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Perfect Diver Magazine 44 issue Tauchen Freitauchen Leidenschaft Wissen_

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Nr. 44

2 (44)/2026

MÄRZ/APRIL

Preis 12,50 €

Preis inklusive Steuer

Tauchen Freitauchen Leidenschaft Wissen

AMMENHAIE

BAHAMAS. Das Unterwasserreich der Tigerhaie und Riesenhammerhaie der Malediven

NORWEGEN. Schnorcheln mit Orcas POLEN. Die Miętusia-Höhle

Wojciech ZGOŁA

Chefredakteur

Es war ein Vergnügen, die Inhalte dieser Ausgabe zu lesen und anzusehen.

Im Heft findest du Themen, die Emotionen wecken und zum Gespräch anregen. Wir zeigen unterschiedliche Facetten des Tauchens und verschiedene Zugänge zur Natur. Nicht, um zu spalten, sondern um den Blick zu erweitern und Raum für bewusste Entscheidungen zu schaffen. Perfect Diver hat seine eigenen Werte, doch auf unseren Seiten zeigen wir beide Perspektiven.

Es gibt schließlich Taucher, für die man in die Natur in keiner Weise eingreifen sollte, und solche, die gern im Käfig mit Haien tauchen oder an Tauchgängen mit Anfüttern teilnehmen. Der erste Text von Sylwia handelt von Ammenhaien auf den Malediven. Und bei dieser Gelegenheit – Glückwunsch an Adrian zum Cover! Der zweite Beitrag ist eine gemeinsame Arbeit von Łukasz, Małgosia und Przemek.

Wir möchten eine Diskussion anstoßen, die der Natur helfen kann. Lohnt es sich, Delfinarien zu besuchen und dieses Geschäft zu unterstützen? Wie funktioniert ein Gefängnis für Delfine und Orcas? Darüber schreiben Jakub und Edwin in ihrem Beitrag.

Zu einer Begegnung mit Orcas in ihrem natürlichen Lebensraum, hoch im Norden, nimmt uns Magda in einem starken, ehrlichen Text mit. Bevor du mit dem Lesen über das Schnorcheln mit Orcas beginnst, hol dir lieber eine Tasse heiße Schokolade. Das ist eine Geschichte ohne Beschönigungen. Über Willensstärke und die Grenzen der Belastbarkeit.

Zur Abwechslung nehmen wir dich auch mit in wärmere Regionen – nach Anilao auf den Philippinen. Dort richtet Adam seinen Blick auf die kleinsten und ungewöhnlichsten Geschöpfe der Unterwasserwelt und beschreibt sie auf seine ganz eigene Weise. Tomek wiederum zeigt, dass es sich lohnt, einen Traumspot wirklich gut kennenzulernen, bevor man dorthin fliegt. Sein Beitrag über das Blue Hole in Belize regt zum Nachdenken an.

Und Europa? Bogdan geht der Frage nach, ob Santorini nur ein Postkartenmotiv ist oder auch ein Ort, an dem sich das Tauchen wirklich lohnt.

Das ist natürlich noch nicht alles, denn wir haben außerdem sehr inter-

essante Beiträge über Süßwasser. Piotr schreibt darüber, was er alles tun musste, um in der Tatra-Höhle „Jaskinia Miętusia“ zu tauchen, Łukasz hat endlich Molnar kennengelernt, und Basia ist fast zufällig in einem Steinbruch in England gelandet.

Aus der Reihe Unterwasserfoto: „Es gibt keine klaren Richtlinien dafür, wie gut man tauchen muss, um mit der Unterwasserfotografie zu beginnen.“ So beginnt der Artikel von Piotr. Aus großartigen Aufnahmen entstand außerdem eine Geschichte von Marcin, die er von Darek über eine gewisse „Venus von Milo“ gehört hat.

Zum Schluss noch ein weiteres kleines Highlight – ein praxisnaher Artikel über das Ausatmen, ganz im typischen Wojtek-Stil und natürlich aus seiner Feder. Ist es beim Maskenwechsel unter Wasser besser, vorher Luft zu holen – oder lieber nicht? Praktische und sehr hilfreiche Informationen dazu findest du wie immer am Ende der Ausgabe.

Was es Neues auf dem Markt gibt, erfährst du aus den Anzeigen und den Ausrüstungs-Doppelseiten.

Mit jeder Ausgabe entdecke ich das Tauchen neu – und du?

Denn es geht nicht darum, wer wir sind…, sondern darum, dass es sich lohnt, bei uns reinzuschauen! Erzählt euren Freunden von uns :)

Hat dir diese Ausgabe gefallen? Spendiere uns einen virtuellen Kaffee buycoffee.to/perfectdiver Besuche unsere Website www.perfectdiver.pl, Schau auf Facebook www.facebook.com/PerfectDiverMagazine und Instagram vorbei www.instagram.com/perfectdiver/

10 Ammenhaie der MALEDIVEN

14 Die BAHAMAS im Winter –das Unterwasserreich der Tigerhaie und Riesenhammerhaie

Extrem eisiges Schnorcheln mit Orcas. Willenskraft und Hypothermie... NORWEGEN

20 Alles begann in Anilao… PHILIPPINEN

28 BELIZE. The Great Blue Hole

38 reisen

32 SANTORINI. Die vulkanische Perle der Ägäis über und unter Wasser

40 Angel in der HÖLLE

44 Capernwray Quarry. Der Unterwasser-Spielplatz für Taucher in England planet erde unter der decke süsswasser

48 Höhlentauchen in POLEN. Die Miętusia-Höhle

54 Die Molnár-János-Höhle –das Unterwasser-Budapest, UNGARN

Verlag PERFECT DIVER Sp. z o.o. Folwarczna-Straße 37, 62-081 Przeźmierowo redakcja@perfectdiver.com ISSN 2545-3319

36 Oceanic PHOTON. Zwei Ansätze zur Tarierkontrolle ausrüstung

58 Wie die Venus von Milo 60 Ein taucher mit kamera unterwasserfoto

tipps & wissenswertes

64 Ausatment!

Chefredakteur

Technische Taucher

Weltgeografie und das Reisen Reportage Imageberatung

Übersetzer der Deutsche Sprache Rechtsberatung Grafiker

Werbung

Wojciech ZGOŁA

Tomek KULCZYŃSKI

Anna METRYCKA

Dominika ABRAHAMCZYK

Waldemar RYDZAK

Piotr WITEK, Alina LIZAKOWSKA, Agata TRZCIŃSKA-HILDEBRANDT, Frank LEMKE

Rechtsanwalt Joanna WAJSNIS

Brygida JACKOWIAK reklama@perfectdiver.com

DAS MAGAZIN WURDE MIT FOLGENDEN SCHRIFTARTEN GESETZT

Montserrat (Julieta Ulanovsky), Acumin Pro (Robert Slimbach, Adobe), Source Serif 4 (Frank Grießhammer, Adobe)

DRUCK

Wieland Drukarnia Cyfrowa, Poznań, www.wieland.com.pl

www.perfectdiver.pl

VERTRIEB

Onlineshop sklep.perfectdiver.pl redakcja@perfectdiver.com

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TITELFOTOGRAFIE

Adrian JURIEWICZ

ORT

Malediven

AUF DEM FOTO Ammenhaie

Die Redaktion sendet unverlangt eingesandte Materialien nicht zurück, übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt von Anzeigen und behält sich das Recht vor, eingesandte Texte zu kürzen, redaktionell zu bearbeiten, zu betiteln sowie das begleitende Bildmaterial auszuwählen. Der Nachdruck von Artikeln oder Teilen davon sowie das Kopieren sind nur mit Zustimmung der Redaktion gestattet. Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für Form und Inhalt der Werbungen.

Ein Mann, der reisend taucht. Seit seiner Kindheit mit dem Wasser verbunden – vom Schwimmenlernen über das Segeln bis hin zur Entdeckung der Geheimnisse unterseeischer Seen, Meere und Ozeane. Später kam die Leidenschaft für Fotografie und Schreiben hinzu, die es ihm ermöglichen, die Schönheit der Unterwasserwelt sowie die Besonderheiten der jeweiligen Orte zu teilen. Er hat über 900 Tauchgänge in Polen sowie an entfernten, exotischen Orten in warmen und kalten Gewässern absolviert. Jeden Tauchgang versteht er als Begegnung mit Natur und Geschichte. Als Liebhaber der Natur in ihrer reinsten Form ist er überzeugt, dass Tauchen nicht nur ein Sport ist, sondern ein Weg, Bewusstsein zu schaffen – für die Umwelt, den Mitmenschen und sich selbst.

Von Perfect Diver mit der Leidenschaft fürs Tauchen angesteckt. Sie erweitert kontinuierlich ihre taucherischen Fähigkeiten. Obwohl sie eindeutig wärmeliebend ist, schlüpft sie in den Trockenanzug und erkundet auch kältere Gewässer. Ihre liebsten Tauchgänge sind jene mit besonders vielen Unterwassertieren! In letzter Zeit nimmt sie ihr Smartphone im Unterwassergehäuse mit unter Wasser und versucht sich in der Unterwasserfotografie auf Amateurbasis. Sie interessiert sich für Tauchmedizin. Beruflich ist sie M.Sc. in der Pflege und arbeitet als OP-Pflegefachkraft.

Für Tomek war das Tauchen schon immer seine größte Leidenschaft. Er begann sein Abenteuer im Alter von 14 Jahren und entwickelte sich im Laufe der Zeit zum Tauchlehrer für Freizeit- und technisches Tauchen, zum Erste-Hilfe-Instruktor sowie zum Tauchtechniker. Derzeit leitet er das 5* Tauchzentrum COMPASS DIVERS in Pobiedziska bei Poznań, wo er sein Wissen und seine Fähigkeiten an Anfänger wie auch an fortgeschrittene Taucher weitergibt – was ihm große Freude bereitet und ihm viel Zufriedenheit schenkt, Teil ihrer Unterwasserabenteuer zu sein…

„Mensch! Tauch unter Wasser ab. Wenn die Schönheit, die du dort siehst, dich nicht erschüttert – dann erwartet dich im Leben nichts Spannendes mehr.“ Taucherin aus Leidenschaft, seit jeher mit dem Wasser verbunden. Ihren ersten Tauchkurs machte sie mit 14 – und seitdem lässt sie das Tauchen nicht mehr los! :) Ihre Masterarbeit schrieb sie im Rahmen ihres Geographiestudiums an der Universität Warschau über Tauchtourismus. Seit 2013 schrieb sie für das Magazin nuras.info und war an Unterwasser-Fotoshootings beteiligt. Seit 2018 verfasst sie Artikel für Perfect Diver (zuvor unter dem Namen Ania Sołoducha) und ist seit einigen Jahren auch Teil der Redaktion. Sie bringt ihr Wissen und ihre Erfahrung zu Papier und verbreitet genau das, was sie am meisten liebt – das Tauchen. Dreizehn Jahre lang organisierte sie Tauchreisen rund um die Welt, denn die Arbeit mit Menschen und kreative Projekte sind genau das, worin sie aufgeht. Sie nimmt an Tauchmessen und -events teil und engagiert sich bei See-Reinigungsaktionen. Mehrfach trat sie als Referentin auf Tauchmessen und -konferenzen auf. Außerdem hat sie bereits mehrere TauchWebinare durchgeführt. Sie ist an vielen Orten der Welt getaucht, doch die Wunschliste wächst stetig weiter! Seit einigen Monaten ist sie Inhaberin ihres eigenen Unternehmens für Tauch- und Aktivreisen – Umiko Expeditions – mit dem Kopf voller Ideen für die nächsten Touren! Optimistin, immer mit einem Lächeln auf den Lippen und mit individueller Herangehensweise an jeden Kunden :) Ihr bestes Kapitel im Leben beginnt gerade erst! www.umikoexpeditions.pl ; anna@umiko.pro; +48 516 621 211

Er stammt aus einer Bergbauregion, in der Wasser eher die Ausnahme als Alltag war. Schwimmen und Tauchen lernte er, um seine Angst vor dem Wasser zu überwinden – und sie mit der Zeit in Neugier auf die Welt unter der Oberfläche zu verwandeln. Mit dem Tauchen ist er seit dem Jahr 2000 verbunden (Divemaster, CMAS). Er jagt weder der Tiefe noch Rekorden hinterher: Lieber setzt er auf ruhiges Entdecken, Achtsamkeit und Details, die man leicht übersieht, wenn man es eilig hat. Im Alltag ist er Wissenschaftler und Praktiker der Kommunikation (Dr. habil., Prof. an der UEP), tätig in Forschung und Lehre in den Bereichen Märkte der Kreativwirtschaft sowie digitale und Krisenkommunikation. In der Redaktion von Perfect Diver unterstützt er das Team dort, wo Inhalte und Technologie zusammenkommen – bei Videoproduktionen, Datenanalysen und beim Aufbau der Markenstrategie.

Anna METRYCKA
Waldemar RYDZAK

Wojciech A. FILIP

Taucht seit 35 Jahren. Er hat über 16.000 Stunden unter Wasser verbracht, davon den Großteil im technischen Tauchen. Er war Instructor sowie Instructor-Mentor für zahlreiche Organisationen, darunter CMAS, GUE, IANTD und PADI. An der Entwicklung von Ausbildungsprogrammen einiger dieser Organisationen war er maßgeblich beteiligt. Er ist ein Profi mit außergewöhnlich umfangreichem Wissen und großer praktischer Erfahrung.

Er nahm an zahlreichen Tauchprojekten teil – als Leiter, Entdecker, Ideengeber oder Vortragender. Als erster Pole tauchte er am Wrack der HMHS Britannic (117 m). Ebenfalls als erster explorierte er den tiefen Bereich der Glavas-Höhle (118 m). Er führte eine Serie von Tauchgängen zur Dokumentation des Wracks der ORP GROM (110 m) durch und dokumentierte tiefe (100–120 m) Bereiche gefluteter Bergwerke. Zudem ist er Ideengeber und Konstrukteur zahlreicher Ausrüstungslösungen, die die Sicherheit beim Tauchen erhöhen.

Er ist Technischer Direktor bei Tecline, wo er unter anderem die Forschungsund Ausbildungseinrichtung Tecline Academy leitet. Er ist Autor von mehreren hundert Artikeln zum Tauchen sowie von Büchern zur Diagnose und Reparatur von Tauchausrüstung. Er taucht in Flüssen, Seen, Höhlen, Meeren und Ozeanen auf der ganzen Welt.

Sylwia KOSMALSKA-JURIEWICZ

Reisende und Wildtierfotografin. Absolventin der Journalistik und Liebhaberin guter Literatur. Sie lebt im Einklang mit der Natur, fördert einen gesunden Lebensstil, ist Yogini und Vegetarierin. Sie engagiert sich in ökologischen Projekten; besonders am Herzen liegen ihr Haie und ihr Schutz, über den sie in zahlreichen Artikeln sowie auf dem Blog www.blog.dive-away. pl schreibt. Ihre Tauchreise begann vor fünfzehn Jahren durch einen reinen Zufall. Heute ist sie Tauchinstruktorin, hat über 60 Länder besucht und  auf fünf Kontinenten getaucht. Zu gemeinsamen Reisen lädt sie mit dem Reisebüro www.dive-away.pl ein, dessen Mitgründerin sie ist.

Zoopsychologe, Forscher und Experte für das Verhalten von Delfinen, engagiert für den Schutz von Delfinen und  den Kampf gegen ihre Haltung in Delfinarien. Mit besonderem Interesse am Roten Meer und an Unterwasserbegegnungen mit großen pelagischen Raubtieren. Mitglied der DolphinariaFree Europe Coalition, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Tethys Research Institute sowie der Cetacean Research & Rescue Unit, Kooperationspartner von Marine Connection. Seit über 15 Jahren beteiligt er sich an der Forschung zu Populationen wildlebender Delfine, führt Audits von Delfinarien durch und überwacht die Qualität von Whale-Watching-Touren. Als Leiter des Projekts „Free & Safe“ (zuvor „NIE! dla delfinarium“) setzt er sich gegen die Haltung von Delfinen in Gefangenschaft ein, fördert ethisches Whale- & Dolphin-Watching, schult Taucher im verantwortungsvollen Schwimmen mit wildlebenden Delfinen und macht auf Aspekte der Delfintherapie aufmerksam, die von Einrichtungen, die mit dieser Form der Tiertherapie Geld verdienen, häufig verschwiegen oder bewusst verborgen werden.

Luke Divewalker Vor langer, langer Zeit, in einer weit entfernten Galaxie herrschte Chaos… …also ein Wirrwarr aus Gedanken und Begeisterung nach meinem ersten Untertauchen im Jahr 2005, in Form eines INTRO, während eines Urlaubs in Ägypten. Schon damals bin ich vollständig in die Unterwasserwelt „eingetaucht“ und wollte, dass sie einen immer größeren Einfluss auf mein Leben nimmt. Zwei Jahre später absolvierte ich den OWD-Kurs, den ich als Geschenk zu meinem 18. Geburtstag bekam, und mit der Zeit folgten weitere Kurse sowie die kontinuierliche Weiterentwicklung meiner Fähigkeiten. Die „Fotografie“ kam nicht viel später hinzu, anfangs jedoch in Form einer einmaligen Unterwasser-„Kodak“-Kamera, mit der die Bilder überwältigend blau wurden. Ich bin kein Anhänger nur einer einzigen Tauchdisziplin, auch wenn meine größte Schwäche derzeit den großen pelagischen Tieren gilt. Die GalapagosInseln waren bisher meine beste Gelegenheit, eine so große Vielfalt mariner Tierarten zu fotografieren. Meine Tauch- und Fotoleidenschaft teile ich mit meiner Buddy, die privat meine Ehefrau ist.

IG: luke.divewalker www.lukedivewalker.com

Przemysław ZYBER

Ich fotografiere – weil es mir Freude macht, ich filme – weil es mich begeistert, ich schreibe – weil ich gerne teile, ich schule – weil ich Entwicklung unterstütze, ich reise – weil ich es liebe, Neues zu entdecken. www.facebook.com/przemyslaw.zyber www.instagram.com/przemyslaw_zyber/ www.deep-art.pl

Absolvent der Universität Warschau. Unterwasserfotograf und -filmer, seit 1995 tauchend.

Mitarbeiter der Abteilung für Unterwasserarchäologie der Universität Warschau. Er publiziert in polnischen und internationalen Tauchmagazinen. Inhaber der Firma FotoPodwodna, offizieller polnischer Vertreter der Marken Ikelite, Nauticam, Inon, Keldan und ScubaLamp. www.fotopodwodna.pl m.trzcinski@fotopodwodna.pl

Laura ist Journalistin, Instruktorentrainerin sowie CCR- und Höhlentaucherin. Über mehr als ein Jahrzehnt hinweg hat sie ihre taucherische Laufbahn weiterentwickelt und dabei Wissen und Erfahrung aus unterschiedlichsten Bereichen gesammelt. Ihr Schwerpunkt liegt auf professioneller Tauchausbildung, doch ihre Leidenschaft für die Unterwasserwelt und deren Schutz führt sie an  verschiedenste Orte rund um den Globus – von den Tiefen der Lombokstraße, über Höhlen in Mexiko und Wracks vor Malta bis hin zu den Malediven, wo sie ein Tauchzentrum leitet, das vom Tourismusministerium als bestes Tauchzentrum der Malediven ausgezeichnet wurde. Aktiv engagiert sie sich für den Schutz der Meeresumwelt, indem sie an wissenschaftlichen Projekten teilnimmt, sich an Kampagnen gegen die Verschmutzung der Ozeane beteiligt und mit Nichtregierungsorganisationen zusammenarbeitet. Du findest sie unter: @laura_kazi_diving www.divemastergilis.com

Ich bin Reisende und technische Taucherin und entdecke die Welt sowohl an Land als auch unter Wasser. Seit 16 Jahren beschäftige ich mich mit dem Tauchen. Da ich beruflich Fotografin bin, begleitet mich die Kamera seit meinem ersten Tauchgang. Angefangen habe ich mit dem Sporttauchen, mit der Zeit habe ich jedoch die Zertifizierungen Full Trimix und Full Cave erworben, die es mir ermöglichen, Höhlen, Wracks und große Tiefen zu erkunden. Unter Wasser finde ich eine Ruhe, die an der Oberfläche nur schwer zu erreichen ist. Jeder Tauchgang ist für mich nicht nur ein Abenteuer, sondern auch eine Gelegenheit, die außergewöhnliche Unterwasserwelt fotografisch festzuhalten. barbaraglenc.foto@gmail.com

Łukasz METRYCKI /
Laura KAZIMIERSKA

schreiben für uns

Fotograf, Biologe, Geschichtenerzähler und SSI Instructor Trainer. Er sieht es als seine Berufung, Tauchen auf allen Niveaus zu unterrichten. Seit jeher ist er durch eine enge Partnerschaft mit Nautica verbunden. Er lebt auf der kroatischen Insel Vis, auf Safaribooten in Ägypten und überall dort, wo die Unterwasserwelt von unvergleichlicher Schönheit ist. Er arbeitet bei Nautica Safari. nautica.pl, piotr.stos@nautica.pl

Małgorzata SOBOŃSKA-SZYLIŃSKA

Sie taucht seit 1998 und hat das Gefühl, schon überall gewesen zu sein – und doch entdeckt sie immer wieder neue Unterwasserwelten, die sie in Staunen versetzen. Seit ihrer frühen Jugend ist sie nie ohne Kamera unterwegs; ihre erste Unterwasserkamera, die sie im letzten Jahrhundert mitnahm, war eine analoge. Sie träumte einst davon, Ichthyologin oder Tony Halik zu werden, doch aus Liebe zu Themis entschied sie sich stattdessen für ein Jurastudium. Sie absolvierte ein zweijähriges Programm an der Akademie für Fotografie in Warschau und hat einen Abschluss in Philosophie. Sie ist fasziniert von großen Tieren, farbenprächtigen Fischschwärmen und jedem Ort, an dem sie die Geheimnisse des Ozeans lüften kann. Mit ihren Texten und Fotografien, die in Tauchund Lifestyle-Magazinen veröffentlicht werden, möchte sie bei ihren Lesern Mitgefühl für Tiere und Bewunderung für die Natur wecken – deren Schönheit es verdient, geschützt und bewahrt zu werden. Und, wie sie es sieht, ist es in diesem Zusammenhang selbstverständlich, dass sie aus Respekt vor der Natur seit mindestens dreißig Jahren kein Fleisch mehr isst.

