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Geschichte4_2026_Web

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GESCHICHTE FÜR ALLE

Monyk, Schreiner

www.eS quirrel.at

GESCHICHTE FÜR ALLE

Elisabeth Monyk, Eva Schreiner

bearbeitet von Eva Schreiner

Lade die eSquirrel Lern-App auf dein Smartphone, wähle dieses Buch aus, gib den Code ein und los geht’s!

GPALLE4

Dieses Buch ist laut Bescheid des Bundesministeriums für Bildung vom 17. 12. 2025 (GZ: 2025-0.207.933) gemäß § 14 Abs. 2 und 5 des Schulunterrichtsgesetzes, BGBL. Nr. 472/86, und gemäß den derzeit geltenden Lehrplänen als für den Unterrichtsgebrauch für die43. Klasse an Mittelschulen und für die 4. Klasse an allgemein bildenden höheren Schulen - Unterstufe im Unterrichtsgegenstand Geschichte und Politische Bildung (Lehrplan 2023) geeignet erklärt.

Deine Übungs-App:

Auf eSquirrel findest du zu jedem Kapitel viele Übungen.

Häufig verwendete Abkürzungen:

Abb: Abbildung

D: Darstellung

K: Karte

ÖNB: Österreichische Nationalbibliothek

OeNB: Österreichische Nationalbank

Q: Quelle

KHM: Kunsthistorisches Museum (Wien) RZ: Rekonstruktionszeichnung

NHM: Naturhistorisches Museum (Wien)

Umschlagbilder: Christian Monyk (3 x), Elisabeth Monyk

Schulbuchnummer: 225.955 © Olympe Verlag GmbH, Oberwaltersdorf, 2026

Alle Rechte vorbehalten

Vervielfältigungen jeder Art gesetzlich verboten 1. Auflage (2026)

Lektorat: Marion Ramell, BA Umschlaggestaltung, Satz, Layout: Raoul Krischanitz, Wien, transmitterdesign.com Sprecherin/Sprecher der Hörbeispiele: Roswitha Szyszkowitz, Clemens Matzka Grafik: Raoul Krischanitz, transmitterdesign.com Druck, Bindung: Druckerei Berger, Horn Bildrechte: © Bildrecht/Wien, 2026

ISBN: 978-3-903578-00-5

ZWEITE REPBULIK ÖSTERREICH

SOZIALE UNGLEICHHEITEN

1. Soziale Ungleichheiten – Was bedeutet das?

2. Strategien gegen soziale Ungleichheit

3. Die Sozialpartnerschaft – Zusammenarbeit für alle

M4: Eine Umfrage durchführen

4. Wandel der Werte – Warum sich unsere Gesellschaft verändert

5. Migration und Integration – Herausforderung und Chance

6. Nachhaltigkeit und die Zukunft unserer Gesellschaft 109 KOMPETENZ-CHECK/BUCHTIPPS

GESCHICHTE UND ERINNERUNG

1. Gesellschaften erinnern sich

2. Erinnerungskulturen

3. Österreichs Umgang mit der NS-Zeit

4. Umgang mit dem Zweiten Weltkrieg in Jugoslawien und den Nachfolgestaaten

GLOBALISIERUNG IM 20. UND 21. JH.

1. Die Vereinten Nationen – ein Friedensprojekt

2. Der Kalte Krieg

3. Weltweite Konflikte in der Zeit des Kalten Krieges

4. Globalisierung

5. Schattenseiten der Globalisierung

6. Die Entkolonialisierung

7. Inter- und transkulturelle

EUROPÄISIERUNG

1. Was ist Europa?

2. Auf dem Weg zur Europäischen Integration

3. Das Jahr 1989 verändert Europa

4. Österreich wird Mitglied der EU

GESELLSCHAFTLICHER WANDEL

1. Jugendkulturen – Wie Jugendliche die Welt verändern

2. Soziale Bewegungen verändern unsere Gesellschaft

3. Antirassistische Bewegungen und politische Partizipation 158

4. Formen von Extremismus und Populismus in Österreich 159

5. „Antisemitismus heute“ – Erkennen, Verstehen, Handeln 160

6. Neue Herausforderungen: Globalisierung und Arbeitsmarkt 161 KOMPETENZ-CHECK/BUCHTIPPS 164

POLITISCHE MITBESTIMMUNG

1. Alle Menschen sind frei und gleich 165

2. Politische Partizipation 169 BONUS-SEITE: Mitbestimmung in der EU 171

3. Möglichkeiten der Mitbestimmung

MEDIEN UND POLITISCHE KOMMUNIKATION

1. Massenmedien und ihre Aufgaben 176

2. Politik als Inszenierung – Mediendemokratie 180 KOMPETENZ-CHECK/BUCHTIPPS 186

MEINE BUCH-RALLYE

Damit du dein neues Buch besser kennenlernst, haben wir 11 Aufgaben für dich zusammengestellt. Nach ihrer Lösung wirst du dich bestens in deinem Buch zurechtfinden.

1. INHALTSVERZEICHNIS: Schlage das Inhaltsverzeichnis in deinem Buch auf! Die mit Großbuchstaben in Farbe geschriebenen Überschriften sind die Hauptthemen. Lies sie durch! Welches Thema interessiert dich am meisten? Schreibe es auf!

2. FLIEßTEXT: Auf den Textseiten erhältst du einen ersten Einblick in die verschiedenen Themen, mit denen du dich im Unterricht beschäftigen wirst. So erfährst du auf S. 145 wie die EU wuchs.

Notiere die Erweiterungsschritte der EU!

3. INFORMATION: Im Fließtext und in den Seitenspalten findest du immer wieder zusätzliche Informationen, die dein Wissen erweitern. Gib den Titel der Zusatzinformation auf S. 15 an!

4. SEITENSPALTEN: Sie sind wirklich interessant für dich, denn dort findest du...

...Erklärungen für die im Fließtext orange markierten Wörter! Suche die Erklärung für „Mindeststandards“ im 7. Großkapitel „Globalisierung im 20. und 21. Jh.“ und schreibe sie auf!

Erörtert anhand von Normen, die euch selbst betreffen, was bei ihrer Übertretung geschehen kann!

analysieren: etwas genau betrachten; zerlegen

...Aufgaben mit einem Symbol in Grün, Blau und Magenta. Die Farben zeigen dir, ob du etwas Gelerntes wiederholen, anwenden oder darüber nachdenken sollst. Suche in den Seitenspalten drei Aufgabenbeispiele pro Kategorie und notiere die verwendeten Operatoren (= Handlungsanweisungen)!

5. SCHRIFTLICHE QUELLEN UND DARSTELLUNGEN: Viele Aufgaben, die es zu lösen gilt, beziehen sich auf schriftliche Quellen oder Darstellungen. Sie sind im Buch farbig umrandet und mit Q oder D gekennzeichnet. Blättere zu S. 162 und schreibe den Artikel 1 der Menschenrechtserklärung auf!

6. BILDLICHE QUELLEN UND DARSTELLUNGEN: Im Buch gibt es auch viele Fotos, Gemälde, Karikaturen und Grafiken. Sie sind auch nummeriert und oft mit Aufgaben versehen! Gehe auf S. 98 und schreibe auf, was als Bildunterschrift bei der Grafik steht!

Bildlegende:

7. AUFGABEN: Fast jedes Unterkapitel endet mit der oder den Seite(n) „Nun geht’s los – Aufgaben für schlaue Köpfe“ . Hier kannst du dein Wissen und Können testen und die neu erworbenen Kompetenzen (gekennzeichnet durch die drei Farben) anwenden. Gehe auf S. 60 und schreibe auf, wie die Anleitung zu Aufgabe 2 lautet!

8. METHODENSEITEN : Sie zeigen dir Schritt für Schritt, wie du arbeiten sollst! Suche die Methodenseite POLITISCHE REDEN ANALYSIEREN UND INTERPRETIEREN und schreibe auf, was du bei Schritt 3 machen sollst!

SCHRITT 3:

9. BONUS-SEITE : Diese kannst du machen, musst aber nicht. Du kannst sie auch für die Vorbereitung zu einem Referat verwenden. Gehe zur Bonus-Seite „Mitbestimmung in der EU“ und nenne die wesentlichen Werte der EU!

10. KOMPETENZ-CHECK & BUCHTIPPS: Am Ende jedes Großkapitels kannst du selbst einschätzen, was du kannst. Hier findest du auch Buchtipps zum Vertiefen deiner Kenntnisse. Gehe zum Kompetenzcheck „MEDIEN UND POLITISCHE KOMMUNIKATION“ und gib an, wie die Autorin des Buches „Lügen im Netz“ heißt!

11. In deinem Buch gibt es auch Hörbeispiele. Scanne mit deinem Handy den QR-Code ein und höre dir an, was es Interessantes zu erfahren gibt! Du findest Hörbeispiele auf S. 26, S. 33 und S. 77.

1. DIE REPUBLIK ÖSTERREICH ENTSTEHT

Die Ausrufung der Republik

Am 12. November 1918 kam es vor dem Parlament zur Ausrufung der Republik Deutschösterreich. Dieser Name wurde nach den Friedensverträgen von St. Germain 1919 in Republik Österreich geändert.

Die Staatsfarben der neuen Republik waren Rot-Weiß-Rot. Unter dem sozialdemokratischen Staatskanzler Renner wurden eine provisorische Verfassung sowie eine neue Wahlordnung ausgearbeitet.

Die ersten Wahlen

Ausrufung, die: öffentliche Verkündigung

Staatskanzler, der: Kanzler und Präsident in einer Person provisorisch: vorläufig; vorübergehend

Abb. 1: Beschreibe, was auf dem Foto zu sehen ist! Achte dabei auf die Gebäude, die vielen Menschen, Fahnen oder Symbole! Welche Details fallen dir besonders auf?“

Versetze dich in eine Person auf dem Bild: Wie könnte sie sich an diesem Tag gefühlt haben? Schreibe 3–5 Sätze in der Ich-Form.“

Beurteile, warum die Ausrufung der Republik 1918 für viele Menschen so bedeutend war (z. B. Ende der Monarchie, keine Herrschaft des Kaisers mehr, neue Mitbestimmungsmöglichkeiten).

Mit der neuen Wahlordnung vom 27. November 1918 wurde das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht auch auf die Frauen ausgedehnt. Am 16. Februar 1919 fand die erste Wahl nach dem neuen Wahlrecht statt. Diese Grafik zeigt dir das Wahlergebnis dieser Wahl zur Konstituierenden Nationalversammlung, die ab 1920 vom Nationalrat abgelöst wurde:

Nationalrat, der: eine der beiden Kammern des österreichischen Parlaments. Er besteht aus 183 Abgeordneten, die von allen wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürgern gewählt werden. Im Nationalrat werden Gesetze beschlossen und die Regierung kontrolliert.

Mandat, das: Sitz oder Amt eines Abgeordneten

Sozialdemokratische Partei

Christlichsoziale Parteien

Abb. 2: Wahlergebnis in Prozenten und Mandaten

ACHTUNG: Die Zahlen in den Balken geben die Mandate der Parteien an.

Deutschnationale Parteien

Sonstige Parteien

Aufgrund dieses Wahlergebnisses bildeten die Sozialdemokraten mit den Christlichsozialen eine Koalition. Doch bereits 1920 gab es Neuwahlen, bei denen die Sozialdemokraten die Mehrheit verloren. Bis 1934 bildete die Christlichsoziale Partei Koalitionen mit anderen Parteien, während die Sozialdemokratische Partei in Opposition war.

Deutschnationale, die der: Anhängerin oder Anhänger nationalistischer Bewegungen der deutschsprachigen Bevölkerung Österreich-Ungarns

Koalition, die: zwei oder mehrere Parteien regieren gemeinsam.

Opposition, die: alle Parteien im Nationalrat, die nicht an der Regierung beteiligt sind

Abb. 2: Begründe, warum es sich bei einer Grafik immer um eine Darstellung handelt!

Reflektiere: Warum war es für viele Menschen damals ein großer Schritt, dass auch Frauen wählen durften? Welche Gruppen sind heute vielleicht noch immer von Mitbestimmung ausgeschlossen?

Abb. 1: Ausrufung der Republik vor dem Parlament Wien, 12. 11. 1918 (Verein für die Geschichte der Arbeiterbewegung)

2. DIE ERSTE REPUBLIK ÖSTERREICH: WIE

ALLE MENSCHEN MEHR MITBESTIMMEN KONNTEN

Beschreibe in deinen eigenen Worten, was eine Verfassung ist und warum sie wichtig für ein Land ist!

Erkläre in einfachen Worten: Was bedeutet Demokratie? Tipp: Denke an „Mitbestimmen“, „Wahlen“, „Rechte“!

Abb. 1: Hans Kelsen – Die Verfassung von 1920 wurde von ihm entscheidend mitgestaltet. (ÖNB, Bildarchiv Austria) Entwickle eigene Vorschläge, wie Jugendliche in Zukunft mehr Einfluss auf Politik haben könnten!

Abb. 2: Beschreibe die Grafik mit eigenen Worten!

Erkläre den Aufbau der Demokratie! Beschreibe mithilfe der Grafik,

• welche Rolle das Volk,

• der Nationalrat und Bundesrat,

• die Bundesregierung und

• die Gerichte im politischen System Österreichs spielen!

Übertrage die Idee auf die Schule! Auch in der Schule gibt es Regeln für ein gutes Zusammenleben. Nenne zwei Regeln, die es in deiner Schule gibt! Erkläre, warum diese Regeln für ein faires und respektvolles Zusammenleben wichtig sind!

Nach dem Ersten Weltkrieg war in Österreich vieles anders. Das Kaiserreich, in dem ein Kaiser die Staatsform bestimmte (Monarchie), gab es nicht mehr. Stattdessen wurde im November 1918 die Republik ausgerufen. Republik bedeutet: Es gibt keinen Kaiser oder König mehr, sondern das Staatsoberhaupt wird gewählt.

Damit begann auch ein Wandel der Regierungsform: Das Land sollte demokratischer gestaltet werden, also mit mehr Mitbestimmung der Bevölkerung. Dafür brauchte es eine neue Verfassung.

Was ist eine Verfassung?

Eine Verfassung ist wie ein Plan oder ein Vertrag. Sie erklärt, wie ein Land funktioniert. In der Verfassung steht:

2 Wer das Land regiert (zum Beispiel der Bundespräsident und die Regierung),

2 wie Entscheidungen getroffen werden (zum Beispiel durch Abstimmungen im Parlament),

2 und welche Rechte alle Menschen haben (zum Beispiel das Recht auf Meinungsfreiheit oder Bildung).

Die Verfassung der Ersten Republik 1920 bekam Österreich seine erste demokratische Verfassung. Diese war besonders wichtig, weil:

2 jede Staatsbürgerin und jeder Staatsbürger wählen durfte – auch Frauen! Das war vorher nicht so.

2 alle Menschen gleichberechtigt waren. Das bedeutete, dass niemand besser oder wichtiger war als andere, nur weil er reich oder adelig war.

2 es keine Herrscher mehr gab, sondern die Abgeordneten vom Volk gewählt wurden.

Die Verfassung sorgte dafür, dass alle Menschen in Österreich mehr mitbestimmen konnten. Das nennt man Demokratie. Auch heute wird diskutiert, wie Demokratie in Zukunft noch besser funktionieren kann – etwa durch digitale Beteiligung oder stärkere Mitbestimmung von Jugendlichen

Die Organe nach der Bundesverfassung

Das Volk

Gesetzgebende Körperschaften:

Österreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volke aus.

Abb. 2: Die Verfassung von 1920

Bundesversammlung wählen

vollziegende Gewalt: Bürgen der Verfassung: durch unabhängige Gerichte Bundesregierung Verwaltung

Bundespräsident Nationalrat + Bundesrat Landtage Gemeinderäte

Landesregierungen Ortsvorstände

Verfassungsgerichtshof Verwaltungsgerichtshof

Rechnungshof Gerichtshof

Die Verfassung von 1929

Im Jahr 1929 wurde die österreichische Verfassung, die seit 1920 galt, stark verändert. Viele Menschen waren unzufrieden damit, wie die Regierung arbeitete. Deshalb sollte die Verfassung so geändert werden, dass Österreich besser auf Krisen reagieren konnte. Die wichtigste Neuerung war, dass der Bundespräsident mehr Macht und Aufgaben bekam. Was wurde 1929 geändert?

Direktwahl: Der Bundespräsident wurde nicht mehr vom Parlament, sondern direkt vom Volk gewählt. Das war etwas Besonderes, weil dadurch die Bürgerinnen und Bürger selbst bestimmen konnten, wer dieses Amt übernimmt. Ein direkt gewählter Präsident sollte mehr Vertrauen und Rückhalt im Volk haben.

Ernennung des Bundeskanzlers: Der Bundespräsident durfte den Bundeskanzler ernennen. Der Kanzler ist der Chef der Bundesregierung und verantwortlich für die politische Arbeit im Land.

Auflösung des Nationalrats: In Krisenzeiten konnte der Bundespräsident den Nationalrat auflösen – allerdings nicht ganz alleine, sondern auf Vorschlag der Bundesregierung. Danach mussten Neuwahlen stattfinden.

Einfluss auf Regierung und Gesetze: Der Bundespräsident durfte die Bundesregierung entlassen und spielte eine wichtige Rolle bei der Bestätigung von Gesetzen, die Nationalrat und Bundesrat beschlossen.

Die Verfassungsänderung von 1929 gab dem Bundespräsidenten also mehr Macht. Trotzdem blieb das Parlament – bestehend aus Nationalrat und Bundesrat – ein sehr wichtiges Organ der Demokratie.

Die Verfassung von 1929 war eine große Veränderung für Österreich. Sie gab dem Bundespräsidenten mehr Macht, aber das Parlament blieb ein wichtiges Organ der Demokratie. Diese Änderungen zeigen, wie sich ein Land an neue Herausforderungen anpassen kann.

Bis heute wird überlegt, welche Aufgaben und Befugnisse ein Bundespräsident oder eine Präsidentin in Zukunft haben sollte

Die Organe nach der Bundesverfassung

Österreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volke aus.

Stelle die Änderungen von 1929 in Form eines Comics dar! Zeichne mindestens vier Bilder, die zeigen, wie der Bundespräsident vor und nach 1929 handelte! Beschrifte die Bilder mit kurzen Erklärungen!

Beurteilt in Partnerarbeit, welche Regeln eine Verfassung heute unbedingt enthalten sollte, damit Jugendliche gut leben können (z. B. Bildung, Klima, digitale Rechte)1

Diskutiert in Gruppen: Sollte der Bundespräsident in Zukunft mehr oder weniger Macht haben? Begründet eure Meinung!“

Diskutiert weiterhin: Was könnte gefährlich daran sein, wenn ein einzelner Mensch (z. B. der Bundespräsident) sehr viel Macht bekommt? Notiere zwei mögliche Probleme!

Abb. 2 + 3: Gestaltet gemeinsam in Kleingruppen ein PodcastGespräch (z. B. Interview mit Hans Kelsen oder einer Bürgerin von 1920). Besprecht, warum die Verfassung wichtig ist!

Gesetzgebende Körperschaften:

Erarbeitet in Kleingruppen eine Tabelle zu den Unterschieden 1920/1929. Jede Gruppe übernimmt eine Spalte (1920 oder 1929). Präsentiert die Ergebnisse in der Klasse. Führt anschließend eine Diskussion: Welche Verfassung würdet ihr bevorzugen und warum? Begründet eure Entscheidung!!

Abb. 3: Die Verfassung von

3. SOZIALGESETZGEBUNG IN DER ERSTEN REPUBLIK

Abb. 1: Republikdenkmal:

Hanusch-Büste von Mario Petrucci nach einem Entwurf von Carl Wollek

Lies den Text über die Sozialgesetze und beantworte die Fragen: Welche Verbesserungen brachten sie für die Menschen? Welche Rolle spielte Ferdinand Hanusch dabei?

Erstelle eine eigene Darstellung über den Alltag einer Arbeiterfamilie vor und nach den Sozialgesetzen (z. B. Arbeitszeit, Urlaub, Kinderarbeit, Sicherheit). Schreibe dazu einen Tagebucheintrag aus Sicht eines Familienmitglied! Viele Regelungen von damals gelten auch heute noch, wie der 8-Stunden-Tag oder die Arbeitslosenversicherung

Untersuche, was sich seit den Sozialgesetzen verbessert hat, und stelle dar, welche Probleme es heute noch für Menschen am Arbeitsplatz gibt!

Arbeitet einzeln und sammelt eure Vorschläge. Stellt sie in einer „Zukunftswerkstatt“ in Kleingruppen vor. Diskutiert: Welche Vorschläge sind realistisch? Welche würden heute die meisten Menschen unterstützen? Legt die drei besten Ideen für die Klasse fest (Abstimmung).

Zwischen 1918 und 1920 passierte in Österreich etwas Wichtiges: Es wurden viele neue Gesetze beschlossen, die das Leben der arbeitenden Menschen besser machten. Diese Gesetze nennt man Sozialgesetze, weil sie die Lebensbedingungen der Beschäftigten – also von Arbeiterinnen, Arbeitern und Angestellten – und ihrer Familien verbesserten. Der Mann, der dafür verantwortlich war, war Staatssekretär Ferdinand Hanusch.

Was wurde verändert?

Entwirf eine oder mehrere neue Regeln, die die Arbeitsbedingungen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Zukunft verbessern könnten. Begründe kurz, warum deine Vorschläge sinnvoll sind.

1. Weniger Arbeit und mehr Schutz für Frauen und Kinder:

2 Frauen und Jugendliche durften in der Nacht nicht mehr arbeiten. Das sollte sie vor Überlastung schützen.

2 Kinderarbeit wurde für Kinder unter 12 Jahren verboten. Kinder sollten in die Schule gehen können und nicht hart arbeiten müssen.

2. Der Arbeitstag wurde kürzer:

2 Es wurde festgelegt, dass ein Arbeitstag nur noch 8 Stunden dauern darf. Vorher mussten viele Menschen viel länger arbeiten.

3. Bezahlter Urlaub für Beschäftigte

2 Alle Arbeiterinnen und Arbeiter bekamen das Recht auf bezahlten Urlaub –das waren 14 Tage im Jahr. Damit hatten die Menschen Zeit, sich auszuruhen und mit ihren Familien zu entspannen.

4. Hilfe bei Arbeitslosigkeit:

2 Es wurde eine Arbeitslosenversicherung eingeführt. Wenn jemand keine Arbeit hatte, bekam er Geld, um trotzdem leben zu können.

5. Faire Arbeitsverträge:

2 Es gab neue Kollektivverträge, die für faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen sorgten. Diese Verträge wurden zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmervertretern ausgehandelt.

6. Interessenvertretungen:

2 Es wurden Kammern für Arbeiter und Angestellte gegründet. Diese Organisationen sollten die Rechte der Beschäftigten vertreten und ihnen helfen.

7. Bessere Gesundheit und Sicherheit:

2 Die Kranken- und Unfallversicherung wurde verbessert. Beschäftigte waren dadurch bei Krankheit oder einem Arbeitsunfall besser abgesichert.

2 Außerdem wurde eine Altersversicherung entwickelt, damit Menschen auch im Ruhestand versorgt waren.

Mit diesen Gesetzen war Österreich eines der ersten Länder, das so viel für die Rechte der Arbeiterinnen und Arbeiter getan hat. Viele andere Länder schauten sich die Ideen ab und machten es ähnlich.

Warum ist das wichtig?

Die Sozialgesetze verbesserten damals das Leben vieler Menschen: Arbeit wurde gerechter, sicherer und menschenfreundlicher. Regelungen wie der 8-Stunden-Tag oder bezahlter Urlaub sind bis heute selbstverständlich. Dennoch müssen Arbeitszeit, Urlaubsansprüche und Arbeitsschutz auch in Zukunft immer wieder angepasst werden – etwa durch die Digitalisierung oder neue Arbeitsformen.

M1 PLAKATE ANALYSIEREN

Die ersten Plakate entstanden mit der Erfindung von verschiedenen Drucktechniken (z.B. Holzschnitt). Bei Plakaten unterscheidet man zwischen jenen mit

reinem Informationscharakter (z.B. öffentliche Kundmachungen) und jenen, die eine Wirkung bei den Betrachtern erreichen wollen (z. B. Wahlplakate)

1. SCHRITT: Betrachte das Plakat aufmerksam

Nimm dir Zeit, das Plakat in Ruhe anzuschauen. Beantworte dabei folgende Fragen:

Was fällt dir sofort auf? Gibt es etwas, das besonders hervorsticht?

Was ist der Blickfang des Plakats? Ist es ein Bild, ein Text oder eine Farbe?

Welche Gefühle weckt das Plakat in dir? Fühlst du dich fröhlich, nachdenklich oder vielleicht sogar ängstlich?

Notiere deine ersten Eindrücke, ohne zu viel nachzudenken!

2. SCHRITT: Beschreibe, was du sehen kannst

D

Beschreibe alles, was auf dem Plakat zu sehen ist:

Wer oder was ist dargestellt? Personen, Symbole, Gegenstände?

Welche Farben wurden benutzt? Gibt es auffällige Farbkontraste?

Wie ist der Text gestaltet? Achte auf Schriftgröße, Schriftart und das Verhältnis von Text und Bild. Welche Haltung haben die dargestellten Personen?

Bleib bei diesem Schritt neutral und beschreibe nur, was wirklich sichtbar ist!

3. SCHRITT: Beurteile den Inhalt des Plakats

D

Welche Botschaft soll das Plakat vermitteln?

Wird hier eine Meinung vertreten oder nur informiert? Welche Meinung oder Information wird vermittelt? Welche politischen oder gesellschaftlichen Einstellungen zeigt das Plakat? In welchem sozialen oder politischen Umfeld ist das Plakat entstanden? Welche Ängste oder Hoffnungen soll das Plakat ansprechen? Gibt es Unterschiede zu Plakaten, wie wir sie heute kennen?

4. SCHRITT: Analysiere und fasse deine Ergebnisse zusammen

D 1

Jetzt führe deine Beobachtungen und Beurteilungen zu einer klaren Analyse zusammen! Beantworte dabei folgende Fragen in einer strukturierten Übersicht:

A. Inhaltliche Analyse

• Was will das Plakat erreichen? Soll es Menschen informieren, eine bestimmte Meinung verbreiten oder sogar manipulieren?

• Welche Botschaft steckt dahinter? Was sagt das Plakat über die Zeit und die Gesellschaft aus, in der es entstanden ist?

B. Visuelle Analyse

• Wie wirken die Bilder und Texte zusammen? Unterstützt die Gestaltung die Botschaft?

• Welche Wirkung haben Farben, Symbole und Größenverhältnisse?

C. Wirkung auf die Betrachterinnen und Betrachter

• Welche Emotionen könnte das Plakat bei den Menschen auslösen?

• Welche Reaktion will es hervorrufen? Soll das Plakat motivieren, überzeugen oder einschüchtern?

D. Kritische Einschätzung

• Wie effektiv ist das Plakat in seiner Wirkung? Wird die Botschaft klar vermittelt, oder bleibt etwas unverständlich?

• Was könnte heute anders gestaltet werden, damit das Plakat weiterhin wirkt?

Wähle eines der Plakate dieses Kapitels aus und untersuche es Schritt für Schritt! Deute anschließend das Plakat und fasse deine Ergebnisse in einer übersichtlichen Form zusammen!

4. WIRTSCHAFTLICHE PROBLEME DER ERSTEN REPUBLIK

Inflation, die: das Geld verliert rasch an Wert

Krone, die: österreichische Währung von 1892 bis 1924; 1 Krone entsprach 100 Heller appellieren: sich nachdrücklich mit einer Aufforderung an jemanden wenden

Q1: Appell Seipels an den Völkerbund (Genf, 6. 9. 1922)

Ehe das Volk Österreichs in seiner Absperrung zugrunde geht, wird es alles tun, um die Schranken und Ketten, die es beengen und drücken, zu sprengen. Dass dies ohne Erschütterung des Friedens und ohne die Beziehungen der Nachbarn untereinander zu trüben geschehe, dafür möge der Völkerbund sorgen.

Aus: Rauscher, Walter: Das Scheitern Mitteleuropas: 1918 – 1939. Wien (2016), S. 62.

Abb. 1: Recherchiere die heutigen Preise für 1 Kilo Brot, 1 Kilo Schweinefleisch und eine Tageszeitung! Trage die aktuellen Preise in die Tabelle ein!

Q1: Erkläre folgende Begriffe im Textzusammenhang!

Absperrung – Schranken –Ketten

Erläutere, welchen Grund Seipel für seine Bitte um Gewährung einer Unterstützung angibt!

Abb. 2: Formuliere Fragen, welche du an den Gestalter aber auch den Auftraggeber des Plakates stellen möchtest!

Schilling, der: österreichische Währung (1925 – 2002); Wert: 13,7603 Schilling=1€

Diskutiert in der Klasse: Glaubt ihr, dass wir in Zukunft noch Bargeld haben werden?

Warum (nicht)

Der Friedensvertrag von St. Germain nach dem Ersten Weltkrieg sah für Österreich Reparationszahlungen in Form von Waren sowie Geldleistungen vor. Die wirtschaftliche Situation in Österreich war aber so schwierig, dass Österreich diese Zahlungen nicht leisten konnte.

Da der Großteil der landwirtschaftlichen Gebiete der ehemaligen Monarchie nach dem Krieg nicht mehr zu Österreich gehörte, kam es auch zu einem Engpass bei der Versorgung mit Lebensmitteln. So blieb die Ausgabe von Lebensmittelkarten auch noch zu Beginn der Ersten Republik bestehen. Ebenso ließ der Staat zu viel Geld drucken, ohne dass die entsprechenden Sachwerte wie Gold und Waren zur Abdeckung vorhanden waren. Im August 1922 erreichte die Inflation in Österreich deshalb ihren Höhepunkt.

Abb. 1: Inflationsentwicklung in Österreich

In dieser schwierigen Situation appellierte 1922 der österreichische Bundeskanzler Ignaz Seipel an den Völkerbund, Österreich wirtschaftliche Unterstützung zu gewähren.

Die Anleihe (ein Kredit) über 650 Millionen Goldkronen, das entspricht einem heutigen Wert von ca. 10 Mrd. €, war aber an folgende Bedingungen geknüpft:

• 10 % Zinsen

• Kontrolle der Wirtschaft durch einen Kommissär des Völkerbundes

• Stilllegung der Notenpresse (keine weitere Produktion von Geldnoten)

• eine neuerliche Bestätigung des Anschlussverbots an Deutschland

• Entlassung von zahlreichen Beamten

Abb. 2: Plakat Völkerbund-anleihe 1923 von Julius Klinger im Auftrag des Völkerbundes entworfen (Museum für Gestaltung, Zürich)

Die Umsetzung dieser Forderungen führte zu einer Stabilisierung der Wirtschaft, auch wenn viele Betriebe schließen mussten und die Arbeitslosigkeit anstieg. Bis 1929 stieg die Zahl der Arbeitslosen auf fast 600.000 an. 1924 führte die Regierung zur Stabilisierung der Lage eine neue Währung – den Schilling – ein. Für 10.000 Papierkronen erhielt man damals 1 Schilling. Damit war nun weniger Geld im Umlauf und die Inflation ging zurück. Auch in der Zukunft wird Geld immer wieder seinen Wert verändern – etwa durch digitale Währungen wie Bitcoin oder durch Krisen.

los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

Diese Plakate wurden bei der ersten Nationalratswahl verwendet. Ordne die Namen der Parteien den Plakaten zu!

christlichsozial deutschnational sozialdemokratisch

Beschreibe in Stichworten, was auf den Plakaten zu sehen ist (Personen, Symbole, Farben, Schriftzüge).

Deute die Symbole: Welche Botschaften sollen sie vermitteln? (z. B. nationale Zugehörigkeit, Bedrohung, soziale Fragen)?

Beurteile: Welche Gefühle oder Reaktionen sollten die Plakate bei den Menschen auslösen? Welche Zielgruppen sollten besonders angesprochen werden?

Du möchtest Klassen- oder Schulsprecher/in werden. Entwirf einen Wahlslogan für dich, damit die anderen dich wählen!

Beschrifte folgende Grafiken!

a) In dieser Grafik mit den Ergebnissen der Wahl zur Konstituierenden Nationalversammlung 1919 fehlen die Prozentsätze und die Namen der Parteien. Trage diese ein!

b) Trage nun in dieser Grafik die Ergebnisse der Nationalratswahl 2024 mit Balken ein!

Welche Parteien bilden derzeit eine Regierung? Welche sind in Opposition?

Nun geht’s los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

Was gibt es Neues? Hier findest du interessante Geschichten aus den Jahren 1919 bis 1929. Erfinde reißerische Schlagzeilen dazu! Dann ordne die Artikel der Reihe nach, indem du die Nummern von 1 bis 6 einsetzt! ACHTUNG: Nicht immer sind Jahreszahlen angegeben!

CHRONIK 1919 – 1929

Das Amalienbad in Wien wurde eröffnet. Es besitzt ein 33,5 m langes Becken, sodass gleichzeitig bis zu 8 Schwimmer trainieren können. Dieses „Tröpferlbad“ wurde 1926 um 10 Mill. Schilling erbaut. Der Eintritt beträgt nur 20 Groschen.

In Wien leben in Elendsquartieren zehntausende Flüchtlinge. 1920 werden sie sogar in den Schulen und Kasernen untergebracht. Auch der Milchpreis wurde über Nacht um 200 % erhöht. Es kommt zu zahlreichen Streiks.

Ex-Kaiser Karl verließ am 23. März 1919 Österreich und begab sich mit seiner Familie ins Exil. Wenige Tage später verkündete die Nationalversammlung die Landesverweisung und die Enteignung des Hauses Habsburg. Auch die Adelstitel wurden in Österreich verboten.

Exil: außerhalb des Heimatlandes leben müssen

„Gute Nacht meine Damen, gute Nacht meine Herren“ – Mit diesen Worten verabschiedete sich gestern wie jeden Abend der Hörfunksprecher der RAVAG (österreichischer Rundfunk). Doch dann hörte man noch: „Und jetzt könnt’s mich alle noch ...!“ Der Techniker hatte vergessen, das Mikrofon abzuschalten. Damit hatte Österreich 1928 seinen ersten Radioskandal. Der Sprecher wurde zwar entlassen, aber zehntausend Hörer verlangten die Rücknahme der Kündigung.

Österreichs letzter Kaiser stirbt am 1. April 1922 im Exil auf der Insel Madeira an Lungenentzündung. Karl I. wurde nur 34 Jahre alt. Seine Frau Zita und seine acht Kinder trauern um ihn.

Mit der Einführung des Schillings 1925 ist das Ende der Inflation gekommen. 1 Mill. Kronen entspricht jetzt nur mehr 100 Schilling.

Aus: Eigendarstellung nach: Amalienbad – Wien Geschichte Wiki; https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/; https://de.wikipedia.org/; Die Einführung des Schillings vor 100 Jahren - ÖSTA;

Bestimme drei wichtige Ereignisse der letzten fünf Jahre und gestalte dazu eine kurze Chronik!

Du kannst zwischen zwei Arten von Ereignissen wählen – oder beide verbinden:

• Persönliche Ereignisse: Dinge, die für dich selbst wichtig waren (z. B. Schulwechsel, neue Freundschaften, ein besonderes Erlebnis, ein Erfolg im Sport).

• Gesellschaftliche Ereignisse: Dinge, die viele Menschen betreffen (z. B. Pandemie, Klimaproteste, Kriege, politische Veränderungen, große Sportereignisse).

Notiere jeweils: 1. Wann es passiert ist. | 2. Was passiert ist. | 3. Warum es für dich wichtig ist

Meine persönliche Chronik:

BONUS-SEITE MODELL DES GELEBTEN SOZIALISMUS IN EINER STADT

Das „Rote Wien“

Da in Wien die Sozialdemokraten zu Beginn der Ersten Republik die Mehrheit in der Stadtregierung hatten, setzten sie ab 1920 ihre Reformvorstellungen um. Das von ihnen entwickelte Modell eines „demokratischen Sozialismus“ erhielt zwar international viel Lob, es brachte aber auch Anfeindungen von Seiten der politischen Gegner.

Sozialer Wohnbau: Gemeindebauten

Anfang der 1920er-Jahre hatte ein Drittel der Menschen in Wien keine eigene Wohnung. Jene, die eine Wohnung mieten konnten, lebten auf engstem Raum zusammen. So mussten im Durchschnitt 5 Personen mit 30 m2 Wohnfläche – ohne Klosett und fließendem Wasser – auskommen.

Unter den sozialdemokratischen Bürgermeistern Wiens, Jakob Reumann und Karl Seitz, sollten Wohnungen keine Ware mehr sein. Jede Wienerin und jeder Wiener, die bedürftig waren, sollten eine menschenwürdige Wohnung bekommen. Um die nötigen Mittel für diesen sozialen Wohnbau aufzutreiben, führte die Gemeinde Wien unter Finanzstadtrat Hugo Breitner neue Steuern ein. Die wichtigste Steuer für den Wohnbau war die Wohnbausteuer. Sie wurde von allen Mieterinnen und Mietern bezahlt, war aber gestaffelt: Wer mehr Miete zahlte, musste auch mehr Steuer zahlen

In den Jahren 1923 bis 1934 baute die Gemeinde Wien an die 64 000 neue Gemeindewohnungen. Diese waren zwischen 38 und 48 m2 groß, besaßen Wasser-, WC-, Strom- und Gasanschlüsse und hatten Vorraum, Wasserklosett, Küche, Wohnzimmer mit Klappbetten für die Kinder und ein Elternschlafzimmer.

Die Anlagen waren mit Gemeinschaftswaschküchen, großen Innenhöfen, Gartenanlagen und Kinderspielplätzen ausgestattet. Ebenso wurden eigene Kindergärten, Kinderhorte und Planschbecken in unmittelbarer Nähe errichtet.

Der erste 1920 fertiggestellte Gemeindebau war der Metzleinstaler Hof im 5. Bezirk. Das größte und berühmteste Beispiel für sozialen Wohnbau ist der Karl-Marx-Hof im 19. Bezirk.

Zusätliche Finanzierung der Gemeindebauten

Durch Steuern für die Reichen:

• 4% Steuer auf den Konsum von elektrischem Strom

• Hauspersonalabgabe ab der zweiten Hausgehilfin

• Nahrungsmittel- und Genussmittelabgabe in Luxuslokalen

• Abgabe auf höhere Mietzinse

Genussmittelabgabe, die: Steuer auf besonders teure Speisen, Getränke und Tabak

Abb. 1: Erläutere, mit welchen stilistischen Mitteln dieses Plakat für die Finanzierung des sozialen Wohnbaus wirbt!

Beschreibe, wie die Vermögenden dargestellt werden: Achte auf ihr Aussehen, ihre Gestik und Symbole wie Sektflaschen oder Kleidung!

Analysiere, welche negativen Eigenschaften den Reichen hier zugeschrieben werden!

Erkläre, welche Emotionen das Plakat bei den Betrachterinnen und Betrachtern wecken sollte –etwa Empörung über Ungerechtigkeit oder Zustimmung zu höheren Steuern für Wohlhabende!

Abb. 2 + Abb. 3 + Q1: Rekonstruiere die Einstellung der Sozialdemokraten gegenüber der Bedeutung des Wohnbaus!

Abb. 1: Sozialdemokratisches Wahlplakat 1927 1927 (Wienbibliothek im Rathaus, Plakatsammlung)
Abb. 2: Metzleinstaler Hof 1920 1920 (Bezirksmuseum Margareten)
Abb. 3: Karl-Marx-Hof 1931 (APA)

Sozial- und Fürsorgepflege

Abb. 4: Kinderfreibad im Gemeindebau Fuchsenfeldhof, Wien 1930 (ÖNB/Wien)

Konzession, die: Genehmigung für ein Handwerk/Gewerbe

Lustbarkeiten, die: Veranstaltungen zur Unterhaltung der Besucher wie Tanzveranstaltungen, Filmvorführungen

Abb. 4: Begründe, weshalb ein Kinderfreibad als soziale Maßnahme einzustufen ist!

Im „Roten Wien“ setzten die Sozialdemokraten aber noch viele andere soziale Vorhaben um, die für die damalige Zeit revolutionär waren. So wurden unter Stadtrat Julius Tandler das Fürsorgewesen, die Altersversorgung und die Krankenpflege verbessert. Besonderes Augenmerk richteten die Sozialdemokraten auf das Wohl aller Kinder und Jugendlichen: Vorsorgeuntersuchungen für Schwangere und Säuglinge senkten die Säuglingssterblichkeit, mit gratis Säuglingswäschepaketen unterstützte man die Eltern nach der Geburt. Schulzahnkliniken, Kinderfreibäder und Sportplätze wurden errichtet und das Schularztwesen eingeführt. Durch all diese Maßnahmen konnte die Krankheit der „armen Leute“, die Tuberkulose, zurückgedrängt werden.

Für diese Reformen benötigte die Gemeinde Wien viel Geld. Neue Steuern wurden eingeführt, die vor allem die Reichen trafen.

Steuern auf

- Halten eines Pferdes - Halten eines Hundes - Vermietung von Fremdenzimmern - Werbung in Zeitschriften - Besitz von Grund und Boden - Besitz eines Autos - Ankündigung von Veranstaltungen - Lustbarkeiten - Erteilen von Konzessionen - Zuwachs des Vermögens

Abb. 5: Übersicht über die eingeführten Steuern

6:

Abb. 5: Ermittle, welche dieser Steuern es heute noch gibt!

Abb. 6: Nenne den Gegenstand, der in deiner Volksschulzeit fächerübergreifend war!

Erörtere, welche Vor- und Nachteile die Koedukation bringt! Erstelle dazu eine MindMap, die du der Klasse präsentierst!

Vergleiche deine eigene Schule mit den Reformideen von damals. Formuliere mindestens zwei Wünsche für deine Schule der Zukunft!

Beurteile, wie die Reformen im Roten Wien den Alltag von Kindern, Frauen und Arbeiterfamilien veränderten. Erstelle dazu eine Tabelle mit den Spalten Problem vorher – Reformmaßnahme – Auswirkung auf den Alltag!

Wissen ist Macht: Ein „Tor der Zukunft“

Unter Otto Glöckel, dem Präsidenten des neu gegründeten Wiener Stadtschulrates, kam es ab 1922 in Wien zu einer umfassenden Schulreform, die ein „Tor der Zukunft“ sein sollte.

So wurde der verpflichtende Religionsunterricht abgeschafft. In der Volksschule wurde fächerübergreifend gearbeitet. Reformpädagogische Ansätze (Montessori) wirkten sich auf die Klassenraumund Unterrichtsgestaltung aus. Zum ersten Mal wurden Mädchen und Burschen gemeinsam unterrichtet (Koedukation).

Nach 1918 wollten die Sozialdemokraten eine „Einheitsschule“ für alle 10- bis 14-Jährigen einführen. Dafür gab es im Parlament aber keine Mehrheit. In Wien wurden nur Versuchsschulen eingerichtet, während Gymnasien weiter bestanden. 1927 führte man österreichweit die Hauptschule ein, die stärker auf das praktische Leben vorbereiten sollte.

Aber auch in der Erwachsenenbildung schlug man neue Wege ein. Städtische Büchereien und Volkshochschulen ermöglichten den Menschen, kostenlos Bücher auszuborgen und Zusatzbildung zu erwerben. Daneben gab es aber auch ein reichhaltiges Kulturangebot wie Theateraufführungen und Arbeitersymphoniekonzerte.

Die Ideen des Roten Wien prägen noch heute die Stadt. Auch in Zukunft stellen sich Fragen: Wie können wir leistbares Wohnen sichern? Welche Schule brauchen wir für die Welt von morgen?

Abb.
Schulklasse in Kagran Wien 1930 (IMAGNO / Austrian Archives)

Nun geht’s los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

Gemeindebau früher und heute! Hier siehst du zwei Folder von Gemeindebauten, die 1920 und 1985 gebaut wurden. Notiere Unterschiede und Gemeinsamkeiten in deinem Heft!

Wohnpark Alterlaa (1968–1985)

Allgemein: 3 172 Wohnungen; 3 400 Tiefgaragenplätze; 2 Ärztezentren; 3 Schulen; 2 Kindergärten; ein Kindertagesheim; eine Rundturnhalle; 33 Freizeitklubs; mehrere Tennishallen; eine Kirche; ein Verwaltungsgebäude; ein Einkaufszentrum; Anbindung an die U6; 170 m Grünfläche zwischen den Wohnblöcken; bis zum 13. Geschoß Terrassen; vom 15. bis zum 27. Geschoß Loggia; 7 Schwimmbäder auf den Dächern; eigene Medien wie Monatszeitung und eigener TV-Sender Wohnungseinheiten: 35 verschiedene Grundrisstypen; 1 – 5 Zimmer-Appartements; Maisonetten

Metzleinstaler Hof (1920) – der erste Gemeindebau!

Allgemein: 244 Wohnungen; eine zentrale Bade- und Wäschereianstalt; eine Bibliothek; Klubräume; Lehrlingswerkstatt, Kindergarten im Erdgeschoß, großer Innenhof

Aus: Eigendarstellung nach: ???

Stelle dir vor, du bist Architektin oder Architekt. Du darfst eine neue Wohnsiedlung für Familien, Kinder und ältere Menschen entwerfen. Tipp: Du kannst im Internet nachschauen, wie groß Wohnsiedlungen in deiner Region ungefähr sind (z. B. wie viele Wohnungen ein Wohnblock oder eine kleine Siedlung hat).

NAME deiner Siedlung:

Allgemein: Welche Idee steckt dahinter? (z. B. umweltfreundlich, familienfreundlich, viel Grün …)

Wohnungseinheiten: Wie viele Häuser oder Wohnungen soll es geben?

Besonderheiten: Was macht deine Siedlung modern und lebenswert? (z. B. Spielplätze, Gemeinschaftsgarten, Solaranlagen, Fahrradwege, Werkstätten …)

Erarbeitet in Partnerarbeit ein Poster oder eine digitale Skizze eurer Siedlung. Präsentiert eure Entwürfe der Klasse. Gebt euch gegenseitig Feedback: Welche Ideen machen die Siedlung besonders lebenswert? Hier siehst du eine Volksschulklasse in den 1930er-Jahren! Vergleiche diese mit deiner eigenen Volksschulklasse!

Was ist anders?

Aktuelle Themen in der Schulpolitik – Zurzeit wird in Österreich viel über Schule diskutiert. Hier einige Themen:

• Digitalisierung: Wie viel und wofür sollen Tablets und Laptops im Unterricht eingesetzt werden?

• Noten oder alternative Beurteilung: Soll es weiterhin klassische Noten geben oder neue Formen der Rückmeldung?

Wohnungseinheiten: 38 m2 große Wohnungen mit Wohn- und Schlafraum, Vorraum, WC innen und Küche; direkte Belichtung aller Räume 3 2 4 5

• Ganztagsschule: Sollen mehr Kinder ganztägig in der Schule betreut werden? Erstellt in Gruppen eine Liste: Welche dieser Themen findet ihr besonders wichtig? Welche betreffen euch persönlich am meisten?

Formuliere deine eigene Meinung zu den Reformen in der Ersten Republik (z. B. Sozialgesetze, Verfassung 1920, „Rotes Wien“)! Welche dieser Maßnahmen hältst du für besonders gerecht oder notwendig? Begründe deine Entscheidung!

M2 FOTOGRAFIEN ENTSCHLÜSSELN

Mit der Erfindung der Fotografie ab der Mitte des 19. Jh. konnte zum ersten Mal ein Ereignis im Moment des Geschehens festgehalten werden. Fotografien sind daher für uns wertvolle Geschichtsquellen, denn sie zeigen nicht nur besondere Momente, sondern auch Ausschnitte aus dem Alltagsleben.

Fotografien müssen aber immer kritisch hinterfragt werden, da sie gezielt aufgenommen oder auch nachträglich bearbeitet werden konnten.

1. SCHRITT: Betrachten und Informationen sammeln

Sammle erste Eindrücke und beschreibe das Bild in Grundzügen!

• Was fällt dir sofort auf?

• Lies die Bildunterschrift/Legende.

• Wer hat das Foto gemacht, wann und warum?

• Welche Informationen kannst du ohne Bewertung festhalten?

2. SCHRITT: Beschreibung der Fotografie

Beschreibe nur das, was du sehen kannst!

• Welche Personen, Gegenstände, Gebäude sind dargestellt?

• Ist das Foto schwarz-weiß oder farbig, klar oder verschwommen?

• Was steht im Mittelpunkt, und wie wird das sichtbar gemacht (z. B. Größe, Position)?

• Welche Details kannst du genau erkennen?

3. SCHRITT: Analysiere das Foto

Erkläre, wie die Darstellung wirkt und wie sie aufgebaut ist!

• Wie sind Personen/Objekte angeordnet?

• Welche Stimmung entsteht durch Licht, Kontraste oder Anordnung?

• Welche Körpersprache oder Gesichtsausdrücke fallen auf?

• Welche Symbole lassen sich erkennen und wie hängen sie mit dem Bildinhalt zusammen?

4. SCHRITT: Deutung und Bewertung

Interpretiere die Absicht und Wirkung!

• Welche Botschaft oder Haltung vermittelt das Foto?

• Welche Absicht könnte der Fotograf gehabt haben?

• Welche Wirkung sollte das Foto auf die Menschen damals haben? Welche auf dich heute?

• Was erzählt das Foto über die Zeit? Gibt es etwas, das bewusst betont oder weggelassen wurde?

1

Entschlüssle dieses Foto in deinem Heft! Tipp: Verwende dazu den Informationstext und die Fragen aus den einzelnen Schritten.

Holz sammeln im Lainzer Tiergarten

Staatskanzler Karl Renner ersucht die Naturfreunde um den Schutz des Lainzer Tiergartens, der aufgrund des Mangels an Heizmaterial von der Abholzung bedroht ist. Ein Ordnerdienst der Naturfreunde achtet darauf, dass nur abgefallenes Holz und Reisig gesammelt und keine Bäume mehr gefällt werden.

5. POLITISCHE ZUSAMMENSTÖSSE IN DER ERSTEN REPUBLIK

Im Friedensvertrag von St. Germain war es Österreich untersagt worden, die allgemeine Wehrpflicht einzuführen. Stattdessen durfte Österreich nur ein Berufsheer von 30 000 Mann aufstellen. Bei der Bestellung von Soldatenräten kam es 1920 zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Christlichsozialen und Sozialdemokraten. Die Kluft zwischen den beiden Großparteien nahm zu. Misstrauen, Hass und Gewalt prägten den Umgang der Parteien miteinander. Sehr deutlich zeigte sich dieses vergiftete Klima an den bewaffneten Parteiverbänden.

Bildung von Wehrverbänden

Nach Kriegsende hatten sich zum Schutz der Grenzen und zum Aufrechterhalten der öffentlichen Ordnung zunächst überparteiliche Heimatschutzverbände gebildet. Aus diesen entstanden die christlichsozialen Heimwehren. In den Betrieben bildeten sich gleichzeitig Arbeiterwehren, aus denen sich der sozialdemokratisch unterstützte Republikanische Schutzbund entwickelte.

REPUBLIKANISCHER SCHUTZBUND

Abb. 1: Aufmarsch der Heimwehr

Neustadt, 7. 10. 1928)

MAI 1920: erste Heimwehr in Tirol gebildet

ZIELE: Verteidigung der Landesgrenzen, Kampf gegen die Sozialdemokraten und den Parlamentarismus

Abb. 2: Aufmarsch des Republikanischen Schutzbundes (Wiener

1928)

FEBRUAR 1923: Gründung am Parteitag der Sozialdemokraten

ZIELE: sich gegen die Kampforganisationen der besitzenden Klasse wie die Heimwehren zu wehren

Abb. 1: Gegenüberstellung von Heimwehr und Republikanischem Schutzbund (Foto links: Heimwehraufmarsch in Wiener Neustadt (7. 10. 1928) / Foto rechts: Aufmarsch des Republikanischen Schutzbundes in Wiener Neustadt (7. 10. 1928)

Q1: Abgeordneter zum Nationalrat Julius Deutsch am Parteitag der Sozialdemokraten, Oktober 1922

In den wirtschaftlichen Krisen, die die Republik Deutschösterreich durchzumachen hatte, haben die besitzenden Klassen unseres Landes immer wieder versucht, sich besondere Kampforganisationen zur Niederwerfung der Arbeiterklasse zu schaffen [...]

Da die besitzenden Klassen sich immer mehr zu den Methoden der Gewalt bekennen, bleibt dem Proletariat nichts anderes übrig, als seinerseits zu rüsten, um der drohenden bewaffneten Gewalt der Besitzenden die Verteidigungsfront der Arbeiterklasse entgegenzustellen.

Aus: Portisch, Hugo: Österreich I: Die unterschätzte Republik. Wien (1989), S. 226 – 227.

Begründe, warum Österreich keine allgemeine Wehrpflicht einführen durfte!

Berufsheer, das: besteht aus Soldaten, die unbefristet beim Heer ihren Dienst leisten

Soldatenräte, die: vertreten die Interessen der Soldaten

Abb. 1: Beurteile, welche Probleme der Aufmarsch dieser Wehrverbände am gleichen Ort zur selben Zeit mit sich bringen konnte!

Q1: Untersuche die Rede Deutschs unter folgenden Gesichtspunkten! Auf welche wirtschaftlichen Krisen bezieht sich Julius Deutsch in dieser Rede? Wer ist mit „besitzender Klasse“ gemeint? Was bedeutet „Niederwerfung der Arbeiterklasse“?

Diskutiert in der Klasse, welche Absicht Deutsch mit seiner Rede verfolgte!

Aufmarsch, der: organisierte Zusammenkunft einer größeren Menschenmenge, um ein gemeinsames Vorhaben oder eine gemeinsame Absicht zu unterstützen

Neustadt, 7. 10.
(Wiener

Frontkämpfer, die: Teilorganisation der Heimwehr

D1: Der Text zu den „Schüssen von Schattendorf“ stammt nicht aus dem Jahr 1927, sondern wurde 1968 von einem Historiker geschrieben. Das bedeutet: Es handelt sich nicht um eine zeitgenössische Quelle, sondern um eine spätere Darstellung. Der Autor hat die Ereignisse mit einem zeitlichen Abstand zusammengefasst und dabei eigene Gewichtungen vorgenommen.

Arbeite die Gründe, die laut Text die Frontkämpfer zum Waffengebrauch veranlassten, und die Hinweise auf ihre Vorbereitung heraus!

Beurteile die Glaubwürdigkeit der Schilderung, indem du dein Wissen über die Wehrverbände und die politischen Spannungen der Ersten Republik einbeziehst.

Generalstreik, der: Arbeitsniederlegung, an der sich sehr viele Menschen in einem Land beteiligen

Schwurgericht, das: Gericht, in dem Geschworene unter Aufsicht eines Richters urteilen

D1 + Fließtext: Erkläre, warum die Demonstrantinnen und Demonstranten das Urteil als ungerecht empfanden!

D2 + Abb. 2: Versetze dich in die Lage einer Demonstrantin/eines Demonstranten und schreibe einen Brief an deine Eltern, in dem du die Ereignisse schilderst!

Die Schüsse von Schattendorf führen ...

Die hohe Arbeitslosigkeit ließ viele Menschen verzweifeln. Manche traten deshalb Wehrverbänden bei, wo sie Uniformen, Mahlzeiten und Aufgaben erhielten. Männer standen meist im Waffendienst, Frauen übernahmen unterstützende Funktionen –besonders im Republikanischen Schutzbund. Heimwehr und Schutzbund waren erbitterte Gegner. Immer wieder kam es zu Konflikten.

1927 kam es im kleinen burgenländischen Ort Schattendorf zu einem schweren Zusammenstoß zwischen Frontkämpfern und Schutzbündlern, der zwei Todesopfer forderte.

D1: Die Schüsse von Schattendorf

Am Nachmittag des 30. Januar 1927 saßen im Gasthaus Tscharmann in der kleinen burgenländischen Ortschaft Schattendorf einige Männer beim Kartenspiel. Sie waren Angehörige der örtlichen Frontkämpfervereinigung und das Gasthaus war ihr Vereinslokal. [...] Angehörige des Republikanischen Schutzbundes hatten für diesen Sonntag eine Versammlung im nahegelegenen Gasthaus angesetzt. […] Sie zogen am Gasthaus Tscharmann vorbei. Einige Schutzbündler drangen in die Wirtsstube ein und riefen: „Kommts außi, wenns euch trauts!“ [...]

Drei Frontkämpfer stürmten in den ersten Stock, griffen nach den bereitgestellten Gewehren und begannen, auf die Straße zu feuern.

Endergebnis: zwei Tote und fünf Verletzte. Die Todesopfer waren ein kriegsinvalider Hilfsarbeiter und ein achtjähriges Kind.

Vereinfachte Darstellung nach: Andics, Helmut: 50 Jahre unseres Lebens. Österreichs Schicksal seit 1918. Wien/München/Zürich (1968), S. 145 - 146.

... zum Brand des Justizpalasts

Am Tag der Beerdigung der Opfer von Schattendorf, dem 2. Februar 1927, riefen die freien Sozialistischen Gewerkschaften in ganz Österreich zu einem 15-minütigen Generalstreik auf. In vielen Fabriken Wiens und Teilen Niederösterreichs – etwa dem Wiener Neustädter Bereich – gab es außerdem spontane Arbeitsniederlegungen als Zeichen des Protests.

Als die Beschuldigten aber am 15. Juli 1927 von einem Schwurgericht wegen Notwehr freigesprochen wurden, stürmten empörte Demonstrantinnen und Demonstranten den Justizpalast in Wien und steckten diesen in Brand.

