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Magazin WIESBADENER*IN, Ausgabe III/2026

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Wiesbadener*in Ausgabe III / 2026

Preis: 6,50 €

Magazin für Kunst, KulTouren und Lebensfreude

Kino ohne Grenzen exground filmfest 39

Die Pionierinnen der Moderne Die starken Frauen des „Blauen Reiters“

Zum achten Mal

ARTe Kunstmesse Wiesbaden

Urbs ainimalis

Stadt, Mensch, Tier

Off the ring

Zirkus als Schule des Lebens

Kunst im Dialog 18. Tatorte Kunst

Annette Scharner

„Mein Leben besteht aus Kunst und Glück“

10 Jahre sam

Jubiläum eines Provisoriums

Sichtbar.Verknüpft. Frei

Die Künstlerin Doris Bardong

Waldkunst 2006

Dem Wald eine Stimme geben

TARBUT

Zeit für jüdische Kultur

InterWhisky in Wiesbaden

Whisky-Highlights mit internationalem Charme

Discovery Art Fair

Die Kunstwelt zu Gast in Frankfurt


Inhalt

......

Diana Bagnoli: »Nacktkatzen«, 2024. Aus der Serie »Animal Lover«. Farbfotografie.

Gaumenkitzeleien InterWhisky 2026

S. 4

menschen & meinungen Die Sichtbarkeit als Frau

kultur & kreatives

Nachruf Jochen Schnepf „Blaue Reiterinnen“ Künstlerin Annette Scharner Walkmühle - Urbs animalis 27. Trickfilm-Festival Künstlerin Doris Bardong ARTe Kunstmesse Tatorte Kunst 10 Jahre sam Loftwerk Discovery Art Fair exground filmfest 39 Tarbut European Youth Festival Christian Dell im sam Staatstheater Darmstadt Christine Rupp-Kuhl wird 80 Waldkunst Theaterdonner Wiesbaden Staatstheater Saarbrücken Nationaltheater Mannheim

zusammenleben Jubiläum upstairs

magazin

KulTouren

S. 6 S. 7 S. 8 S. 10 S. 13 S. 14 S. 16 S. 18 S. 20 S. 22 S. 24 S. 26 S. 28 S. 30 S. 31 S. 34 S. 35 S. 36 S. 37 S. 38 S. 40 S. 42 S. 43 S. 32

Dieser Herbst verwöhnt uns mit einer geballten Ladung Bildender Kunst. Wer auf Erkundungstour gehen will, der sollte sich ausreichend Zeit nehmen. Einen gelungenen Überblick bieten die beiden Kunstmessen. Allein in Wiesbaden zeigen 170 Galerien sowohl Gegenwartskunst als auch Werke der klassischen Moderne (S. 18). Und die „Discovery Art Fair“ in Frankfurt lädt ein zu „purem Kunstgenuss“ (S. 26). Das unbestrittene Highlight dieses Herbstes ist die Bilderschau der „Blauen Reiterinnen“. Das Museum Wiesbaden lädt zur (Wieder-) Entdeckung von 12 Künstlerinnen ein, die mit ihren Beiträgen die innovative Künstlergruppe „Blaue Reiter“ nachhaltig beeinflusst haben (S. 8). Sehenswert sind auch die Ausstellungen „urbs animalis“ in der Walkmühle und – etwas ganz besonderesdie „Waldkunst 2026“ in Darmstadt. Mehr als 40 Künstlerinnen aus 16 Ländern präsentieren auf einem 2 Kilometer langen Rundweg Skulpturen, Installationen und Performances zu Thema „Demokratischer Wald“ (S. 37). Ein Date mit der Kunstszene Wiesbadens versprechen die 18. Tatorte Kunst. Drei Stadtviertel werden zur Bühne für Kunst, Austausch und Entdeckungen (S. 20). Zugleich gedenken wir dem Künstler Jochen Schnepf, der u. a. viele Jahre im Orgateam der Tatorte engagiert war (S. 7). 10 Jahre sam und noch immer im Keller. Kommt jetzt die heiss ersehnte Wende? Entschließen sich die politisch Verantwortlichen endlich, dem Museum den längst versprochenen neuen Standort zu bewilligen? (S. 22). Wir wünschen ein nachhaltiges Lesevergnügen!

IMPRESSUM: Herausgeberin, Gesamtkoordination & Gestaltung: media futura • Inh. Petra Esser • Mittelstraße 3 • 56856 Zell/Mosel • Tel. 06542.954.00.80 • Fax: 06542.954.00.79 • www.media–futura.de • mail@media–futura.de • Gestaltung: Petra Esser • Redaktion: Petra Esser, Tobias Mahlow, Gesine Werner • Anzeigenleitung: Tobias Mahlow • Titelbild: Tatjana Eichhorn, Ohne Titel, Kegelschreiber, 22x15,5 cm • Vignetten: Bernd Schneider • Druck: WIRmachenDRUCK GmbH, Backnang • Redaktionsschluss für die Ausgabe IV/2026: 31.10.2026 • Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages • alle Fotos und Logos wurden uns – wenn nicht anders dokumentiert – von den porträtierten Personen/Institutionen zur Verfügung gestellt. wiesbadener*in III/2026


gaumenkitzeleien

Kurhaus Wiesbaden

Die InterWhisky vom 20. bis 22. November 2026

27. Internationale Fachmesse für Whisky-Kultur

V

om 20. bis 22. November verwandelt sich das prächtige Kurhaus in Wiesbaden erneut in den Hotspot der internationalen Whisky-Szene. Die InterWhisky, eine der bedeutendsten Fachmessen für Whisky-Kultur in Europa, lockt auch in diesem Jahr zahlreiche nationale und internationale Aussteller sowie prominente Gäste aus der Whisky-Welt in die hessische Landeshauptstadt. Über drei Tage hinweg erwartet die Besucher ein vielfältiges Programm mit exklusiven Tastings, spannenden Master Classes und einzigartigen Whisky-Abfüllungen. Das Kurhaus Wiesbaden zählt zu den prunkvollsten Festbauten Deutschlands und ist der gesellschaftliche Mittelpunkt der traditionsreichen Kurstadt. Genau in diesem stilvollen Ambiente findet die InterWhisky Messe statt. Ein idealer Ort, um die Vielfalt und Qualität der präsentierten Whiskys gebührend zu feiern. In diesem Jahr sind besonders viele schot

tische Destillerien vertreten, die ein bedeutendes Jubiläum begehen: Vor über 200 Jahren nach Verabschiedung des historischen Excise Act wurde ab 1824 die legale Whisky-Herstellung in Schottland gegen eine moderate Lizenzgebühr möglich. Zahlreiche heute weltbekannte Brennereien wie The Glendronach und Old Pulteney feiern dieses Jahr ihr 200-jähriges Bestehen mit exklusiven Abfüllungen und speziellen Master Classes. Vielfalt und neue Trends im Fokus Die Messe wächst weiter – im letzten Jahr wurde bereits ein zusätzlicher Saal eröffnet und auch in diesem Jahr dürfen sich Besucher auf noch mehr Aussteller freuen. Christian H. Rosenberg, Initiator der InterWhisky, betont: „Die Vielfalt der Whisky-Szene steigt und das spiegelt sich auch auf der InterWhisky wider. Neben den großen Destillerien aus Schottland, Irland und den USA sind auch Vertreter aus Japan, Deutschland und der Schweiz vertreten.“ Diese Mischung macht die Messe auch

zu einem wahren Erlebnis für entdeckungsfreudige Genießer. Exklusive Highlights und renommierte Stargäste Ein besonderes Highlight der Messe bilden die Anwesenheit von Brian Kinsman, Malt Master bei Glenfiddich und The Balvenie, sowie Dr. Rachel Barrie, Master Blenderin bei The Glendronach. Beide sind nicht nur auf der Messe live zu erleben, sondern gestalten auch spannende Master Classes, in denen sie ihr umfassendes Wissen und seltene Whiskys präsentieren. Neben den Jubiläumsdestillerien ist erstmals Aberlour mit einem großen Stand vertreten, und Tormore Whisky von Elixir Distillers stellt seine neue Whisky-Ausstattung vor. Auch die renommierten Marken The Dalmore und Fettercairn versprechen spannende Neuheiten, die Whisky-Liebhaber keinesfalls verpassen sollten. Die Master Classes und Grand Master Classes im Rahmen der Messe bieten ein abwechslungsreiches und hochwertiges Programm. In jeweils 45-minütigen Sessions wiesbadener*in III/2026


gaumenkitzeleien

InterWhisky Impressionen, Foto: Peter Krausgrill

können die Teilnehmer bis zu fünf ausgesuchte Whiskys verkosten und spannende Hintergründe der jeweiligen Destillerie erfahren. Das komplette Programm mit über 60 Master Classes ist ab September auf der Homepage der InterWhisky einzusehen und ab sofort buchbar. Feierliches Eröffnungs-WhiskyTalk & Dinner Den festlichen Auftakt der Messe bildet ein exklusives Whisky-Talk & Dinner-Event am Donnerstag, den 19. November. Im Rahmen dieser Veranstaltung werden u.a. 200 Jahre Old Pulteney mit Flora Outram, European Brand Ambassador, sowie 200 Jahre The Glendronach mit Dr. Rachel Barrie, Master Blender, gefeiert. Glenfiddich Malt Master Brian Kinsman präsentiert einen besonderen 26-jährigen Whisky, während Daniel Schöll mit einem Hibiki 21 Jahre und einem Yamazaki 18 Jahre die Whiskywelt aus Japan vertritt. Das Dinner ist ein einmaliges Erlebnis und bietet die ideale Gelegenheit, besondere Raritäten in Kombination mit einem abgestimmten Gourmet-Menü zu verkosten. Die InterWhisky 2026 im Kurhaus Wiesbaden verspricht ein außergewöhnliches Erlebnis für alle Whisky-Liebhaber und Fachbesucher. Mit einer beeindruckenden Vielfalt an Ausstellern, exklusiven Jubiläumsabfüllungen, renommierten wiesbadener*in III/2026

Stargästen aus der WhiskySzene und einem umfangreichen Programm von über 60 MasterClasses setzt die Messe Maßstäbe. Verpassen Sie nicht dieses Highlight der Whisky-Saison am vorletzten November-Wochenende und seien Sie dabei, wenn die internationale Whisky-Kultur in Wiesbaden zusammenkommt.

Sichern Sie sich jetzt Ihr Ticket

InterWhisky Impressionen Foto: Peter Krausgrill

www.interwhisky.de Veranstaltungsort: Kurhaus Wiesbaden Kurhauspl. 1 • 65189 Wiesbaden Öffnungszeiten – Freitag, 20. November: 15.00 - 22.00 Uhr – Samstag, 21. November: 12.00 - 21.00 Uhr – Sonntag, 22. November: 12.00 - 18.00 Uhr Programm: Über 80 Aussteller, 1.900 Whiskys und 70 Seminare, wie WhiskyForen, Master und Grand Master Classes an drei Tagen Preise* Tagesticket (Fr/Sa/So): 25 € pro Tag/ Person zzgl. VVK-Gebühr. Preise inkl. Messeplan & Nosingglas Tickets unter: www.interwhisky.de Der besondere Auftakt: Whisky Talk & Dinner 19. November 2026 Tickets unter: www.interwhisky.de


menschen & meinungen

„Zur Führung des Titels Diplompädagogin“ wurde die Urkunde am 18.09.1990 erneut ausgestellt.“ Vier kafkaeske Jahre ritt Beckett den Amtsschimmel am beratungsresistenten Fachbereich 4 der Uni Frankfurt. Mit grotesker Sturheit änderte das Prüfungsamt sein widerrechtliches Gebaren erst nach einem Gutachten des Rechtsamtes. Die Provinzposse um die Rücknahme der akademischen „Geschlechtsumwandlung“ war für Diplom-Pädagogin Gesine Werner ein kraftraubender Kampf gegen bürokratische Windmühlen. Foto. Gesine Werner

Wenn Beckett den Amtsschimmel reitet Kein Gendern in Absurdistan. Kafkaeske Provinzposse der Universität Frankfurt um ein akademisches „Mannbarkeits-Diplom“: „Als Frau will ich in Sprache und Schrift erkennbar sein!“ Und täglich grüßt die Mannbarkeit. Von FrauenMANNschaften im Sport bis zum „Kontoinhaber“ steht Frau ihren Mann in Absurdistan. Gendern im Déja vu-Modus. „Wer in der Sprache nicht vorkommt, ist nicht im Bewusstsein“, schrieb Aristoteles. Die Grimm-Brüder nahmen 1878 „Gästinnen“ in ihr Wörterbuch auf. „Als Frau will ich in Sprache und Schrift erkennbar sein!“ Die Marie JuchaczFrauenpreisträgerin Marlies Krämer blieb jahrelang als Nicht-„Inhaber“ konsequent ohne Reisepass, bis die “Richtlinie der EU zur sprachlichen Gleichstellung” 1996 eine „Unterschrift der Inhaberin/des Inhabers” forderte. Die Sparkassenkundin wollte kein „Kunde“ sein, unterlag jedoch beim BVG. Justitias Mannen beurteilten die männliche Form als “geschlechtsblind”. Unter dem Titel „Dipl.-Geographin“ resümierte FR-Kolumnist Bastian im November 1985: „Männer sind lernfähig.“ Ein Rechtsgutachten verhalf - nach sechs Monaten - der Uni-Absolventin zum geschlechtskonformen Titel der Diplom-Geographin. „Titel nur männlich“: Dorothea MeurenBenn berichtete im Leserinnenbrief

vom November 1988 von ihrer soziologischen Diplomprüfung am Soziologie-Fachbereich 3 im Sommer 1986 und ihre Ablehnung der männlich formulierten Urkunde. „Nicht nur verständlich, sondern legitim“ fanden Prüfungsausschußvorsitzender und Prüfungsamtsleiter eine „feminine Bezeichnung“. Die wurde ihr „zuerkannt“. Nach „längerer Wartezeit“ und einem Anruf „in den Semesterferien“ bekam die „Diplom-Soziologin“ ihre Urkunde. Ein peinliches „Jubiläum“ leistete sich der weiblich geprägte Pädagogik-Fachbereich 4 mit 69 % Studentinnen, 14 % Frauen im Mittelbau und 4% im akademischen Oberbau. Vor 40 Jahren bekam ich als Autorin der Diplom-Arbeit „Sprache - Macht - Geschlecht. Zum Geschlechterverhältnis im Spiegel der Sprache” im Dezember 1986 eine Mannbarkeitsurkunde der Goethe-Universität Frankfurt. Unterzeichnet hatten DER Dekan, Professorin Dr. Helga Deppe und Professorin Dr. Gertrud Beck-Schlegel als “DER Vorsitzende des Prüfungsausschusses”. Postwendend ging die Urkunde retour mit der rechtlich begründeten Forderung einer korrekten Urkunde für die “Diplom-Pädagogin”.

Mit Erlass vom 4. November 1986, genau 14 Tage zuvor, hatte “DER Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst”, die Uni aufgefordert, “ab sofort (!) nur noch Prüfungsordnungen zur Genehmigung vorzulegen, die vorsehen, dass Frauen der akademische Grad in weiblicher Form verliehen wird.” Dr. Vera Rüdiger hatte keine Bedenken, wenn Fachbereiche Frauen (…) bereits jetzt akademische Grade in weiblicher Form verleihen. Schon zwei Jahre zuvor, am 13. Dezember 1984, hatte der Runderlass Nr. 1300 des Hessischen Ministerpräsidenten zur “Gleichbehandlung von Frauen und Männern in Vordrucken” allen Ministerien geboten: “Die männliche Form einer Bezeichnung kann nicht als Oberbegriff angesehen werden, der die weibliche und männliche Form einschließt.” Die ZEIT berichtete im März 1987 darüber. Die Alma mater kümmerten Rechtsnormen nicht. Die “Geschlechtsumwandlung” widersprach geltendem Recht. Ganze vier Jahre (!), also acht Semester „Spezial“-Studium á la Kafka, ritt Beckett den Amtsschimmel, der aus dem Wiehern nicht rauskam. Die Akademikerin blieb hartnäckig im grotesken Marathon, avisierte den Gang zum Europäischen Gerichtshof. Die Uni beklagte “mangelnde finanzielle Ausstattung” und die FR berichtete “Kein Geld für die Pädagogin”. Das Prüfungsamt bemühte das Rechtsamt und sah Gesine Werner als “Querulantin” an, erfuhr Hörfunkredakteurin Dorothee Prewo. Das Kultusministerium wollte an den Fachbereich herantreten, dann “gehe es “ganz schnell.” Pustekuchen. “Seiner untergeordneten Behörde, dem Prüfungsamt, scheint nie das Licht aufgegangen zu sein, widerrechtlich zu handeln. Wirklich des Nachdenkens wert, dass Frauen Himmel und Hölle in Bewegung setzen müssen, um legitimes Recht verwirklicht zu sehen.” Vier Jahre (!) nach der Diplomprüfung hieß es dann: „Zur Führung des Titels Diplompädagogin“ wurde die Urkunde am 18.09.1990 erneut ausgestellt.“ Drei Monate später der Anruf - wenn ich „das Diplom noch haben“ wolle, könne ich es abholen. Am 20. Dezember 1990 wurde der Diplom-Pädagogin Gesine Werner im Prüfungsamt des FB 4 die rechtskorrekte Urkunde ausgehändigt. P.S. Einsicht in das Fehlhandeln? Mitnichten. Text und Foto: Gesine Werner, geprüfter Mann und Diplompädagogin, Mitgründerin „Frauen helfen Frauen e.V.“ Wiesbaden wiesbadener*in III/2026


kultur & kreatives Jochen Schnepf ist am 24. Juli 2026 überraschend und eines natürlichen Todes gestorben. Wir von der Redaktion „WIESBADNER*IN“ hatten über viele Jahre hinweg – meist im Zusammenhang mit seinen künstlerischen und organisatorischen Projekten – guten, vertrauensvollen und zuweilen intensiven Kontakt zu Jochen Schnepf. „Im Schatten der Worte“ – diesen Titel möchten wir an dieser Stelle aufgreifen. Auch wenn Jochen Schnepf ihn in einem anderen Zusammenhang gewählt hat, stehen unsere Worte heute selbst im Schatten: im Schatten des Todes eines Menschen, den wir als Freigeist, innovativen Künstler und außergewöhnlich kreativen Menschen in Erinnerung behalten werden. Jochen Schnepf war ein Künstler, der sich nicht mit Grenzen zufrieden gab. Als bildender Künstler und Medienproduzent – eine Verbindung, die er selbst einmal augenzwinkernd als eine „geile Mischung“ bezeichnete – verstand er Kunst auch als Labor: als einen offenen Raum für Experimente, für neue Ideen und ungewohnte Perspektiven. Seine Spuren finden sich an vielen Orten, vor allem in Wiesbaden und im Rheingau. Schnepf war nicht nur durch seine eigene Kunst und seine Medienproduktionen präsent. Er war ebenso Vermittler, Organisator, Netzwerker und leidenschaftlicher Macher. Über viele Jahre engagierte er sich im Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) Wiesbaden, unter anderem als erster und zweiter Vorsitzender. Er gehörte zum Organisationsteam von „Tatorte Kunst“, war Mitglied der Kunstarche Wiesbaden e. V. und engagierte sich im Kulturzentrum Rauenthal. Was ihn dabei auszeichnete, war die Verbindung von kreativem Esprit, fachlichem Können, großem Engagement und einer guten Prise Humor. Jochen Schnepf konnte anstoßen, verbinden und verwirklichen. Er dachte voraus, stellte Fragen, öffnete Räume und brachte Dinge in Bewegung. Damit war er über lange Jahre ein prägender und unverwechselbarer Teil der wiesbadener*in III/2026

