Tauchen Freitauchen Leidenschaft Wissen
Nr. 47 5 (47)/2026
SEPTEMBER/OKTOBER
Preis 12,50 € Preis inklusive Steuer
GEISELTALSEE
Ein HIT auf der Tauchkarte Europas!
High-Key-Fotografie BINTAN in hellen Farben 1
TECLINEDIVING.EU 2
vorwort
Wojciech ZGOŁA Chefredakteur
Der Herbst erinnert uns daran, dass der Winter vor der Tür steht. Das hat auch seine Vorteile – sogar einige Das Wasser ist klarer, weniger Menschen gehen baden, und nach dem Tauchgang kann man noch Pilze sammeln gehen.
gen, seine Fotos zu veröffentlichen. Möglich wurde das, weil Adam Krupa den Ort beschrieben hat. Und offenbar ist er ein „Ein Hit auf der Tauchkarte Europas“! Die Rede ist vom Geiseltalsee in Deutschland… Aber seht selbst, wie es dort aussieht.
Man kann natürlich auch in wärmere Gefilde reisen, zum Beispiel nach Lanzarote, Lembeh, Bali und Nusa Penida, Mexiko oder Bintan. Über diese Destinationen berichten wir in der neuesten Ausgabe. Und noch ein Tipp: Bei Bonito Diving Lanzarote bekommt ihr mit dem Kennwort „Perfect Diver“ Rabatt! Wenn das Reisebudget knapp ist, schafft unsere E-Ausgabe zumindest ein wenig Abhilfe.
Zum Thema kalte Gewässer haben wir außerdem den Piłakno-See in Jacek Kubiaks Geschichte, den Łęsk-See im Text von Magdalena Gil, Georgien in Beata Pytels Beitrag und Piotr Bałazys Bericht über eine unglaubliche Begegnung mit einem Südamerikanischen Seelöwen irgendwo am Rand Argentiniens.
Sebastian Dobrowolski versucht zu entscheiden, wo er seinen ersten Tauchkurs machen soll. Irgendwo weit weg in einem warmen Land oder doch lokal, in der Nähe? Vor- und Nachteile, Pro und Contra… Und ihr – wo habt ihr euren ersten Tauchkurs gemacht, und war es die richtige Entscheidung? Das Cover. Es stammt von Marcin Trzciński und zeigt seinen „hässlichen“ Anglerfisch. Denn… auch kalte Gewässer können äußerst spannend sein. Seht euch an, wie dieses Foto entstanden ist – oder habt ihr vielleicht ein besseres? In dieser Ausgabe widmen wir den kalten Gewässern mehr Raum. Endlich ist es mir gelungen, Wiesiek Baska dazu zu bewe-
Natürlich fehlt auch ein weiterer Artikel zur Unterwasserfotografie nicht. Kein einfaches Thema: Wie fotografiert man Natur – besonders dann, wenn sie sich bewegt, unberechenbar ist und immer wieder überrascht? Dazu gibt Piotr Stós einige Hinweise zur Fotoethik. Außerdem gibt es warme, farbenfrohe Aufnahmen vom Korallenriff von Przemek Zyber. Den Abschluss der Ausgabe bildet ein praktischer Beitrag von Wojtek A. Filip mit dem Titel „Ist das wirklich so?“. Worum geht es darin? Findet es selbst heraus! Erzählt euren Freunden von uns. Nehmt euch Zeit für die Artikel, holt euch Inspiration und Wissen. Wir sind für euch da!
Hat dir diese Ausgabe gefallen? Spendiere uns einen virtuellen Kaffee buycoffee.to/perfectdiver Besuche unsere Website www.perfectdiver.pl, Schau auf Facebook www.facebook.com/PerfectDiverMagazine und Instagram vorbei www.instagram.com/perfectdiver/
PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
3
inhaltsverzeichnis
14
reisen 10 14 18 22 30 34 38
LANZAROTE. Lava unter Wasser High-Key-Fotografie BINTAN in hellen Farben LEMBEH. Das Land der Schnecken und Garnelen NUSA PENIDA und BALI. Wohin Träume führen Ich hatte Angst zurückzukehren! ROTEN MEER GEORGIEN. Batumi, der Kaukasus und Chinkali DOS OJOS
süsswasser 42
46 50
Ein HIT auf der Tauchkarte Europas! Wie sich der GEISELTALSEE von einer Mondlandschaft in ein Taucherparadies verwandelte Ikone des Tauchens in Masuren. Der PIŁAKNO-SEE ŁĘSK. Ein unscheinbarer See und eine Überraschung
mein standpunkt 54
4
30
TAUCHKURS in der Nähe oder im Urlaub?
10
42
22
Inhaltsverzeichnis
70 unterwasserfoto 60 Wie man die Welt unter Wasser fotografiert 68 Der ANGLERFISCH aus dem Skjelfjord 70 Auge in Auge mit dem LÖWEN
tipps & wissenswertes
60
72
72 JET FINS sind nur etwas für technische Taucher? Ist das wirklich so?
Verlag PERFECT DIVER Sp. z o.o. Folwarczna-Straße 37, 62-081 Przeźmierowo redakcja@perfectdiver.com ISSN 2545-3319
Chefredakteur
Wojciech ZGOŁA
Technische Taucher Weltgeografie und das Reisen Reportage Imageberatung Übersetzer der Deutsche Sprache
Tomek KULCZYŃSKI Anna METRYCKA Dominika ABRAHAMCZYK Waldemar RYDZAK Piotr WITEK, Alina LIZAKOWSKA, Agata TRZCIŃSKA-HILDEBRANDT, Frank LEMKE, Maksymilian STRAATMANN Rechtsanwalt Joanna WAJSNIS Brygida JACKOWIAK reklama@perfectdiver.com
Rechtsberatung Grafiker Werbung
DAS MAGAZIN WURDE MIT FOLGENDEN SCHRIFTARTEN GESETZT Montserrat (Julieta Ulanovsky), Acumin Pro (Robert Slimbach, Adobe), Source Serif 4 (Frank Grießhammer, Adobe)
VERTRIEB Onlineshop sklep.perfectdiver.pl redakcja@perfectdiver.com
DRUCK Wieland Drukarnia Cyfrowa, Poznań, www.wieland.com.pl
www.perfectdiver.pl
Gefällt dir diese Ausgabe des Magazins? Unterstütze uns mit einem frei wählbaren Betrag! Die Zahlung ist freiwillig. PayPal.Me/perfectdiver
TITELFOTOGRAFIE Marcin TRZCIŃSKI ORT Norwegen, Skjelfjord AUF DEM FOTO Anglerfish
Die Redaktion sendet unverlangt eingesandte Materialien nicht zurück, übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt von Anzeigen und behält sich das Recht vor, eingesandte Texte zu kürzen, redaktionell zu bearbeiten, zu betiteln sowie das begleitende Bildmaterial auszuwählen. Der Nachdruck von Artikeln oder Teilen davon sowie das Kopieren sind nur mit Zustimmung der Redaktion gestattet. Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für Form und Inhalt der Werbungen.
PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
5
redaktion
Wojciech ZGOŁA
Dominika ABRAHAMCZYK
Tomek KULCZYŃSKI
Ein Mann, der reisend taucht. Seit seiner Kindheit mit dem Wasser verbunden – vom Schwimmenlernen über das Segeln bis hin zur Entdeckung der Geheimnisse unterseeischer Seen, Meere und Ozeane. Später kam die Leidenschaft für Fotografie und Schreiben hinzu, die es ihm ermöglichen, die Schönheit der Unterwasserwelt sowie die Besonderheiten der jeweiligen Orte zu teilen. Er hat über 900 Tauchgänge in Polen sowie an entfernten, exotischen Orten in warmen und kalten Gewässern absolviert. Jeden Tauchgang versteht er als Begegnung mit Natur und Geschichte. Als Liebhaber der Natur in ihrer reinsten Form ist er überzeugt, dass Tauchen nicht nur ein Sport ist, sondern ein Weg, Bewusstsein zu schaffen – für die Umwelt, den Mitmenschen und sich selbst.
Von Perfect Diver mit der Leidenschaft fürs Tauchen angesteckt. Sie erweitert kontinuierlich ihre taucherischen Fähigkeiten. Obwohl sie eindeutig wärmeliebend ist, schlüpft sie in den Trockenanzug und erkundet auch kältere Gewässer. Ihre liebsten Tauchgänge sind jene mit besonders vielen Unterwassertieren! In letzter Zeit nimmt sie ihr Smartphone im Unterwassergehäuse mit unter Wasser und versucht sich in der Unterwasserfotografie auf Amateurbasis. Sie interessiert sich für Tauchmedizin. Beruflich ist sie M.Sc. in der Pflege und arbeitet als OP-Pflegefachkraft.
Für Tomek war das Tauchen schon immer seine größte Leidenschaft. Er begann sein Abenteuer im Alter von 14 Jahren und entwickelte sich im Laufe der Zeit zum Tauchlehrer für Freizeit- und technisches Tauchen, zum Erste-Hilfe-Instruktor sowie zum Tauchtechniker. Derzeit leitet er das 5* Tauchzentrum COMPASS DIVERS in Pobiedziska bei Poznań, wo er sein Wissen und seine Fähigkeiten an Anfänger wie auch an fortgeschrittene Taucher weitergibt – was ihm große Freude bereitet und ihm viel Zufriedenheit schenkt, Teil ihrer Unterwasserabenteuer zu sein…
Anna METRYCKA
Waldemar RYDZAK
„Mensch! Tauch unter Wasser ab. Wenn die Schönheit, die du dort siehst, dich nicht erschüttert – dann erwartet dich im Leben nichts Spannendes mehr.“ Taucherin aus Leidenschaft, seit jeher mit dem Wasser verbunden. Ihren ersten Tauchkurs machte sie mit 14 – und seitdem lässt sie das Tauchen nicht mehr los! :) Ihre Masterarbeit schrieb sie im Rahmen ihres Geographiestudiums an der Universität Warschau über Tauchtourismus. Seit 2013 schrieb sie für das Magazin nuras.info und war an Unterwasser-Fotoshootings beteiligt. Seit 2018 verfasst sie Artikel für Perfect Diver (zuvor unter dem Namen Ania Sołoducha) und ist seit einigen Jahren auch Teil der Redaktion. Sie bringt ihr Wissen und ihre Erfahrung zu Papier und verbreitet genau das, was sie am meisten liebt – das Tauchen. Dreizehn Jahre lang organisierte sie Tauchreisen rund um die Welt, denn die Arbeit mit Menschen und kreative Projekte sind genau das, worin sie aufgeht. Sie nimmt an Tauchmessen und -events teil und engagiert sich bei See-Reinigungsaktionen. Mehrfach trat sie als Referentin auf Tauchmessen und -konferenzen auf. Außerdem hat sie bereits mehrere Tauch-Webinare durchgeführt. Sie ist an vielen Orten der Welt getaucht, doch die Wunschliste wächst stetig weiter! Seit einigen Monaten ist sie Inhaberin ihres eigenen Unternehmens für Tauchund Aktivreisen – Umiko Expeditions – mit dem Kopf voller Ideen für die nächsten Touren! Optimistin, immer mit einem Lächeln auf den Lippen und mit individueller Herangehensweise an jeden Kunden :) Ihr bestes Kapitel im Leben beginnt gerade erst! www.umikoexpeditions.pl ; anna@umiko.pro; +48 516 621 211
Er stammt aus einer Bergbauregion, in der Wasser eher die Ausnahme als Alltag war. Schwimmen und Tauchen lernte er, um seine Angst vor dem Wasser zu überwinden – und sie mit der Zeit in Neugier auf die Welt unter der Oberfläche zu verwandeln. Mit dem Tauchen ist er seit dem Jahr 2000 verbunden (Divemaster, CMAS). Er jagt weder der Tiefe noch Rekorden hinterher: Lieber setzt er auf ruhiges Entdecken, Achtsamkeit und Details, die man leicht übersieht, wenn man es eilig hat. Im Alltag ist er Wissenschaftler und Praktiker der Kommunikation (Dr. habil., Prof. an der UEP), tätig in Forschung und Lehre in den Bereichen Märkte der Kreativwirtschaft sowie digitale und Krisenkommunikation. In der Redaktion von Perfect Diver unterstützt er das Team dort, wo Inhalte und Technologie zusammenkommen – bei Videoproduktionen, Datenanalysen und beim Aufbau der Markenstrategie.
ständige zusammenarbeit
Wojciech A. FILIP
Jakub BANASIAK
Łukasz METRYCKI /
Laura KAZIMIERSKA
Taucht seit 35 Jahren. Er hat über 16.000 Stunden unter Wasser verbracht, davon den Großteil im technischen Tauchen. Er war Instructor sowie Instructor-Mentor für zahlreiche Organisationen, darunter CMAS, GUE, IANTD und PADI. An der Entwicklung von Ausbildungsprogrammen einiger dieser Organisationen war er maßgeblich beteiligt. Er ist ein Profi mit außergewöhnlich umfangreichem Wissen und großer praktischer Erfahrung. Er nahm an zahlreichen Tauchprojekten teil – als Leiter, Entdecker, Ideengeber oder Vortragender. Als erster Pole tauchte er am Wrack der HMHS Britannic (117 m). Ebenfalls als erster explorierte er den tiefen Bereich der Glavas-Höhle (118 m). Er führte eine Serie von Tauchgängen zur Dokumentation des Wracks der ORP GROM (110 m) durch und dokumentierte tiefe (100–120 m) Bereiche gefluteter Bergwerke. Zudem ist er Ideengeber und Konstrukteur zahlreicher Ausrüstungslösungen, die die Sicherheit beim Tauchen erhöhen. Er ist Technischer Direktor bei Tecline, wo er unter anderem die Forschungsund Ausbildungseinrichtung Tecline Academy leitet. Er ist Autor von mehreren hundert Artikeln zum Tauchen sowie von Büchern zur Diagnose und Reparatur von Tauchausrüstung. Er taucht in Flüssen, Seen, Höhlen, Meeren und Ozeanen auf der ganzen Welt.
Zoopsychologe, Forscher und Experte für das Verhalten von Delfinen, engagiert für den Schutz von Delfinen und den Kampf gegen ihre Haltung in Delfinarien. Mit besonderem Interesse am Roten Meer und an Unterwasserbegegnungen mit großen pelagischen Raubtieren. Mitglied der DolphinariaFree Europe Coalition, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Tethys Research Institute sowie der Cetacean Research & Rescue Unit, Kooperationspartner von Marine Connection. Seit über 15 Jahren beteiligt er sich an der Forschung zu Populationen wildlebender Delfine, führt Audits von Delfinarien durch und überwacht die Qualität von Whale-Watching-Touren. Als Leiter des Projekts „Free & Safe“ (zuvor „NIE! dla delfinarium“) setzt er sich gegen die Haltung von Delfinen in Gefangenschaft ein, fördert ethisches Whale- & Dolphin-Watching, schult Taucher im verantwortungsvollen Schwimmen mit wildlebenden Delfinen und macht auf Aspekte der Delfintherapie aufmerksam, die von Einrichtungen, die mit dieser Form der Tiertherapie Geld verdienen, häufig verschwiegen oder bewusst verborgen werden.
Luke Divewalker Vor langer, langer Zeit, in einer weit entfernten Galaxie herrschte Chaos… …also ein Wirrwarr aus Gedanken und Begeisterung nach meinem ersten Untertauchen im Jahr 2005, in Form eines INTRO, während eines Urlaubs in Ägypten. Schon damals bin ich vollständig in die Unterwasserwelt „eingetaucht“ und wollte, dass sie einen immer größeren Einfluss auf mein Leben nimmt. Zwei Jahre später absolvierte ich den OWD-Kurs, den ich als Geschenk zu meinem 18. Geburtstag bekam, und mit der Zeit folgten weitere Kurse sowie die kontinuierliche Weiterentwicklung meiner Fähigkeiten. Die „Fotografie“ kam nicht viel später hinzu, anfangs jedoch in Form einer einmaligen Unterwasser-„Kodak“-Kamera, mit der die Bilder überwältigend blau wurden. Ich bin kein Anhänger nur einer einzigen Tauchdisziplin, auch wenn meine größte Schwäche derzeit den großen pelagischen Tieren gilt. Die Galapagos-Inseln waren bisher meine beste Gelegenheit, eine so große Vielfalt mariner Tierarten zu fotografieren. Meine Tauch- und Fotoleidenschaft teile ich mit meiner Buddy, die privat meine Ehefrau ist. IG: luke.divewalker www.lukedivewalker.com
Laura ist Journalistin, Instruktorentrainerin sowie CCR- und Höhlentaucherin. Über mehr als ein Jahrzehnt hinweg hat sie ihre taucherische Laufbahn weiterentwickelt und dabei Wissen und Erfahrung aus unterschiedlichsten Bereichen gesammelt. Ihr Schwerpunkt liegt auf professioneller Tauchausbildung, doch ihre Leidenschaft für die Unterwasserwelt und deren Schutz führt sie an verschiedenste Orte rund um den Globus – von den Tiefen der Lombokstraße, über Höhlen in Mexiko und Wracks vor Malta bis hin zu den Malediven, wo sie ein Tauchzentrum leitet, das vom Tourismusministerium als bestes Tauchzentrum der Malediven ausgezeichnet wurde. Aktiv engagiert sie sich für den Schutz der Meeresumwelt, indem sie an wissenschaftlichen Projekten teilnimmt, sich an Kampagnen gegen die Verschmutzung der Ozeane beteiligt und mit Nichtregierungsorganisationen zusammenarbeitet. Du findest sie unter: @laura_kazi_diving www.divemastergilis.com
Sylwia KOSMALSKA-JURIEWICZ
Przemysław ZYBER
Marcin TRZCIŃSKI
Barbara GLENC
Reisende und Wildtierfotografin. Absolventin der Journalistik und Liebhaberin guter Literatur. Sie lebt im Einklang mit der Natur, fördert einen gesunden Lebensstil, ist Yogini und Vegetarierin. Sie engagiert sich in ökologischen Projekten; besonders am Herzen liegen ihr Haie und ihr Schutz, über den sie in zahlreichen Artikeln sowie auf dem Blog www.blog.dive-away.pl schreibt. Ihre Tauchreise begann vor fünfzehn Jahren durch einen reinen Zufall. Heute ist sie Tauchinstruktorin, hat über 60 Länder besucht und auf fünf Kontinenten getaucht. Zu gemeinsamen Reisen lädt sie mit dem Reisebüro www.dive-away.pl ein, dessen Mitgründerin sie ist.
Ich fotografiere – weil es mir Freude macht, ich filme – weil es mich begeistert, ich schreibe – weil ich gerne teile, ich schule – weil ich Entwicklung unterstütze, ich reise – weil ich es liebe, Neues zu entdecken. www.facebook.com/przemyslaw.zyber www.instagram.com/przemyslaw_zyber/ www.deep-art.pl
Absolvent der Universität Warschau. Unterwasserfotograf und -filmer, seit 1995 tauchend. Mitarbeiter der Abteilung für Unterwasserarchäologie der Universität Warschau. Er publiziert in polnischen und internationalen Tauchmagazinen. Inhaber der Firma FotoPodwodna, offizieller polnischer Vertreter der Marken Ikelite, Nauticam, Inon, Keldan und ScubaLamp. www.fotopodwodna.pl m.trzcinski@fotopodwodna.pl
Ich bin Reisende und technische Taucherin und entdecke die Welt sowohl an Land als auch unter Wasser. Seit 16 Jahren beschäftige ich mich mit dem Tauchen. Da ich beruflich Fotografin bin, begleitet mich die Kamera seit meinem ersten Tauchgang. Angefangen habe ich mit dem Sporttauchen, mit der Zeit habe ich jedoch die Zertifizierungen Full Trimix und Full Cave erworben, die es mir ermöglichen, Höhlen, Wracks und große Tiefen zu erkunden. Unter Wasser finde ich eine Ruhe, die an der Oberfläche nur schwer zu erreichen ist. Jeder Tauchgang ist für mich nicht nur ein Abenteuer, sondern auch eine Gelegenheit, die außergewöhnliche Unterwasserwelt fotografisch festzuhalten. barbaraglenc.foto@gmail.com
schreiben für uns
Piotr STÓS
Paula SUSZKO
Adam SOKÓLSKI
Fotograf, Biologe, Geschichtenerzähler und SSI Instructor Trainer. Er sieht es als seine Berufung, Tauchen auf allen Niveaus zu unterrichten. Seit jeher ist er durch eine enge Partnerschaft mit Nautica verbunden. Er lebt auf der kroatischen Insel Vis, auf Safaribooten in Ägypten und überall dort, wo die Unterwasserwelt von unvergleichlicher Schönheit ist. Er arbeitet bei Nautica Safari. nautica.pl, piotr.stos@nautica.pl
Sie taucht seit 15 Jahren; ihre ersten Tauchgänge machte sie am Hańcza-See mit CN Adriatic. Die folgenden Jahre verbrachte sie in Irland, wo sie sich den kalten Gewässern der Dublin Bay und des Atlantiks stellte. Seit 2018 lebt sie in Singapur. Unter der Woche arbeitet sie in einem großen Konzern als Contract Managerin, an den Wochenenden unterrichtet sie als SSI-Instruktorin im örtlichen Tauchzentrum Cuddlefish Divers und führt Gruppen. Jede freie Minute widmet sie der Erkundung der Unterwasserwelt der Inseln Südostasiens und dokumentiert die außergewöhnliche Biodiversität dieser Region fotografisch. IG: @pauladives
Taucher, Tauchlehrer, Unterwasserfotograf. Ich tauche seit 28 Jahren und arbeite seit 18 Jahren als Unterwasserfotograf. Ich habe Tausende von Tauchgängen in Polen, Europa, Afrika und Asien absolviert. Tauchen, die Ausbildung von Tauchern und die Erstellung von Unterwasserbildern sind nicht nur mein Beruf, sondern vor allem meine Leidenschaft. Ich bin besonders von der Makrofotografie fasziniert und fotografiere daher am liebsten kleine, sehr kleine und sogar mikroskopische Lebewesen unter Wasser. Ich kehre immer wieder gerne auf die Philippinen, nach Indonesien und Malaysia zurück, wo die Unterwasserwelt mit ihrer Vielfalt begeistert. Meine Fotografien wurden unter anderem im National Geographic veröffentlicht.
Wiesiek BASKA
Beata PYTEL
Magdalena GIL
Wie gestaltet man seine Zeit im Ruhestand? Indem man seine Träume verwirklicht. So erfüllte ich mir 2015 meinen Traum: einen Open Water Diver Kurs. Von da an ging es steil bergab. Heute bin ich technischer Taucher und Divemaster mit der Unterwasserfotografie als Hobby. Eine Kamera begleitet mich seit meinen Anfängen. Sogar meinen Open Water Diver Kurs absolvierte ich mit einer am Kopf befestigten Kamera. Und so blieb es dabei. Ich liebe es, Taucher in faszinierenden Umgebungen zu fotografieren. Da sie unter Wasser die Oberfläche ohnehin oft vergessen, versuche ich, diese flüchtigen Momente mit journalistischem Blick einzufangen, damit sie sich später beim Betrachten der Fotos selbst „durch meine Augen“ sehen können. www.facebook.com/wiesiek.baska www.instagram.com/wiesiek_baska/
Eine Frau, die, wenn man ihr die Tür verschließt, durchs Fenster kommt – und wenn auch das Fenster zu ist, eben durch den Schornstein. Worte wie „geht nicht“ kommen in ihrem Wortschatz nicht vor, denn für sie gibt es nichts Unmögliches. Sie stammt aus Opole und liebt Herausforderungen. Als sie ihren späteren Mann Marek kennenlernte, begann sie für ihn und mit ihm zu tauchen. Den Anfang behält sie nicht gerade in bester Erinnerung, doch ihre Beharrlichkeit zahlte sich aus – heute ist die Unterwasserwelt ihr Zufluchtsort und ein Ausgleich zu ihrem rasanten Lebensstil. Ihr Leben dreht sich von einer Reise zur nächsten; oft bleibt kaum Zeit, den Koffer neu zu packen. Das Reisebüro, das sie führt, ist ihre Leidenschaft – und dank ihm entdeckt sie die Welt auch unter Wasser. Vernarrte Besitzerin eines Rauhaar-Foxterriers namens Santi. opole@traveliada.pl www.traveliada.opole.pl
Ich tauche seit sechs Jahren. Als ich anfing, war ich überzeugt, mein Abenteuer würde mit einem Open Water Diver Kurs enden. Ein paar Tauchgänge, etwas Unterwassererkundung, und das war's dann wohl. Ich hatte keine Ahnung, wie sehr ich mich irrte. Das Tauchen hat mich völlig in seinen Bann gezogen. Aus einem Hobby wurde ein Teil meines Lebens und schließlich mein Beruf. Ich bilde mich ständig weiter, lerne Neues und stelle mir neue Herausforderungen, um tiefer zu tauchen und zu entdecken, was noch weiter entfernt liegt. Heute kreisen meine Gedanken um Tauchträume. Und ich glaube, das ist das Schönste daran – als ich anfing, hätte ich mir nie vorstellen können, dass ich eines Tages von Dingen träumen würde, die mir jetzt ganz real erscheinen. Ich hoffe, ich kann sie alle verwirklichen. Sogar die, von denen ich vor sechs Jahren nicht einmal zu träumen gewagt hätte.