Der Wiener Bürgermeister Karl Seitz versuchte vergeblich, die bewaffnete Menge zu beschwichtigen. Um 14:30 Uhr erfolgte der Schießbefehl, die Polizei ging bewaffnet gegen die aufgebrachte Menge vor. Die Bilanz dieses Polizeieinsatzes war 89 Tote und hunderte Verletzte.

D2: Bilanz dieses Julitages von Hugo Portisch

Unter den Verwundeten ist nur die Zahl der Polizisten feststellbar, viele der verwundeten Demonstranten suchen weder Krankenhäuser auf noch Ärzte, da sie befürchten, angezeigt und bestraft zu werden.

Aus: Portisch, Hugo: Österreich I: Die unterschätzte Republik. Wien (1989), S. 308.

Abb. 2: Brand des Justizpalastes, 15. 7. 1927 (Verein für die Geschichte der Arbeiterbewegung)

2 3 4 5

Die Schüsse von Schattendorf – Vergleiche die Darstellung hier mit jener auf S. 20/D1, indem du dieser Anleitung folgst!

a) Lies zuerst beide Texte, dann unterstreiche alle Informationen über wichtige historische Fakten und Daten blau!

Formuliere deine Meinung zu den beiden Darstellungen!

D1: DAS EREIGNIS VON SCHATTENDORF

Für den 30. Jänner 1927 war in Schattendorf eine solche Frontkämpferveranstaltung geplant, gemeldet und auch behördlich genehmigt. Um dieser Provokation entsprechend entgegenzutreten, setzte die Sozialdemokratische Arbeiterpartei – trotz warnender Stimmen – ebenfalls eine Versammlung an, [...] Ein weiteres Mal passierte der Zug des Schutzbundes das Gasthaus Tscharmann, in dem sich etliche Frontkämpfer aufhielten. Aus der am Ende marschierenden Klingenbacher Ortsgruppe lösten sich einige Schutzbündler aus dem Verband und drangen ins Gasthaus ein [...]. Steine flogen auf die Außenfassade des Gebäudes und Drohungen wurden geäußert. Einige Frontkämpfer [...] fühlten sich bedroht und zogen sich in die Privatwohnung des Gasthauses zurück, in der schon [...] geladene Gewehre bereitstanden. [...] Die Schüsse hatten verheerende Folgen: Mehrere Personen, zum Teil unbeteiligte Schaulustige, wurden verletzt, zwei Menschen aber, der sechsjährige Josef Grössing aus Schattendorf und der Klingenbacher Schutzbündler Matthias Csmarits, blieben inmitten der auseinander tobenden Menschenmenge tödlich getroffen liegen.

Aus: Pia Bayer, Dieter Szorger: Das Ereignis von Schattendorf und die politischen Folgen. In: Konsens und Konflikt. Schattendorf 1927. Demokratie am Wendepunkt. Eisenstadt (2007), S. 32ff.

Untersucht in Partnerarbeit, warum die beiden Darstellungen (S. 20 und 21) unterschiedlich ausfallen (Entstehungszeit, Verfasser, Perspektive).

b) Markiere nun mit Gelb alle Adjektive in den beiden Texten!

Informativer war für mich Text ...

weil, D

Ich würde gerne mehr erfahren S. 20 S. 21 zu Text …

weil, D

Mehr Details finde ich im Text ...

weil, D

Der Verfasser dieses Textes stellt S. 20 S. 21 die Ereignisse sehr sachlich dar.

weil, D

Stellt dar, wie dadurch unser Wissen über das Ereignis beeinflusst wird! Gestaltet ein Poster oder eine digitale Collage! Stellt eure Ergebnisse in einem Galeriegang aus, erklärt sie in max. 3 Minuten! Die anderen hinterlassen Kärtchen mit Rückmeldungen! Diskutiert im Anschluss daran gemeinsam im Plenum! Arbeitet in Gruppen! Erstellt eine Zeitungsseite (Bericht, Schlagzeile, Interview, Karikatur). Präsentiert eure Seite der Klasse! Anschließend Diskussionsrunde: Welche Zeitungsseite wirkt glaubwürdig, welche eher parteiisch? Begründet eure Einschätzung!

Beschreibe in einem kurzen Sachtext (ca. 8–10 Sätze) die Ereignisse rund um Schattendorf und den Wiener Justizpalastbrand im Jahr 1927! Gehe dabei auf folgende Punkte ein: Was geschah in Schattendorf? Warum kam es danach zu Protesten in Wien? Was passierte beim Justizpalastbrand? Welche Folgen hatten die Ereignisse für die politische Situation in Österreich?

S. 20 S. 21
S. 20 S. 21

So schätze ich mich nach dem Großkapitel „Demokratie in der Zwischenkriegszeit“ selbst ein: Kreuze jenen Daumen an, der für dich am ehesten zutreffend ist!

Ich kann…

...Darstellungen analysieren, hinterfragen und bewerten.

…Quellen analysieren und bewerten

…eigene historische Erzählungen auf Basis von Quellen erstellen.

…erklären, was eine Verfassung ist und welche Rolle sie für eine Demokratie spielt.

…die Verfassung von 1920 mit jener von 1929 vergleichen.

…über die Bedeutung der Sozialgesetzgebung reflektieren.

…die positiven Veränderungen durch Sozialgesetze und die Einführung demokratischer Institutionen analysieren.

…vergleichen, welche der Sozialgesetze von damals noch heute gültig sind und welche Probleme es heute noch im Arbeitsrecht gibt.

...Plakate mit Hilfe von M1 analysieren.

…die politischen Spannungen zwischen den Christlichsozialen und Sozialdemokraten sowie die Bildung von Wehrverbänden verorten.

...die zentralen Konflikte der Ersten Republik benennen und kritisch hinterfragen.

...die zunehmenden Spannungen zwischen den Parteien und die gesellschaftlichen Auswirkungen bewerten.

...Fotografien mit Hilfe von M2 entschlüsseln.

...den Einfluss wirtschaftlicher Schwierigkeiten auf die politischen Konflikte analysieren.

Buchtipps

Um deine Kompetenzen noch mehr zu steigern, hier unsere Buchtipps:

für besonders Wissensdurstige

Boris Barth: Europa nach dem Großen Krieg: Die Krise der Demokratie in der Zwischenkriegszeit (Campus Verlag 2016).

Birgit Moser: Kinder einer neuen Zeit. (Der Sturz des Doppeladlers 2) (Amalthea Signum Verlag 2018)

1. ALLTAGSWELTEN IN DEN 1920ER-JAHREN

In den 1920er-Jahren versuchten die meisten Menschen, die Schrecken des Ersten Weltkrieges zu vergessen. Ab 1924 entwickelte sich vor allem in den Großstädten, die als Inbegriff der Modernität galten, ein neuer Lebensstil. Die Menschen amüsierten sich in Nachtklubs, in Kabaretts, in Theatern und beim Tanzen. Von den USA ausgehend verbreitete sich dieser neue Lebensstil schnell über Europa.

Jazz und Charleston

Der Ursprung des Jazz, einer neuen sehr rhythmischen Musikrichtung, geht auf die afroamerikanische Bevölkerung in New Orleans um 1900 zurück. Von dort aus eroberte der Jazz in den nächsten Jahren zunächst die Klubs und Tanzsäle amerikanischer Städte wie New York und Chicago, ehe er seinen Siegeszug um die Welt antrat. Louis Armstrong war einer der berühmtesten Jazztrompeter. Der Charleston, ein neuer Tanz, der alleine oder zu zweit getanzt werden konnte, wurde in Europa 1925 durch die Tänzerin Josephine Baker populär.

Seit Ende des 19. Jh. gab es in den USA eine starke soziale Bewegung, die sich gegen den Genuss von Alkohol stellte. Auf Betreiben dieser Bewegung verhängte die USRegierung 1920 die Prohibition. Es durfte kein Alkohol mehr hergestellt, verkauft oder transportiert werden. Überall im Land entstanden Schwarzbrennereien, es wurde geschmuggelt und in sogenannten „Flüsterkneipen“ Alkohol ausgeschenkt.

Neue Medien

3: Sheriff von Orange County (Kalifornien) leert im Jahr 1927 illegal hergestellten Alkohol aus. Neben ihm stehen mehrere Männer, darunter Sheriff Sam Jernigan und sein Stellvertreter Ed McClellan. (Orange County Archives)

Ab 1911 entwickelte sich Hollywood zum Mittelpunkt der Filmindustrie in den USA. Der bekannteste Filmstar des Stummfilms war Rudolph Valentino, der in seinen Filmrollen stets den romantischen Liebhaber verkörperte. Charlie Chaplin und Buster Keaton waren große Stars der Slapstick-Komödie. In ihren Filmen ging es auch um soziale Probleme. In Europa schuf der österreichische Regisseur Fritz Lang mit seinem Science-Fiction-Film „Metropolis“ ein Meisterwerk der Filmgeschichte. 1926 erfand der Trickfilmzeichner Walt Disney mit der Mickey Mouse die wohl berühmteste Trickfilmfigur aller Zeiten.

Kabarett, das: Kleinkunstbühne

Abb. 1: Josephine Baker tanzt den Charleston im Folies Bergère, Paris, 1926 (Fotograf: Ostrorog, Stanislaw Julian Ignacy)

Abb. 3: Beurteile, warum Tänzerinnen wie Josephine Baker in den 1920er-Jahren für viele Menschen als Symbol für Modernität und gesellschaftlichen Wandel galten!

Erläutere, was ihr Auftreten über neue Rollenbilder, Mode und Unterhaltung in den „Goldenen Zwanzigern“ aussagen könnte. Begründe deine Einschätzung in 3–4 Sätzen!

Abb. 4 + 5: Beschreibe die Unterschiede in der Gestaltung der beiden Filmplakate (Farben, Schrift, Figuren, Stimmung)! Bestimme, welche Zielgruppen mit den jeweiligen Plakaten angesprochen werden! Begründe deine Vermutung!

Abb. 2: Louis Armstrong 1953 (Library of Congress Prints and Photographs Division, New York World-Telegram and the Sun Newspaper Photograph Collection)
Abb.
Abb. 4: Filmplakat mit Rudolph Valentino, USA, 1926 (Wikimedia Commons, Public Domain)
Abb. 5: Filmplakat 1928 (Wikimedia Commons, Public Domain)

Art-deco-Stil, der: Kunstrichtung, die sich nach dem Jugendstil entwickelte

Abb. 7: Frankfurter Küche, entworfen von Margarete Schütte-Lihotzky 1926 (Sammlung des MAK – Museum für angewandte Kunst, Wien.)

Satire, die: literarische Gattung, die mittels Spott und Ironie etwas kritisiert

Doppelconference, die: Dialog zweier Schauspieler, in dem aktuelle Geschehnisse humorvoll hinterfragt werden

Abb. 9: Modeillustration aus der Zeitschrift „Art, Goût, Beauté“, Paris, ca. 1926 (Wikimedia Commons, Public Domain)

Architektur – neue Formen für eine neue Zeit

In den USA entstanden die ersten Hochhäuser aus Beton, Glas und Stahl. Das im Zeitraum von 1926 bis 1930 im Art-deco-Stil erbaute Chrysler Building in New York war mit 319,4 m das höchste Gebäude der Welt. In Deutschland prägte Walter Gropius den sogenannten Bauhausstil, bei dem klare, einfache Elemente verwendet wurden.

Auch die Einrichtung der Wohnungen sollte einfach und funktional sein. So entwarf die Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky 1926 den Urtyp der modernen Einbauküche, die Frankfurter Küche, in der alles praktisch mit einem Handgriff zu erreichen war. Die Küche war für eine Person ausgerichtet und sollte den Arbeiterfrauen die Hausarbeit erleichtern.

Ablenkung mit Theater, Literatur und Kabarett

Die Menschen besuchten auch verstärkt das Theater, das mit neuen Aufführungsweisen und modernen Bühnentechniken das Publikum anzog. Ein großer Regisseur der damaligen Zeit war der Österreicher Max Reinhardt, der schon 1917 gemeinsam mit dem Dichter Hugo von Hofmannsthal die Salzburger Festspiele ins Leben gerufen hatte. Die Literaturszene war immer stärker von der Satire geprägt. Jaroslav Hasêk schrieb „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ und Joachim Ringelnatz verfasste satirische Gedichte. Karl Kraus veröffentlichte 1918/19 die Tragödie „Die letzten Tage der Menschheit“.

Abb. 6: Chrysler Building, koloriertes Foto, 1930 (Wikimedia Commons, Public Domain)

Abb. 8: llustration von Josef Lada zu Jaroslav Hašeks „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“, 1921–1923 (Wikimedia Commons, Public Domain)

Im 1912 gegründeten Kabarett Simpl in Wien entwickelten die beiden Kabarettisten Fritz Grünbaum und Karl Farkas ihre berühmt gewordenen Doppelconferencen, bei denen immer einer den Dummen und der andere den Gescheiten spielte.

Rollenwandel und neue Freiheiten

Zu den positiven Veränderungen jener Jahre gehörte der grundlegende Wandel im Rollenverständnis der Frau. Nach dem Krieg waren vor allem in den Großstädten viele Frauen als Sekretärin, Telefonistin oder Stenotypistin angestellt. Aber auch Berufe in der Elektroindustrie und in der metallverarbeitenden Industrie übten sie jetzt aus. Die Zahl der Studentinnen war ebenfalls gestiegen. Die Situation der Frauen auf dem Land und in den Fabriken blieb jedoch unverändert. In vielen europäischen Staaten wurde das Wahlrecht für Frauen durchgesetzt.

Das neue Selbstbewusstsein der Frauen drückte sich auch in der Mode aus: Das Korsett verschwand, die Frauen trugen einen Kurzhaarschnitt – auch „Bubikopf“ genannt –, verwendeten Nagellack sowie Lippenstift, und die Röcke wurden kürzer. In einigen Bundesstaaten der USA wurde sogar der Versuch unternommen, die „anrüchige“ kurze Rockmode zu verbieten.

2. DIE WELTWIRTSCHAFTSKRISE UND IHRE FOLGEN

Aktienspekulationen in den USA ...

In den USA wurde zwischen 1923 und 1929 sehr viel an Konsumgütern produziert, denn die Kaufkraft der US-Bürgerinnen und -Bürger war höher als in Europa. Die geringe Arbeitslosigkeit und der steigende Wohlstand brachten aber immer mehr US-Amerikanerinnen und -Amerikaner dazu, ihr Geld in Aktien und Wertpapieren anzulegen, anstatt dafür Konsumgüter zu kaufen. Stattdessen wurde an den Börsen spekuliert, um hohe Gewinne zu erzielen. Der Konsum ging zurück und die Industrie war gezwungen, ihre Produktion zu senken. Amerikanisches Kapital stützte nicht länger die Wirtschaft anderer Länder.

... führen zum großen Börsenkrach

Am 24. Oktober 1929 kam es in der Wall Street in New York, dem Zentrum der amerikanischen Finanz, zu einem noch nie da gewesenen Kurssturz an den Börsen. Spekulanten hatten die Kurse der Aktien in unrealistische Höhen getrieben, sodass der Wert der Aktien höher war als der tatsächliche Wert der dahinterstehenden Betriebe. Auch hatten die Banken Kredite für den Ankauf von Aktien an viele Menschen vergeben, ohne ausreichende Sicherheiten einzufordern.

Als plötzlich Wertpapiere und Aktien binnen weniger Stunden den Großteil ihres Wertes verloren, versuchten viele Menschen ihre Aktien noch zu verkaufen, um wenigstens einen Teil ihres Geldes zu retten. Am 25. Oktober 1929 – dem sogenannten „Schwarzen Freitag“ – wurden an einem einzigen Tag 13 Millionen Aktien weit unter ihrem Wert verkauft, wodurch ein Gesamtverlust von 15 Milliarden Dollar entstand. Viele Menschen in den USA waren gezwungen, ihre Luxusgüter zu verkaufen. Leute, die noch am Vortag Millionäre gewesen waren, hatten nun nicht mehr genug Geld, um das Notwendigste zu kaufen. Die Krise der Wirtschaft griff binnen weniger Tage auf alle Industriestaaten der Welt über und führte zu einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit.

Die Weltwirtschaftskrise

erreicht auch Österreich

Auch österreichische Banken gingen bankrott und mit ihnen viele Firmen. So bezogen Ende 1929 bereits 226 567 Menschen eine Arbeitslosen-unterstützung, die pro Woche nur 12,60 Schilling betrug. Dies reichte kaum für den Kauf der Grundnahrungsmittel einer Familie aus. Ein Jahr zuvor, 1928, lag die Zahl unterstützter Arbeitsloser bei etwa 183.000 – die Arbeitslosigkeit stieg also um rund 43.500 Personen oder etwa 24 % innerhalb eines Jahres. Die tatsächliche Zahl der Arbeitslosen war jedoch wesentlich höher, da nach 20 bis 30 Wochen der Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung erlosch. Diese sogenannten „Ausgesteuerten“ konnten zwar noch eine Notstandshilfe beantragen, diese endete aber nach 20 bis 52 Wochen. Für all jene, die noch Arbeit hatten, gab es oft nur mehr Kurzarbeit und Lohnkürzungen.

Viele Menschen verloren aufgrund dieser Maßnahmen den Glauben an die Demokratie und schlossen sich Parteien an, die sich gegen die Demokratie richteten.

Kaufkraft, die: das für Konsumzwecke verfügbare Einkommen der Privathaushalte

Aktien, die: Anteilsscheine an einer Firma

Wertpapier, das: Urkunde, die bestätigt, dass man einem Staat oder einer Firma Geld gegen Zinsen geliehen hat

Börse, die: Ort, an dem Wertpapiere und Aktien gehandelt werden

Kurssturz, der: schneller Wertverlust von Aktien

Antidemokratische Parteien in Österreich

Bei den Nationalratswahlen 1930 trat erstmals der Heimatblock an und gewann 6.2 % der Stimmen. Auch die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei trat zum ersten Mal an. Sie erlangte mit 3 % zu wenige Stimmen, um in den Nationalrat einziehen zu können.

Insgesamt stimmten etwa 350 000 Österreicherinnen und Österreicher für Parteien, die sich gegen die Demokratie aussprachen.

Abb. 1: Formuliere eine Bildlegende zu dieser Fotografie! Verwende dazu den Slogan auf dem Schild!

Abb. 1: __________________

Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv, Public Domain (Wien, 1932)

Nun geht’s los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

Wie viel Arbeit braucht der Mensch? – Lies diesen Text und fasse die Auswirkungen der Arbeitslosigkeit für die einzelnen Personengruppen in deinem Heft in einer Tabelle zusammen!

In Marienthal, einem kleinen Industrieort in Niederösterreich, untersuchte ein österreichisches Forscherteam zum ersten Mal die Auswirkungen von langer Arbeitslosigkeit. In den Jahren von 1929 bis 1930 schlossen aufgrund der Wirtschaftskrise die Spinnerei, die Druckerei und die Weberei.

Ein Hauptproblem der arbeitslosen Männer war, dass sie mit ihrer freien Zeit nichts anzufangen wussten. Viele Stunden standen die Männer auf der Straße herum, unterhielten sich und schlugen so die Zeit tot. Geld für Freizeitaktivitäten war nicht vorhanden. Die

Frauen hingegen verbrachten ihre Zeit mit Hausarbeiten wie dem Flicken und Stopfen der Kleidung. Der Gesundheitszustand vieler Kinder verschlechterte sich dramatisch. Viele Familien konnten sich die Arztbesuche nicht mehr leisten. Da die Familien so arm waren, wurden die Mahlzeiten nur mit billigen Zutaten, die wenige Nährstoffe enthielten, zubereitet. Bei den Kindern merkte man die Mangelerscheinungen zuerst. Sehr oft wurden die Kinder nicht in die Schule geschickt, da sie keine Schuhe hatten.

Mehr über das Schicksal der Arbeitslosen von Marienthal erfährst du in HB 1!

Beschreibe, wie die Menschen in Marienthal mit der Arbeitslosigkeit und den schwierigen Lebensbedingungen umgegangen sind!

Erkläre, warum die Arbeitslosigkeit das Leben der Menschen in Marienthal so stark verändert hat!

Schreibe eine kurze Zusammenfassung darüber, was du über die Marienthal-Studie gelernt hast. Stelle in 5 Sätzen dar, was für dich am interessantesten war!

Halte einen kurzen Vortrag über das Leben in Marienthal, in dem du erklärst, wie die Menschen versucht haben, mit der schwierigen Zeit klarzukommen!

Entwickelt in Kleingruppen eine kurze Reportage (Text, Podcast oder Video), in der ihr darstellt, wie steigende Arbeitslosigkeit das Alltagsleben verschiedener Bevölkerungsgruppen verändern kann (z. B. Jugendliche, Familien, ältere Menschen). Nutzt dazu die Zeitungsartikel als Ausgangspunkt und überlegt selbstständig, welche Folgen Arbeitslosigkeit für Einkommen, Konsum, Freizeit, Bildungschancen und Zukunftsperspektiven haben könnte!

KURIER: 3. 10. 2024

Arbeitslosigkeit im Burgenland steigt um 7,6 Prozent, Jugend besonders betroffen

Im September 2024 waren 7.167 Menschen arbeitslos gemeldet. Besonders dramatisch ist die Situation bei Jugendlichen mit einem Plus von 18,8 Prozent.

DER STANDARD: 4. 11. 24

Arbeitslosigkeit im Oktober weiter gestiegen, 372.000 ohne Job Laut Arbeitsminister Kocher sind 32.752 Personen mehr arbeitslos als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote liegt bei 6,9 Prozent.

Zeit online: 31. 1. 2025

Zahl der Arbeitslosen auf fast drei Millionen gestiegen

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Januar auf fast drei Millionen gestiegen. Das teilte die Bundesagentur für Arbeit mit. Demnach waren im Januar 2,993 Millionen Menschen arbeitslos, 186.000 mehr als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,4 Punkte auf 6,4 Prozent.

Präsentiert eure Ergebnisse im Plenum und vergleicht: Welche Alltagsgewohnheiten wären heute besonders stark betroffen, und worin unterscheiden sie sich von den 1920er-Jahren?

Ein Tagesplan ohne Arbeit Schreibe einen fiktiven Tagesplan in dein Heft! Was könnte die Person tun, um ihre Zeit sinnvoll zu nutzen? Vergleicht in Partnerarbeit eure Pläne und diskutiert anschließend im Plenum, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede ihr festgestellt habt!

3. IN EUROPA ENTSTEHEN DIKTATUREN

Autoritäre Parteien errichten Regime

In vielen europäischen Ländern errichteten politische Gruppierungen oder Parteien nach dem Ende des Ersten Weltkrieges nach und nach autoritäre Regime. Viele Menschen waren mit den neu gegründeten Demokratien unzufrieden. Politische und wirtschaftliche Krisen förderten die Gewaltbereitschaft und somit den Aufstieg von Demagogen, die gegen die Demokratie auftraten, Gewalt predigten und dem Volk eine glänzende Zukunft versprachen.

Diktaturen

autoritäres Regime, das: gewaltsame Herrschaft einer Gruppe

Demagoge, der: Volksverführer, (politscher) Aufhetzer

K1: Vergleich zwischen Diktaturen und autoritären Staaten in Europa 1922 und 1937

Die Gewaltherrschaft Stalins

Seit der Oktoberrevolution 1917 regierten die Bolschewiki. Mit dem „Dekret über den Boden“ (26.10./8.11.1917) wurde Privateigentum an Land aufgehoben; der Boden wurde verstaatlicht und Bauern zur Nutzung überlassen.

1922 entstand die UdSSR. Unter Stalin setzte ab Ende der 1920er-Jahre die Zwangskollektivierung ein: Zusammenlegung zu Kolchosen (genossenschaftlich) und Sowchosen (staatlich, Lohnarbeit) – begleitet von, Repression und Hungersnöten.

Die Herstellung von Kleidern, Schuhen und Hausrat wurde zugunsten der Produktion von Maschinen und dem Bau von Kraftwerken zurückgestellt. Innerhalb von 15 Jahren entstand so aus dem Agrarland Russland die Industrienation UdSSR. Eine neue Geheimpolizei wurde geschaffen, die die Bürgerinnen und Bürger der UdSSR überwachen sollte. Millionen von Menschen, die mit den Maßnahmen der Regierung nicht einverstanden waren, wurden in ihrem Auftrag gefoltert, ermordet oder in Arbeitslager nach Sibirien verschleppt, um dort die Schwerindustrie aufzubauen.

In der UdSSR gab es nur eine einzige Partei, die kommunistische Partei, die alles im Staat bestimmte. Seit 1936 führte Stalin „Säuberungswellen“ durch. Er ließ viele seiner Rivalen und Widersacher verhaften und nach Schauprozessen hinrichten. Stalin galt als unfehlbar und durfte nicht kritisiert werden.

K1: Arbeitet in Partnerarbeit heraus, welche Länder von 1922 bis 1937 zu Diktaturen oder zu autoritären Staaten wurden!

Erkläre, wie sich dadurch die politische Lage in Europa änderte!

Abb. 1: Josef Stalin während einer Rede, koloriertes Foto, 1940 (Wikimedia Commons, Public Domain)

verstaatlichen: Privatbesitz in staatlichen Besitz überführen

Malta, brit. Dodekanes, ital.
Malta, brit. Dodekanes,

Faschisten, die: Anhängerinnen und Anhänger einer antidemokratischen und nationalistischen Bewegung

Duce, der: Führer

Abb. 3: Rutenbündel (links, ital. „fascio“) stehen als Symbol für Macht und Ordnung

Das Rutenbündel (Fascio)

Im alten Rom trugen Liktoren (Begleiter hoher Beamter) ein Bündel aus Ruten mit Beil. Ruten: Recht zu bestrafen

Beil: Macht über Leben und Tod Bündel: Gemeinsam stark Mussolini griff dieses Symbol auf:

• Einheit macht stark

• Der Staat hat Gewalt

• Ordnung über dem Individuum Daraus leitet sich der Begriff Faschismus ab (fascio = Bündel).

Das faschistische Italien

Italien, das zu den Siegermächten des Ersten Weltkriegs zählte, war mit den Ergebnissen des Friedensvertrages unzufrieden. Wachsende Bevölkerungszahlen und geringe Erträge der Landwirtschaft führten zu Hungersnöten und verstärkten noch die bestehende Unzufriedenheit. Dies nützte dem Führer der Faschisten, Benito Mussolini, da er sich selbst als „Retter“ der Nation darstellen konnte.

Als die Faschisten 1922 bei den Wahlen nicht die Mehrheit erreichten, traten sie zum „Marsch auf Rom“ an, um die Regierung zu stürzen. Mussolini nötigte den italienischen König, ihm die Regierungsgeschäfte zu übertragen und ihn mit besonderen Vollmachten auszustatten. Nach und nach führte Mussolini, der „Duce“ genannt wurde, in Italien eine Diktatur ein.

2 Die Grundrechte der Bürgerinnen und Bürger wurden aufgehoben.

2 Alle anderen Parteien wurden verboten.

2 Politische Gegnerinnen und Gegner wurden verfolgt.

2 Eine Einheitsgewerkschaft wurde eingerichtet.

2 Nationale Minderheiten wurden unterdrückt.

Mussolini beschloss, ein italienisches Großreich zu errichten, um von den innenpolitischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten abzulenken. Er begann mit der Aufrüstung von Marine und Heer, um seine imperialistischen Ziele zu verwirklichen. Als Mussolini 1935 den Befehl gab, Abessinien (Äthiopien) zu überfallen, fiel der Protest von Seiten des Völkerbundes nur schwach aus.

Diskutiert in Kleingruppen: Welche Wirkung sollte dieses Symbol auf die Menschen damals haben? Warum eignete es sich, um den Anspruch von Macht und Ordnung zu betonen?

Reflektiert: Warum ist es wichtig, Symbole politisch einzuordnen und nicht unkritisch zu verwenden? Findet Parallelen zu anderen Symbolen, die im 20. Jahrhundert politisch aufgeladen wurden!

nationale Minderheit, die: Minderheit, der bestimmte Rechte wie z. B. Schulbildung in der Erstsprache rechtlich zugesichert sind

Abb. 1 + 2 + 4: Analysiere und vergleiche diese Fotografien mit einer Partnerin/einem Partner!

Brigade, die: größere Truppeneinheit

Zivilist, der: kein Soldat

Guerillakrieg, der: Kleinkrieg ohne offene Schlachten

Der Spanische Bürgerkrieg

Nachdem in Spanien bei der Wahl im Februar 1936 eine Koalition aus Kommunisten und der linken Volksfront die Mehrheit erreicht hatte, putschte ein Teil der spanischen Armee unter General Francisco Franco gegen die gewählte Regierung. Es kam zum Bürgerkrieg.

Auf Seiten Francos kämpften deutsche und italienische Freiwillige mit Unterstützung Hitlers und Mussolinis. Die Republikaner (Regierungstruppen) wiederum wurden von einer internationalen Brigade unterstützt, und auch die UdSSR lieferte Waffen. Im Spanischen Bürgerkrieg griffen auch Zivilisten – sowohl Männer als auch Frauen – zu den Waffen.

Der erbitterte Guerillakrieg endete 1939 mit dem Sieg Francos. Er schuf eine faschistische Verfassung und ließ alle Gegnerinnen und Gegner verfolgen. Bis zu seinem Tod 1975 war Spanien eine Diktatur, in der jede Opposition unterdrückt wurde.

Abb. 2: Benito Mussolini in Uniform mit Orden, ca. 1930er-Jahre (Wikimedia Commons, Public Domain)
Abb. 4: Francisco Franco während des Bürgerkrieges, ca. 1930-er Jahre ((Wikimedia Commons, Public Domain)

für schlaue Köpfe!

Wähle ein Foto aus und beschreibe es mit mind. 30 Wörtern!

Abb. 5: Marsch auf Rom am 28. Oktober 1922. Fotografie eines faschistischen Aufmarsches in Italien; vermutlich für Presseberichte oder Propagandazwecke aufgenommen. Quelle: Library of Congress Prints and Photographs Division, Washington, D.C.

Abb. 6: Gefangene in einem Straf- und Arbeitslager (Gulag) in der UdSSR, um 1939. Fotografische Aufnahme aus sowjetischem Kontext; genaue Veröffentlichung oder ursprüngliches Medium unbekannt. Quelle: Bundesarchiv, Fotograf unbekannt.

Führe nun eine Analyse deines gewählten Fotos durch!

Schritt 1:

Schritt 2:

gewähltes Foto: Abb.______

Interpretiere das gewählte Foto in deinem Heft!

Nun geht’s los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

Fünfjahrespläne und Propaganda – Erschließt zuerst gemeinsam in Partnerarbeit den Darstellungstext: Markiert die wichtigsten Informationen zu „Planwirtschaft“ und „Fünfjahresplänen“ (z. B. Wer legt Ziele fest? Was muss produziert werden? Welche Folgen hatte das?). Haltet die Ergebnisse stichwortartig fest!

Analysiert anschließend das Plakat!

D1: Planwirtschaft und Fünfjahrespläne

Stalin führte eine rücksichtslose Planwirtschaft ein. Grundlage und Richtschnur der Planwirtschaft waren die „Fünfjahrespläne“. In den Fünfjahresplänen wurden die Ziele festgelegt, die innerhalb von fünf Jahren erreicht werden mussten. So wurde z. B. die Menge an Stahl vorgeschrieben, die die Stahlindustrie innerhalb von fünf Jahren zu produzieren hatte, oder die Menge an Weizen, die geerntet werden musste. Die Ziele, die in den Fünfjahresplänen vorgegeben wurden, mussten erreicht werden – egal wie.

Aus: http://www.cpw-online.de/kids/sowjetunion.htm (23. 4. 2017)

Vergleiche das Gemälde mit dem Augenzeugenbericht, der Picasso als Vorlage diente!

Q1: Der junge Priester Alberto Onaindia berichtet als Augenzeuge

Abb. 8: Pablo Picasso: „Guernica“ (1937). Öl auf Leinwand, 349 × 776 cm.

Auf diesem Gemälde stellte der Maler Pablo Picasso, der für die Anliegen der Republikaner eintrat, den Bombenangriff auf die nordspanische Stadt Guernica dar (1937).

Ich sah, wie Greise, Frauen und Kinder wie Fliegen getroffen niederstürzten. Über eine Stunde lang, ohne eine Minute Unterbrechung, fielen die Bomben zu Tausenden auf die Häuser von Guernica. [...] Von dem Lärm der Explosionen und dem Krachen der einstürzenden Häuser macht man sich keinen Begriff. Später sahen wir die Krater, sie hatten einen Durchmesser von 16 Metern und waren acht Meter tief. [...] Die zweite Welle warf Brandbomben auf unsere gemarterte Stadt und verwandelte in 35 Minuten den gesamten Ort in einen gewaltigen Feuerofen. Bei Sonnenuntergang konnte man immer noch nicht weiter als 500 Meter sehen. Überall wüteten die Flammen, und dicker schwarzer Rauch stieg auf. Um mich herum beteten die Leute und streckten die Arme gegen den Himmel, um Gnade zu erflehen.

Aus: Imdahl, Max: Picassos Guernica. Frankfurt am Main (1985), S. 17 – 18.

Beurteile, welche Darstellung in deinen Augen aussagekräftiger ist! Gemälde Augenzeugenbericht

Begründe deine Entscheidung in einem Satz!

(Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Madrid)

4. DAS AUTORITÄRE ÖSTERREICH

Die Ausschaltung des Parlaments

Seit 1931 regierte in Österreich der christlichsoziale Bundeskanzler Engelbert Dollfuß

Diesem gelang es, aufgrund einer Geschäftsordnungskrise am 4. März 1933 im Nationalrat eine autoritäre Regierung einzuführen.

Als sich an diesem Tag die Mandatare über einen Formfehler bei einer Abstimmung nicht einigen konnten, traten alle drei Nationalratspräsidenten zurück, um selbst als Abgeordnete abstimmen zu können. Da nun niemand mehr das Abstimmungsergebnis festhalten konnte, verließen die Abgeordneten den Saal.

Abb. 2: Sperre des Parlaments durch Kriminalbeamte am 4. März 1933 (Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv, Public Domain, Fotograf unbekannt)

Abb. 1: Bundeskanzler Engelbert Dollfuß, Porträtaufnahme ca. 1033 (Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv, Public Domain)

Q1: Heimwehrführer Emil Fey am Vorabend der Februarkämpfe (Rede vom 11. Februar 1934, einen Tag vor dem Bürgerkrieg in Österreich): (11. 2. 1934)

Wir werden morgen an die Arbeit gehen, und wir werden ganze Arbeit leisten.

Aus: Talos, Emmerich: Das austrofaschistische Herrschaftssystem. Österreich 1933 –1938. Wien/Berlin (2013), S. 51.

Am 15. März, als der dritte Nationalratspräsident das Parlament erneut einberufen wollte, ließ Dollfuß die Zugänge sperren. Ab nun regierte die Regierung Dollfuß ohne gewähltes Parlament.

Schon ab dem 12. März 1933 wurden eine Reihe von Verordnungen erlassen, mit denen demokratische Grundrechte wie das Versammlungsrecht, das Streikrecht usw. eingeschränkt worden waren. Die Sozialdemokraten verzichteten nach der Auflösung des Parlaments jedoch auf offenen Widerstand.

Die Arbeiterschaft erhebt sich

Ab Oktober 1933 ließ die autoritäre Regierung geheime Treffpunkte des Schutzbundes in ganz Österreich ausforschen und nach Waffen durchsuchen. Im Februar 1934 eskalierte die angespannte Lage.

Am 12. Februar 1934 durchsuchte die Linzer Polizei das Parteiheim des Republikanischen Schutzbundes im Hotel Schiff nach Waffen. Der Linzer Schutzbundführer Bernaschek leistete mit seinen Männern Widerstand. Das Signal zum Aufstand war gegeben.

Bürgerkrieg in Österreich

In vielen Industriegebieten des Landes kam es zu Kämpfen und die Sozialdemokraten riefen den Generalstreik aus, dem aber nur die Arbeiter des Wiener Elektrizitätswerkes folgten. Viele andere fürchteten, wegen der hohen Arbeitslosenzahlen ihre Arbeit zu verlieren.

Abb. 2: Beurteile, wie die Bevölkerung auf diese Maßnahme reagiert haben könnte! Begründe deine Einschätzung mit historischem Wissen über die politische Situation und über die Stimmung in der Gesellschaft zu dieser Zeit!

Q1: Erkläre, was Fey mit dem Wort „Arbeit“ in übertragenem Sinn meinte!

Beurteile, wie diese Ausdrucksweise einzuschätzen ist!

eskalieren: eine Situation wird nicht mehr kontrollierbar

Abb. 3: Opfer des Bürgerkrieges vor dem Schlingerhof, 1934 (Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv, Public Domain)

Präambel, die: Vorwort

Kammer, die: Interessenvertretung

Abb. 3: Beschreibe, was auf dem Foto zu sehen ist!

Erkläre die unmittelbaren und langfristigen Folgen des Bürgerkriegs für die Bevölkerung!

Diskutiert in Kleingruppen allgemeine Folgen von Bürgerkriegen und stellt Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen 1934 und heutigen Konflikten in einer Mindmap oder auf einem Plakat dar!

Q2: Arbeite mit Hilfe des Textes aus, auf welche Prinzipien sich diese Verfassung beruft!

Abb. 5: Erkläre mit Hilfe dieser Grafik jemandem in der Klasse die Merkmale!

In Wien verschanzten sich die Mitglieder des Schutzbundes in den Gemeindebauten wie dem Karl-Marx-Hof und dem Schlingerhof. Das Eingreifen des Bundesheeres und der Beschuss der Gemeindebauten brachte eine rasche Entscheidung. Nach drei Tagen war der Bürgerkrieg zu Ende. Die Zahl der Opfer lautete: 118 Tote und 486 Verwundete bei Polizei und Armee; 196 Tote und 319 verwundete Zivilistinnen und Zivilisten. Inoffiziell ging der Schutzbund aber von weitaus höheren Zahlen aus.

Die sozialdemokratische Parteiführung flüchtete in die Tschechoslowakei. Neun Schutzbundführer wurden verhaftet und hingerichtet. Den schwer verwundeten Wiener Schutzbundkommandanten Karl Münichreiter trug man auf einer Bahre zum Galgen. Dollfuß ließ die Sozialdemokratische Partei verbieten. Dies bedeutete auch das Ende des Roten Wien

Die ständische Verfassung

Schon im Mai 1933 hatte Dollfuß die Vaterländische Front gegründet, die ab nun die einzige zugelassene politische Organisation war. Dollfuß errichtete einen Einparteienstaat, in dem es nur mehr eine politische Ausrichtung gab.

Am 1. Mai 1934, dem Tag der Arbeit, verkündete Dollfuß den „christlich-deutschen Ständestaat“ auf Basis einer ständischen Verfassung. Die von Dollfuß in Österreich etablierte politische Ordnung wird auch als „Austrofaschismus“ bezeichnet.

Q2: Präambel zur Ständischen Verfassung (Maiverfassung 1934)

Im Namen Gottes, des Allmächtigen, von dem alles Recht ausgeht, erhält das österreichische Volk für seinen christlichen deutschen Bundesstaat auf ständischer Grundlage diese Verfassung.

Aus: http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?apm=0&aid=bgb&datum= 19340004&seite=00000437&zoom=2 (10. 8. 2017)

Abb. 4: Kruckenkreuz – Symbol der Vaterländischen Front. –. Diese Partei war gegen Demokratie und bestimmte allein, wie das Land regiert wurde. Heute ist das Kruckenkreuz in Österreich verboten, weil es ein Symbol für diese undemokratische Zeit ist. Das Verbot schützt davor, dass es von extremistischen Gruppen wieder verwendet wird.

In diesem Ständestaat sollte die Staatsgewalt von nach Berufen organisierten Kammern ausgehen, die Parlament und Parteien ersetzen sollten. Diese Form des Ständestaates wurde jedoch nicht umgesetzt. Stattdessen wurde Österreich weiterhin als autoritär geführter Bundesstaat regiert, in dem es keine Parteien, keine Wahlen und kein Parlament gab. Dies bedeutete das Ende der demokratischen Republik Österreich!

Politisch Andersdenkende wurden verfolgt und in Lagern inhaftiert. Das erste dieser Lager entstand in Wöllersdorf (NÖ). In diesem waren rund 900 politische Häftlinge interniert.

Abb. 5: Ständestaat –Eigendarstellung

Nun geht’s los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

1 2

Mehr über die Abstimmung im Parlament am 4. März 1933 erfährst du in HB2!

Schreibe eine kurze Zusammenfassung des Geschehens in 5–7 Sätzen!

3 4 6 7 5 DEMOKRATIE

Entwickelt in Partnerarbeit eine alternative Lösung für die Abstimmungssituation, die das Chaos verhindert hätte, und formuliert einen kurzen Vorschlag, den ihr anschließend präsentiert!

Erstellt eine Comic-Seite oder Infografik in Partnerarbeit! Präsentiert diese der Klasse. Ergänzt eine kurze

Reflexion: Warum habt ihr diese Darstellung gewählt? Welche Botschaft wolltet ihr betonen?

Vergleiche in der Tabelle die Merkmale einer Demokratie und des autoritären Ständestaates! Vergleicht die Ergebnisse in Kleingruppen und sichert diese anschließend auf einem Plakat!

Entwerft in Kleingruppen eine ‚Zukunftsdemokratie‘: Welche Elemente sollte eine Gesellschaft der Zukunft unbedingt haben, damit Freiheit und Mitbestimmung gesichert bleiben?

Formuliere Fragen, die du einem Menschen aus dieser Zeit stellen würdest, und beantworte sie aus einer fiktiven Perspektive!

INTERPRETIEREN

Politische Reden spielen eine wichtige Rolle in der Geschichte und in der heutigen Gesellschaft. Politikerinnen und Politiker nutzen sie, um ihre Meinungen und Ziele zu erklären, Menschen zu überzeugen oder Emotionen zu wecken. Manche Reden sind sachlich und informieren, andere sind sehr emotional und beeinflussen die Zuhörerinnen und Zuhörer stark. Oft werden Reden in besonderen Momenten gehalten, zum Beispiel in Krisenzeiten oder bei wichtigen politischen Entscheidungen.

Um politische Reden richtig zu verstehen, muss man sie genau untersuchen. Es geht darum, den Inhalt, die Sprache und den Zusammenhang mit der Zeit zu erkennen. Nur so kann man herausfinden, welche Absichten hinter einer Rede stecken und welche Wirkung sie auf die Menschen hat. Mit einer guten Analyse kann man lernen, politische Botschaften kritisch zu hinterfragen und sich eine eigene Meinung zu bilden.

1. SCHRITT: Inhalt und Kernaussagen erfassen

Lies die Rede aufmerksam und fasse die Hauptaussagen in eigenen Worten zusammen!

Notiere, welche Themen angesprochen werden und welche Botschaft vermittelt wird!

Achte auf zentrale Begriffe, Forderungen und Argumente!

2. SCHRITT: Sprachliche und rhetorische Mittel untersuchen

Markiere auffällige Formulierungen, wie Wiederholungen, Metaphern oder Übertreibungen!

Überprüfe, wie der Rednerin oder der Redner Emotionen nutzt (z. B. Angst, Hoffnung, Stolz)!

Achte auf die Wirkung der Sprache auf das Publikum (z. B. sachlich, kämpferisch, dramatisch)!

3. SCHRITT: Politischen und historischen Kontext einordnen

Kläre, wann und in welcher Situation die Rede gehalten wurde.

Analysiere, an wen sich die Rednerin oder der Redner richtet und welches Ziel sie oder er verfolgt!

Prüfe, ob bestimmte Ereignisse oder politische Absichten die Rede beeinflusst haben!

4. SCHRITT: Bewertung und Interpretation

Beurteile, ob die Argumente überzeugend und logisch sind.

Beschreibe, welche Reaktionen die Rede bei den Zuhörerinnen und Zuhörern auslösen könnte. Begründe deine Einschätzung mit konkreten Beispielen aus dem Inhalt der Rede!

Vergleiche die Rede mit anderen politischen Reden und ziehe Schlussfolgerungen über ihre Bedeutung.

Höre dir diese Rede an und interpretiere diese in deinem Heft!

Q1: Letzte Rundfunkansprache als Österreichischer Bundeskanzler von Kurt Schuschnigg am 11. März 1938

5. DER AUFSTIEG DER NSDAP IN DEUTSCHLAND

Der Friedensvertrag von Versailles und seine Folgen

Für Deutschland brachte der Friedensvertrag von Versailles Gebietsverluste, aber auch hohe Reparationszahlungen. Viele Menschen in Deutschland bezeichneten diesen Friedensvertrag als „Friedensdiktat von Versailles“. So musste Deutschland 132 Milliarden Goldmark (umgerechnet 700 Milliarden Euro) als Reparationszahlung an die Siegermächte leisten.

Die Folgen des Krieges führten zu schweren wirtschaftlichen Problemen wie hoher Inflation und Arbeitslosigkeit. Innenpolitische Unruhen waren die Folge.

Erst mit der Einführung einer neuen Währung – der Reichsmark – konnte die Inflation gestoppt werden. Mit Hilfe von hohen Krediten, die im Ausland aufgenommen wurden, kam es kurzfristig auch zu einer wirtschaftlichen Entspannung

Friedensdiktat, das: Friedensordnung ohne Zustimmung der Besiegten alliierte/assoziierte Regierungen, die: verbündete Regierungen

Q1: Art. 231 Friedensvertrag von Versailles

Die alliierten und assoziierten Regierungen erklären, und Deutschland erkennt an, dass Deutschland und seine Verbündeten als Urheber für alle Verluste und Schäden verantwortlich sind, die die alliierten und assoziierten Regierungen und ihre Staatsangehörigen in Folge des Krieges, der ihnen durch den Angriff Deutschlands und seiner Verbündeten aufgezwungen wurde, erlitten haben.

Aus: Möller, Horst: Europa zwischen den Weltkriegen. München (1998), S. 28.

Q1: Erkläre anhand der Wortwahl, weshalb Deutschland so harte Friedensbedingungen akzeptieren musste!

Diese Jahre – auch „Goldene Zwanziger Jahre“ genannt – waren aber nicht für alle Bevölkerungsschichten ein „goldenes“ Zeitalter.

Q2: Bericht eines jungen Arbeiters aus Berlin

Von der kulturellen Metropole Europas merkten wir im Norden Berlins wenig. Die „goldenen zwanziger Jahre“ fanden in den Theaterzentren, Galerien und feinen Restaurants statt, waren eine Angelegenheit sensationeller Bälle und Galas der Neureichen, der Nachtlokale und Künstler-Cafés [...]. Den Kulturbedarf der breiten Massen befriedigten das Radio, der neue Unterhaltungsfilm, die Trivialliteratur sowie Revuen und Tanzlokale. Die Schlager [...] halfen Luftschlösser bauen, erleichterten die Flucht aus dem grauen Alltag.

Aus: Winkler, Heinrich August; Cammann, Alexander (Hg.): Ein Lesebuch zur deutschen Geschichte 1918 – 1933. München (1997), S. 146f.

Als 1929 die Weltwirtschaftskrise auch Deutschland erfasste, führte dies zu einer hohen Arbeitslosigkeit Rechts- und linksradikale Parteien, welche die Demokratie beseitigen wollten, verzeichneten nach dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise einen starken Zustrom. Sie versprachen den enttäuschten und verbitterten Menschen eine Lösung des Arbeitslosenproblems.

Abb. 1 + Q2: Vergleiche, welche Freizeitangebote den Menschen damals zur Verfügung standen! Unterscheide dabei zwischen Arm und Reich!

Welche Aktivitäten nehmen die Menschen heute vor, um sich abzulenken? Verfasse dazu einen kurzen Bericht!

Welche Freizeitangebote sollten Jugendliche in Zukunft unbedingt haben, damit sie Gemeinschaft erleben, ohne dass Politik sie für Propaganda missbraucht? Entwickelt in Partnerarbeit Ideen für eine jugendgerechte Freizeitkultur der Zukunft!

Abb. 1: Tanztee am Wannsee, Berlin, 1925 (akg-images)

Propaganda, die: politische Werbung

relative Mehrheit, die: Eine Partei bekommt bei einer Wahl mehr Stimmen als jede andere Partei.

Abb. 2: Untersuche Bildsprache und Botschaft des Plakats!

Bewerte die Botschaft des Plakates vor dem Hintergrund der Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Deutschland!

Q3: Fasse zusammen, wie Hitler in seiner Rede zur Demokratie steht!

Erläutere, was von der NSDAP zu erwarten war, wenn sie an die Macht kam!

Erstelle eine Liste von Stichworten, mit deren Hilfe du als Verteidigerin oder Verteidiger der Republik eine Gegenrede halten könntest!

Abb. 3: Arbeitet immer zu zweit!

Beschreibt in Stichworten, was konkret auf dem Foto zu sehen ist!

Erläutert, wie durch Perspektive, Mimik, Gestik und die Masse der jubelnden Menschen eine bestimmte Wirkung erzeugt wird.

Erklärt, welche Botschaft das Foto im Sinne der NS-Propaganda vermitteln sollte!

Beurteilt, warum es gefährlich sein kann, wenn Bilder so inszeniert werden, und welche Aspekte hier bewusst weggelassen wurden!

Hitler wird Reichskanzler

Durch geschickte Propaganda gelang es Adolf Hitler, dem Führer der rechtsradikalen Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), 1932 bei der Wahl zum deutschen Reichstag die relative Mehrheit zu erreichen.

Die NSDAP verlangte eine Änderung des Friedensvertrages von Versailles. In seinen Reden griff Hitler die kommunistische UdSSR und die demokratischen Westmächte (Großbritannien und Frankreich) scharf an. Auch den politischen Parteien in Deutschland warf er Unfähigkeit vor.

Abb. 2: Wahlplakat der Nationalsozialistischen

Deutschen Arbeiterpartei, 1932 (Deutsches Bundesarchiv, Bild 102-13315, Public Domain)

Q3: Hitler in einer Rede am 23. 9. 1928

Erstens muss unser Volk von dem wirren Internationalismus befreit und bewusst zum fanatischen Nationalismus erzogen werden. […] Zweitens werden wir unser Volk von dem Unsinn des Parlamentarismus losreißen. Es muss wieder die Notwendigkeit von Autorität und Führertum einsehen. Drittens werden wir den jämmerlichen Glauben an Völkerversöhnung, Weltfrieden, Völkerbund und internationale Solidarität zerstören. Es gibt nur ein Recht in der Welt, und dieses Recht liegt in der eigenen Stärke.

Aus: Bullock, Alan: Hitler. Eine Studie über Tyrannei. Bielefeld (1971), S. 139.

Die NSDAP erhielt Unterstützung sowohl von der deutschen Schwerindustrie als auch von US-amerikanischen Unternehmern, da sich diese große Gewinne von der geplanten Aufrüstung für einen Krieg versprachen.

Im November 1932 wurde die NSDAP bei den Reichstagswahlen mit 33,1 % zur stärksten Partei Deutschlands. Reichspräsident Hindenburg äußerte vor Generälen seine Bedenken bezüglich der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler.

Da jedoch die NSDAP die stimmenstärkste Partei war und kein anderer imstande war, eine stabile Regierung zu bilden, beauftragte Hindenburg am 30. 1. 1933 trotzdem Hitler mit der Bildung einer Koalitionsregierung und ernannte ihn zum Reichskanzler

Abb. 3: Hitler am Parteitag in Nürnberg, 1. 9. 1933 (Deutsches Bundesarchiv, Bild 183-1987-0928-501, Fotograf: unbekannt, Public Domain)

6. AUF DEM WEG ZUR OFFENEN GEWALT

Hitler aber wollte keine Koalition bilden, deshalb setzte er für den 5. März 1933 Neuwahlen an, mit dem Ziel die absolute Mehrheit zu erreichen. Im Februar 1933 brannte das Reichstagsgebäude in Berlin und die Nationalsozialisten bezichtigten zu Unrecht die Kommunisten der Brandlegung.

Q1: Tagebucheintrag von Victor Klemperer, deutscher Politiker, 10. 3.1933

Acht Tage vor der Wahl die plumpe Sache des Reichstagsbrandes – ich kann mir nicht denken, dass irgendjemand wirklich an kommunistische Täter glaubt statt an bezahlte Hakenkreuz-Arbeit.

Aus: Plenk, Stefan: Der Reichstagsbrand und die deutsche Presse. München (2007), S. 11.

Die Nationalsozialisten nutzten diesen Brand, um mit der Reichstagsbrandverordnung die Grundrechte außer Kraft zu setzen. So hatte das Regime die Möglichkeit, gegen die Kommunisten vorzugehen und sich für die Wahl Vorteile zu sichern.

Abb. 1: Plakat der NSDAP zum Reichstagswahlkampf, 5. 3. 1933

(Deutsches Bundesarchiv, Bild 146-1972-004-11, Public Domain)

Die Wahlen im März 1933 gewann die NSDAP mit ca. 44 % der Stimmen. Nach dieser Wahl bildete Hitler zuerst eine Koalitionsregierung, doch mit Hilfe eines vom Reichstag beschlossenen Ermächtigungsgesetzes gelang es ihm, Schritt für Schritt die Diktatur in Deutschland einzuführen. Nach dem Tod von Hindenburg 1934 übernahm er auch das Amt des Reichspräsidenten und trat als „Führer“ des deutschen Volkes auf. So hatte Hitler die Demokratie zwar für seinen Aufstieg benutzt, diese dann aber rücksichtslos ausgeschaltet.

Schrittweise Ausschaltung der Demokratie

Auflösung aller Parteien

Verbot der Gewerkschaften

Aufhebung des Streikrechts

Q1: Erläutere, was Victor Klemperer mit dieser Tagebucheintragung andeuten wollte! Wen verdächtigte er, den Brand gelegt zu haben?

Abb. 1: Analysiere dieses Plakat!

Rekonstruiere anhand der verwendeten Sprache die Einstellung der NSDAP gegenüber den Kommunisten und Sozialdemokraten!

Grundrechte, die: dazu zählen Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit, Redefreiheit, Religionsfreiheit usw.

Ermächtigungsgesetz, das (24. 3. 1933): Die Regierung konnte Gesetze ohne Parlament erlassen; Gesetze konnten auch der Verfassung widersprechen

GESTAPO, die: geheime Staatspolizei

SA, die: Sturmabteilung der Nationalsozialisten

Auflösung katholischer Schulen und Jugendvereine

Umgestaltung der evangelischen Kirche zu einer Reichskirche

Verfolgung Geistlicher

Q2: Reichspropagandaminister Goebbels „Wesen und Gestalt des Nationalsozialismus“, 1934

Überwachung aller Staatsbürgerinnen und Staatsbürger durch die GESTAPO und die SA

Ausschaltung aller Gegnerinnen und Gegner

Wir Nationalsozialisten haben niemals behauptet, dass wir Vertreter eines demokratischen Standpunkts seien, sondern wir haben offen erklärt, [...] dass wir nach der Machtergreifung unseren Gegnern alle die Mittel rücksichtslos versagen werden, die man uns in Zeiten der Opposition zubilligt.

Aus: Goebbels, Joseph: Wesen und Gestalt des Nationalsozialismus. Schriften der deutschen Hochschule für Politik, Heft 8, Berlin (1934), S. 6.

Q2: Untersuche die Rede nach den folgenden Gesichtspunkten: Welche Aussagen der Nationalsozialisten zeigen ihre Absichten unverhüllt? Welches Vorgehen gegen politische Gegnerinnen und Gegner wird angekündigt?

Rekonstruiere anschließend die Absichten des Redners und erkläre, welche Ziele er mit dieser Rede verfolgte!

Bewerte abschließend, wie überzeugend die Argumente wirken könnten und welche Wirkung die Rede auf die Zuhörerinnen und Zuhörer gehabt haben mag!

Arier, der: Die Nationalsozialisten verstanden darunter einen Deutschen ohne jüdische Vorfahren.

säkular: etwas, das nicht religiös ist oder von Religion getrennt organisiert wird, zum Beispiel ein Staat oder eine Schule.

Abb. 2: Aufruf zum Boykott jüdischer Geschäfte, koloriertes Foto, 1. 4. 1933

(Deutsches Bundesarchiv, Bild 102-14468, Fotograf: unbekannt, Public Domain)

Boykott, der: wirtschaftliches, soziales oder politisches Druckmittel

Abb. 3: „Arierpass“ und Auszug daraus

Bürgerrechte, die: Dazu zählt man Wahlrecht und Staatsangehörigkeit.

Nationalsozialistische Ideologie

Die Nationalsozialisten vertraten eine wirre Rassenlehre, nach der die „Arier“ dazu bestimmt waren, über andere menschliche „Rassen“ zu herrschen. In ihren Reden wetterten Hitler und Goebbels hauptsächlich gegen Jüdinnen und Juden sowie das Judentum. Gemeint waren damit auch österreichische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger – oft säkular oder getauft –, die von den Nationalsozialisten durch rassistische „Rasse“-Gesetze unabhängig vom Glauben zu „Juden“ erklärt wurden. Diese machte er für die politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Nachkriegszeit verantwortlich und erklärte sie zu Staatsfeinden.

Q3: Aufruf der Reichsleitung vom 30. 3. 1933

In jeder Ortsgruppe der NSDAP sind sofort Aktionskomitees zu bilden zur Durchführung des Boykotts jüdischer Geschäfte, jüdischer Waren, jüdischer Ärzte und jüdischer Rechtsanwälte.