Als Höhlentaucher und -forscher hat er in 30 Ländern getaucht, darunter in 15 Höhlen über Kopfhöhe. Seit 2012 ist er vom Höhlentauchen fasziniert, was ihn schließlich zum Bergsteigen brachte. Er schätzt vor allem spannende Abenteuer und ungewöhnliche Tauchplätze. Er hat unter anderem an Expeditionen in Serbien, Kosovo, Mexiko und Spanien teilgenommen. Am liebsten taucht er in Siphons in trockenen Höhlen.

Eine Künstlerin mit Leib und Seele, trotz ihres Studiums an der Wirtschaftsuniversität Posen (Marketing und Management) und der Manchester Metropolitan University (International Business Management). Seit ihrer Kindheit ist sie der Musik verbunden. Sie trat als Sängerin und Tänzerin auf Bühnen und in Musikvideos auf. Sie managte bekannte Sänger und Bands und choreografierte Tänze für Auftritte und Musikvideos. Heute arbeitet sie im Musikmarketing und gibt Schulungen zu Online-Marketing, Künstlicher Intelligenz und Virtueller Realität. „Ich tauche gern – besonders mit Haien –, windsurfe, male (ausgestellt in Polen und Spanien), gestalte Kunstinstallationen, fotografiere, backe Kuchen und  Kekse, erkunde neue Orte, lerne, lese Wissenschaftsbücher, spiele PCund VR-Spiele, sehe mir Science-Fictionund Fantasyfilme an, dekoriere Innenräume, tanze, singe, beobachte und erlebe die Welt und die Menschen.“

Aktivist und Gründer des polnischen Ablegers der Captain Paul Watson Foundation. Engagiert für den Schutz der Ozeane und Tiere, arbeitet er sowohl im öffentlichen Raum als auch über die Medien. Veganer. Fotograf und bildender Künstler, Autor persönlicher Reportagen, die Orte dokumentieren, an denen Mensch und Natur aufeinandertreffen – darunter Taiji in Japan. Er verbindet dokumentarische Aufnahmen mit emotionaler Erzählung und konfrontiert den Betrachter mit einer Realität, die viele lieber ignorieren.

Angeblich wurde er mit einer Kamera in der Hand geboren… manche sagen, er trage Objektive statt Brillen und  entwickle Fotos, noch bevor sie aufgenommen wurden! Dank seiner besonderen Gabe vereint er Reisen, Fotografie und Tauchen zu einer einzigen Leidenschaft. Er ist ein Widerspruch in sich: Er liebt die Berge, fühlt sich aber zum Meer hingezogen, lebt für Abenteuer und arbeitet dennoch in der langweiligen IT-Branche, liebt die Hitze, lebt aber in einem Land, in dem es die Hälfte des Jahres dunkel und kalt ist. Sein Lieblingstier ist die Seekuh: Sie erfriert unter 23 Grad Celsius, aber obwohl sie dick aussieht, hat sie nur eine dünne Fettschicht. Er ist ein Technikfanatiker, insbesondere von allem, was zum Aufnehmen von Bildern dient. In seiner Freizeit vergleicht er Flugangebote zu interessanten Tauchzielen, weshalb sein Konto ständig überzogen ist.

Bogdan ZAJĄC

Ich lebe in Świnoujście und tauche seit 2009. Meine aktuellen Tauchscheine sind Advanced Nitrox (IDF) und AOWD (SSI). Ich habe einen Fotokurs bei Irena Strangierska absolviert und 450 Tauchgänge hinter mir.

Taucher, Tauchlehrer, Unterwasserfotograf.

Ich tauche seit 28 Jahren und arbeite seit 18 Jahren als Unterwasserfotograf. Ich habe Tausende von Tauchgängen in Polen, Europa, Afrika und Asien absolviert. Tauchen, die Ausbildung von Tauchern und die Erstellung von Unterwasserbildern sind nicht nur mein Beruf, sondern vor allem meine Leidenschaft. Ich bin besonders von der Makrofotografie fasziniert und fotografiere daher am liebsten kleine, sehr kleine und sogar mikroskopische Lebewesen unter Wasser. Ich kehre immer wieder gerne auf die Philippinen, nach Indonesien und Malaysia zurück, wo die Unterwasserwelt mit ihrer Vielfalt begeistert. Meine Fotografien wurden unter anderem im National Geographic veröffentlicht.

Piotr STÓS
Adam SOKÓLSKI
Magdalena SOKOŁOWSKA
Edwin RADZIKOWSKI
Łukasz GINALSKI

AMMENHAIE der Malediven

Reisen bringt mehr Leben in unsere Tage. Es reißt uns aus der Routine, weckt Neugier und schenkt uns ein Gefühl von Sinn. Neue Orte, Eindrücke, der Geschmack des Morgenkaffees, Landschaften und Gerüche zwingen uns zu Aufmerksamkeit, Anpassung und Aktivität.

Text SYLWIA KOSMALSKA-JURIEWICZ Fotos ADRIAN JURIEWICZ

Genau dann entstehen neue neuronale Verbindungen in unserem Gehirn – wir fühlen mehr, wir sehen mehr. Vielleicht sind deshalb die Erinnerungen an unsere Reisen so lebendig und prägen sich für lange Zeit in unser Gedächtnis ein.

Eine wunderbare Überraschung erwartete uns direkt nach der Landung am Velana Airport in Malé. Vor einem Jahr wurde dort nach neun langen Jahren Bauzeit offiziell das neue Passagierterminal eröffnet. Ein Symbol für eine neue Ära der Passagierabfertigung auf den Malediven. Damit ging zugleich die Zeit der langen Warteschlangen zu Ende, in denen sich Reisende über viele Jahre in der Hitze vor dem Flughafeneingang drängten.

„Die Natur eilt nicht, und doch wird alles vollendet”

Lao Tzu

Das neue Terminal steht für Fortschritt, Entwicklung und Veränderungen, die in der modernen Welt unvermeidlich sind. Und doch genügt es, den Flughafen zu verlassen, in ein Boot zu steigen und hinaus auf offene See zu fahren, damit diese moderne Welt etwas weitaus Schönerem und sehr viel Älterem Platz macht.

Wenige Minuten später waren wir bereits auf dem Weg hinaus in den offenen Ozean, der unter seiner Wasseroberfläche wahre Geheimnisse und Wunder der Natur verbirgt.

Wir tauchen ganz langsam in das kristallklare Wasser des Indischen Ozeans hinab, an einem Ort namens Dhiggiri Thila. Es ist einer von mehreren Tauchplätzen auf den Malediven, an denen man mit Riffhaien – vor allem mit Ammenhaien – in ihrer natürlichen Umgebung tauchen kann. Sie ziehen

in geringer Tiefe rund um das Riff ihre Bahnen, das trotz der hier lebenden Anemonen, Muränen und Rochen gegenüber diesen schönen, sanften Raubtieren beinahe in den Hintergrund tritt. Langsam sinken wir tiefer und kontrollieren dabei unsere Tarierung. Auf sieben Metern halten wir an, direkt über dem sandigen Grund, und warten, bis die Haie auftauchen. Die Sonne nähert sich langsam dem Horizont, steht aber noch hoch genug, dass der Schatten des Bootes auf dem Boden zu sehen ist. Die Haie erscheinen wie aus dem Nichts. Sie kommen unter dem Boot hervor und beginnen in einer großen Gruppe über uns zu kreisen. Es sind so viele, dass man sie kaum zählen kann. Zwei besonders stattliche Tiere ziehen meine Aufmerksamkeit auf sich. Sie schwimmen dicht beieinander, ihre Körper bilden zwei gegensätzliche Bögen – wie im alten chinesischen Symbol von Yin und Yang. In einem eigentümlichen Tanz drehen sie ihre Kreise, sinken immer tiefer, bis sie den Boden berühren. Für einen kurzen Augenblick bleiben sie einander zugewandt, reglos in der Unendlichkeit des Ozeans. Dann schwimmen sie in dieselbe Richtung davon und hinterlassen Stille und Staunen.

Obwohl Ammenhaie nur wenige natürliche Feinde haben, etwa Tigerhaie, schwimmen und ruhen sie zu ihrer eigenen Sicherheit in größeren Gruppen auf dem Sand. Wie Studien zeigen, verbindet sie dabei keine emotionale Bindung, sondern der gemeinsame Ort, an dem sie jagen und ruhen. Sie bilden keine Partnerschaften fürs Leben. Die Männchen paaren sich

in der Regel mit vielen Weibchen und kehren danach zu ihrer einzelgängerischen Lebensweise zurück.

Die Haie kommen sehr nah heran. Obwohl sie zu den mittelgroßen Raubtieren gehören, können ausgewachsene Tiere bis zu drei Meter lang werden, und ihre Körpermasse erreicht etwa 110 kg. Sie sind sehr kräftig gebaut, und ihr Körper besteht vor allem aus Muskulatur, die auf einem knorpeligen Skelett aufbaut. Sie schwimmen langsam und sparen dadurch Energie. Sie haben es nie eilig und machen keine abrupten Bewegungen.

Ihr kräftiger Körper ist mit Placoidschuppen bedeckt, die sich rau anfühlen und in ihrer Struktur an einen groben Stoff erinnern, der unter den Fingern Widerstand leistet. Wenn ich die Ammenhaie betrachte – einige der ungewöhnlichsten und zugleich liebenswertesten Geschöpfe des Ozeans –, fallen mir ihre massige, kraftvolle Silhouette und die kleine Maulöffnung auf. In ihrem Inneren befinden sich etwa dreihundert kleine Zähne, die in mehreren Reihen angeordnet sind. Sie dienen nicht dazu, Beute zu zerreißen, wie es bei anderen Haien der Fall ist, sondern dazu, hartschalige Krebstiere, Krabben und Seeigel zu packen und zu zerquetschen, die die Grundlage ihrer Nahrung bilden.

Zu beiden Seiten der Maulöffnung befinden sich zwei Barteln. Sie dienen nicht zur Zierde, sondern sind ein wichtiges Sinnesorgan, das bei der Nahrungssuche hilft. Ammenhaie jagen nach Einbruch der Dunkelheit dicht über dem Grund, wo der Sehsinn versagen kann. Dann kommen andere Sinne zum Einsatz – die Barteln, mit deren Hilfe sie potenzielle Beute aufspüren können: kleine Fische, Weichtiere oder im Riff verborgene Oktopusse. Wir bewegen uns sehr langsam und beobachten die Haie, die von allen Seiten heranschwimmen. Sie kommen so nah,

dass wir ihnen in die Augen sehen können, die im Vergleich zum übrigen Körper erstaunlich klein sind. Einige Tiere legen sich auf den Grund und ruhen auf dem Sand. Den Tag nutzen sie zur Regeneration, gejagt wird erst nach Sonnenuntergang.

Ihre Körper fügen sich zu einem erstaunlichen Muster, das an ein Mandala erinnert. Mit den Köpfen sind sie einander zugewandt, während ihre Schwänze nach außen weisen wie die strahlenförmigen Arme eines Sterns. Wir bleiben direkt daneben stehen, um dieses ruhige Bild von Vertrauen und Koexistenz zu betrachten. Haie lösen in der menschlichen Vorstellung meist Unruhe und Angst aus, doch hier können wir ihre andere Seite sehen – sanft, ruhig und voller Gelassenheit.

Das Mandala ist ein Symbol für Einheit, Unendlichkeit und das Gleichgewicht zwischen der inneren und der äußeren Welt. In seiner kreisförmigen Gestalt verkörpert es Ganzheit, einen Weg, eine Reise, den Kreislauf des Lebens, Balance und das Streben nach Harmonie. Sehr oft ist uns nicht bewusst, dass das Mandala in unserem Alltag, in der Kunst, in der Psychologie und in der Natur selbst präsent ist – und gerade die Natur ist seine vollkommenste Form.

Wir erkennen diese Wiederholung und Vielfalt, wenn wir auf eine Honigwabe, auf Blumen, Korallen oder auf die Muster blicken, von denen Adlerrochen und Walhaie bedeckt sind. Diese kleinen Elemente erinnern uns daran, dass alles Teil eines größeren Ganzen ist – voller Sinn und vollkommen geordnet. Diese Wahrheiten werden in dem Moment verständlicher, in dem wir in den Ozean eintauchen.

Unsere Zeit unter Wasser geht langsam zu Ende. Langsam steigen wir auf und lassen die Haie in ihrer natürlichen Welt zurück, die von Stille, Ruhe und Harmonie erfüllt ist.

DIE BAHAMAS IM WINTER

das Unterwasserreich der Tigerhaie und Riesenhammerhaie

Text ŁUKASZ GINALSKI, MAŁGORZATA SOBOŃSKA-SZYLIŃSKA

Fotos PRZEMYSŁAW ZYBER, ŁUKASZ GINALSKI, MAŁGORZATA SOBOŃSKA-SZYLIŃSKA

Eine echte Tauchsafari auf den Bahamas zu planen und durchzuführen, ist nicht einfach. Es handelt sich nicht um eine Reise nach dem Motto: „Klicken, bezahlen, losfliegen“.

Dies wird am einfachsten durch die Tatsache bestätigt, dass es für einen Teil unseres Teams bereits der zweite Versuch war.

Beim ersten Mal lief etwas schief: Logistik, Bedingungen, Termine, Verfügbarkeit der Boote. Auf den Bahamas funktioniert alles ein wenig wie eine Unterwasserströmung: scheinbar stabil, doch schon eine kleine Veränderung reicht aus, und plötzlich driftet der Plan in Richtung Chaos. Die Schwierigkeiten zeigen sich in mehreren Aspekten. Erstens gibt es nur wenige Anbieter, die sich wirklich auf Tauchkreuzfahrten in Verbindung mit der Beobachtung von Haien spezialisiert haben. Zweitens fällt die Saison, in der sowohl Tigerhaie als auch Riesenhammerhaie anzutreffen sind, in die Monate zwischen Dezember und April – und dann kann das Wetter innerhalb eines Augenblicks von „Postkartenwetter“ auf „wir fahren nicht hinaus“ umschlagen. Und drittens schließlich ist dies eine kostspielige Reise, da die kleinen Boote, die in dieser Region operieren, keine größeren Gruppen aufnehmen können und sich die Kosten

der Tour auf eine geringe Teilnehmerzahl verteilen. In der Praxis bleibt noch an Land und mit sehr großem Vorlauf das, was für viele Menschen wie Extremsport klingt – die Eigenorganisation.

Deshalb begann unsere Reise… ein Jahr zuvor. Im Januar 2025 buchten wir einen Katamaran bei einem der wenigen Anbieter, die dies gut und konsequent machen. Die Bahamas? Man fährt vor allem dorthin, um Haie zu sehen – nicht „irgendwo, irgendwann, vielleicht“, sondern wirklich. Und wir hatten Glück – wir erwischten den letzten verfügbaren Termin für 2026. Die Gruppe war im Handumdrehen zusammen – innerhalb weniger Tage waren alle Plätze vergriffen wie warme Semmeln.

Auf den Bahamas unterliegen Haie dem strengsten Schutz weltweit. Das eigens für sie eingerichtete Schutzgebiet umfasst die gesamten Hoheitsgewässer des Landes. Haie gelten auf den Bahamas als nationales Kulturgut, weshalb

Foto Przemysław ZYBER

der Archipel für sie zu einem sicheren Zufluchtsort geworden ist. In diesen Gewässern kommen über 40 Arten dieser Raubtiere vor. Kein Wunder, dass Wissenschaftler, Filmemacher und Fotografen aus aller Welt hierher strömen. Es ist einer der wenigen Orte, an denen man – ohne Eile und mit großer Wahrscheinlichkeit – Haie in ihrer natürlichen Umgebung beobachten kann.

Unser Ziel waren zwei Ikonen der winterlichen Bahamas: der Tigerhai und der Riesenhammerhai. Die besten Bedingungen für Begegnungen mit Tigerhaien herrschen im Winter, wenn an der Ostküste von Grand Bahama zwei Strömungen – die karibische und die antillische – aufeinander treffen und das Wasser lebhafter wird. In der Strömung gibt es mehr Plankton, daher tauchen große pelagische Fische und Rochen auf. Und das ist bereits die Kulisse, in der sie erscheinen können – also eines der Ziele unserer Reise. Und genau in diesem Zusammenhang entstand der Name Tiger Beach. Dort gibt es keinen „Strand“ im Postkarten-Sinne – dafür aber ein geologisches Schauspiel: auf der einen Seite die atlantische Steilküste, die die Grenze des Archipels markiert, auf der anderen Seite die Verflachung der Bahama-Platte. Ein Ort, an dem man sieht, dass der Ozean nach seinen eigenen, nur ihm bekannten Gesetzen funktioniert.

Vor dem ersten Abstieg ins Wasser erhalten wir eine so detaillierte Einweisung, dass sie als Fluganleitung für den Welt-

Foto Łukasz GINALSKI
Foto Łukasz GINALSKI

raum dienen könnte. Währenddessen bereitet unser Divemaster die Köderkiste vor, wirft sie an einer Leine ins Wasser und beginnt mit dem Chumming – also dem Anlegen einer Duftspur. In der Praxis bedeutet dies, den Inhalt der Kiste wiederholt mit Wasser zu spülen, damit der Ozean das Signal weiterträgt. Dies ist der Moment, in dem wir ins Wasser springen. Wir sinken auf den Grund und reihen uns hinter dem Divemaster ein, der sich neben der Kiste hinkniet.

Die Tauchgänge finden im flacheren Teil der sandigen Sandbank statt – in der Regel in einer Tiefe von nicht mehr als 10–12 Metern. Im Mittelpunkt stehen die Kiste und unser Divemaster, der nur eine Aufgabe hat: das Interesse der Haie an Ort und Stelle zu halten, damit alles vorhersehbar und sicher bleibt. Der zweite Divemaster kreist als zusätzliche Absicherung in der Nähe.

Wir hingegen positionieren uns in einer Hufeisenformation. Wir verharren regungslos in einer leichten Strömung, damit der Geruch nach oben getragen wird und die Haie heranschwimmen, die Situation einschätzen und wieder wegschwimmen können, ohne sich durch die dicht gedrängten Taucher drängen zu müssen. Sie haben ihren virtuellen roten Teppich, auf dem sie wie auf einem Laufsteg dahingleiten können. Das ist der Schlüssel zum Erfolg. Wenn ein Hai Platz hat, verhält er sich natürlich und geschmeidig. Und dann können wir ihn in seiner ganzen Pracht beobachten, ohne Nervosität und ohne, dass wir uns gegenseitig anrempeln.

Bald beginnt der erste Akt des Spektakels. Es tauchen Riffhaie, Zitronenhaie, manchmal auch Ammenhaie auf… Sie kreisen und prüfen, wer ihnen heute einen Besuch abstattet. Und dann – wenn der Ozean entscheidet, dass das Aufwärmen genug ist – erscheint auf dem Unterwasser-„Laufsteg“ das erste Weibchen eines Tigerhais. Und plötzlich hat man den Eindruck, dass das Wasser vor Leben nur so wimmelt, denn nach kurzer Zeit schwimmt ein weiteres und noch eines herbei… Man weiß nicht, wann es passiert ist, aber schon umgeben uns vier, nein, fünf oder vielleicht sogar mehr mächtige, mehrere Meter lange Tigerhaiweibchen.

Die von Natur aus neugierigen Tigerhaie schwimmen wirklich nah heran. Buchstäblich zum Greifen nah. Und hier kommt die Lektion aus dem ausführlichen Briefing zum Tragen – wenn ein Tigerhai auf uns zustürmt, stoßen wir ihn nicht weg, sondern berühren wir sanft seine riesige Nase – ruhig, zart, ohne ruckartige Bewegung, als würden wir ein Signal geben: Ich sehe dich, alles ist in Ordnung, hier entlang nicht. Das funktioniert überraschend gut. Der Tigerhai ändert leicht seinen Kurs. Und manchmal geschieht etwas, das wie eine Szene aus einem Kinderfilm wirkt, obwohl es in Wirklichkeit reine Biologie ist und ein Verhalten, das mehr vom Instinkt als von Emotionen bestimmt wird – der Tigerhai kann seine unteren Augenlider anheben und seine Augen verdecken, als würde er für einen Moment in einen Zustand der Glückseligkeit versin-

Foto Małgorzata SOBOŃSKA-SZYLIŃSKA

ken. Es sieht fast schon… intim aus. Als würde er puren Genuss empfinden. Für den Menschen ist dies ein absolut surrealer Moment: Man berührt die Nase eines Tieres, das Hunderte von Kilogramm wiegt, mächtige Kiefer und mehrere Reihen großer, scharfer Zähne besitzt, und doch hat es in diesem Augenblick etwas von einer Katze an sich, die schnurrt, weil jemand gerade genau den richtigen Punkt hinter ihrem Ohr getroffen hat…

Das Wichtigste bei all dem ist die Ruhe. Große Haie lesen unseren zerbrechlichen menschlichen Körper perfekt. Schnelle Gesten, nervöse Flossenbewegungen, chaotisches Wedeln mit den Armen – all das würde „Lärm“ verursachen. Und Lärm unter Wasser ist eine Sprache, die stört.

Nach dem Sturm kehrt Ruhe ein, und nach einer Weile der Ruhe kehrt der Sturm zurück…

Nach drei Tagen herrlichen Wetters wird das Meer wirklich unruhig. Tiger Beach ist bei starkem Wind weder angenehm noch sicher. Wir sind daher auf die Südseite von Grand Bahama umgezogen. Die Insel bot uns Schutz, und wir erhielten einen Bonus in Form von Wracktauchgängen – flache Gewässer, viel Geschichte und eine andere Art von Adrenalin.

