur im Rückspiegel, in den wir allerdings naturgemäß erst in ein paar Monaten werden blicken können, lässt sich definitiv sagen, ob die derzeitigen Inflationsbefürchtungen berechtigt waren. Im Hier und Jetzt – beim Blick durch die unklare Windschutzscheibe gewissermaßen – ist es daher aus unserer Sicht viel wichtiger, ein Anlegerportfolio so aufzustellen, dass es sowohl gegen eine höhere als auch gegen eine weiter niedrige Inflationsrate gewappnet ist – und im Übrigen auch möglichst gut gegen weiter steigende Anleiherenditen. Der Schlüssel liegt in einer umfassenden und prognosebefreiten Diversifikation der Aktien- und Anleiheinvestments.

Das eigentliche Problem liegt ganz woanders Wie eingangs angedeutet, gibt es jenseits aller Inflationspanik dennoch einen Aspekt, der Anlegern Sorgen bereiten sollte. In der herkömmlichen Berichterstattung über eine vermeintlich ausufernde Inflation wird suggeriert,

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Inflationsgefahren? Ja, aber anders als vermutet

dass man als Anleger erst dann ein Problem hat, wenn sich die Inflation im Steigflug befindet. Dies ist aber ein Trugschluss. Denn schon bei moderaten Inflationsraten, wie in den letzten 10 Jahren in Deutschland, sieht sich speziell der Zinssparer (Spareinlagen, Tagesgelder & Co.) mit einem jährlichen realen Vermögensverlust konfrontiert. Das eigentliche Problem ist hierbei nicht die Teuerung an sich, sondern die Tatsache, dass die (nominalen) Sparzinsen nicht zuletzt aufgrund der lockeren Geldpolitik mittlerweile konsistent unterhalb der Inflationsrate liegen. Dies führt zu einem negativen Realzins und somit zu einem permanenten Kaufkraftverlust. Wer beispielsweise 2010 100.000 Euro aufs Sparbuch gelegt hat, kann sich heute nur noch Güter und Dienstleistungen im Wert von rund 92.600 Euro kaufen, da der reale Vermögenswert um ca. 7,4 % abgenommen hat. 7.400 Euro – das ist eine tolle Reise oder ein neues Heimkino. Und das Perfide daran: Dieser Vorgang, der auch als finanzielle Repression bezeichnet wird, geschieht schleichend und bleibt oft vom Sparer unbemerkt.

Zinssparen bedeutet Vermögensverlust Die finanzielle Repression währt schon lange Nominalzins

Inflation

Realzins

3% 2% 1% 0% -1 %

20 03 20 04 20 05 20 06 20 07 20 08 20 09 20 10 20 11 20 12 20 13 20 14 20 15 20 16 20 17 20 18 20 19 20 20

-2 %

Hinweis: Spareinlagen haben auch Vorteile. Es gibt keine Kursschwankungen und Sie können nicht mehr verlieren als den Realzins. Hinweis: Spareinlagen haben auch Vorteile. Es gibt keine Kursschwankungen und Sie können nicht mehr Stand: 31.12.2020 verlieren als den Realzins. Quellen: Bundesbank, Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen und eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Stand: 31.12.2020. Quellen: Bundesbank, Statistisches Bundesamt. Eigene Berechnungen und eigene Darstellung Quirin Privatbank AG Quelle Nominalzins: https://www.bundesbank.de/dynamic/action/de/statistiken/zeitreihendatenbanken/zeitreihen-datenbank/759778/759778?listId=www_s510_be1 Quelle Inflation: https://www-genesis.destatis.de/genesis/ online?sequenz=tabellen&selectionname=611*#abreadcrumb

Leider werden diese Zusammenhänge nach unserer Überzeugung auch in der Fachpresse zu selten erwähnt, wodurch die eigentliche Problematik verschleiert wird. Mit spitzer Feder immer wieder darauf hinzuweisen, wäre viel wichtiger, als Hiobsbotschaften über herbeigeredete Inflationskatastrophen zu verbreiten.