Aus: Aly, Götz: Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933 – 1945, Band 1: Deutsches Reich 1933 –1937. München (2008), S. 102.

Mit den Nürnberger Rassengesetzen von 1935 verboten die Nationalsozialisten Eheschließungen zwischen Nichtjuden und jüdischen Frauen und Männern. Auch bestehende Ehen mussten aufgelöst werden. Das Gesetz kannte zwar Ausnahmebestimmungen für Ehen zwischen sogenannten „Halbjuden“ und „Vierteljuden“, doch wurden diese so gut wie nie genehmigt. Jeder Deutsche und jede Deutsche mussten einen „Arierpass“ besitzen, in dem alle Vorfahren bis ins Jahr 1800 vermerkt waren. Damit wollte das Regime sicherstellen, dass nur Deutsche ohne jüdische Vorfahren in den Besitz aller Bürgerrechte kamen.

Parole, die: einprägsamer Leitspruch

Vierjahrespläne, die: Die Rüstungsproduktion wird für vier Jahre vorausgeplant.

Q3 + Abb. 2 + 3: Nimm Stellung zu den getroffenen Maßnahmen und den Absichten der Nationalsozialisten!

Q4: Recherchiere mithilfe von aktuellen Nachrichtenportalen, seriösen Internetseiten (z. B. öffentlich-rechtliche Medien) oder Zeitungsartikeln, welche autoritär regierten Staaten in den letzten Jahren internationale Abkommen oder Grenzen verletzt haben, um ihren Machtbereich zu erweitern! Nenne ein Beispiel, beschreibe kurz den Konflikt und erkläre, welche internationale Vereinbarung oder Regel dabei missachtet wurde!

Einen weiteren Aspekt der nationalsozialistischen Ideologie stellte die „Volksgemeinschaft“ aller „Deutschen“ dar. Diese bedeutete bei den Nationalsozialisten die vollständige Gleichschaltung aller privaten und beruflichen Lebensbereiche und den Ausschluss aller „Nichtarier“. Wer sich nicht anpasste und Kritik übte, galt als Verräter an der Volksgemeinschaft. Hitler forderte unter der Parole „Ein Volk – ein Reich – ein Führer“ dazu auf, ihm blind zu vertrauen und seine Entschlüsse nicht infrage zu stellen. In Massenveranstaltungen wurden die Menschen auf Hitler und die Ziele der NSDAP eingeschworen.

Der Krieg wird vorbereitet

Sofort nach der Machtübernahme der NSDAP erklärte das Deutsche Reich den Austritt aus dem Völkerbund. Für Jugendliche wurde ein Arbeitsdienst und für Männer der Militärdienst eingeführt. Die Schwerindustrie erhielt den Auftrag, große Mengen an Waffen und Kriegsmaterial herzustellen. Mit Hilfe von Vierjahresplänen wurde der Krieg vorbereitet. Deutschland sollte wirtschaftlich unabhängig werden und militärisch so stark aufrüsten, dass es auf einen Krieg vorbereitet war.

Q4: Hitler im Gespräch, 1934

Kein sogenanntes Völkerrecht, keine Abmachung wird mich davon abhalten können, einen Vorteil zu benutzen, der sich mir bietet. Ich will den Krieg. Mir wird jedes Mittel recht sein.

Aus: Rauschning, Hermann: Gespräche mit Hitler. Wien (1988), S. 16 – 17.

Nun geht’s los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

Das abgebildete Wandbild wurde 1934 im Schulunterricht eingesetzt — bewusst als Propagandainstrument der NSDAP, um Schülerinnen und Schüler ideologisch zu beeinflussen. Solche parteinahen Schulwandbilder dienten der politischen Indoktrination schon vor der Machtübernahme. Analysiere dieses Schulwandbild anhand der folgenden Punkte!

4:

a) Beschreibung des Mannes am Rednerpult und seine Wirkung

b) Merkmale zur Erkennung der Nationalsozialisten

c) Botschaft der Transparente an das Publikum

d) Verhalten des Publikums

e) Möglicher Grund für die Abführung des Mannes

f) Reaktion der anderen Anwesenden darauf

g) Position des Hakenkreuzes auf dem Bild

h) Ausdruck der Stimmung im Bild

i) Aussage, die den Schüler/innen durch das Wandbild vermittelt werden soll

Lies dir die folgenden Merkmale des Nationalsozialismus aufmerksam durch! Dann male deine Hand auf ein Zeichenblatt! Nun formuliere Argumente gegen den Nationalsozialismus und schreibe diese in die Hand!

Demokratie, Sozialismus und Kommunismus wurden abgelehnt und bekämpft.

Nationalismus und Militarismus herrschten vor.

Ablehnung jeder Opposition, Verfolgung von Andersdenkenden

Nationalsozialismus

Der Einzelne war zu absolutem Gehorsam verpflichtet D Führerkult.

Der Hass auf Minderheiten wurde geschürt.

Mit Propaganda und Terror wurden diese Ziele verfolgt.

Rechtsextreme Parteien und Gruppierungen erhalten in den letzten Jahren wieder verstärkt Zulauf. Gestaltet in Gruppen Plakate gegen Rassismus und Rechtsextremismus!

Abb.
NS-Schulwandbild „Adolf Hitler zeigt euch den Weg“, ca. 1934 (Deutsches Historisches Museum, Inv.-Nr. P 62/71, Public Domain)

Studiere diese Wahlpropaganda genau! Dann trage die Zielgruppen, an die sich diese Plakate richten, unter jedes Plakat ein (Arbeitslose, Kriegsveteranen, Gegner der Kommunisten)! Zum Schluss begründe in einem Gespräch mit deiner Sitznachbarin/deinem Sitznachbarn deine Entscheidung!

Beschreibe die Plakate: Was ist zu sehen (Farben, Figuren, Symbole, Schrift)?

Deute die Botschaft: Welche Aussagen wollen die Plakate vermitteln? Wie wirken Bild und Schrift zusammen?

Beurteile die Wirkung: Welche Gefühle sollten die Plakate damals auslösen? Warum? Diskutiert auch, ob es heute ähnliche Wahlwerbung gibt.

Erstellt in Gruppen eine kurze Übersicht (Plakat, Mindmap oder digitale Folie) und präsentiert diese der Klasse.

Ordne die folgenden Ansichten nach demokratisch (D) und autoritär (A), indem du die Abkürzungen einsetzt!

Wir Deutsche fühlen uns den anderen Völkern überlegen.

Meinungsfreiheit ist mir wichtig.

Es muss einen starken Mann geben, der uns alle führt.

Es soll Wahlen geben. Ich will politisch mitbestimmen. 5 7

Meine Freiheit soll nicht eingeschränkt werden.

Ich bin gegen viele Parteien. Es soll nur eine Partei geben.

Der Einzelne hat sich der Gemeinschaft unterzuordnen.

Es ist wichtig, dass es eine politische Opposition gibt.

Gesellschaftliche und politische Reformen sind wichtig.

am Führer ist Verrat.

Kritik

7. NATIONALSOZIALISTISCHER TERROR IN ÖSTERREICH

Nach der Machtübernahme der NSDAP in Deutschland strebten die Nationalsozialisten auch in Österreich die Machtübernahme an. Daher verstärkten sie ihren Kampf gegen die Regierung, indem sie Brücken, Telefon-leitungen und Eisenbahnschienen sprengten. Dies führte im Juli 1933 zu einem Verbot der NSDAP in Österreich.

Als Gegenmaßnahme führte

Deutschland ab Mai 1933 die „Tausendmarksperre“ für Österreich ein. Jeder Deutsche, der nach Österreich reisen wollte, musste demnach 1000 Mark zahlen. Mit dieser Maßnahme sollte dem österreichischen Fremdenverkehr geschadet werden. Da Italien Unterstützung gegen die Nationalsozialisten versprach, schloss Bundeskanzler Dollfuß im März 1934 ein Bündnis mit Mussolini.

Putschversuch der Nationalsozialisten

Am 25. Juli 1934 drangen als Bundesheersoldaten verkleidete SS -Männer in das Bundeskanzleramt ein, nahmen einige Minister und Beamte fest und erschossen Dollfuß. Zur gleichen Zeit besetzten Mitglieder der illegalen österreichischen SA und SS den Radiosender RAVAG in Wien, um den Aufständischen in den Bundesländern Losungen zu senden. In Kärnten, in Oberösterreich und in der Steiermark kam es zu Aufständen. In dieser schwierigen Lage ernannte Bundespräsident Miklas Unterrichtsminister Schuschnigg zum Bundeskanzler.

Als Italien an der Brennergrenze die Truppen verstärkte, war der Putsch gescheitert. Großbritannien, Frankreich und Italien traten in einer Erklärung für die Unabhängigkeit Österreichs ein.

Bundeskanzler Schuschnigg erneuerte zum Schutz vor dem nationalsozialistischen Deutschland das Bündnis mit dem faschistischen Italien. Ab 1936 änderte sich aber Mussolinis Außenpolitik: Es kam zu einer Annäherung Italiens an Deutschland.

D1: Fünfzig Jahre unseres Lebens

1 000 Mark: entspricht heute in etwa 10 000 €

SS, die: Schutzstaffel der NSDAP

Illegal: verboten

Losung, die: geheime Botschaft

Abb. 2: Bundeskanzler Kurt Schuschnigg,1936 (Deutsches Bundesarchiv, Fotograf: unbekannt, Public Domain)

Militärattaché, der: militärischer Vertreter einer Botschaft

mobilisieren: kampfbereit machen

Quellen und Darstellungen –Erinnere dich!

Quellen sind Überreste aus der Vergangenheit (Alltagsgegenstände, Gemälde, Urkunden usw.), die aus der jeweiligen Zeit stammen. Aber: Auch Quellen sind von den Menschen geprägt, die sie hergestellt haben. Sie zeigen also immer auch deren Absichten, Meinungen oder Sichtweisen. Darstellungen sind Texte und andere Dinge, die uns über die Vergangenheit berichten. Sie wurden von Menschen verfasst, die nicht in der jeweiligen Zeit gelebt haben. Darstellungen werden daher immer auch von den Meinungen und Ansichten dieser Menschen beeinflusst.

Der österreichische Militärattaché in Rom, Oberst Dr. Emil Liebitzky, war der besondere Vertrauensmann des Duces in Sachen Österreich. Und dem Oberst Liebitzky hatte Mussolini am 12. August 1936 anvertraut, dass Hitler im Jahre 1938 „die Tschechoslowakei erledigen und die Ostfrage regeln“ werde. Wenn Österreich dann nicht 250 000 Mann mobilisieren könne, werde es bei dieser Aktion nicht „in Frieden“ gelassen werden. Mussolini wörtlich: „Sagen Sie dem Herrn Bundeskanzler nochmals, was ich gesagt habe. 20 Monate hat Österreich noch Zeit.“ gekürzt und vereinfacht nach: Andics, Hellmut: 50 Jahre unseres Lebens. Österreichs Schicksal seit 1918. Wien/München/Zürich (1968), S. 283.

Abb. 1: Analysiere diese Fotografie, indem du die Körperhaltung und die Kleidung der beiden Staatsmänner vergleichst! Wie tritt Mussolini auf, wie wirkt Dollfuß?

D1: Arbeite heraus, was Mussolini in seiner Rede andeutet und welche Warnungen er für Österreich ausspricht!

Abb. 1: Treffen Mussolinis mit dem österreichischen Bundeskanzler Dollfuß in Riccione, Italien, 1933 (Foto: Albert Hilscher. Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv)

8. ÖSTERREICH WIRD TEIL DES DEUTSCHEN REICHES

D1: Erschließe aus dem Text, wie Hitler die „österreichische Frage“ lösen wollte! Von welchen Ländern war keine Hilfe zu erwarten?

Analysiere, welches Machtgefüge dieser Dialog wiedergibt! Gehe dabei auf Wortwahl und Satzbau ein!

vereidigen: jemanden durch einen Eid zu etwas verpflichten

Hermann Göring: hoher Politiker des Deutschen Reichs

Repressalien, die: nachteilige Gegenmaßnahmen

Abb. 1: Die NS-Propaganda bezeichnete den Einmarsch in Österreich als „Anschluss“.

Diskutiert in der Klasse, was mit der Wortwahl ‚Anschluss‘ ausgedrückt wird!

Nach 1945 wurde in Österreich oft die These verbreitet, Österreich sei 1938 „das erste Opfer“ des Nationalsozialismus gewesen. Arbeitet in Gruppen mit historischen Informationen (z. B. aus diesem Kapitel und den Materialien auf S. 115). Untersucht anhand von Fakten:

• Welche Ereignisse oder Quellen zeigen, dass viele Menschen in Österreich den Nationalsozialismus unterstützten oder begrüßten?

• Welche Beispiele zeigen, dass es Zwang, Gewalt und Verfolgung gab?

• Welche Rolle spielten Österreicherinnen und Österreicher im nationalsozialistischen System?

Erstellt in Gruppen eine kurze Stellungnahme, zum Beispiel als Plakat, digitale Mindmap oder kurzes Podcast-Statement Bezieht euch dabei auf konkrete historische Fakten und beantwortet:

• Warum wurde Österreich lange als „Opfer“ dargestellt?

• Welche historischen Fakten sprechen gegen eine einfache Opferdarstellung?

• Warum ist es wichtig, historische Begriffe und Geschichtsbilder kritisch zu hinterfragen?

Präsentiert eure Ergebnisse und reflektiert gemeinsam: Welche Verantwortung trugen Österreicherinnen und Österreicher selbst für die Ereignisse 1938?“

Am 11. 7. 1936 schloss Bundeskanzler Kurt Schuschnigg mit dem Deutschen Reich einen Vertrag, das Juliabkommen:

2 Österreich wurde die volle staatliche Unabhängigkeit garantiert.

2 Die Tausendmarksperre wurde aufgehoben

2 Keine nationalsozialistische Propaganda in Österreich.

2 Österreich bekannte sich als deutscher Staat.

2 Alle inhaftierten Nationalsozialisten wurden freigelassen.

All diese Zugeständnisse konnten Hitler aber nicht zur Aufgabe seiner Pläne bewegen. Wenige Jahre später sollte der Einmarsch deutscher Truppen in Österreich erfolgen.

D1: Hitler und Schuschnigg in Berchtesgaden (Bayern) am 12. 2. 1938

Hitler: „Ich sage Ihnen, ich werde diese sogenannte österreichische Frage lösen und zwar so oder so! Ich brauche nur einen Befehl zu geben und über Nacht ist der ganze lächerliche Spuk an der Grenze zerstoben. Sie werden doch nicht glauben, dass Sie die deutsche Wehrmacht nur eine halbe Stunde aufhalten können.“

Schuschnigg: „Ich weiß natürlich, dass Sie in Österreich einmarschieren können, aber Herr Reichskanzler [...] das wird ein Blutvergießen geben. Das bedeutet wahrscheinlich den Krieg.“

Hitler: „Glauben Sie nur nicht, dass mich jemand in der Welt in meinen Entschlüssen hindern wird. Mit Mussolini bin ich im Reinen. Und England? England wird keinen Finger für Österreich rühren!“

Aus: Frass, Otto: Quellenbuch zur österreichischen Geschichte. Wien (1967), S. 225.

Schuschnigg beschloss, noch am 13. März eine Volksbefragung über die Selbstständigkeit Österreichs durchzuführen.

11. März 1938: Nachdem Hermann Göring am Telefon mit dem Einmarsch deutscher Truppen gedroht und Schuschniggs Rücktritt gefordert hatte, trat dieser zurück. Neuer Bundeskanzler wurde der Nationalsozialist Seyß-Inquart.

12. März 1938: Deutsche Truppen überschritten die österreichische Grenze.

15. März 1938: Hitler traf in Wien ein. Hunderttausende jubelten ihm zu. Doch viele Österreicherinnen und Österreicher waren auch besorgt und trauerten um die Unabhängigkeit ihres Landes.

10. April: Hitler ließ eine Volksabstimmung über den „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich durchführen. Vor der Abstimmung setzte die NSDAP umfangreiche Propaganda ein. Aus Furcht vor Repressalien kreuzten viele Österreicherinnen und Österreicher öffentlich „Ja“ an. So stimmten 99,73 Prozent der Wahlberechtigten für den „Anschluss“ , der eigentlich eine militärische Besetzung war. Die Bevölkerung versprach sich einen wirtschaftlichen Aufschwung und damit das Ende der Arbeitslosigkeit. Doch als Teil des Deutschen Reiches ging die Eigenstaatlichkeit Österreichs schnell verloren. Österreich hieß ab nun Ostmark, das österreichische Bundesheer wurde Teil der deutschen Wehrmacht und die Rohstoffe und Goldreserven Österreichs dienten von nun an den Kriegsvorbereitungen des Deutschen Reiches.

Abb. 1: Grenzübertritt der deutschen Wehrmacht beim Zollhaus Kiefersfelden-Kufstein, 12. 3. 1938 (Deutsches Bundesarchiv, -Fotograf: unbekannt, Public Domain)

Nun geht’s los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

Beschreibe Was ist auf dem Foto konkret zu sehen? (Personen, Fahrzeuge, Gesten, Gebäude, Fahnen …)

Analysiere Wie wird Hitler auf dem Foto dargestellt? Welche Symbole und Inszenierungen fallen auf (Mercedes, Hakenkreuzfahnen, Jubel der Menge …)? Wie lenkt die Bildgestaltung die Aufmerksamkeit?

Interpretiere: Welche Botschaft sollte dieses Bild vermitteln? Welche Wirkung könnte es damals auf die Bevölkerung gehabt haben? Welche Bedeutung hat es für unser heutiges Verständnis der NS-Propaganda?

4 3 6

Hitlers Ankunft in Wien

Hitler fuhr im offenen Mercedes über den Heldenplatz zur Hofburg. Am Rücksitz saß der neue Reichsstatthalter für Österreich, Seyß-Inquart. Vom Balkon der Neuen Burg verkündete er anschließend den „Eintritt meiner Heimat in das Deutsche Reich“ unter dem Jubel von angeblich ca. 250. 000 Menschen.

Abb. 2: Hitler zieht am Heldenplatz ein, Wien, 15. 3. 1938 (Deutsches Bundesarchiv, Fotograf: Heinrich Hoffmann, Public Domain).

Zwischen diese Propagandaplakate für den „Anschluss“ ist auch eines gerutscht, das nicht für Österreich gedacht war. Suche es heraus und markiere es mit einem X!

2 Darstellung der Symbole auf den Plakaten

2 Verwendete Slogans

2 Eingesetzte Farben

Analysiere diese Plakate in Stichworten in deinem Heft! Beachte dabei insbesondere folgende Punkte:

Interpretiere anschließend, welche Absicht die Nationalsozialisten mit diesen Plakaten verfolgten!

9. ALLTAG IM NATIONALSOZIALISMUS

Abb. 1: Goebbels bei einer Rede, Berlin, 1935 (Deutsches Bundesarchiv, Fotograf: unbekannt, Public Domain).

manipulieren: beeinflussen

Abb. 2: Marlene Dietrich im Film „Der blaue Engel“, 1930 (Fotograf: Eugene Robert Richee, Wikimedia Commons, Public Domain)

Abb. 1: Beurteile, wie Goebbels durch seine Gestik und Körperhaltung versucht, das Publikum während seiner Rede zu beeinflussen! Begründe deine Einschätzung anhand von Beobachtungen im Bild!

Abb. 2 + 3: Vergleiche die abgebildeten Frauenbilder vor und nach der Machtübernahme der NSDAP! Was springt sofort ins Auge?

Q1 + Abb. 3: Erläutere das nationalsozialistische Frauenbild!

Beurteile, inwiefern sich das nationalsozialistische Frauenbild von dem heute unterscheidet!

Gleichschaltung durch Propaganda

Sofort nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten durften Presse und Rundfunk nur mehr nationalsozialistisches Gedankengut vermitteln. Die Pressefreiheit wurde abgeschafft. Unter der Leitung von Joseph Goebbels richteten die Nationalsozialisten ein eigenes Propagandaministerium ein. Alle Medien wurden ab nun streng kontrolliert. Viele Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Journalistinnen und Journalisten, sowie Künstlerinnen und Künstler wurden mit einem Schreib- und Auftrittsverbot belegt und mussten das Land verlassen.

Bücher von Autoren wie Thomas Mann, Klaus Mann, Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Albert Einstein und Sigmund Freud durften nicht besessen oder gelesen werden. In ganz Deutschland veranstalteten die Nationalsozialisten groß angelegte Bücherverbrennungen

Ein besonders wirkungsvolles Propagandamittel war der Film, mit dem nationalsozialistische Ideologie vermittelt wurde. 1942 schlossen die Nationalsozialisten alle privaten Filmproduktionsfirmen in der staatlichen Ufa-Film zusammen. So hatte das Regime die totale Kontrolle über alle Filmproduktionen. Deutsche Filmstars wie Marlene Dietrich und Greta Garbo, aber auch bekannte Regisseure wie Fritz Lang und Ernst Lubitsch wanderten in die USA aus.

Im Auftrag von Goebbels wurde sogar ein günstiger Radioapparat, der Volksempfänger, gebaut, um alle Deutschen mit der national-sozialistischen Propaganda erreichen zu können. Schritt für Schritt beherrschte die NSDAP alle Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens. Mit Aufmärschen, Kundgebungen und Festveranstaltungen lenkten und manipulierten die Machthaber das Volk.

Die Rolle der Frau im Nationalsozialismus

Den Vorstellungen der Nationalsozialisten entsprechend, sollten Frauen natürlich wirken, das Tragen von Schminke war daher nicht erwünscht. Sie mussten kräftig, sportlich, blond und blauäugig sein. Zum Wohle der Gemeinschaft sollten Frauen vor allem als Mutter und Ehefrau ihre Pflicht erfüllen und sich dem Mann in allen Lebensbereichen unterordnen.

Männer, die sich vor der Heirat verpflichteten, ihre Frauen nicht mehr arbeiten zu lassen, bekamen sogar ein Ehestandsdarlehen.

Abb. 3: Plakat zur Ausstellung „Gesundes Leben –Frohes Schaffen“, Berlin 1938. (Entwurf: Ludwig Hohlwein, Deutsches Historisches Museum, Plakatsammlung)

Q1: Völkischer Beobachter, 12. 6. 1934

Die Mutter soll ganz ihren Kindern und der Familie, die Frau sich dem Manne widmen können und das unverheiratete Mädchen soll nur auf solche Berufe angewiesen sein, die der weiblichen Wesensart entsprechen. Im Übrigen soll jede Berufstätigkeit dem Manne überlassen bleiben.

Aus: Tidl, Georg: Die Frau im Nationalsozialismus. Wien (1984), S. 37.

Um die Geburtenzahlen zu steigern, zeichneten die Nationalsozialisten Frauen mit dem Mutterkreuz aus, wenn sie viele Kinder zur Welt brachten: Für vier Kinder gab es das bronzene Mutterkreuz, für sechs das silberne und für acht das goldene.

Q2: Joseph Goebbels zur Ausstellung

„Die Frau“ (März 1933, Berlin)

Den ersten, besten und ihr gemäßesten Platz hat die Frau in der Familie und die wunderbarste Aufgabe, die sie erfüllen kann, ist die, ihrem Volk Kinder zu schenken.

Aus: Die große Chronik der Weltgeschichte; Bd.16: Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg: 1933 –1945. München (2008), S. 50.

Abb. 4: Plakat „Unterstützt das Hilfswerk Mutter und Kind“, ca. 1934/35, (Deutsches Historisches Museum, Plakatsammlung)

Die NSDAP war in erster Linie eine reine Männerpartei. Um auch die Frauen für ihre Ziele zu gewinnen, gründeten die Nationalsozialisten eigene Frauenorganisationen wie die „NS-Frauenschaft“ und das „Deutsche Frauenwerk“. In diesen wurden die Frauen in die gewünschte politische Richtung gelenkt.

Je näher aber der Krieg rückte, desto mehr veränderte sich das nationalsozialistische Idealbild der Frau. Da für die Kriegsvorbereitungen in der Rüstungsindustrie mehr Arbeitskräfte benötigt wurden, kam es zu einem Anstieg der Erwerbstätigkeit der Frauen. Ebenso wurde ein Pflichtarbeitsjahr für junge, ledige Frauen eingeführt, wie es bereits seit 1935 für junge Männer bestand. Diese „Arbeitsmaiden“ setzte man vorwiegend in der Landwirtschaft ein. Viele Frauen heirateten, um den Arbeitsdienst nicht leisten zu müssen.

Jugendorganisationen

Die Hitlerjugend wurde bereits 1926 gegründet. Ab 1933 nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten gewann sie rasch an Einfluss. Mit dem Gesetz über die Hitlerjugend von 1936 wurde die Mitgliedschaft verpflichtend und die HJ zur einzigen staatlich anerkannten Jugendorganisation erklärt. Damit erreichten die Nationalsozialisten ihr Ziel der totalen Gleichschaltung der Jugend.. In den Jugendgruppen galt der Grundsatz „Die Jugend durch Jugend zu führen“, d. h. die Gruppenführer waren oft kaum älter als die ihnen unterstellten Jugendlichen. Von 10 bis 14 Jahren gab es für Buben die Organisation Jungvolk, für Mädchen den Jungmädelbund. Mit sportlichen Wett-kämpfen und Mutproben sollte schon früh der Sinn für die Gemeinschaft geweckt und die Jugend auf einen zukünftigen Krieg vorbereitet werden.

Q3: Ansprache eines Stabsführers beim Eintritt ins Jungvolk, 1940

Ab heute seid ihr die jüngsten Kämpfer des Führers und legt euer Dasein in seine Hände. Eure Mütter aber bringen ihm in euch das schönste Geburtstagsgeschenk.

Aus: Klose, Werner: Generation im Gleichschritt. Oldenburg (1964), S. 71.

Die männlichen Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren wurden in der Hitlerjugend (HJ) erfasst, die weiblichen Jugendlichen im Bund Deutscher Mädel (BDM). Gemeinsam mit weiteren Unterorganisationen wurden sie unter dem Begriff ‚Hitlerjugend‘ zusammengefasst.

Abb. 5: Propagandaplakat „Kommt in die Jugendgruppen der NSFrauenschaft und des Deutschen Frauenwerkes“, ca. 1934/35. (Deutsches Historisches Museum, Plakatsammlung)

Q2: Erkläre, weshalb die Nationalsozialisten Kinderreichtum wünschten!

Abb. 4 + 5: Analysiere die Plakate in Hinblick auf das vorherrschende Frauenbild, verwendete Symbolik und Emotionen, die sie wecken sollten!

Q3 + Abb. 6: Beschreibe das Foto!

Vergleiche diese Beobachtungen mit den Anforderungen aus der Quelle (Pflichtbewusstsein, Gefolgschaft, „Kämpfer des Führers“)!

Beurteile, wie durch Uniformen, Sprache und Rituale das Ziel der totalen Erziehung im Sinne des Nationalsozialismus erreicht werden sollte!

Reflektiert in Kleingruppen: Welche Wirkung könnten Uniformen, Symbole und feierliche Ansprachen auf Kinder und ihre Familien gehabt haben? Gestaltet dazu ein kurzes Rollenspiel, das diese Wirkung darstellt!

Abb. 6: Uniform des Jungvolks, 1934 (Deutsches Bundesarchiv, Fotograf: unbekannt, Public Domain)

Fließtext: Nenne die Gründe, warum die Nationalsozialisten ihre ursprüngliche Frauenpolitik aufgaben! Gleichschaltung, die: Zwanghafte Angleichung von Staat, Medien, Vereinen und Kultur an die NSHerrschaft; unabhängige Strukturen wurden verboten.

Krupp: deutsche Industriellenfamilie, die Stahl herstellte

Q4: Vers beim Marschieren

Bin ich erst groß und nicht mehr klein, werde ich Soldat des Führers sein.

Aus: Langour, Fritz: Anschleichen, Tarnen, Melden. Ein Pimpf erinnert sich. In: Zeitgeschichte in Wort, Bild und Ton. 1933-1937. Hamburg (1989), S. 324

Fließtext: Nenne die Ziele der nationalsozialistischen Jugenderziehung!

Abb. 7 + 8: Beurteile, welche Wirkung diese Plakate auf die Jugend haben sollten!

Q4: Erläutere, was dieser Vers ausdrückt! Erörtere, was die ständige Wiederholung dieses Verses bei einem 10Jährigen bewirkt!

Q5 + Abb. 9 + Fließtext:

Stelle einen Vergleich mit den heute üblichen Ritualen in der Schule an! Wie sieht dein Beginn des Schultages aus?

Wie erfolgt die Begrüßung und Verabschiedung der Lehrerin/des Lehrers?

Stelle die Werte der nationalsozialistischen Erziehung den heutigen gegenüber und formuliere die wesentlichen Unterschiede!

Abb. 7: Propagandaplakat der HJ 1935 (Deutsches Historisches Museum, Plakatsammlung)

In der „Hitlerjugend“ erhielten die Burschen eine vormilitärische Ausbildung. Dies war bereits eine Vorbereitung auf den von Hitler geplanten Krieg. Die Burschen sollten „flink wie die Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Krupp stahl sein“, um den Krieg für Hitler zu gewinnen.

Schule im Nationalsozialismus

Abb. 8: Propagandaplakat des BDM,1937 (Deutsches Historisches Museum, Plakatsammlung)

Die Mädchen bereitete man im „Bund Deutscher Mädchen“ auf ihre Rolle als Mutter vor. Es wurden Handarbeits- und Bastelabende veranstaltet. Gruppengymnastik sollte die Mädchen nicht nur körperlich anmutig werden lassen, sondern ihnen auch Kraft für die erwünschten Geburten geben.

In der Schule war der „Führerkult“ überall zu sehen. Hitlergruß, Hitlerbilder, Hakenkreuze und Fahnenappelle prägten den Schulalltag.

Q5: Zentralblatt 1934 – Richtlinien

für den Unterricht

Der Lehrer tritt zu Beginn jeder Unterrichtsstunde vor die stehende Klasse und grüßt als Erster durch Erheben des rechten Armes und die Worte „Heil Hitler!“; die Klasse erwidert den Gruß in gleicher Weise. Am Ende der Stunde grüßt der Lehrer, nachdem die Klasse sich erhoben hat, ebenfalls durch Erheben des rechten Armes und die Worte „Heil Hitler!“; in gleicher Weise antworten die Schüler.

Aus: Zentralblatt für die gesamte Unterrichtsverwaltung in Preußen – 1934 (S. 43)

Die Schule hatte den Auftrag, treue Anhängerinnen und Anhänger des Regimes zu erziehen. Nationalismus, Rassen- und Völkerhass prägten den Unterricht. Die Lehrerinnen und Lehrer mussten Führertum, Gehorsam und Disziplin vermitteln. Neben neuen nationalsozialistischen Inhalten wie der sogenannten „Rassenlehre“ –die keine wissenschaftliche Grundlage hatte, sondern ideologische Propaganda war – wurde Bestehendes gezielt für die Vermittlung dieser Fertigkeiten angepasst. So mussten die Schülerinnen und Schüler z. B. in Musik Soldaten- und Marschlieder singen, lernten in Biologie eine auf die Rassenideologie ausgerichtete Vererbungslehre und wurden im Turnunterricht militärisch gedrillt.

Abb. 9: Fahnenappell vor der Schule, Illustration aus der „Deutschen Fibel. Erste Lesefibel für Volksschulen“ (Berlin: Volk und Reich Verlag, 1941).

Die Schulbücher wurden zuerst zensuriert und später durch neue nationalsozialistisch ausgerichtete Lehrbücher ersetzt. Lehrerinnen und Lehrer, die sich weigerten, den Amtseid auf Adolf Hitler abzulegen oder jüdischer Abstammung waren, wurden fristlos entlassen. Jüdische Mitschülerinnen und Mitschüler sowie Roma und Sinti schloss man vom Unterricht aus.

Wer nicht mitmachte, wurde bestraft.

Die Nationalsozialisten betrieben ihre Propaganda mit sehr viel Aufwand. Tatsächlich gelang es ihnen, weite Kreise der Bevölkerung für ihre Ziele zu begeistern. Jedoch nicht alle schlossen sich der Ideologie der NSDAP an.

Angestellte im öffentlichen Dienst wie Lehrerinnen und Lehrer, Polizisten oder Beamte mussten der NSDAP oder einer nationalsozialistischen Berufsorganisation beitreten. Diejenigen, die sich weigerten, mussten mit beruflichen Nachteilen rechnen. Jedoch wurden viele nur der Form nach Mitglieder dieser Organisationen, um ihre Arbeit zu behalten, ohne sich mit den Zielen der NSDAP wirklich zu identifizieren.

Q6: Bericht der Mittelschullehrerin E.B. Schuljahr 1938/39 an einer Schule in Wien

Die Leitung hatte eine besonders linientreue nationalsozialistische Kollegin. […] Ich wurde natürlich von ihr inspiziert und das Resultat war: „Sie sind eine ausgezeichnete Lehrerin, aber ihren Stunden fehlt der nationalsozialistische Gehalt!“ Ich darauf: „Ich war bis jetzt völlig unpolitisch, ich muß erst in die neuen Verhältnisse hineinwachsen!“ Darauf bekam ich einen Stoß nationalsozialistischer Bücher ausgehändigt, den ich nach sechs Wochen ungelesen zurückgab. Nach meinen Eindrücken befragt, sagte ich: „Alles war sehr aufschlussreich.“ Diese zweideutigen Worte wurden akzeptiert.

Aus: Achs, Oskar; Tesar, Eva (Hg): Jugend unterm Hakenkreuz. Erziehung und Schule im Faschismus. Wien (1988), S. 31.

Die Mitgliedschaft in HJ und BDM war für alle Kinder und Jugendliche Pflicht. Die Erziehungsberechtigten mussten alle Kinder bei der Hitler-Jugend anmelden. Taten sie das nicht, mussten sie mit hohen Geldstrafen oder sogar mit Haftstrafen rechnen.

Kinder und Jugendliche, die bei Veranstaltungen der NSJugendorganisationen nicht mit genügend Begeisterung mitmachten, wurden häufig von ihren Kameraden verprügelt oder mussten Strafarbeiten verrichten.

Nach und nach richteten sich die Aktivitäten der HJ immer mehr auf militärische Aktivitäten und Kriegsvorbereitungen aus. Manche Jugendliche, die anfangs von der HJ begeistert waren, wandten sich nun von ihr ab. Sie weigerten sich, an HJAktivitäten teilzunehmen und schlossen sich illegalen Jugendgruppen, die Namen wie „Edelweißpiraten“, „Navajos“ oder „Schwarze Bande“ hatten, an.

D1: Himmler über illegale Jugendgruppen

Himmler riet der Polizei, die männlichen und weiblichen Anführer der Swingjugend sowie sie unterstützende Lehrer zu verhaften und in Konzentrationslager zu schicken: „Dort sollen sie alle zunächst durchgeprügelt werden, sodann exerzieren und harte Arbeit leisten …“ Daneben empfahl er, Eltern, die ihren Kindern gestatteten, sich der Swingjugend anzuschließen, und die eine freie, individuelle Lebensweise befürworteten, ebenfalls ins Konzentrationslager zu bringen und ihr Eigentum zu beschlagnahmen. Aus: Campbell Bartoletti, Susan:

Q6: Beschreibe, welche Art von Widerstand die Lehrerin leistet!

Begründe, warum die Leiterin die zweideutigen Worte akzeptierte, ohne nachzufragen!

Diskutiert in der Klasse, was der Lehrerin hätte passieren können!

D1: Stelle dar, mit welchen Maßnahmen nicht angepasste Jugendliche und ihre Eltern zu rechnen hatten!

Beurteile, welche Folgen dein heutiger Lebensstil in der damaligen Zeit gehabt hätte!

inspizieren: begutachten, überprüfen

Abb. 10: militärische Schießausbildung in der HJ, ca. 1939 (Deutsches Bundesarchiv)

Heinrich Himmler: Leiter der deutschen Polizei und Chef der SS (Schutzstaffel). Er war einer der engsten Vertrauten Hitlers und mitverantwortlich für den Holocaust, also die Ermordung von Millionen Jüdinnen und Juden und anderer verfolgter Gruppen.

Swingjugend, die: Jugendliche, die den USamerikanischen Lebensstil (Kleidung, Musik) bevorzugten, und so gegen die NS-Ideologie protestierten

exerzieren: militärische Übungen immer wieder wiederholen

10. KdF – FREIZEIT FÜR DAS VOLK

agieren: handeln

Abb. 1: Propagandaplakat für den Volkswagen, 1939 (Deutsches Historisches Museum, Plakatsammlung)

subventionieren: finanziell unterstützen

Abb. 1 + 2: Erkläre, was den Menschen mit diesen Propagandaplakaten versprochen wurde!

Bewerte, was das Regime mit diesen Plakaten erreichen wollte!

Fasse stichwortartig zusammen, mit welchen Maßnahmen die NSDAP die Arbeiterinnen und Arbeiter zu überzeugen suchte!

Die Nationalsozialisten taten alles, um die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass das Regime zum Wohle des deutschen Volkes agierte. Die nationalsozialistische Regierung ließ das Autobahnnetz ausbauen sowie Schiffe, Flugzeuge und Autos produzieren. Um alle Deutschen vom Regime zu überzeugen, gründeten die Nationalsozialisten 1933 eine eigene Freizeitorganisation. Unter dem Slogan „Kraft durch Freude“ (KdF) konnten Arbeiterinnen und Arbeiter zu geringen Preisen Theater und Konzerte besuchen, ins Kino gehen, an Tanzveranstaltungen teilnehmen sowie bei Wanderfahrten und Sportveranstaltungen mitmachen.

Teil des KdF-Programms war auch die Produktion eines Wagens, den sich jeder leisten konnte – der Volkswagen.

Q1: Hitlers Auftrag an Ferdinand Porsche

Wie ein Maikäfer soll er aussehen. Man braucht nur die Natur betrachten, um zu wissen, wie sie mit der Stromlinie fertig wird.

Aus: Selle, Gert: Design im Alltag: Von Thonet Stuhl zum Mikrochip. Frankfurt am Main (2007), S. 114.

Mit dem Slogan „5 Mark die Woche musst du sparen – willst du im eigenen Wagen fahren“ wurde für den Volkswagen geworben, der 1 000 Reichsmark kosten sollte. Mehr als 300 000 Deutsche folgten diesem Aufruf, ohne je ein Auto zu bekommen, denn erst nach Ende des Krieges verließ der erste „Käfer“ das Fließband.

Sehr beliebt waren auch subventionierte Urlaubsreisen mit KdF. Diese Reisen führten auch ins Ausland, dies war damals nicht selbstverständlich. Schon 1934 fuhren die ersten Sonderzüge in deutsche Feriengebiete und nach Italien. Auch wurden Schiffe für die KdF-Flotte gebaut, mit denen die Deutschen um wenig Geld eine Kreuzfahrt rund um Italien machen konnten. Für viele Menschen waren diese KdF-Reisen die ersten Urlaube ihres Lebens.

Das Ziel all dieser KdF-Angebote war, die Arbeitsleistung des deutschen Volkes zu steigern und von der sozialen Einstellung des Regimes zu überzeugen. Doch alles diente nur der gezielten Vorbereitung auf den Krieg.

Lazarett, das: Militärspital

Q2: Erläutere, wozu Hitler ein „nervenstarkes“ Volk brauchte!

Was wird in dieser Quelle schon angedeutet?

Abb. 2: Propagandaplakat für Reisen mit Kdf 1934 (Entwurf: Hubert Reusch, Deutsches Historisches Museum, Plakatsammlung)

Q2: Hitler zu Robert Ley, Leiter der deutschen Arbeitsfront, im Herbst 1933

Sorgen Sie mir dafür, dass das Volk seine Nerven behält, denn nur mit einem nervenstarken Volk kann man Politik machen.

Aus: Schönbrunn, Günter: Weltkriege und Revolutionen, 1914 –1945. München (1961), S. 456.

Sofort nach Beginn des Krieges baute man die Ferienanlagen zu Lazaretten um, nutzte die KdF-Flotte als Lazarettschiffe und stellte im Volkswagenwerk Militärwägen (Kübelwägen) her.

Nun geht’s los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

Hier siehst du zwei Seiten aus einem Volksschulbuch. Die linke Seite stammt aus dem Jahr 1923, die rechte aus dem Jahr 1941. Welche Textstellen und Abbildungen haben sich geändert? Markiere diese mit einem Stift!

2 6 7 3 5

Abb. 3: Volksschulfibel von 1923 und 1941, Deutsches Lesebuch für Volksschulen, Erstausgabe 1923, NS-Ausgabe 1941. (Bayerisches Schulbuchzentrum / Deutsches Historisches Museum, Berlin)

Formuliere in deinem Heft mindestens zwei Gründe, warum die Texte und Abbildungen in der Ausgabe von 1941 verändert wurden! Denke dabei sowohl an die politische Situation (z. B. Krieg, Ideologie, Einfluss des Regimes) als auch an mögliche Interessen des Verlags (z. B. Anpassung an Erwartungen, Absicherung der eigenen Existenz).

Betrachte zuerst diese Propagandaplakate für die Organisation „Kraft durch Freude“!

Wähle dann zwei Plakate aus und beantworte die Fragen!

Abb. 4: Plakate aus den 1930er-Jahren zur

NS-Organisation Kraft durch Freude (KdF). (Deutsches Historisches Museum, Plakatsammlung)

Wähle zwei Plakate aus! Beschreibe den Blickfang und bestimme die Zielgruppe!

Erkläre die Botschaft, die vermittelt werden soll!

Reflektiert in Partnerarbeit: Warum verwendeten die Nationalsozialisten Sport, Freizeit und Reisen für ihre Propaganda? Welche Wirkung könnten die positiven Bilder („Freude“, „Natur“, „Gemeinschaft“) auf die Bevölkerung gehabt haben?

Diskutiert in der Klasse, inwiefern die Plakate Informationen vermitteln oder bestimmte Aspekte verschleiern! Überlegt gemeinsam, welche Botschaften vermittelt werden, welche Informationen fehlen könnten und welche Wirkung die Plakate auf die Betrachterinnen und Betrachter haben sollten!

Nun geht’s los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

Inszenierung von Macht und Herrschaft durch Fotos – Diese Fotos, welche am jährlich in Nürnberg stattfindenden Reichsparteitag aufgenommen wurden, zeigen dir, wie sich die NSDAP in Szene setzte. Wähle ein Foto aus und führe anschließend eine Analyse durch!

Abb. 3: Einmarsch der Fahnen am Parteitag der NSDAP in Nürnberg, 1. 9. 1933 – kolorierte Fotografie (Deutsches Bundesarchiv,, Fotograf: unbekannt, Public Domain)

Abb. 4: Eine Parade der SA marschiert an Hitler am Hauptmarkt von Nürnberg vorbei, 1935 (Deutsches Bundesarchiv, , Fotograf: unbekannt, Public Domain)

a) Betrachte dein gewähltes Foto und beschreibe kurz, was darauf zu sehen ist!

b) Nichts auf diesem Foto ist zufällig. Finde und deute die versteckten Symbole, die eine politische Bedeutung haben könnten!

c) Welches Machtverständnis drückt sich in diesem Foto aus? Fasse es in zwei Sätzen zusammen!

d) Erläutere mit mind. 20 Wörtern die politischen Ziele der Inszenierung, die das Foto wiedergibt!

Führt in der Klasse eine Diskussion über Inszenierungen politischer Macht damals und heute! Notiert die zentralen Argumente der Diskussion auf einem Plakat oder in einer digitalen Mindmap!

Diese drei Berichte stammen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die ihre Erlebnisse in der Hitlerjugend schildern. Lies die Berichte genau durch und liste die positiven und negativen Aussagen der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen in einer Tabelle auf!

Schiefertafel

Karl-Heinz

Janßen:

Zwölfjährige Hordenführer brüllten zehnjährige Pimpfe zusammen und jagten sie kreuz und quer über Schulhöfe, Wiesen und Sturzäcker. Die kleinsten Aufsässigkeiten, die harmlosesten Mängel an der Uniform, die geringste Verspätung wurde sogleich mit Strafexerzieren geahndet [...].

Wie haben wir das nur vier Jahre ertragen?

Warum haben wir unsere Tränen verschluckt, unsere Schmerzen verbissen? Warum nie den Eltern und Lehrern geklagt, was uns da Schlimmes widerfuhr?

Ich kann es mir nur so erklären: Wir alle waren vom Ehrgeiz gepackt, wollten durch vorbildliche Disziplin, durch Härte im Nehmen, durch zackiges Auftreten den Unterführern imponieren. Denn wer tüchtig war, wurde befördert, durfte sich mit Schnüren und Litzen schmücken, durfte selber kommandieren, und sei es auch nur die fünf Minuten, in denen der „Führer“ hinter den Büschen verschwunden war.

Aus: Klönne, Arno: Jugend im Dritten Reich. Die Hitlerjugend und ihre Gegner. Köln (2008), S. 144f.

Pimpf: Mitglied des Jungvolkes

Fritz Langour:

Ostern 1934 kam ich ins zweite Schuljahr und erhielt ein neues Schulbuch. Auf einer der ersten Seiten waren zwei SA-Männer zu sehen, von denen einer eine Fahne trug. Darunter stand [...]: SA marschiert. Wir bekamen die Hausaufgabe, mit diesem lapidaren Satz die ganze Schreibseite unserer Schiefertafel zu füllen.

Dafür, dass ich das fehlerlos schaffte, bekam ich dann wenigsten eine SA-braune Samthose [...]. [...] Wenig später erklärte uns der Führer zu „Garanten der Zukunft des deutschen Volkes“. [...] Es war ein Hochgefühl, Garant zu sein, allein das Wort ließ uns leise erschauern.

Aus: Zeitgeschichte in Wort, Bild und Ton. 1933 – 1937. Hamburg (1989), S. 327.

Inge Scholl:

Aber noch was anderes kam dazu, das uns mit geheimnisvoller Macht anzog und mitriss, das waren die kompakten marschierenden Kolonnen der Jugend mit ihren wehenden Fahnen, den vorwärts gerichteten Augen und dem Trommelschlag und Gesang.

Aus: Klose, Werner: Generation im Gleichschritt. Die Hitlerjugend, Oldenburg (1983), S. 42.

Litzen: geflochtene oder gedrehte Schnur als Rangabzeichen auf einer Uniform

lapidar: kurz und knapp

Garant: wurde im Nationalsozialismus im Sinne von Garantie verwendet

Was wurde als positiv empfunden? Was wurde als negativ empfunden?

Entscheide, ob es sich bei diesen drei Berichten um Quellen oder um Darstellungen handelt! Begründe deine Entscheidung!

Reflektiert in Kleingruppen: Warum können Zeitzeugenberichte nicht als objektive Darstellung der Vergangenheit gelten? Welche Rolle spielen subjektive Erinnerungen (Gefühle, Perspektiven, spätere Erfahrungen) für unser heutiges Bild der Vergangenheit?

Jede Gruppe sammelt ihre Ergebnisse auf einem Plakat oder in einer digitalen Collage!

Diskutiert in der Klasse, wie die NSDAP versuchte, Kinder und Jugendliche in der Hitlerjugend für die nationalsozialistische Ideologie zu gewinnen! War das, was als positiv empfunden wurde, tatsächlich positiv? Welche Absicht verfolgte die NSDAP damit?

Zähle auf, welche Mittel die NS-Propaganda einsetzte, um die Bevölkerung zu beeinflussen!

Nun geht’s los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

Der Bockerer – Der Film „Der Bockerer“ zeigt das Leben einer Wiener Familie zur Zeit des „Anschlusses“ 1938 und während der NS-Diktatur. Er soll euch helfen zu verstehen, wie Menschen auf die politischen Entwicklungen reagierten – mit Anpassung, Widerstand oder Gleichgültigkeit. Analysiere diesen Spielfilm aus dem Jahr 1981 nach folgender Anleitung!

a) Bildet zuerst Vierergruppen und einigt euch in der Gruppe, wer welche der angegebenen Hauptpersonen beobachtet!

Herr Bockerer

Hansi Bockerer

Frau Bockerer

Herr Hatzinger

b) Kreuze die Charaktereigenschaften der von dir beobachteten Person an! politisch interessiert politisch nicht interessiert politisch informiert politisch nicht informiert naiv auf den eigenen Vorteil bedacht loyal gegenüber Freunden in übertriebener Weise angepasst hilfsbereit handelt menschlich ist der NS-Ideologie verfallen unmenschlich brutal grantig humorvoll widerspenstig unvoreingenommen unbekümmert skrupellos passt sich an, ohne nachzudenken

Weiteres: ________________________________________________________________________________________

c) Behandle folgende Fragen in deinem Heft!

• Hauptthema des Films

• Nebenthemen (falls vorhanden)

• Übereinstimmung der Darstellung mit bekanntem Wissen über die Zeit

• Glaubwürdigkeit der Personen im Film

• Vermittelte Urteile über Haupt- und Nebenfiguren oder eigene Urteilsbildung durch die Zuschauerinnen und Zuschauer

• Absicht des Films, eine bestimmte Meinung oder Ansicht zu vermitteln

d) Nimm eine Bewertung des Filmes vor!

Der Film hat mir gefallen. nicht gefallen.

e) Begründe, warum du diesen Film so beurteilst!

f) Wähle nun eine Szene aus, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist und fasse sie in einem Satz zusammen!

Begründung:

Nun geht’s los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

Das HJ-Lager – Jugendliche aus der NS-Zeit berichten über ihre Erfahrungen im HJ-Lager. Fasse gemeinsam mit deiner Sitznachbarin/deinem Sitznachbarn zusammen, welchem Zweck diese Lager gedient haben!

Abb. 5: Zeltlager der HJ, 1933

(Deutsches Bundesarchiv, Fotograf: Georg Pahl, Public Domain Jugendlicher aus Wien

Bei dieser Fahrt hat sich L., der war aus unserem Haus, der hat sich irgendwie negativ über die HJ damals bei dieser Fahrt geäußert. Den haben s‘ ca. 100 Meter weit rennen lassen und laut zurückschreien lassen: „Ich bin der größte Trottel!“

Aus: Achs, Oskar; Tesar, Eva (Hg): Jugend unterm Hakenkreuz. Erziehung und Schule im Faschismus. Wien (1988), S. 37.

Karl-Heinz

Schnibbe, HJ-Mitglied

1936: Es war sehr aufregend, die Übernachtungen im Zeltlager, die Lagerfeuer und -paraden kamen mir sehr unterhaltsam vor.

1937: Das Brüllen und Herumkommandieren reizte mich nicht mehr.

Aus: Campbell Bartoletti, Susan: Jugend im Nationalsozialismus. Zwischen Faszination und Widerstand. Berlin (2007), S. 38 u. S. 55

Inge Scholl

Wir waren mit Leib und Seele dabei. Und wir konnten es nicht verstehen, dass unser Vater nicht glücklich und stolz Ja dazu sagte. Und manchmal verglich er Hitler mit dem Rattenfänger von Hameln, der die Kinder mit seiner Flöte ins Verderben gelockt hatte.

Aus: Campbell Bartoletti, Susan: Jugend im Nationalsozialismus. Zwischen Faszination und Widerstand. Berlin (2007), S. 49/50

Jugendlicher der HJ, in einem Brief an seine Eltern

Dies ist kein Lagerleben, wirklich nicht! Es ist Militärkasernenleben! Wir machen Militärübungen, hinunter in den Schlamm, bis uns die Zunge aus dem Mund hängt, werfen Handgranaten; später „theoretische“ Anweisungen über Militärtaktik […] Wir haben nur einen einzigen Wunsch: Schlafen, schlafen, schlafen.“

Aus: Campbell Bartoletti, Susan: Jugend im Nationalsozialismus. Zwischen Faszination und Widerstand. Berlin (2007), S. 99

Jugendlicher aus Wien

Die Mannschafts- und Kampfspiele waren besonders wichtige Spielformen. […] Allerdings hat der HJ-Führer sicher nicht bedacht, dass in der einen Gruppe kampflustige Hernalser Gassenbuben mitkämpften, die ihm die verhergehende Schleiferei zurückzahlten.

[…] Die Hernalser aber, […] die haben sich aber alle auf diesen Führer gestürzt, und der is gehaut worden, also der war voll Blut.

Aus: Achs, Oskar; Tesar, Eva (Hg): Jugend unterm Hakenkreuz. Erziehung und Schule im Faschismus. Wien (1988), S. 30.

Ordnet in Partnerarbeit die Aussagen den Kategorien „positive Erfahrungen“ und „negative Erfahrungen“ zu!

Vergleicht die Wahrnehmungen: Welche Unterschiede fallen euch auf? Welche Gründe könnte es geben, dass Jugendliche die Lager so verschieden erlebt haben?

Deutet die Absichten hinter den Lagern: Welche Ziele verfolgte die NS-Führung mit solchen Lagern – auch wenn die Jugendlichen selbst sie unterschiedlich wahrnahmen?

Diskutiert in Kleingruppen: Warum können Zeitzeugenberichte sehr unterschiedlich sein? Welche Rolle spielen persönliche Erfahrungen, Erwartungen oder spätere Erinnerungen?

Erörtere in deinem Heft, warum Jugendliche, die anfangs begeistert waren, sich später von der HJ abwandten!

11. AUF DEM WEG IN DEN ZWEITEN WELTKRIEG

Höre dir zunächst die Rede von Hitler vor dem deutschen Reichstag am 17. Mai 1933 an! (Q1)

Notiere, wie Hitler im Video auftritt (Gestik, Stimme, Betonung)!

Halte die zentralen Botschaften der Rede stichpunktartig fest (z. B. Bezug auf Frieden, Abrüstung, Völkerbund)!

Erkläre, welche Wirkung Hitler mit diesem Auftritt im Reichstag und nach außen (z. B. gegenüber den Westmächten) erzielen wollte!

Diskutiert in der Klasse, ob diese Rede glaubwürdig wirkt – auch im Vergleich zu dem, was ihr aus späteren Jahren wisst!

Die Aufrüstung beginnt

Das Deutsche Reich und Italien begannen schon Mitte der 1930er-Jahre mit ihrer Aufrüstung. Ziel ihrer imperialistischen Politik war es, andere Völker zu unterwerfen und so den eigenen Machtbereich zu vergrößern. Auch Japan rüstete stark auf, um die Vorherrschaft in Ost-Asien und im pazifischen Raum zu erringen. Im Oktober 1936 schlossen das Deutsche Reich und Italien einen Bündnispakt, die sogenannte „Achse RomBerlin“, dem sich auch Japan anschloss. Mit dem Überfall Italiens auf Abessinien, das Mitglied des Völkerbundes war, und dem japanischchinesischen Krieg von 1937 steuerte die Welt Schritt für Schritt auf einen Weltkrieg zu.

Das Deutsche Reich bereitet den Krieg vor

Großbritannien und Frankreich versuchten durch Zugeständnisse an das Deutsche Reich, den bedrohten Frieden in Europa zu bewahren. Diese Appeasement Politik führte dazu, dass die deutsche Armee ein Land nach dem anderen besetzte, ohne dass Großbritannien und Frankreich einschritten.

12. März 1938: Besetzung Österreichs

1. Oktober 1938: Besetzung des Sudetenlandes

15. März 1939: Einmarsch deutscher Truppen in Böhmen und Mähren

Q2: Hitler zu den Oberbefehlshabern der Wehrmacht (10. 11. 1937)

Zur Lösung der deutschen Frage kann es nur den Weg der Gewalt geben, […] zur Verbesserung unserer militärpolitischen Lage muss unser erstes Ziel sein, die Tschechei und gleichzeitig Österreich niederzuwerfen.

Aus: Schönbrunn, Günter: Weltkriege und Revolutionen, 1914 – 1945. München (1961), S. 456.

Appeasement Politik, die: Beschwichtigungspolitik

Sudetenland, das: Teil der Tschechoslowakischen Republik; hier lebten viele Deutschsprachige

Q1 + Q2: Untersuche, welche Unterschiede sich in Hitlers Zielen zeigen! Verfasst in Partnerarbeit eine kurze Stellungnahme (max. 10 Sätze): Wie lässt sich der Widerspruch zwischen „Frieden verkünden“ (1933) und „Krieg vorbereiten“ (1937) erklären?

K1: Beschreibe mit Hilfe der Karte, woran das Scheitern des Münchner Abkommens zu erkennen ist!

Ostsee

Bereits im September 1938 hatten Großbritannien und Frankreich im Münchner Abkommen mit dem Deutschen Reich vereinbart, dass die Tschechoslowakei das Sudetenland am 1. Oktober an das Deutsche Reich abzutreten hatte. Im Gegenzug verpflichtete sich Hitler dazu, keine weiteren territorialen Forderungen zu stellen. Doch mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Böhmen und Mähren am 15. März 1939 brach Hitler sein Versprechen und die Tschechoslowakische Republik hörte auf zu existieren. Die Slowakei blieb zwar als Staat bestehen, war jedoch vom Deutschen Reich abhängig.

Sudetenland 1.–4. 10. 1938

Böhmen-Mähren 15. 3. 1939

ÖSTERREICH (Ostmark) 12. 3. 1938

K1: Gebietsgewinne durch Annexion

Freie Stadt

Danzig 1. 9. 1939

Memelland 23.3.1939

Deutsches Reich Annexion durch das Deutsche Reich

12. DER ZWEITE WELTKRIEG

Der Ausbruch des Krieges

Nachdem Großbritannien und Frankreich erkannt hatten, dass es zwecklos war, mit dem Deutschen Reich Verträge abzuschließen, rüsteten sie auf. Als Hitler Anspruch auf Polen erhob, garantierten Großbritannien und Frankreich Polen die Unverletzlichkeit seiner Grenzen. Völlig überraschend schloss aber Hitler im August 1939 mit Stalin (Sowjetunion) einen Nichtangriffspakt. Ein geheimes Zusatz-abkommen sah vor, dass Polen unter den beiden Staaten aufgeteilt werden sollte.