Jochen Schnepf *1960 bis +2026

„Im Schatten der Worte“ Zum Tod von Jochen Schnepf Wiesbadener und Rheingauer Kunst- und Kulturszene. Sein Wirken erschöpfte sich nie allein im eigenen künstlerischen Schaffen. Er gestaltete kulturelle Prozesse aktiv mit und trug dazu bei, dass Kunst sichtbar, zugänglich und lebendig blieb. Vieles von dem, was er angestoßen und geschaffen hat, wird über seinen Tod hinaus Bestand haben. Mit Jochen Schnepf verlieren Wiesbaden und der Rheingau einen kreativen Denker, einen innovativen Künstler, einen engagierten Gestalter – und einen großartigen Menschen. Sein künstlerisches Erbe lebt weiter. In seinen Arbeiten, in den Projekten, die er geprägt hat, in

den Menschen, mit denen er zusammengearbeitet hat, und in den Ideen, die er in die Welt gesetzt hat. Unsere Anteilnahme gilt seiner Familie und allen Menschen, die ihm nahestanden. Wir werden Jochen Schnepf als humorvollen, vorausdenkenden, zuverlässigen und leidenschaftlich kreativen Menschen in Erinnerung behalten.

Petra Esser Inhaberin und das gesamte Team der media futura


Marianne von Werefkin, Der Tänzer Alexander Sacharoff, 1909. Museo Comunale d’Arte Moderna, Ascona. Foto: Museo Comunale d’Arte Moderna, Ascona

Gabriele Münter, Bildnis Marianne von Werefkin, 1909. Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Gabriele Münter Stiftung 1957 © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Pionierinnen der Moderne in Wiesbaden Die starken Frauen des Blauen Reiters „Der Blaue Reiter“ ist ein Kreis von unterschiedlichsten Persönlichkeiten, die im Bereich der ästhetischen Theorie, Malerei, Grafik, Literatur und Musik Visionäres geleistet haben. Mit seinen beiden in den Jahren 1911 und 1912 organisierten Ausstellungen und dem 1912 herausgegebenen Almanach steht er für eine Subjektivierung in der Kunst, die Befreiung der Farbe vom Gegenstand und die Idee einer Gleichwertigkeit von künstlerischen Ausdruckformen unterschiedlicher Epochen, Gattungen und Regionen. Damit ist er Teil der internationalen Avantgardebewegungen vor dem Ersten Weltkrieg. Nahezu völlig unerforscht blieb bis heute, welchen großen Anteil die einzelnen Künstlerinnen im Umfeld des „Blauen Reiter“ an der Entwicklung der Moderne hatten, welche Strategien und Netzwerke sich diese zurechtlegten, um trotz

des damals herrschenden, ihnen völlig widrigen gesellschaftlichen Normengefüges ein Leben als selbstständige Künstlerin führen zu können, und wer waren all die mitunter völlig vergessenen, in ihren Lebensläufen kaum mehr zu rekonstruierenden Künstlerinnen überhaupt, das sind die Themen der Ausstellung Die Blauen Reiterinnen. Und hier sind sie: Erma Bossi — Sonia DelaunayTerk — Emmi Dresler — Elisabeth Epstein — Elisabeth Erdmann-Macke — Maria FranckMarc — Natalia Gontscharowa — Else Lasker-Schüler — Olga Meerson — Gabriele Münter — Carla Pohle — Marianne von Werefkin Die Ausstellungsstation im Museum Wiesbaden erzählt die Geschichte des „Blauen Reiters“ erstmals konsequent aus der Perspektive seiner Künstlerinnen und schafft

damit Sichtbarkeit für diejenigen, die nach dem Zweiten Weltkrieg im Kontext der Gruppe weitestgehend unbeachtet blieben. Mit der Wiederentdeckung von 12 Künstlerinnen würdigt die Ausstellung ihren prägenden Beitrag zur innovativen Künstlergruppe. So formulierte Marianne von Werefkin beispielsweise den programmatischen Leitsatz: „Die Zukunft der Kunst ist die emotionale Kunst.“ Er verweist exemplarisch auf die geistige und künstlerische Mitgestaltung durch die weiblichen Künstlerinnen. Thematisch erweiterten die Künstlerinnen die Gruppe entscheidend: In ihren Bildern geben sie bewusste Hinweise auf die determinierte „Rolle als Frau“ in einer sie benachteiligenden, männerdominierten Gesellschaft, machen Frauen- und Care-Arbeit sichtbar, setzen sich mit Körperbildern auseinander und thematisieren schon wiesbadener*in III/2026


Erma Bossi, Selbstbildnis (als Bildnis von Marianne von Werefkin 1970 erworben), um 1910. Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Dauerleihgabe der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München

damals Genderfragen. Darüber hinaus zeigen sie sich selbstbewusst als Ideengeberinnen und hinterfragen ironisch gebrochen sogenannte „Frauenkunst“ (Blumenstillleben, Kinderdarstellungen). Ein besonderer Fokus des Ausstellungsprojekts liegt auf den Netzwerken der zwölf Künstlerinnen, die von Moskau über München bis nach Paris reichten. Im Mittelpunkt stehen die vielfältigen künstlerischen, sozialen und intellektuellen Verbindungen, über die Ideen und ästhetische Konzepte grenzüberschreitend zirkulierten. Diese Verflechtungen werden in einer digitalen Anwendung sichtbar gemacht, die Wege, Begegnungen und Lebensstationen interaktiv nachvollziehbar aufbereitet. Die Ausstellung macht deutlich, wie vielseitig, aufgeschlossen und visionär der „Blaue Reiter“ war. Seine besondere Progressivität lag in der grenzüberschreitenden Internationalität, in seiner Vielstimmigkeit und der damals möglichen inhaltlich gewollten Pluralität. Der Ausstellungstitel ist historisch und zugleich hochaktuell. wiesbadener*in III/2026

Denn die Frage nach Sichtbarkeit, Teilhabe und Anerkennung von Künstlerinnen stellt sich heute noch genauso. Eine Ausstellung des Museum Wiesbaden in Kooperation mit der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, dem Paula Modersohn-Becker Museum, Bremen und der Museo Comunale d’Arte Moderna, Ascona – Fondazione Marianne Werefkin. Die Schauspielerin Iris Berben übernimmt die Schirmherrschaft für die drei deutschen Ausstellungsorte. Museum Wiesbaden Die Blauen Reiterinnen Friedrich-Ebert-Allee 2 65185 Wiesbaden 23.10.2026 bis 21.02.2027 www.museum-wiesbaden.de


kultur & kreatives

Annette Scharner: Künstlerin – Kunstpädagogin – Kunstvermittlerin – Kunstverwandlerin, Foto: Eddy Wienen

„Mein Leben besteht aus Kunst und Glück!“ Annette Scharner – Künstlerin – Kunstpädagogin – Kunstvermittlerin 75 Lebensjahre – 50 Ausstellungsjahre – 40 Jahre Kunstvermittlung

W

er das Atelier von Annette Scharner in WiesbadenBiebrich betritt, merkt schnell: Hier wohnt die Kreativität. Sie hängt an den Wänden, stapelt sich in den Ecken, steckt in Schubladen und Schränken – und scheint geradezu aus jedem Winkel hervorzuströmen. Materialien, Farben, Fundstücke und Fotografien erzählen von einer Künstlerin, für die Kunst niemals nur ein Beruf war. Kunst ist bei Annette Scharner eine Lebensform. Die Wiesbadener Künstlerin, Kunstpädagogin und Kunstvermittlerin hat im Laufe ihres bewegten Berufslebens immer wieder neue Wege gefunden, Dinge miteinander zu verbinden: Natur und Kunst, Vergangenheit und Gegenwart, Pädagogik und Kreativität, Reisen und Atelierarbeit. Dabei interessiert sie besonders das, was andere vielleicht übersehen würden. 10

Wenn Schleifpapier Geschichten erzählt Ein gutes Beispiel dafür ist gebrauchtes Schleifpapier. Eine Schreinerei stellt Scharner das Material zur Verfügung, das bereits auf großen Rollen zu ihr ins Atelier kommt. Meter für Meter hat dieses Papier gearbeitet, Spuren aufgenommen, Holz bearbeitet und dabei seine ganz eigene Geschichte geschrieben. Scharner beendet diese Geschichte nicht – sie schreibt sie weiter. Sie kombiniert das gebrauchte Schleifpapier mit unterschiedlichen Materialien, Fotografien und Farben und verwandelt das scheinbar unscheinbare Arbeitsmaterial in eigenständige Kunstwerke. Dabei entstehen Arbeiten, in denen Vergangenheit und Gegenwart, Zufall und bewusste Gestaltung aufeinandertreffen. Die Verbindung verschiedener künstlerischer Genres gehört zu

ihrem Prinzip. Eigene Fotografien finden ebenso Eingang in ihre Arbeiten wie Acrylfarbe oder Wachs. Besonders die Enkaustik spielt dabei eine wichtige Rolle. Bei dieser bereits in der Antike bekannten Technik werden Farbpigmente in Wachs gebunden und heiß auf den Malgrund aufgetragen. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „einbrennen“. Vielleicht ist es kein Zufall, dass Scharner diese Technik besonders fasziniert. Ihre künstlerischen Wurzeln liegen unter anderem in der Textilkunst und der Batik – auch dort spielen Farbe, Material, Wärme und die Transformation eines Werkstoffs eine zentrale Rolle. Die Farben der Welt im Atelier Scharners Kunst beginnt nicht erst im Atelier, sondern unterwegs. Auf Reisen sammelt sie Eindrücke, Farben und Materialien. Licht, Landschaft und Natur werden zu Inspirawiesbadener*in III/2026


„Vulkan“ im Hintergrund und Sinter-Plastik im Vordergrund, Foto: Bernd Semmler

tionsquellen, Fundstücke später zu Bestandteilen ihrer Arbeiten.

sie Sinterablagerungen aus den Wiesbadener Quellen.

Manchmal geht sie dabei buchstäblich an den Ursprung einer Farbe: Gefällt ihr ein Farbton in der Natur, nimmt sie beispielsweise Gestein mit, verarbeitet es zu Pulver und gewinnt daraus Pigmente für Acryl oder Wachs. So wird aus einem Stück Landschaft ein Teil eines Kunstwerks – und bewahrt zugleich einen Ort, einen Moment und eine persönliche Erfahrung. Ihr Atelier wird zum Archiv ihrer Reisen.

Das mineralhaltige Material, das jährlich von den Brunnen abgeklopft wird, pulverisierte sie und gewann daraus Pigmente, die sie in Acryl oder Wachs einarbeitete.

„Mehr Wiesbaden geht eigentlich nicht“

Zwischen Schule, Bühne und Museum

Wie konsequent Scharner ihre Umgebung einbezieht, zeigte die Gruppenausstellung „Kunst zu Wiesbaden – Kunst aus Wiesbaden“ 2022 im Wiesbadener Rathaus. Für ihre großformatigen Arbeiten „Wiesbadener Quellen“ verwendete

Dass Annette Scharner Künstlerin werden würde, zeichnete sich früh ab. Sie wuchs in einem musisch geprägten Umfeld auf; ihr Vater war Kammermusiker am Staatstheater Wiesbaden. Zunächst wollte sie Bühnenbildnerin werden und

wiesbadener*in III/2026

Damit steckt in ihren Bildern tatsächlich ein Stück Wiesbaden: Material aus der Stadt, ihren Quellen und ihrer Geschichte wird in eine neue künstlerische Form überführt. Mehr Wiesbaden geht eigentlich nicht.

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kultur & kreatives en. Ein Traum wurde wahr. Höhepunkt war die Inszenierung von Carl Orffs „Carmina Burana“. Zweieinhalb Jahre arbeitete sie mit Schülerinnen und Schülern an Bühnenbild und Inszenierung. 1993 kam es unter der musikalischen Leitung von Gerd Rixmann zur vielbeachteten Aufführung im Kurhaus Wiesbaden. Damit hatte sich Scharner in Wiesbaden endgültig als kreative und innovative Pädagogin etabliert. Kunstvermittlung als Lebensaufgabe Ihre Erfahrungen gab sie auch außerhalb der Schule weiter. Im Auftrag des Hessischen Kultusministeriums organisierte sie Lehrerfortbildungen zur ästhetischen und kulturellen Praxis in Hessen, Österreich und Südtirol.

aus der Gruppenausstellung „Kunst zu Wiesbaden – Kunst aus Wiesbaden“ 2022, Foto: Bernd Semmler

auf jeden Fall Kunst studieren. Der Vater hatte allerdings andere Vorstellungen. Sein Veto führte dazu, dass Scharner zusätzlich zum Kunststudium ein Lehramtsstudium absolvierte. Sie respektierte den Wunsch ihres Vaters. Aus heutiger Sicht erwies sich diese Verbindung von Kunst und Pädagogik als Glücksfall. Scharner wurde Kunsterzieherin am Gymnasium für Kunst und Werken, blieb aber parallel bildende Künstlerin. Schon während des Studiums stellte sie ihre textile Kunst aus. Nach Referendariat, Schuldienst und der Geburt ihrer beiden Töchter fand sie immer wieder Raum für ihre eigene Kunst. Aus der Textilkünstlerin wurde zunehmend eine Malerin – gerne großflächig und raumgreifend. Als sie ihre Mutter begleitete, die bis zu ihrem 100. Lebensjahr in ihrer eigenen Wohnung lebte, musste Scharner dagegen mobil bleiben. Ihre Arbeiten passte sie deshalb so an, dass sie in einen Schuhkarton passten. Auch diese kleinen Werke sind geprägt von Kreativität und Detailreichtum.

1998 erhielt sie über das Landesmuseum Wiesbaden die Möglichkeit, neben ihrer Lehrtätigkeit eine museumspädagogische Abteilung aufzubauen. Das zunächst auf ein Jahr angelegte Projekt blieb bis zu ihrer Verabschiedung aus dem Schuldienst 2013 bestehen und entwickelte sich zu einer nachhaltigen Institution. Heute ist die Museumspädagogik in Wiesbaden räumlich die größte Deutschlands. Für Scharner war diese Entwicklung konsequent. Kunst bedeutete für sie nie nur eigenes Schaffen, sondern immer auch die Frage, wie Kunst anderen Menschen zugänglich gemacht werden kann. „Kunst und Kunstvermittlung mäanderten permanent durch mein Leben“, sagt sie. Das Bild passt zu ihrem Lebensweg: Kunst führte zur Pädagogik, Pädagogik zum Theater, Theater zur kulturellen Bildung und diese zur Museumspädagogik – und alles immer wieder zurück zur eigenen Kunst. Auch ihre Schülerinnen und Schüler wollte Scharner nicht in erster Linie zu Künstlerinnen und Künstlern machen. Ihr Ziel war, die Kreativität in ihren SchülerInnen zu wecken. Denn Kreativität braucht jeder – beim Denken, Problemlösen, Entwickeln neuer Ideen und im Umgang mit Veränderungen. Kunst ist für Scharner ein Werkzeug, um Neugier zu wecken, Wahrnehmung zu schärfen und eigene Ausdrucksmöglichkeiten zu entdecken.

