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WIESBADENER*IN, Ausgabe I/2026

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Wiesbadener*in

Magazin für Kunst, KulTouren und Lebensfreude

Was auf den Tisch kommt

Gruppenausstellung in der KUNSTARCHE Wiesbaden e.V.

FORM FARBE

FREIHEIT

Künstlergruppe 50 Wiesbaden im Neuen Schloss Simmern

Bernd Brach – ALBUM

BBK Wiesbaden

Die Neuen & neue Ausstellungen

Henriette & Guido

Filmemacherin Stella Tinbergen

26. Filmfestival goEast: REVOLUTION!

Grie Soss Festival:

Frankfurter Kultgericht trifft Weltküche

Internationale Tage Ingelheim:

Von London nach Venedig

KrimiMärz Wiesbaden: Grusel für kleine wie große Krimifans.

Hochkarätiges, Spannendes & Kreatives:

Die lange kurze Nacht der Künste

World Design Capital 2026:

ein neuer Ort der Kultur für Wiesbaden

Ein Jahr Galerie H22 unter Isleva

Mit Galeristen im Gespräch

Die schwarze Henne Kinderbuchvorstellung

Inhalt

Petra von Breitenbach, Gruppenausstellung im Neuen Schloß Simmern 2.5. – 1.6. 2026 „atmen“ 202, Auswahl aus der Serie von 2 Gipsschalen. Die Arbeiten thematisieren die Situation von Kindern in kriegerischen Auseinandersetzungen. Foto: Iris Kaczmarczyk

menschen & meinungen

Die weisen Frauen S. 4

Abschied von Marlies Krämer S. 5 gaumenkitzeleien

Grüne Sosse Festival S. 6

kultur & kreatives

Kunstarche Wiesbaden S. 8

Künstlergruppe 50 S. 11

Kurze Nacht S. 12

Int. Tage Ingelheim S. 14 goEast 2026 S. 16

Die schwarze Henne S. 17

Bernd Brach - ALBUM S. 18

Museum Wiesbaden S. 21

BBK Wiesbaden S. 22

KrimiMärz Wiesbaden S. 24

Henriette & Guido S. 25

Galerie H22 S. 26

WerkRaum Wiesbaden S. 2

Staatstheater Wiesbaden S. 4

Staatstheater Saarbrücken S. 6

Nationaltheater Mannheim S. 8

Staatstheater Darmstadt S. 9

magazin

KulTouren S. 28

Die Kunstarche ist Wiesbadens kollektives künstlerisches Gedächtnis. Seit seiner Gründung 2011 werden hier Künstlernachlässe aus Wiesbaden für künftige Generationen aufbewahrt. Am 11. Januar 2026 öffneten sich nach einer gründlichen Sanierung und Erweiterung des Teams um Felicitas Reusch die Tore der neuen Kun STAR ch E Wiesbaden e. V. (S. 8).

Zugleich wurde der neue Ort mit einer eindrucksvollen Ausstellung des Wiesbadener Künstlers Bernd Brach eröffnet. Petra Esser traf ihn zum Gespräch (S. 18).

Ihr Einjähriges feierte die Galerie H22 im Februar. Über erste Erfahrungen und zukünftige Vorhaben berichten die beiden Galeristen (S. 26).

2026 ist die hessische Landeshauptstadt Teil einer internationalen Bühne: Gemeinsam mit der Metropolregion Frankfurt RheinMain trägt Wiesbaden den Titel World Design Capital 2026. Unter dem Leitmotiv „Gestalten wir gemeinsam Frankfurt RheinMain“ wird ein Jahr lang sichtbar, wie Design mehr sein kann als Form und Farbe (S. 2).

Und dann sind da noch unsere Lieblinge: das 26. Filmfestival GoEast mit dem spannenden Titel REVOLUTION! (S. 16), die „Kurze Nacht“, längst ein fester und unverzichtbarer Bestandteil des Wiesbadener Kulturkalenders sowie (S. 12) der KrimiMärz mit 17 Veranstaltungen an sechs verschiedenen Spielstätten, diesmal ohne dem Fernsehkrimifestival, das erst im Mai stattfinden wird (S. 24).

Das und vieles mehr bietet das vorliegende Magazin. Da wünschen wir Ihnen wir immer viel Vergnügen mit Kunst und Kultur in dieser Ausgabe.

IMPRESSUM: Herausgeberin, Gesamtkoordination & Gestaltung: media futura • Inh. Petra Esser • Mittelstraße  • 56856 Zell/Mosel • Tel. 06542.954.00.80 • Fax: 06542.954.00.79 • www.media-futura. de • mail@media–futura.de • Gestaltung: Petra Esser • Redaktion: Petra Esser, Tobias Mahlow, Gesine Werner, Konstantin Mahlow • Anzeigenleitung: Tobias Mahlow • Titelbild: „Die schwarze Henne“, Kinderbuch der Autorin und Illustratorin Iris Kaczmarczyk • Vignetten: Bernd Schneider • Druck: WIRmachenDRUCK GmbH, Mühlbachstraße 7, 71522 Backnang • Redaktionsschluss für die Ausgabe II/2026: 20.05.2026 • Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages • alle Fotos und Logos wurden uns – wenn nicht anders dokumentiert – von den porträtierten Personen/Institutionen zur Verfügung gestellt.

wiesbadener*in I/2026

Frank Deubel: Neue Arbeiten für die Gruppenausstellung im Neuen Schloss Simmern 2.5. – 1.6. 2026

Das Bild: „Du sollst so dünn gefoltert werden, dass die Sonne durch dich scheint“ von Ferdinand Piloty dem Jüngeren zeigt die Folterkammer eines Gerichts um 1876. Der Jurist weist per Geste den Scharfrichter an, der Beklagten die Kleider vom Leib zu reißen. Der Gehilfe schürt das Feuer der Folterwerkzeuge. Die Schuld der Angeklagten stand fest, die Inquisitoren benötigten für das Todesurteil ein Geständnis. Auch finanzielle Bereicherung war ein Aspekt der Hexenprozesse.

Foto: Gesine Werner

Den weisen Frauen auf der Spur

Kruder Bestseller des Wahns: Der „Hexenhammer“ Malleus maleficarum der Dominikaner Jacob Sprenger & Henricus Institoris Kramer wird 540 Jahre alt

Im Karneval haben sie Konjunktur, im Harz und der „Hexenturmstadt“ Idstein bringen sie touristisch Gewinn. In Märchen, Kinderbüchern, Opern & und Filmen sind Hexen vertreten. Auch heute wird eine selbstbewusste Frau gern „Hexe“ genannt.

Finsteres Mittelalter? Vor der Jahrtausendwende hetzte laut Londoner „Times“ Reverend Antony Kennedy aus Lutton/Lincolnshire gegen die ersten  Frauen vor deren Ordination in der Kathedrale von Bristol.

„Im Mittelalter würde ich diese verdammten Weiber verbrannt haben.“ Er klagte, die Priesterinnen rissen „Macht an sich, auf die sie kein Recht haben. In der mittelalterlichen Welt wurde dies Hexerei genannt.“ Dem letzten Hexenprozess gemäß

„witchcraft act“ von 175 fiel in Schottland Mitte des 20. Jahrhunderts Helen Duncan zum Opfer. Nach 25 Minuten Sitzung brachte der Zentrale Strafgerichtshof London die „letzte Hexe Europas“ in Haft.

1978 befasste sich das Landgericht Mannheim in zweiter Instanz mit dem Aberglauben - statt der beschuldigten „Hexe“ wurde die Denunziantin bestraft.

1484 befahl Papst Innozenz VIII. in der „Hexenbulle“ die Vernichtung der „Hexen“. 1486 schrieben die Dominikaner Jacob Sprenger & Henricus Institoris Kramer das Pamphlet „Malleus maleficarum“ als Handbuch der Inquisition. Als kruden „Beweis“ weiblicher Hexerei behauptet der wahnhafte „Hexen-

hammer“: „Das Wort femina nämlich kommt von fe und minus (fe = fides, Glaube und minus = weniger): also femina, die weniger Glauben hat“. Und: „Wenn sich eine Frau ohne Studium anmaßt, zu heilen, dann ist sie eine Hexe und muss sterben.“ Studium? Frauen im Mittelalter war Bildung verwehrt. Ärztlicher Beistand galt Reichen. Armen halfen „Brauchweiber“ mit großem Heilkräuterwissen. Geburtshilfe leisteten „weise Frauen“ - der Kirche nicht untergeordnet und als Hebammen ein Dorn im Auge.

In ganz Europa wütete der Hexenwahn. Schätzungen zufolge fielen zwischen 100.000 und Millionen Frauen dem Furor kirchlich angeordneter Femizide zum Opfer. Reformator Martin Luther als Hassprediger: „Die Zauberinnen sollen getötet werden. Ich will der Erste sein, der Feuer an sie legt.“ Im Jahr 1775 wurde in Kempten die letzte „Hexe“ hingerichtet. Noch heute stehen Aussagen zu Hexerei in Luthers Kleinem Katechismus.

Text: Gesine Werner, geprüfter Mann und Diplompädagogin

„Als Frau will ich in Sprache und Schrift erkennbar sein!“ Mehr als 30 Jahre kämpfte die Witwe und alleinerziehende Mutter ihrer vier „Prachtexemplare“ Gerd, Petra, Guido und Michael für Gendergerechtigkeit in der Muttersprache und forderte Selbstverständlichkeiten ein.

Anfang Februar 2026 ist Marlies Krämer, Marie Juchacz-Frauenpreisträgerin und Bundesverdienstkreuzträgerin, kurz nach ihrem 88. Geburtstag in ihrem Zuhause im saarländischen Sulzbach gestorben.

Die ihr angediente „BürgER-Medaille“ hatte die streitbare Feministin abgelehnt. Die Weigerung, ihren Reisepass als „Inhaber“ und somit als Mann zu unterzeichnen, mündete 1996 in die sprachliche Gleichstellung einer „Unterschrift der Inhaberin/des Inhabers“.

Marlies Krämer war also doch eine „Rechtinhaberin“. Ein weiterer Erfolg: 1999 erkämpfte sie die abwechselnde männliche UND weibliche Benennung von Hochund Tiefdruckgebieten.

Frauen sind keine Minderheit, sollen sich „mitgemeint“ sehen und Übersetzungsarbeit leisten. Ein Mann ist in der deutschen Mutter(!)sprache immer präsent, das spart Zeit und Zeilen, war Marlies Krämer bewusst.

Als Sparkassenkundin, die „kein KUNDE“ war, unterlag sie in ihrem Kampf gegen das Totschweigen vor dem BVG. Denn Justitias Mannen urteilten kryptisch und schrieben die männliche Form vor als „geschlechtsblind“.

In ihrer „Liebeserklärung“ an ihren langjährigen Mitstreiter und Lebensgefährten, den SR-Filmbeleuchter Günter Meyer, erzählte Autorin Krämer die spannende Story der einzigartigen Fusion von lernfähigem Mann und überzeugter Feministin. („Dieser Mann war mein Weckruf“, Verlag media futura 202, Lektorat Gesine Werner).

In einer berührenden Trauerfeier wurde die „sanfte Rebellin“ aus Sulzbach von einem kleinen Familienkreis und befreundeten Getreuen mit einer musikalischen Femmage der langjährigen Freundin Gaby Klees zur letzten Ruhe

Als Frau will ich in Sprache und Schrift erkennbar sein!

Abschied von Marlies Krämer, der sanft rebellierenden Gender-Legende und Mutter Courage für Frieden und Umwelt

begleitet. Leonard Cohens „Hallelujah!“ und „Internationale“ klangen über den Altenwälder Friedhof als letzter Gruß der Verstorbenen. Ruhe in Frieden, liebe Marlies.

Text: Gesine Werner, geprüfter Mann und Diplompädagogin, die in den 80er Jahren von der Uni Frankfurt als “Querulantin” nach vier Jahren Kampf gegen „Geschlechtsumwandlung“ und akademische Mannbarkeitsurkunde ihr geschlechtsadäquates Diplom erzwingen konnte.

Sie forderte das generische Femininum ein und prangerte fundamentale Frauenarbeit für Staat und Gesellschaft zum Nulltarif an. Die verstorbene Marie Juchacz-Preisträgerin Marlies Krämer hat ihre Demoplakate und Poster eigenhändig gestaltet. Foto: Gesine Werner

Am Freitag, den 1. Mai 2026, startet das Grüne Soße Festival auf dem Frankfurter Roßmarkt erstmalig mit einem Internationalen Abend – mit englischsprachiger Moderation und Show.

Das Festival rückt die Frankfurter Grüne Soße in einen internationalen Kontext und öffnet sich damit dem Publikum über Sprachgrenzen hinaus. Der Internationale Abend markiert einen Meilenstein in der Festivalgeschichte und unterstreicht die weltoffene Identität Frankfurts.

Weltküche meets Lokalkolorit

An diesem besonderen Abend treten internationale Gastronomiebetriebe aus Frankfurt und der Region mit ihren eigenen, kreativen Interpretationen des Klassikers gegeneinander an. Es wird spannend sein, welche kulturellen Besonderheiten sich in den Soßen-

Kreationen wiederfinden. So wird die Grüne Soße zur kulinarischen Brücke zwischen regionaler Identität und internationaler Vielfalt. Wie an allen Festivalabenden entscheidet das Publikum über die Sieger-Soße. Der Gewinner des Internationalen Abends qualifiziert sich für das große Finale am 9. Mai, in dem die Zuschauer dann aus acht Grünen Soßen einen Sieger küren. Mehr Konkurrenz, mehr Spannung, mehr Geschmackserlebnis.

Englischsprachiges Bühnenprogramm mit Carrington-Brown

Moderiert wird der Internationale Abend ebenfalls von Andy Ost, der an diesem Abend auf Englisch durch das Programm führt. Zu Gast in der Abendshow ist das mehrfach ausgezeichnete britische MusikComedy Duo Carrington-Brown. Seit über einem Jahrzehnt verbinden Rebecca Carrington und Colin Brown klassische und zeitgenös-

sische Hits mit brillantem britischem Humor und sorgen damit international für Begeisterung. Und immer mit dabei: Joe, das Cello.

Die Antwort auf Frankfurts Vielfalt

Frankfurt ist eine der internationalsten Städte Deutschlands, das spiegelt sich längst auch im Festival wider. Bereits in der Vergangenheit waren internationale Gastro-Betriebe fester Bestandteil des Festivalmarktes, wo sie den Roßmarkt mit ihrem kulinarischen Angebot bereicherten. Der Ruf nach einem eigenen Internationalen Abend wurde immer lauter, jetzt wird er Wirklichkeit.

„Wir freuen uns riesig, mit dem Internationalen Abend ein ganz besonderes Kapitel in der Geschichte unseres Festivals aufzuschlagen“, erklärt Veranstalterin Maja Wolff. „Die Grüne Soße, das Herzstück

Lisa Feller liebt die grie Soss

unseres Festivals, wird an diesem Abend zum kulinarischen Botschafter zwischen den Nationen. Das zeigt wunderbar, dass Tradition und Innovation, lokale Verwurzelung und globale Offenheit Hand in Hand gehen.“

Für Expats, Locals und alle Kulturfans

Der Internationale Abend richtet sich an die internationale Community in Frankfurt und Rhein-Main ebenso wie an alle Einheimischen, die interkulturelle Begegnungen schätzen. In Kooperation mit dem Newcomers Network Frankfurt entsteht an diesem Abend ein Treffpunkt für Menschen aus aller Welt, die gemeinsam Frankfurts Kultgericht neu entdecken möchten.