Die nächste Etappe ist die Überfahrt nach Bimini –ein Ort, an dem in den Wintermonaten gerne Riesenhammerhaie auftauchen. Die Begegnung mit ihnen ist anders als die mit den Tigerhaien.

Tigerhaie strahlen Selbstbewusstsein und Neugier aus. Sie kommen in großer Zahl, „checken die Lage“ schnell ab und finden sich sofort im Zentrum des Geschehens wieder. Die Hammerhaie? Die Hammerhaie benehmen sich wie Diven. Sie lassen einen warten. Lange. Manchmal erst dann, wenn man schon nervös auf den Manometer schaut und sieht, wie sich die Nadel der Grenze des Vernünftigen nähert. Die Frustration wächst. Die Hoffnung schwindet. Und genau in diesem Moment ist es, als hätte jemand die Lichter angezündet und Fanfaren ertönen lassen, denn da sind sie endlich, unsere Diven.

Der Tauchplatz, an dem die Hammerhaie auftauchen, ist flacher als Tiger Beach; die Tiefe beträgt etwa 7 Meter, daher ist die Strategie eine andere. Es werden zwei Tauchgänge hintereinander ohne Oberflächenpause durchgeführt. Wir tauchen nur kurz auf, steigen ins Boot, wechseln die Flaschen und tauchen wieder ab. Bei unserem Divemaster sieht das ganz anders aus. Er taucht nicht auf. Er macht so etwas wie einen Boxenstopp bei einem Formel-1-Rennen. Nach 100 Minuten im Wasser erscheint ein zweiter Divemaster mit einer neuen Flasche voller frischer Luft, tauscht diese mit unserem Kistenwächter aus und taucht mit der leeren Flasche an die Oberfläche. Die Show muss weitergehen. Zwei solche Tauchgänge hintereinander können insgesamt bis zu 3,5 Stunden dauern. Und obwohl es in dieser Tiefe absurd klingt, kann das Bedürfnis nach einer kurzen „Deko“ aufkommen, auch wenn es in unserem Foto Przemysław ZYBER

Fall wohl eher eine Anzeige des Tauchcomputers als ein tatsächliches körperliches Bedürfnis war.

Als schließlich der Riesenhammerhai auftaucht, verwandelt sich das Wasser erneut in eine Bühne. Es beginnt ein Haiballett, mit dem Unterschied, dass die Ballerina fast fünf Meter lang ist und mehrere hundert Kilogramm wiegt. Das ändert nichts daran, dass er sich mit einer Eleganz be-

wegt, um die man ihn nur beneiden kann. Man schaut wie hypnotisiert zu und hat das Gefühl, mitten in einem Traum zu sein, denn was man sieht, kann doch unmöglich real sein.

Und doch ist es das … und es ergibt in jedem Detail Sinn, selbst in seinem unwahrscheinlichsten Element, nämlich dem hammerförmigen Kopf des Hais. Dieser charakteristische Kopf

ist weder eine Laune der Natur noch eine extravagante Verzierung. Das Cephalofoil, wie Biologen ihn fachlich nennen, ist wie eine multifunktionale Konsole, die Sinne und Orientierungshilfen in sich vereint.

Die an den Enden des „Hammers“ angeordneten Augen verleihen dem Hammer ein weites Sichtfeld und eine hervorragende räumliche Wahrnehmung. In einer Umgebung, in der es keinen Horizont gibt und die Einschätzung von Entfernungen oft täuscht, bedeutet ein solches „Panorama“ im Sichtfeld einen Vorteil – der Hai sieht mehr, schneller und ruhiger, ohne nervös den Kopf zu drehen. Doch die wahre Magie spielt sich anderswo ab, jenseits des Sichtfeldes. Haie nehmen elektrische Signale wahr – Mikroimpulse, die von den Muskeln und dem Nervensystem potenzieller Beutetiere erzeugt werden. Der Hammerhai mit seiner vergrößerten Kopffläche gleicht einer breiten Antenne, die einen größeren Bereich dieser Signale aufnimmt. Deshalb sind Hammerhaie so erfolgreich bei der Jagd auf Rochen, die sich im Sand am Meeresboden verstecken. Sie brauchen keine Augen, um sie „auszuspähen“.

Hinzu kommen Geruchssinn und Strom. Wasser transportiert Gerüche nicht wie Luft – es zerlegt sie in Ströme, Streifen und feine Fäden. Der breite Kopf und der Abstand der Nasenlöcher helfen dabei, diese Spuren zu deuten, als hätte der Hai einen eingebauten chemischen Kompass. Und die Hydrodynamik? Der „Hammer“ kann wie ein Stabilisierungsflügel wirken. Er treibt nicht so sehr an, sondern ordnet die Bewegung, hilft dabei, die Linie zu halten und eine Wende mit einer Anmut auszuführen, die wie eine Choreografie aussieht, aber reine Physik ist.

Und wenn man all das zusammennimmt, wundert man sich plötzlich nicht mehr. Denn dieses Ballett ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis von Millionen von Jahren des Ausprobierens, Scheiterns und der Perfektionierung – die Evolution hat diese Form nicht entwickelt, um uns zu begeistern oder zu überraschen, sondern damit sie funktioniert. Und dass sie dabei so wunderschön

Foto Łukasz GINALSKI
Foto Małgorzata SOBOŃSKA-SZYLIŃSKA

wirkt? Das ist ein Bonus für diejenigen, die das Glück haben, dies aus der ersten Reihe zu beobachten.

Am Ende der Reise machte uns der Ozean erneut bewusst, wer hier wirklich das Sagen hat. Der Wind frischte so stark auf, dass unsere Fähre nach Miami gestrichen wurde – dieselbe, die wir schon lange gebucht und in unseren Köpfen als „sicher“ abgehakt hatten. Und wieder eine kurze Besprechung, Telefonate und ein Plan B, der im Handumdrehen zusammengeschustert wurde. Solche Plan-B-Lösungen sind im Grunde genommen die besten, denn dann ergab sich eine Lösung wie aus dem Film: ein Flugzeug, das vom Wasser startet. Es hob leicht und sicher ab, als wäre diese Route etwas Selbstverständliches – und brachte uns sicher nach Florida, von wo aus wir nach Hause zurückkehren konnten.

Doch bevor es soweit war, verabschiedeten wir uns von den Unterwasserwelten der Bahamas, indem wir am berühmten und mittlerweile kultigen

Wrack eines aus Stahlbeton gebauten Schiffes tauchten – der SS Sapona.

Das Wrack des Betonfrachters Sapona ist kein „gewöhnlicher Tauchplatz“ –es ist eine Filmkulisse, in der die Sonne, das Wasser und die Zeit die Hauptrollen spielen. Was einst eine Konstruktion war,

ist heute eine durchbrochene Skulptur: Sonnenstrahlen dringen durch die zerklüfteten Bordwände, zerschneiden das Wasser in helle Bänder und erwecken jeden Teil des Bildes zum Leben. Man hat den Eindruck, in eine Unterwasserkathedrale zu schwimmen, in der jeder Moment anders aussieht, denn das Licht fällt hier nie zweimal gleich.

Als wir endlich in Florida ankamen, erwartete uns ein weiteres Bild aus der Kategorie „Das kann man sich nicht ausdenken“. Rekordkälte und… von den Bäumen fallende Leguane. Als die Temperatur auf 4–5 °C sank, fielen die Leguane Floridas, buchstäblich „von der Kälte betäubt“, in einen Winterschlaf, verloren das Bewusstsein und rutschten massenhaft von den Bäumen auf Gehwege, Rasenflächen, manchmal direkt vor die Füße der Passanten. Glücklicherweise war dies für sie nur ein vorübergehender Zustand. Nach der Erwärmung wachen sie in der Regel frisch und ausgeruht auf. Aber das ist ein Thema für eine eigene Geschichte…

Die Wahrheit ist, dass man all das auf dem Weg von zu Hause zur Arbeit nicht sehen kann – und vielleicht sind Reisen ja genau dafür da, um uns aus der Routine zu reißen und uns bewusst zu machen, wie groß, wild und schön die Welt ist. Wie ein altes Sprichwort sagt: Das Leben ist kurz, jede Reise geht irgendwann zu Ende, aber wer reist, lebt doppelt. Doppelt so lange…

Foto Małgorzata SOBOŃSKA-SZYLIŃSKA, SS Sapona
Foto Przemysław ZYBER

Extrem eisiges

SCHNORCHELN

mit ORCAS

Willenskraft und Hypothermie...

ANMERKUNG DER REDAKTION: Zieh dir einen warmen Pullover an und nimm eine Tasse heiße Schokolade in die Hand, bevor du anfängst, diesen Artikel zu lesen!

Menschen meiden oft unkomfortable Situationen, auch wenn sie Zufriedenheit und neue Erfahrungen bringen können. Ich vertrage Kälte schlecht, deshalb tauche ich selten in polnischen Seen, selbst im Sommer, denn unterhalb der Thermokline empfinde ich Unbehagen und nach einer Weile beginne ich zu zittern.

Andere Taucher haben mich schon lange zum Eistauchen ermutigt, aber ich weiß, dass mein Körper das physisch nicht ertragen wird. Mein Hauptinteresse gilt Haien, deshalb bin ich immer an warme Orte gereist. Im Jahr 2025 habe ich es nicht geschafft, mich für eine passende Reise anzumelden, bis mir Ende des Jahres auf Facebook eine Reise zum Schnorcheln mit Orcas in Norwegen am Anfang Januar 2026 angezeigt wurde. Die Temperaturen sind dort zu dieser Zeit im Minusbereich und das Wasser hat zwischen 2-5°C. Ich dachte mir, dass es sich trotzdem lohnt, etwas Neues auszuprobieren, auch wenn es weit außerhalb meiner Komfortzone liegt.

Ich hatte ein Gefühl, dass dies ein unglaubliches Erlebnis werden würde, zumal Videos im Internet ein solches Schnorcheln mit Orcas als etwas Einfaches und Angenehmes darstellen – flache Wasseroberfläche, kein Regen, heller Himmel. Orcas kommen im Winter nach Norwegen, angelockt von Heringsschwärmen. Dort gibt es die weltweit größte Orca-Population – etwa 2‘000 Individuen. Es gibt auch Wale, wie Buckelwale oder Finnwale.

Nachdem ich mich für die Reise anmeldete, erhielt ich Informationen darüber, was ich mitnehmen sollte – spezielle warme Handschuhe, Schuhüberzieher (Gamaschen), eine Mütze mit Ohrenklappen, Thermounterwäsche aus Merinowolle, eine Fleecejacke usw. Das alles deutete auf große Kälte hin. Vor Ort sollten Trockentauchanzüge, Masken, Schnorchel, Kopfhauben, Handschuhe und Unterzieher gestellt werden. Am 3. Januar 2026 flog ich mit einer Gruppe von über 20 Personen nach Tromsø in Norwegen. Um 11:00 Uhr war es noch hell, wenn auch bewölkt, und um 13:00 Uhr „endete der Tag“ und es wurde bereits dunkel. Das Gepäck von drei Mitgliedern unserer Gruppe wurde verloren (beim Umsteigen in Kopenhagen und Oslo) und die Möglichkeit, es nachzuliefern, bestand erst am nächsten oder übernächsten Tag. Sie standen ohne warme Kleidung da,

Text und fotos MAGDALENA SOKOŁOWSKA

aber unsere Gruppe war so unglaublich, dass wir für sie einige Kleidungssets von uns zusammenstellten.

Von Tromsø sollten wir ca. 4 Stunden mit dem Bus nach Skjervøy fahren, aber unser Fahrer entschied, dass wir eine längere Route nehmen und Fähren benutzen, da die Aussicht besser sei. Er hatte recht. Obwohl wir eine Stunde länger fuhren, sahen wir eine wunderschöne weiße Landschaft, Berge, Wasser, Vollmond und Nordlichter – auf den Fähren stiegen wir aus dem Bus aus, um Fotos zu machen. Die Straßen waren nicht geräumt, wir fuhren auf festgefahrenem Schnee, aber der Bus rutschte überhaupt nicht – der Fahrer war sehr professionell. Als wir gegen 20:00 Uhr in Skjervøy ankamen, machten wir noch einen kurzen Spaziergang – der ganze Ort war tief verschneit.

Am Morgen des nächsten Tages erreichten wir in schnellem Schritt die Basis Lofoten Opplevelser, die Orca-Expeditionen organisiert. Als wir um 9:00 Uhr morgens losgingen, war es noch dunkel und es schneite. In der Basis hörten wir uns ein Briefing über Orcas an und darüber, wie so ein Schnorcheln ablaufen würde. Die Crew half uns, die Anzüge richtig anzuziehen. Die Expedition sollte etwas mehr als 3 Stunden dauern, also musste man aufhören, Wasser zu trinken, damit man nicht auf die Toilette

gehen muss, da es später keine Möglichkeit dazu geben würde. Wir gingen nach draußen und es war sogar angenehm, obwohl die Thermometer -6°C anzeigten und es schneite. In unserer Gruppe gab es Leute, die noch nie getaucht waren, und sogar solche, die noch nie eine Maske und einen Schnorchel getragen hatten. Die jüngste Person war Anfang 20 und die älteste etwa 70Jahre alt. Wir stiegen in das verschneite Schlauchboot, in dem in der Mitte gab es Sitze, die wie kleine Pferdesättel aussahen, mit Metallrohren zum Festhalten. Ich dachte, wir würden am Rand des Schlauchbootes sitzen und uns an einem Seil festhalten – später

verstand ich, warum gerade solche Sitze vorbereitet waren. Wir sollten auch sofort die Masken aufsetzen und uns ständig bewegen, damit uns nicht kalt wurde. Wir fuhren langsam und ich war froh, dass ich in dieser Kälte gut zurechtkam.

Als wir aus der Bucht herausfuhren, änderte sich alles. Das Schlauchboot beschleunigte deutlich. Es sind hohe Wellen aufgetreten, es war sehr windig, es schneite und der Schnee gefror, hart wurde und uns bei dieser Geschwindigkeit im Gesicht verletzte, und manchmal schlugen größere Stücke Eis gegen den Anzug. Wir begannen mit dem Boot über die Wellen zu springen und da kamen unsere Sitze gelegen – wir saßen da,

hielten uns an den Metallrohren fest, völlig zugeschneit. Manchmal flogen wir fast über die Wellen und landeten dann hart. Jemand rief laut, dass wir von diesem harten Aufschlagen mit um einige Zentimeter geschrumpften Wirbelsäulen nach Polen zurückkehren würden. Spritzwasser überflutete uns. Mir wurde übel und ich spürte, wie sich mein Frühstück in Richtung Hals bewegte. Ein Kollege hinter mir begann laut und tief zu atmen, als er mit der Seekrankheit kämpfte. Schnodder floss intensiv aus meiner Nase und sammelte sich in der Maske. Eine Frau von der Basis rief uns oft zu: „Remember to move!“ (Bewegt euch). Trotz Trockentauchanzug und Unterzieher wurde mir sehr kalt, obwohl ich mich die ganze Zeit bewegte – ich hob die Beine, wippte nach rechts und links. Eine Kollegin neben mir fing sogar an zu tanzen.

Wir fuhren ziemlich lange unter diesen schwierigen Bedingungen, vielleicht ca. 30 Minuten, und passierten unterwegs einen Buckelwal, der Luft holte. Wir sollten nach herausragenden Flossen, Vogelschwärmen oder dem Blas Ausschau halten, wenn die Orcas auftauchen, um zu atmen. Der Skipper entdeckte eine Flosse, wir fuhren heran und er rief: „Ready left side“ – das heißt, wir werden auf der linken Seite ins Wasser gehen. Wir

standen von unseren Sitzen auf, steckten die Schnorchel in den Mund und warteten auf das Signal, uns vom Schlauchboot ins Wasser gleiten zu lassen (ohne zu planschen, um die Orcas nicht zu verscheuchen), aber der Orca tauchte schnell in die Tiefe ab. Wir fuhren weiter. Wieder war eine Flosse zu sehen, sogar mehrere Flossen. „Ready right side“ – aber als wir heranfuhren, tauchten die Orcas wieder schnell ab. Wir mussten weitersuchen. Es sah so aus, als würden wir die Orcas jagen. Mir war schon wirklich unwohl und meine Finger begannen schmerzhaft zu stechen. Ich dachte: Es sollte doch einfach sein! Kalt natürlich, aber nicht so extrem kalt! Ich bewegte mich die ganze Zeit nach rechts und links, hob die Beine und zwang mich zu positivem Denken.

Schließlich stießen wir auf eine Orca-Familie, die langsam schwamm und  sich an der Oberfläche hielt. Alle starrten auf die schwimmenden Giganten und ihre langen Rückenflossen. Zuerst fuhr der Skipper heran, wartete und beobachtete die Orcas, gewöhnte sie an die Anwesenheit des Bootes, dann rief er: „Ready left side“ … „Go go go!“ Endlich glitten wir ins Wasser. Mein Herz fing sofort an, schneller zu schlagen, da die Flosse, die neben mir herausrag-

te, riesig war. Der Orca zog sehr schnell an mir vorbei, weitere sah ich ca. 20 Meter unter mir. Es dauerte vielleicht 2 Minuten und wir mussten schon zurück aufs Boot, weil die Orcas sehr schnell in den Tiefen verschwanden. Wir stiegen von hinten auf das Boot – dort gab es eine kleine Holzplattform auf Wasserhöhe. An Bord verstand ich, warum man mit Orcas schnorchelt und nicht mit Tauchausrüstung abtaucht – es bleibt zu wenig Zeit, um ins Wasser zu gehen, es ist besser, nicht mit Wasser zu planschen, da sich die Orcas erschrecken, und es könnte zu schweren Unfällen auf dem schnell fahrenden, „springenden“ Boot kommen. Beim Schnorcheln darf man nicht einmal Flossen tragen, da dieses Planschen die Orcas ebenfalls verscheuchen würde. In den 2 Minuten, die ich im Wasser war, vergaß ich völlig, wie miserabel ich mich fühlte und dass mir sehr kalt war. Im Wasser war es so angenehm, dass ich am liebsten ständig hineingesprungen wäre.

Am nächsten Tag änderte ich meine Einstellung jedoch ins Optimistische, denn der Himmel war nicht bewölkt und es schneite nicht. Im Spiegel sah ich, dass der gefrorene Schnee von gestern mein Gesicht so sehr verletzt hatte, dass ich winzige Schuppen am Mund hatte. Ich aß ein kleineres Frühstück, plante das Kaffee- und Wassertrinken entsprechend, damit ich in den nächsten Stunden nicht auf die Toilette gehen musste. Beim Frühstück stellte sich heraus, dass einige andere auch leicht verletzte Gesichter und Erfrierungen hatten. Auf dem Weg zur Basis sah ich, dass das Thermometer -10°C anzeigte, was bedeutete, dass es auf dem Wasser ca. -15°C sein würde – viel kälter als am Vortag, aber ich dachte, dies sei ein guter Moment, um die Willenskraft zu stärken und mir die Orcas im Wasser trotzdem anzusehen. Schließlich ist es ein einzigartiges Erlebnis. Zusammen mit uns fuhren auch Boote, von denen aus man die Orcas beobachten kann, ohne ins Wasser zu springen.

Leider war es noch schlimmer als am Vortag. Was nützte es, dass es nicht bewölkt war und nicht schneite, wenn uns bei der Fahrt mit dem Schlauchboot bei -15°C die Masken zufroren und die Sicht verschwommen war? Wir konnten sie

Weitere Orcas sahen wir nach ein paar Minuten und glitten ebenfalls ins Wasser. Danach beobachteten wir die Orca-Schulen nur noch vom Boot aus; nachdem wir mit dem Schlauchboot herangefahren waren, tauchten sie ab und verschwanden. Nach 3 Stunden kehrten wir in den Hafen zurück und ich fiel wieder in meinen miserablen Zustand – ich hatte bereits Schüttelfrost vor Kälte, schmerzhafte, stechende und sich nicht mehr bewegende Finger, klappernde Zähne, Übelkeit und das Frühstück in der Mitte der Speiseröhre, Kopfschmerzen, außerdem waren die Wellen noch größer geworden – das springende Boot machte mir Angst und ich hatte das Gefühl, wir würden aus unseren Sätteln fallen. Das Wasser überflutete uns ständig. Es war absolut kein so angenehmes Erlebnis wie in den Videos im Internet. Nach der Ankunft in der Basis zog ich den Anzug aus, aber ich zitterte immer noch und ich beschloss, am nächsten Tag nicht mitzufahren, da die gleichen Wetterbedingungen herrschen sollten. Die Guide-Frau sagte, dies sei einer der schlimmsten Tage der Saison gewesen!!! Im Hotelzimmer wärmte ich mich unter der Dusche auf, und kurz darauf bekam ich schmerzhafte Krämpfe in den Oberschenkeln und Waden – wahrscheinlich vom Einsteigen, oder besser gesagt, vom Hineingleiten in das Boot. Vor dem Einschlafen fing ich an nachzudenken: Alle fahren morgen, nur ich nicht. Jedem war kalt, jeder empfand irgendein Unbehagen. Vielleicht springen wir ja morgen öfter ins Wasser, vielleicht wird es mehr Orcas geben, aber lohnt es sich, sich diesem schrecklichen Zustand bewusst auszusetzen? Und vielleicht wird es noch schlimmer? Ich beschloss endgültig, morgen nicht mitzugehen.

nicht ausspülen, bis das Boot anhielt, aber nach dem Ausspülen diente die Maske etwa 3 Minuten lang, bevor sie wieder zufror. Auch unsere Gesichter froren ein, weil immer wieder Wasser auf uns spritzte. „Keep moving!“ Ich bewegte mich die ganze Zeit, denn unsere Guide sagte, wenn wir aufhören uns zu bewegen, könnten wir einen Zustand erreichen, in dem man sich nicht mehr aufwärmen kann – und mein Gehirn verstand es als: „Bewege dich, sonst stirbst du“. Es ist jedoch extrem schwer, sich zu bewegen, wenn das Boot über die Wellen springt. Schon nach 10 Minuten trat bei mir wieder ein stechender Schmerz in den Fingern auf, obwohl ich sie im Handschuh ständig bewegte. Ich hatte wieder Übelkeit. Ich ertrug es tapfer. Ich war stolz auf mich, denn nicht jeder Mensch entscheidet sich trotz Schmerzen und Kälte, so eine Erfahrung zu wiederholen.