Ein Traum wird Wirklichkeit

505 Kilometer Kreativität am Rhein

Während ihrer Lehrtätigkeit konnte Scharner eine Theater-AG aufbau-

2019 gründete Scharner die Künstlergruppe „505 KUNST AM

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RHEIN“. Der Name verweist auf den Rheinkilometer 505. Die Ateliers der beteiligten Künstlerinnen und Künstler liegen unter anderem in Kastel, Schierstein und Biebrich. Die Gruppe steht für Vernetzung, Austausch und die Sichtbarkeit von Kunst in der Region. Seit 2024 organisiert Scharner außerdem die jährlich stattfindenden „OFFENEN ATELIERS am Rhein“. Damit verbindet sie erneut eigenes künstlerisches Arbeiten mit Vermittlung und Organisation. „Ich möchte meine Erfahrungen auch an andere weitergeben“, sagt sie. Ein Leben in Bewegung Ihr neues Atelier in Geisenheim, in dem sie seit 2023 arbeitet, bietet mehr Platz und die Verbindung zu ihrer Lieblingslandschaft: dem Rheingau! Hier entstehen große Formate. Ihre bildnerischen Themen, meist abstrahiert, drehen sich immer um Wasser * Himmel * Erde. Von der „Wiesbadener Quelle“ bis zum „Atlantik“ – wo auch immer wieder neue Bilder entstehen; sowie der „Milchstraße“, den „Planeten“ und den „Erden“ dieser Welt. Vielleicht lässt sich Annette Scharners künstlerischer Ansatz mit drei Worten beschreiben: neugierig, offen und verbindend. Sie verbindet Materialien, Natur und Kunst, Reisen und Atelierarbeit, Generationen und Erfahrungen, künstlerisches Schaffen und Bildung. Aus Schleifpapier werden Bilder, aus Gestein Pigmente, aus Sinter Farbe. Aus einer Theater-AG wird eine große Bühnenproduktion, aus einem zunächst einjährigen Projekt eine bedeutende museumspädagogische Einrichtung. Und aus eigener Erfahrung entsteht immer wieder etwas Neues für andere. „Mein ganzes Leben besteht aus Kunst und Glück“, resümiert Annette Scharner. Wer ihr Atelier betritt, versteht schnell, was sie damit meint. Hier ist nichts endgültig. Alles kann Material, Inspiration und Verwandlung sein. Vielleicht ist genau das ihre eigentliche Kunst: Sie bewahrt die Welt nicht – sie verwandelt sie. Infos über, zu und um Annette Scharner: https://www.scharner-art.com/ https://www.offeneateliers-wi.de/ https://505kunstamrhein.de/ wiesbadener*in III/2026


kultur & kreatves

Elke Härtel: Ohne Titel (Hirsch), 2005, Polyurethan-Gießharz, seidenmatt weiß lackiert; 96 x 83 x 34 cm. Foto: Walter Bayer.

D

ie Stadt war schon immer ein geteilter Lebensraum, in dem Menschen und Tiere miteinander koexistierten. Städte bieten nicht nur für Menschen attraktive Bedingungen; auch Tiere beanspruchen immer wieder neue innerstädtische Lebensräume für sich. Mit der Themenausstellung Urbs animalis – Die Stadt als Lebensraum für Tier und Mensch möchte der Künstlerverein Walkmühle den Blick jedoch nicht nur auf die ambivalente Stellung von Tieren im urbanen Raum richten, sondern insgesamt die vielseitigen Interaktionen und interspezifischen Beziehungen thematisieren, die aus der Begegnung zwischen Tieren und Menschen folgen. Unser Bild vom Tier, als etwas von uns völlig Verschiedenem ist nicht mehr haltbar. Tiere sind nicht nur viel intelligenter, als wir immer dachten, erfinderischer, empathischer und selbst in ästhetischen Fragen bewanderter als angenommen. Sie sind uns so ähnlich, dass die herkömmlichen Abgrenzungen und Hierarchien fragwürdig geworden sind. Der Umstand, dass wir als Menschen eben auch dazugehören, nämlich zu den Säugetieren, veranlasst viele Tieraktivisten, lieber wiesbadener*in III/2026

„Urbs animalis – Die Stadt als Lebensraum für Tier und Mensch“ Thematische Gruppenausstellung in der Walkmühle zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Tieren zu unterscheiden, als weiterhin dem MenschTier-Dualismus zu frönen. Dabei hat es den Anschein, dass dieses Umdenken nicht nur als logische Konsequenz der wissenschaftlichen Erkenntnisse auf dem Gebiet der jüngeren Tierforschung zu verstehen ist, sondern sich aus vielen Quellen speist.

Christiane Erdmann und Verena Schmidt sowohl durch gezielte Kuration als auch über eine internationale Ausschreibung ausgewählt, so dass gleichermaßen bereits etablierte Positionen als auch solche von aufstrebenden Nachwuchskünstlerinnen und -künstlern präsentiert werden. Die Schau durch ein Programm von Vorträgen und Veranstaltungen flankiert – siehe website.

Die thematische Gruppenausstellung versammelt vierundzwanzig internationale zeitgenössische Positionen von Künstlerinnen und Künstlern mit Werken aus verschiedenen Kunstgattungen, von Malerei, Fotografie und Skulptur bis hin zu Performance, Installation und digitalen Medien. Sie wurden durch die Kuratorinnen

Gruppenausstellung „urbs animalis“ bis 15 November 2026 Künstlerverein Walkmühle e.V Walkmühle 3 (ehemals Bornhofenweg 9) 65195 Wiesbaden www.walkmuehle.net 13


kultur & kreatives

Die hohe Kunst der A n i m A RTi o n

Grigorova-Kreck. Es laufen „mehrere Oscar-nominierte Filme und die beiden Oscarpreisträger 2025 und 2026 als aktueller Beitrag zur Prime-Time.“

27. Internationales Trickfilm-Festival Wiesbaden vom 5. bis 8. November 2026 im Biebricher Schloss oder im Caligari

Die Filmexpertin ist eine wichtige Zeitzeugin und in der Oral History-Anthologie „Erlebte Geschichte & Geschichten“ - Herausgeber Stadtarchiv-Förderverein, Autorin G. Werner - gemeinsam mit Filmkoryphäe Joachim Kreck prominent vertreten.

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rickreich flimmernde Hochkaräter satt. Wiesbaden wird wieder zum El Dorado der animierten Filmkunstwerke. Das 2024 silberjubilierende „Internationale Trickfilmfestival Wiesbaden“ macht weiter. Fans scharren schon mit den Hufen in Vorfreude auf die 27. Ausgabe des beliebten Dauerbrenners. Vier Tage im November Das Internationale Trickfilm-Festival Wiesbaden feiert vom 5. bis 8. November 2026 wieder die hohe Kunst der Animation. „Wiesbaden ist unter den internationalen Trickfilmfestivals das einzige mit den Hauptpreisträgern der wichtigsten Festivals und Trickfilmwettbewerbe. Es ist ein exzellentes Programm. Wie immer sind wir stark besetzt und zeigen das Beste vom Besten der mehrfach preisgekrönten Filme“, betont Detelina 14

Die kulturpreisgekrönten „Freunde der Filme im Schloss“ mit dem „Dritten Mann“ Michael O. Fechner kredenzen „nur eingeladene Filme mit mehreren Preisen. Wir zeigen die aktuelle Entwicklung des Trickfilms.“ Heuer lädt neben dem Trio der traditionsreichen Sektionen „Best of International Animation 2024/2026“ auch das Programm „New Generations“ ein. Dem deutschen Trickfilm gilt wieder ein eigenes Programm, das als „Best of German Animation“ Diplomarbeiten der Hochschulen Ludwigsburg, Kassel und Berlin bietet. Ein Schmankerl ist der Freitagabend (20 Uhr) mit den Preisträgern und Highlights des 26. Internationalen Trickfilmfestivals Wiesbaden 2025 wie „Miles davis – What´s wiesbadener*in III/2026


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love got to do with it“ und „Der perfekte Tag“ der Oscarpreisträger Christoph und Wolfgang Lauenstein. 2022 bekam Christoph Lauenstein/Hamburg den Preis des Kulturamtes, der seit 25 Jahren vergeben wird. Professor Andreas Hykade ist der aktuelle Kulturamts-Preisträger 2026 und bringt zur Preisübergabe zwei Werke mit: „Dr. Dr. Themefart – Frustrating Himself, Posed As Gay Old Nazi SS“ ist ein anagrammatischer Exorzismus von David Bowies Albumtitel „The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders From Mars“. Eine kreative Hommage an seinen Geburtsort ist „Altötting“ aus dem Jahr 2020. Als hervorragender Langfilm ist „Planétes“ als Paul Grimault-Preis Annecy 2025 an Bord. Zur Vorstellung ihres Langfilm-Debüts kommt Regisseurin Momoko Seto aus Paris nach Wiesbaden. Das international bekannte Festival fußt auf Zusammenarbeit mit dem Kulturamt Wiesbaden, der Omnimago GmbH - der für die unschätzbare Unterstützung spezieller Dank gebührt - und HessenFilm und Medien. In vier Programmen laufen Filme aus 16 Ländern quer über den Globus von Belgien bis Zypern, inklusive Iran, Israel, Japan, Kanada und Uruguay sowie Down Under Australien. Seit 2008 hat das Festival Wettbewerbs-Charakter mit einem Clou - das Publikum ist die Jury und bewertet per Stimmzettel, Die Publikumspreise werden gefördert vom Katholischen Filmwerk, der SV SparkassenVersicherung und dem Ortsbeirat Biebrich. wiesbadener*in III/2026

Der Annecy-Preis für Langfilme 2024 zeigt eine Stop-Motion-Knetanimation aus Down Under Adam Elliots „Memoiren einer Schnecke“ Goldjungen pur ist die Devise im Best of-Programm 2 mit Oscargewinner 2025 „In the Shadow of the Cypress“/Iran - und dem aktuellen Oscar-Star „The girl who cried pearls“ aus Canada. Oscarnominierungen 2026 sind „Papillon““/ Frankreich, „Forevergreen“/ USA, „The three sisters“/ Israel-ZypernRussland und „Retirement Plan“/ Irland. Ein Herz für Kinder Premiere bei den „Tricks für Kids“: Detelina Grigorova-Kreck hat für ihr Herzensanliegen – die „Tricks für Kids“ als die lieben Kleinen (FSK ab 0 Jahren) in der traditionellen Sonntags-Matinée erstmals einen Langfilm für die ganze Familie kuratiert: Die beliebte „PAW Patrol: Der Dino-Film“ kommt und lässt die Patrol-Welpen auf einer vergessenen Insel stranden. Es gilt, spannende Abenteuer mit waschechten zu Dinos erleben. Am Sonntagnachmittag kann die Familie dann einen Knüller erleben - Annecy-Hauptpreis Cristal 2025 2025 und Oscarnominierung 2026: Natalie Portmans Debüt als Produzentin (mit Sophie Mas als Label MountainA) heißt „Arco“ und ist das visuell herausragende LangfilmDebüt von Ugo Bienvenus, www.filme-im-schloss.de Gesine Werner

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Bodeninstallation - „Asphaltlinie“

die noch immer bestehende Unterrepräsentanz von Frauen in der Kunst. Doris Bardong war eine der ausstellenden Künstlerinnen. Für sie war die Ausstellung weit mehr als eine einzelne Station: „Ich liebe die Verknüpfung mit anderen Künstlerinnen und Künstlern, liebe die Freiheit in meiner Kunst und möchte mit meiner Kunst sichtbar sein. Das Thema der GEDOK-Ausstellung begleitet mich durch mein Künstlerinnen-Dasein.“

Doris Bardong mit einer Tasche aus Ton in ihrem art room, Foto: privat

Ein eigener Raum für Kunst und Begegnung Wir treffen uns in ihrer Produzentengalerie art room im Wiesbadener Rheingauviertel. Seit 2022 betreibt Bardong die Räume als Galerie, Atelier und Ort der Begegnung. Hier zeigt sie eigene Arbeiten, lädt

Doris Bardong Sichtbar. Verknüpft. Frei.

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unst entsteht für Doris Bardong aus Beobachtung, Experiment und Begegnung. In ihrer Produzentengalerie art room im Wiesbadener Rheingauviertel verbindet die Bildhauerin eigenes künstlerisches Arbeiten mit Ausstellungen, Workshops und dem Austausch mit anderen Kunstschaffenden.

Künstlerinnen und Künstler als Gastaussteller*innen zu thematischen Ausstellungen ein, gibt Kunstkurse und organisiert regelmäßig Veranstaltungen – häufig verbunden mit Musik.

„So sehe ich meine Kunst, so möchte ich als Künstlerin sein – sichtbar, verknüpft, frei!“ Mit diesen Worten beschreibt Doris Bardong, was sie mit dem Titel der diesjährigen GEDOKAusstellung in München verbindet.

Die Galerie ist damit zugleich Ausstellungsort, Werkstatt und Treffpunkt. Verknüpfung und Sichtbarkeit gehören hier ganz selbstverständlich zusammen.

Die Künstlerinnenvereinigung feierte von April bis Sommer 2026 ihr 100-jähriges Bestehen. Präsentiert wurden Arbeiten aus Malerei, Skulptur, Multimedia, Schmuck- und Textilkunst. Im Mittelpunkt standen die historische Entwicklung und die Gegenwart von Künstlerinnen ebenso wie strukturelle Ungleichheiten – etwa Einkommensunterschiede und 16

Auch bei den Kulturtagen Rheingauviertel und Tatorte Kunst öffnet sie ihre Räume für Besucherinnen und Besucher.

Ein Weg mit Umwegen Dass sie Künstlerin werden wollte, wusste Doris Bardong schon früh. Der Weg dorthin verlief allerdings nicht geradlinig. Aus familiären Gründen beendete sie ihren ersten Bildungsweg vor dem Abitur. Ihre geplante Ausbildung zur Bildhauerin scheiterte daran, dass Frauen in diesem Handwerk damals nicht selbstverständlich ausgebildet wurden.

Bardong ließ sich davon nicht abbringen. Sie holte die Fachhochschulreife nach und studierte Kunst an der Freien Kunstschule Wiesbaden, parallel zu ihrem Studium der Sozialpädagogik. Weitere künstlerische Ausbildungen folgten: keramische Skulptur bei Sabine Classen, Zeichnen und Aktzeichnen an der Abendschule des Frankfurter Städel bei Vroni Schwegler sowie Aktmodellieren bei Merja Herzog Hellstén. Und dazwischen entwickelte sie konsequent ihren eigenen künstlerischen Weg. Zwischen Natur und künstlerischer Setzung Im Zentrum ihres bildhauerischen Schaffens steht die Auseinandersetzung mit Form, Struktur und Material. Ausgangspunkt können unscheinbare Dinge des Alltags sein: Risse im Asphalt, die Verzweigungen von Ästen, die geometrischen Formen von Blüten und Gräsern oder der Faltenwurf einer Handtasche. Bardong beobachtet genau, fotografiert, sammelt Eindrücke und überträgt gefundene Strukturen in andere Materialien – besonders gerne in Ton. Aus einer natürlichen oder alltäglichen Form entsteht so ein neues skulpturales Gegenüber. Dabei interessiert sie die Frage, wie organische Wachstumsprinzipien und künstlich geschaffene Strukturen miteinander verbunden sind. Wo endet die natürliche Form und wo beginnt die künstlerische Intervention? „Meine bildhauerische Praxis ist somit nicht nur eine künstlerische, sondern auch eine erkenntnistheoretische Auseinandersetzung mit Formprozessen“, erklärt Bardong. Mit offenen Augen betrachte sie ihre Umgebung, studiere Strukturen, verwerfe, experimentiere und schaffe daraus Skulpturen zwischen Naturbeobachtung und künstlerischer Setzung. Ihre Werke sind damit nicht nur Objekte. Sie werden zu Reflexionsräumen über Form, Materialität und Wahrnehmung. wiesbadener*in III/2026


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Taschen, aus Ton mit Originalfragmenten nachgebildet

Wenn ein Riss im Asphalt zur Kunst wird Wie aus einer zufälligen Beobachtung ein Kunstprojekt entstehen kann, erzählt Doris Bardong am Beispiel ihrer Fotoserie „Asphaltlinie“. „Es handelt sich meistens um plötzliche Ideen, die durch Beobachtungen entstehen.“ So fuhr sie einmal mit dem Fahrrad über einen Deichweg und bemerkte die reparierten Linien im Asphalt. Sie fotografierte die Strukturen. Aus diesen Bildern entwickelte sich die Fotoserie – später kam eine Bodeninstallation hinzu. Risse und Abdrücke faszinieren die Künstlerin. Auch bildhauerische Elemente fließen in ihre Arbeiten ein. Ob von Anfang an feststeht, welches Material verwendet wird? „Das entscheide ich spontan. Ich arbeite schon gerne mit Ton, bin aber auch für andere Materialien offen. Manchmal muss man die Materialien einfach ausprobieren.“ Auch im Atelier gilt: Nicht alles, was entsteht, muss sofort zu einem fertigen Werk werden. Überbleibsel aus Arbeitsprozessen bewahrt Bardong auf. Vielleicht finden sie später in einer anderen Arbeit Verwendung. So wächst über die Jahre ein großer Fundus, aus dem die Künstlerin schöpfen kann – auch wenn dieser Fundus gelegentlich wieder von Ballast befreit werden muss. Die Handtasche als Skulptur Besonders anschaulich zeigt sich Bardongs Arbeitsweise in ihrer Taschen-Serie. Während der Covid-Zeit hatte die Künstlerin viel Zeit und wollte diese kreativ nutzen. Ihr Blick fiel dabei auf ihre eigene Handtasche. Faltungen, Gebrauchsspuren und die individuelle Form machten sie zu einem spannenden Modell. Bardong begann, die Tasche in Ton nachzubilden. Es blieb nicht bei einem Exemplar. Die Idee entwickelte ein Eigenleben, die Serie wurde mehrfach erfolgreich ausgestellt. wiesbadener*in III/2026

„Oft sind es Zufälle, aus denen Ideen werden“, sagt sie. Auch Gesichter modelliert Bardong gerne, ebenso Aktfiguren. Doch dafür braucht es Modelle und Gelegenheiten. Taschen dagegen sind immer verfügbar – und damit ein geradezu ideales Studienobjekt für eine Künstlerin, die ihre Inspiration mitten im Alltag findet. Ganz aktuell wurde eins ihrer Exponate (eine weiße Tasche) von der Landeshauptstaddt Wiesbaden für die Artothek erworben. Hier können originale Kunstwerke aus den Bereichen Malerei, Grafik, Fotografie, Skulptur und Objektkunst gegen eine Gebühr für das eigene Zuhause ausgeliehen werden (www. wiesbaden.de/microsite/kunsthaus/ artothek/). Kunst weitergeben: Workshops und experimenteller Druck Die Freude am Experiment gibt Doris Bardong inzwischen auch in Kursen und Workshops weiter. Blätter, Gräser, Federn, Stoffe und Alltagsmaterialien aller Art werden dabei zu Ausgangspunkten für eigene Kunstwerke. Im Mittelpunkt steht das experimentelle Drucken. Mit Gel-Druckplatten und Druckerpresse entstehen aus Farben, Strukturen und gesammelten Fundstücken individuelle Arbeiten – jedes Blatt ein Unikat. Die Workshops richten sich an kunstinteressierte Menschen, die Lust haben, Materialien neu zu entdecken und ohne Leistungsdruck eigene Ideen umzusetzen. Sie eignen sich auch als besondere Geschenkidee: Gutscheine sind direkt bei der Künstlerin erhältlich. Aktuelle Termine, Preise und Informationen zum Ablauf gibt es unter: art-room-wiesbaden.de/index.php und doris-bardong.de/index.php Oder über die Künstlerin direkt: E-Mail: doris.bardong@t-online.de Sichtbar und verknüpft Die Mitgliedschaft im BBK eröffnete