Dabei sein am 1. Mai

Buchbar sind Einzeltickets oder Gruppentische. Gruppen können ihre Tische als Ländertische gestalten und so ihr Heimatland oder ihre internationale Community repräsentieren. Auch für Unternehmen bietet sich die Möglichkeit, an einem Firmentisch mit ihren internationalen Teams gemeinsam zu feiern. Zudem gibt es VIP-Tisch-Optionen. Im Ticketpreis enthalten sind wie

immer sieben Grüne Soßen mit Kartoffeln und Eiern, alle Getränke (Wein, Apfelwein, Bier, Softdrinks) sowie das komplette Showprogramm.

Das Festival 2026

Mit dem Internationalen Abend startet der Wettkampf um die beste Grüne Soße 2026. An insgesamt acht Abenden treten 56 Gastronomiebetriebe gegeneinander an, bevor im großen Finale am 9. Mai alle acht Abendsieger um Frankfurts

Kräuterkrone kämpfen. Kulinarik, Live-Unterhaltung und das Publikumsvoting machen das Festival zu einer der größten kulinarischen Kulturveranstaltungen der Region.

Und wer schon vorab Festivalluft schnuppern möchte: Der Festivalmarkt öffnet bereits am 28. April.

Alle Informationen zum Grüne Soße Festival gibt es auf www.gruene-sosse-festival.de

Arnold Gorski: Usambaraveilchen, 1994, Öl auf Leinwand, 75 x 90 cm

Das große Thema des Bildes ist die Lichtführung. Das Weiß für die Helligkeit des Lichtes kontrastiert die Grün- und Blautöne sowie die schwarzen Thonetstühle und setzt sich auf dem Fußboden fort. Arnold Gorski: „In Kontrasten zu denken, ist ein wichtiges künstlerisches Gestaltungsprinzip. Erst durch die Polarität aller Dinge tritt die Welt in Erscheinung.“

Mit einer großen Retrospektive des Wiesbadener Künstlers Bernd Brach und dem Neujahrsempfang 2026 eröffnete die KUNSTARCHE am 11. Januar feierlich ihre renovierten Räume.

Hell, freundlich und technisch auf dem neuesten Stand präsentieren sich die Ausstellungsflächen nun als einladender Ort der Begegnung – ein würdiger Rahmen für die nächste große Schau: die Gruppenausstellung „Was kommt auf den Tisch?“

Stillleben und Gegenwartskunst im Spannungsfeld

Ab Sonntag, 22. März, 11.30 uhr, sind im Vorraum und im großen Ausstellungsraum Werke aus dem Archiv der KUNSTARCHE zu sehen – unter anderem von KH Buch, Christa Moering, Ilse Grossefeld, Gerda Stryi und Hans Wagner. Ihnen gegenübergestellt werden Arbeiten zeitgenössischer, in Wiesbaden lebender Künstlerinnen und Künstler.

Während die Archivwerke klassische Stillleben zeigen –, richten

die heutigen Positionen den Blick auf Essbares im weiteren Sinne: auf Ernährung,

Konsumverhalten und den Umgang mit Ressourcen oder legen den Blick auf größere politische Zusammenhänge (siehe die Arbeit von Petra von Breitenbach und Paul Heymach). So entsteht ein Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen ästhetischer Tradition und gesellschaftlicher Reflexion.

Im Saal des Stadtarchivs bleiben weiterhin die Arbeiten von Bernd

KUNSTARCHE Wiesbaden e.V.

Was auf den Tisch kommt

Roman R. Eichhorn: „Die Bar“ Das surreale Stillleben. Während die Menge im kollektiven Konsum versinkt, ist der Mann am linken Bildrand von tiefer Unruhe ergriffen. Er erkennt die Absurdität der Situation. Das Auge auf dem Tablett ist für ihn kein Kuchen, sondern eine Mahnung.

Brach hängen; die neue Ausstellung konzentriert sich bewusst auf die beiden anderen Räume der KUNSTARCHE.

Die Ausstellung läuft bis zur Finissage am Freitag, 8. Mai. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Die KUNSTARCHE als kulturelles Gedächtnis Wiesbadens

Seit 2012 fungiert die KUNSTARCHE als kulturelles Gedächtnis der Stadt. Sie sichert, archiviert und präsentiert bedeutende künstlerische Nach- und Vorlässe Wiesbadener Kunstschaffender und bewahrt Gemälde, Skulpturen sowie Grafiken für kommende Generationen. Damit verhindert sie, dass wertvolle Werke in Vergessenheit geraten oder gar entsorgt werden.

Als Nachlassverwaltung gemäß ihrer Satzung ist es ein zentrales

Ilse Grossefeld, Das Frühstücksei Ilse Grossefeld war eine hochbegabte Illustratorin und entführte gerne mit femininer Phantasie in Traumwelten. Ihr humorvoller Zeichenstil wurde von Zeitungsverlegern sehr geschätzt. In Berlin geboren, lebte sie seit 1949 bis zu ihrem Tod 2004 in Wiesbaden.

Anliegen des Vereins, Künstlerinnen und Künstlern, die selbst

Ausstellende KünstlerInnen

Susan Geel

Bettina Gelhard-Reeh

Wolfgang Gemmer

Arnold Gorski

Ilse Grossefeld

Gertraut Hasselbach

Paul Heymach

Iris Kaczmarczyk

Hermann Kirsten

Roman Mikos

Christa Moering

Andreas Orosz

Horst Reichard

Anke Rohde

Gerda Stryi

Thomas Vogel

Hans Wagner

keine Öffentlichkeitsarbeit mehr leisten können, wieder Sichtbarkeit zu verschaffen.

In der Kombination mit lebenden Kunstschaffenden entsteht eine ebendige Kooperation, die historische Positionen aktuellen Werken gegenüber stellt.

Die KUNSTARCHE ist zugleich Anlaufstelle für Nachkommen, die Werke übergeben möchten – oft, weil Haushalte verkleinert werden oder weil über Generationen hinweg der Bezug zu den Arbeiten verloren ging.

Ein eigener Ankaufsetat steht dem Verein nicht zur Verfügung; er ist darauf angewiesen, dass Werke überlassen werden.

So kann die KUNSTARCHE ihnen ein „neues Leben“ ermöglichen.

Im Gespräch betont die erste Vorsitzende Felicitas Reusch neben kunsthistorischen Aspekten beson-

Petra von Breitenbach: Was auf den Tisch kommt, wird gegessen Ein Plastikglobus, sauber entlang der Äquatorlinie halbiert, darin ein Eisportionierer und Löffel. Doch die Inszenierung kippt ins Groteske: Die Welt - servierfertig, portionierbar, konsumierbar. Ein Bild, das die Geste des Zugreifens entlarvt – jene beiläufige Selbstverständlichkeit, mit der politische Machtfiguren sich nehmen, was ihnen schmeckt.

ders das „Soziotop“ der Stadt: Wie sich Künstlerinnen und Künstler innerhalb Wiesbadens über Jahrzehnte hinweg begegnen, ergänzen, auch konkurrieren.

Gesammelt werden ausschließlich Persönlichkeiten aus dem Wiesbadener Kunstleben. Die intensive kunsthistorische Aufarbeitung der Wiesbadener Werkkunstschule auf dem Schulberg, Recherchen in Zeitungsarchiven und Dokumente aus Privatbesitz erleichtern die Einordnung der Werke. Im Fokus steht stets die lokale Kunstgeschichte – oft auch in Zusammenhang mit internationalen Strömungen ihrer Zeit.

Von der Initiative zum Netzwerk

Die KUNSTARCHE entstand aus der Initiative der Wiesbadener

Künstler Johannes Ludwig (www. kuenstlergruppe50-wiesbaden. de/ludwig/), Arnold Gorski (www. kuenstlergruppe50-wiesbaden. de/gorski/) und Wolf Spemann (www.kunstgesellschaft. de/archiv/), die sich über Jahre hinweg für eine institutionalisierte Nachlassverwaltung einsetzten. Am 28. November 2011 wurde der Verein ins Vereinsregister eingetragen; 2012 stellte das Kulturamt der Stadt Wiesbaden Räumlichkeiten zur Verfügung.

Heute ist die KUNSTARCHE Gründungsmitglied des Bundesverband Künstlernachlässe (www.bundesverbandkuenstlernachlaesse.de/) mit Sitz in Berlin und wendet sich an Künstlerinnen und Künstler, deren Erben sowie an alle Kunstinteressierten, die den Wandel

der Jahrzehnte nachvollziehen möchten.

Wie alle kulturellen Einrichtungen ist auch die KUNSTARCHE auf öffentliche Zuwendungen angewiesen; allein durch Mitgliedsbeiträge

Kernaufgaben der KUNSTARCHE Wiesbaden

• Archivierung und Bewahrung: Übernahme von künstlerischen Nachlässen verstorbener Künstler sowie Vorlässen lebender Künstler.

• Künstlerische Aufarbeitung: Dokumentation und fachgerechte Aufbewahrung von Kunstwerken (Gemälde, Grafiken, Skulpturen) in den Räumen des Stadtarchivs.

• Ausstellungsbetrieb: Organisation von Ausstellungen, die das künstlerische Erbe Wiesbadens präsentieren, wie z.B. Themenausstellungen oder Werkschauen.

• Qualitätssicherung: Prüfung und Auswahl der Werke, um das künstlerische Niveau des Archivs zu sichern.

• Förderung des Bewusstseins: Vermittlung der lokalen Kunstgeschichte und deren Bedeutung für die Stadt.

lässt sich die anspruchsvolle Archiv- und Ausstellungsarbeit nicht finanzieren.

Mit „Was kommt auf den Tisch?“ zeigt die KUNSTARCHE einmal mehr, wie lebendig Erinnerung sein kann – wenn Vergangenheit und Gegenwart einander begegnen.

So. 22. März, 11.30 Uhr, Eröffnung bis Freitag, 8. Mai Finissage

Während der Laufzeit der Ausstellung lädt das Vorstandsmitglied Hermann Kirsten zu einem reichbebilderten Vortag „Vanitas & Co“ ein: Samstag 28. März 2026, 17 Uhr.

Das Beiratsmitglied der KUNSTARCHE Frank Deubel spricht aus der Praxis zu „Photographische Arbeit im analogen Prozess“ am Dienstag 5. Mai 2026, 18 Uhr.

KUNSTARCHE Wiesbaden e.V. Im Rad 42 | 65197 Wiesbaden

www.wiesbaden.de/stadtarchiv www.kunstarche-wiesbaden.org

Anlässlich ihres 75-jährigen Bestehens wurde die Künstlergruppe50 Wiesbaden im Frühjahr 2025 mit einer viel beachteten Ausstellung im Kunsthaus Wiesbaden geehrt (12. März – 27. April 2025).

Unter dem Titel „FORM FARBE FREIHEIT“ präsentierte die Künstlergruppe50 die von Jana Dennhard kuratierte eindrucksvolle Werkschau, die die außergewöhnliche Bandbreite und künstlerische Vielfalt der traditionsreichen Gruppe sichtbar machte. Die Ausstellung überzeugte durch ihre Qualität und inspirierende Zusammenstellung – und schon während der Präsentation entstand die Idee, dieses Konzept weiterzutragen und an anderen Orten zu zeigen. Nun wird dieser Gedanke Wirklichkeit: Ab Mai 2026 geht „FORM FARBE FREIHEIT“ auf Reisen.

Ausstellende KünstlerInnen

Peter Bernhard

Swantje von Bismarck

Petra von Breitenbach

Frank Deubel

Ellianne Dinnendahl

Joan Draxler

Roman E. Eichhorn

Alois Ewen

Susan Geel

Bettina Gelhard - Reeh

Arnold Gorski

Iris Kaczmarczyk

Stefan Lochmann

Isanna von Perbandt

Horst Reichard

Tom Sommerlatte

Gabriele Strecker

Ausstellung im Neuen Schloss Simmern

Vom 2. Mai bis 1. Juni 2026 wird die Ausstellung im historischen Schloss Simmern zu sehen sein. Die Vernissage findet am 02.05.2026 statt. Simmern gilt als kulturelles Zentrum des Hunsrücks und ist weit über die Region hinaus bekannt – nicht zuletzt durch die filmische „Heimat“-Trilogie von Edgar Reitz, darunter auch der Film: „Die andere Heimat“. Zum Stadtschloss gehört das von Reitz gegründete Heimatmuseum ebenso wie ein jährlich stattfindendes Filmfestival.

Neben wechselnden zeitgenössischen Ausstellungen beherbergt das Schloss auch eine Sammlung alter Meister – ein spannender Dialog zwischen Tradition und Gegenwart, in den sich nun die Künstlergruppe 50 einreiht.

Vielfalt auf großer Fläche

Die Ausstellung wird im Foyer des Schlosses präsentiert. Die Museumsleiterin und Kunsthistorikerin Kristina Müller-Bongard freut sich besonders auf die Schau und betont die bemerkenswerte Vielfalt innerhalb der Gruppe.

Insgesamt beteiligen sich 17 Künstlerinnen und Künstler, denen jeweils eine bis zu zwei Meter breite Hängefläche zur Verfügung steht; in der Höhe gibt es bis zu drei Metern keine Begrenzung. Gezeigt werden ausschließlich Werke, die an der Wand befestigt werden können.

Zur Ausstellung erscheint ein begleitender Katalog, der die Positionen der beteiligten Kunstschaffenden dokumentiert und die Entwicklung der Gruppe würdigt. Der Kunsthistoriker Dr. Peter Lodermeyer verfasste einen Text für den Katalog und wird bei der Vernissage über die Werke und die Gruppe 50 sprechen.

75 Jahre künstlerische Freiheit

Mit „FORM FARBE FREIHEIT“ unterstreicht die Künstlergruppe50 Wiesbaden eindrucksvoll ihr Selbstverständnis: Offenheit gegenüber unterschiedlichen Ausdrucksformen, stilistische Vielfalt und die Freiheit der individuellen künstlerischen Handschrift.

Die Präsentation in Simmern markiert nicht nur eine Fortsetzung des Jubiläumsjahres, sondern auch einen wichtigen Schritt in der öffentlichen Wahrnehmung der Gruppe über Wiesbaden hinaus.

Kunstinteressierte dürfen sich auf eine facettenreiche Ausstellung freuen, die Tradition und Gegenwart miteinander verbindet – im kulturellen Herzen des Hunsrücks.

FORM FARBE FREIHEIT

Neues Schloss Simmern Hunsrück-Museum

Schlossplatz

55469 Simmern/Hunsrück

Vernissage: 2. Mai 2026, 18 uh www.kuenstlergruppe50-wiesbaden.de Ausstellung: 3. Mai – 1. Juni 2026 www.hunsrueck-museum.de

Eine weitere Ausstellung ist im nächsten Jahr in Orléans (Frankreich) geplant. Das Datum wird rechtzeitig in den entsprechenden Medien veröffentlicht.

Titelbild Katalog Künstlergruppe50, Gestaltung Iris Kaczmarczyk

Die lange Nacht der Künste

Am Samstag, den 11. April 2026, verwandelt sich Wiesbaden in einen kulturellen Hotspot des gesamten Rhein-Main-Gebiets.

Wenn von 19 bis 24 Uhr die Teilnehmenden der 24. „Kurze Nacht

der Museen und Galerien“ ihre Türen öffnen, dürfen sich die Besucher auf eine lange Nacht voller Entdeckungen, Begegnungen und Überraschungen freuen.

In nahezu jeder Ecke Wiesbadens warten spannende Ausstellungen,

außergewöhnliche Kunstwerke und künstlerische Darbietungen darauf, entdeckt zu werden. Die „Kurze Nacht“ ist mehr als ein Museumsbesuch – sie ist ein Fest für alle Sinne und eine Einladung, Wiesbaden von seiner kreativsten und lebendigsten Seite zu erleben.