Adam KRUPA
Jacek KUBIAK
Sebastian DOBROWOLSKI
Piotr BAŁAZY
Er taucht seit 2021. Was mit Neugierde für die Unterwasserwelt begann, wurde schnell zu seiner wahren Leidenschaft und einem wichtigen Teil seines Lebens. Er ist technischer Taucher und hat Erfahrung in vielen verschiedenen Gewässern gesammelt. Er ist selbstständig, verbringt aber seine Freizeit unter Wasser. Seit Kurzem filmt er auch Unterwasseraufnahmen, fängt außergewöhnliche Orte ein und teilt die einzigartige Schönheit der Unterwasserwelt mit anderen. www.youtube.com/@adamk8802
Er ist 45 Jahre alt, verheiratet und arbeitet seit 25 Jahren in der Metallindustrie. Er taucht seit 2009; seitdem ist das Tauchen für ihn zu Lebensstil und Leidenschaft geworden. Er lebt in Kętrzyn und ist eng mit dem Club Mazursharks verbunden.
Ist Mitbegründer und Geschäftsführer der IDF (International Diving Federation). Als Ausbilder für Höhlen- und technisches Tauchen ist er seit über 25 Jahren im Tauchund Höhlenbereich aktiv. Er ist Mitautor von mehr als einem Dutzend Tauchhandbüchern zu den Themen Sporttauchen, Höhlentauchen, technisches Tauchen und Rebreather-Tauchen. Beruflich ist er bei der polnischen Feuerwehr tätig und bildet Rettungstaucher und Angehörige von Spezialeinheiten aus. Zudem organisiert er Tauchexpeditionen. Er ist spezialisiert auf die Ausbildung von Höhlentauchern und setzt sich für einen modernen und verantwortungsvollen Ansatz in der Tauchausbildung ein, der auf dem Prinzip „Sicherheit geht vor“ basiert.
Meeresbiologe, Assistenzprofessor am Fachbereich Meeresökologie und Tauchbeauftragter am Institut für Ozeanologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften (IO PAS). www.piotrbalazy.com
gesponserte artikel
LANZAROTE
Lava unter Wasser
Text und fotos Wojciech ZGOŁA, Dominika ABRAHAMCZYK
Lanzarote ist anders. Schon nach wenigen Kilometern über die Insel beginnt man zu verstehen, warum. Vulkanische Landschaften, Krater und Kegel in Schwarz-, Braun- und Rottönen, keine Werbetafeln, keine Hochhäuser und kein Gewirr aus Kabeln und Leitungen. Stattdessen: Weite, Wind und der Atlantik.
C
ésar Manrique, der wohl bekannteste Architekt der Kanarischen Inseln, hat viel dazu beigetragen, dass Lanzarote nicht zu einem weiteren Ziel des Massentourismus geworden ist.
Und unter Wasser? Hier beginnt eine ganz andere Geschichte. Im August waren wir wieder zu Gast bei unseren Freunden von Bonito Diving Lanzarote in Playa Blanca. Vor allem Kasia,
10
die Managerin des Centers, kümmerte sich um uns. Der Atlantik hatte angenehme 24 bis 25 °C. Für Taucher fast schon Luxus – denn Wassertemperaturen in dieser Größenordnung sind auf Lanzarote keineswegs selbstverständlich. Die Sicht war diesmal etwas schlechter als bei unseren früheren Aufenthalten im Herbst oder Frühjahr und lag bei etwa 10 bis 20 Metern. Doch auch das reichte völlig aus, um zu bestaunen, was die Natur hier geschaffen hat.
gesponserte artikel
Und sie hat außergewöhnliche Strukturen geschaffen. Heiße Lava, die vor Jahrhunderten ins Meer floss und dort erstarrte, formte unter der Wasseroberfläche eine faszinierende, mehrstöckige Welt. Es gibt Erhebungen, Felswände, Tunnel, Grotten, Vertiefungen und Durchgänge. Dazwischen liegt Sand – schwarz, grau oder hell. Jeder neue Abschnitt des Meeresbodens kann ein wenig anders aussehen. Playa Flamingo gehört zu den Tauchplätzen, die auf den ersten Blick keine großen Überraschungen versprechen. Doch kaum steckt man den Kopf unter Wasser, sieht die Sache ganz anders aus. Im Sand halten wir Ausschau nach Rochen, Plattfischen und Schlangenaalen. In den Spalten sitzen Muränen, Krabben und Garnelen. Mit etwas Erfahrung findet man vielleicht sogar ein Seepferdchen, eine Spinnenkrabbe oder einen kleinen Tintenfisch, der versucht, vor dem Hintergrund des Meeresbodens unsichtbar zu werden. Rochen gehören hier ohnehin zu den regelmäßigen Begegnungen. Neben Stachelrochen und Schmetterlingsrochen können wir auch Zitterrochen entdecken. Letztere tauchen manchmal fast unbemerkt auf, halb im Sand vergraben. Playa Flamingo mögen wir besonders nach Sonnenuntergang. Ein Nachttauchgang verwandelt denselben Abschnitt des Ozeans in eine völlig andere Welt. Tiere kommen zum Vorschein, die man tagsüber kaum zu Gesicht bekommt: große gefleckte Seehasen, Oktopusse, Krabben, Skorpionsfische, Sepien und unzählige Seeigel.
Im Freiwasser gehen Goldmuränen auf die Jagd. Bei einem unserer Nachttauchgänge wurden wir Zeugen einer Szene, die man so schnell nicht vergisst. Eine Muräne hatte eine Sepie erwischt und begann direkt vor den Augen von Dominika und Kasia mit ihrer Mahlzeit. Etwa fünfzehn Minuten später tauchte auch noch ein großer Stachelrochen auf. Eigentlich nur ein ganz gewöhnlicher Tauchgang vom Ufer – und trotzdem passiert unter Wasser ständig etwas. Lanzarote hat natürlich noch sehr viel mehr zu bieten. In Puerto del Carmen gibt es unter anderem mehrere Wracks, die sich während eines einzigen Tauchgangs besuchen lassen. Mit dem Zodiac fahren wir vom Hafen hinaus und sind nach etwa fünf Minuten am Tauchplatz. Ein Wrack liegt auf rund 20 Metern Tiefe und ist zur Seite gekippt. Das zweite – oder besser gesagt seine größeren und kleineren Überreste – liegt auf etwa 40 Metern. Genau dort begegnete ich vor einigen Jahren einem etwa eineinhalb Meter langen Engelhai. Er lag völlig ruhig im Sand, zwischen den metallenen Überresten des Wracks. Ein anderes Mal tauchten zwischen den Wracks große Stachelrochen auf. Und genau das ist einer der Gründe, warum ich Lanzarote so mag: Man weiß nie ganz genau, was einem beim nächsten Tauchgang begegnen wird. Der Engelhai gehört übrigens zu den begehrtesten Begegnungen der Insel. Die beste Zeit für seine Beobachtung liegt ungefähr zwischen Ende September und April. Danach wird es schwieriger.
PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
11
gesponserte artikel
Bonito Diving Lanzarote beteiligt sich seit Jahren außerdem an der Erfassung dieser immer seltener werdenden Tiere.
Diesmal waren wir vor allem gekommen, um unsere Freunde wiederzusehen und zu schauen, was sich im Tauchcenter verändert hatte. Es stellte sich heraus: einiges. Bonito Diving Lanzarote entwickelt seine Basis kontinuierlich weiter. Ein neuer Kompressor ist hinzugekommen, mit dem sich Flaschen sowohl mit Luft als auch mit Nitrox bis 40 Prozent füllen lassen. Auch die Ausrüstung wird Schritt für Schritt erneuert. Alle vorgeschriebenen Prüfungen und Zulassungen werden sorgfältig überwacht, und das Center hat für Notfälle eine Vereinbarung mit einer Druckkammer.
12
Das sind Dinge, die man während eines Tauchurlaubs am liebsten überhaupt nicht wahrnimmt. Gut zu wissen ist trotzdem, dass jemand daran gedacht hat. Denn Bonito – das sind vor allem Menschen. Sie haben ihre Leidenschaft nicht verloren und, was mindestens genauso wichtig ist: Sie sind immer noch mit vollem Einsatz dabei. Sie nehmen sich Zeit für Gespräche, erklären, beraten, suchen je nach Bedingungen den passenden Tauchplatz aus und beantworten geduldig auch die Fragen, die vielleicht schon hundertmal gestellt wurden. Professionell, aber ohne unnötige Distanz. Freundlich und einfach menschlich. Und genau das macht beim Tauchen einen großen Unterschied. Nach jedem Tauchgang kehren wir zur Basis in Playa Blanca zurück. Wir spülen und verstauen unsere Ausrüstung, tragen die Tauchgänge ins Logbuch ein, trinken etwas Kaltes und sprechen darüber,
WERBUNG
gesponserte artikel
was wir gesehen haben. Manchmal geht es dabei schon um den nächsten Tauchgang, manchmal um ein Restaurant und manchmal um ganz andere Dinge. Vor Ort findet man übrigens auch die gedruckte Ausgabe des Perfect Diver. Schön, das eigene Magazin an einem Ort zu sehen, von dem aus Taucher zum Atlantik aufbrechen. Und vielleicht lässt sich Bonito Diving Lanzarote genau so am besten beschreiben: nicht als Tauchcenter, das einfach „alles“ anbietet. Sondern als ein Team, das die Insel kennt, die hiesigen Tauchplätze kennt und seine Gäste dorthin bringt, wo es unter den jeweiligen Bedingungen gerade am interessantesten ist. Denn die eigentliche Vielfalt verdanken wir hier vor allem Lanzarote. Lava, Sand, Grotten, Wände, Wracks, Rochen, Zackenbarsche, Muränen und – wenn das Glück mitspielt – ein Engelhai. Dazu Tauchgänge bei Tag und bei Nacht.
Bonito Diving Lanzarote macht es möglich, diese Vielfalt zu erleben. Nach unserem Aufenthalt im August ist eines jedenfalls unverändert geblieben: Wir möchten wiederkommen. Nicht nur wegen des warmen Wassers und des Ozeans, sondern auch wegen der Menschen, mit denen man erneut abtauchen kann – um herauszufinden, was Lanzarote diesmal unter der Oberfläche für uns bereithält.
PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
13
REISEN
High-Key-Fotografie
BINTAN in hellen Farben Text und fotos Paula SUSZKO
Taucher und Kugelfisch
Bintan ist die größte Insel des indonesischen RiauArchipels. Sie liegt südöstlich der Malaiischen Halbinsel, am Ausgang der Straße von Malakka. Nur ein schmaler Streifen der Singapurstraße trennt die Insel von Singapur. Mit der schnellen Fähre ist die Nordküste von der Metropole aus in gerade einmal einer Stunde zu erreichen.
D
ort findet man exklusive Hotels, Golfplätze, feine Restaurants und gepflegte Strände – ganz auf die Wochenendgäste aus Singapur ausgerichtet. Die meisten Besucher lernen Bintan genau aus dieser Perspektive kennen. Dabei reicht es, die ausgetretenen touristischen Wege zu verlassen und sich in den Osten oder Süden der Insel aufzumachen. Schon bald landet man in den Kampungs, traditionellen Fischerdörfern am Rand der Mangrovenwälder. Hier scheint das Leben einen deutlich langsameren Rhythmus zu haben.
14
Über Jahrhunderte waren die Riau-Inseln die Heimat der sogenannten Orang Laut, der „Menschen des Meeres“. Diese nomadischen Seefahrer und Fischer waren über Generationen eng mit dem Meer verbunden. Ihre Traditionen und ihre Kultur sind bis heute lebendig.
Eine Basis auf dem Wasser Die einheimischen Fischer nutzen nicht nur Boote. Eine viel wichtigere Rolle spielen die Kelongs – schwimmende oder auf Pfäh-
Schwimmender Kelong
Reisen
Vom Wasser umgeben
len errichtete Plattformen, wie man sie in den Gewässern Indonesiens, Malaysias und der Philippinen findet. Die aus lokalem Holz, häufig Palmstämmen und Bambus, gebauten Kelongs werden vor allem nachts und in den frühen Morgenstunden genutzt. Starke Lampen locken Fische und Kalmare an. Die Netze werden einfach unter der Plattform ins Wasser gelassen und anschließend mitsamt dem Fang wieder hochgezogen. Einige Kelongs wurden inzwischen zu kleinen, einfachen Unterkünften auf dem Meer umgebaut. Manche beherbergen sogar Tauchbasen, wie das Bintan Black Coral. Ich mag solche Orte. Ein Aufenthalt auf einem Kelong fühlt sich ein wenig so an, als wäre die Zeit stehen geblieben. Besondere Annehmlichkeiten gibt es nicht. Statt einer Klimaanlage sorgt die Meeresbrise für Abkühlung, das Essen ist einfach, aber lecker. Der Tagesrhythmus wird von den Gezeiten und dem Wind bestimmt, und unter dem Holzboden hört man ständig das Wasser rauschen. Die Crew kennt die örtlichen Bedingungen und Strömungen genau. Die Tauchgänge
werden so geplant, dass sie möglichst gut zur jeweiligen Situation passen.
Bintan unter Wasser Die flachen, warmen Gewässer rund um Bintan laden meist zu langen und entspannten Tauchgängen ein. Allerdings sollte man die Strömungen nicht unterschätzen. Manchmal sind sie kaum zu spüren, dann können sie plötzlich deutlich stärker werden. Mit 28 bis 30 °C ist das Wasser während der gesamten Trockenzeit von April bis Oktober angenehm warm. Unter Wasser erwartet uns eine abwechslungsreiche Landschaft aus sandigen Flächen, Seegraswiesen und Korallenfeldern mit zahlreichen Seeanemonen. Wir tauchen langsam und suchen nach Makrolebewesen. Auf dem hellen Sand liegen farbenprächtige Seesterne. Zwischen den zarten Ästen der Weichkorallen verstecken sich durchsichtige Symbiosegarnelen, und in den hellen Seeanemonen wuseln ganze Familien von Anemonenfischen. Wir finden unterschiedlichste Nacktschnecken und Krebstiere, manchmal ein scheues Seepferdchen und immer wieder verschie-
dene Kopffüßer. Oktopusse verstecken sich im Sand oder suchen Schutz in leeren Muscheln und sogar in alten Gefäßscherben, die Menschen zurückgelassen haben. Auch Sepien kann man leicht übersehen. Ihr perfekter Tarnmechanismus lässt sie mit dem Untergrund verschmelzen. Nachts wird es noch einmal besonders interessant. Dann erscheinen zahlreiche Kalmare, die von den Lichtern der Kelongs angelockt werden. Spektakuläre Tiefen oder senkrechte Wände gibt es rund um Bintan zwar nicht. Dafür können wir durchaus größeren Tieren begegnen: Bambushaien und Riffhaien, Rochen und Stechrochen sowie Grünen Meeresschildkröten und Karettschildkröten.
Die Magie der High-Key-Fotografie Die Sicht rund um Bintan kann sehr unterschiedlich sein. Meist liegt sie zwischen fünf und 15 Metern. Selbst wenn die Sicht schlechter ist, schafft es das Sonnenlicht jedoch bis zum Meeresboden. Bei Sonnenschein ist es unter Wasser erstaunlich hell. Die Korallen leuchten in zarten Pastelltönen – und genau dann macht es
PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
15
reisen
Meeresschnecken der Gattung Costasiella, vermutlich C. ocellifera
Ein kleiner Fisch aus der Familie der Leierfische
Ein junger Anemonenfisch teilt sich eine Anemone mit einer Glasgarnele
16
Junges Tigerschwanz-Seepferdchen
besonders viel Spaß, mit der High-Key-Fotografie zu experimentieren. Bei der klassischen Unterwasser-Makrofotografie arbeiten wir häufig mit starken Kontrasten. Ein tiefschwarzer Hintergrund, erzeugt beispielsweise mit einem Snoot, lässt das Motiv regelrecht aus dem Bild herausspringen. High-Key ist das genaue Gegenteil. Hier wird das Bild bewusst überbelichtet, meist um eine oder zwei Blendenstufen. Das Licht darf die Szene dominieren. Der Hintergrund wird nahezu weiß, milchig oder bekommt zarte Pastelltöne. In der Unterwasserfotografie ist diese Ästhetik besonders in Japan beliebt. Japanische Fotografen schätzen die Leichtigkeit dieses Stils und seine fast poetische, an Aquarelle erinnernde Bildwirkung. Das Bild soll nicht durch extreme Schärfe beeindrucken. Es soll eher wie ein kleiner Traum wirken. Manchmal wird dieser Stil deshalb auch als Yume-iro bezeichnet – „Traumfarben“. Technisch beginnt das Ganze mit einer sehr weit geöffneten Blende. Statt des klassischen f/8 oder der im Makrobereich häufig verwendeten Werte von f/16 und darüber gehe ich auf etwa f/2.8 bis f/5.6. Die Blitzleistung reduziere ich auf ein Minimum. Das Motiv soll nur ganz sanft aufgehellt werden. Für den Hintergrund nutze ich das vorhandene Licht. Und genau hier wird es spannend. Mit einer so weit geöffneten Blende zu arbeiten, ist unter Wasser alles andere als einfach. Die Schärfentiefe ist hauchdünn und beträgt oft nur Bruchteile eines Millimeters. Eine kleine Bewegung des Wassers, ein etwas tieferer Atemzug oder ein leichtes Zittern der Hand –
Reisen
Ein Oktopus sucht Schutz in einem weggeworfenen Glas
und schon ist die Schärfe vom Auge des Tieres weg. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – hat diese Technik für mich einen ganz besonderen Reiz. Denn bei High-Key muss ein Bild nicht technisch perfekt sein. Die berühmte „Messerschärfe“ verliert plötzlich an Bedeutung. Stattdessen darf das Motiv weich und leicht verschwimmen. Das Bokeh im Hintergrund übernimmt einen Teil der Bildwirkung und verleiht dem Foto diese verträumte, fast unwirkliche Atmosphäre. Was bei einer klassischen Makroaufnahme vielleicht wie ein Fehler aussehen würde, kann bei High-Key plötzlich genau das sein, was das Bild braucht. Besonders schön funktionieren Motive mit transparenten oder hellen Körpern: durchsichtige Symbiosegarnelen, leuchtende Anemonenfische zwischen hellen Seeanemonen, farbenprächtige Nacktschnecken oder kleine Kopffüßer vor hellem Sand. Ich finde, dass es sich beim Fotografieren immer lohnt, die gewohnten Wege zu verlassen und etwas Neues auszuprobieren. Und dafür muss man nicht unbedingt ans andere Ende der Welt reisen. High-Key lässt sich überall dort üben, wo das Wasser flach genug ist, damit viel natürliches Licht bis zum Grund gelangt. Natürlich funktioniert das an tropischen Riffen Asiens wunderbar. Aber genauso gut kann man die Technik in flachen, klaren Buchten polnischer Seen oder in den flacheren Bereichen von Steinbrüchen ausprobieren.
Junge Breitarm-Sepia
Tauchsaison und Bedingungen: Die Tauchsaison reicht von April bis Oktober und fällt mit dem Südwestmonsun zusammen. In dieser Zeit ist das Meer meist ruhig und es gibt vergleichsweise wenig Niederschlag. Die Monate November bis März sind weniger geeignet, da der Nordostmonsun starken Wind und höheren Wellengang mit sich bringen kann. Die Wassertemperatur liegt bei 28 bis 30°C. Eine dünne 3-mm-Neoprenbekleidung reicht daher völlig aus, teilweise genügt sogar ein Rashguard.
Ausrüstungstipps: Für die High-KeyMakrofotografie eignet sich eine Kamera mit einem 60-mm-Makroobjektiv oder einem Makroobjektiv im Bereich von 90 bis 105 mm besonders gut. Für sehr kleine Motive können zusätzlich Dioptrien hilfreich sein. Statt eines schmalen Lichtkegels vom Snoot verwende ich Blitzgeräte mit Diffusoren, die das Licht weich und breit verteilen.
PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
PRAKTISCHE INFORMATIONEN
Anreise? Am einfachsten erreicht man Bintan von Singapur aus. Vom Fährterminal Tanah Merah, das nicht weit vom Flughafen Changi entfernt liegt, fahren schnelle und komfortable Fähren. Die Überfahrt dauert nur etwa 50 bis 60 Minuten. Nach der Ankunft geht es mit einem lokalen Autotransfer weiter an die Ostoder Südküste. Von dort bringt uns ein kurzes Stück mit dem Boot direkt zum jeweiligen Kelong.
17
REISEN
LEMBEH
Das Land der Schnecken und Garnelen Text und fotos Adam SOKÓLSKI
Hinter sieben Bergen, im fernen Indonesien, in der Nähe von Manado, befindet sich ein märchenhaftes Land, von dessen Besuch alle Unterwasser-Makrofotografen träumen. Das ist die Lembeh-Straße.
I
ch bin an vielen Orten getaucht, die das Herz eines Fotografen höherschlagen lassen können – auf den Philippinen, auf Bali, in Malaysia. Und doch wurde der Weg nach Lembeh irgendwie immer länger. Zuerst machte die Welt eine Pause, die COVID hieß, dann stellte sich heraus, dass dies kein Reiseziel ist, das man spontan ansteuert, wie z.B.: „vielleicht nächste Woche?“, denn das Budget hatte bei dieser Angelegenheit ein Wörtchen mitzureden… oder auch mehr als ein Wörtchen. Am Ende aber hat es geklappt! Und nach meinem ersten Aufenthalt kann ich eines sagen: Die Bezeichnung „Welthauptstadt des Makros“ erscheint mir keineswegs übertrieben. Man kann natürlich endlose Diskussionen darüber führen, ob Lembeh besser ist als Anilao, Dauin oder Semporna. Eine Tabelle erstellen, Punkte für die Anzahl der gefundenen Schnecken pro Stunde oder die Größe der Anglerfische vergeben, eine Expertenkommission ein-
18
berufen... Nur wozu? Jeder dieser Orte ist großartig und hat seinen eigenen Charakter, und für mich ist die Frage, was man genau hier finden kann und wie gut die Tauchbasis und die Unterwasserführer funktionieren, interessanter als „welcher ist der beste?“.
Schwarzer Sand? Ja. Aber es gibt noch mehr Lembeh wird vor allem mit Muck-Diving (Schlammtauchen) in Verbindung gebracht – der Suche nach Kreaturen auf einem scheinbar leeren, mit Vulkansand bedeckten Grund. Diese Orte sehen auf den ersten Blick nicht so aus, als gäbe es dort etwas, das es wert wäre, fotografiert zu werden, aber können sie eigentlich superinteressante Lebewesen verbergen. Und tatsächlich sehen viele Tauchgänge genau so aus: ein leerer Sandboden, ein paar Steine und sonst nichts. Es stellt sich jedoch heraus, dass Lembeh auch ein völlig anderes Gesicht hat: wirklich schöne
Reisen
Riffe. Gesunde Korallen, interessante Formationen, Aufnahmen, die problemlos in einem Werbeprospekt für klassisches tropisches Tauchen landen könnten. Ich flog dorthin, eingestellt auf schwarzen Sand und seltsame Kreaturen, die aussehen, als hätte sie jemand nach einer interessanten Party entworfen – aber ich habe festgestellt, dass man hier genauso gut am Riff tauchen, wie klassische Makrofotos im Sand machen kann. Und genau das hat mich wohl am meisten überrascht. Lembeh hat den Ruf als Welthauptstadt des Muck-Divings, aber es wäre ungerecht sie, ausschließlich auf diese Kategorie zu beschränken.