Doris Bardong weitere Möglichkeiten, ihre Arbeiten auszustellen und mit anderen Künstlerinnen und Künstlern in Kontakt zu kommen. Wieder zeigt sich, wie eng die drei Begriffe ihres künstlerischen Selbstverständnisses miteinander verbunden sind: Sichtbarkeit entsteht durch Begegnung, Vernetzung schafft neue Möglichkeiten – und die Freiheit bleibt die Grundlage ihrer künstlerischen Arbeit. Auch 2026 stehen weitere Veranstaltungen auf dem Programm: Vom 11. bis 13. September 2026 ist Doris Bardong im Foyer der Kunstmesse ARTe Wiesbaden im Bereich der regionalen Künstlerinnen und Künstler vertreten. Am 24. und 25. Oktober 2026 beteiligt sie sich erneut an „Tatorte Kunst“, dem Kunstrundgang Wiesbaden-Mitte, Rheingauviertel-Hollerborn. Geplant sind in ihrer Produzentengalerie art room Aktionen rund um das experimentelle Drucken. Seit diesem Jahr ist Doris Bardong außerdem Mitglied der Gruppe 50 Wiesbaden, die für 2027 ebenfalls weitere Aktivitäten plant. Und auch im art room geht es weiter: Ausstellungen, Veranstaltungen und Aktionen sind regelmäßig geplant – unter anderem im Rahmen der Kulturtage Rheingauviertel und anderer kultureller Veranstaltungen. So bleibt der art room das, was Doris Bardong mit ihrer Kunst verbindet: ein Ort, an dem Menschen, Materialien, Ideen und unterschiedliche künstlerische Positionen zusammenkommen. Sichtbar. Verknüpft. Frei. Mehr über Doris Bardong, ihre Kunst, Workshops und aktuellen Ausstellungen: https://art-room-wiesbaden.de/ index.php https://doris-bardong.de/index.php www.instagram.com/art_room_ wiesbaden_bardong/ 17


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ARTe Kunstmesse Wiesbaden | © Caspar Zylla

Die Rekordmesse geht in die achte Runde

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om 11. bis 13. September 2026 präsentiert die größte der ARTe Kunstmessen wieder 170 ausgewählte Galerien und Künstler:innen auf rund 5.000 qm Ausstellungsfläche im RheinMain CongressCenter mitten in Wiesbaden. Auch in 2026 dürfen sich Kunstinteressierte auf Gegenwartskunst und Werke der Klassischen Moderne auf der ARTe Kunstmesse Wiesbaden freuen. Mit knapp 5.000 qm Ausstellungsfläche ist die Wiesbadener Edition die größte der sechs ARTe Kunstmessen. Vom 11. bis 13. September 2026 verwandelt sich die Fläche des RheinMain CongressCenters wieder in eine Bühne für 170 ausgewählte Galerien und Künstler:innen, auf der sich jährlich 5.000 Besuchende tummeln. Letztes Jahr wurde sogar erstmalig der Spitzenwert von über 7.000 Kunstinteressierten überschritten. ARTe Kunstmesse Wiesbaden | © Caspar Zylla 18

Inmitten modernster Architektur und Veranstaltungstechnik lädt wiesbadener*in III/2026


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ARTe Kunstmesse Wiesbaden | © Caspar Zylla

die ARTe Kunstmesse Wiesbaden mit ihrer offenen und luftigen Standgestaltung im Herzen der Stadt zu künstlerischer Unbeschwertheit ein. Die Verkaufsmesse bietet den direkten Dialog mit Galerien und Künstler:innen und den unmittelbaren Kauf aller Exponate. Musikalische Untermalung und ein kulinarisches Angebot runden dabei das Gesamterlebnis ab. Zu entdecken gibt es Skulpturen, Gemälde, Zeichnungen, Fotografien, Collagen und Objekte. Mehr zum kunsthistorischen Kontext können Kunstbegeisterte darüber hinaus in einer der fünf kostenfreien Messeführungen mit der Kunsthistorikerin Anette Ochsenwadel erfahren. Die Anmeldung hierfür ist über die ARTe Kunstmessen Website möglich. Wer fündig wird und ein Werk für die eigenen vier Wände ergattert hat, darf sich über einen kostenfreien Einpackservice und bargeldloses Bezahlen freuen. Im lichtdurchfluteten Foyer präsentiert die ARTe Kunstmesse Wiesbaden auch 2026 den „Pavillon Wiesbadener Künstler:innen”, in dem 20 Kunstschaffende aus Wiesbaden ihre aktuellen Positionen präsentieren und so den Bewiesbadener*in III/2026

sucher:innen schon beim Ankommen einen aktuellen Einblick in die Schaffenskraft der Wiesbadener Kunstszene geben. In der Nordhalle erwartet die Gäste wieder ein Mix aus Klassischer Moderne, Zeitgenössischer Kunst und erstmals 2026 eine Künstlergruppe aus Indonesien.

Veranstaltungsort RheinMain CongressCenter Friedrich-Ebert-Allee 1 65185 Wiesbaden Alle Informationen zur Messe finden Sie unter: arte-kunstmessen.de/ veranstaltung/wiesbaden-2026/

Tickets sind schon jetzt zu 12 € pro Person ermäßigt online verfügbar und im Vergleich zur Tageskasse für das ganze Messewochenende gültig. Gruppen von vier und acht Personen dürfen sich zudem auf einen Gruppenrabatt freuen. Am Vernissage-Abend, Freitag, 11. September 2026, sind alle Besucher:innen zwischen 17:00 und 18:00 Uhr zum freien Eintritt eingeladen. Danach sind die Tickets an der Tageskasse regulär für 15 € für den aktuellen Messetag erhältlich. Für Schüler:innen, Student: innen, Rentner:innen und Personen mit Einschränkungen gilt der ermäßigte Eintrittspreis von 12€. Begleitende Kinder unter 16 Jahren nehmen kostenlos teil und Personen mit Merkzeichen „B“ (inklusive Begleitperson) haben freien Eintritt. 19


Erinnerungen, die du längst verloren glaubtest, bei der Betrachtung einer Skulptur oder einer Zeichnung. Die Kunst befreit dich aus dem Alltag, eröffnet neue Sichtweisen, unerwartete Gefühle und überraschende Gedanken stellen sich ein. Mit den Künstler:nnen kannst du über die Kunst sprechen und dir den Schaffensprozess oder die Bedeutung erklären lassen. Für die Seele & den Magen: Zwischendurch laden Cafés, kleine Läden oder Restaurants zu Espresso, Kuchen, einem Glas Wein oder mehr ein. Kunstgenuss und kulinarischer Genuss gehen hier Hand in Hand. Gut zu wissen: Der Eintritt ist frei. Alle Orte sind auf dem Stadtplan-Ausschnitt des Flyers markiert – zu finden in den bekannten Anlaufstellen in der Stadt wie z.B. dem Tourist Office. Einfach Flyer schnappen, loslaufen, schauen! Dieter Knobloch

TatOrte Kunst zeigt eine andere Seite von Wiesbaden! Am letzten Oktoberwochenende heißt es wieder: Türen auf für TatOrte Kunst! Drei lebendige Stadtviertel werden zur Bühne für Kunst, Austausch und Entdeckungen. Du schlenderst durch Straßen, die Du vielleicht schon lange kennst und entdeckst Neues hinter Fenstern, in Hinterhöfen, Dachböden, Schaufenstern oder sogar Wohnungen.

Was darf man erwarten? Kunst in allen Facetten: Malerei, Fotografie, Streetart, Installationen, Skulptur, Performance. All das ist an diesem Wochenende öffentlich zugänglich – ein echtes urbanes Abenteuer also. Manchmal siehst du die ganze Welt in einem Bild, manchmal ist die pure Schönheit dargestellt oder mal etwas Unverständliches. Du findest dich plötzlich wieder in

Ob man alleine loszieht, mit Freund:nnen oder family – dieser Rundgang ist für alle, die Lust auf mehr Kunst, mehr Stadt und mehr Begegnung haben. Das TatOrte-Kunst-Team besteht aus Andrea Frank, Christiane Jungkenn, Martina Stehmeier und Dieter Knobloch. Unterstützt wird TatOrte Kunst 2026 von der Nassauischen Sparkasse NASPA, dem Kulturamt, den Ortsbeiräten Rheingauviertel-

Kunst im Dialog: 18. TatOrte Kunst: Ein Date mit der Kunstszene deiner Stadt Im Rheingauviertel-Hollerborn, Dichterviertel und Wiesbaden-Mitte 20

wiesbadener*in III/2026


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Mali Schanette, Begegnungen

Hollerborn. Wiesbaden-Mitte und Wiesbaden Dichterviertel (SüdOst), GWW sowie durch die Groomerschule Pet & Luca Infos & Rundgangsflyer unter www.Tatorte-Kunst.de

Martina Stehmeier wiesbadener*in III/2026

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sam, Stadtmuseum am Markt, Foto: Stiftung Stadtmuseum Wiesbaden

Jubiläum eines Provisoriums

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ehn Jahre sam – und noch immer im Keller. Jetzt liegt eine Lösung auf dem Tisch, die kaum besser passen könnte. Doch ob die Politik zugreift, ist offen. Es könnte ein Geschenk sein, wie man es sich zum zehnten Geburtstag kaum besser wünschen kann: Das sam-Team um Direktorin Sabine Philipp hat einen möglichen neuen Standort vor Augen – mitten in der Innenstadt, in der Sportarena in der Fußgängerzone. Eine Machbarkeitsstudie der SEG kommt zu einem klaren Ergebnis: Das Gebäude eignet sich grundsätzlich für die Nutzung als Museum. Es wäre eine nachhaltige Perspektive für die Immobilie. Und für das sam wäre es endlich der Ausweg aus einem Provisorium, das längst keines mehr sein sollte. Die Voraussetzungen sind bereits sichtbar. In der Sportarena ist derzeit der „Werkraum“ eingerichtet. In den ersten drei Monaten kamen dort mehr als 20.000 Menschen vorbei – doppelt so viele Besucher, wie das Kellermuseum sonst in einem ganzen Jahr erreicht. Die Stadt hat damit eigentlich schon einen Vorgeschmack darauf bekommen, was ein Museum in der Innenstadt bewirken kann. 22

Doch statt Aufbruchsstimmung liegt über dem Jubiläum auch ein Déjà-vu. Denn das sam kennt die Erfahrung, wie schnell eine vielversprechende Zukunft an politischen Entscheidungen scheitern kann. Die Geschichte droht sich zu wiederholen. 2014 sollte ein Neubau die räumlichen Probleme lösen. Das Vorhaben scheiterte spektakulär. Aus Sicht so einiger WiesbadenerInnen zeigte sich damals vor allem eines: Den politisch Verantwortlichen fehlte letztlich der Wille, sich zu diesem kulturellen Schatz zu bekennen und ihm ein angemessenes Haus zu geben. Seitdem wird nach einer Lösung gesucht. Zehn Jahre lang. Dabei ist längst offensichtlich, dass der derzeitige Standort im Marktkeller keine dauerhafte Perspektive bietet. Feuchtigkeit, niedrige Decken und die begrenzte Ausstellungsfläche machen den Keller für einen zeitgemäßen Museumsbetrieb ungeeignet. Rund 1.300 Quadratmeter stehen zur Verfügung – für eine Sammlung, die aus etwa 500.000 Objekten besteht. Nur ein winziger Bruchteil davon kann überhaupt gezeigt werden. Und trotzdem hat das Museumsteam in diesen beengten Räumen Erstaunliches geleistet: Mehr als 30 Ausstellungsprojekte sind in den

vergangenen zehn Jahren entstanden. Die Sammlung besitzt Bedeutung weit über Wiesbaden hinaus, ist hessenweit relevant und wird auch international wahrgenommen. Das Problem ist also nicht das Museum. Das Problem ist sein Haus. Die Frage, ob sich die Stadt ein Museum leisten kann, wird gerne über die Kosten gestellt. In der politischen Debatte geht es häufig um Gewerbe, Flächen und die Frage, was sich wirtschaftlich rechnet. Doch vielleicht ist genau das die falsche Perspektive. Denn die Innenstädte verändern sich. Leerstände in den Fußgängerzonen sind längst kein Wiesbadener Sonderproblem. Die klassische Einkaufsstraße, die vor allem vom Konsum lebt, verliert an Bedeutung. Gefragt sind neue Konzepte: Orte, an denen Menschen sich begegnen, verweilen, Kultur erleben und miteinander ins Gespräch kommen – auch ohne etwas kaufen zu müssen. Ein Museum kann genauso ein Ort sein. Und es ist selbst ein Wirtschaftsfaktor. Es bringt Menschen in die Innenstadt, schafft Arbeitsplätze und steigert die Attraktivität des Umfelds. Vor allem aber würde das Geld in diesem Fall in eine stadteigene wiesbadener*in III/2026


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sam, Foto: Oliver Hebel

Institution fließen – und nicht in erster Linie in die Wertschöpfung eines privaten Investors. Die Sportarena könnte damit mehr sein als ein Ersatz für einen problematischen Museumsstandort. Sie könnte Teil einer neuen Idee von Innenstadt werden. Für Sabine Philipp liegen die Argumente auf der Hand. „Es ist mir komplett unverständlich, dass man sich dagegen aussprechen könnte“, sagt die Direktorin. Ihr Appell richtet sich an die Stadtverordneten: Sie sollen sich für den neuen Standort aussprechen. Noch ist allerdings offen, wohin die Reise geht. Die neue „Maracuja“-

wiesbadener*in III/2026

Koalition hat unterschiedliche Überlegungen auf dem Tisch. Damit steht das sam zehn Jahre nach seiner Gründung erneut an einem Wendepunkt. Diesmal allerdings ist die Ausgangslage eine andere. Es gibt keinen abstrakten Neubauplan, keine Vision auf einem Architektenpapier. Es gibt ein konkretes Gebäude, eine positive Machbarkeitsstudie, ein funktionierendes Nutzungskonzept – und mit dem „Werkraum“ sogar den praktischen Beweis, dass die Innenstadt als Museumsstandort funktioniert. Was fehlt, ist die politische Entscheidung.

Denn eines dürfte nach zehn Jahren eigentlich unstrittig sein: Das sam muss aus dem Keller heraus. Die Frage ist nur, ob die Stadt den Schritt wagt. Eine positive Entscheidung für die Sportarena wäre deshalb mehr als eine Standortentscheidung. Sie wäre ein Signal, dass Kultur in der Innenstadt ihren Platz hat. Und vielleicht wäre sie tatsächlich das passendste Geschenk zum zehnten Geburtstag eines Museums, das längst bewiesen hat, dass es auch unter widrigsten Bedingungen bestehen kann. Jetzt braucht es nur noch ein Haus, das seiner Bedeutung gerecht wird.

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Foto: Gisa Gericke

Resilienz sein kann – und Kunst ein Weg, das poetische Gedächtnis zu nähren und den Blick für das Wesentliche zu schärfen. Gericke versteht Kunst dabei als Gegenpol zur Reizüberflutung unserer Zeit – als Möglichkeit, Ruhe, Aufmerksamkeit und Verbindung entstehen zu lassen, ohne auf Sprache angewiesen zu sein.

Foto: of motion and light

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it der Ausstellung LIGHT AND WONDER – ALWAYS präsentiert die Wiesbadener Künstlerin Gisa Gericke vom 20. August bis 31. Oktober 2026 im LOFTWERK Wiesbaden fotografische Arbeiten sowie Werke aus Mixed Media und Malerei.