Christiane Steitz, Scherenschnitt und Lasercut, Foto: © Christiane Steitz

7 Museen, Kunstvereine, Projekträume und Galerien laden an diesem besonderen Abend zu einer faszinierenden Entdeckungsreise ein. Die Besucherinnen und Besucher erwartet ein abwechslungsreiches Programm aus hochkarätigen Ausstellungen, spannenden Präsentationen und kreativen Inszenierungen, das die gesamte Bandbreite der Wiesbadener Kunst- und Kulturlandschaft widerspiegelt.

Ob klassische Kunst, zeitgenössische Positionen oder innovative Projekte – die „Kurze Nacht“ bietet Inspiration, Überraschung und kulturelle Vielfalt auf höchstem Niveau.

Seit über zwei Jahrzehnten ist die „Kurze Nacht“ längst ein fester und unverzichtbarer Bestandteil des Wiesbadener Kulturkalenders und ein eindrucksvoller Beweis dafür, wie lebendig, offen und vielfältig die Kulturszene der Stadt ist.

Bei traditionell freiem Eintritt- einzigartig in Deutschland - haben so die Besucher am 11. April zwischen 19 und 24 Uhr die einmalige Gelegenheit, Museen und Galerien in einer ganz besonderen Atmosphäre zu erleben – entspannt, neugierig und voller Entdeckerfreude.

Ein fester Publikumsmagnet ist auch in diesem Jahr wieder der Wiesbadener PopJazzChor, der unter der bewährten Leitung von Clemens Schäfer für musikalische Höhepunkte sorgt. Mit seinen energiegeladenen und gefühlvollen Darbietungen begeistert der Chor jedes Jahr viele hundert Besucher.

Zu hören ist der PopJazzChor bei der Eröffnung der Kurzen Nacht um 18 Uhr im Theater kuenstlerhaus4 im Palasthotel (Kranzplatz 1) sowie um 21 Uhr im Museum Wiesbaden. Beide Konzerte versprechen Gänsehautmomente in einer ganz besonderen Atmosphäre.

Ein absolutes Highlight und in dieser Form bundesweit einmalig ist das legendäre „Rollende Museum“, das eigens für die „Kurze Nacht“ die Geschichte des Automobils lebendig werden lässt.

Mehr als 80 liebevoll gepflegte historische Oldtimer aus Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg verwandeln die Wiesbadener Straßen in ein mobiles Museum voller Nostalgie, Eleganz und technischer Faszination.

Mit spannenden Präsentationen und außerdem NEU als Aussteller zur „Kurzen Nacht“ sind dabei:

Das Haus der Heimat – BdV Landesverband Hessen, Friedrichstraße 5 und MKK² – Raum für Kunst, Walramstraße 16A.

Zur Kurzen Nacht in Wiesbaden wird das Haus der Heimat (Friedrichstraße 5, zentral in der Innenstadt) von 19 bis 24 Uhr zu einem offenen Kultur- und Begegnungsraum. Der BdV Landesverband Hessen zeigt, wie sich ein traditionsreicher Ort für zeitgenössische Kultur, junge Perspektiven und urbane Ausdrucksformen öffnet. Live gesprühtes Graffiti regionaler Künstlerinnen und Künstler (ausgewählt über einen Wettbewerb; Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt Wiesbaden angefragt), LiveMusik von Junge Musik Hessen und im Anschluss eine offene Jam Session, bei der jede musikbegeisterte Person mitspielen kann, sowie gute Getränke und Snacks laden zum Dazukommen, Bleiben und Austauschen ein.

MKK² – Raum für Kunst im GeorgBuch-Haus vereint zeitgenössische künstlerische Positionen aus Fotografie, Collage und Malerei. Die drei Künstlerinnen Rita Marsmann, Christiane Mader und Zerina Kaps präsentieren gemeinsam mit zwei Gastkünstlern Arbeiten, die sich mit dem urbanen Raum, der Natur und unserer Wahrnehmung auseinandersetzen. Von inszenierten Fotografien über goldschimmernde Stadtcollagen bis hin zu stillen „Straßenwächtern“ auf Holz entsteht eine Ausstellung voller Kontraste – leise, eindringlich und überraschend.

Was die Wiesbadener „Kurze Nacht“ außerdem auszeichnet, ist das enorme Engagement der

zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. Mit Leidenschaft, Herzblut und großem Einsatz tragen sie maßgeblich dazu bei, dass diese Veranstaltung Jahr für Jahr gelingt.

Die Besucher dürfen sich also auf eine lange Nacht voller Entdeckungen, Begegnungen und Überraschungen freuen. In nahezu jeder Ecke Wiesbadens warten spannende Ausstellungen, außergewöhnliche Kunstwerke und künstlerische Darbietungen darauf, entdeckt zu werden. Die „Kurze Nacht“ ist mehr als ein Museumsbesuch – sie ist ein Fest für alle Sinne und eine Einladung, Wiesbaden von seiner kreativsten und lebendigsten Seite zu erleben.

Die Veranstaltung wird von Erhard Witzel im Auftrag des Kulturamts der Stadt Wiesbaden und der IG Wiesbadener Galerien organisiert. Dank für die freundliche Unterstützung an das Kulturamt der Stadt Wiesbaden und die NASPA.

Eröffnung der „Kurzen Nacht“ ist in diesem Jahr um 18 uhr im Theater künstlerhaus43 im Palasthotel/Kranzplatz.

Die Künstlerinnen und Künstler im Kunsthaus Wiesbaden am Schulberg öffnen aus diesem Anlass auch ihre Ateliers und laden mit eigenen Aktionen zu den Offenen Ateliers im Kunsthaus ein.

Christiane Steitz, Atelier 11,lädt zum Beispiel zum Thema „Scherenschnitt und Lasercut“ zur „Kurzen Nacht“ in ihr Atelier ein.

Mit ähnliche Aktionen warten auch die anderen Stipendiaten des Kunsthauses auf. Reinschauen lohnt sich!

Weitere Infos unter: www.kurze-nacht.de

Internationale Tage Ingelheim

Von London nach Venedig: Whistler & Masuyama

Nach über 25 Jahren widmet sich in Deutschland erstmals wieder eine Ausstellung dem amerikanischen Künstler James McNeill Whistler (1834–1903). Während er im anglikanischen Raum Berühmtheit und Bekanntheit erlangte, dürfte er hierzulande eine (Wieder)Entdeckung sein. Er gilt als einer der einflussreichsten und bedeutendsten Grafiker des 19. Jahrhunderts.

Anhand von etwa 70 ausgestellten Grafiken James McNeill Whistlers lässt sich die Meisterschaft dieses besonders innovativen und experimentierfreudigen Künstlers erfahren, der die Technik der Radierung und Lithografie im 19. Jahrhundert revolutionierte: Im Fokus stehen Whistlers Radierungen und Lithografien, die Ansichten von London und Venedig zeigen. Darstellungen von Personen aus seinem persönlichen Umfeld, die Whistler anfer-

tigte ergänzen das Spektrum der grafischen Arbeiten. In der Vielfalt der ausgewählten Motive sind seine ungewöhnlichen und ausgefeilten Techniken abzulesen.

Whistlers Leben war geprägt von zahlreichen Reisen, die ihm immer wieder neue Motive boten und in grafischen Arbeiten direkt vor Ort festgehalten wurden. Nach seiner Übersiedelung als 21-Jähriger von der Ostküste der USA nach Paris ließ er sich 1859 in London nieder. Über seine Kunst erkundete er die Stadt an der Themse und schuf bis Ende der 1890er Jahre zahlreiche Grafiken, die vor allem verschiedene Ansichten des Flusses, seiner Uferzonen und Brücken, Schiffe und Hafenszenen sowie Menschen in ihrem Alltag zeigen.

Reisefreudig bis ein Jahr vor seinem Tod 190, hielt sich Whistler immer wieder länger in verschiedenen europäischen Städten auf

und war deshalb ein gut vernetzter Künstler. So lebte und arbeitete er 1879/80 über ein Jahr lang in Venedig. Oftmals von der Wasserseite aus gesehen, schuf er dort Radierungen von prächtigen Palästen, den typischen Brücken, aber vor allem Blätter mit Durchgängen oder Höfen jenseits der Touristenattraktionen in der Stadt. Die Arbeiten zu London und Venedig bilden die beiden ersten Abschnitte der Ausstellung.

Zur kunsthistorischen Kontextualisierung sind im dritten Teil Whistlers Arbeiten außerdem ausgewählte Grafiken einiger britischer, französischer und USamerikanischer Weggefährten zur Seite gestellt: Die Blätter von Seymour Haden, Frank Short, Édouard Manet, Camille Pissarro, Marcellin Desboutin oder Joseph Pennell, lassen die wechselseitigen stilistischen Einflussnahmen nachvollziehen.

James A. McNeill Whistler: Früher Morgen, 1878 (gezeichnet)

Wie andere Künstler:innen des Impressionismus sammelte auch Whistler japanische Holzschnitte. Seine intensive Beschäftigung damit wird im Bildaufbau seiner eigenen Werke erkennbar. Ausgesuchte Beispiele namhafter japanischer Holzschnittkünstler wie Utagawa Hiroshige, Katsushika Hokusai oder Kitagawa Utamaro flankieren daher einzelne seiner Grafiken in allen drei Themenräumen.

Einen Bogen zur Gegenwart spannt wiederum Hiroyuki Masuyama (*1968), der beauftragt wurde, eigens für diese Ausstellung neue Arbeiten zu schaffen. Im vergangenen Jahr reiste der japanische Künstler deshalb nach Venedig und London. An identischen Stellen, an denen Whistler seine Grafiken radierte, nahm er Farbfotografien der gegenwärtigen Situationen auf: mit heutigen Bauten, Fahrzeugen, Schiffen oder Menschen.

Die aus diesem Material neu entstandenen schwarz-weißen Arbeiten sind Montagen, in denen die aktuelle Ansicht jener Orte von Masuyama über die historischen Grafiken von James McNeill Whistler gelegt und eingepasst sind. Sie offenbaren, wie erheblich sich etwa das Themse- Ufer in den rund 150 vergangenen Jahren entwickelt hat, und wie geringfügig sich dagegen die Veränderung der italienischen Lagunenstadt ausnimmt.

In diesen neuen Arbeiten visualisiert Masuyama die jüngste Version seines Hauptthemas, das sich seit 1997 durch sein künstlerisches Schaffen zieht: die Verbindung von Raum, Zeit und Veränderung. Diese aktuellen Arbeiten hängen zwischen Whistlers Grafiken aus London und Venedig.

Zum tieferen Verständnis seines Kunstschaffens bildet eine Gruppe älterer Werke das vierte Kapitel mit teils begehbaren Installationen, großformatigen Lichtkästen oder filigranen Arbeiten aus Papier.

Sie verbinden zwar kein konkretes Motiv mit Whistler, aber sie eint die Idee, dass sich jeder Raum – ob klein wie ein Rasenstück oder groß wie die Metropole London – mit dem Lauf der Zeit kontinuierlich, wenngleich unterschiedlich intensiv verändert.

Von London nach Venedig: Whistler & Masuyama

26. April bis 5. Juli 2026

Kunstforum Ingelheim – Altes Rathaus François-Lachenal-Platz 1 55218 Ingelheim am Rhein

www.internationale-tage.de

Hiroyuki Masuyama after Whistler, The Piazzetta (1879/80), 2025
Hiroyuki Masuyama after Whistler Riva degli Schiavoni No.1 (1879/80), 2025

Vom 21. bis 27. April 2026 wird Wiesbaden wieder Treffpunkt für aktuelles künstlerisch geprägtes Kino aus Mittel- und Osteuropa. Die 26. Ausgabe von goEast hat den Fokus „Revolution!“ und untersucht, wie gesellschaftlicher Wandel, politische Umbrüche und persönliche Neuanfänge heute erzählt werden.

Während der Fokus des goEast Festivals auf dem Kino Mittel- und Osteuropas liegt, öffnet das Symposium gezielt den globalen Rahmen. Es lässt osteuropäische Umbrucherfahrungen in einen direkten Dialog mit weltweiten Widerstands-

bewegungen treten. Deshalb laufen im Programm neben regionalen Archivschätzen auch packende internationale Zeitdokumente.

Unter dem Geburtstagsmotto „Sto Lat!“ (100 Jahre) ehrt das Festival den großen polnischen Regisseur Andrzej Wajda, der im März 100 Jahre alt geworden wäre, mit Klassikern wie CANAL (Polen 1957) der das Ende der Warschauer Aufstand erzählt, und anderen Werken.

Im goEast Porträt 2026 steht die rumänische Produzentin Ada Solomon im Mittelpunkt. Mit Produktionen wie TONI ERDMANN (Deutschland, Österreich 2016)

goEast 2026:

Kino

im Zeichen der Revolution

aus: „Mann aus Eisen“ von Andrzej Wajda

von Maren Ade und CHILD´S POSE (Rumänien 201) von Călin Peter Netzer hat sie internationale Erfolge gefeiert und auch Karrieren gefördert – darunter die des großen rumänischen Regisseurs Radu Jude, der später unter anderem mit dem Goldenen Bären der Berlinale ausgezeichnet wurde und dem Wiesbadener Publikum gut bekannt ist. Das Werkstattgespräch mit der Produzentin und Vorsitzenden der Europäischen Filmakademie beleuchtet in der Festivalwoche Solomons Arbeitsweise, Produktionsentscheidungen und die gesellschaftliche Wirkung ihrer Filme.

Das East-West Talent Lab unterstützt junge Dokumentarfilmschaffende mit Workshops, Vernetzungsmöglichkeiten und einer Präsentationsplattform. Beim Project Market Pitch am 27. April stellen zwölf Filmschaffende ihre Projekte vor und können Stipendien und Förderpreise gewinnen.

goEast 2026 verspricht eine Vielfalt an Filmen und Erfahrungen, überraschende Perspektiven und Diskussionen, die nachhallen. Für alle, die Filmkunst, politisches und mutiges Kino lieben oder neue Stimmen aus dem Osten entdecken wollen, ist diese Festivalwoche ein Muss.

Weitere Infos und das Programm unter: www.filmfestival-goeast.de

aus: „Der Kanal“ von Andrzej Wajda

„Alle Hühner legen Eier – nur die kleine schwarze Henne nicht. Sie macht lieber Saltos und hüpft auf dem Sofa herum! Als sie hört, was ein Zirkus ist, beginnt ihr größtes Abenteuer.

Eine fröhliche Geschichte über Mut, Neugier und den Traum, man selbst zu sein.“

Der Klappentext verspricht eine liebevoll illustrierte Geschichte, die kindgerecht und nah an der Gedankenwelt von Kindern bleibt.

Die Entstehung des Buches klingt märchenhaft: Die Autorin Iris Kaczmarczyk (spannenderweise auch Grafikerin) schrieb die Geschichte direkt nach einem Traum auf und illustrierte sie selbst.

Kinder lieben diese Geschichte. Die Erzählung lädt sie ein, Parallelen zu ihrem eigenen Alltag zu entdecken, und die liebevollen Illustrationen verstärken diese Wirkung. Ergänzt wird „Die schwarze Henne“ durch ein Malbuch; eine gelungene Idee, die zum kreativen Erkunden einlädt.

Insgesamt wirkt das Buch warm, zugänglich und gut geeignet, kleinen Leserinnen und Lesern Freude zu bereiten. Beides – Buch und Malbuch sind für Kinder ab 4 Jahren geeignet.

Wir freuen uns jetzt schon auf weitere Werke der Autorin!

Zu beziehen sind Buch und Malbuch über den Buchhandel:

hardcover (Kinderbuch) 6 Seiten

ISBN-1: 978695199402

Verlag: BoD - Books on Demand

Paperback (Kinderbuch als Softcover), 40 Seiten

ISBN-1: 97869511914

Verlag: BoD - Books on Demand

Paperback (Malheft) 2 Seiten

ISBN-1: 97869515442

Verlag: BoD - Books on Demand

Online kann das Buch hier bestellt werden:

Das Buch ist dort ebenfalls als E-Book erhältlich.

