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OPINOMIC INDUSTRIE 07|2026

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INDUSTRIE 2026 WERKPLATZ SCHWEIZ

07/2026

Angriffe auf IT und OT Klare Gefährdung, unklare Reaktion

Krisenerprobt? Industrie und Politik im Lieferzwang

Energiewende Der Gebäudebestand entscheidet

«An mehr Nachhaltigkeit führt kein Weg

Nora Teuwsen im Interview – über Innovation, Leistungsbereitschaft und den «Human Factor»

Industrie 2026: Die leisen

Architekten der Zukunft

Wer heute über die Zukunft der Industrie spricht, denkt oft an grosse Konzerne, geopolitische Spannungen oder technologische Disruption. Doch der eigentliche Wandel geschieht leiser – in den Werkhallen der Schweizer KMU. Hier entstehen Innovation, Wertschöpfung und Wettbewerbsfähigkeit Tag für Tag.

Es ist dieses dichte Netzwerk hochspezialisierter Unternehmen – oft unsichtbar, aber unverzichtbar –, das die Industrie trägt. Als «Hidden Champions» liefern sie Schlüsselkomponenten für globale Märkte, von Präzisionsteilen bis zu komplexen Systemlösungen.

Gerade in einer Zeit wirtschaftlicher Unsicherheiten zeigt sich ihre wahre Stärke: Anpassungsfähigkeit, Fokus und die Fähigkeit, sich immer wieder neu zu erfinden.

Die Kraft der Hidden Champions

Diese Unternehmen haben sich tiefgreifend verändert. Sie sind längst nicht mehr nur Fertiger einzelner Teile, sondern entwickeln sich zu integrierten Systemarchitekten.

Moderne Produktion bedeutet heute die intelligente Kombination von Technologien: additive Verfahren, hochpräzise Zerspanung, Umformtechnik, Laseranwendungen und Robotik greifen ineinander. Gleichzeitig verschmelzen Maschinen, Software und Automation zu vernetzten Produktionssystemen.

Das Ergebnis ist eine neue industrielle Realität: Produktion als integriertes Gesamtsystem. Prozesse, Daten, Materialien und Maschinen werden nicht mehr getrennt betrachtet, sondern als Teil einer durchgängigen Wertschöpfung.

Ein zentrales Erfolgsprinzip der KMU ist dabei die gezielte Erhöhung der Wertschöpfungstiefe. Entwicklung, Fertigung, Montage und Qualitätssicherung werden zunehmend im eigenen Betrieb vereint.

Erich Sannemann, Direktor Swissmechanic Schweiz

Ein zentrales Erfolgsprinzip der KMU ist die gezielte Erhöhung der Wertschöpfungstiefe. Entwicklung, Fertigung, Montage und Qualitätssicherung werden zunehmend im eigenen Betrieb vereint.

Diese Strategie stärkt die Unabhängigkeit – von globalen Lieferketten ebenso wie von externem Know-how. Gleichzeitig ermöglicht sie schnellere Reaktionszeiten, höhere Qualität und massgeschneiderte Lösungen für Kunden.

Zugleich verändert sich die Rolle der Unternehmen: Sie bieten nicht mehr nur Produkte an, sondern begleiten ihre Kunden von der ersten Idee über die Entwicklung bis hin zur Serienproduktion und zum Service.

Industrie wird damit zur durchgängigen Lösungskompetenz.

Vom Fertiger zum Systemanbieter Innovation entsteht heute nicht mehr punktuell, sondern kontinuierlich im Zusammenspiel vieler Faktoren. Technologien werden weiterentwickelt, Prozesse optimiert, Dienstleistungen integriert.

Engineering, Automatisierung und Service wachsen zusammen. Daten gewinnen an Bedeutung – sei es zur Optimierung von Produktionsprozessen oder zur Erfüllung neuer Anforderungen wie CO₂-Bilanzen.

Gleichzeitig bleibt Innovation stark praxisgetrieben. Sie entsteht im direkten Austausch mit Kunden und aus konkreten Anforderungen heraus. Der Wandel zeigt: Innovation ist kein Projekt mehr, sondern ein permanenter Zustand.

Parallel dazu wird Nachhaltigkeit zu einem zentralen Produktionsfaktor. Sie ist längst nicht mehr nur ein Zusatz, sondern Teil der wirtschaftlichen Logik. Neue gesetzliche Vorgaben, steigende Energiepreise und ein wachsendes Bewusstsein für Ressourcen führen dazu, dass Unternehmen ihre Prozesse neu denken. Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft und Materialoptimierung werden strategische Themen. Digitale Lösungen helfen dabei, Emissionen messbar zu machen und gezielt zu reduzieren. Gleichzeitig zeigen viele KMU, dass nachhaltige Produktion nicht im Widerspruch zur Wirtschaftlichkeit steht – im Gegenteil: Sie kann Kosten senken und Wettbewerbsvorteile schaffen. Nachhaltigkeit wird so zur Verbindung von Regulierung, Effizienz und Innovation.

Der Mensch im Zentrum des Wandels

Die vergangenen Jahre haben deutlich gemacht, wie verletzlich globale Systeme sein können. Die Antwort der KMU darauf ist klar: Sie stärken ihre Resilienz – intern wie extern.

Kooperationen, Zusammenschlüsse und Partnerschaften nehmen zu. Unternehmen bündeln ihre Kompetenzen, erweitern ihr Technologieportfolio und erschliessen neue Märkte. Gleichzeitig bleibt die Fähigkeit zur Flexibilität erhalten. Kleine Serien, schnelle Anpassungen und kundenspezifische Lösungen bleiben ein entscheidender Vorteil gegenüber grossen Strukturen. Resilienz entsteht damit aus einer Kombination von Tiefe, Vernetzung und Anpassungsfähigkeit. So sehr sich die Technologie verändert – der wichtigste Erfolgsfaktor bleibt der Mensch. Gefragt sind heute hochqualifizierte Fachkräfte mit Verständnis für ganze Systeme. Ausbildung und Nachwuchsförderung werden deshalb zu strategischen Themen. Unternehmen investieren gezielt in Lernende, Weiterbildung und die Entwicklung von Kompetenzen entlang der gesamten Wertschöpfung.

Gleichzeitig gewinnt die Unternehmenskultur an Bedeutung. Teamgeist, Eigenverantwortung und kontinuierliche Verbesserung prägen den Alltag. Auch das Qualitätsverständnis wandelt sich: Nicht maximale Perfektion ist entscheidend, sondern wirtschaftlich sinnvolle Präzision.

Aus all diesen Entwicklungen entsteht ein klares Bild: Die Schweizer KMU-MEM sind auf dem Weg vom präzisen Fertiger zum integrierten Industrie-Systemanbieter. Sie kombinieren Technologien, denken in Prozessen und handeln in Netzwerken.

Dabei bleiben sie ihren Stärken treu: Spezialisierung, Qualität, Flexibilität und Nähe zum Kunden.

Oder, wie es im Kern beschrieben werden kann: Die Zukunft der Industrie entsteht nicht in Strategiepapieren, sondern dort, wo täglich produziert, entwickelt und umgesetzt wird – in den Werkhallen der KMU. Still, aber wirkungsvoll gestalten sie die Industrie von morgen.

OPINOMIC AG Dammstrasse 19, 6300 Zug, Schweiz / Herausgeber Luigi Kqira / Redaktion (verantwortlich) Rüdiger Schmidt-Sodingen /

Art Department Einhorn Solutions GmbH, Anja Horn (Art Direction), Sylvio Murer (Reinzeichnung & Litho) / Distribution Handelszeitung / Druck DZZ Druckzentrum Zürich AG / Projektleitung Marwa May, Anita Luka / Titel Remo Buess

Sie erreichen uns unter info@opinomic.ch und opinomic.ch

In Kooperation mit IMPRESSUM

« Das No-Touch-Design ermöglicht eine sichere und intuitive Anwendung im Operationssaal –und genau das macht den Unterschied»

Mit ihrer Sterilverpackung MED-Pack eco, die soeben den World Star Packaging Award 2026 erhielt, geht die Medipack AG in Schaffhausen die Herausforderungen der Zukunft an. CEO Reto Artusi über optimale Medizinalverpackungen, deren optimales Handling und altes und neues Vertrauen in die Health-Care-Branche.

Herr Artusi, Sie haben mit Ihrer Sterilverpackung MED-Pack eco im Mai den «WorldStar Global Packaging Award 2026» gewonnen. Was ist das Besondere an dieser Verpackung?

Das Besondere an MED-Pack eco ist die Kombination aus Nachhaltigkeit und Funktionalität. Wir haben es geschafft, Material einzusparen, ohne Kompromisse bei Sicherheit oder Handling einzugehen. Gleichzeitig ermöglicht das sogenannte No-Touch-Design eine sichere und intuitive Anwendung im OP – und genau das macht im Alltag einen grossen Unterschied.

Wie sehr stand bei der Entwicklung die Volumenreduktion samt deren positiven ökologischen Auswirkungen im Vordergrund?

Die Reduktion von Material und Volumen war von Beginn an ein zentrales Ziel. Weniger Material bedeutet nicht nur eine bessere Umweltbilanz, sondern auch Vorteile in der Logistik und Lagerung. Entscheidend war für uns aber immer, dass diese Einsparungen nicht zulasten der Funktion gehen –sondern Mehrwert schaffen.

Sie wurden bei der Preisverleihung in Düsseldorf zusätzlich mit der Goldmedaille in der Kategorie Benutzerfreundlichkeit ausgezeichnet. Diese Benutzerfreundlichkeit war und bleibt zentral für Ihre Verpackungen?

Ja, absolut. Benutzerfreundlichkeit ist für uns kein Zusatz, sondern ein Grundprinzip. Verpackungen müssen im Alltag zuverlässig funktionieren – oft unter Zeitdruck. Deshalb legen wir grossen Wert auf intuitive Handhabung, klare Öffnungsmechanismen und sichere Prozesse.

Wie sieht die neue Generation von Verpackungen im Medizinalsektor aus?

Gibt es bestimmte Trends? Wir sehen eine klare Entwicklung hin zu nachhaltigeren Lösungen bei gleichzeitig steigender Prozesssicherheit.

Verpackungen sollen künftig nicht nur schützen, sondern Abläufe aktiv unterstützen und vereinfachen. Gleichzeitig rückt das Thema Recycling stärker in den Fokus – auch getrieben durch neue regulatorische Vorgaben. In der Medizintechnik ist das jedoch anspruchsvoll, da höchste Sicherheits- und Hygieneanforderungen eingehalten werden müssen. Das ist in der Praxis anspruchsvoll. Automatisierung und Effizienz entlang der gesamten Prozesskette gewinnen ebenfalls weiter an Bedeutung.

Medizinalverpackungen müssen höchsten Ansprüchen gerecht werden und sich gleichzeitig sicher aufbewahren und leicht öffnen lassen. Was bedeutet das für die Entwicklung und Produktion?

Medizinalverpackungen leisten schon heute sehr viel – der Anspruch steigt aber weiter. Gefragt sind Lösungen, die sicher, zuverlässig und gleichzeitig ressourcenschonend sind. Die Verpackung ist dabei Teil des Produktes –und muss zusammen validiert werden.

«Wir sehen eine klare Entwicklung hin zu nachhaltigeren Lösungen bei gleichzeitig steigender Prozesssicherheit. Verpackungen sollen künftig nicht nur schützen, sondern Abläufe aktiv unterstützen und vereinfachen.»

Gleichzeitig rücken Recycling und neue regulatorische Vorgaben stärker in den Fokus. In der Medizintechnik ist das allerdings anspruchsvoll, weil Sicherheit und Sterilität immer an erster Stelle stehen. Verpackungen sollen deshalb nicht nur schützen, sondern Abläufe im Spitalalltag konkret vereinfachen und sich zunehmend in automatisierte Prozesse integrieren lassen.

Die Medizin macht weiter gewaltige Fortschritte. Welche Folgen hat das für Sie und Medipack?

Die steigende Komplexität medizinischer Produkte führt auch zu höheren Anforderungen an die Verpackung. Wir müssen Lösungen entwickeln, die diesen Fortschritt unterstützen – sei es durch neue Materialien, optimierte Designs oder integrierte Prozesse.

Auch in Hospitälern finden weltweit technische und personelle Veränderungen statt. Wie sehr müssen Sie sich auf mehr automatisierte Vorgänge einstellen?

Automatisierung verändert die Anforderungen an Verpackungen deutlich. Unsere Lösungen müssen zunehmend auch maschinell verarbeitet werden können und dabei höchste Zuverlässigkeit gewährleisten. Das ist ein wichtiger Treiber für Innovation.

Medipack

Steckbrief

Die MEDIPACK AG mit Sitz in Schaffhausen, Schweiz, bietet Gesamtlösungen für die Medizinalindustrie an. Mit rund 230 hoch motivierten Mitarbeitenden deckt das Unternehmen die gesamte Wertschöpfungskette ab: von der Entwicklung über die Blister- und Reinraumproduktion sowie Siegeltechnologie bis hin zu umfassenden Leistungen im Verpackungsservice – alles aus einer Hand!

Mehr Informationen unter medipack.ch

Artusi

Wie sehr spielen sichere, geprüfte und innovative Verpackungen eine Rolle, wenn es um die Akzeptanz medizinischer Eingriffe oder auch weniger Ängste der Patientinnen und Patienten geht?

Eine sichere und gut funktionierende Verpackung ist ein Teil der gesamten Behandlung. Sie schafft Vertrauen –beim medizinischen Personal und indirekt auch bei den Patientinnen und Patienten. Wenn Prozesse sauber, sicher und nachvollziehbar sind, wirkt sich das positiv auf die Wahrnehmung aus.