Über 50 Gründe, ins Wasser zu gehen In der Lembeh-Straße gibt es über 50 Tauchplätze. Wenn man zum ersten Mal dorthin kommt, kann man eine sehr lange Wunschliste vorbereiten. In der Regel sind das: Seepferdchen, Oktopusse, Geisterpfeifenfische, Anglerfische, Garnelen und eine ganze Armee von Schnecken mit seltsamen Namen. Manchmal reise ich mit einer Liste von Kreaturen, die ich sehen und fotografieren möchte. Da es meine erste Reise nach Lembeh war, habe ich mich diesmal voll und ganz auf das Gespür der Guides verlassen. Sie wissen genau, was und wo man finden kann, und auch, was derzeit an den verschiedenen Orten auftaucht. Während meines Aufenthalts brachte praktisch jeder Tag etwas Neues. An einem Tag gelang es, Kreaturen zu finden, auf die ich lange gewartet hatte, und am nächsten zeigte der Guide etwas, das ich überhaupt nicht erwartet hätte. Und genau diese Unvorhersehbarkeit gefiel mir am besten – Lembeh kann einen jeden Tag mit etwas überraschen. Gemäß den besten Standards der auf Makrofotografie ausgerichteten Tauchbasen hatten wir unter Wasser sehr viel Zeit für Fotos. Ohne Eile konnten wir an weiteren Aufnahmen arbeiten, Einstellungen ändern und eine andere Herangehensweise versuchen. Die Tauchgänge waren lang und ruhig, genau so, wie ich sie am liebsten mag. Wenn wir ein interessantes Tier fanden, konnten wir länger bei ihm bleiben, anstatt nach ein paar Minuten der vorher festgelegten Route folgend weiterzuschwimmen. Es gab keinen Druck, einen bestimmten Plan umzusetzen oder weitere Punkte abzuhaken. Jeder konnte sich auf das konzentrieren,
PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
19
reisen
was ihn gerade interessierte, und so viel Zeit dafür aufwenden, wie er brauchte. Bei kleinen und beweglichen Tieren ist ein solcher Komfort von enormer Bedeutung. Man kann in Ruhe beobachten, weitere Aufnahmen ausprobieren, Kameraeinstellungen ändern und nach einer anderen Möglichkeit suchen, dasselbe Objekt darzustellen. Ohne nervöses Blicken auf die Uhr und ohne die Sorge, sich von einem interessanten Tier entfernen zu müssen, nur weil der Rest der Gruppe weiterschwimmt.
Vier Aufnahmen, an die ich mich am längsten erinnern werde Während dieser Reise habe ich viele Fotos gemacht, die ich wirklich mag. Hier sind einige davon, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind. Denise-Zwergseepferdchen. Ganz zu Beginn der Expedition machte ich ein Foto, das ich bis heute mehr mag als das meiste, was ich aus Lembeh mitgebracht habe – ein kleines Seepferdchen, das auf der Spitze seines Korallenhauses sitzt, mit all seinen geöffneten Polypen. Geöffnete Polypen bedeuten normalerweise, dass vorher nichts und niemand diese Szenerie gestört hat – und genau deshalb macht eine solche Aufnahme mehr Freude. Darek, einer der Expeditionsteilnehmer, wollte unbedingt eine ähnliche Aufnahme haben, sodass wir noch dreimal an denselben Ort zurückkehrten. Jedes Mal waren wir die Ersten – und jedes Mal waren die Polypen geschlossen. Manchmal ist die Makrofotografie gleichermaßen eine Frage des Könnens wie des reinen Glücks
20
Kokosnuss-oktopus. Ein Oktopus, der dafür bekannt ist, sich in Muschelhälften oder Kokosnussschalen zu verstecken. Trotz einiger Tausend Tauchgänge, die ich gemacht habe, war es meine erste LiveBegegnung mit diesem Lebewesen. Und ehrlich gesagt war es viel interessanter, den Oktopus in Aktion zu beobachten, als ich erwartet hatte. Er trug seine Verstecke umher, verschwand unter einer Muschel und schloss sein „Häuschen“ mit den Tentakeln. All das machte es schwer, den Blick von ihm abzuwenden. Pygmäenseepferdchen. Wir fanden eine wunderbare Szene – zwei mikroskopisch kleine Seepferdchen saßen nebeneinander auf einem wunderschönen Gorgonien-Fächer. Ich fing an, sie zu fotografieren, aber an einem bestimmten Punkt nahm ich das Auge vom Sucher, um die Einstellung der Blitzlichter leicht zu korrigieren. Als ich wieder hinsah, waren sie nicht mehr da. Besser gesagt: Sie waren da, nur habe ich sie nicht gesehen. Das Pygmäenseepferdchen tarnt sich in seinem Zuhause so gut, dass man es selbst dann aus den Augen verlieren kann, wenn man zu hundert Prozent sicher ist, wo genau es sitzt, und das aus einer Entfernung von wenigen Zentimetern. Tozeuma-Garnele. Eine Garnele mit einer sehr scharfen, kantigen Form, die gerne posiert und auf Seegrashalmen oder stockartigen Schwämmen sitzt. Von ihnen gab es in Lembeh erstaunlich viele. Der bunte Körper und die ungewöhnliche Silhouette dieser Garnele bieten viele fotografische Möglichkeiten, besonders wenn es gelingt, einen passenden, kontrastreichen Hintergrund zu finden. Dies ist einer diesen kleinen Bewohnern von Lembeh, die man anfangs übersehen kann, und dann stellt sich plötzlich heraus, dass es schwer ist, das Objektiv von ihnen abzuwenden.
Werde ich zurückkehren? Definitiv. Lembeh gehört zu den Orten, die man mit dem Gefühl verlässt, dass es sicherlich noch viele Kreaturen zu finden und zu fotografieren gibt. Dann sieht man sich die gemachten Fotos an, und es kommen zusätzliche Gedanken auf: Das habe ich schlecht zugeschnitten, an das hätte ich anders herangehen können, dieses Lebewesen ist zu schnell weggelaufen, und dieses Auge schien scharf zu sein, ist es aber leider nicht... Und es stellt sich heraus, dass es keinen anderen Ausweg gibt, als dorthin zurückzukehren
PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
21
REISEN
NUSA PENIDA und BALI Wohin Träume führen Text und fotos Barbara GLENC
Wir flogen mit einem einzigen Ziel nach Indonesien – uns den Traum von einer Begegnung mit dem Mondfisch zu erfüllen. Wir ahnten jedoch nicht, dass dies erst der Anfang einer Reise voller außergewöhnlicher Tauchgänge, spontaner Entscheidungen und magischer Orte sein würde.
W
ir landeten in Denpasar und fuhren vom Flughafen direkt zum Hafen, wo wir in ein Schnellboot stiegen, das uns auf Nusa Penida brachte. Die Überfahrt war kurz, aber schon da spürte man, dass sich etwas veränderte – je weiter wir uns von Bali entfernten, desto rauer und wilder wurden das Wasser und der Horizont. Auf der Insel kamen wir mit nichts an – keine Unterkunft, keine Reservierung, keinen Plan. Wir stiegen am Hafen aus und liefen eine Weile einfach mit unserer gesamten Tauchausrüstung in der Gegend herum und überlegten, wie es weitergehen sollte. Sehr schnell fanden wir eine Unterkunft, eigentlich durch Zufall. Der erste Ort, den wir betraten, fanden wir ausreichend, und nach einem kurzen Gespräch blieben wir dort für ein paar Nächte. Wir warfen unsere Ausrüstung ins Zimmer und machten uns noch am selben Tag auf die Suche nach einer Tauchbasis. Es war etwa
22
Mittag. Wir betraten die erste Basis fast ohne Erwartungen, eher um uns zu erkundigen, wie alles abläuft. Die Atmosphäre war jedoch so natürlich und die Leute so freundlich, dass wir sofort wussten, dass wir nicht weiter suchen mussten. Wir buchten zwei Tauchgänge für den nächsten Tag – einen für die Mondfische, den anderen am Manta Point. Das war der ganze Plan. Der Rest sollte sich von selbst ergeben. Der erste Morgen mit dem Mondfisch. Der Wecker klingelte noch vor fünf Uhr morgens. Auf der Insel herrschte Stille, die nur von den Geräuschen der Motorroller und den an die Küste schlagenden Wellen unterbrochen wurde. In der Tauchbasis wuselten alle schweigend umher. Wir bauten die Ausrüstung zusammen, ich überprüfte die Kamera, das Gehäuse und die Flaschen, und die Aufregung lag in der Luft. Jeder hatte das gleiche Ziel – den Mondfisch
Reisen
WISSENSWERTES ÜBER DEN MONDFISCH (Mola Mola) Der Mondfisch ist einer der ungewöhnlichsten Fische der Welt. Größe und Gewicht: Mondfische können bis zu 3 Meter lang werden und über 2 Tonnen wiegen. Ernährung: Sie ernähren sich hauptsächlich von Quallen, Plankton, kleinen Fischen und Larven. Lebenserwartung: Es wird geschätzt, dass Mondfische etwa 10 – 20 Jahre leben, obwohl genaue Daten schwer zu ermitteln sind. Fortpflanzung: Weibchen sind Rekordhalterinnen in der Wirbeltierwelt – sie können bis zu 300 Millionen Eier auf einmal ablegen. Trächtigkeit: Mondfische haben keine klassische Trächtigkeit wie Säugetiere – der Rogen wird im Wasser befruchtet und die Entwicklung findet extern statt. Jungtiere: Von Millionen Eiern überlebt nur ein winziger Prozentsatz. Wissenswertes: Trotz ihrer enormen Größe sind sie für den Menschen völlig ungefährlich und bewegen sich sehr ruhig, als ob sie im Ozean „treiben“ würden. Ihr Aussehen ist so ungewöhnlich, dass man kaum glauben kann, dass es sich noch um einen Fisch handelt.
zu treffen. Noch vor Sonnenaufgang legten wir vom Ufer ab. Das Boot durchschnitt die ruhige Meeresoberfläche, und über dem Horizont erschienen langsam die ersten Lichtstrahlen. Wir redeten fast nicht. Jeder war auf das konzentriert, was gleich passieren würde. Nach einigen Dutzend Minuten erreichten wir die Crystal Bay. Ein kurzes Briefing, Partnercheck, und nach einem Moment verschwanden wir unter der Wasseroberfläche. Schon nach wenigen Metern spürte man, dass dies kein typischer indonesischer Tauchgang war. Die Wassertemperatur fiel auf nur 18°C. Die Kälte drang sofort unter den Neoprenanzug und erinnerte uns daran, dass es genau diese kalten Strömungen sind, die die Mondfische an diesen Ort locken. Die Strömungen waren moderat – stark
genug, um die Kraft des Ozeans zu spüren, aber nicht so stark, dass sie das Tauchen erschwerten. Wir stiegen auf etwa 40 Meter Tiefe hinab und positionierten uns an der Wand. Wir warteten. Auf dieser Tiefe vergeht die Zeit anders. Jede Sekunde scheint länger, und der Blick durchkämmt ständig das Blau, um selbst die kleinste Bewegung zu erkennen. Plötzlich zeigte der Guide energisch mit der Hand nach vorne. Ich schaute in die angezeigte Richtung und sah zunächst nur einen unscharfen Schatten, der mit jedem Moment größer und deutlicher wurde.
Ein Mondfisch Er tauchte nicht abrupt auf, aber schälte sich langsam aus dem Blau, als ob er schon immer da gewesen wäre, nur vorher unsichtbar
PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
23
reisen
”
Anblick von zwei Mondfischen ist etwas unbedingt Einzigartiges. Dieses Mal fotografierte ich nicht ununterbrochen. Ich schaute öfter einfach nur zu.
24
Reisen
geblieben war. Riesig, ruhig und majestätisch schwamm er direkt auf uns zu. Instinktiv hob ich die Kamera, aber ich wusste bereits, dass dies nicht nur ein übliches Foto werden würde. Es sollte die Begegnung werden, auf die ich seit Jahren gewartet hatte. Der Mondfisch schwamm nur wenige Dutzend Zentimeter am Kameragehäuse vorbei. Er floh nicht. Er kreiste mehrere Minuten lang neben uns, drehte sich langsam und zeigte sein außergewöhnliches Profil. Ich hatte das Gefühl, als ob er bewusst für die Fotos posierte. In diesem Moment hörte ich auf, an die Tiefe, die Grundzeit oder die Kameraeinstellungen zu denken. Ich spürte nur eine Gänsehaut, die durch meinen ganzen Körper ging, und eine ungläubige Faszination. Es hat eigentlich geklappt. Der erste Tauchgang. Der erste Versuch. Und unser größter Traum erfüllte sich gerade vor unseren Augen. Jahrelang hatte ich mir Fotos und Videos angesehen, die den Mondfisch als einen ruhigen, fast trägen Fisch darstellten. Umso größer war die Überraschung über das, was einen Moment später passierte. Ein kräftigerer Flossenschlag, und plötzlich schoss dieser scheinbar schwerfällige Riese mit einer Geschwindigkeit ins Blau, die ich unbedingt nicht erwartet hatte. Nach wenigen Sekunden war von dem Fisch keine Spur mehr zu sehen. Ich starrte noch lange auf die Stelle, an der er verschwunden war... Als wir an die Oberfläche auftauchten, grinsten wir alle bis über beide Ohren. Die Emotionen waren so groß, dass es nur eine Entscheidung geben konnte. Morgen kommen wir zurück.
Am nächsten Morgen klingelte der Wecker wieder vor fünf Uhr. Schnelle Vorbereitungen in der Basis, Kaffee und Ausrüstungscheck. Niemand sagte es laut, aber jeder hoffte auf eine erneute Begegnung mit dem Mondfisch. Wieder tauchten wir auf etwa 40 Meter ab und warteten an der Wand. Und plötzlich waren sie da. Zuerst einer, dann ein zweiter. Sie kreisten ruhig im Freiwasser und schwammen zu einer Putzerstation, wo kleine Fische Parasiten von ihrer Haut entfernten. Der gleichzeitige Anblick von zwei Mondfischen ist etwas unbedingt Einzigartiges. Dieses Mal fotografierte ich nicht ununterbrochen. Ich schaute öfter einfach nur zu. Das war einer jener Momente, die man sich merken und nicht nur aufzeichnen möchte. Nach einigen Minuten schwammen die Fische langsam ins Blau davon, und wir begannen den Aufstieg. Auf etwa 15 Metern passierte etwas Unglaubliches – einer der Mondfische löste sich von der Wand und schwamm sehr nah an unsere Gruppe heran. Er hielt einen Moment inne, als ob er uns beobachten würde, drehte sich dann ruhig um und verschwand in der Tiefe. An der Oberfläche sagte lange Zeit niemand ein Wort. Jeder verarbeitete es auf seine eigene Weise. Der zweite Tauchgang an diesem Tag führte uns zum Manta Point, einem der berühmtesten Orte auf Nusa Penida. Das Wasser war offener, die Strömungen stärker und die Atmosphäre völlig anders als in der Crystal Bay. Man musste nicht lange warten. Zuerst tauchte ein Manta auf, dann ein weiterer. Mit Anmut kreisten sie über der Putzerstation und vollführten langsame, hypnotisierende Bewegungen. Ihnen zuzusehen ist pure Magie – riesige Tiere, die sich mit unglaublicher Leichtigkeit bewegen.
Zweiter Tag – Mondfisch und Manta Point Nach den Emotionen des Vortages kehrten wir zur Crystal Bay zurück, in der Hoffnung, dass der Ozean uns noch einmal überraschen würde.
Nusa Penida – die Insel von der Oberfläche aus Wir verbrachten nur drei Nächte auf Nusa Penida, aber das reichte
PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
25
reisen
man kaum glauben kann, dass es sich nicht um ein Drohnenfoto oder eine Visualisierung handelt. Allein das Stehen am Rand der Klippe vermittelt ein Gefühl für die Dimensionen dieser Insel und des Ozeans, der sie umgibt. Die drei Tage unseres Aufenthalts auf Nusa Penida waren für uns vorübergehend, aber gleichzeitig sehr intensiv.
Amed – das neue Gesicht von Bali Nach drei intensiven Tagen auf Nusa Penida kehrten wir nach Bali zurück und mieteten ein Auto. Von diesem Moment an sah die Reise ganz anders aus. Wir konnten fahren, wohin wir wollten, und in unserem eigenen Tempo tauchen. Unsere Basis war Amed – ein ruhiger Küstenort, in dem das Leben viel langsamer fließt. Jeden Morgen brachen wir von hier aus zu weiteren Tauchgängen auf, und es stellte sich schnell heraus, dass es ein völlig anderes Klima als auf Nusa Penida war.
Tulamben – das Wrack, das zum Leben erwachte.
aus, um einen völlig anderen Lebensrhythmus als auf Bali zu erleben. Dies ist keine Resort-Insel „zum Herumliegen“. Alles ist rauer, authentischer und viel weniger geschliffen. Die beste Art der Fortbewegung war ein Motorroller, der vom ersten Tag an zu unserem Haupttransportmittel wurde. Die Straßen sind schmal, kurvenreich und oft steinig. Stellenweise verschwindet der Asphalt, und es tauchen Staub und Unebenheiten auf, die in jeder Kurve volle Aufmerksamkeit erfordern. Das Fahren hier hat nichts mit Komfort zu tun – es ist ein Erlebnis an sich, denn jeden Moment tauchen hinter der Kurve Ausblicke auf, die einem buchstäblich für eine Sekunde den Atem rauben.
26
Hügel, grüne Klippen, der Ozean darunter und plötzliche Abhänge, die einen daran erinnern, dass man sich auf einer Insel befindet, die noch nicht vollständig „für Touristen hergerichtet“ wurde. Jede Fahrt sah ein wenig anders aus, weil die Straße selbst eine Attraktion war. Einer der Orte, der den größten Eindruck auf uns machte, war Kelingking Beach. Es ist einer der berühmtesten Orte auf Nusa Penida und in ganz Indonesien. Die Klippe, die von oben der Form eines Dinosauriers ähnelt, fällt steil in eine kleine, türkisfarbene Bucht ab. Der Blick von oben ist unwirklich, denn der Kontrast zwischen der senkrechten Felswand und der Farbe des Wassers ist so stark, dass
Einer der ersten Stopps war die legendäre USAT Liberty in Tulamben. Es ist eines der wenigen Wracks der Welt, zu dem man einfach vom Strand aus schwimmen kann. Das Schiff wurde im Zweiten Weltkrieg torpediert und rutschte nach dem Ausbruch des Vulkans Agung im Jahr 1963 ins Meer, wo es noch heute in einer Tiefe von wenigen Metern bis etwa 30 Metern liegt. Am beeindruckendsten ist jedoch nicht die Geschichte selbst, sondern wie die Natur es erobert hat. Die gesamte Konstruktion ist mit Korallen bewachsen und zu einem Zuhause für unzählige Fischarten geworden. Schwärme von Schnappern, Barrakudas, Muränen, Feuerfische und Papageienfische machen es schwer zu glauben, dass dies einmal ein gewöhnliches Schiff war.
Boga – das Wrack, das ein zweites Leben geschenkt bekam Ein paar Kilometer nördlich von Tulamben, im kleinen Ort Kubu, befindet sich das Boga Wrack – ein Wrack, das völlig anders ist als die berühmte Liberty. Es hat keine Kriegsgeschichte und keinen dramatischen Untergang hinter sich. Es wurde 2012 absichtlich versenkt, um ein künstliches Riff und einen neuen Lebensraum für das Unterwasserleben zu schaffen.
Reisen
Wir erreichten das Wrack vom Ufer aus, indem wir über den schwarzen, vulkanischen Sand marschierten. Zunächst war um uns herum nur Blau, bis plötzlich die dunkle Silhouette des Schiffes vor unseren Augen auftauchte. Ein großer Teil der Struktur des Wracks wurde bewahrt, so dass man um den Rumpf herumschwimmen und in seine verschiedenen Ecken und Winkel spähen kann. Die Wassertemperatur betrug etwa 27-30°C, aber das Tauchen kann aufgrund der teils starken Strömungen anspruchsvoll sein. Das Wrack beginnt auf etwa 18 Metern und seine tiefsten Teile reichen bis auf etwa 40 Meter hinab, weshalb es in erster Linie ein Ort für erfahrene Taucher ist. Heute ist die Boga bereits stark bewachsen. Zwischen den Stahlelementen tauchen Weichkorallen, Schwämme und Seefächer auf,
und Fischschwärme kreisen um die Konstruktion. Man kann hier Schildkröten begegnen, und manchmal tauchen in der Nähe auch Riffhaie und Rochen auf. Besonders interessant ist es zu beobachten, wie die künstlich geschaffene Konstruktion im Laufe der Zeit nicht mehr wie ein versunkenes Schiff aussieht, sondern wie ein natürlicher Teil des Riffs zu wirken beginnt. Der Ozean brauchte nur ein paar Jahre, um ihm neues Leben einzuhauchen. Die Boga ist also mehr als nur ein weiteres Wrack – es ist ein Ort, an dem man sehen kann, wie eine vom Menschen geschaffene Konstruktion langsam zu einem Zuhause für die Bewohner des Ozeans wird.
Das Königreich der Makrofotografie Amed und Tulamben sind ein wahres Paradies für Makro-Fans. Hier
PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
27
reisen
28
taucht man ganz anders. Ohne Eile, ohne der Jagd nach großen Tieren. Stattdessen – langsames Gleiten über den schwarzen Vulkansand und geduldiges Ausschauhalten nach den kleinsten Bewohnern des Riffs. Die lokalen Guides spielen eine große Rolle. Ihre geschulten Augen erspähen Kreaturen, die für die meisten Taucher völlig unsichtbar sind. Bunte Nacktschnecken, Seepferdchen, Geisterpfeifenfische, die Pflanzenteile imitieren, Anglerfische oder winzige Garnelen – jeder Tauchgang glich einer fotografischen Safari.
Menjangan und Pemuteran – das ruhigere Gesicht von Bali Die letzten Tage unserer Reise verbrachten wir im nordwestlichen Teil von Bali, in der Gegend von Pemuteran und der Insel Menjangan. Schon nach unserer Ankunft konnten wir spüren, dass dies eine ganz andere Welt war. Weniger Touristen, daher weniger Lärm und ein viel ruhigeres Lebenstempo. Wir bemerkten auch einen deutlichen kulturellen Wandel – es gab viel weniger der charakteristischen balinesischen Tempel, stattdessen passierten wir immer häufiger Moscheen und hörten die Gebetsrufe. Dieser Teil der Insel hat ein völlig anderes Klima als die Gegend um Amed oder Ubud. Genau hier beschlossen wir, unser balinesisches Abenteuer zu beenden. Den ersten Tauchgang machten wir vom Ufer aus, an einem der beliebtesten Spots nahe dem Hafen. Dieser Ort wurde uns als Muss während unseres Aufenthalts in diesem Teil von Bali empfohlen, weshalb wir hohe Erwartungen hatten. Leider erwies er sich als die größte Enttäuschung der gesamten Reise. Unter Wasser sahen wir anstelle von bunten Riffen und reichem Meeresleben hauptsächlich müde, teils tote Korallen, viel Schlamm, eingeschränkte Sicht und Müll, der auf dem Grund lag. Fische waren rar gesät und die meisten verschmolzen perfekt mit der grauen Umgebung. Das Ganze machte den Eindruck eines Ortes, der durch menschliche Aktivitäten und die Nähe zum Hafen stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Schon nach wenigen Minuten erwischte ich mich dabei, wie ich, statt mich neugierig umzusehen, die Zeit bis zum Auftauchen zählte. Solche Tauchgänge kommen auch vor und es lohnt sich, darüber zu sprechen, denn der Ozean zeigt nicht immer sein schönstes Gesicht. Zum Glück konnte er uns selbst an diesem Tag noch überraschen. Der Guide zeigte uns ein winziges Seepferdchen. Ich hatte erwartet, es inmitten von Korallen oder Meerespflanzen
zu sehen, doch sein Zuhause entpuppte sich als... ein Plastikstrohhalm, der auf dem Grund lag. Überall lag Müll, und dieses kleine Seepferdchen versuchte, sich an die vom Menschen geschaffene Welt anzupassen. Das war eines der bewegendsten Bilder der gesamten Reise. Einerseits freute ich mich, dass die Natur in der Lage ist, selbst unter solch schwierigen Bedingungen, um ihr Überleben zu kämpfen. Andererseits war es schwer, die Traurigkeit und Wut darüber zu verbergen, dass es der Mensch war, der zu diesem Zustand geführt hat. Glücklicherweise werden in der Gegend von Pemuteran seit Jahren Projekte zur Wiederherstellung von Korallenriffen durchgeführt, und von Jahr zu Jahr erholen sich immer größere Teile des Meeresbodens. Das gibt Hoffnung, dass die Natur, wenn sie nur eine Chance bekommt, sich regenerieren kann. Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Boot zur Insel Menjangan, die im Bali Barat Nationalpark liegt. Schon nach wenigen Minuten unter Wasser wussten wir, dass wir in einer ganz anderen Welt gelandet waren. Das Riff um Menjangan unterscheidet sich von dem, was wir zuvor in der Nähe von Tulamben und Amed gesehen hatten. Anstelle von schwarzen Vulkanhängen und Orten, die ideal für Makrofotografie sind, gab es hier beeindruckende, senkrechte Wände, die mit Weichkorallen, riesigen Gorgonien, bunten Schwämmen und Seefächern bewachsen waren. Alles war räumlicher, heller und unglaublich bunt. Die hervorragende Sicht ermöglichte es, ganze von Leben bedeckte Wände zu bewundern. Fischschwärme, Schildkröten, Muränen und Dutzende anderer Arten bildeten eine der schönsten Unterwasserlandschaften, die wir auf der gesamten Reise gesehen haben. Hier suchte ich nicht mehr nach einzelnen Schnecken oder Seepferdchen. Es genügte, an der Wand entlang zu schwimmen, die Farben und die Weite des Raumes aufzunehmen und die Ruhe dieses Ortes zu genießen. Das war der perfekte Abschluss unserer Reise. Nach der Aufregung um den Mondfisch, den Stunden, die wir mit dem Fotografieren von Makromotiven in Tulamben verbracht hatten, und den hunderten von Kilometern, die wir über Bali gefahren waren, konnten wir einfach in die Stille des Ozeans eintauchen und uns noch einmal von seiner Schönheit verzaubern lassen. Denn genau so ist Bali. Es kann verzaubern, überraschen, berühren und manchmal auch enttäuschen. Und vielleicht möchte man genau deshalb immer wieder dorthin zurückkehren.
PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
29
REISEN
Ich hatte Angst zurückzukehren! Text und fotos Przemysław ZYBER
Zum letzten Mal war ich 2024 am Roten Meer und war fest davon überzeugt, dass dies meine Abschiedsreise in diese Region sein würde. Wohl jeder hat schon von der Korallenbleiche gehört, die in jenem Jahr einen verheerenden Tribut forderte.
D
a mir das Leben im Meer und ganz besonders die Korallenriffe außerordentlich am Herzen liegen, hat mich der Anblick endloser weißer Friedhöfe – dort, wo zuvor eine wahre Explosion der Farben herrschte – zutiefst entmutigt. Nach zwei Jahren beschloss ich dennoch zurückzukehren, um mich mit eigenen Augen davon zu überzeugen, ob das Rote Meer bereits unwiederbringlich abgeschrieben ist.
Angst und Erinnerungen an den Süden Ich gebe zu, dass ich Angst hatte. Beim letzten Mal hatte ich mich
30
mit Tränen in den Augen von Ägypten verabschiedet. Damals war ich auf einer Safari im Süden unterwegs, und die Unterwasserlandschaft hatte nichts mehr mit den Bildern gemein, die ich von früheren Reisen so gut kannte. Orte, die einst vor Leben pulsierten, sahen aus wie nach der Explosion einer Atombombe. Die abgestorbenen Strukturen erinnerten an schneebedeckte Alpengipfel – so weit das Auge reichte, dominierte nur eine einzige, erschreckende Farbe: Weiß. Ich wusste, dass sich die Korallen im Norden noch verhältnismäßig gut hielten, während der Süden den Kampf ums Überleben verloren hatte.
Richtung: Norden Um eine erneute Enttäuschung und weiteren Herzschmerz zu vermeiden, entschied ich mich diesmal für die Nordroute – die Wrackroute. Rund um die schlafenden Stahlgiganten wimmelte das Riff schon immer vor Leben, und die Schönheit der dortigen Korallen konnte einen glatt umhauen. Voller Bedenken, aber auch mit einem Funken Hoffnung machte ich mich auf, die Lage zu erkunden. Ich wollte so gern daran glauben, dass ich diese Unterwassermetropolen noch einmal in ihrer ganzen Pracht sehen würde.
Und wisst ihr was? Ich wurde nicht enttäuscht! Schon beim ersten Tauchgang in der Lagune beim Dolphin House unweit von Hurghada begrüßten mich ein Regenbogen aus Farben und Tausende von Fischen. Am Riffhang, der sich bis zum Horizont er-
Reisen
PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
31
reisen
32
streckte, reckten sich stolz die Hartkorallen der Sonne entgegen. In ihren Nischen und Spalten suchten farbenprächtige Lebewesen Schutz. Rote Fahnenbarsche tanzten im Rhythmus der Wellen, und Schwärme von Schnappern hoben sich mit ihrem leuchtenden Gelb vom tiefen Blau des Meeres ab. Als wäre das nicht genug, begleiteten uns für einen Moment Delfine. Sie tauchten plötzlich aus dem Blauwasser auf und schwammen direkt auf uns zu wie ein Empfangskomitee. Die Sonnenstrahlen, die durch die Wasseroberfläche brachen, zeichneten Lichtlaser ins Wasser und verliehen dem ganzen Schauspiel einen Hauch von Magie.
Ein Stein vom Herzen Als ich ins Wasser sprang, wusste ich nicht, was mich erwarten würde. Ich fragte mich, ob mir die fortschreitende Bleiche die Liebe zu Ägypten endgültig nehmen würde oder ob ich – ganz im Gegenteil – wieder vor Leben pulsierende Tiefen erblicken würde. Schon nach wenigen Minuten wusste ich, dass diese Safari etwas ganz Besonderes werden würde. Die Unruhe wich augenblicklich der Begeisterung. Mit jedem weiteren Tauchgang wuchs diese Begeisterung noch. Ich war schon unzählige Male an diesen Plätzen, doch nie zuvor hatte sich das Riff so gut präsentiert. Natürlich beurteile ich das aus der Perspektive meiner letzten neun Jahre als Taucher. Wer schon länger dabei ist, wird vermutlich sagen, dass es vor zwanzig Jahren noch schöner war. Doch in meiner Ära waren diese Riffe noch nie in so
hervorragendem Zustand. An keinem der besuchten Orte habe ich Spuren der Bleiche entdeckt. Die Natur begeisterte mit einer ganzen Vielfalt an Formen und Arten.
Hoffnung für die Unterwasserwelt Das Riff erholt sich, und es gibt wieder mehr Tiere. Liegt das Schlimmste etwa schon hinter uns? Von den Guides hörte ich wunderbare Neuigkeiten: Selbst im Süden, wo das Ökosystem vollständig zerstört schien, kehren Farben und Leben langsam zurück. Diese deutliche Verbesserung freut mich ungemein und sorgt dafür, dass ich schon bald ganz sicher die nächste Safari in den Süden planen werde. Ich habe mich neu in das Tauchen im Roten Meer verliebt und plane schon jetzt meine Rückkehr nach Ägypten im nächsten Jahr.
Warum lohnt es sich? Das Ziel liegt verhältnismäßig nah, ist preislich erschwinglich und vor allem außergewöhnlich farbenfroh und vielfältig. Warmes Wasser und eine Wettergarantie sorgen für unvergessliche Erlebnisse. Ganz wichtig: Es ist ein idealer Ort für Taucher jeder Erfahrungsstufe. Fotografen können hier ihre Weitwinkelfotografie verfeinern, und Liebhaber von Makro und Details werden sich garantiert nicht langweilen. Wer gern in versunkene Schiffe eindringt, wird die Wrackroute lieben, während Fans von Unterwasserhöhlen und spektakulären Canyons im Süden voll auf ihre Kosten kommen.
PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
33
REISEN
GEORGIEN
Batumi, der Kaukasus und Chinkali Text Beata PYTEL
Fotos Traveliada.pl
Seit meiner Kindheit klang in meinem Kopf das Lied der polnischen Band Filipinki „Batumi, ach, Batumi“ – und damit verbunden Georgien, das schon durch die Erzählungen der „älteren Generation“, die von ihrem Aufenthalt und dem paradiesischen Klima begeistert war, positive Gefühle in mir weckte …
U
nd dann wurde es tatsächlich wahr: das Flugzeug, Kurs auf Kutaissi und anschließend eine nächtliche Fahrt unter komfortablen Bedingungen nach Batumi, direkt an einer wunderschönen, von Palmen gesäumten Promenade gelegen – fast wie an der spanischen Costa Brava. Batumi kann durchaus Eindruck machen, auch wenn der schmale Strand mit riesigen Steinen in der Größe eines „Maluch“ – des legendären polnischen Fiat 126p – eine gute Koordination und Badeschuhe wie in Kroatien erfordert. Die Wassertemperatur im Juni ist ziemlich erfrischend und weit entfernt von dem Türkisblau, das man vielleicht erwarten würde… Die in Batumi landenden Flugzeuge begrüßen das Schwarze Meer buchstäblich mit ihren Rädern und sorgen bei den Passagieren für einen ordentlichen Adrenalinschub, während die am Ufer stehenden Touristen unglaubliche Fotos von den über ihren Köpfen fliegenden Metallmaschinen machen. Batumi wirkt auf den ersten Blick wie ein würdevoll dahintretendes New York oder wie das magische kolumbianische Cartagena. Nicht viele Städte auf der Welt können mit so vielen Wolkenkratzern und einer solchen Architektur aufwarten, wie wir sie in den ständig neu entstehenden und gebauten Hochhäusern sehen. Die Architekten überbieten sich gegenseitig mit ihren Ideen, während Saudi-Arabien, das direkt am Meer riesige Flächen Land erworben hat, ein zweites Dubai baut.
34
Batumi ist eine Mischung aus Moderne, bezaubert aber vor allem im alten Teil der Stadt, zwischen wunderschönen orthodoxen Kirchen, anderen Gotteshäusern und Moscheen. Wir besuchen den Boulevard am Meer und die bewegliche Skulptur von Ali und Nino. Diese Ausblicke lassen uns lächeln, während wir die Augen zusammenkneifen – wie in einem Traum. Eine weitere fantastische „Sache“ befindet sich auf der Spitze des kultigen Alphabet-Turms: Atmosphere, ein außergewöhnliches Drehrestaurant. Ich empfehle es für einen genialen ÜberraschungsHeiratsantrag. Es bietet einen atemberaubenden Panoramablick (360°) auf das Schwarze Meer und die Wolkenkratzer, in denen allerdings nicht wie in Manhattan bunte Lichter magisch leuchten. Es fehlt dort etwas – Leben…
Reisen
Georgien kommt natürlich nicht ohne einen echten Offroad-Ausflug durch den Kaukasus aus. Auf einer Höhe von 2400 Metern über dem Meeresspiegel liegen im Juni noch Gletscherzungen, durch die wir uns mit unseren Autos hindurchkämpfen müssen. Die Fahrzeuge bringen uns mutig weiter und die Zeit wird durch georgische Musik verkürzt, die aus dem Radio des Fahrers klingt. Kristallklare Seen, die plötzlich zwischen den Hügeln auf Wiesen auftauchen, umgeben von Hunderten verschiedenen Blumenarten, sind beeindruckend. Hier kann man tauchen und hier sollte man tauchen. Man braucht lediglich einen Veranstalter, der die Ausrüstung an den Ort bringt und den Zugang zum Wasser organisatorisch auf die Reihe bekommt. Solche Büros gibt es – und einige werden sogar von Polen geführt. Die Pausen unterwegs sind großartig, denn dadurch kommen wir unmittelbar mit Schafen, Hütehunden und Georgiern aus dem Kaukasus in Kontakt. Und diese wollen uns sofort bewirten: Sie bringen starken Tschatscha – der Alkoholgehalt kann sogar 82 % erreichen –, Ziegenkäse und gutes, kaltes georgisches Bier. Sie geben uns das Gefühl, als wären wir aus der Realität herausgerissen worden, als wäre dies ein wunderschöner Traum, von dem wir nicht wollen, dass er endet… Der Duft der Blumen, ein Schluck Wasser aus einem Bergbach, ein Moment der Ruhe und ein kurzer Schlaf auf einer Bank mitten im Kaukasus – oder gemeinsam zu zweit Zeit an einer riesigen Schaukel mit Blick auf die wunderschöne Welt zu verbringen – mit einem großen „W“ geschrieben – lässt sich nicht beschreiben. Das muss man selbst fühlen. Für solche Augenblicke lohnt es sich zu leben…
PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
35
reisen
Was das Tauchen im Schwarzen Meer rund um Batumi betrifft, fanden wir ein einziges Tauchzentrum – praktisch ein Monopol –, mit dem die Kommunikation ausgesprochen schwierig war. Auf Nachrichten wurde erst nach mehreren Tagen geantwortet. Und als wir glaubten, den Termin endlich vereinbart zu haben, meldete sich niemand mehr. Erst am Nachmittag vor dem geplanten Tauchtag kam die Nachricht, dass wir am nächsten Tag tauchen könnten. Leider hatten wir für den folgenden Tag bereits andere Pläne. Auch die Preise sind nicht gerade einladend: Für einen Tauchtag mit zwei Tauchgängen muss man etwa 400–600 PLN bezahlen, je nachdem, welchen Tauchplatz man auswählt. Georgien ist noch immer ein armes Land mit viel ländlicher Armut, wo manchmal die einzigen Attraktionen Touristen sind, die wie Brüder eingeladen werden, gemeinsam ein Glas Tschatscha zu trinken. Denn Tschatscha regiert Georgien – und die Georgier regieren die Tschatscha. Es gab eine Zeit im Leben vieler Georgier, in der eine Familie für ihren landwirtschaftlichen Betrieb eine Kuh und ein Stück Land bekam, um sich selbst zu versorgen. Die Kuh bedeutete Milch, Butter und Sahne, das Land Kartoffeln, Gemüse und Obst – und irgendwie kam man damit über die Runden. Denn das Leben in Georgien ist nicht einfach, auch deshalb, weil eigentlich so wenig wirklich dem georgischen Volk gehört. Russland, die Türkei, Kasachstan und Aserbaidschan haben wichtige Bereiche der georgischen Wirtschaft übernommen. Zum Beispiel befinden sich die Staudämme an den Flüssen und die damit verbundene Stromwirtschaft – wie man es so schön nennt – in den Händen eines „strategischen Partners“, der Türkei. Während der Regierungszeit von Saakaschwili verlor Georgien durch die Veruntreuung von Haushaltsmitteln einen Teil seines wunderschönen Landes, über das heute andere Nationen „herrschen“. In einem kleinen Dorfladen auf dem Rückweg von unserem Offroad-Ausflug kauften wir ungefähr die Hälfte des vorhandenen Warenbestands. Der Verkäufer hatte damit vermutlich einen Tagesumsatz, der sonst eher einem Jahresumsatz entsprach. Er rechnete noch immer mit einem Abakus – so wie wir es in der ersten Klasse der Grundschule in den 1980er-Jahren in Polen getan haben. Der Preis jedes Produkts ist dabei eine Art „Lotterie“: Für den einen kostet dasselbe
36
Eis 1 Lari (GEL), für den anderen 2 Lari. Im Lebensmittelladen wird uns sofort ein Chatschapuri mit Käse aufgewärmt. Wir kaufen köstliche Käsesorten, denn Georgien ist für seine Käseproduktion bekannt – es gibt etwa 250 traditionelle Sorten, hergestellt aus Kuh-, Schaf-, Ziegen- oder Büffelmilch. Das Essen in Georgien ist köstlich, frisch und basiert vor allem auf kräftigen Aromen, frischen Kräutern, Nüssen und Fleisch. Viele Teiggerichte harmonieren wunderbar mit köstlichen Käsesorten in den unterschiedlichsten Varianten. Die georgische Küche sollte man unbedingt probieren. In Batumi finden wir unzählige Restaurants, die unter anderem servieren: Adjarisches Chatschapuri; Chinkali; Badridschani – gebratene Auberginenstreifen, aufgerollt und gefüllt mit einer Paste aus Walnüssen, Knoblauch und frischem Koriander; Ostri – ein scharfer Rindfleischeintopf mit Tomaten, Knoblauch und Kräutern. Unterschätzt auch Charcho nicht: eine sättigende, dicke Fleischsuppe mit Reis, Tomaten und reichlich Gewürzen. Und natürlich müsst ihr unbedingt Wein probieren. Es werden eher süße oder halbsüße Weine sein – trockenen Wein zu finden, ist hier nicht ganz einfach, vielleicht mit Ausnahme von Mukuzani. Häufig findet sich auf dem Etikett die Bezeichnung „dry wine“, was keineswegs automatisch bedeutet, dass es sich um einen trockenen Wein handelt. Wir sollten uns eher auf leichte Weine mit blumig-fruchtigem Geschmack einstellen. Wein- und Tschatscha-Verkostungen gehören in Georgien definitiv zum MUST-HAVE. Nach Georgien werde ich zurückkehren. Dieses Land verzaubert, verliebt macht und zeigt, wie wenig ein Mensch eigentlich zum Glücklichsein braucht: ein Leben in Ruhe und Harmonie, ohne Eile, ohne die Peitsche über dem eigenen Kopf. „Angeblich verspäteten sich die Georgier, als Gott die Länder unter den Völkern verteilte – sie waren gerade dabei, auf sein Wohl anzustoßen. Als sie schließlich kamen, gab Gott ihnen jenes Stück Land, das er eigentlich für sich selbst aufgehoben hatte.“ So erzählen sie es zumindest in ihrer Folklore. Wenn man irgendwo dieses paradiesische Gefühl spüren kann, dann ganz besonders in Batumi – dem bei Touristen beliebten Ferienort an der Schwarzmeerküste, zu dem ich euch von ganzem Herzen einlade.
Jedes Detail trägt zum perfekten Ganzen bei.
CUT THROUGH THE DARKNESS PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
37
REISEN
DOS OJOS Text und fotos Tomasz KULCZYŃSKI
Wie Sie bereits aus meinem letzten Artikel wissen, jede der Cenoten so märchenhaft ist, dass ich ihr einen eigenen Artikel widmen werde... Fangen wir also mit dem absoluten i-Tüpfelchen an, nämlich Dos Ojos.
M
einer Meinung nach ist es definitiv eine der beliebtesten Cenoten, unter anderem deshalb, weil wir schon am ersten Tag dorthin gefahren sind! Wenn man alle Cenoten betrachtet, ist die Anfahrt zu Dos Ojos am zugänglichsten. Man parkt am Eingangstor mit einem großen, bunten Schriftzug, vor Ort gibt es eine Rezeption, Geschäfte und gemauerte Treppen, die zum Eingang führen. Man sieht einfach, dass dort viel los ist. Natürlich war dies der überfüllteste Ort, an dem wir waren. Man darf jedoch nicht übertreiben – es ist immer noch eine relative Überfüllung, besonders wenn man es mit dem polnischen Tauchzentrum Honoratka am Wochenende vergleicht Beginnen wir damit, wer in der Cenote tauchen darf. Offiziell benötigt man Qualifikationen auf dem AOWD-Niveau. Bedenken Sie,
38
dass es Cenoten in allen erdenklichen Variationen gibt. Es gibt solche für AOWD geeignet, aber es gibt auch viele, die ausschließlich für Höhlentaucher bestimmt sind. Das größte Problem ist, dass wir in einem ganzen System tauchen und von unserer Leine versehentlich in Richtung des Höhlenteils abbiegen können! Glücklicherweise gibt es vor jeder solchen Abzweigung ein spezielles Schild, das uns darüber informiert, dass wir in den Teil der Höhle für fortgeschrittene Taucher schwimmen. Ein Foto dieses Schildes hebe ich mir für später auf, denn damit ist eine ganze Geschichte verbunden. Wie ist es also gelöst, dass wir in Cenoten gehen und keine Höhlentaucherlaubnis haben müssen? Aus der Beschreibung des Guides geht hervor, dass – falls jemandem an irgendeinem Ort etwas passieren sollte – man einen direkten Zugang zu einem Aus-
gang hat… der jedoch kein Eingang ist. Es ist einfach ein offener Raum zwischen der Wasseroberfläche und der Höhlendecke oder einfach ein Loch im Boden im Dschungel Das Thema ist ein wenig kompliziert, aber im Allgemeinen gilt: AOWD reicht zum Tauchen aus und hier müssen wir einen zertifizierten Guide haben! Kommen wir also zur Crème de la Crème – Dos Ojos (offiziell auf Spanisch: Sistema
Dos Ojos, d.h. „System der zwei Augen“) formt einen Teil eines überfluteten Höhlensystems nördlich von Tulum an der karibischen Küste der Halbinsel Yucatán im Bundesstaat Quintana Roo in Mexiko. Also – Riviera Maya! Die Erforschung von Dos Ojos begann 1987 und dauert bis heute an. Die erforschte Länge des Höhlensystems beträgt etwa 82 km. Es gibt 28 bekannten Eingänge in Form von Dolinen, die lokal als Cenoten
bezeichnet werden. Im Januar 2018 wurde eine Verbindung zwischen dem Sistema Dos Ojos und dem Sistema Sac Actun entdeckt. Durch diese Entdeckung wurde das kleinere Dos Ojos-System Teil von Sac Actun, was das Sistema Sac Actun zum längsten bekannten Unterwasser-Höhlensystem der Welt machte. Ich möchte nur hinzufügen, dass einige Teams versuchten, diese Verbindung zu finden, und Krzysztof Starnawski aus Polen sehr aktiv danach suchte... Leider hat sie am Ende jemand anderes gefunden. Dos Ojos befindet sich nördlich vom Rest des Sac Actun-Systems. Als eigenständiges System gehörte Dos Ojos seit den späten 1980er Jahren zu den zehn und zeitweise sogar zu den drei längsten Unterwasser-Höhlensystemen der Welt. Dos Ojos enthält den tiefsten bekannten Höhlengang in Quintana Roo, der sich an einem Ort namens „The Pit“ befindet. Er ist 119,1 m tief und wurde 1996 von Höhlentauchern entdeckt, die ihn vom Haupteingang aus erreichten, der etwa 1500 m entfernt liegt. Zu den tiefen Teilen der Höhle gehören unter anderem der Wakulla Room, die Beyond Main Base (BMB) Passage, Jill's Room und die The Next Generation Passage. Im August 2012 wurde Dos Ojos durch einen trockenen Gang mit dem Sistema Sac Actun verbunden. Im März 2014 betrug die Gesamtlänge des verbundenen Systems 319,05 km.
PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
39
reisen
Dos Ojos ist eine anchialine Höhle, also ein Wasserhöhlensystem, das mit dem Meerwasser verbunden ist und den Gezeiten unterliegt. Die Punkte, an denen das Wasser dieses Systems zur Küste abfließt, wurden von Menschen noch nicht bis zum Ozean selbst erforscht. Einige Untersuchungen, in den man Farbstoffe genutzt hat, haben jedoch gezeigt, dass große Mengen Grundwasser in Richtung Caleta Xel-Ha, einer nahegelegenen Küstenlagune, fließen. Der Name Dos Ojos bedeutet „Zwei Augen“ und bezieht sich auf zwei benachbarte Cenoten, die sich zu einer riesigen, gemeinsamen Kammer verbinden. Von der Oberfläche aus ähneln sie zwei großen Augen, die in die Unterwelt führen. Genau durch diese Cenoten begannen die ersten Tauchexpeditionen des gesamten Systems. Das Unterwasser-Höhlensystem Dos Ojos wurde im IMAX-Film „Fantastische Höhlen – In den Tiefen der Erde“ von 2002 sowie in der BBC/Discovery Channel-Serie „Planet Erde“ von 2006 gezeigt. Ein Teil der Szenen des Hollywood-Films „The Cave“ aus dem Jahr 2005 wurde ebenfalls im Höhlensystem Dos Ojos gedreht. Die Wassertemperatur beträgt das ganze Jahr über etwa 25°C, und die maximale Tiefe in der Nähe der Dos Ojos-Cenoten liegt bei etwa 10 Metern. Das Wasser ist extrem klar, da das Regenwasser durch den Kalksteinuntergrund gefiltert wird und es in dieser Region aufgrund der hohen Reinheit des Kalksteins sehr wenig Boden gibt.