Wir hielten bei einer Schule von über einem Dutzend Orcas an. Ich musste die Maske abnehmen, um sie im Wasser auszuspülen, und spürte, wie mein ganzes Gesicht einfror. Ich konnte die Maske jedoch nicht wieder richtig aufsetzen, da ich das Gefühl in meinen Fingern verloren hatte, und außerdem begann mich jede kleinste Bewegung sehr zu ermüden. Zwei Orcas tauchten senkrecht aus dem Wasser auf, um uns zu betrachten, machten ein kleines „Kuckuck“ und schwammen davon. Wir jagten weiter und nach kurzer Zeit glitten wir schon ins Wasser, um zu sehen, wie die Orcas nach unten schwammen. Fürchten sie sich vor uns? Ich dachte, sie wären mehr an den im Wasser treibenden Menschen interessiert. Da ich die Maske nicht richtig aufsetzen konnte, lief Wasser hinein und ich zog es etwas durch die Nase ein. Bei meinem 11 Jahre alten GoPro-Gehäuse froren die Knöpfe ein und die Kamera ließ sich nicht einschalten; ich habe nichts aufgenommen. Die Beobachtung dauerte vielleicht 1 Minute. Es fiel mir enorm schwer, zum Boot zu schwimmen, und ich hatte Probleme, aus dem Wasser zu kommen - es war, als ob meine Muskeln aufgehört hätten zu arbeiten und ich konnte mich nicht hochziehen. Ein Kollege packte mich und zog mich aus dem Wasser. Nach

weiteren paar Minuten spürte ich, dass meine Lippen zufroren. Mein Zahnfleisch und meine Zähne schmerzten. Wieder sah ich nichts durch die Maske, die an meiner Stirn festgefroren war. Bei allen begannen die Trockentauchanzüge einzufrieren, was unsere Bewegungen einschränkte. Ich fragte mich, ob wir uns gerade in Eiszapfen verwandelten. Ich habe von Natur aus immer kalte Finger und Zehen, weshalb diese Kälte auf dem Boot für mich doppelt so schlimm war wie für die anderen. -16°C auf dem Wasser, also gefühlte -27°C, plus der Fahrtwind auf dem Boot = gefühlte -40°C – das war meine Mathematik.

Mir ging es immer schlechter. Ich hatte noch nie mit so enormen Schmerzen gekämpft. Es fiel mir schwer, mich zu bewegen, und schließlich fiel es mir sogar schwer zu atmen. Vor Schmerzen begannen mir Tränen zu fließen. Ich dachte, ich würde gleich meine Finger und Zehen verlieren. Ich hatte eine kleine Panikattacke und dachte, dass ich heute sterben würde. „Keep moving!“ und der Skipper schaltete Musik ein,

damit wir uns mehr bewegen. Bald tauchten weitere Orcas auf. „Ready right side“. Nur 4 Personen sprangen hinein, der Rest blieb auf dem Boot, weil ihnen auch sehr kalt war. Unsere Guide bemerkte meinen Zustand und die fließenden Tränen. Sie fragte, ob alles in Ordnung sei, und ich hatte keine Kraft, ihr zu antworten, also schüttelte ich den Kopf, um NEIN zu sagen. Ich hatte bereits Schüttelfrost und klappernde Zähne. Ich wusste, dass ich nicht mehr schnorcheln könnte, da ich in einem sehr schlechten Zustand war. Die Crew kümmerte sich um mich – die Guide zog mir eine Sturmhaube aus Wolle über die Kopfhaube (ich konnte sie nicht selbst aufsetzen, weil sich meine Finger nicht mehr bewegten). Durch taube Lippen gelang es mir, ihr zu sagen, dass mir extrem kalt sei und dass ich enorme Schmerzen in den Fingern spüre. Sie nahm eine Thermoskanne und bat mich, die Handschuhe abzubiegen, um warmes Wasser hineinzugießen. Ich versuchte sie abzubiegen, aber meine Finger bewegten sich nicht und ich schaffte es nicht. Es stellte sich heraus, dass die Hand-

schuhe sehr eng am Anzug anlagen. Sie zogen mir diese Handschuhe aus, trockneten meine Hände mit einem Handtuch ab und zogen mir dicke, warme Fleecehandschuhe an. Zusätzlich bekam ich von einem Kollegen eine extra Ohrenklappenmütze, und wickelte mein Gesicht in einen Schal. Ich wurde gelobt, dass es gut sei, dass ich mich ständig bewege; ich hatte aber das Gefühl, dass dies reflexartige Muskelkrämpfe waren, weil mein Körper versuchte, mich am Leben zu erhalten. Ein solches Zittern ist ein Abwehrmechanismus des Körpers, der versucht, Wärme zu erzeugen, da er weiß, dass er durch Kälte ernsthaft überlastet ist. Ich konnte mein Bein nicht heben, um mich auf den Sitz zu setzen, also wurde ich ans Heck des Bootes verlegt – dort war es zumindest nicht so windig. Ich versuchte ein wenig, mich zur Bewegung zu zwingen, aber es ermüdete mich schnell und ich musste Pausen machen, um zu atmen – ich war noch nie so schwach, müde, resigniert und kraftlos gewesen. In Gedanken wiederholte ich mir: „Du schaffst das, du schaffst das“ und atmete tief durch den Schal,

um mich zu beruhigen. Alle meine Symptome waren typisch für eine frühe Hypothermie: Gefühl starker Kälte, Schwäche, verlangsamte Bewegungen, Steifheit der Muskeln, Finger und Zehen, Taubheitsgefühl, Sprachstörungen und unkontrollierbares Zittern.

Als wir zur Basis zurückkehrten, half mir die Guide beim Ausziehen. Ich habe meine Hände mit lauwarmem Wasser gewaschen, nicht heiß – das waren die Anweisungen, die ich erhielt. Ich zog mir warme Kleidung an, setzte 2 Mützen auf, einen Schal, trank heißen Tee. Großer Applaus gebührt dem in der Basis arbeitenden Personal – sie sind echte Hardcore-Typen, die in der 3-monatigen Saison unter solch kalten Bedingungen arbeiten. Im Hotel kroch ich sofort unter die Bettdecke und ruhte mich den Rest des Tages aus. Ich hatte keine Kraft für etwas anderes. Einige Personen aus unserer Gruppe, die Erfahrung mit dem Tauchen in der Antarktis hatten, sagten, dass die Bedingungen dort einfacher gewesen seien.

Der dritte Tag – der letzte. Beim Frühstück saß ich wie abwesend da, es fiel mir schwer, die Kaffeetasse zu halten, schwer, die Gabel zu greifen. Die zwanzig Treppenstufen stieg ich sehr langsam hinauf und musste oben ausruhen. Eigentlich strengte mich jede noch so kleine Bewegung an – das war die Reaktion meines Körpers auf die gestrige Auskühlung. Leider entschied

ich mich, heute nicht mit dem Boot zu gehen, diesmal endgültig. Seine eigenen Grenzen zu überwinden ist eine tolle Idee, aber man darf die Signale des Körpers nicht ignorieren. Später stellte sich heraus, dass ich nicht die einzige Person war, die auf das heutige Abenteuer verzichtet hatte.

Bereue ich es, auf eine solche Expedition gegangen zu sein? Absolut nicht! Ich empfehle sie jedem, aber man soll bedenken, dass man nicht alles kontrollieren kann und Tauchreisen nicht immer nach unseren Vorstellungen verlaufen. Man kann das schlechteste Wetter erwischen. Man darf auch von wilden Tieren nicht zu viel verlangen – im Internet schrieben einige Leute, dass sie in der Zeit, als sie in der Saison in Norwegen waren, keinen einzigen Orca gesehen haben. Es war ein Abenteuer, an das ich mich für den Rest meines Lebens erinnern werde. Ich spüre, dass meine innere Stärke gewachsen ist und denke schon über die nächste interessante Reise nach. Das Schnorcheln mit Orcas war für mich extremer als mein Tauchen mit Tigerhaien oder Bullenhaien. Warum lohnt es sich, eigene Grenzen zu überwinden und sich Herausforderungen zu stellen? Weil es neue Erfahrungen bietet. Wir entdecken unsere eigenen Potenziale und stärken unser Selbstbewusstsein. Je öfter wir neue Erfahrungen ausprobieren, desto mehr Mut haben wir für weitere Herausforderungen und unser Leben wird reicher.

CUT THROUGH THE DARKNESS

Alles begann

in ANILAO...

Text und fotos ADAM SOKÓLSKI

Anilao, eine kleine Stadt auf der Insel Luzon auf den Philippinen, IST EIN MEKKA FÜR UNTERWASSERMAKROFOTOGRAFEN.

Vor 11 Jahren bin ich zum ersten Mal dorthin geflogen. Ich tauchte bereits seit einiger Zeit mit meiner Kamera unter Wasser – ich hatte eine recht ordentliche Ausrüstung im Gehäuse, zwei Blitzgeräte und viel Enthusiasmus. Es machte mir Freude, aber ich „machte“ eher Fotos, als dass ich bewusst fotografierte. Als ich im Internet auf eine Anzeige für MakroWorkshops stieß, dachte ich: Warum nicht? Ich packte meine Ausrüstung und machte mich zusammen mit meinem Freund Wojtek Męczyński auf den Weg auf die Philippinen.

Das war meine erste Begegnung mit professionellen Workshops, erfahrenen Fotografen und – wie ich heute weiß, was absolut entscheidend ist – genialen Tauchguiden. Schon am ersten Tag spürte ich, dass ich in eine völlig andere Welt eintrat. Plötzlich stellte sich heraus, dass das, was ich für ein „gutes Makrofoto“ gehalten hatte, lediglich eine Ein-

stimmung auf das wahre Spiel mit Licht, Hintergrund und Bildkomposition war.

Ich erinnere mich an die Autofahrt von Manila nach Anilao. Ich fuhr mit einer Amerikanerin, einer der Teilnehmerinnen des Workshops – einer erfahrenen Unterwasserfotografin. Irgendwann fragte sie: – Haben Sie eine Liste mit Lebewesen, die Sie sehen möchten?

Ich sah sie leicht überrascht an. Eine Liste? Ich? Ich hatte eher die Vorstellung von „etwas Coolem“ im Kopf. Sie hatte mehrere Zettel mit kleiner Handschrift – lateinische Namen, Farbvarianten, konkrete Arten. Ich nannte nach einem Moment unangenehmer Stille den einzigen Namen, der mir in den Sinn kam – bis heute weiß ich nicht, woher: Hairy Frogfish.

Sie nickte mit einem freundlichen Lächeln: – Hmmm. OK. Cool.

Stellen Sie sich meinen Gesichtsausdruck vor, als er beim ersten Tauchgang, buchstäblich kurz nach dem Sprung ins Wasser, in einer Tiefe von vielleicht vier Metern dort saß. In seiner ganzen zotteligen Pracht. Perfekt posierend. Als würde er warten.

Später stellte sich heraus, dass es auch eine haarige schwarze, eine haarige weiße, eine haarige orangefarbene, eine unbehaarte gelbe und eine Variante gibt, die wie ein bunter Schwammausschnitt aussieht, sowie viele andere. Damals wurde mir zum ersten Mal klar, dass „selten“ in Anilao nicht immer „schwer zu finden“ bedeutet. Dort ist einfach alles möglich.

Seitdem war ich bereits sechs Mal in Anilao. Und eines weiß ich ganz sicher – ich werde dorthin zurückkehren. Auf meinen Fotoreisen versuche ich immer, mit professionellen Tauchbasen zu tauchen, die auf Unterwasserfotografie, insbesondere Makrofotografie, spezialisiert sind, und genau solche Basen findet man in Anilao. So lässt sich die Zeit unter Wasser optimal nutzen. Man verschwendet keine Energie für die Logistik, man macht sich keine Sorgen um die Ausrüstung, man fragt sich nicht, ob der Tauchguide versteht, dass man 20 Minuten an einem einzigen Augenpaar einer Garnele verbringen kann. Man konzentriert sich ausschließlich auf die Aufnahmen.

Die letzten vier Male habe ich in der Anilao Photo Academy übernachtet. Neben dem hochprofessionellen Service traf ich

dort auf ein außerordentlich freundliches Team und Eigentümer mit echter Leidenschaft. Es ist einer dieser Orte, an denen abendliche Gespräche über Licht, Snoots und neue Makro-Ports genauso wichtig sind wie das Tauchen selbst. Und wo man sich wirklich weiterentwickeln kann. Ich habe dort auf jeden Fall sehr viel gelernt.

Ich habe dort im Laufe der Jahre Tausende von Fotos gemacht. Ich habe Festplatten voller seltsamer Kreaturen aus Anilao. Doch der Chefredakteur hat mich gebeten, einige Kreaturen auszuwählen, die besonders charakteristisch für Anilao sind.

Das ist gar keine einfache Aufgabe.

Denn in Anilao ist die Liste der Makro-Ikonen lang. Sehr lang. Und dazu noch dynamisch – in einer Saison ist etwas da, in der nächsten verschwindet es. Da taucht eine Rhinopia auf, alle reden von ihr, Fotografen fliegen extra wegen ihr her… und einen Monat später ist sie spurlos verschwunden. Das ist der Reiz des Muck-Diving – nichts ist für immer gegeben.

Deshalb habe ich beschlossen, nicht über die „seltensten“ oder „angesagtesten“ Lebewesen zu schreiben, sondern über diejenigen, die mir am meisten in Erinnerung geblieben sind.

Pygmäenseepferdchen – Geduld

Ich beginne mit einem Winzling, der mich Demut gelehrt hat. Ein Pygmäenseepferdchen auf Kirby’s Rock.

Ein Felsen, den jeder lokale Tauchguide kennt. Ein winziges Seepferdchen, das sich so perfekt an einer Gorgonie festgeklammert hatte, dass ich, obwohl ich wusste, wo ich suchen musste, einen Moment brauchte, um es zu entdecken. Und als ich es dann sah – konnte ich meinen Blick nicht mehr davon abwenden.

Seit meiner ersten Begegnung sind 11 Jahre vergangen, und es ist immer noch dort. Ich stelle mir gerne vor, dass es bereits die nächste Generation ist. Derselbe Felsen, dieselbe Gorgonie, nur die kleinen Bewohner wechseln.

Das Fotografieren von Pygmäen ist eine Lektion in Geduld. Minimale Bewegung. Atemkontrolle. Präzise Fokussierung. Ein Millimeter nach vorne – und schon ist das Auge nicht mehr zu sehen. Gerade bei ihm habe ich verstanden, dass Makrofotografie nichts mit Eile zu tun hat.

Rhinopia – der Star der Saison Dann kam sie. Rhinopia.

Als uns der Tauchguide das erste Exemplar zeigte, herrschte unter Wasser fast schon eine festliche Stimmung. Alle waren ganz aufgeregt. Sanftes Winken mit den Händen, weit aufgerissene Augen hinter den Masken. Als hätte jemand gerade ein Einhorn entdeckt.

Ich war darüber ein wenig überrascht und lächelte insgeheim, denn während meiner mehrjährigen Tätigkeit auf Sansibar hielten sich zwei solcher Wesen auf dem Riff, nur fünf Minuten von der Basis entfernt. Was zeigt, dass „Seltenheit“ ein relativer Begriff ist.

Doch wenn man sich in den Sand kniet und ihr in die Augen schaut – versteht man diese Begeisterung. Die Texturen, die Hautauswüchse, die Art, wie sie über den Meeresboden „läuft“. Die Rhinopia sieht aus wie das Werk eines Künstlers, dem zu viel kreative Freiheit gewährt wurde. In Anilao ist sie der Star der Saison. Manchmal taucht sie für einige Wochen auf, manchmal nur für ein paar Tage. Und dann dreht sich die gesamte Fotografenszene um ein einziges Thema.

Flamboyant Cuttlefish – ein kleiner Außerirdischer

Es gibt Momente, in denen man unter Wasser etwas sieht und den Eindruck hat, dass es eigentlich nicht existieren dürfte. Der Flamboyant Cuttlefish ist genau so. Klein, farbenfroh, pulsierend wie ein Neonschild in einer Nachtbar. Er schwimmt nicht – er „läuft“ über den Meeresboden, langsam, fast theatralisch, als wäre er sich bewusst, dass alle ihn beobachten.

Seine Farben wechseln im Bruchteil einer Sekunde. Rot, Gelb, Weiß. Warnend, kontrastreich, fast aggressiv. Und gleichzeitig hypnotisierend. Als ich ihn zum ersten Mal in Anilao sah, vergaß ich völlig die Kameraeinstellungen. Einen

Moment lang schaute ich einfach nur zu. Es ist eines dieser Wesen, die dafür sorgen, dass ein Stück Sand unter uns plötzlich zur Bühne wird und wir das Gefühl haben, an etwas Einzigartigem teilzuhaben.

Der Wonderpus-Oktopus – ein Unterwassertraum

Beim Black-Water-Tauchen gelang es mir endlich, einen Wonderpus-Oktopus im Larvenstadium zu fotografieren. Davon habe ich immer geträumt – ich hatte viele Fotos dieses seltsamen Oktopusses mit dem durchsichtigen Kopf gesehen und war fasziniert von seiner ungewöhnlichen, fast schon kosmischen Silhouette.

Anilao ist berühmt für seine nächtlichen Black-Water-Tauchgänge – sie sind wirklich einzigartig. Es ist wie eine Reise ins Weltall, nur unter Wasser. Man taucht in die nächtliche Dunkelheit ein, und um einen herum treiben Lebewesen, die man im Alltag nirgendwo sonst zu Gesicht bekommt. Jeder Tauchgang ist eine Überraschung, Adrenalin und volle Konzentration auf einen einzigen, oft winzigen Protagonisten.

Es ist eines dieser Tauchgänge, die einem für immer in Erinnerung bleiben.

In Anilao gibt es unzählige solcher unglaublichen Lebewesen. Anglerfische in jeder erdenklichen Variante, Nacktschnecken in Farben, für die sich kein Markerhersteller schämen müsste, Garnelen, Krabben, Tintenfische, die sich als etwas ausgeben, das sie nicht sind. Und dazu noch seltsame Kreaturen aus den Tiefen.

Und genau deshalb ist die Auswahl einiger „typischer“ Arten so schwierig.

Denn Anilao ist nicht nur ein einzelnes Lebewesen.

Es ist das tägliche Suchen, Entdecken und manchmal auch die Überraschungen unter Wasser.

Der Moment, in dem der Tauchguide etwas Neues zeigt und man die Chance hat, ein Foto zu machen.

Es ist ein Ort, der mich gelehrt hat, wirklich hinzuschauen. Und an den ich immer wieder zurückkehre.

BELIZE

The Great Blue Hole

Text

Allein beim Namen Belize denken die meisten Taucher sofort an eines –das berühmteste Blue Hole der Welt!

Aber ist das wirklich die größte Taucherattraktion, die uns dort während unseres Aufenthalts erwartet?

Welche weiteren Taucherlebnisse können wir auf dieser Reise erwarten und worauf dürfen wir uns nach dem Tauchen freuen? Kulturelle Unterschiede und all das, was wir bei der Planung unserer Reise und unserer Tauchgänge berücksichtigen müssen. Macht euch bereit für fantastische Fotos und jede Menge interessanter Details, die mir niemals in den Sinn gekommen wären, wenn ich sie nicht selbst erlebt hätte – los geht’s!

Belize ist ein kleines Land, das an Mexiko und Guatemala grenzt. Es hat nur etwa 330.000 Einwohner, was rund 16 Personen pro km² entspricht. Damit gehört es zu den dreißig am dünnsten besiedelten Ländern der Welt! Belize liegt in Mittelamerika auf der Halbinsel Yucatán, am Karibischen Meer, und beherbergt das zweitgrößte Korallenriff der Welt – damit zählt es weltweit zu den Top-Destinationen für Tauchsafaris und Tauchreisen!!! Amtssprache in Belize ist Englisch, was darauf zu-

rückgeht, dass das Land einst britische Kolonie war. Allerdings sprechen viele Menschen hier auch Spanisch und Kreolisch. Die Landeswährung ist der Belize-Dollar, der in einem festen Verhältnis von 2:1 an den US-Dollar gekoppelt ist. Hauptstadt des Landes ist Belmopan, nachdem die größte Stadt, Belize City, durch einen schweren Hurrikan zerstört wurde und man beschloss, die Hauptstadt von der Küste ins Landesinnere zu verlegen. Die beste Reisezeit ist die Trockenzeit, die in der Regel von Dezember bis Mai dauert, wobei auch in dieser Zeit Gewitter oder kurze Regenschauer nichts Ungewöhnliches sind. Was die Sicherheit betrifft, wird auf den Seiten des polnischen Außenministeriums empfohlen, besondere Vorsicht walten zu lassen.