Interview: Rüdiger Schmidt-Sodingen

Reto
CEO Medipack AG

Die Schweizer Industrie hat in den letzten Jahren viele Krisen erlebt. Seit der Finanzmarktkrise 2008-2009 sieht sich die Industrie in fast regelmässigen Abständen mit neuen Krisen konfrontiert: Euro-Krise, Aufgabe der Wechselkursuntergrenze durch die Schweizerische Nationalbank, Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg, Zollpolitik der USA und Iran-Konflikt. Die Krisen hatten, in unterschiedlichen Ausprägungen, die folgenden vier negativen Begleiterscheinungen: Die Nachfrage in ausländischen Märkten wurde belastet, der Franken wertete in Krisen meist auf, Lieferketten wurden gestört und Vorleistungen, vor allem Energie, verteuerten sich. Alle diese Ereignisse belasteten den Industriestandort Schweiz und führten zu einem Strukturwandel. Doch die Schweizer Industrie verfügt über eine bemerkenswerte Fähigkeit, sich laufend neu auszurichten, effizienter zu werden und den Strukturwandel aktiv zu gestalten. Diese Widerstandskraft zeigt sich auch in den Zahlen. Die Schweizer Industrie steuert knapp ein Fünftel zur gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung bei. Das ist viel für eine hochentwickelte Volkswirtschaft. Der Anteil der Industrie am gesamten Bruttoinlandprodukt (BIP) ist in den letzten Jahren in der Schweiz auch mehr oder weniger konstant geblieben. Der internationale Vergleich zeigt deutlich, dass dies keine Selbstverständlichkeit ist. In den letzten dreissig Jahren schrumpfte die industrielle Basis in etlichen Ländern. Der Industrieanteil in Frankreich und Spanien beträgt heute gerade mal noch 10 Prozent des BIP. In Italien sank der Anteil von 19 Prozent auf heute 15 Prozent. Einzig Deutschland verfügt noch

Die neue industrielle Realität

Die Krisen der letzten Zeit fordern die Schweizer Unternehmen heraus. Zölle, regulatorische Belastungen und hohe Energiekosten müssen wirtschaftspolitisch entschieden angegangen werden. Die Unternehmen hingegen müssen auf mehr Automatisierung und Innovationen setzen.

über einen Industrieanteil, der ähnlich hoch ist wie in der Schweiz.

Veränderte Rahmenbedingungen

Doch die Schweizer Industrie wird herausgefordert. Es zeigen sich derzeit erste Risse in der schönen Fassade, auch bei uns droht ein Verlust der industriellen

Substanz. In den letzten Monaten haben etliche Industrieunternehmen ihre Produktion eingestellt. Es ist unsicher, ob die bisherigen Wachstumstreiber wie die Pharma am Standort Schweiz weiterhin erfolgreich sein können. Der künftige Erfolg der Schweizer Industrie ist keineswegs garantiert. Dies liegt vor allem daran, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den letzten Jahren deutlich verschlechtert haben. Leider sind die Zeiten vorbei, wo sich der Marktzugang ständig verbesserte, die demografische Dividende dafür sorgte, dass mehr junge Menschen

ins Erwerbsleben eintraten als ältere ins Pensionsalter und die Schweizer Regulierung viel besser ausgestaltet war als im Ausland.

Drei Entwicklungen haben die Rahmenbedingungen für die Schweizer Industrie besonders stark verschlechtert. Erstens ist die Welt unsicherer und viele Länder sind protektionistischer geworden. Zölle und nichttarifäre Handelshemmnisse erschweren den Marktzugang für Schweizer Produkte. Nach Buy American und Buy Chinese will nun auch die EU mit Buy European eine ähnliche Bevorzugung von europäischen Firmen festzurren. Selbstverständlich muss die Schweiz alles daransetzen, als so genannter Trusted Partner betrachtet zu werden. Unsere Unternehmen dürfen weder im europäischen Markt noch im US-amerikanischen noch sonstwo diskriminiert werden. Die exportorientierte Schweizer Wirtschaft mit ihrem

kleinen Heimmarkt ist besonders exponiert. Besonders schwer wiegt, dass die Planbarkeit nicht mehr gegeben ist. Was heute gilt, kann schon morgen wieder Vergangenheit sein.

Regulierungshindernisse

Zweitens nimmt auch in der Schweiz die regulatorische Belastung zu. Komplizierte, ineffiziente und übertriebene Regulierung ist zu einem Wachstumshemmnis geworden. Eine Studie von BSS-IFO schätzt, dass rund 30 Milliarden Franken pro Jahr eingespart werden könnten, wenn die Schweiz eine effiziente, schlanke und gute Regulierung besässe. Drittens sind die Elektrizitätspreise in der Schweiz für die Industrie mittlerweile höher als in Konkurrenzstandorten. Besonders betroffen sind Unternehmen mit energieintensiven Produktionsprozessen. Die hohen Strompreise sind nicht naturgegeben, sondern Folge politischer Versäumnisse: Die Schweiz hat es verpasst, ihre einst sehr starke Stromversorgung rechtzeitig in die neue Realität zu überführen. Wir haben hohe Netzkosten, viel zu wenig Strom im Winter und keine perfekte Integration in das europäische Stromnetz.

Diese drei Verschlechterungen der Rahmenbedingungen müssen wirtschaftspolitisch entschieden angegangen werden. Das Netz der Freihandelsabkommen ist auf die Mercosur-Staaten und Malaysia zu erweitern, eine Lösung mit den USA anzustreben und die bilateralen Verträge zu stabilisieren. Die inländische Regulierung ist abzubauen, zu vereinfachen und effizienter auszugestalten und keinesfalls auszubauen. Die Firmen brauchen wieder mehr unternehmerischen Freiraum und weniger staatliche Bevormundung. Und wir brauchen eine sichere und günstige Energieversorgung. Dafür braucht es alle Technologien zur Stromproduktion inklusive Kernkraft, ein Stromabkommen mit der EU sowie eine industriefreundliche

VON RUDOLF MINSCH
Prof. Dr. Rudolf Minsch, Leiter Wirtschaftspolitik & Aussenwirtschaft, Chefökonom, Stv. Vorsitzender der Geschäftsleitung economiesuisse

CO2-Gesetzgebung nach 2030. Es darf keine weitere Belastung für die Industrie geben, die notabene die CO2-Ziele für 2040 bereits heute schon fast erreicht. Die Unternehmen sind gefordert, sich stärker in die Politik einzubringen, denn dort fehlt oft das Verständnis für wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Der Werkplatz Schweiz braucht jetzt die Unterstützung der Politik und das sind keine Subventionen, sondern die besten allgemeinen Rahmenbedingungen!

Arbeitsproduktivität erhöhen Gute Rahmenbedingungen sind nicht Selbstzweck. Sie entscheiden darüber, ob die Schweizer Industrie auch gegenüber der chinesischen Konkurrenz bestehen kann. Es ist erstaunlich, wie schnell die chinesische Wirtschaft die Konkurrenznachteile gegenüber dem Westen aufgeholt hat. Etliche chinesische Unternehmen spielen heute in der ersten Liga. Sie produzieren innovative Produkte zu sehr kostengünstigen Preisen und bedrängen nicht nur die amerikanische, sondern auch die europäische und damit auch die Schweizer Industrie. Die Zeiten sind vorbei, als China als Werkbank der Welt lediglich Produkte westlicher Firmen für den Weltmarkt hergestellt hat. Der Westen macht es sich etwas gar einfach, den Erfolg chinesischer Unternehmen lediglich auf Protektionismus und hohe Subventionen zurückzuführen. Die Konkurrenz aus China ist deswegen so stark, weil sie extrem schnell lernt und den Hunger hat, Neues zu entdecken und zu entwickeln. Dahinter steht eine leistungswillige und

ersetzt. Und dieser Prozess muss weitergehen. Arbeitsintensive Tätigkeiten können und sollen im Ausland mit einem günstigeren Kostenumfeld angesiedelt werden, damit sich die Schweizer Einheiten auf wertschöpfungsintensive Tätigkeiten fokussieren können: HighEnd-Produktion, Forschung und Entwicklung und Headquarter-Funktion. Es gilt also, die Arbeitsproduktivität zu erhöhen. Nach der Digitalisierung und Vernetzung der Produktionsprozesse geht es nun darum, die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz zu nutzen. Dadurch können Kostennachteile teilweise kompensiert und eine Produktion im Inland aufrechterhalten werden. Auch wenn KMU über keine Massenproduktion verfügen, können sie so Skaleneffekte realisieren und die Stückkosten bereits bei kleineren Losgrössen nachhaltig reduzieren. Und dies ist zwingend, um der Deindustrialisierung zu entkommen. Ebenso wichtig ist eine höhere Energieeffizienz: Sie reduziert Kosten und macht Unternehmen widerstandsfähiger gegenüber Energieschocks.

Neue Wege einschlagen

-fähige Erwerbsbevölkerung. Und in einem Land mit 1,4 Mia. Einwohnern gibt es logischerweise auch sehr viele Toptalente. Der Westen muss sich also sputen. Protektionismus ist keine Lösung. Er würde den Wettbewerbsnachteil langfristig sogar vergrössern. Umso wichtiger ist es, dass die Schweiz der protektionistischen Versuchung widersteht und weiterhin auf offene Märkte setzt. Wie der Immobilienhändler immer von Lage, Lage, Lage spricht, muss für die Schweizer Politik gelten: Rahmenbedingungen, Rahmenbedingungen, Rahmenbedingungen!

Was können Unternehmen ihrerseits tun, um in diesen unsicheren Zeiten wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben? Fokussieren wir uns zunächst auf die Kostenseite. Die Schweiz ist ein Land mit hohen Kosten. Die Löhne sind im internationalen Vergleich herausragend, Bauland ist teuer, oft nicht einfach verfügbar und Bauprozesse sind sehr aufwändig. Und wie erwähnt sind die Strompreise hoch. Zudem haben wir eine der weltweit höchsten CO2Abgaben. Diese Kostenfaktoren führen dazu, dass die Schweiz als Standort für arbeitsintensive Tätigkeiten nicht konkurrenzfähig ist. Dies ist nichts Neues. Die Industrialisierung führte zu viel tieferen Produktpreisen. Sie nahm in der Textilindustrie ihren Anfang. Im Laufe der Zeit hat die Zahl der Arbeitskräfte in der Schweiz dramatisch abgenommen. Die noch verbliebenen arbeitsintensiven Tätigkeiten in der Textilindustrie wurden teilweise ins Ausland verlagert, teilweise durch weitere Automatisierungen

«Für die Schweizer Politik muss gelten: Rahmenbedingungen, Rahmenbedingungen, Rahmenbedingungen!»

Doch die Zitrone ist irgendwann ausgepresst. Nur mit Kosteneinsparungen wird die Schweizer Industrie nicht überleben können. Klar ist, industrielle Tätigkeiten können nur dann wertschöpfungsintensiv sein, wenn die hergestellten Produkte hochwertig, technologisch führend, einzigartig oder innovativ sind. Und hier stehen die Zeichen nicht so gut. Die Innovationsanstrengungen haben in den letzten Jahren gerade bei KMU nachgelassen. Dies ist zwar nicht verwunderlich, wenn das operative Geschäft so herausfordernd ist. Mittel- bis langfristig darf die Innovationspipeline jedoch nicht austrocknen. Während grössere Unternehmen in der Industrie die Aufwendungen hochhalten, müssen viele KMU die Innovationsanstrengungen wieder erhöhen, um künftig noch erfolgreich zu sein. Doch auch dafür braucht es gute Rahmenbedingungen. Eine dritte strategische Dimension ist neu: Bisher konnte die Industrie in der Schweiz produzieren und die Produkte weltweit anbieten. Mit der Fragmentierung der Märkte in Blöcke, dem zunehmenden Protektionismus aber auch aufgrund der damit verbundenen Unsicherheiten ist es empfehlenswert zu diversifizieren: Wenn in zwei oder mehr Ländern Vertriebsgesellschaften bis hin zu Produktionsstandorten errichtet werden, kann einfacher auf unerwartete Ereignisse reagiert werden. Zudem kann die Diversifikation das Vordringen mit den bestehenden Produkten in neue Märkte betreffen oder ein weiteres Standbein kann mit neuen Produkten aufgebaut werden. Beispielsweise kann das bestehende Know-how in der Automobilindustrie genutzt werden, um in andere Bereiche wie die Gebäudetechnik oder Transportsysteme vorzudringen. Eine solche Diversifikationsstrategie kostet, ist mit Risiken behaftet und muss daher gut überlegt sein. Aber es lohnt sich, sich die Frage zu stellen: Welche neuen Wege könnten wir einschlagen, wo wir unser Knowhow für neue oder bestehende Kunden gewinnbringend einsetzen können? Die Welt hat sich fundamental verändert. Die Zeiten, wo die Schweizer Exportwirtschaft stark von einer Friedensdividende und einer stetigen Verbesserung des Marktzugangs profitiert hat, sind leider vorbei. Gelingt es den Industrieunternehmen, ob klein oder gross, sich stetig weiterzuentwickeln und sich immer wieder neu zu erfinden, kann das Gespenst einer Deindustrialisierung abgewendet werden. Die Schweizer Industrie verfügt denn auch über viele Stärken wie die duale Berufsbildung, intensive Zusammenarbeit mit exzellenten Hochschulen, Handlungsfähigkeit aufgrund eines relativ liberalen Arbeitsmarkts und vor allem viel, viel Know-how. Gerade in rauen Zeiten ist die Schweizer Politik gefordert, die Rahmenbedingungen für die Industrie wieder deutlich zu verbessern.

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Studium

«Wir befähigen Fachkräfte, neue Technologien nicht nur anzuwenden, sondern aktiv mitzugestalten »

Die Berner Fachhochschule bildet spezialisierte Fachkräfte in elf Profilen des nationalen Master of Science in Engineering (MSE) aus. Studiengangsleiter Prof. Andreas Habegger über eine neue Berufswelt und das Zusammenspiel von Forschung, Technik und Wirtschaft.

Herr Prof. Habegger, gibt es unter Ihren elf «MSc in Engineering»-Studienrichtungen eine, wo die technische Entwicklung derzeit besonders rasant verläuft? Alle elf Themenbereiche sind gleichermassen hochrelevant. Besonders dynamisch entwickeln sich derzeit zwei Bereiche: Einerseits Information and Cybersecurity – getrieben durch den Cyber Resilience Act und die zunehmenden geopolitischen Spannungen. Andererseits prägen Large Language Models (LLMs) die Landschaft weit über Data Science und Computer Science hinaus: Sie wirken heute auch in klassische Disziplinen hinein, wo man sie nicht intuitiv erwartet. Entscheidend ist dabei, dieses neue Werkzeug kontextgerecht einzusetzen.

Wie sehen die neuen Herausforderungen in der Berufswelt aus und wie begegnen Sie diesen in Ihrem Studiengang? Nebst spezialisierten Kompetenzen ist es elementar, dass unsere Studierenden solide anwendungsorientierte Grundlagenkompetenzen aus einer fundierten Vorbildung mitbringen, um diese im MSE zu vertiefen und zu erweitern. Neue Technologien wie LLMs wirken als Verstärker: Hervorragend ausgebildete Fachkräfte können damit in kürzerer Zeit einen deutlich grösseren Beitrag leisten.