Bernd Brach – ALBUM

Die KUNSTARCHE eröffnete am 11. Januar 2026 nach umfassender Renovierung mit einer großen Bernd Brach Retrospektive.

Eine Retrospektive aus 51 Jahren künstlerischen Arbeitens von 1972 bis 202 begleitet von zumeist eigenen Texten. Der Titel ALBUM als Spiegelschrift leitet sich von einem aufgeführten Projekt ab und verweist auf Brachs Anfänge als Schriftsetzer, der die Schrift spiegelverkehrt und kopfstehend lesen musste. Das Schwarz-Weiß der Druckerkunst seiner frühen Jahre prägt die frühen Zeichnungen.

Brach findet zur Malerei und Collage, arbeitet später mit Wachs und bewegt sich über Installation und

Skulptur wieder zurück zur Zeichnung. So spannt ALBUM einen Bogen künstlerischen Schaffens über einen Zeitraum von 51 Jahren. Dieses Schaffen fand allesamt in Wiesbaden statt und ist damit auch ein kulturelles Dokument über die Stadt, in der er lebt.

Anlässlich dieser ausgezeichneten und umfassenden Ausstellung haben wir dem Künstler Bernd Brach ein paar Fragen gestellt.

Welcher innere Antrieb hat Sie zur Kunst gebracht?

Ich wollte nie was anderes. Ich bin gelernter Schriftsetzer. Diese Ausbildung habe ich nach der Mittelschule absolviert. Danach studierte ich an der Werkkunstschule in Wiesbaden.

Über die Arbeit als Schriftsetzer bin ich zur schwarz/weißen Grafik gekommen.

Im Studium habe ich mich mit dem Siebdruck angefreundet und mir eine kleine Siebdruckanlage aufgebaut. In den 1970ern habe ich auch für andere Künstler gedruckt. Die frühen Siebdrucke von Thomas Bayrle habe alle ich gemacht.

Durch meine Ausbildung hatte ich neben der Kunst eine eigene Erwerbsquelle und musste nicht auf branchenfremde Erwerbsquellen (z.B. Taxifahrer etc.) zurückgreifen.

Später konnte ich dann mein „Handwerk“ in die Kunst übertragen, denn Kunst ist zu ganz großen Teilen Handwerk.

Ich habe auch genug Vertrauen in meine Fähigkeiten; ich habe Arbeiten von 1972, da kann ich immer zu stehen. Nicht alle meine Projekte waren nachhaltig, aber grundsätzliche sind im ALBUM alle Arbeiten kontinuierlich dokumentiert.

Welcher Teil des Schaffensprozesses ist für Sie besonders wichtig?

Ich muss von irgendwas beeindruckt sein. Ob es eine Reise ist, eine Wanderung, Corona…

Die wirken sich in irgendeiner Weise aus, und ich kann mich da nicht raushalten…

Am 10. Juni 2022 habe ich zum Beispiel eine Performance mit dem Titel „A Love Supreme“ (www.youtube.com/watch?v=puUV9gxr25o) in der Kunstarche gemacht, da ich sonst nichts dazu zu sagen hatte, bzw. dazu sagen wollte. In dieser Performance zeichne ich inspiriert von John Coltranes „A Love Supreme“ zum Krieg in der Ukraine.

Früher im Studium gab es die klassische Diskussion zwischen Matisse und Picasso:

Picasso hat Guernica gemacht und Stellung bezogen, Matisse hat damals ein Hyazinthenstöcken im Fenster gemalt. Dafür wurde er verlacht – die Welt steht in

Bernd Brach: ALBUM, Arbeiten von 1972 - 202

Flammen, und er malt ein Hyazinthenstöcken in Südfrankreich. Und heute sind wir froh, dass er es gemacht hat. Dieser Überlebenswille wurde dargestellt; die Aussage dazu: „wir kommen aus dem Schlamassel wieder raus!“ Diese positive Energie sollte mir nicht abhandenkommen.

Der Blickwinkel ist entscheidend, je nachdem wo ich gerade stehe… Das eine entwertet das andere nicht, sondern es gehört dazu.

Welche Materialien und Techniken verwenden Sie hauptsächlich?

In den vergangenen zwanzig Jahren war Wachs mein malerischer Werkstoff. Es hat was Körperliches, ich spreche gern von Bildkörper, weil es so plastisch ist.

Eigentlich ist das Thema Wachs für mich nun abgeschlossen. Ich werde sicher noch das eine oder andere in Wachs machen, aber eigentlich ist das Thema abgeschlossen.

Es ist auch physisch sehr anstrengend, und die Dämpfe sind ebenfalls nicht supergesund.

Wann wissen Sie, wann ein Werk fertig ist?

Es gibt hierfür kein Rezept. So eine Arbeit steht auf der Staffelei, sie schaut mich an, ich schaue sie an. Manchmal lacht sie mich aus und sagt, „du schaffst mich nicht“… Dann weiß ich aber eine Woche später, was zu tun ist. Ich mache z.B. kein Bild fertig und stelle es aus. Es muss „abhängen“, wie ein Schinken. Ich weiß dann nach  Tagen, ob es so bleiben kann, oder ob es geändert werden muss…

Benutzen Sie oft Teile alter Arbeiten oder verworfener Arbeiten für Neues?

In der Kunst die Collage die Königstechnik des 20. Jahrhunderts, Kurt Schwitters hat damit begonnen z.B. eine Fahrkarte in ein Kunstwerk zukleben, oder einen Draht einzufügen oder etwas in dieser Art.

Dieses Collagieren, dieses Aufeinanderprallen von Gleichzeitigem das finde ich nach wie vor spannend.

Ich verwende gerne Dinge, die schon eine Geschichte haben (z.B. altes Wachspapier von Schubladen, oder alte Hotelrechnungen …) die abgelegt wurden.

In diesem Fall bekommen die Versatzstücke neues Leben und es entsteht wieder eine neue Dimensionalität. Es muss eine Störung in der Kunst da sein.

Im ALBUM habe ich geschrieben: Die Kunst muss immer zu laut sein, oder zu leise, zu groß oder zu klein, sie muss irgendwie stören. Sonst ist es Deko – Gefälligkeitskunst.

Wir sprechen auch von den „schönen Künsten“. Wir bemühen uns um das Schöne, das Wahre, und das muss zusammengehören und darf nicht abgetrennt werden. Wenn das Schöne Wahrheit hat, dann ist es richtig, dann stimmt es.

Bernd Brach: „The Kind of Blue“

Und damit wären wir dann ja wieder bei Matisse…

Wie wird ihr zukünftiger Arbeitsprozess aussehen?

Jetzt habe ich 2 Jahre an diesem Album gearbeitet schaue nun, womit ich wieder anfange. Ich möchte nicht wiederholen, was ich schon gemacht habe, es muss jetzt etwas anderes kommen.

Ich werde mit Zeichnungen beginnen und schauen, wo mich das hinführt.

Einmal pro Woche treffe ich eine Künstlergruppe, und wir zeichnen Akt. Das sind Fingerübungen, genaues Hinschauen, wie der Körper funktioniert, sozusagen ein wieder Einüben meiner zeichnerischen Fähigkeiten.

Ich kann mir vorstellen, dass ich mit Gesichtern und Portraits beginne.

In der zweiten Juniwoche werde ich eine Aktion im rheinhessischen Undenheim machen.

Die Stiftung Bernhardt, ein tolles Anwesen, lädt jedes Jahr zu Sommerausstellungen. Diesmal wird im Sommer ein einwöchiger Workshop angeboten. Ich werde dort zeichnen, die Menschen können zuschauen, wie das Werk entsteht. Ich stelle mir vor, dass ich dort Menschen zeichne, mit Pastellkreide und die Zuschauenden am Geschehen beteiligen.

Haben Sie ein persönliches Lieblingswerk?

Es ist verhaftet mit den Lebensabschnitten. Als ich beschlossen habe, das ALBUM zu machen, wurde mir plötzlich klar, jetzt schaust du dich an wie warst du mit 70, 60, 50 usw. und da schaut man sein eigenes Leben an und stellt fest, man hat sich verändert und stellt fest, ich bin nicht mehr der mit 0, sowohl als Mann, als auch als Künstler, als politisch Interessierter, als Liebhaber, als was weiß ich – du bist ein anderer.

Ich habe diese blaue Arbeit „The Kind of Blue“, die stelle ich jetzt zum dritten Mal aus. Ich denke immer, es muss doch jemand kaufen, das ist doch ein phantastisches Werk. Aber das wird wohl nicht passieren und jetzt werde ich es zu mir ins Wohnzimmer hängen, da gehört es jetzt zu mir. Da wird es bleiben. Das ist jetzt meine Essenz, also mein Lieblingswerk: The Kind of Blue – Miles Davis.

Sprechen wir zum Abschluss noch über Ihre Reise nach Santiago de Compostela. Auf dieser für Sie sehr besonderen Reise haben Sie ein Skizzenbuch – eine Art Tagebuch – angefertigt.

Diese Reise hat mich sehr geprägt. Ich bin weder religiös, noch glaube ich an Übersinnliches, oder dergleichen. Ich habe diese Reise mit meinem Künstlerfreund gemacht. Wir waren eher kunsthistorisch interessiert; es gab damals noch keinen Hype um den Jakobsweg, wie heute.

Und plötzlich kam mir das Wort „spirituell“ in den Sinn und wurde zu einer Reise zu mir selbst…

Was mir passiert ist, war dieser spirituelle Moment, man sieht es in meinem Skizzenbuch, wie irgendetwas, irgendwer mir die Hand auf die Schulter legt. Und dieses Gefühl macht was mit einem.

Wir hatten ein allgemeines kunsthistorisches Buch dabei und blätterten drin herum. Abseits vom Weg gibt es eine kleine Kapelle mit einem sehr interessanten Fresko. Also beschlossen wir einen Umweg zu machen. Wir stehen in der Kapelle und in der Apsis hinter einem kleinem Altar war ebenerdig eine Prozession von 5 Frauen zu sehen, offensichtlich die Stifterinnen dieser Kapelle vor 400 Jahren, die ein Künstler in schwarz/weiß im Profil als fast ägyptische Darstellung gemalt hat, nur mit schwarzer Tusche. Ich sah, wie er die Tusche ansetzt und diese Linie macht, und an einer Stelle endet die Tusche, er taucht neu ein und fährt mit der Schwärze weiter und macht ein Spritzer an die Wand, und dieser Spritzer ist dort seit all diesen Jahren. Und dann stand ich da und fing an zu weinen. Ich stand genau da, wo dieser Künstler stand… und ich sehe ihn diese Linie machen…

Das hat meine Gespräche jahrelang beeinflusst. Es war eine Art Initiation - das vergisst man nicht. Das hat mich auch in meiner Arbeit geprägt, und das ist auch in meinem ALBUM zu sehen.

Ein schönes Schlusswort! Vielen Dank für das Gespräch!

Mehr über Bernd Brach: www.bernd-brach.de/

Das Buch ABLUM mit Arbeiten aus den Jahren 1972 - 202 kann ebenfalls über die Webseite bezogen werden oder in der KUNSTARCHE Wiesbaden.

GratulARTion! 1825 durch bürgerschaftliches Engagement gegründet, 2007 das „Museum des Jahres“ der AICA und immer im Wandel: Das Hessische Landesmuseum für Kunst & Natur in Wiesbaden macht nach dem furios gefeierten 200. Geburtstag mit mehr als 130.000 Interessierten (!) und einem Jubiläums-Jahr „voller Geschenke“ Furore.

Von Enkelin Angelica Jawlensky Bianconi zum Wiegenfest an die weltweit bedeutendste Kollektion großzügig übergeben, bietet der Nachlass „von den Seidenfliegen des Künstlers bis hin zu seinen Reisepässen“ einzigartige Einblicke in das Leben des Blaue-Reiter-Künstlers, der 20 Jahre in Wiesbaden gelebt und gewirkt hat. Nach der Überführung in 110 Umzugskartons von Locarno/Muralto nach Wiesbaden steht das „Forschungsarchiv Alexej von Jawlensky“ unter Leitung von Kustos Dr. Roman Zieglgänsberger und stellt ab 2027 „im Zuge einer großflächigen Neupräsentation“ Teile davon dauerhaft aus.

Politisches Medium: Information - Manipulation - (Kriegs-)Propaganda - Provokation. Gestaltung als Waffe. Die meinungsbildende Macht der Bilder zeigt die aktuelle Schau „Unter Druck - Politische Plakate 1918 – 1991“. Im Kontext des World Design Capital 2026 der Region Frankfurt RheinMain unter dem Motto „Design for Democracy“ zeigt

das MuWi in Kooperation mit dem Hessischen Landtag 80 Plakate der Privatsammlung Maximilian Karagöz. Zuvor verboten, prägte visuelle Werbung von Parteien, Verbänden und Bewegungen das Straßenbild in der Weimarer Republik.

Weltpremiere: Else Lasker-Schüler, Maria Franck-Marc, Gabriele Münter, Marianne von Werefkin & Co.: Die „Blauen Reiterinnen“ kommen!

Ab 2. Oktober 26 stellt die global erste Ausstellung gemeinsam mit dem Lenbachhaus München, dem Paula Modersohn-Becker-Museum Bremen und Fondazione Werefkin Ascona die Künstlerinnen des Blauen Reiters ins Rampenlicht.

„Diese Weltpremiere ist eine echte Freude. Mit „Women&Type“ rücken wir 2026 Design for Democracy und starke weibliche Persönlichkeiten in den Fokus“, frohlockt Museumschef Dr. Andreas Henning.

www.museum-wiesbaden.de

Text und Fotos: Gesine Werner

Jawlensky-Archiv,

Ophelias

Besuchsrekord, Bilder-Macht und Blaue Reiterinnen

Landes-Museum Wiesbaden macht mit einer Weltpremiere weiter Furore / Die „Blauen Reiterinnen“ kommen

Das MuWi als globaler Vorreiter: Ob Gabriele Münters „Blumenstilleben mit Sofa und Kissen“ oder Marianne von Werefkins „Herbst-Schule“ Die Weltpremiere rückt erstmals die bislang sträflich vernachlässigten und unterschätzten Künstlerinnen des Blauen Reiters in den Fokus.

Das „Home of Taylor Swift`s Ophelia“ lädt mit der Selfie-Ecke im Foyer zur Swiftie Tour mit Easter Eggs und Swiftie-Package als Gewinn. Der Ophelia-Hype befeuerte im Swiftbaden-Landesmuseum einen Besuchsrekord mit 20.000 mehr Interessierten als im Jahr vor dem Jubiläum.

Vielfältige Kunst im BBK Wiesbaden

Neue Mitglieder des Berufsverbandes in zwei Ausstellungen vorgestellt

BBK Wiesbaden – Wingel Mendoza, In den Händen die Erinnerung

Der BBK Wiesbaden startete mit einem kraftvollen Statement zur Vielfalt zeitgenössischer Kunst ins Jahr 2026: 15 neu aufgenommene Künstler*innen traten in den Fokus.

In zwei aufeinanderfolgenden Ausstellungen wurden die neuen Mitglieder erstmals gemeinsam der Öffentlichkeit präsentiert.

Die Arbeiten der Neumitglieder deckten ein breites Spektrum an Ausdrucksformen und Hintergründen ab. Sie vereinen individuelle Handschriften, internationale Biografien und aktuelle, gesellschaftlich relevante Fragestellungen. Damit spiegelt sich die Vielfalt der zeitgenössischen Kunst in ihrer ganzen Spannweite wider.

