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Ausgabe 183 (Mai 2026)

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Hallo Darmstadt.

– 14

Suche und finde, Folge 68 16

Darmstädter Flohmarktübersicht 2026 18 – 21

Blackbox mit Heineraudio 22 – 24 „Huch, ein Buch!“ und die Leselust 26 – 29

Gestrickt und verhäkelt! 30 – 33

Objektiv (Konzertfotos) 34

Aufgeschnappt: Stadtkultur-Neuigkeiten 36 – 39 Das literarische Darmstadt im Mai

– 43 Kunst-Highlights

mit Goonsquad343 (Grabenlos)

Stilsicher – made in Darmstadt, Folge 111: die Online-Ticket-Plattform Ztix

und Gehen

Pappeln, Folge 136

– 46 Theater-Tipps

Veranstaltungskalender

+ 49

– 67

Foto („Schuknecht-Zebra“): Nouki

Favoriten des Monats

„Frühlingserwachen“ des Waldkunstpfads

Zum 13. Mal gehen internationale Künstler:innen in den hiesigen Wald und erschaffen Werke, die in engem Austausch mit dessen Bewohnern stehen. Was können wir von Bäumen lernen? Als Projekt der World Design Capital 2026 beschäftigt vor allem die Frage, ob es „demokratische“, also waldgemeinschaftliche Prozesse gibt. Die Antwort findet sich (vielleicht) in der Kunst – und in verschiedenen Workshops. Zur Auftaktveranstaltung „Frühlingserwachen“ gibt's Kaffee und Kuchen, ein Kinderprogramm und Kurzführungen. Außerdem wird ein 3,50 Meter großer Stahl-Hase des Künstlers Gleb Dusavitsky eingeweiht. (ah) Internationaler Waldkunstpfad (am Infostand) | Fr, 1.5., 14 bis 17 Uhr – danach: 24/7 geöffnet | Eintritt frei

Kultig, unterhaltsam, einmalig: Professor Bernhard Meyer und Stefanie Zimmermann laden zu einer Neuauflage ihres beliebten Formats „SonnTalk“ ein. Drei Stunden lang gehen sie mit ihren Gäst:innen aus Kunst, Kultur und Wissenschaft – Aurora DeMeehl, Schauspieler Hans-Joachim Heist, KI-Experte Prof. Dr. Stefan Pickl sowie dem Autor Jan Weiler – in ein vielschichtiges, scharfsinniges und humorvolles Gespräch. Die Veranstaltung wird vom Lions Club Darmstadt-Castrum organisiert, die Einnahmen kommen dem Darmstädter Hospiz zugute. (ah)

Orangerie | Fr, 1.5. | 16 bis 19 Uhr | 10 / 15 / 20 € (Karten online unter: Lions-DAC-Freitalk.eventbrite.de)

„Live!Jazz“:

Mit gleich vier Konzerten verabschiedet sich die Jazzreihe der Stadtkirche in die Sommerpause. Besonders spannend wirkt das Projekt „Frei Aber Einsam“ des Kontrabassisten Carl Wittig. Mit seinem Quartett gelingt ihm der Spagat aus Anklängen an die Welt der klassischen europäischen Musik mit der modernen Sprache des Jazz samt Raum für Improvisation. Aber auch die Miles-Davis-Hommage (bereits am 1.5.), Claudia Tesorinos Video-und-MusikKonzept (15.5.) sowie Fiona Gronds poetische Exkursionen (23.5.) versprechen mitreißende Abende. (gr)

Stadtkirche | Sa, 2.5. | 19.30 Uhr | 20 €

Bereits seit letztem Jahr lädt die Projektgruppe „Clean Our Planet Dude/ines“ vom NABU Darmstadt zum kollektiven Plogging. Der schwedische Trend verbindet körperliche Bewegung und Müllsammeln, Ihr tut also der Natur und Eurem Körper etwas Gutes. Obendrauf gibt es inspirierende Gespräche mit der Community. Also nichts wie hin da! PS: Müllgreifer und Säcke werden vom EAD gestellt, eigene Handschuhe müssen mitgebracht werden. (fr)

Bürgerpark Nord, Treffpunkt: Tram-Haltestelle „Eissporthalle“ | So, 3.5. | 14 Uhr (Aktion läuft bis 17 Uhr) | Teilnahme kostenfrei

Abbildung: Clean Our Planet + NABU Darmstadt
„FreiTalk“ MITDENKEN UND MITLACHEN
Abbildung: Bernhard Meyer
Carl Wittig (Leipzig) JAZZ IM KLANGRAUM KIRCHE

Favoriten des Monats

„DemokratieKioske“

An diesem Frühlingsabend steht handgemachte Musik mit Tiefgang im Fokus. Weil Sister Andi musiktechnisch gerade pausiert, berührt uns Vince Kokot (My Sister Grenadine) solo an der Ukulele – mit minimalistischem Folk und „radikaler Softness“. Dazu gesellt sich das Odenwälder Duo „nickels°on“, das 2021 auf einer Eckcouch gegründet wurde. Mit Gitarre, Gesang und Haltung liefern sie sarkastisch-smarte Protestlieder voll pointierter Alltagsbeobachtungen. Eine stimmige Kombi, gemütliche Atmosphäre garantiert! (mks)

Struppi | So, 3.5. | 19 Uhr | Eintritt frei, Spende erwünscht

KUNST UND GEMEINSCHAFT

Keine Getränke oder gemischten Tüten – in diesem Sommer gibt es an zwei „DemokratieKiosken“ in der Innenstadt Kunst, Kultur und Gemeinschaft! Im Rahmen der World Design Capital 2026 bieten verschiedene Künstler:innen kostenlose Workshops für Erwachsene, Kinder und Jugendliche an, um zeichnend, musizierend oder rappend gemeinsam Demokratie und Zukunft neu zu denken. Alle Details unter: demokratiekiosk.de. (ah) Radioworkshop mit Era Geldes (nur für Jugendgruppen): Carree | Mo, 4.5. + Urban Scetching mit Kerstin Lichtblau: Carree | Sa, 9.5. + Rap-Workshop mit Heartbeat Edutainment (nur für Jugendgruppen): Ludwigsplatz | Di, 26.5. | jeweils 15 bis 18 Uhr Eintritt frei

Parade zur Gleichstellung

BUNT, LAUT, STARK!

Am jährlichen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen soll bei dieser Demo-Parade mit genreübergreifender Musik und Theaterperformances auf strukturelle Benachteiligungen hingewiesen werden. Mit musikalischer Untermalung aus den Genres theatralische Straßenmusik, Rap, Pop-/Party-Musik, Gesangschor, Street-Percussion-Music und Elektro sowie pädagogisch-kreativen Theateranteilen laden die inklusiven Künstler:innen zum Mitmachen, Nachdenken und Feiern beim Demo-Walk durch die Innenstadt ein. (sdu)

Startpunkt: Marktplatz | Di, 5.5. | 17 Uhr | Eintritt frei

Bill Laurance (London) FUSION-JAZZ

Fünf Grammys stehen bei Bill Laurance im Regal! Internationale Bekanntheit erlangte der britische Fusion-Musiker und Produzent Mitte der 2000er als Mitglied der Jazzrock-Band Snarky Puppy. Heute gilt Laurance als „Jazz Maestro“ und stellt immer wieder einzigartige Kreativität und Improvisationsfreude unter Beweis. Für sein aktuelles Soloalbum „Lumen“ konzentrierte sich der klassisch ausgebildete Pianist auf sein Talent am Flügel – und kreierte einen impressionistischen Klangkosmos. (mn)

Centralstation (Saal) | Mi, 6.5. | 20 Uhr | 38 €

My Sister Grenadine (Berlin) / nickels°on (Modautal) FOLK
Abbildung: Annemone Taake
Abbildung: Demokratiekiosk

Favoriten des Monats

Das Atelier Schmitthut ist nicht nur Darmstädter:innen als gute Adresse für innovative Hutkreationen bekannt. Nun hat Susanne Schmitt ein ganz dolles Modell entwickelt, das Papier neu in Szene setzt. In der Ausstellung „HA4TS“ verwandelt die Hutmacherin simple DIN-A4-Bögen in überraschend tragbare Hüte. Die Werkschau zeigt den Weg dorthin – von ersten Skizzen über Tüftelei bis zu fertigen Modellen. Zwischen DIY, Design und Nachhaltigkeit entsteht im Rahmen der World Design Capital 2026 ein Format, das ebenso spielerisch wie alltagstauglich ist und weit mehr kann als nur gut aussehen. (jhi)

Schmitthut | noch bis Sa, 16.5. | Fr: 14 bis 18 Uhr + Sa: 11 bis 14 Uhr | Eintritt frei

Rauf auf die Boards und rein in die Obstacles! Das Railslide Darmstadt lädt zum fünften Plaza Jam im Bürgerpark ein. Ab 11 Uhr können sich die Teilnehmer:innen beim offenen Contest in drei Formaten (Game of Skate, Best Trick, Open Stuff) untereinander messen. Dabei gibt's Sachpreise wie Klamotten und Skateboard-Hardware zu gewinnen. Währenddessen versorgen Euch die DJs Jimmy Smooth & Casper mit passendem „Skate-Park-Classics“-Sound. Wer es etwas ruhiger angehen will, kann bei einem der Skate-Schnupperkurse mitmachen – dabei ist egal ob Anfänger- oder Wiedereinsteiger:in. (ys)

Bürgerpark | Sa, 9.5. | 11 bis 18 Uhr | Teilnahme kostenlos, Eintritt frei

„Velo,

Werkeln & Vinyl V“

„Do it yourself statt machen lassen!“ Bring Dein kaputtes Bike mit und lerne von den Radreparatur-Profis des Prima e. V., wie Du es wieder zum Rollen bringst. Werkzeug und Ersatzteile werden gestellt, mitbringen musst Du nur Neugier und Motivation. Besonders gesellig wird's mit Drinks, leckerem Essen und guter Musik – von Didem und Simon Dörken (Vinyl) sowie Shammer & Luggez (modulare Synthesizer), am Maltisch und bei Spielen für die Kids. Wie immer hat die „zwanzig°“ -Fahrradwerkstatt ihre Drehmomentschlüssel im Spiel. Let's repair it! (lak + ct)

Kleiner Woog (Rudolf-Müller-Anlage) | Sa, 9.5. | 14 bis 22 Uhr | Eintritt frei

Horseman (Darmstadt)

Ursprünglich als Akustikduo gegründet, wandte sich die heute sechsköpfige Formation einer Mischung aus Psychedelic- und Folkrock zu. Damit erweitert Electric Horseman den Kreis lokaler Anhänger des erdigen 60s-Vintage-Rock und baut bei epischen Kompositionen auf Tempiwechsel mit präzisen Breaks. Beim Releasekonzert des ersten Vinyl-Albums „Under The Weather“ samt weiteren Lieblingstiteln werden befreundete Musiker als Gäste erwartet. Unbedingt noch einmal die Stage besuchen, denn ihre Tage sind gezählt: Der Kulturclub schließt nach nur einem Jahr leider bereits wieder. (gr) Klingt wie: Neil Young, Tom Petty and the Heartbreakers, Jason Isbell and the 400 Unit Stage | Sa, 9.5. | 20 Uhr | 5 bis 10 €

Plaza Jam Vol. 5
Abbildung: Railslide

MAI

4 Mo 17:00 – 19:30

5 Di 17:00 – 19:30

6 Mi 15:00 – 16:30

8 Fr 16:30 – 19:30

9 Sa 10:00 –13:00

12 Di 17:00 – 19:30

13 Mi 15:00 – 16:30

18 Mo 17:00 – 19:30

19 Di 17:30 – 19:30

20 Mi 15:00 – 16:30

22 Fr 16:30 – 19:30

10:00 – 13:00

17:00 – 19:30

Mi 15:00 – 16:30

Aufbaukurs Drehscheibe: hohe Zylinder

Matsch & Maki: Töpfern mit Sushi

Kids Clay Play: Termin 1 von 4

Töpferkurs Drehscheibe: erste Schritte - Tag 1

Töpferkurs Drehscheibe: erste Schritte - Tag 2

After Work Clay Play

Kids Clay Play: Termin 2 von 4

Aufbaukurs Drehscheibe: Teller drehen

Mach mal: Napf und Näpfchen

Kids Clay Play: Termin 3 von 4

Töpferkurs Drehscheibe: erste Schritte - Tag 1

Töpferkurs Drehscheibe: erste Schritte - Tag 2

Kids Clay Play: Termin 4 von 4

JUNI

2 Di 17:30 – 19:30

5 Fr 16:30 – 19:30

6 Sa 10:00 –13:00

9 Di 17:30 – 19:30

12 Fr 17:00 – 19:00

16 Di 17:30 – 19:30

19 Fr 16:30 – 19:30

19 Fr 17:00 – 19:00

20 Sa 10:00 –13:00

23 Di 17:30 – 19:30

Keramik bemalen: dein Matcha-Set

Töpferkurs Drehscheibe: erste Schritte - Tag 1

Töpferkurs Drehscheibe: erste Schritte - Tag 2

Mach mal: Creative Wallhangings

Glasurkurs: Glasiere deine Keramik

Mach mal: Happy Geburtstagsteller

Töpferkurs Drehscheibe: erste Schritte - Tag 1

Glasurkurs: Glasiere deine Keramik

Töpferkurs Drehscheibe: erste Schritte - Tag 2

Keramik bemalen: dein Lieblingsbecher

Glasurkurs: Glasiere deine Keramik

26 Fr 17:00 – 19:00 After Work Clay Play

30 Di 17:00 – 19:30

OFFENE WERKSTATT

Töpfern für Erfahrene an der Drehscheibe oder im Handbuilding

Mittwoch + Freitag 9:00 – 12:00 Uhr

Mittwoch + Donnerstag 17:30 – 20:30 Uhr

Favoriten des Monats

„Tag der offenen Stadtrandoase“ AUSPROBIERTAG FÜR ALLE

Der Jugendhof Bessunger Forst bietet traditionell Kreativität ohne Grenzen für alle Altersklassen. An diesem Tag werden der neue Outdoor-Holzofen, Siebdruck im „Woodiversum“ und Handarbeiten in der Holzwerkstatt präsentiert. Das Motto „nicht nur anschauen, sondern selbst probieren“ wird hier absolut gelebt. Das Forstlove Café hat geöffnet – und für den nötigen musikalischen Support steht Vinyl-Aficionado Daniel Iezzi an den Decks. Klingt nach dem perfekten Sonntag! (fr)

Jugendhof Bessunger Forst | So, 10.5. | 12 bis 17 Uhr | Eintritt frei

Schräge Riffs, raue Stimme, hypnotische Live-Loops: Dario Dennis Cassiere ist ein Typ, ein Kerl, ein kreativ Getriebener. Er schlägt musikalisch die Brücke zwischen Süditalien und Nordafrika und mischt mit seinen Blues-Versionen gerne mal die Bühne auf: Mal pur, mal intensiv wechseln sich Darios charakteristische Stimme und Akkorde mit langen Jam-Sessions und dichten Riff-Schichten ab. Mit Telecaster, Vox-Amp und Loop-Pedal entsteht so eine Klangwelt zwischen Delta Blues, Psychedelic und Folk. Eine One-Man-Band, deren Sound lange nachhalt. (fd) Klingt wie: Nina Simone, Nick Cave, Tom Waits, Jimi Hendrix, The Can, Bob Dylan

Hoffart Theater | So, 10.5. | 20.15 Uhr | 5 bis 10 € (je nach Portmonee)

„Come to the Dance – Early Edition“

Die trüben Tage sind vorbei, „Come to the Dance“ fängt die langersehnte Sommerstimmung ein – also, warum nicht schon earlier feiern? Denkt sich auch DJ Marko. Mit einer sorgfältigen und liebevollen Auswahl von Beyoncé-Vibes über treibende Afrobeats à la Burna Boy bis R’n’B-Perlen von Aaliyah, von Sean Paul bis Dua Lipa, dem futuristischen Sound von Timbaland und den Neptunes, Giganten des HipHop wie Drake bis zu unvergesslichen Michael-Jackson-Classics sorgt er für eine pulsierende Atmosphäre, die Dich förmlich auf die Tanzfläche zieht. (sdu)

Weststadtcafé | Mi, 13.5. | 20 Uhr bis 2 Uhr | 5 € (bis 21 Uhr), 10 € (ab 21 Uhr)

The 50 Kaitenz (Osaka) / Sick Thoughts (USA) / Electric Jugs (AB) GARAGE

Darf's auch etwas lauter sein? Gleich drei Bands bringen Euch krachigen Garagen-Sound. Den Anfang machen Electric Jugs, die mit ihrem ungeschliffenen, leicht psychedelischen Style den Ton für den Abend setzen. Dann wird's mit Sick Thoughts noch mal roher und härter – die One-Man-Show von Drew Owen hat in der Underground-Szene nicht ohne Grund Kultstatus. The 50 Kaitenz, ein crazy Trio aus Osaka, bringt einen Punk-Mix der 60er und 70er mit. Wer Bands wie die Ramones oder The Cramps mag, kommt hier definitiv auf seine Kosten. (ys)

Bessunger Knabenschule (Halle) | Do, 14.5. | 20 Uhr | 18 € (ermäßigt: 15 €)

„Gute Stube“: Dario Denis Cassiere (Kalabrien) KOSMO-BLUES
Abbildung: Dennis Cassiere
R'N'B & WORLD POP

Favoriten des Monats

„Obsession – Du sollst mich lieben“

Als Teil des Internet-Sketch-Comedy-Duos „That's a Bad Idea“ erlangte Curry Baker Bekanntheit. In seinem ersten professionellen Horrorfilm greift er die Idee des erfüllten Wunsches mit drastischen Nachwirkungen auf. Nachdem der Musikladen-Angestellte Bear einen mysteriösen „One Wish Willow“ auf seine Jugendfreundin Nikki anwendete, schwindet die anfängliche Harmonie. Was als zurückhaltende schwarze Komödie beginnt, spielt Baker mit immer härteren Konsequenzen durch. Dafür gab es beim renommierten Sitges Film Festival den Spezialpreis der Jury. (gr)

Kinopolis | ab Do, 14.5. | ab 10,99 €

Zuckerwatte, Fahrgeschäfte und Jonglage: „Whoaa!“ Ja, richtig gehört! Der Circus Waldoni ist mit einer neuen Varieté-Show am Start. Über 20 Jugendliche zwischen 14 und 24 Jahren verwandeln das Zirkuszelt in einen Jahrmarkt. Dabei bekommt man nicht nur Akrobatik und Luftartistik zu sehen, sondern auch Tempo, Spaß und Körperkunst. Und das alles selbstgemacht, von Choreo bis zu den Kostümen – was der Show ihren ganz eigenen Drive verpasst: voller Energie, Kreativität und Waghalsigkeit. Also schwingt Euch aufs Einrad – und nichts wie hin! (fd)

Circus Waldoni (Grenzallee 4-6) | Do, 14. + Fr, 15. + Sa, 16. + Sa, 23. + So, 24.5. | jeweils 19.30 Uhr | 12 € oder 19 € oder 26 € (ermäßigt: 7 € / 14 € / 21 €)

10 Jahre „Beat.Stay.Love“

DEEPES JUBILÄUM

„Beat.Stay.Love“ feiert Geburtstag! Das Bassmusik-Kollektiv blickt auf eine Dekade Drum & Bass in Darmstadt und Südhessen sowie „etliche unvergessliche Momente“ zurück. Gefeiert wird das mit einer großen Party, deren Line-up verspricht, die „Galerie“ zum Beben zu bringen. Als Headliner ist das Schweizer Duo QZB am Start: Druckvolle Bässe und treibende Energie garantiert. Deep und funky ist der Sound des Frankfurters Surreal. Im weiteren Programm: Byola, Isto, Lucid Breaks, Minzkönig, Lilak Mind, Messiah und Ratzo MC. (mn)

Galerie Kurzweil

Gardens (Wien) / Nina Caroline (B)

INDIE-GARTENPARTY

Gardens erzählen mit Intimität und Direktheit Geschichten vom gescheiterten Erwachsenwerden und untermalen ihre adoleszenten Eskapaden mit rauen Gitarren- und sanften Synthesizerklängen. Nina Caroline wurde von der Hessenschau als „die deutsche Antwort auf Holly Humberstone“ bezeichnet, bei ihr trifft gefühlvoller Gesang auf brutal lyrische Ehrlichkeit und mitreißende Hooks. Perfekt für alle Summertime-Sadness-Liebhaber:innen. (fr)

Geheimer Ort | So, 17.5. | 19 Uhr | Eintritt frei (Spenden erwünscht), Einlass nach Voranmeldung: gewinnen@bedroomdisco.de

„Whoaa!“ WALDONI VARIETÉ-SHOW
| Sa, 16.5. | 23 Uhr | ab 16,53 €
Abbildung:
Nina Caroline
Abbildung:
Circus Waldoni

Favoriten des Monats

Hier is' was los! Diese neue Formation hat für ihre Debüt-EP „Frühling“ Indie, Rock, Shoegaze, Kraut, NDW und Pop in einen Topf geworfen. Ein hybrider Stilmix, der allen gefallen dürfte, die Musik abseits des Mainstream lieben. Um die diversen Klangbilder zu verschmelzen, hat die Band die klassische Rockband-Besetzung erweitert und arbeitet Klänge von Saxofon, Nasenflöte und Orgel in die Songs ein. Diese kreisen mal um Persönlich-Melancholisches, mal um selbstironische „Gedankenkarusselle“, aber auch „gesellschaftliche Abgründe“. (mn)

Bessunger Knabenschule (Keller) | Mi, 20.5. | 21 Uhr | Eintritt frei, Spende erwünscht

Rund um den Schlossgraben | Do, 21.5., 18 Uhr bis So, 24.5. | Tagesticket: 22,98 € und 27,98 €, 4-Tage-Festivalticket: 46,98 € (Kinder bis 12 Jahre: Eintritt frei) 26.

Ende Mai werden rund ums Residenzschloss mitten im Herzen Darmstadts wieder drei Bühnen, eine „Club-Area“ und 100 Ess-Buden aufgebaut – und dafür 20.000 Quadratmeter öffentlicher Raum abgesperrt. Die 72 Acts sind ein bunter Mix aus national wie regional bekannten Künstler:innen – an den vier Tagen ist also für fast jeden was dabei. Als Headliner treten neben etablierten Größen wie Jan Delay & Disko No. 1 sowie Alphaville auch die aktuellen Chartstürmer:innen Zartmann und Ikkimel auf. Bühnen frei für den Start in den Frühsommer! (ys)

(Eppertshausen)

Die „Krone“, der Kult-Club, ist seit Jahrzehnten ein Fixpunkt des Darmstädter Nachtlebens und Kulturgeschehens. Rocky Bar, Kneipe und Co. werden an den vier Schlossgrabenfest-Tagen um eine Outdoor-Fläche ergänzt. Es heißt: Raus, uff die Gass! Das sommerliche Open-Air-Format wartet mit „Special Drinks“ und „Positive Vibes“ sowie täglich wechselnden DJs auf. Mit dabei sind: DJ Leni Wave, DJ Niksfield, DJ PM (Tropical House & Afro Beats) und DJ Kian. (mn)

Goldene Krone (outdoor) | Do, 21.5. bis So, 24.5. | jeweils ab 20 Uhr | Eintritt frei

Döll, der „Junge aus 'ner Arbeiterfamilie, der nur Rap kann“, nimmt Euch mit, zurück ins Jahr 2014. Vor mehr als zehn Jahren veröffentlichte der Musiker seine erste Solo-EP „Weit entfernt“ und legte damit das Fundament für eine Karriere, die zuletzt mit dem Album „weg vom Weg“ einen weiteren Höhepunkt erreichte. Schon früh galt „Weit entfernt“ als wegweisend und wird heute ohne Widerspruch als Genre-Klassiker verhandelt, dessen Wirkung bis heute nachhallt. Eine eigene Tour zur Platte gab es damals nie – das wird jetzt nachgeholt. Vorab-Zusatzkonzert zum bereits ausverkauften Termin am 23. Mai! (mn)

Oetinger Villa | Fr, 22.5. |

Döll
HIPHOP
Abbildung: Robert Winter
Schlossgrabenfest
Abbildung: Schlossgrabenfest
„Corona Tropicana“ OPEN AIR
Franki Und Die Gutleuts (Frankfurt) FRISCHZELLE

Favoriten des Monats

Internationale Bahnradsport-Tournee

Die Weltelite des Bahnradsports kommt nach Darmstadt! An zwei Tagen messen sich über 200 Athleten aus 30 Nationen auf der Betonbahn des traditionsreichen Vereins Velociped-Club 1899 Darmstadt e. V. in Bessungen. Mit zahlreichen Olympioniken verspricht der Wettbewerb mit World-Cup-Status so ein Starterfeld auf „absolutem Weltklasseniveau“ – gleichzeitig schießen auch der lokale Nachwuchs und Amateure über die Strecke. Das rasante sportliche Programm mit mehreren Disziplinen wird ergänzt um cooles Catering und Musik vom DJ. (mn)

Velodrom Darmstadt (Heidelberger Straße 150) | Sa, 23.5., 11.30 bis 21 Uhr + So, 24.5., 9.30 bis 19 Uhr | Tageskarte: 5 €, Wochenendkarte: 8 € (bis 16 Jahre: Eintritt frei)

„Frauen im Widerstand gegen die NS-Diktatur“ ERINNERUNG

Diese Wanderausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand Berlin würdigt mutige Frauen, die dem Nationalsozialismus die Stirn boten. Neben bekannten Persönlichkeiten wie Marlene Dietrich und Sophie Scholl werden auch hessische und Darmstädter Widerstandskämpferinnen vorgestellt: Tony Sender, Käthe Kern und Elisabeth Schumacher. Biografien und Netzwerke zeigen die Vielfalt ihres Engagements – von politischem Protest bis hin zu aktiver Beteiligung an Widerstandsgruppen. Präsentiert wird die Ausstellung vom Förderverein Liberale Synagoge Darmstadt. (mn)

Justus-Liebig-Haus | Di, 26.5., 19.30 Uhr (Vernissage) bis Sa, 27.6. | Di: 9 bis 19 Uhr + Mi: 10 bis 17 Uhr + Do: 10 bis 19 Uhr + Fr: 10 bis 17 Uhr + Sa: 10 bis 16 Uhr | Eintritt frei