Im Mittelpunkt der Arbeiten stehen Licht, Reflexion und Bewegung. Fotografisch wie zeichnerisch erforscht Gericke das Zusammenspiel von Flüchtigkeit und Präsenz, von Geschwindigkeit und Stille. Ob Licht, Spiegelungen, Dunkelheit oder die Dynamik von Musik und

LIGHT AND WONDER – ALWAYS Tanz – ihre Werke halten jene fragilen Augenblicke fest, die im Alltag oft unbemerkt bleiben. Es sind Bilder über das Finden von Licht, wo vermeintlich keines ist, und über die stille Schönheit, die in Bewegung und Veränderung verborgen liegt. LIGHT AND WONDER – ALWAYS versteht sich als Einladung zum Innehalten. Die Ausstellung eröffnet einen Raum für individuelle Assoziationen und erinnert daran, dass Neugier eine Form der

Gisa Gericke ist Künstlerin, Designerin und Illustratorin. Bereits in ihrer Jugend erhielt sie eine fundierte künstlerische Ausbildung, bevor sie Design, Illustration, Fotografie und Modedesign an der Hochschule Rhein Main in Wiesbaden sowie an der University of Technology Sydney (Australien) studierte. Sie lebt und arbeitet in Wiesbaden. In ihrem vielschichtigen Werk verbindet sie Zeichnung, Fotografie, Drucktechniken, Mixed Media und Malerei zu einer persönlichen Bildsprache. Ihre Arbeiten entstehen aus der intensiven Beobachtung ihrer Umgebung und übersetzen Erfahrungen in visuelle Poesie. Eröffnung der Ausstellung im LOFTWERK: 20. Agust 2026 um 19 Uhr Die Ausstellung läuft bis Ende Oktober 2026 Infos unter: www.loftwerk-roethele.de/ Alle Fotos: Gisa Gericke

Foto: 050625 masa 24

wiesbadener*in III/2026


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Foto: Mäck Horn Bänd

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it der Eröffnung ihres außergewöhnlichen Veranstaltungsraumes LOFTWERK hat die Goldschmiedemeisterin Anja Roethele in Wiesbaden neue kulturelle Maßstäbe gesetzt. Seitdem ist das LOFTWERK Synonym für außergewöhnliche Veranstaltungen, intensive Genüsse und unvergessliche Momente für alle Sinne. Im 1. Stock in der Langgasse finden u. a. Gin-Lounges, KäseWein-Verkostungen, SchmuckWorkshops, Modenschauen, Kunstausstellungen und Lesungen nebst Firmen- und Privatevents statt. Und dies alles in unglaublich entspannter, ungezwungener Atmosphäre, was immer mehr Menschen zu schätzen wissen. Und jetzt aufgepasst: Ab Oktober gibt es wieder Livemusik im LOFTWERK. We proudly present: FRIDAY BEATS! In loser Folge treten freitags Bands der Region auf und sorgen im LOFTWERK für Stimmung. Für die kühle Erfrischung sorgt die Wein- und Gin-Bar, für den kleinen Hunger gibt es verschiedene kulinarische Leckereien. Den Anfang macht am 16. Oktober 2026 die Mäck Horn Bänd, ein dreiköpfiges Musikerkollektiv um den Wiesbadener Singer/Songwriter Marcus „Mäck“ Horn. Er zählt zu den neuen deutschen Song-Poeten, die in ihren Liedern den Text wiesbadener*in III/2026

Fotos unten: Luke Traveltone, darunter: Masukra, © @Jott.shot

betonen, ohne den Groove und die Power der Musik zu vernachlässigen. Keine halben Sachen, wie er selber sagt. Zusammen agieren die drei Musiker an Gitarre, Bass und Cajon mit einer hochwertigen Gelassenheit und mit verschmitztem Humor. Weiter geht’s am 20. November 2026 mit Masurka, eine vielseitige Newcomerin aus Heidelberg, die sich zwischen R&B, Soul, Hip-Hop, Drum & Bass und EDM bewegt.

LOFTWERK presents: FRIDAY BEATS! Mit authentischen Texten, starken Melodien und genreübergreifenden Einflüssen schafft sie eine einzigartige Verbindung zwischen emotionaler Tiefe und moderner Energie. Am 18. Dezember kommt Luke Traveltone: Elektronische Beats treffen auf Live- Geigenspiel. Der Eintritt beträgt 18,- €, Karten über die Internetseite und an der Abendkasse, Einlass ist ab 19 Uhr Und jetzt schon vormerken: Das LOFTWERK feiert von Februar 2027 bis April 2027 sein 10jähriges Bestehen mit diversen besonderen Events „Best of 10 Jahre“. Infos und Tickets unter: www.loftwerk-roethele.de/ 25


Discovery Art Fair, Impressionen, Foto: Holger Peters

Die Kunstwelt zu Gast in Frankfurt Wie die Discovery Art Fair Raum für Entdeckungsfreude und puren Kunstgenuss schafft

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ei einer internationalen Kunstmesse mit rund 120 Ausstellenden könnte man leicht den Überblick verlieren. Genau das passiert auf der Discovery Art Fair Frankfurt nicht. Denn die Qualität liegt nicht allein in der Größe, sondern in der Auswahl. Wer durch die Halle 1 geht, hat nicht das Gefühl, dass einfach nur viel Kunst zusammengetragen wurde. Die Positionen ergeben ein erstaunlich stimmiges Gesamtbild. Teilnehmende aus etwa 20 Ländern bringen internationale Vielfalt nach Frankfurt. Etablierte Positionen stehen neben jungen Entdeckungen; unterschiedliche Generationen, Medien und künstlerische Haltungen treten in Dialog. So entsteht ein kuratiertes Spektrum zeitgenössischer Kunst, das neue Perspektiven eröffnet: eine gelungene Mischung aus Bekanntem und Unentdecktem. Discovery Art Fair, Kunst von Uwe Tabatt, Foto: Holger Peters

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Da begegnet man am Stand von KAS Kunstraum-Dreieich den Skulpturen von Tony Cragg und Markus Lüpertz. Die Galerie am

Dom präsentiert Arbeiten von Armin Mueller-Stahl und Stephan Balkenhols derzeit viel beachtete Opernfiguren. Die Wiener Galerie Dantendorfer zeigt Arbeiten von Kurt Hüpfner, einem der bedeutendsten spät entdeckten österreichischen Künstler der Nachkriegszeit, während die Steinberger Galerie unter anderem Elvira Bach im Programm hat. Aufregende Entdeckungen und neue Talente Doch die bekannten Namen sind nur der Ausgangspunkt für einen Rundgang, bei dem sich immer wieder Neues entdecken lässt. Der britische Fotograf Joseph Ford etwa spielt mit optischen Täuschungen und lässt seine Motive so perfekt mit ihrer Umgebung verschmelzen, dass man unwillkürlich ein zweites Mal hinschaut. Der kroatische Künstler Dante Galic zeigt mit Paintings of Harald eine über Jahre entwickelte, außergewöhnlich expressive Porträtserie. Die Bakerhouse Gallery präsentiert den britischen Pop-Art-Künstler Lewis J. Blake, der lange als Specialist Painting Assistant für wiesbadener*in III/2026


Kunst von Joseph Ford, Discovery Art Fair 2026, Foto: Holger Peters

Damien Hirst tätig war. Der Kölner Daniel Lisson verbindet in seinen spannungsreichen Papierarbeiten Siebdruck, Collage und Illustration und schlicht unübersehbar ist Peter Lindenbergs 4,60 Meter hoher Ikarus, eine monumentale Skulptur aus einem veredelten CessnaFlügel. Auch die kostenfreien Kuratorenführungen und die Discover a Talent-Förderkojen, juriert von Kunstexperten wie Raimund Stecker, Silke Hohmann, Jörk Rothamel und Gregor Jansen, lenken den Blick auf frische und beachtenswerte Positionen. Entspannte Atmosphäre und Sammellust ohne Schwellenangst Bei aller Qualität macht auch die Atmosphäre den Besuch so angenehm, lebendig und entspannt zugleich. Galeristinnen und Galeristen stehen neben ihren Arbeiten, Künstlerinnen und Künstler sind ansprechbar, Gespräche entstehen schnell. Man kann diskutieren, Fragen stellen oder einfach weiterschlendern. Diese persönliche Nähe macht den Kunstbetrieb erstaunlich unkompliziert. Zudem bietet die Messe eine ideale Plattform für den Kunstkauf: Das Spektrum reicht von zugänglichen Einstiegswerken bis hin zu hochkarätigen Sammlerstücken. Für zusätzlichen Nervenkitzel sorgt die Silent Auction. Hier geben Interessierte verdeckte Gebote auf wiesbadener*in III/2026

ausgewählte Arbeiten ab und erst am Sonntag wird gelüftet, wer den Zuschlag erhält. Vielleicht ist „Entdecken“ deshalb das treffendste Wort für diese Messe, nicht nur im Sinne neuer Namen, sondern auch als Haltung. Die Discovery Art Fair bietet bekannte Positionen, internationale Strahlkraft und persönliche Begegnungen. Sie ist professionell, ohne distanziert zu wirken, und macht es leicht, sich auf Kunst einzulassen. Und oft verlässt man die Halle am Ende mit dem Gedanken an ein bestimmtes Werk, das man vorher noch nicht kannte und jetzt nicht mehr vergessen möchte. Discovery Art Fair 2026 30. Oktober – 1. November 2026 Opening 29. Oktober 2026 Messe Frankfurt Halle 1 Ludwig-Erhard-Anlage 1 60327 Frankfurt am Main Öffnungszeiten: Freitag – Samstag: 11:00 bis 20:00 Uhr Sonntag: 11:00 bis 18:00 Uhr Online Tickets & Infos: discoveryartfair.com Discovery Art Fair, “Stier” von Stephan Balkenhol im Programm der Galerie am Dom Foto: Holger Peters, 27


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YD SKIFF

exground filmfest 39: Themenschwerpunkt „Kino ohne Grenzen“, Höhepunkte des Indepentend Cinema, erste feststehende Programmpunkte

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om 13. bis 22. November 2026 präsentiert exground filmfest in seiner 39. Ausgabe wieder ein vielfältiges Film- und Rahmenprogramm aus aller Welt – das Beste, was der Independent Film aktuell zu bieten hat. Gezeigt werden lange und kurze Werke in den Gattungen Spielfilm, Dokumentarfilm, Animation und Experimentalfilm. In den Sektionen European und World Cinema flimmern Festivalhighlights und Preisträgerfilme aus Berlin, Cannes, Locarno, Rotterdam und Venedig über die Leinwände in der Caligari FilmBühne, im Murnau-Filmtheater und in der Krypta der Marktkirche. Die älteste Festivalreihe, die American Independents, widmet sich wie eh und je dem unabhängigen US-Kino. Zudem vergibt exground filmfest in neun Wettbewerben Geld- und Sachpreise von über 19.000 EUR – darunter im Deutschen Langfilm-Wettbewerb, im Deutschen Kurzfilm-Wettbewerb, im Internationalen Kurzfilm-Wettbewerb, im Wettbewerb um den Filmpreis Amnesty International Wiesbaden und im Wiesbaden-Special, 28

dem Wettbewerb für lokale Kurzfilme. Neben einem spannenden Filmprogramm und diversen Rahmenveranstaltungen wie der legendären exground-Gong-Show und dem traditionellen Filmquiz präsentiert das weit über die Stadtgrenzen renommierte Filmfest erstmals ein umfangreiches Film- und Rahmenprogramm zum Themenkomplex „Kino ohne Grenzen“, der auch 2026 großzügig unterstützt wird vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain. Während in „Flucht und Vertreibung“ die realen, nationalstaatlichen Grenzen einen wesentlichen Fixpunkt bildeten und in „Mut zur Utopie“ bewusst neue Entwürfe zu einer utopischen Gesellschaft und einem positiven Umgang mit den Krisen der Gegenwart präsentiert wurden, so widmet sich exground filmfest in der kommenden Ausgabe der bewusstseinserweiternden und -beeinflussenden Kraft des Kinos. Dabei wird nach dem formalen und erzählerischen Potenzial von Trance und Rausch gefragt und das gegenwärtige Kino als Form der ästhetischen und philosophischen Grenzverschiebung

in den Fokus gerückt. Im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz (KI) wird zudem der Frage nachgegangen, inwieweit sich die menschliche Wahrnehmung durch audiovisuelle Medien mit KI-Bezug beeinflussen lässt und welche Potenziale und Herausforderungen mit dieser bahnbrechenden technisch-sozialen Entwicklung einhergehen. Unser Mobilitätspartner stadtmobil Rhein-Main stiftet den mit 1.000 EUR dotierten Publikumspreis für den besten Langfilm in dieser Sektion. Auch wenn die Programmplanung erst Mitte September abgeschlossen sein wird, stehen einige Filme schon fest: Wir freuen uns sehr, mit FJORD von Cristian Mungiu den Gewinner der Goldenen Palme aus Cannes in Wiesbaden zeigen zu können. Zudem werden wir mit THE RED HANGAR von Juan Pablo Sallato in der Reihe World Cinema ein bewegendes, international prämiertes Schwarzweiß-Drama rund um den Militärputsch in Chile 1973 präsentieren. Im Deutschen Langfilm-Wettbewerb Made in Germany geht der wiesbadener*in III/2026


kultur & kreatives

Spielfilm HIJAMAT von Nader Saeivar mit Starbesetzung (Kida Khodr Ramadan, Nicolette Krebitz, Moritz Bleibtreu und Nastassja Kinski) ins Rennen um den mit 3.000 EUR dotierten Publikumspreis. Besonders am Herzen liegt dem Organisationsteam von exground filmfest der Jugendfilm. Die youth days umfassen den Wiesbadener Jugendfilm-Wettbewerb, zu dem einheimische Regietalente ihre Arbeiten noch bis zum 22. September 2026 unter https://exground.com/ exground-youth-days/youth-dayseinsendungen/ einreichen können. Es winken Geld- und Sachpreise von 700 EUR. Zudem gehen im Internationalen Jugendfilm-Wettbewerb sechs Langfilme ins Rennen um die Preisgelder von 3.500 EUR. Über den Hauptpreis von 2.500 EUR entscheidet eine Wiesbadener Jugendjury, für die sich Interessenten noch bis zum 15. Oktober 2026 unter https://exground.com/ jugendjury-fuer-die-youth-days-gesucht/ bewerben können. Einige Kandidaten für den Internationalen Jugendfilm-Wettbewerb stehen schon fest: so CONGO BOY von Rafiki Fariala, der bereits in Cannes für Furore sorgte: Der 17-jährige Robert träumt in der Zentralafrikanischen Republik von einer Musikerkarriere, doch als seine Eltern verhaftet werden, muss er sich um seine vier jüngeren Geschwister kümmern. Dabei jongliert er zwischen Alltag, Gelegenheitsjobs, Schulprüfungen und Konzertbühnen – wild entschlossen, seinen Traum zu leben. In SKIFF von Cecilia Verheyden verliebt sich die 15-jährige Malou in die Freundin ihres Bruders Max und sorgt damit für turbulente Irrungen und Wirrungen. Und im Rahmen der Kooperation von exground filmfest mit dem Medienzentrum Wiesbaden läuft der Schweizer Handy-Split-ScreenFilm WYLD von Ralph Etter in der Reihe „Kino macht Schule“. Ein ehrlich-kompromissloser Blick auf die Welt der drei Teenager Ben, Momo und Zoe mit all seinen Herausforderungen. Das Beste: Der Film kommt ganz ohne Erwachsene aus – und der Regisseur hat wiesbadener*in III/2026

HIJAMAT von Nader Saeivar

FJORD von Cristian Mungiu, ©Tudor Panduru Goodfellas Alamode Film

seinen Besuch zum Screening bereits zugesagt! Ab 29. Oktober 2026 ist das komplette Festivalprogramm unter www.exground.com zugänglich – und der Ticketverkauf startet, ebenfalls über die Homepage von exground filmfest.

www.exground.com

Motiv: © exground39, Bilderwerfer 29


kultur & kreatves

22.11.2026, Natalia Moro, Foto: Hannah Morozova

den Blick und verwebt diese mit ihrer eigenen Biografie. „S’Wonderful“ am 22. November ist eine Hommage an George Gershwin und seine unverwechselbare musikalische Welt. Und während berühmte Melodien wie „Rhapsody in Blue“ und „I Got Rhythm“ live erklingen, erschafft die Sandkünstlerin Natalia Moro eindrucksvolle Bilder, die sich fortlaufend wandeln und Geschichten erzählen. Vor den Augen des Publikums entstehen aus flüchtigen Sandspuren Szenen aus Gershwins Leben, seiner Zeit und seiner Musik.

K

ultur verbindet Menschen, eröffnet neue Perspektiven und schafft Räume der Begegnung. Genau dazu lädt die Veranstaltungsreihe „Tarbut – Zeit für jüdische Kultur“ in diesem Jahr zum 19. Mal ein.

rätigen Freunden aus Australien, Schweden und Deutschland Diese neue Berliner Band verbindet jüdische Hochzeitsmusik mit dem Rhythmus der europäischen und amerikanischen Tanzflächen des 20. Jahrhunderts.

Alle sind eingeladen, bis 6. Dezember die Vielfalt jüdischer Kultur in all ihren Facetten zu entdecken, von denen wir hier einige vorstellen möchten.

Ebenfalls am 8. November liest Barbara Honigmann in der Villa Clementine aus ihrem Buch „Mischka“. In ihrem neuesten Werk erzählt sie vom jüdisch-kommunistischen Milieu des 20. Jahrhunderts.