Genau hier zeigt sich die Stärke unseres dualen Bildungssystems: Die Kombination aus Berufsbildung, Fachhochschulstudium und Spezialisierung im MSE bildet Fachkräfte aus, die die Brücke schlagen – von akademischen Grundlagen hin zur gesellschaftlich relevanten, praktischen Umsetzung. Das ist der Mehrwert, den zukunftsorientierte Unternehmen suchen.

Auf der einen Seite geht es im Studiengang um Datenanalyse, Cyber Security oder Embedded Computing, auf der

anderen Seite aber auch um ein modernes Bauen, die zukünftige Strom- und Energieversorgung sowie Ressourcenschonung und neue Mess- und Fertigungstechniken. Erstaunlich viele Aspekte greifen ineinander, kann man das sagen?

Absolut. Viele Themen befinden sich im Wandel, und als BFH haben wir darauf eine Antwort und wollen aktiv einen Beitrag leisten. Durch die nationale Kooperation im MSE gelingt uns das gemeinsam mit den anderen Fachhochschulpartnern: Potenziale werden gemeinschaftlich genutzt, Redundanzen abgebaut. Das macht uns wettbewerbsfähiger und stärkt gleichzeitig die hochschulübergreifende Zusammenarbeit. Das ist vielleicht auch der Schweizer Weg, um komplexen Veränderungen zu begegnen.

Alle Spezialisierungen sind sowohl in Vollzeit oder Teilzeit möglich. Wie lange dauern sie?

Die maximale Studiendauer beträgt sieben Semester. Ein Vollzeitstudium dauert in der Regel drei Semester, ein Teilzeitstudium sechs. Diese Flexibilität – sowohl beim Programm als auch bei der Studiendauer – erlaubt es uns, optimal auf die unterschiedlichen Bedürfnisse unserer Studierenden einzugehen, was sehr geschätzt wird.

Welche Bedeutung haben Ihre Kooperationen mit der Wirtschaft? Eine tragende. Wir bilden spezialisierte Fachkräfte für die regionalen KMU aus –Unternehmen, die auch international tätig sind. In den Studienprojekten werden konkrete Fragestellungen aus der Praxis bearbeitet. Daraus entstehen mitunter auch Start-ups mit gesellschaftlich relevantem Beitrag. Im Themengebiet der Medizintechnik, Robotik und Automation denke ich konkret an Augury Medical, das Algorithmen für kardiologische Anwendungen entwickelt, CatNova im Bereich von smarten Katheterlösungen

«Im MSE zählt nicht die einzelne Hochschule, sondern

oder auch an Auto-Mate Robotics und Swiss Plasma Polishing, um nur vier zu nennen.

Welche Rolle spielt der persönliche Advisor, der den Studierenden zur Seite steht?

Das ist ein einzigartiges sowie zentrales Konzept. Über die Advisors werden Studierende in BFH-Forschungsinstitute integriert und eng begleitet. Dank ihrer fachlichen und akademischen Erfahrung können sie nicht nur bei der Themenwahl beraten, sondern öffnen nach dem Studium oft auch Türen: zu Unternehmen oder zu weiteren Forschungsinstitutionen.

Wie wichtig ist die internationale Ausrichtung? Sie ist wichtig und bietet unseren Studierenden die Möglichkeit, ihr individuelles Profil in diese Richtung zu schärfen – eine Option, die wir weiter ausbauen wollen. Gleichzeitig hängt viel von den persönlichen Umständen ab: Wer familiär oder in einem Unternehmen fest eingebunden ist, kann ein Auslandssemester nicht immer realisieren. Das respektieren wir und gestalten die Angebote entsprechend flexibel.

Es heisst so schön: «Wissen schafft Gestaltungsmöglichkeiten». Wo werden diese Gestaltungsmöglichkeiten in

Berner Fachhochschule

Die Berner Fachhochschule BFH ist eine anwendungsorientierte Hochschule. Neben der Lehre gehören Weiterbildung, Forschung und Entwicklung sowie Dienstleistungen zu ihren Kernkompetenzen. Der Master of Science in Engineering ist ein Kooperationsmaster aller acht öffentlich-rechtlichen Fachhochschulen der Schweiz und umfasst elf Profile an der BFH: Business Engineering, Civil Engineering, Computer Science, Data Science, Electrical Engineering, Energy and Environment, Information and Cyber Security, Mechanical Engineering, Mechatronics and Automation, Medical Engineering sowie Photonics and Laser Engineering.

Anmeldung zum MSE: bfh.ch/registration-mse Jetzt informieren: bfh.ch/mse

Andreas Habegger

Studiengangsleiter MSE, BFH

Zukunft liegen, wenn Automatisierung und Robotik zunehmen?

Genau dort, wo Maschinen an ihre Grenzen stossen: im Urteilsvermögen, in der Kreativität und in der Fähigkeit, komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge zu verstehen und zu gestalten. Automatisierung und Robotik übernehmen repetitive Aufgaben – und das ist gut so. Sie schaffen Raum für das, was wirklich zählt: die Fähigkeit, die richtigen Fragen zu stellen, Systeme neu zu denken und Verantwortung zu übernehmen.

Genau das ist der Kern unserer Ausbildung im MSE. Wir befähigen Fachkräfte, neue Technologien nicht nur anzuwenden, sondern aktiv mitzugestalten. Und genau deshalb brauchen wir Ingenieurinnen und Ingenieure, die zukünftig in den verschiedenen Transformationsschritten mit diesen Fähigkeiten Verantwortung übernehmen.

Interview: Rüdiger Schmidt-Sodingen

Steckbrief
Prof.

«Präzision ist ein

Wettbewerbsfaktor

Wer als Unternehmen

Maschinen, Prüfmittel und Messprozesse nicht systematisch beherrscht, verliert Sicherheit, Zeit und Marge. Martin Herzig, Co-Geschäftsführer und Mitinhaber von Kunz precision, über das strategische Zusammenspiel von Kalibrierkompetenz, Maschinenverständnis und eigenen Messsystemen.

Herr Herzig, wieso wird es für Unternehmen wichtiger, dass ihre Maschinen präzise arbeiten?

Präzision ist heute nicht mehr nur eine technische Eigenschaft, sondern ein Wettbewerbsfaktor. Schweizer Industrieunternehmen stehen unter Druck: Kosten, Fachkräftemangel, Liefertermine und Qualitätsanforderungen nehmen zu. Wer seine Produktionsanlagen, Prüfmittel und Messprozesse nicht beherrscht, produziert Unsicherheit. Das führt zu Nacharbeit, Ausschuss, Stillständen oder Diskussionen mit Kunden. Präzise Maschinen und Systeme schaffen dagegen stabile Prozesse – und damit Vertrauen, Produktivität und Marge.

Wie helfen Sie dabei, Qualität messbar abzusichern? Wir machen Qualität sichtbar, nachvollziehbar und rückführbar. Als SCS-Kalibrierstelle nach ISO/IEC 17025 kalibrieren und prüfen wir unter anderem Längen, Geradheiten, Parallelitäten, Winkel, Rechtwinkligkeiten, Ebenheiten sowie Werkzeug- und Messmaschinen. Entscheidend ist dabei nicht nur ein Kalibrierzertifikat, sondern die Interpretation der Ergebnisse und deren Bedeutung für den Prozess des Kunden. Deshalb analysieren wir vor jeder Intervention die Ausgangslage und die Anforderungen sorgfältig. Während und nach der Umsetzung überprüfen wir systematisch die Resultate und begleiten unsere Kunden mit fundierter technischer Beratung. Auch bei der Gestaltung unserer Kalibrierzertifikate legen wir grossen Wert auf den praktischen Nutzen. Messresultate werden übersichtlich und verständlich dargestellt sowie so ausgewertet, dass sie für Qualitätsverantwortliche, Produktionsleiter und Instandhalter klar interpretierbar sind und als fundierte Entscheidungsgrundlage dienen. So entstehen nicht nur präzise Messwerte und normgerechte Nachweise, sondern konkrete Handlungsempfehlungen und nachhaltige Verbesserungen für Prozesse, Produktqualität und Wettbewerbsfähigkeit.

In welchen Bereichen stehen Sie als Ansprech- und Kompetenzpartner zur Verfügung?

Kunz precision verbindet drei Kernkompetenzen: hochpräzise Mess- und Kalibrierdienstleistungen, fundiertes Maschinenverständnis und die Entwicklung eigener Messsysteme. Unsere Kunden begleiten wir in ganz unterschiedlichen Situationen: bei wiederkehrenden Kalibrierungen zur Sicherstellung der Rückführbarkeit und zur

Kunz precision AG ist ein strategischer Präzisionspartner für Industrieunternehmen, die Qualität, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit langfristig absichern wollen. Kunz precision AG ist spezialisiert auf Messtechnik, Kalibrierdienste sowie die Entwicklung und Fertigung einzigartiger Messsysteme; als SCS-Kalibrierstelle nach ISO/IEC 17025 ist Kunz u. a. für Länge, Geradheit, Parallelität, Winkel, Rechtwinkligkeit, Ebenheit, Werkzeugmaschinen und Messmaschinen akkreditiert.

Seit 1980 entwickelt Kunz precision Lösungen für Industrieunternehmen, Kalibrierlabore und Messinstitute weltweit.

Mehr Informationen unter kunz-precision.ch

Martin Herzig

Co-Geschäftsführer und Mitinhaber von Kunz precision

kontinuierlichen Weiterentwicklung ihrer Mess- und Kalibrierprozesse, bei technischen Problemstellungen in bestehenden Fertigungs- oder Messprozessen sowie bei neuen Mess- und Kalibrieraufgaben. Gemeinsam analysieren wir die Ausgangslage, beraten unabhängig und entwickeln wirtschaftliche Lösungen – von der Optimierung bestehender Prozesse bis hin zu kundenspezifischen Messsystemen. Besonders häufig werden wir dann hinzugezogen, wenn Standardlösungen an ihre Grenzen stossen. Dank unserer langjährigen Erfahrung und unserem umfassenden Verständnis für Messtechnik, Maschinengeometrie und Fertigungsprozesse entwickeln wir gemeinsam mit unseren Kunden neue Wege – technisch fundiert, wirtschaftlich sinnvoll und nachhaltig. Unser Ziel ist nicht nur, Messwerte zu liefern, sondern als langfristiger Kompetenzpartner die Prozesssicherheit, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit unserer Kunden kontinuierlich zu stärken.

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Welche Bedeutung hat heute Prozesssicherheit – und wie kann sie gewährleistet werden?

Prozesssicherheit bedeutet, dass Qualität nicht erst am Ende eines Fertigungsprozesses geprüft, sondern während des gesamten Prozesses systematisch sichergestellt wird. Dafür braucht es rückführbare Messungen, geeignete Prüfmittel, stabile Umgebungsbedingungen, leistungsfähige Maschinen sowie qualifizierte Mitarbeitende, die Messergebnisse richtig interpretieren und daraus die richtigen Schlüsse ziehen. Erst das Zusammenspiel dieser Faktoren schafft dauerhaft stabile Prozesse.

Kalibrierung ist dabei kein Selbstzweck, sondern ein wichtiges Instrument, um Risiken frühzeitig zu erkennen, fundierte Entscheidungen zu treffen und die Leistungsfähigkeit von Maschinen und Prozessen langfristig sicherzustellen. Unser Anspruch geht deshalb weit über die reine Messung hinaus. Wir unterstützen unsere Kunden dabei, Messresultate richtig zu interpretieren, Ursachen von Abweichungen zu identifizieren und daraus gezielte Optimierungsmassnahmen abzuleiten. So entsteht echte Prozesssicherheit – mit weniger Ausschuss, weniger ungeplanten Stillständen, höherer Produktivität

und einer nachhaltig gestärkten Wettbewerbsfähigkeit. Letztlich schafft Prozesssicherheit vor allem eines: Vertrauen – in die eigenen Messdaten, in die Produktionsprozesse und gegenüber den eigenen Kunden. Genau dieses Vertrauen bildet die Grundlage für langfristigen wirtschaftlichen Erfolg.

Es geht Ihnen auch darum, Fehler frühzeitig zu erkennen und Stillstände zu reduzieren?

Genau. Unser Ziel ist es, Abweichungen zu erkennen, bevor daraus Qualitätsprobleme oder ungeplante Maschinenstillstände entstehen. Viele Veränderungen entwickeln sich schleichend – beispielsweise durch Verschleiss, Temperatur, geometrische Veränderungen oder veränderte Maschinenbedingungen. Werden diese Einflüsse erst am fertigen Werkstück erkannt, sind Ausschuss, Nacharbeit oder Produktionsunterbrüche oft bereits unvermeidbar.

Mit systematischen Messungen und einer fachkundigen Interpretation der Ergebnisse schaffen wir ein wirkungsvolles Frühwarnsystem. So können unsere Kunden gezielt und rechtzeitig Massnahmen einleiten, Wartungen besser planen und die Verfügbarkeit ihrer Anlagen langfristig sichern. Das reduziert

«Wir unterstützen unsere Kunden dabei, Messresultate richtig zu interpretieren, Ursachen von Abweichungen zu identifizieren und daraus gezielte Optimierungsmassnahmen abzuleiten.»

nicht nur Kosten und Stillstandszeiten, sondern erhöht zugleich die Prozessstabilität, die Produktqualität und die Wirtschaftlichkeit der gesamten Fertigung. Gibt es Unternehmen, die kundenspezifische Messsysteme brauchen? Ja – und diese Anforderungen nehmen kontinuierlich zu. Unternehmen entwickeln neue Produkte, verkürzen Fertigungszeiten, automatisieren Prozesse und arbeiten mit immer engeren Toleranzen. Dadurch entstehen Messaufgaben, für die Standardlösungen häufig nicht mehr ausreichen – sei es aufgrund der Bauteilgrösse, komplexer Geometrien, geforderter Messunsicherheiten oder der Integration in bestehende Fertigungs- und Qualitätsprozesse. Wir entwickeln Messsysteme, weil unsere Kunden eine Aufgabe lösen müssen. Genau dort beginnt unsere Arbeit. Gemeinsam mit unseren Kunden analysieren wir die Ausgangslage, hinterfragen bestehende Lösungsansätze und entwickeln Messsysteme, die exakt auf die technischen und wirtschaftlichen Anforderungen abgestimmt sind. Dabei stehen nicht möglichst komplexe Systeme im Vordergrund, sondern robuste, anwenderfreundliche und langlebige Lösungen, die sich im täglichen Einsatz bewähren und einen echten Mehrwert schaffen.