„Bob

Musik-Ikone Bob Dylan wird 85 – und die Darmstädter „Americana“-Reihe zollt Tribut. Gleich fünf Acts bringen die zeitlosen Songs des Folk-Meisters auf die Bühne. Zu hören sind Country-Vibes von DanaMaria, der „Darmstädter Dylan“ Dan Dietrich, feines Americana von der Julia van Embers Band, Urgestein Martin Grieben und Folk-Musiker Richard Limbert. Dazu liest Kurator Thomas Waldherr aus seinem neuen Buch und liefert spannende Hintergründe zu Dylans Karriere. Don’t think twice: Dieser Abend ist ein absoluter Pflichttermin für alle Folk-Fans und Dylanianer! (mks)

Bessunger Knabenschule (Halle) | Do, 28.5. | 19.30 Uhr | 18 € (ermäßigt: 15 €)

Zwei Ausnahmekünstler im direkten Dialog: Pianist David Helbock trifft auf Bassistin Julia Hofer. Auf ihrem Debütalbum widersetzt sich das Duo Genregrenzen und kuschelt gleichermaßen mit Jazz-Standards, Pop-Melodien und klassischen Motiven. „Gegensätze zulassen und verbinden“, lautet das Motto der beiden Virtuosen, die ihre feinfühligen Auftritte auf das emotional Wesentliche kondensieren. (fr)

Centralstation (Saal) | Do, 28.5. | 20 Uhr | 32 €

David Helbock & Julia Hofer Duo (Wien) JAZZ
Dylan zum 85.“

Samstag 23.05.2026 · 11:30–21:30 Uhr | Sonntag 24.05.2026 · 09:30–18:30 Uhr

Favoriten des Monats

Taucht ein in die Welt des anatolischen Folk! Erkan Tekçi präsentiert hier einen ganz besonderen Konzertabend: Zu Gast ist die Weltmusik-Künstlerin Lale Koçgün. Bereits in jungen Jahren widmete sich die aus einer kurdisch-alevitischen Familie stammende Musikerin dem kulturellen Erbe ihrer Herkunftsregion und schlägt mit ihren Stücken eine Brücke zwischen Tradition und Moderne. Gemeinsam mit Gastgeber Tekçi sollen hier die Instrumente Kaval und Ruzba beziehungsweise Tembûr gespielt werden. Gesungen wird auf Kurdisch, Türkisch und Armenisch. (mn)

Hoffart Theater | Do, 28.5. | 20 Uhr | 15 € (Reservierungen per Mail an: info@anatolian-folk.com)

UNDERGROUND-RAP

Dieses Rap-Duo sorgte schon im legendären 806qm-Vorgänger gemeinsam mit Audio88 & Yassin und Nomis & Döll für eine der längsten Schlangen der Darmstädter Clubgeschichte. Ihr kerniger Boom-Bap-Rap hat nichts von seiner Strahlkraft eingebüßt, ihre Tracks zeichnen sich nach wie durch „Hardcore Punchlines“ aus und kombinieren diese mit kritischen Gesellschaftsbeobachtungen. Als Konstanten bleiben viel Jazz, viel Seele und viele funkige Beats! (fr)

Centralstation (Halle) | Fr, 29.5. | 20 Uhr | 32 € Win! Win! 2 x 2 Tickets auf p-stadtkultur.de

„Darmstadt

kocht!“

Der Festivalsommer startet mit dieser Premiere früher als erwartet. Direkt am Kranichsteiner Brentanosee steht Euch ein Tag mit bunter Musik bevor: groovig, rockig, tanzbar. Das Line-up konzentriert sich auf Newcomer, Bands und DJs aus Darmstadt und Umgebung. Ob zum Tanzen, Musikentdecken oder einfach auf der Picknickdecke entspannen: Was gibt’s Schöneres, als den kommenden Sommer am Wasser zu genießen? Gute Sache: Gewinne aus dem Essens- und Getränkeverkauf fördern die musikalischen Projekte im Kinderund Jugendhaus des Ökumenischen Gemeindezentrums. (kh)

Am Brentanosee (im Innenhof des Ökumenischen Gemeinschaftszentrums)

Sa, 30.5. | 16 bis 24 Uhr | Eintritt frei

RUNNING DINNER

Darmstadts Wohnzimmer und Ess-Küchen werden erneut zum Kulinarik- und Kennenlern-Hotspot. Beim Running Dinner „Darmstadt kocht!“ treffen alle Teilnehmenden auf zufällig ausgeloste Kochpartner:innen und bereiten Vorspeise, Hauptgericht oder Dessert zu. Damit begeben sie sich auf die kulinarische Kennenlernreise durch Darmstadt, denn jeder Gang wird mit neuen Menschen in einem anderen Zuhause verspeist. Im Anschluss treffen sich alle circa 150 Köchinnen und Köche zur After-Koch-Party in der Goldenen Krone (wieder). (lum)

Mehr als 70 Privat-Locations in Darmstadt | Sa, 30.5. | ab 18 Uhr (After-Koch-Party: ab 22 Uhr) | Teilnahme kostenlos, Anmeldung online unter: darmstadtkocht.de

Abbildung: Darmstadt kocht
Retrogott & Hulk Hodn (Köln)
Abbildung: C. Klingebiel
„Sound am See“

AUSSTELLUNG: ZUKUNFT BRAUCHT ERINNERUNG

AUSSTELLUNG

4. bis 27. November 2025

27. Mai bis 27. Juni 2026 | Eintritt frei

Justus-Liebig-Haus Darmstadt

Rathaus-Foyer, Stadt Achim

Öffnungszeiten: Di 9 bis 19 Uhr + Mi 10 bis 17 Uhr + Do 10 bis 19 Uhr + Fr 10 bis 17 Uhr + Sa 10 bis 16 Uhr

Obernstraße 38 28832 Achim

Vernissage + Eröffnung durch Oberbürgermeister Hanno Benz: Di, 26. Mai 2026, 19.30 Uhr

Öffnungszeiten: Di bis Do 9.00–18.00Uhr, Fr und Sa 9.00–13.30 Uhr | Sonderöffnung am Fr, 14.11. von 15.00–18.00 Uhr (= Öffnungszeiten der Stadtbibliothek) (vor dem Theaterstück um 19.00 Uhr im KASCH)

Vorträge im Juni unter: www.liberale-synagoge-darmstadt.de

Suche und finde

Kunst im öffentlichen Raum, Folge 68: Fritz Schwarzbeck, Seherin, 1959

TEXT: THOMAS GEORG BLANK | FOTO: NOUKI

Eine stehende Figur aus Sandstein, ruhig und in sich geschlossen. Die Seherin von Fritz Schwarzbeck richtet ihren Körper auf, ohne Pathos, ohne große Geste. Der rechte Arm ist zum Gesicht erhoben, die Hand leicht angehoben, als würde sie das Licht abschirmen oder den Blick bündeln.

Der Kopf neigt sich nach oben, in Richtung Himmel. Was sie sieht, bleibt offen. Ihr Gesicht gibt wenig preis, keine ausgeprägte Mimik, keine eindeutige Emotion.

Schwarzbeck, der in der Tradition der klassischen französischen Bildhauerei arbeitete, konzentriert sich hier auf eine klare Silhouette und eine reduzierte Formensprache. Die Figur wirkt kompakt, fast zurückgenommen, als hätte sich jede Bewegung auf das Notwendige verdichtet. Nichts lenkt ab, keine erzählerischen Details, keine ornamentalen Zusätze. Und doch fällt sie auf, gerade im Kontext des öffentlichen Raums. Weibliche Figuren erscheinen hier oft als Projektionsflächen, als idealisierte Körper, reduziert auf Form und Oberfläche. Die Seherin entzieht sich dieser Logik. Sie ist bekleidet, ihr Körper nicht ausgestellt, sondern getragen von einer Handlung. Sie ist nicht Objekt eines Blicks, sondern selbst Blickende.

Diese Verschiebung mag subtil erscheinen, und doch verändert sie die Wahrnehmung grundlegend. Der Fokus liegt nicht mehr auf dem Körper, sondern auf einer Ausrichtung. Die Geste des Sehens wird zum eigentlichen Inhalt der Skulptur. Dabei bleibt unklar, worauf sich ihr Blick richtet.

Ist es der Himmel, das Licht, eine Vorstellung?

Im öffentlichen Raum begegnen uns weibliche Körper in großer Zahl: als Allegorien, Musen, Ideale, Trägerinnen von Anmut, Fürsorge oder Erinnerung. Doch diese Sichtbarkeit täuscht über ein strukturelles Ungleichgewicht hinweg, denn ein erheblicher Teil dieser Figuren wurde historisch von männlichen Künstlern geschaffen. Weibliche Körper erscheinen damit häufig nicht als Ausdruck weiblicher Autorschaft, sondern als Bildformen, die von außen entworfen, gerahmt und belegt wurden. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Seherin eine besondere Spannung: Sie ist zwar weiblich dargestellt, entzieht sich aber der passiven Verfügbarkeit, die viele öffentliche Frauenfiguren prägt. Ihr Körper wird nicht zur Schau gestellt, sondern nimmt selbst wahr. ❉

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11.05. MO HIGH DESERT QUEEN 12.05. DI RONG KONG KOMA

13.06. MI SEBASTIAN „EL HOTZO“ HOTZ

17.06. SO HOMOGEN* PRES. BARAN KOK

18.06. MO ANGEL DU$T / SPEEDWAY 21.06. DO VOODOO JÜRGENS 28.06. DO CARLO KARACHO / KNÖPFE

30.06. SA PRIDE - CSD WIESBADEN 03.06. MO WE ARE ONE - FESTIVAL 09.06. DI ICE NINE KILLS / TX2 10.06. MI THE ADICTS / MAID OF ACE

FR FAT FREDDY‘S DROP 15.06. MO BASEMENT / SUPPORT: GLARE

DI AUDIO88 & YASSIN / DISSY

SO HOLLYWOOD UNDEAD

DO WE CAME AS ROM ANS / CATCH YOUR BREATH

SOL SONIC RIDE FEAT.

Kultur live in Darmstadt

06.05. Bill Laurance solo

07.05. Quichotte

08.05. Brandee Younger & hr-Bigband

10.05. Avishai Cohen Trio

13.05. Sharon Mansur Trio

17.05. MilleniumKid

28.05. David Helbock & Julia Hofer Duo

29.05. Retrogott & HulkHodn

03.06. Saisonabschluss! Club Sounds

17.06. Saša Stanišić*

30.08. Bodo Wartke* 17.09. Tony Bauer 24.09. Lambert Merck-Sommerperlen

05.08. Mari Froes

06.08. Die Höchste Eisenbahn

08.08. Sons Of The East

15.08. Mind Enterprises

16.08. Eule findet den Beat

19.08. Curse

20.08. Von Wegen Lisbeth

23.08. The Dead South

Darmstadt

SCHATZSUCHE IN VORGÄRTEN UND HÖFEN

Mit dem Frühling beginnt auch endlich wieder die Flohmarkt-Saison 2026 –und zwar fulminant! Um nichts zu verpassen, liefern wir Euch wie gewohnt und sehnlichst erwartet die gesamte Jahresübersicht.

RECHERCHE + TEXT: SEAN GOSSLER + CEM TEVETOGLU | FOTO: NOUKI

Wenn die Bäume sprießen und die Sonne lacht, werden in Darmstadt die Tapeziertische ausgepackt. Der Duft frisch gebackener Waffeln erfüllt die warme Luft, während wir in den Darmstädter Vierteln nach Vintage-Kleidung, Schmuck, Schallplatten, Spielzeug oder Büchern stöbern.

Beinahe jedes Wochenende könnt Ihr Euch von Mai bis Dezember auf Schnäppchenjagd begeben und dabei die unterschiedlichen Teile der Stadt erkunden. Auch dieses Jahr laden uns die Hinterhöfe von Bessungen, Woogs-, Martinsund Johannesviertel wieder zum Stöbern und Flanieren ein. Auf dem Südostbasar shoppen wir Secondhand für den guten Zweck, und auf den

Kinderflohmärkten üben sich die Kleinen und Kleinsten an „Bares für Rares“. Also schwingt Euch aufs Rad oder schaut, welcher Flohmarkt in Eurem Viertel liegt — es wird Zeit, auszusortieren, abzustauben und alten Schätzen ein neues Zuhause zu geben.

MAI

Flohmarktine in Wixhausen

Bürgermeister-Pohl-Haus (Im Appensee 26) Fr, 8. Mai

Beginn: 17 Uhr, Ende: 21 Uhr | Flohmarkt für die weibliche Community | Standgebühr: ab 50 € (ein Tisch für maximal 2 Personen) | Eintritt: 4 € | Infos: flohmarktine-frauenflohmarkt.de

Waldkunstflohmarkt

Internationales Waldkunst Zentrum (Ludwigshöhstr. 137)

Fr, 8. Mai bis So, 10. Mai

Beginn: 10 Uhr, Ende: 18 Uhr | So: zusätzlich „Tag der offenen Tür“ | Infos: iwz.waldkunst.com/622flohmarkt-und-tag-der-offenen-tuer-2026

Flohmarkt in Kranichstein

Neuer Marktplatz – Flaniermeile Bartningstraße

Sa, 9. Mai

Beginn: 9 Uhr, Ende: 15 Uhr | Nur Privatverkaufende | Keine Standgebühr | Keine Anmeldung notwendig | Kontakt: flohmarkt@foerderverein-kranichstein.de oder (06151) 715597 und (0163) 1855111

Flohmarkt auf dem Riegerplatz

Sa, 9. Mai

Beginn: 10 Uhr (Aufbau ab 9 Uhr), Ende: 15 Uhr | Standplatzziehung am Fr, 8. Mai, ab 19 Uhr | Standgebühr: 8 € (oder selbstgebackener Kuchen) – und für Kinder frei

6. Woogsgestöber – Hofflohmarkt im Woogsviertel Areal zwischen Landgraf-Georg-, Teichhaus- und Heinrichstraße Sa, 9. Mai

Beginn: 11 Uhr, Ende: 16 Uhr | keine Standgebühr | kleine Spende erwünscht (nach Anmeldung, für Plakate und Flyer) | Anmeldung unter: woogsgestoeber@gmx.net | Infos: instagram.com/woogsgestoeber

Spielfest mit Kindersachenflohmarkt

Johannesplatz an der Johanneskirche Sa, 9. Mai

Beginn: 12 Uhr, Ende: 16 Uhr | Eintritt frei | Infos: johannesplatz-darmstadt.de

Kleidertauschparty

Agora (Erbacher Straße 89)

So, 10. Mai

Beginn: 14 Uhr, Ende: 17 Uhr | Gut erhaltene und gewaschene Kleidung tauschen oder ohne Tauschware kommen. (Kuchen-)Spenden sind willkommen. | Eintritt frei | Infos: agora-eg.de/ event/kleidertauschmarkt-bei-agora

2. Bessunger Hofflohmarkt

In Bessunger Höfen, Gärten und Garagen Sa, 16. Mai

Beginn: 10 Uhr, Ende: 17 Uhr | „One Man’s Trash is Another Man’s Treasure“ | keine Standgebühr | Anmeldung und Infos: bessunger-hofflohmarkt.de

Schulstraßenflohmarkt

Schulstraße wird zur Flaniermeile Sa, 16. Mai

Beginn: 10 Uhr, Ende: 17 Uhr | Anwohnende und Geschäfte bieten Fundstücke an. | Eintritt frei | Infos: darmstadt-schulstrasse.de

Floh-, Trödel- & Jahrmarkt auf dem Hornbach-Parkplatz (Otto-Röhm-Straße 76) So, 24. Mai

Beginn: 8 Uhr (Platzvergabe: ab 7 Uhr), Ende: 16 Uhr | Standmiete: 10 € | keine Anmeldung notwendig

Vinyl Flohmarkt Darmstadt

Zum Goldenen Löwen (Frankfurter Landstraße 153)

Sa, 30. Mai

Beginn: 10 Uhr, Ende: 16 Uhr (Aufbau: ab 8 Uhr) | 30.000 Schallplatten auf mehr als 75 laufende Meter Tischfläche. | Unkostenbeitrag: 5 € (darin enthalten sind 50 Platten zum Selbstverkauf), Erlös geht als Spende an das „Bündnis Pflege“. Anmeldung & Kontakt: schallplattendarmstadt@ web.de | Infos: schallplattendarmstadt.de

JUNI

Stadtteilflohmarkt Arheilgen

Ortskern Arheilgen

Sa, 6. Juni

Beginn: 6 Uhr, Ende: 13 Uhr (Aufbau: ab 5 Uhr, ab 6 Uhr sind die Straßen für Verkehr gesperrt.) | Für Privatpersonen und Vereine. Händler sind ausgeschlossen | Standgebühr: ab 7 € | Keine Standreservierung möglich | Keine Anmeldung nötig | Kontakt: info@drk-arheilgen.de, Infos: drk-arheilgen.de/2026/03/23/flohmarkt

Ringstraßenflohmarkt

Ringstraße sowie einige angrenzende Nebenstraßen Sa, 13. Juni

Beginn: 10 Uhr, Ende: 14 Uhr | keine Standgebühr Anmeldung und Infos: ringstrassenflohmarkt@ gmx.de

11. Fundstück aufm Grundstück & 4. Kleines Fundstück Höfe und Gärten im Martinsviertel + Riegerplatz So, 21. Juni

Beginn: 10 Uhr, Ende: 16 Uhr | mehr als 200 Höfe (Kids auf dem Riegerplatz ohne Anmeldung) | 8 € (je Hausgemeinschaft/Grundstück) | Anmeldung + Infos: fundstueck-aufm-grundstueck.jimdosite.com

Floh-, Trödel- & Jahrmarkt auf dem Hornbach-Parkplatz (Otto-Röhm-Straße 76)

So, 21. Juni

Beginn: 8 Uhr (Platzvergabe: ab 7 Uhr), Ende: 16 Uhr | Standmiete: 10 € | keine Anmeldung notwendig

45. Brunnenbittfest

In den Höfen rund um die Bessunger Kirche Fr, 26. Juni bis Sa, 27. Juni

Beginn: Fr um 16 Uhr (Aufbau ab: 14 Uhr), Ende: Sa um 16 Uhr | Standgebühr („Flohmarkt-Button“, gibt's nur am Sa, 30.5. von 9 bis 12 Uhr im Vereinsheim des Wanderclub Falke 1916, Bessunger Straße 85): 25 € + 25 € Kaution | Nur Privathändler | Infos: bessungen-ludwigshoehe.de/ termine/termine/info.html

JULI

Floh-, Trödel- & Jahrmarkt auf dem Hornbach-Parkplatz (Otto-Röhm-Straße 76)

So, 10. Juli

Beginn: 8 Uhr (Platzvergabe: ab 7 Uhr), Ende: 16 Uhr | Standmiete: 10 € | keine Anmeldung notwendig

AUGUST

Südostbasar (Wohltätigkeitsflohmarkt)

Elly-Heuss-Knapp-Schule (Turnhalle)

Fr, 31. Juli und Sa, 1. August

Fr: Beginn 14 Uhr, Ende 20 Uhr + Sa: Beginn 10 Uhr, Ende 17 Uhr (reduzierte Preise ab 14.30 Uhr) | Infos + Kontakt (auch wegen Sachspenden und Annahmetagen): suedostbasar.wordpress.com

Flohmarkt in der Oberstraße zur Eberstädter Kerb in der gesamten Oberstraße Sa, 8. August

Beginn: 7 Uhr, Ende: 13 Uhr (Aufbau: ab 6.30 Uhr) | Standgebühr: 15 € | Anmeldung: info@ig-eberstadt. de | Infos: ig-eberstadt.de/flohmarkt-2026

Waldfloh

Hof- und Gartenflohmarkt in der Waldkolonie Sa, 15. August

Beginn: 11 Uhr, Ende: 16 Uhr | Standgebühr: 5 € | Infos: waldfloh.com

Floh-, Trödel- & Jahrmarkt auf dem Hornbach-Parkplatz (Otto-Röhm-Straße 76) So, 16. August

Beginn: 8 Uhr (Platzvergabe: ab 7 Uhr), Ende: 16 Uhr | Standmiete: 10 € | keine Anmeldung notwendig

Flohannes

Hinterhöfe im Johannesviertel

Sa, 22. August

Beginn: 11 Uhr, Ende: 17 Uhr | kein Mitmachbeitrag, freiwillige Spende erwünscht | Infos: facebook.com/flohannes.hinterhofflohmarkt

4. Arheilger Hinterhofschätze

In den Hinterhöfen von Arheilgen

So, 23. August

Beginn: 10 Uhr, Ende: 17 Uhr | Freiwillige Spenden erwünscht | Anmeldung: hinterhofschaetze@ gmail.com | Infos: instagram.com/arheilger_hinterhof_schaetze

SEPTEMBER

Vinyl Flohmarkt Darmstadt

Zum Goldenen Löwen (Frankfurter Landstraße 153)

Sa, 5. September

Beginn: 10 Uhr, Ende: 16 Uhr (Aufbau: ab 8 Uhr) | 30.000 Schallplatten auf mehr als 75 laufende

Meter Tischfläche. | Unkostenbeitrag: 5 € (darin enthalten sind 50 Platten zum Selbstverkauf, Erlös wird gespendet) | Anmeldung & Kontakt: schallplattendarmstadt@web.de | Infos: schallplattendarmstadt.de

Flohmarkt in Kranichstein

Neuer Marktplatz – Flaniermeile Bartningstraße

Sa, 5. September

Beginn: 9 Uhr, Ende: 15 Uhr | Nur Privatverkaufende | Keine Standgebühr | Keine Anmeldung notwendig | Kontakt: (06151) 715597 und (0163) 1855111 | Infos: flohmarkt@foerderverein-kranichstein.de

10. Wixhäuser Hof-Flohmarkt

Händelstraße 69-85 + Silcherweg

So, 13. September

Beginn: 9 Uhr, Ende: 15 Uhr | keine Standgebühr | Anmeldung nicht notwendig

Flohmarkt auf dem Karolinenplatz

Karolinenplatz

Sa, 19. September

Beginn: 6 Uhr (Aufbau: ab 5 Uhr), Ende: 16 Uhr | Standgebühr: 6 € | Anmeldung vor Ort | Weitere Infos unter: darmstadt-tourismus.de/messen-und-maerkte/flohmarkt-karolinenplatz.html

Floh-, Trödel- & Jahrmarkt

auf dem Hornbach-Parkplatz (Otto-Röhm-Straße 76)

So, 20. September

Beginn: 8 Uhr (Platzvergabe: ab 7 Uhr), Ende: 16 Uhr | Standmiete: 10 € | keine Anmeldung notwendig

OKTOBER

Floh-, Trödel- & Jahrmarkt

auf dem Hornbach-Parkplatz (Otto-Röhm-Straße 76)

So, 18. Oktober

Beginn: 8 Uhr (Platzvergabe: ab 7 Uhr), Ende: 16 Uhr | Standmiete: 10 € | keine Anmeldung notwendig

NOVEMBER

Floh-, Trödel- & Jahrmarkt auf dem Hornbach-Parkplatz (Otto-Röhm-Straße 76)

So, 1. November

Beginn: 8 Uhr (Platzvergabe: ab 7 Uhr), Ende: 16 Uhr | Standmiete: 10 € | keine Anmeldung notwendig

Vinyl Flohmarkt Darmstadt

Zum Goldenen Löwen (Frankfurter Landstraße 153)

Sa, 21. November

Beginn: 10 Uhr, Ende: 16 Uhr (Aufbau: ab 8 Uhr) | 30.000 Schallplatten auf mehr als 75 laufende Meter Tischfläche. | Unkostenbeitrag: 5 € (darin enthalten sind 50 Platten zum Selbstverkauf, der Erlös wird gespendet) | Anmeldung & Kontakt: schallplattendarmstadt@web.de | Infos: www. schallplattendarmstadt.de

DEZEMBER

Floh-, Trödel- & Jahrmarkt auf dem Hornbach-Parkplatz (Otto-Röhm-Straße 76)

So, 6. Dezember

Beginn: 8 Uhr (Platzvergabe: ab 7 Uhr), Ende: 16 Uhr | Standmiete: 10 € | keine Anmeldung notwendig

2026 keine Flohmärkte im Bürgerpark und in der Ahastraße

Der traditionelle Flohmarkt im Bürgerpark (eigentlich immer am ersten August-Wochenende) fällt wegen einer an diesem Termin laufenden großen Sportveranstaltung im Bürgerpark aus (nur der Bürgerschoppen findet statt).

Auch der AHA-Flohmarkt in gleichnamiger Straße macht dieses Jahr leider Pause. Die Anwohnenden haben keinen gemeinsamen Termin gefunden.

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»Elektronische Tanzmusik bringt Dich zum Resonieren«

Blackbox mit Heineraudio

INTERVIEW + TEXT: DAVID WEIMER | FOTO: NOUKI

Heineraudio – in der Darmstädter Party-Szene längst durch furiose Open Airs und durchzechte Nächte bekannt – will am 1. Mai mit dem neuen Event „999“ weiter Limits pushen. Zwei Mitglieder des achtköpfigen DJ-Kollektivs Heineraudio haben sich bequatschen lassen und in die Blackbox gewagt: Kev alias Placebo Sex (31) und Mihaly (30). Zusammen haben wir über ihre musikalische Reise, Partys auf dem Bismarckturm, Frankfurt vs. Darmstadt und das erste offiziell und legal stattfindende Heineraudio „999“ Open Air gesprochen. Die restlichen Mitglieder des DJ-Kollektivs – Tony G (31), Fabio Araneda (32), DJ Volvic (31), Máté Sí (30), Alina Stark (27), Mombrecht (26) – hatten entweder keine Zeit, waren verreist oder zu schüchtern.

Gude Jungs, könnt Ihr Euch und Eure Rolle bei Heineraudio kurz vorstellen?

Mihaly: Ich bin Jan Mihaly, ja fast schon der Neuzugang – jetzt drei Jahre bei Heineraudio offiziell dabei. Wir sind schon immer Freunde gewesen, dann habe ich irgendwann selber angefangen, Platten zu sammeln und aufzulegen.

Placebo Sex: Ich bin Kev, mein Künstlername ist

Placebo Sex. Dem geschuldet, dass ich es mag, die Zuhörer durch die Ohren zu kitzeln, ins Gehirn rein ... und das nenne ich ganz nett: Orgasmus. Es soll halt kribbeln und auf dem Dancefloor soll etwas Extensives mit einem passieren. Ich mache Musik, seit ich 15 bin, das sind jetzt fast 18 Jahre. Heißt: Ich bin jetzt quasi DJ-erwachsen geworden.

Wie sah der Gründungsprozess von Heineraudio grob aus?