Unter den Neuankömmlingen gab es auch spannende neue Kunstformen: Jiaqing Li präsentierte Werke aus dem D-Druck, während Wingel Mendoza durch verschiedene Aktionen klangliche Räume eröffnete. In der zweiten Ausstellung zeigte Christa Sturm eine Adaption der Ophelia aus dem Jahr 2002 – personifiziert von ihr selbst – auf zwei Videospuren, inspiriert an den Ophelia-Referenzen des Museums Wiesbaden. Insgesamt war die gezeigte Kunst in-

BBK Wiesbaden – Anna Schamschula, Küchenschelle Knospe
BBK Wiesbaden – Christa Sturm, Ophelia (Videostill)

spirierend, innovativ, ideenreich und von großem Können geprägt. Die Ausstellungshöhepunkte verstehen sich als Einladung: Sie ermöglichen neue Perspektiven zu entdecken und den Dialog zwischen Kunst, Stadt und Publikum zu eröffnen. Die Veranstaltungen werden vom Kulturamt der Landeshauptstadt Wiesbaden unterstützt, das damit die kulturelle Vielfalt der Region weiter stärkt.

Ausstellung I: 2.1.-8.2.2026

Mit: Petra Boßhammer, Trixi Tjadke Böttcher, Datis Golmakani, Franziska Kuo, Jiaqing Li, Wingel Mendoza, Anna Schamschula, Barbara Wilhelmi

Ausstellung II: 1.2.-1..2026

Mit: Andrea Issabeigloo, Renate Kuby, Olga Ledis, Manocheher Seyed Mortazavi, Eric Schrade, Christa Sturm, Sylvia Wolf

BBK Wiesbaden

Marcobrunnerstraße 3 65197 Wiesbaden www.bbk-wiesbaden.de

BBK Wiesbaden Aktuelle Ausstellungen

im März 2026

Eröffnung

Die Ausstellung Druckkunst: „Elements of Print“

Der BBK Wiesbaden präsentiert zeitgenössische Positionen des künstlerischen Druckens, in denen Idee, Material und Prozess zu vielfältigen Ergebnissen wirken. Im Fokus steht das Zusammenspiel von Werk, Material und Raum, wodurch Druckgrafik als sinnliche, lebendige Kunstform mit überraschenden Wechselwirkungen erfahrbar wird.

Gezeigt werden Werke von Andrea Issabeigloo, Barbara Wilhelmi, Bettina Kykebusch, Mathias Kupferschmid und Mireille Jautz, die mit Metall, Stein, Papier und Stoff arbeiten.

Sie würdigt traditionell Hoch-, Tief-, Flach- und Durchdruck als immaterielles Kulturerbe der UNESCO Deutschland. höhepunkt ist der deutschlandweite Tag der Druckkunst am 15. März, bei dem Kunstschaffende, Werkstätten, Museen und Hochschulen die Aktualität moderner Druckkunst feiern.

6. März 2026 um 18 uhr

Geöffnet

Sa + So 7. bis 15. März 2026 von 14 bis 18 uhr

Die Ausstellung

„Material im Wandel“

Die Kunstausstellung rückt Materialien ins Zentrum des künstlerischen Ausdrucks. Materialien bestimmen Aussage, Form und Prozess und werden zum wesentlichen Bestandteil der Werke. Die gezeigten Arbeiten laden dazu ein, eine neue Wahrnehmung von Stofflichkeit und Bedeutung zu entdecken und verbinden traditionelle sowie zeitgenössische Materialien. Jedes Material besitzt ein eigenes Energie- oder Lebensprinzip, das durch Transformation über seine ursprüngliche Funktion hinausgeht.

Ausgestellt sind Werke von verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern, darunter Peter Bernhard, Wolfgang Blanke, Jeanette Clasen, Petra Ehrnsperger, Uta Grün, Angela Guthannß,

Gabrielle Hattesen, Renate Kuby, Olga Ledis, Romana Menze-Kuhn, Galina Protcheva, Roswitha Prüll, Usch Quednau, Ulla Reiss, Renate Schwarz Kraft, Riitta Soini, Christiane Steitz, Claudia Stöber und Uta Weil.

Eröffnung

27.03.2026, um 18 uhr

Geöffnet

Sa und So 28.3. bis 12.4.2026 von 14 bis 18 uhr

11.4.2026 zur „Kurzen Nacht der Museen und Galerien“ von 19 bis 24 uhr

BBK Wiesbaden: Elements of Print – Mireille Jautz – Sonnige Margarethe
BBK Wiesbaden: Material im Wandel – Peter Bernhard – Zipfelmütze

Andreas Pflüger, Foto: © SusanneSchleyer

KrimiMärz Wiesbaden

17 Veranstaltungen an sechs verschiedenen Spielstätten erwarten vom 3. bis zum 31. März kleine wie große Krimifans.

Zum Festivalauftakt wird der diesjährige Wiesbadener Krimistipendiat und vielfach ausgezeichnete

Autor Sven Stricker am Dienstag, . März im Literaturhaus Villa Clementine seinen neuen Kriminalroman „Sörensen geht aufs Haus“

vorstellen und sich mit der Journalistin Gesa Ufer über seine Arbeit als Schriftsteller, Drehbuchautor und Hörfunk-Regisseur unterhalten.

Im Literaturhaus sind am 5. März Andreas Izquierdo mit seinem amüsanten Krimi „Über die Toten nur Gutes“ und Anna Schneider mit ihrem neuen Krimi aus ihrer Grenzfall-Reihe am 10. März zu Gast.

Zu den Höhepunkten im Literaturhaus gehört auch die Lesung des dreifachen Preisträgers des Deutschen Krimipreises Andreas Pflüger. Er wird sein aktuelles Buch „Kälter“, für das er jüngst ausgezeichnet wurde, am 16. März vorstellen und sich dabei einmal mehr in die abgründige Welt der Geheimdienste begeben. Ebenso politisch wie spannend wird es, wenn am 26. März die Münchner Autorin Susanne Kaiser ihr KrimiDebüt „Riot Girl“ um eine Gruppe radikaler feministischer Aktivistinnen präsentiert.

Auch einige überregional bekannte Autoren aus dem Rhein-Main-Gebiet gehören zum Programm: Jan Costin Wagner hat am 18. März in der Kulturstätte Monta seinen neuesten Roman „Eden“ im Gepäck, der um die Themen Trauer und Schuld kreist.

Der in Wiesbaden beheimatete Bestseller-Autor Benjamin Cors liest am 4. März im Polizeipräsidium Westhessen aus seinem Thriller „Aschesommer“. Die Villa Schnitzler lädt am 7. März zu „R(h)einfällen“ mit Fenna Williams und Regina Schleheck. Für den Abschluss des Programms sorgt am 1. März die Autorengruppe Dostojewskis Erben im Literaturhaus Villa Clementine mit Kurzkrimis aus der aktuellen Anthologie „Hoch gestapelt – tief gefallen“, die sich auf die Spuren von Thomas Manns Hochstapler-Figur Felix Krull begibt.

Auch junge Krimi-Fans kommen wieder auf ihre Kosten: Am Mittwoch, 25. März, bei der Lesung von Maja Nielsen aus ihrem Jugendthriller „Das falsche Leben“ im Literaturhaus sowie am Dienstag, 1. März beim Workshop „Junior Detektive“ in der Mauritius-Mediathek. Auch das künstlerhaus4 steuert wieder einen Impro-Krimi und ein Grusel-Krimi-Dinner zum Krimimärz im Theater im Palast bei.

Programm und Infos unter: www.wiesbaden.de/krimimaerz

Henriette wird mit einem Frontalhirnsyndrom geboren. Die ersten Lebenswochen verbringt sie isoliert auf einer Intensivstation, getrennt von ihrer Familie. Diese frühe Erfahrung prägt ihr Verhältnis zu sich selbst und zu anderen. Heute kämpft sie mit einer Mischung aus hoher Sensibilität, emotionaler Überforderung und starkem Bedürfnis nach Nähe. Ihr Verhalten stellt immer wieder das System auf die Probe, das sie zugleich schützt und begrenzt. Konflikte mit Nachbarn, Behörden oder Betreuungseinrichtungen gehören zu ihrem Alltag. Trotz zahlreicher Rückschläge versucht Henriette, ein Leben außerhalb institutioneller Strukturen zu führen. Sie gilt als „Systemsprengerin“. Ihr Lebenspartner Guido begleitet sie trotz eigener familiärer Probleme. Er bietet Halt, vermittelt in Konflikten und schafft einen Rahmen, in dem Henriette Verantwortung übernehmen kann. Stella Tinbergen folgt den beiden mit geduldiger Kamera. Ohne Kommentar konzentriert sich der Film auf Alltagsmomente in denen Nähe und Distanz immer wieder neu ausgehandelt werden. Respekt! ist Henriettes zentrales

Stella Tinbergen geboren in Wiesbaden, arbeitet seit den frühen 1990er-Jahren als Regisseurin und Autorin von Dokumentarfilmen. In ihren Arbeiten widmet sie sich Menschen mit außergewöhnlichen Lebenswegen und der Frage, wie Kunst, Identität und gesellschaftliche Wahrnehmung miteinander verbunden sind. Tinbergen interessiert sich besonders für Persönlichkeiten, die auf ihre Weise gegen das Normative ankämpfen, in künstlerischer, psychologischer oder sozialer Hinsicht. Mit Henriette und Guido – Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte kehrt sie zu ihrem zentralen Thema zurück: dem Ringen um Selbstbehauptung, Anerkennung und Menschlichkeit in einer Welt, die für das Ungewöhnliche oft wenig Raum lässt.

Thema, das sich wie ein roter Faden durch den Film zieht. Und Respekt! fordert sie auf oft unkonventionelle oder auch anstrengende Weise ein. In Zusammenarbeit mit der Tanzpädagogin Tamara McCall findet sie Zugang zu ihrem Körper und ihrer Selbstwahrnehmung; eine abschließende Performance mit dem „bösen

Zaubervogel“ wird zur Auseinandersetzung mit Angst, Wut und Selbstbehauptung.

Der großartige und sehenswerte Film zeigt, wie zwei Menschen versuchen, mit psychischer Verletzlichkeit, gesellschaftlichen Erwartungen und persönlichen Grenzen umzugehen. Mit ruhiger Beobachtung und einem respektvollen Blick entsteht das Porträt einer Beziehung, die Fragen nach Abhängigkeit, Eigenständigkeit und Teilhabe aufwirft.

Die Musik der Pianistin Marina Baranova unterstreicht die emotionale Dynamik und verleiht den Beobachtungen eine atmosphärische Tiefe. Die Kameraarbeit von Sebastian Hattop bleibt nah an den ProtagonistInnen, ohne ihre Intimsphäre zu verletzen. Der Film vertraut auf den Rhythmus der Situationen und auf die Sprache der Bilder.

Die Produktion ist eine deutschsprachige Dokumentation aus dem Jahr 2024. Regie & Buch: Stella Tinbergen, Kamera: Sebastian Hattop, Schnitt: Marc Nordbruch, Komposition: Marina Baranova, Ton: Thomas Hamann, Sounddesign: Holger Jung, Tanzpädagogik: Tamara McCall, Produktion: Stella Tinbergen Dokumentarfilme, Strandfilm GmbH. Gefördert durch: HessenFilm, Nordmedia, Kulturamt der Stadt Wiesbaden, Stadt Osnabrück/Fachstelle Inklusion, Spielbank Wiesbaden, Europäischer Sozialfonds und Crowdfunding, Laufzeit: 102 Min. FSK: beantragt ab 12 Jahren

Der Trailer zum Film: https://youtu.be/ZcpnGoRwAkg Mehr zu Stella Tinbergen: www.tinbergen.de

Ein Jahr Galerie H22 unter Isleva Ein Gespräch mit Eva Heinelt und Steffen Ilg

Zwölf Ausstellungen in zwölf Monaten, internationale Kooperationen, lebendige Vernissagen zwischen Kunst, Musik und Poesie – das erste Jahr Galerie H22 unter der Leitung von Eva Heinelt und Steffen Ilg war intensiv, fordernd und inspirierend zugleich. Im Gespräch mit dem Magazin WIESBADENER*IN blicken sie zurück auf eine kreative Feuerprobe, sprechen über Nähe,

Vertrauen und die besondere Atmosphäre ihres Raumes – und geben einen Ausblick auf ein bewegtes Jahr 2026.

WIESBADENER*IN

Ein Jahr Galerie h22 unter Isleva! Wie war Ihr Jahr? haben Sie all ihre Ideen, Konzepte, Ausstellungen umsetzen können?

Eva heinelt: Es war ein Jahr, das kaum leise

war. Zwölf Monate, zwölf Ausstellungen – zwölfmal ein Raum, der sich verwandelt hat. Mit jeder Hängung, jedem Werk, jedem Gespräch ist etwas gewachsen. Nicht alles ließ sich exakt so umsetzen, wie wir es zu Beginn gedacht hatten. Aber vielleicht liegt gerade darin die Wahrheit eines Konzeptes: Es entsteht erst im Tun, im Raum, im Austausch.

Steffen Ilg:

Die hohe Frequenz hat uns gefordert – und zugleich geschärft. Im Laufe des Jahres hat H22 eine eigene Stimme entwickelt. Aus einer Idee wurde ein Ort mit Charakter.

WIESBADENER*IN

Was bedeutet es für Sie, eine Galerie zu leiten?

Steffen Ilg:

Eine Galerie ist Inspiration und Verantwortung zugleich. Hinter jeder Ausstellung stehen Gespräche, Transporte, Versicherungen, Terminabstimmungen – du vor allem Entscheidungen. Monat für Monat diese Qualität zu sichern und zugleich neue Sammlerinnen und Sammler zu erreichen, verlangt Ausdauer. Sichtbarkeit entsteht nicht zufällig, sie wird erarbeitet.

Eva heinelt:

Hinzu kommt die wirtschaftliche Realität: Eine Galerie lebt vom Verkauf, und davon leben auch die Künstlerinnen und Künstler. Wir zeigen ausschließlich Unikate – Arbeiten, die es kein zweites Mal gibt. Das bedeutet, jede Begegnung mit einem Werk ist einzartig. Aber es heißt auch, dass Vertrauen wachsen muss. Oft entstehen die entscheidenden Gespräche nicht während der Vernissage, sondern später, in ruhigen Momenten.

Diese leisen Prozesse gehören genauso dazu wie das sichtbare Ereignis.

WIESBADNER*IN

Was hat Ihnen besonders angetan?

Eva heinelt:

Das große Interesse der Künstlerinnen und Künstler hat uns tief berührt. Die Vielzahl der Anfragen war überwältigend. Es zeigt, dass unser Raum als ernstzunehmende Plattform wahrgenommen wird – als Ort, an dem Arbeiten nicht nur gezeigt, sondern ernsthaft betrachtet werden.

Steffen Ilg: Auch die Resonanz des Publikums

Galeristenpaar Steffen Ilg und Eva Heinelt in ihrem neuen Wirkungskreis - H22

hat uns überrascht. Viele Besucherinnen und Besucher kommen wieder, bringen Freunde mit, bleiben lange im Gespräch. Oft fiel der Satz „klein, aber fein“. Und genau darin liegt vielleicht unsere Stärke: Die Galerie ist überschaubar, aber konzentriert. Man verliert sich nicht – man begegnet sich.

WIESBADENER*IN

Was war besonders herausfordernd?

Steffen Ilg:

Die nachhaltige Verbindung zwischen Kunst und Sammlerschaft aufzubauen. Menschen für Originale zu begeistern, bedeutet mehr als ein Werk zu zeigen. Es bedeutet, Hintergründe zu vermitteln, Prozesse sichtbar zu machen, Vertrauen zu schaffen.

Eva heinelt:

Und gleichzeitig jede Ausstellung – ob Einzel- oder Gruppenausstellung – so zu gestalten, dass sie ein eigenes Narrativ erhält. Bei den Gruppenausstellungen etwa entstehen Spannungen und Dialoge zwischen unterschiedlichen Positionen. Diese Beziehungen im Raum bewusst zu komponieren, war eine anspruchsvolle, aber sehr bereichernde Aufgabe.