Seit der Gründung 1980 ist Kunz precision weltweit in der Maschinenund Uhrenindustrie, in der Medizinaltechnologie und in staatlichen Messinstituten im Einsatz. Was bedeutet diese langjährige Erfahrung? Erfahrung ist in der Präzisionsmesstechnik weit mehr als die Anzahl der Jahre – sie entsteht aus der Vielfalt der Aufgaben und der Fähigkeit, aus jeder Herausforderung zu lernen. Viele Fragestellungen lassen sich nicht allein mit einem Messgerät beantworten. Man muss die Maschine, das Prüfmittel, den Messprozess, die Umgebungsbedingungen und die konkrete Anwendung als Gesamtsystem verstehen. Seit 1980 durften wir anspruchsvolle Projekte für Unternehmen und Institutionen unterschiedlichster Branchen und Länder realisieren. Jede neue Aufgabenstellung erweitert unser Knowhow und eröffnet neue Perspektiven. Dieses Wissen fliesst direkt in unsere Dienstleistungen, unsere Messsysteme und unsere Beratung ein. Dadurch profitieren unsere Kunden nicht nur von jahrzehntelanger Erfahrung, sondern auch von Lösungen, die sich in den unterschiedlichsten Anwendungen weltweit bewährt haben. Unsere Erfahrung verstehen wir deshalb nicht als Rückblick auf die Vergangenheit, sondern als Grundlage für die Lösungen von morgen.

Wie wichtig wird Präzision in einer datengetriebenen Wirtschaftswelt noch werden?

Ich bin überzeugt, dass Präzision in Zukunft nicht an Bedeutung verliert, sondern noch wichtiger wird. Die Industrie entwickelt sich rasant in Richtung Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz. Entscheidungen werden zunehmend datenbasiert getroffen – in der Fertigung ebenso wie in der Qualitätssicherung.

Doch Daten sind nur so gut wie ihre Grundlage. Sind Messdaten ungenau, nicht rückführbar oder werden sie falsch interpretiert, führen sie zwangsläufig zu falschen Entscheidungen – unabhängig davon, wie intelligent die eingesetzten Systeme sind. Deshalb braucht jede datengetriebene Produktion eine verlässliche messtechnische Basis. Wer seinen Messdaten vertrauen kann, kann auch seinen Entscheidungen vertrauen. Genau darin liegt für uns die strategische Bedeutung der Präzisionsmesstechnik – heute und in Zukunft.

Interview: Rüdiger Schmidt-Sodingen

Kunz precesion
Steckbrief

«Nachhaltigkeit und Innovation gehen in unserer Zeit untrennbar Hand in Hand»

Wie bleibt die Schweiz ein führender Industriestandort? Ohne eine sichere, effiziente Energieversorgung, Investitionen in Bildung und die Entwicklung innovativer wie auch nachhaltiger Technologien sowie Hunger nach Erfolg wird es nicht gehen, sagt Nora Teuwsen, Vorsitzende der Geschäftsleitung von ABB Schweiz.

ABB ist ein führendes globales Technologieunternehmen in den Bereichen Elektrifizierung und Automation, das eine nachhaltigere und ressourceneffizientere Zukunft ermöglicht. Durch die Verbindung von technischer Expertise und Digitalisierung sorgt ABB dafür, dass Industrien hohe Leistungen erbringen und gleichzeitig effizienter, produktiver und nachhaltiger werden, um ihre Ziele zu übertreffen – «Engineered to Outrun». Das Unternehmen blickt auf eine über 140-jährige Geschichte zurück und beschäftigt rund 110‘000 Mitarbeitende weltweit.

Nora Teuwsen ist seit 2022

Frau Teuwsen, wie sehr beeinflusst eine kluge und sichere Stromversorgung die Schweiz und ihre Industrie? Die Schweizer Industrie ist in hohem Mass auf eine sichere Energieversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen angewiesen. Das hat uns nicht erst die drohende Strommangellage im Winter 2022/23 gezeigt. Dabei dürfte der Strombedarf langfristig steigen, durch die Substitution von fossilen Energieträgern in den Sektoren Verkehr und Wärme sowie den weiteren Zubau von Rechenzentren. Umso wichtiger ist es, den Ausbau der Nutzung erneuerbarer Energiequellen – unter besonderer Berücksichtigung ihres Beitrags im Winter – konsequent voranzutreiben, wirtschaftlich tragfähige Speichertechnologien weiterzuentwickeln, die bestehenden Kraftwerke effizient zu nutzen und die Schweiz verlässlich in den europäischen Strommarkt einzubinden. Das Stromabkommen mit der EU bildet die Grundlage dafür. Und ganz allgemein gilt es, die Energieeffizienz zu steigern. Jede Kilowattstunde, die nicht gebraucht wird, muss nicht generiert werden.

Steckbrief

Vorsitzende der Geschäftsleitung der ABB Schweiz AG und seit 2023 auch Aufsichtsratsmitglied der ABB Deutschland AG. Die schweizerischdeutsche Doppelbürgerin und Mutter zweier Kinder hat einen Master in Jura der Universität Zürich und verfügt über das Schweizerische Anwaltspatent wie auch einen «Executive Master of European and International Business Law» der Universität St. Gallen. Teuwsen war zuletzt Partnerin einer Zürcher Anwaltskanzlei und Group General Counsel der SBB. Sie ist zudem Stiftungsrätin der Stiftung «Menschen für Menschen» und Verwaltungsrätin der Raiffeisenbank St. Gallen.

In welchen Bereichen der Wirtschaft muss ein Umdenken stattfinden, um insgesamt nachhaltiger und innovativer zu werden?

Nachhaltigkeit und Innovation gehen in unserer Zeit untrennbar Hand in Hand. Auch wenn einzelne Länder sich offenbar gezwungen sehen, das fossile Zeitalter zu verlängern, sollten wir unseren Weg entschlossen weitergehen. Denn langfristig führt an mehr Nachhaltigkeit kein Weg vorbei, um unsere Lebensgrundlage zu sichern. In der Schweiz nehme ich wahr, dass dieses Bewusstsein breit verankert ist und mit nachhaltigen Lösungen neue Geschäftsfelder entstehen. Nur ein Beispiel aus unserem Unternehmen: Unsere Fachleute für Antriebstechnik in Untersiggenthal haben gemeinsam mit Wissenschaftlern des ABB-Forschungszentrums in Dättwil leistungsfähige, hocheffiziente Energiespeicher mit Batteriemodulen entwickelt, die wir nun in Baden fertigen. Diese Energiespeicher werden weltweit zur Elektrifizierung von Lokomotiven und grossen Baumaschinen eingesetzt, in Ablösung ihrer mit Diesel betriebenen Vorgängermodelle.

Innovationen sind untrennbar mit technischen Lösungen verbunden. Was bedeutet das für Unternehmen und die Erhaltung oder Weiterentwicklung des Werkplatzes Schweiz?

Unsere Stärken in der Schweiz lagen schon immer im Erkennen neuer Geschäftschancen, in der Ingenieurskunst und qualitativ hochstehenden Produkten und Innovationen. Diese Stärken bleiben – aber sie müssen konsequent mit den neuen Möglichkeiten kombiniert werden, also digitalen Technologien und Künstlicher Intelligenz. Wobei der «Human Factor» entscheidend bleibt. Auf den Erhalt und die Weiterentwicklung unsere hochstehenden Ausbildungssysteme müssen wir achten, von der Lernendenausbildung über die weiterbildenden Fachschulen bis zu den Universitäten. Wir benötigen gut ausgebildete Mitarbeitende auf allen Ebenen, welche diese technischen Lösungen entwickeln und im Einsatz beherrschen. Wir brauchen auch in unserer Einstellung wieder mehr Hunger nach Erfolg und Weiterentwicklung. Uns geht es in der Schweiz insgesamt gut. Wenn wir es uns auf diesem Niveau gemütlich machen, werden wir an Wohlstand einbüssen, wenn wir uns nicht konsequent weiterentwickeln und nach Exzellenz streben.

Welche Rolle werden bei der Energiegewinnung und -nutzung dezentrale Lösungen spielen?

Die dezentrale Energieerzeugung, in der Schweiz primär durch Solaranlagen, gewinnt massiv an Bedeutung. Deren Einbindung ins Versorgungsnetz ist herausfordernd. Für den Erhalt der Netzstabilität braucht es intelligente Steuerungen mit besserer Abstimmung zwischen Produktion und Verbrauch sowie Speicherlösungen. Die Möglichkeiten für die Realisierung weiterer Pumpspeicherkraftwerke in der Schweiz sind beschränkt. So werden auch dezentrale Speichermöglichkeiten, die im Übrigen auch das Verteilnetz entlasten, interessant. Solche werden ohnehin für kommende Höchstleistungs-Ladestationen gebraucht, um Elektrofahrzeuge rasch nachzuladen. Um Ladeleistungen von 800 Kilowatt und mehr zu bieten, braucht es lokale Energiespeicher als Puffer.

ABB wird in Zürich-Oerlikon an historischer Stelle einen neuen globalen Hauptsitz bauen – mit alter Bausubstanz, Holz und neuester Technik. Ist das auch ein Signal für die Zukunft?

Diese Investition von rund 80 Millionen Schweizer Franken ist ein Bekenntnis von ABB zur Schweiz. Der neue Hauptsitz verbindet bestehende historische Bausubstanz mit moderner Architektur und schafft so eine bewusste Reminiszenz an den Industriestandort Zürich Oerlikon.

Wir schaffen mit dem neuen Hauptsitz moderne Arbeitsplätze und ein inspirierendes Umfeld für Kooperation und Innovation. Die Zentrale wird zudem ein Schaufenster für ABB selbst werden: intelligente Energielösungen, ressourcenschonende Bauweise, digitale Arbeitsräume.

Die Automatisierung ist einer der wichtigsten Innovationstreiber. Wie hängen Automatisierung und Fachkräftemangel zusammen?

Wenn wir komplexe Produktionsprozesse automatisieren, brauchen wir nicht weniger Fachkräfte, sondern andere. Weniger klassische Montagearbeiter, aber dafür mehr Software-Ingenieure, Robotik-Spezialisten und Wartungstechniker. Das ist eine Chance für ein Hochlohnland wie die Schweiz. Das sind hochwertige, entsprechend entlohnte Jobs. Sie

bedingen aber die passende Aus- und Weiterbildung dafür. Wobei der Fachkräftemangel erfordern wird, manche Produkte und Lösungen für die Industrie so zu gestalten, dass sie auch ohne hoch spezialisiertes Know-how installiert und betrieben werden können. KI wird dabei hilfreich sein. Ich denke da beispielsweise an Systeme für die Gebäudeautomation oder manche Robotics- oder Antriebslösungen. Wobei wir bei KI darauf achten sollten, uns nicht in einseitige Abhängigkeiten zu begeben.

Technische Innovationen und Optimierungen gehen im besten Fall immer weiter. Was bedeutet das für den Nachwuchs? Für mich bedeutet das vor allem eines: Neugier, Leistungsbereitschaft und Agilität sind mit die wohl wichtigsten Kompetenzen für die Arbeitszukunft. Wir leben in einer Welt, in der kaum ein Berufsfeld in 10 Jahren gleich aussehen wird wie heute. Dies bedingt die Bereitschaft, sich auf Veränderungen einzulassen und diese als Chance sehen und zu gestalten. Dies gilt für unsere gesamte Branche: Wer heute eine technische Ausbildung beginnt, wird nicht einfach ein Rädchen im Getriebe sein, sondern die sich wandelnde Maschine mitgestalten. Den Willen zum lebenslangen Lernen wird es dafür brauchen. Und den erwähnten Hunger nach Erfolg.

Jeder nutzt Technik, trotzdem könnten sich mehr Menschen für technische Berufe interessieren. Wie werden die MEM-Berufe attraktiver? Ich bin überzeugt: technische Berufe in der Schweiz sind attraktiv. Wir können unsere offenen Jobangebote und Lehrstellen in dem Bereich in der Regel mit geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern in nützlicher Frist besetzen. Aber ja, im Hinblick auf den demografischen Wandel macht es Sinn, der jüngeren Generation noch besser aufzuzeigen, wie reizvoll technische Berufe sind. Sie sind oft sinnstiftend – und bieten die Chance, an Lösungen für die grossen Herausforderungen unserer Zeit mitzuwirken, von der Energiewende über Automatisierung bis hin zu nachhaltiger Industrie. Und sie bieten nicht zuletzt vielversprechende Karrierechancen und gute Verdienstmöglichkeiten.

Was muss passieren, damit sich mehr Frauen für MEM-Berufe entscheiden?

Da liegt tatsächlich ein grosses Potenzial noch weitgehend brach. Wichtig ist, möglichst früh anzusetzen, um Neugier auf Technik und Freude am Experimentieren damit zu wecken. Viele Mädchen kommen mit technischen Berufen gar nicht erst in Berührung oder haben ein zu einseitiges Bild davon. Wir bei ABB Schweiz versuchen beispielsweise, das mit unseren «Meitli-Technik-Tagen» zu ändern. Dort zeigen wir auch die Perspektiven auf: spannende Einsatz- und Entwicklungsfelder wie auch die guten Verdienstmöglichkeiten im Vergleich zu Berufsausbildungen, die heute noch häufiger von jungen Frauen gewählt

werden. Auch wenn das für 16-Jährige noch kaum im Vordergrund steht – es gehört zum Gesamtbild dazu und kann zusätzliche Motivation schaffen.

Gab es in Ihrer Karriere als Frau Hindernisse, die inzwischen ausgeräumt wurden oder weiterhin bestehen? In manchen höheren Führungs- oder Fachgremien war ich als Frau bisweilen die einzige – oder jedenfalls eine von sehr wenigen. Das hat sich verbessert. Aber dennoch haben wir manchenorts noch grosses Entwicklungspotenzial. Und es braucht oft Resilienz, wenn man in der Minderheit ist, die eigene Perspektive einzubringen, um dann dazu beizutragen, dass die Diskussion diverser wird.

Müssen Geschäftsleitungen heute anders agieren als vor 10 oder 20 Jahren, weil sie nicht nur die Ergebnisse des eigenen Unternehmens, sondern auch gesellschaftliche oder umweltpolitische Fragen im Blick haben müssen?