40
In der Regel sieht ein Tauchtag in den Cenoten so aus, dass man einen Tauchgang macht, sich dann einpackt und zum nächsten fährt. Sie sind nicht so groß, dass es sich lohnen würde, zwei Tauchgänge an demselben Ort zu machen. Dos Ojos ist doch anders. Es gibt dort eine sehr tolle Infrastruktur – man kann etwas essen, sich ausruhen und vor allem gibt es hier Platz für zwei Routen. Bat Cave – wie der Name schon sagt, gibt es in Dos Ojos eine Route, auf deren halbem Weg sich eine Höhle voller Fledermäuse befindet!!! Normalerweise taucht man in einer offenen Höhle auf, in die ein scharfer Lichtstrahl durch eine Öffnung mit einem Durchmesser von etwa 2 Metern einfällt. An der gesamten Decke hängt hingegen ein Schwarm schlafender Fledermäuse!!! Die Höhle ist sehr speziell – für manche super, andere wollen schnell weiter schwimmen. Was mir in den Sinn kam, ist etwas, das völlig vom Tauchen abweicht. Da sich mitten im Dschungel ein so kleines Loch befindet, kann jeder, der sich dieser Gefahr nicht bewusst ist, hineinfallen, und glauben Sie mir, es gäbe keine Chance, aus eigener Kraft von dort herauszukommen... Die Maya haben diese Tatsache ausgenutzt, aber auch das werde ich für später aufheben. Neben der Höhle haben wir hier wunderschöne Felsformationen und ein Licht-
spiel, das nicht von dieser Welt ist. Es gibt ziemlich viel Platz und man muss einfach nur die Umgebung bewundern! Ich denke, die Fotos werden am besten vermitteln, was dort passiert, da es fast unbeschreibliche Erlebnisse sind! Barbie Line ist eine 500 m lange Route und die erste der zwei Routen in Dos Ojos. Beide Routen beginnen und enden in derselben Cenote – dem Östlichen Auge (East Eye). Die Route führt die Taucher entlang des West Eye (Westliches Auge), wo man tanzende Lichtstrahlen, Fossilien und ungewöhnliche Felsformationen bewundern kann. Auf halber Strecke befindet sich ein mar-
kanter Punkt mit einer befestigten Barbieund Krokodilfigur, was eines der interessanteren Elemente des Tauchgangs darstellt. Genau durch diese Figur entstand der Name der Route selbst. Ich hoffe, dass Sie nach dem heutigen Artikel bereits wissen, wie es um die Tauchqualifikationen und das Tauchen in Cenoten steht. Ich denke, Sie haben auch genug über Dos Ojos gelernt, um sich zumindest ein wenig vorstellen zu können, wie diese Art des Tauchens aussieht. Und glauben Sie mir – was wir unter Wasser gesehen haben, lässt sich nicht einfach so erzählen. Das muss man selbst gesehen haben!
PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
41
SÜSSWASSER
EIN HIT AUF DER TAUCHKARTE EUROPAS! Wie sich der Geiseltalsee von einer Mondlandschaft in ein Taucherparadies verwandelte Text Adam KRUPA
Fotos Wiesiek BASKA
Das Mai-Wochenende ist für die meisten von uns der offizielle Saisonstart. Als wir unseren diesjährigen MaiAusflug planten, kam mir sofort ein Gedanke in den Sinn: Wir müssen dorthin zurückkehren! Es geht um einen Ort, über den in unserer Szene immer mehr gesprochen wird – den Geiseltalsee in Deutschland.
I
ch bin schon früher dort gewesen, aber das Wasser da hat etwas an sich, das einen zurückzwingt. Es ist ein faszinierender Beweis dafür, welch unglaubliche Metamorphose ein durch die Schwerindustrie völlig zerstörtes Gebiet durchmachen kann. Heute ist es der größte künstliche Tauchsee in Deutschland und für mich ein absoluter Hit auf der Tauchkarte Europas. Wenn man am Ufer steht, ist es kaum zu glauben, dass hier fast 300 Jahre lang Braunkohle abgebaut wurde. Das Ausmaß dieser in-
42
dustriellen Maschinerie war enorm – 16 Ortschaften wurden dem Erdboden gleichgemacht, und Tausende von Menschen verloren ihr Zuhause. Nach der Schließung des Tagebaus blieb ein gigantischer, rauer Krater zurück – eine Mondlandschaft. Alles änderte sich, als hier Wasser eingelassen wurde. Die Flutung dieses gigantischen Beckens (8 mal 4 Kilometer!) dauerte ganze 10 Jahre. Wenn man in den Geiseltalsee abtaucht, merkt man schnell, dass dies kein gewöhnlicher See ist. Unter Wasser spürt man noch immer den Geist eines wahren Entdeckers. Dort gibt es noch immer Tausende Quadratmeter völlig unerforschtes Terrain, sogenannte Explorationszonen, die nur auf unsere Taschenlampen warten.
Süßwasser
Der See bietet derzeit etwa 18 abwechslungsreiche Routen. Bei diesem Ausflug konzentrierten wir uns auf zwei Highlights: den Unterwasserwald und den Canyon (Alter Einlauf ). Wir tauchten bis auf 30 Meter Tiefe mit leichter Dekompression ab. Bei solchen Profilen lohnt es sich auf jeden Fall, Nitrox mitzunehmen – es ermöglicht, die Grundzeit sicher zu verlängern und deutlich länger das zu genießen, was das Gewässer zu bieten hat. Und es gibt einiges zu sehen, denn die Sichtweite während unseres Mai-Ausflugs war geradezu genial und konnte über 20 Meter betragen!
Hier sind die Orte, die man dort einfach gesehen haben muss: ● Unterwasserwald: Dies ist wahrscheinlich die größte Attraktion dieser Art in Europa. Das Schwimmen zwischen versunkenen, monumentalen Bäumen in Tiefen von bis zu 30 Metern ist geradezu eine nicht von dieser Welt stammende Erfahrung. Das kristallklare Wasser sorgt dafür, dass das Sonnenlicht durch die Äste bricht und eine unglaubliche, mystische und tiefe Atmosphäre schafft. ● Alter Einlauf: Ein geschichtsträchtiger Ort. Unter Wasser kann man immer noch technische Relikte des alten Tagebaus finden, darunter das mächtige Bauwerk des ehemaligen Wassereinlaufs. Die von Unterwasserleben bedeckten Konstruktionen, die aus der zwanzig Meter weiten Sichtweite auftauchen, machen einen unglaublichen Eindruck und sorgen für einen kräftigen Adrenalinschub. ● Wrack Pauline: Ein stählernes, 13 Meter langes Kabinenschiff. Es liegt ideal auf 13 Metern – ein perfektes Ziel für einen ruhigen Erholungstauchgang in der Pause zwischen tieferen Einstiegen. ● Terrassenförmige Hänge: Beim Abtauchen in die Tiefe ist die einstige Struktur des Tagebaus deutlich zu erkennen. Der Grund fällt in charakteristischen, gigantischen Stufen ab. ● Ausbildungsplattformen: Sie sind auf 5, 10, 16 und 20 Metern aufgehängt – ein idealer Ort, wenn man in Ruhe die Tarierung üben oder vor der Saison neue Ausrüstung testen will. Seit dem 20. Mai 2026 ist das sogenannte Westfeld offiziell geöffnet. Für uns Taucher bedeutet das vor allem eins: legalen
PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
43
süsswasser
44
Zugang zu den tiefsten, dunkelsten Teilen des Sees, die bis zu 84 Meter hinabreichen! Die gesamte Logistik vor Ort wird vom Team des Tauchzentrums Geiseltal auf der Halbinsel Stöbnitz geleitet. Eine Registrierung in der Basis (www.tauchzentrum-geiseltal.de) ist obligatorisch. Das Zentrum wird von einer eingespielten Familie geführt – Anja, Darius und Heiko Günzel. Es sind Enthusiasten, mit denen man sofort eine gemeinsame Sprache findet. Sie bauen die Basis am See seit 2008 auf und wissen genau, was ein Taucher zum Glücklichsein braucht Unser Mai-Ausflug an den Geiseltalsee erwies sich als Volltreffer. Die Kombination aus klarem Wasser, einzigartigen Ausblicken und einer großartigen Infrastruktur macht es zu einem Muss für jeden von uns. Ich werde sicher noch mehr als einmal dorthin zurückkehren!!!
Anmerkung der Redaktion: Die erste urkundliche Erwähnung des Braunkohleabbaus im Geiseltal stammt aus dem Jahr 1698. Im 19. Jahrhundert waren in der Gegend zwischen 4 und 12 kleinere Bergwerke in Betrieb. In den Jahren 1906/1907 begann nach dem Zusammenschluss kleinerer Bergwerke der industrielle Tagebau. 1949 wurde hier der Großtagebau Mücheln errichtet, dessen Grube heute den wesentlichen Teil des Geiseltalsees ausmacht. Der Braunkohleabbau wurde am 30. Juni 1993 endgültig eingestellt. Wissenswertes: Über den gesamten Abbauzeitraum wurden im Geiseltal etwa 1,03 Milliarden Tonnen Braunkohle gefördert.
PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
45
SÜSSWASSER
Ikone des Tauchens in Masuren
der PIŁAKNO-SEE Text und fotos Jacek KUBIAK
Meine Tauchkarriere dauert inzwischen 17 Jahre. Und wenn man – wie ich – in Masuren lebt, ist es eigentlich kaum möglich, nicht regelmäßig an diesem See zu tauchen. Seit ich denken kann, gehört zu Gesprächen über das Tauchen im Piłakno-See immer ein kleines Lächeln. Und zwar nicht nur bei einzelnen Tauchern, sondern eigentlich bei allen.
I
rgendwie hat jeder schöne Erinnerungen und Geschichten, die mit dem Tauchen in diesem magischen See verbunden sind. Vor Kurzem habe ich aus reiner Neugier meinen Tauchlehrer Piotr Płuciennik aus Bydgoszcz gefragt, wie er sich an seine Tauchgänge im Piłakno erinnert. Auf die Reaktion musste ich nicht lange warten: ein Lächeln und dann: „Am Piłakno erinnere ich mich daran, wie sie uns auf 56 Meter hinausgebracht haben. Sofort ging es mit der Glocke nach unten und anschließend an den Führungsleinen wieder zurück.“
46
Gesagt wurde das mit sichtlicher Zufriedenheit. Nach Piotrs Meinung war Aquarius mit seinem damaligen Team aus Michał und Krzysztof in jenen Jahren die beste Tauchbasis Polens.
Ein paar Worte über den See Bevor wir tiefer in die eigentlichen Taucher-Themen einsteigen, zunächst ein paar Worte über den Piłakno-See. Der Piłakno-See gehört zu den saubersten und tiefsten Seen der Mrągowo-Seenplatte. Er liegt in der Gemeinde Sorkwity in der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Der See gehört zum Einzugsgebiet des Flusses Krutynia und hat eine Fläche von rund 260 Hektar. Seine wichtigste Eigenschaft für Taucher ist natürlich die maximale Tiefe von 56,6 Metern. Genau das macht den Piłakno für viele Taucher so interessant. Das Ostufer ist relativ stark gegliedert, während das Westufer überwiegend bewaldet ist. Außerdem wird der See von einigen kleineren Zuflüssen gespeist. Im Internet findet man den Hinweis, dass sich am Westufer die Überreste einer Siedlung aus der frühen Eisenzeit befinden sollen, die auf etwa 400 bis 120 v. Chr. datiert wird. Es handelt sich um eine hölzerne Wohnbebauung der westbaltischen Hügelgräberkultur. Nach mehreren Gesprächen mit Tauchern, die sich intensiver mit dieser Fundstelle beschäftigt haben, würde ich allerdings davon abraten, diesen Bereich gezielt zu betauchen. Alle waren sich
Süßwasser
einig: Letztlich sucht man dort im Schlamm nach einzelnen Holzstücken. Für einen Taucher ist das kaum attraktiv – und für die archäologische Fundstelle kann es sogar schädlich sein.
Die Sicht – ein weiteres großes Plus Was den Piłakno neben seiner außergewöhnlichen Topografie für Taucher besonders interessant macht, ist die Sichtweite. Selbst im Hochsommer, wenn andere Seen schon zur sprichwörtlichen „Suppe“ geworden sind, kann die Sicht hier noch bis zu acht Meter betragen. Im August habe ich fünf Tauchgänge im Piłakno gemacht und konnte das aus eigener Erfahrung bestätigen. Im Litoral bis etwa sechs Meter Tiefe lag die Sicht bei ungefähr sechs bis acht Metern. Darunter waren es eher zwei bis drei Meter. Richtig gut wurde es ab etwa 20 Metern Tiefe wieder: fünf bis sieben Meter Sichtweite. Natürlich sprechen wir hier über den Sommer – also genau die Jahreszeit, in der die Sicht normalerweise am schlechtesten ist. Im Herbst und Winter werden die Karten bei der Sicht noch einmal neu gemischt.
Drei Tauchplätze, die ich besonders mag Wenn es um Tauchplätze am Piłakno geht, fallen mir persönlich drei Orte ein. Aufgrund der Zeit, die ich mit diesem See verbracht habe, muss ich mit dem Tauchcenter Aquarius beginnen.
PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
47
süsswasser
Aquarius ist ein Tauchcenter aus Bydgoszcz, das seit mehr als zwei Jahrzehnten am Piłakno vertreten ist. Ich erinnere mich noch sehr gut an den alten Standort auf der Ostseite des Sees beim Ferienzentrum „Duszak“. Das war eine großartige Lage – genau gegenüber der tiefsten Stelle des Sees. Wenn ich über Aquarius schreibe, muss ich auch seinen Gründer Michał Górny erwähnen. Ein Mann, der einen großen Teil seines Lebens dafür eingesetzt hat, diese Tauchbasis in Masuren aufzubauen. Vor Kurzem hatte ich Gelegenheit, Michał persönlich kennenzulernen und mit ihm über das Tauchcenter und den See zu sprechen. Wie er erzählt, war der Anfang alles andere als einfach. Die Basis wurde 2002 gegründet. In den folgenden 17 Jahren kamen Hunderte, wenn nicht Tausende von Tauchern hierher. Aquarius war eine der Säulen der polnischen Tauchsportszene. Es gab kaum einen Taucher, der hier nicht selbst getaucht hatte – oder zumindest noch nie von der Basis gehört hatte.
48
Dann kam, wie wir alle wissen, die Corona-Pandemie. Sie traf die gesamte Tourismus- und Tauchbranche – und natürlich auch Aquarius. Höhere Gewalt beendete diese großartige Entwicklung, und der Betrieb der Basis in Masuren musste zunächst eingestellt werden. Nachdem sich der Staub der Pandemie gelegt hatte, nahm Aquarius den Betrieb am Piłakno wieder auf – diesmal an einem anderen Standort, im idyllischen Norden des Sees auf dem Gelände des Ferienzentrums „Widok“. Die Lage ist hervorragend. Direkt gegenüber liegt eine Insel, und schon der erste Blick über den See ist beeindruckend. Die Basis von Aquarius erfüllt eigentlich alle Wünsche.
Süßwasser
Es gibt eine komplette Infrastruktur für Taucher und die entsprechende Ausrüstung. Außerdem steht ein Boot zur Verfügung, mit dem die Taucher zu ihren bevorzugten Tiefenbereichen gebracht werden können. Beim Blick durch das Lager von Aquarius entdeckte ich auch mehrere Suex-Scooter, die nur darauf warteten, gestartet zu werden, um die Tiefen des Piłakno zu plündern. Was will man mehr? Ein unverwechselbares Symbol der Basis ist außerdem der lächelnde Hai. Er hat die Taucher sowohl am alten als auch am neuen Standort begleitet. Michał sagt, der Piłakno sei ein echter Glückssee für Taucher. Denn hier habe es noch nie einen tödlichen Tauchunfall gegeben. Wenn man die Tiefe des Sees und die Zahl der Menschen berücksichtigt, die hier über all die Jahre getaucht sind, kann man wohl tatsächlich sagen: Das ist wirklich ein Glückssee. Und so soll es bitte auch bleiben.
Królewska Sosna Der zweite Tauchplatz, den ich am Piłakno empfehlen würde, ist das Ferienzentrum „Królewska Sosna“. Das ist ein echter Klassiker unter den Tauchplätzen des Sees. Über die Jahre hatten hier unter anderem der inzwischen verstorbene Paweł Rosłaniec,
das Tauchcenter „Kurka Wodna“ und auch „Nautica“ ihre Basen. Das Ferienzentrum liegt ausgesprochen schön im zentralen Bereich des Sees, an seinem Ostufer. Der Zugang zum Wasser ist sehr weitläufig, es gibt lange Stege und eine umfangreiche Infrastruktur am Wasser, die von den Urlaubsgästen gerne genutzt wird. Auch unter Wasser ist die Lage interessant. Als natürliche Orientierung dient uns hier ein steiler Abfall des Seegrunds. Der Hang ist so deutlich ausgeprägt, dass man beim Tauchen fast ohne Kompass auskommt. Eine interessante Information für alle, die sich für Ausbildungstauchgänge interessieren: Sowohl bei der „Królewska Sosna“ als auch bei Aquarius kommen seit zehn Jahren jedes Jahr Soldaten der polnischen Streitkräfte zu Trainingslagern für Tauchgänge bis 50 Meter Tiefe.
Der Wasserentnahmepunkt Für mich gibt es am Piłakno noch einen dritten interessanten Tauchplatz. Ich möchte allerdings gleich vorweg sagen: Dieser Platz erfordert viel Erfahrung und ist für Anfänger definitiv nicht geeignet. Es handelt sich um den sogenannten Wasserentnahmepunkt. Zumindest hing dort jahrelang ein entsprechendes Schild.
Wenn man von Mrągowo in Richtung „Królewska Sosna“ fährt, geht es geradeaus weiter. Etwa 500 Meter vor dem Ferienzentrum, noch vor der alten Aquarius-Basis, muss man an einer kleinen steinernen, fast wie ein Kreisverkehr wirkenden Stelle nach links abbiegen. Am Wasser angekommen, sieht man einen Steg mit einigen hölzernen Booten der örtlichen Fischer. Der Einstieg ist alles andere als einfach, doch die Unterwassertopografie entschädigt für die Mühe. Direkt am Steg muss man mit einem sehr weichen, schlammigen Untergrund rechnen. Wer mit einem Doppelgerät vom Ufer aus ins Wasser geht, versinkt zunächst bis zu den Knien, teilweise fast bis zur Hüfte im Schlamm. Und das geht über eine Strecke von ungefähr 100 Metern so weiter. Am besten füllt man Jacket beziehungsweise Wing und Trockentauchanzug und legt sich bereits im flachen Wasser auf den Rücken. So lässt sich dieses schwierige Stück deutlich besser bewältigen. Und dann beginnt der Spaß. Hier erwarten uns fantastische Lehmwände, die beinahe wie Felsformationen wirken. Außerdem ist dies der kürzeste Weg zu den 56 Metern – direkt vom Ufer aus, ohne Boot. Ich persönlich liebe diesen Tauchplatz.
Fische ohne Ende Der Piłakno ist vor allem für sein sehr klares Wasser und seine Lage mitten im Wald bekannt. Aber auch die große Zahl an Fischen macht die Tauchgänge hier besonders schön. Zu sehen gibt es Hechte, Barsche, Maränen, Schleien, Rotaugen, Brassen, Aale, Zander und Welse. Und natürlich dreht sich rund um Aquarius weiterhin der große, lächelnde Hai. Wenn ich Lust habe, Hechte oder Schleien zu filmen, fahre ich ziemlich sicher zum Piłakno. Von Kętrzyn sind es nur 44 Kilometer. Einfach ein Traum.
Der Jarocin des Tauchens Wenn ich die legendären Tauchplätze mit den Kultorten der Rockmusik vergleichen müsste, dann wäre der Piłakno für mich das Jarocin der polnischen Tauchszene. Wer Rock hört und noch nie in Jarocin war, kann eigentlich kein echter Rockfan sein. Genauso sehe ich es beim Tauchen: Wer seit Jahren taucht und noch nie im Piłakno war, ist für mich irgendwie noch kein richtiger Taucher.
PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
49
SÜSSWASSER
ŁĘSK Ein unscheinbarer See und eine Überraschung Text Magda GIL
Fotos Anna ŁUBIŃSKA
Man muss nicht tief tauchen, um zu entdecken, dass unter der Wasseroberfläche eine ganze Reihe von Überraschungen warten. Ich bin kein großer Fan polnischer Gewässer. Mich locken definitiv eher warme, tropische Meere, gute Sicht und Farben, die man in polnischen Seen manchmal einfach... erraten muss.
A
ber ich liebe es, unter der Wasseroberfläche zu sein. Deshalb tauche ich trotz der Kälte, der Dunkelheit und all dieser kleinen Ängste, die manchmal schon vor dem Gang ins Wasser auftauchen, immer häufiger in polnischen Seen ab. Denn wenn ich unter die Oberfläche abtauche, wird plötzlich alles still. Es bleiben nur Bläschen, mein Atem und eine völlig andere Welt. Es ist nicht warm, nicht immer hell, und manchmal hat man statt
50
einer Sichtweite von mehreren Dutzend Metern eine Sichtweite... bis zur eigenen Hand Aber genau darin liegt etwas Besonderes. Polnische Seen haben ihr eigenes Flair. Rau, geheimnisvoll und ein wenig unvorhersehbar. Und obwohl sie weit entfernt von tropischen Riffen sind, finde ich unter Wasser immer noch das, was ich am meisten liebe – Stille, Ruhe und das Gefühl, für einen Moment in einer völlig anderen Welt zu sein. Dieses Mal war mein Unterwasserziel der Łęsk-See. Es ist ein Gletschersee, der eine Tiefe von etwa 40 Metern erreicht. Er hat einen charakteristischen, schnell abfallenden Grund – teils sandig, teils sandig-kiesig und nur in wenigen Bereichen eher schlammig. Ins Erholungszentrum „Nemo“ in Kulka fuhr ich zusammen mit dem Tauchclub Manta aus Nowa Dęba. Den Ort selbst habe ich schon von früher gekannt, war aber noch nie zum Tauchen hier. Dieses Mal hatte ich dank der Einladung des Clubs die Gelegenheit, den Łęsk aus einer völlig anderen Perspektive zu betrachten – jener, die sich ein paar Meter unter der Wasseroberfläche befindet. Manta ist schon seit Jahren hierhergekommen, sodass es für die Clubmitglieder ein gut bekanntes und bewährtes Gewässer war. Für mich war es der erste Tauchgang im Łęsk und ich war sehr gespannt, was wir zwischen der Luft und dem Grund finden wurden. Und es gab viel zu entdecken.
Süßwasser
Fotos Magda Gil
Unter Wasser wurden viele Attraktionen und Tauchrouten vorbereitet. Führungsleinen führen zu versenkten Objekten, wodurch es einfacher wird, den Tauchgang zu planen und die nächsten Orte zu finden. Auf den Routen gibt es unter anderem Ausbildungsplattformen auf etwa 6 und 25 Metern, einen versenkten Trabant, ein Segelboot, ein Kajak, eine Feldküche, Ringe zum Durchtauchen sowie viele andere Unterwasserkuriositäten. Am ersten Tag begannen wir unseren Tauchgang auf der rechten Seite des Sees. Nach dem Einstieg ins Wasser schwammen wir der Führungsleine entlang in Richtung einer Plattform, die sich auf etwa 6 Me-
tern befindet. Ein daran aufgehängter Spiegel ermöglicht es Anfängern, ihre Tarierung zu üben, und Fortgeschrittenen zu überprüfen, ob sich an ihrer Wasserlage noch etwas verbessern lässt. Direkt unter der Plattform stießen wir auf eine große Anzahl kleiner Fische – Kaulbarsche (aus der Familie der Barsche), mit ihrer charakteristischen stacheligen Rückenflosse. In Kombination mit einem unter der Plattform hängenden Netz schufen sie eine wirklich interessante Unterwasseratmosphäre. Wir machten uns weiter auf den Weg. Leider begann die Sicht auf einer Tiefe von etwa 8 Metern stark abzunehmen. Mit jedem Meter wurde es unklarer und die Füh-
rungsleine wurde zu unserem besten Freund. Bei solch einer Sicht muss man auf sie achten, um nicht vom Weg abzukommen. Trotz der schlechten Bedingungen erreichten wir die erste Attraktion – das Kajak. Hier wartete eine kleine Überraschung auf mich. Ich hatte erwartet, dass das Kajak auf dem Grund liegt, doch stattdessen steckt es im Boden und steht mit dem Bug nach oben. Das überraschte mich ein wenig, aber schließlich mögen wir das Tauchen ja genau wegen solch unvorhersehbarer Überraschungen. Die nächste Führungsleine führte uns zur darauffolgenden Attraktion – einer versenkten Feldküche, die sich auf etwa 10 Metern Tiefe befindet. Dieser Ort kann auch von Tauchern mit Grundzertifizierung besichtigt werden. An diesem Tag verwöhnte uns die rechte Seeseite jedoch nicht mit guter Sicht, weshalb wir beim nächsten Tauchgang beschlossen, die linke Seite zu erkunden. Und hier wendete sich das Blatt definitiv zum Besseren. Die linke Seite des Sees empfing uns mit einer deutlich besseren Wasserklarheit. Es war heller und ruhiger und wir konnten genauer betrachten, was um uns herum geschah. Da einige von uns kleine Frostbeulen waren und nicht alle einen warmen Unterzieher hatten, blieben wir im flacheren Teil des Sees. Und es stellte sich heraus, dass man gar nicht tief gehen muss, damit einiges los ist. Es gab hier eine üppige Vegetation und unzählige kleine Fische, die in großen Schwärmen schwammen. Es gab auch jede Menge Flussbarsche, die mit uns schwammen. An diesem Tag hatten wir außerdem sonniges Wetter. Die Sonnenstrahlen, die unter die Oberfläche fielen, ließen die Fische im Wasser schillern und die gesamte Unterwasserlandschaft sah wirklich wunderschön aus. Unterwegs begegneten wir mittelgroßen Hechten. Einige versteckten sich im Gestrüpp und verschmolzen fast perfekt mit der Umgebung, andere standen ruhig da, als ob sie unsere Anwesenheit überhaupt nicht stören konnte. Es war dann, dass ich mich zu fragen begann, ob diese polnischen Seen eigentlich so schlecht waren
PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
51
süsswasser
Nichtsdestotrotz was für eine Freude!