WIESBADENER*IN

Wie geht es weiter? Was 2026 geplant?

Steffen Ilg:

2026 wird ein Jahr im Weite. Wir freuen uns sehr, erneut an der Kurzen Nacht der Museen und Galerie teilzunehmen – in Kooperation mit der Galerie Pokusa.

Eva heinelt:

Die Vernissage findet bereits am Sonntag, den 22. März 2026 um 16 Uhr statt. Noch bevor sich die Stadt in die lange Kunstnacht begibt, öffnen wir den Raum für einen intensiven Auftakt.

In diesem Rahmen werden meine Arbeiten unter dem Künstlernamen Isleva sowie die Werke der polnischen Künstlerin Ewa Stefanski in einem bewussten Kontrast treten – entspannte Gegenständlichkeit eben abstrakter Spannung. Zwei künstlerische Sprachen, die sich begegnen.

Steffen Ilg:

Auch bei Tatorte Kunst Wiesbaden 2026 wird es eine abwechslungsreiche Gruppenausstellung geben. Darüber hinaus planen wir Einzelausstellungen mit Wiesbadner

Künstlern wie Ulrike Böhm, Theo Kemen, Horst Rothe und Dr. Jan Claussen.

Eva heinelt:

Ein besonderer Moment wird das 25-jährige Jubiläum des deutschpolnischen Kunstvereins Pokusa sein. Dieses feiern wir in und vor der Galerie – mit namhaften polnischen Künstlerinnen und Künstlern. Es wird ein Fest der Begegnung, offen zur Straße, offen zur Stadt.

Steffen Ilg:

Und doch bleibt alles in Bewegung. Planung ist für uns kein starres Raster, sondern ein lebendiger Prozess. Ideen verschieben sich, verdichten sich, wachsen weiter. Diese Dynamik hält H22 lebendig.

WIESBADENER*IN

Gibt es etwas, worüber Sie gerne noch sprechen möchten?

Eva heinelt:

Für uns ist H22 ein lebendiger Organismus. Der Raum verändert sich mit jeder Ausstellung, mit jedem Blick, mit jedem Gespräch. Manchmal entsteht Stille, manchmal lebhafte Diskussion. Und beides hat seinen Wert.

Steffen Ilg:

Vielleicht auch darüber, dass Kunst in einer Zeit permanenter Beschleunigung einen Gegenpol schaffen kann. In der Galerie verlangsamt sich der Blick. Man bleibt stehen. Man nimmt wahr. Ein Originalwerk fordert Aufmerksamkeit – es lässt sich nicht „überfliegen“.

Foto oben: Galerieimpressionen

Fotos Mitte und rechts unten: Ausstellung Querschnitt, Theo Kemen bis 20. März 2026

Gleich anschließend lädt h22 (eine Zusammenarbeit mit Galerie Pokusa) zur Ausstellung Eva & Ewa am 22. März 2026 ein (siehe Flyer links unten)

Galerie h22 herderstraße 22 65185 Wiesbaden www.galerieh22.de

Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung der Galerie H22 und den Ausstellenden.

Ohne Zwerge & Matrosen geht bei der inklusiven Truppe vom Theater Anders gar nix: Die Schultheatertage 2026 werden von Dornstilzchen, Aschpunzel, Sternwittchen und der hübsch coolen Bande aus dem Märchenwald aufgemischt.

Matrosen, Zwerge, Schnarch-Wolf & Rotkäppchen im Märchenwald

Inklusives Theater Anders bürstet bei den Schultheatertagen die Brüder Grimm gegen den Strich

Es war einmal… Spinnrad, Krone, Zipfelmützen, „ein Stern, der Deinen Namen trägt“ und ein Schwarzmagier auf der Szene. Die Schultheatertage 2026 am Musentempel Wiesbaden vom 16. bis 20.März 2026 werden gleich zum Auftakt von Dornstilzchen, Aschpunzel, Sternwittchen und der munter coolen Bande aus dem Märchenwald aufgemischt.

Die „coole Bande“ steht für Spielwitz & knochentrockenen Humor, agiert genderfluid bis zum Happy End. Überraschung! „Die Philipp“ gibt das Rotkäppchen, warum auch nicht. Kutsche war gestern. Skateboard ist en vogue. Im Märchenwald ist ganz schön was los. Gesungen und getanzt wird natürlich auch.

Das „Theater Anders“ im Semiramis e.V. macht seinem Namen alle Ehre. Zuverlässig wird für ein knallvolles Haus gesorgt und für ein lautstark begeistertes Publikum, das sich in jeder Vorstellung wie Bolle „ganz köstlich amüsiert“. Die Wiesbadener Eigengewächse, seit 2002 die munter kreative Truppe von Kulturpreisträgerin Priska Janssens, bürsten nach Shakespeares „Romeo und Julia hoch 4“ im Vorjahr heuer bei den Schultheatertagen 2026 die Grimmsche Sammlung gegen den Strich. Was haben Matrosen mit den GrimmBrüdern zu tun? Und warum hat Schneewittchen keinen hübsch zipfeligen Zwergen-Hut?

Unter Leitung des Teams Priska Janssens, Christine Rupp-Kuhl & Helga Freitag hat Kreativität in den Proben Konjunktur. Improvisation ist Trumpf. „Die stillen Wasser kommen immer ganz zum Schluss und dann sprudeln sie“, zeigt die Erfahrung. Alle sind voll Elan dabei - ob Special Olympics-Siegerin Chloé Beloin oder Theater Anders-Urgesteine wie Julius Müller & Björn Stende. Und zum Finale der Schultheatertage wird der Festivalfilm von Olaf Hermann gezeigt, der das Theater Anders schon lange begleitet. www.hotspot-theater.de

Interessierte wenden sich an: p.janssens@hotspot-theater.de

Text und Foto: Gesine Werner

„Nachwuchsförderung ist uns ein wichtiges Anliegen“: Konzertpianistin Sigrid Jennes-Müller, langjährig engagierte Vorsitzende der BrahmsGesellschaft Wiesbaden-Rheingau, lädt im Wonnemonat zur Jubiläumsfeier mit Überraschungen „aus einer Schatzkiste“ in den Festsaal der Freimaurerloge Plato.

Aber Fesseln tragen kann ich nicht

Brahms-Gesellschaft Wiesbaden-Rheingau e.V. feiert im Wonnemonat 40 Jahre Engagement mit Überraschungs- Jubiläumsfeier

Ein Jubeljahr mit exzellenter Note: Im Februar war Pianistin Komponistin Louise Langhans-Japha ein hochkarätiges Gesprächskonzert mit einem Ensemble aus Freiburg zum 200. Wiegenfest gewidmet. Die Wahlwiesbadenerin und Brahms-Jugendfreundin führte ein musikalisches Album mit Widmungen befreundeter Komponisten.

„Aber Fesseln tragen kann ich nicht“. Die am 17. August 1986 gegründete Brahms-Gesellschaft Wiesbaden-Rheingau e.V., mit engen Kontakten zu Brahmsgesellschaften in Hamburg, Baden-Baden und Schleswig-Holstein, lädt am 9. Mai 26 zum Jubiläumsfest „mit Überraschungen aus einer Schatzkiste“ in den Festsaal der Loge Plato. Schmankerl für Auge, Ohr & Gaumen warten.

„Johannes Brahms als Menschen zu erleben mit Blicken hinter die Kulissen ist uns ein Anliegen. Nachwuchsförderung liegt uns am Herzen“, betont Vorsitzende Sigrid Jennes-Müller die Kooperation mit der WMK. „Bühne frei“ für WMK-Studierende am 27.9.26 um 11 Uhr. Der Clou: Am 8. November 26 beginnt um 11 Uhr die Matinee mit der ausgezeichneten Mezzosopranistin Silvia Hauer.

Der am 7. Mai 18 in Hamburg geborene Weinkenner Johannes Brahms hatte speziellen Bezug zu Wiesbaden-Rheingau. Der Hanseat konzertierte 1876 im Kurhaus und verbrachte 188 einen „Symphonischen Sommer“ im idyllischen Logis an der Schönen Aussicht 7 mit Vollendung seiner „Wiesbadener Sinfonie“, die Sinfonie Nr.  F-Dur, op.90. Das Klarinettenkonzert der Brahmsgesellschaft im November 2025 im Brahmsdomizil rühmte Staatstheater-GMD Leo McFall als „etwas ganz Besonderes“.

Wiesbadener Brahms-Pflege hat Tradition. Furtwängler und Schuricht hatten 1921 die großen Brahms-Feste wiederbelebt.

www.brahms-gesellschaft.de

Text und Foto: Gesine Werner

Draußen Schnee, drinnen stilvolle warme Atmosphäre: Eine der letzten Proben im Hinterhof-Palazzo mit der künstlerischen Leiterin Mary Lou Sullivan-Delcroix, Lucie Melville und Barbara Menges.

Der Fall Carl Goldmark

Im Hinterhof-Palazzo zelebriert Mary Lou SullivanDelcroix ihren „Schwanengesang“ mit einem musikalischen Sternstündlein

„Alles muss möglich sein.“ Mary Lou Sullivan-Delcroix, Sopranistin und Prinzipalin der „Werkstatt für Gesang, Spiel und Sprache im Hinterhof-Palazzo“, wichtige Protagonistin der Anthologie „Erlebte(r) Geschichte(n)“ von Gesine Werner, kündigt ihren „Schwanengesang“ an.

Zur Derniére bittet die „Belcantina“, die in Boston mit großem Erfolg Sr. Constance in Poulenc` „Dialoge der Carmeliterinnen“ sang, ein letztes Mal zu einem besonderen Abend: „Der Fall Goldmark - Der Komponist Carl Goldmark und seine Freunde Johannes Brahms und Johann Strauss“ geht am 18. April 26 (20 Uhr) und am 19. April 26 (17 Uhr) über die Bühne des stilvollen Hinterhof-Palazzos.

Als Komponist ein Autodidakt, war der Theatergeiger und Musiklehrer Ende des 19. Jahrhunderts sehr populär. Karl Kraus sah in ihm nach Richard Wagner Tod „den größten lebenden Musikdramatiker“. Bekanntestes Werk des in Ungarn geborenen Sohn eines jüdischen Chasans, ist die opulente Oper „Die Königin von Saba“ (1875), die ihn über Nacht berühmt machte. Bis zum Verdikt der Nationalsozialisten 196 wurde die „Königin“ an der Wiener Staatsoper gespielt.

Gustav Mahler, später Dirigent dreier Goldmark-Opern, verübelte ihm das Versagen des Beethoven-Preises. Jean Sibelius wurde als Goldmark-Schüler um seinen Lehrer beneidet.

Am wohltemperierten Flügel begleitet von Jürgen Schmidt, bringen die Goldkehlchen Ute Hilgenberg, Erica Trimpe, Barbara Menges, Doris Greiner, Lucie Melville, Veronika List und Uta Müller die Fülle des Wohllauts zu Gehör. Aus Notizen über Leben und Werk des Musikers und Kaffeeliebhabers Goldmark liest Gabriele Regensburger.

Im Wonnemonat ist dann Schluss mit lustig: Am 16. Mai 26 beginnt um 17 Uhr das Grande Finale mit vielen Überraschungen.

info@hinterhof-palazzo.de.

Text und Foto: Gesine Werner

Über 40 Jahre lang ein unzertrennliches Ehepaar, bühnenbegeistert Konrektorin und Kindertheaterstudio-Gründerin Christine Rupp-Kuhl und Neurologe-Psychiatrie-Professor Dr. med. Wolfgang Kuhl, der auch als leidenschaftliches Theater Anders-Urgestein geliebt wurde

Menschlicher Brückenschlag zwischen Medizin und Kultur

Abschied von Professor Dr. med. Wolfgang Kuhl Er war eine ganz besondere Persönlichkeit, ein freundlich zugewandtes Multitalent zwischen Medizin und Kultur - ein Mensch gewordener Brückenschlag. Im Alter von 95 Jahren ist Professor Dr. med. Wolfgang Kuhl, 1970 Mitgründer der Wiesbadener Mayo Klinik DKD, kurz vor Weihnachten gestorben. In einer bewegenden Trauerfeier wurde der in Olbernhau, Kreis Marienberg geborene Mediziner und Psychotherapeut auf dem Waldfriedhof Dotzheim bestattet.

Mütterlicherseits der Familie von Laer entstammend, väterlicherseits Spross einer Dynastie von Geistlichen, Rektoren und Amtmännern, war der Oberarzt der Neurologie an der Uniklinik Freiburg zeitweise Gast-Arzt in Lyon Der DKD-ler der ersten Stunde war vielfach Autor psychiatrischer Fachliteratur.

Schon als Knabe Statist in Freiburg mit „einem Hang zu Ballett“, waren dem „Theater Anders“-Urgestein Behinderte seit Kindesbeinen vertraut. Opa Johannes Kuhlo war Pfarrer der Bodelschwingh-Anstalten, leitete Haus Nazareth in Bethel. „Professor Cool“ war langjähriger Vorsitzender von SEMIRAMIS, dem gemeinnützigen Verein für interdisziplinäre Kunst und Bildung e.V., dem Träger des 2002 gegründeten „Theater Anders“. Ehefrau Christine Rupp-Kuhl, frühere Konrektorin der Kohlheck-Schule und KindertheaterstudioGründerin unterstützte er als Tontechniker.

Das Paar ging im Bürgerradio mit „Semiramis Kultur für Alle“ live auf Sendung. Der legendäre Intendant Claus Leininger, enger Familienfreund, coachte ihre Theaterarbeit. Dem Tango unter Anleitung von „Don Tango“ Gabriel Sala zugetan, nahm der musisch Begabte sein Premieren-Abo im Wiesbadener Musentempel begeistert wahr.

Das Cello war sein Instrument, die beseelte Mitwirkung von Cellist-Komponist Cornelius Hummel an der Trauerfeier ein berührender Freundschaftsdienst.

Text und Foto: Gesine Werner

Unter Druck

Museum Wiesbaden präsentiert politische Plakate zwischen 1918 und 1933

Unter Druck, eine neue Plakatausstellung im Museum Wiesbaden zeigt auf, wie visuelle Kommunikation zwischen 1918 und 19 von der Politik genutzt wurde: Zur Information, zur Einflussnahme aber auch zur Manipulation.

Vom 6. Februar bis zum 9. August 2026 verdeutlichen 80 Plakate aus der Sammlung des Wiesbadeners Maximilian Karagöz, wie einfach Bilder Emotionen schüren, Feindbilder schaffen oder politische Stimmungen fundamentieren oder anheizen können.

Im Gegensatz zur kommerziellen Werbung besitzt das politische Plakat in Deutschland keine lange Tradition. In Preußen existierten von 1849 bis 1914 rigorose Gesetzgebungen, das Werbung für politische Inhalte weitgehend verhinderte. Mit dem Ersten Weltkrieg erfolgte ein Umschwung und erstmals vermischten sich politische Inhalte mit den werberischen Plakatgestaltungen auf den Litfaßsäulen im öffentlichen Raum.

„Der November 1918 als Geburtsstunde der Weimarer Republik kann als Beginn der Blütezeit des politischen Plakats bezeichnet werden“, sagt Kurator Peter Forster. Plakate waren auf Litfaßsäulen, Bauzäunen, Schaufenstern, Häuserfassaden und Mauern präsent, klebte auf mobilen Propagandawagen oder den Umhängetafeln der „Sandwichmen“.

Sie wurden immer großformatiger und farbiger, um die größtmögliche Aufmerksamkeit zu erhalten. „Die Massenproduktion, ermöglicht durch die industrielle Revolution, hatte der Plakatwerbung eine neue Bedeutung zukommen lassen. Viele Kunstschaffende widmeten sich um 1900 diesem Medium und verhalfen ihm zu Ansehen und Anerkennung, insbesondere auch aus dem Kreis des Jugendstils.