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Leistungsversprechen des Anlagemanagements und

Benchmarkauswahl 26. März 2021

Wenn Anleger ihr Geld einem Investmentfonds, einer Vermögensverwaltung oder einem Berater anvertrauen, stellt sich nach gegebener Zeit einmal die Frage, wie gut (oder schlecht) das Geld denn in der Vergangenheit nun eigentlich angelegt war. Der Anlageerfolg muss also irgendwie bewertet und eingeordnet werden. In der Finanzbranche ist dafür das sogenannte „Benchmarking“ üblich – eine nicht ganz triviale Angelegenheit, was sich nachfolgend zeigen wird. Unter Benchmarking versteht man im Anlagemanagement eine vergleichende Bewertung des Anlageerfolgs einer Strategie, einer Vermögensverwaltung oder eines Investmentfonds. Als Vergleichsmaßstab dient dabei häufig ein repräsentativer, bekannter Finanzindex, beispielsweise ein Aktienindex. Im Zuge der Professionalisierung des Anlagemanagements hat sich der Benchmarkgedanke mittlerweile auch bei Privatkunden auf breiter Front durchgesetzt. Nachdem sich anfangs noch der eine oder andere Fonds gegen eine Benchmark gewehrt hatte, gilt sie mittlerweile als professioneller Standard. Die relevante Frage ist daher nicht mehr, ob eine Benchmark generell überhaupt sinnvoll ist, sondern welche Benchmark sich am besten eignet. Doch dies ist nicht so leicht zu beantworten, wie es zunächst vielleicht scheinen mag, da die Kriterien für die Eignung einer Benchmark durchaus vielschichtig sind.

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Leistungsversprechen des Anlagemanagements…

Eine mögliche Hilfestellung bietet daher eine Übersicht wünschenswerter Eigenschaften einer Benchmark. Die gängigsten sind – unter Anlehnung an einen Beitrag von Peter König in der Zeitschrift „Die Bank“ – in der folgenden Tabelle dargestellt.

Qualitätskriterien und Zielsetzungen einer Benchmark Benchmarkeigenschaft

Zielsetzung

investierbar/replizierbar

Kunde soll alternativ in die Benchmark investieren können

repräsentativ

Rendite-Risiko-Profil der Benchmark soll der Kundenanlage entsprechen

objektiv

Benchmark soll nicht willkürlich (zugunsten des Anlagemanagers) manipulierbar sein

transparent/nachvollziehbar

Vergleich mit der Benchmark sollte für den Kunden verständlich sein

Bezug zum Leistungsversprechen

Benchmarkvergleich sollte offenlegen, ob das Leistungsversprechen gehalten wurde

Quellen: Peter König, 2008, Benchmarks in der Vermögensverwaltung, Die Bank (http://www.die-bank.de/news/benchmarksin-der-vermoegensverwaltung-3324/); eigene Darstellung Quirin Privatbank AG (Tabelle wurde durch Hinzufügung der letzten Zeile ergänzt)

Quellen: Peter König, 2008, Benchmarks in der Vermögensverwaltung, Die Bank (http://www.die-bank. de/news/benchmarks- in-der-vermoegensverwaltung-3324/); eigene Darstellung Quirin Privatbank AG (Tabelle wurde durch Hinzufügung der letzten Zeile ergänzt)

Die Übersicht macht bereits deutlich, dass es eine perfekte Benchmark im Prinzip nicht geben kann, da alle Kriterien gleichzeitig kaum erfüllbar sind. So sind beispielsweise die verbreitetsten Index-Benchmarks nicht unmittelbar investierbar. Denn einen Index kann man nicht kaufen, allenfalls einen ETF, der diesen Index abbildet. Die Praxis zeigt jedoch, dass es hierbei teilweise erhebliche Differenzen zwischen ETF- und Indexentwicklung gibt. Ein ETF, bezogen auf beispielsweise den MSCI-Weltaktienindex, ist damit streng genommen eine andere Anlage als der Index selbst. Jeder Wahl einer Benchmark muss daher die Entscheidung vorgelagert sein, welche Kriterien bei der Auswahl eine Rolle spielen und wie sie priorisiert werden sollen. Insbesondere im Privatkundengeschäft sollte dabei das Kriterium, ob das Leistungsversprechen des Fonds- oder Portfoliomanagements anhand der Benchmark überprüft werden kann, eine dominante Rolle spielen. Hier begegnet uns unsere Eingangs- und Leitfrage wieder, die beim Anleger selbstverständlich immer im Vordergrund steht: Wie gut war mein Geld in der Vergangenheit angelegt? Nimmt man dies ernst, dann ist es zwingend erforderlich, nach Anlagestilen zu unterscheiden. Etwas verkürzt ausgedrückt, gibt es im Privatkundengeschäft im Wesentlichen zwei Arten von Anlagephilosophien. Auf der einen