Am zweiten Tag tauchten wir wieder ab. Diesmal hatten wir ein konkretes Ziel – wir wollten zum versenkten Trabant gelangen. Die Bedingungen waren leider nicht mehr so gut wie am Vortag. Die Sicht hatte sich stark verschlechtert, daher erforderte die Navigation mehr Konzentration, und die Führungsleinen wurden erneut zu unserem besten Freund.
52
Wir schwammen weiter, tasteten uns etwas vor und hielten Ausschau nach etwas, das man eigentlich kaum sehen konnte. Und endlich war er da! Der Trabi. Eigentlich… „war da“ ist vielleicht etwas übertrieben, denn bei dieser Sicht konnten wir ihn nicht genau betrachten. Wir wussten eher, dass wir ihn gefunden haben, als dass wir ihn wirklich sahen.
Denn genau solche Momente sind das Beste am Tauchen. Es geht nicht immer um das perfekte Foto, tolle Sicht oder einen spektakulären Anblick. Manchmal macht es am meisten Spaß, einfach das Ziel zu finden, auf das man zugesteuert ist, besonders wenn uns die Bedingungen das gar nicht so leicht machen. Trabant abgehakt. Wir konnten weiter schwimmen. Wir wählten erneut die flachere Route auf der linken Seeseite. Trotz der schlechteren Sicht stellte sich schnell heraus, dass es hier immer noch etwas zu sehen gab. Eines der Elemente, das mich am meisten beeindruckte, warengroße, ins Wasser gefallene Äste. Ihre ausladenden Zweige bildeten unter der Oberfläche eine Art versenkten Wald. Dazwischen schwammen Fische, und die das Holz umrankende Vegetation ließ das Ganze unheimlich geheimnisvoll wirken. Die großen Äste, die aus dem Grund ragten, die dichte Vegetation und die eingeschränkte Sicht schufen eine Atmosphäre, die sich keineswegs mit einem tropischen Riff vergleichen ließ. Es war rau, ein wenig düster und zeitweise wirklich magisch. Inmitten der Vegetation begegneten wir Krebsen, die friedlich über den Grund streiften, Karpfen und vielen Barschen. Es gab auch Hechte, die geduldig in ihren Verstecken lauerten. Unterwegs stießen wir auf versenkte Ringe, durch die man schwimmen kann. Für Anfänger können sie ein großartiger Ort sein, um Tarierung und Positionskontrolle unter Wasser zu üben, und für die Erfahreneren sind sie einfach ein interessantes Element der Route und ein bisschen Unterwasserspaß. Dann wurde mir klar, dass jeder Tauchgang im Łęsk völlig anders aussehen kann. Am ersten Tag bot uns die rechte Seite schon ab etwa 8 Metern schlechte Sicht, während man sich auf der linken Seite einer viel besseren Klarheit erfreuen konnte. Am nächsten Tag sah selbst derselbe Teil des Sees schon anders aus. Einmal konzentrierten wir uns auf versenkte Objekte, das nächste Mal blieben wir bei den Fischen stehen oder schwammen zwischen großen Ästen hindurch. Und das war wahrscheinlich das Coolste an der ganzen Sache.
Süßwasser
Unter Wasser hat man nie die Garantie, genau das zu sehen, was man erwartet. Manchmal wird es ein Kajak sein, das mit dem Bug nach oben steht, anstatt auf dem Grund zu liegen. Manchmal ein Barschschwarm, der plötzlich in der Vegetation auftaucht. Ein anderes Mal ein Krebs, der über den Grund spaziert, ein vorbeischwimmender Karpfen, ein im Gebüsch versteckter Hecht oder ein Trabi, den man eher findet, als dass man ihn wirklich sieht. Und manchmal reichen große, umgestürzte Äste, zwischen den man hindurchschwimmt und für einen Moment das Gefühl hat, in einem versenkten Wald zu tauchen. Der Łęsk-See ist ein Gewässer, das man allmählich kennenlernen kann. Es gibt dort flachere Stellen für Leute mit weniger Erfahrung, Ausbildungsplattformen, versenkte Objekte und tiefere Teile des Sees für fortgeschrittenere Taucher, wo sich die Sicht verbessert. Unter Wasser befindet sich auch eine Lehmwand, die eine der Kuriositäten dieses Gewässers ist. Leider habe ich es diesmal nicht geschafft, sie zu sehen. Vielleicht hat sie mir einfach einen Grund gelassen, noch einmal hierher zurückzukehren. Die Wand und die tieferen Attraktionen muss ich mir für einen weiteren Besuch an diesem Ort aufsparen. Hinzu kommen Führungsleinen und eine Karte der Unterwasserattraktionen, dank derer man weitere Tauchgänge planen und jedes Mal ein anderes Ziel wählen kann. „Nemo“ bietet komfortable Einrichtungen für Taucher. Man kann hier seine Ausrüstung auf Tischen vorbereiten, Flaschen mit Luft oder Nitrox füllen und in den kälteren Monaten die beheizten Räume nutzen. Nach dem Verlassen des kalten Wassers ist die Möglichkeit, sich aufzuwärmen, ein enormes Plus.
Und wer nicht taucht, wird sich hier auch nicht langweilen. Auf dem Gelände des Zentrums kann man unter anderem Kajaks, SUP-Boards oder Tretboote nutzen, sowie einen Volleyball- und Badmintonplatz und einen beheizten Badezuber. Und genau deshalb kommt Manta aus Nowa Dęba schon seit Jahren hierher zurück. Die einen tauchen, die anderen nutzen die Attraktionen der Anlage, wieder andere ruhen sich einfach nur aus. Jeder verbringt diese Zeit ein bisschen anders, aber am Ende fahren alle zufrieden von hier weg. Ich bin diesmal vor allem hierhergekommen, um im Łęsk zu tauchen. Ich muss zugeben, dass der See mich etwas überrascht hat. Ich hatte kein tropisches Riff und keine Sichtweite von zig Metern erwartet. Dafür bekam ich etwas ganz anderes – Stille, Geheimnis, Fische, versenkte Objekte, Krebse, Karpfen, jede Menge Barsche, Hechte, Unterwasserringe und große Äste, die einen regelrechten versenkten Wald bildeten. Und genau darum geht es wohl beim Tauchen. Es geht nicht immer darum, den tiefsten Punkt oder das größte Wrack zu sehen oder perfekte Sicht zu haben. Manchmal reicht es aus, in das kalte polnische Wasser einzutauchen, die Führungsleine zu greifen und einfach loszuschwimmen. Man weiß eigentlich nie, was hinter der nächsten Biegung wartet. Und obwohl ich warme, tropische Meere immer noch deutlich mehr liebe, muss ich nach diesen Tauchgängen im Łęsk eines zugeben: Polnische Seen können einen wirklich in ihren Bann ziehen und überraschen.
PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
53
MEIN STANDPUNKT
TAUCHKURS In der Nähe oder im Urlaub? Text Sebastian DOBROWOLSKI
Foto Wojciech Zgoła
„Wo macht man am besten seinen ersten Tauchkurs – in der Nähe des Wohnortes oder während des Urlaubs in warmen Gewässern?“ gehört zu den Fragen, die in Tauchforen und -gruppen mit eiserner Regelmäßigkeit wiederkehren. An Häufigkeit wird sie vermutlich nur noch von der Frage übertroffen, ob man eine kleine Tauchflasche kaufen könne, die sich mit einer Fahrradpumpe befüllen lässt.
A
llein die Häufigkeit, mit der diese Frage gestellt wird, zeigt, dass sie für Anfänger wirklich wichtig ist. Die Zahl der völlig widersprüchlichen Antworten zeigt allerdings ebenso deutlich, dass die Sache keineswegs so eindeutig ist, wie die Anhänger der einen oder anderen Variante sie gerne darstellen. Die einen sind überzeugt, dass man einen echten Taucher ausschließlich in kaltem, dunklem Wasser ausbilden kann – am besten in einem Gewässer, in dem man seine eigenen Flossen erst wieder sieht, wenn man an Land ist. Die anderen entgegnen, dass Tauchen unter solchen Bedingungen zu lernen ungefähr so sei, als würde man das Autofahren während eines Schneesturms, nachts und auf einer unbefestigten Straße lernen. Beide Seiten haben einige gute Argumente. Beide ziehen daraus allerdings auch gerne Schlussfolgerungen, die weit über das hinausgehen, was diese Argumente tatsächlich hergeben. Schauen wir uns deshalb die am häufigsten wiederholten Meinungen einmal genauer an und beschränken wir uns dabei auf den grundlegenden Open Water Diver-Kurs. Fortgeschrittenen- und techni-
54
sche Ausbildung folgen etwas anderen Regeln und verdienen einen eigenen Artikel.
MYTHOS 1 – „In warmem Wasser lernst du überhaupt nichts“ Nach dieser Version der Geschichte wird der Kursteilnehmer in einer Urlaubsbasis für einige Augenblicke ins Wasser getaucht – wie ein Teebeutel in eine Tasse –, um anschließend, noch nass, aber bereits zertifiziert, in die Welt entlassen zu werden. Solche Kurse gibt es zweifellos, genauso wie es schlechte Fahrkurse gibt, von denen bereits in der Einleitung die Rede war. Gleichzeitig gibt es schlecht durchgeführte Kurse in Seen, Steinbrüchen und Schwimmbädern. Das Problem liegt jedoch nicht in der Temperatur oder dem Salzgehalt des Wassers, sondern im Geschäftsmodell der Basis, der Gruppengröße, der Organisation des Unterrichts und der Einstellung des jeweiligen Tauchlehrers. Warmes Wasser hat aus Ausbildungssicht einige ganz reale Vorteile. Der Kursteilnehmer friert langsamer, kann mehr Zeit unter
Mein Standpunkt
der Tropen, sondern eine Folge der massenhaften Organisation der Ausbildung. Wer sich deshalb für einen Kurs während einer Reise entscheidet, sollte nach einem Tauchlehrer suchen, der individuell oder in einer kleinen Gruppe unterrichtet – idealerweise in einer Sprache, in der man auch kritische Hinweise ohne Mühe versteht. Selbst sehr gute Fremdsprachenkenntnisse bedeuten nicht automatisch, dass man mit der Tauchterminologie sicher umgehen kann. Bei der Besprechung von Übungen, Notfallprozeduren und Kommunikationsregeln sollte es keinen Raum für Vermutungen geben. Bevor du ins Wasser gehst, musst du genau verstehen, was du tun wirst, wie der Tauchlehrer die einzelnen Übungen ankündigen wird und wie du reagieren sollst, wenn etwas nicht nach Plan läuft. Eine weitere gute Möglichkeit kann eine Reise mit einem Tauchlehrer sein, der normalerweise in deiner Region arbeitet. Eine solche Reise verbindet den Komfort warmen Wassers mit der Möglichkeit einer vorherigen Vorbereitung, der Ausbildung in der Muttersprache und dem Kontakt auch nach Abschluss des Kurses. Oft bringt sie außerdem etwas mit, das im Ausbildungsprogramm gar nicht auftaucht: eine Gruppe von Menschen, mit denen man später tauchen, seine Fähigkeiten weiterentwickeln und weitere Reisen planen kann. Das ist wesentlich wichtiger, als es zunächst erscheinen mag. Denn ohne feste Gruppe, Tauchpartner und natürliche Gelegenheiten für weitere Tauchgänge endet eine Taucherkarriere häufig, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat.
Foto Wojciech Zgoła
MYTHOS 2 – „Wer im kalten und dunklen Wasser tauchen gelernt hat, kommt überall zurecht“
Wasser verbringen, verwendet normalerweise einen dünneren Anzug und weniger Blei und hat damit schon zu Beginn etwas weniger Dinge gleichzeitig zu bewältigen. Es fällt leichter, sich auf Atmung, Tarierung und Flossenarbeit zu konzentrieren, wenn man nicht gleichzeitig mit dicken Handschuhen, eingefrorenen Fingern und dem unangenehmen Gedanken kämpfen muss, dass der Verlust des Gefühls in den Füßen vielleicht doch kein besonders gutes Zeichen ist. Ein längerer Ausbildungstauchgang bedeutet mehr Zeit, sich mit der Ausrüstung vertraut zu machen, Übungen in Ruhe zu wiederholen und ganz einfach unter Wasser zu sein – etwas, das selbst der beste Vortrag nicht ersetzen kann. Moderne Ausbildungsstandards legen den Mindestumfang an Wissen, Fertigkeiten und Praxis fest. Doch ein Minimum bleibt genau das, was es ist: eine Untergrenze und keine Beschreibung eines idealen Kurses. Dieselbe Anzahl von Tauchgängen kann Unterricht bedeuten, der unmittelbar nach dem Erfüllen der vorgeschriebenen Übungen beendet wird, oder lange, ruhige Einheiten, in denen der Kursteilnehmer beginnt, die Abläufe nicht nur nachzumachen, sondern sich unter Wasser tatsächlich sicher und frei zu fühlen. Ein Problem bei Urlaubskursen entsteht dann, wenn der Kurs zwischen Ankunft, Ausflug und Rückflug hineingepresst wird und das Tauchzentrum in der Hochsaison wie eine Produktionslinie arbeitet. Ist die Gruppe groß, der Zeitplan eng und warten bereits die nächsten Kunden auf ihren Termin, hilft warmes Wasser nicht weiter – es ermöglicht lediglich, einen schlechten Kurs bei angenehmerer Temperatur durchzuführen. Das ist jedoch kein Nachteil
An dieser Stelle fällt mir immer der Witz vom blinden Pferd ein, das sich beim Hindernisrennen hervorragend schlug, weil es die Hindernisse nicht sehen konnte. Die Fähigkeit, bei eingeschränkter Sicht zu tauchen, hat selbstverständlich einen Wert. Dasselbe gilt für Erfahrung mit einer Sprungschicht, einem dicken Tauchanzug, mehr Blei, leicht aufwirbelbarem Sediment oder einem etwas komplizierteren Einstieg ins Wasser. Daraus folgt jedoch keineswegs, dass schwierigere Bedingungen automatisch bessere Taucher hervorbringen. Schwierige Bedingungen können eine Ausbildung bereichern, aber sie bringen einem nicht von selbst eine korrekte Technik bei. Alles hängt davon ab, ob der Tauchlehrer sie nutzt, um die Fähigkeiten des Kursteilnehmers weiterzuentwickeln. Wenn sämtliche Übungen kniend auf einer Plattform durchgeführt werden, jeder Tauchgang unmittelbar über dem Grund stattfindet und der Sicherheitsstopp mit festem Griff an einer Leine absolviert wird, kann der Kursteilnehmer das gesamte Programm bestehen, ohne jemals gelernt zu haben, seine Tiefe im freien Wasser sicher zu halten. Solange sich unter ihm bei sechs Metern Tiefe der Boden befindet, bleibt dieses Problem weitgehend unsichtbar. Über einer Wand, die mehrere Dutzend Meter abfällt, zeigt es sich sofort. Auf der anderen Seite vermittelt die Ausbildung im warmen Meer nicht automatisch die Erfahrung, die man zum Tauchen in einem kalten See oder Steinbruch benötigt. Ein Taucher, der noch nie einen dicken Anzug getragen hat, keinen abrupten Temperaturabfall erlebt hat, noch nie mit Sediment zu tun hatte, das die Sicht auf wenige Dutzend Zentimeter reduziert, und noch nie erlebt hat, dass bereits in geringer Tiefe Dunkelheit einsetzt, sollte nicht davon ausgehen,
PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
55
mein standpunkt
Foto Dawid Strączek
dass ein buntes Zertifikat mit einem klangvollen Namen für all diese Probleme eine Lösung bereithält. Genauso wenig muss ein Taucher, der ausschließlich in Binnengewässern ausgebildet wurde, in der Lage sein, mit Strömung umzugehen, von einem Boot ins Wasser zu steigen, bei Wellengang wieder an Bord zu gelangen, einen Aufstieg im freien Wasser zu kontrollieren oder angemessen auf Begegnungen mit Lebewesen zu reagieren, die er zuvor nicht einmal im Aquarium gesehen hat. Kaltes Wasser lehrt das Tauchen in kaltem Wasser. Eingeschränkte Sicht lehrt das Funktionieren bei eingeschränkter Sicht. Tauchen in Strömung, bei Wellengang, vom Boot oder im freien Wasser erfordert ebenfalls eigene Erfahrungen. Kein Gewässer bietet den vollständigen Katalog aller Probleme, denen ein Taucher irgendwo auf der Welt begegnen kann. Universalität entsteht daher nicht durch die Wahl des einen „schwierigsten“ Ortes für den ersten Kurs, sondern durch das schrittweise und vernünftige Kennenlernen unterschiedlicher Bedingungen nach Abschluss der Ausbildung. Der erste Kurs soll eine solide Grundlage schaffen und nicht innerhalb weniger Tage einen Menschen auf sämtliche Gewässer und Bedingungen vorbereiten, denen er später begegnen könnte – ähnlich wie der bereits zweimal erwähnte Führerschein.
MYTHOS 3 – „Lokale Kurse sind veraltet, Ausbildung auf Reisen ist modern“ Internationale Ausbildungsorganisationen legen großen Wert auf Standardisierung. Sie definieren die erforderlichen Kompetenzen,
56
die Mindestpraxis, Sicherheitsregeln, Zertifizierungskriterien und Qualifikationen des Lehrpersonals. Außerdem stellen sie Lehrbücher, Präsentationen und Prüfungen in vielen Sprachen zur Verfügung. Dadurch sollte ein Open Water Diver-Kurs, der unter demselben Namen in verschiedenen Teilen der Welt durchgeführt wird, zu vergleichbaren Ergebnissen führen. Das Wort „sollte“ ist hier wichtiger, als es vielleicht scheint. Ein Standard steckt den Rahmen und das Mindestniveau ab, beseitigt aber nicht die Unterschiede zwischen einzelnen Tauchlehrern – genauso wenig wie ein vom Ministerium verabschiedeter Lehrplan dafür sorgt, dass jeder Mathematiklehrer gleich gut unterrichtet. Der eine Tauchlehrer wird die Ausbildungsmaterialien als Ausgangspunkt für Gespräche und weiterführende Erklärungen betrachten, der andere wird sich darauf beschränken, eine Präsentation abzuspielen und ihren Inhalt möglichst schnell vorzulesen. Manche werden natürlich auch zu dem Schluss kommen, dass die gesamte Theorie durch selbstständig durchgeklicktes E-Learning erledigt ist – am besten in der Warteschlange beim Arzt, bei dem sie gleich danach eine Bescheinigung über die Tauchtauglichkeit abholen. Ähnlich sieht es beim praktischen Teil aus: Der eine Tauchlehrer wird eine Übung so lange wiederholen lassen, bis der Kursteilnehmer sie ruhig und selbstständig beherrscht. Der andere wird der Meinung sein, dass eine einmalige Ausführung „gut genug“ ist, weil der Tagesplan keine Verzögerungen vorsieht. Veraltete Methoden haben keine Nationalität. Man findet sie sowohl in einer kleinen lokalen Tauchschule als auch in einem moder-
www.rehasport.pl PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
57
mein standpunkt
wir ausgebildet wurden und Erfahrungen gesammelt haben. Wenn wir in eine neue Umgebung kommen, ist es vernünftig, die Unterstützung eines örtlichen Tauchzentrums, Tauchlehrers oder Guides in Anspruch zu nehmen, der den jeweiligen Tauchplatz und die damit verbundenen Gefahren kennt. Diese Regel funktioniert in beide Richtungen. Wer in warmem, klarem Meer ausgebildet wurde, sollte nicht ohne Vorbereitung einen selbstständigen Tauchgang in kaltem Wasser mit schlechter Sicht planen. Wer in einem See ausgebildet wurde, sollte umgekehrt nicht davon ausgehen, dass die Erfahrung in einem stehenden Gewässer ihn automatisch auf das Tauchen in starker Strömung vorbereitet hat. Das sind völlig neue Bedingungen, die eine entsprechende Planung, Technik und angemessene Reaktionen erfordern. Der Grundkurs ist kein Versprechen, dass der Absolvent immer und überall zurechtkommen wird. Er bestätigt ein bestimmtes Kompetenzniveau und ist zugleich der Beginn eines Prozesses, in dem Erfahrung gesammelt wird. Ein guter Tauchlehrer sollte diesen Unterschied erklären, denn ein Taucher, der sich seiner eigenen Grenzen bewusst ist, ist wesentlich sicherer als jemand, der glaubt, dass die auf dem Zertifikat eingetragene Tiefengrenze die einzige Einschränkung hinsichtlich der Bedingungen darstellt, unter denen er tauchen darf.
Gut, aber wo sollte man den Kurs nun eigentlich machen?
Foto Dawid Strączek
nen Zentrum an einem wunderschönen Strand. Ebenso findet man moderne, bewusste Ausbildung in einer tropischen Bucht, im kalten Meer, in einem See, einem Steinbruch oder in einem anderen Gewässer, dessen Name niemals eine Chance hätte, auf einer touristischen Weltkarte zu erscheinen. Lokale Tauchplätze sind im Übrigen häufig hervorragend für die Ausbildung geeignet: Sie verfügen über Plattformen, mit Leinen gesicherte Strecken, bequeme Einstiegsbereiche, eine geeignete Infrastruktur an Land und Bedingungen, unter denen sich der Schwierigkeitsgrad schrittweise steigern lässt. Das warme Meer bietet dagegen natürliche Vielfalt, Kontakt mit der Unterwasserwelt, die Möglichkeit, das Tauchen vom Boot zu erlernen, und sorgt häufig für eine deutlich größere Motivation, länger unter Wasser zu bleiben. Keine dieser Eigenschaften entscheidet für sich allein über die Qualität eines Kurses. Es sind lediglich Werkzeuge, die ein guter Tauchlehrer sinnvoll einsetzen kann – und die ein schlechter mit Erfolg verschwenden kann.