Nach ‚Plakatfrauen - Frauenplakaten‘ knüpft hier das Museum Wiesbaden mit seiner zweiten, diesem Medium gewidmeten Ausstellung an“, so Forster.

www.museum-wiesbaden.de

Memory in Action: Marcelo Brodsky

Marcelo Brodsky zählt heute zu den bedeutendsten Künstlern Lateinamerikas.

Als Fotograf, bildender Künstler und internationaler Menschenrechtsaktivist konzentriert er sich in seinem Werk insbesondere auf Bildsprache und Erinnerung.

Menschenrechtsverletzungen waren und sind ein zentrales Thema der Kunst von Marcelo Brodsky. Internationale Bekanntheit erlangte Marcelo Brodsky mit seiner Serie „Buena Memoria“ (1997), die die Deportation und Ermordung einiger seiner Klassenkameraden und seines Bruders Fernando Brodsky während der Militärdiktatur in Argentinien thematisiert. Weitere Serien folgten, darunter „1968 – Das Feuer der Ideen“, „Afrika im Kampf für die Freiheit“, „Mandela“ und „Black Lives Matter“. Das Kunsthaus Wiesbaden zeigt ab 26. März bis 28. Juni 2026 eine Auswahl seiner Werke.

Erstmalig wird auch eine Werkserie präsentiert, die während der Ausstellungsvorbereitung entstand. Kurator Professor Dr. Márcio Seligmann-Silvia ist ein Nachkomme der jüdischen Familie Marxheimer aus Wiesbaden. Fotos aus seinem Familienalbum wurden von Marcelo Brodsky künstlerisch bearbeitet. An Mitglieder der Familie Marxheimer wird an der Gedenkstätte für die ermordeten Wiesbadener Jüdinnen und Juden erinnert, die sich wenige Schritte vom Kunsthaus am ehemaligen Standort der Synagoge befindet. So gelingt ein Brückenschlag zwischen der Ausstellung und schicksalsvoller Lebenswege verfolgter Menschen.

Die Ausstellung wird in Kooperation mit „MISHPOCHA: The Art of Collaboration“ des Jüdischen Museum Frankfurt und im Rahmen von World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 gezeigt.

Ausstellungseröffnung: Mi, 25. März 2026, 19 Uhr www.wiesbaden.de/kunsthaus

MUNICH 1968, Marcelo Brodsky
Museum Wiesbaden ,Theresa Duck

Othova‘, Bierlicky‘, Richter:

The world through lenses, in pixels and digital Fluidity

Mit dieser Ausstellung richtet das Ludwig Museum in Koblenz den Blick erneut auf die Kunstszene der benachbarten Tschechischen Republik und widmet sich dabei sowohl zeitgenössischen fotografischen Positionen als auch der Frage, inwiefern Bildinformationen im Zeitalter der Digitalität zu hinterfragen sind und wie sehr sie einer ständigen Veränderbarkeit unterliegen.

Mit Markéta Othová präsentiert das Ludwig Museum erstmals eine Künstlerin in einem Museum in Deutschland, die in der Tschechischen Republik für ihre ebenso lakonische wie sensible Sicht auf die Dinge des Alltags überaus bekannt ist. Ihre Arbeiten sind meist auf Schwarz-Weiß reduziert. Markéta Othová verglich ihre Aufnahmen einmal mit Worten, die im Zusammenspiel Sätze bilden. Für sie ist das Arrangement der Werke zentraler Bestandteil der künstlerischen Praxis.

In den Gemälden von Kamila B. Richter sowie in den digitalen Arbeiten von Michael Bielický dreht sich alles um die Frage nach der Bildrealität. Während Kamala B. Richter noch klassisch in Ölmalerei malt, nimmt sie die verpixelten, „gestörten“ Fotografien von Mobiltelefonen, Bildschirmen oder Bildschirmscreens ausschließlich als Ausgangspunkt. Erst bei längerem Hinsehen fügen sich die Motive fragmentarisch wieder zusammen. Im Fokus ihres Interesses steht die medialisierte Wirklichkeit von heute, das Maschinensehen – die Darstellung dessen, was das menschliche Auge verborgen bleibt.

Für Richter wird das limitierte Phasenbild unscharfer Videos so zum eigentlichen Abbild von Realität. Diese verfremdete, medialisierte Realität als Bildinhalt und die altmeisterliche Technik der Ölmalerei, in der sie ihre Werke in wochenlanger Schichtungs-Arbeit umsetzt, machen die Spannungsverhältnisse der heutigen visuellen Kultur sichtbar und erfahrbar. Mit ihrem Partner Michael Bielický wendet sie sich zuweilen auch ganz der Digitalwelt zu.

Die Ausstellung geht bis 24. Mai 2026. www.ludwigmuseum.org

Stephan Sulke: Sulke live 2026

Sulke kehrt auf die Bühne zurück und präsentiert eine Mischung aus Klassikern, Raritäten und neuen Überraschungen.

Der Künstler, der sich selbst als Sänger, Komponist, Texter, Pianist, Gitarrist, Autor und Maler versteht, bleibt ein feiner Beobachter mit Gefühl und Authentizität. Seine markante Stimme und sein unverwechselbarer Stil machen ihn seit Jahrzehnten zu einem der wichtigsten Liedpoeten im deutschsprachigen Raum. Neben Evergreens wie Uschi und Der Mann aus Russland erklingen auf dem Programm auch neue Fundstücke, die Sulkes Gespür für Sprache und Melodie erneut hörbar machen. Ein Konzertabend, der Erinnerungen weckt – und neue setzt.

Sulke live 2026 am Samstag, den 9. Mai 2026, um 20 Uhr in Worms

Veranstaltungsort:

Das Wormser I Rathenaustraße 11 I 67547 Worms

Ticketinformationen:

• Vorverkauf: 8,00 Euro

• Abendkasse: 40,00 Euro

• Karten erhältlich beim TicketService Worms, Rathenaustr. 11 (im WORMSER), bei allen Ticket-regional-VVK-Stellen sowie online unter www.das-wormser.de

Mehr zu Stephan Sulke: www.stephansulke.com

Verlosung

WIESBADEnER*In verlost 1x2 Karten für das Stephan Sulke Konzert in Worms am 9. Mai 2026! Bitte beantworten Sie folgende Frage: Wie heißt die aktuelle, limitierte cD von Stephan Sulke? Antworten bitte bis zum 19. April 2026 an: mail@media-futura.de

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. MitarbeiterInnen aus dem Verlag sind von der Teilnahme ausgeschlossen.

Stephan Sulke, Foto: © Frank-Schumann
Markéta Othová, Ludwig Museum Koblenz

Dank WDC: Ein neuer Ort der Kultur in Wiesbaden

Wiesbaden im Frühjahr 2026: In der Fußgängerzone klirren Kaffeetassen, Schritte hallen über das Pflaster der Langgasse – und hinter den Schaufenstern eines leerstehenden Kaufhauses wächst eine Idee, die größer ist als jeder Schlussverkauf. Wo einst Sportschuhe und Outdoorjacken über die Ladentheke gingen, entsteht nun ein Möglichkeitsraum.

Denn 2026 ist die hessische Landeshauptstadt Teil einer internationalen Bühne: Gemeinsam mit der Metropolregion Frankfurt RheinMain trägt Wiesbaden den Titel World Design Capital 2026 – vergeben von der World Design Organization.

Unter dem Leitmotiv „Gestalten wir gemeinsam Frankfurt RheinMain“ wird ein Jahr lang sichtbar, wie Design mehr sein kann als Form und Farbe: ein Werkzeug für Demokratie, Innovation und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Eine Region im Fokus der Welt

Die World Design Capital wird alle zwei Jahre an Städte und Regionen vergeben, die Design strategisch einsetzen – um gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Herausforderungen zu meistern. 2026 richtet sich der Blick der internationalen Designszene auf Frankfurt RheinMain.

Über Monate hinweg füllen Projekte, Ausstellungen, Festivals und Konferenzen das Programm. Sie zeigen, wie Gestaltung unser Zusammenleben prägt – von der Stadtentwicklung über Bildung und Wirtschaft bis hin zur Zivilgesellschaft.

Wiesbaden ist dabei nicht nur Mitläufer, sondern Mitgestalter: Rund 0 Projekte aus und in der Stadt sind ins offizielle Programm aufgenommen worden. Kulturinitiativen, Kreativschaffende, Hochschulen, Unternehmen und Vereine arbeiten zusammen – und öffnen Räume für neue Allianzen.

Vom Kaufhaus zum Möglichkeitsraum

Ab Mai wird es konkret: Das ehemalige SportScheck in der Langgasse 5–9 verwandelt sich in den WerkRaum Wiesbaden. Mitten in der Innenstadt entsteht ein Hotspot für Gestaltung und Dialog.

Initiiert von der Stiftung Stadtmuseum Wiesbaden, der Architektin Sandra Düsterhus (POINT.Architektur) sowie Prof. Jörg Waldschütz und Studierenden des Studiengangs Kommunikationsdesign der Hochschule RheinMain, wird das leerstehende Gebäude neu gedacht – als Labor für Austausch, Ideen und Beteiligung.

Bis Oktober 2026 präsentiert sich hier der „WerkRaum Wiesbaden“: Ausstellungen, Talks, Workshops und partizipative Aktionen machen das Gebäude zu einem lebendigen Treffpunkt. Nicht Konsum steht im Mittelpunkt, sondern Begegnung.

WerkRaum Wiesbaden, Foto: © POINT. Architektur / luxfeld digital art

„Democratize Consumption!“ – Wenn Konsum politisch wird

Im selben Raum beginnt ein weiteres ambitioniertes Projekt: die Gründung eines Museums für Konsumkultur.

Der Auftakt trägt den Titel „Democratize Consumption! – Vom Warenhaus zur Shopping-App“. Die Ausstellung schlägt einen Bogen von den prunkvollen Konsumpalästen des 19. Jahrhunderts bis zu digitalen Warenkörben unserer Gegenwart.

Projektinitiatorin Janine Seitz bringt es auf den Punkt: Vielen sei gar nicht bewusst, „wie eng die Entstehung der Demokratie und die Entwicklung unserer Konsumkultur verwoben sind“.

Tatsächlich versprachen die ersten Warenhäuser Zugang für alle – sie waren Orte der Gleichheit im Alltag. Heute hingegen stehen Demokratie und Konsum gleichermaßen unter Druck: Inflation, wirtschaftliche Unsicherheiten, das Ringen um Nachhaltigkeit. Und die Innenstädte? Sie kämpfen gegen den globalen Onlinehandel.

Die Pop-up-Ausstellung ist daher Geschichtsmuseum und Zukunftslabor zugleich. Besucherinnen und Besucher sollen nicht nur schauen, sondern mitdenken:

Wie wollen wir künftig konsumieren? Welche Rolle spielen Innenstädte? Und wie lässt sich Teilhabe neugestalten?

Die Innenstadt neu erfinden

Dass klassische Einkaufsmeilen an Bedeutung verlieren, gilt inzwischen als breiter Konsens. Die Zukunft liegt nicht im Mehr an Waren, sondern im Mehr an Aufenthaltsqualität.

Das ist auch Thema des Teams des Wiesbadener Citymanagements. „Wir kümmern uns um Stadtgestaltung und Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum, organisieren erlebnisorientierte und identitätsstiftende Veranstaltungen, fördern Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistungen, arbeiten in Netzwerken und Gremien oder kümmern uns um Standortkommunikation, Leerstandsmanagement und Bürgerbeteiligung“, erklärt Citymanager Ackermann die Kernaufgaben seines Teams. Kurz gesagt: Es geht darum, Orte des Treffens statt Orte des Kaufens zu schaffen.

Das ehemalige Kaufhaus wird so zum Symbol für diesen Wandel. Ein Raum, der einst vom schnellen Umsatz lebte, wird nun zur Plattform für Diskussion, Kreativität und demokratische Auseinandersetzung.

Ein Fest für die Stadtgesellschaft

Am 2. Mai 2026 öffnet der neue Werkraum mit einem Ganztagesprogramm seine Türen. Es soll ein Fest werden – ein sichtbares Zeichen dafür, dass Wiesbaden in seiner Mitte einen neuen kulturellen Ort gewonnen hat.

Was hier beginnt, reicht über das Designjahr hinaus. Die Beteiligung an der World Design Capital stärkt langfristig die Kreativwirtschaft, fördert innovative Stadtentwicklung und baut Brücken zwischen Wirtschaft, Kultur und Bürgerschaft.

Und während draußen das Leben durch die Langgasse fließt, wird drinnen diskutiert, entworfen, gestritten, gelacht.

Wiesbaden zeigt 2026, dass Design mehr ist als Ästhetik.

Es ist eine Haltung. Eine Einladung. Und vielleicht der Anfang einer neuen Stadtkultur.

Alle weiteren Infos unter: www.wiesbaden.de/kultur/kulturerleben/veranstaltungen/WDc

Das erwartet die Besucher im WerkRaum Wiesbaden, Foto: © POINT. Architektur / luxfeld digital art / Stefanie Lindinger

„Ziemlich beste Freunde“: Alyona Rostovskaya, als „Sängerin des Jahres 2025“ nominiert, gewährte beim „Kulissengeplauder“ der Gesellschaft der Theaterfreundinnen und -freunde deren Vizechefin Katharina Queck Einblicke ins Nähkästchen

Theater als Ort des Bewahrens, Erinnerns und Weiterdenkens für Alle

Queere Operette und 130. Internationale Maifestspiele mit Placido Domingo am Hessischen Staatstheater Wiesbaden

Ein Ort des Bewahrens, Erinnerns & Weiterdenkens: In ihrer ersten Spielzeit am Hessischen Staatstheater Wiesbaden thematisieren Dorothea Hartmann und Beate Heine „Erbe und Vermächtnis“.

Die Intendanz-Novizinnen geben dem Jubiläum der 10 JA!re wirkenden Internationalen Maifestspiele Wiesbaden das Motto „Theater für Alle“, avisieren Weltstar Placido Domingo und Stars wie Rachel Willis-Sorensen, Barrie Kosky, Bjarne Mädel & Wolfram Koch, das Malandain Ballet Biarritz & Gob Sqad. Das Junge Staatsmusical von Iris Limbarth feiert Silberjubiläum.

Das Festival als „lebendiges Archiv“ startet mit kostenlosen „Maifestspielen für Alle“ und inklusivem Familienfest, lädt zum Opern-Air

am Warmen Damm. Tiago Rodrigues setzt Wagners „Tristan und Isolde“ in Szene, GMD Leo McFall dirigiert. Lasst Puppen und Giraffen tanzen durch die Stadt. GMD Jonathan Nott und Ric Furmann sind in Wiesbaden, die Wiener „Burg“ kommt. People Watch aus Kanada bieten Tanz & Zirkus.

„Ziemlich beste Freunde“: Im angeregten „Kulissengeplauder“ von Theaterfreunde-Vizechefin Katharina Queck blickte Alyona Rostovskaya aus Jaroslawl, nominierte „Sängerin des Jahres 2025“ und für strahlende Sopranpartien von „Salon Strozzi-Salon“ über „Judith“ bis zu „Rusalka“ und dem archaischen „Schneeflöckchen“ gefeiert, gut gelaunt ins persönliche Nähkästchen.

Es lebe die Operette in Regenbogenfarben! Als uraufgeführter Geniestreich kommt das musikalisch-

optische Vergnügen daher. Vielfalt geht zu Herzen. „Alles Liebe! Eine queere Landoperette“ vereint aufs Schönste Musik (Misha Cvijovic), Buch & Liedtexte (Philipp Amelungen) und Zusatztexte (Jo Stiewen), arrangiert von Michael Ellis Ingram.