Am 8. November tritt die Klezmer Schwing Band im Kulturforum auf - Ein Ensemble unter der Leitung des ukrainisch-jüdischen Klarinettisten und Sängers Mitya Gerasimov, vereint mit seinen hochka30

Exemplarisch nimmt sie mit genauer Beobachtungsgabe drei Lebensgeschichten aus der russischen Dissidentenbewegung in

Das Leon Gurvitch Ensemble mit der Jazz-Sängerin Alexandra Rotmann lädt am 6. Dezember zu einem musikalischen Festabend ein. Unter dem Titel „New York – Wien – Chanson – Tango“ entsteht eine Hommage an die Vielfalt jüdischer Musik und ihre Begegnung mit Jazz, Tango und Chanson. Leon Gurvitch, Preisträger der Goldenen Chanukkia und des Global Music Awards, ist bekannt für seine Fähigkeit, musikalische Grenzen zu überschreiten und universelle Klänge voller Leidenschaft zu schaffen. Alle Infos finden sich unter: https://www.jg-wi.de/tarbut/

wiesbadener*in III/2026


kultur & kreatives Vom 22. bis 25. Oktober 2026 verwandelt sich die Wiesbadener Innenstadt erneut in eine internationale Bühne für junge Spitzenartistik: Das Kulturamt der Landeshauptstadt Wiesbaden veranstaltet das renommierte Festival „European Youth Circus“ auf dem Dern’schen Gelände direkt neben dem Rathaus. Europäische Artistinnen und Artisten im Alter von zwölf bis 25 Jahren kommen hier zusammen, um sich in mehreren Wettbewerben zu messen - in einer Atmosphäre der Freundschaft und des gegenseitigen Respekts. Sie präsentieren spektakuläre Darbietungen aus traditioneller und zeitgenössischer Zirkuskunst: Atemberaubende Luftakrobatik, hochklassige Jonglage, kraftvolle Handstandartistik und innovative Bühnenperformances verbinden sich zu einem einzigartigen Erlebnis im Chapiteau mitten in der Stadt. Die Festival-Ausgabe 2026 steht unter dem Motto: Out of the Bubble. Breakdance, Graffiti, Rap und Skateboarding treffen auf zeitgenössische und klassische Zirkuskunst. Gemeinsam entstehen Opening-Shows, Übergänge, Performances und ein urbanes Rahmenprogramm, das das Festival noch stärker in der Region verankert. Ziel ist ein künstlerisches Gesamterlebnis, das Vielfalt sichtbar macht und neue kreative Begegnungen ermöglicht. Anlass für die Redaktion, auf einen besondere Bildband zu diesem Thema hinzuweisen: off the ring von Thomas Räse. Seit Jahrzehnten hat der Berliner Fotograf mit seiner Kamera diesen Kosmos begleitet – nicht nur in der Manege, sondern vor allem hinter dem Vorhang. Seine SchwarzWeiß-Fotografien zeigen die Rituale, Proben und stillen Momente, die Nähe zwischen Menschen und Tier, das Risiko und das Scheitern ebenso wie das Wunder der Verwandlung. Mit großer Genauigkeit und Empathie porträtiert er eine besondere Gemeinschaft, deren Leben von Konzentration, Vertrauen und Zusammenhalt geprägt ist. Räses Bilder machen den Zirkus als wiesbadener*in III/2026

European Youth Circus: Out of the bubble – off the ring Schule des Lebens sichtbar: eine Welt zwischen Magie und Realität, zwischen Lachen und Schmerz, zwischen Arbeit und Staunen. Denn Zirkus ist mehr als das, was in der Manege sichtbar wird. Er beginnt dort, wo das Spektakel endet: in den Gängen, in den Transportwagen, im Stimmengewirr der arbeitenden Menschen, die jeden Abend neu improvisieren. Zirkus ist immer zugleich Schauspiel und Lebensform, Kunst und Leben. Thomas Räse: Off the Ring Editionfrölich Berlin ISBN 978-3-911192-10-1 31


KulTouren

„Ich glaube, dass der Mensch nur der Tunnel seiner Kunst ist.“ Else LaskerSchüler, der „schwarze Schwan“ Israels“, ist als expressionistische Lyrikerin mit dem „blauen Klavier“ bekannt. „Wie ich zum Zeichnen kam? Wahrscheinlich ist: Meinen Buchstaben ging die Blüte auf – über Nacht, oder besser gesagt: über die Nacht der Hand.“

Alexej von JawlenskyFrühwerk erworben Am MuWi wurde global wichtigstes JawlenskyKonvolut ergänzt / Weltpremiere der Blauen Reiterinnen mit Iris Berben Das Hessische Landesmuseum für Kunst & Natur in Wiesbaden macht nach dem furiosen 200. Geburtstag weiter Furore. Das MuWi beherbergt jetzt 116 Werke des „Wahlwiesbadeners“ Alexej von Jawlensky in der global wichtigsten Kollektion des Blaue-Reiter-Künstlers, der 20 Jahre in Wiesbaden lebte. Das frühe Gemälde „Bahnhof Füssen im März“ aus dem Jahr 1905 wurde - gefördert von Kulturstiftung der Länder und Hessischer Kulturstiftung - für 350.000 CHF erworben. ProvenienzKette geschlossen. „Das Frühwerk markiert einen sehr entscheidenden Wendepunkt im Werk des Künstlers“ strahlt Kustos Dr. Roman Zieglgänsberger. MuWi als Vorreiter für ein furioses Dutzend: Eine Weltpremiere mit prominenter Schirmherrin steht dem Muwi ins Haus. Die „Blauen Reiterinnen“ kommen ab 23. Oktober 2026 als global erste Schau in Kooperation mit dem Lenbachhaus München, dem Paula Modersohn-Becker-Museum Bremen und der Fondazione Werefkin Ascona. Herzlich Willkommen den Pionierinnen Emma Bossi, Sonia Delaunay-Terk, Emmi Dresler, Elisabeth Epstein, Elisabeth Erdmann-Macke, Maria Franck-Marc, Natalia Gontscharowa, Else Lasker-Schüler, Olga Meerson, Gabriele Münter, Carla Pohl. Schauspielerin Iris Berben hält über das „die Augen öffnende Ausstellungsprojekt“ gerne den Schirm: „Ich weiß sehr genau, was es bedeutet, sich als junge Künstlerin in einem männerdominierten Umfeld zu bewegen und sich durchzusetzen. Für mich ist es „großes Kino‘“ endlich sehen zu können, was die Frauen des „Blauen Reiters“ gegen viele Widerstände geschaffen haben.“ Mit „Women & Type“ Call for Flags“ und Design for Democracy wird im WDC 2026 feministische Kunst Internationaler Typografinnen auf die Straße geholt und sichtbar gemacht. (bis 4. Oktober 2026) Text und Foto: Gesine Werner 32

Als Doppelspielerinnen und als Solistinnen blickten Klara und Maria Wördemann beim Kulissengeplauder der Gesellschaft der Theaterfreunde und Theaterfreundinnen mit Vizechefin Katharina Queck (von links) hinter den Vorhang ihrer Karrieren.

Guten Abend, Ihr Schönen! Berührend informativ-humorvolles Kulissengeplauder mit den Doppelspielerinnen Klara und Maria Wördemann „Wir sind AUCH Zwillinge!“ Auf diese Aussage legen die beiden ausdruckstarken Schauspielerinnen Klara und Maria Wördemann verständlicherweise großen Wert. Die 20 Minuten ältere Klara schmunzelt mit warmem Mezzo: „ich bin die mutigere, habe mich zuerst auf die Welt getraut“. Maria kontert lächelnd: „Und ich bin die Klügere von uns“. In München geboren und in Dresden aufgewachsen, sind die eineiigen Twins unterschiedlich in Temperament und Stimmlage, sehen sich zum Verwechseln ähnlich (im Sportunterricht und bei einem Putz-Job durchaus dienlich), sind jedoch gleich begabt. Sie wurden denn auch beide an der Otto Falckenberg-Schule angenommen, dort pädagogisch sinnvoll in zwei Klassen getrennt unterrichtet. Die „Gesellschaft der Freunde Theaterfreunde“ (und Theaterfreundinnen!) ist mit dem anregenden „Kulissengeplauder“ von Vizechefin Katharina Queck im Prunkfoyer gerne für ein Sternstündlein gut. Informativ und humorvoll war der ausverkaufte Abend, den Klara und Maria mit einer sehr berührenden Doppellesung beendeten. Aus Maxi Wanders „Guten Morgen, Du Schöne“ kamen die jüngste und die älteste Interviewpartnerin zu Wort. Sie waren immer schon ein prima Team, drehten als Zehnjährige schon Kurzfilme und haben auch aktuell immer „mehrere Eisen im Feuer“. So ist Maria, die den Deutschen Hörbuchpreis bekam („Xerox“) in der ZDFSerie „Mordufer“ eine Kommissarin. Auch Klara ist ausgezeichnet - Deutscher Multimedia-Preis für „werther. live“ – und war in TV-Serien („Der Staatsanwalt“) und Kinoproduktionen („Rabia“) zu sehen. Seit 2019 am Wiesbadener Musentempel, spielten sie diverse Solorollen und im „König Lear“ in munterem Wechsel Cordelia und/oder den Narren, aktuell beide in „Entrückt“. Eine tolle Idee könnte im Staatstheater-Studio Furore machen: Eine Doppel-Twin-Show mit den Theaterzwillingen Roland Vanecek, Solotubist (kürzlich Gast beim Kulissengeplauder) und Zwillingsbruder Bernhard an der Posaune wäre schnell ausverkauft.. Text und Foto: Gesine Werner wiesbadener*in III/2026


KulTouren

Die indische Familie Unnithanmit Vater Sibi und Mutter Dinanya sowie Organisatorin Nerha Bhayadwaj umringt das Geburtstagskind. In ihren stilvollen Kostümen haben die Töchter Shivari und Saari Unnithan, Schülerinnen der renommierten Tänzerin Bharathi Avireddi, den Jubilar mit einer Tanzdarbietung überrascht.

Ein deutscher Inder in Wiesbaden feiert Jubiläum

Der langjährigen „Kurhaus-Seele“ Suresh Soni zum 80. Wiegenfest „Ich bin ein deutscher Inder in Wiesbaden“ gab Suresh Soni als wichtiger Zeitzeuge der oral history-Anthologie “Erlebte Geschichte und Geschichten“ (Herausgeber Stadtarchiv-Förderverein, Autorin G. Werner) zu Protokoll. Mit Verlaub – eine persönliche Kulturbrücke ist die immer gut gelaunte, langjährige „Gute Seele“ des Kurhauses aus Kalkutta auch. In der „Gudd Stubb“ hat der Jubilar die Prominenz aus Politik, Kultur, Sport und Gesellschaft hinter den Kulissen erlebt und eine Menge Histörchen parat. AnneSophie Mutter und Nigel Kennedy, Peter Ustinov, der Dalai Lama und Audrey Hepburn sowie Filmlegende Christopher Lee wurden von „Gastgeber“ Suresh - oft gemeinsam mit Ehefrau Hannelore Soni – liebevoll umhegt. Auch den Hochadel wie Fürstin Tatiana von Metternich-Winneburg nahm er für sich ein. Eine Sache der Ehre - auch im Unruhestand hat der umtriebige Pensionär die Hände nicht in den Schoß gelegt. Das „närrische“ Datum seines 80. Wiegenfestes war der 8.8.26 und für einen Jünger von Gott Jokus nach Maß geschneidert. Mit Herzblut Karnevalist - von seiner vor drei Jahren verstorbenen Ehefrau Hannelore, dem unvergessenen CCW-„Gummibärchen“ mit Herz „angesteckt“- wurden dem hochkarätig aktiven verdienten CCW-Ehrenmitglied der Stadtorden verliehen und die Bürgermedaille in Bronze zuteil. Die DACHOEhrennadel in Silber gab es kürzlich obendrein. „Um was für ältere Leute zu tun“, ist der stellvertretende Kreisvorsitzende der Senioren-Union Wiesbaden auch als kürzlich wiedergewähltes Mitglied des Seniorenbeirates. Dem feinsinnigen Wahlwiesbadener wurde vom früheren Parlaments-Chef Wolfgang Nickel und Ehefrau Helga gratuliert. Mit stilecht traditionellem indischem Tanz erfreute Familie Unnithan. Seinem CCW-Gartenzwerg brachte der leitende Gartenzwerg Dieter „Winnetou“ Schauerer mit Tochter Ilse Piro ein Ständchen á la Frank Sinatra: „I did it my way!“ Text und Foto: Gesine Werner wiesbadener*in III/2026

Ausverkauftes Theater im Pariser Hof: „Gypsy meets Classic“. Mit einer wohltönenden Klangreise von Jazz bis zu Tango und Flamenco betörte das perfekt aufeinander eingespielte Gitarren-Duo Yuliya Lonskaya und Lulo Reinhardt, riss das begeisterte Publikum zu Jubelstürmen hin.

Ein Klangfeuerwerk mit der Fülle des Wohllauts Ausgezeichnetes Gitarrenduo Yuliya Lonskaya und Lulo Reinhardt begeistert mit „Freedom and Peace“

40 JA!re Kleinkunstbühne wollen zelebriert werden (Wiesbadener*in 2/26) und das Theater im Pariser Hof bietet im Jubiläumsjahr mit „Gypsy meets Classic“ hochkarätigen Genuss: „Freedom and Peace“. Ein charismatisch „vielsaitiges“ Gespann bot mit Augenzwinkern genüsslich die „Fülle des Wohllauts“, betörte und fesselte mit einem Klangerlebnis der besonderen Art. Seit ihrem ersten gemeinsamen Auftritt 2017 im Pariser Hof faszinieren Lulo Reinhardt & Yuliya Lonskaya als einzigartige Melange mit überbordender Spielfreude, funkensprühender Leidenschaft und poetischer Eleganz. Ehrensache - das Theater im Pariser Hof wird dem international gefeierten Duo 2027 das Zehnjährige ausrichten. Klassik, Jazz, Folk, Flamenco, Tango, Gypsy & Co. als musikalisches Sternstündlein. Virtuose Ausdrucksstärke und furiose Fingertechnik sind Markenzeichen der vielfach ausgezeichneten Konzertgitarristin Yuliya Lonskaya aus Belarus, die ihr Instrument „erzählen“ und „tanzen“ lässt. Ihre warm timbrierte Stimme sorgt mit funkelnden Spitzentönen in fünf Sprachen für Gänsehaut, kurbelt das Kopfkino an. Als begnadeter Sinti-Gitarrero und Komponist renommiert und weltweit auf Achse, zeigt Lulo Reinhardt als Großneffe der Legende Django R. Flagge: Auf seinem Daumennagel in den Sinti-Roma-Farben blau und grün leuchtet im Zentrum das rote Rad als Symbol der Auswanderung. Der brillante Saitenvirtuose und Komponist („Walz for one“ für einen Hollywood-Film) kann auch Percussion, lässt ohne Mühe die Gitarre als Zither oder Balalaika tönen, erzeugt „Wind“ aus der Dose. Lulos „Letters from Joyce“ gehen als seelenvolle Erinnerungen an eine wundervolle Navajo-Freundin ebenso wie sein berührender Song „for Lionel, the Lion Heart“ unter die Haut. Die Klangreise führt augenzwinkernd quer über den Globus. Lulo lässt auf der Tabla und dem Corpus Hufe trappeln im mongolischen Ulan Bator. Ein feinfühliges Konzert zum Dahinschmelzen und Mitwippen. Das Publikum „stand auf den Stühlen“ und jubelte. Einfach grandios. Text und Foto: Gesine Werner 33


kultur & kreatves

Christian Dell, PoloRondellas, Privatsammlung, Foto: © bildhübsche Fotografie, Andreas Körner

„Christian Dell – Von der Silberkanne zur Goldgasse“ Mit der Sonderausstellung „Christian Dell – Von der Silberkanne zur Goldgasse“ widmet das sam – Stadtmuseum am Markt noch bis zum 15. November 2026 einem der prägenden Gestalter des 20. Jahrhunderts eine umfassende Ausstellung. Christian Dell (1893–1974) zählt zu den bedeutenden Persönlichkeiten der deutschen Designgeschichte. Nach seiner Ausbildung zum Silberschmied in Hanau wirkte er als Werkmeister am Staatlichen Bauhaus in Weimar und später als Leiter der Metallklasse an der Kunstschule Frankfurt am Main. Dort prägte er eine Generation von Gestalterinnen und Gestaltern und vollzog eine Entwicklung vom kunsthandwerklichen Einzelstück zum hochwertigen Serienprodukt. Seine Entwürfe verbinden handwerkliche Präzision mit funktionaler Klarheit und einem ausgeprägten Interesse an neuen Materialien. Besonders bekannt wurde Dell durch seine Leuchtenentwürfe der Serie „Kaiser Idell“, die bis heute als Ikonen des modernen Designs 34

gelten. Weniger bekannt ist hingegen seine Rolle als Lehrer, Wegbereiter und Innovator industrieller Gestaltung. Die Ausstellung im sam nimmt daher die gesamte Bandbreite seines Schaffens in den Blick und zeigt neben Silberobjekten auch seltene Kunststoffarbeiten, Keramiken und zahlreiche Leuchten. Grundlage sind neben Objekten aus der Stadthistorischen Sammlung der Stiftung Stadtmuseum Wiesbaden bedeutende nationale und internationale Leihgaben. Dells Beziehung zu Wiesbaden war bislang weitgehend unbekannt. Nachdem er in Weimar, Frankfurt, Bayern und dem Harz gelebt hatte, kehrte er 1940 hierhin zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg eröffnete er in der Goldgasse das Geschäft „GERÄTE [/] KUNST [/] SCHMUCK“. Damit verbindet die Ausstellung internationale Designgeschichte mit einem bislang wenig bekannten Kapitel der Wiesbadener Stadtgeschichte.

Frankfurt RheinMain 2026 und wird von einem umfangreichen Begleitprogramm mit Führungen, Vorträgen, Workshops und Gesprächsformaten begleitet. Dabei werden unterschiedliche Facetten von Dells Werk sowie seine Bedeutung für Design, Handwerk und Alltagskultur beleuchtet. Christian Dell – Von der Silberkanne zur Goldgasse sam – Stadtmuseum am Markt Marktplatz 65183 Wiesbaden bis 15. November 2026

Die Ausstellung ist ein Projekt im Rahmen der World Design Capital wiesbadener*in III/2026


kultur & kreatives

Beim „Fokus Neuer Zirkus II“ riss die Weltklasse-Truppe „Gravity & Other Myths“ um Lachlan Binns mit ihrer tollkühn ausgefeilten Show „Ten Thousand Hours“ zu Szenenapplaus hin. Mehrstöckige Pyramiden, „FlugKörper“ in dreifacher Schraube und ein perfekter Spagat in der „3. Etage“. Akrobatik aus Down raubt dem gebannt folgenden Publikum den Atem.

Das Staatstheater in der Büchner-Stadt vertraut der „Kraft des Positiven“ und fragt in der Spielzeit 2026/27 „Wenn ja, was dann?“ Auf der Zielgeraden der letzten Saison wurde das Motto „Ist das echt?“ vom Musentempel Darmstadt kreativ ausgeleuchtet. Und es hieß: „Komm zu meinem Festival oder ich hacke Deinen Toaster - Deine KI“: Die sogenannte „Künstliche Intelligenz“, bei Lichte betrachtet ein Werkzeug, wird eigeninitiativ immer mehr zum Chef im Ring oder lässt sich „als eine Art künstlerische Mitwirkende begreifen“. Wenn die KI zum Tanz bittet oder nötigt… Der preisgekrönte Tanz-KI-Pionier Alexander Whitleys hält uns mit der fesselnden Choreografie „Mirror“ als Koproduktion mit dem Hessischen Staatsballett zur DeutschlandPremiere den Zerr-Spiegel mit Feuerfunken vor. Motion-TrackingTechnologie irritiert und fasziniert. Die „Avatare“ Marie Ramet und Jorge Moro Argote werden verdient bejubelt. Beim „Fokus Neuer Zirkus II“ riss die australische Weltklasse-Truppe „Gravity & Other Myths“ um Lachlan Binns mit ihrer akrobatisch ausgefeilten Show „Ten Thousand Hours“ immer wieder zu Szenenapplaus hin. Mehrstöckige Pyramiden mit rücklings gesprungenem Abgang, quer über die Bühne geworfene „Flug-Körper“, über Kreuz wie in einer Schiffs-Schaukel und in dreiwiesbadener*in III/2026

„Komm zu meinem Festival oder ich hacke Deinen Toaster - Deine KI“: Wenn die KI zum Tanz bittet (oder nötigt), hält Alexander Whitleys fesselnde Choreografie „Mirror“ uns als Deutschland-Premiere den Zerrspiegel vor. Marie Ramet und Jorge Moro Argote werden gefeiert.