Placebo Sex: Angefangen haben wir mit „Dub-Delirium“. Bis zum Break, als unser damaliger Sound – der Dubstep – für uns zu kommerziell wurde. Wir haben das Projekt fallen lassen, uns aber nicht ausgeruht, sondern zurück zu den Wurzeln gefunden, nämlich zu House und Techno. Die Ex-Dub-Delirium-Crew hat dann nach und nach angefangen, Open Airs irgendwo im Wald – meistens illegal – zu organisieren. In den Clubs hat es für uns damals noch keinen Platz gegeben.

Könnt Ihr Euch an Euer erstes Heineraudio Open-Air erinnern?

Placebo Sex: Auf dem Bismarckturm 2019 war auf jeden Fall das erste große Open Air. Mihaly: Das waren auch so meine ersten Open Airs, die ich von Heineraudio miterlebt habe.

Besonders an die „Funktion-One“ [hochwertige Lautsprecher aus GB] kann ich mich erinnern. Die habe ich damals noch nie wirklich hören können und deshalb war das für mich damals schon von Heineraudio herausragend.

Placebo Sex: Das war schon immer das Hauptding, dass man Musik halt einfach fühlen muss. Elektronische Tanzmusik basiert darauf, dass sie in Dein Gehirn und in Deinen ganzen Körper eindringen kann und Dich zum Resonieren bringt, also der Körper und der Boden dürfen auf jeden Fall wackeln.

Mit den Jahren habt Ihr Eure Fühler dann mehr und mehr nach Frankfurt ausgestreckt. Was macht für Euch denn die Party- und Kultur-Szene in Frankfurt so attraktiv?

Mihaly: Einfach neue Gesichter zu sehen, neue Sounds zu hören. Die spielen schon ihren eigenen Sound, natürlich macht es Spaß, sich in Frankfurt inspirieren zu lassen.

Placebo Sex: Frankfurt ist für uns schon immer interessant gewesen, weil wir dort eine Fläche gehabt haben, in der wir ausnahmsweise legale Open Airs organisieren konnten. Wir hatten leider nie richtig guten Zugang zur Clubkultur. Im Frankfurter Ostpark besitzt ein guter Freund einen Schrebergarten. Dort haben wir dann angefangen, Open Airs auf einem legalen Wege zu feiern. Wir konnten in Frankfurt schon einen heftigen Maßstab setzen und auch die Leute dort mit unserem Sound mitreißen. Nach dem Motto: Ihr Darmstädter seid eigentlich nur aus dem Vorort, aber bei Euch geht ja richtig einer ab.

Und andersrum: Was schätzt Ihr an den Open Airs in Darmstadt, was in Frankfurt so nicht gehen würde? Was kann Euch Frankfurt nicht geben?

Mihaly: Für mich ist es das spontane Planen von Open Airs. Innerhalb von drei, vier Tagen ein Event auf die Beine zu stellen, wie Silvester 2024 im Verlegerviertel.

guten Draht zum Bessunger Jugendhof entstand die Möglichkeit, ein neues Open Air auf die Beine zu stellen. Für uns geht es ums Zusammenkommen und darum, dieses Gefühl des Klassentreffens noch einmal zusammen erleben zu wollen.

Ihr habt neben fünf DJs auch zwei Live-Acts angekündigt. Auf welche Acts darf man sich freuen?

Placebo Sex: Die Band Gang of Fear von unserem absoluten Neuzugang Máté Sí sowie eine kleine Sahneschnitte aus Darmstadt [gemeint sind Nouki und Jule alias Accent Circonflexe] werden zum Start des Festivals auftreten.

Nennt mir einen Grund, warum kein Heiner sich das „999“ Open Air am 1. Mai entgehen lassen darf.

»Es braucht keine großen Namen und geht auch mit lokalen DJs.«

Placebo Sex: Frankfurt ist groß, Frankfurt hat einfach viel mehr Clubs zu bieten. Ich meine, wir waren in Darmstadt schon immer recht verwöhnt. Für die Größe der Stadt hatten wir echt viele Clubinstitutionen, was aber dazu geführt hat, dass die sich untereinander eigentlich immer leer gemacht haben. Also, viel zu wenig Absprache untereinander ...

Ihr habt mittlerweile nicht nur etliche Gigs und Releases hinter Euch, sondern auch zwei Jahre in Folge auf dem Contrast eine eigene Stage bespielt. 2025 konnte aus verschiedenen Gründen kein Contrast Festival auf dem Jugendhof Bessunger Forst stattfinden. Nun kommt Ihr mit dem neuen Event ums Eck – gleiche Zeit, gleicher Standort. Warum wird aus Eurer Sicht das Heineraudio „999“ Open Air kein Contrast 2.0?

Mihaly: „999“ wird für sich stehen. Ich schätze, es wird ein typisches Heineraudio Open Air, nur auf legalem Wege und gut organisiert. Einfach ein geiler Sound mit einer geilen Anlage.

Placebo Sex: Ich denke, dass wir zusammen mit dem Contrast Festival ein extrem großes Zeichen gesetzt haben. Wir haben gezeigt, dass so etwas einfach funktionieren kann, keine großen Namen braucht und es auch mit lokalen DJs geht. Ein perfekter Zusammenschluss von dem, was Darmstadt eigentlich nie hinbekommen hat: Zusammen etwas anzugehen. Dieses Loch konnten wir als Heineraudio nicht ungefüllt lassen. Durch unseren

Placebo Sex: Es ist der geilste Rave des Jahres. Ich meine, wir hatten bisher eine Sonnen-Edition und eine Regen-Edition gehabt. Jedes Mal war es episch. Egal, welche Edition dieses Jahr auf uns zukommt: Wir werden alle einen geilen Tag haben.

Gibt's noch Tickets?

Placebo Sex: Das Kontingent ist – wie der Name schon verrät – auf 999 Tickets begrenzt. Momentan [Mitte April] sind wir in Phase 2 des Vorverkaufs und zu 70 Prozent „sold out“ ... also Tickets kaufen gehen!

Nichts wie ran da! Danke für das gute Gespräch, Placebo Sex und Mihaly.

Weitere Folgen dieser P-Rubrik:

Heineraudio presents: 999 Open Air

Jugendhof Bessunger Forst | Freitag, 1.5. ab 12 Uhr | 35 € „12 hours in the forest“, zwei Bands & fünf DJs, „Funktion-One“ Soundsystem

heineraudio.com/999 heineraudio.bandcamp.com soundcloud.com/heineraudio instagram.com/heineraudio facebook.com/heineraudio

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GEMEINSAME SACHE!

Das 15. Darmstädter Jugend- und Kinderliteraturfestival „Huch, ein Buch!“ kämpft vom 18. bis 23. Mai für die Leselust – die Autorin dieses Artikels auch.

TEXT: ANTJE HERDEN | FOTOS: EVA ARNOLD + CENTRALSTATION + ANGELINA DALINGER + AZIZ WAKIM

Mai 2011. Ich bin auf dem Weg in die Centralstation. Im Schlepptau habe ich fünf aufgeregte 12-Jährige und ein Monstrum auf Rädern. Wir besuchen die erste Ausgabe von „Huch, ein Buch!“, das Darmstädter Jugend- und Kinderliteraturfestival. Das Monstrum ist unser Beitrag für den Wettbewerb „Mein coolster Lesesessel“.

Später äußert sich Tobias Elsässer, auftretender Autor dieses ersten Mals, wie folgt: „Backstage: warten, umdichten, prüfen, ob die Gesichter zu jung sind.“ Zum Buch, aus dem er und sein Kollege Jaromir Konecny lesen, heißt es auf der Verlagsseite: „Nachts. Am Tag. Nackt. Heiß. Erregt. Ohne Tabus. Voller Lust. Sechzehn Mal das Thema Nr. 1“.

Natürlich sind die Gesichter zwischen den gespitzten Öhrchen zu jung. Die Lesung daraus wird für die Besucher:innen also eine ganz besondere –extra umgedichtet nur für sie.

Auf dem Heimweg glühen Augen und Wangen meiner kleinen Meute. Den Preis für den coolsten Sessel haben sie nicht gewonnen, aber Adidas-Taschen voller Bücher und einen überaus spannenden Nachmittag voller Geschichten und aufregender Aussichten. „Mama, das war toll!“, schwärmt mein

Töchterchen. „Und das ganze Festival nur für uns.“

Ich befürchtete damals, dass genau dieses Häufchen beseelter Kids das Aus für das Lesefestival hätte sein können. Denn Kulturveranstaltungen werden leider nicht am Begeisterungsgrad der einzelnen Besucher:innen bemessen, sondern an deren Anzahl. Doch die Veranstalter:innen Meike Heinigk (Kulturmanagerin), Ilona Einwohlt (Autorin) und Alfred Hofmann (Buchhändler) waren eine ideale Besetzung für den Job und ließen sich nicht beirren: Die Jugendlichen und Kinder Darmstadts und Umgebung brauchten ein Lesefest – und das sollten sie bekommen.

Im folgenden Jahr durfte ich das Festival gemeinsam mit Milena Baisch („Anton taucht ab“) eröffnen. Nach unseren Lesungen signierte Milena (Trägerin des Deutschen Jugendliteraturpreises) Autogrammkarten – und ich (Debütantin) kleine Handrücken in einem im Carree geparkten Lesebus, während Kinder draußen Buchstabensuppe schlürften.

Denn im zweiten Jahr verfestigte sich das Konzept des Festivals, Jugendlichen und Kindern das Erlebnis Buch besonders schmackhaft zu machen. Darum findet „Huch, ein Buch!“ unter einem

besonderen Motto mit besonderen Büchern an besonderen Orten statt. In diesem Jahr zum 15. Mal.

Zielgruppe: Menschen zwischen 3 und 20 Jahren Inzwischen richtet sich das einwöchige Lesefest an 2.000 Menschen zwischen 3 und 20 Jahren. 40 Seiten ist das Programmheft 2026 dick, das die Lesungen, Wettbewerbe und Workshops rund um das Buch und das Schreiben vorstellt. Unter dem Motto „Gemeinsame Sache“ werden Demokratie, Gleichberechtigung und Menschenrechte mit humorvollen Kinderbuchlesungen und literarischen, gesellschaftlich relevanten Jugendformaten, aber vor allem mit Freude, Spaß und einem Training für den „Mut-Muskel“ in den Fokus gerückt. „Das Festival ist wie ein Organismus gewachsen. Aus den Ideen und durch die Zusammenarbeit aller, die daran beteiligt waren“, erzählt Meike Heinigk, die hauptberuflich Künstlerische Leiterin der Centralstation ist.

Den großartigen Namen „Huch, ein Buch!“ schüttelte eine Kollegin der Centralstation aus dem Ärmel. Ein witziger Trailer wurde mit einer Schauspielerin des Staatstheaters gedreht. Das jeweilige Motto erspüren die Veranstalterinnen (inzwischen nur noch zu zweit) in der Zeit. „Wir fragen uns, was brauchen die Kinder und Jugendlichen in diesem Jahr?“, sagt Meike Heinigk. Auf den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt finden entsprechende Gespräche zu Neuerscheinungen statt. Viele Bücher werden gelesen. Lieblingsbücher zur Not ins Motto „hineininterpretiert“. Auch vor unbequemen Geschichten scheuen die Autorin und die Kulturmanagerin nicht zurück. Unvergessen ist die Lesung zum Thema Tod in der beeindruckenden Atmosphäre des Krematoriums auf dem Waldfriedhof.

Denn die besonderen Leseorte tragen die Bücher mit. So durfte ich aus meinem Abenteuer in der Kanalisation („Letzten Donnerstag habe ich die Welt gerettet“) im schaurigen Dämmer des gewölbten Künstlerkellers lesen. Franziska Gehm („Die Vampirschwestern“) warf im Schlosskeller mit signiertem Knoblauch um sich. Auf einem Hof in Brandau wurde Tanja Stewners Lesung („Liliane Susewind“) über das Gerenne einer Henne vom Gackern derselben begleitet. Gebannte Jugendliche lauschten einer Lesung über den ersten Sex und eine Teenagerschwangerschaft (Christiane Féher: „Elfte Woche“) unter den gestrengen Augen einer Wächterin des Schlossmuseums, die eigentlich darauf achten sollte, dass niemand die alten Wandteppiche anfasst.

„Bei den Autor:innen ist uns die Bühnenpräsenz wichtig, sie soll unbedingt auf Augenhöhe sein“, sagt Ilona Einwohlt. Denn hinter jedem Buch steckt ein Mensch und diesen in einem spannenden, lustigen und ehrlichen Gespräch kennenzulernen, ist für jedes Kind und jeden Heranwachsenden ein ganz besonderes Erlebnis: „Magie findet bei unseren Veranstaltungen immer statt.“

20.000 bis 25.000 Jugendliche und Kinder erlebten bis heute über das Festival Lesungen, Workshops, Theater, Konzerte und Begegnungen. Die ganz „Großen“ wie Paul Maar („Das Sams“), Peter Härtling („Ben liebt Anna“) und Grudrun Pausewang („Die Wolke“) waren dabei. Die „Berühmten“ wie Andreas Steinhöfel („Rico und Oskar“), Ingo Siegner („Ritter Rost“) und Finn Ole Heinrich („Frerk, du Zwerg“) kamen nach Darmstadt. Oder auch die „Wichtigen“ wie Kirsten Boje („Dunkelnacht“), >

Necati Öziri („Vatermal“) und Kirsten Fuchs („Mädchenmeute“). Insgesamt beehrten über 150 großartige Autor:innen das Lesefest.

Eine Erfolgsgeschichte. Doch: „Lehrer:innen schreiben uns in diesem Jahr, die Kinder hätten keine Lust zu lesen, darum würden

Leselust fördern

Persönliche Tipps für Menschen mit Kindern:

- Niedrigschwelligen Einstieg wählen, zum Beispiel die großartigen „Lustigen Taschenbücher“.

- Vorlesen familiär zelebrieren mit Kuscheln, Gemütlichkeit und Zeit

- Bücher auswählen, die auch für Eltern spannend sind – die unabhängigen Buchhandlungen (Buchhandlung am Markt, Lesezeichen, Bessunger Buchladen, Georg Büchner Buchladen, Naamans Comic Cosmos) beraten gern und gut.

- Nach dem Lesen über die Geschichten sprechen, lachen, diskutieren und gemeinsam tiefer hineingehen.

- Bücher wie Grundnahrungsmittel immer ausreichend verfügbar haben (es gibt auch Stadtbibliotheken!).

- Kindergeburtstage zum Thema Buch ausrichten – zum Beispiel: literarischer Escape Room oder literarische Schnipseljagd, weitere Ideen online auf der Seite der Akademie für Leseförderung Niedersachsen: alf-hannover.de/materialien/praxistipps

- Sich für die aktuelle Literatur der (eigenen) Kinder interessieren. („Was liest du denn gerade? Erzähl mal.“)

Hintergründe, Tipps, Projekte und Initiativen zur Förderung der Sprach- und Lesekompetenz listet die Website des DIPF Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation online auf: lesen-in-deutschland.de/land/hessen

sie nicht kommen“, erzählt Meike Heinigk. „Die täglichen Hürden im Schulablauf werden immer höher, sodass unser tolles Angebot weniger genutzt wird, als gedacht“, formuliert es Ilona Einwohlt weniger drastisch.

Dabei lösen die Ergebnisse der letzten IGLU-Studie (Internationale-Grundschul-Leseuntersuchung von 2023) die allerhöchste Alarmstufe aus: Jedes vierte Kind kann nicht ausreichend lesen, um eine weiterführende Schule zu besuchen. Das ist nicht nur für die persönliche Entwicklung dieser Kinder fatal, sondern auch für unsere Gesellschaft.

Untersuchungen der Freien Universität Berlin haben ergeben, dass beim Lesen freigesetzte Emotionen denen realer Erlebnisse entsprechen. Freude, die wir lesend empfinden, ist also eine wirkliche – ebenso Furcht, Grusel, Wut oder Liebe. Während unsere Augen den Zeilen folgen, entstehen Filme im Kopf. Lesend fliegen wir ins All, tanzen auf Bühnen, schwimmen mit Kraken in der Tiefsee oder verspeisen köstlichste Törtchen.

Lesen ist: Leben! Über das Lesen können soziale Situationen eingeschätzt oder geübt werden. Kinder können sich durch Bücher und Geschichten in andere Menschen (und andere Wesen) hineinversetzen. Das wird auch Empathie genannt.

Zudem finden junge Menschen lesend ihren Platz in der Welt. So kann sich ein introvertiertes Kind sozialen Situationen aussetzen, ohne etwas riskieren zu müssen. Das empfundene Glück, mit Freunden ein Abenteuer (im Buch) bestanden zu haben, ist nachhaltig. Es macht Mut für Schritte im echten Leben.

Und: Kinder wollen lesen! Auch das wird durch Untersuchungen bestätigt. Allerdings nimmt die Leselust ab, wenn es keine Lesemöglichkeiten gibt. Bücher müssen eine selbstverständliche

Präsenz im Leben haben – idealerweise von Anfang an in der Familie und in der Kita, spätestens jedoch in der Grundschule. Wer keinen Zugang zu Büchern hat, lernt schwerer lesen. Wer nicht lesen kann, verliert die Lust und das Interesse daran. Umgekehrt wächst die Leselust mit zunehmender Lesekompetenz. Auch dieser Zusammenhang ist gut erforscht.

Wenn Kinder sagen: „Ich habe keine Lust zu lesen“, dann waren ihre Zugänge zu Büchern eingeschränkt. Das kann und muss man ändern. Denn Lesen bringt nicht nur große Vorteile – Nichtlesen (oder nicht lesen können) hat massive Nachteile.

Menschen, die nicht ausreichend lesen können, sind kaum in der Lage, sich komplexe Informationen und Inhalte eigenständig zu erschließen. Sie sind abhängig von der Vermittlung und Interpretation anderer. Radikaler ausgedrückt: Sie sind leichtere Opfer für Manipulation und Erpressung (beispielsweise über „TikTok“). Wenn wir uns die gegenwärtige Weltlage ansehen, ist das besonders problematisch. Eine demokratische Gesellschaft kann unter solchen Bedingungen nicht stabil funktionieren. Es ist kein Zufall, dass der Wunsch nach autoritärer Führung in unsicheren Zeiten wächst, wenn gleichzeitig die Lesekompetenz sinkt.

Ganz klar eine Aufgabe der Politik, sich dringlichst um Leseförderung zu kümmern. Viele Studien weisen auf die Situation und ihre Gefahren hin und stellen Lösungen vor. Stattdessen in Hessen: minus 70.000 Fördergelder für Schulen, minus 300 Lehrer:innenstellen, minus 10.000 Unterrichtsstunden pro Woche. Ist das nur dumm oder schon böse?

Einheitssprech durch Large Language Models Hinzu kommen die Auswirkungen der KI genannten Large Language Models (LLM), die inzwischen ihre eigenen Auswürfe fressen und das Wiederge-

käute wiederkäuen. Das dabei entstehende Einheitssprech filtert nicht nur Realitäten, sondern nimmt auch die Fähigkeit, Gefühle, Situationen und Dinge differenziert zu beschreiben. Letztlich das Vermögen, sich wahrhaftig auszudrücken. Also, der umgekehrte Prozess, der beim Lesen eines guten, Empathie vermittelnden Buches einsetzt. Dennoch wird dieses lauwarme Geschreibsel zwischen zwei Buchdeckel gepresst und rangiert auf den Bestsellerlisten diverser Onlineanbieter ganz oben. Wer macht so etwas? Und warum?

Verzeiht mir Furor und Pathos. Aber man muss keine fantasievolle Autorin sein, um sich bei dieser Sachlage in Geschichten (gar Theorien) zu verheddern. Offensichtlich gelten lesende Menschen (vor allem Frauen und Kinder) und gute Bücher als gefährlich. Warum sonst wurde und wird der Zugang zum Lesen erschwert? Warum sonst wurden und werden Bücher verpönt, verboten und verbrannt?

Vielleicht ist das Quatsch, vielleicht stimmt ein Hauch, vielleicht bin ich einer ganz großen Sache auf der Spur – fest steht: Jugendliche und Kinder müssen (wieder) mit Freude Bücher lesen.

Wir brauchen kluge Töchter und feministische Söhne. Vor allem aber glückliche, empathische Kinder. Sie sind unser Jetzt und unsere Zukunft. ❉

„Huch, ein Buch!“-Programm

Das Programm der diesjährigen Ausgabe von „Huch, ein Buch!“ umfasst 28 öffentliche Veranstaltungen an 13 lesetauglichen Kulturorten in 6 Tagen (vom 18. bis 23. Mai). Alle Details – auch zu Eintrittspreisen und Anmeldung –erfahrt Ihr online unter: huch-ein-buch.de

GESTRICKT UND VERHÄKELT!

„Komme, was Wolle ... wir stricken was draus.“ Handarbeiten ist in, auch in Darmstadt – und wirkt als äußerer und innerer Widerstand gegen die Zumutungen der Welt.

RECHERCHE + TEXT: ANTJE HERDEN | ILLUSTRATIONEN: SILVIA DIERKES

Eine weiße Kissenhülle mit Spitzenrand. Darauf eine Stickerei aus rotem Faden. Nostalgisch, romantisch, seltsam rein. Fünf Buchstaben in Fraktur: „F.I.C.K.E.N.“. Dass wir das vor 20 Jahren ob seiner scheinbar weit offenen Text-Bild-Schere witzig fanden, lässt mich heute milde lächeln. Inzwischen gehören für mich Handarbeiten wie poetische Stickereien von Molotowcocktails und Distelblüten zum politischen Struggle. Nadel und Faden statt Waffen. Ich lernte, wie eng Stricken und Häkeln mit Widerstand verwoben sind und wie lang der Faden der gemeinsamen Geschichte bereits ist. 2026 beobachte ich zudem einen neuen Trend. Nicht mehr nur „Wolle. Seide. Widerstand.“, sondern Handarbeiten (auch) als Suche nach Wohlbefinden, Trost und alternativer Gemeinschaft.

Bereits im 18. und 19. Jahrhundert sind Näh- und Handarbeitskreise wichtige soziale Räume. Hier treffen junge und alte Frauen zusammen und tauschen, von Männern unbeobachtet, Informationen aus. Nicht nur die Techniken und das Fertigen der jeweiligen Arbeiten betreffend. Es wird vor allem das Wissen über Ehe, Körper, Sex und Schwangerschaft weitergegeben.

Allerdings finden wir zwei völlig unterschiedliche Welten vor. In bürgerlichen und adligen Kreisen schickt Mann die Mädchen und Frauen ins Boudoir, einen kleinen, elegant eingerichteten privaten Raum, auf dass die „Damen des Hauses“ dort diszipliniert werden: Sie sollen sich über Stickrahmen und Klöppelspulen gebeugt in Bescheidenheit, Geduld und Disziplin üben. Außerdem erhoffen die Männer, die von Erwerbstätigkeit und politischem Wirken Ausgeschlossenen auf diese Weise der Langeweile zu entreißen, während sie selbst im Rauchersalon die Geschicke der Welt lenken.

Die Mädchen und Frauen in den prekären Lebenssituationen des unteren sozialen Spektrums hingegen nähen und weben aus essenzieller Notwendigkeit heraus unter den Bedingungen extremer

Ausbeutung. Zwar werden dieselben Techniken benutzt, doch in den bourgeoisen Villen führen Moral und Muße die unterschiedlichen Nadeln, wohingegen in den Armen- und Arbeitervierteln der Zwang aus ökonomischem Druck und Überlebensarbeit die Fäden vernäht.

Im Nähen und Klöppeln schlummern subversive Kräfte Doch die Stiche kreuzen sich. Die weiblichen Räume bleiben nicht unpolitisch, stattdessen gedeihen in ihnen subversive Kräfte. Dass sich aus existenziellen Nöten und ausbeuterischen Verhältnissen heraus politisches Denken entwickelt, ist quasi unabdingbarer Überlebenskampf. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts gibt es in London, dem Zentrum der Textilindustrie, erste Proteste der Näherinnen. Das Schlüsselereignis für den Kampf der Arbeiterinnen in der Bekleidungsindustrie ist jedoch 1909 der in New York organisierte Frauenstreik „Uprising of the 20.000“. Handarbeit wird hier zur direkten politischen Kampfzone. Auf kollektiv genähten und bemalten Bannern fordern die Frauen bessere Arbeits- und Lebensbedingungen.

Aber auch in den bürgerlichen Quilt-Kreisen und adligen Boudoirs organisieren sich die Frauen. Wer je dachte, privat und weiblich würde unpolitsch bedeuten, wird eines Besseren belehrt. Sticken, Klöppeln und Verziehren sind auch hier Unterdrückung und Rebellion in einem. Das gipfelt darin, dass die traditionell gefertigten Stücke widerständlerisch genutzt werden. Zum Beispiel als hochwertige Banner der Suffragetten-Proteste. Die Forderung „Votes for Women“ (um 1909) sticken die Frauen mit Goldfäden in lila Seide und grünen Samt.

Auch Männer sind über die Jahrhunderte immer wieder Teil der Handarbeitsbewegung. Nicht nur als (Herren-)Schneider. Für das 13. und 14. Jahrhundert ist der männliche Beruf des Strickers klar belegt. Stricken ist im Mittelalter ein in Zünften organisiertes, ökonomisch bedeutsames und vom Manne dominiertes Handwerk. >

Therapie für Kriegsgeschädigte

In der Zeit der Industrialisierung werden Stricken, Sticken und Nähen in die weiblichen Räume verbannt. Im 20. Jahrhundert hingegen zeigen Fotografien wieder strickende Männer an der Front. Der Erste und Zweite Weltkrieg entgendert die Handarbeit. Soldaten stricken benötigte warme Socken, stopfen ihre Uniformen oder vertreiben sich mit Nadelarbeiten die Zeit. Zudem wird der meditative Effekt des Strickens als Therapie für Kriegsgeschädigte angewendet.

In den 1960er- bis 1980er-Jahren möchte man Nähen, Sticken, Stricken und Häkeln bewusst aus der „Abwertung als weibliche Arbeit“ herausholen und gleichzeitig auf die unbezahlte Care-Arbeit der Frauen hinweisen. Handarbeiten werden radikal politisiert. Handarbeitsgruppen sind Orte für Gespräche über Politik, Sexualität, Care-Arbeit und Gleichberechtigung. Auch im Bundestag wird ab Einzug der frühen Grünen demonstrativ gestrickt.

Die Kunst entdeckt das Gestalten mit Fäden und Gewebe. Die Fede zwischen „echter“ Kunst und kitschigem Kunsthandwerk wird beigelegt und die Handarbeit rangiert vom Werkstück zum Kunstwerk.