Pleite ist das Dorf „im hessischen Outback“, im Wahlkampf ist die Bürgermeisterin mit nonbinärer Tochter. „Ein bisschen mehr Flitter, Glamour“ muss her!

„Ich bin ich!“ In Anna Webers munterer Regie unter inspirierter Stabführung von Paul Taubitz stimmt alles: Stella Lennerts „malerische“ Bühne, Alexander Djurkov Hotters „sprechende“ Kostüme, Thomas Helmut Heeps Choreografie. Silvia Hauer, Fabian-Jakob Balkhausen, Danai Simantiri, Jonathan Macker, Joshua

Sanders, Sharon Kempton, Fleuranne Brockway, Sascha Zarrabi und „Lady La Drill“ Kelly Heelton - ein bravouröses Ensemble. Die queere Operette knüpft an den legendären „Käfig voller Narren“ an. Begeistertes Premierenpublikum feiert mit Szenenbeifall und endlosem Jubelapplaus.

Alles ziemlich steril hier. Social Media-Optik satt. „Romeo und Julia“ minus Romantik. Stahlbrücke, Kosmetikliege, Nagelstudio, grelle Klamotten (Bühne/Kostüm: Aleksandra Pavlovic). Charlotte Sprenger verpasst in ihrem Wiesbaden-Debüt Shakespeares Liebenden von Verona aktuellen crossgenderLook, zeigt starke Frauenfiguren, zitiert Brecht und Werther, lässt mit Messer und Pistole fuchteln: „Schuss!“ Gefochten wird nicht, aber gesungen á la Jürgen Marcus 1972: „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“.

Erkennbar leidenschaftlich agiert das Ensemble: Maria „Julia“ Wördemann, Abdul Aziz „Romeo“ Al Khayat, Schwester (!) Lorenzo/ Apothekerin: Süheyla Ünlü, Shakespeares Amme heißt jetzt Anne: Sandrine Zenner, Sybille „Mercutio“ Weiser, Adi „Benvolio“ Hrustemovic, Timur „Tybalt“ Frey, Lasse Boje „Graf Paris“ Haye Weber, Kevin „Peter“ Krougliak. Prägnante Patriarchen sind Martin „Capulet“ Plass und Michael „Montague“ Birnbaum. Kurzer Premierenbeifall. Die junge Sitznachbarin findet es „verwirrend, recht unterhaltsam“.

Selten gespielt, wird Nikolai Rimski-Korsakows auf einem Märchen fußende Parabel „Schneeflöckchen“ in Maxim Didenkos bildkräftiger Inszenierung (Bühne/Kostüm Galya Solodovnikova) unter GMD Leo McFalls straffem Dirigat des differenziert agierenden Staatsorchesters und dem passioniert „mitspielenden“ Opernchor (Aymeric Catalano) zum gefeierten Erfolg. Für vokale Brillanz stehen Josefine Mindus, Camille Sherman, Alyona Rostovskaya, Fleuranne Brockway, Young Doo Park und Richard Trey Smagar.

Text und Fotos: Gesine Werner

Ein selten romantischer Moment für Shakespeares Liebende von Verona: Romeo (Abdul Aziz al Khayat) und Julia (Maria Wördemann) schweben im siebten Himmel über der dramaturgisch relevanten Stahlbrücke und dem allgegenwärtigen Videobild.

Überraschung! In Stefan Puchers poppiger Büchner-Version ist auf Nina Pellers Laufsteg-Bühne mit seitlichen Videowänden bei Leonce (Lennart Preining) und Lena (Tabea Buser) neben König Peter von Popo (Christian Klischat), Valerio (Jonas Grundner-Culemann), und Valeria (Trang Döng) auch Woyzeck (Abdul Aziz al Khayat) zu Gast. Leicht verwundert, spendet das Premierenpublikum freundlichen Applaus.

Foto rechts: Das leuchtende Herz auf samtrotem Vorhang lädt ein zur glanzvoll vergnüglichen Uraufführung von „Alles Liebe! Eine queere Landoperette“ im Großen Haus des Wiesbadener Musentempels.

In die Oper „Dialogues des Carmélites“ von Frances Poulenc geleitet an der Saar die unsicher ängstlich blickende Blanche de la Force (Margot Genet) über der leeren Spielfläche mit der Klosterbibliothek im Untergeschoss.

Theater berührt als Nah-Sehen

Saarländisches Staatstheater Saarbrücken überzeugt Spartenübergreifend mit packender Bühnenkunst

Die „Lust des Beginnens“ am Saarbrücker Musentempel unter Generalintendant Michael Schulz schüttet ein feines Füllhorn aus.

Die Achse Wiesbaden-Saarbrücken steht auch nach dem Weggang des früher in Hessen tätigen Theaterchefs Bodo Busse nach Hannover:

Als prägnanter Schauspieler („Wallenstein“) und feinfühliger Regisseur („Cabaret“/ „Mord auf Schloss Haversham“) geschätzt, bringt Tom Gerber den schillernden „Käfig voller Narren“ von Jerry Herman & Harvey Fierstein mit Myriam Lifkas rasanter Choreografie an die Saar. Der Funke springt sofort über.

Nach der fulminanten, von Applaus umtosten Premiere „seiner“ Carmeliterinnen feiert der inszenierende Generalintendant Michael Schulz (rechts), 1998 mit dem Götz-Friedrich-Regiepreis gewürdigt, das exzellente Ensemble spürbar bewegt mit persönlichen Anmerkungen.

Mit vokalem Wohlklang ist Enrico De Pieri ein berührender Käfig-Chef Georges. Ein hinreißender AlbinZaza ist Mark Weigel. Neben KS Stefan Röttig sind Jan Hutter, Benjamin Lee, Stephanie Theiß, Bettina Maria Bauer, Ruth Müller und Frin Wolter (Akkordeon) sowie die DragqueenRiege eine Wucht.

Aufgekratztes Publikum, üppiger Szenenapplaus. Endloser Schlussbeifall lässt die „Narren“ kaum von der Catwalk-Bühne von Bettina Neuhaus. Glamour satt bieten die Kostüme von Jannik Kurz. Dirigent Stefan „Stefanovich“ Neubert sorgt mit hervorragendem Staatsorchester und brillierendem Chor für musikalischen Esprit. Ein Feuerwerk der Musicalkunst.

Angst, Glaube, Verantwortung, Tod. Einen großen Opernabend beschert Hausherr Michael Schulz mit seiner Götz-Friedrich-Preis-gewürdigten Inszenierung der Poulenc-Oper „Dialogues des Carmélites“ (Aalto Theater Essen 1998), die auf die historische

Überlieferung der 16 singend zum Schafott gegangenen Carmeliterinnen aus Compiègne zurückgreift. Fünf Jahre nach der Revolution geht Adelstochter Blanche de la Force (vokal glänzend: Margot Genet), die eingangs ängstlich über die leere Bühne (Dirk Becker, Frank Fellmann) mit Klosterbibliothek blickt, wie ihre im Kindbett verstorbene Mutter in das Karmeliterkloster. Von den Revolutionären bedrängt, wählen die Nonnen den Tod als Märtyrerin. Mucksmäuschenstille, Gänsehaut.

Der Regisseur findet mit sensibler Personenführung schmerzhaft intensive Bilder, vom exzellenten Orchester unter dem straffen Dirigat von GMD Sébastien Rouland mit bedrückenden Klangbildern unterstützt. Chapeau dem bravourösen Ensemble: Hanna Dora Sturludottir, Jessica Muirhead, KS Judith Braun, Carmen Seibel, Clara-Sophie Bertram, KS Stefan Röttig, KS Algirdas Drevinskas, Taejun Sund und Yancheng Chen. Ausdauernder Beifall nach einem Moment des Nachhalls.

Leichensäcke pflastern seinen Weg. Der in diversen „Tatorten“ und True Crime-Formaten variierten Psychopathologie des Bösen, von William Shakespeare in seinem Königsdrama „Richard III.“ meisterhaft verfasst, widmet sich Schauspieldirektor Mehler. Plastevorhang, gekachelter Schlachthof, Plaste-BubblechairThron, Papierkrone, pinkfarbener Plüsch-„Hermelin“ und Big Brotherhafte Kameraüberwachung durch den eiskalten Serienkiller, der sich dem Publikum anbiedert. Christof Mehler konfrontiert in seiner auf sechs Personen eingedampften Version der Marius von MayenburgÜbersetzung mit starken Bildern ohne umgeschnallten Buckel und blutiges Gemetzel und setzt auf ein grandioses Ensemble. Ein pausenloser Zweistundenritt.

Neben dem fulminant aufspielenden Raimund Widra, der hinter dem manipulativen Brutalo Richard das arme Würmchen erkennen lässt, stemmen mit Bravour Christiane Motter, Fabrian Gröver, Verena Bukal, Jonathan Lutz und Laura Trapp – jeweils in mehreren Rollen – den packenden Abend. Der Lohn: Starker Beifall.

Text und Fotos: Gesine Werner

„La cage aux Folles“ brennt am Saarbrücker Musentempel ein Feuerwerk der Bühnenkunst ab: Als musikalischer Leiter sorgt Dirigent Stefan „Stefanovich“ Neubert mit dem hervorragenden Staatsorchester für ansteckend musikalischen Esprit, mit vokalem Wohlklang ist Enrico De Pieri ein berührender Käfig-Chef Georges.

Nach ihrem furiosen „Käfig voller Narren“ total verausgabt und vom elektrisierten Premierenpublikum als Ensemble mit jubelndem Trampelapplaus fast eine Viertelstunde gefeiert - Regisseur Tom Gerber und der grandiose Hauptdarsteller Mark „Albin Zaza“ Weigel.

Den langanhaltenden, herzlichen Schlussapplaus hat sich die auf wenige Ensemblemitglieder verdichtete, in Saarbrücken nicht mehr 50köpfige Personage um Shakespeares psychopathischen Oberschurken Richard III (Raimund Widra, 3. von rechts) mit unter die Haut gehender Darstellung redlich verdient.

Romeo & Julia und die üblichen Verdächtigen von Shakespeare

Exzellente Tanzkunst und Halbzeit der Generalsanierung am Nationaltheater Mannheim

Wenn Romeo & Julia im Sommernachtstraum auf Desdemona treffen, kann Tanzintendant/ Chefchoreograf Stephan Thoss (rechts) mit dem furiosen Ballett des NTM im OPAL-Foyer von Applaus umtost Uraufführungspremiere feiern.

Wenn Romeo & Julia im Sommernachtstraum auf Grübel-Hamlet und Platons Kugelmenschen treffen, auf Othello und Desdemona, Macbeth und King Lear unter XXL-Krone, sind Szenen von Liebe angesagt. Romantik und Leidenschaft, Intrige, Mord, Rache und Verzweiflung.

Funkensprühende Intensität und zartes Augenzwinkern. In Mannheims Oper am Luisenpark wird „Shakespeare und Love“ - nicht „Shakespeare in Love“ - geboten auf rotierender Bühne mit Leuchtspalten-Wand (Thoss/Liebig) und ausgefeiltem Lichtdesign (Nicole Berry/Thoss) zu Klängen von Prokofiev bis Glass und rhythmischer Baumstamm-Percussion.

Tanzintendant Stephan Thoss gelingt ein sinnliches Gesamtkunstwerk in 1 expressiven Szenen, flankiert von Romy Liebigs „erzählenden“ Kostümen - mal opulent, mal ohne Beinkleid - und ihren verrätselten Videobildern. Die energetische Stabführung von Markus I. Frank lässt das NationaltheaterOrchester funkeln – auch auf offener Szene.

Als wär´s ein Handlungsballett. Ballettchef Thoss kredenzt mit seiner exzellenten Compagnie - neun Frauen und acht Männer stark - ein facettenreiches Gespinst aus Assoziationen. Jubelapplaus im Stehen für alle Mitwirkenden.

Das NTM-Spielhaus am Goetheplatz zu Monnem ist „Deins seit 1779“ und seit dem 1. August 2022 „in der Maske“. Halbzeit der wohl sechsjährigen Generalsanierung. Wiedereröffnung ist bei der Gesamtkalkulation von 295.08 Mio Euro (ohne Interimsspielstätten) für Herbst 2028 avisiert.

Die Finanzierung trägt der Bund (ca. 80 Mio Euro), Baden-Württemberg trägt bis 40 Mio Euro. Mannheim stemmt die Ausfinanzierung. Bürgerspenden und Sponsoren flankieren.

Text und Fotos: Gesine Werner

OPAL, die Oper am Luisenpark, ist eine bühnentechnisch gut ausgestattete mobile Leichtbauhalle mit Foyer und Foyer-Balkon, die vom Publikum gut angenommen wird.

Sehenswerte Optik, knallig violettes Gestühl, modernste Technik, überraschende Klassikerversionen – im generalsanierten Kleinen Haus des Staatstheaters Darmstadt wird Packendes geboten.

Hassliebe, Eifersucht, Rache und Rassismus. Fleedwood Mac meets Kate Bush. Anna Bergmanns erfrischende Sicht von Emiliy Brontës einzigem Roman, der viktorianisch schauerdüsteren „Sturmhöhe“, bietet Jahrhundert überspringenden Ästhetik-Stilbruch von Gruselromantik bis Gegenwart.

Auf Sabine Mäders grandioser Bühne in Lane Schäfers fetzigen Kostüme von Schwellkopp bis Lack wird Findelkind „Heathcliff“ von Adoptivschwester Catherine (Emily Klinge) flatterhaft geliebt, von Ziehbruder Hindley (Sebastian Schulze) voll Hass getriezt, ist weiblich und mit der ausdruckstarken Person of Color Samia Dauenhauer perfekt besetzt.

Ein großer Abend mit Aron Eichhorn, Hubert Schlemmer, Aleksandra Kienitz & Gabriele Drechsel als brillantes Ensemble, vom Publikum gefeiert.

Einsamkeit, Langeweile, Lethargie, Realitätsverweigerung: Anton Cechov, sanfter Radikaler und Meister der lakonischen Kürze, hält in seiner letzten, bekanntesten, viel gespielten Komödie um den Sehnsuchtsort „Kirschgarten“, der von Aufsteiger Lopachin (Sebastian Schulze) abgeholzt und zugebaut wird, den Spiegel vor.

In eigener Fassung von Thomas Braschs Übersetzung lässt Philipp Preuss nostalgisch Kindheitserinnerungen projizieren, mit „Gouvernante“ Emily Klinges Matrjoschka-Schwellkopf altrussisches Flair der Zarenzeit verbreiten, die Ranjewskja (Karin Klein) als abgehalfterte Diva mäandern, den Supertramp-Hit „Dreamer“ live performen, die Personage in Kirschen matschen. Das greise Faktotum Firs (Jörg Zirnstein) bleibt auf originelle Weise „übrig“.

Sara Aubrechts Bühne skizziert ein Haus aus Streben, Eva Karobaths Kostüme setzen erzählerische Akzente. Samia „Warja“ Dauenhauer, Stefan Schuster, Niklas Herzberg,

Das furios aufspielende Ensemble von Anna Bergmanns starker Überraschungs-Version des BrontëKlassikers „Sturmhöhe“ um „Heathcliff“ Samia Dauenhauer (2. von links) wird vom Publikum gefeiert.

In Cechovs letztem und bekanntesten Stück um den Sehnsuchtsort „Kirschgarten“ lässt Philipp Preuss mit „Gouvernante“ Emily Klinges Matrjoschka-Schwellkopf altrussisches Flair verbreiten.

Sturmhöhe mit Kirschgarten

Generalsaniertes Kleines Haus am Staatstheater Darmstadt bietet packende Inszenierungen

Hubert Schlemmer, Kornelius Heidebrecht und Souffleuse Angela Calow als „eingesprungene“ Anja gehen unter die Haut. Furios aufspielendes Ensemble, starker Applaus.

Text und Fotos: Gesine Werner

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