Die Führungsgremien eines Unternehmens müssen schon länger Verantwortung über das reine Kerngeschäft hinaus wahrnehmen – das ist nichts grundsätzlich Neues. Was sich aber deutlich verändert hat, ist die Erwartungshaltung vieler Stakeholder, auch an die Transparenz: Gesellschaftliche und ökologische Themen sind heute sichtbarer, messbarer und werden konsequenter eingefordert, von Kundinnen und Kunden, Investoren, der Öffentlichkeit – und vor allem auch von den Mitarbeitenden, bestehenden wie auch künftigen. Wir alle wollen doch für ein Unternehmen arbeiten, das Verantwortung für seinen Einfluss auf die Umwelt und die Gesellschaft nimmt. Wir bei ABB sind stolz darauf, dass wir eine Nachhaltigkeitsagenda mit messbaren Zielen haben, für eine ressourcenschonendere Zukunft wie auch für sozialen Fortschritt.

Wird sich die Führungsverantwortung und -tätigkeit in den nächsten Jahren noch weiter verändern?

Der Kern der Führungstätigkeit bleibt immer gleich: Orientierung geben, klare Entscheidungen treffen, Verantwortung tragen und die Menschen dazu mitnehmen. Aber die Geschwindigkeit der Herausforderungen wird weiter zunehmen, nur schon in der digitalen Transformation mit der Künstlichen Intelligenz. Das erfordert noch agileres Handeln und Entscheiden. Entscheidungen müssen dort gefällt werden können, wo das Wissen und die Kompetenz vorhanden sind.

Zudem dürften sich die regulatorischen Anforderungen weiter verschärfen. Und im Hinblick auf den demografischen Wandel intensiviert sich der Wettbewerb um Talente zwangsläufig weiter. In ganz Europa wird die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter deutlich zurückgehen. Unternehmen, die eine überzeugende Führungskultur leben und das Wohl ihrer Mitarbeitenden fördern, werden dabei einen Vorteil haben.

Interview: Rüdiger Schmidt-Sodingen

«Wenn wir komplexe Produktionsprozesse automatisieren, brauchen wir nicht weniger Fachkräfte, sondern andere.»

Automatisierung

« Automatisierung zahlt sich aus und sichert Schweizer Arbeitsplätze»

Die Schweizer Industrie steht seit jeher für höchste Qualität und Innovationskraft. Um diese Spitzenposition langfristig zu sichern und weiter auszubauen, setzen immer mehr Unternehmen auf zukunftsweisende Automatisierungs- und Optimierungslösungen.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt hierbei in einer gezielten Modernisierung der Prozesse, die maximale Planbarkeit und Flexibilität ermöglicht.

Besonders bei unterschiedlicher Auslastung hilft eine intelligente Automation dabei, dynamisch und präzise auf die anstehenden Personalressourcen zu reagieren. Dies schafft eine völlig neue Dimension der Planungssicherheit und stärkt die Marktposition der Unternehmen nachhaltig.

Gleichzeitig bieten die Automationslösungen eine hervorragende Antwort auf den demografischen Wandel und den spürbaren Fachkräftemangel. Wenn erfahrene Generationen in den Ruhestand gehen, sichern Automationslösungen und Roboter die Kontinuität im Betrieb. Sie steigern die Prozesssicherheit, garantieren eine lückenlose Schichtbesetzung und sorgen für einen stabilen, perfekt planbaren Betrieb auch ausserhalb der Kernzeiten. Ein entscheidender Vorteil ist dabei die höchste Reproduzierbarkeit: Maschinen liefern rund um die Uhr exakt gleichbleibende, makellose Ergebnisse bei maximaler Effizienz. Beim Einsatz dieser Lösungen geht es um die langfristige Stärkung des Werkplatzes Schweiz. Automation ist der entscheidende Hebel, um die Produktion im Land zu halten und auszubauen. Sie steigert die Qualität und sichert die Zukunft der hiesigen Standorte. Maschinen ersetzen hierbei nicht den Menschen, sondern sie ermöglichen es Unternehmen, am Standort Schweiz festzuhalten und Mitarbeitende für strategische, anspruchsvolle und kreative Aufgaben einzusetzen. Wer Prozesse konsequent automatisiert, gestaltet aktiv die Erfolgsgeschichte der Schweizer Industrie.

Massgeschneiderte Automations- und Robotiklösungen Für die verarbeitende und produzierende Industrie entwickelt imperia systems ag – Home of Automation massgeschneiderte Automations- und Roboterlösungen - mit dem Ziel, Produktionsprozesse effizienter, sicherer und wirtschaftlicher zu gestalten. Jede Anlage wird individuell an die spezifischen Anforderungen der Kundinnen und Kunden aus den unterschiedlichsten Branchen und Unternehmensgrösse angepasst. Dank der

Innovationskraft des Teams entstehen kontinuierlich neue Lösungen, die den Arbeitsalltag erleichtern und die Leistungsfähigkeit steigern. So profitieren Unternehmen von spezialisierten Automationslösungen für Produktion- und Fertigungsprozesse wie Montageanlagen, Roboteranlagen oder Systemlösungen für das Palettieren.

Steckbrief

imperia systems ag Die imperia systems ag ist ein innovatives Unternehmen im Bereich des Sondermaschinenbaus, spezialisiert in der Automation von Produktionsprozessen und Handlings-Aufgaben. Das Unternehmen begleitet Kunden aus verarbeitenden und produzierenden Betrieben auf dem Weg zu effizienteren Abläufen und der Steigerung der Produktion. Die Anwendungsmöglichkeiten der individuellen Automations- und Roboterlösungen sind nahezu grenzenlos. Jede Anlage wird für die spezifischen Anforderungen der Kunden konzipiert und gebaut. Das Ziel: einzigartige Anlagen, welche die Effizienz steigern und den Alltag erleichtern.

Mehr Informationen unter imperia-systems.ch

Im Zentrum des Technologieportfolios stehen die Industrieautomation und die Robotik, inklusive der Einsatz kollaborativer Roboter. Die technologische Umsetzung basiert auf fortschrittlicher Maschinenkommunikation, intelligenten Vision-Systemen und individueller Softwareentwicklung. Für die physische Umsetzung sorgen spezialisierte Greifer und hochentwickelte Steuerungstechnik im Bereich der Präzisionsautomation, während eine integrierte Prüftechnik die lückenlose Qualitätssicherung garantiert.

«Die Automatisierung schlägt die Brücke zur Schweizer Industrie der Zukunft und bildet das Fundament für Industrie 4.0, Smart Manufacturing und Lean Production.»

Mehrwert durch Exzellenz und Erfolg Der Mehrwert moderner Automatisierung vereint operative Exzellenz mit wirtschaftlichem Erfolg. Auf der Produktionsebene sorgt imperia systems deshalb mit einer passgenauen Automatisierung für eine drastische Effizienzsteigerung, höheren Durchsatz und maximale Produktivität bei gleichzeitig sinkenden Kosten und Rüstzeiten. Prozesse werden durch ihre Reproduzierbarkeit absolut sicher, was eine lückenlos rückverfolgbare Null-FehlerProduktion ermöglicht. Finanziell überzeugt dieser Ansatz durch eine nachhaltige Optimierung, eine Reduzierung der «Total Cost of Ownership» sowie eine schnelle Amortisation mit einem kalkulierbarem «Return on Investment». Die Einsatzbereiche moderner Automatisierung sind vielseitig und greifen besonders dort, wo höchste Präzision und Effizienz gefordert sind. Neben den klassischen Industriebetrieben profitieren auch hochregulierte Branchen wie die Medizintechnik und die Pharmaindustrie davon. Auch in der Montagetechnik, Palettier Lösungen für die Logistik und der E-Mobilität sichern robotergestützte Systeme den entscheidenden Vorsprung. Die von imperia systems angebotenen Lösungen sind dabei flexibel skalierbar: Sie optimieren die hocheffiziente Serienfertigung ebenso wie die anspruchsvolle Einzelteil- und Lohnfertigung. Damit schlägt die Automatisierung die Brücke zur Schweizer Industrie der Zukunft und bildet das Fundament für Industrie 4.0, Smart Manufacturing und Lean Production.

Von der Planung bis zum Vor-Ort-Support

Das Leistungsspektrum von imperia systems deckt den gesamten Lebenszyklus von Automatisierungsanlagen ab. In der Orientierungsphase schafft imperia systems durch Machbarkeitsstudien und

Vorprojekte maximale Planungssicherheit. Als zertifizierter Systemintegrator für Roboter übernimmt das Unternehmen die komplette Projektbegleitung und realisiert schlüsselfertige Lösungen inklusive der fachgerechten Inbetriebnahme und individueller Schulungen für die jeweiligen Teams. Den langfristig reibungslosen Betrieb sichert imperia systems durch einen massgeschneiderten After-Sales-Service ab. Dieser umfasst präventive Wartungsverträge sowie schnellen Support – sowohl per Remote-Service als auch durch direkten Vor-Ort-Support.

Die Zukunft der Produktion aktiv gestalten, heisst: Mit Künstlicher Intelligenz gestützter Qualitätskontrolle und Predictive Maintenance maximale Anlagenverfügbarkeit sichern. Die intelligente Vernetzung durch IIoT (Industrial Internet of Things) und Digitale Zwillinge ermöglicht eine flexible Automation sowie den Einsatz autonomer Systeme. Durch moderne Lösungen und gezieltes Upskilling der Mitarbeitenden meistern Unternehmen den Fachkräftemangel souverän und investieren in eine nachhaltige, energieeffiziente Produktion und die Zukunftssicherheit.

Entscheidung zur Automatisierung «Die Entscheidung zur Automatisierung ist eine der wichtigsten Investitionen, die ein Produktionsbetrieb treffen kann», bekräftigt Calogero Imperia, CEO der imperia systems ag. «imperia systems begleitet Sie dabei von Anfang an von der ersten Analyse Ihrer Prozesse über die Planung und Inbetriebnahme bis hin zum laufenden Betrieb und Service. Als zertifizierter Systemintegrator mit Sitz im Kanton Aargau kennen wir die Anforderungen Schweizer Produktionsbetriebe aus der Praxis. Unsere Lösungen sind massgeschneidert, skalierbar und darauf ausgelegt, Prozesse nachhaltig zu optimieren und Kosten zu senken. Machen Sie den ersten Schritt. Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Erstgespräch und erfahren Sie, welche Potenziale in Ihrem Betrieb noch ungenutzt sind, und wie Sie diese gezielt erschliessen können.»

imperia systems
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The Power of Simulation: Die Simulation ist das entscheidende Werkzeug zur Wettbewerbsfähigkeit»

Wer Anlagen baut oder modernisiert, muss zahlreiche Anforderungen erfüllen – und hatte in der Vergangenheit oft mit unverhofften Problemstellen zu kämpfen. Johnny Camenzind, Geschäftsführer des IT-Serviceund Consultingunternehmens ProLean, über digitale Simulationen als Voraus-setzung für mehr Effizienz und Schnelligkeit.

Herr Camenzind, welchen Stellenwert hat die virtuelle Anlagenplanung für neue und bestehende Produktionsanlagen?

Die virtuelle Planung wird immer wichtiger – nicht nur bei grossen Anlagen. Natürlich ist dabei entscheidend, ob eine Anlage komplett neu gebaut oder eine bereits bestehende Anlage überholt wird. Bei Bestandsanlagen steht die Analyse des Ist-Zustands im Vordergrund. Das Ziel ist es, bestehende Abläufe kosteneffizient zu optimieren, um die maximale Wirkung zu erzielen. Eine Herausforderung ist die Verknüpfung neuer, automatisierter Systeme mit älteren, oft noch manuellen Prozessen. Ein Neubau wird dagegen von Grund auf mit einem festen Budget geplant. Der grosse Vorteil liegt im maximalen Gestaltungsspielraum: Da Logistikwege und Hallenlayouts komplett neu gedacht werden, lässt sich von Anfang an ein wesentlich höherer Automatisierungsgrad realisieren – beispielsweise durch engere Gänge, die für den reinen Roboterbetrieb optimiert sind. Meist ist die Planung einer komplett neuen Anlage reizvoller, da sie deutlich mehr kreative Freiheit bietet.

Wie verändert oder vereinfacht die virtuelle Planung den Anlagenbau? Die virtuelle Anlagenplanung macht den gesamten Planungsprozess weitaus zuverlässiger und präziser. So lassen sich Faktoren wie der Platzbedarf oder die genaue Taktleistung von Robotern exakt simulieren und vorausberechnen. Sie sehen als Unternehmen schneller, was wie funktioniert – und können es entsprechend schneller umsetzen.

Welche Rolle spielt die Simulationssoftware Visual Components?

Die Simulationssoftware Visual Components nimmt im modernen Anlagenbau eine zentrale Rolle ein und hat in den letzten Jahren massiv an Marktanteilen gewonnen. Ihre besondere Stärke liegt in der Flexibilität: Zu Projektbeginn lassen sich Prozesse und Bewegungsabläufe sehr einfach skizzieren; im weiteren Verlauf können die Details bis hin zur präzisen Roboterbewegung tiefgründig ausgearbeitet und dargestellt werden. Für unser Unternehmen ist die Software das Fundament des Geschäfts. Wir nutzen sie nicht nur für unsere eigenen Simulations-Dienstleistungen, sondern vertreiben als Partner auch die entsprechenden Lizenzen, bieten Schulungen an und leisten den technischen Support.

Wie helfen Simulationen bei der Entscheidungsfindung oder auch zur Verbesserung von Prozessen? Simulationen sind einfach ein grossartiges Tool, um Ideen und Konzepte zu kommunizieren. Die simulationsgestützte Anlagenplanung bietet im Vergleich zu früher eine effektivere Kommunikation und eine risikofreie Prozessoptimierung.

Vor allem machen Simulationen komplexe Zusammenhänge während des Produktionsprozesses visuell greifbar. Ein praktisches Beispiel: Wir hatten einen Hersteller von Felgen, der seine drei Bearbeitungsmaschinen ursprünglich in einer festen Produktionszelle betreiben wollte. Erst die Simulation deckte lange Stillstandzeiten auf. Durch das Entkoppeln der Maschinen und das Aufteilen der Arbeitsschritte auf zwei flexiblere Stationen konnten die Effizienz massiv gesteigert und unproduktive Wartezeiten verhindert werden.

Angesichts des drohenden oder bereits realen Wissensverlustes durch Mitarbeitende, die in Pension gehen: Helfen Simulationen auch bei der Daten- und Wissensrettung?