Am 1. September 1939 befahl Hitler den Angriff auf Polen. Nun traten auch Großbritannien und Frankreich am 3. September 1939 in den Krieg gegen das Deutsche Reich ein. Der Zweite Weltkrieg in Europa hatte begonnen.

Kriegsverlauf

Bei Kriegsbeginn verfügte das Deutsche Reich über weitaus mehr und auch bessere Waffen als seine Kriegsgegner. Dadurch konnten die deutschen Truppen in einem „Blitzkrieg“ große Erfolge erzielen.

1939: Polen wurde besiegt und zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion aufgeteilt.

Ab April 1940: Dänemark, Norwegen, Niederlande, Belgien und Frankreich wurden besiegt und besetzt.

1940: Italien trat in den Krieg ein. Jugoslawien und Griechenland wurden mit Hilfe deutscher Truppen besetzt.

K1: Europa während des 2. Weltkrieges

1940 – 1941: Es kam zur „Luftschlacht um England“, das sich erfolgreich gegen die Angriffe der Deutschen Wehrmacht verteidigen konnte.

1941: Da Hitler im Osten Europas neuen „Lebensraum für das deutsche Volk“ gewinnen wollte, griff das Deutsche Reich trotz des Nichtangriffspaktes die Sowjetunion an. Deutschen Truppen drangen bis Leningrad und Moskau vor. Erst die Kälte und der Schnee im Winter sowie die schlechten Versorgungsmöglichkeiten stoppten das Vordringen der Deutschen Wehrmacht nach Osten.

Dezember 1941: Japanische Flugzeuge überfielen den amerikanischen Flottenstützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii. Kurz danach erklärten auch das Deutsche Reich und Italien als Verbündete Japans den USA den Krieg. Damit war aus dem europäischen Krieg ein Weltkrieg geworden.

1942: Truppen des Deutschen Reichs waren im Osten bis Stalingrad vorgestoßen. Dort wurden sie im Winter 1942/43 von sowjetischen Truppen eingeschlossen und vernichtend geschlagen.

Nichtangriffspakt, der: vertragliche Zusicherung, keine militärischen Aktionen gegeneinander vorzunehmen

Blitzkrieg, der: schneller und unerwarteter militärischer Vorstoß, der den Gegner überrumpeln soll

Wer sind die Alliierten?

Die Westmächte (USA, Großbritannien und Truppen der französischen Exilregierung) verbünden sich mit der Sowjetunion (D Alliierte) gegen das Deutsche Reich, Japan und Italien

Hitlers „Mein Kampf“

Bereits in seinem Buch „Mein Kampf“ forderte Adolf Hitler, dass das deutsche Volk mehr Platz im Osten für sich in Anspruch nehmen müsse. Diesen Anspruch auf „Lebensraum für das deutsche Volk“ begründete er mit seiner Rassenlehre.

K1: Beschreibe, welche Staaten im Jahr 1939 zum „Großdeutschen Reich“ gehörten!

Zähle jene Staaten auf, die mit Deutschland verbündet waren, und jene, die zu den Gegnern gehörten!

Erläutere, welche Folgen Kriege für die Zivilbevölkerung haben können!

Erkläre, warum London und Paris wichtige Ziele für Deutschland waren!

Beurteile, welche Schwierigkeiten die deutsche Kriegsführung aufgrund der geografischen Ausdehnung hatte!

Moskau
Leningrad
Berlin Rom Paris London Wien
Stalingrad
Großdeutsches Reich, 1939
von deutschen Truppen besetzte Gebiete

Normandie:

kapitulieren: sich dem Gegner ergeben

Sammelt Argumente für und gegen den Abwurf der Atombomben (z. B. Kriegsende, Vermeidung einer Invasion, Demonstration der Macht, Leid der Zivilbevölkerung)!

Diskutiert, ob ihr die Entscheidung Trumans nachvollziehbar findet oder nicht.

Erstellt ein Plakat oder eine digitale Collage, auf der ihr eure Position mit mindestens drei Argumenten darstellt.

D1: Stelle fest, welches Stilmittel der Autor einsetzt, um die verheerende Wirkung der Atombombe zu betonen! Unterstreiche dazu die Anfänge dieser Sätze!

Diskutiert gemeinsam die folgenden Punkte:

• Vorteile und Nachteile der „nuklearen Abschreckung“

• Aktuelle Relevanz der Debatte über den Umgang und die Nutzung von Atomwaffen

• Politische Spaltung und unterschiedliche Positionen zu diesem Thema

nukleare Abschreckung, die: Ein Land, das Atomwaffen hat, wird nicht angegriffen, da man sich vor einem Gegenangriff mit Atomwaffen fürchtet.

Landung der Alliierten und Kriegsende

Abb. 1: US-Truppen bei der Landung in der Normandie (Omaha Beach), 6. Juni 1944. (Foto: Robert F. Sargent (US Coast Guard),: U.S. National Archives,, Public Domain)

Abb. 2: zerstörtes Hiroshima, 1945 – Luftaufnahme (U.S. National Archives, Public Domain)

1943 landeten die Briten und USAmerikaner in Italien und drangen bis Rom vor. Mussolini wurde abgesetzt und Italien stellte sich auf die Seite der Alliierten.

Im Juni 1944 landeten alliierte Truppen in der Normandie in Frankreich. Beteiligt waren nicht nur die USA und Großbritannien, sondern auch Kanada, Australien, Neuseeland, Polen, Norwegen und weitere Länder. Diese größte Landungsoperation des 2. Weltkriegs ging als „D-Day“ in die Geschichte ein.

Im September erreichten die Alliierten die deutsche Grenze, während die Sowjetarmee von Osten vorrückte. Bombenangriffe zerstörten deutsche Städte. Nach Hitlers Selbstmord kapitulierte das Deutsche Reich am 8. Mai 1945.

Anfang 1945 zerstörten amerikanische Bomber japanische Städte. Trotz der aussichtslosen Lage wollte Japan nicht kapitulieren. US-Präsident Harry Truman entschied daher, die neu entwickelte Atombombe einzusetzen, um den Krieg schnell zu beenden und eine verlustreiche Invasion Japans zu verhindern..Am 6. August 1945 wurde Hiroshima, drei Tage später Nagasaki zerstört. Am 2. September 1945 kapitulierte Japan – der Zweite Weltkrieg war zu Ende.

D1: Ausschnitt aus dem Buch „Sadako will leben“

Im millionsten Teil einer Sekunde entflammte eine neue Sonne in grellweißem Licht. Hundertfach heller als die Himmelssonne. Und dieser Feuerball strahlte Millionen Hitzegrade gegen die Stadt Hiroshima. In dieser Sekunde verbrannten 86 100 Menschen. In dieser Sekunde erlitten 72 000 Menschen schwere Verletzungen. In dieser Sekunde wurden 6 820 Häuser pulverisiert. [...] In dieser Sekunde stürzten außerdem 3 750 Gebäude ein und die Trummer begannen zu brennen. [...] In dieser Sekunde hatte das Ebenbild Gottes den ersten Versuch unternommen, sich mit Hilfe der Wissenschaft selbst zu vernichten. Der Versuch war gelungen. Aus: Bruckner, Karl: Sadako will leben. Wien (o. J.), S. 100.

BILANZ des ZWEITEN WELTKRIEGES

Opfergruppe

Weltweit gesamt

Schätzungen /Hinweise

70 – 85 Millionen Tote

Zivilistinnen/Zivilisten 50 – 55 Millionen

Soldaten 21 – 25 Millionen

Sowjetunion ca. 26 – 27 Millionen

Deutschland/Japan jeweils rund 3 – 6 Millionen Holocaust

ca. 6 Millionen ermordete Jüdinnen und Juden

Frankreich

los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

Für Expertinnen und Experten – Stelle mit eigenen Worten dar, was in den 1930er-Jahren unter imperialistischer Politik zu verstehen ist!

Deute die Karikatur „Hitler und Stalin als Ehepaar“ (1939), indem du die Kernaussage in eigenen Worten erklärst! Vergleicht anschließend im Plenum eure Deutungen und gebt euch gegenseitig Feedback: Habt ihr alle dieselbe Kernaussage erkannt, oder gibt es unterschiedliche Sichtweisen?

Abb. 3: Hitler und Stalin als Ehepaar - Karikatur in der englischen Zeitung „Punch“, 1939 - Die Karikatur zeigt Hitler und Stalin als frisch verheiratetes Ehepaar. Sie bezieht sich auf den Hitler-Stalin-Pakt, der am 23. August 1939 zwischen dem Deutschen Reich und der UdSSR geschlossen wurde. In diesem Nichtangriffsvertrag vereinbarten beide Diktatoren, sich gegenseitig nicht militärisch anzugreifen und Polen sowie andere Gebiete Osteuropas untereinander aufzuteilen.

3

Bündnisblöcke im 2. Weltkrieg – Bemale mit je einer Farbe: das Deutsche Reich 1939 blau, die Verbündeten des Deutschen Reichs hellrot, die Gegner des Deutschen Reichs grün und die neutralen Staaten gelb Beschrifte die eingezeichneten Städte! 1

13. KRIEGSELEND IM „TOTALEN KRIEG“

Q1: Rede Joseph Goebbels im Berliner Sportpalast vom 18. 2. 1943

Ich frage euch: Wollt ihr den totalen Krieg? Wollt ihr ihn, wenn nötig, totaler und radikaler, als wir ihn uns heute überhaupt noch vorstellen können?

Aus: Bedürftig, Friedemann: Chronik des Zweiten Weltkrieges. Gütersloh/München (2004), S. 261.

Abb. 3: junger Volkssturmsoldat, 1945 (US Army Signal Corps, Public Domain)

Q1: Beschreibe, wie Goebbels die Zuhörer anspricht!

Erkläre, warum er diese Rede gerade im Februar 1943 hielt!

Arbeite heraus, wer die Last des „Totalen Krieges“ tragen musste und wer ihn forderte!

Beurteile, welche Wirkung die Rede auf die Zuhörer gehabt haben könnte und welche Ziele Goebbels damit verfolgte!

Abb. 3: Formuliere drei Fragen, die du an den Jungen stellen möchtest!

D1: Analysiere, welche Bewertung die Autorin in ihrem Text für folgende Gruppen und Bereiche vornimmt!

Endsieg – Führer – Alliierte

Leningrad: früherer Name von Sankt Petersburg (1924–1991) in Russland; im Zweiten Weltkrieg Ort der verheerenden Belagerung (1941–44).

Der „Totale Krieg“

Nach der Niederlage bei Stalingrad 1943 ordnete Hitler den „Totalen Krieg“ an. Das gesamte Leben wurde dem Krieg untergeordnet: Frauen arbeiteten verstärkt in der Rüstungsindustrie, Männer wurden an die Front geschickt. Im „Volkssturm“ mussten schließlich auch Jugendliche und alte Männer kämpfen. Millionen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus besetzten Gebieten wurden in Fabriken, Bergwerken und auf Bauernhöfen unter unmenschlichen Bedingungen eingesetzt. Der Krieg forderte so viele Opfer und Zerstörungen wie nie zuvor und traf auch die Zivilbevölkerung weltweit.

1: Angehörige identifizieren die Opfer eines deutschen Luftangriffs in Frankreich, Juni 1940. (Imperial

Dresdner

Der Bombenkrieg machte das Hinterland zum Kriegsgebiet. Dadurch waren Zivilpersonen vom Kriegsgeschehen direkt betroffen. So wurde im Februar 1945 die deutsche Stadt Dresden zwei Tage lang ohne Unterbrechung bombardiert. Binnen weniger Stunden fanden Zehntausende den Tod. Da in Wiener Neustadt kriegswichtige Produktionsstätten lagen, bombardierten die Alliierten diese Stadt als Erste auf österreichischem Gebiet. Insgesamt warfen sie über 50.000 Bomben auf Wiener Neustadt ab.

D1: „Unser Hund und der Krieg“ von Käthe Recheis (1978)

Die Amerikaner, die Franzosen, die Engländer und die Russen marschierten von allen Seiten heran, die Hitlertruppen befanden sich auf dem Rückzug. Der Führer versprach noch immer den Endsieg. Wir fingen an, auf unsere Befreiung zu hoffen. Aber unsere Befreier waren noch weit, und inzwischen schickten sie uns ihre Flugzeuge und Bomben. Die Bomben trafen ohne Unterschied Endsieg-Gläubige und Nichtendsieg-Gläubige. Den Führer trafen die Bomben nicht. Der Führer saß in seinem bombensicheren Bunker.

Aus: Recheis, Käthe: Unser Hund und der Krieg. In: Bruckner, Winfried: Damals war ich vierzehn: Jugend im Dritten Reich: Berichte und Erinnerung. Wien (1978), S. 31

Auch der Mangel an Nahrungsmitteln und das Fehlen von Heizmaterial forderten viele Opfer. Besonders dramatisch war die Lage in der Stadt Leningrad: Zwischen 1941 und 1944 blockierte die deutsche Wehrmacht gezielt alle Versorgungswege. Dadurch litten die Menschen unter extremer Kälte, Hunger und Krankheiten. Etwa 1 Million Zivilistinnen und Zivilisten starben während der Blockade.

Abb.
War Museums, Public Domain)
Abb. 2:
Innenstadt, Februar 1945 (Deutsche Fotothek)

Die Neuordnung Europas

Bereits lange vor Kriegsende stellten die Alliierten Überlegungen zur Neugestaltung Europas an. 1943 erklärten die Außenminister von Großbritannien, der Sowjetunion und den USA in der Moskauer Deklaration, dass Österreich das erste Land war, das der Angriffspolitik des Deutschen Reichs zum Opfer gefallen war. Österreich sollte von der deutschen Herrschaft befreit und als unabhängiges Land wiederhergestellt werden. Gleichzeitig wurde aber auch auf die Mitverantwortung Österreichs am Krieg hingewiesen.

Im Februar 1945 trafen sich der amerikanische Präsident Roosevelt , der britische Premierminister Churchill und der sowjetische Diktator Stalin zu einer Konferenz in Jalta. Bei den Besprechungen ging es vor allem um die Machtaufteilung in Europa nach Ende des Krieges.

Beschlüsse der Konferenz von

Jalta

2 Alle von deutschen Truppen überrannten Staaten wurden wiederhergestellt. Sie erhielten ihre alten Grenzen wieder.

Abb. 4: Diskutiert in der Klasse darüber, wer eurer Meinung nach die Verantwortung an einem Krieg trägt!

Jalta: Badeort auf der Halbinsel Krim (Sowjetunion)

2 Polen stellte eine Ausnahme dar, da die Sowjetunion nicht auf die polnischen Gebiete verzichtete. Polen verlor Gebiete im Osten und erhielt als Entschädigung deutsche Gebiete zugesprochen.

2 Deutschland und Österreich wurden in vier Besatzungszonen geteilt und zu Reparationszahlungen verpflichtet.

Vertreibung und Flüchtlingselend

Während des Krieges mussten viele Menschen vor dem Kriegsgeschehen und den Bombenangriffen fliehen und in anderen Teilen des Deutschen Reiches Zuflucht suchen.

Beim deutschen Vormarsch nach Osten kam es zu zahlreichen Verbrechen durch Angehörige der Wehrmacht an der Zivilbevölkerung. So wurden Massen-morde an Zivilistinnen und Zivilisten begangen und Kriegsgefangene misshandelt und getötet. Viele Menschen wurden aus den besetzten Gebieten im Osten Europas vertrieben, um dort Deutsche anzusiedeln.

Zwischen 1944 und 1947 mussten etwa 12–14 Millionen deutschsprachige Menschen, die teils seit Jahrhunderten in Regionen wie Schlesien, Ostpreußen oder dem Sudetenland lebten, ihre Heimat verlassen. Viele wurden von Behörden und Soldaten gewaltsam vertrieben, enteignet und misshandelt; es kam auch zu Tötungen. Auf Fluchtwegen und in überfüllten Transporten starben Hunderttausende an Kälte, Hunger und Krankheiten. Gründe waren Vergeltung für NS-Verbrechen und die politische Neuordnung Europas nach dem Krieg.

Q2: Bericht des US-General Eisenhowers, Oktober 1945

Abb. 4: Churchill, Roosevelt und Stalin in Jalta (RZ nach einem Foto, 4. – 11. Februar 1945)

Abb. 5: Deutsche Flüchtlinge, 1945 (Fotograf unbekannt, Deutsches Bundesarchiv)

In Schlesien verursachen die polnische Verwaltung und ihre Methoden eine große Flucht der deutschen Bevölkerung nach dem Westen. [...] Viele, die nicht wegkönnen, werden in Lagern interniert, wo unzureichende Rationen und schlechte Hygiene herrschen. [...] Die Todesrate in Breslau hat sich verzehnfacht [...] Typhus, Fleckfieber, Ruhr und Diphtherie verbreiten sich.

Aus: De Zayas, Alfred M.: Anmerkungen zur Vertreibung der Deutschen aus dem Osten. Stuttgart (1993), S. 152f.

Q2 + Abb. 5: Recherchiere in Tageszeitungen/im Internet und arbeite Antworten auf diese Fragestellungen heraus! Aus welchen Ländern flüchten Menschen? Welche Gründe haben sie für ihre Flucht? Wie und wo leben Flüchtlinge bei uns in Österreich?

Auf der Flucht – Analysiert die Fotos in Partnerarbeit. Schreibt in die Sprechblasen Gedanken der Personen. Diskutiert anschließend, welche Parallelen ihr zu heutigen Fluchterfahrungen seht! Notiert eure gewonnenen Erkenntnisse in euren Heften!

a) Sammle deine Eindrücke von den Menschen auf diesem Bild!

b) Schreibe dann in die Sprechblasen, was diese Menschen gerade über ihre Situation denken könnten!

meine Eindrücke: meine Eindrücke:

Formuliere jeweils drei Fragen, die du an diese Menschen stellen möchtest!

Abb. 6: Deutsche Familie auf der Flucht in Ostpreußen (1944)
Abb. 7: Flüchtlinge auf der Balkanroute (22. 2. 2016)

Nun geht’s los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

Propaganda und Wirklichkeit – Verfasse mit Hilfe der beiden Quellen aus dem Zweiten Weltkrieg einen Leserbrief, in dem du auf die Versprechen der Nationalsozialisten und die tatsächliche Realität der Soldaten im Krieg aufmerksam machst!

Abb. 8: Seite aus einem deutschen Kinderbuch: Hitlerjugend! Hurra, Hitlerjugend! O lass uns hinlaufen! Sie marschieren schon los! (Illustration aus der nationalsozialistischen Schulfibel „Hilf mit!“, Ausgabe 1941: Deutsches Historisches Museum, Sammlung Schulbücher)

4

Zeitzeugen berichten im Buch „Auf der Flucht“ von Guido Knopp – Kreuze jene Textkästchen an, welche die russische Sichtweise der Flucht von 1945 wiedergeben!

Die Trecks sind meistens nachts übers Haff gefahren, weil sie am Tag beschossen wurden. Da, wo Bomben Löcher ins Eis geschlagen hatten, stand immer jemand und leitete die Wagen um das Loch herum. Tote Pferde, Hausrat und auch tote Menschen schwammen in den Löchern.

Es genügt nicht, die Deutschen nach Westen zu treiben. Die Deutschen müssen ins Grab gejagt werden. Gewiss ist ein geschlagener Fritz besser als ein unverschämter. Von allen Fritzen aber sind die toten am besten.

Der Bahnhof war überfüllt, die Bahnsteige und Warteräume waren voll mit Frauen und Kindern. Es war im Januar, im strengsten Frost. Sie saßen auf dem Boden und warteten auf einen Zug. Ein Soldat fragte einen Bahnbeamten, wann denn ein Zug kommen würde. Der antwortete: „Es fährt keiner mehr.“

Es war eine grauenvolle Fahrt: Ich hatte meine beiden kleinen Kinder fest im Arm, weil ich mir sagte, wenn wir getroffen werden würden, dann hoffentlich alle.

Auf der Flucht reichte die Solidarität nicht über die eigene Familie hinaus. Die Konkurrenz um Wasser, einen Schlafplatz oder warmes Essen war hart. Das Bisschen, das man bekam, wurde in der Familie aufgeteilt – man gab nichts ab.

Auf dem Gutshof lebten überwiegend Wohlhabende. Die meisten von ihnen hatten aus der UdSSR verschleppte Menschen beschäftigt und behandelten sie wie Sklaven. Wir haben beobachtet, wie anderthalb Dutzend unserer befreiten Bürger eine Züchtigung ihres Herrn vornahmen. Sie führten ihn aufs Feld außerhalb des Gutshofs und ließen ihn nackt und barfuß im Kreis laufen und spornten ihn mit Peitschen an. Eine moralische Rache für unmenschliche Behandlung.

Treck: Wagenzug Haff: seichter Bereich eines Meeres Fritz: Bezeichnung für einen Deutschen

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Führt eine Diskussion in der Klasse zu folgenden Themenblöcken!

1. Woran erkennt man politische Beeinflussung und wie kann man ihr entgegentreten?

2. Wie sollten nach einem Krieg Verlierer und Sieger einander gegenübertreten?

Abb. 9: Deutsche Soldaten im Kampf um Moskau 1941 (Bundesarchiv, Fotograf: o.Ang.)

14. DARSTELLUNG DES ZWEITEN WELTKRIEGS IN DEN MEDIEN

Erstellt eine Tabelle, in der ihr Beispiele aus verschiedenen Medien (z. B. Film, Computerspiel, Buch, Dokumentation) sammelt und kurz beschreibt, wie der Zweite Weltkrieg dort dargestellt wird! Stellt eure Ergebnisse anschließend im Plenum als Mindmap vor!

Reflektiert abschließend schriftlich, warum kritisches Hinterfragen wichtig ist

Wähle eine TVDokumentation oder einen Film über den Zweiten Weltkrieg aus! Untersuche eine konkrete Szene daraus und beschreibe, wie der Krieg dargestellt wird!

Beschreibe den Inhalt des Films!

Analysiere, welche Informationen du daraus erhältst!

Bewerte, ob der Film oder die Dokumentation das Geschehen sachlich darstellt oder eher auf Emotionen setzt!

Bereite eine kleine Präsentation vor, in der du erklärst, warum Dokumentationen oft eine andere Wirkung haben als Filme oder Computerspiele! Verwende Beispiele aus bekannten Medien!

Analysiere anhand einer bestimmten Szene einer Serie oder eines Computerspiels, wie der Zweite Weltkrieg dargestellt wird! Achte auf historische Fakten und mögliche fiktionale Elemente!

Beurteile, wie realistisch die Darstellung ist. Begründe deine Einschätzung mit Beispielen!

Reflektiert in Partnerarbeit, warum es wichtig ist, Filme und Serien über den Zweiten Weltkrieg kritisch zu hinterfragen!

Der Zweite Weltkrieg wird heute in vielen Medien gezeigt, zum Beispiel in TVDokumentationen, Computerspielen, Filmen oder Serien. Jede dieser Darstellungen erzählt die Geschichte auf eine andere Art.

In TV-Dokumentationen werden häufig historische Bilder und Fakten verwendet. Sie zeigen, was damals passiert ist, welche Länder im Krieg waren und wie die Menschen darunter gelitten haben. Allerdings sind auch Dokumentationen nicht völlig objektiv: Auswahl und Darstellung der Bilder sowie Kommentare sind von den Machern beeinflusst. Solche Sendungen dienen dazu, Wissen zu vermitteln, können aber auch bestimmte Sichtweisen verstärken und regen die Zuschauerinnen und Zuschauer zum Nachdenken an..

Computerspiele und die Darstellung des Zweiten Weltkriegs Computerspiele wie Call of Duty zeigen den Zweiten Weltkrieg oft als spannendes Action-Erlebnis. Die Spielerinnen und Spieler schlüpfen in die Rolle eines Soldaten und kämpfen in verschiedenen Missionen. Dabei liegt der Fokus auf aufregenden Kämpfen, nicht auf einer genauen Darstellung der Geschichte. Viele wichtige Ereignisse oder grausame Seiten des Krieges werden kaum erwähnt oder stark verändert, um das Spiel unterhaltsamer zu machen.

Im deutschsprachigen Raum gelten strenge Regeln für Spiele zum Zweiten Weltkrieg: Verbotene Symbole wie Hakenkreuze werden ersetzt, Propaganda entfernt und Szenen mit Hitler oder der SS herausgeschnitten. Manche Handlungen werden verändert, damit Themen wie Konzentrationslager nicht vorkommen.

Diese Änderungen sorgen für Diskussionen. Während einige die Zensur für sinnvoll halten, kritisieren andere, dass dadurch die Verbrechen des Nationalsozialismus verharmlost werden könnten. Der Journalist Rainer Sigl von Der Standard warnte, dass solche Anpassungen das Geschichtsbewusstsein beeinflussen könnten. Deshalb ist es wichtig, sich nicht nur auf Spiele zu verlassen, sondern auch andere Quellen wie Bücher und Dokumentationen zu nutzen, um die Vergangenheit richtig zu verstehen.

Darstellung von Nationalsozialismus, Holocaust und Zweitem Weltkrieg in Filmen und Serien

Filme und Serien, wie Schindlers Liste oder Band of Brothers, erzählen oft von Menschen, die den Krieg erlebt haben. Sie zeigen die Schrecken des Krieges und sollen die Zuschauer emotional berühren. Solche Geschichten sind manchmal mit erfundenen Elementen vermischt, damit sie spannender wirken.

Alle diese Darstellungen helfen uns, mehr über den Zweiten Weltkrieg zu erfahren. Es ist aber wichtig, kritisch zu hinterfragen, ob das, was gezeigt wird, wirklich so passiert ist. Nur so können wir die Geschichte richtig verstehen.

Abb. 1: Dokumentationsfilm „Luftschlacht um England“, 2019 (orf.on)

So schätze ich mich nach dem Großkapitel „Faschismus – Nationalsozialismus – Kommunismus“ selbst ein: Kreuze jenen Daumen an, der für dich am ehesten zutreffend ist!

Ich kann…

…die kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklungen der 1920er-Jahre erklären.

…die Ursachen und den Verlauf der Weltwirtschaftskrise von 1929 darlegen und deren Auswirkungen auf unterschiedliche Länder erklären.

…beschreiben, wie die Wirtschaftskrise zu sozialen Problemen und politischen Radikalisierungen führte.

…darstellen, wie Arbeitslosigkeit das Leben und den Alltag der Menschen beeinflusste.

…die Merkmale autoritärer Regime und Diktaturen in Europa in den 1920er- und 1930er-Jahren beschreiben.

…erklären, wie Stalin in der Sowjetunion, Mussolini in Italien und Hitler in Deutschland ihre Macht ausbauten und festigten.

…die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen totalitären Regimen analysieren.

…die politischen Entwicklungen in Österreich in den 1930er-Jahren nachvollziehen und die Ereignisse des österreichischen Bürgerkriegs und deren Bedeutung für die Demokratie erklären.

…politische Reden analysieren und interpretieren.

…beschreiben, wie die NSDAP die Gesellschaft gleichschaltete.

…die Rolle von Propaganda und deren Wirkung auf die Bevölkerung analysieren.

…die Ursachen, den Verlauf und die wichtigsten Wendepunkte des Zweiten Weltkriegs erläutern.

…die Auswirkungen des „Totalen Krieges” auf Soldaten und Zivilbevölkerung beschreiben.

…die Pläne der Alliierten zur Neugestaltung Europas nach dem Zweiten Weltkrieg erklären.

…die Verantwortung der einzelnen Akteure und die moralischen Fragen im Umgang mit der Nachkriegszeit kritisch reflektieren.

…die Unterschiede in der Darstellung des Zweiten Weltkriegs in TV-Dokumentationen, Filmen und Computerspielen analysieren.

Buchtipps

Um deine Kompetenzen noch mehr zu steigern, hier unsere Buchtipps:

für besonders Wissensdurstige

Anja Tuckermann: Ein Volk, ein Reich, ein Trümmerhaufen: Alltag, Widerstand und Verfolgung –Jugendliche im Nationalsozialismus (Arena 2019).

Susan Campbell Bartoletti: Jugend im Nationalsozialismus: Zwischen Faszination und Widerstand (Berlin Verlag 2007).

Dorothee Haentjes-Holländer: Paul und der Krieg: Als 15-Jähriger im Zweiten Weltkrieg (arsEdition 2019).

1. RASSISMUS UND ANTISEMITISMUS

D1: Besprecht in der Klasse, ob ihr solche Zuschreibungen aus eurem Alltag kennt!

Erarbeitet gemeinsam Argumente, wie ihr diesen Zuschreibungen entgegentreten könnt!

Männliche Schwarze (USA) Anteil an Bevölkerung

6 %

Anteil an von der Polizei erschossenen Personen (n = 987)

22 %

Abb. 1: Anteil von männlichen Schwarzen an der Bevölkerung der USA und an den von der Polizei Erschossenen (2017)

Institutioneller Rassismus: Rassismus, der von Institutionen (Polizei, Schule, Universität, …) ausgeübt wird

Abb1: Interpretiere dieses Diagramm! Wie kommt hier Rassismus zum Ausdruck?

D2: Benenne Formen des Rassismus in der Geschichte, die du schon kennen gelernt hast!

Sammle in den nächsten zwei Wochen mindestens 3 Zeitungs- oder Online-Artikel, in denen über Schwarze Menschen in Österreich berichtet wird.

Untersuche, ob bestimmte Vorurteile oder Klischees erkennbar sind!

Beurteile anschließend, ob die Berichterstattung diskriminierend wirkt oder nicht!

Antisemitismus, der: Diskriminierung gegen Jüdinnen und Juden

Diaspora, die: bedeutet, dass Menschen einer bestimmten Religion, Kultur oder Herkunft nicht nur in ihrem ursprünglichen Heimatland leben, sondern in viele verschiedene Länder verstreut sind.

Ghetto, das: hier D abgeschlossenes Stadtviertel, in dem die jüdische Bevölkerung getrennt von der übrigen Bevölkerung leben musste

Rassismus und Vorurteile

Viele Menschen haben Vorurteile gegenüber anderen, die anders aussehen oder sprechen. Oft glauben sie, diese Menschen seien weniger wert. In der Vergangenheit wurden solche Gruppen als „Rassen“ bezeichnet. Heute wissen wir jedoch, dass es keine Menschenrassen gibt.

Trotzdem gab und gibt es Diskriminierung. Früher rechtfertigten Politiker damit Kolonialisierung und Unterdrückung. Heute begegnen uns noch immer Vorurteile und Benachteiligung von Menschen, die als „anders“ gesehen werden.

D1: Definition „Rassismus“ aus Politik Lexikon für junge Leute

Rassismus bedeutet, dass man einer Gruppe von Menschen auf Grund bestimmter gemeinsamer Merkmale negative Eigenschaften zuschreibt. Diese negativen Eigenschaften werden biologisch begründet, d.h., man behauptet, dass sie angeboren seien. Im 19. Jahrhundert entstand die „Rassenkunde“. Untersucht wurden dabei die (sichtbaren) Unterschiede zwischen verschiedenen Gruppen von Menschen. Diese wurden in „Rassen“ eingeteilt. Diesen „Rassen“ wurden bestimmte Eigenschaften zugeschrieben.

Aus: http://www.politik-lexikon.at/rassismus/ (14. 2. 2025)

Heute versteht man unter Rassismus auch ein Machtproblem: Manche Gruppen werden dadurch benachteiligt, andere haben Vorteile

Rassismus in Geschichte und Gegenwart

Jahrhundertelang wurden Schwarze aus Afrika als Sklavinnen und Sklaven nach Amerika gebracht. Heute haben ihre Nachkommen in den USA zwar gleiche Rechte, werden aber immer noch diskriminiert.

D2: Wieder unbewaffneter Schwarzer in den USA von Polizei erschossen aus derstandard.at (18. April 2018)

Polizisten haben im US-Staat Kalifornien einen unbewaffneten Afroamerikaner erschossen. Die Beamten hätten vor einem Supermarkt in Barstow östlich von Los Angeles 30 Kugeln auf den 26-jährigen Diante Yarber abgefeuert, sagte dessen Anwalt Lee Merritt am Dienstag. Merritt beklagte den „ institutionellen Rassismus“, der zum Tod seines Mandanten geführt habe. Von dem Familienvater und dessen Begleitern sei keine Gefahr ausgegangen.

Aus: https://derstandard.at/2000078159245/Unbewaffneter-Schwarzer-in-den-USA-von-Polizei-erschossen (15. 8. 2018)

Antisemitismus – Rassismus gegen Jüdinnen und Juden

Den Antisemitismus gab es als Phänomen bereits in der Antike. Jüdinnen und Juden, die nach der Diaspora über die gesamte damals bekannte Welt verteilt lebten, wurden jahrtausendelang wegen ihres Glaubens ausgegrenzt, beraubt, entrechtet, verfolgt oder sogar ermordet. Der Begriff „Antisemitismus“ entstand aber erst im 19. Jh.

Im Mittelalter wurden sie aus der Gesellschaft ausgeschlossen und in Ghettos gezwungen. Falsche Behauptungen, wie dass sie Brunnen vergifteten oder Pestepidemien verursachten, führten zur Gewalt gegen sie.

Verfolgung

im

Mittelalter und in der Neuzeit

Im Mittelalter und in der Neuzeit kam es in vielen europäischen Ländern zu Verfolgungen und Pogromen gegen Jüdinnen und Juden. Neben der katholischen Kirche schürten auch andere religiöse Gruppen, darunter protestantische Prediger wie Martin Luther, sowie staatliche Herrscher den Hass. 1421 wurden in Wien 212 Jüdinnen und Juden verbrannt. 1449 wurde im spanischen Toledo das Gesetz der „Reinheit des Blutes“ erlassen, in dem festgeschrieben wurde, dass Juden und Jüdinnen von Geburt an aufgrund ihres „Blutes“ andersartig wären. Damit ging man gegen die wirtschaftlich sehr erfolgreichen konvertierten Juden vor. Nur ein Jahrhundert später wandte sich der einflussreiche Reformator Martin Luther in einer Schmähschrift gegen die jüdische Bevölkerung.

Q1: Von den Juden und ihren Lügen – Schmähschrift Luthers (1543)

Ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes, durchteufeltes Ding ist’s um diese Juden, so diese 1 400 Jahre unser Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen sind und noch sind. [...]

Ich nenne dieses Fremde schon an sich eine Plage und ein Verderben. Es ist noch mehr so zu nennen, weil die Juden ein verdorbenes und entartetes Volk sind.

Aus: Schwarz-Friesel, Monika; Reinharz, Jehuda: Sprache der Judenfeindlichkeit im 21. Jahrhundert. Berlin/Boston (2013), S. 58.

Judenverfolgung und Emanzipation in der Habsburgermonarchie

Im 16. Jahrhundert wurden jüdische Händler im Habsburgerreich aus wirtschaftlichen Gründen geduldet. Doch 1670 ließ Leopold I. 4.000 Jüdinnen und Juden aus Wien vertreiben, da sie sich nicht taufen ließen. Auch Maria Theresia (1740–1780) wies 20.000 Jüdinnen und Juden aus Böhmen aus.

Ihr Sohn Joseph II. (1780–1790) führte mit dem Toleranzpatent Reformen ein. Juden durften fast alle Berufe ausüben, mussten keine gelben Abzeichen mehr tragen und konnten deutschsprachige Schulen besuchen. Dennoch gab es weiter Einschränkungen, z. B. das Verbot, Hebräisch in der Öffentlichkeit zu sprechen. Nach Josephs Tod wurden die Reformen rückgängig gemacht. Erst 1867 wurden in der Habsburgermonarchie alle diskriminierenden Gesetze abgeschafft.

Pogrom, das: Ausschreitungen gegen nationale, religiöse oder ethnische Minderheiten

konvertieren: zu einem anderen Glauben – in diesem Fall zum Christentum – übertreten

Schmähschrift: Schrift, mit der jemand oder etwas schlecht dargestellt wird

Q1: Erörtert gemeinsam, welche Wirkung diese Quelle auf die schon in der Bevölkerung bestehenden Vorurteile gehabt haben könnte!

Juden in der österreichischen Gesellschaft

In der österreichisch-ungarischen Monarchie beteiligten sich viele jüdische Bürgerinnen und Bürger aktiv am gesellschaftlichen Leben. Einige praktizierten ihren Glauben öffentlich, andere konvertierten zum Christentum. Viele Juden wurden bedeutende Politiker, Künstler und Wissenschaftler, darunter Franz Kafka und Sigmund Freud

Neuer Antisemitismus im 19. Jahrhundert

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts verstärkten nationalistische Bewegungen wie die Völkische Bewegung den Judenhass. Der Franzose Arthur de Gobineau, ein Begründer des modernen Rassismus, behauptete fälschlicherweise, Juden seien eine eigene „Rasse“. Dieser Rassenantisemitismus führte letztlich zum Holocaust während der nationalsozialistischen Herrschaft. Der hebräische Begriff dafür ist Shoa.

Abb. 2: englische Karikatur „Der jüdische Geizhals“ (Hartwig von Hundt-Radowsky: Der Judenspiegel. Ein Schand- und Sittengemälde alter und neuer Zeit. Leipzig 1821)

Abb. 2: Analysiere diese Karikatur in Hinsicht auf Vorurteile gegen Jüdinnen und Juden! Gehe dabei auf Mimik, gesetzte Handlungen und Bildkomposition ein!

Holocaust: altgriechisch „vollständig verbrannt“

Shoa: hebräisch „großes Unheil

2. VERNICHTUNGSPOLITIK IM NATIONALSOZIALISMUS

Trupp: kleine Gruppe, die ein gemeinsames Vorhaben ausführt

Abb. 1: Arztpraxisschild 1935 (Gedenkstätte Deutscher Widerstand (Hrsg.): Arztschild von Dr. med. Israel Ernst Jacobsohn. Berlin, 1938.

Digitalisat: Deutsches Historisches Museum)

Beschreibe das Schild: Welche Informationen enthält es? Was fällt dir an der Formulierung auf?

Erläutere, welche Einschränkungen dieses Schild für den Arzt, aber auch für die Patientinnen und Patienten bedeutete!

Diskutiert in der Klasse, wie solche Maßnahmen das Alltagsleben von Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus veränderten!

Kreatur: abwertend verwendet D willenloses, gehorsames Werkzeug eines anderen

Q1: Analysiere die Wortwahl im Zitat von Heinrich Himmler! Welche sprachlichen Mittel werden eingesetzt, um Menschen als „Untermenschen“ darzustellen?

Beurteile, welche Gefahren es hat, wenn Gruppen von Menschen mit solcher Sprache beschrieben werden – sowohl im Nationalsozialismus als auch in aktuellen Debatten über Rassismus und Diskriminierung!

Q1 + Abb. 2: Interpretiere das Zitat von Himmler! Wen meint Himmler, wenn er vom „Untermenschen“ spricht?

Die Verfolgung beginnt

Nachdem die Nationalsozialisten die Wahlen im März 1933 mit ca. 44 % der Stimmen gewonnen hatten, setze ab dem 1. April 1933 die systematische Verfolgung der jüdischen Bevölkerung ein. Im ganzen Land stellten sich SA-Trupps vor jüdischen Geschäften auf, warfen die Scheiben ein, beschmierten die Wände und brachten Plakate mit Boykott-Aufrufen an.

Schlag auf Schlag wurden Gesetze erlassen, die die jüdische Bevölkerung in allen Lebensbereichen einschränkten.

• 7. 4. 1933: Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums R Politische Gegner und Juden werden ausgeschlossen. Juden dürfen keine Rechtsanwaltsbüros mehr eröffnen.

• 22. 4. 1933: Jüdische Ärzte dürfen nicht mehr für Krankenkassen tätig sein.

• 25. 4. 1933: Gesetz gegen die Überfüllung von deutschen Schulen und Hochschulen R Jüdische Schüler/Schülerinnen und Studenten/Studentinnen werden ausgeschlossen.

• 4. 5. 1933: Jüdische Arbeiter/Arbeiterinnen bei Behörden werden entlassen.

• 14. 7. 1933: Gesetz über die Einziehung „volks- und staatsfeindlichen“ Vermögens R Grundlage für die Enteignung

Quelle: Reichsgesetzblatt I, 1933, S. 175–177, Reichsgesetzblatt I, 1933, S. 236, Reichsgesetzblatt I, 1933, S. 225, Durchführungsverordnungen zum Berufsbeamtengesetz, Reichsgesetzblatt I, 1933, Reichsgesetzblatt I, 1933, S. 479–480.

Gleichzeitig verbreiteten die Nationalsozialisten in Zeitungen wie „Der Stürmer“ antisemitische Propaganda. Hetzparolen schürten offen die Pogromstimmung

Q1: Hetzzeitschrift „Der Untermensch“ – Einleitungszitat von Heinrich Himmler, Berlin 1942

Der Untermensch – jene biologisch scheinbar völlig gleich geartete Naturschöpfung mit Händen, Füßen und einer Art von Gehirn, mit Augen und Mund, ist doch eine ganz andere, eine furchtbare Kreatur, ist nur ein Wurf zum Menschen hin, mit menschenähnlichen Gesichtszügen – geistig, seelisch jedoch tiefer stehend als jedes Tier. Im Inneren dieses Wesens ein grausames Chaos wilder, hemmungsloser Leidenschaften: namenloser Zerstörungswille, primitivste Begierde, unverhüllte Gemeinheit. Untermensch – sonst nichts! Denn es ist nicht alles gleich, was Menschenantlitz trägt.

Aus: Franziska Schmidt: Zur Visualisierung der Macht. In: Blask, Falk; Friedrich, Thomas (Hg.): Menschenbild und Volksgesicht: Positionen zur Porträtfotografie im Nationalsozialismus. Sonderheft 36. Berlin/Hamburg/Münster (2005) S. 182.

Die NS-Hetzkampagnen sollten Jüdinnen und Juden zur Auswanderung drängen. Zwischen 1936 und 1938 verließen über 130.000 das Deutsche Reich.

All jene aber, die von anderen Ländern kein Visum zur Einreise bekommen hatten, waren tagtäglich Schikanen und Demütigungen ausgesetzt.

Novemberpogrome – gelenkte

Zerstörung

Als im November 1938 in Paris ein deutscher Diplomat von einem Juden ermordet wurde, nahmen die Nationalsozialisten diesen Vorfall zum Anlass, um der Parteibasis Gelegenheit zum Handeln gegen jüdisches Eigentum zu geben. Die seit dem Frühjahr 1938 begonnene gesetzliche Zwangsenteignung jüdischen Besitzes und jüdischer Unternehmen („Arisierung“) sollte planmäßig beschleunigt werden. Damit wollte das Regime die deutsche Aufrüstung finanzieren.

Abb. 3: Ein Liebespaar wird zur Schau gestellt, Juli 1933 (Bundesarchiv, Fotograf: unbekannt)

Visum: Genehmigung zur Einreise in ein fremdes Land

Die Lage eskalierte in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, als überall in Deutschland, aber auch auf österreichischem Gebiet – hier vor allem in Wien –, antisemitische Ausschreitungen vom Regime organisiert wurden.

Die Nationalsozialisten nannten diese Novemberpogrome zynisch „Reichskristallnacht – die Nacht des zerbrochenen Glases“, weil unzählige Fensterscheiben zu Bruch gingen. 1 400 Synagogen, Betstuben und Versammlungsräume sowie tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört, etwa 400 Menschen getötet.

Q2: SA-Befehl zu den Novemberpogromen,

10. 11. 1938

Sämtliche jüdische Geschäfte sind sofort von SA-Männern in Uniform zu zerstören [...] Jüdische Synagogen sind sofort in Brand zu stecken, jüdische Symbole sind sicherzustellen. Die Feuerwehr darf nicht eingreifen. [...] Der Führer wünscht, daß die Polizei nicht eingreift. [...] Tod dem internationalen Judentum.

Aus: Pätzold, Kurt: Verfolgung, Vertreibung, Vernichtung: Dokumente des faschistischen Antisemitismus 1933 – 1942. Köln (1984), S. 168.

Diplomat: Vertreter eines Landes im Ausland

Abb. 4: Jüdische Geschäftsleute in Wien müssen die Straße waschen. 1938 (Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB), Bildarchiv und Grafiksammlung)

Abb. 5: Brennende Synagoge in der Fasanenstraße, Berlin, November 1938.

(Foto: unbekannter Fotograf. Deutsches Historisches Museum)

Abb. 6: Verwüstetes jüdisches Geschäft nach den Novemberpogromen, Wien, November 1938

(Foto: National Archives and Records Administration, College Park, Maryland)

Abb. 1 + 2 + 3 + 4: Beurteile die Auswirkungen all dieser von den Nationalsozialisten gesetzten Schikanen!

Q2 + Abb. 5 + 6: Interpretiere die Fotos in Hinblick auf den zuvor ergangenen Einsatzbefehl! Beziehe dabei die wirtschaftliche Zielsetzung des Regimes mit ein!

Synagoge: Gebäude, in dem sich die jüdische Gemeinde zu Gebet und Belehrung versammelt

Folgen der Pogrome

Abb. 6: Nach dem Novemberpogrom wird eine Kolonne Juden zur „Schutzhaft“ gebracht, Baden-Baden, November 1938 (Bundesarchiv, Fotograf unbekannt)

Jargon: Sondersprache bestimmter Kreise mit einem speziellen Wortschatz

Tortur: Folter; Quälerei

übereignen: als Eigentum auf jemanden übertragen

Abb. 6: Analysiere dieses Foto in deinem Heft! Beschreibe, welche Situation dargestellt ist, und erkläre, wie sie mit den Novemberpogromen zusammenhängt!

Versetze dich in die Perspektiven von Opfern, Täterinnen/Tätern und Mitläuferinnen/Mitläufern und beschreibe, wie sie die Situation erlebt haben könnten!

Q3: Nimm Stellung zu der Unmenschlichkeit, die diesen Menschen angetan wurde!

Bewerte den Ausspruch des Rapportführers! Achte vor allem auf die Wortwahl und was sie über das Menschenbild der Täterinnen/Täter aussagt!

Die Novemberpogrome waren der Übergang von einer Politik der Diskriminierung hin zu einer systematischen Verfolgung der jüdischen Bevölkerung. So begann auch direkt nach der Zerstörung die befohlene Inhaftierung von ca. 30 000 männlichen Juden. Diese zumeist jüngeren und wohlhabenden Juden wurden in Formationen durch die Städte geführt und in Konzentrationslager (KZ) gebracht, wo sie –laut Sprachjargon der Nationalsozialisten –in „Schutzhaft“ genommen wurden.

In den Lagern zeigte das nationalsozialistische Regime bei der Behandlung der Inhaftierten kein Zeichen von Menschlichkeit. Schon bei der Ankunft wurden dutzende Juden erschossen, Hunderte starben bei Fluchtversuchen oder an den Strapazen der Zwangsarbeit.

Q3: Ankunft im Konzentrationslager Buchenwald von Eugen Kogon – einem inhaftierten Juden

Am Tor stauten sich die Massen – immer je 1000 kamen zugleich an – weil von der SS nicht das große Gittertor sondern nur ein kleiner Durchgang für jeden Mann geöffnet wurde. Neben diesem Durchgang standen die Blockführer und schlugen mit eisernen Ruten, Peitschen und Knüppeln auf die Leute ein, so daß buchstäblich jeder neuangekommene Jude Wunden hatte. [...] Erwähnt sei lediglich, daß gleich in der ersten Nacht 68 Juden wahnsinnig geworden und [...] wie tolle Hunde – immer je vier Mann – totgeschlagen worden sind. In den berüchtigt gewordenen Blocks 1a bis 5a [...] lagen je 2 000 Juden, während der Raum dieser primitiven Notbaracken nur für 400 bis äußerstens 500 Leute berechnet war. [...]

Da die Zahl der plötzlich eingelieferten zu groß war, hatte die SS anfangs die Personalien der Juden nicht aufnehmen können. Der Rapportführer verkündete daher über die Lautsprecher: „Wenn sich einer von den Juden aufhängt, soll er gefälligst einen Zettel mit seinem Namen in die Tasche stecken, damit man weiß, um wen es sich handelt!“

Aus: Kogon, Eugen: Der SS-Staat. Das System der deutschen Konzentrationslager. München (2015), S. 229 – 230.

Diejenigen, welche diese Torturen überlebten, wurden nur dann entlassen, wenn sie sich schriftlich zur „Auswanderung“ bereiterklärten und gleichzeitig einverstanden waren, ihr Vermögen dem Staat zu übereignen – eine Zustimmung, die selbstverständlich unter Zwang erfolgte.

Reaktionen auf die Pogrome

Nach dem 10. November gingen etwa 100 Protestnoten ausländischer Vertretungen an das Auswärtige Amt in Berlin ein, die USA zogen sogar ihren Botschafter aus Berlin ab. Die Reaktion der nichtjüdischen Deutschen war sehr unterschiedlich. Es gab Schaulustige, die schwiegen, andere stimmten aber in die Hetzgesänge der Ausführenden mit ein. Ebenso fanden auch vielerorts Plünderungen und mutwillige Zerstörung von jüdischen Geschäftsauslagen wie in Wien statt. Dabei bereicherten sich auch Teile der Bevölkerung, Für manche war dies sogar ein Anreiz, Jüdinnen und Juden zu melden.“

Nun

1

Notiere hier wichtige Informationen über die Novemberpogrome!

Begriffe: Vorgeschichte:

Verfolgte/Schäden:

Täterinnen und Täter/Zuschauerinnen und Zuschauer:

Bedeutung/Folgen:

2

Lies zuerst diesen Bericht über das Novemberpogrom in Nürnberg!

D1: Die Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 in Nürnberg erzählt von Arno Hamburger, der als Jude mit 15 Jahren die Pogromnacht miterlebte

Zuerst kamen die großen Ladengeschäfte dran; mit mitgebrachten Stangen wurden die Schaufenster eingeschlagen, und der am Abend bereits verständigte Pöbel plünderte unter Anführung der SA die Läden aus. Dann ging es in die von Juden bewohnten Häuser. Schon vorher informierte nichtjüdische Hausbewohner öffneten die Türen. Wurde auf das Läuten die Wohnung nicht sofort geöffnet, schlug man die Wohnungstür ein. Viele der „spontanen“ Rächer waren mit Revolver und Dolchen ausgestattet; jede Gruppe hatte die nötigen Einbrecherwerkzeuge wie Äxte, große Hammer und Brechstangen dabei.

Einige SA-Leute trugen einen Brotbeutel zur Sicherstellung von Geld, Schmuck, Fotos und sonstigen Wertgegenständen, die auf einen Mitnehmer warteten. Die Wohnungen wurden angeblich nach Waffen durchsucht, weil am Tage vorher ein Waffenverbot für Juden veröffentlicht worden war. Glastüren, Spiegel, Bilder wurden eingeschlagen, Ölbilder mit den Dolchen zerschnitten, Betten, Schuhe, Kleider aufgeschlitzt, es wurde alles kurz und klein geschlagen.

Die betroffenen Familien hatten am Morgen des 10. November meistens keine Kaffeetasse, keinen Löffel, kein Messer, nichts mehr. Vorgefundene Geldbeträge wurden konfisziert, Wertpapiere und Sparkassenbücher mitgenommen. Das schlimmste dabei waren die schweren Ausschreitungen gegen die Wohnungsinhaber, wobei anwesende Frauen oft ebenso mißhandelt wurden wie die Männer. Eine Anzahl von Männern wurde von den SA-Leuten unter ständigen Mißhandlungen und unter dem Gejohle der Menge zum Polizeigefängnis getrieben. […] Am anderen Morgen wurden gegen 4 Uhr morgens alle Personen unter 60 Jahren nach Dachau abtransportiert.

Aus: Wollenberg, Jörg: Niemand war dabei und keiner hat's gewusst. Die deutsche Öffentlichkeit und die Judenverfolgung 1933 – 1945. München (1989), S. 22 – 23.

3

Die Novemberpogrome hatten für die die jüdische Bevölkerung persönliche, gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Folgen. Vergleiche die Schilderungen im Bericht mit dem allgemeinen Überblickstext! Welche zusätzlichen Eindrücke bekommst du aus einer individuellen Opferperspektive!

3. HOLOCAUST – SHOA IM DRITTEN REICH

Abb. 1: Kennkarte für Susanne (Zwangsname „Sara“) Blumenthal (1939)

Abb. 2: Gelber Stern, der ab 1941 getragen werden musste

Roma und Sinti: Volksgruppen, die ursprünglich aus Indien stammten

Zeugen Jehovas: religiöse Gemeinschaft

registrieren: in ein Verzeichnis eintragen

Dachau: Ort 20 km nördlich von München

deportieren: gewaltsam abtransportieren

rationieren: einteilen, um sparsam damit umzugehen

Abb. 1 + 2: Analysiere beide Kennzeichnungen in Hinblick auf staatliche Ausgrenzung!

Q1 + Abb. 3: Erkläre, was die Nationalsozialisten mit den Ghettos erreichen wollten!

Der Holocaust beginnt

Nach diesen Novemberpogromen verstärkten die Nationalsozialisten ihre Maßnahmen gegen Bevölkerungsgruppen, die für sie „unerwünscht“ waren. Vor allem die jüdische Bevölkerung, aber auch Roma und Sinti, Homosexuelle, politische Gegnerinnen und Gegner, kritische Geistliche, geistig und körperlich Behinderte, und Zeugen Jehovas wurden erfasst und verfolgt.

Nachdem 1938 sogenannte „Kennkarten“ als Personalausweise eingeführt worden waren, wurden diese bei jüdischen Deutschen mit einem „J“ versehen.

Ab 1941 mussten alle Jüdinnen und Juden einen gelben Stern an ihrer Kleidung tragen. Jüdischer Besitz wurde registriert und eingezogen.

Die Errichtung von Konzentrationslagern

Die Nationalsozialisten errichteten Konzentrationslager, wo zunächst vor allem politische Gegner wie Kommunisten, Sozialisten und Gewerkschafter inhaftiert wurden. Das erste Konzentrationslager entstand 1933 in Dachau.

Ghettos – Viertel für Juden

Ab 1939 errichteten die Nationalsozialisten in den eroberten Gebieten im Osten Ghettos, in denen sie die jüdische Bevölkerung zusammenpferchten.

Die Jüdinnen und Juden durften diese Ghettos nicht verlassen. Daher wurden um die Ghettos Mauern errichtet und Kontrollposten bewachten die Tore.

Das Leiden der Menschen in den Ghettos ist heute kaum vorstellbar: Unterernährung, Krankheiten, Seuchen, Überbelegung und unzureichende sanitäre Anlagen erschwerten ihren Überlebenskampf. Wer kräftig genug war, musste für die deutsche Industrie arbeiten. In den Straßen der Ghettos gab es regelmäßig Demütigungen durch die Schutzstaffel der Wehrmacht. Erschießungen waren keine Seltenheit.

Abb. 3: Mauer rund um das Warschauer Ghetto 1941 (Bundesarchiv, Fotograf unbekannt)

Q1: Augenzeugenbericht eines Überlebenden

Ich wurde im Mai 1940 in das Ghetto von Lodz in Polen gebracht. Wir teilten uns zu acht ein kleines Zimmer. Deutsche Posten außerhalb des Ghettobereichs erschossen jeden Juden, der sich dem Stacheldrahtzaun näherte. Regelmäßig wurden Menschen in „Arbeitslager“ deportiert, von ihnen hörte man nichts mehr. [...] Rationierte Grundnahrungsmittel wurden einmal in zwei Wochen verteilt. Die Menschen, die schon sehr unterernährt waren, aßen alles auf einmal auf und es blieb ihnen für die restliche Zeit nichts übrig.

Aus: Lawton, Clive A.: Die Geschichte des Holocaust. Hamburg (2002), S. 20.

Die Ausweglosigkeit der eigenen Lage führte 1943 schließlich zum Aufstand im Warschauer Ghetto. Erst nach einem Monat konnte die SS den Aufstand niederschlagen. Das Ghetto wurde zerstört, die wenigen Überlebenden in Konzentrationslager deportiert.

Organisierter Massenmord

Die Nationalsozialisten beschlossen die systematische Ermordung aller Jüdinnen und Juden. Im Jänner 1942 wurde auf der Wannsee-Konferenz die Organisation dieses geplanten Massenmordes festgelegt. Um ihr Ziel zu erreichen, wandelten sie bestehende Konzentrationslager in den eroberten Gebieten im Osten in Vernichtungslager um und errichteten viele neue. Diese rüsteten sie mit Gaskammern aus, in denen die Gefangenen systematisch mit Giftgas ermordet wurden. Die Leichen verbrannte man in eigens dafür gebauten Krematorien.

Wannsee: See bei

Zu den größten und schrecklichsten Lagern zählten Auschwitz, Treblinka, Sobibor, Belzec, Chelmno und Majdanek – sie waren reine Vernichtungslager oder kombinierten Vernichtung mit Zwangsarbeit. Andere Lager wie Buchenwald oder Bergen-Belsen waren Konzentrationslager, in denen es zwar keine Gaskammern gab, die Häftlinge aber durch Zwangsarbeit, Hunger, Krankheiten, medizinische Experimente und Misshandlungen massenhaft zu Tode kamen. Auch das Konzentrationslager Mauthausen in Oberösterreich war ein Ort grausamer Ausbeutung: Hier mussten Häftlinge im Steinbruch Schwerstarbeit leisten, viele starben dabei oder wurden ermordet..