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Seite stehen sogenannte „aktiv“ gemanagte, prognosegetriebene Anlagen. Diese versuchen, durch kurzfristiges, prognosegestütztes Agieren im Sinne des Abpassens günstiger Ein- und Ausstiegszeitpunkte („Market Timing“) bzw. der Selektion mehr oder weniger erfolgversprechender Aktien („Stock Picking“) eine möglichst hohe Wertentwicklung zu erzielen. Dem stehen Anlagemöglichkeiten gegenüber, für die sich unglücklicherweise der Terminus „passiv“ eingebürgert hat. „Passiv“ ist hierbei allerdings nicht wörtlich zu nehmen, sondern bedeutet im Grunde lediglich, dass bewusst auf die oben beschriebenen prognosegestützten Aktivitäten verzichtet wird. Stattdessen ist es das Ziel, durch die intelligente Kombination kostengünstiger Finanzinstrumente die Marktrendite zu „ernten“. Für die Frage nach einer geeigneten Benchmark ist es nun entscheidend, dass diesen Anlagephilosophien völlig unterschiedliche Leistungsversprechen zugrunde liegen und ein und dieselbe Benchmark nicht beiden gerecht werden kann.

Leistungsversprechen „aktiven“ Managements Etwas holzschnittartig formuliert, lautet das Leistungsversprechen aktiven Anlagemanagements in etwa wie folgt: „Wir sind in der Lage, durch aktive Depot-Umschichtungen mit Hilfe des Market Timings und/oder des Stock Pickings nachhaltig eine überdurchschnittliche Wertentwicklung zu erzielen. Die Mehrrendite ist dabei so hoch, dass die deutlich höheren Kosten, die unser Ansatz zwangsläufig mit sich bringt, mehr als ausgeglichen werden.“ Ohne nun im Detail darauf eingehen zu wollen, was von diesem Leistungsversprechen zu halten ist, kann man festhalten, dass eine Überprüfung dieses Versprechens am besten mit einer indexorientierten Benchmark möglich ist. Denn das Leistungsversprechen bezieht sich genau darauf – implizit besagt es ja im Grunde: „Verzichten Sie auf kostengünstiges, indexnahes Investieren, denn wir können es besser!“ Für aktive Fonds und Vermögensverwaltungen ist daher ein dem jeweiligen Anlagesegment angemessener Index eine geeignete Benchmark. Leider ist die Angelegenheit für „passive“, prognosefreie und indexnahe Anlagen nicht ganz so einfach.

Leistungsversprechen prognosefreien Anlagemanagements Der Ausgangspunkt des prognosefreien „passiven“ Anlagemanagements ist die von der Wissenschaft immer wieder bestätigte Erkenntnis, dass durch „aktives“ Management keine konsistente Überrendite erzielt werden kann bzw. dass, wenn dies vorübergehend doch der Fall sein sollte, es sich von

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Leistungsversprechen des Anlagemanagements…

Der Großteil der aktiven Fondsmanager scheitert am Markt Wie viel Prozent der aktiven, prognosebasierten Anlagestrategien schlagen über 3, 5 und 10 Jahre einen repräsentativen Vergleichsindex nicht? 3 Jahre

5 Jahre

10 Jahre

100 % 90 % 80 % 70 % 60 % 50 % 40 % 30 % 20 % 10 % 0% Europäische Aktien

US-Aktien

Schwellenländeraktien

Globale Aktien

Stand: 31.12.2019 Quellen: SPIVA-Report (2019) für in Europa angesiedelte Aktienfonds, S&P Dow Jones Indices, eigene Darstellung Quirin Privatbank AG Stand: 31.12.2019 Je nach Anlageregion und Zeitraum wurden zwischen 234 und 1.189 Aktienfonds untersucht.