Höchstens indirekt. Im Gegensatz zum digitalen Zwilling, der den Ist-Zustand eines Produktionsvorganges eins zu eins abbildet, geht es bei unseren Simulationen ja bereits um die Optimierung dieses Ist-Zustandes. Wir arbeiten also schon in die Zukunft.

Bei der Layout-Planung greifen Sie auf einen «Komponenten-Katalog» zurück. Was bietet der?

Der in Visual Components integrierte Komponentenkatalog liefert eine Vielzahl von vorgefertigten 3D-Modellen, die sich per Drag-and-drop einfach in die Simulationswelt ziehen, flexibel anordnen und verschieben lassen. Der entscheidende Vorteil liegt in der Parametrisierung: Viele Komponenten lassen sich sowohl in ihren Dimensionen als auch in ihrer zugrundeliegenden

«Die simulationsgestützte Anlagenplanung bietet im Vergleich zu früher eine effektivere Kommunikation und eine risikofreie

Steckbrief

ProLean mit Sitz in St. Urban wurde von zwei Enthusiasten im Mai 2021 gegründet. Das Unternehmen begleitet Kunden von der Anlagenplanung bis hin zur virtuellen Inbetriebnahme. Die Mission: «Mit unserem Know-how und der Power von Simulationen optimieren wir industrielle Prozesse und liefern gleichzeitig eine solide Grundlage für strategische Entscheidungen unserer Kunden.»

Mehr Informationen unter prolean.ch

Johnny Camenzind Geschäftsführer des IT-Service- und Consultingunternehmens ProLean

Logik individuell anpassen. Ziel des Katalogs ist es, eine umfangreiche Bandbreite an Anwendungsfällen abzudecken. Da beispielsweise Förderbänder im Prinzip immer gleich funktionieren, müssen Anwender keine spezifischen Herstellermodelle programmieren. Stattdessen stellen sie die universelle Komponente einfach flexibel ein – zum Beispiel, ob es sich um eine Rollenbahn oder einen Kettenförderer handelt. Das spart wertvolle Zeit und ermöglicht eine schnelle Layout-Planung ohne zusätzlichen Programmieraufwand.

Wie wird aus der Visualisierung dann ein «Proof of Concept»?

Der Proof of Concept hebt die visuelle Darstellung auf eine analytische Ebene. Während die Visualisierung zeigt, wie die Anlage aussieht und arbeitet,

beantwortet der PoC die Frage, ob ein Konzept technisch und wirtschaftlich machbar ist. Auf Englisch sagt man «Feasibility». Dazu fliessen realistische Annahmen und Daten in die Simulation ein. Auch verschiedene Layout- oder Prozessvarianten können direkt miteinander verglichen werden. Nacheinander lassen sich so sämtliche Produktionsschritte überprüfen. Am Ende liefert der PoC vor allem eine fundierte Entscheidungsgrundlage: Basierend auf den gemeinsamen Annahmen zeigt die Simulation unmissverständlich, ob ein Konzept in der Praxis wirklich funktioniert.

Sie helfen auch anderen Unternehmen bei deren Planungen mit Visual Components. Wie sieht diese Hilfe aus? Wir kommen dann zum Zug, wenn ein Unternehmen Interesse zeigt, die virtuelle Anlagenplanung mit Visual Components neu einführen oder selbstständig zu nutzen. Wir begleiten das Unternehmen dann mit Workshops, liefern die Software-Lizenzen und bilden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kunden intensiv aus. Zudem unterstützen wir Unternehmen mit unserem Know-how dabei, ihre eigenen Produkte als digitale Modelle in den Visual Components-Katalog zu integrieren.

Wo liegen die Herausforderungen der nächsten Jahre?

Der internationale Wettbewerb – insbesondere der Druck aus China –zwingt europäische Unternehmen zu einer massiven Optimierung ihrer Prozesse. Simulationen fungieren hierbei als strategischer Lösungsansatz, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit durch Effizienz und Schnelligkeit zu sichern. Einerseits macht die Simulation Wartungsprozesse visuell und analytisch planbar. Es lässt sich beispielsweise exakt darstellen, wie Maschinen für Wartungen zugänglich sind und wo Schutzzäune platziert werden müssen. Die grösste Herausforderung im Anlagenbau ist die Kombination aus Schnelligkeit und Zuverlässigkeit. Unternehmen müssen in der Lage sein, neue Konzepte ohne riesigen Aufwand extrem schnell digital aufzubauen, zu testen und fehlerfrei zu realisieren, um im globalen Markt die Nase vorn zu haben. Wir haben dazu den Slogan «The Power of Simulation» kreiert. Die Simulation ist das entscheidende Werkzeug zur Wettbewerbsfähigkeit. Interview: Rüdiger Schmidt-Sodingen

Verletzliche Industrie

Sicherheit zwischen OT und IT

Angriffsziel: OT

Wie lassen sich physische Prozesse absichern und überwachen?

VON RÜDIGER SCHMIDT-SODINGEN

Mit ihrer Studie «OT-Security im industriellen MittelstandHandlungsfelder und Lösungen für die sichere digitale Transformation» bekräftigt die vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg initiierte Allianz Industrie 4.0 «die Bedeutung von Operational Technology Security (OT-Security) im Kontext der digitalen Transformation und der damit verbundenen Bedrohungslage für Unternehmen des industriellen Mittelstands». Wer von Cybersecurity spricht, kann von

den physischen Anlagen, die zunehmend über IT gesteuert werden, nicht schweigen.

Die OT in Industrieunternehmen müsse sich angesichts der digitalen Transformation und Vernetzung unterschiedlicher Prozesse und damit auch Maschinen mehreren Herausforderungen stellen. So nehme «die Anzahl und Komplexität von Cyberangriffen auf OT-Systeme stetig zu». Dies erkläre sich einerseits mit einer «ursprünglich strikten Trennung vom Internet», andererseits mit zu wenig OT- und IT-Fachkräften in den Betrieben. Wer OT-Systeme vor Jahrzehnten aufbaute, schraubte an der Funktionsweise der Maschine, nicht an möglichen Einfallstoren für Cyberangriffe. Angreifer nutzten aber nun

«gezielt Schwachstellen in vernetzten Produktionsanlagen aus. Beispiele wie INCONTROLLER und aktuelle Ransomware-Angriffe verdeutlichen die realen Gefahren für industrielle Steuerungssysteme.»

Gleichzeitig, so die süddeutsche Studie, steigen die Compliance-Anforderungen an Unternehmen, während die Security-Organisation vielerorts «klar definierte Rollen und Verantwortlichkeiten» vermissen lässt. Wie sich diese Problemfelder in Zukunft noch verschärfen werden, wenn Personal fehlt oder in Pension geht, und automatisierte Prozesse eine andere menschliche Unterstützung brauchen, um Fehler zu analysieren oder Compliance-Reports verbindlich abzusegnen, scheint nicht allen Unternehmen

klar zu sein. Schon jetzt sei deshalb «ein umfassendes Assetmanagement» nötig, das ein «effektives Schwachstellen- und Patchmanagement» nach sich ziehen, Netzwerke aufteilen und mit Zutrittskontrollen arbeiten müsse. «Nur durch genaue Kenntnis aller Assets können Risiken bewertet und geeignete Massnahmen ergriffen werden.» Die Gretchenfrage lautet: Wieviel wissen Unternehmen über jede einzelne Anlage – und wieviel wollen sie über deren Angriffs- oder Ausfallsicherheit wissen? In vielen Unternehmen stehen Anlagen, die für ihre eigentliche Aufgabe prächtig funktionieren, aber vor allem in Verbindung zu Netzwerken oder anderen Maschinen schlecht oder gar nicht vor Hackerangriffen gesichert sind.

«Bedrohung hoch, Reaktion träge»: Vernachlässigen KMU ihre IT-Sicherheit?

Die im letzten Oktober veröffentlichte Studie «KMU Cybersicherheit 2025» von neun Schweizer Forschungseinrichtungen kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: «Trotz einer unverändert hohen Bedrohung durch Cyberkriminalität sinkt bei Schweizer KMU das Vertrauen in den eigenen Schutz deutlich. Nur noch zwei Fünftel der Unternehmen fühlen sich gut auf einen Angriff vorbereitet –im Vorjahr war es noch über die Hälfte. Fast jedes fünfte KMU fühlt sich sogar schlecht geschützt. Trotz dieser Unsicherheit verliert Cybersicherheit weiter an Priorität – und die Investitionsbereitschaft nimmt erneut ab.»

Von Juni bis August 2025 befragten die Macher der Studie «515 KMU mit 1–49 Mitarbeitenden sowie 336 IT- Dienstleistungsunternehmen» und stellten danach fest, dass auch 2025 vier Prozent der Unternehmen in den letzten drei Jahren von einem Cyberangriff betroffen waren. «Fünf Prozent wurden erpresst, vier Prozent haben durch betrügerische E-Mails Geld verloren.» Obwohl 88 Prozent der KMU «Cyberkriminalität als ernstzunehmendes Problem» wahrnehmen, «verspüren nur 24 Prozent der Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger Anreize oder Erwartungen aus ihrem beruflichen Umfeld,

mehr in IT-Sicherheit zu investieren – die Dringlichkeit kommt bei vielen nicht an.»Besonders alarmierend ist das sinkende «Vertrauen in die eigene Abwehr»: «Nur 42 Prozent der Unternehmen halten ihren Schutz im Falle eines Angriffs für ausreichend – ein klarer Rückgang gegenüber 55 Prozent im Vorjahr». Diese Einschätzung hat direkten Einfluss auf das «IT-Sicherheitsgefühl». So fühlen sich nur etwas mehr als die Hälfte der Unternehmen sicher. «Trotz dieser Entwicklung» verliere das Thema Cybersicherheit offensichtlich weiter an Bedeutung: «Bei 28 Prozent der KMU hat das Thema keine Priorität mehr – ein markanter Anstieg gegenüber 18 Prozent im Vorjahr.»

«Entweder schätzen die Unternehmen die Konsequenzen von Cyberangriffen als zu gering ein», folgert Franziska Barmettler, CEO von digitalswitzerland, «oder ihnen fehlen das Know-how beziehungsweise die Mittel,

um dem Thema eine höhere Priorität zu geben. Hier sind Politik, Wirtschaft und Wissenschaft gleichermassen gefordert, um Aufklärungsarbeit zu leisten».

Die befragten IT-Dienstleistungsunternehmen sehen die aktuelle IT-Sicherheitslage ebenfalls kritisch: «Nur 39 Prozent halten ihre KMU-Kunden für sicher», 14 Prozent sehen sie als «unzureichend geschützt». Obwohl 84 Prozent der IT-Dienstleister höhere Investitionen in Sicherheitslösungen erwarten, wollen nur 40 Prozent der KMU diese tatsächlich vornehmen. Dass geringere Investitionen in die IT auch geringere Bemühungen in umfassende Strategien oder eine unternehmensweite Sensibilisierung der Mitarbeitenden meinen, legt die Studie nahe. Stellvertretend für die übrigen Studienpartner appelliert Andreas W. Kaelin, Mitgründer und Geschäftsführer der Allianz Digitale Sicherheit

«Sicherheitsvorfälle in der IT», so die Studie, «führen in der Regel zu Datenverlust oder finanziellen Schäden durch Betrug oder Erpressung. In der OT können Vorfälle jedoch direkte physische Auswirkungen haben, etwa durch Fehlfunktionen von Maschinen, einschliesslich Gefahr für Menschenleben, Umweltkatastrophen oder Zerstörung von Anlagen.» Die Studie führt eine Untersuchung von Fortinet aus dem Jahr 2024 an, nach der «73 Prozent der befragten Unternehmen mindestens einen OT-Sicherheitsvorfall erlebt» haben, «der entweder ausschliesslich OT-Systeme oder sowohl IT- als auch OT-Systeme betraf. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 49 Prozent». «Die Möglichkeit, durch gezielte Sabotage oder Erpressung substanzielle finanzielle Gewinne zu erzielen, macht OT-Systeme zu einem attraktiven Ziel für Cyberkriminelle und staatlich unterstützte Akteure. Besonders im industriellen Mittelstand, wo Produktionsausfälle schnell existenzbedrohend werden können, stellt dies eine erhebliche Bedrohung dar.» Als «Roadmap für die OT-Security» nennt die Mittelstandsstudie ein umfassendes Sicherheitsbewusstsein, das in der Chefetage und bei den Mitarbeitenden gleichermassen vorhanden sein müsse, die Erfassung und kontinuierliche Bewertung der OT-Systeme sowie die bereits erwähnten Zugangsbeschränkungen. Wer weiss, welche Risiken existieren, kann danach auch den Kreis derer definieren, die Maschinen bedienen oder warten müssen. Im besten Fall kann rund um die Uhr festgestellt werden, wer wann an einer Maschine oder an einem Prozess gearbeitet oder eingegriffen hat. Entsprechend müssen Einfallstore so klein wie möglich gemacht werden – und unbefugte Zugänge, Abschaltungen oder Datenabflüsse nicht auf andere Maschinen oder ganze Systeme übergreifen können. Zur Netzwerkaufteilung lautet die Parole: «Separieren Sie OT- von IT-Netzwerken und monitoren Sie die Übergänge, um die Ausbreitung von Angriffen zu erschweren.» Summa summarum sollten der kontinuierliche Betrieb von Maschinen als gewünschtes OT-Ziel und das Wort «Risikomanagement» als Trendwort des IT-Zeitalters ab sofort zusammengehören.

Schweiz ADSS, «Cybersicherheit als strategisches Thema zu behandeln». Es brauche «mehr Sensibilisierung, gezielte Investitionen und die Einbindung von zertifizierten IT- Dienstleistern». Die Studie «KMU Cybersicherheit 2025» wurde in Zusammenarbeit mit der Allianz Digitale Sicherheit Schweiz ADSS, Die Mobiliar, digitalswitzerland, der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, HES-SO Valais-Wallis, Information Security Society Switzerland ISSS, der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften SATW, der Swiss Internet Security Alliance SISA und YouGov Schweiz durchgeführt. Ziel der jährlich durchgeführten Befragung ist es, «das Sicherheitsbewusstsein und die Cyberresilienz von Schweizer KMU und IT- Dienstleistungsunternehmen zu erfassen und daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten».

Text: Rüdiger Schmidt-Sodingen

SECURIT OPINION

«Mehr als gesetzliche Pflicht »

Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz werden häufig erst dann zum Thema, wenn ein Unfall passiert. Dabei profitieren Unternehmen bereits im Alltag von einer gut organisierten Prävention. Lennart Hauser, Geschäftsführer der Securit GmbH, zeigt auf, weshalb Arbeitssicherheit heute weit mehr ist als die Erfüllung gesetzlicher Vorgaben – und warum qualifizierte Fachpersonen auf dem Arbeitsmarkt so gefragt sind.