Nationalsozialistische Ärzte benutzten die Häftlinge auch als menschliche Versuchsobjekte, indem sie ohne Narkose schmerzhafte und meist tödliche Experimente an ihnen durchführten. In Viehwaggons, eng zusammengepfercht, ohne Nahrung, ohne Wasser und ohne Toiletten, transportierten die Nationalsozialisten jüdische Männer, Frauen und Kinder zu diesen Lagern. Viele starben schon unterwegs. Bei ihrer Ankunft mussten sich die Neuankömmlinge nackt aufstellen. Kräftig aussehende Personen wurden zur Zwangsarbeit aussortiert, alle anderen trieb man in die Gaskammern.

Abb. 4: Ankunft jüdischer Ungarn in Auschwitz 1944, (United States Holocaust Memorial Museum (USHMM), Washington D.C.)

Krematorium: Anlage für eine Feuerbestattung

K1: Stelle fest, wo die Vernichtungslager lagen!

Interpretiere die geografische Lage der Vernichtungslager! Warum wurden sie gerade dort gebaut?

Finde heraus, ob es in deiner Nähe ein Konzentrationslager gab!

Begründe, warum es sich bei einer Karte um eine Darstellung handelt!

Vernichtungslager

Konzentrationslager

(inklusive Arbeits- Inhaftierungs- und Durchgangslager)

Stadt mit Ghetto

Hauptdeportationsrouten

Bündnispartner d. Achsenmächte von den Achsenmächten besetzt

Das Konzentrationslager

Abb. 5: Todesstiege in Mauthausen, 1940

Abb. 5: Beschreibe, was auf diesem Foto zu sehen ist. Dann beschreibe, welche Gefühle es bei dir auslöst!

Abb. 4 + 5 + 6: Diskutiert gemeinsam, warum es trotz vieler Fotos von den Konzentrationslagern immer noch Menschen gibt, die ihre Existenz leugnen!

Mauthausen

Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich bauten die Nationalsozialisten 1938 das Konzentrationslager Mauthausen (OÖ). Im Steinbruch mussten die unterernährten Häftlinge mehrmals täglich schwere Granitblöcke über die 186 Stufen der „Todesstiege“ hinaufschleppen. Wer bei dieser Arbeit zusammenbrach, wurde sofort erschossen oder den Abhang hinuntergestoßen. Die Granitblöcke verwendeten die Nationalsozialisten für ihre Monumentalbauten und beuteten so die Arbeitskraft der Häftlinge aus.

Insgesamt errichtete man auf österreichischem Boden an die 50 Nebenlager zu Dachau und Mauthausen. Fast 200 000 Menschen aus vielen Ländern wurden entweder aufgrund ihrer politischen Tätigkeit, ihrer religiösen Überzeugung, ihrer Homosexualität, aus „rassischen“ Gründen oder als Kriegsgefangene nach Mauthausen deportiert. Die Hälfte von ihnen wurde hier ermordet.

Die Befreiung der Lager

Schon im Juni 1942 hatte der britische Radiosender BBC über die Konzentrationslager berichtet. Ein Jahr später befahl Heinrich Himmler, der Chef der SS, dass Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter die Leichen in den Lagern ausgraben und verbrennen mussten, um alle Beweise zu vernichten.

Ab 1943 erhöhte man die Zahl der Deportierten zu den Vernichtungslagern so stark, dass auch die befohlenen täglichen Tötungen in den Lagern nicht mehr zu schaffen waren. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, als die sowjetischen Truppen näher rückten, zwang man die halb verhungerten KZ-Häftlinge zu sogenannten „Todesmärschen“ Richtung Reichsmitte. Jeder, der vor Erschöpfung nicht mehr weiterkonnte, wurde erschossen.

Als die alliierten Streitkräfte gegen Ende des Krieges die Konzentrations- und Vernichtungslager erreichten, trafen sie auf zu Skeletten abgemagerte und kranke Häftlinge. Viele von ihnen starben kurz nach der Befreiung, weil sie zu unterernährt und/oder zu krank waren. Allein in Auschwitz waren ca. 1,5 Millionen Menschen gestorben.

Insgesamt wurden nach Schätzungen 10 Millionen Menschen, davon ca. 6 Millionen Juden, in den Lagern des Dritten Reiches getötet. Die zweitgrößte Gruppe der Opfer waren sowjetische Kriegsgefangene, von denen etwa 3 Millionen ums Leben kamen. Die endgültige Anzahl der Toten ist bis heute nicht völlig geklärt, da viele Häftlingslisten mit den Namen der Ermordeten vernichtet wurden oder überhaupt fehlten.

Abb. 6: Lagerinsassen in Auschwitz nach der Befreiung, 26. 1. 1945 (United States Holocaust Memorial

(United States Holocaust Memorial Museum (USHMM), Washington D.C.)
Museum (USHMM), Washington D.C)

Informiere dich über das Konzentrationslager Mauthausen im Internet!

a) Gehe dazu auf https://www.mauthausen-memorial.org/de!

b) Klicke den Button „Wissen“ an und dann den Link „Zeitzeugen“! Höre dir die Berichte von Überlebenden des Holocaust an!

Wähle eine Person aus und schau dir ihr Video nochmals an! Achte nun be¬sonders auf diese drei Aspekte und beantworte sie in deinem Heft!

Erzählperspektive: Aus welcher Perspektive erzählt die Person? Gibt es Hinweise darauf, wie alt die Person damals gewesen ist?

Sprachwahl: Wie drückt sich die Person aus? Welche Wörter nutzt sie?

Emotionen: Welche Gefühle zeigt die Person? Kommt zum Ausdruck, wie sie sich gefühlt hat?

Erläutere, welche Konsequenzen sich aus der großen Zeitspanne zwischen den erzählten Ereignissen und den Interviews für deren Auswertung ergeben können!

Lies die Inschrift einer Gedenktafel, die im Mai 2001 von der Sozialistischen Jugend in Ried in der Riedmark aufgestellt wurde!

Am 2. Februar 1945 versuchten ca. 500 zur Ermordung in das KZ Mauthausen eingewiesene, fast ausschließlich sowjetische Offiziere einen Fluchtversuch aus dem Lager. Direkt nach der Flucht begann unter dem Befehl „niemanden lebend ins Lager zurückzubringen“ eine Treibjagd auf die Entflohenen, bei der die SS, die Gendarmerie, Einheiten der Wehrmacht, SAAbteilungen und Hitlerjungen sowie Angehörige des Volkssturms und anderer Organisationen und einige Zivilisten teilnahmen. Dieses Verbrechen ist unter dem Namen „Mühlviertler Hasenjagd“ bekannt.

In Ried in der Riedmark wurden die erschossenen und erschlagenen Häftlinge, die in der näheren und weiteren Umgebung ergriffen und ermordet wurden, bei der alten Volksschule eingesammelt und gestapelt. Einzig 11 Offiziere, die entweder in den Wäldern untertauchen konnten oder bei Bauern versteckt wurden, überlebten. Alle anderen Entflohenen wurden ergriffen und meist sofort ermordet.

Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!

Informiere dich noch ausführlicher auf der Homepage der Gedenkstätte Mauthausen unter dem Stichwort „Mühlviertler Hasenjagd“! Höre dir auch den Bericht des Überlebenden Michail L’vovič Rybčinskij an!

Analysiere einen ausgewählten Ausschnitt aus dem Spielfilm „Hasenjagd – Vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen“!

Erläutere, warum die Nationalsozialisten und Teile der Bevölkerung die tödliche Verfolgung von Gefangenen im Mühlviertel als „Hasenjagd“ bezeichneten! Bewerte, warum dieser Begriff problematisch und menschenverachtend ist! Vergleiche den Inhalt des Filmes mit den Fakten, die du schon darüber recherchiert hast anhand einer Tabelle in deinem Heft!

Gemeinsamkeiten

Unterschiede

Verfasse anschließend einen kurzen Zeitungsbericht, in dem du auch die Erzählungen des Zeitzeugens und deine Eindrücke aus dem Film einfließen lässt!

4. EUTHANASIE IM NATIONALSOZIALISMUS  DER MORD AN MENSCHEN MIT BEHINDERUNGEN UND KRANKHEITEN

Das nationalsozialistische Menschenbild

sterilisieren: unfruchtbar machen

Euthanasie: systematische Morde an kranken und behinderten Menschen

Abb. 1: Beschreibe, was auf dem Bild zu sehen ist!

Erörtere, warum Kerzen oft als Zeichen des Gedenkens und Erinnerns verwendet werden!

Beurteile, wie solche Mahnmale dazu beitragen können, Diskriminierung und Gewalt in der Gegenwart und Zukunft zu verhindern.

Vergleiche das Menschenbild der Nationalsozialisten mit dem heutigen Verständnis von Menschenrechten und Inklusion! Wo erkennst du die größten Unterschiede?

Stelle dar, welche Handlungsmöglichkeiten du heute hast, wenn du Ungerechtigkeit oder Diskriminierung erlebst!

Die Nationalsozialisten wollten ein „gesundes arisches Volk“ erschaffen. Sie glaubten, dass nur bestimmte Menschen wertvoll seien. Andere, die nicht in ihr Bild passten, erklärten sie für „lebensunwert“ – so nannten es die Nationalsozialisten, um Ausgrenzung und Gewalt zu rechtfertigen.

Das Euthanasieprogramm ab 1939

Schon 1933, kurz nachdem sie an die Macht gekommen waren, machten sie ein Gesetz: das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“. Dieses Gesetz erlaubte es Ärzten, Menschen mit angeblichen Erbkrankheiten gegen ihren Willen zu sterilisieren. Das bedeutet: Sie durften keine Kinder mehr bekommen. Die Nationalsozialisten wollten so verhindern, dass diese Menschen eine Familie gründen konnten.

Ab 1939 ging die Gewalt noch weiter. Unter dem beschönigenden Begriff ‚Euthanasie‘ (eigentlich: ‚schöner Tod‘) versteckten die Nationalsozialisten ein grausames Mordprogramm. Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen oder psychischen Krankheiten wurden systematisch ermordet. Auch Kinder und Jugendliche, die nicht so funktionierten, wie es die Nazis wollten, wurden Opfer.

Orte des Verbrechens: Spiegelgrund und Schloss Hartheim

Hebammen, Ärzte und Pflegekräfte mussten Neugeborene und Kinder mit Behinderungen sofort bei den Behörden melden. Viele dieser Kinder wurden in sogenannte ‚Kinderfachabteilungen‘ gebracht – Einrichtungen, die als Tarnung dienten, in denen die Kinder aber systematisch ermordet wurden. Dort tötete man sie, oft unter dem Vorwand, sie medizinisch zu behandeln. Manche Kinder verhungerten, andere wurden mit Medikamenten vergiftet. Ein bekanntes Beispiel dafür ist die „Kinderfachabteilung“ am Spiegelgrund in Wien. Dort starben hunderte Kinder und Jugendliche auf grausame Weise.

Auch Erwachsene waren betroffen. In besonderen Tötungsanstalten wurden Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen massenhaft ermordet. Eine der bekanntesten Anstalten war Schloss Hartheim in Oberösterreich. Zwischen Mai 1940 und August 1941 wurden dort 18.269 Menschen vergast, vergiftet oder durch andere Methoden getötet. Um die Wahrheit zu verschleiern, schrieben die Täter in die Totenscheine falsche Angaben wie „Lungenentzündung“ oder „Herzversagen“. Diese Begriffe dienten der Täuschung und sollten den Mord vertuschen.“

Widerstand und Fortsetzung der Tötungen

Trotz großer Angst protestierten Angehörige, Kirchenvertreter und mutige Einzelpersonen gegen die Ermordung von Menschen mit Behinderungen. Manche versuchten, Informationen über die Verbrechen zu verbreiten oder Angehörige zu schützen. Informationen über solche Formen des Widerstands und über Opfer des Nationalsozialismus sammelt und erforscht heute das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. Dort werden Dokumente, Berichte und Biografien von Menschen aufbewahrt, die Widerstand leisteten oder vom NS-Regime verfolgt wurden.

1941 wurde das Euthanasieprogramm offiziell gestoppt, doch heimlich gingen die Morde in Heimen, Krankenhäusern und Lagern bis zum Ende des Krieges weiter.

5. AKTIVER WIDERSTAND – MUTIGE HELFER

Widerstand gegen das Regime

Aufgrund der vielen Gräueltaten wandten sich zahlreiche Menschen vom Nationalsozialismus ab. Manche leisteten auch Widerstand. Menschen mit anderer Weltanschauung wie Christen, Konservative, Sozialisten, Kommunisten und Zeugen Jehovas lehnten dieses menschenverachtende Regime ab. Sie gaben Lebensmittel weiter, besorgten falsche Papiere, versteckten Verfolgte oder sabotierten das Regime durch die fehlerhafte Herstellung von Waffen. Nur wenige wagten auch offenen Widerstand, indem sie Flugblätter druckten und verteilten, Attentate verübten oder den Kriegsdienst verweigerten. Alle, welche Widerstand leisteten, riskierten dabei ihr Leben, denn schon für geringfügige Auflehnung gegen das Regime konnte man verhaftet und hingerichtet werden.

Ab Februar 1940 richteten die Nationalsozialisten eigene „Sondergerichte“ ein, die sogenannte „Volksschädlinge“ im Schnellverfahren verurteilten. Für leichte Vergehen wie das Hören von ausländischen Sendern, das Schwarzschlachten, den Diebstahl und die Weitergabe von Lebensmitteln konnte man zum Tode verurteilt werden.

Auch die Geschwister Scholl, die von der Politik Hitlers zunächst begeistert waren, doch schon bald die Lügen des Regimes durchschauten, wurden in so einem Schnellverfahren zum Tode verurteilt und hingerichtet. Gemeinsam mit anderen Studentinnen und Studenten der Universität München hatten sie eine Widerstandsgruppe mit dem Namen „Weiße Rose“ gebildet und heimlich Flugblätter hergestellt und verteilt.

Q1: Flugblatt der Weißen Rose (August 1942)

Nichts ist eines Kulturvolkes unwürdiger, als sich ohne Widerstand von einer verantwortungslosen und dunklen Trieben ergebenen Herrscherclique regieren zu lassen.

Aus: Pohl, Nele: Die weiße Rose – Einordnung in ausgewählte Widerstandsdefinitionen. München (2009), S. 10.

Q2: Sophie Scholl bei ihrer Gerichtsverhandlung (1943)

„Was wir sagten und schrieben, denken ja so viele. Nur wagen sie es nicht, es auszusprechen.“

Aus: Scholl, Inge: Die Weiße Rose. Frankfurt am Main (o.J.), S. 78.

Einige Männer wagten es auch, aus religiösen Gründen den Wehrdienst zu verweigern. Zu ihnen zählte der tief religiöse Oberösterreicher Franz Jägerstätter. Er wurde zwar von vielen nicht verstanden, blieb aber seiner Überzeugung treu und wurde 1943 von den Nationalsozialisten hingerichtet. Aber auch viele Zeugen Jehovas, die den Kriegsdienst verweigerten, wurden eingesperrt und hingerichtet.

Andere wiederum standen Menschen in Not bei. So begleitete der Kinderbuchautor und Arzt Janusz Korczak Kinder aus seinem Waisenhaus in die Gaskammer des Vernichtungslagers Treblinka.

Gräueltat: Gewalttat; Verbrechen

sabotieren: vorsätzlich beschädigen

Schwarzschlachten: unerlaubtes Schlachten von Nutztieren

Analysiere die zentrale Aussage dieses Flugblattes! Welche Haltung gegenüber dem NS-Regime wird hier deutlich?

Erörtere, warum die Geschwister Scholl ihre Botschaft als „Pflicht eines Kulturvolkes“ bezeichneten!

Erläutere, welche Gedanken Sophie Scholl mit ihrer Aussage ausdrückt, und arbeite heraus, welchen Vorwurf sie der deutschen Gesellschaft macht!

Diskutiert in Kleingruppen, welche Gefahren es für sie und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter bedeutete, diese Meinung öffentlich auszusprechen!

Q1 + 2: Besprecht in der Klasse, welche Möglichkeiten des Widerstandes ihr gewählt hättet! Bringt Argumente für und gegen die gewählten Methoden!

Abb. 1: Hans und Sophie Scholl mit Christoph Propst, 1942 (akg-images)

Abb. 2: Plakat zum Film über die Geschichte von Oskar Schindler (1993)

Gravur: in Metall eingeritzte Schrift

Fließtext: Wenn du mehr über den Widerstand in Österreich erfahren willst, suche in https://austria-forum.org unter dem Begriff „Widerstand“!

Wähle einen Beitrag aus und erstelle eine Kurzzusammenfassung!

05: Null steht für den Buchstaben O; 5 für den fünften Buchstaben des Alphabets (OE=Oesterreich), dieses Symbol stand für den Widerstand gegen die NS-Herrschaft

Abb. 4: eingeritztes Zeichen 05 am Wiener Stephansdom, 2009 (Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW), Wien)

Oskar Schindler, ein deutscher Fabrikant, der mit den Nationalsozialisten Geschäfte machte, rettete 1.200 jüdische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter mit einer Arbeitsliste vor dem sicheren Tod. Zu Kriegsende überreichten die geretteten Arbeiterinnen und Arbeiter Schindler einen Ring mit der Gravur: „Wer nur ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt.“

Viele Jüdinnen und Juden, die nicht rechtzeitig emigrieren konnten, wurden von Freunden oder Verwandten versteckt. So auch Anne Frank, ein junges jüdisches Mädchen, das mit ihrer Familie in einem Hinterhaus in Amsterdam über zwei Jahre lang versteckt lebte. Kurz vor Kriegsende wurde das Versteck verraten und alle Insassen, bis auf den Vater, fanden in Konzentrationslagern den Tod.

Das Attentat vom 20. Juli 1944

Die Verschlechterung der Kriegslage für das Deutsche Reich ließ auch den Widerstand in den Reihen der Wehrmacht zunehmen. Eine Gruppe von Offizieren unter der Leitung von Oberst Graf Stauffenberg beschloss, Hitler durch ein Attentat auszuschalten. Am 20. Juli 1944 zündeten die Verschwörer eine Bombe im Hauptquartier „Wolfs-schanze“. Ein schwerer Eichentisch milderte aber die

Wucht der Bombe und Hitler überlebte leicht verletzt. Nach dem gescheiterten Attentat wurden etwa 200 Personen direkt hingerichtet, insgesamt fielen in den folgenden Monaten rund 5.000 Menschen der Verfolgungswelle zum Opfer – viele davon ohne direkten Bezug zum Attentat.

Widerstand in Österreich

Gegen Kriegsende wuchs auch der Widerstand in Österreich. Frauen und Männer unterschiedlichster Herkunft und Überzeugung beteiligten sich unter Lebensgefahr am Widerstand gegen den Nationalsozialismus. So wurden in Österreich 2 700 Menschen als aktive Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer zum Tode verurteilt.

1944 gründeten Konservative, Sozialisten und Kommunisten ein Österreichisches Nationalkomitee, in dem die Widerstandsgruppe 05 die Führung übernahm. Ein bekanntes Mitglied war der Verleger Fritz Molden.

Erinnerung und Forschung

Nach 1945 wurden viele Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer zunächst kaum geehrt. Erst Jahrzehnte später setzte eine breitere Würdigung ein.

In Österreich spielt das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) eine zentrale Rolle. Es sammelt Dokumente, Zeugnisse und Biografien, erforscht die verschiedenen Formen des Widerstandes und macht diese heute für Bildung und Gedenken zugänglich.

Abb. 3: Hauptquartier nach dem Bombenanschlag, 1944 (United States Holocaust Memorial Museum (USHMM), Washington D.C.

Nun geht’s los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

Lies diese drei Texte! Entscheide dann, in welchem Text von einem Opfer, einem Mitläufer oder einem Täter berichtet wird!

Q2: Stella Kadmon: Und da stand unser „lieber“ Hausmeister in SA-Uniform!

Nach der Vorstellung am 10. März sind wir mit unserem Hausbesorger […] nach Hause gegangen. Er war arbeitslos und froh, dass er uns helfen konnte, und hat wirklich alles gemacht: Tischlerarbeiten und Vorhangziehen. Wir haben ihn riesig gerne gehabt, weil er so ein netter Kerl war.

[…] Auf einmal hört man auf der Straße ein Geschrei und Kommandotöne, wir sahen aus dem Fenster und da stand unser „lieber“ Hausmeister in SA-Uniform. Der hat Dienst gehabt und hat Männer, die gekommen sind, die einen Bart gehabt haben, am Bart gezogen, sie gestoßen, hat ihnen eine Tafel in die Hand gegeben, wo daraufgestanden ist „jüdisches Geschäft“. Damit mussten sie vor einem jüdischen Geschäft stundenlang stehen.

Aus: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, http://www.doew.at/erinnern/biographien/erzaehlte-geschichte/anschluss-maerz-april-1938/stellakadmon-und-da-stand-unser-lieber-hausmeister-in-sa-uniform (15. 1. .2025)

Q3: Bericht von Henriette Haas, geb. 1908

Als mein Sohn Arthur zwei Jahre alt war, bekam ich eine Vorladung […]. Ein etwa 17jähriger Lümmel kam auf mich zu und nahm mir die Karte ab. Er sagte zu mir: „Wie heißen Sie?“ Ich sagte: „Das steht auf der Karte.“ Er sagte: „Was? Sie heißen Henriette? Ab heute heißen Sie Sara, und das Kind heißt Israel, so wie Ihr Gatte.“ „Mein Mann heißt Paul“, war meine Antwort. „Kusch!“, war seine. Ich war wie gelähmt. „Sie haben am 28. November 1936 geheiratet, und laut Nürnberger Rassengesetz – das ist ein Stichtag – seid ihr Saujuden!“, schrie er. Ich bekam einen Weinkrampf. Nun kam Schlag auf Schlag. Mein Mann musste sich einmal pro Woche bei der Polizei melden, dort wurde er registriert. […] Wir durften auf keinen Fall das Land verlassen. Auch mussten wir uns alle drei fotografieren lassen: Das Gesicht von vorn und im Profil, ob wir jüdisch aussehen – es hieß natürlich: Ja! Wir bekamen eine Nummer wie die Verbrecher. Es war zermürbend.

Aus: Erinnerungen, Lebensgeschichten von Opfern des Nationalsozialismus, Nationalfonds der Republik Österreich für die Opfer des Nationalsozialismus (2014), S. 53.

D1: Heinrich Gross: Die Nachkriegskarriere eines NS-Euthanasiearztes von Martin Krist, erinnern.at

Heinrich Gross wird am 14. November 1915 in Wien geboren. 1933 tritt er der SA bei, 1938, nach dem erfolgten „Anschluss“, der NSDAP. Er beginnt Anfang 1940 in der Heilund Pflegeanstalt Ybbs als Anstaltsarzt zu arbeiten. Im November 1940 wechselt er nach Wien auf den Steinhof. Dort wird er Leiter der „Kinderfachabteilung“ „Am Spiegelgrund“.

[…] Vom 1. Juni bis zum 15. Juli 1941 nimmt Gross an einem Lehrgang in der Landesanstalt Görden in Brandenburg teil. Er lernt die „Beschleunigung“ der Tötungen.

[…] Bis zu Gross Einberufung zur deutschen Wehrmacht 1943 sterben in seiner Abteilung 336 Kinder und Säuglinge.

Aus: http://www.erinnern.at/bundeslaender/wien/unterrichtsmaterial/arbeitsmaterialien-ns-euthanasie-in-wien (15.1.2025)

Kreuze an!

Täter

Begründe, warum du dich für diese Zuordnung entschieden hast!

Nun geht’s los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

Lies diesen Text und formuliere anschließend eine Frage, die du an Miep stellen möchtest!

Miep Gies stammte aus Wien. Mit 13 Jahren kam sie zu einer Gastfamilie nach Holland. Sie lebte in Amsterdam und arbeitete als Sekretärin für Otto Frank, dem Vater von Anne Frank. Nach der deutschen Besetzung der Niederlande bereitete Otto Frank in einem Hinterhaus seiner Firma ein Versteck für seine Familie und die Familie seines Geschäftspartners vor. Miep Gies und die anderen Angestellten versorgten die Untergetauchten über zwei Jahre lang mit Nahrungsmitteln und Informationen. Am 1. August 1944 wurden die Familien entdeckt und abgeholt. Miep Gies fand im verlassenen Hinterhaus das Tagebuch von Anne Frank. Sie bewahrte es auf und gab es Otto Frank, der als Einziger von den acht Versteckten den Holocaust überlebte. Das Tagebuch der Anne Frank gehört zu den berühmtesten Büchern der Welt.

Miep zeigte Zivilcourage – Was bedeutet Zivilcourage für dich? Schreibe zehn Wörter auf, die dir zu diesem Begriff einfallen! Tauscht danach eure Ergebnisse untereinander aus!

Lesen im Zweitakt – Dieser Eintrag aus dem Tagebuch der Anne Frank ist in der Mitte zerrissen. Springe mit deinen Augen von links nach rechts und dann in die nächste Zeile!

Miep erzählte von Erlebnissen und ist aufgeregt. Vor kurzem Frau nachts bei Miep auf das Gestapoauto Menschen nach und Frau zitterte vor Angst. dröhnten, die Strahlen flitzten durch das der englischen dröhnte von den Miep wagte nicht, die hereinzuholen. Die etwas sehr hart. Auch Ihr Freund ist zum Deutschland verschickt. bei einem getroffen werden. Die werfen Millionen Kilo dummen Witze wie: er nicht“ oder: „Eine finde ich schrec klich nicht der einzige, fahren Züge voll mit zwangsweise fort oder anderen gelingt oder unterzutauchen, wenige. Anne

grausamen selbst schrecklich saß eine alte lahme vor der Tür. Sie musste warten, das die nach sammelt. Die alte Die Abwehrgeschütze der Scheinwerfer Dunkel, das Donnern Flugmaschinen

Häusern zu rück. Aber alte Frau Deutschen bestrafen so Elli ist still und traurig. Arbeitsdienst nach Sie fürchtet, er könnte Bombardement englischen Flieger herunter. Solche „Na, die Million kriegt Bombe ist auch genug“ taktlos und roh. Dirk ist gewiss nicht. Täglich jungen Leuten, die müssen. Dem einen es noch, fortzulaufen aber das sind so

Beantworte nun folgende Fragen!

Worauf wartet die alte Frau?

Warum wagt Miep nicht, der alten Frau zu helfen?

Warum ist Elli still und traurig?

Was bringen die englischen Flieger?

Mehr über Anne Frank erfährst du, wenn du dir das HB3 anhörst!

Beschreibe, welche Gefühle Anne und ihre Familie in dieser Situation haben könnten!

Erkläre, warum die Situation für sie besonders belastend ist!

Vergleiche Annes Leben im Versteck mit deinem eigenen Alltag! Welche Freiheiten hast du, die Anne nicht hatte? Welche Einschränkungen erlebte sie?

Erstellt in kleinen Gruppen ein Plakat, das zeigt, wie Annes Versteck organisiert war und welche Menschen dabei geholfen haben! Präsentiert eure Ergebnisse der Klasse!

6.

HOLOCAUST, VÖLKERMORD UND INTERNATIONALES RECHT  VOM „VERBRECHEN OHNE NAMEN“ ZUM VÖLKERSTRAFRECHT

Holocaust und Genozid – ein „Verbrechen ohne Namen“

Als „das Verbrechen ohne Namen“ bezeichnete Winston Churchill den Völkermord, auch Genozid genannt. Der britische Premierminister tat dies mit Blick auf die nationalsozialistischen Massenverbrechen.

Der Holocaust ist bis heute einzigartig in seiner entmenschlichenden Radikalität:

2 Die Ermordung war industriell organisiert,

2 die Opfer wurden auf eine systematische Weise entmenschlicht,

2 es gab den Plan, ein ganzes Volk in Europa vollständig auszulöschen.

Völkermord und das internationale Recht

Nach 1945 wurden führende Nationalsozialisten in den Nürnberger Prozessen erstmals nach dem Völkerstrafrecht verurteilt. Hauptanklagepunkte waren:

2 Verbrechen gegen den Frieden,

2 Verstöße gegen das Kriegsrecht,

2 Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Zwölf Täter wurden zum Tode verurteilt. Hitler, Goebbels und Himmler hatten sich zuvor selbst getötet. Andere Täter flohen und blieben lange unentdeckt.

Als Konsequenz verabschiedete die UNO am 9. Dezember 1948 die Völkermordkonvention, die Genozide verhindern und die Verantwortlichen bestrafen soll.

Q1: Die Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes (Beschluss der UNO 1948)

Art. 2: In dieser Konvention bedeutet Völkermord eine der folgenden Handlungen, die in der Absicht begangen wird, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören:

a. Tötung von Mitgliedern der Gruppe;

b. Verursachung von schwerem körperlichem oder seelischem Schaden an Mitgliedern der Gruppe;

c. vorsätzliche Auferlegung von Lebensbedingungen für die Gruppe, die geeignet sind, ihre körperliche Zerstörung ganz oder teilweise herbeizuführen;

d. Verhängung von Maßnahmen, die auf die Geburtenverhinderung innerhalb der Gruppe gerichtet sind;

e. gewaltsame Überführung von Kindern der Gruppe in eine andere Gruppe.

Aus: https://www.voelkermordkonvention.de/uebereinkommen-ueber-die-verhuetung-und-bestrafung-des-voelkermordes-9217/ (7. 2. 2025)

Genozid: griech. genos = Geschlecht / lat. caedere = vernichten D bedeutet Völkermord

ethnisch: die (einheitliche) Kultur- und Lebensgemeinschaft einer Volksgruppe betreffend

Formuliert in Partnerarbeit ein politisches Urteil darüber, wie die Erfahrungen und Verbrechen des Holocaust die Entwicklung des internationalen Rechts beeinflusst haben und warum danach neue Regeln, Abkommen und Gerichte geschaffen wurden.

Begründe dein Urteil mit konkreten Beispielen aus dem historischen Kontext!

Erörtert in Gruppenarbeit gegenwärtige Gefahren für die Menschenrechte!

Gestaltet ein digitales Medium (z. B. Podcast, TikTok-Video oder Rap-Text), in dem ihr eure Botschaft zu den Menschenrechten für eure Generation adressatengerecht vermittelt!

Reflektiere die Wirkung solcher digitalen Formate, indem du sowohl ihre Chancen als auch ihre Grenzen für politische Bildung und gesellschaftliche Veränderung benennst!

Q1: Überprüfe mit der angeführten Internetseite, ob sich auch jemand des Völkermordes schuldig macht, der lediglich beabsichtigt, solche Taten vorzunehmen!

JA NEIN

Völkermord und die Nürnberger Prozesse

Völkermord – auch Genozid genannt – bedeutet die gezielte und systematische Vernichtung einer Volksgruppe, sei es aufgrund ihrer Religion, ihrer Herkunft, ihrer Kultur oder anderer Merkmale. Er gilt heute als eines der schwersten Verbrechen des Völkerrechts. Zusammen mit Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zählt der Völkermord zu den sogenannten Kernverbrechen, die von der internationalen Staatengemeinschaft verfolgt werden.

Lange Zeit wurden solche Gräueltaten jedoch als „innere Angelegenheiten“ eines Staates betrachtet, in die sich andere Länder nicht einmischen durften. Erst die schrecklichen Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges und des Holocaust führten zu einem Umdenken: Verbrechen gegen die Menschlichkeit sollten nicht länger ungestraft bleiben. Heute befasst sich der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag mit der Verfolgung solcher Verbrechen und kann Einzelpersonen strafrechtlich zur Verantwortung ziehen.

Abb. 1: Hermann Göring, der Gründer der Gestapo und Verantwortlicher für die Errichtung der ersten Konzentrationslager, als Angeklagter im Nürnberger Prozess 1946 (United States Holocaust Memorial Museum (USHMM), Washington D.C.)

Beurteilt in Partnerarbeit, inwiefern die Nürnberger Prozesse ein Signal für zukünftige internationale Strafverfahren waren. Sichert eure Ergebnisse auf einem digitalen Poster (z. B. Canva) und präsentiere sie im Plenum!

Abb. 1: Diskutiert in der Klasse, welche Signalwirkung diese Prozesse für die Opfer, aber auch für die Täter hatten!

Die Nürnberger Prozesse

Einen entscheidenden Schritt in diese Richtung stellten die Nürnberger Prozesse dar, die von 1945 bis 1946 stattfanden. Erstmals in der Geschichte wurden führende Politiker, Militärs und Funktionäre eines Staates nicht von ihrem eigenen Land, sondern von einem internationalen Gerichtshof für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen.

Die Anklage konzentrierte sich auf drei Hauptpunkte:

2 Verbrechen gegen den Frieden, also das Führen eines Angriffskrieges,

2 Verstöße gegen das Kriegsrecht, darunter die Misshandlung von Kriegsgefangenen,

2 Verbrechen gegen die Menschlichkeit, zum Beispiel die systematische Ermordung von Jüdinnen und Juden, Roma und Sinti sowie von politischen Gegner:innen.

Insgesamt wurden 24 führende Nationalsozialisten angeklagt. Zwölf von ihnen verurteilte das Gericht zum Tode, andere erhielten lange Haftstrafen. Einige, wie Hitler, Goebbels und Himmler, hatten sich noch vor ihrer Verhaftung das Leben genommen, während wiederum andere Nationalsozialisten zunächst fliehen konnten und erst Jahre später oder überhaupt nie gefasst wurden.

Völkermord nach dem Zweiten Weltkrieg

Die Nürnberger Prozesse markierten den Beginn des modernen Völkerstrafrechts. Sie machten deutlich, dass auch mächtige Politiker und Militärs nicht über dem Recht stehen.

Dennoch verhinderten sie nicht, dass es auch nach 1945 zu weiteren Völkermorden kam. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und bis in die Gegenwart hinein gab es immer wieder Fälle, in denen ganze Volksgruppen Opfer von Vertreibung, Gewalt und systematischer Vernichtung wurden.

Der Holocaust an den Roma und Sinti

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 begann auch die systematische Diskriminierung und Ausgrenzung der Roma und Sinti. Diese Bevölkerungsgruppen lebten seit Jahrhunderten in vielen Regionen Europas. Sie hatten eigene kulturelle Traditionen und Sprachen und waren Teil der europäischen Gesellschaft. Doch die Nationalsozialisten bezeichneten sie abwertend als „fremdrassig“ oder „asozial“ und sprachen ihnen das Recht ab, gleichberechtigt in der Gesellschaft zu leben.

Erste Schritte der Entrechtung

Ab 1933 wurden Roma und Sinti zunehmend ausgegrenzt: Sie verloren Arbeitsplätze, ihre Kinder wurden diskriminiert, und in der Öffentlichkeit galten sie als „Außenseiter“. Ab 1939 mussten sie sich registrieren lassen, erhielten Ausweise mit dem Kennzeichen „Z“ und durften ihren Wohnort nicht mehr verlassen – so wurden sie überwacht und entrechtet.

Deportationen und Zwangsarbeit

Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 veränderte sich die Situation dramatisch. Roma und Sinti wurden aus ihren Heimatorten vertrieben und in den Osten Europas deportiert. Dort mussten sie in Ghettos und Lagern Zwangsarbeit leisten. Sie wurden gezwungen, unter unmenschlichen Bedingungen Straßen zu bauen, in Fabriken zu arbeiten oder in Landwirtschaft und Militärproduktion eingesetzt zu werden. Die Arbeit war oft so hart, dass viele Menschen daran starben.

„Vernichtung durch Arbeit“

Strukturiere die wichtigsten Stationen der Verfolgung von Roma und Sinti zwischen 1933 und 1945 in einer Zeitleiste!

Vergleicht in Partnerarbeit die Verfolgung der Roma und Sinti mit der anderer Opfergruppen (z. B. Jüdinnen und Juden, sowjetische Kriegsgefangene). Erstellt dazu ein Poster mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden!

Ab 1943 wollten die Nationalsozialisten Roma und Sinti gezielt durch Arbeit vernichten. In Konzentrationslagern mussten sie unter Hunger, Krankheiten, Gewalt und schwerer Arbeit leiden – viele starben daran. In Auschwitz-Birkenau wurden Tausende Roma und Sinti ermordet. In einer einzigen Nacht, am 2. auf den 3. August 1944, töteten die Täter dort rund 4.300 Menschen in den Gaskammern.

Zahl der Opfer

Die genaue Zahl der Opfer dieses Völkermordes – auch als Porajmos („das Verschlingen“) bezeichnet – ist bis heute schwer festzustellen. Viele Dokumente wurden von den Tätern absichtlich vernichtet, und zahlreiche Opfer wurden nie registriert. Historikerinnen und Historiker schätzen, dass zwischen 200.000 und 500.000 Roma und Sinti in Europa ermordet wurden. Damit gehörten sie neben den Jüdinnen und Juden und den sowjetischen Kriegsgefangenen zu den größten Opfergruppen der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik.

Erinnerung

Der Völkermord an den Roma und Sinti wurde lange Zeit nach dem Krieg kaum beachtet. Erst spät erhielten die Überlebenden Anerkennung als Opfer des Nationalsozialismus. Heute erinnern Denkmäler, Gedenktage und Forschungsarbeiten daran, dass auch Roma und Sinti auf grausame Weise verfolgt und ermordet wurden – allein, weil sie nicht in das rassistische Weltbild der Nationalsozialisten passten.

Abb. 2: Deportation in das Vernichtungslager Kulmhof 1942 (United States Holocaust Memorial Museum (USHMM), Washington D.C.)

Abb. 2: Gehe auf die Homepage von Planet Wissen und lies unter dem Suchbegriff „Völkermord an den Roma und Sinti“ den ausführlichen Bericht!

Erkläre, warum Roma und Sinti vom NS-Regime verfolgt wurden!

Beurteilt in Gruppenarbeit, warum der Porajmos lange Zeit kaum öffentliche Beachtung fand. Diskutiert, welche Folgen diese verspätete Anerkennung für die Angehörigen und Überlebenden hatte.

Erörtert gemeinsam, ob das 20. Jh. zu Recht „das Jahrhundert der Völkermorde“ genannt werden kann!

geht’s los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

Ceija Stoika, die als Kind drei nationalsozialistische Konzentrationslager überlebte, schildert, wie es den Überlebenden nach der Befreiung ging! Lies zuerst ihren Bericht und gehe dann der Anleitung nach vor!

Als wir herauskamen, waren wir krank, total! Das Herz war verwundet, unser Kopf, unsere Seele waren krank [...] Diese Menschen hätten alle behandelt werden müssen. Sie hätten fünf, sechs Jahre keine Kinder haben sollen, diese wenigen Menschen, die herausgekommen sind, die es (noch) gegeben hat, solange, bis sie wieder genug Kraft haben, gesund sind, (wieder) lachen (können), es ihnen besser geht und sie sehen, die Welt ist nicht schlecht [...] Die Angst, immer die Angst, mit dieser sind die Kinder aufgewachsen.

Und deshalb schauen sie heute noch und drehen sich um, wenn sie auf der Straße gehen, verstehst du, sie drehen sich um. Nur ein Mensch, der sich fürchtet, dreht sich um! Wenn ein Mensch krank aus dem Lager kommt und sein Kopf schmerzt und seine Seele weh tut wegen des Vaters, wegen der Schwester, wegen des Bruders, die dort geblieben sind, kann dieser nur ein in der Seele verwundetes Kind zur Welt bringen. Es kommt auf die Welt, du siehst, wie lieb es ist, wie schön es ist, du ziehst es groß, liebst es, küsst es, umsorgst es. Es wächst auf, aber diese Angst, die in dir war, überträgst du auf es, mit der Muttermilch.

Aus: Christiane Fennesz-Juhasz, Mozes F. Heinschink (HG): Texte Österreichischer Lovara II Arbeitsbericht 4 des Projekts Kodifizierung der Romanes-Variante der österreichischen Lovara hrsgg. Von Dieter W. Halwachs, Verein Romano Centro, Wien 1999, S. 85

Abb. 5: Ceija Stoika (1933- 2013) als Kind | Unter dem NS-Regime wurde sie kurz vor ihrem zehnten Geburtstag nach Auschwitz deportiert, dann nach Ravensbrück und schließlich nach Bergen-Belsen, wo sie gemeinsam mit ihrer Mutter und Schwester befreit wurde.

a) Wähle einen Satz aus ihrem Bericht aus, der dich sehr bewegt hat und markiere diesen im Text! b) Begründe deine Entscheidung und notiere auch, was du damit verbindest!

Ceija Stojka war Musikerin, Erzählerin, aber auch Malerin. Übertrage deinen Satz auf ein Zeichenblatt und gestalte eine Collage oder eine Zeichnung dazu!

Tausche dich in einer Kleingruppe (3 bis 4 Personen) aus! Trage deinen Satz vor, begründe deine Wahl und präsentiere dein selbst gestaltetes Bild!

7. GENOZIDE NACH 1945

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der juristischen Aufarbeitung in den Nürnberger Prozessen war die Hoffnung groß, dass Völkermorde in Zukunft verhindert werden könnten. Die Vereinten Nationen beschlossen 1948 ein Übereinkommen über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes, das diese schlimmsten Verbrechen des Völkerrechts weltweit ahnden sollte. Trotzdem kam es auch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und im 21. Jahrhundert immer wieder zu Genoziden. Drei besonders bekannte Beispiele sind Ruanda, Srebrenica und der Nordirak.

Völkermord in jüngerer Vergangenheit: die Tutsi in Ruanda 1994 gab es in Ruanda einen Völkermord. In nur 100 Tagen töteten Hutu-Extremisten zwischen 500.000 und 800.000 Menschen. Meist waren es Tutsi, aber auch Hutu, die gegen die Gewalt waren, wurden ermordet.

Der Streit zwischen Hutu und Tutsi hatte schon in der Kolonialzeit begonnen und wurde durch einen Bürgerkrieg schlimmer. Die Morde waren genau geplant: Milizen suchten Menschen in ihren Dörfern und Häusern und töteten sie. Viele flohen in Nachbarländer. Bis heute spürt Ruanda die Folgen: Viele Überlebende sind schwer verletzt, und die Spannungen zwischen Hutu und Tutsi bestehen weiter.

Srebrenica 1995 – Das schlimmste

Verbrechen in Europa nach 1945

1995 gab es im Bosnienkrieg einen Völkermord in der Stadt Srebrenica. Bosnischserbische Milizen ermordeten dort über 8.000 muslimische Männer und Jungen.

Eigentlich war Srebrenica von den Vereinten Nationen als Schutzzone vorgesehen, doch die UN-Soldaten griffen nicht ein. Die Täter trennten Männer und Jungen von ihren Familien, verschleppten sie und töteten sie. Dieses Massaker gilt als das schlimmste Verbrechen in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg.

Genozid an den Jesiden

Die Jesiden sind eine religiöse Minderheit im Norden des Irak. Sie leben seit Jahrhunderten in dieser Region und haben eine eigene Glaubensgemeinschaft, die nicht zum Islam gehört.

Im August 2014 griff die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) gezielt jesidische Siedlungen an. Dabei wurden über 5.000 Männer und Burschen ermordet. Die Frauen und Kinder wurden verschleppt – mehr als 7.000 von ihnen gerieten in Gefangenschaft. Viele Frauen wurden als Sklavinnen missbraucht oder zwangsverheiratet.

Die Gewalt führte dazu, dass mehr als 400.000 Jesidinnen und Jesiden ihre Heimat verlassen mussten. Viele flohen in die Berge von Sindschar, wo sie tagelang ohne Wasser und Nahrung ausharren mussten. Andere suchten Schutz in benachbarten Ländern oder in Flüchtlingslagern.

Bis heute kämpfen die Jesiden um ihre Rückkehr in ihre Heimat und um internationale Anerkennung des Völkermords, den der IS an ihnen begangen hat.

Hutu und Tutsi: soziale Gruppen, die durch die Kolonialmächte aufgrund ihres Vermögens in diese gespalten wurden

Abb. 1: Kigali Genocide Memorial, offizielle Webseite: https://kgm.rw (Stand:5. 9. 25)

Abb. 1: Beschreibe das Bild des Kigali Genocide Memorials und halte fest, welche Symbole, Formen oder Gestaltungsmerkmale dir auffallen!

Ordnet in Partnerarbeit ein, welche Funktion Erinnerungsorte wie das Kigali Genocide Memorial für die Aufarbeitung von Genoziden haben! Nutzt dazu kurze Notizen, die ihr gemeinsam im Heft sichert!

Beurteilt gemeinsam in der Klasse, welche Bedeutung solche Orte heute und in Zukunft für Frieden, Versöhnung und Prävention neuer Gewalt haben können!

Gestaltet ein digitales Produkt (z. B. Podcast, Poster, kurzes Video, Storyboard für einen TikTok-Clip oder Rap-Text), das Jugendlichen eurer Generation vermittelt, warum Erinnerung an Völkermorde wichtig bleibt! Präsentiert eure Ergebnisse in der Klasse und gebt euch gegenseitig Feedback!

Reflektiere in einem Lerntagebuch: Welche Gefühle löst die Auseinandersetzung mit den drei Genoziden bei dir aus? Wo siehst du Verbindungen zu aktuellen Nachrichten über Kriege oder Diskriminierung?

Nun geht’s los – Aufgaben für

schlaue Köpfe!

Lies diesen Ausschnitt eines Beitrages von planet-wissen. de!

D2: Das Massaker von Srebrenica

Srebrenica liegt im Osten Bosniens nahe der Grenze zu Serbien. Schon zu Beginn des Bosnienkrieges kommt es dort zu Kämpfen. Serbische Truppen besetzen die Stadt, die zu 75 Prozent von bosnischen Muslimen (Bosniaken) bewohnt wird, im Frühjahr 1992. Wenige Wochen später erobern bosniakische Verbände Srebrenica zurück.

Die serbischen Truppen ziehen sich ins Umland zurück. Der Belagerungsring schließt sich enger, tausende Bosniaken flüchten aus den umliegenden Dörfern nach Srebrenica. Die Situation dort wird immer dramatischer, Strom und Trinkwasser sind knapp, aus ehemals 6000 Einwohnern sind 60.000 geworden. Bosniakische Truppen aus Srebrenica rücken ihrerseits immer wieder in die Umgebung aus und richten Massaker unter serbischen Zivilisten an.

Im April 1993 schreiten die Vereinten Nationen (UN) in Bosnien ein. Sechs belagerte Städte, darunter Srebrenica, werden zu „Schutzzonen“ erklärt, in ihnen werden UN-Friedenstruppen stationiert. [...] Die Blauhelme helfen bei der Evakuierung von bosniakischen Dörfern, die von serbischen Verbänden bedroht werden. [...]

Nach Monaten relativer Ruhe verschärft sich die Lage in Srebrenica im Frühjahr 1995. Immer öfter werden Hilfskonvois auf dem Weg nach Srebrenica von serbischer Seite aufgehalten, auch den dort stationierten 600 UN-Soldaten geht der Nachschub aus. Bei heißem Sommerwetter sterben die ersten Menschen in der eingekesselten Stadt an Hunger und Entkräftung. Anfang Juli bewegen sich Truppen des serbischen Generals Ratko Mladic auf die Schutzzone Srebrenica zu. Der Widerstand ist gering, also erteilt Radovan Karadžić, der Führer der bosnischen Serben, die Erlaubnis, die Stadt einzunehmen. Die bosniakischen Einwohner treten die Flucht an, doch die serbischen Truppen können den Großteil der Flüchtlingstrupps stellen. Sie trennen Männer im „waffenfähigen Alter“ zwischen 16 und 65 Jahren von ihren Verwandten und schaffen sie weg. Die Männer werden systematisch zusammengetrieben, ermordet, in Massengräbern verscharrt, später sogar umgebettet: Die Spuren des Massakers sollen verwischt werden. Es ist der größte Völkermord in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Etwa 7.000 Menschen werden getötet, viele von ihnen sind bis heute nicht identifiziert. [...| Aus: Eigendarstellung nach Das Massaker von Srebrenica" von Ingo Neumayer, 2015, planet-wissen-de

Verfasse einen Zeitungsartikel, in dem du die wichtigsten Informationen wiedergibst und eine Einschätzung der Ereignisse vornimmst!

Präsentiere anschließend deinen Text in der Kleingruppe und höre dir auch die Texte der anderen an!

Auf folgende Punkte solltet ihr bei eurem Feedback achten:

• Stimmen die historischen Ereignisse?

• Passt der Schreibstil zu einem Zeitungsartikel?

• Ist die eigene Einschätzung als Reporter/in zu erkennen?

Diskutiert unter Einbeziehung aller Beispiele für Völkermord, warum der Genozid als besonders schlimmes Verbrechen gilt!

Arbeitet in Partnerarbeit heraus, welche Ursachen zu einem Genozid führen können!

6. DER ZWEITE WELTKRIEG  VOM EUROPÄISCHEN KONFLIKT ZUR GLOBALEN TRAGÖDIE

Der Zweite Weltkrieg war ein Krieg, der viele Länder auf der Welt betraf. Menschen in Europa, Amerika, Afrika und Asien erlebten ihn auf unterschiedliche Weise.In Asien begann der Krieg schon 1937, als Japan China angriff. Dort kam es zu langen und grausamen Kämpfen, bei denen Millionen Menschen starben.

Europa – Der Mittelpunkt des Krieges

Der Krieg begann am 1. September 1939 mit dem deutschen Angriff auf Polen. Viele Länder wurden besetzt, Millionen Menschen starben durch Krieg und Holocaust.

1945 wurde Deutschland schließlich besiegt, aber Europa lag in Trümmern.

Abb. 2: Briefmarke zum japanischen Angriff auf Pearl Harbor am 7. 12. 1941

Amerika – Hilfe und Kampf gegen Deutschland und Japan

Die USA traten erst 1941 in den Krieg ein, nachdem Japan den amerikanischen Flottenstützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii angegriffen hatte. Danach kämpften die USA sowohl gegen Deutschland in Europa als auch gegen Japan in Asien. Sie unterstützten ihre Verbündeten mit Waffen, Nahrung und Soldaten. Am Ende warfen die USA Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki, um Japan zur Kapitulation zu zwingen.

Afrika – Krieg um Kolonien und Unabhängigkeit

Afrika war Schauplatz vieler Kämpfe zwischen den Deutschen, Italienern und den Briten. Besonders in Nordafrika, in Ländern wie Ägypten und Libyen, gab es viele Schlachten. Auch viele afrikanische Soldaten kämpften für die europäischen Kolonialmächte. Nach dem Krieg forderten viele afrikanische Länder ihre Unabhängigkeit, weil sie nicht mehr von europäischen Ländern beherrscht werden wollten.

Asien – Japans Krieg und die Folgen

Japan wollte ein großes Reich in Asien aufbauen. Schon seit 1910 war Korea von Japan besetzt, ab 1937 führte Japan auch Krieg gegen China. Dabei kam es zu schrecklichen Verbrechen wie dem Massaker von Nanking. Später eroberte Japan weitere Gebiete in Südostasien. Im August 1945 endete der Krieg in Asien: Nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki kapitulierte Japan.

Ein

Krieg mit weltweiten

Folgen

Der Zweite Weltkrieg forderte Millionen Opfer weltweit. Nach 1945 wurden viele Kolonien unabhängig, und die UNO entstand, um Frieden zu sichern. Zugleich begann der Kalte Krieg zwischen dem von den USA geführten Westen und dem von der Sowjetunion dominierten Osten.

Abb. 2: Beschreibe, was auf diesem Bild zu sehen ist und was am 7. Dezember 1941 in Pearl Harbor passiert ist!

Arbeitet zu zweit: Erklärt, warum der Angriff auf Pearl Harbor ein Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg war und wie die USA darauf reagierten!

Analysiert, warum dieses Ereignis auf einer Briefmarke dargestellt wurde! Welche Botschaft könnte damit vermittelt werden?

Untersuche, wie sich der Zweite Weltkrieg in verschiedenen Kontinenten ausgewirkt hat und stelle die Unterschiede in einer Tabelle dar!

Dreht ein kurzes Video, in dem ihr eine Nachrichtensendung aus dem Jahr 1945 gestaltet, die über das Kriegsende berichtet!

Abb. 1: Landung der Alliierten in der Normandie, 6. Juni 1944, Fotografie (United States National Archives and Records Administration (NARA), College Park, Maryland.)

So schätze ich mich nach dem Großkapitel „Holocaust/Shoa und Genozid“ selbst ein: Kreuze jenen Daumen an, der für dich am ehesten zutreffend ist!

Ich kann…

…erklären, was Rassismus und Antisemitismus bedeuten und welche Auswirkungen sie haben.

…Bilder, Texte und Karikaturen mit antisemitischen oder rassistischen Inhalten beschreiben und ihre Wirkung erläutern.

…die wichtigsten Schritte der systematischen Verfolgung jüdischer Menschen und anderer Opfergruppen im Nationalsozialismus benennen.

...die wirtschaftlichen und politischen Ziele hinter der „Arisierung” jüdischen Eigentums erklären.

...die Rolle von Tätern, Mitläufern und Opfern im Holocaust differenziert betrachten.

...die Begriffe Holocaust und Shoah definieren und erklären.

...beschreiben, wie Ghettos und Konzentrationslager zur systematischen Vernichtung von Menschen genutzt wurden.

…verschiedene Opfergruppen des Holocausts benennen und ihre Schicksale darstellen.

...die Bedeutung der Erinnerung an den Holocaust für die heutige Gesellschaft reflektieren.

...verschiedene Formen des Widerstands gegen das NS-Regime beschreiben und bewerten.

…die Rolle von Franz Jägerstätter, der Weißen Rose und Oskar Schindler als Beispiele für Widerstand beschreiben und ihre Entscheidungen beurteilen..

…den Begriff „Genozid” definieren und erklären, warum er als Verbrechen gegen die Menschlichkeit gilt.

…erklären, warum der Holocaust als beispielloser Völkermord gilt, aber nicht der einzige Genozid des 20. Jahrhunderts war.

…die Nürnberger Prozesse als Beispiel für internationale Strafverfolgung von Kriegsverbrechen erklären und ihre Bedeutung für die Gegenwart einschätzen.

…erklären, wie der Zweite Weltkrieg begann und welche Länder beteiligt waren.

…die Auswirkungen des Krieges auf die internationale Ordnung nach 1945 darstellen und beurteilen..

Buchtipps für besonders Wissensdurstige

Um deine Kompetenzen noch mehr zu steigern, hier unsere Buchtipps:

Judith Kerr: Als Hitler das rosa Kaninchen stahl (Ravensburger Verlag GmbH 1997).

Kirsten Boie: Dunkelnacht (Verlagsgruppe Oetinger Service GmbH 2021).

1. ÖSTERREICHS WEG IN DIE UNABHÄNGIGKEIT

Wien wird eingenommen

Am 29. März 1945 überschritten sowjetische Truppen die Grenze und besetzten nach schweren Kämpfen Wien. Die Stadt war stark zerstört, Verkehrsmittel fuhren nicht. In den ersten Tagen herrschte große Not, viele Menschen flohen nach Westen.

Wie kam es zur provisorischen Regierung?

Nach der Einnahme Wiens wollten die Sowjets rasch eine Verwaltung für Österreich schaffen. Sie beauftragten Karl Renner, eine vorläufige (= provisorische) Regierung zu bilden, bis freie Wahlen möglich waren. Renner nahm ÖVP, SPÖ und KPÖ auf. Am 27.

April 1945 rief diese Regierung die Unabhängigkeit Österreichs aus – das Land war wieder ein eigener Staat.

Q1: Auszug aus der Proklamation der provisorischen österreichischen Staatsregierung, 27. 4. 1945

Art.1: Die demokratische Republik Österreich ist wiederhergestellt ...

Art. 2: Der im Jahre 1938 dem österreichischen Volk aufgezwungene Anschluss ist null und nichtig ...

Art. 4: ... Alle von Österreichern dem Deutschen Reich und seiner Führung geleisteten militärischen, dienstlichen oder persönlichen Gelöbnisse (sind) nichtig und unverbindlich ...

Aus: Dusek, Peter; Pelinka, Anton; Weinzierl, Erika: Zeitgeschichte im Aufriß. Österreich seit 1918. 50 Jahre Zweite Republik. Wien (1995), S. 256.

Erste Schritte der neuen Republik.

2 Mit dem Verbots- und Kriegsverbrechergesetz wurden die NSDAP und alle ihre Organisationen verboten.

2 Mitglieder der NSDAP, der SA und der SS mussten sich registrieren lassen.

2 Bei der ersten freien Nationalratswahl im November 1945 durften sie nicht wählen.

2 Leopold Figl (ÖVP) wurde erster Bundeskanzler der Zweiten Republik, Karl Renner (SPÖ) erster Bundespräsident.

2 Da das Land im Aufbau war, regierten ÖVP, SPÖ und KPÖ in einer Konzentrationsregierung gemeinsam.

Nach 1945 arbeiteten ÖVP, SPÖ und auch die KPÖ in einer gemeinsamen Regierung. So konnte Österreich nach der Diktatur wieder eine Demokratie aufbauen. Die Parteien spielten dabei eine wichtige Rolle für Stabilität und Wiederaufbau.

Probleme der Entnazifizierung

Die Entnazifizierung sollte Österreich vom nationalsozialistischen Einfluss befreien, hatte aber Lücken:

2 Ab 1949 durften viele ehemalige Nationalsozialisten wieder wählen.

Abb. 1: Brennender Stephansdom, 12. 4. 1945 (ORF-Magazin Wien)

Gelöbnis: ein feierliches Versprechen

Q1: Analysiere, welche Haltung gegenüber dem „Anschluss“ in Art. 2 zum Ausdruck kommt! Gehe dabei darauf ein, wie der „Anschluss“ bewertet wird und welche Wirkung diese Formulierung für die Zukunft Österreichs haben sollte!