In den 1980er- und 1990er-Jahren erleben wir weltweiten Protest, Dokumentationen von existenzbedrängenden Zuständen oder internationale Trauer oft im Kontext mit Handarbeiten. Ein herausragendes Beispiel ist der AIDS Memorial Quilt, ein gewaltiges, offenes, kollektives Trauerkunstwerk, um der Menschen zu gedenken, die an AIDS gestorben sind. Es wird 1987 in San Francisco gestartet und bis heute fortgeführt. 2020 besteht der Quilt aus 50.000 einzelnen Paneelen von jeweils 0,80 mal 1,90 Metern Größe.

Ein anderes Beispiel sind die Arpilleras (farbenfrohe

Wandbilder aus Stoffresten). Chilenische Frauen sticken darauf vorsichtig codierte Szenen der Gewalt durch das Militär, Erzählungen von Entführungen und Armut. Während der Militärdiktatur werden sie ins Ausland geschmuggelt und gewährleisten so ein kleines Einkommen. Außerdem verbreiten sie Informationen über das Leben der chilenischen Frauen unter Pinochet.

In den 2010er-Jahren etabliert sich der sogenannte Craftism, zusammengesetzt aus Craft (Handwerk) und Aktivismus (activism). Mit Wolle, Garn und Stoff werden soziale, politische und ökologische Botschaften gehäkelt, gestrickt und gestickt – international (vor allem durch digitale Medien verbreitet), symbolisch, prozesshaft und alltagsnah. Mit einem leisen, niedrigschwelligen Zugang für alle.

Ein bekanntes Beispiel des Craftism ist das Pussyhat Project von 2017, als Millionen pinke Mützen mit Katzenohren aus Protest gegen Trump gestrickt und getragen werden. Oder das Yarn Bombing, bei dem Bäume, Fahrradständer und Laternen mit Häkel- und Strickarbeiten ummantelt werden und so der öffentliche Raum erobert und sich kollektivistisch angeeignet wird.

Im Jahr 2026 hängen nur noch wenige der inzwischen stark vergrauten Häkelarbeiten in den Städten herum. Aus dem Bundestag ist kein Nadelklappern mehr zu hören und in den Öffis wird nicht mehr rechts und links gestrickt, sondern nach rechts und links geswiped.

Der Hype scheint vorbei. Es lebe der Hype! Kurz bevor man erschöpft das Handy ausschaltet, noch ein schneller Blick auf die „TikTok“-Tutorials des allerneuesten Trends: „Protest is a fundamental Right!“ (gesticktes Banner), „Melt the ICE!“ (gestrickte Mütze), „No Kings!“ (gehäkelter Patch) – oder auch

eine romantische Strickjacke mit Rüschen.

Im analogen Raum der Clubs, Cafés, Kinos oder Open-Air-Knit-ins trifft man sich nun wieder mit Gleichgesinnten, arbeitet mit Nadel und Faden, tauscht sich aus, trinkt eine Brause oder einen Ingwertee. Eine Person dreht Platten. Vielleicht läuft auch ein Kinofilm bei halber Beleuchtung. Vielleicht liest einer einen poetischen oder politischen Text vor. Vielleicht spielt jemand auf dem Klavier. Kein Rausch, kein Kink, keine Ekstase. Es gilt das Hier und das Jetzt. Zwei Stunden lang oder auch drei. Slow + Care. Im Flow der Nadel darf man endlich einmal abschalten und zur Ruhe kommen. Sich ganz und gar spüren, vielleicht sogar eine gewisse Wirkmächtigkeit, je nachdem, wie das entstehende Werkstück anmutet.

Die neuen Häkelkinos, „Wollbefinden“-Abende, Strickraves und „Stitch & Bitch“-Kreise sind willkommene Angebote, die eigene Resillienz zu trainieren und Krisen, Kriegen und Kapitalismus gemeinschaftlich handarbeitend entgegenzutreten. Eine tröstliche Mi-

Beeindruckende Teppich-Arbeiten internationaler Künstler:innen zu politischem und persönlichem Widerstand

Museum Angewandte Kunst (Schaumainkai 17, Frankfurt am Main) | bis So, 14.6. | 14 € museumangewandtekunst.de

Handarbeits-Events in Darmstadt

• „Wollbefinden Open Air“ Viertes Kollektivstricken Carree-Hof vor der Centralstation | Sa, 30.5. | 16.30 Uhr | Eintritt frei

+ Ausschau halten nach (Termine standen bei Redaktionsschluss noch nicht fest):

• „221 Maschen auf 221qm“: siehe 806qm.de

• „Strick- und Häkeltreffen“ im das Blumen: dasblumen.de

• „Film & Faden“ – monatliches Strickkino im

PURE Yoga Shala

Ein neuer Ort für Yoga im Johannesviertel

Im Herzen des Johannesviertels in Darmstadt ist mit der PURE Yoga Shala ein Ort entstanden, der sich dem ursprünglichen Yoga widmet – der puren Essenz, verbunden mit modernem Wissen und einem bewussten Verständnis für Körper und Geist .

Die Shala versteht sich als Raum für Praxis, Austausch und persönliche Entwicklung. In ruhiger, herzlicher Atmosphäre finden sowohl Einsteigerinnen als auch erfahrene Yogapraktizierende einen Ort , an dem sie ankommen, sich erden und neue Impulse gewinnen können.

Gegründet von den Darmstädter YogaLehrerinnen Olga Korolkow und Carolina Kwofie verbindet PURE fundiertes anatomisches Wissen mit traditioneller und spiritueller Praxis.

Der Stundenplan umfasst dynamische Vinyasa-Flows, kraftvolles Ashtanga Yoga sowie die Mysore-Praxis am frühen Morgen. Ergänzt wird das Angebot durch ruhige Yinund regenerative Einheiten mit Klang und Meditation – immer mit der Einladung, den eigenen Körper bewusster wahrzunehmen und die Gedanken für einen Moment leiser werden zu lassen.

Weitere Informationen zu Kursen, Workshops, Ausbildungen und Retreats, sowie die Möglichkeit zur Buchung und Raummiete finden sich unter: www.pureyogashala .com

K Instagr

Objektiv

Subjektive Eindrücke aus dem Darmstädter Musikkosmos

FOTO + TEXT: 6BENNI4

Motiv: Southside Beles Boys (SBB) auf dem Weg zur Bühne, Schlossgrabenfest

Datum: 6. Juni 2025

Ort: Karolinenplatz (Echo-Bühne)

Fotograf: 6benni4

Hintergrund: „In wenigen Sekunden ist es so weit: Die Southside Beles Boys (SBB) –bestehend aus Fabinho, Jovan und Nino85 – stehen kurz davor, die Echo-Bühne des Schlossgrabenfests zu betreten. Nur noch ein Vorhang trennt sie vom gespannt wartenden Publikum. Eine spürbar euphorische, leicht angespannte Stimmung liegt in der Luft und gibt einen Vorgeschmack auf die bevorstehende Show. Das Foto fängt genau diese letzten Momente ein – eine Mischung aus Anspannung, Euphorie und Vorfreude, kurz bevor es losgeht. Nach zwei Shows auf dem Schlossgrabenfest 2024 und 2025, welche super ankamen, treten SBB auch dieses Jahr wieder auf und spendieren uns einen weiteren unvergesslichen Abend mit authentischem HipHop aus Darmstadt.“

Weitere Folgen dieser P-Rubrik:

Aufgeschnappt! Aufgeschnappt!

Stadtkultur-Neuigkeiten

SHOP IM NEUEN RATHAUSFOYER + OLAF KRIEGSMANN) + BUNDESFINANZMINISTERIUM (BRIEFMARKE „125 JAHRE MATHILDENHÖHE“)

Electric Horseman entziehen sich dem Zeitgeist. Während sich das Musikgeschäft heute weitreichend in digitale Räume verschoben hat, setzt die Band ein selbstbewusstes Zeichen: Das neue Album „Under The Weather“ erscheint erst physisch als Schallplatte – und wird erst Wochen später bei Streaming-Diensten zu finden sein. Mit dem neuen Album haben die Indie-Rocker ihren frischen Retro-Sound perfektioniert. Kraftvoll klingen die acht neuen Titel, die analog, direkt eingespielt und aufgenommen wurden – ohne nachträgliche, digitale Bearbeitung. Erneut ist es der mittlerweile sechsköpfigen Besetzung gelungen, den Spirit von Folk- und Psychedelic-Klassikern mit Pop-Momenten zu vereinen und ins Jetzt zu übersetzen. Wer auf Bands wie Temples oder The War On Drugs steht, wird auch mit Electric Horseman große Freude haben. Erstmals erhältlich und vollständig zu hören sein wird „Under The Weather“ beim offiziellen Release-Konzert am 9. Mai (in der Stage, Bessungen). Auf die Vinyl-Veröffentlichung folgt dann am 19. Juni der Vertrieb auf allen digitalen Kanälen. electrichorseman.band

Stretta sind zurück. Eigentlich hatte die 1986 gegründete Thrash-Metal-Band die Gitarren an den Nagel gehängt. Nach dem plötzlichen Tod von Gründungsmitglied Norbert Kramarek beschloss die Band 2018, sämtliche musikalische Aktivitäten einzustellen. Sechs Jahre nach dem Schicksalsschlag brachte ein Zufall die Darmstädter wieder gemeinsam ins Studio, um als GastMusiker das ein oder andere Gitarrensolo für Freunde einzuspielen. Hier kam die Idee auf, die Formation um Sänger Raphael Piatkowski und Bassist Peter Teicher wiederzubeleben. Mit „Back From The Abyss“ steht jetzt ein neues Album in den Startlöchern: Zehn Songs, darunter neue und neu aufgenommene Titel aus der Bandgeschichte, sollen bald als Schallplatte erscheinen. Als Promo-CD, erhältlich direkt bei der Band, und bei Streaming-Diensten könnt Ihr schon mal reinhören. Klassischer 80er-Thrash-Metal mit melodischen, aber auch doomigen Elementen. instagram.com/stretta2020

RECHERCHE + TEXT: MATIN NAWABI + CEM TEVETO G LU | FOTOS: JAN BEMA (ELECTRIC HORSEMAN) + JOSKO JOKETOVIC (ZIMTTHINKS UND DER FARADAYISCHE ELEFANT) + NOUKI (DARMSTADT

2007 schlossen sich Fachleute aus Psychiatrie, Psychologie, Psychotherapie und Seelsorge zusammen, um das Darmstädter Bündnis gegen Depression e. V. zu gründen. Der gemeinnützige Verein setzt sich seitdem nicht nur für Aufklärung zum Krankheitsbild Depression ein. Mit Hilfsangeboten und Beratungsleistungen engagieren sich die ehrenamtlichen Mitglieder aktiv, um Fachkräfte und Multiplikatoren weiterzubilden und konkret Suiziden durch Aufklärung und Unterstützung vorzubeugen. Im April hat nun Meike Schiele die Nachfolge von Gründungsmitglied Patricia Gill-Schultz als Koordinatorin des Bündnisses übernommen. darmstadt-depression.de

Zimtthinks und der faradayische Elefant, das dadaistische Duo mit beispiellos bizarrem Namen, feiert das Release seines neuen Albums. Die selbstbetitelte Platte ist im April erschienen. Auch physisch als LP – jedes der 100 Exemplare ist handnummeriert und individuell koloriert. Formiert hat sich die Band 2022 und wendet sich seither programmatisch gegen jedes Schubladendenken. Als prinzipiell „unkategorisierbar“ wird das musikalische Schaffen verstanden. Schlagzeug, Bass-Synth, Gitarre, Effektgeräte und „paranormaler“ Gesang werden von „interstellarem Humor“ beflügelt. Der Sound aus Drone-Jazz, Ambient, Psychedelic und Noise klingt wie ein wirklich komplett wilder Trip. ztudfe.bandcamp.com

Multimediale Einblicke in das Werk, das Leben und die Geschichte von Joseph Beuys und insbesondere in das Gesamtkunstwerk Block Beuys will eine neue Webseite vermitteln. Lanciert wurde die digitale Präsenz vom Hessischen Landesmuseum Darmstadt. Unter anderem umfasst das Portal eine 3D-Navigation durch die Ausstellungsräume mit rund 300 Objekten. Schaut mal rein: blockbeuys.hlmd.de

20 Jahre Hofgut Oberfeld: Anlässlich des großen Jubiläums hat die Stiftung Hofgut Oberfeld einen Fotowettbewerb ausgerufen. Gesucht ist Euer persönlicher Blick auf den besonderen Ort zwischen Feldern, Gärten, Ställen, Café und Werkstatt. Fotobegeisterte sind eingeladen, „in Bildern zu erzählen“, was sie mit dem Hofgut und dem Oberfeld verbindet. Aus allen Einsendungen wählt eine Fachjury zwölf Aufnahmen aus. Diese werden bei den Jubiläumsfeiern ausgestellt und als Teil eines Wandkalenders veröffentlicht. Alle Infos, Teilnahmebedingungen und Wettbewerbskategorien findet Ihr online unter: pollunit.com/polls/hofgut_oberfeld

Wortwörtlich gemeinte „Aufbruchstimmung“ will die Stadt mit einer großen Kampagne lostreten: Um Flächenentsiegelung zu fördern und einen positiven Beitrag zum Stadtklima zu leisten, nimmt Darmstadt an der bundesweiten Aktion „Abpflastern“ teil. Ziel ist – möglichst gemeinschaftlich –Flächen zu entsiegeln. Heißt: Zum Beispiel Flächen von Belägen aus Beton oder Pflastersteinen befreien und renaturieren, sodass Regenwasser wieder versickern oder sich gar Lebensraum für Flora, Fauna sowie Insekten und Tiere bilden kann. Die Kommune unterstützt die Aktion unter anderem mit Angeboten für die Entsorgung von abgetragenem Material, einer kostenfreien Erstberatung für Entsiegelungen sowie Tipps und Hilfestellungen. Alle Infos findet Ihr online: darmstadt.de/abpflastern

Mit „finalfinal_v2“ präsentieren Stephan Böhl und Christian Stadach – beide Geschäftsführer der Darmstädter Kreativagentur Tag & Nacht Media – einen Podcast für Cineasten. Mit Liebe zum Bewegtbild quatschen die Kollegen über „Filme, Serien, Popkultur und alles, was uns drumherum begeistert, beschäftigt oder nervt“. Das Format vereint dabei sowohl Fanherz als auch die professionelle Perspektive als Filmemacher. Startschuss war der 2. März. Alle 14 Tage erscheint eine neue Episode. Die bisher veröffentlichten vier Folgen findet Ihr überall, wo es Podcasts gibt.

Die Inklusionskarte für Sport wurde aktualisiert: Ergänzt um neue Angebote, umfasst die Übersicht nun 25 inklusive Aktivitäten in Darmstädter Sportvereinen. Oberbürgermeister Hanno Benz betont dabei: „Inklusive Sportangebote bringen Menschen zusammen, stärken die Gemeinschaft und machen Darmstadt vielfältig und lebendig.“ Die Karte ist online als PDF im digitalen Rathaus abrufbar. darmstadt.de

Das neue Rathausfoyer im Carree wurde in Betrieb genommen. In der Luisenstraße 12, ehemals Filiale des Buchhändlers Hugendubel, findet Ihr jetzt den offiziellen, komplett barrierefreien Hauptzugang zum Rathaus und alle dort ansässigen Dezernate der Stadt. Das Erdgeschoss diene dabei als „zentrale Service-Drehscheibe“ für die Öffentlichkeit. Unter anderem untergebracht sind hier nun: Stadt- und Touristinformation inklusive Darmstadt Shop (in dem sich Wissenschaftsstadt Darmstadt, die Lilien und ESA präsentieren), das Büro der Bürgerbeauftragten und natürlich der zentrale Empfang. Die Geschäftsstelle des Darmstadt Citymarketing e. V. ist gemeinsam mit der Wissenschaftsstadt Darmstadt Marketing GmbH sowie der Wirtschaftsförderung im ersten Obergeschoss eingezogen. Alles ganz easy zu finden dank des von der Darmstädter Designagentur Schumacher entwickelten Leit- und Orientierungssystems. Gegenüber, direkt am Luisenplatz, an der alten Adresse des Darmstadt Shops, findet Ihr jetzt das City Lab. Das Ladenflächen- und Quartiersmanagement soll weiterhin, auch nach Auslaufen von Fördermitteln der Bundesregierung, zentrale Projekte zur Stärkung der Innenstadt vorantreiben. darmstadt.de

Zuwachs beim Golden Leaves Festival. Das spätsommerliche Indie-Open-Air hat sechs weitere Namen für das diesjährige Line-up bekannt gegeben: Dani Lia, Emma Rose, Hundreds, Lena&Linus, Magda und Soft Loft bringen junge, deutsche Pop-Musik, Indietronic und melancholische Klänge auf die Festivalbühnen. Alle bisher bestätigen Acts, Infos und Tickets für die Veranstaltung am 22. und 23. August am Steinbrücker Teich, siehe: goldenleavesfestival.de

Auf in die VHS, in die offene Lernwerkstatt im „M2“! Unter dem Titel „Future Skills in offenen Lernformaten“ lädt die Volkshochschule Darmstadt am Standort im Bürgerpark Nord zu neuen, kostenfreien Angeboten ein. Hier könnt Ihr „miteinander lernen, lesen“ und Euch austauschen. Für die Teilnah-

me ist keine Anmeldung erforderlich, man kann einfach vorbeikommen. Die Reihe „Lernhäppchen: Praktische Tipps für den Arbeitsalltag“ umfasst zum Beispiel: „Schwierige Gespräche führen“ oder „Smarter arbeiten im Arbeitsalltag – einfache Tools für mehr Effizienz“. Die Reihe „Wortzauber“ richtet sich an Menschen jeden Alters, die Freude am gemeinschaftlichen Lesen haben. Schaut mal rein: darmstadt-vhs.de/programm/lernen-am-martinsviertel

Dass man in der Grube Messel in die Vergangenheit blickt, ist bekannt. Die international bedeutende Weltnaturerbestätte lässt mit ihren Fossilienfunden fast 50 Million Jahre Erdgeschichte greifbar werden. Neu ist, dass jetzt der Blick jedoch auch auf die jüngere Geschichte gelenkt wird. Bevor die Grube zur paläontologischen Institution wurde, stand der Ölschiefer im Mittelpunkt. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Gestein industriell abgebaut – im Nationalsozialismus von knapp 300 Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen. An das Zwangsarbeitslager Grube Messel und seine Opfer erinnert jetzt ein Mahnmal. Zeitgleich ist das Buch „Grube, Paraffin- und Mineralölwerk Messel – Fotoexkursionen von Kurt Röhrig“ erschienen. Autor Franz-Jürgen Harms hat hierfür Fotografien zusammengetragen, die den historischen Wandel der Grube nach dem Zweiten Weltkrieg dokumentieren. Weil sich entlang dieser Entwicklungen zahlreiche gesellschaftspolitische Prozesse ablesen lassen, wurde die Grube Messel nun auch in das Netzwerk der Orte der deutschen Demokratiegeschichte der gleichnamigen Stiftung aufgenommen. Denn: Ende der 1970er-Jahre sollte, nach Ende des Ölschieferabbaus, „die Grube“ eigentlich eine Mülldeponie werden – ungeachtet bereits getätigter Fossilienfunde. Verhindert wurde das nur durch rastlosen Protest: Über zehn Jahre kämpften Bürger juristisch für den Stopp des Deponievorhabens. Der Erfolg dieses Engagements mündete in die erfolgreiche Unesco-Bewerbung. grube-messel.de

Jeremy Fast alias Fäst ist ein Darmstädter DJ, Produzent und Künstler, der sich elektronischer Musik und House verschrieben hat. Seit 2020 veröffentlicht er vor allem melodische, atmosphärische Tracks. Für ein kollaboratives, audiovisuelles Projekt in Zusammenarbeit mit dem Mainzer Kollektiv Prism Garden wurde jetzt eine Crowdfunding-Kampagne lanciert. Entstehen sollen audiovisuelle Performance-Videos, in denen „elektronische Live-Musik auf Improvisation, Bewegung und interaktive Projektionen treffen, die direkt auf Klang und Performance reagieren“, so die Initiatoren. startnext.com/faest-prism-garden

Neues von der Literaturgruppe Poseidon. Für das Buch „Trio infernal“ haben sich die drei Darmstädter Mitglieder Paul-Hermann Gruner, Alex Dreppec und Tom Wolff zusammengetan und legen eine Auswahl von „Gedichten, Kurztexten und Querschüssen“ vor. Aus dem Vorwort heißt es: „Muss man die Welt mit ihrer Absurdität, ihren Zumutungen ertragen? Nein! Das aufgeklärte Individuum setzt sich hin und schreibt dagegen an.“ Erschienen im Pop Verlag Ludwigsburg und für 16,50 Euro überall im Buchhandel erhältlich.

Ein politisch-popkulturelles Essay ist Thomas Waldherrs neue Buchveröffentlichung. „In The Summertime“ transportiert Euch zurück in die frühen 1980er-Jahre. Der Autor und AmericanaExperte verzahnt auf 116 Seiten autobiografische Szenen mit dem Wirken des Musikers Bob Dylan, insbesondere dessen Deutschland-Tournee 1981, und weltpolitischem Geschehen. Als Taschenbuch im Katalog des Verlags Truth And Lies Press sowie überall im Buchhandel zu finden. truthandliespress.jimdofree.com + cowboy-band.blog

Der Start der Freibad-Saison Mitte Mai wird knapp verpasst, am 4. Juni soll das Eberstädter Mühltalbad jedoch wiedereröffnet werden. Die umfassenden Sanierungsarbeiten des Freibads starteten im Herbst 2023. Die Modernisierung umfasste unter anderem ein Update der Technik, die künftig einen deutlich energieeffizienteren Betrieb gewährt, eine Überarbeitung der Beckenanlagen, neue Rutschen, ein neues Sicherheitskonzept sowie eine Erweiterung der Spiel- und Sportmöglichkeiten mit Feldern für Beachvolleyball und Handball.

Im September 2024 zeigten sich die Ausstellungshallen auf der Mathildenhöhe nach langer Bauzeit endlich wieder der Öffentlichkeit. Den Auftakt nach der Sanierung machte die Ausstellung „4–3–2–1

DARMSTADT – Eine Kunst-Topografie“. Der Kerber Verlag veröffentlichte jetzt eine Revue: Auf 500 Seiten liefert die Hardcover-Publikation einen Rückblick auf die Schau mit Werken der Darmstäd-

ter Kunstsammlung. Eingeordnet wird der „Streifzug durch 200 Jahre der Kunststadt Darmstadt und ihrer unmittelbaren Region“ von den Herausgebern Philipp Gutbrod und Sandra Bornemann-Quecke. kerberverlag.com

Young, fresh, real und straight outta Darmstadt: Jovan hat nach zahlreichen Singles erstmals eine EP an den Start gebracht. „Step“ ist seit Ende April draußen und markiere, so der Rapper, „den Beginn von etwas Großem“. Der Bessunger HipHop-Enthusiast ist mit 2020 mit ersten Tracks beim Streamingdienst Soundcloud in Erscheinung getreten. In den letzten Jahren folgten Hymnen auf die Heimatstadt und kleine Hits wie „Chop Chop“, die bei Spotify millionenfach abgerufen wurden. Jüngst wurde Jovan auch mit dem Stipendium des Darmstädter Musikpreises ausgezeichnet. instagram.com/jovan_mp3

Mit einer Sonderbriefmarke würdigt das Bundesministerium der Finanzen die Bedeutung von Darmstadts historischer Künstlerkolonie. Die Briefmarke „125 Jahre Mathildenhöhe Darmstadt“ wurde von der Designerin Luzia Hein gestaltet und ist ab 7. Mai bei der Deutschen Post erhältlich.

Olaf Kriegsmann ist tot. In der Nacht vom 30. auf den 31. März 2026 ist er plötzlich, unerwartet und viel zu früh von uns gegangen. Der goldige „Olitsch“, wie seine Freunde ihn liebevoll nennen, war nicht nur Mitgründer des Veranstaltungsportals Partyamt.de und des Restaurants Mondo Daily in der Grafenstraße. Davor wirkte er als Koch im ersten Gastronomie-Team der Centralstation und später im Büro von Pro Familia in Darmstadt. Und Olaf war P-Redakteur der ersten Stunde: Die ersten drei Ausgaben schrieb er – unter dem Kürzel (ok) – für das P, er redigierte Texte und las das fertige Heft Korrektur. Trotz seiner höflich zurückhaltenden Art blitzten Olafs feiner Humor und sein kritisch-analytischer Blick auf die kleine Darmstädter und die große weite Welt da draußen immer wieder auf. Touché, Olitsch! Du fehlst sehr.

Legenden-Jubiläen und vielfältige Kinderliteratur

Das literarische Darmstadt im Mai

TEXT: MAYA-KATHARINA SCHULZ

Neben tiefgründigen Biografien und lauten Slams weht im Wonnemonat vor allem das Festival „Huch, ein Buch!“ jede Menge frischen Lesewind auf Darmstadts Bühnen.

Freitag, 1. Mai

Zum 100. Geburtstag des stilprägenden Musikers stellt Jazzjournalist Stefan Hentz um 19.30 in der Stadtkirche seine neue Miles-Davis-Biografie „Sound eines Lebens“ vor. Saxofonistin AnnaLena Schnabel und Pianist Florian Weber sorgen für musikalische Begleitung.

Samstag, 2. Mai

Im Café Kafi begrüßt die Schauspielerin Tine Josch ab 18 Uhr den Frühlingsmonat mit einem lebensbejahenden Programm: Unter dem Motto „Komm' lieber Mai und mache“ trägt sie heitere und mutmachende Texte von Größen wie Ringelnatz, Rilke und Goethe vor, um gemeinsam mit dem Publikum den Neubeginn und die Natur zu feiern.

Dienstag, 5. Mai

Vier Literaturexpertinnen, vier Bücher: Beim „Feministischen Quartett“ ab 19 Uhr im Literaturhaus stellen Friederike Emmerling, Maren Ongsiek, Medha Srivastava und Frauke Prayon feministische Werke quer durch alle Genres vor. Im Fokus stehen Themen wie Wut, Solidarität, Care-Arbeit und Selbstbestimmung. Das Publikum ist ausdrücklich zum Mitreden eingeladen.

Mittwoch,

6. Mai

Um 19.30 Uhr präsentiert die ehemalige Teilnehmerin der Darmstädter Textwerkstatt, Nicola Quaß, im Literaturhaus ihr Romandebüt

„Hungergesang“. Die Geschichte folgt 13-jährigen Drillingen, die nach dem Verschwinden ihrer Eltern in einem geheimnisvollen Haus auf sich allein gestellt sind. Im zweiten Teil des Abends rückt die preisgekrönte Lyrik der Autorin in den Fokus. Ulrich Pietsch und Noemi Wulfes begleiten den Abend mit dem Cello.