So viel zu den allgemeinen Informationen – was einen dort direkt nach der Ankunft am meisten umhaut, ist der Lebensstil. Die Passkontrolle ist eine wahre Oase der Ruhe – für die Beamten natürlich, für die Touristen bedeutet sie stundenlanges War-

und fotos TOMASZ KULCZYŃSKI

ten. Im Hotel genau dasselbe. Das Zimmer ist noch nicht fertig, aber gleich  Als wir um 19 Uhr vom Tauchen zurückkamen, waren die Mädels gerade erst fertig geworden… Für uns kaum vorstellbar, dort aber ganz normal. Hier sind alle völlig entspannt, oder wie wir sagen würden – ihnen ist alles ziemlich egal  Meiner Meinung nach ist das genau das, was wir durch unser hohes Lebenstempo, die Fülle an Aufgaben und das ständige Hetzen verloren haben… Dort fing die Rezeptionistin an, mit mir zu reden, und ihr kennt das ja – nach 30 Minuten musste ich mich entschuldigen, weil wir zum Abendessen wollten, und dort hieß es nur: warte, erzähl noch dies oder das. Ich weiß nicht, ob ihr ganz versteht, worauf ich hinauswill – dort gibt es einfach mehr Ruhe, mehr Gelassenheit, einen anderen Lebensrhythmus, der uns heute leider schon fast anstrengt. Wir sind daran gewöhnt, dass etwas, wenn es für 12 Uhr angesetzt ist, dann eben auch um 12 stattfinden muss – für sie ist alles eher flexibel  Neben dem Lebensstil überrascht auch die Art der Fortbewegung, denn die Menschen fahren dort in Golfwagen herum. Das Essen ist hervorragend, und eigentlich findet dort jeder etwas nach seinem Geschmack; sprachlich gibt es praktisch keine Probleme. Und touristisch? Eine Fülle wunderschöner Orte! Es würden Seiten fehlen, um alles im Detail zu beschreiben, denn dies ist kein Ort, den ich mit irgendeinem anderen vergleichen könnte, der mir gerade in den Sinn kommt. Wechseln wir also zu dem, wofür Belize am berühmtesten ist: THE GREAT BLUE HOLE: Rund 80 Kilometer vor der Küste von Belize City, im Herzen des Lighthouse-Reef-Atolls, liegt das Great Blue Hole

– eine der bekanntesten Unterwasserformationen der Welt. Diese monumentale unterseeische Doline im Korallenriff, die sogar aus dem All sichtbar ist, fasziniert seit Jahren sowohl Wissenschaftler als auch Tauchbegeisterte. Ihren internationalen Ruhm verdankt sie nicht zuletzt den Filmen und Expeditionsberichten des legendären Meeresforschers Jacques Cousteau. Heute steht der Ort unter dem Schutz der UNESCO und zählt zu den größten Touristenattraktionen der Region. In der Nähe liegt die malerische Insel Half Moon Caye. Der charakteristische dunkelblaue Kreis kontrastiert mit dem türkisfarbenen Wasser und dem hellen Ring des lebenden Riffs und ergibt aus der Vogelperspektive einen spektakulären Anblick. In Wirklichkeit ist das Great Blue Hole ein nahezu perfekt kreisrunder unterseeischer Sinkhöhle mit einem Durchmesser von etwa 300 Metern und einer Tiefe von bis zu 124 Metern. Seine fast senkrechten Wände reichen bis auf rund 35 Meter hinab, wo sich die Formation zu einer gewaltigen Kammer öffnet, die an einen Kathedralensaal erinnert. Dort befinden sich beeindruckende Stalaktiten, von denen einige eine Länge von bis zu 15 Metern erreichen – Zeugnisse aus der Zeit, als sich die Höhle noch über dem Meeresspiegel befand.

Die Entstehung dieses außergewöhnlichen Ortes reicht bis in die Eiszeit zurück. Damals war es eine weitläufige Karsthöhle, die Teil eines größeren Systems unterirdischer Gänge war. Mit dem Abschmelzen der Eisschilde stieg der Meeresspiegel um mehr als 90 Meter an und überflutete den gesamten Höhlenkomplex. Der endgültige Einsturz der Höhlendecke – vermut-

lich infolge seismischer Erschütterungen und des Wasserdrucks – führte zur Entstehung der gewaltigen Doline, die wir heute als Great Blue Hole kennen.

Sichtweiten von über 60 Metern machen diesen Ort zu einem wahren Paradies für Taucher. In der Regel tauchen sie bis auf etwa 35 Meter ab, wo die monumentale Kammer mit ihren Stalaktiten beginnt. Auch in den Gewässern rund um den Riffkranz herrschen hervorragende Bedingungen zum Schnorcheln. Touren werden sowohl von Belize City als auch von den nahe gelegenen Inseln aus organisiert. Unter der Oberfläche begegnet man einer beeindruckenden Vielfalt karibischer Meeresfauna: farbenprächtigen Rifffischen, Barrakudas sowie verschiedenen Haiarten, darunter auch Bullenhaien. Diese Verbindung aus spektakulärer Geologie und einem vor Leben pulsierenden Ökosystem macht das Great Blue Hole bis heute zu einem der außergewöhnlichsten Tauchplätze der Welt.

Schon allein die Anfahrt zum Blue Hole ist nicht ganz ohne. Wir starteten von San Pedro aus. Treffpunkt war um 5:30 Uhr, dann Frühstück, Ausrüstung packen und anschließend rund drei Stunden mit dem Boot bis zum Tauchplatz. Das Blue Hole selbst ist so gewaltig, dass man vom Boot aus den ganzen Kreis gar nicht überblicken kann. Es wirkt schlicht so, als würde dort eine senkrechte Wand beginnen – dort, wo das wunderbare Türkis des Wassers endet und die große Tiefe mit all ihren Blautönen anfängt.

Der Tauchgang im Blue Hole ist ziemlich tief, denn wir gehen auf 40 Meter hinunter und bleiben dort so lange, wie es unsere Dekompressionsgrenzen zulassen. Eine kleine Besonderheit am Rande: Beim Briefing werden alle Werte in Fuß und PSI angegeben, also muss man die Umrechnung selbst im Kopf machen – über die dortige Lebenseinstellung hatte ich ja schon geschrieben  Wenn wir schon bei solchen praktischen Dingen sind: Die meisten Flaschen haben einen INT-Anschluss. Für die Zukunft ist es also eine gute Idee, einen Adapter für unsere DIN-ersten Stufen mitzunehmen – besonders dann, wenn man im Sidemount taucht, das dort ebenfalls eher unüblich ist. Entsprechend viele Leute fragten uns nach den zwei Flaschen…

Zurück zum Blue Hole: Die größte Attraktion sind die Karstformationen in dem Hohlraum, die bei 40 Metern beginnt und bis etwa 50 Meter reicht. Es sind wirklich gewaltige Formationen, die einen enormen Eindruck hinterlassen – es sei denn, man hat vorher eine ganze Woche in Cenoten getaucht; dann fällt der Wow-Effekt natürlich deutlich kleiner aus. Aber ihr kennt das ja – der Appetit wächst beim Essen  Man darf außerdem nicht vergessen, dass wir in dieser Tiefe bereits eine recht deutliche Narkosewirkung und einen entsprechenden Gasverbrauch haben. Deshalb dauerte der gesamte Tauchgang auch nur etwa 30 Minuten. Leider begegneten wir keinem größeren Tier, das den Tauchgang zusätzlich hätte bereichern können. Und so war er dann eben auch schon vorbei – unser Blue-Hole-Tauchgang abgehakt.

Hat es uns gefallen? Wie so oft unter Tauchern gingen die Meinungen stark auseinander: Auf der einen Seite dieser lange Bootstrip, nur um ein tiefes Loch zu sehen und einen tiefen Tauchgang zu machen; auf der anderen Seite die Faszination

angesichts der gewaltigen Formationen. Jeder nimmt das anders wahr. Meine persönliche Meinung: War es mein bester Tauchgang überhaupt – NEIN. Würde ich ihn wiederholen – zu 100 Prozent JA. Würde ich noch einmal hinfahren – natürlich JA. Die nüchterne.

Wahrheit ist: Das Blue Hole verfügt einfach über ein extrem gutes Marketing. Die meisten Menschen erwarten dort Erlebnisse jenseits aller Vorstellungskraft, weil sie nach den Luftaufnahmen glauben, eines der Weltwunder zu sehen – dabei ist es schlicht, und zugleich eben doch beeindruckend, das größte Blue Hole der Welt… Für Liebhaber von Höhlen, Speläologie und Felsformationen ist es ein großartiges Erlebnis. Für Menschen, die sich dafür nicht besonders interessieren, ist es eher ein riesiger Trichter mit ein paar Stalaktiten, aber ohne Pflanzen und ohne viel Leben. Das Fazit ist hier dasselbe wie bei vielen anderen Tauchdestinationen: Sie treffen nicht jeden Geschmack. Wirklich beurteilen kann das am Ende aber nur derjenige, der bereit war, es selbst auszuprobieren. Zum Glück hatten wir nach dem Tauchgang im Blue Hole noch zwei weitere Tauchgänge an den umliegenden Riffen, wo alles vor Leben pulsierte und wieder völlig anders war als im Blue Hole. Dort hatte dann auch niemand mehr das Gefühl, zu kurz gekommen zu sein, denn jeder fand etwas für sich. Gegen 19 Uhr waren wir zurück – so ein Ausflug nimmt also tatsächlich einen ganzen Tag in Anspruch, aber auf dem Rückweg waren alle lächelnd und zufrieden.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Das Tauchen am Blue Hole in Belize wird nicht jedem gefallen… Es ist ein bisschen wie mit scharfem Essen – man muss sich erst daran gewöhnen. Letztlich müsst ihr aber selbst herausfinden, ob ihr zu denen gehört, die diesen Ort in ihre weltweiten TOP 5 aufnehmen, oder eher zu denen, die nur mit der Hand abwinken und sagen, er sei überbewertet… Zum Glück gehört zum Blue Hole auch das Tauchen an den umliegenden Riffen, und das ist wieder eine völlig andere Dimension des Tauchens – aber vielleicht ist das Stoff für den nächsten Artikel…

Oceanic Photon

zwei Ansätze zur Tarierkontrolle

Die Oceanic Photon-Serie (Neuheit) zeigt, wie sehr sich das Konzept eines Tarierweste je nach Tauchstil unterscheiden kann. In dieser Produktfamilie finden wir zwei Hauptrichtungen: den eher klassischen Photon (Pro) und den ultraleichten Photon Air. Auf den ersten Blick sehen sie ähnlich aus, aber ihre Nutzungsphilosophie ist deutlich anders.

Photon Pro ist ein Jacket für Taucher, die Stabilität, viel Auftrieb und eine große Bleireserve erwarten. Der Auftrieb reicht je nach Größe von 15 bis 19 kg, und das Gewichtsystem kann bis zu  13,6 kg Blei aufnehmen.

Dies ist eine Ausrüstung, die sich hervorragend in kälteren Gewässern, mit einem dickeren Neopren- oder Trockentauchanzug bewährt. Die robuste Konstruktion und Stahlelemente erhöhen ihrer Haltbarkeit, auch wenn sie das Gewicht des Sets auf etwa 3,8 kg erhöhen. In der Praxis bedeutet das eines: Das Photon Pro ist ein Jacket für die intensive Nutzung, für Taucher, die viel Platz für Zubehör, Blei und Auftriebsreserven haben möchten.

Auf der anderen Seite des Spektrums steht das  Photon Air – ein Jacket, das speziell für Mobilität und Reisen entwickelt wurde. Hier sind minimales Gewicht und ein kompaktes Design entscheidend. Das gesamte System wiegt etwa 3 kg, und die Wing-Blase auf dem Rücken reduziert den Wasserwiderstand und erleichtert die Aufrechterhaltung eines horizontalen Trimms.

Das Photon Air zeichnet sich auch durch eine  schnell trocknende 3DMesh-Konstruktion aus, die die Wasserspeicherung nach dem Tauchgang minimier t – äußerst praktisch, wenn das Jacket schnell in die Tasche oder an Bord des Bootes muss.

Das interessanteste Element ist jedoch das  modulare Photon-System. Ein gemeinsames Harness System ermöglicht es, das Jacket mit zusätzlichen Taschen, Farbsets oder Zubehör zu erweitern, ohne das gesamte BC austauschen zu müssen. Diese Lösung werden besonders Taucher schätzen, die ihre Ausrüstung gerne an ihren eigenen Stil anpassen.

Worauf sollte man bei der  Auswahl achten?

1. Tauchstil

Wenn du lokal, in kaltem Wasser und mit viel Ausrüstung tauchst, ist das Photon Pro die stabilere Wahl. Wenn du oft reist, gewinnt das  Photon Air durch sein Gewicht und Packmaß.

2. Gewichtsystem und Auftrieb

Das Photon Pro bietet mehr Auftriebsreserven und mehr Platz für Blei. Beim Photon Air verzichtet man auf unnötiges Gewicht zugunsten voller Bewegungsfreiheit und einer stromlinienförmigen Silhouette unter Wasser.

3. Mobilität der Ausrüstung

Das Photon Air ist leichter zu verpacken und trocknet schneller – was auf Reisen einen riesigen Unterschied macht. Kurz gesagt: Das Photon Pro bildet das Fundament für Tauchgänge, die viel Auftrieb und Bleireserven erfordern, während das  Photon Air eine stromlinienförmige Silhouette und minimales Gewicht bietet. Obwohl sie sich in der Konstruktion

unterscheiden, nutzen beide Systeme dieselbe modulare Basis, die eine ideale Konfiguration der Ausrüstung für den jeweiligen Tauchstil ermöglicht.

Praktische Informationen: Das Gurt-Positionierungs-System (Adjustable Positioning System, A.P.S.) ermöglicht eine perfekte Anpassung des Jackets an die Körperform (dies ist besonders wichtig beim Wechsel vom Neoprenzum Trockentauchanzug).

P.S.

Die Mitglieder unseres Redaktionsteams haben diese Jackets getestet und wir können sie euch wärmstens empfehlen. Sie haben die Prüfung mit Bestnote bestanden! :) Noch eine kleine Erwähnung des Zubehörs:

● Photon Storage Pocket (Utility Pocket): Eine flache Tasche, die unter dem Beckengurt montiert wird, ideal für eine Schreibtafel oder eine Reservelampe.

● Photon Dive Housing Pocket: Eine spezielle Halterung für das Oceanic+ Dive Housing, mit der man das iPhone immer griffbereit hat.

Den Link zu den Produkten findet ihr auf der Seite https://www.nurkowanie-ecn.pl/kategoria-produktu/jackety-nurkowe?brand=brand-oceanic

SANTORINI

Die vulkanische Perle der Ägäis über und unter Wasser

Text und fotos BOGDAN ZAJĄC

Weiße Häuser, die am Rand der Caldera hängen, blaue Kirchenkuppeln und spektakuläre Sonnenuntergänge über dem Ägäischen Meer.

SANTORINI GILT SEIT JAHREN ALS EINE DER FOTOGENSTEN INSELN EUROPAS.

Als Teil des griechischen Kykladen-Archipels entstand sie durch eine gewaltige Vulkaneruption, die ihre charakteristische, halbkreisförmige Küstenlinie geformt hat. Genau dieser vulkanische Ursprung sorgt dafür, dass Santorini nicht nur über, sondern auch unter der Wasseroberfläche begeistert.

Obwohl die Insel hauptsächlich mit romantischen Terrassen in Oia oder Weinbergen auf schwarzem Lavaboden assoziiert wird, zieht sie immer häufiger auch Taucher an, die eine etwas andere, raue Unterwasserlandschaft suchen.

Wir haben in einem Hotel in Perivolos übernachtet, wo einer der Vorteile die etwa 200 m vom Hotel entfernte Tauchbasis war. Eine solche Lösung werden besonders Freizeittaucher zu schätzen wissen.

Ich habe das  Caldera Diving Center genutzt; leider sind mir nur zwei Tauchgänge gelungen. Die Basis ist toll vorbereitet,

mit kompletter Leihausrüstung und einem sehr sympathischen sowie hilfreichen Team.

Die lokalen Tauchplätze bieten verschiedenste Tiefen, von Freizeit- bis hin zu technischen Tauchgängen. Ich hatte mich auf Freizeittauchgänge bis zu 15 Metern eingestellt. Das Profil war sanft, und die Abstiege erfolgten vom Schlauchboot aus.

Der größte Vorteil ist eine sehr gute Sichtweite, oft über 20 Meter. Das klare Wasser des Ägäischen Meeres erlaubt es, die Struktur der Felsformationen und das Lichtspiel in den Unterwasserkorridoren voll zu genießen.

Das unterseeische Santorini besteht vor allem aus Felsen, Lavazungen und Kavernen – Hohlräumen innerhalb der Vulkanfelsen, die durch frühere Eruptionen entstanden sind. Erstarrte Lava formte fantasievolle Gebilde, Bögen, Spalten und kleine

Grotten, in denen das von der Oberfläche einfallende Licht spektakuläre visuelle Effekte erzeugt.

Das Tauchen unter diesen Bedingungen erinnert an die Erkundung eines Unterwassercanyons. Dunkle Felsen kontrastieren ideal mit dem intensiven Blau des Wassers, und die abwechslungsreiche Topografie sorgt dafür, dass man selbst in geringer Tiefe die Atmosphäre eines echten Abenteuers spüren kann.

Die Kavernen sind meist geräumig und für Freizeittaucher zugänglich, natürlich unter Einhaltung der Sicherheitsregeln und unter Aufsicht lokaler Guides, die die Besonderheiten des Geländes bestens kennen.

Personen, die an tropische Riffe gewöhnt sind, könnten von der relativ geringen Menge an Unterwasserfauna überrascht sein. Santorini ist kein „fischreiches“ Ziel; wir werden hier weder Schwärme bunter Fische noch den aus dem Roten Meer bekannten Makro-Reichtum sehen.

Unter Wasser kann man einzelne kleine Fischarten, die sich in Felsspalten verstecken, oder gelegentlich Tintenfische antreffen. Eine der Attraktionen waren auch ausgedehnte Unterwassergraswiesen. Dies ist ein Tauchgang für jene, die die Schönheit einer rauen Landschaft, Stille und Weite zu schätzen wissen. Es gibt doch auch Pluspunkte, wenn es kein intensives biologisches Leben gibt. Die Klarheit des Wassers und das Fehlen von „Ablenkungen“ erlauben es, sich auf Felsstrukturen, Weitwinkelfotografie und das Spiel mit dem Licht zu konzentrieren.

Santorini ist eine hervorragende Wahl für Tauchanfänger, aber auch Fortgeschrittene werden dort etwas für sich finden. Paare und Gruppen können Erholung ideal mit dem Tauchen verbinden, und Fotografen wird die Unterwasserlandschaft sicher interessieren.

Dies ist ein Reiseziel, bei dem das Tauchen eine hervorragende Ergänzung zum Urlaubsaufenthalt darstellt, neben dem Besichtigen, Spaziergängen auf den Klippen der Caldera sowie Verkostungen exzellenter lokaler Gerichte und wunderbarer Weine.

Das Bewusstsein, in Gewässer einzutauchen, die die einstige Vulkancaldera füllen, verleiht jedem Tauchgang einen einzigartigen Charakter. Unter der Oberfläche sind noch immer Spuren der geologischen Vergangenheit der Insel sichtbar – Risse, Schichten erstarrter Lava und unregelmäßige Felsstrukturen.

Santorini bietet zwar nicht die spektakulärste Fauna des Mittelmeers, dafür aber etwas anderes: das Gefühl, mit der lebendigen Geschichte der Erde in Berührung zu kommen. Es ist ein Tauchgang im Schatten des Vulkans, ruhig, sicher und voller herber Schönheit.

Für diejenigen, die eine Abwechslung zu klassischen Riffen suchen und komfortable Erholung mit Tauchen in einer außergewöhnlichen Kulisse verbinden möchten, ist diese griechische Insel ein Volltreffer.

Angel in der H ÖLLE

VON DER TR AGÖDIE DER DELFINE, DIE IN DER BLUTIGEN BUCHT VON TAIJI IN JAPAN ENTFÜHRT UND GETÖTET WERDEN, HAT FAST JEDER SCHON GEHÖRT.

Es ist aber etwas anderes, davon zu hören oder Videos im Internet anzusehen, als das Drama eines ganz bestimmten, dort gefangenen Delfins vor Ort mit eigenen Augen kennenzulernen und zu sehen...

Eine über der Tür angebrachte Kamera registrierte meine Bewegung und löste damit den Öffnungsmechanismus aus; die Türen glitten mit einem charakteristischen Zischen auf und luden mich ins Innere ein. Ich höre Musik. Tief, ruhig, bewegend. Keine einfache Hintergrundmusik, sondern etwas, das sofort in Körper und Geist eindringt. Ich betrete einen von Wasser umgebenen Korridor. Die Betonwände sind schmutzig, dunkel und stellenweise mit Wasserflecken bedeckt. Das Wasser ist trübe, voller schleimiger Fransen, die schweben und an den Wänden kleben – optisch fast schon klebrig. Der Geruch von Feuchtigkeit, Ozean und Fisch mischt sich mit etwas Chemischem, Metallischem, etwas sehr Unnatürlichem. Aus dem Augenwinkel sehe ich einen weißen Schatten. Ich drehe den Kopf. Es ist Angel, ein Großer Tümmler Albino. Sie schwimmt mit dem Bauch nach oben, neben einen Rauzahndelfin ebenfalls in derselben seltsamen, sich wiederholenden Position. Sie kreisen durch das Becken, schwimmen an mir vorbei, kehren um, tauchen auf, um Luft zu holen, tauchen ab, und wieder dieselbe Schleife. Endlos. Jede Bewegung wie ein Mantra. Jede Rückkehr in dieselbe Position erinnert an die Gefangenschaft, die sie einschränkt. Dieser Anblick ist surreal. Tränen schossen mir in die Augen

und ich konnte sie nicht zurückhalten. Ich fühle mich, als wäre ich in einem Traum. Es ist schwer, das alles zu begreifen, wenn man über Delfine und das, was sie in Gefangenschaft durchmachen, Bescheid weiß. Ich sehe das, worüber ich bisher nur gelesen oder gehört habe. Es ist so schwer, das als Realität zu begreifen und zur Tagesordnung überzugehen. An den Wänden hängen Schilder, die die Delfine im Becken beschreiben. Ich sah Angel in die Augen. Das eine war eingefallen, das Augenlid sah vernarbt aus, als ob etwas darin fehlen würde. Das andere, hervortretend und geschlossen, schien manchmal minimal geöffnet zu sein. Ich konnte den Blick nicht abwenden. Jede Geste, jede Drehung, jedes Ausatmen im Wasser – voller Ernsthaftigkeit, Traurigkeit und stiller Verzweiflung.