Quellen: (2019) sich für auf in Europa angesiedelte Aktienfonds, S&P ist Dow Indices, eigene Diese SPIVA-Report Zahlenangaben beziehen die Vergangenheit. Die frühere Wertentwicklung keinJones verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Darstellung Quirin Privatbank AG Je nach Anlageregion und Zeitraum wurden zwischen 234 und 1.189 Aktienfonds untersucht. Diese Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

einem zufälligen Ereignis nicht unterscheiden lässt. Dementsprechend ist das Leistungsversprechen prognosefreien Investierens einfacher, aber zugleich auch subtiler – wie sich im Folgenden zeigen wird. Im Kern lautet es: „Weil wir wissen, dass es letztlich ohnehin nicht funktioniert, versuchen wir erst gar nicht, durch ständig wechselnde und auf Prognosen gestützte Dispositionen eine Überrendite zu erzielen. Stattdessen versprechen wir, durch die intelligente Kombination kostengünstiger Finanzinstrumente die Marktrendite zu vereinnahmen.“ Subtil ist dieses Leistungsversprechen deshalb, weil es im Grunde zwei Versprechen beinhaltet: zum einen, dass aktives Management nicht besser ist als der Markt, und zum anderen, dass man die Marktrendite vereinnahmt. Daher würde man für die Erfolgsmessung der indexorientierten Anlagephilosophie zwei Vergleichsmaßstäbe benötigen: zunächst einen eher technisch ausgestalteten, indexbasierten, der dem Anlagemanagement lediglich als eine Art Strategiegerüst dient. Mit seiner Hilfe wird vor allem geprüft, ob

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das Anlagemanagement die Renditen der entsprechenden Marktsegmente tatsächlich vereinnahmen konnte. Gleichzeitig kann ein solcher Vergleichsmaßstab als Messlatte für Weiterentwicklungen und Optimierungen des Anlagekonzepts dienen. Diese Benchmark ist für Anleger nicht investierbar, was im Kontext ihrer klar umrissenen Funktion als Strategiegerüst aber auch nicht erforderlich ist. Dazu müsste es nun aber aus den oben genannten Gründen eine weitere Benchmark geben – eine Art „Kommunikations-Benchmark“ –, anhand derer der Anleger zuverlässig Auskunft darüber erhält, ob das (implizite) Leistungsversprechen, dass sich aktive Anlagestrategien nicht lohnen, eingelöst werden konnte. Denn hierbei handelt es sich ja um die entscheidende strategische Abgrenzung zu den anderen Investitionsmöglichkeiten am Markt, die dem Anleger zur Verfügung stehen. Aus diesem Grund muss sie zwingend Anlagealternativen repräsentieren, die dem Kunden auch tatsächlich zur Verfügung stehen. Halten wir also fest: Das implizite Leistungsversprechen prognosefreier Anlagephilosophien besteht vor allem darin, dass die entsprechenden Renditen vor Kosten letztlich nicht geringer sind als die „aktiver“, prognosegetriebener Anlagestile und nach Kosten sogar höher.

Vergleich mit aktiv gemanagten Fonds Aufgrund der bisherigen Ausführungen liegt es nahe, die Ergebnisse prognosefreier Anlagen mit einer repräsentativen durchschnittlichen Wertentwicklung prognosegetriebener Fonds als Benchmark zu vergleichen. Denn es sind diese „aktiven“ Fonds und nicht irgendwelche abstrakten Indizes, welche die tatsächlichen Alternativen in der Anlagepraxis darstellen. Dazu kommt, dass nach wie vor zwischen 80 und 90 % aller Privatanleger tatsächlich in prognosegetriebenen Fonds investiert sind. Somit repräsentiert eine Benchmark aus möglichst vielen tatsächlich investierbaren „aktiven“ Fonds nicht nur eine theoretisch zur Verfügung stehende Anlagealternative, sondern genau die, die von der Mehrheit der Anleger tatsächlich wahrgenommenen wird. Sie signalisiert dem Anleger, wo er im Vergleich mit dem Durchschnitt aller anderen Anleger tatsächlich steht. An dieser Stelle können wir resümieren, dass wir neben dem Einsatz von klassischen Benchmarks im Bereich der prognosefreien Anlagestrategien die Verwendung einer alternativen Benchmark für sinnvoll halten, die das erweiterte Leistungsversprechen von indexorientierten Portfoliomanagern berücksichtigt – nämlich letztlich bessere Ergebnisse zu erzielen als vergleichbare aktive Anlagestrategien. Dieser Ansatz findet in der Praxis aber bis dato noch keinerlei Verbreitung. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass die Etablierung einer solchen Benchmark eine Reihe „handwerklicher“ Anforderungen mit sich bringt und

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Leistungsversprechen des Anlagemanagements…

