Das Märchen vom Risikomanagement Disziplin statt Prognosezauber
LESEPROBE
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Das Märchen vom Risikomanagement Disziplin statt Prognosezauber Übersicht
Übersicht Intro: Das Märchen vom Risikomanagement
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1 Rahmenbedingungen des Risikomanagements 2 Risikoprämiensystematik und internationale Diversifizierung
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3 Produktauswahl: Kosteneffizienz und Abbildungsgüte im Fokus 19 4 Wertschwankungsausgleich: Depots konsequent auf dem gewählten strategischen Kurs halten 22 5 Prognosefreie Anlageentscheidungen: Wissenschaft statt Glaskugel 25 Zusammenfassung und Fazit
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Intro: Das Märchen vom Risikomanagement
“
Es war einmal ein Anleger, der sein Geld gerne in Aktien investieren wollte. Einerseits strebte er nach hohen Gewinnen, hatte andererseits aber schreckliche Angst, dass das böse Ungeheuer Risiko zuschlagen und sein ganzes Geld vernichten könnte. So verzichtete er zunächst auf A ktien. Doch wie durch ein Wunder begegnete ihm eine gute Fee. Sie offenbarte dem Anleger, dass sie im Besitz eines Zauberkäfigs mit dem Namen Risikomanagement sei, den sie ihm gerne für einen Teil seines Vermögens überlassen würde. Dann könne sie das Ungeheuer Risiko in den Zauberkäfig sperren, so dass es dem Geld des Anlegers nichts mehr anhaben könne. Zunächst war der Anleger sehr misstrauisch. Er fragte sich, ob das Ungeheuer im Zauberkäfig wirklich fest eingeschlossen sei. Doch schließlich glaubte er der guten Fee – vor allem, weil er ihr von ganzem Herzen glauben wollte. Seither ist sein Geld sicher am Aktienmarkt angelegt, wirft prächtige Erträge ab und das Ungeheuer Risiko verweilt im Zauberkäfig und kann auf diese Weise nicht zuschlagen.
”
Prof. Dr. Stefan May Kapitalmarktforscher & Leiter Anlagemanagement Quirin Privatbank AG
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Liebe Leserinnen und Leser, wir hoffen, Ihre Geduld mit diesem kleinen Märchen nicht zu sehr strapaziert zu haben. Aber es enthält – wie jedes gute Märchen – eine Botschaft: Nichts wünschen sich Anleger sehnlicher als eine Investition mit hohen Gewinnchancen bei vernachlässigbarem Risiko. Sie würden viel dafür geben, wenn sie sich des unangenehmen Risiko aspekts ihrer Investition entledigen könnten. Genau an dieser Stelle liegt der psychologische Anknüpfungspunkt vieler Finanzdienstleister: Sie behaupten, dass es möglich sei, Risiken durch ausgefeilte wissenschaftliche Risikomanagementsysteme frühzeitig zu erkennen und e ntsprechend zu agieren. Es wird suggeriert, man könne mit Hilfe dieser Systeme vor einem kräftigen Kursrutsch aussteigen und zeitig – bevor der Wiederaufschwung beginnt – wieder einsteigen. Auf diese Weise ließen sich die W ertzuwächse an den Aktienmärkten mitnehmen und zugleich die entsprechenden Risiken ausschalten oder zumindest deutlich minimieren. Dass dies mit einem hohen technischen und personellen Aufwand verbunden ist, der entsprechend bezahlt werden muss, versteht sich dabei von selbst. So in etwa lautet die subtile und häufig nur unterschwellig vermittelte Botschaft einer Vielzahl intensiv beworbener Risikomodelle.