Ich gehe die Treppen hinauf auf eine Plattform, von der aus man das Becken von oben beobachten kann. Aus dieser Perspektive erscheint das Wasser fast sauber. Es reflektiert das Licht, bewegt sich, wirbelt im Rhythmus der Wellen. Der Schmutz, die Fransen, der Schleim sind von oben unsichtbar. Aber das Rohr über dem Becken wirft immer noch den Schatten der Realität: Rost, die Filteröffnung, das Metall der alten Konstruktion. Hier gibt es nichts Natürliches. Nirgendwo sehe ich Spielzeuge oder Reize

Text JAKUB BANASIAK, EDWIN RADZIKOWSKI Fotos EDWIN RADZIKOWSKI

für die Delfine – nur Beton und Wasser in einer sich wiederholenden Schleife. Ich drehe mich um. Von hier aus kann man das gesamte Gelände des hiesigen Delfinariums hervorragend überblicken. Das Taiji Walmuseum. Das Hauptgebäude, das gleichzeitig ein Walfangmuseum ist, steht imposant da, als würde es stolz die Geschichte des japanischen Walfangs präsentieren. An seiner Fassade befindet sich eine riesige Grafik im Stil der japanischen Malerei des 16. Jahrhunderts, die einen Wal darstellt; daneben zwei kleine Becken, in denen die Delfine dreimal täglich an einer Show teilnehmen. Alles liegt an einer winzigen Bucht, in der sich Wasserkäfige befinden, aus denen weitere Delfine ihre Köpfe stecken und um Fisch aus den Händen der Menschen auf dem Steg betteln. Sie sehen aus, als wären sie ständig hungrig. Das gesamte Gelände ist durch eine Betonmauer vom Ozean getrennt. Angel und die übrigen Delfine wurden wahrend die Treibjagden in Taiji gefangen. Angel wurde am 17. Januar 2014 ergriffen. Laut Personen, die diese Ereignisse dokumentiert haben, tauchte Angels Mutter ab, nachdem die Jäger sie von ihrem Jungen getrennt hatten, und wurde nie wieder an der Oberfläche gesehen... Der Rest der Schule wurde brutal getötet und ihre Körper an den Schlachter im Hafen verkauft. Ich stehe lange dort und schaue auf Angel, auf ihre Augen, auf die sich wiederholende Bewegung. Ich spüre die Schwere dieses ganzen Ortes. Die Stille des Korridors, das Echo der Musik, der Kontrast zum offenen Meer hinter der Betonmauer – das ist ein Bild, das mit mir bleibt. Ein Bild, das einen nicht vergessen lässt.

Edwin Radzikowski, Captain Paul Watson Foundation Poland

Um den sich zunehmend verschlechternden Gesundheitszustand Angels zu verstehen, muss man zunächst ihre biologische Besonderheit definieren. Angel ist kein leuzistisches Individuum (einfach nur mit weißer Färbung), sondern ein „wahrer Albino“, was ihre extreme Empfindlichkeit gegenüber äußeren Einflüssen bedingt. Albinismus ist eine angeborene Anomalie, die in einem vollständigen oder teilweisen Mangel an MelaninPigmentierung in Haut, Iris, Aderhaut, aber auch in anderen Geweben besteht. Im Angels Fall, führt das Fehlen von Melanin in der Iris dazu, dass ihre Augen einen charakteristischen rosa oder roten Farbton aufweisen, der aus der Sichtbarkeit der Blutgefäße in Netzhaut und Aderhaut resultiert. Dieses Pigmentdefizit bringt eine Reihe negativer physiologischer Konsequenzen mit sich, die in der Gefangenschaft zu einer Quelle chronischen Leidens werden.

Das Melanin im Auge fungiert nicht nur als Farbstoff, sondern auch als Schutzbarriere und als Element, das die korrekte Entwicklung der Sehnerven unterstützt. Der Albinismus führt bei Angel dazu, dass Licht nicht nur durch die Pupille, sondern auch durch die Lederhaut und Iris eindringen kann, was zu einer Verschlechterung des Netzhautbildes und chronischen Schmerzen bei starker Sonneneinstrahlung führt. Während der Fütterung und der Interaktion mit den Trainern werden die Delfine gezwungen, nach oben ins Licht zu schauen, um einen Fisch zu bekommen. Für ein an Photophobie (Lichtempfindlichkeit) leidendes Individuum ist dies eine Form der physiologischen Folter. Angels ständiges Schließen der Augen ist

ein direkter Beweis für den Schmerz, der sowohl durch Licht als auch wahrscheinlich durch chemische Verätzungen der Augapfeloberfläche verursacht wird. Die ersten Aufnahmen von Angel aus dem Taiji Walmuseum, aufgezeichnet von Karla Sanjur, zeigten unnatürliche Verhaltensweisen des Großen Tümmlers: das Vermeiden des Schwimmens mit anderen Individuen, selteneres Auftauchen zum Luftholen und Apathie. Später wurde Angel in ein kleines, überdachtes Becken gebracht, was zunächst als Versuch angesehen wurde, ihre Haut und Augen zu schützen; dies stellte sich jedoch schnell als Quelle anderer Pathologien heraus. In diesem kleinen, überfüllten Becken wurde Angel von anderen Delfinen schikaniert, unter anderem von männlichen Streifendelfinen. Berichte aus dem Jahr 2015 wiesen darauf hin, dass Angel ihre Augen fast ununterbrochen geschlossen hielt. Oft wurde sie auch regungslos an der Wasseroberfläche getrieben, was ein typisches Symptom für Depression und mangelnde Stimulation in der Gefangenschaft ist. Im Dezember 2017 berichtete Mark J. Palmer vom  International Marine Mammal Project (IMMP), dass Angel trotz Gewichtszunahme weiterhin unter Stress leidet, hauptsächlich aufgrund von Aggression ihrer Beckenmitbewohner. Ihre Augen blieben während der meisten Beobachtungen geschlossen. Dies deutete auf eine dauerhafte Reizung oder Schmerzen der Hornhaut hin.

In den letzten Jahren wurden auf Fotos, die vom  Dolphin Project und dem  IMMP zur Verfügung gestellt wurden, Zahnlücken bei Angel beobachtet. Große Tümmler sind monophyodont, das heißt, sie besitzen nur ein Gebiss für ihr ganzes Leben. Der Zahnverlust bei Angel wurde von dem Tierarzt Luca Giovagnoli, der Angel in Taiji beobachtete, als sekundäre genetische Veränderung oder als Auswirkung chronischen Stresses interpretiert, der bei Albinos zu Anomalien führen kann, die bei gesunden Individuen nicht auftreten. Es ist jetzt das Jahr 2026. Edwins Bericht von der Begegnung mit Angel zeigt, dass das Delfinweibchen immer mehr lei-

det. Das Chlor zerstört den Tränenfilm, der bei Delfinen eine spezifische, schleimige Struktur aufweist, die das Auge vor Osmose und Reibung schützt. Langanhaltende chemische Reizungen führen zur Trübung der Hornhaut, zur Narbenbildung und letztendlich zur Erblindung. Angel, deren Augen das schützende Melanin fehlt, erlebt diese Auswirkungen mit noch größerer Intensität. Deshalb scheint es, als hätte sie gar keine Augen

mehr. So sieht die Hölle der Delfinarien aus. Nicht nur für Albinos. Jakub Banasiak

Hilf mit, die Ära der Delfinarien zu beenden. Tritt der Kampagne WEG MIT DEM DELFINARIUM an, deren Hauptziel es derzeit ist, polnische Reisebüros davon zu überzeugen, keine Ausflüge zu Delfinarien mehr zu bewerben und zu verkaufen.

Nutze den QR-Code und unterschreibe die Petition: https://niedladelfinarium.pl/powiedz-nie/

CAPERNWRAY QUARRY

der Unterwasser-Spielplatz für Taucher in England

Nach Capernwray verschlug es uns eher zufällig, als wir von Tauchgängen mit Robben vor der englischen Küste zurückkamen. Es waren großartige, aber auch anspruchsvolle Tauchgänge – die Sicht lag zwischen zwei und höchstens fünf Metern. Unter Wasser stand deutlicher Schwell, und das wirbelnde Wasser konnte einen Taucher durchaus aus der Orientierung bringen. An Adrenalin und intensiven Eindrücken mangelte es nicht, aber mit wirklichem Tauchkomfort hatte das Ganze eher wenig zu tun.

Auf der Rückfahrt durch Großbritannien machten wir einen kurzen Zwischenstopp in London. Ein polnischer Bekannter, der in England lebt, meinte damals: – Capernwray Quarry liegt doch fast auf dem Weg… Ein schneller Blick auf die Karte, eine kurze Beratung –und die Entscheidung fiel sofort. Ein kleiner Umweg, ein Tauchgang und dann weiter. Wie sich später herausstellte – es war ein Volltreffer.

Steinbruch mit Tauchgeschichte Capernwray ist ein gefluteter Kalksteinbruch (Jackdaw Quarry) in  Over Kellet, unweit von Carnforth in der Grafschaft Lancashire im Norden Englands. Nach dem Ende des Steinabbaus füllte sich das Gelände nach und nach mit Wasser. In den neunziger Jahren erkannte man sein Potenzial als Tauchplatz, und 1995

wurde hier offiziell ein Tauchzentrum eröffnet. Seitdem gehört der Ort zu einer privaten Tauchbasis. Capernwray ist ein Projekt, das von Menschen mit Leidenschaft für das Tauchen und für Sicherheit im Wasser weiterentwickelt wird. Heute ist es einer der bekanntesten Binnen-Tauchplätze im Vereinigten Königreich. Hierher kommen sowohl Kursteilnehmer als auch erfahrene Taucher, die einen Tag im Wasser unter ruhigen und komfortablen Bedingungen verbringen möchten.

Basis wie aus dem Katalog Schon bei der Einfahrt auf das Gelände sieht man, dass dieser Ort für Taucher gemacht ist. Ein großer Parkplatz, eine geräumige Basis, ein Shop und Verleih mit viel Ausrüstung sowie eine Füllstation für Tauchflaschen. Alles ist gut organisiert und auf eine große Zahl von Besuchern vorbereitet. Vor Ort

Text und fotos BARBARA GLENC

gibt es außerdem: ein Restaurant mit Blick auf den Steinbruch, Toiletten und Duschen, Schulungsräume sowie hölzerne Übernachtungshütten mit Blick aufs Wasser. Und der Ausblick von der Terrasse auf die ruhige Wasseroberfläche und die Steinbruchwände ist wirklich beeindruckend.

Es ist der ideale Ort für einen Tauch-Wochenendtrip oder mehrere Trainingstage. Die Infrastruktur ist sehr gut auf Taucher ausgerichtet und macht den gesamten Aufenthalt in Capernwray bequem und ausgesprochen angenehm.

Tauchgang

August. Ein Steinbruch. In meinem Kopf hatte ich das Bild der klassischen grünen Schwebesuppe. Kaum abgetaucht, erschien sofort ein Lächeln auf meinem Gesicht. Die Sicht betrug etwa 15 Meter – für diese Jahreszeit wirklich sehr gut. Im Winter soll sie angeblich sogar bis zu 40 Meter erreichen können. Die Wassertemperatur lag bei rund 23 °C, was für ein Binnengewässer ausgesprochen angenehm war. Die maximale Tie -

fe des Gewässers beträgt etwa 22 Meter, was lange, entspannte Tauchgänge und ruhige Erkundungen begünstigt.

Kompasse spielten verrückt

Das Einzige, was einen in Capernwray wirklich überraschen kann, ist die enorme Menge an Metallobjekten unter Wasser. Wracks, Stahlkonstruktionen und verschiedene Installationen führen dazu, dass sich Kompasse mitunter ziemlich chaotisch verhalten. Irgendwann begannen sich die Nadeln im Kreis zu drehen, weshalb man sich stärker auf den Plan des Gewässers und markante Orientierungspunkte verlassen musste. Das verleiht dem Ort einen Hauch von Explorationsatmosphäre.

Passagierflugzeug

Nach ein paar Minuten begann sich aus dem grünlichen Wasser ein riesiger Umriss herauszuschälen. Zuerst ein Flügel. Dann der Rumpf. Und schließlich das ganze Passagierflugzeug – eine Hawker Siddeley HS 748.

Ich tauchte durch die Tür ins Innere. Lichtstrahlen fielen durch die Fenster und zeichneten wunderschöne Bahnen ins Wasser. Am Ende des Rumpfs war das Heck abgetrennt. Man tauchte durch eine große Öffnung wieder hinaus, und ein paar Meter weiter lag das Leitwerk auf dem Grund. Das sah wirklich spektakulär aus.

Unterwasser-Spielplatz

Das war erst der Anfang der Attraktionen. Im weiteren Verlauf des Tauchgangs stießen wir auf weitere Objekte: eine Cessna 150, eine Piper PA-31 Navajo sowie die Hubschrauber Westland WS-51 Dragonfly und Westland Wessex. Auf dem Grund liegen außerdem größere Wasserfahrzeuge, darunter HMS Podsnap, Ted Tandy und das Boot Orca. Darüber hinaus befinden sich im Gewässer verschiedene Trainingsstrukturen, die speziell für Taucher vorbereitet wurden – eine Taucherglocke, ein Trainingscontainer, Plattformen sowie eine Unterwasser-Trainingshöhle. Auch an ungewöhnlicheren Elementen fehlt es nicht – etwa dem Mini-U-Boot Thunderbird 4, einem Zwergengarten oder verschiedenen Skulpturen, die in unterschiedlichen Teilen des Gewässers verborgen sind.

40 Minuten mit Stören

Die außergewöhnlichste Begegnung erwartete uns jedoch kurz vor dem Ausstieg, in nur wenigen Metern Tiefe. Rund um die Plattform begannen riesige Fische zu kreisen. Störe – anderthalb Meter lang, majestätisch und völlig ohne Scheu. Es waren ein gutes Dutzend. Sie zogen um uns herum ihre Kreise, kamen bis direkt vor das Objektiv, strichen an den Tauchern vorbei und wirkten, als seien sie genauso neugierig auf uns wie wir auf sie.

Ich schwebte im Freiwasser und beobachtete und fotografierte sie mehr als vierzig Minuten lang. 130 Minuten unter Wasser. Eigentlich sollte es ein kurzer Tauchgang werden. Am Ende waren es 130 Minuten unter Wasser. Ständig tauchte etwas Neues auf – ein weiteres Objekt, ein weiteres Foto, ein weiterer Blick auf die kreisenden Störe.

Als wir schließlich an die Oberfläche kamen, sagten die Finimeter alles. Wir kamen praktisch mit leeren Flaschen aus dem Wasser. Und da wurde uns eines klar – am meisten bedauerten wir, dass wir hier nur einen einzigen Tauchgang machen konnten…

Nachteile

Ein großer Nachteil der Basis ist der Bereich zum Umziehen. Es fehlte an Bänken und überdachten Unterständen. Wir machten uns am Kofferraum des Autos fertig, was bei gutem Wetter noch ohne größere Probleme machbar ist. Bei Regen oder Wind wäre das jedoch deutlich weniger angenehm gewesen. Für eine so beliebte und häufig besuchte Tauchbasis ist das Fehlen einfacher Möglichkeiten, sich in Ruhe umzuziehen, sich hinzusetzen oder die Ausrüstung vorzubereiten, ein ziemlich großer Minuspunkt. Ein paar Bänke und ein überdachter Bereich würden den Komfort der Taucher wirklich deutlich verbessern – besonders für diejenigen, die mit mehr Ausrüstung anreisen oder den ganzen Tag dort verbringen.

Lage

Capernwray Quarry liegt so günstig, dass man den Ort leicht als Zwischenstopp auf der Route oder für einen Wochenend-Tauchtrip besuchen kann.

Entfernungen von größeren Städten:

Manchester – etwa 140 km – 2 Stunden

Fahrzeit

London – etwa 450 km – 5 Stunden

Fazit

Manchmal passieren die besten Tauchgänge tatsächlich eher zufällig. Und genau so ein Zufall war Capernwray. Nach den anspruchsvollen Tauchgängen mit Robben, in bewegtem Wasser und  bei schlechter Sicht, landeten wir plötzlich an einem Ort, der nahezu komfortable, beinahe schon „luxuriöse“ Tauchbedingungen bot. Ruhiges Wasser, gute Sicht, eine enorme Zahl an Attraktionen unter der Oberfläche und eine hervorragende Infrastruktur machen Capernwray zu einem der interessantesten Binnen-Tauchplätze in Großbritannien. Für uns sollte es nur ein kurzer Zwischenstopp auf dem Heimweg sein. Es stellte sich jedoch heraus, dass dies einer jener Orte ist, an die man ganz sicher zurückkehren möchte – diesmal nicht nur für einen einzigen Tauchgang, sondern für mehrere Tage ruhiger Erkundung.

HÖHLENTAUCHEN in

Polen

Text PIOTR KARPIŃSKI

Fotos PIOTR KARPIŃSKI, JEREMIASZ MAJOR

Warten auf den Taucher

Als mein Freund Janek vom Warschauer Höhlenforscherverein mich fragte, wo ich gerne tauchen würde, antwortete ich zunächst: „In der Kasprowa-Niżnia-Höhle.“ Einen Moment später warf ich halb im Scherz ein: „Oder vielleicht in der MiętusiaHöhle?“ Ich hätte nicht gedacht, dass wir zwei Wochen später nass und durchgefroren am Grund dieser Höhle in der Tatra stehen würden.

Vorbereitungen für die Aktion

Die Miętusia-Höhle befindet sich in der Westtatra im MiętusiaTal und ist eine der größten Höhlen der Tatra. Die Gesamtlänge ihrer Gänge beträgt über 10 km. Die Höhle wurde 1936 entdeckt und in den folgenden Jahrzehnten aktiv erforscht. Den ersten Tauchgang in der Höhle unternahm Andrzej Zinserling. Die letzten Unterwassererkundungen wurden von Krzysztof Starnawski zusammen mit Andrzej Czubalski, Wiktor Bolka und Norbert Ziober durchgeführt.

Das Ziel unserer Aktion war ein Tauchgang im Siphon, der sich am Grund des als „Wielkie Kominy“ (Große Schlote) bezeichneten Teils der Höhle befindet. Das wahrscheinlich

letzte Tauchgang in dieser Höhle fand vor etwa 10 Jahren statt –es handelte sich um eine Unterwasserquerung (von den „Ciasne Kominy“ (Enge Schlote) zu den „Wielkie Kominy“), die von Mateusz Popek durchgeführt wurde. Das Tauchen in Siphons trockener Höhlen ist stets das Ergebnis der Arbeit eines gesamten Teams. Ohne die Unterstützung und das Engagement anderer Personen ist die Durchführung einer solchen Aktion im Alleingang praktisch unmöglich.

Die Höhle ist ausschließlich im Winter und nur bei günstigen Bedingungen zugänglich – der periodische Siphon muss trocken sein, damit man in die tieferen Teile des Systems vordringen kann.

ętusia

Miedzianka, Korytarz P etwonurka, Sala Lustrzana,Gilotyna, Studnia PodTrawersem, Syfon Kaczanosia, ......... Wisząca Salka Krakowski Korytarz Komin Wszystkich Św. (1)

W związku z zimowaniem nietoperzy należy ograniczyć zwiedzanie tzw. Starych Ciągów (Partii Nietoperzowych) od listopada do kwietnia.

Der Höhleneingang befindet sich auf einer Höhe von 1270 m ü.d.M. Die Erkundung beginnt mit einem sehr engen, etwa 200 Meter langen „Rohr“, was den Transport der Ausrüstung äußerst anspruchsvoll macht. Der Siphon in den „Wielkie Kominy“ liegt auf einer Höhe von – 223 m, was bedeutet, dass wir diesen Höhenunterschied nach unten überwinden müssen, um zum Wasser zu gelangen.

Start

Am Abend vor dem geplanten Einsatz setzten wir uns als Team zusammen, um einen detaillierten Aktionsplan festzulegen. Bei solchen Unternehmungen ist eine präzise Organisation die Grundlage für einen reibungslosen und sicheren Ablauf der Aktion.

Wir begannen mit der Analyse der topografischen Karte und der Überprüfung der Länge und Anzahl der Seile, die wir benötigen würden. Wir haben fünf Seilabschnitte, nahmen jedoch ein zusätzliches Seil für die „Röhre“ mit, um den Transport durch die enge Schwelle zumindest ein wenig zu erleichtern. Die Seile wurden in der richtigen Reihenfolge „zusammengeschnürt“, um die Sicherung (Befestigung der Seilabschnitte) zu optimieren.

Die Tauchausrüstung füllte fünf Höhlenrucksäcke. Ich versuchte, das Gewicht so gleichmäßig wie möglich zu verteilen – abgesehen von den Flaschen, die zwangsläufig am schwersten waren. Zum Tauchen nahm ich zwei 7-Liter-Flaschen mit, die auf 300 bar befüllt waren.

Am Morgen nahmen wir ein schnelles Frühstück zu uns, und sobald wir die Höhlenrucksäcke gepackt hatten, machten

CIASNE KOMINY

wir uns auf den Weg. Anfangs drückte der Rucksack buchstäblich in den Boden – obwohl ich einen Teil meiner persönlichen Höhlenausrüstung an andere Teammitglieder weitergegeben hatte, wog der Rucksack über 20 kg. In zügigem Tempo hatten wir einen etwa zweistündigen Aufstieg zum Höhleneingang vor uns.

Im Kościeliska-Tal kamen wir an spazierenden Touristen vorbei, die völlig ahnungslos waren, was wir auf dem Rücken trugen. Manchmal hörte man Witze über unsere riesigen Rucksäcke. Unterwegs legten wir zwei kurze Pausen ein, um zu verschnaufen und einen Teil unserer Kleidung auszuziehen – trotz der winterlichen Bedingungen war uns außergewöhnlich warm.