Wünschenswerter Einsatz von Benchmarks Art der Anlagestrategie Aktive, prognosegetriebene Strategien

Passive, prognosebefreite (Index-)Strategien

Benchmark Benchmark: der jeweiligen Anlagestrategie angemessener Index (bzw. angemessene Indexkombination)

Technische Benchmark: der jeweiligen Anlagestrategie angemessener Index (bzw. angemessene Indexkombination)

KommunikationsBenchmark: durchschnittliche Wertentwicklung einer repräsentativen Auswahl prognosegetriebener Fonds

Leistungsversprechen 1: Vereinnahmung der Marktrendite

Leistungsversprechen 2: Prognosefreie Strategie ist lohnenswerter als aktive Strategie

Überprüfung des Leistungsversprechens Leistungsversprechen: Erzielung einer Mehrrendite gegenüber dem Markt

Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

Quelle: eigene Darstellung Quirin Privatbank AG

daher recht aufwändig ist. So muss beispielsweise geklärt werden, welche konkreten Kriterien einer Auswahl möglichst repräsentativer aktiver Fonds zugrundeliegen sollten. Wir sind aber davon überzeugt, dass sich die Mühe lohnt, weil ein erweitertes Benchmark-Spektrum die Transparenz und das Verständnis hinsichtlich prognosefreier Anlagestrategien fördert und damit die Kommunikation zwischen Anlagemanagement und Anleger weiter verbessert. Wir beschäftigen uns aktuell intensiv mit dieser Thematik und halten Sie gerne über den Fortschritt der Entwicklung auf dem Laufenden.

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Über die Quirin Privatbank Die Quirin Privatbank ist die erste Honorarberaterbank Deutschlands und als unabhängiger Anlageberater bei der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) registriert. Das Geschäftsmodell ist darauf ausgerichtet, Anleger fair und transparent zu beraten. Hierzu gehören komplette Kostentransparenz und die Rückvergütung aller offenen und versteckten Provisionen. 2006 gegründet, betreut das Institut mittlerweile über 10.000 Kunden in Deutschland mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 4,3 Milliarden Euro. Die Honorarberatung der Quirin Privatbank löst den Interessenkonflikt herkömmlicher Bankberater, die oft verkaufen müssen, was die höchste Provision bringt. Die Quirin Privatbank lässt sich dagegen direkt vom Kunden bezahlen und muss daher keine hauseigenen Produkte vertreiben. Sie ist unabhängig in der Beratung und empfiehlt ausschließlich für den Anleger wirklich geeignete und kostengünstige Produkte. Die digitale Tochter quirion wurde 2013 gegründet und ist Deutschlands beste digitale Geldanlage.* Sie ermöglicht einen professionellen Vermögensaufbau bereits ab 500 Euro Anlagesumme – einfach und bequem von zu Hause. Die beiden Unternehmen bieten eine neue Dimension der Beratung und verbinden digitale Geldanlage mit persönlicher Beratung – ein in Deutschland einzigartiges Angebot. Auch in der Vermögensverwaltung verfolgt die Quirin Privatbank innovative Ansätze. Unter dem Titel „Markt – Meinung – Wissen“ wurde gemeinsam mit dem Kapitalmarktforscher Professor Dr. Stefan May ein wissenschaftlich fundiertes Konzept entwickelt, mit dem sich Anleger systematisch die Rendite des Marktes sichern – frei von Prognosen und Spekulation. Das ergänzende Portfolio „Verantwortung“ ermöglicht eine nachhaltige Geldanlage, die ebenfalls in den breiten Markt investiert. Dadurch müssen Anleger langfristig nicht mehr Risiken eingehen und auf Rendite verzichten. Die Vermögensverwaltung wurde bereits mehrfach als „herausragend“ ausgezeichnet, Kunden empfehlen das Institut überdurchschnittlich oft und gerne weiter. * quirion ist Testsieger bei Stiftung Warentest (Finanztest 8/2018).

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Die Quirin Privatbank übernimmt Verantwortung Dieses Buch wurde in einer Auflage von 265 Stück bei der Gutenberg Verlag und Druckerei GmbH hergestellt. Die dabei entstandenen CO₂-Emissionen wurden durch die Förderung des Projektes „Plastikflut stoppen“ klimaneutral gestellt.

Die Publikation wurde auf 100 % recyclebaren Papier aus nachhal­tiger Forstwirtschaft gedruckt.

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