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1,5 Das Märchen vom Risikomanagement Disziplin statt Prognosezauber
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140,0 120,0 100,0 Intro: Das Märchen vom Risikomanagement 80,0
-0,5
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Deutschland
USA
Renditeentwicklung deutsche vs US-Staatsanleihen seit Die2016 traurige Wahrheit aber ist: Kein System
dieser Welt kann dies tatsächlich leisten. Anderslautende Behauptungen sind lediglich geschicktes 3,0 Marketing. Und: Dieses Marketing ist unglaublich erfolgreich, denn es 2,5 verspricht genau das, was jeder Kunde hören will: dass sich an den Aktien2,0 märkten Erträge ohne nennenswerte Risiken erzielen lassen. 1,5
Renditeentwicklung deutsche 10 Jahre
8,0 7,0 6,0 5,0 4,0
Doch 1,0 genau dies ist nicht möglich. Eindeutige wissenschaftliche Forschung zeigt zweifelsfrei, dass sich die großen Umschwünge an den inter 0,5 nationalen Finanzmärkten – und um diese geht es, nicht um das kurz0,0 fristige Auf und Ab – nicht prognostizieren lassen, auch nicht mit den -0,5 ausgefeiltesten Risikomodellen. Ein Blick zurück in die Zeit der Finanzmarktkrise der Jahre 2007/08 und auf den entsprechenden Kursverfall des deutschen Aktienindex DAX verdeutlicht dies. Deutschland Kursverfall DAX während während der der Finanzkrise Kursverfall Finanzkrise von 01.01.2007 bis 31.12.2009
3,0 2,0 1,0 0,0 -1,0
USA
am Beispiel des DAX
9.000,0
Kursverlauf DAX vs MSCI Wor Jahr 2011
110,0
8.000,0 100,0 7.000,0 6.000,0
90,0
5.000,0 80,0 4.000,0 3.000,0
70,0
DAX Index
Quellen: Bloomberg, eigene Darstellung
Kursverlauf Volkswagen Vorzüge vs DAX Historische Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. seit 2013
160,0
Es waren schließlich nicht nur die Privatanleger, die herbe Verluste hin150,0 140,0 nehmen mussten. Getroffen hat es insbesondere große Institute, denen 130,0 die unterschiedlichsten (und teuersten) Risikomodelle zur Verfügung 120,0 s110,0 tanden. All diese Modelle haben dramatisch versagt. Ja, es gibt nicht 100,0 w enige Analysten, welche diese Risikomodelle sogar für eine Ursache 90,0 dieser letzten großen Finanzmarktkrise halten. Und nun sollen mit diesen 80,0 Modellen die Privatanleger beglückt werden. 70,0 60,0 50,0 5
Wir wollen an dieser Stelle keinesfalls missverstanden werden: Unsere These lautet nicht, dass Risikomanagement nutzlos ist. Ganz im Gegenteil: Es hat im Rahmen eines übergeordneten Anlagekonzeptes unentbehrliche Aufgaben zu erfüllen, die in den folgenden Abschnitten genauer beschrieben werden. Nur: Risikomanagement kann nicht das leisten, was sich viele Anleger sehnlich wünschen und was von der Finanzbranche auf subtile Weise suggeriert wird: nämlich ohne Renditeeinbußen einen Schutz vor den großen Umschwüngen an den internationalen Finanzmärkten zu bieten. Bevor wir zu den anlagestrategisch unentbehrlichen Aufgaben eines realistischen Risikomanagements kommen, möchten wir Ihnen darlegen, welche Rahmenbedingungen der Kapitalmarkt dafür bereithält.
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Das Märchen vom Risikomanagement Disziplin statt Prognosezauber Rahmenbedingungen des Risikomanagements
1 Rahmenbedingungen des Risikomanagements Seit jeher versuchen private wie auch institutionelle Investoren nach Kräften, die Risiken einer Kapitalanlage so weit wie möglich e inzudämmen. Insbesondere nach der einschneidenden Finanz- und Wirtschaftskrise 2007/2008 ist die Bedeutung des Risikomanagements stark angestiege n. Verstärkt wurde dies auch durch die Einführung neuer rechtlicher Regularien und Anforderungen. Auch wir als Quirin Privatbank streben den größtmöglichen Schutz für Ihr Vermögen an. Im Rahmen der sogenannten „Marktdimension“, des z entralen Bestandteils unseres auf drei Dimensionen beruhenden wissenschaftlichen Anlagekonzepts, haben wir ein stabiles strategisches Risiko m anagement etabliert, das stetig weiterentwickelt wird. Doch welche Ziele wollen und können wir damit erreichen? Um diese Frage sinnvoll beantworten zu können, muss zunächst der Kontext beschrieben werden, in den jede Risikomanagementsystematik eingespannt ist. Aktienmarktrenditen sind Risikoprämien Jeder Anleger weiß, dass man mit Aktieninvestments Risiken in Kauf nimmt; Risiken, die im Falle ihres Schlagendwerdens (Eintreffens) zumindest vorübergehend auch erhebliche Vermögensverluste b edeuten können. Jeder Anleger sollte aber auch wissen, dass genau dies die Ursache der mittel- und langfristig deutlich höheren Renditeerwartung des Aktienmarktes – z. B. im Vergleich zu Anleiheinvestments – ist. Man spricht daher im Fachjargon von der Risikoprämie des Aktienmarktes, die Anleger ernten können, wenn sie bereit sind, die entsprechenden Risiken zu tragen. Damit ist eine zentrale Erkenntnis der modernen Finanzmarktforschung angesprochen, nämlich die Feststellung, dass die an den internationalen Finanzmärkten erzielten Renditen nicht Resultat irgendwelcher vermeintlich begnadeter Portfoliomanager und A nlagestrategen sind, sondern nichts anderes als realisierte Risikoprämien. Es handelt sich also um Entlohnungen für die von den Anlegern in Kauf genommenen Risiken. In diesem Punkt sind sowohl die Ergebnisse der empirischen Finanzmarktforschung als auch der modernen Portfoliotheorie deckungsgleich und stimmen mit der grundsätzlichen Funktionsweise und Logik marktwirtschaftlicher Wirtschaftssysteme überein.
Damit ist eine zentrale Erkenntnis der modernen Finanzmarktforschung angesprochen, nämlich die Feststellung, dass die an den internationalen Finanzmärkten erziel ten Renditen nicht Resultat irgendwelcher vermeintlich begnadeter Portfoliom anager und Anlagestrategen sind, sondern nichts anderes als realisierte Risiko prämien.
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