Nach einer Stunde bogen wir vom Weg ab ins Miętusia-Tal und betraten ein Gebiet, das ausschließlich Höhlenkletterern zugänglich ist.

In der Höhle

Am Eingang holten wir Luft, nahmen ein schnelles Mittagessen zu uns und zogen unsere Overalls sowie die für die Seilabschnitte erforderliche Höhlenausrüstung an. Als erstes stieg das Team für die Leinenverlegung hinab, um den Weg für das Transportteam vorzubereiten.

Die Höhle beginnt mit dem berühmten „Rohr“ –einem über 200 Meter langen horizontalen Abschnitt aus Engstellen und Verengungen, der allmählich nach un-

Vor dem Tauchgang
Taucher im Siphon

ten führt. Den gesamten Weg legt man praktisch auf den Knien kriechend zurück. Der Transport der Tauchausrüstung durch diese Abschnitte ist sowohl körperlich anstrengend als auch mit dem Risiko einer Beschädigung der Ausrüstung verbunden. Um die Gefahr einer Beschädigung der Flaschenventile zu minimieren, verwendete ich dank einer Idee von Janek selbstgefertigte Schutzhüllen aus Abwasserrohren. Die Dämpfung der Geräusche, die beim Anstoßen der Flaschen an den Felsen entstehen, wirkt sich zudem positiv auf die Stimmung des gesamten Teams aus.

Als ich mich mit der Flasche zwischen den Beinen hinunterrutschte, konnte ich immer noch nicht glauben, dass wir diese Aktion tatsächlich durchführten. Nach dem Verlassen des „Rohrs“ verspürte ich Erleichterung – die gesamte Ausrüstung war sicher angekommen.

Wir passierten den „hängenden See“, der den größten Teil des Jahres

Unter Wasser Unter

bis zur Decke unter Wasser steht und ein weiteres Vordringen unmöglich macht. Weiter vorne erwarteten uns Seilabschnitte, enge Durchgänge und weitläufige Säle.

Vier Stunden nach dem Einstieg erreichten wir den Eingang der „Wielkie Kominy“, wo wir auf das Verlegeteam trafen – Ania, Janek und Major. Nach einer kurzen Essenspause und der Vorbereitung der Tauchrucksäcke machten wir uns auf den Weg hinunter zum Siphon.

Vor dem Abstieg entfernte ich die Verschlusskappen von den Flaschen. Zusätzlich befestigte ich sowohl den Sack als auch die an einer Kletteröse hängende Flasche selbst am Gurt – eine doppelte Sicherung war notwendig. Allein der Gedanke an eine volle Flasche, die aus über 80 m Höhe herabstürzt, lässt einem das Blut in den Adern gefrieren.

Die „Wielkie Kominy“ sind dafür bekannt, dass es dort „in Strömen gießt“ – während des Abstiegs prasselt oft Wasser auf die Höhlenforscher herab. Man kann sich das so vorstellen, als würde es in der Höhle regnen. Bei einer Temperatur von etwa 4°C bedeutet dies eine schnelle Unterkühlung des Körpers.

Unten machte ich mich zügig an die Montage der Ausrüstung. Wir breiteten eine Plane aus, um uns umziehen zu können und die Ausrüstung vor Lehm und Sand zu schützen. Ich versetzte mich in einen Zustand völliger Konzentration: Flaschen, Anzug, Gurtzeug, Befestigung der Lampen am Helm, Überprüfung der Atemregler.

Als ich bereit war, gab ich das Signal, und wir machten uns auf den Weg zum Siphon. Es galt noch, einen Abschnitt der Rampe zu überwinden, die direkt ins Wasser abfiel. Über der Wasseroberfläche befindet sich noch immer eine kleine Plattform, die vor vielen Jahren angebracht wurde – der ideale Ort, um die Ausrüstung endgültig fertigzustellen. Siphons in den Tiefen von Höhlen haben schon immer meine Fantasie beflügelt, ich wollte schon immer sehen, „was hinter der Kurve liegt“.

Das Tauchen

Der Siphon beginnt mit einer schmalen Spalte; der erste Abstieg erfolgt völlig senkrecht. Bereits beim Eintauchen in das Wasser wurden Sedimente aufgewirbelt, und bis zu einer Tiefe von etwa 15 Metern schwamm ich bei sehr eingeschränkter Sicht. Darunter war das Wasser kristallklar.

Ich hatte vor, hinter den Siphon zu schwimmen, zu dem Abschnitt, der „Das doppelte Leben der Veronika“ genannt wird. Aufgrund der Verschlammung steuerte ich jedoch zunächst eine Vertiefung im Gang an, der zu den „Ciasne Kominy“ führt. In 30 Metern Tiefe war der Gang recht geräumig, mit schön ausgeprägten Flutes (Karrenformen an den Wänden). Ich empfand es als großes Privileg, diesen Ort erleben zu dürfen.

Auf dem Rückweg hatte ich vor, in „Das doppelte Leben der Veronika“ einzutauchen, was – falls ich mich entschlossen hätte, die zuvor vollständige Querung zu den „Ciasne Kominy“ zu absolvieren – einen viermaligen Abstieg auf 30 Meter bedeutet hätte. Ich entschied mich daher, die vollständige Querung zu den „Ciasne Kominy“ in beide Richtungen nicht durchzuführen. Die enorme Anstrengung, die mit dem Verlassen der Höhle verbunden ist, erfordert besondere Vorsicht im Hinblick auf das Risiko einer Dekompressionskrankheit.

Auf dem Rückweg bemerkte ich, dass der beim Eintauchen aufgewirbelte Schlamm in den Gang geflossen war, der zu „Das doppelte Leben der Veronika“ führt. Ich schwamm bei nahezu null Sicht entlang einer lose befestigten Führungsleine. Ich wusste, dass es in 30 m Tiefe einen „Durchgang“ gibt, eine Verengung, die zudem dazu neigt, sich zuzuschütten. Da ich das genaue Profil des Ganges nicht kannte und angesichts der Bedingungen beschloss ich, dieses Mal umzukehren. Wie meine Mentoren zu sagen pflegten: „Die Höhle wartet.“

Von 15 Metern bis zum Auftauchen betrug die Sichtweite etwa 30 cm. Die maximale Tauchtiefe betrug 30 Meter, die Zeit unter Wasser 30 Minuten, die Wassertemperatur 4 Grad Celsius.

Ich danke allen Teilnehmern dieser Aktion von ganzem Herzen für ihr Engagement, ihre Entschlossenheit und den enormen Einsatz. Ohne ein eingespieltes Team wäre die Durchführung eines solchen Vorhabens unmöglich gewesen. Es war großartig, dieses Abenteuer gemeinsam mit Euch zu erleben – bis zum nächsten Mal!

An der Aktion nahmen Mitglieder des Warschauer Höhlenforschervereins (Speleoklub Warszawski) teil:

Ania Kaliska

Jan Zabrzyjewski

Jan Grzeszek

Sławomir Derymacki

Arek Kowalski

Jeremiasz Major

Artur Juraszek

Andrzej Piotrowski

Maciek Piechota

Piotr Karpiński (Taucher)

Die MOLNÁR-JÁNOS-HÖHLE

Das Unterwasser-Budapest

Das majestätische Parlamentsgebäude, die mächtige Donau, entspannende Thermalbäder und... Lángos –das waren bis vor Kurzem meine Hauptassoziationen mit Budapest.

Ich habe diese Stadt mehrfach besucht (auch schon als Taucher), aber erst vor ein paar Jahren (auch durch frühere Ausgaben des Perfect Diver) wurde mir klar, dass sich unter der geschäftigen Stadt eines der außergewöhnlichsten Höhlentauchsysteme Europas verbirgt – die Molnár-János-Höhle. Die Geschichte von der Molnár-János-Höhle reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück und ist untrennbar mit den Thermalquellen Budapests verbunden. In der Umgebung der heutigen Höhle gab es Wassermühlen und Badehäuser, die das warme Wasser nutzten, das unter dem Rosenhügel (Rózsadomb) hervorströmte. Der Name des Ortes stammt von János Molnár – dem Besitzer einer der Mühlen, der als einer der Ersten die hydrologischen Phänomene dieser Gegend beschrieb. Jahrzehntelang waren nur kleine, trockene Abschnitte der Höhlengänge bekannt.

Der Durchbruch kam im 20. Jahrhundert, als die ersten Versuche unternommen wurden, die überfluteten Teile zu erkunden. Es stellte sich heraus, dass sich unter der Oberfläche ein ausgedehntes System von Gängen befindet, das durch sogenannten Thermokarst entstanden ist – ein Prozess, bei dem warmes, mineralreiches Wasser das Kalkgestein von innen auflöst. Die intensive taucherische Erforschung begann in den 1970er Jahren, und eine besonders dynamische Entwicklung der Untersuchungen fand nach dem Jahr 2000 statt. Ungarische Taucher entdeckten weitere Kilometer an Tunneln, Schächten und Kammern und schufen ein komplexes Netz aus Führungsleinen und festen Installationen. Heute erreicht das bekannte System eine Länge von ca. 8 Kilometern und wird noch immer weiter erforscht.

Text und fotos ŁUKASZ METRYCKI

Ein einzigartiges Merkmal von der Molnár-János-Höhle ist die konstante Wassertemperatur, die je nach Tiefe zwischen 20 und 28°C liegt, sowie die sehr gute Sichtweite. Diese kann jedoch durch unkontrollierte Tarierung sehr leicht ruiniert werden. Einer der Orte, an denen man besonders auf die Kontrolle der eigenen Position achten muss, ist ein Abschnitt der Höhle, der von den Guides „Sahara“ genannt wird wegen der hellen, gelblichen Sedimente, die den Boden bedecken. Es handelt sich dabei natürlich nicht um Wüstensand im klassischen Sinne, sondern um feinkörniges Karbonatmaterial, das durch die Auflösung und Neuablagerung von Kalkgestein entstanden ist. Beimischungen von Eisenoxiden verleihen ihm einen warmen Farbton, der im Licht der Tauchlampen tatsächlich an eine Unterwasserwüste erinnert. Bei ungeschicktem Flossenschlag oder nach einem kurzen Moment der Unaufmerksamkeit und fehlender Tarierkontrolle kann man

hier dieses gesamte Sediment aufwirbeln und einen fast vollständigen Sichtverlust für lange Zeit verursachen. Unter anderem aus diesem Grund, vor allem aber wegen des Höhlencharakters der Tauchgänge, muss man eine Reihe restriktiver Regeln befolgen. Die Tauchgänge werden in Gruppen

von maximal vier Personen durchgeführt (Guide und drei Taucher). Verdoppelte Ausrüstung (wie Maske, Tauchcomputer oder Lampe) ist keine Empfehlung, sondern Pflicht. Ein gültiges ärztliches Attest über die Tauchtauglichkeit sowie eine Tauchversicherung (z. B. DAN) sind erforderlich. Obligatorisch ist außerdem

Foto Konrad LUBCZYŃSKI

eine Doppelgeräte-Konfiguration (Twinset oder Sidemount) mit einem langen Schlauch (Minimum 210 cm) sowie ein Trockentauchanzug (es sei denn, wir begnügen uns damit, in der Zone 1 direkt am Eingang zu bleiben).

Die Tauchgänge werden nach der beim Höhlentauchen üblichen Regel für das Gasmanagement durchgeführt, der Drittelregel (Rule of Thirds). Nach dieser Regel dient 1/3 des Gases für den Hinweg, 1/3 ist für den Rückweg reserviert und das letzte 1/3 für Notfälle. In der Praxis bedeutet dies, dass man den Rückweg immer dann antretet, wenn der Erste in der Gruppe 150 Bar in seinem

Doppelgerät erreicht. Das gibt die Taucher eine große Sicherheitsmarge im Falle einer unerwarteten Situation.

Diese ganze Liste an Anforderungen ist keine Laune der Basis, sondern legt großen Wert auf Sicherheit, die beim Höhlentauchen die absolute Grundlage bildet. All dies wirkt gefährlich und könnte einige davon abhalten, in der MolnárJános-Höhle zu tauchen, aber es wäre besser, mit dem Urteil zu warten. Selbst Taucher mit durchschnittlicher Unterwasserorientierung werden sich nicht überfordert fühlen, wenn sie durch (manchmal auch engen) Gänge durchrutschen. Der Grund dafür ist die hervorragende Leinenführung auf jedem zugänglichen Weg und die genaue Beschilderung durch "Wegweiser", die die Richtung zum Ausgang, einschließlich Tiefe und Entfernung, anzeigen. Trotz der allgegenwärtigen Dunkelheit vermittelt der Anblick eines Pfeils mit der Aufschrift „EXIT – 106 m“ ein Gefühl der Sicherheit, selbst wenn man kein erfahrener Höhlentaucher ist und eher offenen Raum, blaues Wasser und bunte Riffe bevorzugt.

Die Molnár-János-Höhle ist einer der besten Orte für Höhlentauchausbildungen in diesem Teil Europas, wovon polnische Instruktoren häufig Gebrauch machen. Ein unbestreitbarer Pluspunkt ist auch die Organisation und Ausstattung der dortigen Basis. Die Gänge in der Höhle sind teilweise als Oberflächeninfrastruktur adaptiert und mit allem ausgestattet, was der Taucher für die Vorbereitung benötigt. Die Basis verfügt über ein komplettes Sortiment an Leihausrüstung, eine eigene, sehr effizient arbeitende Kompressoran-

lage sowie ein großes und hilfsbereites Team. Nach allgemeiner Auffassung sind die mexikanischen Cenoten der Mount Everest des Höhlentauchens, und mit ihnen wird alles andere verglichen. Ich bin jedoch in meiner Überzeugung bestärkt worden, dass eine „günstigere und nähere“ Alternative keineswegs nur eine mäßige Begeisterung wecken muss. Wie die Aufschrift vor dem Eingang der Höhle verkündet, ist die Molnár-János-Höhle eine wahre HAPPINESS FACTORY.

Ein besonderer Dank geht an Konrad von Nurkowanie.pl als Organisator der Reise.

Foto Konrad LUBCZYŃSKI

Wie die VENUS von MILO

Text MARCIN TRZCIŃSKI Foto DARIUSZ MROZEK

Æ Belichtungsparameter:

Modus: M, 1/160 Sek., f/16, ISO 100

Æ K amera: Nikon Z8

Æ O bjektiv:

Nikkor Z MC 105mm f/2.8 VR S Macro

Æ Geh äuse: Nauticam NA-Z8 + Planport (Flatport)

Æ Blitze: 2x Inon Z330

Da es nicht mein erster Trip nach Lembeh war, wusste ich bereits, worauf ich mich einließ – lange Stunden im Flugzeug, ermüdende Zwischenstopps und die ständige Angst, dass mein Gepäck irgendwo verloren geht. Aber die Aussicht war einfach zu verlockend, um sie aufzugeben. Zumal die Reise von Adam Sokólski organisiert wurde und sein Blue Photo Adventures ja bekannt für familiäre Ausflüge in kleine, aber sehr freundliche Tauchresorts ist… und für die Regel, dass ein Divemaster höchstens zwei Fotografen unter seine Obhut nimmt.

Also bin ich geflogen. Noch besser: Ich habe meine Frau mitgenommen. Ein perfektes Modell dazu – sie taucht, fotografiert aber nicht. Das bedeutete, dass ich meinen eigenen Spotter / Beleuchter hatte und gleichzeitig wertvolle Pluspunkte bei ihr sammeln konnte.

Es war wohl am vierten Tag der Reise, als wir uns nach einer kurzen Pause – die uns nach einem ganzen Tag Schuften unter Wasser zustand – noch für einen Nachttauchgang entschieden. Es begann „spektakulär“ – 15 Meter Tiefe, schwarzer Sand und absolut gar nichts. Die Aussichten waren so packend wie die Handlung im „Zauberberg“. Die nächsten Minuten schleppten sich hin wie ein Bummelzug von Buxtehude nach Hintertupfing, und die Luft hat noch nicht aus der Tauchflasche verschwunden, was diese Quälerei endlich beendet hätte. Ich war schon in eine leichte Lethargie verfallen, als plötzlich... Sie herbeigeschwommen kam. Meine Frau. Jedoch, statt eines ordentlichen Trimms und einer ruhigen Silhouette sah ich eine völlig aufgeregte Version von ihr, die gestikulierte wie eine italienische Zitrusfrüchte-Verkäuferin auf dem Campo de Fiori. Sie packte mich an der Hand und zerrte mich zum Marktstand. Pfui, ich meine natürlich in die endlose Dunkelheit, die sich vor uns ausbreitete. Ganz klar: Tiefenrausch. Aber ein paar Flossenschläge später musste ich alles zurücknehmen.

Mein Model saß wie die Venus von Milo auf einer weißen Muschel und musterte mich kritisch aus dem Augenwinkel. Eine solche Bewertung fällt normalerweise ziemlich schlecht aus, und der blasierte, gelangweilte Star schwimmt irgendwohin in die Tiefe davon. Normalerweise, aber nicht dieses Mal! Sobald ich anfing, ihr Profil ins Bild zu setzen, begann sie, sich vor dem Objektiv zu räkeln, zu verbiegen, zu drehen und ihren perfekt muskulösen Körper in Szene zu setzen. Mal bedeckte sie sich mit der weißen Muschel, mal entblößte sie sich, und sie hatte wohl so viel Spaß an den entstehenden Fotos als ich. Wir amüsierten uns so gut, dass ich mich fast vergaß und mich im letzten Moment gerade noch bremsen konnte, ihr die letzten Aufnahmen auf dem Display zu zeigen, um ihr ein paar weitere Posen vorzuschlagen.

Standardmäßig mache ich durchschnittlich etwa 4-5 Fotos von einem Motiv, aber hier nach kurzer Zeit hatte ich schon über fünfzig. Wahrscheinlich würde ich immer noch dort sitzen, wenn ich nicht befürchtet hätte, dass ihr der Ruhm zu Kopf steigt. In meiner Vorstellung sah ich schon die Rechnung für das Shooting auf dem Preisniveau von Cindy Crawford. Deshalb schwamm ich glücklich, wenn auch schon ein wenig wehmütig, in Richtung Oberfläche, wobei ich aus dem Augenwinkel sieben Arme sah, die mir zum Abschied zuwinkten.

Die Geschichte von Darek Mrozek wurde von Marcin Trzciński angehört und niedergeschrieben.

Ein taucher mit KAMERA

Text und fotos PIOTR STÓS

Es gibt keine klaren Richtlinien dafür, wie gut man tauchen muss, um mit der Unterwasserfotografie zu beginnen.

Für die einen kommt die Kamera erst dann ins Spiel, wenn sie sich völlig sicher fühlen und in der Lage sind, sich um mehr als nur die Kontrolle des Tauchgangs zu kümmern. Andere haben solche Bedenken nicht und wollen ihre Unterwasserabenteuer vom ersten Abtauchen an dokumentieren.

Vieles hängt von den Umständen, den Tauchbedingungen und der Unterstützung durch Partner und Guides ab. Eines ist sicher: Die Tauchfähigkeiten, die für einen Fotografen wichtig sind, entsprechen genau den Kompetenzen, die jeder gute Taucher besitzen sollte – nur dass sie wie ein Reflex beherrscht werden müssen. Die These, dass man umso besser fotografiert, je besser man taucht, wird durch das Beispiel aller hervorragenden Unterwasserfotografen, die ich kenne, bestätigt – denn sie sind gleichzeitig auch exzellente Taucher.

Tarierungskontrolle

Die Tarierungskontrolle – also die Fähigkeit, die Position im Freiwasser zu beherrschen – ist für einen Taucher-Fotografen am wichtigsten. Sie ist für ihn wie der Gleichgewichtssinn für einen Radfahrer – denn wie soll man Fahrrad fahren, wenn man sich ständig mit dem Fuß abstützen muss?

Eine gute Tarierung ermöglicht es, mit der Kamera in der Hand eine stabile, unbewegliche Position auf der gewünschten Tiefe zu halten und diese allein durch die Atmung zu verändern. Erfolgreiches Fotografieren ist nicht möglich, wenn der Taucher ununterbrochen mit den Flossen arbeitet, sich am Boden abstützt oder ständig zum Inflator greift, um seine Position zu korrigieren. Eng mit der Tarierung verbunden ist der Trimm – die horizontale Wasserlage des Körpers. Sie verringert den Wasserwiderstand sowie den Gasverbrauch und ermöglicht es, sich dem Grund zu nähern, ohne empfindliche Organismen zu beschädigen. Dies ist eine Fähigkeit, die wir unser gesamtes Tauch- und Fotografenleben lang perfektionieren.

Fortbewegung unter Wasser

Die meisten Taucher sind sich nicht bewusst, wie sehr sie sich beim Schwimmen mit den Händen behelfen. Das wird nur dann offensichtlich, wenn man mit einer Kamera in beiden Händen zu tauchen beginnt. Das ist einer dieser Momente, in denen man

zu dem Schluss kommt, wie schön es wäre, eine dritte Hand zu haben... Die Beherrschung einiger fortgeschrittener Flossenschlagtechniken – wie der Back-kick, der Helicopter-Turn sowie der modifizierte Frosch-Kick und der Kraulbeinschlag – wird dir die nötige Bewegungsfreiheit beim Fotografieren verschaffen, ohne die Hände benutzen zu müssen und ohne Sediment vom Boden aufzuwirbeln. Es lohnt sich, Zeit in das Erlernen dieser Techniken unter Aufsicht eines Tauchlehrers zu investieren, da sie einer der Schlüsselfaktoren für komfortables und präzises Fotografieren sind.