Noch immer im Heated-Rivalry-Fieber? Perfekt! Die Autorinnen Anny Thorn und Svea Lundberg stellen ab 20.15 Uhr in der Thalia-Buchhandlung im Boulevard jeweils den neuesten Band ihrer Eishockeyreihen vor.

Freitag, 8. Mai

Zu einer musikalischen Lesung zu Ehren des Saxofonisten Heinz Sauer wird ab 20.30 Uhr in den Gewölbekeller des Jazzinstituts geladen. Rainer Wieczorek liest Passagen aus seinem biografischen Porträt „Im Gegenlicht: Heinz Sauer“ und tauscht sich mit HR-Jazzexpertin Daniella Baumeister über Sauers Leben aus, während Pianist Bob Degen den Abend musikalisch begleitet.

Samstag, 9. Mai

Um 19.30 Uhr entführt Mathijs Deen KrimiLiebhabende in der Stadtkirche in die niederländisch-deutsch-dänische Grenzregion vor Helgoland, wo Ermittler Liewe Cupido in seinem neuen Fall „Die Lotsin“ nach einer vermissten Klimaforscherin sucht.

Sonntag, 10. Mai

Ein Fest für alle Sinne verspricht der erste „Literarische Tischdienst“ ab 18 Uhr in der Buchhandlung am Markt. Die Gäste bringen ein Lieblingsbuch und ein davon inspiriertes Gericht in Mitnehm-Portionen zum Tauschen mit. Die Teilnehmerzahl ist auf zehn beschränkt, bitte um Voranmeldung über buchhandlung@ buch-am-markt.com.

Dienstag,

12. Mai

Gegen die Absurdität des Alltags schreiben drei Mitglieder der südhessischen Literaturgruppe Poseidon an: Alex Dreppec, Paul-Hermann Gruner und Tom Wolff stellen ab 19 Uhr im Hotel und Restaurant „Zum Rosengarten“ ihren ersten gemeinsamen Band „Trio infernal“ vor. Die Zuhörenden erwarten Gedichte und Kurztexte, die genau dort ansetzen, wo der Humor seine Geduld verliert.

Am selben Abend kommen auch Naturfreunde auf ihre Kosten: Ab 19.30 Uhr lädt Umweltjournalist und Wildnispädagoge Torsten Schäfer in der Buchhandlung am Markt dazu ein, mit seinem Buch „Die Wildnis in uns“ auf eine poetische Natur-Entdeckungsreise in Richtung Skandinavien zu gehen.

Donnerstag, 14. Mai

Die literarische Vielfalt Westafrikas steht ab 19.30 Uhr im Agora am Ostbahnhof im Mittelpunkt. Übersetzerin Renate Heß stellt ihre Anthologie „Der Pitangabaum der Nachbarin“ vor und gibt spannende Einblicke in die oft übersehene Erzählkunst und den Lebensalltag in Guinea-Bissau.

In der Bessunger Stage fliegen ab 20 Uhr beim Poetry Slam die Worte. Moderiert von Emm Weyrauch treten mutige Wortakrobat:innen ans Mikrofon. Über den Sieg entscheidet das Publikum klassisch per Applaus und Punktetafel. Wer sich selbst trauen möchte, kann sich vorab per E-Mail an emm.poesie@gmail.com anmelden.

Samstag, 16. Mai

Lyrik trifft auf dröhnende Bässe: Ab 19 Uhr mixt DJ Basti alias „Verrückter Esel“ im Agora bei „Klassik im Klangrausch“ berühmte deutsche Gedichte mit atmosphärischer Trance-Musik zu einem besonderen Hörerlebnis.

Sonntag, 17. Mai

Ab 18 Uhr widmet sich das Theater Moller Haus der Reise von Franz Kafkas Figur Karl Roßmann durch ein imaginäres Amerika, bevor im zweiten Teil ausgewählte Briefe des Autors Einblicke in seine familiären Verstrickungen und Sehnsüchte offenbaren.

Montag, 18. Mai

Den Startschuss für das Kinder- und Jugend-Literaturfestival „Huch, ein Buch!“ gibt Bestsellerautorin Isabel Abedi in der Centralstation. Um 9 und

nochmals um 11 Uhr liest sie für Kinder ab neun Jahren aus „Mi mittendrin“. Durch einen mysteriösen Fund stolpert die Heldin darin in ein Abenteuer voller Familiengeheimnisse, die es dringend zu lüften gilt.

Im Nachbarschaftsheim im Prinz-Emil-Garten liest Uticha Marmon jeweils um 9 und 11 Uhr aus „Frieda, Nikki und die Grenzkuh“. Die „Huch, ein Buch!“-Lesung für Kinder ab neun Jahren erzählt vom zerstrittenen Dorf Elend, das wegen eines exakt auf der Grenze geborenen Kälbchens im Chaos versinkt.

In der Centralstation widmet sich der Comic-Reporter Kokopello ab 19 Uhr den drängenden Fragen Europas. Seine Graphic Novel „Europa, die EU und ich“ nimmt Jugendliche ab 14 Jahren mit auf eine spannende Reise durch acht Länder, um die Strukturen der Europäischen Union zu ergründen.

Zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann stellt Andrea Stoll ab 19 Uhr im Literaturhaus ihre neue Bachmann-Biografie „Zwei Menschen sind in mir“ vor. Im Gespräch mit FAZ-Feuilletonchefin Sandra Kegel wird das Leben der berühmten Schriftstellerin beleuchtet, begleitet von Originaltexten, die die Schauspielerin Karin Klein liest.

Dienstag, 19. Mai

Wie entstanden eigentlich unsere Emojis? Und sind sie tatsächlich demokratisch, divers und funktionieren weltweit? Für „Huch, ein Buch!“ beleuchtet Illustratorin Karla-Jean von Wissel jeweils um 9 Uhr und 11 Uhr im Literaturhaus anhand ihrer Graphic Novel „Face with Tears of Joy“ die bunte Welt der digitalen Bildzeichen. Ein spannender Vormittag für Klasse 7 bis 9.

Zeitgeschichte hautnah erleben Jugendliche ab 14 Jahren jeweils um 9 und 11 Uhr in der Centralstation. Die Autorin Maja Nielsen stellt zusammen mit dem Zeitzeugen Thomas Raufeisen „Das falsche Leben“ vor – die wahre, beklemmende Geschichte eines enttarnten DDR-Spions und seiner Familie, die plötzlich im Stasi-Gefängnis Bautzen landet.

Das Theater im Pädagog lädt um 9 Uhr – ebenfalls als Teil von „Huch, ein Buch!“ – Kinder ab sieben Jahren zu einer abenteuerlichen Reise unter Wasser ein: Finn-Ole Heinrich liest aus „Aali muss los!“, einer Geschichte über die rätselhafte Wanderung der Aale, echte Freundschaft und das Vertrauen in die eigene innere Stimme.

Zu Bob Dylans 85. Geburtstag geht es ausnahmsweise vor die Tore der Stadt: In der Buchhandlung Zabel in Seeheim-Jugenheim präsentiert Thomas Waldherr um 19 Uhr sein neues Buch „In The Summertime. Bob Dylan 1981“. Gemeinsam mit Musiker Dan Dietrich beleuchtet er Dylans prägendes Wendejahr. Wer es nicht an die Bergstraße schafft, hat am 28. Mai in Darmstadt eine weitere Gelegenheit.

Mittwoch, 20. Mai

Wer hat im Dschungel das Sagen? Dieser Frage geht Katja Reider im Rahmen von „Huch, ein Buch!“ jeweils um 9 und 11 Uhr in der Stadtbibliothek Darmstadt nach. Bei der Lesung aus „Bestimmer sein“ für Kinder ab sechs Jahren wird der tierische Streit um die Macht herrlich turbulent – bis das clevere Erdmännchen Elvis eine zündende Idee hat.

Im Gewölbekeller des Jazzinstituts präsentiert Verena Hochleitner jeweils um 9 und 11 Uhr ihren teils als Graphic Novel illustrierten Roman „Flimmern“. Jugendliche ab zwölf Jahren tauchen ein in die überraschende Freundschaft von Sydney, Nico und Katha, die durch Ladendiebstahl, eine Nacht in der Wildnis und eine drohende Hausräumung unzertrennlich werden.

„Huch, ein Buch!“ hält auch im Schlossmuseum Einzug! Hier erzählt Anna Maria Praßler jeweils um 9 und 11 Uhr die berührende Geschichte der kleinen Jagoda. Die Lesung für Kinder ab neun Jahren dreht sich um das Leben im Frauenhaus und den waghalsigen Plan, ganz ohne Geld und in nur vier Tagen die allerbeste Geburtstagsparty der Welt zu organisieren.

Ab 18.30 Uhr rücken bei der U20-„Lichterschlacht“ in der Centralstation frische SlamTexte rund um Demokratie und Gerechtigkeit in den Fokus. Die Moderation dieser „Huch,

ein Buch!“-Veranstaltung übernimmt Johanna Schubert. Wer selbst ans Mikro möchte, muss nach dem 20. Mai 2006 geboren sein und kann sich über info@centralstation-darmstadt.de anmelden.

Im Literaturhaus beleuchtet Heinrich Rübeling ab 19 Uhr das Schaffen der Booker-Prize-Gewinnerin Banu Mushtaq. Anhand ihrer Kurzgeschichtensammlung „Heart Lamp“ wird der Alltag muslimischer Frauen in Südindien nachgezeichnet – humorvoll, widerständig und jenseits von Opfer-Stereotypen.

Unter dem diesjährigen Motto „Ist das echt?“ feiert der literarische Nachwuchs im Zuge von „Huch, ein Buch!“ ab 18 Uhr im Staatstheater Darmstadt seine eigenen Werke. In einer szenischen Lesung werden die besten Einsendungen des Schreibwettbewerbs für 14- bis 25-Jährige präsentiert, bevor der Abend in eine ausgelassene Aftershow-Party übergeht.

Donnerstag, 21. Mai

Das Deutsche Polen-Institut ist jeweils um 9 und 11 Uhr der Schauplatz für die „Huch, ein Buch!“Lesung von Antje Bones aus „Nebenan ist doch weit weg“. Kinder ab elf Jahren begleiten die Protagonistin Edith bei ihrem unfreiwilligen Umzug von Berlin nach Krakau, wo die Entdeckung geheimnisvoller Briefe dafür sorgt, dass sie sich der noch fremden Stadt plötzlich sehr viel näher fühlt.

Eine spannende Geschichte wartet jeweils um 9 und 11 Uhr in der Centralstation auf Kinder ab zehn Jahren. Frauke Angel liest aus „Neue Heimat 1404“ und nimmt ihr Publikum mit in den 14. Stock, wo die zwölfjährige Enna gemeinsam mit den Nachbarskindern auf Verbrecherjagd geht, um ihr gestohlenes Fahrrad zurückzuholen.

Ab 15 Uhr lädt der offene Kranichsteiner Lesekreis in die Stadtteilbibliothek ein, um Adriana Altaras’ „Titos Brille“ zu besprechen. In ihrem autobiografischen Werk verarbeitet die Autorin mit viel Humor ihre bewegte jüdische Familiengeschichte zwischen jugoslawischer Partisanen-Vergangenheit und hessischer Provinz.

Um 19 Uhr widmet sich die Luise-Büchner-Preisträgerin von 2021, Florence Hervé, im Literaturhaus den französischen Chanson-Ikonen Juliette Gréco und Barbara. In ihrem Vortrag beleuchtet sie die unterschiedlichen Lebenswege der beiden Künstlerinnen, während Bettina Bergstedt ausgewählte Zitate aus deren Briefen liest. Musikalische Begleitung gibt es von Petra Bassus (Gesang) und Michael Erhard (Piano).

Um 20 Uhr geht der Darmstädter Comedy Contest in die fünfte Runde: In der Stage buhlen aufstrebende Talente um die Gunst der Zuschauenden. Das Publikum entscheidet direkt mit, wer ins große Finale einzieht.

Freitag, 22. Mai

Im Eberstädter Ernst-Ludwig-Saal dreht sich bei „Huch, ein Buch!“ ab 9 Uhr alles um ein ausgebüxtes Chamäleon. Benjamin Tienti liest für Kinder ab neun Jahren aus seinem Buch „Wer schnappt Ronaldo?“, in dem zwei sehr ungleiche Kids im Berliner Großstadtdschungel kooperieren müssen, um den lukrativen Finderlohn für das Tier zu kassieren.

Ebenfalls im Ernst-Ludwig-Saal in Eberstadt stellt Frauke Angel um 11 Uhr einem jungen Publikum ab acht Jahren ihr „Logbuch einer Himmelsstürmerin“ vor. Die clevere Achtjährige Mini plant darin nichts Geringeres, als brillante Roboter-Erfinderin zu werden und ganz nebenbei den Nobelpreis abzuräumen. Die Lesung bildet den krönenden Abschluss von „Huch, ein Buch!“

Donnerstag, 28. Mai

Wer es lieber ruhig mag, der findet sich um 19 Uhr in der Buchhandlung am Markt zum „Silent Book Club“ ein. Nach dem stillen Lesen gibt es die Gelegenheit zu einem entspannten Literaturaustausch.

Erneut lädt Thomas Waldherr zum Dylan-Tribute – diesmal um 19.30 Uhr in die Halle der Bessunger Knabenschule. Begleitet von einer All-Star-Band präsentiert er sein Buch „In The Summertime. Bob Dylan 1981“ und analysiert Dylans künstlerischen Wandel zu Beginn der 80er-Jahre.

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Diverse Formgebung

Unsere Kunsthighlights im Mai

AUSWAHL + TEXTE: JULIA HICHI | ABBILDUNGEN: ROBERT ZANDVLIET „LAVENDER MIST“, 2010. © PRIVATBESITZ, NIEDERLANDE (1) + MIRANDA DEVITA KISTLER, DETAIL: „IBU DAN ANAK“, FOTO: JONATHAN DE WAART (2) + WILLES MEINHARDT (3) + ANNEGRET SOLTAU, FOTOVERNÄHUNG 69 AUS DER SERIE „VATERSUCHE“, 2007 © VG BILD-KUNST, BONN, 2025 (4) + BLICKE IN DIE AUSSTELLUNG © BRYAN ADAMS, FOTO L. BREIDERT, HLMD (5) + BRIGITTE SATORI CONSTANTINESCU (6)

Farbenpracht, zart

Doppeltes Frühlingserwachen in der Kunsthalle Darmstadt: Der Niederländer Robert Zandvliet lädt mit „Paradaidha“ zu einem Spaziergang durch seinen farbenprächtigen Gemäldegarten ein. Gleichzeitig zeigt Stefan Schwarzer in „Bilderkosmos Lichtwiese“ auf dem TU-Campus eingefangene, feine Zeichnungen, die leise Details und atmosphärische Nuancen einfangen und zum genauen Hinschauen einladen.

bis 24.5. („Bilderkosmos Lichtwiese“) + bis 30.8. („Paradaidha“) | Mi bis Sa: 11 bis 17 Uhr Kunsthalle Darmstadt kunsthalle-darmstadt.de

Dialog in Nuancen

Zwei Positionen, ein leiser Dialog: Diese Ausstellung bringt Bruno Erdmann und Willes Meinhardt zusammen – verbunden durch ihre feinsinnige, ungegenständliche Malerei. Zwischen Nuance, Licht und Fläche entsteht ein spannungsreiches Spiel der Wahrnehmung, das zeigt, wie lebendig künstlerische Linien weiterwirken können.

Fr, 29.5., 19 Uhr (Vernissage) bis 26.6. Mi: 10 bis 14 Uhr sowie Do + Fr: 14 bis 18 Uhr Galerie Epes / Stadtmauergalerie

2 Zwischen textilem Gefüge und filmischer Polyphonie

In der Ausstellung „Sedimented Stories“ setzen sich die Künstlerinnen Miranda Devita Kistler und Irene Gutiérrez Torres mit Migration, Erinnerung und den Einschreibungen von Erfahrung in Bilder und Materialien auseinander. Der Titel verweist auf geologische Prozesse wie Ablagerung, Schichtung und Erosion und damit auf ein Verständnis von Erinnerung und Erfahrung als etwas, das sich über Zeit verdichtet, verschiebt und transformiert.

bis 29.5. | 24/7

G10 Projektraum (Grafenstraße 10) g10.biz

Ein weißer Fleck

In zwei zentralen Werkserien verbindet eine der bedeutendsten Künstlerinnen der Gegenwart, Annegret Soltau, persönliche Erfahrungen mit Fragen von Identität, Erinnerung und Herkunft. Dabei spielt ihr eigenes „Ich“ immer eine zentrale Rolle. In „Vatersuche“ sowie den frühen „Tagesdiagrammen“ werden innere Zustände, familiäre Beziehungen und gesellschaftliche Prägungen offen und eindringlich sichtbar.

bis 7.6. | Mi bis So: 13 bis 18 Uhr Kunstforum der TU Darmstadt tu-darmstadt.de/kunstforum

5 Ruhm und Realität

Ein Rockstar am Mikrofon und ein Fotograf hinter der Kamera: Bryan Adams zeigt im HLMD eindrucksvolle Porträts von prominenten Persönlichkeiten und wirft zugleich einen Blick auf die weniger glamourösen Seiten unserer Gegenwart. Zwischen Starkult, Krieg und Obdachlosigkeit entfalten seine Bilder eine überraschende Tiefe, die lange nachwirkt.

bis 21.6. | Di + Do + Fr: 11 bis 18 Uhr sowie Mi: 11 bis 20 Uhr und Sa + So: 11 bis 18 Uhr Hessisches Landesmuseum Darmstadt (HLMD) hlmd.de

6 Linien, die bleiben

Mal eben schnell skizziert? Von wegen. Im Atelierhaus Darmstadt zeigt die Jahresausstellung, was Zeichnung und Druckgrafik made in Darmstadt heute alles können. Ohne Vorgaben treffen hier ganz unterschiedliche Handschriften aufeinander. Zwischen feiner, klassischer Linie und starken, expressiven Kontrasten wird klar: Die Linie ist alles andere als altmodisch, sondern ziemlich lebendig.

bis 31.12. | Do + Sa + So: 11 bis 18 Uhr Atelierhaus Darmstadt atelierhausdarmstadt.de

The Saloon: Dinos in Dodge City

ab 13.05.

Spuk / Dystopie / Realität

Unsere Theater-Tipps im Mai

AUSWAHL + TEXTE: LAURA KNECHT | FOTO: MIGUEL HERNANDEZ

„ÜBER DAS UNBEHAGEN

Meine Stadt, mein Zuhause, mein Block:

Die Stadt als Spiegelbild, als Projektion von inneren Zuständen und Projektionen. Die Stadt als Bühne für eine Gruppe junger Frauen*, eine echte Kulisse und gleichzeitig symbolhaft für tiefere Zusammenhänge. Dies ist die Ausgangssituation für dieses besondere Stück. Es werden Szenen und Begegnungen im Rahmen eines Spaziergangs durch Kranichstein arrangiert, sie beleuchten des Thema Identität durch und mit den nicht-professionellen Darsteller:innen. Dabei werden Orte, Räume und Architektur aktiv als Spiegel des Inneren genutzt.

„Die Stadt in mir“:

Premiere am Sa, 23.5. um 19 Uhr + Aufführungen am Sa, 30.5. um 19 Uhr + So, 31.5. um 15 Uhr im Stadtraum Darmstadt; genauere Informationen über den Ort online über: staatstheater-darmstadt.de

Verwobene Welten!

Mystisch kommt das Setting daher: Zum einen gibt es da einen Wintersturm, an Heiligabend 1620. Die Männer eines Fischerdorfs in Nordnorwegen sind davon betroffen, als sie auf See sind. Nachdem kaum einer zurückkehrt, liegt das Dorf in den Händen der Frauen. Zum anderen und gleichzeitig entstehen Chorgesänge in italienischen Klöstern, die von Nonnen komponiert werden. Die Geschichten werden verwoben und verknüpft durch die Besetzung um Regisseurin Nicola Raab – und durch Künstliche Intelligenz.

„Anima mea – Wo bist du meine Seele?“:

Premiere am Do, 14.5. um 16 Uhr + Aufführungen am So, 17.5. um 18 Uhr + Fr, 29.5. 19.30 Uhr im Großen Haus des Staatstheater Darmstadt

(ELEONORA L. HERDER/ANDPARTNERSINCRIME:
ZU WOHNEN“ IM RAHMEN DES „MADE.FESTIVALS“ IM THEATER MOLLER HAUS)

2 Für immer Fragen stellen

Die Nachkommen eines hochrangigen Nazis und eines Juden im Exil verlieben sich ineinander. Eine tragische Familiengeschichte entspinnt sich, die an vielen Orten der Welt stattfindet und Fragen hinterlässt an eine Verbliebene: Eleonora Herder. Gemeinsam mit dem Publikum erforscht sie die Geschichte ihrer deutsch-jüdischen Identität anhand von über 200 Dokumenten, die aus ihrer Recherche hervorgingen. Dieses und andere Produktionen der Freien Darstellenden Künste in Hessen finden im Rahmen des „MADE.Festivals“ ihren Weg in verschiedene Theater im Rhein-Main-Gebiet.

„Über das Unbehagen zu wohnen“ am Sa, 30.5. um 20 Uhr im Theater Moller Haus. Weitere Veranstaltungen des Festivals online unter made-festival.de

3 Alles hat seinen Preis

Wer träumt nicht davon, das Glück im Regal eines Supermarkts kaufen zu können? Und noch vieles mehr gleich dazu: Karrieren, die große Liebe, Menopausen ... Eine Collage von Geschichten mit interessanten, skurrilen Charakteren wird in „Hysterikon“ in den Supermarkt geschneidert und Konsumlogik als Erklärung für, nun ja, schlichtweg alles, herangezogen. Ingrid Lausunds Stück erklärt die Welt als Supermarkt, inmitten von Wirrungen der Werbung und dem Druck von Angebot und Nachfrage.

„Hysterikon“ am Fr, 2.5. + Sa, 3.5. + Sa, 17.5. + Fr, 23.5. + Sa, 24.5., jeweils um 20 Uhr sowie So, 18.5. um 17 Uhr bei der Musischen Gruppe Auerbach

4 Spuk in der eigenen Wohnung

Woher kommen diese Geräusche und Schatten? Ist das nur der Wind? Oder ist das etwas anderes? Das Glück über die neue Wohnung ist getrübt. Der Vermieter sowie Freund Ronny beschwichtigen, jedoch ist da dieses Mädchen, das anderer Meinung ist. Es wohnt in den Schatten und braucht Hilfe, denn es wird verfolgt von einem Monster. Das TU Darmstadt Schauspielstudio präsentiert dieses schaurige Stück von Miriam Schöpf, welches die uns eigenen dunklen Seiten behandelt und mit Licht und Schatten spielt.

„Laute Schatten“

Premiere am Fr, 22.5. + Aufführung am So, 24.5. jeweils um 20 Uhr sowie weitere Aufführungen im Juni im Theater Moller Haus

5 Schauriges Schloss

Margeritta ist auf der Hut. Sie ist knapp einem Mordanschlag entronnen, hatte zuvor telefonische Morddrohungen erhalten und beginnt nun einen neuen Job auf dem Schloss der Gräfin Moron. Das Schloss entpuppt sich als ein Ort, in dem seltsame Gestalten ein- und ausgehen: der Sohn der Gräfin Lord Selwyn, der Butler, der etwas zu besorgte Arzt und Margerittas penetranter Verehrer Mike Dorn trüben das Gefühl der Sicherheit. Schön schaurig – schließlich lehnt sich das Stück an einen Krimi von Edgar Wallace.

„Die seltsame Gräfin“

Am Sa, 2.5. + Sa, 9.5. + Fr, 29.5. + Sa, 30.5, jeweils um 20 Uhr und am So, 3.4. um 18 Uhr auf der Neuen Bühne Darmstadt in Arheilgen

Out of Darmstadt

Kultur in Rhein-Main-Neckar

Minami Deutsch (Tokio)

Seit der Gründung 2014 liefert die Band um Kyotaro Miula Album für Album sphärische Klanglandschaften voller hypnotischer Sounds und zählt heute zu den Flaggschiffen des modernen Krautrock. Schon Schön, Mainz Sa, 2.5. | 20 Uhr | 25 €

Sophie Hunger (Berlin)

Lesung und Lieder mit der vielfach talentierten Künstlerin. Die brillante Musikerin legte letztes

Jahr mit dem Coming-of-AgeRoman „Walzer für Niemand“ ein starkes Literatur-Debüt hin!

Schlachthof Wiesbaden (Halle)

So, 3.5. | 20 Uhr | ab 34,95 €

Miriam Davoudvandi (Berlin)

Die 1992 in Bukarest geborene und in Süddeutschland aufgewachsene Musikjournalistin liest aus ihrer Autobiografie „Das können wir uns nicht leisten“: Eine Geschichte vom Leben in Armut in Deutschland und dem sozialen Aufstieg.

Brotfabrik, Frankfurt

Mo, 4.5. | 20 Uhr | ab 34,70 €

Bosse (Berlin)

Der Indie-Pop-Liebling spielt neue Songs in großen Hallen. Im April ist mit „Stabile Poesie“ Album Nummer neun erschienen!

Stadthalle Offenbach

Mi, 6.5. | 20 Uhr | ab 60 €

Godwin (Nigeria)

Beflügelt von minimalen Beats des Produzentenkollektivs Kitschkrieg (Trettmann ...)

AUSWAHL + TEXTE: MATIN NAWABI (MN) | FOTOS: MINAMI DEUTSCH + DOREL SIVAN (HAZE’EVOT) + ALINA PASOK & KARIM BELKASEMI (MOLCHAT DOMA) + POWERLINE AGENCY (CARLO KARACHO)

singt der junge Musiker wie ein Soulcrooner. Die Musikszene seiner Heimat hat Godwin bereits auf den Kopf gestellt, mit dem Debütalbum „Atonement“ stehen nun erstmals Konzerte in Deutschland an. Nachholtermin für die verschobene Show aus dem Februar!

Karlstorbahnhof, Heidelberg

Do, 7.5. | 20 Uhr | ab 24 €

Blond (Chemnitz)

Auf Tour mit dem aktuellen Album „Ich träum doch nur von Liebe“: Feministische Songs zwischen Indie-Rock und Power-Pop!