Ein Zertifikat ist kein Reisepass für alle Gewässer der Welt Eine der grundlegenden Regeln des sicheren Tauchens besagt, dass wir selbstständig – was beim Sporttauchen in der Regel bedeutet: im Buddy-System mit einem entsprechend ausgebildeten Partner – unter Bedingungen tauchen sollten, die denen ähneln, unter denen
58
Die kürzeste Antwort lautet: Dort, wo du einen guten Tauchlehrer, eine entsprechend kleine Gruppe und ein Ausbildungsprogramm findest, bei dem der Termin für die Zertifizierung nicht unabhängig vom tatsächlichen Ausbildungsstand des Kursteilnehmers von vornherein feststeht. Vor der Anmeldung zu einem Kurs sollte man nicht nur nach dem Preis, der maximal zulässigen Tiefe und der Anzahl der Ausbildungstage fragen, sondern auch nach der tatsächlichen Zahl der Teilnehmer pro Tauchlehrer, der voraussichtlichen Zeit im Wasser und der Möglichkeit, bei Bedarf eine zusätzliche Einheit zu organisieren. Es ist gut zu wissen, ob immer derselbe Tauchlehrer die einzelnen Teile der Ausbildung durchführt – was sich ganz erheblich auf das Endergebnis auswirkt – und was passiert, wenn der Kursteilnehmer am letzten laut Zeitplan vorgesehenen Tag noch nicht bereit für die Zertifizierung ist. Die Antworten auf diese Fragen sagen über die Qualität eines Kurses wesentlich mehr aus als die Wassertemperatur des Gewässers. Wenn du planst, regelmäßig in der Nähe deines Wohnortes zu tauchen, spricht vieles dafür, den Kurs genau dort zu absolvieren. Du lernst die Umgebung kennen, in die du später am häufigsten zurückkehren wirst, ebenso die lokalen Abläufe, die Basis, die Tauchlehrer und potenzielle Tauchpartner. Wenn das Tauchen dagegen vor allem Teil deiner Reisen sein soll, kann ein Kurs in warmen Gewässern ebenso ein sinnvoller Einstieg sein – vorausgesetzt, du wählst ihn nicht ausschließlich deshalb, weil er sich zwischen Frühstück und den abendlichen Animationen am Hotelpool unterbringen lässt. Man kann die Ausbildung auch aufteilen: Theorie und Übungen im begrenzten Wasser absolviert man in der Nähe des Wohnortes, die Freiwassertauchgänge finden dann während einer Reise statt. Das ist eine gute Lösung, wenn beide Teile vom selben Tauchlehrer durchgeführt werden und zwischen den einzelnen Ausbildungsabschnitten
WERBUNG
Foto Jacek Michno
keine lange Pause entsteht. So lässt sich die während des Urlaubs benötigte Ausbildungszeit reduzieren, ohne die Reise gleichzeitig in einen mehrtägigen Wettlauf um das Zertifikat zu verwandeln. Am wichtigsten bleibt jedoch der Lehrer. Seine Einstellung, seine Geduld, seine Anforderungen und seine Fähigkeit, ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln, entscheiden darüber, ob du nach dem Kurs wieder unter Wasser möchtest – oder ob du zu dem Schluss kommst, dass Tauchen im Wesentlichen darin besteht, zu frieren, gestresst zu sein und sich daran zu erinnern zu versuchen, wofür eigentlich dieser Schlauch auf der linken Seite gedacht ist. Es lohnt sich, die Erfahrungen anderer zu berücksichtigen, aber auch auf die eigene Intuition zu hören. Wenn du bereits beim ersten Gespräch das Gefühl hast, dass der Tauchlehrer dir nicht zuhört, Fragen herunterspielt, unabhängig vom Verlauf des Kurses ein Zertifikat verspricht oder dir schlicht kein Vertrauen einflößt, such dir jemand anderen. Sporttauchen sollte nicht nur sicher, sondern auch angenehm und frei von unnötigem Stress sein. Es gibt nicht den einen besten Ort, um mit dem Tauchen zu beginnen. Es gibt gute und schlechte Kurse, gut und schlecht genutzte Bedingungen sowie Tauchlehrer, die tatsächlich unterrichten, und solche, die lediglich ein Programm abarbeiten. Warmes Wasser bedeutet keine schlechte Ausbildung, genauso wenig wie kaltes Wasser die Ausbildung eines perfekten Tauchers garantiert. Wenn du also das Gefühl hast, dass Tauchen etwas für dich sein könnte, warte nicht noch Jahre auf das perfekte Land, die perfekte Jahreszeit und die perfekte Wassertemperatur. Finde den richtigen Tauchlehrer und beginne unter den Bedingungen, die dir zur Verfügung stehen – und lerne anschließend Schritt für Schritt weitere kennen. Schließlich soll der erste Kurs dir den Weg zum Tauchen eröffnen und nicht ein für alle Mal entscheiden, in welchem Teil der Welt du dich unter Wasser zu Hause fühlen darfst.
PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
59
UNTERWASSERFOTO
WIE MAN DIE WELT
UNTER WASSER FOTOGRAFIERT Text und fotos Piotr STÓS
Das Balzritual der Mandarinfische findet jeden Abend in der Dämmerung statt, doch die intime Begegnung dieser scheuen kleinen Fische festzuhalten, ist alles andere als einfach. (Lembeh-Straße, Indonesien)
Seit vielen Jahren beobachte ich mit großer Freude, mit welcher Leidenschaft Unterwasserfotografen das Leben unter der Wasseroberfläche dokumentieren – und wie viel Befriedigung es ihnen bereitet, ihre Bilder anschließend mit anderen zu teilen. Diese Emotionen kenne ich nur zu gut.
A
uch ich freue mich jedes Mal, wenn es mir gelingt, einen Organismus oder ein Verhalten festzuhalten, dem ich zuvor noch nie begegnet bin. Vermutlich wird auch für dich die Naturfotografie irgendwann zu einem wichtigen Bestandteil deiner fotografischen Aktivitäten.
Was gehört eigentlich zur Unterwasser-Naturfotografie? Im Mittelpunkt der Unterwasser-Naturfotografie steht die Darstellung von Wassertieren – in unterschiedlichen Abbildungsmaßstäben und mit ganz unterschiedlichen fotografischen Techniken. Das Spek-
60
trum reicht von Weitwinkelaufnahmen, die Tiere in ihrem Lebensraum zeigen – etwa Grüne Meeresschildkröten, die auf sandigem Grund in Buchten bei Marsa Alam in Ägypten nach Nahrung suchen – bis hin zu Supermakroaufnahmen kleiner Bewohner der Unterwasserwelt, beispielsweise Zwergseepferdchen oder Wassermilben. Du musst deine Arbeitsweise also nicht nur auf das Motiv selbst abstimmen, sondern ebenso auf die Umweltbedingungen und den Charakter der jeweiligen Szene. Dazu gehört die Wahl der passenden Brennweite ebenso wie die Entscheidung, ob du mit vorhandenem Licht oder mit Blitzlicht arbeitest. Die Unterwasser-Naturfotografie beschränkt sich allerdings keineswegs auf Tiere. Ein wesentlicher Bestandteil ist auch die Landschaftsfotografie. Unterwasservegetation, Korallenriffe und Elemente der unbelebten Natur spielen dabei eine wichtige Rolle: Felsen, Sedimente, Steilwände, Höhlen oder die Lichtstimmung im freien Wasser. In diesem Sinne umfasst die Unterwasser-Naturfotografie die gesamte natürliche Umgebung. Es geht nicht nur um einzelne Organismen, sondern auch um den Lebensraum, in dem sie existieren. Damit ist sie immer mehr als eine Methode, die Wirklichkeit abzubilden. Sie ist zugleich eine Möglichkeit, diese Welt kennenzulernen und besser zu verstehen. Eine besondere Rolle spielt dabei der Tauchermodell. Auf vielen Naturaufnahmen sorgt er für einen Größenmaßstab, der dem Betrach-
Unterwasserfoto
Die Rolle eines Models in der Naturfotografie ist von unschätzbarem Wert. Auf diesem Bild vermittelt die Silhouette des Tauchers einen besseren Eindruck von der Größe des Stachelmakrelenschwarms (Blue Corner, Palau).
ter hilft, die Dimensionen einer Unterwasserlandschaft oder die Größe eines Tieres einzuschätzen. Das gilt für große Tiere wie Mantarochen, Dugongs oder Walhaie ebenso wie für kleinere Arten – etwa Muränen, Kraken oder Seepferdchen. Gerade für Menschen, die selbst nicht tauchen oder diese Tiere noch nie in freier Natur gesehen haben, kann dieser Größenvergleich entscheidend für die Bildwirkung sein.
Unberechenbar und spontan Im Vergleich zu anderen Bereichen der Unterwasserfotografie zeichnet sich die Naturfotografie durch eine deutlich geringere Kontrolle über die Aufnahmesituation aus. Ein Wrack und eine Höhle sind zuverlässig dort, wo man sie erwartet. Ein Model wird sich unter Wasser im Idealfall so verhalten, wie man es vor dem Tauchgang abgesprochen hat. Viele Elemente eines Shootings lassen sich planen, vorhersehen und teilweise sogar wiederholen. Bei der Tierfotografie funktioniert das nicht. Tiere halten sich nicht an Drehbücher. Sie erscheinen nicht auf Bestellung und lassen sich nicht dazu bringen, den Vorstellungen des Fotografen zu folgen. Auch die modernste Kameraausrüstung ändert daran nichts. Selbst mit der neuesten Technik bestimmen letztlich die Tiere, was passiert. Genau diese Unberechenbarkeit macht die Naturfotografie so spontan und unmittelbar. Sie verlangt nicht nur technische Fähigkeiten, sondern ebenso Geduld, Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, auf Situationen zu reagieren, die sich nicht vollständig planen lassen. Glück und Zufall spielen dabei zweifellos eine Rolle. Manchmal muss
man einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Entscheidend ist aber, ob du den besonderen Moment erkennst – und ob du dann in der Lage bist, ihn fotografisch zu nutzen.
Warum ist Unterwasser-Naturfotografie so anspruchsvoll? Zwischen der Naturfotografie an Land und unter Wasser gibt es einen entscheidenden Unterschied. Ein Fotograf an Land kann mit einem Teleobjektiv aus großer Entfernung arbeiten und so seine eigene Präsenz in der unmittelbaren Umgebung des Tieres minimieren. Unter Wasser ist das kaum möglich. Das Wasser zwingt uns dazu, aus vergleichsweise kurzer Distanz zu fotografieren. Für ein gutes Bild musst du dich deshalb fast immer in unmittelbarer Nähe des Tieres befinden. Das eröffnet uns unter Wasser eine faszinierende Nähe zu Wildtieren – bringt aber gleichzeitig eine große Verantwortung mit sich. Du musst das Verhalten des Tieres kennen, seine Toleranz gegenüber menschlicher Nähe einschätzen können und wissen, wie es auf Bedrohung reagiert. Davon hängt nicht nur ab, ob du ein gutes Foto bekommst. Es geht ebenso um deine eigene Sicherheit und darum, die Begegnung möglichst wenig zu beeinflussen. Wer schon einmal versucht hat, einen Titan-Drückerfisch zu fotografieren, der sein Nest bewacht, und anschließend von einem zähnefletschenden Fisch bis ans andere Ende des Riffs gejagt wurde, weiß, wovon ich spreche. Hinzu kommt ein weiterer Nachteil: Unter Wasser haben wir wesentlich weniger Zeit zur Verfügung als ein Naturfotograf an Land. Wer in einem Beobachtungsversteck sitzt, kann viele Stunden,
PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
61
unterwasserfoto
Die scheuen Fuchshaie lassen sich am ehesten an flachen Putzerstationen beobachten. Werden sie nicht aufgescheucht, verringern sie von selbst den Abstand und ermöglichen so gute Aufnahmen. Der Einsatz von Blitzgeräten ist dabei verboten. (Kimud Shoal, Philippinen)
manchmal sogar Tage, auf den richtigen Augenblick warten. Beim Tauchen bestimmen dagegen Gasvorrat, Tiefe, Temperatur, Tauchprofil und nicht zuletzt die Physiologie des Tauchers, wie lange wir arbeiten können. Das bedeutet: Motivwahl und Auslöseentscheidung müssen oft schneller getroffen werden – mit deutlich weniger Spielraum für Fehler.
Vorbereitung Genauso wichtig wie die Kenntnis des Verhaltens einer Art ist das Wissen darüber, wo und wann man sie überhaupt finden kann. Tiere, die zu unseren Fotomotiven werden, leben nicht überall und sind auch nicht das ganze Jahr über an jedem Ort anzutreffen. Viele Arten kommen nur in bestimmten Regionen oder speziellen Lebensräumen vor. Wer außerdem weiß, wann eine Art saisonal besonders häufig oder aktiv ist, erhöht seine Chancen auf eine Begegnung erheblich. Natürlich kann man einzelne Mantarochen auch im Roten Meer sehen. Fressende Gruppen von Mantarochen findet man auf den Malediven dagegen an bestimmten Plätzen und zu bestimmten Jahreszeiten. Das spektakuläre Paarungsverhalten der Buckelkopf-Papageifische (Bumphead Parrotfish) lässt sich auf Palau sogar nur an zwei oder drei Morgen rund um jeden Vollmond beobachten. Solche Informationen sind eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiche Naturfotografie. Suche in Fotoforen und in der Taucherpresse danach und sprich mit anderen Fotografen. Die meisten teilen ihr
62
Wissen erstaunlich gerne. Nach meiner Erfahrung sind jedoch lokale Guides und Tauchbasen oft die wertvollste Informationsquelle. Sie kennen die lokalen Arten, ihre Verhaltensweisen und die Plätze, an denen man ihnen begegnen kann, meist aus jahrelanger Erfahrung.
Interaktion – zu den Bedingungen des Tieres Eine der schwierigsten Fragen in der Naturfotografie lautet: Wo endet die Beobachtung und wo beginnt die Störung? In den vielen Jahren, in denen ich unter Wasser fotografiere, habe ich selbst Fehler gemacht und erlebt, wie andere dieselben Fehler begingen. Meist führten sie zu gestressten Tieren – und am Ende zu keinem guten Foto. Der größte Fehler besteht darin, aus einer Beobachtung eine Verfolgungsjagd zu machen. Es ist erstaunlich leicht, sich von der eigenen Begeisterung mitreißen zu lassen und einem Tier hinterherzuschwimmen, das gerade vor uns davonzieht. Verständlich ist das allemal. Nur: Zu einem guten Bild führt es nur selten. Seien wir ehrlich – unter Wasser haben wir ohnehin kaum eine Chance, mit den meisten Bewohnern des Riffs, des Freiwassers oder des Meeresbodens Schritt zu halten. Ein weiterer häufiger Fehler ist der Versuch, die Distanz zu schnell zu verkürzen. Beginnt ein Tier sich zurückzuziehen, die Richtung zu ändern, sich zu verstecken, schneller zu werden oder Anzeichen von Unruhe zu zeigen, ist die beste Reaktion meist erstaunlich einfach: stehen bleiben und warten.
Unterwasserfoto Eine Putzergarnele und eine Mittelmeer-Muräne sind ein klassisches, von Fotografen begehrtes Motiv für symbiotisches Verhalten. (Vis, Kroatien)
die Chance auf natürliches Verhalten. Und genau solche Begegnungen sind die wertvollsten. Ein Tier, das sich sicher fühlt, erlaubt uns oft, näher zu kommen, länger zu bleiben und mehr zu beobachten. Ethisches Verhalten unter Wasser ist deshalb kein Hindernis für gute Fotografie. Im Gegenteil: Es kommt allen zugute – den Tieren, der Umwelt und dem Fotografen. Es schafft die Voraussetzung dafür, eine Art wirklich kennenzulernen und authentische, aussagekräftige Bilder zu machen.
Fütterungsplätze – zwischen Beobachtung und Inszenierung
Für das Tier ist eine Flucht schließlich keine Kleinigkeit. Jeder Organismus muss Energie aufwenden, um Nahrung zu finden, einen Partner zu suchen, sein Revier zu verteidigen oder einem Fressfeind zu entkommen. Die Energie, die du durch eine unnötig ausgelöste Flucht verbrauchst, fehlt ihm an anderer Stelle. Wer ein Tier nur deshalb in Panik versetzt, um noch ein paar Zentimeter näher heranzukommen, verschlechtert daher nicht nur seine eigene Chance auf ein gutes Foto. Er greift auch in den Energiehaushalt und das Wohlbefinden des Tieres ein. Besonders problematisch ist es, sich einem Tier direkt von oben zu nähern. Für viele Arten ist eine solche Bewegung ein eindeutiges Gefahrensignal und kann eine sofortige Flucht auslösen. Besser ist es, sich
von vorne oder von der Seite zu nähern – möglichst auf Augenhöhe des Tieres. Lass das Tier dich jederzeit sehen und halte ihm einen freien Fluchtweg offen. So verringerst du die Wahrscheinlichkeit, als Bedrohung wahrgenommen zu werden. Vielleicht bleibt das Tier dann an seinem Platz und erlaubt dir einen längeren Blick in seine Welt. Beginnt es davonzuschwimmen, versuche seine Bewegungsrichtung vorauszusehen. Positioniere dich ruhig seitlich oder etwas vor dem Tier und überlasse ihm die Entscheidung, ob es sich dir nähern möchte oder nicht. Die wichtigste Eigenschaft eines Unterwasser-Naturfotografen ist deshalb vermutlich Ruhe – und Geduld. Wer Tiere nicht verfolgt, ihnen nicht den Fluchtweg abschneidet und keine Verstecke blockiert, erhöht
Fütterungsplätze für große Meerestiere, vor allem für Haie, lösen sehr unterschiedliche Reaktionen aus. Einerseits ermöglichen sie Begegnungen mit Arten, die den meisten Tauchern unter natürlichen Bedingungen kaum zugänglich wären. Andererseits besteht die Gefahr, natürliche Verhaltensweisen zu verändern, Stress auszulösen, Tiere an die Anwesenheit des Menschen zu gewöhnen oder sie im Extremfall von einer leicht zugänglichen Nahrungsquelle abhängig zu machen. Zunächst sollte man zwischen zwei unterschiedlichen Praktiken unterscheiden: Fütterung und Anlocken. Bei der Fütterung wird Tieren regelmäßig Nahrung angeboten, die zu einem tatsächlichen Bestandteil ihrer Energiebilanz werden kann. Das ist die problematischere Form, denn sie kann natürliche Fressrouten, Aktivitätsmuster und Beziehungen zwischen einzelnen Tieren verändern. Das Tier beginnt, den Menschen nicht mehr nur mit dessen Anwesenheit, sondern auch mit Nahrung zu verbinden. Beim Anlocken geht es um etwas anderes. Hier werden beispielsweise Geruchsstoffe, Futterspuren oder eine begrenzte Menge Köder eingesetzt, um die Wahrscheinlichkeit einer Begegnung zu erhöhen, ohne eine lokale Population regelmäßig zu füttern. Auch das ist ein Eingriff. In der Regel ist er jedoch weniger weitreichend als eine systematische Fütterung. Die Grenze zwischen beiden Formen kann allerdings fließend sein. Entscheidend sind unter anderem Umfang und Häufigkeit, die Menge des Futters, die jeweilige Tierart, der Ort und die Art und Weise, wie die gesamte Interaktion durchgeführt wird. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Bewegungsfreiheit des Tieres. Eine offene
PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
63
unterwasserfoto
Die Magie einer Begegnung zu den Bedingungen des Tieres. Nicht jede Kegelrobbe lässt sich porträtieren. Doch manchmal geschieht ein kleines Wunder, und das Tier entscheidet sich, ein paar Minuten in unserer Gesellschaft zu verbringen. (Farne-Inseln, England)
Umgebung, in der ein Tier selbst entscheiden kann, ob es heranschwimmt, die Situation ignoriert oder sich entfernt, ist etwas völlig anderes als ein begrenzter Bereich, in dem die Interaktion praktisch erzwungen wird. Je mehr Wahlmöglichkeiten das Tier hat, desto näher sind wir an einer echten Beobachtung. Je stärker wir Ort, Zeitpunkt, Verhalten und Position des Tieres nach den Bedürfnissen von Fotografen oder Zuschauern kontrollieren, desto näher kommen wir einer Inszenierung. Das bedeutet allerdings nicht, dass man Tauchgänge an Fütterungsplätzen pauschal ablehnen sollte. An vielen Orten sind verantwortungsvoll organisierte Begegnungen mit großen Raubtieren zu einem wichtigen Argument für deren Schutz geworden. Ein Hai, ein Mantarochen oder ein anderer großer Meeresbewohner, der Taucher, Fotografen und Filmemacher anzieht, kann für eine lokale Gemeinschaft einen höheren wirtschaftlichen Wert als lebendes Tier besitzen als als Fang. Die Förderung eines bewussten und sicheren Kontakts mit großen Meeresräubern kann daher den Fischereidruck verringern, die lokale Wirtschaft unterstützen und die gesellschaftliche Unterstützung für den Schutz dieser Arten stärken. Für Fotografen bieten solche Tauchgänge zudem die Möglichkeit, großen Raubtieren aus nächster Nähe zu begegnen. Doch die Chance auf ein spektakuläres Bild entbindet niemanden von seiner Verantwortung. Vor der Teilnahme an einem solchen Tauchgang sollte man sich deshalb genau informieren: Wer organisiert die Begegnung? Welche Regeln gelten? Wird mit lokalen Guides und Biologen zu-
64
sammengearbeitet? Ist die Futtermenge begrenzt? Wird jeglicher Zwang zum Kontakt vermieden? Und sorgen die Abläufe dafür, dass das Verhalten der Taucher keine Konkurrenz oder Aggression unter den Tieren provoziert?
Dokumentarfotografie Das Gegenstück zur Inszenierung ist die Dokumentarfotografie. Sie ist leise, oft frei von spektakulären Effekten – und gerade deshalb von großem Wert. Sie dokumentiert den Zustand eines Lebensraums und das Verhalten seiner Bewohner, ohne die Situation zu verbessern, ohne einzugreifen und ohne die Welt den Anforderungen eines möglichst spektakulären Bildes unterzuordnen. Gerade solche Aufnahmen gewinnen mit den Jahren an Bedeutung. Sie werden zu Zeitdokumenten, zu Vergleichsmaterial und manchmal sogar zu Beweismitteln. Entgegen dem ersten Eindruck erfordert diese Form der Fotografie nicht weniger Können. Im Gegenteil: Sie verlangt Geduld, Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, auf schnelle Effekte zu verzichten. Manchmal sind technisch nicht perfekte oder kompositorisch eher durchschnittliche Aufnahmen besonders wertvoll, weil sie Informationen enthalten, die auf andere Weise nicht hätten gewonnen werden können. Dokumentaraufnahmen können dabei helfen, einzelne Tiere zu identifizieren, Wanderbewegungen zu verfolgen, das Vorkommen einer Art in einem bestimmten Gebiet zu bestätigen oder Veränderungen eines Lebensraums festzuhalten. Dabei denken wir meist
Unterwasserfoto Lokale Guides sind oft unersetzlich, wenn es darum geht, für Fotografen interessante Tiere aufzuspüren. Dieses Foto einer „Mama-Mantis“ (Pfauen-Fangschreckenkrebs) mit einem Eiballen verdanke ich der Ortskenntnis und dem Engagement eines Guides der Anilao Photo Academy. (Anilao, Philippinen)
zuerst an negative Entwicklungen: das Verschwinden von Korallenriffen, das Absterben von Gorgonien, Schäden durch Anker, treibende Geisternetze oder Müll am Meeresboden. Doch auch positive Entwicklungen verdienen Aufmerksamkeit: die Renaturierung von Lebensräumen, die Rückkehr des Lebens in zuvor zerstörte Gebiete oder die Erholung der biologischen Vielfalt. Besonders eindrucksvoll können Bilder sein, auf denen Tiere Gegenstände als Unterschlupf nutzen, die eigentlich niemals unter Wasser gehören. Eine Krabbe, die einen Flaschendeckel als Versteck verwendet. Ein Fisch, der sich in einer Flasche versteckt. Ein Krake, der aus Bierdosen eine Behausung baut. Das sind nicht unbedingt „schöne“ Bilder. Aber sie sind wichtig, weil sie zeigen, wie tief die Hinterlassenschaften unserer Zivilisation bereits in die Welt der Wassertiere vorgedrungen sind. Enthält ein solches Foto zusätzlich Angaben zu Datum, Ort und Tiefe, wird daraus mehr als eine Erinnerung an einen Tauchgang. Es wird zu einem Dokument, das dazu beitragen kann, unser Wissen über die Unterwasserwelt und ihre Bewohner zu erweitern. Wenn sich eine solche Gelegenheit bietet, solltest du sie nutzen. In solchen Momenten bist du weniger Künstler als vielmehr Naturbeobachter – und vielleicht liegt gerade darin eine der wertvollsten Aufgaben eines Unterwasserfotografen.