Wärmekomfort

Beim Fotografieren verbringt man viel Zeit bewegungslos, und das Auskühlen des Körpers nimmt einem schnell die Freude am Fotografieren. Die Wahl des richtigen Tauchanzugs ist hier entscheidend. Selbst in tropischen Gewässern bei Temperaturen von 29–30°C können wiederholte Tauchgänge an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen zu einer deutlichen Auskühlung führen, bei der man einfach die Begeisterung verliert. Ein 3-mmAnzug oder bloße Lycra-Bekleidung erweisen sich oft als unzureichend.

Viele Fotografen nutzen wärmere Neoprenanzüge, Eiswesten oder sogar Trockentauchanzüge – auch in Gebieten, die als warm gelten, wie das Rote Meer, wo die Wassertemperatur im Winter auf 21–23°C sinkt. Man sollte auch an eine Kopfhaube denken; sie verringert das Eindringen von Wasser in den Gehörgang und senkt das Infektionsrisiko. Es gibt wohl kaum etwas Frustrierenderes als eine Ohrentzündung, die dich zwingt, bei einer lang ersehnten Reise aufs Tauchen zu verzichten.

Zeit- und Atemgasmanagement

Beim Fotografieren verbrauchen wir mehr Gas als bei Tauchgängen ohne Kamera. Wir atmen tiefer bei Positionswechseln und der Suche nach dem besseren Motiv, strengen uns an, wenn wir eine Gruppe von Taucher-Models überholen, und bei der ersten Begegnung mit einem Walhai beschleunigen wir oft unbewusst unsere Atmung. In meinem Fall beträgt

dieser Unterschied fast 30% – es lohnt sich also, auch deine eigene fotografische SAC-Rate (Surface Air Consumption) zu überprüfen.

Wie geht man mit einem erhöhten Gasverbrauch um? Die einfachste Lösung ist das Tauchen mit einer größeren Flasche (15 Liter oder 100 CuFT) und manchmal auch mit einer zusätzlichen Stage-Flasche, die am Ende des Tauchgangs eine ausreichende Reserve versichert. Bei tieferen und/oder längeren Tauchgängen ist es ratsam, den Umgang mit einer Sidemountoder Twinset-Konfiguration zu erlernen. Diese bieten nicht nur einen größeren Gasvorrat, sondern auch Ruhe, die beim Fotografieren extrem wichtig ist.

Nicht unbedeutend ist auch dein Trainingszustand – das allgemeine Fitnessniveau und die bewusste Kontrolle der Zwerchfellatmung, die eine effektive Belüftung der Lunge gewährleistet. Versuche, nicht außer Atem zu geraten, und entwickle die Fähigkeit, die Emotionen, die das Fotografieren begleiten, zu kontrollieren. Das klappt wirklich.

Denke daran: Je tiefer du fotografierst, desto häufiger solltest du deinen Gasvorrat kontrollieren. Beim Fotografieren lässt du dich von der Arbeit am Motiv verschlingen und verlierst das Zeitgefühl. Die systematische Kontrolle des Finimeters ist eine der wichtigsten Gewohnheiten, die man sich aneignen muss, um den Tauchgang nicht „auf dem letzten Tropfen“ zu beenden. Emotionen verbunden mit einer scheinbar einmaligen Fotogelegenheit führen oft dazu, das Potenzial der Aufnahme zu überschätzen – und unter Stress gemachte Bilder sind selten so gut, wie wir im jeweiligen Moment glauben.

Nullzeitgrenzen

Genauso wichtig wie die Kontrolle des Gasvorrats ist die Kontrolle der verbleibenden Nullzeit. In Tiefen von mehr als 20 Metern kann diese Grenze sehr schnell schrumpfen. Wenn du keine Ausbildung für Dekompressionstauchgänge hast, ist das systematische Überwachen dieser Zeit absolut entscheidend.

Eine ungeplante Dekompression ohne entsprechende Gasreserve ist keine sichere Praxis. Das Risiko lässt sich teilweise durch die Verwendung von Nitrox verringern, was die Null-

zeiten verlängert, wobei gleichzeitig die maximale Tauchtiefe begrenzt wird. Bei den für Fotografen typischen „Sägezahn“-Tauchprofilen kann Nitrox auch das Risiko von Dekompressionskrankheits-Symptomen reduzieren.

Beende jeden Tauchgang mit einem Sicherheitsstopp und plane dafür immer eine Gasreserve ein. Bei der Arbeit in größeren Tiefen ist es oft eine gute Lösung, einen zusätzlichen Tauchcomputer im Sichtfeld zu platzieren – auf dem Kameragehäuse oder dem Blitzarm – sodass die Tauchparameter ohne Ablenkung vom Motiv sichtbar sind.

Mache es dir zur Regel, vor Beginn der Arbeit an einem neuen Motiv sowohl den Gasvorrat als auch die verbleibende Nullzeit zu überprüfen. So verpasst du nicht den Moment, in dem du sicher mit dem Aufstieg beginnen musst.

Neue Bedingungen, neue Herausforderungen

Unterwasserfotografien entstehen in sehr unterschiedlichen Umgebungen –von ruhigen, flachen Riffen bis hin zu tief liegenden Wracks, Höhlen oder Orten mit starken Strömungen. Bevor du anfängst, in einer für dich neuen Umgebung zu fotografieren, lerne, wie man dort sicher taucht. Absolviere ein entsprechendes Training und führe die ersten Tauchgänge ohne Kamera durch, um dich ausschließlich auf die Technik und den Aufbau sicherer Gewohnheiten zu konzentrieren.

Je größer deine Taucherfahrung ist, desto leichter wirst du die Herausforderungen behandeln, die die Umgebung und die Logistik der Unterwasserfotografie mit sich bringen. Zögere auch nicht, die Kamera auf dem Boot zu lassen, wenn du merkst, dass die Bedingungen zu schwierig sind und du dich dieses Mal ganz aufs Tauchen konzentrieren musst. Einen Tauchgang kann man wiederholen, aber Sicherheit steht an erster Stelle.

Du und deine Ausrüstung

Fotoausrüstung ist teuer und wir leihen ihr während des Tauchgangs viel Aufmerksamkeit. Es lohnt sich jedoch, sich im Voraus ein paar unbequeme Fragen

zu stellen: Was machst du, wenn du die Kamera loslassen musst, um deinem Buddy zu helfen? Wie reagierst du, wenn du Wasser im Gehäuse bemerkst? Reicht deine Gelassenheit aus, um den Tauchgang sicher zu beenden, anstatt an die Oberfläche zu sprinten, um die Ausrüstung zu retten, egal was sonst passiert? Wie verhältst du dich, wenn du die Kamera beim Einstieg ins Boot auf den Grund fallen lässt?

Das Bewusstsein für solche Situationen dient nicht der Panikmache, sondern der mentalen Vorbereitung. Es macht rationales Handeln einfacher, wenn etwas schiefgeht. Wenn es dir möglich ist, kannst du auch deine

Ausrüstung versichern – es sorgt für innere Ruhe und hilft dir, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Tauchen mit einem Partner

Tauchen ist von Natur aus eine Teamaktivität, und Unterwasserfotografie muss das nicht ändern. Eine eingespielte Gruppe von Fotografen kann zusammen tauchen, ohne sich zu verlieren oder Sicherheitsregeln zu verletzen. Ein Tauchpartner ist nicht nur jemand, der das Sicherheitsniveau erhöht, sondern auch ein potenzielles Model, ein Assistent oder jemand, der ein interessantes Fotomotiv entdeckt.

Wenn du in einer neuen Gruppe tauchst, stelle sicher, dass dein fotografischer Tauchstil akzeptiert wird und dass du dich nicht sofort nach dem Einstieg ins Wasser von der Gruppe abtrennst und unfreiwillig zum Solotaucher wirst.

Apropos – ist „Solo-Tauchen“ eine schlechte Idee? Das hängt von dir ab. Viele fortgeschrittene Fotografen benötigen Zeit und ungeteilte Aufmerksamkeit, um sich ausschließlich auf das Motiv zu konzentrieren. Meistens erlauben ihre taucherischen Fähigkeiten und ihre Erfahrung die sichere Durchführung solcher Tauchgänge. Das ist jedoch kein „Sport“ für jedermann. Es erfordert eine entsprechende Ausrüstungskonfiguration, ausreichende Gasreserven, ein hohes Maß an Verantwortung sowie eine formale Zertifizierung. Wenn du diese Stufe erreicht hast, merke dich, selbstständige Tauchgänge immer mit deinen Partnern und den Organisatoren abzusprechen. Lass nicht zu, dass dein Fotospaß auf Kosten des Stresses anderer geht.

Kurs auf den gesunden Menschenverstand

Ein guter Unterwasserfotograf ist in der Regel auch ein sehr guter Taucher. Passiert es dennoch, dass man auf der Jagd

nach der perfekten Aufnahme die Sicherheitsregeln vergisst? Natürlich – diese Gefahr besteht für jeden von uns. Je größer die Erfahrung und je spezifischer die fotografischen Ziele, desto leichter ist es, Grenzen zu überschreiten.

Hand aufs Herz geben wir zu, dass kein Foto es wert ist, die eigene Sicherheit und die der Partner zu gefährden, und doch sind wir – im Eifer der Jagd nach dem perfekten Motiv – manchmal bereit, tiefer zu tauchen als geplant, länger unter Wasser zu bleiben, als es die sichere Gasreserve erlaubt, ohne angemessene Ausrüstung in schwieriges Terrain vorzudringen oder uns von der Gruppe zu trennen und in die blaue Ferne davonzuschwimmen.

Kein Foto ist es wert, Gesundheit oder Leben zu riskieren. Leider gibt es keine Kurse, in denen Fotografen lernen, unter Wasser keine Dummheiten zu machen. Die Lizenz für den gesunden Menschenverstand muss sich jeder von uns selbst erarbeiten.

Der Text stammt aus dem polnischen Buch „Fotografia podwodna bez tajemnic“ (Unterwasserfotografie ohne Geheimnisse), das noch in Vorbereitung ist.

Die Kamera unter Wasser ist nur ein Werkzeug, und erst bewusstes, kompetentes Tauchen schafft den Raum für erfolgreiches Fotografieren. Wenn die Grundlagen von Sicherheit und Kontrolle gemeistert sind, stellt sich die nächste Frage: Warum sehen selbst korrekt belichtete Fotos unter Wasser oft „flach“ und blass aus? In der nächsten Folge sehen wir uns an, wie sich das Licht im Wasser verhält und welche Werkzeuge wir nutzen können, um großartige Unterwasserfotos zu machen.

Piotr Stós – Unterwasserfotografie-Instruktor, SSI Instructor Trainer, Inhaber von Nautica Safari

AUSATMEN!

WIE MAN VERHINDERT, DASS DIE ATMUNG GEGEN EINEN ARBEITET

Du wechselst unter Wasser die Maske und steigst plötzlich auf?

Du wechselst den Atemregler, und das Gleiche passiert?

Du greifst nach hinten zum Flaschenventil, und schon befindest Du Dich auf dem Weg zur Wasseroberfläche?

Meistens geschieht dies, weil unsere natürliche Reaktion auf Stress ein unwillkürliches Einatmen ist.

Das Einatmen vergrößert das Lungenvolumen und damit den Auftrieb. Deshalb beginnen wir unter Stress oft, aufzusteigen, ohne es überhaupt zu merken.

Wir wollen das einmal näher betrachten.

Du bist dabei, deine Maske abzunehmen, und das Letzte, was Du vor dem Abnehmen der Maske tust, ist... einatmen. Allerdings hast Du du die ganze Zeit einen Regler im Mund, also kannst Du mit dem nächsten Atemzug problemlos warten.

Die zweite Situation: Reglertausch. Natürlich möchtest Du die Zeit ohne Regler im Mund so kurz wie möglich halten, aber dennoch geschieht es: Direkt vor dem Herausnehmen des Reglers aus dem Mund…. atmest Du nochmal ein.

Du möchtest das Flaschenventil kontrollieren oder öffnen, und fast automatisch atmest du beim Griff nach hinten ein – auch wenn dieses Einatmen die Bewegung diesem Fall nur erschwert. Es gibt viele ähnliche Situationen beim Tauchen.

Von dem Wunsch, während des Einsteigerunterrichts „sicherheitshalber noch ein bisschen einzuatmen“, über Skill-Training

auf verschiedenen Leistungsstufen bis hin zu wirklich unerwarteten Situationen, wie z. B. ein einfacher Ausfall in einer Höhle oder bei einem Nachttauchgang.

Ein guter Freund von mir, ein erfahrener Ausbilder, schoss mehrmals an die Oberfläche, während er die Übung „verlorene Maske“ absolvierte. Als ich ihn darauf ansprach, konnte er nicht wirklich erklären, was passiert war. Als wir das Trainingsvideo überprüften, stellte sich heraus, dass seine Ausatemblasen direkt nach dem Abnehmen der Maske einfach verschwanden.

In mehr als 20 Jahren Arbeit mit Tauchschülern habe ich viele Notizen gemacht, um die Handlungen zu identifizieren, die am häufigsten das reflexartige Einatmen auslösen und um die Gewohnheit zu dokumentieren, das Ausatmen abzubrechen.

Die häufigsten Auslöser sind:

Maskenübungen

Reglertausch

Bewegungen mit viel mehr Kraft als nötig (zum Beispiel bei Ventilübungen)

Die Liste der auslösenden Sit uationen ist ziemlich lang. Von einem unnötigen Einatmen beim Ablassen von Gas aus dem Tariermittel über das Einatmen beim Posieren für Fotos bis hin zum Einatmen beim Urinieren durch ein P-Ventil – jedes einzelne Mal endete es entweder mit dem Beginn des Aufstiegs oder mit einem völlig unkontrollierten Aufstieg.

Fassen wir diesen Teil in einem Satz zusammen: Du wirst zahlreiche Schritte viel ruhiger ausführen, wenn du sie mit einem Ausatmen beginnst.

Text WOJCIECH A. FILIP
Foto TECLINE

WIE MACHT MAN DAS?

Am einfachsten ist es, mit deinem Lehrer oder Tauchpartner abzusprechen, dass sie dir vor jeder Übung das Signal „Ausatmen“ geben.

Du musst zum Flaschenventil greifen – beginne mit einem Ausatmen.

Du sollst den Atemregler wechseln – beginne mit einem Ausatmen.

Es ist nicht erforderlich, kräftig auszuatmen – Atme einfach ruhig aus, und erledige dann die Aufgabe.

OKAY, ABER IRGENDWANN MUSS ICH WIEDER EINATMEN!

Na klar!

Bleibe einen Moment im ausgeatmeten Zustand, dann atme langsam und leicht ein.

Wie leicht?

DIE „SESSELREGEL“ oder: Yoga vs. Karate

Zieh einen Jogginganzug oder andere bequeme Kleidungsstücke an.

Setze dich in deinen Lieblingssessel, und entspanne dich. Passe deine Sitzposition so lange an, bis du wirklich bequem sitzt.

Schließe für einen Moment die Augen und... gähne ganz normal – atme Luft durch den weit geöffneten Mund ein, und atme dann aus. Denke an etwas Angenehmes, oder lies ein paar Seiten in einem Buch.

Wenn jemand deine Atmung in diesem Moment messen würde, wäre das Ergebnis ungefähr folgendes: Du machst etwa 8–12 ruhige Atemzüge pro Minute, und jedes Einatmen umfasst etwa 0,5 Liter Luft.

Wenn Du dir nach dem Abstieg, aber bevor du tatsächlich eine Vorwärtsbewegung beginnst, genau diesen „Sesselmo-

ment“ gönnst, wird es dir sehr leicht fallen, dich an dieses Atemmuster zu erinnern: ruhig, nicht zu tief.

Natürlich muss deine Ausrüstung so bequem sitzen, wie der Jogginganzug und Du musst genauso entspannt sein, wie in diesem Sessel.

Stabilisiere deinen Auftrieb, und schließe für einen Moment die Augen. Das Ganze dauert etwa eine Minute.

Ändere nicht deine Art, zu atmen, beschleunige die Atmung nicht, mache keine plötzlichen Bewegungen. Lass das Wasser dich tragen – kämpfe nicht dagegen an.

OKAY, ABER WIE LANGE KANN MAN DAS DURCHHALTEN?

Na, während des gesamten Tauchgangs!

Damals, als Krzysiek und ich einen Tauchgang jenseits der Engstelle in der Glavas-Höhle machten, war dort vorher noch niemand gewesen. Man kann sich also die Situation vorstellen: Der erste Tauchgang in diesem Bereich, Erkundung, Neugier auf die andere Seite der Engstelle...

Nachdem wir das Filmmaterial veröffentlicht hatten, sah sich jemand das Video von diesem Tauchgang an und fragte mich: „Warum atmest du so langsam?“

Ich atme normal. Das ist einfach meine Hobby-Atemtechnik, und ich versuche, sie ständig anzuwenden.

Du musst es nicht von Grund auf lernen, Denn Du weißt schon, wie es geht. Du musst dich nur daran erinnern, wie Du in deinem Lieblingssessel atmest.

Das ist kein Witz: Achte nur darauf, dass kein Teil deiner Ausrüstung im Weg ist – und leg‘ los.

Du verringerst nicht nur Deinen Gasverbrauch, du wirst auch viel mehr sehen.

UND WAS SOLL DER VERGLEICH VON YOGA UND KARATE?

Viele Jahre lang war ich im Kampfsport tätig.

Yoga ist großartig – es hilft dir, dich zu beruhigen und deinen Körper zu stabilisieren – aber es lehrt dich auch, von Grund auf neu zu atmen. Und meistens durch die Nase, was wir unter Wasser nicht wirklich verwenden können.

Wir Menschen mögen es nicht, das Atmen neu zu lernen.

Jedes Mal, wenn wir eine „Atemtechnik“ ausprobieren, driften wir nach einer Weile zu unserem natürlichen Muster zurück, weil es keine ständige, bewusste Kontrolle erfordert.

Foto Nguyen HUNG
Foto Jared RICE

Unter Wasser funktioniert es genauso. Wenn du dich nur darauf konzentrierst, deine Atmung zu kontrollieren, steigt dein Stressniveau, bis du außer Atem bist – obwohl du versuchst, „perfekt“ zu atmen.

UND KARATE?

Hier wird es interessant.

In vielen Verteidigungstechniken ist der eigentliche Moment der Handlung mit einem Ausatmen verbunden. Im Laufe der Jahre habe ich bemerkt, dass ich in stressigen Situationen ganz natürlich kurz ausatme und meinen Rumpf anspanne – etwas, das dem Ibuki sehr ähnlich ist.

Das Ausatmen taucht dort in vielen Elementen auf: Kiai, Nogare und Kime zum Beispiel.

Wir machen solche Übungen zwar nicht im Sessel sitzend, aber wenn ich auf eine Schule verweisen müsste, die einem wirklich beibringt, unter Stress auszuatmen, dann ist es die japanische Schule, die im Grunde ziemlich „tauchermäßig“ ist 

DEIN SESSEL VOR DEM FERNSEHER SAGT DIR, WIE DU ATMEN SOLLST

Du glaubst es nicht?

Anstatt zu versuchen, dich zu überzeugen, möchte ich Dir einen einfachen Test vorschlagen:

Bereite eine Leine mit Markierungen alle 0,5 m vor, und hänge sie vertikal dort auf, wo du trainierst (zum Beispiel an einer Boje).

Absolviere eine Übung, die dir nicht so sehr gefällt – zum Beispiel die Maske abnehmen und wieder aufsetzen, während du im Freiwasser schwebst.

Erstens: Mach es so, wie du es sonst machst. Bitte deinen Tauchpartner zu prüfen, wie sehr sich deine Tiefe verändert hat.

Dann mache eine Pause, und versuche es erneut, wobei Du deine „Sessel-Atemtechnik“ benutzt.

Ein halber Liter beim Einatmen und ein halber Liter beim Ausatmen – das hält normalerweise die Tiefenunterschiede bei verschiedenen Aufgaben innerhalb von etwa ± 0,5 m.

DIE SCHARFSCHÜTZENSCHULE – FÜR DIEJENIGEN, DIE KEIN YOGA ODER KARATE MÖGEN

Wie wäre es mit Präzisionsschießen?

Schützen verwenden ein sehr einfaches Atemmuster: Einatmen → langsames Ausatmen → Atempause → Schuss Anscheinend wissen auch sie einiges über bequeme Sessel 

AUSBILDUNG

Versuche nicht, die ganze stressige Übung auf einmal durchzuziehen. Zerlege sie in Abschnitte. Denke darüber nach, wo für Dich die Probleme liegen.

Nimm deine Maske ab, und atme einfach ruhig.

Sobald du sie wieder aufsetzt, blase sie nicht sofort aus, sondern fange mit einem Ausatmen an, und die Maske wird allein dadurch wieder frei.

Sich bewusst zu sein, was man unter Wasser tut, ist die Fähigkeit, jene Elemente zu erkennen, die nicht funktionieren, wie sie sollen – und Probleme ruhig zu beheben.

WELCHE VORTEILE HAT DAS AUSATMEN?

Es senkt die Spannung im Nervensystem

Es stabilisiert den Körper

Es erleichtert die Kontrolle der Rumpfmuskulatur

Es reduzier t das Risiko reflexartiker, hektischer Atmung unter Stress

Es bietet eine kurze Atempause, in der es einfacher ist, eine präzise Aufgabe zu erledigen

UND DAS IST ALLES?

Natürlich nicht.

Wie du unter Wasser atmest, liegt immer bei dir.

Das Wichtigste ist, dass deine Atmung CO₂ effektiv aus deinem System entfernt.

Wenn Du deine Atmung nicht verlangsamen kannst, frage deinen Tauchlehrer, ob deine Atemregler zu viel Atemwiderstand erzeugen oder ob Du einfach zu viele plötzliche, kraftvolle Bewegungen unter Wasser machst.

Das Thema wird noch interessanter, wenn wir zum technischen Tauchen kommen – aber das ist eine Geschichte für einen anderen Artikel.

DENKE DARAN:

Manchmal ist der beste Atemlehrer... dein Lieblingssessel. WAF

https://teclinediving.eu/de/academy/#/

Foto Kira Rauner

GOODMAN HANDLE

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