Erkläre, auf welche Art von Gelöbnissen sich Art. 4 bezieht!

Beurteile, warum es für die neue österreichische Regierung wichtig war, diese Punkte in die Proklamation aufzunehmen!

2 Die meisten galten als „minderbelastet“ und erhielten nur Geldstrafen oder ein befristetes Berufsverbot.

2 Mit dem Verband der Unabhängigen (VdU) entstand eine Partei, die zahlreiche frühere NSDAP-Mitglieder vertrat.

Diese schnelle Wiedereingliederung führte dazu, dass Österreich zwar formal Gesetze zur Entnazifizierung hatte, in der Realität aber viele frühere Nationalsozialisten bald wieder politisch und beruflich aktiv waren.

Abb. 2: Wahlergebnis November 1945

Abb. 2: Begründe, weshalb es seit 1931 keine Wahlen mehr in Österreich gab!

Erläutere, für welche Besatzungsmacht dieses Wahlergebnis enttäuschend war und warum!

ZWEITE REPUBLIK ÖSTERREICH

Österreich – ein besetztes Land

freier Personenverkehr: ungehinderte Reisen über Staatsgrenzen hinweg

Demarkationslinie: Grenzlinie

Pioniere: Soldaten, die technische Arbeiten (z.B. Brückenbau) ausführen

Amerikanische Zone

Britische Zone

Französische Zone

Sowjetische Zone

Im April und Mai 1945 hatten auch US-amerikanische, französische und britische Truppen die österreichische Grenze im Westen überschritten. Die Siegermächte teilten das Land in vier Besatzungszonen ein. Durch diese Zonen war aber der freie Personenverkehr stark eingeschränkt. Jede Österreicherin und jeder Österreicher, der oder die in eine andere Zone reisen wollte, mussten einen viersprachigen Personalausweis vorweisen können. Besonders schwierig war der Grenzübertritt an der Demarkationslinie zwischen sowjetischer Zone und den von den Westmächten besetzten Gebieten.

Eine Militärregierung – der Alliierte Rat – übte ab nun die oberste Kontrolle in Österreich aus, d. h. die Regierung musste in allen Belangen die Zustimmung der Alliierten einholen.

Abb. 3: Nenne jene Zone, in der dein(e) Heimatort, -bezirk oder -stadt lag!

Beschreibe anhand der Karte, wie Österreich nach 1945 von den Siegermächten in Besatzungszonen aufgeteilt wurde. Erkläre auch, warum Wien eine besondere Stellung hatte!

Finde heraus, wie es zu dieser Aufteilung gekommen ist! (Internet, Bücher)

Abb. 4: Erläutere, was das Foto in Verbindung mit dem Fließtext über die Lebensbedingungen in Wien 1945 aussagt!

Stellt diese Aufnahme aktuellen Fotos aus Kriegsgebieten gegenüber! Welche Erkenntnis kannst du gewinnen?

Gleichzeitig sollten Gesetze zur Entnazifizierung dafür sorgen, dass ehemalige Nationalsozialisten aus wichtigen politischen und gesellschaftlichen Funktionen entfernt wurden. In der Praxis entstanden jedoch Lücken und Probleme bei der Umsetzung, sodass viele ehemalige NSDAP-Mitglieder später wieder in öffentliche Ämter oder Berufe zurückkehren konnten. Wien wurde in vier Sektoren geteilt. Jede Besatzungsmacht verwaltete einen Sektor. Nur der 1. Bezirk war als internationale Zone eingerichtet und wurde gemeinsam verwaltet. So fuhren im 1. Bezirk Soldaten der vier Besatzungsmächte gemeinsam im Jeep auf Streife.

Der Wiederaufbau beginnt

Nach dem Krieg mussten die Menschen viele Entbehrungen auf sich nehmen, denn es fehlte am Notwendigsten. Überall lag Schutt der durch Bombeneinschläge zerstörten Häuser. Die Besatzungstruppen, allen voran sowjetische Pioniere, sorgten dafür, dass die schwersten Kriegsschäden beseitigt wurden. Sie setzten zerstörte Brücken wieder instand und machten die Straßen wieder befahrbar. Aber auch die Bevölkerung beteiligte sich an den Aufräumarbeiten. Vor allem ehemalige Angehörige der NSDAP waren zu diesen Arbeiten verpflichtet. Nach der Beseitigung der größten Kriegsschäden begann der Wiederaufbau des Landes. Die vorhandenen Lebensmittel wurden streng rationiert. Die Abgabe erfolgte mit Lebensmittelmarken. Doch im Winter 1945/46 war die Not in den Städten am größten. Fenster waren nur mit Papier oder Pappe notdürftig verschlossen und es fehlte auch Kohle zum Heizen. Viele froren und hungerten. Auch die Preise auf dem Schwarzmarkt waren kaum zu bezahlen. In ihrer Not tauschten deshalb viele Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohner ihren Schmuck und andere Wertgegenstände gegen Lebensmittel ein.

Abb. 4: Frauen räumen den Schutt in Wien weg, 1. 8. 1945 (Österreichische Nationalbibliothek/IMAGNO)

Innsbruck
Bregenz Graz Klagenfurt Wien (ViersektorenStadt)
Abb. 3: Besatzungszonen in Österreich

ZWEITE REPUBLIK ÖSTERREICH

Q2: Auszug aus der Weihnachtsansprache von Bundeskanzler Figl, 1945

Ich kann Euch zu Weihnachten nichts geben. Ich kann Euch für den Christbaum, wenn Ihr überhaupt einen habt, keine Kerzen geben. Kein Stück Brot, keine Kohle zum Heizen, kein Glas zum Einschneiden. Wir haben nichts. Ich kann Euch nur bitten: Glaubt an dieses Österreich!

Aus: http://www.aeiou.at/aeiou.film.01.05.07 (6. 2. 2025)

Hilfe für Österreich

Nach 1945 hatte Österreich große wirtschaftliche Probleme. Allein die Kosten für die Besatzung betrugen rund 7,68 Milliarden Schilling – fast so viel wie ein gesamtes Staatsbudget damals. Viele Betriebe, die als „deutsches Eigentum“ galten, wurden beschlagnahmt. Um das zu verhindern, verstaatlichte Österreich viele davon.

Ab 1948 halfen die USA mit dem Marshallplan: Österreich bekam Waren im Wert von 1,1 Milliarden Dollar (heute ca. 7,4 Milliarden Euro). Diese Waren wurden verkauft, und mit dem Geld unterstützte der Staat österreichische Betriebe.

Aus diesen Geldern entstand ein Fonds, der noch heute in der Marshallplan-Foundation weiterbesteht und Projekte fördert.

Österreich wird frei

Die Verhandlungen zur Beendigung der Besatzungszeit begannen zwar schon 1947, aber erst nach dem Tod Stalins (1953) wurde Österreich in den Verhandlungen um einen Staatsvertrag als Verhandlungspartner anerkannt. Im April 1955 gelang es einer österreichischen Delegation, das Moskauer Memorandum auszuhandeln. In diesem verpflichtete sich Österreich, die immerwährende Neutralität anzunehmen. Damit stand dem Abschluss des Staatsvertrages nichts mehr im Wege.

Abb. 5: Leopold Figl (Österreichisches Staatsarchiv, Bildarchiv Austria)

Q2: Analysiere diesen Auszug aus Figls Rede! Wie baut Figl Spannungsmomente ein?

Abb. 6: Beschreibe zuerst dieses Plakat!

Arbeite nun die verwendeten Symbole heraus!

verstaatlichen: in das Eigentum eines Staates überführen

Abb. 6: Plakat für den Marshallplan, 1949 (Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv Austria)

Abb. 7: Balkon des Belvederes: Leopold Figl mit dem unterzeichneten Staatsvertrag, 15. 5. 1955 (Österreichisches Staatsarchiv)

Am 15. 5. 1955 wurde im Wiener Belvedere der österreichische Staatsvertrag unterschrieben. Die Alliierten verpflichteten sich, Österreich binnen 90 Tagen nach Inkrafttreten des Staatsvertrages zu verlassen. Diese Frist endete am 25. Oktober 1955. Nur einen Tag danach – am 26. 10. 1955 – beschloss der Nationalrat das Neutralitätsgesetz und damit die immerwährende Neutralität Österreichs. Dieser Tag ist heute der österreichische Nationalfeiertag.

Abb. 6: Analysiere das Plakat zum Marshallplan. Beschreibe zunächst die dargestellten Elemente und Symbole!

Interpretiere anschließend ihre Bedeutung und erkläre, welche Botschaft mit diesem Plakat vermittelt werden sollte!

Der österreichische Staatsvertrag

Nach der Vertragsunterzeichnung folgten kurze Ansprachen. Zum Schluss traten die vier Außenminister der Alliierten gemeinsam mit Figl auf den Balkon. Figl zeigte der wartenden Menschenmenge den Staatsvertrag. Ein unbeschreiblicher Jubel begrüßte dieses Ereignis.

Nun geht’s los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

Du reist in das Wien des Jahres 1945. Um bei deinem Besuch nicht in eine falsche Besatzungszone zu kommen, beschrifte die Bezirke mit römischen Zahlen und male sie in den Farben der Besatzungsmächte an! ACHTUNG: Den 1. Bezirk musst du weiß lassen! Weißt du noch, warum?

Wien

In welchem Bezirk triffst du auf diese „Vier im Jeep“?

Bezirk

Beurteile, welche Schwierigkeiten und Vorteile die Aufteilung Wiens in vier Zonen für die Bevölkerung mit sich brachte!

Zeitreise in das Jahr 1945 – Fülle in dieser Lebensmittelkarte die fehlenden Angaben mit deinem Namen und deiner Wohnadresse aus! Notiere dann, welche Lebensmittel du erhältst und wie viel sie kosten! Runde auf 2 Kommastellen auf!

Tagessätze:

1 Schilling = 100 Groschen

a) 20 g Fleisch: 4 Groschen

b) Groschen

c) Groschen

d) Groschen

Monatlicher Zusatz:

a) Groschen

b) Groschen

Was zahle ich insgesamt in einem Monat (30 Tage): Schilling Groschen

1 kg Fleisch: 2 Schilling © 1 kg Fett: 2,16 Schilling © Nährmittel z. B. 1 kg Kartoffel: 0,13 Schilling © 1 kg Zucker: 0,76 Schilling © 1 kg Kaffeeersatz: 0,88 Schilling © 1 kg Salz: 0,26 Schilling

Vergleiche die Versorgungslage damals mit deiner heutigen Situation! Welche Unterschiede fallen dir auf, und was sagt das über die Lebensbedingungen nach dem Krieg aus?

Erstellt einen kurzen Podcast oder ein TikTok-Video, in dem ihr erzählt, wie das Leben in Wien 1945 ausgesehen haben könnte! Nutzt Infos aus dem Text und vergleicht mit eurer heutigen Lebenswelt!

2. DIE ENTNAZIFIZIERUNG IN ÖSTEREICH

Bereits 1945 erließ die provisorische Regierung das Verbots- und Kriegsverbrechergesetz. Damit wurden die NSDAP und alle ihr angeschlossenen Organisationen verboten. Alle Mitglieder der NSDAP, der SA und der SS waren verpflichtet, sich registrieren zu lassen.

Die etwa 540 000 Registrierten wurden in 3 Gruppen eingeteilt:

2 Kriegsverbrecher: waren aktiv an Verbrechen der Nationalsozialisten und am Genozid an Jüdinnen und Juden beteiligt

2 Belastete: Angehörige der NSDAP und ihrer Organisationen, die eine höhere Funktion innegehabt hatten; alle Angehörige der SS

2 Minderbelastete: einfache NSDAP-Mitglieder ohne besondere Funktion

Abb. 1: Registrierungsblatt für ehemalige Nationalsozialisten

Alle Registrierten durften bei den ersten Nationalratswahlen im Jahr 1945 nicht wählen. Darüber hinaus brachte die Registrierung auch den Ausschluss von bestimmten Berufen im öffentlichen Dienst aber auch in der Privatwirtschaft mit sich.

Diese Personen mit ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten waren jedoch für den Wiederaufbau von Österreich sehr wichtig. Daher gab es schon sehr bald Bestrebungen, den Minder-belasteten die Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu ermöglichen.

Q1: Wahlrede des Salzburger Bürgermeisters (SPÖ) Anton Neumayr am 3. November 1945

Es muss für die KZler, für die Invaliden, für die Witwen und Waisen gesorgt werden und die Partei [SPÖ] wird den Heimkehrern ihre größte Aufmerksamkeit schenken müssen… Wir wollen, dass die Nationalsozialisten, die sich keines Vergehens schuldig gemacht haben, entregistriert werden, dass sie eingeschaltet werden in den Arbeitsprozess, dass auch in ihre Familien wieder Glück und Friede einkehren. […] Sie sollen nachdenken, was diejenigen ertragen mussten, die in den Konzentrationslagern waren, was die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen leiden, welcher Schmerz den Witwen und Waisen dieses Krieges zugefügt worden ist. Die Entregistrierung muss gerecht und nach gleichen Grundsätzen durchgeführt werden.

Aus: Demokratisches Volksblatt vom 5. November 1945.

Im „Nationalsozialistengesetz 1947“ wurde festgelegt, dass Minderbelastete amnestiert wurden und wieder wählen durften. Alle Registrierten waren „sühnepflichtig“. Sie mussten einen bestimmten Anteil ihres Vermögens und ihres Einkommens abgeben. Das Verbotsgesetz von 1945 gilt heute noch. Es verbietet die nationalsozialistische Wiederbetätigung und die Verwendung von nationalsozialistischen Symbolen.

Q1: Fasse die Forderungen des Salzburger Bürgermeisters mit eigenen Worten zusammen!

Erkläre, warum er diese Forderungen aufstellt!

Beurteile, welche Auswirkungen die Umsetzung dieser Forderungen für die registrierten Nationalsozialisten hatten!

Invaliden: hier: Personen, die durch den Krieg körperlich oder geistig beeinträchtigt waren

Heimkehrer: Personen, die aus dem Krieg oder aus Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt waren

amnestieren: jemandem per Gesetz eine Strafe erlassen

Diskutiert in der Klasse darüber, was die rasche Amnestie für die weitere

3. DIE ÖSTERREICHISCHE VERFASSUNG

Was ist eine Verfassung?

Rechtsgemeinschaft: Gesamtheit von Personen, Gruppen, Völkern, für die ein gemeinsames Recht gilt

D1: Zähle die im Text angegebenen Aufgaben der Verfassung auf!

Erläutere, was der Ausspruch „Verfassungsfragen sind auch Machtfragen“ zu bedeuten hat!

Q1: Erkläre, welche Vorrechte Art. 7 ausschloss!

Abb. 1: Büste von Hans Kelsen (von Ferdinand Welz, Arkadenhof der Universität Wien)

Hans Kelsen

Hans Kelsen war einer der bedeutendsten Rechtwissenschaftler des 20. Jh. Er gilt als der Architekt der österreichischen Bundesverfassung von 1920.

Jede Gemeinschaft braucht Spielregeln, nach denen sie funktioniert. Besonders gilt dies für einen Staat als Rechtsgemeinschaft. Das Grundgesetz jeder staatlichen Ordnung ist die Verfassung, in der grundsätzliche Fragen der staatlichen Gemeinschaft und ihrer Rechtsordnung geregelt werden. In der Verfassung sind die Grundrechte der Staatsbürgerinnen und Staatsbürger niedergeschrieben. Insgesamt enthält die österreichische Bundesverfassung aber 152 Bestimmungen.

Wann braucht man eine Verfassung?

D1: Verfassung: Die rechtliche Grundordnung für Demokratie

Es war die Erfahrung des Missbrauchs der Macht durch HerrscherInnen, die zum Verfassungsstaat der Neuzeit führte. Eine Verfassung sollte die Freiheit vom Staat durch Grundrechte und Bindung an Gesetze gewährleisten. Sie sollte auch Freiheit im Staat durch Mitbestimmung bringen. Das Volk hat an der Staatswillensbildung mitzuwirken.

Verfassungsfragen sind [...] auch Machtfragen. Der Kampf um die Verfassung war auch ein Kampf um die Macht: Im 19. Jahrhundert war es vor allem der Kampf zwischen Bürgertum und Monarchie, im 20. Jahrhundert der Kampf zwischen den politischen Parteien.

Aus: Welan, Manfred: Verfassung: Die rechtliche Grundordnung für Demokratie. In: Jugend – Demokratie – Politik. Informationen zur Poltischen Bildung Nr. 28, Wien (2008), S. 18.

Verfassungsentwicklung

1. Oktober 1920: Wie du bereits gehört hast, wurde unsere Bundesverfassung (B-VG) von der aus Sozialdemokraten, Christlichsozialen und Deutschnationalen bestehenden Nationalversammlung beschlossen. Sie ist damit eine der ältesten noch heute geltenden Verfassungen Europas.

Q1: Gesetz vom 1. Oktober 1920, womit die Republik Österreich als Bundesstaat eingerichtet wird

Artikel 1: Österreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volk aus.

Artikel 2: (1) Österreich ist ein Bundesstaat. [...]

Artikel 7: Alle Bundesbürger sind vor dem Gesetz gleich. Vorrechte der Geburt, des Geschlechtes, des Standes, der Klasse und des Bekenntnisses sind ausgeschlossen.

Aus: http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?apm=0&aid=sgb&datum=19200004&seite=00001791&zoom=2 (19. 9. 2017)

Mit dieser Verfassung wurde Österreich zu einer stark parlamentarisch geprägten Demokratie. Diese baut auf ein Zweikammernsystem (National- und Bundesrat) auf, weist eine bundesstaatliche Organisationsform auf und legt das Parlament als zentrales und führendes Staatsorgan fest.

Die Verfassung von 1920 bestimmte, dass der Bundespräsident durch die aus Nationalrat und Bundesrat gebildete Bundesversammlung gewählt wurde. Die Einführung eines Verwaltungs- und Verfassungsgerichtshofes diente der Stärkung der Rechtsstaatlichkeit.

7. Dezember 1929: Auf Druck der Christlichsozialen, die eine stärker durch eine Führungspersönlichkeit dominierte Regierungsform anstrebten, wurde die Bundesverfassung novelliert. Die Kompetenzen des Bundespräsidenten wurden gegenüber dem Parlament gestärkt. Er wurde nun vom Volk direkt für sechs Jahre gewählt

1. Mai 1934: Nach der „Ausschaltung“ des Parlamentes 1933 durch die Regierung Dollfuß verkündete das Regime eine ständisch-autoritäre Verfassung, die aber nicht umgesetzt wurde. Der Bundesstaat Österreich wurde in einen berufsständisch gegliederten, autoritären Staat umgewandelt.

13. März 1938: Nach dem „Anschluss“ an das Deutsche Reich erwirkte die Regierung Seyß-Inquart durch ein verfassungswidriges Verfassungsgesetz die Eingliederung Österreichs in das Deutsche Reich. In der Ostmark, später auch Alpen- und DonauReichsgaue genannt, wurde reichsdeutsches Recht eingeführt.

27. April 1945: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Unabhängigkeitserklärung Österreichs zum ersten Akt der Verfassungsgesetzgebung. In einem Verfassungsprovisorium wurde die Wiederherstellung der Republik Österreich auf Grundlage der Verfassung von 1920 verkündet.

November 1945: Nach den Nationalratswahlen setze der Nationalrat die Bundesverfassung in der Fassung von 1929 wieder in Kraft.

Grundprinzipien der Verfassung

Die österreichische Bundesverfassung baut auf vier Prinzipien auf:

DEMOKRATISCH

a) Einrichtungen und Amtsträger/innen des Staates müssen jede ihrer Entscheidungen und Handlungen gegenüber allen Bürger/innen verantworten.

b) Alle Bürger/innen haben das Recht, sich an politischen Meinungsbildungen und Wahlen frei zu beteiligen. Sie können auch selbst politisch aktiv werden.

REPUBLIKANISCH

Mit diesem Prinzip wird die Staatsform bestimmt. Österreich ist demnach eine Republik.

novellieren: durch eine Novelle ändern, ergänzen

Novelle: Gesetz, das in einem ergänzenden oder abändernden Nachtrag zu einem bereits geltenden Gesetz besteht

BUNDESSTAATLICH

Österreich ist ein Bundesstaat. In diesem ist die politische Macht zwischen dem Bund und den (Bundes-)Ländern aufgeteilt.

Abb. 2: Begründe, weshalb die Grundprinzipien der Verfassung auch „Baugesetze“ heißen!

Lies jemandem in der Klasse eine der vier Definitionen vor! Errät er oder sie, um welches Prinzip es sich dabei handelt?

RECHTSSTAATLICH

Der Staat und seine Amtsträger dürfen nur auf der Grundlage rechtlicher Regeln tätig werden.

Abb. 2: Grundprinzipien (Baugesetze) der Verfassung

Der Rechtsstaat begrenzt die Macht des Staates, denn er sieht strenge Verfahren für alle Handlungen des Staates und seiner Amtsträgerinnen und Amtsträger vor.

Dazu kommen Grundrechte, die die Freiheit aller Menschen, die in einem Staat leben, sichern sollen wie Persönliche Freiheit, Meinungsfreiheit und Vereinsfreiheit

Kein Gesetz darf den Grundrechten widersprechen. Alle Gesetze müssen auch vor Gericht durchgesetzt werden können. Das garantiert in Österreich der Verfassungsgerichtshof.

Abb. 2 + Fließtext: Erkläre mit eigenen Worten, was die angeführten Grundrechte zu bedeuten haben! Suche dazu auch Beispiele, was sie für dich bedeuten!

Bundesrat: setzt sich aus Abgeordneten aller Bundesländer zusammen; werden entsandt und nicht direkt gewählt

Landtag: Parlament eines Bundeslandes

Die Gewaltenteilung im Staat

Im rechtsstaatlichen Prinzip wird auch festgelegt, dass die Handlungsmöglichkeiten des Staates auf verschiedene Staatsorgane aufgeteilt sind: Organe der Gesetzgebung (Legislative), Organe der Verwaltung (Exekutive) und Organe der Gerichtsbarkeit (Judikative).

EXEKUTIVE (ausführende Gewalt)

LEGISLATIVE

Bund Länder

Nationalrat

Bundesrat Landtag

Abb. 3: Arbeite heraus, wie in Österreich eine Machtbalance hergestellt wird!

D2: Erläutere die Vorteile der Gewaltentrennung in einer Demokratie!

Reflektiere anschließend kurz (1–2 Sätze): Welche Folgen hat das Fehlen der Gewaltentrennung für Bürgerrechte und Rechtsstaatlichkeit in diesem Staat?

Zweidrittelmehrheit: 2/3 der Abgeordneten müssen dafür sein

Umfasst nicht nur die Bundes- und Landesregierung, sondern auch die gesamte Verwaltung: Ministerien, Landesbehörden, Polizei, Ämter und Beamtinnen und Beamte.

Aufgabe: Gesetze anwenden und umsetzen

Bundesregierung

Landesregierung

Bundeskanzler

Bundeskanzlerin

JUDIKATIVE

Organe der Gerichtsbarkeit

Oberster Gerichtshof, Oberlandesgerichte, Landesgerichte, Bezirksgerichte

Landeshauptmann Landeshauptfrau

Richter/Richterinnen sind unabhängig, unabsetzbar und unversetzbar!

D2: Gewaltentrennung – ein Prinzip demokratisch rechtsstaatlicher Ordnung

Das gewaltentrennende Prinzip ist kein Selbstzweck, sondern begrenzt die Macht der einzelnen Staatsorgane. Sie beruht auf dem Gedanken, die politische Macht, das heißt die Staatsfunktionen, zu teilen, um deren Missbrauch zu verhindern.

Gewaltentrennung sichert somit die Freiheit des Einzelnen vor Machtmissbrauch durch die Machtträger.

Aus: Parlamentsdirektion (Hg.): Unterrichtsmaterialien zum Jugendparlament. Wien (2007), S. 11.

Da die Verfassung ein Grundgesetz ist, können Verfassungsgesetze im Nationalrat nur mit einer Zweidrittelmehrheit beschlossen oder geändert werden. Sollte eine Gesamtänderung der Bundesverfassung angestrebt werden, müssten die österreichischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger in einer Volksabstimmung darüber abstimmen.

Der Österreichkonvent

Die österreichische Verfassung stammt aus dem Jahr 1920. Im Laufe der Jahrzehnte wurde sie immer wieder ergänzt. Heute umfasst das Verfassungsrecht mehr als 2.000 Seiten – mit über 1.400 Sonderregelungen.

Damit wurde die Verfassung sehr unübersichtlich. Deshalb gründeten alle Parteien 2003 den Österreichkonvent. Sein Ziel war es, die Verfassung einfacher und übersichtlicher zu machen, aber die Grundprinzipien zu bewahren.

2005 legte der Konvent einen Bericht vor. Bis heute konnte man sich aber nicht auf einen neuen Verfassungstext einigen.

Abb. 3: Staatsorgane in Österreich

Nun geht’s los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

Ordne folgende Ausschnitte aus der Verfassung dem jeweiligen Veröffentlichungsdatum zu!

Art.1: Die demokratische Republik Österreich ist wiederhergestellt [...]

Art. 2: Der im Jahre 1938 dem österreichischen Volk aufgezwungene Anschluss ist null und nichtig [...]

Art. 1: Österreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volk aus. Art. 2: Österreich ist ein Bundesstaat.

Art. 7: Alle Bundesbürger sind vor dem Gesetz gleich. Vorrechte der Geburt, der Klasse und des Bekenntnisses sind ausgeschlossen.

Art.1: Österreich ist ein Bundesstaat.

Art. 2: Der Bundesstaat ist ständisch geordnet und besteht aus der bundesunmittelbaren Stadt Wien und den Ländern: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg.

A. 25. 09. 2016 © B. 27. 4. 1945 © C. 30. 4. 1934 © D. 5. Oktober 1920

Art. 7: (1) Alle Bundesbürger sind vor dem Gesetz gleich. Vorrechte der Geburt, des Geschlechtes, des Standes, der Klasse und des Bekenntnisses sind ausgeschlossen. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Die Republik (Bund, Länder und Gemeinden) bekennt sich dazu, die Gleichbehandlung von behinderten und nichtbehinderten Menschen in allen Bereichen des täglichen Lebens zu gewährleisten.

Erstelle in deinem Heft eine kurze Übersicht über die gesellschaftlichen und politischen Hintergründe, welche jede dieser Verfassungen prägten!

1920: Die erste Verfassung der Republik entstand …

Da fehlt ja einiges! Setze ein!

Bundesregierung

Begründe, warum es wichtig ist, dass Legislative, Exekutive und Judikative voneinander getrennt sind!

Beurteile, welche Gefahren entstehen könnten, wenn eine dieser Gewalten zu viel Macht erhält!

4. UMFASSENDE LANDESVERTEIDIGUNG  DIE BEDEUTUNG DES ÖSTERREICHISCHEN BUNDESHEERS

Abb. 1: Eurofighter EF 2000, Eurofighter EF 2000

Fasse die vier Säulen der umfassenden

Landesverteidigung in eigenen Worten kurz zusammen!

Erkläre, warum es wichtig ist, dass nicht nur das Bundesheer, sondern auch Wirtschaft, Zivilorganisationen und die Gesellschaft selbst an der Sicherheit Österreichs mitwirken!

Beurteile, welche der vier Säulen deiner Meinung nach heute am wichtigsten ist. Begründe deine Entscheidung mit Beispielen!

Diskutiere die Bedeutung der Neutralität für Österreich!

Welche Vorteile bringt die Neutralität für Österreich (z. B. Sicherheit, Unabhängigkeit, internationale Rolle)?

Welche Nachteile oder Herausforderungen gibt es (z. B. eingeschränkte Bündnisse, neue Bedrohungen wie Cyberangriffe)?

Formuliere anschließend ein eigenes politisches Urteil: Soll Österreich an der Neutralität festhalten oder sie verändern? Begründe deine Meinung!

Beurteile, warum die geistige Verteidigung – wie die Vermittlung von Demokratie und Menschenrechten – für die Sicherheit Österreichs wichtig ist!

Das österreichische Bundesheer – Schutz für ein neutrales Land Nach dem Zweiten Weltkrieg erklärte Österreich im Jahr 1955 seine immerwährende Neutralität. Das bedeutet, dass Österreich keinem militärischen Bündnis (wie der NATO) beitritt und und sich nicht an Angriffskriegen beteiligt.. Gleichzeitig verpflichtet sich das Land, seine eigene Sicherheit und Unabhängigkeit selbst zu verteidigen. Deshalb wurde das Österreichische Bundesheer gegründet. Seine Hauptaufgabe ist es, Österreich zu schützen und in Krisensituationen zu helfen.

Die Umfassende Landesverteidigung – Sicherheit für das ganze Land

In Österreich gibt es ein besonderes Verteidigungskonzept: die Umfassende Landesverteidigung. Das bedeutet, dass nicht nur das Bundesheer für die Sicherheit zuständig ist, sondern die gesamte Gesellschaft dazu beiträgt. Die Verteidigung Österreichs basiert auf vier Säulen:

1. Militärische Verteidigung: Das Bundesheer schützt das Land vor Gefahren von außen, zum Beispiel durch den Einsatz von Soldaten, Panzern, Hubschraubern und moderner Technik.

2. Wirtschaftliche Verteidigung: Wichtige Bereiche wie Energieversorgung, Transport und Gesundheitswesen müssen auch in Krisenzeiten funktionieren.

3. Zivile Verteidigung: Feuerwehren, Polizei und Rettungsdienste arbeiten mit dem Bundesheer zusammen, um Menschen in Katastrophenfällen zu helfen.

4. Geistige Verteidigung: Die Menschen in Österreich sollen wissen, warum Demokratie, Menschenrechte und Frieden wichtig sind. Deshalb gibt es in Schulen und Medien Informationskampagnen zu diesen Themen.

Durch dieses Konzept wird das gesamte Land auf mögliche Krisen vorbereitet.

Die Aufgaben des Bundesheeres heute

Das Bundesheer hat viele Aufgaben. Neben der Landesverteidigung hilft es bei Katastrophen wie Hochwasser, Lawinen oder Bränden mit Hubschraubern und Soldaten. Auch während der Corona-Pandemie unterstützte es bei Transporten, Tests und Grenzkontrollen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Grenzschutz. Besonders in Krisenzeiten sorgt das Bundesheer für Sicherheit an den Grenzen und unterstützt die Polizei bei großen Veranstaltungen.

Österreich beteiligt sich zudem an Friedensmissionen. Soldatinnen und Soldaten helfen in Krisengebieten wie dem Balkan oder dem Libanon, um Frieden und Sicherheit zu gewährleisten.

ZWEITE REPUBLIK

Moderne Herausforderungen und aktuelle Entwicklungen

In den letzten Jahren wurde das Bundesheer modernisiert. Neue Hubschrauber, Fahrzeuge und digitale Systeme wurden angeschafft, um Österreich besser schützen zu können. Besonders wichtig ist die Cyber-Abwehr geworden. In der heutigen Zeit gibt es nicht nur Bedrohungen durch Kriege oder Naturkatastrophen, sondern auch durch Hackerangriffe und digitale Angriffe auf wichtige Systeme. Deshalb gibt es eigene Einheiten, die sich um den Schutz vor Cyber-Angriffen kümmern.

Auch die Wehrpflicht in Österreich bleibt ein wichtiges Thema. Alle jungen Männer müssen für sechs Monate zum Bundesheer oder für neun Monate zum Zivildienst (zum Beispiel in Rettungsorganisationen oder Pflegeeinrichtungen). Frauen können sich freiwillig für den Militärdienst melden.

Aktuell gibt es Diskussionen darüber, das Bundesheer weiter zu verbessern. Dazu gehören höhere Investitionen in die Ausrüstung, bessere Ausbildungsmöglichkeiten und eine stärkere Zusammenarbeit mit anderen Ländern in Europa. Der Aufbauplan 2032+ zeigt, wie das Bundesheer durch gezielte Maßnahmen wie Investitionen in moderne Ausrüstung, eine verbesserte Ausbildung und eine erhöhte Einsatzbereitschaft gestärkt werden soll, um aktuellen und zukünftigen Herausforderungen besser begegnen zu können.

Vergleiche die Aufgaben der CyberAbwehr mit den traditionellen Aufgaben des Bundesheeres, wie Katastrophenhilfe oder Grenzschutz! Schreibe die Unterschiede und Gemeinsamkeiten auf!

Beurteile, warum die Modernisierung des Bundesheeres notwendig ist!

Erkläre, welche Maßnahmen aus deiner Sicht am wichtigsten sind und warum!

Das ÖBH2032+ verfügt über ausreichend qualifiziertes Personal, ist mit modernen Waffen und Gerät ausgerüstet sowie willens und fähig einen Angreifer zu besiegen.

Reaktionsfähigkeit

Das ÖBH2032+ ist stets bereit schnell und entschlossen auf Bedrohungen zu reagieren.

Führungsüberlegenheit

Das ÖBH2032+ trifft auf Grundlage eines überlegenen Lagebildes die richtigen Entscheidungen.

Das ÖBH2032+ kann den Kampf länger als der Angreifer führen.

Warum das Bundesheer für Österreich wichtig ist

Obwohl Österreich neutral ist, bleibt das Bundesheer unverzichtbar. Es schützt vor Gefahren, hilft bei Katastrophen und wehrt Cyberangriffe ab.

Angesichts neuer Krisen und des Ukraine-Krieges hat Österreich sein Verteidigungsbudget deutlich erhöht – ein Zeichen, dass militärische Landesverteidigung heute wichtiger ist denn je..

Das Österreichische Bundesheer ist dazu befähigt, Österreich gegen jeden militärischen Angriff zu verteidigen und sein Volk zu schützen.

Das

ÖBH2032+ ist verteidigungsfähig

Schreibe einen kurzen Text darüber, warum eine stärkere Zusammenarbeit mit anderen Ländern in Europa wichtig sein könnte, um Österreich besser zu schützen!

5. DAS MODELL DER ÖSTERREICHISCHEN SOZIALPARTNERSCHAFT

Arbeiterkammer (AK)

Interessenvertretungen

In Österreich vertreten verschiedene Organisationen nicht einzelne Personen, sondern größere Gruppen. Dazu gehören vor allem die Kammern.

Apothekerkammer

Wirtschaftskammer (WKO)

Landwirtschaftskammer

Ärztekammer

Gestalte ein Plakat, auf dem du erklärst, warum Interessenvertretungen für verschiedene Gruppen wichtig sind! Nutze Beispiele aus dem Text, z. B. die Kammern oder Gewerkschaften!

Diskutiert in der Klasse, ob die Pflichtmitgliedschaft in Kammern gerecht ist! Sammelt Argumente dafür und dagegen!

Weitere freiwillige Interessenvertretungen

• BundesschülerInnenvertretung

• katholischer Familienverband

• Imkerverband

Rechtsanwaltskammer

Notariatskammer

Kammer der Wirtschaftstreuhänder

Bei den Kammern herrscht Pflichtmitgliedschaft: Die meisten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind automatisch Mitglied der Arbeiterkammer. Beschäftigte im öffentlichen Dienst sind davon ausgenommen. Jede Rechtsanwältin und jeder Rechtsanwalt Mitglied der Rechtsanwaltskammer usw. Für die Mitgliedschaft muss ein Pflichtbeitrag bezahlt werden.

Die Arbeiterkammern gibt es in jedem Bundesland. Sie vertreten die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Auf Bundesebene sind alle neun Kammern in der Bundesarbeitskammer (BAK) zusammengeschlossen, die ihre Arbeit koordiniert.

Die Kammern vertreten ihre Mitglieder gegenüber dem Staat und anderen Interessengruppen. Sie sind nach dem Prinzip der Selbstverwaltung aufgebaut. Die Kammern der freien Berufe (z. B. Rechtsanwälte, Ärzte) üben zudem die disziplinäre Aufsicht über ihre Mitglieder aus. Disziplinarmaßnahmen können bis zum Berufsverbot reichen..

Freiwillige Interessenverbände

Daneben gibt es auch freiwillige Interessenvertretungen, etwa die Industriellenvereinigung (IV) oder den Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB). Auch Schülerinnen und Schüler haben eigene Vertretungen.

Die österreichische Sozialpartnerschaft

Seit mehr als 70 Jahren gibt es in Österreich die Sozialpartnerschaft. Sie umfasst Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitnehmer- und der Arbeitgeberseite..

Bundesarbeitskammer Österreichs Wirtschaftskammer Österreichs

Österreichischer Gewerkschaftsbund Landwirtschaftskammer Österreichs

Sie verhandeln über Löhne und Gehälter – Tarifverhandlungen –, über Kollektivverträge und beraten auch über politische Themen und versuchen Lösungen zu finden.

Das System der österreichischen Sozialpartnerschaft ist weltweit fast einzigartig und hat auch dazu geführt, dass es in Österreich sehr wenige Streiktage gibt.

Abb. 1: Übersicht über die österreichischen Kammern

Erstelle ein Informationsblatt: Besuche die Website einer Kammer oder eines Interessenverbands (z. B. Arbeiterkammer oder Gewerkschaftsbund). Schreibe eine kurze Zusammenfassung über die wichtigsten Angebote für Mitglieder und gestalte ein übersichtliches Informationsblatt, das du mit der Klasse teilen kannst!

Rollenspiel: Tarifverhandlung – Simuliere eine Verhandlung zwischen Arbeitnehmerinnen/Arbeitnehmern und Arbeitgeberinnen/Arbeitgebern. Eine Gruppe vertritt die Arbeitnehmerseite, die andere die Arbeitgeberseite. Verhandelt über ein Thema wie Lohnerhöhungen oder Arbeitszeiten und versucht, eine Lösung zu finden!

Zeichne ein Schaubild, das zeigt, wie die Sozialpartnerschaft funktioniert! Stelle dar, welche Organisationen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber vertreten und welche Aufgaben sie übernehmen!

Recherchiere, ob es ähnliche Systeme wie die Sozialpartnerschaft in anderen Ländern gibt! Notiere, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten du findest!

Erkläre, warum es in Österreich durch die Sozialpartnerschaft wenige Streiktage gibt! Analysiere, welche Vorteile das für die Wirtschaft und die Gesellschaft hat!

Analysiere, wie die Sozialpartnerschaft deinen Alltag beeinflussen könnte, zum Beispiel in Bezug auf Löhne, Arbeitszeiten oder Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, und begründe deine Aussagen!

Diskutiere in der Klasse, ob das System der Sozialpartnerschaft gerecht ist. Schreibe auf, was gut daran ist und was vielleicht verbessert werden könnte.

So schätze ich mich nach dem Großkapitel „Zweite Republik Österreich“ selbst ein: Kreuze jenen Daumen an, der für dich am ehesten zutreffend ist!

Ich kann…

…die politischen Ereignisse nach 1945 in Österreich erklären und den Wiederaufbau der Republik beschreiben.

…die Bedeutung des Staatsvertrags und der Neutralität für die Entwicklung Österreichs erläutern.

…die Besatzungszeit in Österreich erklären und die Folgen für die Bevölkerung darstellen.

…verschiedene politische Parteien der Nachkriegszeit sowie ihre Rolle im Demokratisierungsprozess benennen.

…erklären, wie Österreich mit ehemaligen Nationalsozialisten umgegangen ist und welche Maßnahmen zur Entnazifizierung getroffen wurden.

…die Unterschiede zwischen „Belasteten”, „Minderbelasteten” und „Kriegsverbrechern” beschreiben und deren rechtliche Konsequenzen erklären.

…diskutieren, welche Herausforderungen und Konflikte mit der schnellen Wiedereingliederung ehemaliger Nationalsozialisten verbunden waren.

…die Grundprinzipien der österreichischen Bundesverfassung erklären und ihre Bedeutung für den Rechtsstaat beschreiben.

…die Gewaltenteilung in Legislative, Exekutive und Judikative erklären und ihre Funktionen voneinander unterscheiden.

…die vier Säulen der umfassenden Landesverteidigung (militärisch, wirtschaftlich, zivil, geistig) beschreiben und ihre Zusammenhänge erklären.

…die Aufgaben des österreichischen Bundesheeres in Friedenszeiten und bei Katastrophenhilfe darstellen.

…die Neutralität Österreichs erklären und ihre Bedeutung für die Verteidigungspolitik beschreiben.

…aktuelle Herausforderungen des Bundesheeres analysieren und diskutieren, wie sich moderne Bedrohungen auf die Sicherheit Österreichs auswirken.

Buchtipps für besonders Wissensdurstige

Um deine Kompetenzen noch mehr zu steigern, hier unsere Buchtipps:

Ferdinand von Schirach: Der Fall Collini (btb Verlag 2017).

Marc-Uwe Kling: Quality Land (Ullstein Taschenbuch 2019).

1.

SOZIALE UNGLEICHHEITEN  WAS BEDEUTET DAS?

Soziale Ungleichheit bedeutet, dass nicht alle Menschen die gleichen Chancen und Möglichkeiten im Leben haben. Manche Menschen haben es leichter, ein gutes Leben zu führen, während es für andere schwerer ist. Diese Unterschiede können viele Bereiche betreffen, wie zum Beispiel das Einkommen, die Bildung oder die Gesundheitsversorgung.

Einkommensunterschiede

Ein Beispiel für soziale Ungleichheit ist das Einkommen. Manche Menschen verdienen viel Geld und können sich teure Wohnungen, Urlaube oder neue Autos leisten. Andere Menschen verdienen dagegen wenig und müssen jeden Cent genau einteilen. Sie haben oft Schwierigkeiten, ihre Rechnungen zu bezahlen oder ihre Familie gut zu versorgen. Große Einkommensunterschiede können dazu führen, dass manche Menschen mehr Möglichkeiten haben als andere, etwa für Hobbys, Freizeit oder Sicherheit im Alltag.

Einkommenspyramide Österreich

Wahrgenommene Verteilung Tatsächliche Verteilung

Abb. 1: Abb 1.: Einkommenspyramide Österreich. Darstellung nach Daten von Statistik Austria (EU-SILC-Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen), Grafik: BAWS Websolutions GmbH, 2025.

Unterschiede bei der Bildung

Anteil der ArbeitnehmerInnen

Tatsächliche Verteilung

Bruttojahresgehalt in €

Abb. 2: Bruttojahresgehälter in Österreich

Auch bei der Bildung gibt es soziale Ungleichheit. Manche Kinder gehen auf Schulen, die besonders gut ausgestattet sind, und bekommen viel Unterstützung – zum Beispiel durch Nachhilfe oder Lernmaterialien. Andere Kinder haben solche Vorteile nicht. Vielleicht müssen sie zu Hause viel helfen, weil ihre Eltern arbeiten oder sich keine Nachhilfe leisten können. Dadurch haben nicht alle Kinder die gleichen Chancen, einen guten Schulabschluss zu machen oder später einen Beruf zu erlernen, der ihnen ein gutes Einkommen ermöglicht.

Zugang zur Gesundheitsversorgung

Gesundheit ist ein weiteres Beispiel. Menschen mit mehr Geld können sich oft die besten Ärztinnen und Ärzte oder teure Behandlungen leisten. Sie haben Zugang zu privaten Krankenhäusern oder Spezialistinnen und Spezialisten. Menschen mit weniger Geld müssen manchmal länger auf einen Arzttermin warten oder bekommen nicht die beste Behandlung, weil sie es sich nicht leisten können. Das kann dazu führen, dass ihre Gesundheit stärker gefährdet ist.

Abb. 1: Beschreibe die Unterschiede zwischen der wahrgenommenen und der tatsächlichen Einkommensverteilung in der Grafik! Begründe, ob du die tatsächliche Einkommensverteilung in Österreich als gerecht empfindest! Nenne ein Beispiel aus der Grafik zur Unterstützung deiner Meinung!

Abb. 2: Analysiere, wie sich die Verteilung der Bruttojahresgehälter nach Gehaltsklassen verändert! Erkenne dabei, welche Gehaltsgruppen am stärksten vertreten sind!

Diskutiert in der Klasse, ob die Gehaltsverteilung in Österreich gerecht ist! Bringt Argumente aus der Grafik zur Unterstützung eurer Meinung ein.

2. STRATEGIEN GEGEN SOZIALE UNGLEICHHEIT

Der Wohlfahrtsstaat – Hilfe für alle Menschen in Österreich

Vergleiche die drei Versicherungen (Kranken-, Unfallund Pensionsversicherung)! Welche Aufgaben hat jede dieser Versicherungen?

Beschreibe die Aufgaben der Sozialversicherung in Österreich (Kranken-, Unfall-, Pensions-, Arbeitslosenversicherung) und nenne je ein konkretes Beispiel für eine Leistung!

Beurteile, was gesellschaftlich und wirtschaftlich passieren würde, wenn es keine Sozialversicherung gäbe!

Argumentiere mit Folgen für Einzelne, den Staat und Unternehmen und schlage zwei Maßnahmen vor, wie soziale Sicherheit sonst gewährleistet werden könnte!

Diskutiere mit deinen Mitschülerinnen und Mitschülern, ob das Sozialversicherungssystem gerecht ist. Wer profitiert besonders davon?

Suche auf der Website der Österreichischen Sozialversicherung Informationen darüber, welche Leistungen die Krankenkasse für junge Menschen bietet. Notiere drei Beispiele!

Informiere dich auf der Website des Arbeitsmarktservice (AMS) über die Voraussetzungen für Arbeitslosenunter-stützung! Notiere wichtige Fakten!

Erstelle eine Mind-Map, in der du die wichtigsten Informationen zur Arbeitslosenunterstützung erklärst und präsentiere diese vor der Klasse!

Beurteile, ob die derzeitigen sozialen Leistungen in Österreich ausreichen, um allen Menschen ein gutes Leben zu ermöglichen. Begründe deine Meinung!

Nimm Stellung, ob der Wohlfahrtsstaat in Zukunft eher mehr oder weniger leisten sollte. Begründe dabei, wie sich das auf Steuern, Gerechtigkeit und Chancen auswirken könnte.

In Österreich sorgt der Wohlfahrtsstaat dafür, dass alle Menschen Unterstützung erhalten, wenn sie krank, arbeitslos oder in einer schwierigen Situation sind. Dies geschieht durch verschiedene soziale Leistungen.

Sozialversicherungen – Schutz für alle im Alltag

In Österreich gibt es ein soziales Sicherungssystem, das allen Menschen hilft, wenn sie Unterstützung brauchen. Wer in Österreich arbeitet, ist automatisch sozialversichert. Das bedeutet, dass man im Falle von Krankheit, einem Arbeitsunfall oder im Alter finanziell abgesichert ist. So muss niemand Angst haben, ohne Hilfe dazustehen. Es gibt drei wichtige Sozialversicherungen, die den Alltag vieler Menschen sicherer machen:

KRANKENVERSICHERUNG:

Diese Versicherung stellt sicher, dass jeder medizinische Hilfe erhält. Sie übernimmt Kosten für Arztbesuche, Medikamente, Krankenhaus-aufenthalte und teils Therapien, sodass Behandlungen ohne große finanzielle Sorgen möglich sind.

UNFALLVERSICHERUNG:

Die Unfallversicherung übernimmt Arztkosten, Physiotherapie und Reha für Menschen, die bei der Arbeit oder auf dem Weg dorthin verunglücken, um ihre Genesung zu fördern.

PENSIONSVERSICHERUNG:

Mit 65 Jahren endet das Arbeitsleben der meisten Menschen. Damit sie im Alter genug Geld zum Leben haben, bekommen sie eine Pension (eine monatliche Zahlung vom Staat). Je länger man gearbeitet hat und je mehr man verdient hat, desto höher ist meistens die Pension.

Arbeitslosenunterstützung –Hilfe, wenn man den Job verliert

Manche Menschen verlieren ihren Job, weil Firmen schließen oder weniger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brauchen. Arbeitslosenunterstützung hilft Menschen, die ihren Job verlieren, finanziell, damit sie ihre wichtigsten Ausgaben decken können. Sie erhalten für eine gewisse Zeit Geld, müssen aktiv nach Arbeit suchen und können Schulungen oder Weiterbildungen nutzen, um ihre Jobchancen zu verbessern.

Mindestsicherung – Unterstützung für Menschen in Not Manche Menschen verdienen so wenig, dass es nicht für eine Wohnung, Essen oder Kleidung reicht. Damit niemand völlig ohne Hilfe bleibt, gibt es in Österreich die Mindestsicherung. Sie stellt sicher, dass jede Person ein Mindestmaß an Unterstützung erhält, um über die Runden zu kommen. Das betrifft vor allem Menschen, die lange arbeitslos sind, krank oder aus anderen Gründen nicht arbeiten können.

3. DIE SOZIALPARTNERSCHAFT  ZUSAMMENARBEIT FÜR ALLE

Wie du bereits gehört hast, gibt es in Österreich eine besondere Zusammenarbeit zwischen Vertreterinnen und Vertretern der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern und der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber. Diese Zusammenarbeit nennt man Sozialpartnerschaft. Sie sorgt dafür, dass Löhne, Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen fair sind.

Was macht die Sozialpartnerschaft?

Die Sozialpartner setzen sich regelmäßig zusammen, um über wichtige Themen zu sprechen und Lösungen zu finden. Dabei vertreten sie die Interessen von zwei Gruppen:

2 Arbeitnehmerseite: Sie wird von der Arbeiterkammer (AK) und dem Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB) vertreten. Ihr Ziel ist es, dass die Arbeiter und Angestellten gute Arbeitsbedingungen und gerechte Löhne haben.

2 Arbeitgeberseite: Die Wirtschaftskammer (WKO) und die Landwirtschaftskammer vertreten die Interessen der Unternehmen. Sie achten darauf, dass Firmen gut wirtschaften können.

Warum ist die Sozialpartnerschaft wichtig?

Die Sozialpartnerschaft sorgt dafür, dass es in Österreich wenig Streit und wenige Streiks zwischen Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gibt. Viele wichtige Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, zum Beispiel:

Löhne und Gehälter – Damit Menschen genug Geld verdienen, um gut zu leben.

Arbeitszeiten – Damit niemand zu lange oder unter schlechten Bedingungen arbeiten muss.

Schutz für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – Damit es faire Verträge gibt und niemand ausgebeutet wird.

Beschreibe, was die Sozialpartnerschaft in Österreich ist und welche Gruppen darin vertreten sind!

Erkläre, warum die Sozialpartnerschaft für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber wichtig ist!

Begründe, warum es in Österreich durch die Sozialpartnerschaft weniger Streiks gibt als in anderen Ländern!

Vermeidung von Streiks – Damit Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sicher arbeiten können und Unternehmen keinen Produktionsausfall oder finanzielle

Verluste durch Arbeitskämpfe haben.

Ein erfolgreiches

Modell

D1: Politikwissenschaftler Ferdinand Karlhofer macht im österreichischen System drei Besonderheiten als Ursache aus:

2 Die Organisation und „Institutionalisierung“ der Sozialpartner: Wirtschaftskammer, Landwirtschaftskammer und Arbeiterkammer sind für ihre jeweiligen Mitglieder Pflicht, sie speisen sich durch deren Beiträge. Nur die Gewerkschaften sind freiwillige Zusammenschlüsse. Ebenfalls eine Besonderheit der österreichischen Sozialpartnerschaft: Sie und das Kammersystem sind seit 2008 sogar in der Verfassung verankert und damit de facto unantastbar – für eine Änderung wäre eine Zweidrittelmehrheit im Nationalrat nötig.

2 Die Geschichte der verstaatlichten Industrie: „In den meisten anderen europäischen Ländern wurden große Industriebetriebe nach 1945 früh privatisiert, in Österreich nicht. Schon allein deshalb musste die Konzessionsbereitschaft auf Arbeitgeberseite größer sein […].

2 Die einzigartige Verflechtung von Verbänden und Parteien in Österreich: „In Spitzenzeiten waren zwei Drittel der Nationalratsabgeordneten gleichzeitig auch Interessenvertreter:innen.

Aus: Was machen eigentlich die Sozialpartner? | Wiener Zeitung (8. 2. 2025)

Abb. 1: Kollektivvertragsverhandlungen der Metaller, 3. 11. 2022 (APA)

D1: Beschreibe, welche drei Besonderheiten der österreichischen Sozialpartnerschaft Ferdinand Karlhofer nennt!

Erläutere, warum das Kammersystem in Österreich eine wichtige Rolle spielt und welche Bedeutung seine Verankerung in der Verfassung hat!

Beurteile, ob die Pflichtmitgliedschaft in Kammern gerechtfertigt ist. Bringe Argumente dafür und dagegen!

Diskutiert, ob die Verankerung der Sozialpartnerschaft in der Verfassung sinnvoll ist!

Nun geht’s los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

Arbeitet in Gruppen und erstellt eine Mind-Map mit den drei Bereichen der sozialen Ungleichheit (Einkommen, Bildung, Gesundheitsversorgung)! Notiert dazu konkrete Beispiele und Auswirkungen für jede Kategorie!

Schreibe eine Geschichte aus der Sicht einer Person, die von sozialer Ungleichheit betroffen ist, und stelle dar, wie sich ihr Alltag gestaltet!

Diskutiert in Kleingruppen, wie wichtig Sozialleistungen für Menschen in Not sind. Notiert, welche Argumente besonders überzeugend sind und präsentiert diese vor der Klasse!

Sammelt Pro- und Contra-Argumente zu folgendem Thema: Sollten reiche Menschen mehr Steuern zahlen, um soziale Ungleichheit zu verringern? Führt anschließend eine Klassendiskussion durch! Begründet in der Diskussion auch eure Meinung!

Fasst in Partnerarbeit die drei Besonderheiten der österreichischen Sozialpartnerschaft zusammen (z. B. Pflichtmitgliedschaft, Verhandlung von Kollektivverträgen, enge Zusammenarbeit)!

Beurteilt anschließend, welche Vorteile und Probleme es mit sich bringt, dass bis zu zwei Drittel der Nationalratsabgeordneten auch Interessensvertreterinnen oder Interessenvertreter sind!

Analysiert in Partnerarbeit, wie die Sozialversicherung in Österreich funktioniert. Erstellt dazu eine Grafik oder ein kurzes Video und präsentiert eure Arbeit vor der Klasse!

M4 EINE UMFRAGE DURCHFÜHREN

Eine geeignete Methode, um herauszufinden, was andere Menschen über ein bestimmtes Thema denken, ist eine Umfrage! Eine Umfrage ist wie eine Art Fragebogen, den wir Menschen geben, um ihre Meinungen, Vorlieben oder Erfahrungen zu einem bestimmten Thema zu erfahren.

Egal, ob es darum geht, die beliebtesten Hobbys zu ermitteln oder die Meinungen zu aktuellen Themen zu erfahren, eine Umfrage kann uns dabei helfen, ein besseres Verständnis für die Ansichten und Interessen der Mitmenschen zu bekommen.

1. SCHRITT: Thema und Zielgruppe festlegen

Legt ein klares Thema oder eine Leitfrage fest.

Wählt eine passende Zielgruppe (z. B. Jugendliche, Erwachsene, Männer/Frauen gemischt).

Achtet auf eine ausgewogene Mischung, damit die Ergebnisse nicht einseitig sind.

2. SCHRITT: Fragen formulieren

Entwickelt klare und verständliche Fragen, die einfach zu beantworten sind!

Formuliert eure Fragen klar und deutlich! Achtet darauf, dass ihr den zu Befragenden keine Antworten in den Mund legt! Verwendet keine komplizierten Begriffe! Achtet auch darauf, dass eure Fragebögen keine Rechtschreibfehler enthalten!

Fragetypen:

• Offene Fragen (freie Antwort) D viele Details, aber schwer auszuwerten.

• Geschlossene Fragen (vorgegebene Antwortmöglichkeiten) D leicht auszuwerten, aber wenig zusätzliche Infos.

Am besten beide Arten kombinieren!

3. SCHRITT: Umfrage durchführen

Verteilt die Umfrage an eine Gruppe von Menschen, die du befragen möchtest!

Ihr könnt die Fragebögen in der Schule, einem Jugendzentrum oder online über soziale Medien verteilen. Stellt sicher, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Fragen verstehen und unabhängig voneinander antworten können!

4. SCHRITT: Daten sammeln

Sammelt alle Antworten eurer Umfrage ein und tragt sie vollständig und geordnet zusammen –zum Beispiel in einer Tabelle oder Liste, damit ihr sie später leicht auswerten könnt.

5. SCHRITT: Ergebnisse auswerten

Prüft eure Daten: Kontrolliert, ob die gesammelten Daten vollständig und korrekt sind.

Stellt die Daten dar: Nutzt einfache Diagramme, um die Ergebnisse zu veranschaulichen.

Zum Beispiel:

• Ein Balkendiagramm, das zeigt, wie viele Personen jede Antwortmöglichkeit gewählt haben.

• Ein Kreisdiagramm, um die prozentuale Verteilung der Antworten darzustellen.

Interpretiert die Darstellungen: Schaut euch die Diagramme genau an und beschreibt, welche Informationen sie liefern.

• Gibt es Unterschiede zwischen Gruppen, wie zum Beispiel nach Altersgruppe oder Geschlecht?

• Welche Antworten kommen am häufigsten vor?

Zieht Schlussfolgerungen und fasst die Ergebnisse zusammen:

• Was zeigen die Daten über das Thema?

• Gibt es auffällige Ergebnisse oder häufige Meinungen?

• Welche Erkenntnisse können daraus gewonnen werden?

4. WANDEL DER WERTE  WARUM SICH UNSERE GESELLSCHAFT VERÄNDERT

Abb. 1: Erneuerbare Energien: Windkraft- und Photovoltaikanlagen (NÖ, 2024)

Abb. 1: Besprecht gemeinsam, warum erneuerbare Energien wichtig für die Umwelt sind!