Künstlerische Intelligenz, akrobatische Flug-Körper und ikonische Nachtträume Sinnlich fesselnde Bühnenkunst auf den Brettern desStaatstheaters Darmstadt / Neue Spielzeit 2026/27 lotet die Optionen des „JA!“ aus facher Schraube, halsbrecherische Stürze koppeister auf die Bretter, on top ein perfekter Spagat in der „3. Etage“ - es raubt dem gebannt folgenden Publikum den Atem. Der Jubelapplaus will die grandiose Akrobatikgruppe, die im Nachgespräch aus dem Nähkästchen in Down Under blicken lässt, gar nicht von der Bühne lassen. Mit Hochkarätern punktet die neue Spiel-Zeit: Hausherr Karsten Wiegand macht den Eisbrecher mit dem Doppelabend „Cavalleria rusticana“/ „Pagliacci“, Kurzopern von Pietro Mascagni & Ruggero Leoncavallo.

bringt Shakespeares Klassiker „Viel Lärm um Nichts“ ins Kleine Haus. Als „Familienstück zur Weihnachtszeit“ bittet Astrid Lindgrens „Ronja Räubertochter“ ins Kleine Haus. Die getanzten „Nachtträume“ des Spaniers Marcos Morau, Zürcher Ballettsensation 2022, hat die Ikone Kurt Jooss inspiriert: „Der grüne Tisch“ ist ein Geniestreich von 1932 und wird mit historischen Zitaten von Maurice Béjart verwoben. Text und Fotos: Gesine Werner

Einen Clou verspricht Wiegand-Vorgänger John Dew, dessen legendäre „Andrea Chénier“ von Umberto Giordano aus dem Jahr 1980 als Übernahme der Deutschen Oper Berlin. Das Schauspiel startet mit Joe Ortons Farce „Beute“ in René Pollesch Textversion. Film-BühnenAllrounder Leander Haußmann 35


Beim SR-Tag der offenen Tür auf dem Saarbrücker Halberg war im Konferenzgebäude munteres Fachsimpeln mit „alten Bekannten“ und quicklebendigen Legenden angesagt. Im Sender als „Rundfunkkind Ruppchen“ bekannt, tauschte Bürgerradio-Redakteurin Christine Rupp-Kuhl (rechts) mit „Tagesthemen“-Legende Otto Deppe, Professor Dr. med. Wolfgang Kuhl und SR-Vize-Hörfunkdirektor a.D. Axel Buchholz (von links) Anekdoten über Pionierzeiten aus.

Das Silberjubiläum des 25 JA!re wirkenden „Kindertheaterstudios der Kohlheck-Schule“ animiert zum Schwelgen in Erinnerungen mit Gründerin Christine Rupp-Kuhl, Biggi Kimmel, Severin Kimmel, Professor Dr. med. Wolfgang Kuhl, Lorena Kimmel und Elena Petry (von links).

Menschlicher Brückenschlag zwischen Rundfunk, Pädagogik und Theater „SR-Fundstück“, Konrektorin, Kindertheaterstudio-Gründerin und Theater Anders-Koordinatorin: Christine Rupp-Kuhl schultert 80 Lenze

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ie ist eine ganz besondere Persönlichkeit, in der Wolle gefärbte „Saarbriggerin“, Wahlwiesbadenerin und stets gut gelauntes Multitalent. Kaum zu glauben: Christine Rupp-Kuhl, menschlicher Brückenschlag zwischen Rundfunk, Pädagogik und Theater, schultert 80 Lenze. Chapeau! „Theaterspielen stärkt das Selbstwertgefühl und die sozialen Fähigkeiten an Stelle von Egoismus und Konkurrenz. Kinder erfahren, dass starke Gefühle nicht gefährlich sind, sondern in einem Rollenspiel ausgedrückt und gestaltet werden können. Das Kind wächst in seiner Selbstwahrnehmung, in seinem Selbstbewusstsein und in seiner sozialen Kompetenz.“ Das Credo der psychoanalytisch zertifizierten Grundschul-Pädagogin Fußt auf eigenem Erleben. Christine Rupp-Kuhl, ab1992 Konrektorin der Kohlheck-Schule und dort 1998 Gründerin des Kindertheaterstudios, ist „vielsaitig“ qualifiziert von Psychodrama über Feldenkrais, Eutonie, Bewegung-Tanz-Choreografie bis zu Theaterpädagogik: „Theaterarbeit ist Kulturarbeit und die Möglichkeit, Integrationsprozesse zu gestalten. Improvisation, Körperwahrnehmung, Musik, Tanz 36

und Bewegung sind wichtige Bestandteile.“ Ein informatives Lesevergnügen sei empfohlen: „Fundstücke aus 60 Jahren Saarländischer Rundfunk – Geschichte(n), Leute, Erlebnisse“ herausgegeben von Axel Buchholz, pensionierter SR-Vize-Hörfunkdirektor. Als Achtjährige wurde die quicklebendige Jubilarin zum „Rundfunkkind Christel Ruppchen“. Als spätere Redakteurin (Volontärin der SR-Hauptabteilung Ernste Musik und der HR-Programmdirektion Frankfurt) gibt das „Fundstück“ plastische Erinnerungen preis. „Hoppelpoppel und Hase Langbein machten Kinderfunk“ in der lebensprägenden SR-Pionierzeit mit der legendären „Tante Christa“ Heimrich-Frischkorn. Sie tourten durchs Saarland als Kindertheater mit viel Tanz & Gesang, wirkten in TV-Serien mit. „Als Einzelkind Teil der Gruppe zu sein, war eine Schatzkammer, um die Seele zu öffnen.“ Nach redaktionellen Stationen beim NDR (inkl. TV-Statisterie) und im Frankfurter Theaterverlag Suhrkamp folgten bildungspolitische Dokus. In den bewegten 70er Jahren wurde über das Seminar für Politik das Lehramtsstudium an Grundschulen mit dem Studienfach Darstellendes Spiel absolviert.

Die Wahlwiesbadenerin wirkte im Gesamtpersonalrat der LH Wiesbaden mit, gründete und leitete das Kindertheaterstudio der KohlheckSchule. Der legendäre Staatstheater- Intendant Claus Leininger coachte als enger Familienfreund ihre Theaterarbeit. Nach der Pensionierung stieg die Theaterpädagogin als Koordinatorin des legendären „move@school 2008“ beim inklusiven „Theater Anders“ von Kulturpreisträgerin Priska Janssens ein. Mit Ehemann Professor Dr. med. Wolfgang Kuhl, Theater AndersUrgestein und als Tontechniker behilflich, ging die Redakteurin im Bürgerradio mit „Semiramis Kultur für Alle“ auf Sendung. „Semiramis e. V.“ ist als gemeinnütziger Verein für interdisziplinäre Kunst und Bildung der Träger des 2002 gegründeten „Theater Anders“. Hier gilt die Devise: „Wir sind Schauspieler*innen, Autor*innen, Regisseur*innen, Dramaturg*innen, Kostümbildner*innen - und alles andere auch. Und vor allem haben wir viel Spaß dabei!“ Christine Rupp-Kuhl möchte „alle ermuntern, die 80 werden, sich so gut engagieren, wie sie können und dass sie 100 werden.“ Text und Fotos: Gesine Werne wiesbadener*in III/2026


kultur & kreatives

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it mehr als 40 Künstlerinnen und Künstlern aus 16 Ländern stellt der 13. „Internationale Waldkunstpfad 2026” im Forst am Böllenfalltor einen neuen Teilnehmerrekord auf. Zum Thema „Demokratischer Wald / Democratic Forest” sind auf dem rund zwei Kilometer langen Rundweg vom Waldparkplatz über den Goetheteich bis zur Ludwigshöhe ab Samstag, 22. August, bis Sonntag, 4. Oktober, Skulpturen, Installationen und Performances zu sehen – ein Beitrag zum Internationalen Aktionsjahr „WDC 2026”, das unter dem Motto „Design for Democracy” vielfältige Aktionen und Events in der Rhein-Main-Region bündelt. Es finden 54 Veranstaltungen statt, darunter Performances, Workshops, Konzerte und Lesungen, dazu 15 öffentliche Führungen. „Wir wollen dem Wald und der Natur eine Stimme geben”, formuliert Kuratorin Ute Ritschel das Ziel der diesjährigen Biennale und fügt hinzu: „Die Gestaltungsideen im Bereich sozialer, urbaner und kultureller Entwicklung loten die vielschichtigen Aspekte unserer Beziehung zum Wald, zur Natur und Landschaft und deren Rechte künstlerisch aus.” Waldspaziergänger können den Gedanken der Künstlerinnen und Künstler folgen oder sich einfach an den Kunstwerken erfreuen. Vielfalt ist garantiert. Da wechseln Klanginstallationen ab mit Stickarbeiten, es gibt ein Demokratie-Portal und Waldkanzeln, man kann Waldbaum-Mikado spielen, sich an der „Antenne für Inspirationen” Gedanken zufliegen lassen, die „Kunst des Nein-Sagens” üben, Graswurzelforschung betreiben, mit Shakespeare durch Themenwälder streifen oder die Welt – gedanklich auf Bäumen sitzend – von oben betrachten. Immer bieten sich neue Perspektiven. In den vergangenen Jahren zählte der Internationale Waldkunstpfad während der sechswöchigen Laufzeit rund 30.000 und im ganzen Jahr weit mehr als 130.000 Besucher. wiesbadener*in III/2026

Varol Topac Tree of Life, Foto: C. Ehry

Waldkunst 2026:

Dem Wald und der Natur eine Stimme geben Eröffnet wurde der 13. Internationale Waldkunstpfad am Samstag, 22. August, um 15 Uhr am Infostand, der sich an der ersten Kreuzung nach dem Waldparkplatz (Klappacher Straße 145) befindet. An den folgenden sechs Wochenenden ist der Stand samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr besetzt.

Weiteres unter: www.waldkunst.com

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kultur & kreatives

„O Fortuna Imperatrix mundi! Herrscherin über die Welt“. Rund 200 Mitwirkende aus dem Staatstheater und der Stadt Wiesbaden bescherten dem ausverkauften Großen Haus einen monumentalen Spielzeitauftakt. Carl Orffs furiose szenische Kantate „Carmina Burana“ unter Leitung von Paul Taubitz, Aymeric Catalano, Jud Perry & Roman Twardy entzündete ein grandioses Musik-Feuerwerk mit Gänsehautfeeling. Das Publikum jubelte und die Intendantinnen verteilten Blumen.

Monumentale Klänge, getanzte Nachtträume und Klassiker der Schauspielkunst Staatstheater Wiesbaden lädt mit Bildern, Sprache, Klang und Körpern zum Dialog: „Wem gehört die Stadt?“

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iesbaden als Thema und Bühne: Das Intendanz-Duo Dorothea Hartmann – die als Vize von Bojana Kunst die Präsidentschaft der Hessischen Theaterakademie übernommen hat – und Beate Heine geht mit seinem dritten Programm ans Eingemachte. Die Bezüge zur Stadt werden ausgebaut: „Wem gehört die Stadt?“ Im temporären WerkRaum, Wiesbadener Eigengewächsen als „Kaufhalle“ neben dem WeJot-Eiscafé erinnerlich, widmet sich Helge Schmidt samt Team der Wiesbaden-Recherche. Die TV-Moderatorin Bärbel Schäfer startet die Talkreihe „Nah dran“ im Prunkfoyer und will „die Angel auswerfen“. Mit „Metropolis Wiesbaden“ ziehen Orchester und Schauspielende durch die City. Mit der „Symphony for One Hundred Citizens an a Traffic Light“ – einem Konzert mit

100 Wiesbadener Bürger*innen on stage – entstehen Arbeiten, die Theater und Stadt verbinden. Das Hessische Staatsballett, vom Fachportal Tanznetz auf Platz 2 der Spitzen-Ensembles im deutschsprachigen Raum gewählt, bringt Traumhaftes auf die Bretter. Die getanzten „Nachtträume“ des Spaniers Marcos Morau, Zürcher Ballettsensation 2022, sind von der Ikone Kurt Jooss inspiriert: „Der grüne Tisch“ ist ein Geniestreich von 1932 und wird von der exzellenten Compagnie mit historischen Zitaten von Maurice Béjart verwoben. Im Oktober 2026 sorgt das Tanzfestival Rhein-Main für Plankenbeben. Aus Brasilien ist Spotlight Artist Lia Rodrigues dabei. Auch „Pad 04 - Performing Arts & Digitalität Festival Wiesbaden“ lädt in Kooperation mit der Akademie für Theater & Digitalität Dortmund ein. Büchner („Dantons Tod“), Kafka („Der Prozess“), Brecht („Aufstieg

Auf ein Neues! Die Theaterlose Zeit ist vorbei. Beim traditionsreichen Theaterfest zum Start in die Spielzeit 2026/27 wurde am Musentempel Wiesbaden Spartenübergreifend auf sämtlichen Bühnen, open Air am Warmen Damm und in den Theaterkolonnaden zünftig gefeiert. Sogar die Statuetten hatten sich „in Schale geworfen“ und mit Luftballons geschmückt. 38

wiesbadener*in III/2026


kultur & kreatives

Einfach grandios: In Gaetano Donizettis nicht allzu bekannter, doch wahrhaft komischer Oper „La Mamma!“ hat der Bassbariton die Hosen an unter der Kittelschürze. Der Irrwitz hat Methode. Allüren satt. In Wolfgang Nägeles temporeicher Inszenierung und rasant-markanter musikalischer Leitung von Paul Taubitz, der augenzwinkernd „mitspielt“, ist Hovhannes Karapetyan die Traumbesetzung. Auch eine „Hängepartie“ bis in die Pause hinein absolviert La Mamma mit Bravour.

und Fall der Stadt Mahagonny“) und Kleist, Purcell („Dido and Aeneas“) und Puccini („La Boheme“), Debussy („Pelléas et Mélisande“) und Tschaikowski sind avisiert. Wie in der Vorgänger-Ära gibt es einen „Zerbrochnen Krug“ – Me too ist weiter aktuell – sowie einen „Bunbury“. Auch ein neuer „Eugen Onegin“ wird avisiert. Iris Limbarth und das Junge Staatsmusical legen mit dem Musical „Footloose“ nach dem Filmdrehbuch von Dean Pitchford und der Musik von Tom Snow putzmunter los. Nach 2015 waren die Hessischen Theatertage wieder mal am Haus. Bei der Diskussionsrunde der Theaterleitungen zeigten sich große Sorgen – Sanierungen, Umbauten und die schwierige Suche nach Ausweichquartieren stehen an. Die fesselnde Darmstädter Uraufführung von „Detransition, Baby“ nach dem hoch gelobten Roman von Torrey Peters bekam anhaltend herzlichen Applaus. Idylle kaschiert Femizide „Über die Notwendigkeit, dass ein See verschwindet“. Ein abgründig satirischer Abend mit Nachhall, verstörend nah an der Realität, äußerst sprachpräzise. Von Theresa Thomasberger eindringlich inszeniert mit exzellentem Cast: wiesbadener*in III/2026

Nach elf Jahren wieder in der Landeshauptstadt - die Hessischen Theatertage. Die Uraufführung von „Detransition, Baby“ nach dem hoch gelobten Roman von Torrey Peters kam vom Staatstheater Darmstadt rüber. Cy Linkes Regie und das berührend agierende Trio Lili Alexander, Hán Nguyen und Sebastian Schulze, dem das Publikum gebannt folgte, bekamen anhaltend herzlichen Applaus.

Klara Wördemann, Trang Döng, Jonas Grundner-Culemann, Evelyn Faber, Martin Plass, Sühela Ünlü lassen sukzessive den Atem stocken. Anna Neata, in Wiesbaden aufgewachsene Österreicherin, evoziert Gänsehaut. Heftiger Applaus. Ganz große Oper zum Niederknien: Hochgefahrener Orchestergraben, Aktionsfläche bis zur ersten Reihe. Klasse aufgelegtes Kammerorchester auf der Bühne, wo die Spiellaune Funken sprüht. In Gaetano Donizettis wahrhaft komischer Oper „La Mamma!“ trägt der renitente Bassbariton Kittelschürze, hat aber die Hosen an.

„O Fortuna Imperatrix mundi! Herrscherin über die Welt“. 200 Mitwirkende aus dem Staatstheater und der Stadt bieten ein Spektakel zum Saisonstart. Carl Orffs furiose szenische Kantate „Carmina Burana“ mit den Goldkehlchen Alyona Rostovskaya, Sascha Zarrabi & Christian Noel Bauer unter Leitung von Paul Taubitz, Aymeric Catalano, Jud Perry & Roman Twardy zündete ein furioses Musik-Feuerwerk. Gänsehaut pur. Publikum jubelt, Chefinnen verteilen Blumen. Text und Fotos: Gesine Werner

Der Irrwitz hat Methode und gibt dem Affen Zucker. Allüren satt. In Wolfgang Nägeles temporeicher Inszenierung unter markanter Stabführung von Paul Taubitz -der Diri „spielt“ mit! – ist Hovhannes Karapetyan die Traumbesetzung. Eine „Hängepartie“ wird bis in die Pause rein absolviert. Auch „Primadonna“ Inna Fedorii, „Ehemann“ Jack Lee, „Aida“ Sarah Yang, „Tenor“ Joshua Sanders, „Hosenrollen-Sängerin“ Annike Debus, „Komponist“ Petro-Pavlo Tkalenko und „Dichter“ FabianJakob Balkhausen lassen vokales Gold funkeln. Publikum klatscht sich die Hände wund. 39


kultur & kreatves

Witz, Groteske, überbordende Fantasie und ein spielfreudiges Ensemble im Orchester-Graben und auf der Bühne. Die Spielzeit 26/27 startet mit einem „wilden Stück Musiktheater“: Schon die Soirée zu Prokofjews „Die Liebe zu den drei Orangen“ mit „Smeraldina“ Kammersängerin Judith Braun, „König Treff“ Tobias Schabel, Dramaturg Patrick Strasser, Kostümbildner Jannik Kurz und Regisseur Tom Gerber/Wiesbaden, machte unbändige Lust auf dessen Inszenierung. Sein furioser „Käfig voller Narren“ der Spielzeit 25/26 wurde von Publikum und Medien bejubelt.