Schlachthof Wiesbaden (Halle)

Sa, 9.5. | 20 Uhr | ab 47,45 €

Neromun (Mainz)

Früher bekannt als Negroman oder die Hälfte des Duos Luk&Fil, ist Neromun eine schwer greifbare Größe des deutschsprachigen Rap – und gleichzei-

tig einer der spannendsten Acts überhaupt. Das neueste Projekt „Welk“ schwebt zwischen R’n’B und Hyperpop.

Schon Schön, Mainz

Sa, 9.5. | 20 Uhr | ab 24,20 €

Christiane Rösinger (Berlin)

In den 90ern schrieb die Kreuzbergerin mit ihrer Kult-Band Lassie Singers deutschsprachige Pop-Geschichte, seit Mitte der 2000er schreibt die Literaturwissenschaftlerin auch Bücher und Romane. Ihr neuestes Werk: „The Joy of Ageing“. Ein „realistisch-lustiger Anti-Altersratgeber“.

Mousonturm, Frankfurt

So, 10.5. | 20 Uhr | ab 27,40 €

Haze’evot (Tel Aviv)

Die feministische Rockband arbeitet seit über einem Jahrzehnt als autarkes Kollektiv. Rock, Disco und Funk verschmelzen

zu einem explosiv-kraftvollen Live-Erlebnis.

Schon Schön, Mainz

Di, 12.5. | 20 Uhr | Eintritt auf

Spendenbasis (Empfehlung: 10 €)

„Bel R!“

Konzerte, Theater, Aktionskunst, Akrobatik und Workshops sowie „rauschende Partys“ in der Skatehalle Rollwerk – mitten in der Rüsselsheimer Innenstadt lädt das Stadt-Raum-Kunst-Festival zum Entdecken ein.

Rüsselsheim

Mi, 13.5. bis So, 17.5. | Eintritt frei

Male Tears (Los Angeles)

Italo-Disco und Dark Wave vereint – und steigert dieses Trio zu neonfarbenem Pop-Maximalismus. Die Band um Sänger James Edward kommt mit aktueller Platte „Paradísco“ auf Europa-Tour!

Mousonturm, Frankfurt

Di, 19.5. | 20 Uhr | ab 17,50 €

Mariybu (Berlin)

Die Hyper-Pop-Queen macht mit queer-feministischen Songs Welle. Release-Tour zum Debüt-Album „Ein Tag Göttin“! Karlstorbahnhof, Heidelberg Do, 21.5. | 20 Uhr | 29 €

Voodoo Jürgens (Wien)

Der Mann mit dem vielleicht schönsten Schmäh ever ist zurück. Gemeinsam mit seiner Band erzählt der Liedermacher Geschichten von Außenseitern, Gaunern, Verlierern und abgehängten Antihelden. Wiener Soul!

Schlachthof Wiesbaden (Halle)

Do, 21.5. | 20 Uhr | 36 €

Deaf Club (Los Angeles)

Swing Kids, The Locust, Dead Cross, Retox ... mit seinen Bands und dem Label Three One G Records verschiebt Justin Pearson seit den frühen 90ern die Grenzen und Möglichkeiten von Punk und Hardcore. Das neueste Projekt Deaf Club steht dem bisherigen Schaffen in nichts nach!

AU, Frankfurt

Sa, 23.5. | 20 Uhr | 15 €

Lilac Attitude (Berlin)

Schroffer Grunge-Sound, der sowohl an Bands wie Hole, aber auch an schroffen, frühen Punk

von Ikonen wie X Ray Spex erinnert. Coole, neue, junge Band, die ihre Teenage-Angst musikalisch verarbeitet.

Hafen 2, Offenbach

So, 24.5. | 18 Uhr | 10 €

Molchat Doma (Minsk)

Die belarussische Heimat hat das Trio vor Jahren verlassen (müssen) und spielte sich mit melancholisch-düsterem Synth-Post-Punk vom Underground-Geheimtipp zum weltweit gefeierten Act.

Metropolink’s Commissary

So, 24.5. | 19 Uhr | ab 51,85 €

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Carlo Karacho (Berlin)

Mit dem neuen Album „Der letzte Ritt durchs Nadelöhr“ liefert Lo-Fi-Post-Punk-Tüftler Carlo Karacho den Soundtrack für die Absurditäten unserer spätkapitalistischen Ära.

Schlachthof Wiesbaden (Kesselhaus) | Do, 28.5. 20 Uhr | 25 €

ORIENTIERUNG FÜR

ERSTIS UND HEINERTOWN NEWBIES

Von Rosenhöhe bis Downtown 20: Darmstadt ist mehr als Wissenschafts- und Uni-Stadt

AUSWAHL + TEXT: FREYA DEMEL | ILLUSTRATIONEN: LISA ZEISSLER

Für viele beginnt gerade eine neue Ära: Studium, Umzug, neues Umfeld in Darmstadt– aber noch keine Orientierung. Dazu kommen wahrscheinlich auch Stress, Zweifel, Lost-Sein. Und was hilft da? Genau: Coole Spots, Cafés und Ecken, die Euch einen angenehmen Start ermöglichen. Orte, an denen es nur so von neuen Leuten, entspannten Gesprächen und leckerem Kaffee wimmelt. Hier also Euer Darmstadt-Guide, mit dem Ihr einen super Start in den Sommer und Eure neue Unistadt haben werdet. Natürlich subjektiv gefärbt, aber 100 Prozent P-approved.

Fangen wir mit den Grundlagen an. Wer nach Darmstadt zieht, kommt natürlich nicht an den Basics vorbei. Zwar basic, aber absolute Must Sees sind: Herrngarten, Schlossgarten und die Mathildenhöhe Wer schon mal was von der Unesco und ihrem Welterbe gehört hat, hat mit der Mathildenhöhe den richtigen Ansprechpartner. Dort trifft Kultur auf Entspannung. Die Russische Kapelle und den Fünffingerturm sollte man sich bei einem Spaziergang durch Darmstadt ruhig mal anschau-

en und es sich dann auf der Wiese mit einem Spaßgetränk gemütlich machen. Das Gute: Wiesen gibt es in Darmstadt wie Sand am Meer. Solltet Ihr also mal keinen Bock auf Kultur haben: einfach ab in den Schlossgarten, für Aperol und Sonne – oder noch besser in den Herrngarten. Dort könnt Ihr auch gleich „Bumble For Friends“ auf Eurem Handy löschen, denn neue Leute findet Ihr hier ganz von allein. Schließt Euch einfach einer Runde Spikeball an, bringt einen Volleyball mit oder genießt die Atmosphäre. Denn hier ist immer was los.

Doch genug der Klassiker – jetzt wird's interessant: die echten Hidden Spots. Gerade jetzt, wo der Frühling losgeht, kommen vor allem Naturfans voll auf ihre Kosten. Spaziergänge durchs Martinsviertel zwischen Magnolien und Kirschblüten lohnen sich genauso wie ein Trip zu den Eberstädter Streuobstwiesen oder aufs Oberfeld. Und wenn Ihr mal was anderes als den klassischen Spaziergang wollt, empfehle ich Euch: eine Alpaka-Wanderung – entspannt mit den flauschigen Tieren durch die Natur spazieren und einfach mal runterkommen.

Hat mir auch schon durch die Klausurenphase holfen. Ausklingen lassen könntet Ihr die Erkundung durch Darmstadt auf der angrenzenden Rosenhöhe, die gerade jetzt jeden Besuch wert ist. Alles blüht und schreit förmlich vor Lebensfreude. Hier findet sich jede Farbe wieder. Wenn Ihr noch einen draufsetzen wollt, geht auf den Drachenberg Im Winter optimal zum Schlitten fahren, im Frühling und Sommer, um den Abend mit einem Bierchen bei Sonnenuntergang ausklingen zu lassen und Darmstadt von oben zu sehen. Selbes Spiel ist auf der Ludwigshöhe möglich – kurzer Spaziergang durch den Wald, oben dann der top Ausblick. Für mich auch ein perfekter Hidden Spot: der Vortex Garten. Dort findet Ihr viel Kunst und Ruhe. Man kann mit Klangschalen experimentieren, es sich auf einer der Bänke gemütlich machen oder auf Steinen seinen eigenen Weg durch die Location finden – perfekt, um dem Alltagsstress kurz zu entkommen und der Seele Balsam zu geben.

Jetzt aber genug von Natur – ich weiß, worauf Ihr alle gewartet habt: Wo geht man in Darmstadt schwimmen? Denn Sommer = Hitze = Abkühlung. Wer da aus Berlin, München oder Hamburg kommt, ist wahrscheinlich coole, populäre Seen gewöhnt und gibt sich vielleicht nicht so schnell mit Darmstadts Ausbeute zufrieden. Aber, glaubt mir: Darmstadt hat auch was zu bieten. Für See-Fans ist die Grube Prinz von Hessen perfekt. Ein kleiner Badesee, an dem alle zusammenkommen, Wassermelone genießen, sich sonnen und für eine kleine Runde ins Wasser springen. Kleiner Tipp von mir: Passt auf, dass Ihr nicht ungewollt im FKK-Bereich landet. Aber no worries, einfach Augen aufhalten. Wenn Ihr ein Anti-See-Mindset habt, keine Sorge ... dann ab ins: Hochschulbad! Zwar ein kleines Becken, aber genug für ein paar Bahnen: Und das eigentliche Coole am Hochschulstadion ist der Vibe, weniger das Wasser: Beachvolleyball, große Wiese zum Sonnen und Leute zum Kennenlernen – an sonnigen Tagen ist hier nämlich gefühlt ganz Darmstadt. Und TU’ler aufgepasst: Für Euch ist der Eintritt sogar kostenfrei. Und wer Geburtstag hat, sollte genau dann mal ins Jugendstilbad – perfekt für einen Spa-Tag aufs Haus. Nach dem Sprung ins Wasser darf natürlich eins nicht fehlen: Genau! Eis, Eis, Eis. Mein Favorit ist Thildas. Kleine Auswahl, dafür richtig gut. Einer der Standorte liegt direkt bei der Orangerie, wo die Palmen sogar für ein kleines bisschen Urlaubsfeeling sorgen.

Aber mal ehrlich, was wäre ein Sonnentag in Darmstadt ohne ein Stück Kuchen und guten Kaffee zwischendurch? Genau, halb so schön.

Zum Glück hat die Stadt ein paar echt coole Spots dafür. Wer richtig leckeren Kaffee trinken möchte und on top Brunchen liebt, sollte auf jeden Fall einen Abstecher in Martinsviertels begehrtes Schuknecht machen. Dort bekommt Ihr superleckere Bowls und Stullen und könnt draußen die Sonne genießen. Es ist eine coole Ecke, wo viel los ist und man einfach den Vibe genießen kann. Wer es ruhiger mag und dem Trubel der Innenstadt entfliehen will, sollte in den ziemlich versteckten Hinterhof des Cafés Fräulein Mondschein. Perfekt für lange Gespräche, leckere Limos und einen entspannten Nachmittag. Auch ein Besuch von Timm’s Café im Johannesviertel lohnt sich: Die Zimtschnecken sind ein Traum, dazu noch hübsche Latte Art – ein Spot, den man definitiv mal ausprobiert haben sollte. Und wenn Ihr bei Eurem Bummel durchs benachbarte Martinsviertel ein Auge für Architektur habt, zieht Euch unbedingt Café Gretchen oder das Bellevue rein: Rundbögen, schöne Details und gleichzeitig richtig gute Kuchen – ein echter Genuss für Augen und Gaumen.

Neben all den entspannten Spots hat Darmstadt natürlich auch fürs Ausgehen einiges zu bieten. Tanzen, trinken und reden bis die Sonne wieder aufgeht. Darmstadt unsicher machen. Und ich sag Euch, wo! Für alle, die es etwas schicker mögen, lohnt sich ein Drink im Obendrüber zwischen Weißem Turm und Schloss – tolle Aussicht inklusive. Zwar etwas teurer, dafür aber eine super Location. Die schönsten Sonnenuntergänge bei besten Drinks erlebt Ihr im Weststadtcafé an Gleis 378, tief im Westen der Stadt (mit dem Rad aber nur ein Katzensprung!).

Wer Darmstadt und das Unileben erleben will, sollte auf jeden Fall auch in die Krone, den Schlosskeller oder ins 221qm gehen. Coole Musik, Leute und Drinks. Dort ist immer was los, egal ob unter der Woche oder am Wochenende. In der Kneipe Bruchbude wartet dann Darmstadts Klassiker: das Laternchen –Apfelwein gemischt mit Kirschlikör. Klingt harmlos, hat's aber in sich. Jeden Donnerstag gibt’s dort sogar Bingo on top, was für eine extra Portion Chaos und Spaß sorgt. Na, habt Ihr jetzt Lust aufs Spiele spielen bekommen? Dann ab ins Gastspielhaus! Hier kann man sich entspannt was zu trinken bestellen und danach alles spielen, was das Herz begehrt. Perfekt, um den Abend ausklingen zu lassen. Oder aber Ihr geht für den Pepp ins Downtown 20, wo ihr Euch in Billard- oder Dart-Duellen battlen könnt. Macht safe gute Laune!

Also, Ihr seht: Darmstadt hat viel zu bieten! Lasst Euch einfach treiben, probiert aus und findet Eure eigenen Lieblingsspots. Have fun! ❉

UNTER FREIEM HIMMEL

Darmstadts Stadtoasen: Biergärten, Open-Air-Cafés, Kiosk-Kultur

AUSWAHL + TEXT: SEAN GOSSLER | ILLUSTRATIONEN: LISA ZEISSLER

Es wird endlich wieder wärmer — der Frühling hat Einzug gehalten. Die ersten Blumen zieren Grünflächen und Vorgärten, die Vögel fangen an zu singen und die Sonne zeigt sich nun häufiger. Welche Jahreszeit könnte schöner sein, um die freien Stunden unter freiem Himmel zu verbringen: Am besten bei einem leckeren Kuchen, Schnitzel oder Spaßgetränk. Darmstadts Außengastronomie bietet etliche Ziele für die kleinen Fluchten aus dem Alltag, die sich optimal mit einem Frühlingsspaziergang oder einer Radtour kombinieren lassen.

Stadtoasen und Refugien

Gastronomien mit Außenbereich gibt es einige. Aber nur wenige lassen Dich an Bahngleisen grillen oder unter Lichterketten Tischtennis spielen. Hier kommen unsere liebsten Stadtoasen.

Klause

Die Klause des Vereins „Essbares Darmstadt“ ist ein gemütlicher, urbaner, offener Garten. Das gastronomische Angebot liefert Snacks und leckere Drinks. Manchmal gibt es Live-Musik auf der Bühne neben dem kleinen Teich – und alles, was im Garten wächst, darf geerntet und verarbeitet werden — darunter Tomaten, Kräuter und Trauben. Der alte Apothekerschrank im Innenraum der Klause bietet dazu noch Hunderte verschiedene Samen (zum Tauschen) – und draußen warten verschiedene Setzlinge, die kostenlos mitgenommen werden dürfen. Einmal in diesem „Garten der Vielfalt“ angekommen, lässt sich kaum mehr vermuten, dass dieses Refugium direkt am Hauptbahnhof liegt. Eintauchen in eine grüne Welt. Ein kleiner Tipp noch: Für Delikatessen lohnt sich ein schneller Gang rüber ins Vinocentral.

Am Fürstenbahnhof 1 | Mo bis Sa 17 bis 22 Uhr

Fohlenhof

Der Fohlenhof am Rande des Bürgerparks ist ein beliebtes Ausflugsziel für Studis, junge Familien und alteingesessene Heiner geworden. Ben Gustke, der auch das Café Hess in der Nieder-Ramstädter Straße führt, hat den Biergarten vor einigen Jahren übernommen und dort ähnlich zum Schwesterbetrieb eine Mischung aus Wohnzimmeratmosphäre, moderner gutbürgerlicher Küche in gehobener Qualität und guten Drinks zu fairen Preisen etabliert. Lasst Euch sagen: Dieser Biergarten ist cool! Neben der Innenfläche — die im gewohnten Café-Hess-Chic mit etwas Retro-Charme daherkommt — werden in der außenliegenden Grillhütte (gerade im Bau) demnächst Würstchen & Co. gebrutzelt. Abends scheinen die Lichterketten auf die Tischtennisplatten, ein Spielplatz bietet Raum für die Kleinsten, und immer wieder trifft man auf den weißen Hofkater „Schlingel“. Tipp: Plant bei einem Besuch etwas Zeit ein, es kann zu Wartezeiten kommen. Kranichsteiner Straße 90 | Di bis Sa 17 bis mindestens 23 Uhr, So 17 bis 22 Uhr

Dieburger Biergarten

An der Dieburger Straße, direkt gegenüber der Bushaltestelle Spessartring, befindet sich etwas erhöht der Biergarten Darmstadt. Eine Institution,

die uns bereits seit über 50 Jahren mit bodenständiger Küche und Kaltgetränken versorgt — geführt von Familie Köhler in dritter Generation. Der Biergarten kommt gewohnt in rustikaler Ausstattung daher, und sobald die Temperaturen steigen, gehört eine Warteschlange am Zapfhahn und Pommesstand einfach dazu. Für die Kleinsten gibt es einen Spielplatz. Mit seinem dichten Blätterdach und bunten Lichterketten versprüht der Biergarten direkt Sommer-Feeling. Tipp: Parken gestaltet sich schwierig, kommt daher lieber mit dem Bus, kombiniert den Besuch mit einem Spaziergang über die Rosen- und Mathildenhöhe oder nutzt den Biergarten als Endstation einer Fahrradtour. Dieburger Straße 97 | Di bis Sa 15 bis 23 Uhr, So + feiertags: 12 bis 22 Uhr

Herrngartencafé

Viel zentraler kann eine Gastronomie unter freiem Himmel wohl nicht sein. Im Frühling und Sommer wird der Herrngarten zur gemeinschaftlichen Entspannungsfläche. Jung und Alt breiten ihre Picknickdecken aus und genießen die ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres. Inmitten der Idylle befindet sich das Herrngartencafé. In entspannter Biergartenatmosphäre werden Bowls, Schnittchen, Frühstück, Mittagstisch, Warmes sowie erfrischende Kaltgetränke angeboten. In regelmäßigen Ab-

ständen bietet das Restaurant Livemusik-Events an, die auch über die nahegelegenen Wiesen des Stadtparks hallen. Unser Tipp: der Sonntagsbrunch mit klassischem Frühstück, veganen Leckereien und Pasta aus dem Parmesanlaib. Inmitten des Herrngartens

Mi bis Fr: 11.30 bis 22 Uhr, Sa + So: 9 bis 22 Uhr

Schlossgarten

Ist die Sonne einmal draußen, heißt es After Work und zum Sonnenuntergang: auf die Bastion! Mit Blick auf Landesmuseum und Staatsarchiv liegt der Biergarten entlang der nordwestlichen Mauer des Residenzschlosses. Gut geschützt vom regen Verkehr des ihn umschlingenden Cityrings scheint die Sonne bis in die späten Stunden auf die barocke Fassade des ehemaligen Landgrafensitzes. Der Schlossgarten bietet viele Sitzgelegenheiten unter schattigen Platanen, aber auch direkt in der Sonne. Kleine Brunnen, grüne Flächen und der tiefer liegende Schlossgraben erzeugen sofort eine Wohlfühlatmosphäre. Neben vielen Durstlöschern werden bodenständige hessische Snacks und Kuchen angeboten. Legendär ist der Brotteller mit drei Aufstrichen, und der Aperol Spritz kommt im 0,4-l-Bierkrug (für 7,50 €). Tipp: Vorher lohnt sich ein Abstecher ins Landes- oder Schlossmuseum mit Führung. Wer im Biergarten keinen Platz mehr ergattert, kann sich mit dem Kaltgetränk der Wahl auch einfach auf die Mauer setzen. Mo bis So 13 bis 22 Uhr (manchmal bis 23 Uhr)

Weststadtcafé

Am westlichen Stadtrand befindet sich das Weststadtcafé. Die „Wessi“ ist eine Institution in der Kulturlandschaft Darmstadts. Seit 1998 ist der ehemalige Bundesbahn-Lokschuppen samt Außenbereich ein Ort für lange Sommerabende. Neben einer großen Getränkeauswahl gibt es ein kulinarisches Angebot aus hessischen und portugiesischen Lieblingsgerichten. Außerdem wird ein Gemeinschaftsgrill betrieben — die Kohle, Pappteller und das Besteck werden gestellt (Getränke kommen aber natürlich von der „Wessi“!). Bei Regen kann in die Halle ausgewichen werden und auch der Grill ist

überdacht. Das war es aber noch nicht: An ausgewählten Abenden finden immer wieder legendäre Clubnächte statt — häufig in Kooperation mit lokalen DJ-Kollektiven. Zwei Bars, eine unter freiem Himmel, eine in der alten Bahnhalle, inmitten einer charmanten Industriekulisse. Berlin? Nein, Darmstadt — at its finest. Unser Tipp: Sonnenuntergang und AfterWork-Drinks, im Anschluss das Tanzbein schwingen. Mainzer Straße 106 | Mo bis Sa ab 17 Uhr, So ab 15 Uhr

Spätis mit Sitzgelegenheiten

Was wäre das Leben ohne ein Spaßgetränk? Zum Glück sind wir in Darmstadt mit einigen Kiosken ausgestattet, die zum Verweilen einladen und sich noch dazu mit einer Späti-Tour kombinieren lassen.

Kiosk Oase

Direkt am Jugendstilbad findet sich der Kiosk Oase. Nach einem Saunagang direkt an den Späti? Kein Problem! Hier gibt es neben einem leckeren Kaltgetränk und Snacks die Möglichkeit, entspannt draußen zu sitzen und Fußball zu gucken. Landgraf-Georg-Straße 29 | Mo bis Fr 9 bis 23.30 Uhr, Sa ab 10 Uhr, So ab 13 Uhr

Treff am Hahne-Schorsch-Platz

Auf der anderen Seite der Stadt, am Rhönring, befindet sich der Kiosk „Treff am Hahne-SchorschPlatz“. Zusätzlich zu Kaltgetränken gibt es hier Slush-Maschinen und Süßigkeiten, die sich zur gemischten Tüte mischen lassen — das lohnt sich in jedem Alter, nicht nur für viele der Schülerinnen und Schüler der umliegenden Schulen. Die Bänke vor dem Kiosk laden zum Verweilen ein, alternativ kann man ans Platzrondell ausweichen, und wer weiterziehen möchte, kann direkt in den anliegenden Bürgerpark (mit Skate Plaza und BMX-Park!). Hahne-Schorsch-Platz 1 | Mo bis Sa 11 bis 22 Uhr, So 10 bis 22 Uhr

Ausflugsziele

Kaffee und Kuchen bei 18 Grad und Sonne. Was kann es Schöneres geben? Noch etwas eingepackt — in dünner Übergangsjacke —, aber bereits am Bräunen. Da schmeckt der Bienenstich doch direkt doppelt so gut!

Café Hofgut Oberfeld

Der gastronomische Betrieb des Oberfelds ist mehr als beliebt, sobald die Sonne rauskommt. Beinahe pilgerartige Reisen werden an Wochenenden an den Rand der Rosenhöhe unternommen — aus gutem Grund. Der Biobauernhof bietet nicht nur leckeren Kaffee und Kuchen, sondern einen lebendigen landwirtschaftlichen Betrieb, der zum Entdecken einlädt. Freilaufende Hühner und kleine Kälbchen sind hier so nah wie nirgendwo in der Stadt. Parkmöglichkeiten sind vorhanden, aber begrenzt. Wir empfehlen, das Auto stehen zu lassen und zu Fuß oder mit dem Rad an die Rosenhöhe zu spazieren und dort eine ausgiebige Tour entlang der weitläufigen Felder des Oberfelds zu machen, bevor man die verbrannten Kalorien dann mit leckerem Kuchen wieder reinholt. Neben dem Café bietet das Oberfeld den Kleinsten einen Spielplatz und Ponys – und der Bio-Hofmarkt verkauft unter anderem eigene Erzeugnisse. Tipp: Für Kaffee und Kuchen solltet Ihr Euch Zeit einplanen, besonders an Wochenenden ergibt sich eine Warteschlange. Und: Eis aus der hofeigenen Eisküche gibt es auch nach Caféschluss – im Getränkeund Eisautomaten vor dem Hofladen. Erbacher Straße 125 | Mo bis Fr 9 bis 19 Uhr, Sa + So bis 18 Uhr

Fischerhütte

Entlang der Route des Darmbachs aus Richtung der TU Lichtwiese führen charmante Wanderwege durch den angrenzenden Wald. Wer diesen folgt, findet sich nicht nur auf wunderschönen Waldpfaden wieder, sondern kann einen Zwischenstopp an den Fischteichen einplanen. Inmitten des Waldes befindet sich die Fischerhütte. Gutbürgerliche Küche, rustikale, authentische Einrichtung und Gastfreundschaft. Unweit davon befindet sich die Quelle des Darmbachs, die auch die Fischteiche speist. Unser Tipp: einen kleinen Wasserkanister mitnehmen und frisches Quellwasser von der nahegelegenen Darmbachquelle und vom Jägerbrunnen zapfen. An den Fischteichen | Di bis So 11 bis 18 Uhr

Ludwigsklause

Ein weiter Blick auf die Rheinebene, bis hin zu den Wolkenkratzern von Frankfurt — das bietet die Ludwigshöhe. Ausgehend vom sehenswerten Internationalen Waldkunstpfad lohnt sich die Waldwanderung bis auf 240 Meter Anhöhe, an den Ludwigsturm. Der ist noch mal knappe 28 Meter hoch und zu seinen Füßen liegt der „Darmstädter Balkon“. Die Freifläche mit Sitzgelegenheiten bietet das vermutlich schönste Panorama der Stadt — und einen Picknickplatz mit Kulisse. Wer den Picknickkorb zu Hause lässt, kann auf das gastronomische

Angebot der frisch renovierten Ludwigsklause zurückgreifen. Ehrlich, authentisch und in rustikaler Einrichtung mit gutbürgerlicher Küche (nur Barzahlung!) — genau das Richtige nach einer ausgiebigen Waldwanderung. Für die Kleinsten gibt es einen Spielplatz. Die Ludwigshöhe ist zwar mit dem Auto erreichbar, Parkplätze sind aber rar — wir empfehlen, die Wanderung und das Waldbaden zu zelebrieren. Tipp: Bucht Euch eine Führung durch das Observatorium der Volkssternwarte, die sich ebenfalls auf der Ludwigshöhe befindet. Auf der Ludwigshöhe | Mi bis Sa 12 bis 20 Uhr, So 11 bis 19 Uhr

Forstlove Café

Der Spaziergang zur Fischerhütte war noch nicht genug? Dann empfiehlt sich ein Ausflug zum Forstlove Café des Bessunger Jugendhofs. In der letzten Ausgabe haben wir bereits über den 7. Saisonstart berichtet: An ausgewählten Sonn- und Feiertagen sorgen wechselnde regionale DJs für eine entspannte Atmosphäre ab 14 Uhr. Dazu werden Kuchen, Kaltgetränke und Grill-Leckereien serviert — und das inmitten des Waldes. Das Café ist auch mit dem Auto zu erreichen, wer aber mobil auf den Beinen ist, sollte sich einen schönen Tag aussuchen und einen ausgiebigen Waldspaziergang oder eine Fahrradtour unternehmen. Heißer Tipp: das „999“ Open Air am 1. Mai. Aschaffenburger Straße 183–187 | So, 10.5., 12 bis 17 Uhr: Tag der offenen Stadtrandoase, Details und weitere Veranstaltungen online unter: jugendhof.org/ veranstaltungen

Ihr seht: Es gibt viel zu entdecken in und um Darmstadt! Egal ob im Grünen, mitten in der City oder kombiniert mit einer ausgedehnten Tour. Viel Spaß-Optionen für den Frühling und Sommer! ❉

Was aktuell in Darmstadt abgeht, sagen Dir das P Stadtkulturmagazin und der Veranstaltungskalender unserer Freunde von Partyamt.de:

p-stadtkultur.de partyamt.de

»DU MACHST SCHEISSE, DU KASSIERST SCHEISSE.«

Interview mit Goonsquad343, unter anderem den Initiatoren des Grabenlos Festivals (am 22. und 23. Mai)

INTERVIEW + TEXT: DAVID WEIMER | FOTO: NOUKI

Zwischen Trap, Cloud-Rap, Dadaismus, politischer Provokation und subkulturellem Statement bewegt sich das Darmstädter und Wiesbadener Kollektiv Goonsquad343. Das „Movement“, wie sie sich selbst bezeichnen, steht für einen rohen, bewusst ungeschliffenen Sound – fernab von Mainstream und Hochglanz. Auf ein inoffizielles „Antischlossgrabenfest“ folgte im vergangenen Jahr mit „Grabenlos“ in der Bessunger Knabenschule ihre eigene kleine Festivalvariante – frei von Kommerz und Schlagerparty. Ihre Tracks sind – genauso verrückt wie die Bühnenoutfits – Ausdruck eines Gegenentwurfs, der immer wieder klare politische Haltung zeigt, etwa im Song „Alle Faschos raus“. Gleichzeitig sind sie geprägt von Momenten, in denen sie ihren Lebensstil selbstbewusst einfangen und zur Schau stellen, wie auf „Jins Haus“ (über ihr Lieblingslokal). Im Interview sprechen Tofu666 (27), Mr. Jeans (28),

Draco (24), NeonJokerHände (25) und Paintgott (27) über ihren Sound, ihre politische Haltung und darüber, warum das Schlossgrabenfest für sie längst nicht mehr das ist, was es mal war.