Entwickle begründet Vorschläge, wie jeder im Alltag mehr Energie sparen kann!

Nimm an einer Müllsammelaktion in deiner Schule oder Gemeinde teil! Dokumentiere, wie viel Müll gesammelt wurde und welche Art von Abfall besonders häufig vorkam! Präsentiert und bewertet anschließend eure Ergebnisse in der Klasse!

Lies dir die Beispiele im Text durch (barrierefreie Gebäude, gleiche Chancen in Schule und Beruf). Analysiere, welche dieser Maßnahmen am wichtigsten für eine inklusive Gesellschaft ist, und begründe deine Meinung!

Unsere Gesellschaft verändert sich ständig. In den letzten Jahren sind neue Themen besonders wichtig geworden, die unsere Werte beeinflussen. Dazu gehören Umweltund Klimaschutz, Migration und Inklusion. Diese Themen betreffen uns alle und zeigen, wie Politik unser Leben beeinflusst.

Umwelt- und Klimaschutz – Verantwortung für die Zukunft

Früher achtete man wenig auf den Schutz der Natur. Heute ist klar: Ohne Klimaschutz drohen in Zukunft große Probleme wie extreme Stürme oder lange Dürreperioden.

Deshalb gibt es Maßnahmen wie strengere Gesetze gegen Umweltverschmutzung

Förderung erneuerbarer Energien weniger Plastik und Abfall

Viele Menschen wollen die Natur für kommende Generationen bewahren. Der Klimawandel verändert auch unsere Gesellschaft: Hitzewellen gefährden besonders ältere Menschen, Ernten werden kleiner, neue Jobs entstehen im Bereich erneuerbare Energien. Viele Berufe, Städte und Gemeinden müssen sich anpassen.

Migration – Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft

Viele Menschen sind in den letzten Jahrzehnten nach Österreich gekommen, um bessere Lebensbedingungen oder Schutz vor Krieg zu finden. Migration bedeutet, das Heimatland zu verlassen, um in einem anderen Land zu leben.

Das Zusammenleben verschiedener Kulturen bringt Chancen, aber auch Herausforderungen. Wichtig ist, dass alle fair behandelt werden und gleiche Chancen auf Bildung, Arbeit und ein gutes Leben haben. Gleichzeitig wird darüber diskutiert, wie Österreich Migration regeln soll.

Inklusion – Jeder Mensch soll dazugehören

Früher hatten Menschen mit Behinderungen oder besonderen Bedürfnissen oft weniger Möglichkeiten in der Gesellschaft. Heute gibt es viele Veränderungen, damit alle Menschen die gleichen Chancen haben.

Dazu gehört:

Barrierefreie Gebäude (zum Beispiel Rampen für Rollstühle)

Gleiche Chancen in der Schule und im Beruf

Mehr Unterstützung für Menschen mit besonderen Bedürfnissen

Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch Teil der Gesellschaft sein kann, unabhängig von einer Behinderung, Herkunft oder anderen Unterschieden.

Warum ist der Wertewandel wichtig?

Die Gesellschaft verändert sich ständig. Neue Themen wie Klimaschutz, Migration und Inklusion zeigen, dass wir auf neue Herausforderungen reagieren müssen. Durch Gesetze, Projekte und Diskussionen versuchen Politik und Gesellschaft, diese Themen gerecht zu gestalten, damit alle Menschen gut zusammenleben können.

5. MIGRATION UND INTEGRATION  HERAUSFORDERUNG UND CHANCE

Heute haben in Österreich rund 2,3 Millionen Menschen einen Migrationshintergrund – das ist mehr als ein Viertel der Bevölkerung.

Warum verlassen Menschen ihr Heimatland?

Menschen wandern aus vielen Gründen aus. Sie suchen ein besseres Leben, Sicherheit oder neue Chancen. Häufige Ursachen für Migration sind::

Arbeit und Zukunft – bessere Ausbildung oder sichere Jobs

Krieg und Verfolgung – Schutz vor Gewalt oder Unterdrückung

Klimawandel und Umweltprobleme – zerstörte Lebensgrundlagen durch Dürren oder Naturkatastrophen

Familie – Zusammenleben mit Verwandten oder Familiengründung

Was bedeutet Migration für Österreich?

Migration bringt Herausforderungen, aber auch viele Vorteile für Österreich:

Vorteile:

Wirtschaft und Arbeitsmarkt – Viele Migrantinnen und Migranten arbeiten in Bereichen, in denen Fachkräfte gebraucht werden, wie im Bauwesen, in der Pflege oder in der Gastronomie.

Vielfalt in der Gesellschaft – Durch Migration gibt es viele Kulturen, Sprachen und Traditionen in Österreich. Das bereichert das Zusammenleben, zum Beispiel in der Musik, beim Essen oder im Sport.

Neue Ideen und Innovationen – Menschen mit verschiedenen Hintergründen bringen neue Ideen in die Gesellschaft und die Wirtschaft.

Herausforderungen:

Sprache und Bildung: Neue Sprache lernen, Schulrückstände aufholen

Arbeit & Wohnen: Arbeit finden, passende Wohnungen bekommen

Zusammenleben: Ein respektvolles Miteinander aufbauen – sowohl Zugewanderte als auch Aufnahmegesellschaft müssen aufeinander zugehen und Vorurteile sowie Ausgrenzung abbauen

Soziale Gerechtigkeit: Gleiche Chancen für alle schaffen

Wie können Migrantinnen und Migranten gut in Österreich leben?

Damit Menschen, die nach Österreich kommen, gut in der Gesellschaft ankommen, gibt es verschiedene Möglichkeiten zur Integration und Unterstützung:

Sprachkurse

Die deutsche Sprache ist wichtig, um in der Schule, im Beruf oder im Alltag zurechtzukommen.

Bildung & Ausbildung

Kinder von Migrantinnen und Migranten gehen in österreichische Schulen.

Warum ist Integration wichtig?

Kultureller Austausch

Sportvereine, Musikgruppen helfen dabei, Kontakte zu knüpfen und sich in Österreich zuhause zu fühlen.

Integration bedeutet, dass alle Menschen in Österreich gut zusammenleben können. Es ist wichtig, dass Migrantinnen und Migranten sich willkommen fühlen und die Chance haben, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Gleichzeitig sollen sie die Sprache lernen und sich mit den österreichischen Regeln und Werten vertraut machen. Wenn alle ihren Beitrag leisten, kann Migration für das ganze Land eine Bereicherung sein.

Führt in Gruppen ein Interview mit jemandem aus eurem Umfeld, die oder der aus einem anderen Land nach Österreich gekommen ist! Fragt nach den Gründen für die Migration und den Erfahrungen in Österreich. Stellt die Ergebnisse in der Klasse vor!

Schreibe einen Tagebucheintrag aus der Sicht einer Person, die ihr Heimatland verlassen hat! Beschreibe, warum sie gegangen ist, wie die Reise war und welche Hoffnungen sie für die Zukunft hat!

Beschreibe in eigenen Worten, was „Integration“ bedeutet und warum sie wichtig ist! Nutze Beispiele aus dem Text!

Inklusion

Inklusion bedeutet, dass alle Menschen von Anfang an dazugehören – Vielfalt wird als Stärke gesehen. Nicht nur Zugewanderte passen sich an, auch die Gesellschaft öffnet sich.

Beratung

Es gibt Organisationen, die Migrantinnen und Migranten helfen, z. B. bei der Jobsuche.

Vergleiche erneuerbare Energien (wie Wind- und Solarenergie) mit fossilen Energien (wie Kohle und Erdöl)! Trage deine Ergebnisse in die Tabelle ein!

ERNEUERBARE ENERGIEN

FOSSILE ENERGIEN

Entwickelt in Partnerarbeit eine Umfrage für deine Mitschülerinnen und Mitschüler, um herauszufinden, wie inklusiv eure Schule ist. Stelle Fragen wie: Gibt es Rampen für Rollstühle? Gibt es Unterstützung für Schülerinnen und Schüler mit besonderen Bedürfnissen? Fasst die Ergebnisse in einem einfachen Diagramm zusammen!

Lest den Fließtext über Gründe für Migration und Flucht! Sucht auf einer Weltkarte Länder, aus denen viele Menschen nach Österreich migrieren. Zeichnet in die Karte mögliche Fluchtwege ein und beschreibt, welche Herausforderungen oder Hindernisse diese Menschen auf ihrem Weg erleben könnten!

Entwickle Vorschläge, wie Österreich die Integration von Migrantinnen und Migranten besser fördern könnte. Berücksichtige dabei sowohl die Perspektive der Migrantinnen und Migranten als auch der einheimischen Bevölkerung!

6.

NACHHALTIGKEIT UND DIE ZUKUNFT UNSERER GESELLSCHAFT

Nachhaltige Entwicklung bedeutet, so zu leben und zu wirtschaften, dass wir die Bedürfnisse von heute erfüllen können, ohne die Welt für zukünftige Generationen zu zerstören. Es geht darum, die Umwelt zu schützen, sorgsam mit Ressourcen umzugehen und ein gutes Leben für alle Menschen zu ermöglichen. Nachhaltigkeit ist wichtig, damit auch in der Zukunft genug Wasser, saubere Luft und fruchtbare Böden vorhanden sind.

In Österreich gibt es viele Beispiele für nachhaltige Entwicklung:

Erneuerbare Energien: Statt Kohle und Öl nutzt Österreich immer mehr saubere Energiequellen wie Wasser, Wind und Sonne. Diese Energiequellen sind unendlich verfügbar und verschmutzen die Umwelt nicht.

Mülltrennung: In Österreich wird Müll getrennt, damit er besser recycelt werden kann. Aus alten Plastikflaschen werden neue gemacht, und Essensreste können in Kompost umgewandelt werden. Das spart Rohstoffe und schützt die Umwelt.

Nachhaltige Landwirtschaft: Viele Bäuerinnen und Bauern achten darauf, weniger Chemikalien zu verwenden und die Böden gesund zu halten. Sie produzieren Lebensmittel, die gut für Menschen und die Natur sind.

Zukunft der Gesellschaft – Was können wir besser machen?

Unsere Gesellschaft steht vor vielen Herausforderungen. Doch wir haben auch viele Möglichkeiten, diese zu lösen und eine bessere Zukunft zu schaffen:

Soziale Ungleichheit bekämpfen: Nicht alle Menschen haben die gleichen Chancen, zum Beispiel auf eine gute Ausbildung oder einen sicheren Arbeitsplatz. Wir können daran arbeiten, dass jeder Mensch – egal ob arm oder reich – die gleichen Möglichkeiten hat. Zum Beispiel könnte man dafür sorgen, dass Bildung für alle zugänglich ist und niemand benachteiligt wird.

Nachhaltigkeit fördern: Damit die Natur und die Umwelt auch für die nächsten Generationen erhalten bleiben, müssen wir besser mit unseren Ressourcen umgehen. Weniger Müll produzieren, erneuerbare Energien nutzen wie Sonne und Wind und nachhaltige Landwirtschaft unterstützen – all das hilft, unsere Welt gesünder zu machen.

Integration unterstützen: Österreich ist ein Land, in dem Menschen aus vielen verschiedenen Ländern leben. Es ist wichtig, dass alle Menschen, die hier wohnen, die gleichen Chancen bekommen. Dafür müssen wir Migrantinnen und Migranten helfen, die Sprache zu lernen, und sie dabei unterstützen, Arbeit zu finden und sich in die Gesellschaft einzubringen. Gleichzeitig können wir voneinander lernen und neue Ideen entdecken.

Wenn wir diese Ideen umsetzen, können wir eine Gesellschaft schaffen, in der alle Menschen gut und sicher leben können – und in der wir gemeinsam Verantwortung für die Zukunft übernehmen.

Abb. 1: Gemeinsame Verantwortung für die Erde

Abb. 1: Beschreibt gemeinsam das Bild und erklärt, welche Botschaft es vermittelt!

Entwickelt in der Klasse eine Idee für ein Projekt, das eure Gemeinde nachhaltiger macht (z. B. Müllsammelaktion, Urban Gardening)!

Urban Gardening, das: Darunter versteht man Gärtnern in der Stadt. Menschen pflanzen Gemüse, Obst oder Blumen auf kleinen Flächen wie Balkonen, Dächern oder in Gemeinschaftsgärten.

Abb. 2: Schülerinnen und Schüler helfen beim Müllsammeln, OÖ 2024

Abb. 2: Beschreibe das Bild: Was ist darauf zu sehen?

Beurteile, welche Botschaft das Bild vermittelt!

Bewerte die Bedeutung solcher Aktionen für den Schutz der Umwelt!

So schätze ich mich nach dem Großkapitel „Soziale Ungleichheiten“ selbst ein: Kreuze jenen Daumen an, der für dich am ehesten zutreffend ist!

Ich kann…

…erklären, was soziale Ungleichheit bedeutet und wie sie sich auf Einkommen, Bildung und Gesundheit auswirkt.

…analysieren, wie soziale Ungleichheit die Bildungschancen und den Zugang zur Gesundheitsversorgung beeinflusst.

…begründen, warum soziale Ungleichheit ein gesellschaftliches Problem ist.

…erklären, wie der Wohlfahrtsstaat in Österreich funktioniert und welche sozialen Leistungen er bietet.

…beurteilen, warum das soziale Sicherungssystem für eine gerechte Gesellschaft wichtig ist.

…beschreiben, was die Sozialpartnerschaft ist und welche Gruppen daran beteiligt sind.

…erklären, welche Rolle die Sozialpartnerschaft bei der Gestaltung von Arbeitsbedingungen und Löhnen spielt.

…mit Hilfe von M5 eine Umfrage durchführen.

…beschreiben, wie der Klimawandel unsere Gesellschaft verändert und warum Klimaschutz wichtig ist.

…erläutern, wie erneuerbare Energien, Mülltrennung und nachhaltige Landwirtschaft zur Nachhaltigkeit beitragen.

…darstellen, wie Migration unsere Gesellschaft bereichert und welche Herausforderungen dabei entstehen.

…darstellen, warum Inklusion wichtig ist und wie Barrierefreiheit und Chancengleichheit gefördert werden können.

…Ideen entwickeln, wie ich selbst im Alltag zur Nachhaltigkeit beitragen kann.

Buchtipps für besonders Wissensdurstige

Um deine Kompetenzen noch mehr zu steigern, hier unsere Buchtipps:

R. J. Palacio: Wunder – Sieh mich nicht an (dtv Verlagsgesellschaft 2015).

Ursula Poznanski: Erebos (Loewe 2011).

1. GESELLSCHAFTEN ERINNERN SICH

Erinnern

Jeder von uns – auch du – erinnert sich an vergangene Ereignisse. In dem Moment, wo mehrere Menschen sich an ein und dasselbe Ereignis erinnern, wirst du feststellen, dass die Erinnerung oft unterschiedlich ausfällt. Jede oder jeder der Beteiligten hat eine andere Wahrnehmung, eine andere Betonung der Geschehnisse und einen anderen Blickwinkel. Manchmal gehen die Schilderungen des Ereignisses so weit auseinander, dass der Eindruck entsteht, es wird von völlig unterschiedlichen Ereignissen berichtet.

Dabei ist wichtig zu unterscheiden: Die Vergangenheit ist das, was wirklich passiert ist. Die Geschichte ist das, was wir heute über die Vergangenheit erzählen – also eine Deutung und Auswahl von Ereignissen. Je nachdem, welcher Standpunkt eingenommen wird, kann diese Erzählung ganz unterschiedlich aussehen.

Abb. 1: Unterschiedliche Erinnerungen an eine Party

So wird deutlich: Geschichte ist immer eine Konstruktion aus Erinnerungen, Perspektiven und Deutungen der Vergangenheit.

Die Verwendung von Erinnerungen zu eigenen Zwecken Immer wieder gab und gibt es auch Versuche, historische Erzählungen für die eigenen Zwecke zu verwenden, d. h. zu instrumentalisieren.

Folgende Instrumentalisierungsversuche zählen zu den häufigsten:

Abb.1 Formuliere die Unterschiede zwischen Vergangenheit und Geschichte mit eigenen Worten!

Begründe, warum die Erinnerungen an die Party so unterschiedlich ausfallen können!

FÜR POLITISCHE ZWECKE

Nicht nur in Diktaturen, auch in Demokratien werden Erzählungen über die Vergangenheit von einzelnen Gruppen für ihre Zwecke verwendet. Dies können politische Parteien, aber auch Sportvereine, Heimatvereine usw. sein. In der Regel geschehen solche Instrumentalisierungen durch Auslassen, Heroisierung einzelner Ereignisse oder auch durch einseitige Interpretation der Vergangenheit.

FÜR WERBUNG

Werbung verwendet Erzählungen über die Vergangenheit – also Geschichte –, um Aufmerksamkeit zu erregen und so Produkte besser zu verkaufen.

Schlüssige Deutungsangebote der Vergangenheit finden sich in den letzten Jahren auch immer häufiger in den Unterhaltungsmedien. Auch in diesem Fall sind dafür in erster Linie wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend. Durch das sogenannte „Histotainment“ wird die Einschaltquote von Fernsehsendungen gesteigert.

FÜR TOURISTISCHE ZWECKE

Insbesondere Bauwerke aber auch bekannte Persönlichkeiten werden häufig für den Tourismus genützt. Auch dabei werden oft eigene Erzählungen über die Vergangenheit verwendet und instrumentalisiert.

Heroisierung, die: jemandem oder etwas Heldentaten zusprechen

Histotainment, das: Vermengung von historischen Informationen mit Unterhaltung

Abb. 2: Touristen in London vor dem britischen Parlament, London 2018 (private Aufnahme)

Nun geht’s los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

Wählt zunächst gemeinsam ein Ereignis aus, an dem ihr alle teilgenommen habt! Das kann der letzte Wandertag, die letzte Projektwoche, ein Sportfest oder ähnliches sein!

a) Nachdem ihr euch auf ein Ereignis geeinigt habt, schreibt jeder seine Erinnerung daran in mind. 50 Worten auf ein Blatt Papier!

b) Nun vergleicht in Partnerarbeit eure Erinnerungen! Wo findet ihr Übereinstimmungen, wo Abweichungen?

c) Präsentiert nun eure Ergebnisse in der Klasse! Gestaltet gemeinsam ein Plakat, auf dem ihr eure gemeinsamen Erinnerungen festhaltet!

Mit diesem Bild und diesem Text hat die Österreich Werbung 2024 für Urlaub in Österreich geworben.

a) Lies zunächst das Interview mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Österreich Werbung genau durch und betrachte das Bild aufmerksam!

D1: Gemeinsam den Winter feiern

„Die Ski WM in Saalbach ist die perfekte Bühne, um den Wintersport in Österreich zu feiern. Mit der Gondel-Experience haben wir die Vorfreude geweckt und gezeigt, wie vielfältig unser Winter ist“, erklärt Astrid Steharnig-Staudinger, CEO der Österreich Werbung. Auch Leo Bauernberger, Geschäftsführer von SalzburgerLand Tourismus, betont: „Die Gondel war eine einzigartige Botschafterin unserer Gastfreundschaft und hat die Begeisterung für das Event und den österreichischen Winter geweckt.“ Wolfgang Breitfuß, Tourismusdirektor von Saalbach Hinterglemm, freut sich: „Mit dieser Aktion haben wir einen Vorgeschmack auf die großartigen Erlebnisse gegeben, die unsere Region zu bieten hat.

Aus: Pop-up-Gondeltour durch Europa: Vorfreude

b) Analysiere nun diese Werbung nach folgenden Gesichtspunkten:

2 Gebäude im Hintergrund und dessen historische/kulturelle Bedeutung

2 Darstellung der Gondel als Symbol für den österreichischen Winter

2 Emotionen und Assoziationen, die durch die Werbung geweckt werden

2 Zielgruppen, die angesprochen werden sollen

2 Verbindung von historischem Gebäude und moderner Ski-WM-Thematik

2 Präsentation der Region Saalbach Hinterglemm und ihrer Angebote

2 Optische Gestaltung: Farben, Symbole, Gestaltungselemente und deren Wirkung

c) Fasse deine Überlegungen zunächst stichwortartig zusammen! Anschließend schreibe deine Überlegungen in ganzen Sätzen in dein Heft! Achte dabei auch auf eine logische Argumentation und einen zusammenhängenden Aufbau!

auf Ski WM in Saalbach & Winterurlaub in Österreich
Abb. 3: Werbebild der „Österreich Werbung“ 2024 (Österreich Werbung)

2. ERINNERUNGSKULTUREN

Nationen erinnern sich

Wie du bereits in der 3. Klasse gehört hast, zählen alle Menschen, die in einem bestimmten Gebiet leben und demselben Kulturkreis angehören, zu einer Nation.

Um innerhalb einer Nation ein Gefühl der Zusammengehörigkeit entstehen zu lassen, werden häufig emotional besetzte Symbole und Rituale wie Nationalhymnen, Nationalflaggen, Wappen und Gedenk- und Feiertage, aber auch Bauwerke, Denkmäler und Straßennamen eingesetzt. All diese Symbole und Rituale erzählen die Geschichte der Nation.

Doch wer bestimmt, welche Ereignisse und Personen wichtig sind bzw. welche Ereignisse und Personen nicht erwähnt werden? In einer demokratischen Gesellschaft werden unterschiedliche Blickwinkel auf die Vergangenheit und unterschiedliche Erinnerungskulturen in der Regel zumindest diskutiert. Anders sieht es hingegen in Diktaturen aus, wo die Deutung der Vergangenheit ebenso diktatorisch festgelegt wird.

Gebäude und Denkmäler als Symbole der Erinnerung

Gebäude und Denkmäler, aber auch Gedenkstätten, Mahnmale und Gedenktafeln sind sichtbare Zeichen des Gedenkens an vergangene Ereignisse. Das Erinnern und Gedenken erfolgt jedoch immer aus dem Blickwinkel der Gegenwart

D1: Gedächtnisorte (Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands)

Denkmalsetzungen und feierliche Erinnerungsrituale, aber auch Zerstörung und Veränderungen von Denkmälern und Gedenkstätten stellen einen entscheidenden Bereich symbolischer Politik und der durch sie maßgeblich mitgestalteten pluralistischen Erinnerungskultur dar. Peter Reichel [deutscher Politikwissenschaftler] stellt fest, dass deren Akteure teils gruppenspezifische, teils gruppenübergreifende Geschichtsbilder festschreiben und lokalhistorisch fixieren wollen. Durch das Verfolgen unterschiedlicher Strategien, Interessen und Ziele sagen Gedächtnisorte daher weniger aus über „das Ereignis oder die Personen, die vergegenwärtigt werden sollen, sondern mehr über die Motive und Geschichtsbilder der Denkmalsetzer.“

Aus: https://www.doew.at/cms/download/10416/jb06_kuretsidis_noe.pdf (25.1.2025)

Das Vorhandensein von Denkmälern, aber auch das Fehlen von Denkmälern führt immer öfter zu Konflikten. Besonders der Mangel an Erinnerungszeichen für die Opfer des Nationalsozialismus wurde und wird kritisiert. Solche Erinnerungszeichen werden Mahnmale genannt, da sie nicht nur erinnern sollen, sondern ebenso vor einer Wiederholung der Geschichte mahnen.

Wenigen Mahnmalen, die an die Gräuel und die Opfer der NS-Zeit erinnern, stehen jede Menge Soldatendenkmäler gegenüber. Wenigen Mahnmalen stehen zahlreiche Soldatendenkmäler gegenüber, bei denen Soldaten der Deutschen Wehrmacht und des Ersten Weltkriegs geehrt werden. Daran wird kritisiert, dass sie Täter ehren, Kriege verherrlichen und Opfergruppen ausblenden.

Abb. 1: Österreichische Nationalflagge

pluralistisch: vielfältig lokalhistorisch: auf die Geschichte eines Ortes bezogen

Strategie,die: genauer Plan des eigenen Vorgehens

D1: Benenne die Bedeutung von Denkmälern und Gedenkstätten in einer demokratischen Gesellschaft!

Bewerte die von Peter Reichel aufgestellte These in Bezug auf ein Denkmal deiner Wahl!

Erörtere den Sinn von Denkmälern und Gedenkstätten im Österreich des 21. Jh.!

Diskutiert in der Klasse, ob „Soldaten“ heute noch gewürdigt werden sollen!

Denkmal oder Mahnmal?

Denkmäler werden in der Regel errichtet, um bestimmte Personen oder Personengruppen zu ehren. Ein Mahnmal ist hingegen eine Spezialform eines Denkmals. Es soll an Verbrechen erinnern, die im Namen einer Nation oder einer politischen Bewegung begangen wurden.

GESCHICHTE UND ERINNERUNG

Abb.2 Benenne Gründe, warum das Mahnmal gegen Krieg und Faschismus bei seiner Errichtung umstritten war (z. B. unpassender Standort, sehr drastische Darstellungen, Widmung „allen Opfern des Krieges“ verwischt die Verantwortung der Täter)!

Beurteile in mind. 40 Wörtern, ob die Widmung „allen Opfern des Krieges“ angemessen ist, und gehe dabei auf die Kritik ein, dass dadurch Unterschiede zwischen Opfern und Tätern verwischt werden könnten!

Recherchiere zu den einzelnen Elementen des Mahnmals und verfasse einen kurzen Artikel für die Schülerzeitung, in dem du die Teile vorstellst!

Das Mahnmal gegen Krieg und Faschismus

1988 schuf der österreichische Bildhauer Alfred Hrdlicka das Mahnmal gegen Krieg und Faschismus, das auf dem Wiener Albertinaplatz als begehbares Denkmal an alle Opfer von Krieg und Faschismus erinnern soll.

Abb. 2: Das Mahnmal gegen Krieg und Faschismus auf dem Helmut-ZilkPlatz (früher Albertinaplatz)

Die Errichtung dieses Mahnmals war von Anfang an heftig umstritten. Bereits 1983 wurde Hrdlicka vom Wiener Gemeinderat mit der Errichtung beauftragt. Aufgrund der heftigen Kritik wurde es jedoch erst 1988 aufgestellt.

Die Kritikpunkte waren unterschiedlich: Einerseits war der Aufstellungsort in der Nähe der Staatsoper und der Albertina umstritten, andererseits gab es auch viel inhaltliche Kritik an dem Mahnmal. So wurde unter anderem der Begriff „alle Opfer des Krieges“ heftig kritisiert und diskutiert.

Das Mahnmal besteht aus verschiedenen Elementen.

Das „Tor der Gewalt“ erinnert an die Opfer des Nationalsozialismus. Hrdlicka zeigt im linken Block den Tod, im Besonderen die Opfer des Regimes. Der rechte Block ist dem Tod der Soldaten gewidmet.

Abb. 3: Das „Tor der Gewalt“ mit der Bronzestatue des „straßenwaschenden Juden“ Abb. 4: „Orpheus betritt den Hades“ mit dem „Stein der Republik“ im Hintergrund

Abb. 3: Analysiere die Symbolik der Bronzestatue des „straßenwaschenden Juden“ (z. B. Körperhaltung, Material, Position zum „Tor der Gewalt“) und erkläre, welche Botschaft sie vermittelt!

Beurteile die Wirkung der Statue im öffentlichen Raum: Inwiefern macht sie Gewalt sichtbar, und welche Chancen und Risiken siehst du in dieser Darstellung?

Der „straßenwaschende Jude“ soll an die Erniedrigung und den Massenmord an den österreichischen Jüdinnen und Juden erinnern.

Der „Stein der Republik“ erinnert an die Wiederauferstehung Österreichs. Auf der achteinhalb Meter hohen Stele aus Mauthausner Granit sind Auszüge aus der Unabhängigkeitserklärung der Provisorischen Regierung von 1945 eingraviert.

Der weiße Kalkstein „Orpheus betritt den Hades“ verweist auf alle, die ihr Leben dem Widerstand gegen das NS-Regime geopfert haben.

Nun geht’s los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

1

Betrachte die Bilder genau und lies die dazugehörigen Informationstexte aufmerksam durch! Entscheide anschließend, ob es sich um ein Denkmal (D) oder ein Mahnmal (M) handelt, indem du den entsprechenden Buchstaben einträgst!

Die Reiterstatue aus Bronze zeigt ein Mitglied des Hauses Habsburg. Es befindet sich am Heldenplatz in Wien und wurde zum Gedenken an Erzherzog Karl errichtet, der 1809 in der Schlacht bei Aspern den ersten Sieg über Napoleon I. errang.

2

Diese Gedenkstätte am Wiener Zentralfriedhof besteht aus drei Statuen, sieben Bodenplatten und einem gemauerten Rundbogen. Sie ist den Opfern des Faschismus in der Zeit von 1934 – 1945 gewidmet und wurde 1948 von der Stadt Wien gestiftet.

Die Statue aus hellem Granit zeigt den österreichischen Popstar Falco. Sie befindet sich in Gars am Kamp in Niederösterreich und wurde vom Steinmetz Alexander Hane, einem Fan von Falco angefertigt.

1906 wurde vom Bildhauer Norbert Pfretzschner diese Skulptur zum Gedenken an den deutschen Nationalökonomen Friedrich List in Kufstein erbaut. List setzte sich besonders für die Zollfreiheit und den Eisenbahnbau ein.

1996 wurde diese Säule vom Verband ausgesiedelter Slowenen in der Ortschaft Radsberg errichtet. Sie soll an die Verfolgung der Kärntner Slowenen in der Zeit von 1942 bis 1945 erinnern.

Diese Gedenkstätte erinnert an 125 Widerstandskämpfer und -kämpferinnen, die während der Zeit des Nationalsozialismus im Bezirk Leoben ums Leben gekommen sind.

Wähle eines der Mahnmäler von Aufgabe 1 aus und recherchiere mehr dazu im Internet! Finde heraus, welche Überlegungen die Gestalterin oder der Gestalter des Mahnmals anstellte, um es genau so zu errichten! Welche Symbole setzte sie oder er ein?

Nun geht’s los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

Recherchiert im Internet, wo es ein Mahnmal in der Umgebung eurer Schule gibt! Überlegt im Vorhinein, welche Fragen euch im Zusammenhang mit diesem Mahnmal in den Sinn kommen und sammelt diese auf einem Zettel! Besucht anschließend das Mahnmal im Zuge eines Lehrausgangs und sucht Antworten auf die gesammelten Fragen!

Bildet nach eurer Rückkehr Vierergruppen und diskutiert nun folgende Fragestellungen:

und Kontext

2 Warum steht das Mahnmal an diesem Ort?

2 Welcher zeitliche und politische Zusammenhang besteht zwischen dem Mahnmal und dem dargestellten Ereignis?

2 Ist der Platz für das Mahnmal geeignet? Warum bzw. warum nicht?

Wirkung auf Betrachterinnen und Betrachter

2 Wie wirkt das Mahnmal auf euch?

2 Welche Stimmung verbreitet es?

2 Wäre euch das Mahnmal auch aufgefallen, wenn ihr zufällig daran vorbeigegangen wärt?

Notiert eure Diskussionsergebnisse stichwortartig auf einem Blatt Papier!

Gestaltung und Aufbau

2 Was ist auf dem Mahnmal zu sehen?

2 Welche Symbole, Farben und Formen werden verwendet?

2 Werden Personen dargestellt und in welchem Zusammenhang stehen diese zu dem Mahnmal?

Aussage und Bedeutung

2 Welche Bedeutung hat die Darstellung?

2 Was soll mit diesem Mahnmal ausgesagt bzw. ausgedrückt werden?

2 Welche Absicht hatte vermutlich die Künstlerin bzw. der Künstler?

2 Erfüllt das Mahnmal seinen Zweck?

Diskutiert nun anhand eures Stichwortzettels eure Ergebnisse in der Klasse!

Lies zunächst den folgenden Informationstext zum Thema „Oral History“ aufmerksam durch!

Oral History

Oral History ist eine Methode zur Erhebung und Weiterverarbeitung mündlicher Quellen. Dabei lässt die Forscherin/der Forscher Zeitzeuginnen und Zeitzeugen – Menschen, die jene Zeit, die erforscht wird, erlebt haben – möglichst frei über ihre Erlebnisse erzählen. Das Spezielle an Oral History ist die Weitergabe der eigenen persönlichen Geschichte. Diese ist individuell und einmalig. Aus diesem Grund ist es wesentlich, bei der Bewertung von Oral History auch zu berücksichtigen, dass Menschen Erinnerungen vergessen, beschönigen oder rechtfertigen bzw. sich Erinnerungen durch spätere Lebenserfahrungen verändern können.

Gehe nun auf die Seite des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes! Unter dem Link „Erzählte Geschichte“ (DÖW – Erinnern – Biographien – Erzählte Geschichte) findest du die Abschriften der Interviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen. Wähle eines der Interviews aus und lies es aufmerksam durch! Mach dir dabei Notizen auf einem Stichwortzettel!

Analysiere die von dir gelesene Quelle nun nach folgenden Gesichtspunkten:

2 An welchen Stellen trifft die oder der Interviewte Aussagen zum Thema?

2 An welchen Stellen der Erzählung werden „Lücken“ bemerkbar?

2 Welche Aussagen sind subjektive Einschätzungen?

2 Vergleiche die Aussage der Zeitzeugin/des Zeitzeugen mit dem wissenschaftlichen Kenntnisstand über jene Zeit oder jene Ereignisse! Wo gibt es Übereinstimmungen, wo gibt es wesentliche Unterschiede?

Formuliere mit eigenen Worten eine Antwort auf folgende Frage! Schreibe in ganzen Sätzen!

Was muss man in Bezug auf das menschliche Gedächtnis und Erinnerungsprozesse bei der Auswertung von Zeitzeugenbefragungen beachten?

3. ÖSTERREICHS UMGANG MIT DER NS-ZEIT

Die ersten Jahre nach dem Kriegsende Lange wurde die nationalsozialistische Vergangenheit des Landes in der österreichischen Gesellschaft verdrängt, vergessen und tabuisiert. Österreich sah sich nach 1945 als kollektives Opfer des nationalsozialistischen Deutschlands. Gestützt auf die sogenannte „Moskauer Deklaration“ wurde diese Geschichtsinterpretation auch von allen Politikern vertreten.

Q1: Erklärung der Außenminister Großbritanniens, der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten über Österreich („Moskauer Deklaration“) vom 30. Oktober/1. November 1943

Die Regierungen des Vereinigten Königreiches, der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten von Amerika sind darin einer Meinung, dass Österreich, das erste freie Land, das der typischen Angriffspolitik Hitlers zum Opfer fallen sollte, von deutscher Herrschaft befreit werden soll.

Sie betrachten die Besetzung Österreichs durch Deutschland am 15. März 1938 als null und nichtig. Sie betrachten sich durch keinerlei Änderungen, die in Österreich seit diesem Zeitpunkt durchgeführt wurden, als irgendwie gebunden. Sie erklären, dass sie wünschen, ein freies unabhängiges Österreich wiederhergestellt zu sehen und dadurch ebenso sehr den Österreichern selbst wie den Nachbarstaaten, die sich ähnlichen Problemen gegenübergestellt sehen werden, die Bahn zu ebnen, auf der sie die politische und wirtschaftliche Sicherheit finden können, die die einzige Grundlage für einen dauernden Frieden ist.

Österreich wird aber auch daran erinnert, dass es für die Teilnahme am Kriege an der Seite Hitler-Deutschlands eine Verantwortung trägt, der es nicht entrinnen kann, und dass anlässlich der endgültigen Abrechnung Bedachtnahme darauf, wie viel es selbst zu seiner Befreiung beigetragen haben wird, unvermeidlich sein wird.

Aus: Verosta, Stephan: Die internationale Stellung Österreichs 1938 bis 1947. Wien (1947), Dok. 22

Am 27. April 1945 erfolgte die Unabhängigkeitserklärung und Proklamation über die Selbstständigkeit Österreichs. In einer Rede anlässlich der Enthüllungsfeierlichkeiten für ein sowjetisches Befreiungsdenkmal, meinte Bundeskanzler Leopold Figl folgendes:

Q2: Bundeskanzler Leopold Figl, Rede am 19. August 1945

Sieben Jahre schmachtete das österreichische Volk unter dem Hitlerbarbarismus. Sieben Jahre wurde das österreichische Volk unterjocht und unterdrückt, kein freies Wort der Meinung, kein Bekenntnis zu einer Idee war möglich, brutaler Terror und Gewalt zwangen die Menschen zu blindem Untertanentum. […] Wir wahren Österreicher [standen] in einer Front mit den Soldaten der alliierten Armeen.

Aus: Das Kleine Volksblatt, 21. 8. 1945, S. 1f

kollektiv: gemeinschaftlich

Q1: Lies den Text und fasse die wichtigsten Punkte dieser Erklärung mit eigenen Worten zusammen!

Markiere jene Stellen, in denen Österreich als Opfer des Nationalsozialismus dargestellt wird grün, jene, in denen eine Mitverantwortung Österreichs thematisiert wird, rot!

Formuliere mit eigenen Worten, welche Zukunft die Alliierten für Österreich forderten!

Abb. 1: Österreichisches Bundeswappen

Abb. 1: Suche im Internet das Wappen der ersten Republik und vergleiche es mit diesem Wappen! Welcher Unterschied fällt dir auf?

Stelle dar, warum diese Veränderungen vorgenommen wurden!

Q1 + Q2: Lies auf S. 87 über die Unabhängigkeitserklärung Österreichs nach!

Rekonstruiere anhand der vorhandenen Quellen die Vorgehensweise der österreichischen Politiker im Zusammenhang mit dem „Opfermythos“!

Begründe deine Einschätzung, warum es nach dem Zweiten Weltkrieg zu dieser Geschichtsdarstellung kam!

Die Waldheim-Affäre führt zu einer Veränderung der Geschichtsbilder

Abb. 2: ORF-Interview mit Bundespräsident Kurt Waldheim, 1988 (APA)

nominieren: als Kandidaten aufstellen

stationieren: an einen bestimmten Ort versetzen

Abb. 3: Wahlplakat zur Bundespräsidentenwahl 1986

ächten: aus der Gemeinschaft ausstoßen

Abb. 3: Beurteile, welche Botschaft mit diesem Plakat vermittelt werden sollte und bewerte, wie dieses Plakat im Kontext der Vorwürfe gegen Waldheim zu verstehen ist! Gehe dabei auch darauf ein, welche Wirkung das Plakat auf die österreichische Bevölkerung gehabt haben könnte!

Zur Bundespräsidentenwahl 1986 nominierte die ÖVP Kurt Waldheim, den ehemaligen Generalsekretär der UNO. Während des Wahlkampfes kam es zu Gerüchten und Diskussionen über die NS-Vergangenheit Waldheims. Waldheim hatte in seiner Biografie verschwiegen, dass er Angehöriger des SA-Reiterkorps und des NS-Studentenbundes gewesen war. Seine Einheit war bereits ab 1942 in Saloniki (Griechenland) stationiert und war an der grausamen Deportation der jüdischen Bevölkerung beteiligt gewesen. Ein direkter Nachweis, dass Waldheim selbst an Kriegsverbrechen beteiligt war, konnte nicht erbracht werden. Waldheim wies alle Vorwürfe zurück und rechtfertigte sich mit der Aussage:

Q3: Kurt Waldheim in einem Interview des ORF am 9. März 1986

Ich habe im Krieg nichts anderes getan als hunderttausende Österreicher, nämlich meine Pflicht als Soldat erfüllt.

Aus: Zuckermann, Moshe (Hg): Deutsche Geschichte im Spiegel der deutschsprachigen Literatur. Göttingen (2003), S. 148.

Trotz aller Vorwürfe wurde Kurt Waldheim zum österreichischen Bundespräsidenten gewählt.

Aber auch international wurde Waldheims NS-Vergangenheit zum Thema. Waldheim wurde geächtet. So zog Israel seinen Botschafter ab und die USA setzten Bundespräsident Waldheim auf die „Watchlist“. Dies bedeutete, dass er nicht in die USA einreisen durfte.

In Österreich führte die Waldheim-Affäre zu einer öffentlichen Diskussion über die Mittäterschaft und Mitverantwortung Österreichs an der NS-Zeit. Zum ersten Mal wurde der „Opfermythos“, nach dem Österreich das erste Opfer Hitler-Deutschlands gewesen sei, hinterfragt.

1991 wurde vom österreichischen Bundeskanzler Franz Vranitzky in einer Rede vor dem Nationalrat die Mitschuld der Österreicherinnen und Österreicher am Zweiten Weltkrieg eingestanden.

Q4: Bundeskanzler Franz Vranitzky (SPÖ), Rede im Nationalrat am 8. Juli 1991

Dennoch haben auch viele Österreicher den Anschluss begrüßt, haben das nationalsozialistische Regime gestützt, haben es auf vielen Ebenen der Hierarchie mitgetragen. Viele Österreicher waren an den Unterdrückungsmaßnahmen und Verfolgungen des Dritten Reichs beteiligt, zum Teil an prominenter Stelle.

Aus: http://www.erinnern.at/bundeslaender/oesterreich/gedenktage/5.-mai-gedenktag-gegen-gewalt-und-rassismus-im-gedenken-an-die -opfer-desnationalsozialismus/copy_of_5-mai-gedenktag-neu/gedenktag_5_mai-vertiefung.pdf, S. 2 (30.9.2017)

1993 besuchte Bundeskanzler Vranitzky Israel. Bei einer Rede an der Universität in Jerusalem bat er die Opfer des Nationalsozialismus im Namen der Republik um Verzeihung.

Damit hatte Österreich sich von den politischen Mythen der Nachkriegszeit verabschiedet und begonnen, seine Vergangenheit aufzuarbeiten.

GESCHICHTE UND

4. UMGANG MIT DEM ZWEITEN WELTKRIEG IN JUGOSLAWIEN UND DEN NACHFOLGESTAATEN

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war Jugoslawien ein sozialistischer Vielvölkerstaat unter der Führung von Josip Broz Tito. Die Erinnerung an den Krieg wurde stark durch die kommunistische Regierung geprägt, die den Partisanen-Kampf gegen die Achsenmächte und ihre Kollaborateure ins Zentrum stellte. Die Partisanen, angeführt von Tito, galten als Befreier des Landes und Symbol für den Widerstand und die Einheit aller jugoslawischen Völker.

Diese Darstellung betonte die Überwindung ethnischer Konflikte und diente dazu, eine gemeinsame jugoslawische Identität zu fördern. Kritische Auseinandersetzungen mit Kollaborateuren oder Kriegsverbrechen wurden oft vermieden.

Ustaša in Kroatien

Die Ustaša-Bewegung war im Zweiten Weltkrieg eine faschistische Organisation, die unter dem Schutz der Nationalsozialisten und des faschistischen Italiens das Unabhängige Kroatien regierte. Sie beging schwere Verbrechen an Serben, Juden und Roma und betrieb Konzentrationslager wie Jasenovac. Nach dem Krieg verurteilte Jugoslawien die Ustaša, doch nach dem Zerfall Jugoslawiens wurden ihre Taten in Kroatien teils relativiert, was Spannungen auslöste.

Chetniks in Serbien

Die Chetniks waren serbische Nationalisten, die anfangs gegen die Besatzung kämpften, später jedoch mit den Achsenmächten kooperierten, um gegen die kommunistischen Partisanen vorzugehen. Sie verübten Massaker an Muslimen und Kroaten, was ihnen nach dem Krieg den Ruf von Kollaborateuren und Kriegsverbrechern einbrachte.

In sozialistischer Zeit wurden sie in Serbien offiziell verurteilt. Nach Jugoslawiens Zerfall wurden sie in Serbien teilweise rehabilitiert und von einigen als Patrioten angesehen, was Spannungen mit Nachbarländern auslöste.

Umgang nach dem Zerfall Jugoslawiens

Mit dem Zerfall Jugoslawiens in den 1990er-Jahren änderte sich die Erinnerungskultur stark. Die Nachfolgestaaten entwickelten nationale Narrative, die oft den eigenen Opferstatus betonten.

In Kroatien wird der Partisanenmythos weniger betont, während die Ustaša teils relativiert wird.

In Serbien wird die Rolle der Chetniks stärker hervorgehoben.

In Bosnien und Herzegowina sind die Erinnerungen besonders kompliziert, da der Krieg von 1992 bis 1995 alte ethnische Spannungen wieder aufleben ließ.

Diese unterschiedlichen Perspektiven sorgen bis heute für Konflikte in der Region. Der Umgang mit dem Zweiten Weltkrieg in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens zeigt, wie stark historische Ereignisse politisiert werden können. Die gegensätzlichen Darstellungen des Krieges erschweren die Aussöhnung und verstärken die ethnischen Spannungen. Gleichzeitig bleibt die Erinnerung an diese Zeit ein zentraler Bestandteil der nationalen Identität in den jeweiligen Ländern.

Abb. 1: Propagandaplakat zur Feier des ersten Jahrestages der Befreiung Sarajevos am 6. April 1946; - Michail Trenichin. Volksheld Jugoslawiens (Zeitschrift Sammlung/Kollektion)

Abb. 1: Beschreibe, was auf dem Plakat zu sehen ist, und nenne auffällige Farben, Formen und den Text!

Analysiere, welche Symbole verwendet werden und wie die Gestaltung Aufmerksamkeit erzeugt!

Beurteile, welche Botschaft das Plakat vermittelt und wie es damals auf die Menschen gewirkt haben könnte!

Partisan, der: Eine Person, die in einem Krieg gegen die Besatzung eines Landes kämpft, oft in kleinen Gruppen und ohne reguläre Armee. Partisanen verstecken sich oft und führen überraschende Angriffe durch, um ihr Land zu verteidigen oder zu befreien.

Kollaborateur, der: Eine Person, die während eines Krieges mit dem Feind zusammenarbeitet, der das eigene Land besetzt hat.

relativieren: etwas weniger schlimm oder wichtig erscheinen lassen, als es wirklich ist

kooperieren: Gemeinsam mit anderen zusammenarbeiten, um ein Ziel zu erreichen.

rehabilitiert: Jemandem ihren/seinen guten Ruf oder ihre/seine Rechte zurückgeben, nachdem sie/er schlecht behandelt oder ungerecht beurteilt wurde.

Narrativ, das: Eine Erzählung oder Sichtweise, die beschreibt, wie etwas passiert ist oder warum etwas so ist. Es ist eine Art, eine Geschichte zu erzählen oder ein bestimmtes Bild von Ereignissen zu zeigen

Nun geht’s los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

Beurteile in mindestens 50 Wörtern, inwiefern sich das offizielle Österreich nach 1945 der NS-Vergangenheit stellte!

Gehe auf folgende Internetseite: https://www.mediathek.at/unterrichtsmaterialien! Suche dort den Beitrag zum Staatsbesuch von Bundeskanzler Franz Vranitzky in Jerusalem und höre ihn dir an! Verfasse eine Reportage für die Schülerzeitung, in der du über dieses Ereignis berichtest!

Versetze dich in die Lage einer Zuhörerin oder eines Zuhörers in der Knesset!

2 Wie würdest du dich fühlen, wenn du die Rede hörst?

2 Warum ist es wichtig, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen?

2 Was bedeutet die Verantwortung für die Geschichte für dein eigenes Handeln heute?

Notiere deine Gedanken und tausche dich anschließend mit einer Partnerin/einem Partner darüber aus!

Diskutiert in Partnerarbeit die Frage, welche Bedeutung die Auseinandersetzung mit der Rolle Österreichs während der NS-Zeit für Jugendliche heute noch hat! Begründet eure Meinung und fasst die wesentlichen Punkte in einer Mind-Map zusammen!

Erstellt in Kleingruppen eine Mind-Map zu den unterschiedlichen Erinnerungskulturen in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens! Nutzt Farben, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten hervorzuheben!

So schätze ich mich nach dem Großkapitel „Geschichte und Erinnerung“ selbst ein: Kreuze jenen Daumen an, der für dich am ehesten zutreffend ist!

Ich kann…

…erklären, wie individuelle und kollektive Erinnerungen entstehen und warum sie unterschiedlich sein können.

…analysieren, wie Geschichte für politische, wirtschaftliche oder touristische Zwecke instrumentalisiert wird.

…begründen, warum sich historische Erinnerungen in verschiedenen Gesellschaften unterscheiden.

…erklären, welche Funktion Denkmäler und Gedenkstätten in der Erinnerungskultur haben.

…analysieren, welche historischen Narrative in demokratischen und diktatorischen Systemen vorherrschen.

…die Entwicklung der österreichischen Erinnerungskultur von der Nachkriegszeit bis heute beschreiben.

…erklären, wie der „Opfermythos“ nach 1945 entstand und welche Auswirkungen er auf das historische Selbstverständnis Österreichs hatte.

…die Rolle der Waldheim-Affäre für die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in Österreich bewerten.

…die Bedeutung der Rede von Bundeskanzler Franz Vranitzky zur österreichischen Mitverantwortung am Nationalsozialismus erläutern.

…beschreiben, wie Jugoslawien nach 1945 den Zweiten Weltkrieg erinnerungspolitisch aufarbeitete.

… die Rolle der Partisanenbewegung in Jugoslawien erklären und analysieren, wie sie für die Identitätsbildung genutzt wurde.

…erklären, wie die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg nach dem Zerfall Jugoslawiens in den Nachfolgestaaten unterschiedlich dargestellt wurde.

…den Umgang mit den Ustaša in Kroatien und den Chetniks in Serbien vergleichen und ihre Bedeutung für aktuelle Spannungen erläutern.

…erklären, wie der Tourismus historische Ereignisse und Persönlichkeiten für wirtschaftliche Zwecke verwendet.

…begründen, warum es wichtig ist, Erinnerungskultur kritisch zu hinterfragen und verschiedene Perspektiven einzubeziehen.

Buchtipps für besonders Wissensdurstige

Um deine Kompetenzen noch mehr zu steigern, hier unsere Buchtipps:

Alina Bronsky: Und du kommst auch drin vor (dtv Verlagsgesellschaft 2020).

Dirk Reinhardt: Train Kids: Fünf Jugendliche flüchten durch Mexiko (Carlsen 2017)

1. DIE VEREINTEN NATIONEN – EIN FRIEDENSPROJEKT

Vereinte Nationen, die: United Nations Organization = UNO

Charta, die: Übereinkommen, Vertrag

Q1: Gib mit Oberbegriffen an, wie die wesentlichen Bestimmungen der Charta lauten!

Bewerte die angegebenen Ziele und bestimme den für dich wichtigsten Punkt der Charta!

Begründe deine Entscheidung in deinem Heft in zwei bis drei Sätzen!

Abb. 1 + Q1: Interpretiere dieses Plakat in Hinblick auf die Zielsetzungen der Charta!

Q2: Lies die Artikel 1 bis 5 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte unter folgendem Link: http://www.humanrights.ch /de/internationalemenschenrechte/aemr/text

Markiere in jedem der Artikel 1–5 jeweils drei bis fünf zentrale Schlagwörter!

Erkläre deiner Sitznachbarin/deinem Sitznachbarn mit Hilfe deiner Stichwörter, welche Rechte diese Artikel schützen!

Lies auf derselben Website die kurzen Erläuterungen zu den Artikeln 1–5!

Fasse die wichtigsten Inhalte dieser fünf Artikel in fünf kurzen Sätzen zusammen!

Beurteile, welche dieser fünf Menschenrechte für dich persönlich am wichtigsten sind, und begründe deine Wahl!

Die Gründung der Vereinten Nationen (UNO)

Nach den Schrecken des Zweiten Weltkriegs wünschten sich die Menschen eine dauerhafte Sicherung des Weltfriedens. US-Präsident Roosevelt unternahm noch während des Zweiten Weltkriegs den Versuch, eine Organisation zur Sicherung des Friedens zu gründen und damit den wenig erfolgreichen Völkerbund durch eine andere Organisation zu ersetzen.

Noch vor Kriegsende, am 26. Juni 1945, gründeten 50 Staaten bei einer Konferenz in San Francisco die Vereinten Nationen. In der Charta der Vereinten Nationen wurden unter anderem folgende Ziele festgelegt:

Q1: Charta der Vereinten Nationen – Präambel

WIR, DIE VÖLKER DER VEREINTEN NATIONEN – FEST ENTSCHLOSSEN,

2 künftige Geschlechter vor der Geißel des Krieges zu bewahren, [...]

2 unseren Glauben an die Grundrechte des Menschen, an Würde und Wert der menschlichen Persönlichkeit, an die Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie von allen Nationen, ob groß oder klein, erneut zu bekräftigen,

2 Bedingungen zu schaffen, unter denen Gerechtigkeit und die Achtung vor den Verpflichtungen aus Verträgen und anderen Quellen des Völkerrechts gewahrt werden können,

2 den sozialen Fortschritt und einen besseren Lebensstandard in größerer Freiheit zu fördern [...]

Aus: http://www.unric.org/de/charta (12. 1. 2025)

Am 10. Dezember 1948 beschloss die Generalversammlung der Vereinten Nationen die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“.

Abb. 1: Preisgekröntes Gründungsplakat der UNO (1945)

Q2: Artikel 1 der Menschenrechte

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen. Aus:http://www.humanrights.ch/de/internationalemenschenrechte/aemr/text/artikel-01-aemr-freiheit-gleichheit-bruederl ichkeit (12. 1. 2025)

Für ihre Verdienste haben die Vereinten Nationen selbst, aber auch ihre vielen Unterorganisationen den Friedensnobelpreis erhalten. Sie sind damit die am häufigsten ausgezeichneten Preisträger.

Die Vereinten Nationen haben ihren Hauptsitz in New York. Finanziert wird die UNO hauptsächlich durch die Beiträge ihrer Mitgliedstaaten.

Die Organe der UNO

Sicherheitsrat (New York)

2 trifft die endgültigen Entscheidungen

2 ständige Mitglieder: USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und China; besitzen ein Vetorecht

2 10 nicht-ständige Mitglieder werden für zwei Jahre gewählt

Internationaler Gerichtshof (Den Haag) 15 unabhängige Richter

Generalsekretariat (New York)

Generalsekretär koordiniert und organisiert die Arbeit der UNO

Vollversammlung (New York)

2 jeder der 193 Mitgliedsstaaten hat eine Stimme 2 gibt Empfehlungen ab

Wirtschafts- und Sozialrat (New York)

übernimmt Aufgaben in den Bereichen Wirtschaft, Soziales, Gesundheit, Erziehung und Kultur

Neben- und Sonderorganisationen

UNICEF (New York) – Das Weltkinderhilfswerk ist für den Schutz von Kindern und Jugendlichen zuständig.

WHO (Genf) – Die Weltgesundheitsorganisation hilft im Kampf gegen Krankheiten und Seuchen.

UNESCO (Paris) – Die Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur sorgt für den Ausbau von Schulen in unterentwickelten Ländern und verwaltet das Weltkulturund Weltnaturerbe.

UNHCR (Genf) – Der Flüchtlingskommissar kümmert sich um den Schutz von Flüchtlingen.

IAEO (Wien) – Die Internationale Atomenergiebehörde soll die friedliche Nutzung der Kernenergie fördern und gleichzeitig überwachen.

Abb. 2: Übersicht über die Organe der UNO

Die UNO in Wien

Seit 1979 ist Wien, neben New York, Genf und Nairobi, Sitz von UNO-Organisationen. In der UNO-City in Wien sind ca. 5 000 Menschen beschäftigt, die unter anderem für die internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) oder die Organisation für industrielle Entwicklung (UNIDO) arbeiten.

Blauhelme – die Friedenstruppe der UNO

Nach einem Beschluss des Sicherheitsrates kann die UNO von den Mitgliedsstaaten Soldatinnen und Soldaten anfordern. Diese sogenannten Blauhelme werden in Konfliktgebiete geschickt, um dort einen vereinbarten Frieden oder Waffenstillstand zu überwachen und für Sicherheit zu sorgen. Sie sollen nicht kämpfen , sondern durch ihre Präsenz weitere Gewalt verhindern. Nur in Notfällen dürfen sie zur Selbstverteidigung oder zum Schutz von Zivilpersonen Gewalt anwenden.

Was sind Weltkulturund Weltnaturerbe?

Die UNESCO, eine Teilorganisation der UNO, nimmt besonders schützenswerte Gebäude und Landschaften in eine eigene Liste auf. In Österreich zählen dazu die Altstädte von Wien, Salzburg und Graz, die Wachau, der Neusiedlersee, die Semmeringbahn und Schloss Schönbrunn.

Abb. 2: Interpretiere das Logo der UNO! Was stellt es dar? Was will es ausdrücken?

Entscheide, ob es sich bei dieser Abb. um eine Quelle oder um eine Darstellung handelt! Begründe deine Entscheidung!

Abb. 4: Beschreibe die Aufgaben von Blauhelmen in eigenen Worten!

Diskutiert, welche Chancen und Probleme Einsätze von Blauhelmen mit sich bringen!

Abb. 3: Die UNO-City in Wien 2022 (Fotograf: Christian Monyk)
Abb. 4: UNO-Soldaten im Südsudan
(Fotograf: Rikujojieitai Boueisho)

2. DER KALTE KRIEG

Aus Verbündeten

werden Gegner

Kapitalismus, der: Wirtschaftssystem, das hauptsächlich durch das Gewinnstreben der oder des Einzelnen geprägt ist

Abb. 2: Warnschild vor der Grenze zwischen Österreich und Ungarn, Ausstellung zur Grenzöffnung, Sopron, 2010 (Fotograf: Christian Monyk)

Marshallplan, der: ging auf eine Idee des USAußenministers George Marshall zurück

Abb. 1 + 2 + 3: Erkläre die Maßnahmen der Besatzungsmächte beim politischen und wirtschaftlichen Aufbau Europas!

Erkläre, warum Länder einander in Krisensituationen Hilfslieferungen schicken! Nenne mögliche Gründe!