Von Orangen, alltäglichem Spektakel und Drachenreitern Staatstheater Saarbrücken startet voller „Südfrucht-Sehnsucht“ in die neue Kooperation mit dem überzwerg-Theater am Kästner-Platz

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as Staatstheater Saarbrücken ist eine Reise wert und in der zweiten Saison von Generalintendant Michael Schulz erst recht. Könnte der Beginn einer wunderbaren Freundschaft werden, die neue Kooperation mit dem überzwerg-Theater am Kästner-Platz. Der Musentempel lässt hier die Puppen vor jungem Publikum tanzen. Die Nachwuchsarbeit der „Offenen Bühne“ unter Luca Pauer erfuhr Doppel-Ehre. Die Produktionen „ver_rückt“ des Jungen Ensembles iMove von Claudia Meystre sowie „Party und Protest“ von Luca Pauer & John Armin Sander sind zu namhaften Festivals eingeladen. Jetzt bringen sie Kafkas „Prozess“ spartenverbindend heraus. „Ausgezeichnet“ sind Sänger Markus Jaursch, Schauspielerin/Musikerin Gaby Pochert und Tänzerin Sidney Ramsey, gewürdigt mit dem Saarländischen SponsorClubPreis 2025/26.

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So farbenfroh präsentiert sich der saarländische Musentempel auf seinem Monats-Leporello, dem Jahres-Spielplan im neuen Format eines Stehkalenders - prima Idee - und dem handlichen Buch für die Spielzeit 26/27. Das Haus avisiert ein „farbenfrohes“ Programm. „Facettenreich, innovativ und emotional“ verkündet der Spiel-Plan hautnahe Erlebnisse mit Oper, Schauspiel, Tanz, Konzert und Puppentheater. Der Fokus „Arbeit“ lädt ein, sich am Puls der Zeit gemeinsam aktiv mit der Gegenwart auseinanderzusetzen.

„Facettenreich, innovativ und emotional“ avisiert der ambitionierte SpielPlan hautnahe Erlebnisse aller Sparten. Generalmusikdirektor Sébastien Rouland geht mit seinem Schwanengesang und Èric Tanguy als „Composer in Focus“ sowie „Fausts Verdammnis“ von Hector Berlioz in die Vollen. Die südkoreanischen Dirigentin Yura Yang gehört für Hausherr Michael Schulz „zu den spannendsten und inspirierendsten Dirigentinnen ihrer Generation“ und wird im August 2027 neue Generalmusikdirektorin in Saarbrücken. Die Spielzeit 26/27 startet mit einem „wilden Stück Musiktheater“ á la Commedia dell´Àrte. Schon die humorvolle Kostprobe zu Prokofjews „Die Liebe zu den drei Orangen“ mit „Smeraldina“ KS Judith Braun, „König Treff“ Tobias Schabel, Dramaturg Patrick Strasser, Kostümbildner Jannik Kurz & Regisseur Tom Gerber/Wiesbaden, machte Lust auf dessen erste Operninszenierung. Es lebe die „exzentrische“ Theatermagie! Steampunk-Band Coppelius & Komponisten-Kollektiv Himmelfahrt Scores bringen Otfried Preußlers „Krabat“ auf Trab. wiesbadener*in III/2026


Drachenreiter trifft den mobilen Robin Hood, der „mehr für Alle!“ will und Frankenstein ruft: „Hier lang!“ im Bewegungsstück über Wege, Richtungen und Grenzen. Junges und jung gebliebenes Publikum lädt das kreative Team vom überzwerg-Theater zum gemeinsam spielen, lachen und gestalten ein.

Mit „Schwingungen“ um das Geheimnis der Resonanz werden drei Uraufführungen von Ballettdirektor Stijn Celis, der freien Szene-Choreografin Anna Konjetzky und Adi Salant (aus dem Batsheva-Kosmos) das Publikum begeistern. Der gefeierte „Nussknacker“ von Stijn Celis, der sich nach Shakespeares „Romeo und Julia“ jetzt dessen „Sommernachtstraum“ widmet, kommt wieder. Schwerpunktthema Arbeit: Maria Victoria Linke & Ulf Schmidt als Chefdramaturg/Chefautor bieten mit „Brüder*innenkeit“ und mit „Heinze und die Frauen“ eine feministische Operette. „Alltägliche Spektakel. Ein Stück über Arbeit im 21. Jahrhundert“ von Ulf Schmidt in Kooperation mit der Arbeitskammer des Saarlandes fühlt der Gegenwart den Puls. Schauspielchef Christoph Mehler setzt die Uraufführung von „Wir steigern das Bruttosozzoprozzo oder Meuterei im Arbeitshaus“ markant in Szene. Mit „Berlin Alexanderplatz“ holt der „Exil-Berliner“ sein „Herzensstück“ sowie das aktuell anmutende „Cabaret“ an die Saar. Angela Denoke, Kammersängerin und preisgekrönte Regisseurin, bringt nach 70 Jahren Humperdincks Märchenoper „Königskinder“ wieder ans Haus. Die neue Sparte Puppen- und Figurenspiel „flucks“ unter Gloria Iberl-Thieme startet ihre vier Neu-Produktionen rasant mit der Pilot-Kooperation des Musentempels und dem überzwergwiesbadener*in II/2026

„Trotz(t) allem!“ Das Motto der Spielzeit 26/27 des überzwerg-Theaters Saarbrücken ist „ein Aufruf an Alle, die wie wir spüren, dass die Zeiten rauer und die Schwierigkeiten aller Orts größer werden.“ Dramaturgin Andrea Imboden, Theaterpädagogin Anna Lankes, Geschäftsführer Christoph Dewes und künstlerische Leiterin Stephanie Roiser (von links) sind sich einig: „Wir lassen uns nicht unterkriegen.“

Theater: In einer ambitionierten Puppen- und Schauspielproduktion setzt Hannes Kapsch im Haus am KästnerPlatz Cornelia Funkes „Drachenreiter“ mit Puppen von Ulrike Langenbein in Szene. „Der kleine Wassermann“ wird das „Familienstück“.

überzwerg- Theater am Kästner-Platz „Trotz(t) allem!“ Das Motto der Spielzeit 26/27 des überzwerg-Theaters Saarbrücken ist „ein Aufruf an Alle, die wie wir spüren, dass die Zeiten rauer und die Schwierigkeiten aller Orts größer werden.“ Dramaturgin Andrea Imboden, Theaterpädagogin Anna Lankes, Geschäftsführer Christoph Dewes und künstlerische Leiterin Stephanie Roiser sind couragiert: „Wir lassen uns nicht

unterkriegen.“ Erich Kästners Ermunterung: „Es gibt nichts Gutes, außer man/frau tut es!“ stand Pate beim überzwerg-Theater am Kästner-Platz. In der aktuellen Spiel-Zeit treffen Drachenreiter den mobilen Robin Hood, der „mehr für Alle!“ will. Frankenstein ruft: „Hier lang!“ im Bewegungsstück über Wege, Richtungen und Grenzen. Junges und jung gebliebenes Publikum lädt das kreative Team vom überzwerg-Theater zum gemeinsam spielen, lachen und gestalten ein. „Es klopft bei Wanja in der Nacht“ und „Der Bär, der nicht da war“ stehen wie „Plitsch!“ und „die Biene im Kopf“ (für den Deutschen Kindertheaterpreis nominiert) auf dem aktuellen Spiel-Plan. Text und Fotos: Gesine Werner

Erich Kästners Ermunterung: „Es gibt nichts Gutes, außer man/frau tut es!“ und die Erkenntnis: „Man kann sich auch an offenen Türen den Kopf einrennen!“ standen Pate beim überzwergTheater am Kästner-Platz in Saarbrücken. In der ersten Kooperation mit dem Staatstheater in einer ambitionierten Puppen- und Schauspielproduktion setzt Hannes Kapsch feinfühlig Cornelia Funkes „Drachenreiter“ mit Puppen von Ulrike Langenbein in Szene.

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kultur & kreatives „Orakel zu Mannheim“ in die Zukunft. Die Haus-Dragqueen bittet zur Show. Reinschnuppern in die Uraufführung der galaktischen Abenteueroper „Reise zum Mond“ geht auch. Mit 260 Produktionen, den 24. Internationalen Schillertagen „Jetzt oder nie!“ und Familienkonzerten im OPAL inklusive „Geisterstunde“ wird ein pralles Programm offeriert.

Das NTM steht als „Schlüsselwerk der Nachkriegsmoderne“ seit 1986 unter Denkmalschutz. Blick auf die Westfassade im August 2026. Auch das Mosaik mit den Theaterszenen, ein Figurenfries von Hans Leistikow aus dem Jahr 1958, profitiert von der Generalsanierung.

Nationaltheater Mannheim startet mit opulentem Theaterfest in die vielversprechende Spiel-Zeit

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as NTM lässt es krachen - auch im Interim. Ein Theaterfest rund um den Spielort OPAL mit freigiebigen Blicken hinter die Kulissen als Auftakt der Spiel-Zeit 2026/27. Drei Uraufführungen werden bei den „Dreamern“ am 8. Oktober 26 avisiert.

Also zeigt das Tanzensemble eine öffentliche Probe der „Dreamer“, lädt alle Altersgruppen zum TanzWorkshop und Jungle Dance ein. Der Walking Act des Schauspiels offeriert „Triff die Titanen“. Beim NTMOpernchor darf mitgesungen werden. Im Container of Fortune blickt Sarahthustra aka Sarah Zastrau als

„Deins für die Kunst“ ist das NTM-Spielhaus am Goetheplatz seit 1779 und seit dem 1. August 2022 „in der Maske“. Von wegen Bühneneingang - hier dürfen nur die sanierenden Gewerke reingehen. Wer will fleißige Handwerker sehn… 42

Zum Start in die Spielzeit 2026/27 bringt Nachwuchs-Regisseurin Julia Gudi, die gerade Maria Lazars „Zwei Soldaten“ am Staatstheater Wiesbaden zur Uraufführung brachte, ihre Sicht auf Ibsens „Nora oder Ein Puppenhaus“ ins Studio Werkhaus. Barbi Markovic aus Belgrad ist mit Sprachwitz und scharfem Blick aufs Absurde des Alltags neue NTMHausautorin. Ihre druckfrische Stückentwicklung „was übrigbleibt, haha“ wird uraufgeführt. Tschechows „Onkel Wanja“ und „das Archiv der Träume“ nach Machado kommen auf die Bretter. Tanzintendant Thoss präsentiert als Ballettchef seine Choreografie „Under the Mistletoe“. Der opulente Orchester-Tanzabend „Eine Winterreise“ hat Premiere mit Choreografien von Luis Tena Torres & Albert Galindo, der am Staatstheater Saarbrücken „Reibungen“ zeigt. Am 7. November verbindet „Eine Symphonie des Grauens“ Leinwand und Bühne im OPAL: In Kooperation mit dem 75. Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg und der Friedrich Wilhelm MurnauStiftung im Deutschen Filmhaus Wiesbaden zeigt das NTM den Stummfilm-Klassiker „Nosferatu“. Das NTM-Orchester unter Luka Hauser illustriert diesen Meilenstein der Filmgeschichte mit der Originalmusik aus dem Jahr 1922. Das NTM-Spielhaus bildet mit dem angrenzenden Goetheplatz ein Ensemble, das unter Denkmalschutz steht. Läuft alles nach Plan, wird im Herbst 2028 nach rund sechsjähriger General-Sanierung „eine offene Bühne für Stadtleben, spontane Begegnungen und kommende Ideen“ einladen. „Und ein Theater, das zeigt: Zukunft beginnt dort, wo Räume geteilt werden.“ Das NTM versteht sich künftig stärker als urbaner Treffpunkt und soll mit ganztägig betriebenem Foyer zum öffentlichen Raum werden für Verweilen, Beobachten, Austausch, Debatte und neue Perspektiven. Text und Foto: Gesine Werner wiesbadener*in III/2026


zusammenleben

Der stadtbekannte bunte Bus

Das Team engagierte Team von upstairs um Trunc Quynh Vo (zweite von links)

Näher dran – 25 Jahre upstairs: Ein buntes Wohnmobil, viele Geschichten und eine Aufgabe, die geblieben ist

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as bunte Wohnmobil steht, wie gewohnt, am Rand der Reisinger Anlagen in Wiesbaden. Doch an diesem Tag ist etwas anders: Dem Bus gegenüber stehen Pavillons. Menschen kommen zusammen, es wird gesprochen, gelacht und gefeiert. upstairs wird 25 Jahre alt. Die Geschichte des Projekts begann 2000 innerhalb der EVIM Jugendhilfe. Die Idee: ein niedrigschwelliges Angebot für junge Menschen schaffen, die in eine Notlage geraten waren, von Wohnungslosigkeit bedroht waren oder bereits auf der Straße lebten. 2001 nahm upstairs seine Arbeit auf. Zunächst an der Alten Synagoge, doch bald wurde klar: Wer in einer existenziellen Krise steckt, kommt nicht unbedingt dorthin, wo Hilfe angeboten wird.Die Hilfe musste näher zu den Menschen. „Näher dran“ wurde zum Grundgedanken von upstairs. 2008 nahm der erste upstairs-Bus an den Reisinger Anlagen seinen Betrieb auf. Seitdem ist das bunte Wohnmobil mobile Anlaufstelle, Beratungsraum und Ort der Begegnung. Wiesbadens Oberbürgermeister GerdUwe Mende würdigt die Arbeit und findet zugleich selbstkritische Worte. upstairs sei „ein bisschen auch ein Stachel im Fleisch der Stadtgesellschaft“. Das Projekt mache sichtbar, worum sich die Stadt kümmern müsse. Oft werde die soziale Spaltung ausgeblendet. Klaus Friedrich, Geschäftsführer der EVIM Jugendhilfe, formuliert einen Wunsch, der zunächst paradox klingt: wiesbadener*in III/2026

upstairs sollte irgendwann nicht mehr gebraucht werden. „Wenn wir es schaffen, dass junge Menschen dieses Angebot nicht mehr brauchen, dann hätten wir viel geschafft.“ Davon ist Wiesbaden noch weit entfernt. 2025 erbrachte upstairs 3.908 Versorgungsleistungen, 2.249 Übernachtungen mussten organisiert werden. Hinter jeder Zahl steht ein junger Mensch mit einer eigenen Geschichte. Wohnungslosigkeit kann viele Ursachen haben: Konflikte in der Familie, der Verlust von Arbeit oder Ausbildung, finanzielle Probleme oder persönliche Krisen. Oft beginnt sie schleichend. Eine Nacht bei Freunden wird zur nächsten, irgendwann fehlt auch dieser Schlafplatz. Dazu kommen fehlende Dokumente, Probleme mit Behörden und eine nicht vorhandene Postadresse. Hier setzt das Team um Trunc Quynh Vo, Teamleiterin upstairs der EVIM Jugendhilfe, an. Beratung, Begleitung und vor allem Vertrauen sind die Grundlage der Arbeit. Manchmal beginnt der Weg zurück mit einem kleinen Schritt: einem Antrag, einem Telefonat, einem Ausweis oder einer sicheren Übernachtung. Bei der Feier erzählen zwei junge Männer stellvertretend für viele von ihrem Weg. Beide waren in schwierigen Lebenssituationen und fanden mit Unterstützung von upstairs zurück in die Gesellschaft. Ein Kunstprojekt von Isabelle Dinges aus dem upstairs-Team gibt weiteren

Einblick in die Lebenswelt junger Menschen. Gemeinsam mit Betreuten und ehemaligen Betreuten entstanden Werke über Gefühle, Wünsche und Erfahrungen. Sie erzählen von Unsicherheit, Angst und Einsamkeit, aber auch von Hoffnung. Eine berührende Ausstellung, die Menschen hinter den Statistiken sichtbar macht. Seit 2023 gibt es zudem das „Clearinghaus für junge Wohnungslose“. In Kooperation mit der Landeshauptstadt Wiesbaden entstanden sechs Plätze für junge Menschen bis 27 Jahre. Doch der Bedarf bleibt. Trunc Quynh Vo wünscht sich einen festen Ort, an dem junge Menschen einige Stunden bleiben, Wäsche waschen, Unterlagen ausfüllen, alltägliche Dinge erledigen oder einfach zur Ruhe kommen können. Auch eine Postadresse könnte helfen, für Behörden erreichbar zu bleiben. upstairs ist zu 100 Prozent spendenfinanziert. Matthias Loyal, Vorstandsvorsitzender der EVIM, berichtet: Begonnen habe das Projekt mit rund 100.000 Euro. Heute liegt der Bedarf bei knapp 300.000 Euro. Möglich ist die Arbeit auch dank vieler langjähriger Spenderinnen und Spender. Denn jede Spende zählt – und jede Spende kommt direkt bei upstairs an. Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft IBAN: DE02 3702 05000 0004 6010 00 BIC: BFSWDE33XXX www.evim.de/jugendhilfe/upstairs 43


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Magazin WIESBADENER*IN, Ausgabe III/2026 by Petra Esser - Issuu