Gegründet habt Ihr Euch laut sagenhaftem SpotifyEintrag bereits 1920 im Keller des Cabaret Voltaire –ausgerechnet im Geburtsort der Dada-Bewegung. Ihr wart Eurer Zeit jedoch voraus und seid anschließend von der Bildfläche verschwunden. Was habt Ihr in den letzten hundert Jahren denn so gemacht – und wie kam es zum Comeback?

Tofu666: Gute Frage, wir haben lange geschlafen –wie Aang von Avatar damals. Und was vorbereitet. Basically haben wir uns davor halt nicht gefunden. Und genau, dann kam Corona. Und dann kam das Comeback. Und dann haben wir mies im Discord-Chat gechillt, haben Tracks gemacht und auf einmal war 343 geboren.

Wofür steht Goonquad und wofür 343?

Mr. Jeans: 343 ist das Movement. 343 ist die Gang. 343 steht auch beim Fußball für Offensives, weißt Du? Stichwort: Außenläufer.

Tofu666: 343 beschreibt für mich einen gewissen Lifestyle, ein Gefühl. Das muss man einfach checken – oder man checkt's nicht. Goonsquad kam tatsächlich durch LGoony [deutscher Rapper], der sagt im Song „Sosa“: „Goonsquad ist die Gang.“ Der Song war damals auf jeden Fall eine Inspiration für uns.

Apropos Inspiration: Welche Trap/Cloud-Rapper:innen haben Euch damals am meisten geprägt?

Mr. Jeans: Lil Pump, oder?

Tofu666: Money Boy, safe. Lil Pump macht krasse Beats, ist aber auch ein krasser Bastard. Eigentlich auch Yung Hurn, aber der ist mittlerweile auch ein Knecht. Übergriffsvorwürfe – da ist die Grenze dann überschritten! Musikalisch eine Inspiration gewesen, ansonsten leider sehr problematisch ... das gilt für alle drei. Wir haben ja mit Soundcloud-Rap angefangen. Heißt ein bisschen Party, ein bisschen Selbstironie und mit linker Haltung. NeonJokerHände: Ich bin erst sau spät dazugekommen, aber meine Main-Influence - ich komme ja aus anderen Musikrichtungen – ist Tofu666 selbst.

Wie würdet Ihr Euren Sound für Deutschrap-Laien beschreiben?

Mr. Jeans: Unser Sound hat sich mittlerweile verändert. Mittlerweise gibt's diverses Zeug. Wir haben mit „Ganja Ghost“ ein bisschen was Reggae-Mäßiges gemacht. Der Song „Mr. Jeans“ ist vom Sound her auch anders als andere Tracks. Und Tofu666 hat kürzlich eine Boom-Bap-EP zusammen mit NoiG released.

Draco: Unser Sound ist auch safe politisch. Mr. Jeans: Voll! Natürlich auch satirisch.

Draco: Irgendeine Message gibt's eigentlich fast immer, die transportiert werden soll, mindestens in ein, zwei Lines.

Tofu666: Ich würde einfach sagen: authentisch.

Mr. Jeans: Und turn up!

NeonJokerHände: Es muss schon hart gehen.

Mr. Jeans: Genau, für uns ist es wichtig, dass der Sound live hart gehen kann, dass du sehen kannst, wie die Leute rumspringen. Live geht’s bei uns schon gut ab, würde ich sagen.

Was ist Euch wichtiger: Vibe oder Inhalt?

Draco: Kommt immer drauf an. Ich finde, das kann man nicht gegeneinander aufwiegen. Einerseits kommt's immer auf das Projekt an und gleichzeitig geht's genau darum, beides irgendwie homogen in Einklang zu bekommen.

Wie ernst meint Ihr Eure Texte und welche Rolle spielt dabei Ironie?

Paintgott: 100 Prozent ernst. Ironie hat bei uns noch nie eine Rolle gespielt.

Ihr habt auch ein paar Erzfeinde, dazu gehört Fritze Merz und eben der Gottschalk. Wie kam's denn dazu und wer ist vielleicht der nächste Erzfeind?

NeonJokerHände: Im Merz-Disstrack wurde ja bereits angekündigt, dass Hanno Benz unser nächster Gegner sein könnte. Ist aber auch stark davon abhängig, was er noch so mit der Subkultur in Darmstadt alles anstellt.

Paintgott: Er hat eigentlich schon genug gemacht. Er hat einen Track verdient, würde ich sagen. Besonders wegen der ganzen Osthang-Sache.

Mr. Jeans: Ich bin aber auch nach wie vor für Markus Lanz. Generell ist niemand sicher.

NeonJokerHände: Du machst Scheiße, du kassierst Scheiße.

Die politische Botschaft ist bei Euch nicht explizit rauszuhören. Wie seid Ihr politisch eingestellt?

Draco: Wir sind linksradikal.

Mr. Jeans [grinst]: Oder radikal links.

NeonJokerHände: Aber ohne Gewalt. Ohne physische Gewalt. Verbale Gewalt ist was anderes ... aber keine physische Gewalt!

Tofu666: Zumindest haben wir systemkritische Gedanken.

Letztes Jahr habt Ihr mit „Grabenlos“ in der Knabenschule eine parallel laufende „Umsonst-Alternative zum City-Hype“ aka Schlossgrabenfest ins Leben gerufen. Was fehlt Euch am Schlossgrabenfest und wie kam die Idee zu Grabenlos?

Mr. Jeans: Vor „Grabenlos“ haben wir schon „Antischlossgrabenfest“ gemacht. Einfach aus dem Grund, dass die meisten von uns aus Darmstadt kommen und wir kennen das Schlossgrabenfest noch for free. Als Stadtfest.

Tofu666: Wir waren damals schon dagegen, dass die halt Preise verlangen und immer kommerzieller werden. Und das auch noch in unserer Stadt. Einfach so. [schaut genervt]

NeonJokerHände: Es werden auch relativ wenige Local Artists eingeladen. Es wird immer gesagt, es gäbe viele Locals und das stimmt auch irgendwo, aber das ist gefühlt Hochkultur, es fehlen die Subkulturen. Die kleinen Artists, die theoretisch kaum Chancen kriegen würden, auf Konzerten zu spielen. Das fehlt einfach auf dem Schlossgrabenfest. Jetzt [mit „Grabenlos“] ist es nice, einen Tag zu haben, wo man for free kommen und gehen kann, > wie man lustig ist und den ganzen Tag Artists

kommerzfrei zuhören kann, wie früher.

Tofu666: Das ... und wie das „Grabenlos“ letztes Jahr gelaufen ist, haben wir vielen Leuten zu verdanken: Alma, die sich auch viel am Osthang engagiert, der Tepha [auch ein Teil von Goonsquad], der Jürgen von der Knabenschule ...

Tofu666: Die waren auch schnell von unserem Konzept überzeugt. Und dieses Jahr haben wir sogar zwei Tage. Das „Grabenlos“ soll ja auch wirklich graben-los sein.

Mr. Jeans: Also, dass da jeder for free Spaß haben kann.

Worauf darf man sich dieses Jahr freuen, welche Künstler habt Ihr eingeladen?

Tofu666: Dieses Jahr haben wir sogar internationale Gäste eingeladen: Isac & Baigo – das sind zwei Spanish-Dudes beziehungsweise aus Argentinien [Baigo]. Odin spielt diesmal mit Acoustic Band. Goonsquad natürlich. Am Samstag sind die Woog Riots der Opener, Cherazade, Rainbow Curse, Schlägertrupp, Gonzo, One, und Demojacke werden folgen. Die Reihenfolge aber steht noch nicht. Der Freitag wird eher Rap-, HipHop-, Trap-/Cloud-lastig. Samstag finden hauptsächlich Konzerte statt. Mr. Jeans: Aftershow bei mir dann. [alle lachen]

Noch mal zurück zu Euch als Crew: Aus wie vielen festen Mitglieder besteht Ihr eigentlich?

Mr. Jeans: Wie gesagt, 343 ist ein Movement, das heißt: Da sind schon viele dabei. Wir haben zum Beispiel auch noch NoiG, welcher eigentlich zur PNS-Crew gehört. Der tritt auch immer mit uns auf. Ganz großes Shoutout auch an unsere Wiesbadener Base, die Draco hier quasi vertritt.

Paintgott: Jeder, der sich so ein bisschen uns zugehörig fühlt und schon mal irgendwo dabei war, der ist in unseren Augen auch dabei.

Habt Ihr gewisse Rollen, die Ihr einnehmt: Wer produced, wer rappt, wer macht was?

Paintgott: Das wechselt immer.

Mr. Jeans: Tofu666 ist schon unser Patriarch, kann man sagen. [lacht laut]

Tofu666: Ja, mittlerweile mixe und mastere ich auch ein bisschen lowkey. Aber das kommt auf den Track an. Manchmal macht auch JokerHände die Beats, manchmal leasen wir die einfach. Meistens rappen die, die grade da sind und Bock haben..

Mr. Jeans: Wir haben angefangen mit nix. Vor zehn Jahren. USB-Mikrofon mit Adidas-Handschuhen drauf. Nix gemixt, nix gemastert. Mittlerweile haben wir NeonJokerHände aka Amos, der spielt in mehreren Bands und hat musikalisches Knowhow. Der knallt dann halt auch mal schnell einen Beat raus. Auf ganz locker. Mittlerweile haben wir

viel mehr und du merkst, wie die Qualität hochgeht. Als wir angefangen haben damals, waren wir die kompletten Anfänger. Wir wollten nur ein bisschen rappen und das haben wir halt gemacht. So hören sich auch unsere Soundcloud-Texte an, aber die sind dafür übelst authentisch. Die sind noch richtig raw, weißt Du?

Tofu666, Du hast kürzlich das Tape „Gude State of Life“ mit NoiG realesed. Kommen jetzt noch weitere Veröffentlichungen hinzu, was darf man erwarten?

Tofu666: Meine „420 Mixtape“-EP steht in den Startlöchern. Wenn wir Glück haben, erscheint dieses Jahr noch was. NoiG macht schon Druck, der hat richtig Bock auf „Gude State of Life 2“. [lacht.] Aber wir warten erst mal ab.

Mr. Jeans: Ich war auch mal wieder down, was zu machen. Ich meine: Politisch haben wir genug, was abgeht, der Nachschub kommt, da können wir ja nichts gegen tun.

Draco: Ich denke, Bock haben wir immer. Es kommt, was kommt.

Dieses Jahr seid Ihr fürs Nonstock gebucht, kommen noch weitere Gigs oder Festivals hinzu?

Tofu666: Neben Grabenlos und Nonstock sind wir auch dieses Jahr auf anderen Festivals. Wir spielen eine kleine Session auf dem Bohnhorst Medieval Festival mit NoiG zusammen und auf dem Herzberg, da gibt's eine Free-Stage. Da sind wir definitiv auch am Start. Release-Partys stehen außerdem an.

Mr. Jeans: Und wir spielen im Winter eigentlich immer im Sumpf, das hat fast schon Tradition. Tofu666: Oh ja, hoffentlich klappt alles dieses Jahr. Und: Wer will, kann sich auch gerne bei uns melden. Vor allem für Hochzeiten und Konfis sind wir gerne zu haben.

Danke fürs unterhaltsame Gespräch – und bleibt stabil! ❉

Goonsquad 343 beim Grabelos 2026

Fr, 22.5., ab 19 Uhr + Sa, 23.5., ab 17 Uhr: Grabenlos Festival 2026 in der Bessunger Knabenschule (Halle), der Eintritt ist frei.

Fr: Isac & Baigo, Odin und Goonsquad343

Sa: Woog Riots, Cherazade, Gonzo, Schlägertrupp, Rainbow Curse, One und Demojacke.

knabenschule.de

Svet je malý

Die Welt ist klein

Dünya küçüktür

Adunyada way yartahay

• Übersetzungen

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• In allen Sprachen

Bota është e vogël

The world is small

Übersetzungen

Dolmetschen In allen Sprachen

Ludwigstraße 8 64283 Darmstadt 06151 22 999

Le monde est petit

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Made in Darmstadt, Folge 111: die Online-Ticket-Plattform Ztix

TEXT: FREYA DEMEL + CEM TEVETO GLU | FOTO: NOUKI

Die Halle füllt sich, die Vorfreude steigt – und das Online-Ticket für genau dieses Konzert war nur einen Klick entfernt. Was für Besucher:innen einfach aussieht, läuft im Hintergrund häufiger über Ztix: Das Darmstädter Unternehmen kümmert sich dabei nicht nur um den Verkauf der Tickets, sondern unterstützt Kulturveranstaltende tutti completti rund ums Event.

1998 galt Ztix als Pionier für grafische Saalpläne und Online-Ticketing, seit 2020 läuft die Plattform webbasiert und Evelyn Weber ist Geschäftsführerin der GmbH. Neben dem für sie zentralen Teamgedanken hebt sie im Gespräch immer wieder eine Prämisse hervor: „Die Nähe zum Kunden zeichnet uns aus.“ Nichts sei Ztix wichtiger, als dass der Kunde zufrieden ist. Egal ob Veranstaltung online im gewünschten Design anlegen, Bestätigungsmail erneut verschicken, Ticket als PDF oder per Post versenden, Scanner für die Einlasskontrolle leihen oder Rückfragen zu einem Event beantworten: „Wir lassen niemanden hängen.“ Und das auch nicht an Wochenenden oder Feiertagen.

„Unser System ist nicht nur für den klassischen Konzertanbieter interessant, es ist auch ideal für Organisatoren von Kongressen, Workshops, Kursen und Seminaren“, erklärt Evelyn. Der Kunde erhalte dann statt eines Tickets eben eine Anmelde- oder Teilnahmebestätigung.

Neben der kostenfreien Vermarktung von Events durch individuelles Ticketdesign, Anzeigen oder Social-Media-Beiträge übernimmt die Ztix-Plattform auch zentrale organisatorische Aufgaben: Events und Preise lassen sich frei wählen und selbst anlegen, der Online-Verkauf wird analytisch begleitet, der Eintrag im Veranstaltungskalender gestaltet – und vieles mehr.

Weiterer Pluspunkt für Ztix: Das Darmstädter Unternehmen engagiert sich auch sozial. Am Palliativtag fallen die Gebühren weg – und auch die Arbeiterwohlfahrt wird unterstützt. Diese Ticketing-Plattform made in Darmstadt sollten Veranstaltungsbegeisterte also auf dem Schirm haben. Denn zwischen Klassik, Pop und Comedy oder auch Workshops im ganzen Rhein-Main-Gebiet ist hier für nahezu jeden Geschmack etwas dabei. ❉ ztix.de

Unsere MaiHighlights

Entdecke das WDC-Programm in Darmstadt und der Region:

WDC-Pavillon in Kelkheim und Offenbach Kelkheim, 06.05. – 17.05. Offenbach, 27.05. – 14.06. von: WDC 2026

WDC-Hub Museum Angewandte Kunst, Frankfurt (montags geschlossen) von: WDC 2026

DemokratieKioske

Termine in Darmstadt: 04.05., 15:00 – 18:00 Uhr Radiokiosk mit Era Geldes 26.05., 15:00 – 18:00 Uhr Rapworkshop mit Heartbeat Edutainment jeweils für Gruppen aus der Jugendarbeit und Schulen mit Anmeldung, auf der Piazza im Carree 09.05., 15:00 – 18:00 Uhr Im Zeichnen der Demokratie – Urban Sketching mit Kerstin Lichtblau für Erwachsene, Ludwigsplatz von: Lust auf besser leben gGmbH

Neue Kollaborationen – Kreativität und KI Staatstheater Darmstadt, 13. – 17.05. von: Staatstheater Darmstadt

Hooked on a Book

Theater Moller Haus, Darmsadt 30. + 31.05., jeweils um 16:00 Uhr von: Rimini Protokoll, initiiert vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain

Frankfurt RheinMain ist World Design Capital 2026.

Jetzt informieren und dabei sein.

und Kommen Gehen

Neuigkeiten aus Darmstadts Einzelhandel und Gastronomie

Chez

Mitte April kam für Darmstädter Nachteulen via Insta die erlösende Nachricht: „Chez never stops!“ Sich wie Kaugummi ziehende vier Monate war die kleine urbane Trinkhalle am Cityring geschlossen und die Nachfolge beziehungsweise ihr Weiterbetrieb unklar. Nicht erst in diesen Wochen der gar nicht so chez-nen Enthaltsamkeit wurde klar, wie fundamental diese 23 Quadratmeter Barkultur für Darmstadts Nacht- und Partyleben seit 2014 sind. Die Betreiber Marcel Porcher, Sven Grolik und Christian Müller – alle drei seit mindestens zwei Jahren nicht mehr am Woog ansässig und als Lehrer/Unternehmer, Naturwein-Labelmanager sowie Farmhouse-Retreat-Betreiber ziemlich ausgelastet – haben hier wirklich unique Spuren hinterlassen. Eigentlich wollten sie ihr Baby zum Jahreswechsel 2025/26 reibungslos an ein komplett neues Inhaberteam übergeben, doch das scheiterte kurz vor knapp. Nach einigen Überlegungen und Abwägungen haben „wir uns schlussendlich entschieden, weiterzumachen“, erklärt Christian beim P-Telefoninterview. Barchef bleibt Steven Nastanovich. Nur

wird das „Vor-Ort-Team“ künftig verstärkt durch Recit Can, einem Stammgast, Freund der Chez-Familie und auch DJ, der bei der Orga (im Hintergrund) wirken wird. Das Gründertrio verstärkt die beiden bei allem, was aus der Ferne geht. Gemeinsam möchte man ab 1. Mai „den Laden wieder erblühen lassen“ und „Schwung reinbringen“. Gut auch: Gastronomisch ändert sich in der minimalistisch eingerichteten Stehbar nichts, im Chez gibt es nach wie vor gekonnt gemixte Drinks & Cocktails und ebenso geschmackvolle Tunes – kein Schischi, alles auf den Punkt. ... Glück gehabt, Darmstadt! (ct)

Kirchstraße 8 (am Cityring), Innenstadt instagram.com/chez_trinkhalle

TEXTE: TANJA FRANKE (TF) + SEAN GOSSLER (SG) + MARKO HAVEKOST (MAH) + LAURA KNECHT (LAK) + LISA MATTIS (LM) + CEM TEVETO GLU (CT) | FOTOS: NOUKI + THOMAS JUPA (JUPA KORI)

Çitir Lahmacun

Ist Euch schon aufgefallen, dass den Weißen Turm neuerdings ein würziger Duft umweht? Das ist weder gelogen noch übertrieben, denn die kleine Imbissbude von Neyla Ates verströmt den Geruch frischer Lahmacuns. Wo früher Brezeln aufgebacken und letzten Sommer Aperol Spritze gemixt wurden, versammeln sich nun auf wenigen Quadratmetern ein kleiner Ofen, eine Arbeitstheke, ein Gerät zum Gözleme (dünne Teigtaschen) backen sowie Heißgetränkebehälter. Auf die Idee, einen eigenen Laden zu eröffnen, wo Neyla ihr Essen nach südostanatolischer Antep-Art verkauft, kam ihr Mann Sait. „Zuerst habe ich gelacht“, erzählt sie lächelnd, „und gesagt: Nein, das kann ich doch nicht.“ Dann gefiel ihr die Idee doch sehr, es ging alles sehr schnell und innerhalb einiger Wochen verwandelte ihr Mann die Ladenfläche in der Außenhaut des ehemaligen Galeria-Kaufhof-Gebäudes zu ihrem kleinen Reich. Und wir sehen nun: Sehr wohl kann Neyla das! Seit Anfang März versorgt sie Darmstädter:innen nicht nur mit Lahmacun (übrigens gibt es auch eine vegane Variante), sondern auch

mit Gözleme und Pide mit verschiedenen Belägen sowie mit Çig köfte (vegane Bulgur-Frikadellen). Nach der Bestellung kann – am besten geduldig – zugeschaut werden: Wie der Teig gerollt und bestrichen, in den Ofen geschoben und wieder rausgeholt wird, wie Neyla den dampfenden Teigfladen dann geschäftig belegt und einrollt. „Çitir“ ist übrigens türkisch und bedeutet „knusprig“ – die Top-Eigenschaft eines wohlgeratenen Lahmacuns. Vor Ort gibt es zwei kleine Holztische mit bunt bezogenen Hockern, an denen mit bestem Blick auf die Fußgängerzone gegessen werden kann. „Harika“ ... wunderbar! (lak)

Rheinstraße 2 (am Weißen Turm), Innenstadt instagram.com/citirlahmacunoffiziell

Jupa Kori – Eis für Freunde

Erweiterung der Suppenküche Elisabeth (Suppkult) in der Schulstraßen-Passage: Inhaberin Stefanie Werner hat den leerstehenden Laden nebenan (zuletzt: „twenty inch“-Werkstatt) angemietet und bietet dort neben weizen- und glutenfreien Backwaren wie Cookies, Käsekuchen, Kokoswürfeln & Co. auch „richtiges italienisches Eis, ebenfalls glutenfrei und mit wunderbaren Produkten hergestellt,“ an. Dafür kooperiert sie mit dem Frankfurter Eismacher (und Werbefotografen) Thomas Jupa. Der liebt Eis, kombiniert eigenwillige Kreationen und experimentiert mit Zutaten und Rezepturen. Das Resultat: Rhabarber-Pimpinelle, Birne-Estragon, Himbeer-Tagetes, Veilchen-Eis oder ein Mix aus Avocado und Kakao, der wie Mousse au Chocolat schmeckt, aber vegan daherkommt. Jupas Anspruch: In sein Eis kommen nur hochwertige Ingredienzien, „ohne Stoffe, die das Eis über Jahre haltbar machen, wie sonst üblich“. Da liegt er auf einer Wellenlänge mit Stefanie Werner. Als die beiden sich über einen Freund kennenlernten, war schnell klar: Sie verbindet die

Leidenschaft für gute Lebensmittel. Gemeinsam beschlossen sie, das Eis auf den Markt zu bringen. Nun ist es so weit. Mitte April eröffnete Stefanie Werner den neuen Laden neben ihrem Suppengeschäft und verkauft dort eben jenes Eis sowie Gebackenes. „Damit habe ich mir einen Traum erfüllt“, sagt die Köchin, die ihre Ausbildung in einem Sterne-Restaurant absolvierte. Nostalgische Leuchtbuchstaben weisen den Weg in den Innenhof. Diese hat ihr Mann Matthias in Berlin gekauft; ursprünglich hingen sie über dem ersten chinesischen Restaurant auf dem Kurfürstendamm. Unter dem Namen „Jupa Kori – Eis für Freunde“ können im neuen Laden nun alle testen, was die Leckerei so besonders macht. (ct + tf)