Gesetzliche Anforderungen sind für alle Unternehmen verbindlich Gemäss Artikel 82 des Unfallversicherungsgesetzes (UVG) sind Arbeitgeber verpflichtet, alle notwendigen Massnahmen zur Verhütung von Berufsunfällen und Berufskrankheiten zu treffen. Konkretisiert werden diese Anforderungen durch die Verordnung über die Unfallverhütung (VUV) sowie die EKAS-Richtlinie 6508.

Die Verantwortung für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz liegt dabei immer beim Arbeitgeber. Er muss dafür sorgen, dass Gefährdungen erkannt, geeignete Schutzmassnahmen umgesetzt und die Mitarbeitenden regelmässig instruiert werden.

Bei Inspektionen prüfen die Behörden heute nicht mehr einzelne Dokumente, sondern ob Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz im Betrieb tatsächlich organisiert, umgesetzt und gelebt werden.

Besonders nach einem Arbeitsunfall gewinnen diese Unterlagen zusätzlich an Bedeutung. Im Rahmen von Untersuchungen wird regelmässig überprüft, ob Gefahrenermittlungen durchgeführt wurden, Sicherheitsmassnahmen vorhanden waren und ob die betroffenen Mitarbeitenden ausreichend ausgebildet und instruiert wurden. Eine nachvollziehbare Dokumentation kann dabei entscheidend sein, um nachzuweisen, dass der Arbeitgeber seinen gesetzlichen Pflichten nachgekommen ist.

Viele Unternehmen stellen sich deshalb die Frage: Wie gelingt eine rechtskonforme Umsetzung ohne unnötigen administrativen Aufwand?

Vier Bausteine führen zum Erfolg Aus der täglichen Beratungspraxis zeigt sich, dass erfolgreiche Unternehmen vier zentrale Elemente miteinander verbinden.

1. Gefährdungen systematisch erkennen und beurteilen

Führungskräfte. Dennoch fehlt häufig eine systematische Übersicht über die tatsächlichen Gefährdungen im Betrieb. Ohne regelmässige Gefahrenermittlungen bleiben Risiken unerkannt oder werden falsch eingeschätzt. Eine strukturierte Gefahrenermittlung bildet deshalb das Herzstück des 10-Punkte-ASA-Sicherheitssystems. Dabei werden Arbeitsplätze, Arbeitsmittel und Tätigkeiten analysiert, Risiken beurteilt und geeignete Massnahmen nach dem STOP-Prinzip festgelegt. So können Gefährdungen frühzeitig beseitigt oder wirksam reduziert werden – bevor ein Unfall entsteht.

2. Ein funktionierendes 10-PunkteASA-Sicherheitssystem Ein Sicherheitssystem definiert Verantwortlichkeiten, Prozesse und Massnahmen zur Umsetzung von Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz. Es regelt unter anderem die Organisation der Prävention, die Gefahrenermittlung, die Planung von Sicherheitsmassnahmen, die Ausbildung und Instruktion der Mitarbeitenden sowie die regelmässige Überprüfung der Wirksamkeit. Besonders bewährt haben sich zertifizierte EKAS-Modelllösungen. Sie ermöglichen Unternehmen jeder Grösse eine strukturierte und rechtskonforme Umsetzung, ohne ein eigenes Sicherheitssystem vollständig neu entwickeln zu müssen. Ein funktionierendes Sicherheitssystem sorgt dafür, dass Arbeitssicherheit nicht von einzelnen Personen abhängt, sondern als fester Bestandteil der Unternehmensprozesse verankert wird.

3. Unterstützung durch ASA-Spezialisten

Die EKAS-Richtlinie 6508 verlangt gestützt auf Artikel 11a der Verordnung über die Unfallverhütung (VUV), dass Unternehmen Spezialisten der Arbeitssicherheit beiziehen, wenn dies aufgrund der Gefährdungen oder der betrieblichen Verhältnisse erforderlich ist.

ASA steht für Arbeitsärzte und weitere Spezialisten der Arbeitssicherheit. Dazu gehören beispielsweise Sicherheitsingenieure, Arbeitshygieniker oder Arbeitsärzte.

Externe ASA-Spezialisten unterstützen Unternehmen unter anderem bei Gefahrenermittlungen, Betriebsbegehungen, Schulungen, Sicherheitskonzepten, Präventionskampagnen und Behördenkontrollen. Sie bringen aktuelles Fachwissen ein, erkennen Verbesserungspotenziale und unterstützen Unternehmen bei der rechtskonformen Umsetzung der gesetzlichen Anforderungen. Dadurch lassen sich Risiken frühzeitig erkennen und geeignete Massnahmen wirksam umsetzen.

4. Kompetente Ansprechpartner im Unternehmen Arbeitssicherheit funktioniert nur dann nachhaltig, wenn sie im Alltag gelebt wird.

Arbeitssicherheit wird zunehmend zum Karrierethema

SECURIT GmbH unterstützt Unternehmen in der ganzen Schweiz bei der Umsetzung von Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Gefahrgut. Das Angebot umfasst ASA-Beratung, die EKAS-Modelllösung Nr. 23 «SECURIT», Schulungen sowie Aus- und Weiterbildungen bis zum Spezialist ASGS mit eidg. Fachausweis.

Mehr Informationen unter www.securit.ch

Viele Unternehmen verfügen über motivierte Mitarbeitende und engagierte

Deshalb empfiehlt es sich, interne Mitarbeitende gezielt auszubilden. Sie übernehmen beispielsweise Betriebsbegehungen, führen Checklisten durch, instruieren Mitarbeitende, begleiten Gefahrenermittlungen oder unterstützen Führungskräfte bei der Umsetzung von Sicherheitsmassnahmen. Ebenso wichtig wie die Durchführung von Instruktionen ist deren Dokumentation. Nach einem Arbeitsunfall stellt sich häufig die Frage, ob der betroffene Mitarbeitende ausreichend instruiert wurde. Kann ein Unternehmen nachvollziehbar dokumentieren, wann welche Ausbildung oder Instruktion durchgeführt wurde und welche Inhalte vermittelt wurden, schafft dies Transparenz und Rechtssicherheit. Ein externer ASA-Spezialist und interne Sicherheitsverantwortliche ergänzen sich deshalb ideal.

«Arbeitssicherheit ist kein Kostenfaktor, sondern ein Erfolgsfaktor.»

Mit den steigenden gesetzlichen Anforderungen wächst auch der Bedarf an qualifizierten Fachpersonen. Unternehmen suchen heute vermehrt Spezialisten, welche Risiken beurteilen, Sicherheitssysteme aufbauen, Führungskräfte beraten und Präventionsmassnahmen nachhaltig umsetzen können. Entsprechend attraktiv entwickeln sich die Berufsaussichten im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz. Gerade der Spezialist ASGS mit eidg. Fachausweis gehört heute zu den gefragtesten Weiterbildungen im Bereich Prävention. Absolventen übernehmen verantwortungsvolle Funktionen in Industrie, Gewerbe, Bau, Dienstleistungsunternehmen, öffentlichen Verwaltungen oder Beratungsunternehmen.

Die Kombination aus wachsendem Fachkräftemangel, steigenden gesetzlichen Anforderungen und einer zunehmenden Bedeutung der Prävention sorgt dafür, dass qualifizierte Spezialisten ASGS ausgezeichnete Zukunftsperspektiven besitzen. Für viele Unternehmen gehören sie heute zu den Schlüsselpersonen einer erfolgreichen Sicherheitskultur.

Der modulare Bildungsweg

Der Einstieg in die Welt der Arbeitssicherheit erfolgt häufig über den KOPAS

Lennart Hauser ist Geschäftsführer der SECURIT GmbH sowie Spezialist ASGS mit eidg. Fachausweis. Er begleitet Unternehmen bei der Einführung rechtskonformer Sicherheitssysteme und unterrichtet angehende Sicherheitsfachpersonen in der Erwachsenenbildung.

ASGS. Diese Ausbildung vermittelt das notwendige Grundwissen, um Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz im Betrieb aktiv zu unterstützen.

Darauf aufbauend bietet der Sicherheitsassistent ASGS eine vertiefte Ausbildung. Gleichzeitig entspricht dieser Abschluss dem Hauptmodul 1 des Vorbereitungskurses Spezialist ASGS mit eidg. Fachausweis. Dadurch können Absolventen ihren Bildungsweg ohne Zeitverlust fortsetzen.

Der Spezialist ASGS mit eidg. Fachausweis vermittelt schliesslich sämtliche Kompetenzen, welche für die professionelle Beratung von Unternehmen, den Aufbau von Sicherheitssystemen sowie die nachhaltige Umsetzung von Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz erforderlich sind.

Der modulare Bildungsweg ermöglicht Unternehmen und Mitarbeitenden eine schrittweise, praxisnahe und nachhaltige Kompetenzentwicklung.

Prävention beginnt bei den Menschen Sicherheit entsteht nicht durch Vorschriften oder Checklisten allein. Entscheidend sind Menschen, die Verantwortung übernehmen, Gefährdungen erkennen und Verbesserungen konsequent umsetzen.

Gut ausgebildete Sicherheitsfachpersonen leisten dazu einen entscheidenden Beitrag – für gesunde Mitarbeitende, eine starke Sicherheitskultur, sichere Arbeitsplätze und wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen. Wer heute in Prävention investiert, stärkt nicht nur die Sicherheit im eigenen Unternehmen, sondern schafft gleichzeitig die Grundlage für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg.

Steckbrief

Steigende Betriebskosten, ESG-Anforderungen, Dekarbonisierungsziele und Investitionsdruck verändern die Perspektive von Eigentümern und Investoren.

Die Schweiz gilt weltweit als Innovationsstandort. Ihre Wettbewerbsfähigkeit basiert auf Ingenieurskunst, Präzision und Qualität. Entsprechend wird die Zukunft des Industriestandorts meist entlang grosser Themen diskutiert: Digitalisierung, KI, Automatisierung, Fachkräftemangel und Wettbewerbsfähigkeit. All diese Themen sind wichtig. Doch eine der grössten Chancen wird unterschätzt: Sie liegt nicht in einer Zukunftstechnologie, sondern in unseren bestehenden Gebäuden. Rund 80 Prozent der Gebäude, die wir 2050 nutzen werden, stehen bereits heute. Damit entscheidet sich ein wesentlicher Teil der Energie- und Klimazukunft nicht im Neubau, sondern im Bestand. Wer über Dekarbonisierung, Resilienz und wirtschaftliche Stärke spricht, kommt am Bestand nicht vorbei.

Der Gebäudebestand entscheidet über das Gelingen der Energiewende Die öffentliche Diskussion fokussiert sich gerne auf Leuchtturmprojekte und Neubauten. Die Realität der Energiewende ist weniger spektakulär: Sie entscheidet sich in Heizzentralen, Technikräumen und Gebäudeautomationssystemen. Dort wird täglich Energie verbraucht oder eingespart. Dort entscheidet sich, ob die Schweiz ihre Klima- und Energieziele wirtschaftlich erreichen wird. Der Gebäudebestand ist deshalb keine Altlast. Er ist die grösste Ressource, über die wir verfügen – und der Ort, an dem Wirkung schneller entsteht als in vielen langfristigen Strategien.

Energieeffizienz ist kein Nachhaltigkeitsthema mehr Lange Zeit wurde Energieeffizienz primär ökologisch diskutiert. Diese Sichtweise greift heute zu kurz. Steigende Betriebskosten, ESG-Anforderungen, Dekarbonisierungsziele und Investitionsdruck verändern die Perspektive von Eigentümern und Investoren. Energieeffizienz ist zu einem wirtschaftlichen Faktor geworden. Wer Energie unnötig verbraucht, belastet nicht nur die Umwelt. Er erhöht Kosten, Transitionsrisiken und gefährdet langfristig den Immobilienwert. Für institutionelle Eigentümer rücken Energieeffizienz, Dekarbonisierung und Werterhalt deshalb zusammen. Immobilien mit hohem Energieverbrauch und fehlender Transparenz geraten zunehmend unter Druck. Investoren verlangen Dekarbonisierungspfade, Nutzer wirtschaftlich betriebene Gebäude. Energieeffizienz wird damit zu einem Instrument des Risikomanagements und der Portfoliosteuerung. Entscheidend ist, welche Investitionen die grösste Wirkung erzielen – energetisch, wirtschaftlich und strategisch.

Die grösste Ressource wird häufig übersehen

In unserer täglichen Arbeit im Rahmen von RetroFIT+ mit Eigentümern, Investoren, Facility Managern und technischen Betreibern zeigt sich immer wieder dieselbe Ausgangslage: Viele Bestandsgebäude verfügen nicht über

Die grösste strategische Fehlannahme der Schweizer Industrie

Warum die wirtschaftliche Zukunft nicht primär im Neubau entschieden wird, sondern im intelligenten Umgang mit dem Bestand

moderne, datenbasierte und optimal abgestimmte HLK-Systeme.

Häufig fehlen Messpunkte, um den Zustand eines Gebäudes zu beurteilen.

Durchfluss, Temperaturen, Energieverbrauch oder der Betriebszustand werden nur unzureichend erfasst. Ohne diese Informationen bleibt ein bedarfsgerechter Betrieb weitgehend Theorie. Viele Anlagen wurden für Nutzungsprofile ausgelegt, die längst nicht mehr der Realität entsprechen. Betriebszeiten, Belegung und Komfortanforderungen haben sich verändert, die technischen Systeme häufig nicht.

Besonders sichtbar wird dies bei den Feldgeräten: Oft fehlen intelligente Sensoren, Energiezähler oder moderne Regelventile für Transparenz und einen optimierten Betrieb. Die Folge: Anlagen laufen mit unnötigen Sicherheitsmargen, Energie wird verschwendet, und Potenziale bleiben unsichtbar. Nicht weil die Technologie fehlt. Sondern weil die Transparenz fehlt.

Genau hier setzt RetroFIT+ an. Bevor über grosse Investitionen entschieden wird, müssen Gebäude verstanden werden. Erst reale Betriebsdaten ermöglichen belastbare Prioritäten.