Der Weg zum Meister Die Entwicklung eines Unterwasser-Naturfotografen verläuft meist
in mehreren Etappen. Nur selten beginnt sie mit einer bewussten Auswahl von Themen und dem gezielten Aufbau einer fotografischen Geschichte. Am Anfang ist die Sache meistens viel einfacher: Du fotografierst nahezu alles, was dir unter Wasser begegnet. Jedes Tier ist interessant. Und allein die Tatsache, eine Begegnung fotografisch festgehalten zu haben, sorgt für ein Erfolgserlebnis. Das ist eine natürliche und wichtige Phase. Sie schult die Beobachtungsgabe, den sicheren Umgang mit der eigenen Ausrüstung und die Fähigkeit, schnell zu reagieren. Gleichzeitig gewöhnt man sich an die Emotionen, die das fotografische „Jagen“ unter Wasser mit sich bringt. Irgendwann reicht ein einfach nur „korrektes“ Foto jedoch nicht mehr. Du kehrst zu Arten zurück, die du bereits fotografiert hast, und suchst nach besseren Bildern: technisch sauberer, kompositorisch überzeugender oder thematisch interessanter. Immer wichtiger wird nicht nur die Frage, was du fotografierst, sondern auch, wie du es zeigst. In der nächsten Phase entsteht häufig der Wunsch, eine eigene Sammlung ikonischer Arten aufzubauen. Du möchtest Bilder von Hechten, Schildkröten, Clownfischen, Haien, Delfinen und anderen Tieren in deinem Portfolio haben, die für viele Menschen zum Inbegriff der Unterwasserwelt geworden sind. Auch das ist eine natürliche Entwicklungsstufe. Sie hilft dabei, die eigenen fotografischen Ambitionen zu ordnen und eine Richtung für die weitere Arbeit zu finden. Irgendwann kann daraus eine deutlich bewusstere Form der Naturfotografie entstehen. Du fotografierst nicht mehr einfach alles, was
PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
65
unterwasserfoto
Zum aggressiven Paarungsverhalten männlicher Indopazifischer Ammenhaie gehört das Beißen in die Brustflossen des Weibchens. Die Paarung fand in starker Strömung statt; ich erinnere mich, dass ich ziemlich außer Atem geriet, als ich versuchte, diesem Liebespaar näherzukommen. (NordMalé-Atoll, Malediven)
dir begegnet. Stattdessen planst du einzelne Tauchgänge oder sogar ganze Reisen gezielt nach bestimmten Arten oder Verhaltensweisen. Das ist dann nicht mehr einfach „Fotografieren beim Tauchen“, sondern ein bewusst geplantes Fotoprojekt. Recherche und Vorbereitung werden wichtiger: die Wahl des Ortes, der Jahreszeit, der Bedingungen und der benötigten Ausrüstung. Auf diesem Niveau kann ein einziges wirklich gutes Bild die Belohnung für den gesamten Aufwand sein. Manchmal lohnt es sich sogar, für genau dieses eine Foto immer wieder an denselben Ort zurückzukehren und geduldig auf den richtigen Moment zu warten. Auch der Umgang mit Misserfolgen verändert sich. Sie sind nicht mehr der Grund für Enttäuschung, sondern ein ganz normaler Bestandteil des Prozesses. Du weißt inzwischen, dass die Messlatte hoch liegt. Dass das gewünschte Bild schwierig und zeitaufwendig sein kann. Und dass vieles von Faktoren abhängt,
DIE HÄUFIGSTEN THEMEN der UnterwasserNaturfotografie Trotz der unglaublichen Vielfalt an Wassertieren konzentriert sich die Unterwasser-Naturfotografie in der Praxis immer wieder auf einige typische Themen. Langweilig wird es trotzdem nicht – denn die Zahl der möglichen Variationen scheint nahezu unbegrenzt. Zu den häufigsten Motiven gehören: ● Schwärme und Ansammlungen von Tieren ● Tiere in ihren typischen Lebensräumen ● Fortpflanzungs- und Paarungsverhalten ● Abwehr- und Drohverhalten ● Jagd und Nahrungsaufnahme ● Tarnung ● Symbiosen ● Brutpflege und Jungenaufzucht
66
auf die du nur begrenzten Einfluss hast. Und wenn es diesmal nicht geklappt hat? Dann sorgst du eben dafür, dass es eine nächste Gelegenheit gibt. Piotr Stós/ Nautica Safari Dieser Text ist ein Auszug aus einem in Vorbereitung befindlichen Buch über Unterwasserfotografie
DIE WICHTIGSTEN REGELN für die UnterwasserNaturfotografie: ● Stelle das Wohl der Umwelt und ihrer Bewohner immer an die erste Stelle. ● Kontrolliere deinen Auftrieb und achte auf deine Position gegenüber dem Untergrund. ● Berühre oder versetze fotografierte Organismen niemals. ● Gib dem Tier Zeit, sich an deine Anwesenheit zu gewöhnen, und lasse ihm immer einen Fluchtweg. ● Nähere dich nicht von oben und bewege dich langsam auf dein Motiv zu. ● Achte auf die „Körpersprache“ des Tieres. ● Mache eine Testaufnahme, bevor du dich deinem Motiv weiter näherst. ● Beschränke die Zahl der Blitzaufnahmen auf maximal zehn Bilder. ● Überlasse nichts dem Zufall: Informiere dich, wann, wo und unter welchen Bedingungen du die gewünschte Art am besten fotografieren kannst. ● Wähle Tauchveranstalter und Guides bewusst aus. ● DENKE DARAN: Die angenehmste und befriedigendste Begegnung mit Wildtieren ist diejenige, bei der das Tier selbst bestimmt, ob und wie eine Interaktion stattfindet.
PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
67
UNTERWASSERFOTO
Der ANGLERFISCH aus dem Skjelfjord Text und foto Marcin TRZCIŃSKI
68
Manchmal hat man einfach Pech. Man plant alles genau, und wenn es dann drauf ankommt, verlauft der ganze ausgeklügelte Plan im Sand.
Unterwasserfoto
Belichtungsparameter: Modus M, 1/20 Sek., f/6.3, ISO 640
Gelände zu fahren), und Neptun versprach, sich an den vorgegebenen Gezeitenplan zu halten.
Kamera: Nikon D300
Es ging auf elf Uhr zu, als ich auf einer Schotterauffahrt direkt neben einem kleinen Pier parkte. Die Ausrüstung wurde schnell klar gemacht, ein letzter Check, und im Rauschen der aus dem Atemregler strömenden Blasen verschwanden wir unter der Oberfläche. Ich ließ mich entlang eines Kamms sinken, der irgendwo in der dunklen Tiefe verlief, und warf von Zeit zu Zeit einen Blick auf meine Partner, um sicherzugehen, dass ich keine ihrer Entdeckungen übersehe. Für einen Moment wandte ich den Blick von ihnen ab und schaute auf die Braunalgen, die den Hang bedeckten, als plötzlich etwas meine Aufmerksamkeit erregte.
Objektiv: Sigma 10-20 f/4-5.6 (eingestellt auf 12mm) Gehäuse: Ikelite + 6” Domeport Blitze: 2 x Ikelite DS160
in der Hoffnung, etwas zu erspähen, das sie fotografieren werden. Und da sie als Erstes einen winzigen Anglerfisch fanden (so klein, dass Fotos von ihm in die Kategorie Makro fallen sollten), bin ich genau bei diesem etwas hängengeblieben. Nur, dass ich mit einem Weitwinkelobjektiv nicht nur nichts Vernünftiges ins Bild bekam, sondern auch die nächsten, viel größeren Exemplare, die nur ein paar Meter entfernt waren, gar nicht registrierte.
W
ie soll man sonst einen Nachmittagstauchgang im Skjelfjord beschreiben, bei dem alle große Anglerfische sahen (manche sogar mehrere), während ich 48 Minuten lang mir die Augen aus dem Kopf starrte, ohne etwas entdecken zu können. Seht ihr, mein Problem unter Wasser ist, dass ich absolut nicht Adleraugen habe, sondern eher blind wie ein Maulwurf bin. Deshalb halte ich mich an andere,
Der Misserfolg ließ mir den ganzen Abend keine Ruhe. Der Gedanke daran saß mir ständig im Hinterkopf und quälte mich unaufhörlich. Schließlich, irgendwann in den frühen Morgenstunden, nach langem, schlaflosem Hinund Herwälzen im Bett, hatte ich einen neuen Plan fertig. Ich kam auf die Idee, jemanden zu überzeugen, statt des geplanten Steilwandtauchgangs in Hamnoy zu machen, wieder zum Skjelfjord zu fahren. Dann sollte ich noch ein Auto organisieren, um die Ausrüstung dorthin zu bringen, und mich mit der Gezeitentabelle bezüglich der möglichen Tauchzeiten absprechen. Das Ganze sah nach einem Kinderspiel aus, also schlief ich schließlich ein. Am Morgen lief erstaunlicherweise alles ziemlich reibungslos. Kaśka und Jacek erklärten sich bereit, sich meiner kleinen Expedition anzuschließen, Dominik gab uns ohne Schwierigkeiten die Schlüssel für seinen Navara (übrigens ein ziemlich cooles Fahrzeug, um mit Tauchgerödel auf der Ladefläche ins
Unter großen Blättern ragte ein ziemlich großer Schwanz hervor. Ich erstarrte. Wenn da ein Schwanz war, befand sich wahrscheinlich auch der vordere Teil des Fisches irgendwo unter den Kelpblättern. Ich schwamm auf die andere Seite des Felsrückens und… Bingo! Ein hässliches, zu einem höhnischen Grinsen verzogenes Maul und bösartige, mich anstarrende Äuglein kündigten den nächsten Erfolg an diesem Tag an. Ich wich ein Stück zurück, passte die Belichtungsparameter an, indem ich einen benachbarten Stein ins Bild nahm, und bereitete mich auf das Foto vor. Wir waren auf 23 Metern Tiefe, also gab es nicht mehr allzu viel Umgebungslicht. Da ich einen hellen Hintergrund haben wollte, erhöhte ich die Empfindlichkeit etwas und verlängerte die Belichtungszeit ziemlich stark. Vorsichtig drehte ich mich zu meinem Modell um. Die ersten beiden Fotos waren in Ordnung, aber offensichtlich entsprach die Bösartigkeit seines Charakters seiner Hässlichkeit. Ohne mir die Chance zu geben, den Bildausschnitt zu ändern, schoss er hoch, schwamm um den Felsrücken herum und bewegte sich den Hang entlang, wobei er etwas tiefer ging. Verdammt noch mal! Ich schwamm ihm nach und versuchte, ihn so weit zu überholen, dass ich ihn von vorne hatte. Zum Glück schwamm er nicht schnell, sodass ich ihn nach ein paar Metern, wenn ich mich umdrehte, en face fotografierte, als er auf mich zu schwamm. Natürlich wieder mit seinem höhnischen Grinsen. Aber er ließ drei Fotos zu…
PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
69
UNTERWASSERFOTO
Auge in Auge
mit dem LÖWEN Text und fotos Piotr BAŁAZY
Junges Männchen des Südamerikanischen Seelöwen Otaria byronia. Beagle-Kanal, Feuerland. 5 m Tiefe.
E
s war unser letzter Tauchtag und zugleich das Ende unseres Aufenthalts, den wir der Erforschung der Kelpwälder gewidmet hatten. Nach dem ersten Tauchgang am von Ushuaia am weitesten entfernten Tauchplatz wollten wir im schönsten, weitläufigsten und dichtesten Macrocystis-Wald tauchen – jenem mit den größten Schwämmen. Wir freuten uns sehr auf diesen Tauchgang, denn wir waren schon einmal dort gewesen und hatten mit eigenen Augen all die Wunder gesehen, die sich dort verbargen – einschließlich PealeDelfinen, die an seinen Rändern patrouillierten. Doch natürlich hatten wir, ganz in unsere wissenschaftliche Arbeit vertieft, damals keine Kameras dabei… Doch es kam anders. Ein Freund, der mit uns tauchte – Argentinier, hervorragender Taucher, Fotograf und noch besserer Filmemacher, der diese Gewässer wie seine Westentasche kannte – schaffte es irgendwie, uns davon zu überzeugen, woanders hinzufahren, zu einem, wie er sagte, „otro bosque“ (span. „anderer Wald“). Wie sich herausstellte, hatten wir uns von einem Ort unter direktem Einfluss des offenen Ozeans weiter ins Innere des Kanals zurückgezogen. Dort war
70
die Wasserbewegung deutlich schwächer, und auch der Kelpwald selbst war weniger beeindruckend. Entsprechend groß war unsere Enttäuschung beim Abtauchen: Die Sichtweite betrug nur wenige Meter, und das Wasser hatte statt des tiefen Blaus einen grünlichen Farbton angenommen. Also verfluchten wir dieses „otro bosque“, pressten ein paar nicht druckreife Worte durch unsere Atemregler und überlegten, wie wir unseren einheimischen Freund nach dem Auftauchen wohl „begrüßen“ würden. Vermutlich wäre es auch genau dazu gekommen, wäre da nicht die Begegnung gegen Ende des Tauchgangs gewesen, bei dem wir uns ein wenig verirrt hatten. Zunächst bemerkte ich an der Sichtgrenze nur einen schnell vorbeihuschenden grauen Schatten. Ich schenkte ihm keine weitere Beachtung und dachte, meine Fantasie spiele mir einen Streich. Kurz darauf entdeckte ich den Schatten erneut und konnte mich vergewissern, dass ich mir das Ganze nicht einbildete. Er zeigte sich immer nur für einen Augenblick und schoss in einiger Entfernung mit hoher Geschwindigkeit vorbei. Mein Herz schlug schneller. Jetzt wusste ich, dass ich es mit etwas Großem zu tun hatte,
mit irgendeinem Säugetier. An diesem Ort waren es höchstwahrscheinlich Südamerikanische Seelöwen – für Seeleoparden war es bereits zu spät in der Saison. Ein Foto von ihnen zu machen grenzte allerdings an ein Wunder. Nach mehreren vergeblichen Versuchen und ständigem Umschauen – man wusste nie, aus welcher Richtung der nächste kommen würde – begann ich mich zurückzuziehen. Der Tauchgang neigte sich bereits dem Ende zu, und mein Gasvorrat näherte sich der Reserve. Umso größer war meine Überraschung, als plötzlich eine deutlich größere Gestalt als zuvor direkt vor mir auftauchte. Sie kam mit enormer Geschwindigkeit auf mich zu, beschleunigte unmittelbar vor mir noch einmal und drehte dann abrupt ab. Es war ein Männchen, von den Einheimischen „macho, lobo marino“ genannt. Die Begegnung war unerwartet und heftig, denn beim Abdrehen stieß das Tier zusätzlich Luftblasen aus, fast so, als würde es unter Wasser bellen. Man muss kein Verhaltensbiologe sein, um zu vermuten, dass es sich um eine Machtdemonstration handelte – um die Verteidigung seines Reviers und der Weibchen, die unauffällig in der Nähe vorbeihuschten, gegen ein seltsames, unbeholfenes Flossenwesen, das die gleichen Luftblasen ausstieß und die Situation damit vielleicht (?) sogar provozierte. Für einen Fotografen war es eine Traumbegegnung: Das Tier war charismatisch und hatte eindeutig keine Scheu vor menschlicher Nähe. Gleichzeitig sorgte die Situation für ein gewisses Unbehagen – schließlich war es ein großes Tier, unter Wasser unglaublich wendig und aus so überraschenden Richtungen heranschießend, dass
sich kaum kontrollieren ließ, was als Nächstes passieren würde. Im Vergleich zu den Tieren, die dort leben, sind wir unter Wasser nahezu blind und taub. Mir war also nicht ganz wohl, trotzdem wollte ich die Begegnung unbedingt dokumentieren. Während ich mich zurückzog – wobei „Rückzug“ in eine bestimmte Richtung kaum der richtige Ausdruck ist, denn um nicht von hinten überrascht zu werden, drehte ich mich immer wieder um die eigene Achse –, gelang es mir nach mehreren Versuchen schließlich, die Aufnahme zu machen. Und genau so entstand dieses Foto. Ich freue mich, dass es mir gelungen ist, einen Ausschnitt der Wasseroberfläche mit ins Bild zu nehmen und damit nicht nur den Seelöwen selbst, sondern auch seinen Lebensraum zu zeigen. Obwohl das Foto bereits öffentlich gezeigt wurde – auf mehreren Ausstellungen, in der Presse und bei Wettbewerben –, habe ich mich entschieden, seine Geschichte zu erzählen, denn die, wie ich finde, interessante Geschichte betrifft nicht nur die Umstände seiner Entstehung, sondern auch die sehr unterschiedliche Art, wie das Bild aufgenommen wurde. Bei einem der bedeutenderen polnischen Naturfotowettbewerbe wurde es wegen des Vorwurfs, Tiere gestört zu haben, aus dem Wettbewerb genommen (und ich nehme das niemandem übel!). Das könnte an meiner unglücklich formulierten Bildbeschreibung gelegen haben, denn keiner von uns war absichtlich in das Revier dieses Männchens hineingetaucht – an dieser Stelle gab es keine bekannte Kolonie. Bei einem anderen Wettbewerb, der stärker auf Unterwasserfotografie ausgerichtet war, erfuhr ich dagegen hinter den Kulissen, dass das Bild besser bewertet worden wäre, wenn ich den in der linken Bildhälfte sichtbaren Backscatter stärker entfernt hätte… Bei dem zuvor genannten Wettbewerb hingegen sind nachträgliche Veränderungen am Bild nicht gern gesehen, also habe ich auch darauf verzichtet. Die Wettbewerbskarriere dieses Fotos verlief damit fast ebenso widersprüchlich wie der Tauchgang selbst – für die einen steckte darin zu viel Eingriff in das Leben des Tieres, für die anderen zu wenig Eingriff in das Bild selbst. Zunächst wollten wir nicht zum „otro bosque“, später wollten wir so schnell wie möglich wieder weg, und heute stammt ausgerechnet von dort eines meiner einprägsamsten Fotos der gesamten Reise. Vielleicht steckt darin sogar eine kleine Lektion: Unter Wasser sollte man einen Ort, einen Tauchgang oder selbst einen unscheinbaren grauen Schatten an der Sichtgrenze nicht vorschnell beurteilen.
PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
71
tipps & wissenswertes ACADEMY
Jet Fins sind nur etwas für technische Taucher?
IST DAS WIRKLICH SO? Text Wojciech A. FILIP
Foto Tecline
In diesem Artikel erkläre ich, wie man die passenden Flossen auswählt, die einem helfen, gut getrimmt zu bleiben und in Rettungssituationen gut gerüstet zu sein. Der typische Auswahlprozess sieht in der Regel so aus: Man kauft Flossen, die zu groß, zu klein oder sonst irgendwie ungewöhnlich sind. Wie kannst du es besser machen?
Mit welchem Anzug tauchst du? 1. Ich tauche im Neopren-Anzug Wähle Flossen mit Auftrieb: Wenn Du diese ins Wasser legst, bleiben sie an der Oberfläche, anstatt zu sinken. Ein Beispiel: LightJet. Um deine Füße noch weiter vom Grund fernzuhalten, ersetze den Spring Strap durch ein Stück Bungee. Warum?
72
Ein Neopren-Anzug wird mit zunehmender Wassertiefe immer weiter zusammengedrückt, sodass deine Beine immer tiefer sinken. Flossen mit Auftrieb helfen dir, gut getrimmt zu bleiben.
2. Ich tauche in einem Trockenanzug Wähle Flossen mit Abtrieb, d. h. mit einem Gewicht im Wasser von 250 Gramm oder mehr. Ein Beispiel: LightJet in der "Abtrieb-Version” oder PowerJet. Warum? Ein Trockenanzug kann deine Beine während des gesamten Tauchens anheben. Ein wenig zusätzliches Gewicht durch die Flossen kann sowohl den Komfort, als auch die Sicherheit erheblich verbessern.
tipps & wissenswertes ACADEMY
WICHTIGER HINWEIS: Das Gewicht deiner Flossen an der Oberfläche unterscheidet sich von ihrem Gewicht unter Wasser. Geh’ nicht davon aus, dass du bei einem Paar Flossen, dass an der Wasseroberfläche 3 kg auf die Waage bringt, genau dieses Zusatzgewicht an den Füßen hast. Vermeide es, diese Denkweise für die Blei-Ermittlung zu verfolgen, denn die Flossen wiegen unter Wasser viel weniger. ZUM BEISPIEL: Eine PowerJet-Flosse wiegt außerhalb des Wassers 1,69 kg und unter Wasser 0,37 kg. Eine JetStream-Flosse wiegt außerhalb des Wassers 1,69 kg und unter Wasser 0,47 kg. Eine LightJet-Flosse (ideal für das Tauchen im Nassanzug) wiegt außerhalb des Wassers 1 kg und hat unter Wasser positiven Auftrieb. Foto Tecline
Wie kannst Du von richtig ausgewählten Flossen profitieren? Flossen erweitern deine Möglichkeiten unter Wasser. Vorteile der richtigen Flossenwahl: ● Mehr Trimmstabilität
● Geringerer Gasverbrauch ● Möglichkeit zur Anwendung verschiedener Flossentechniken
Ich habe meine Flossen ausgesucht, aber meine Schuhe passen nicht Ich habe Flossen mit sehr guten Leistungsmerkmalen gewählt, aber meine NeoprenSchuhe sitzen in den Fußfächern zu locker. Wie passt man Flossen an die Füße an?
Ich tauche im Neopren-Anzug Verwende eine Technik, die bei fortgeschrittenen Tauchern üblich ist. Deine Optionen umfassen Neopren-Socken, Neopren-Schuhe und so genannte Rock Boots (vielseitiges Schuhwerk, das von verschiedenen Tauchergruppen verwendet wird, darunter Rettungstaucher, Spezialkräfte und Menschen, die in schwierigem Gelände operieren). Wähle die Option, die am bequemsten ist und guten Wärmeschutz bietet. Teste 2-3 Optionen, bevor du Dich entscheidest.
Plan A – die größte Flexibilität Wähle bei einem Neopren-Anzug statt Neopren-Schuhen lieber Neopren-Socken mit verstärkten Sohlen und Rock Boots oder... Sneaker in deiner Lieblingsfarbe. Rock Boots füllen das Fußfach der Flosse besser und bieten eine stabile Verbindung zwischen Fuß und Flosse. Sneaker? Ja, kein Witz! Wenn sie zu deinem Tauchoutfit passen, funktionieren sie genauso gut.
EIN WICHTIGER ASPEKT: Deine Flossen sollten es dir ermöglichen, deinen Begleiter sowohl an der Oberfläche als auch bei einer Unterwasserrettung effektiv zu ziehen.
Plan B – das Fußfach der Flosse ist sehr eng Verwende nur eine Neopren-Socke mit verstärkter Sohle. Interessanterweise kann dies sogar ermöglichen, Vollflossen zu verwenden.
Plan C – nichts passt... Eine Neopren-Socke + ein größerer Neopren-Schuh oder einen mit einer anderen Form. Suche nach Modellen von verschiedenen Herstellern. Diese Kombination füllt ein Fußfach mit mittlerem Volumen / mittlerer Breite.
Foto Kira Rauner
Ich tauche in einem Trockenanzug Ein Trockenanzug mit Neopren-Socken bietet die größte Flexibilität beim Kombinieren verschiedener Flossenmodelle. Wie zuvor hast Du auch hier folgende Möglichkeiten:
WICHTIGER HINWEIS: Wähle Deine Flossen aus, bevor Du Dir die Schuhe aussuchst. Hinweise dazu findest Du am Ende dieses Artikels.
PERFECTDIVER Nr. 5 (47)/2026
73
tipps & wissenswertes ACADEMY
WIE HAT MAN DAS FRÜHER GEMACHT? Wichtig zu wissen: Vor der Entwicklung von Turbo Soles und Flex Sole-Stiefeln waren Neopren-Socken und Rock Boots die beliebteste Lösung. Im Laufe der Zeit begannen Taucher, Sohlen aus dünnem, mikrozellulärem Gummi an Neopren-Socken zu befestigen, während Hersteller von Trockenanzügen diese Lösung weiterentwickelten, indem sie zusätzliche Verstärkungen um die Ferse und Zehen hinzufügten.
● Rock Boots ● Sneaker ● Neopren-Schuhe ● Nur Socken Es ist ratsam, die Sockengröße so zu wählen, dass im Inneren Platz für zwei Paar dicke isolierende Socken bleibt, ohne dass die Füße eingeengt werden. Turbo Sole- oder Flex Sole-Boots bieten die geringste Flexibilität, wenn es darum geht, verschiedene Flossenmodelle miteinander zu vergleichen. Beliebte Flex Soles haben viele Vorteile, aber sie haben auch einen Nachteil: Sie lassen sich nur schwer verbreitern, was zu Problemen beim Kombinieren mit einem breiteren Fußfach führt. Wie wählt man Flossen aus? Selbst als Einsteiger findest Du weiter unten eine einfache Formel, um die besten Flossen für Dich auszuwählen.
Ein Test für alle Flossenmodelle Wähle den richtigen Test: ● Für Einsteiger ● Für fortgeschrittene Taucher Lies die Beschreibung sorgfältig, und wähle die Testelemente aus, die zu deinen Anforderungen und Tauchplänen passen. Schreibe sie in deine Wetnotes oder auf eine Tafel.
Die vollständige Beschreibung des Tests findest du in Ausgabe 17 von Perfect Diver auf Seite 70.
Foto Karola Takes Photos
…und mein Tauchlehrer sagt, Jet-Flossen verursachen bei Einsteigern Nackenschmerzen?! Ich lade dich und deinen Tauchlehrer in die Tecline Academy ein. Hier zeige ich euch einige natürliche Methoden, um mit Nackenschmerzen umzugehen. WAF
https://teclinediving.eu/de/academy 74
Der Seacraft GO! Eine Revolution im Bereich kompakter Unterwasser-Scooter office@seacraft.eu, www.seacraft.eu
ATTACK
ROBUST AUSSEN – ULTRAWEICH INNEN TECLINEDIVING.EU