Schulstraße 14, Innenstadt | suppkult.de

Laborfachgeschäft – Chem. Reagenzien

Ganze 150 Jahre lang schmückte das Laborfachgeschäft den Darmstädter Kantplatz. Am 31. Mai schließt der Fachhandel für chemische Reagenzien nun endgültig seine Ladentüren. Online gehe es zwar für Geschäftskund:innen (Industrie, Handwerk, Universitäten) weiter, aber die privaten Experimentierkästen der Heiner:innen müssen bald woanders neu befüllt werden. In diesem Monat soll noch alles raus. Darunter: Messzylinder, Erlenmeyerkolben, Mikroskope, Destillationsapparaturen, Spritzflaschen und viele weitere interessante Gegenstände. Eigentlich plante das Ehepaar Martin-Reinecke die letzten beiden Jahre zur Rente hin noch voll zu machen. Aber um ein neues gastronomisches Etablissement zu realisieren, setzte die neue Eigentümerin einen verfrühten Schlussstrich. 2012 waren Elisabeth Martin-Reinecke und Dietmar Reinecke die rund 500 Kilometer von Tirol nach Darmstadt gezogen, um das etablierte Ladengeschäft zu übernehmen. Mit den Jahren drehte sich ein immer größerer Teil ihres Lebens um das Ein-

zelhandels-Urgestein. „Rückblickend fühlt es sich fast so an, als habe man ein Kind groß gezogen“, schildert Elisabeth, die gelernte Krankenschwester, mit nostalgischem Blick. Das abrupte Ende sei „für uns genauso überraschend wie für unsere Kundschaft gewesen“, erklären die beiden Inhaber. Der Unmut sei bei allen sehr groß gewesen, aber „das, was vorher Sorge und Kummer bereitete, wird mit jedem verkauften Stück mehr und mehr zu Erleichterung und Genugtuung.“ Denn mit der Ladenschließung und dem Ende des Räumungsverkaufs an Privatpersonen kehrt nun auch mehr Ruhe im Leben des Ehepaars ein. Und Elisabeth und Dietmar sind sich sicher: „Es war die richtige Entscheidung, das Laborfachgeschäft zu übernehmen. Und es ist die richtige Entscheidung, jetzt aufzuhören.“ (mah)

Lauteschlägerstraße 1a (Eingang Magdalenenstraße), Martinsviertel | laborfachgeschaeft.de

Weitere Neuigkeiten aus Darmstadts Einzelhandel +

❉ Neue Abendkultur für die Innenstadt: Am Friedensplatz, im ehemaligen Lilien-Fanshop (ganz früher: Asphaltgold), wird „hoffentlich am 20. Mai“ das Allerweil eröffnen. Via Instagram läuft seit Anfang März die Suche nach einer Barleitung für den vom Darmstädter Büro „Design in Architektur“ optisch modern und urban gestalteten Stehausschank (gegossener Boden, viel Edelstahl und zeitgemäße Materialien). Wie die Annonce verrät, steckt der Ratskeller Darmstadt hinter dem neuen Gastronomieprojekt im Herzen Darmstadts. Dessen Betreiber wiederum sind die Brüder Wolfgang und Christoph Koehler (Braustüb'l). Sie verraten schon mal vorab: „Wir werden dort Ratskeller, Grohe und Braustüb'l zapfen, gleichzeitig aber einen ebenso großen Fokus auf gute Weine und unkomplizierte Longdrinks legen. Außerdem planen wir Kooperationen mit verschiedenen Leuten aus der Stadtgesellschaft, Release-Partys, DJ-Events, Weinverkostungen und wollen den gesamten Friedensplatz inklusive Treppen und Emporen beleben.“ Sounds very good! (ct)

❉ Am Sonntag, 3. Mai, ist von 11 bis 17 Uhr endlich wieder Blumenbasar und Begegnungsfest in der inklusiven Gärtnerei Aumühle in Wixhausen. Neben einer großen Auswahl an Stauden, Gräsern, Kräutern, Gemüse, Topfpflanzen und mehr erwarten Euch „viele Attraktionen zum Staunen und Mitmachen“. Mehr über die Einrichtung, die Erwachsenen mit geistiger Behinderung einen Ort zum Leben, zur Berufsbildung und einen sinnvollen Arbeitsplatz bietet, erfahrt Ihr online unter: mission-leben.de/aumuehle (ct)

❉ In ihrem Secondhand-Laden „Zweite Hand“ in der Adelungstraße beweist sie schon seit einem Jahr ein gutes Händchen für ausgewählte Teile – jetzt eröffnet Katja Di Sciascio in der Wilhelminenstraße 19 (im ehemaligen „Marc Cain“-Store) ein neues Geschäft: Im B(u)y Katja wird es Mode (Kleidung und Schuhe) sowie Accessoires aus Italien und den Niederlanden geben. „Nur Neuware für Damen, kein Secondhand.“ Am Samstag, 9. Mai, wird von 11 bis 17 Uhr mit Modenschau, Aperol, Sektstand, DJ und Angeboten Eröffnung gefeiert. (lm)

❉ Das Café 221qm startet in den Frühling und öffnet erstmals den Tiefhof, der sonst nur während des Clubbetriebs zugänglich ist. Wer der prallen Sonne auf der Terrasse entgehen, aber trotzdem draußen sitzen möchte, kann mit dem Lieblingsgetränk ins Untergeschoss ausweichen. Dort –innen im Foyer des UG – wartet auch das größte

Highlight: die gemeinschaftlich nutzbare Tischtennisplatte. Öffnungszeiten des Cafés: Montag bis Freitag von 11 bis 17 Uhr. (sg)

❉ Das Café Glück in der Ettesterstraße 10 in Arheilgen hat geschlossen, dafür eingezogen ist ein Ableger von Bocks Backladen by Johannes Weithaler. (ct)

❉ In der Hohen Straße 11a in Dieburg, unweit des Hochschul-Campus, eröffnen Pascal und Kiara Störger Anfang Mai das Keramikatelier Ceramica Bei Kreativ-Sessions wählen die Teilnehmenden ihr Lieblingsstück aus Rohkeramiken wie Tassen, Tellern oder Dekoobjekten und gestalten diese nach einer kurzen Einführung ganz nach ihrem Geschmack – mit verschiedenen Glasuren, Techniken und Hilfsmitteln. Vorkenntnisse sind nicht nötig. Anschließend wird die Keramik vor Ort gebrannt. Am Samstag, 2. Mai, wird von 15 bis 20 Uhr Eröffnung gefeiert – mit einer kreativen Mitmach-Aktion und einem Glücksrad mit Überraschungen. Zukünftig soll es auch Workshops und weitere kreative Events geben, weitere Infos sowie die Zeiten für die Kreativ-Sessions findet Ihr online auf: ceramica-dieburg.de (lm)

❉ „Allen weltpolitischen Katastrophen zum Trotz“ findet das Künstlerhaus Ziegelhütte (und wir!): „Das Leben ist schön!“ Unter diesem Motto gibt es auch dieses Jahr wieder das beliebte Frühlingsfest mit Markt im Garten, und zwar am Muttertags-Wochenende am 9. und 10. Mai. Von 11 bis 18 Uhr stellen an beiden Tagen rund 20 Kreative Kunst und das dazugehörige Handwerk sowie andere schöne Dinge aus. Der „Soßenkönig“ George Kettmann bietet leckeres Essen, auch für Getränke, Kaffee und Kuchen ist gesorgt. Highlights: Am Samstag um 14.30 Uhr gibt der Sternenchor der Christian-Morgenstern-Schule ein kleines Konzert, am Sonntag können alle Besucher:innen von 12 bis 15 Uhr mit der Gärtnerin Edith Kleinhenz Blumenkränze und kleine Sträußchen binden. Hust, hust ... Muttertag ... räusper, räusper! (lm)

❉ Das Reprozentrum Marquardt am Kantplatz (als Druckerei auch bekannt unter dem Namen „Spiegelei“) hat sein Geschäft nach 62 Jahren aufgegeben und Ende März für immer geschlossen. (ct)

❉ „SuperSale“ im ehemaligen McDonald's am Ludwigsplatz: Vom verkaufsoffenen Sonntag, 26. April, bis zu Samstag, 2. Mai, bieten hier täglich von 13 bis 18 Uhr Lieblingslocals wie Railslide, P2,

die Agentur Jan Runde (Derbe) sowie Mamacita gemeinsam ihre Sale-Ware an. Lohnt sich für Fashionfans und alle, die zum Frühling einfach Lust auf frischen Wind im Kleiderschrank haben! (lm)

❉ Apropos Frühlingsgefühle im Kleiderschrank und in der Stadt: Kurz darauf, am Samstag, 16. Mai, lassen wir uns von 10 bis 17 Uhr über den Schulstraßenflohmarkt treiben! An diesem Tag ist Darmstadts schönste Modemeile für den Autoverkehr gesperrt und lädt zum Flanieren und Stöbern ein. Die ansässigen, inhabergeführten Lieblingsläden präsentieren ihre Produkte und besondere Angebote direkt uff de Gass, auch die Anwohnenden sind eingeladen, sich mit einem Flohmarktstand zu beteiligen. Natürlich gibt's auch Musik und gastronomische Versorgung – eben alles, was es für einen frühlingshaften Flaniersamstag in der Schulstraße braucht. (lm)

❉ Ende einer Ära im Weinhaus Gies in Bessungen: Pächterin Monika Salzmann (67) möchte es aus gesundheitlichen Gründen künftig etwas ruhiger angehen lassen und übergibt das kleine Lokal

im Hinterhof der Bessunger Straße 102 ab Mai an Luciano Varesano (Rosso e Bianco, Piacere Prosciutteria). (ct)

❉ „Fair fruchtet!“ Unter diesem Motto steht der Weltladentag am Samstag, 9. Mai. Von 10 bis 16 Uhr geht's im Weltladen Darmstadt um Genuss mit Gerechtigkeit, das supergute Sortiment sowie faire Früchte und Fruchtprodukte. Seit Jahren werden in der Elisabethenstraße 51 nicht nur coole Produkte aus fairen Produktionen verkauft, das Team aus Freiwilligen informiert auch über gerechte Arbeitsbedingungen und transparente Lieferketten. Schon am Freitagabend (8. Mai) von 18 bis 19.30 Uhr wird die neue Sitzecke bei der „Happy Hour am Fairen Freitag“ mit alkoholfreien Cocktails und fruchtigen Snacks eingeweiht; am Samstag geht es dann mit der Verkostung fair gehandelter Bananenchips, Fruchtaufstriche, Chutneys und Trockenfrüchte sowie Informationen zu fairen Handelsmodellen und spannenden Projekten weiter. Da die Plätze begrenzt sind, freut sich das Team über eine Anmeldung per Mail an veranstaltungen@weltladen-darmstadt. (lm)

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Unter Pappeln

-Kolumne, Folge 135: Das schmerzt!

Sie sind im Fußball so selbstverständlich wie Tore und Fouls: Verletzungen. Im Vergleich zu den letzten Jahren blieben die Lilien in dieser Saison von schwerwiegenden Blessuren verschont. Ausfälle von mehreren Wochen waren die Ausnahme. Das mag an einer neuen Marschroute liegen, die die Verantwortlichen des SVD beherzigten. Und ausgerechnet, als sie diese aufweichten, da verletzte sich einer ihrer Leistungsträger schwer.

Es war einer der bittersten Momente der zu Ende gehenden Spielzeit: Im Topspiel gegen Schalke ging Luca Marseiler Mitte der ersten Hälfte ohne gegnerische Einwirkung zu Boden. Der Offensivspieler der 98er krümmte sich vor Schmerzen und signalisierte sofort eine schwere Verletzung. Umgehend versammelten sich die Mitspieler um ihn und auch Trainer Florian Kohfeldt kam aufs Spielfeld. Als der Angreifer wenig später auf einer Trage in die Katakomben transportiert wurde, war schon zu befürchten, dass er so bald nicht wieder auf dem Platz stehen würde. Eine Sorge, die sich zwei Tage später bewahrheiten sollte: Marseiler hatte sich das vordere Kreuzband im linken Knie gerissen. Die Saison, wenn nicht gar das gesamte Kalenderjahr, ist gelaufen.

Bitteres Ende einer starken Saison

Es ist die tragische Pointe unter seine bislang so starke Spielzeit. Marseiler hatte sich im Offensivspiel des SVD zu einem unverzichtbaren Faktor entwickelt. Nach langen Jahren in der 3. Liga feierte der gebürtige Münchner bei den Lilien in dieser Saison seinen Durchbruch. Der inzwischen 29-Jährige zeigte: Auch in gestandenem Profialter kann man seine Leistungen auf ein neues Level heben. Umso trauriger, dass er das Ende der aktuellen Spielzeit in der Reha verbringen muss. Den 98ern hätten seine Qualitäten im Saisonendspurt extrem gutgetan. Zum Zeitpunkt seiner Verletzung führte ihn das Fachmagazin „kicker“ als sechstbesten Feldspieler der Liga. Ligaweit zählt er zu den besten Spielern, was die Schnelligkeit, die Anzahl der Sprints und Flanken sowie das Kreieren von Torchancen betrifft.

Vom Leistungsträger zum Rekonvaleszenten Statt seine ganz persönliche Erfolgsgeschichte fortzuschreiben, heißt es für Marseiler nun, fernab seiner Mannschaftskollegen in der Reha zu schuften. Es wird im Schneckentempo vorangehen, es wird Rückschläge und auch Frustmomente geben. Die Erfolgserlebnisse werden darin bestehen, das Knie immer ein wenig mehr belasten und um ein paar

Grad mehr beugen zu können. Vom Leistungssportler, der darauf baut, dass sein Körper funktioniert, ist er zum Rekonvaleszenten geworden.

Die Krux mit dem Kreuzband Es ist dem im Mannschaftskreis enorm beliebten Fußballprofi zu wünschen, dass seine Reha möglichst reibungslos verläuft. Denn das war bei den Lilien nicht immer so. In den letzten beiden Jahren verletzten sich drei Mannschaftskollegen am Kreuzband. Fabian Holland erwischte es noch in der Bundesliga. Matthias Bader und Paul Will wenig später zu Beginn der letzten Saison. Alle drei waren lange weg vom Fenster, ultralange sogar. Holland verpasste eine komplette Saison und kehrte laut transfermarkt.de erst nach 442 Tagen wieder zurück. Will und Bader benötigten ebenfalls mehr als ein Jahr, ehe sie wieder ein Zweitligaspiel bestritten. Auch der im Winter auf Leihbasis aus Toulouse verpflichtete Niklas Schmidt kam aus einer Kreuzbandverletzung. Er war knapp elf Monate ausgefallen.

Ausfallzeit + Anlaufzeit = Form

Hoffen wir auf eine kürzere Ausfallzeit von Marseiler. Denn eine derart lange Spielpause wie bei seinen Mannschaftskollegen lässt selbst bei einer Kreuzbandverletzung aufhorchen. Auch wenn eine solch schwerwiegende Verletzung immer individuell betrachtet werden muss, so gelten sechs bis neun Monate Ausfallzeit als Richtwert bei Kreuzbandschäden. Doch selbst wenn die Profis dann wieder parat stehen, benötigen sie eine längere Anlaufzeit, bis sie wieder an ihre alte Form anknüpfen können. Marseiler wird im Februar 30. Es wäre ihm gegönnt, wenn er bis dahin wieder regelmäßig auf dem Platz stehen könnte.

Lilien mit weniger Langzeitverletzten

Die Lilien werden ihm die Zeit geben, die er braucht. Das haben die Verantwortlichen in dieser Saison schon bei leichteren Blessuren beherzigt. Chefcoach Florian Kohfeldt hatte just vor dem Topspiel gegen Schalke durchblicken lassen, er habe bis zu diesem Zeitpunkt bei angeschlagenen Profis nichts riskiert. Die Spieler sollten nicht nach dem ersten Belastungstest gleich wieder auf den Platz zurückkehren, auch nicht für Kurzeinsätze. So wollte der Klub vermeiden, dass die gleiche Verletzung erneut aufbricht oder die Gebeutelten gar neue Verletzungen riskierten. Eine Haltung, die im Profisport sicher die Ausnahme ist, aber eine, die sich durchaus bezahlt gemacht haben könnte. Zumindest sind in dieser Saison beim SVD weniger Kicker als in den vorangegangenen Spielzeiten länger als vier Spiele

am Stück verletzt ausgefallen. Zu ihnen zählten im bisherigen Saisonverlauf lediglich die bereits erwähnten Will, Bader und nun Marseiler sowie Fabian Nürnberger und Angreifer Bartosz Bialek. In den letzten Spielzeiten waren es mitunter bis zu zehn Spieler, die länger als einen Monat verletzt pausieren mussten.

Wer trainiert, der spielt Zum Schalke-Spiel standen neben Marseiler auch Fraser Hornby und Fabian Nürnberger in der Startelf. Hornby hatte zuvor drei Partien verpasst. Nürnberger hatte ebenfalls drei Spiele gefehlt, in der Vorwoche aber immerhin schon einen Kurzeinsatz verzeichnet. Nachdem Marseiler ausgewechselt werden musste, ersetzte ihn Killian Corredor. Auch er hatte zuvor zwei Begegnungen gefehlt. Der vorangegangene Verzicht auf die drei Leistungsträger lässt sich mit der oben erwähnten Marschroute erklären, bei angeschlagenen Profis nichts überstürzen zu wollen. Dass der Chefcoach gegen Schalke auf sie zurückgriff, dürfte in erster Linie an einem Richtungswechsel gelegen haben. Denn Kohfeldt hatte angekündigt, im Saisonendspurt von Spiel zu Spiel zu denken und dabei auch schneller auf Profis zurückzugreifen, die zuvor verletzt waren. Mit anderen Worten: Wessen Einsatz vertretbar erscheint, der spielt. Schließlich geht es in die entscheidende Saisonphase. Da will jeder die potenziell besten Spieler zur Hand haben. Eine nachvollziehbare Linie, die im Sinne der Spieler hoffentlich nicht nach hinten losgeht.

Die schwere Verletzung von Marseiler war zumindest nicht absehbar. Immerhin hatte er im bisherigen Saisonverlauf nur ein einziges Spiel verpasst. Nun werden zahlreiche weitere dazukommen. Das schmerzt! Komm' bald wieder, Luca, und jage dem Ball so unwiderstehlich hinterher wie zuletzt! ❉

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Saisonendspurt: Nix zu verlieren!

So, 3.5., 13.30 Uhr: Karlsruher SC – SV Darmstadt 98

So, 10.5., 13.30 Uhr: SC Preußen Münster – SV Darmstadt 98

So, 17.5., 15.30 Uhr: SV Darmstadt 98 – SC Paderborn

sv98.de

Wrede und Antwort

Tuscheln hinter vorgehaltener Hand

TEXT: GERALD WREDE | FOTO: NOUKI

Einst von Taktikfreaks mit Hang zur Selbstüberschätzung ins Fußballtrainer-Dasein eingeführt, um etwaigen, vom Gegner angeheuerten Lippenlesern keine Chance zu geben, spielbewegende Informationen erhaschen zu können, mäandert diese Geheimniskrämerei durch den aktuellen Profifußball.

Apropos Werkzeuge. Der Engländer wird manchmal auch Hesse oder Franzose genannt, jedoch ist ein Franzose ein verstellbarer Schraubenschlüssel mit beidseitigem Maul, während der Engländer nur ein Maul hat. Beides sind keine Rollgabelschlüssel. Kann man sich merken, muss man nicht.

Im deutschen Straßenverkehr ist der Franzose als Zeichen für Pannenhilfe abgebildet, in Schweden jedoch ein Engländer. Schon interessanter! Bestimmt gibt es weitere solch gearteter Namenspaten auf der Homepage

von „Werkzeug-News“, wo ich mich aber sicher nicht rumtreiben werde. Wer will schon „Werkzeug-News“ in der Chronik haben? Außer Werkzeugmachern, von denen jedoch die wenigsten diese Kolumne lesen werden. Aber wenn, dann schon hier in Darmstadt und nicht in einer Leder- oder Märchenstadt. Hauptstadt der Märchenstraße ist übrigens Kassel, Namensgeber des Kasslers, welches von unseren Speisekarten nahezu verschwunden ist. Manche sagen: zu Recht.

Ob in Berlin irgendwo Hamburger abgebildet sind, welches eigentlich Bremer sind – oder umgekehrt? Wäre frevelhafter, als Wiener Frankfurter anzubieten und vice versa. Thüringer und Nürnberger sind beides Rostbratwürste, sich somit ebenso von Hause aus ähnlich, wobei sie zu unterscheiden schon anhand der Größe leicht fällt, da die Nürnberger halb so groß wie

die Thüringer sind. Weshalb es von ihnen auch immer gleich „3 im Weggla“ gibt. Ein kurzes Wort zum Berliner: Er wird überall anders genannt, was Berlin meines Erachtens auch verdient hat.

Ein Holländer ist übrigens ein Fahrzeug für Kinder, welches mit einer Deichsel angetrieben wird. Eine Art Spielzeugdraisine für den Bürgersteig also.

Im Südwesten soll man Grundbirne für Erdapfel sagen. Ist mir noch nicht untergekommen, aber für mich sind es eh nur Kartoffeln. Und die gehören in den Keller.

Der Österreicher sagt zu Löffelbiskuit Biskotten. Das ist gut. Biskuit rundlich, Biskotten länglich. Oder so. ❉

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Demokratie lebt von Vielfalt, Toleranz und Offenheit Sie sind das Fundament unserer freiheitlichen Gesellschaft. Wir lassen keinen Spaltbreit für Rechtsextremismus und Rassismus zu. Dafür stehen führende Unternehmen der Kreativ- und Medienwirtschaft in unserem Land. Mehr Infos unter: www.gwa.de

Pascal Angelbeck

Darmstädter Gesicht

TEXT: DAVID WEIMER | FOTO: NOUKI

Er ist das Gesicht der Centralstation-Bar –bezeichnet sich selbst als „österreichischer Kaffeehauskellner“ und hat vermutlich die meisten Cocktails gemixt, die dieses Haus je gesehen hat. Der berüchtigte Kastellan der Centralstation wird nach 27 Jahren als Barchef seine Gäste künftig mit Kaffee und Wein statt mit Drinks und Cocktails versorgen. Denn im Darmstädter Kulturbetrieb hat der Gastronomiepächter gewechselt – und Pascal geht nun neue Wege. „Den Shaker werde ich vermissen – nur zu Hause nicht. Negroni geht ja leicht.“ Was seine Lieblingsdrinks angeht, ist Pascal privat eher oldschool unterwegs: Am liebsten genehmigt er

sich nach getaner Arbeit, ganz klassisch, einen Gin Tonic. „Aber auch mal einen Spritz“ – wie er ihn seit 2009 definiert: mit Campari, „so wie ihn die echten Fans trinken“.

Um 18 Uhr hat Pascal heute im Vinocentral Feierabend. Eine fast absurde Uhrzeit für jemanden, für den über 27 Jahre genau dann erst die Schicht begann. Pascal spricht von mehr Privatleben – nur mit dem Umstand, plötzlich fast jeden Tag um halb acht aufzustehen, tut er sich noch schwer. Dafür kann er den Feierabend jetzt mit seinen Liebsten verbringen. Vermissen wird er jedoch das gemeinsame Mittagessen mit seiner Tochter.

Auch das „tolle Programm der Centralstation“ kann er nun ohne Tatendrang genießen. Heute geht er nach – früher vor – der Barschicht gerne ins Kino, am liebsten ins Programmkino Rex. An freien Tagen zieht es ihn auch mal ins Theater oder in die Oper. „Ohne Musik geht’s im Alltag nur wenig“, sagt er. In jeder freien Minute läuft bei Pascal das Kulturradio hr2. Und manchmal steigt er einfach aufs Mountainbike – raus in den Stadtwald, ein bisschen Strecke machen, den Kopf frei bekommen.

Aufgewachsen in Eberstadt und Umgebung zog es Pascal früh in die Gastronomie. Vor rund 40 (!) Jahren arbeitete der heute 59-Jährige im Service des „Blauen Ofen“. Nach einem Intermezzo im Schwarz-Weiß-Café folgten acht Jahre im „alten“ Café Mathildenhöhe, dann Weststadtcafé, bevor im Frühjahr 1998 sein längstes Kapitel begann: die Centralstation. Dort wurde Pascal sofort einer von fünf Barchefs – zunächst im Saal, später im Zwischengeschoss an der Cocktailbar, die wie ein Raumschiff an der Decke der Konzerthalle zu hängen schient. Ein Ort, an dem er bis zuletzt Drinks mixte, Gespräche führte und für viele Gäste zur festen Konstante wurde. Auch politisch engagierte sich der Barchef mit dem charmanten Lächeln: Von 2006 bis 2011 war er SPD-Stadtverordneter und ist bis heute bekennender Sozialdemokrat. An seinem letzten Arbeitstag wurde er zudem Mitglied im Förderverein Kulturfreunde Centralstation – und ist damit, wie er selbst sagt, „auf ewig mit dem Haus verbunden“.

Nach dem Pächterwechsel Anfang April 2026 übernimmt nun ein neues Team die Gastronomie der Centralstation. Für Pascal war nach einem Gespräch schnell klar: „Hier sehe ich mich in Zukunft nicht.“ Da er jedoch seit der Gründung vor 33 Jahren immer mit dem Vinocentral verbunden war, lag es nahe, gewissermaßen dorthin zurückzukehren. Sein Arbeitsalltag hat sich verändert – nicht nur wegen der Zeiten: „Hier gibt’s tagsüber mehr Café, abends mehr Wein.“ Während er in der Cocktailbar oft allein gearbeitet hat, erlebt er Gastronomie nun wieder stärker als das, was sie für ihn eigentlich ist: „Teamarbeit“. Gleichzeitig ist er näher an den Gästen als zuvor. In die Welt des Weins arbeitet er sich noch ein, sammelt Wissen, findet Worte. „Ich will den Gästen auch etwas über die Weine erzählen können.“ Und so steht er jetzt an einem anderen Tresen, zu anderen Uhrzeiten, mit anderen Flaschen vor sich – und ist doch derselbe geblieben. Einer, der zuhört, einschenkt und den Moment ein kleines bisschen schöner macht. ❉

Viele weitere „Darmstädter Gesichter“:

Darmstädter Fakten

RECHERCHE + TEXT: CEM TEVET O GLU

> In der Otto-Berndt-Halle, die heute als Bistro der TU-Mensa Stadtmitte dient, ging's früher hoch her: Neben gediegenen Großveranstaltungen wie der Georg-Büchner-Preisverleihung sowie „Darmstädter Gesprächen“ mit Intellektuellen wie Adorno, Bloch und Mitscherlich, ließen am 31. August 1974 junge, linke Protestierende Stühle und Tische fliegen und verhinderten mit dieser Saalschlacht eine Rede des konservativen ZDF-Moderators Gerhard Löwenthal. Zwischen 1969 und 1981 gingen hier große Rockkonzerte über die Bühne, unter anderem spielten: Uriah Heep, Taste (mit Gitarrist Rory Gallagher), Birth Control, Nektar, The Dubliners, Paco de Lucia, Ultravox und UK Subs.

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P Stadtkulturmagazin 19.

Jahrgang | Ausgabe 183

Mai 2026

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Nächste Ausgabe: Juni 2026

Redaktionsschluss (redaktion@p-verlag.de): 10.5.2026

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Erscheinungsdatum: 30.5.2026 p-stadtkultur.de | facebook.com/pmagazin instagram.com/pmagazin_da

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