Optimieren kommt vor Renovieren

Eine grosse Fehlannahme lautet: Erst ersetzen, dann verbessern. Das führt oft zu überdimensionierten Anlagen, unnötigen Kosten und verpassten Potenzialen. Der Grundsatz von RetroFIT+ lautet deshalb: Optimieren kommt vor Renovieren. Bevor Millionen investiert werden, sollte klar sein, welches Potenzial bestehende Anlagen bieten. Das senkt Risiken und verbessert die Planung.

Wie relevant diese Reihenfolge ist, zeigt eine Studie des Bundesamts für Energie zum vorgezogenen Heizgruppenersatz. Untersucht wurde der

Einfluss optimierter Heizgruppen und hydraulischer Verhältnisse auf die spätere Dimensionierung. Das Ergebnis ist bemerkenswert: Durch vorgängige Optimierung konnte die erforderliche Leistung künftiger Wärmeerzeuger je nach Objekt um rund 12 bis 30 Prozent reduziert werden. Zugleich ergaben sich erhebliche Einsparungen; in einem Areal sanken die Investitionskosten einer Wärmepumpenlösung gegenüber klassischer Auslegung um rund 50 Prozent. Die Erkenntnis ist zentral: Der grösste Hebel liegt oft nicht beim neuen Wärmeerzeuger, sondern in vorgelagerten Systemen. Wer den tatsächlichen

Bedarf eines Gebäudes nicht kennt, investiert in Sicherheitsmargen. Wer zuerst misst, analysiert und optimiert, investiert gezielter.

Retrofit als strategisches

Instrument

Retrofit wird noch immer oft als technisches Einzelprojekt verstanden. Für institutionelle Eigentümer greift diese Sicht zu kurz. Portfolios bestehen aus Investitionszyklen, Budgetrestriktionen, ESG-Zielen und langfristigen Wertentwicklungen. RetroFIT+ versteht Retrofit deshalb als strategisches Instrument: nicht alles sofort ersetzen, sondern die richtigen Massnahmen zum richtigen Zeitpunkt identifizieren. Welche Liegenschaft bietet den grössten Hebel, welche Massnahme reduziert Energieverbrauch, CO₂-Emissionen und Betriebskosten, welche Investition schützt den Wert? Solche Fragen lassen sich mit Annahmen nicht überzeugend beantworten. Sie benötigen Daten, Transparenz und eine systematische Bewertung. So wird Retrofit zu einem Werkzeug der Portfoliosteuerung – pragmatisch, messbar und skalierbar.

Daten statt Annahmen

In der Industrie gilt: Was nicht gemessen wird, kann nicht verbessert werden. Dasselbe gilt für Gebäude.

Die Herausforderung besteht darin, die Potenziale der vorhandenen Infrastruktur konsequent zu erschliessen.

Viele Bestandsgebäude verfügen bis heute über zu wenige Messpunkte, unvollständige Betriebsdaten oder fehlende Transparenz über den tatsächlichen Energieverbrauch. Aus Sicht von Belimo wird Datenqualität deshalb zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor.

Nicht weil mehr Daten automatisch bessere Gebäude schaffen, sondern bessere Entscheidungen ermöglichen. Wer reale Lastprofile und Betriebszustände kennt, kann Investitionen priorisieren, Risiken minimieren und Wirkungen objektiv bewerten. Digitalisierung im Gebäude ist kein Selbstzweck. Sie ist die Voraussetzung dafür, den Bestand wirtschaftlich, nachhaltig und zukunftsfähig weiterzuentwickeln.

Vom Ersetzen zum Verstehen

Die Schweiz verfügt über hervorragende Ingenieurinnen und Ingenieure, innovative Unternehmen und eine international anerkannte Technologiebasis. Die nächste Herausforderung besteht darin, die Potenziale der vorhandenen Infrastruktur konsequent zu erschliessen. Wir müssen Gebäude zuerst verstehen, bevor wir sie ersetzen. Wir müssen messen, bevor wir investieren. Wir müssen optimieren, bevor wir renovieren.

Die Energiewende beginnt nicht mit maximalem Kapitaleinsatz, sondern mit Klarheit. Sie entscheidet sich nicht allein in neuen Quartieren, sondern in bestehenden Gebäuden. Dort, wo täglich Energie verteilt, geregelt, verbraucht oder eingespart wird.

Die wirtschaftliche Zukunft der Schweiz wird deshalb nicht nur durch Innovation geprägt. Sie wird durch die Fähigkeit bestimmt, aus dem Vorhandenen mehr zu machen. Genau darin liegt eine der grössten – und am meisten unterschätzten – Chancen unseres Industriestandorts.

VON DANIEL SENN

«Wenn Expertise auf Erfahrung trifft »

Procap begleitet Menschen mit Behinderungen seit fast 100 Jahren und bringt dieses Wissen im Rahmen von Corporate Partnerships direkt in Schweizer Industrieunternehmen. Was dabei entsteht, ist mehr als soziale Verantwortung: Es ist ein handfester Wettbewerbsvorteil in Zeiten, in denen qualifizierte Fachkräfte rar sind und die Anforderungen an Arbeitgeber steigen.

Gegründet 1930 als Schweizerischer Invaliden-Verband, ist Procap heute die grösste Selbsthilfe- und Mitgliederorganisation für Menschen mit Behinderungen in der Schweiz. Rund 25‘000 Mitglieder, mehr als 30 regionale Sektionen, über 20 Sportgruppen und ein Beratungsangebot, das von Sozialversicherungsrecht über hindernisfreies Bauen bis zu Bildung und Sensibilisierung reicht. Was Procap von anderen Organisationen unterscheidet, ist nicht die Breite des Angebots allein. Es ist die Tiefe der gelebten Erfahrung.

Denn Procap arbeitet mit Menschen, die selbst mit einer Behinderung leben. Das ist kein Zufall, sondern Programm. Wer weiss, wie sich ein Drehtürgriff für jemanden mit eingeschränkter Griffkraft anfühlt, erklärt Barrierefreiheit anders. Wer den Gang durch ein IV-Verfahren aus eigener Anschauung kennt, berät anders. Und wer erlebt hat, wie ein schlecht angepasster Arbeitsplatz täglich Energie kostet, die eigentlich in die Arbeit fliessen sollte, denkt Lösungen konkreter.

Rund 1,8 Millionen Menschen leben in der Schweiz mit einer Behinderung. Viele sind qualifiziert ausgebildet, verfügen über langjährige Berufserfahrung und brächten wertvolle Kompetenzen in Unternehmen ein. Dass dieses Potenzial bislang zu wenig genutzt wird, liegt selten an fehlendem Willen, sondern an fehlender Orientierung. Genau hier setzt Procap an: als Corporate Partner, der nicht nur Absichten begleitet, sondern konkrete Umsetzung ermöglicht.

Barrieren finden – und abbauen

In vielen Industriebetrieben entscheidet sich die Frage der Barrierefreiheit noch immer im Nachhinein. Ein Mitarbeiter verunfallt, eine Mitarbeiterin erkrankt schwer und plötzlich muss ein Gebäude angepasst werden, das nie dafür gedacht war. Die Kosten sind hoch, die Lösungen oft unbefriedigend, und der Zeitdruck macht gute Entscheidungen schwieriger. Procap Bauen setzt früher an.

Im Rahmen von Corporate Partnerships hilft Procap Unternehmen bei der systematischen Erfassung ihres Gebäudebestands, beurteilt Anlagen hinsichtlich hindernisfreier Zugänglichkeit und schlägt Massnahmen vor, die sich

sinnvoll in laufende Sanierungen oder Neubauprojekte integrieren lassen. Die gemeinsame Begehung von Unternehmen und deren Gebäuden hilft dabei, individuelle Lösungen zu finden: einen rollstuhlgerechten Sanitärbereich, einen Türautomaten, einen Treppenlift oder eine ergonomisch angepasste Workstation für Menschen mit Sprech-, Hör- oder Sehbehinderung. Hilfsmittelversorgung, Arbeitsplatzanpassungen, Mobilitätslösungen: Die Invalidenversicherung beteiligt sich in vielen Fällen an den Kosten. Barrierefreie Umgebungen verbessern überdies die Arbeitsbedingungen für alle Mitarbeitenden, nicht nur für Menschen mit Behinderungen. Ältere Mitarbeitende profitieren ebenso wie Personen nach einem Unfall oder einer Operation. Ergonomische Arbeitsplätze senken krankheitsbedingte Ausfälle. Gute Zugänglichkeit erhöht Sicherheit und Effizienz.

Hilfe in zwei Richtungen

Ein Corporate Partnership zwischen Unternehmen und Procap wirkt in zwei Richtungen. Es erhöht das Verständnis und die aktive Hilfe für Menschen mit Behinderungen im Unternehmen – und

bringt die Arbeit von Procap weiter. Die meisten Führungskräfte und Mitarbeitenden begegnen Menschen mit Behinderungen im beruflichen Alltag kaum. Was daraus entsteht, ist keine böse Absicht, sondern Unsicherheit. Soll man helfen oder nicht? Wie spricht man jemanden an, der schlecht hört? Was tut man, wenn jemand im Rollstuhl Hilfe braucht oder eben keine? Was, wenn eine Situation eskaliert, weil eine Geste falsch verstanden wurde?

Diese Unsicherheit ist menschlich. Sie ist aber auch kostspielig: Sie führt zu Rückzug, zu übertriebener Fürsorge, zu peinlichen Momenten und letztlich dazu, dass Menschen mit Behinderungen im Arbeitsumfeld weniger gut integriert werden, als möglich wäre.

Genau hier setzt das Weiterbildungsangebot von Procap an, das ebenfalls im Rahmen eines Corporate Partnership stattfindet. Die Schulungsmodule zu Umgang und Kommunikation mit Menschen mit Behinderungen werden von Moderierenden geleitet, die selbst mit einer Behinderung leben, ob Seh-, Hör- oder Mobilitätsbehinderung, Autismus, Trisomie 21, Epilepsie oder psychischen Beeinträchtigungen. Sie berichten nicht aus Lehrbüchern,

«Gerade für Industrieunternehmen, die unter Fachkräftemangel leiden und gleichzeitig ihre gesellschaftliche Verantwortung stärker sichtbar machen wollen, eröffnet die Zusammenarbeit mit Procap eine doppelte Chance.»

sondern aus ihrer eigenen Lebensrealität. Und sie ermöglichen praktische Übungen, die im Betrieb tatsächlich anwendbar sind: konkrete Handgriffe, behinderungsspezifische Kommunikationstechniken, realitätsnahe Szenarien aus dem Arbeitsalltag. Das Ergebnis ist messbar: Mitarbeitende handeln souveräner, Hemmschwellen sinken, die Qualität im Umgang mit Kund:innen und Kolleg:innen mit Behinderungen steigt nachweislich. Teams, die diesen Schritt gemacht haben, berichten von einer veränderten Atmosphäre: offener, sicherer, produktiver. Und Unternehmen, die ihren Mitarbeitenden dieses Wissen mitgeben, positionieren sich als Arbeitgeber, bei dem Haltung nicht nur im Leitbild steht, sondern im Alltag erlebbar ist. Die Schulungsmodule werden grundsätzlich vor Ort durchgeführt, sind praxisbezogen und auf die spezifischen Bedürfnisse des Unternehmens zugeschnitten. Procap entwickelt auf Wunsch auch massgeschneiderte Programme für Industriebetriebe mit Schichtbetrieb ebenso wie für Unternehmen mit intensivem Kundenkontakt.

Sozialversicherungsrecht: Wenn es wirklich darauf ankommt Spätestens wenn ein Mitarbeitender längere Zeit krankheitsbedingt ausfällt, wird das Sozialversicherungsrecht zu einem entscheidenden Thema. Fragen zur IV-Anmeldung, zu Leistungen für Arbeitsplatzanpassungen oder zur Wiedereingliederung verlangen spezialisiertes Fachwissen. Für HR-Verantwortliche gehören solche Fragestellungen selten zum Alltag, ihre Auswirkungen auf Mitarbeitende und Unternehmen sind jedoch erheblich.

Procap begleitet Unternehmen und ihre Mitarbeitenden mit langjähriger Expertise im Sozialversicherungsrecht. Der Rechtsdienst unterstützt bei komplexen IV-Verfahren, berät HR-Abteilungen bei rechtlichen Fragestellungen und begleitet Betroffene auch in Streitfällen mit Behörden. Die Verbindung aus juristischem Fachwissen und dem

Steckbrief

Procap Schweiz Gegründet 1930 als Schweizerischer Invaliden-Verband. Heute grösste Selbsthilfe- und Mitgliederorganisation für Menschen mit Behinderungen in der Schweiz mit rund 25‘000 Mitgliedern in über 30 regionalen Sektionen. Angebote für Unternehmen: hindernisfreie Bauberatung durch eigene Architekt:innen, Weiterbildungen zu Umgang und Kommunikation mit Menschen mit Behinderungen, Sozialversicherungsrechtliche Beratung und Rechtsschutz für HR und Mitarbeitende.

Mehr Informationen unter procap.ch

Schwyter, Co-Geschäftsleiterin

Verständnis für die Lebensrealität von Menschen mit Behinderungen ermöglicht praxisnahe Lösungen und schafft Sicherheit für Unternehmen wie auch für ihre Mitarbeitenden.

Inklusion als Markenkern Was Procap Unternehmen anbietet, ist kein Massnahmenpaket für den Imageprospekt. Es ist eine Partnerschaft, die dort ansetzt, wo Inklusion wirklich entsteht: in Gebäuden, die zugänglich sind. In Teams, die wissen, wie sie miteinander umgehen. In Prozessen, die rechtlich abgesichert sind. Und in einer Unternehmenskultur, die nicht nur auf dem Papier für Vielfalt steht, sondern diese im Alltag erlebbar macht. Gerade für Industrieunternehmen, die unter Fachkräftemangel leiden und gleichzeitig ihre gesellschaftliche Verantwortung stärker sichtbar machen wollen, eröffnet die Zusammenarbeit mit Procap eine doppelte Chance: Sie erschliessen Talentpools, die Mitbewerber übersehen. Und sie stärken ihr Profil als Arbeitgeber, dem Inklusion nicht als PR-Thema, sondern als Führungsprinzip gilt.

Fast 100 Jahre Erfahrung in der Begleitung und Unterstützung von Menschen mit Behinderungen lassen sich nicht replizieren. Procap bringt diese Erfahrung in die Schweizer Industrie und macht daraus etwas, das weit über Corporate Social Responsibility hinausgeht: einen echten, messbaren Beitrag zur Zukunftsfähigkeit des Werkplatzes Schweiz.

VON SABINA SCHWYTER
Sabina
von Procap Schweiz
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