Diskutiert anschließend in Partnerarbeit, welche Formen internationaler Hilfe besonders wichtig sind! Tauscht eure Ideen in der Klasse aus!

Im Zweiten Weltkrieg kämpften die USA und die Sowjetunion noch gemeinsam gegen das Deutsche Reich. Nach dem Krieg wurden aus den Verbündeten aber wieder Gegner. Die Gegensätze zwischen Kapitalismus und Kommunismus traten in den Vordergrund.

Kalter Krieg, der: nicht offen (militärisch) ausgetragener Konflikt zwischen den West-und Ostmächten

In den sowjetisch besetzten Gebieten Europas setzte die UdSSR rücksichtslos ihre Macht durch. Polen, die Tschechoslowakei, die DDR, Ungarn, Bulgarien und Rumänien wurden zu „Volksdemokratien“ mit kommunistischen Regierungen. Unter dem Einfluss der Sowjetunion wurden andere Parteien verboten, deren Anhängerinnen und Anhänger verfolgt und eingesperrt, aber auch Grundbesitzerinnen und Grundbesitzer sowie Unternehmerinnen und Unternehmer enteignet und ihr Besitz verstaatlicht. Die Grenzen der kommunistisch orientierten Staaten wurden mit Stacheldrahtzäunen, Wachtürmen und Minenfeldern gesichert, um vor allem Fluchten in den Westen zu verhindern. Bis 1989 trennte dieser „Eiserne Vorhang“ West- und Osteuropa.

Abb. 1: Gedenkstätte Eiserner Vorhang: Stacheldrahtzaun, Beobachtungstürme und Minenfelder, Čížov, 2008 (APA/Fotograf: ANDREAS TROESCHER)

In den von der Sowjetunion kontrollierten Staaten wurden zudem viele Industrieanlagen als Reparationsleistungen abgebaut und in die UdSSR gebracht. Diese sogenannten Demontagen schwächten die Wirtschaft stark und behinderten den Wiederaufbau.

Der Marshallplan

Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschten in ganz Europa Not und Hunger. Mit dem Marshallplan halfen die USA Europa, indem sie finanzielle Unterstützung und die Lieferung von lebensnotwendigen Gütern anboten. Die USA bestimmten, wofür das Geld verwendet werden durfte und beeinflussten damit die wirtschaftliche Entwicklung der unterstützten Staaten.

Mit der wirtschaftlichen Hilfe für Europa versuchten die USA aber auch, den wachsenden Einfluss der Sowjetunion zu stoppen. Der Marshallplan wurde allen europäischen Staaten angeboten. Die Ostblockstaaten mussten aber unter dem Druck der Sowjetunion darauf verzichten. Damit begann die wirtschaftliche Teilung Europas.

Während sich in den unterstützten Ländern die Wirtschaft rasch und gut entwickelte, wuchs sie in Osteuropa nur langsam. Die Gegensätze zwischen Ost und West wuchsen. Beide Seiten versuchten, den Gegner mit feindseliger Propaganda, mit militärischen Drohungen und wirtschaftlichen Blockaden zu schwächen. Der Kalte Krieg hatte begonnen.

Abb. 3: Entladen von amerikanischen Hilfslieferungen, Hamburg, 1949 (APA/Interfoto)

Militärische Bündnisse entstehen

Die Gegensätze zwischen Ost und West führten dazu, dass zwei militärische Bündnisse entstanden.

West: NATO – Nordatlantikpakt

2 gegründet: 4. 4. 1949

2 politisch-militärisches Bündnis unter Führung der USA

2 richtete sich gegen die Expansionsbestrebungen der Sowjetunion

Die NATO besteht heute noch.

Abb. 4: Vergleich NATO und Warschauer Pakt

Expansionsbestrebung, die: der Versuch, seinen Machtbereich zu vergrößern

Ost: Warschauer Pakt

2 gegründet: 14. 5. 1955

2 politisch-militärisches Bündnis unter Führung der Sowjetunion

2 richtete sich gegen die wirtschaftliche, politische und militärische Übermacht der USA

Der Warschauer Pakt bestand bis 1. 7. 1991.

Es gab aber auch Staaten, die keinem Bündnis angehörten. Dazu zählten neutrale Staaten wie die Schweiz, Schweden und Österreich, aber auch blockfreie Staaten wie Jugoslawien und Albanien ab 1968.

neutrale Staaten, die: verpflichten sich, in einem möglichen Kriegsfall unabhängig zu bleiben

Der Kalte Krieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten sich zwei Supermächte gebildet: die USA und die UdSSR. Beide Staaten versuchten, eine Vormachtstellung zu erlangen. Man nennt diese Epoche die Zeit des Kalten Krieges, weil es zwar nie zu direkten militärischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und der UdSSR kam, die Beziehung zwischen den beiden Staaten aber extrem feindselig war.

Der Kalte Krieg führte zu einem erbitterten Wettrüsten zwischen Ost und West. Auf beiden Seiten wurden bedrohliche Waffenarsenale angelegt: Kampfflugzeuge, U-Boote und auch Atombomben sollten den Gegner in Schach halten und so den Weltfrieden sichern.

USA/NATO

UdSSR/Warschauer Pakt

blockfreie Staaten, die: gehören keinem Militärbündnis an

Abb. 4: Vergleiche die Ziele der NATO mit jenen des Warschauer Pakts!

Abb. 5: Betrachte das Foto genau: Menschen beobachten einen Atombombentest im Jahr 1951 ohne besondere Schutzkleidung. Formuliere erste Vermutungen, wie damals mit der Gefahr von Radioaktivität umgegangen wurde!

Sammelt Argumente für und gegen das Wettrüsten! Führt dann eine Diskussion, inwieweit das Wettrüsten den Frieden sichern kann!

K1: Länder der NATO und des Warschauer Pakts 1959
Abb. 5: Zuschauer, die einen Atombombentest der USA auf dem Eniwetok-Atoll im Pazifik beobachten, 1951 (akg-images)

3. WELTWEITE KONFLIKTE IN DER ZEIT DES KALTEN KRIEGES

Stellvertreterkriege, die: So nennt man Kriege, in denen sich die Gegner (USA und UdSSR) nicht direkt bekämpfen, sondern ihren Konflikt über andere Staaten austragen lassen, die sie militärisch und wirtschaftlich unterstützen.

Pjöngjang

K1: Nord- und Südkorea

K1: Informiere dich im Internet unter den Stichworten „Nordkorea“ und „Südkorea“! Wie unterscheidet sich heute das Leben der Menschen in diesen beiden Ländern?

Weißes Haus, das: Amtssitz des amerikanischen Präsidenten

Kreml, der: Amtssitz des Staats- und Parteichefs der damaligen Sowjetunion

K2: Arbeitet in Kleingruppen! Erklärt, warum die USA und die UdSSR ihre Atomraketen nach der Kubakrise 1962 wieder abgezogen haben!

Beschreibt die politische Lage Kubas heute (Regierungsform, Staatschef, aktuelle Herausforderungen)! Bewertet, wie sich Kuba seit der Kubakrise verändert hat! Nutzt für eure Recherche seriöse Quellen (z. B. UNO, BBC, DW) und notiert diese unter euren Ergebnissen!

Europa war nicht der einzige Krisenherd in der Zeit des Kalten Krieges. In sogenannten Stellvertreterkriegen griffen die USA und die UdSSR immer wieder in militärische Auseinandersetzungen zwischen anderen Ländern ein. Nur die Angst vor den Atomwaffen des Gegners hielt beide Großmächte von direkten kriegerischen Auseinandersetzungen ab.

Der Koreakrieg 1950 – 1953

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Korea in ein kommunistisches Nordkorea und ein antikommunistisches Südkorea geteilt. 1950 griff Nordkorea den Süden an. Die UNO schickte Soldaten unter Führung der USA, China unterstützte Nordkorea.

Nach drei Jahren Krieg wurde 1953 ein Waffenstillstand geschlossen. Einen Friedensvertrag gibt es bis heute nicht. Die Grenze ist bis heute stark bewacht. Der Krieg forderte etwa 4 bis 5 Millionen Tote, viele davon waren Zivilpersonen. Auf beiden Seiten kam es zu schweren Kriegsverbrechen. 1992 unterschrieben beide Staaten einen Nichtangriffspakt, den Nordkorea später wieder aufkündigte.

Die Kubakrise 1962

Ende der 1950er-Jahre hatten Revolutionäre unter der Führung Fidel Castros in Kuba die Macht errungen und eine kommunistische Diktatur errichtet. Als der sowjetische Ministerpräsident Nikita Chruschtschow auf Kuba Atomraketen stationieren wollte, geriet die Welt im Oktober 1962 für einige Tage gefährlich nahe an den Rand eines Atomkrieges.

Diese geplanten atomaren Raketen „direkt vor der Haustür der Amerikaner“ wurden als eine massive Bedrohung für die USA empfunden. Daher verhängte US-Präsident John F. Kennedy über die Insel Kuba eine Seeblockade. Er verlangte, dass auf Kuba keine Atomraketen stationiert werden dürften, obwohl auch sein Land Atomraketen auf Ziele in der Sowjetunion gerichtet hatte.

K2: Sowjetische und US-amerikanische Atomwaffen auf Kuba und in der Türkei

Nach einem geheimen Briefwechsel zwischen dem Weißen Haus und dem Kreml lenkte die Sowjetunion ein und verzichtete auf die Stationierung der Raketen. Im Gegenzug demontierten die USA ihre Raketen in der Türkei.

TÜRKEI

Um eine solch gefährliche Situation in Zukunft zu vermeiden, wurde zwischen Washington und Moskau eine direkte Telefonleitung eingerichtet: das „Rote Telefon“.

Der

Vietnamkrieg

1965 – 1973

Abb. 1: Chruschtschow und Kennedy mit dem Untertitel „Einverstanden, Herr Präsident, wir wollen verhandeln!“ (Karikatur, 1962)

Q1: John F. Kennedy (10. 6. 1963)

Ein totaler Krieg ist sinnlos in einem Zeitalter, in dem die Großmächte unpassende und verhältnismäßig unverwundbare Atomstreitkräfte unterhalten können [...]

Aus: http://www.zeit.de/1963/52/dokumente-1963/seite-3 (13. 1. 2025)

Seit dem 19. Jahrhundert war Vietnam französisches Kolonialgebiet. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Land von Japan besetzt. Der Kommunist Ho-Chi-Minh gründete 1941 die „Liga für die Unabhängigkeit Vietnams“ und kämpfte gegen die japanische Besetzung.

Nach Kriegsende rief er die „Demokratische Republik Vietnam“ aus. Frankreich beanspruchte jedoch erneut die Herrschaft über Vietnam und besetzte mit Unterstützung der USA den Süden. Französische Truppen führten Krieg gegen Ho-Chi-Minhs Truppen. Dieser endete 1954 mit einem Waffenstillstand und der Teilung in ein kommunistisches Nordvietnam und ein von den USA unterstütztes diktatorisch regiertes Südvietnam.

In Südvietnam entstand eine kommunistische Widerstandsbewegung – der Vietcong. Unterstützt von China und der UdSSR führte er einen Guerillakrieg gegen die südvietnamesische Regierung. Ab 1964 griffen die USA direkt ein und schickten Soldaten.

Der Krieg war besonders grausam: Die USA setzten Napalm-Brandbomben und das Entlaubungsmittel Agent Orange ein, das schwerwiegende gesundheitliche Schäden verursachte. Viele zivile Opfer waren die Folge. In den USA wuchs der Widerstand gegen diesen „schmutzigen Krieg“.

1973 zogen die US-Truppen ab. 1975 eroberte Nordvietnam den Süden militärisch. 1976 wurde das Land offiziell zur kommunistischen „Sozialistischen Republik Vietnam“ zusammengeschlossen

Abb. 1: Beschreibe, was auf der Karikatur zu sehen ist (Personen, Gegenstände, Handlung)!

Analysiere, welche Symbole und Übertreibungen verwendet werden (z. B. Atombomben, Schweiß, Armdrücken)!

Interpretiere, welche Aussage die Karikatur zur Kubakrise macht, und beurteile, ob diese Darstellung überzeugend ist!

Q1 + Abb. 1: Begründe die Aussage Kennedys mit der Karikatur!

Entlaubungsmittel, das: Chemikalie, die bewirkt, dass Bäume ihr Laub verlieren

Napalm, das: Brandstoff, der in Bomben abgeworfen wurde

Abb. 2: Beschreibe genau, was auf der Fotografie zu sehen ist (Personen, Handlungen, Umgebung, Stimmung).

Analysiere, wie die Fotografie gestaltet ist (Perspektive, Bildaufbau, Vordergrund/Hintergrund, Mimik und Gestik der Personen, Kontraste, Wirkung auf Betrachterinnen und Betrachter)!

Interpretiere anschließend, welche Botschaft oder Wirkung das Bild vermitteln soll! Gehe dabei auch auf die historische Situation (Napalm-Angriff im Vietnamkrieg) ein!

Abb. 2: Ein Bild, das um die Welt ging: Die 9-jährige Kim Phuc Phan Thi wurde 1972 Opfer eines Napalm-Angriffs – sie überlebte schwer verletzt.8. Juni 1972 (wikipedia commons; Fotograf Nick Ut)

Begründe, weshalb dieses Foto weltberühmt wurde und welche Wirkung es auf die öffentliche Meinung zum Vietnamkrieg hatte!

Vergleicht eure Ergebnisse in Partnerarbeit und haltet Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Stichworten fest!

Nun geht’s los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

NATO und Warschauer Pakt – Kennzeichne die Staaten der NATO und des Warschauer Pakts in Europa mit je einer Farbe!

Erstelle in deinem Heft eine Tabelle, in der du die europäischen Staaten im Jahr 1959 den beiden Verteidigungsblöcken zuordnest! (Atlas)

Welche der folgenden Begriffe haben mit der Zeit des Kalten Krieges zu tun? Markiere sie mit Farbe, dann ergeben die Buchstaben ein Lösungswort, das du noch erklären sollst!

LÖSUNGSWORT:

Beurteile, inwiefern der Marshallplan ein wirtschaftliches Hilfsprogramm war oder eher eine politische Strategie darstellte!

4. GLOBALISIERUNG

Was heißt eigentlich Globalisierung?

Abb. 1: Globalisierung führt dazu, dass die Welt „ein Dorf wird“

Abb. 1: Interpretiere diese Collage und erstelle mit ihrer Hilfe eine Definition des Begriffes „Globalisierung“!

Nimm Stellung zu dem Ausspruch „Die Welt wird immer mehr zu einem Dorf“! Woran erkennst du in deinem Alltag, dass dies zutrifft?

Erkläre, warum es sich bei einer Collage um eine Darstellung handelt!

Globalisierung leitet sich vom Begriff „global“ ab. Dies bedeutet „die ganze Welt umspannend“. Diese Bezeichnung drückt aus, dass alle Länder dieser Erde immer mehr miteinander in Verbindung stehen und voneinander abhängig sind.

Der Begriff bezog sich ursprünglich ausschließlich auf die weltweite Verflechtung der Wirtschaft. Inzwischen wird der Begriff Globalisierung jedoch für eine immer stärker werdende Verkoppelung von Vorgängen rund um den Globus benutzt. Ein lokales Ereignis kann so schnell weltweite Auswirkungen haben.Beispiel: Ein Krieg in einem Erdöl-Förderland kann zu steigenden Benzinpreisen auf der ganzen Welt führen. Globalisierung hat viele verschiedene Ursachen

D1: Globali-was? aus dem Politik-Lexikon

Der Wunsch, rund um die Erde verbunden zu sein, ist auch heute noch groß und hat verschiedene Ursachen: Er kann aus wirtschaftlichen Berechnungen, politischen Interessen oder einfach nur aus persönlicher Begeisterung entstehen.

Diese unterschiedlichen Gründe haben alle Einfluss auf die Gestaltung der Globalisierung und bringen viele Vor- und Nachteile mit sich.

Aus: https://www.demokratiewebstatt.at/thema/thema-globalisierung/was-bedeutet-globalisierung/ (14. 1. 2025)

Produkte aus fernen Ländern: Der Wunsch nach Waren aus aller Welt hat zu einer engen Vernetzung des Welthandels geführt. Viele Produkte wie Bananen oder Jeans legen lange Transportwege zurück, bis sie bei uns ankommen.

Globale Arbeitsteilung: In den vergangenen Jahrzehnten hat sich ein weltweites Wirtschaftssystem entwickelt, in dem Länder unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Unternehmen lassen Produkte dort fertigen, wo es günstiger ist. Davon haben auch Niedriglohnländer wie China, Indien oder viele afrikanische Staaten profitiert, die heute wirtschaftlich deutlich stärker sind als früher.

Verkoppelung, die: enge Verknüpfung

D1: Markiere im Text jene Punkte, die als Ursache für die Globalisierung angegeben werden!

Diskutiert in der Klasse, wie sich diese drei Ursachen auf die Gestaltung der Globalisierung auswirken können!

Stellt gemeinsam in einer Liste dar, welche Vor- und Nachteile die Globalisierung bringt! Ordnet eure Punkte dabei in folgende Kategorien ein:

• Wirtschaft (z. B. Handel, Arbeitsplätze, Löhne)

• Umwelt (z. B. Ressourcenverbrauch, Transport, Klimawandel)

• Gesellschaft & Kultur (z. B. Austausch, Migration, Lebensstil)

• Politik (z. B. internationale Zusammenarbeit, Abhängigkeiten)

maximieren: systematisch zum Höchstmaß steigern

Logistik, die: Planung, Organisation und Durchführung von Transport, Lagerung und Verteilung von Waren, damit sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort ankommen.

Bessere Transportmittel: Moderne Transportmittel wie riesige Containerschiffe, Frachtflugzeuge, Güterzüge und Lastwagen ermöglichen es heute, Waren in großen Mengen, schnell und vergleichsweise günstig über weite Strecken zu transportieren. Durch standardisierte Container können Waren effizient verladen und ohne Umladen von Schiffen auf Züge oder LKWs weitertransportiert werden. So ist es für Unternehmen oft günstiger, Produkte in weit entfernten Ländern herstellen zu lassen und anschließend über Ozeane oder Kontinente hinweg zu verschiffen, als sie im eigenen Land zu produzieren. Diese schnelle und kostengünstige Logistik ist ein wichtiger Motor der Globalisierung, weil sie weltweiten Handel in großem Ausmaß überhaupt erst möglich macht.

Was sind Handelshemnisse?

Das sind Maßnahmen, die Länder setzen, um freien Handel zu verhindern. Dazu zählt z. B., dass nur eine bestimmte Menge eines Produktes in ein Land verkauft werden kann oder viel Geld dafür bezahlt werden muss, dass ein Produkt überhaupt in einem Land verkauft werden darf.

Chat-Room, der: Bereich im Internet, in dem sich Menschen zu einem bestimmten Thema austauschen und miteinander schreiben.

Geldstrom, der: Zufluss und Abfluss von Geld

Profit, der: Gewinn, den man aus einer Sache oder Tätigkeit zieht

Abb. 2: Containerschiff für den weltweiten Transport von Waren

Reduktion von Handelshemmnissen: In den letzten Jahrzehnten wurden weltweit viele Handelshemmnisse wie Zölle oder Importbeschränkungen abgebaut. So sind heute viele Märkte freier zugänglich, und Unternehmen können ihre Waren leichter international verkaufen. Internationale Abkommen wie jene der Welthandelsorganisation (WTO) oder die EU-Binnenmarktregeln haben den Welthandel stark wachsen lassen.

Die Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump zeigte jedoch, dass freier Handel nicht selbstverständlich ist: Er führte neue Zölle auf Stahl, Aluminium und viele chinesische Produkte ein, um die eigene Wirtschaft zu schützen. Das machte internationale Geschäfte teurer und führte zu Handelskonflikten. Das zeigt, wie wichtig der Abbau von Handelshemmnissen für die Globalisierung ist.

Entwicklung der Kommunikation:

Neue Technologien wie Computer, Satellitentechnik und Handys ermöglichen es verstärkt, ohne Probleme riesige Mengen an Daten über das Internet zu versenden. Auch können Meetings in virtuellen Chat-Rooms abgehalten und es kann mit weit entfernten Menschen kostengünstig kommuniziert werden.

Abb. 2: Kommunikationssatellit, der die Erde umkreist (2024)

Innerhalb von Sekunden sind also Informationen und Wissen überall auf der Welt abrufbar geworden. Auf diese Art und Weise finden Unternehmerinnen und Unternehmer leichter heraus, wo günstige Güter und Dienstleistungen zu kaufen sind und welche Neuheiten es auf dem Markt gibt. Auch Arbeitsprozesse sind einfacher auf verschiedene Kontinente zu verteilen und aufeinander abzustimmen. Neben Waren und Dienstleistungen können aber auch Geldströme frei von Beschränkungen überall dorthin fließen, wo der höchste Profit zu erwarten ist.

5. SCHATTENSEITEN DER GLOBALISIERUNG

D4: Joseph Eugen Stiglitz – US-Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften (2002)

Die Globalisierung in ihrer heutigen Form ist keine Erfolgsgeschichte. Sie hat das Schicksal der meisten Armen in der Welt nicht gelindert. Sie ist ökologisch bedenklich. Sie hat die Weltwirtschaft nicht stabilisiert. [...] Nicht die Globalisierung ist das Problem, sondern die Art und Weise, wie sie umgesetzt wurde. [...] Ich glaube, dass die Globalisierung so gestaltet werden kann, dass sie ihr positives Potenzial freisetzt [...]

Aus: Stiglitz, Joseph: Die Schatten der Globalisierung. München (2004), S. 280 – 282.

Joseph E. Stiglitz kritisierte bereits 2004, dass die Globalisierung in ihrer damaligen Form viele Arme nicht erreichte und die Umwelt belastete. Der Text ist heute über 20 Jahre alt und einige Entwicklungen haben sich verändert. Moderne Studien, z. B. des Internationalen Währungsfonds (IMF), bestätigen, dass Globalisierung weiterhin Vorteile bringt – jedoch mit starken Ungleichheiten. Viele Menschen mit geringer Qualifikation haben seit den 1990er Jahren Arbeitsplatzverluste oder Stagnation ihrer Löhne erlebt. Gleichzeitig wird Globalisierung durch Finanzmärkte anfälliger gegenüber Krisen.

Damit bleibt Stiglitz’ Kritik relevant – nicht, weil alles gleich ist, sondern weil viele seiner Beobachtungen durch aktuelle Daten gestützt werden. Es ist heute wichtig zu fragen, wie Globalisierung gestaltet wird, damit nicht nur einzelne profitieren, sondern möglichst viele – und gleichzeitig Umwelt und soziale Gerechtigkeit geschützt werden.

Beispiel:

die globalisierte Textilindustrie

Bis in die 1980er-Jahre war die Textilindustrie ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor im niederösterreichischen Waldviertel. Heute gibt es kaum noch Unternehmen dieser Branche in der Region und manche der noch bestehenden kämpfen um das Überleben.

Kaufen die Menschen in Österreich heute weniger Bekleidung als noch vor 40 Jahren? Ganz im Gegenteil, heute werden viel mehr Bekleidungsstücke gekauft als früher, jedoch werden die zum Großteil nicht mehr in Österreich produziert.

Abwanderung in Niedriglohnländer

D4: Formuliere in einem Satz, welche These Stiglitz zur Globalisierung vertritt!

Erkläre, mit welchen Argumenten Stiglitz seine These stützt! Nimm selbst begründet Stellung zu seiner Einschätzung der Globalisierung!

Umweltprobleme

Die Produktion in Niedriglohnländern führt durch die niedrigen Standards zur Verschmutzung von Gewässern, Grundwasser und Luft. Dadurch kommt es bei der Bevölkerung zu gravierenden Gesundheitsschäden.

Unternehmen lassen Teile ihrer Produktion oft in Länder mit niedrigeren Löhnen auslagern, vor allem in Asien oder Südamerika. Neben den geringeren Lohnkosten spielen auch andere Faktoren eine Rolle – z. B. Rechtssicherheit, politische Stabilität, vorhandene Infrastruktur und der Ausbildungsstand der Arbeitskräfte.

In manchen dieser Länder sind jedoch die Arbeits- und Umweltstandards niedriger als in Europa:

2 Geringere Löhne und oft längere Arbeitszeiten

2 Weniger Schutz durch Arbeits- und Sozialgesetze

2 Weniger Umweltauflagen und Sicherheitsvorschriften

Diese Bedingungen machen die Produktion für Unternehmen günstiger, bedeuten für viele Beschäftigte aber unsichere und belastende Arbeitsverhältnisse.

Abb. 1: Textilfabrik in Kambodscha 2017 (Heinrich Böll Stiftung)

Abb. 1: Beschreibe in eigenen Worten die Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen und Arbeiter in dieser Textilfabrik!

Globale Verteilung der Ressourcen

Abb. 2: Abbau von Coltan in der Republik Kongo 2017

(APA/Fotograf: GRIFF TAPPER)

Coltan, das: Erz, aus dem Metalle gewonnen werden, die für die Herstellung der Elektronik z. B. in Handys benötigt werden

Mindeststandards, die: gesetzlich festgelegte Vorgaben, die nicht unterschritten werden dürfen

Abb. 2: Nimm Stellung zu den Arbeitsbedingungen in diesem Bergwerk!

Ordnet in Partnerarbeit die Beispiele aus der Tabelle den Kategorien Wirtschaft, Gesellschaft, Umwelt zu!

Erklärt, warum manche Länder oder Gruppen von der Globalisierung profitieren, andere aber Nachteile haben!

Diskutiert in der Klasse, wie Globalisierung in Zukunft so gestaltet werden könnte, dass möglichst viele profitieren!

Die Baumwolle, die in den Niedriglohnländern zu Kleidung verarbeitet wird, stammt kaum aus diesen Ländern. Sie kommt aus Ländern wie Indien, China oder den USA und muss daher über weite Strecken transportiert werden, bis sie weiterverarbeitet werden kann.

Aber auch andere natürliche Ressourcen – vor allem Bodenschätze wie Erdöl, Eisenerz oder Kohle – können nicht überall auf der Welt wirtschaftlich abgebaut werden. Diese werden jedoch kaum dort weiterverarbeitet, wo sie gewonnen werden. Die Bodenschätze in vielen Ländern Afrikas, Asiens und Südamerikas werden von Unternehmen aus den Industrieländern abgebaut. Dabei beuten sie einheimische Arbeitskräfte aus und schädigen die Umwelt. Die Weiterverarbeitung der Bodenschätze erfolgt oft tausende Kilometer vom Abbauort entfernt.

Globale Transportketten

Die unterschiedliche Verfügbarkeit von natürlichen Ressourcen und billigen Arbeitskräften auf der Welt führt dazu, dass Materialien, Zwischenprodukte, Fertigprodukte und Lebensmittel über weite Strecken transportiert werden. So wird die Baumwolle für ein T-Shirt von den USA nach Kambodscha transportiert und das fertige T-Shirt dann wieder zurück in die USA. Dieser Transport, der meist auf großen Frachtschiffen erfolgt, erfordert große Mengen an Treibstoff und belastet die Umwelt durch den Ausstoß von Schadstoffen und CO2.

Gewinner und Verlierer der Globalisierung

GEWINNER

2 Große internationale Unternehmen erzielen hohe Gewinne durch weltweiten Absatz.

2 Konsumentinnen und Konsumenten erhalten vielfältige und günstigere Produkte.

2 Länder wie China, Indien, Vietnam oder einige afrikanische Staaten konnten ihre Wirtschaft stark entwickeln und Millionen Menschen aus der Armut holen.

2 Gut ausgebildete Fachkräfte profitieren von neuen Jobs in globalen Unternehmen.

VERLIERER

2 Kleine regionale Unternehmen können mit den Preisen großer Firmen oft nicht mithalten.

2 Arbeitskräfte in manchen Niedriglohnländern arbeiten unter schlechten Bedingungen.

2 In Industrieländern können Arbeitsplätze verloren gehen, wenn Firmen Produktion ins Ausland verlagern.

2 Umwelt und Klima leiden unter wachsendem Ressourcenverbrauch und langen Transportwegen.

Um einen Ausgleich zwischen Gewinnern und Verlierern zu erreichen, fordern viele Expertinnen und Experten die Einführung weltweiter sozialer und ökologischer Mindeststandards.

Globale Handelsbeziehungen – globale Abhängigkeit

Die weltweiten Handelsbeziehungen führen dazu, dass ein Ereignis in einem Land weltweite Auswirkungen haben kann. So führte im Jahr 2007 der Zusammenbruch einiger Banken in den USA zu einer weltweiten Bank- und Finanzkrise, unter der auch die Bevölkerung zahlreicher anderer Länder zu leiden hatte.

Nun geht’s los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

Erstelle mit einer Partnerin oder einem Partner auf einem A4-Blatt eine Mind-Map zu diesem Thema!

„Globalisierung, wie betrifft sie mein Leben“?

Lies diesen Text aufmerksam durch! Unterstreiche dann beim zweiten Mal Lesen dir unbekannte Wörter und kläre sie mit dem ÖWB!

Bei diesen profitablen Unternehmen sind die Mitarbeiter am wütendsten (nach: Kathrin Werner, Süddeutsche Zeitung, 31. Mai 2023)

Die Arbeit im Supermarkt ist anstrengend: lange Stunden im grellen Licht, Lärm, viele Kunden – und dazu Ärger über steigende Preise. Kassiererinnen und Kassierer bekommen diesen Ärger oft direkt ab.

Kein Wunder also, dass der große US-Einzelhandelskonzern Walmart auf Platz 1 einer Liste steht, die Unternehmen mit hohen Gewinnen, aber besonders unzufriedenen Mitarbeitenden zeigt. Die Jobplattform Lensa verglich dafür Daten zu Gehältern und Arbeitszufriedenheit von 100 der bestverdienenden Firmen der Welt.

Walmart erreichte nur 0,41 von 10 Punkten, obwohl der Konzern weltweit über 10 000 Filialen hat und selbst mit „2,3 Millionen stolzen Walmart-Kollegen“ wirbt. Durchschnittlich verdienen Beschäftigte dort 40 439 Dollar im Jahr, viele Kassiererinnen und Lagerarbeiter erhalten aber nur den Mindestlohn von 14 Dollar pro Stunde. Konzernchef Doug McMillon begann als einfacher Arbeiter – heute verdient er über 25 Millionen Dollar jährlich. [...]

Auch UPS und Charter Communications (USA) sowie mehrere große chinesische Banken und Schifffahrtsfirmen haben unzufriedene Mitarbeitende. Dort sind die Gehälter zwar höher, aber viele würden ihren Job nicht weiterempfehlen.

Als einziges europäisches Unternehmen ist Dior auf der Liste. Der französische Luxuskonzern verdiente 2022 bei 79 Milliarden Euro Umsatz ganze 21 Milliarden Euro Gewinn, schaffte aber nur 1,26 von 10 Punkten bei der Mitarbeiterzufriedenheit. [...]

Deutsche Firmen wie BMW, Mercedes oder VW tauchten nicht auf der Negativliste auf. Im Gegenteil: Laut einer Umfrage in Deutschland sind 79 % der Beschäftigten mit ihrem Job zufrieden, deutlich mehr als im Vorjahr. Der wichtigste Grund für Zufriedenheit ist mit Abstand das Gehalt.

Fasse in 3–4 Stichpunkten zusammen, was die Untersuchung von Lensa ergeben hat!

Nenne zwei Unternehmen, die auf der Negativliste stehen, und zwei Gründe, warum ihre Mitarbeitenden unzufrieden sind!

Nimm Stellung, ob Unternehmen verpflichtet sein sollten, einen Teil ihrer Gewinne in bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne zu investieren!

Entwickelt in Partnerarbeit einen Vorschlag, wie man die Arbeitszufriedenheit bei internationalen Konzernen verbessern könnte! Stellt euren Vorschlag der Klasse in einem Kurzvortrag (max. 3 Minuten) vor! Die Klasse gibt euch Rückmeldung mithilfe von zwei Leitfragen:

2 Was fanden wir an eurem Vorschlag besonders überzeugend?

2 Was könnte noch verbessert oder ergänzt werden?

Überprüfe an den Etiketten deiner Kleidung, wo sie hergestellt wurde! Erstelle eine Karte und markiere die Herkunftsländer. Entwickelt in Kleingruppen Ideen, wie Mode in Zukunft gerechter und umweltfreundlicher hergestellt werden könnte! Stellt eure Ideen der Klasse vor und gebt euch gegenseitig Feedback!

6. DIE ENTKOLONIALISIERUNG

K1: Pakistan und Bangladesch

Abb. 1: Gandhi 1937 (wikipedia commons)

Hindu, der: Angehöriger der Religionsgemeinschaft Hinduismus

Slum, der: Armenviertel in Großstädten

Abb. 2 + 3 + Fließtext: Vergleiche die Unterschiede zwischen Arm und Reich in Indien!

Abb. 2: indisches Hochzeitspaar 2024 (CastaldoStudio)

Seit dem 15. Jahrhundert besaßen europäische Staaten Kolonien in Afrika und Asien. Nach dem Zweiten Weltkrieg wollten immer mehr dieser Kolonien unabhängig werden.

(vorm. Ost-Pakistan)

Viele Menschen dort hatten im Krieg für die Kolonialmächte gekämpft und wollten nicht länger als Menschen zweiter Klasse behandelt werden. Gleichzeitig waren die europäischen Mächte nach dem Krieg geschwächt, und weltweit gewannen demokratische Ideen an Bedeutung. Schon vor 1960 entstanden erste erfolgreiche Unabhängigkeitsbewegungen, zum Beispiel in Indien (1947) und Ghana (1957).

1960 erklärte die UNO, dass „alle Menschen ein Recht auf Selbstbestimmung“ haben. In der Folge entstanden in vielen Kolonien weitere Befreiungsbewegungen. In den meisten Ländern verlief die Entkolonialisierung schrittweise und friedlich, in einigen kam es jedoch zu blutigen Kämpfen.

Gewaltloser

Widerstand in Indien

Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg entstand in der britischen Kolonie Indien eine Unabhängigkeitsbewegung, an deren Spitze der Rechtsanwalt Mahatma Gandhi stand. Er trat für die politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit Indiens ein.

Gandhi lehnte jede Art von Gewalt ab und rief die Inderinnen und Inder zum gewaltlosen Widerstand gegen die britischen Kolonialherren auf. Sie sollten keine englischen Waren mehr kaufen, keine Steuern bezahlen und ihre Kinder nicht mehr in britische Schulen schicken. Immer mehr Menschen schlossen sich seiner Bewegung an. Viele seiner Anhängerinnen und Anhänger wurden bei friedlichen Demonstrationen festgenommen, verprügelt und getötet. Gandhi, der auch mehrmals verhaftet wurde, erhielt den Beinamen „Mahatma“, das heißt: „Dessen Seele groß ist“.

Auch zwischen den Anhängern und Anhängerinnen der beiden großen Religionen Indiens, den Hindus und den Moslems, kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen. 1947 wurde die Kolonie Britisch-Indien in zwei unabhängige Staaten geteilt: in das überwiegend hinduistische Indien und das überwiegend muslimische Pakistan. Durch diese Teilung mussten ca. 14,5 Mio. Menschen ihre Heimat verlassen. Bis heute stehen sich Indien und Pakistan feindlich gegenüber. Besonders gefährlich ist dabei die Tatsache, dass beide Länder über Atomwaffen verfügen.

In Indien gibt es auch im 21. Jh. noch große soziale Probleme. Obwohl das Kastensystem, das Menschen von Geburt an einer gesellschaftlichen Gruppe (Kaste) zuordnet, 1950 abgeschafft wurde, spielt dieses auch heute noch eine bedeutende Rolle in Indiens Gesellschaft. Viele Menschen können nicht lesen und schreiben, besonders benachteiligt sind Frauen und Mädchen. In armen ländlichen Gegenden müssen Kinder arbeiten, um das Überleben der Familie zu sichern.

Abb. 3: Ein kleiner Junge haut in einem Steinbruch Pflastersteine für den europäischen Markt (aufgenommen 2012 von Doreen Fiedler/deutsche Presseagentur)

SRI LANKA

GLOBALISIERUNG

Apartheid in Südafrika

Seit der Zeit der europäischen Eroberungsfahrten war die Südspitze Afrikas ein wichtiger Handelsstützpunkt auf dem Seeweg nach Asien. Niederländische Bauern, die sogenannten Buren, siedelten sich dort ab dem 17. Jahrhundert an und eigneten sich große Gebiete an. Die einheimische Bevölkerung wurde von ihnen unterdrückt und versklavt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts übernahmen die Briten die Herrschaft in Südafrika. Sie schafften zwar Mitte des 19. Jahrhunderts die Sklaverei ab, doch die weiße Minderheit blieb wirtschaftlich und gesellschaftlich stark bevorzugt.

Ab 1948 wurde die sogenannte Apartheid – also die strikte Trennung der Bevölkerungsgruppen nach „Rassen“ – durch viele Gesetze eingeführt und rechtlich abgesichert. Die weiße Minderheit erhielt Vorrang in allen Bereichen des Lebens: Sie durfte wählen, besaß politischen Einfluss, hatte Zugang zu guter Bildung und zu gut bezahlten Arbeitsplätzen. Schwarze und andere nichtweiße Menschen wurden dagegen als Menschen „zweiter Klasse“ behandelt. Sie mussten in getrennten Wohngebieten leben, hatten kaum Chancen auf höhere Bildung, bekamen meist nur sehr schlecht bezahlte Arbeit und durften nicht an Wahlen teilnehmen. Viele wurden in sogenannte „Homelands“ (Reservate) umgesiedelt, andere lebten als billige Arbeitskräfte in den Städten, jedoch ohne Bürgerrechte.

Buren: von Europäern abstammende Afrikaans sprechende Bevölkerung Südafrikas

Afrikaans: stammt von der holländischen Sprache ab

Im Laufe der Jahrzehnte wuchs der Widerstand gegen das Apartheidssystem immer weiter an. Proteste und Streiks wurden vom Staat mit harter Gewalt unterdrückt, tausende Aktivistinnen und Aktivisten wurden inhaftiert oder getötet. Auch die UNO und zahlreiche westliche Staaten übten zunehmend Druck auf Südafrika aus und verhängten wirtschaftliche und politische Sanktionen.

Erst in den 1990er-Jahren kam es zu einem grundlegenden politischen Wandel. 1994 fanden die ersten freien und demokratischen Wahlen in Südafrika statt. Nelson Mandela, der bereits 1944 der Unabhängigkeitsbewegung ANC beigetreten war, spielte dabei eine entscheidende Rolle. Er hatte den Widerstand gegen die Apartheid angeführt, war 1962 verhaftet und zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Nach 28 Jahren Gefängnis wurde er 1990 freigelassen. Statt zu Rache rief Mandela zu Versöhnung und friedlichem Zusammenleben von Schwarzen und Weißen auf. 1993 erhielt er den Friedensnobelpreis, 1994 wurde er der erste schwarze Präsident Südafrikas.

Seit 1996 garantiert die neue Verfassung allen Menschen in Südafrika die gleichen Rechte, unabhängig von Hautfarbe oder Herkunft. Nelson Mandela blieb bis 1999 Präsident und wurde weltweit zu einem Symbol für Gerechtigkeit, Versöhnung und Menschenrechte. Er verstarb im Dezember 2013.

Abb. 5: Nelson Mandela auf einem ANC-Kongress am 15. März 1994

(APA/Fotograf: WALTER DHLADHLA)

Abb. 4: Während der Apartheid wurden öffentliche Einrichtungen streng nach Bevölkerungsgruppen getrennt. Auch WC-Anlagen waren nur für bestimmte Gruppen zugelassen. Schild: „Toilets for Blacks, Asians and Coloureds“, Johannesburg 1977.

(APA/ Fotograf: Sven-Erik Sjöberg)

ANC: African National Congress

Abb. 4: Beschreibe, was auf dem Foto zu sehen ist (Person, Ort, Beschilderung)!

Erkläre den Begriff „Apartheid“ in eigenen Worten!

Analysiere, wie das Foto die Trennung von Bevölkerungs-gruppen während der Apartheid sichtbar macht!

Beurteile, welche Folgen ein solches System der Rassentrennung für eine Gesellschaft langfristig haben kann!

Markiere auf der Karte mindestens fünf afrikanische Staaten, die im Text genannt werden!

Nenne drei Gründe, warum viele afrikanische Staaten heute Vielvölkerstaaten sind!

Afrika heute

Nach dem Ende der Kolonialherrschaft in der Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden in Afrika viele neue Staaten. Die Grenzen dieser Staaten folgten meist den alten Kolonialgrenzen, die von den europäischen Mächten ohne Rücksicht auf die Lebensräume der afrikanischen Bevölkerungsgruppen gezogen worden waren. So wurden Völker mit unterschiedlichen Sprachen, Kulturen und Religionen oft in einen Staat gezwungen, während andere Volksgruppen durch Grenzen voneinander getrennt wurden.

Erkläre, wie historische Kolonialgrenzen bis heute Konflikte in afrikanischen Staaten beeinflussen können!

Entwickelt in Kleingruppen Zukunftsszenarien für ein afrikanisches Land eurer Wahl (z. B. Ghana 2040): Welche Entwicklungen könnten dort eintreten? Was braucht das Land, um diese Ziele zu erreichen? Nutzt dafür Internetrecherche, Atlanten, Schulbuchtexte oder andere Informationsquellen.

Heute sind viele afrikanische Staaten sogenannte Vielvölkerstaaten Diese kulturelle Vielfalt ist eine große Stärke Afrikas , führt aber auch immer wieder zu Spannungen. In manchen Ländern wie Nigeria, Äthiopien oder der Demokratischen Republik Kongo kommt es deshalb bis heute zu inneren Konflikten. Ein bekanntes Beispiel ist der Südsudan, der sich 2011 nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg vom Sudan abspaltete. Doch auch im neuen Staat kämpfen bis heute verschiedene Gruppen um die politische und wirtschaftliche Macht.

K2: Afrikanische Staaten

Gleichzeitig hat sich Afrika in den letzten Jahren wirtschaftlich stark entwickelt. In vielen Ländern wachsen Industrie, Handel und Dienstleistungen. Südafrika ist eines der wichtigsten Industrieländer des Kontinents mit einer großen Automobil- und Bergbauindustrie. In Äthiopien und Nigeria entstehen neue Textil- und Lebensmittelbetriebe, in Ghana und Ruanda entwickeln sich moderne Start-ups, die innovative Produkte anbieten. Auch der Tourismus spielt in Ländern wie Kenia, Tansania oder Marokko eine bedeutende Rolle für die Wirtschaft.

Ein besonders auffälliger Fortschritt ist die Digitalisierung. In vielen afrikanischen Ländern gibt es mehr Handys als Bankkonten. Mobile Bezahlsysteme wie M-Pesa in Kenia oder MTN Mobile Money in Ghana ermöglichen auch Menschen ohne Bankzugang, Geld zu überweisen, Rechnungen zu bezahlen oder kleine Unternehmen zu gründen. Landwirtschaftliche Apps informieren über Wetter, Preise und Anbaumethoden, wodurch Ernten verbessert werden können. In Ruanda transportieren Drohnen Medikamente und Blutkonserven in abgelegene Regionen.

Trotz dieser positiven Entwicklungen gibt es weiterhin große Herausforderungen: In vielen Ländern fehlt es an gut ausgebauten Schulen, Krankenhäusern und Straßen. Viele Menschen leben noch in Armut, und Korruption sowie politische Instabilität behindern den Fortschritt. Dennoch ist Afrika heute ein Kontinent im Wandel –mit großen Chancen, aber auch großen Problemen, die von Land zu Land sehr unterschiedlich sind.

7. INTER- UND TRANSKULTURELLE PHÄNOMENE

Studentenunruhen und Protestbewegungen

In den 1960er-Jahren entstanden zuerst in den USA und etwas später auch in Westeuropa Protestbewegungen. Junge, kritische Menschen, meist Studentinnen und Studenten, wandten sich gegen den konservativen Lebensstil ihrer Eltern. Zunächst demonstrierten sie für bessere Studienbedingungen, später wurden ihre Forderungen politischer.

Sie protestierten gegen die konservativen Regierungen der Nachkriegsjahre, denen sie vorwarfen, nur am wirtschaftlichen Aufschwung und an militärischer Macht interessiert zu sein. In Paris und Berlin kam es zu blutigen Zusammenstößen zwischen Demonstrierenden und Polizei. Verhaftungen und Demonstrationsverbote folgten. Die breite Bevölkerung hatte wenig Verständnis für die Forderungen der Jungen und deren Bewunderung für Revolutionäre wie Mao Tse-tung in China oder den Südamerikaner Che Guevara.

Hippies: „Make love – not war“

Von San Francisco (USA) ausgehend entstand in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre auch eine friedliche Protestbewegung gegen die Wohlstandsgesellschaft.

Die Hippies, auch Blumenkinder genannt, strebten nach einer friedfertigen und gewaltlosen Welt. Ihr Symbol waren Blumen, die sie Soldaten und Polizisten bei Demonstrationen in die Gewehrläufe steckten. So entstand der Begriff „flowerpower“. Die Hippies trugen bunte Kleider, Stirnbänder, Sandalen und lange Haare. Sie wollten nicht so leben wie ihre Eltern und verurteilten das Streben nach Wohlstand und das Festhalten an althergebrachten Werten wie Fleiß, Gehorsam, Disziplin und Respekt.

Die Hippies lebten in Kommunen zusammen. Sie traten für die freie Liebe und die Legalisierung von Drogen wie LSD und Haschisch ein.

love-in: Protestveranstaltung, bei der es zu sexuellen Handlungen kommt

Kommune, die: hier: Wohngemeinschaft, die bürgerliche Vorstellungen ablehnt

Legalisierung, die: etwas gesetzlich erlauben

Abb. 3: Stelle die Hippie-Mode dem aktuellen Modetrend gegenüber!

Was wurde damals mit Mode ausgedrückt, was heute?

Bewerte die Übernahme von Symbolen wie der Kleidung!

Was soll damit zum Ausdruck gebracht werden?

Abb. 2: Hippies übergeben vor dem Buckingham Palast eine Einladung zu einem „love-in“ an die Queen 1976 (McRae Books Srl)

Abb. 3: Typische Mode der Hippies (RZ nach einem Foto)
Abb. 1: Demonstration gegen den Vietnamkrieg, Berlin, 1967 (APA/Fotograf: Volkmar Hoffmann)

Popmusik als Lebensgefühl und Lebensstil

Popmusik wird heute beinahe überall auf der Welt verstanden, gespielt und gehört. Diese Musikform entstand in den 1950er-Jahren aus Elementen des Rock ’n‘ Roll, der Beatmusik und des Folk in den USA. Als dann 1960 vier junge Musiker aus Liverpool eine Band mit dem Namen „The Beatles“ gründeten, wurde diese angloamerikanische Musik weltweit verbreitet. Mit ihrer Pilzkopffrisur und ihrer Beatmusik lösten die Beatles eine Begeisterungswelle bei ihren Fans aus, wie sie nur der junge Elvis Presley in den 1950er-Jahren erzeugt hatte.

Abb. 5: Collage: links das Musikfestival Woodstock 1969 (APA/TopFoto); rechts Jimi Hendrix (RZ)

Abb. 6: Mode zur Zeit der Disco-Musik (Bluberries) Ästhetik, die: Geschmack

Ghetto, das: Stadtviertel, in dem diskriminierte Minderheiten zusammenleben

hochpromoten: für etwas stark Werbung machen

Abb. 3 – 7: Beschreibt anhand der Abbildungen 3–, wie sich Mode und Musikstile im Lauf der Zeit verändert haben.!

Erstellt anschließend in Kleingruppen ein Zeitstrahl-Plakat „Musik & Mode im Wandel!

In den 1960er-Jahren diente die Popmusik einer ganzen Generation dazu, ein gemeinschaftliches Lebensgefühl und eine gemeinsame Ästhetik (z. B. Mode) zu vermitteln. Im August 1969 fand in Woodstock in der Nähe von New York ein großes Musikfestival statt, das drei Tage lang dauerte. Bekannte Bands wie „The Who“ und Santana, aber auch Musiker wie Joe Cocker, Jimi Hendrix und Joan Baez traten auf. Woodstock wurde zum Symbol der Jugendkultur dieser Zeit und stand für Frieden und Musik.

Während in den 1970er-Jahren die „Disco-Musik“ das Lebensgefühl einer ganzen Generation und auch die Mode prägte, verlor die Popmusik ab den 1980erJahren ihren Anspruch als jugendkulturelles Phänomen. Sie war vielmehr zu einem gesellschaftlich akzeptierten Bestandteil der Alltagskultur geworden, da sie auch von einem erwachsenen Publikum konsumiert wurde.

In den 1990er-Jahren sollte ein neuer Musikstil, der Rap, der in den USA als Ausdrucksform der schwarzen Jugendlichen in den Großstadt-Ghettos entstand, eine deutliche Abgrenzung der Milieus aufzeigen. Die Texte dieses schnellen, rhythmischen und markanten Sprechgesangs handeln oft von den Problemen der Kriminalität und Drogen und setzen sich mit politischen und sozialen Themen auseinander.

Entdeckt wurde dieser neue Trend von den Medienkonzernen, die den Rap zu einem global populären Musikstil „hochpromoteten“. Der Kleidungsstil der Hip-HopBewegungen wurde zu einem Modetrend, der jedoch stark männerdominiert ist. Frauen der Hip-Hop-Szene benutzen nur einzelne Elemente dieses Dresscodes, den man an den extrem weiten Schnitten bei Hosen und Oberteilen und an Kleidungsstücken, die aus dem Sportbereich stammen, erkennt.

Ausblick

Abb. 7: Rapper mit typischer Hip-Hop-Kleidung (PhotoObjects.net)

In den letzten Jahren haben sich die Musikproduktion und der Musik-konsum durch das Internet deutlich verändert. So kann heute jede und jeder mit Hilfe des Computers bzw. der KI, Musikstücke produzieren und sie auf Plattformen wie YouTube hochladen. Ebenso können interessante Stücke kostenlos über Filesharing wie Peer-to-Peer-Netzwerke oder gegen Entgelt bei kommerziellen Anbietern aus dem Internet heruntergeladen werden.

Abb. 4: The Beatles (1960)

Der Siegeszug des Internets

Das Internet, wie wir es heute kennen, entstand 1973 – der Startschuss wurde aber schon früher gelegt:

Nachdem die Sowjetunion als erste Supermacht einen Satelliten in das Weltall geschickt hatte, wurde in den USA die ARPA (Advanced Research Projects Agency) gegründet. Diese Forschungsbehörde sollte alle Forschungseinrichtungen der USA vernetzen.

Die ARPA entwickelt eine neue Netzwerk-Technologie, das ARPANET. Ab nun wurden die Daten nicht mehr zentral sondern auf vielen verteilten Rechnern gespeichert.

Das ARPANET wurde von der US-Regierung zu militärischen Zwecken in Betrieb genommen. Es bestand anfangs aus einem Netz mit vier Knoten für den ein spezialisierter Adressierungscomputer (Router) entwickelt wurde. Dieses Netz war einer Telefonleitung ähnlich, bei der der Fluss der Datenpakete durch Router organisiert wird.

diesen Jahren wurde zuerst das E-Mail entwickelt, aber auch der Name „Internet“ erfunden.

Ab diesem Jahr verbreitete sich diese neue Technologie zuerst über Universitäten in den USA, um dann die ganze Welt zu erfassen. 1990 entwickelte die europäische Forschungseinrichtung CERN das World Wide Web (www). Dies war der Startschuss für die weltweite private Nutzung des Internets.

D1: Weltweite Vernetzung

Als 1993 der erste grafikfähige Webbrowser mit dem Namen Mosaic veröffentlicht und zum kostenlosen Download angeboten wurde, war der Siegeszug des Internets nicht mehr aufzuhalten. Von nun an konnten auch Laien auf das Netz zugreifen, was zu einer stetig wachsenden Zahl von Nutzern, aber auch von kommerziellen Angeboten im Netz führte. Waren Internet und E-Mail Anfang und Mitte der 1990er Jahre eher Exoten und Computerkennern vorbehalten, die sich auf diese neuartige Technik verstanden, ist heute der Datenaustausch über den Computer längst ein Massenphänomen. Der vernetzte Computer entwickelt sich zum wichtigsten universalen Werkzeug des 21. Jahrhunderts.

Aus: http://www.planet-wissen.de/technik/computer_und_roboter/das_internet/index.html (15. 2. 2025)

Die Verbreitung des Internets gilt als eine der größten Veränderungen des Informationswesens seit der Erfindung des Buchdrucks und hat viele Lebensbereiche weltweit verändert.

Schattenseiten des Internets

Das Internet hat auch problematische Seiten: Cyberkriminalität nimmt stark zu, und persönliche Daten können missbraucht werden. Jede und jeder kann Informationen veröffentlichen, die falsch oder manipuliert sein können (Fake News). Auch Hass im Netz und Cybermobbing sind große Probleme – besonders für Jugendliche. Außerdem beeinflussen Algorithmen und Bots, welche Inhalte wir zu sehen bekommen, und können damit die Meinungsbildung gezielt steuern

Das erste Lebewesen im All

Am 3. 11. 1957 schickte die Sowjetunion ihren zweiten Satelliten – Sputnik 2 – mit der Hündin Laika an Bord in den Weltraum. Die Hündin überlebte dieses Abenteuer nicht, doch konnten wichtige Daten für die spätere bemannte Raumfahrt gesammelt werden.

Abb. 8: Die Hündin Laika wird für den Start vorbereitet (RZ)

Abb. 8 + Fließtext: Erkläre, wie der Start von Sputnik 1 und Sputnik 2 mit Laika zur Gründung der ARPA führten – der Forschungsbehörde, aus der später das Internet entstand!

CERN: Europäische Organisation für Kernforschung in der Schweiz World Wide Web, das: weltweites Netz

D1: Für dich ist der Umgang mit dem Internet eine Selbstverständlichkeit. Führe ein Interview mit deinen Eltern oder Großeltern, um mehr über ihre ersten Erfahrungen mit dem Internet zu erfahren!

Wann hast du das Internet zum ersten Mal benutzt? Wofür hast du es verwendet? Wie hast du dich dabei gefühlt? Was war im Vergleich zu heute anders?

Stelle die wichtigsten Ergebnisse in der Klasse vor!

Nun geht’s los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

Entscheide, um welche Gefahren des Internets es sich handelt und was du dagegen tun kannst! Ziehe dazu Linien!

Peinliche Fotos, beleidigende Kommentare oder Bemerkungen über andere Personen werden in den sozialen Medien veröffentlicht.

Einzelne Menschen oder Gruppen von Menschen werden in sozialen Medien beschimpft oder es wird zu Gewalt gegen sie aufgerufen.

Selbst wenn Inhalte, die einmal im Internet veröffentlicht worden sind, gelöscht werden, können diese später ganz wo anders wieder auftauchen.

Dabei handelt es sich meist um gefälschte E-Mails mit der Aufforderung, Passwörter oder Kontoinformationen bekannt zu geben.

Dabei handelt es sich um Falschmeldungen, die über soziale Medien verbreitet werden. Sie sehen aus wie echte Nachrichten.

Klicke niemals die Links in solchen Mails an.

Überprüfe, ob die Nachricht auch in anderen Medien vorkommt.

Überlege dir gut, bevor du Daten oder Fotos von dir ins Internet stellst.

Melde solche Postings der Betreiberin/dem Betreiber der Webpage.

Bist du selbst betroffen, wende dich an deine Eltern oder Lehrer.

Wähle nun ein Jahrzehnt aus, das dich besonders interessiert! Erstelle auf dem Computer mit Hilfe des Internets eine Kurzreportage über diese Zeit! Achte dabei auf folgende Kategorien: Gesellschaft & Alltag (Mode, Freizeit, Wohnen, Schule, Jugendkultur …), Kultur (Musik, Filme, Kunst, Literatur …), Technik & Medien (neue Erfindungen, Kommunikation, wichtige Entwicklungen), Politik & Geschichte (wichtige Ereignisse, Konflikte, Veränderungen)!

Für Expertinnen und Experten – Welche zwei Erklärungen passen nicht? Kreuze an!

ARPANET

Computernetzwerk, das eine Kommunikation zwischen Computer-Nutzernmehreren ermöglichte.

WEB2.0

Dieses MitmachNetz macht es möglich, eigene Inhalte ins Netz zu stellen.

Mosaic

Bei dieser Technik, werden verschieden geformte Teile zu Mustern zusammengefügt.

Ghetto

Dabei handelt es sich um ein von der Mehrheitsbevölkerung abgesondertes Wohnviertel.

Sputnik

Dieser US-Satellit erreichte als erster 1957 die Erdumlaufbahn.

Formuliere als Expertin oder Experte zwei Ratschläge auf diese Anfrage für den richtigen Umgang mit dem Internet!

Ich weiß, dass ich meine persönlichen Informationen nicht weitergeben darf. Aber wie mache ich das bei einem Gewinnspiel? Migel

Gib hier zwei Tätigkeiten an, die du am liebsten im Internet machst! Notiere auch, welche Gefahren damit verbunden sein können!

So schätze ich mich nach dem Großkapitel „Globalisierung im 20. und 21. Jh.“ selbst ein: Kreuze jenen Daumen an, der für dich am ehesten zutreffend ist!

Ich kann…

…die Gründung der Vereinten Nationen und ihre Ziele erklären.

…die Organe der UNO und ihre Aufgaben beschreiben.

…die Bedeutung der Menschenrechte in der UNO-Charta analysieren.

…die Auswirkungen der UNO auf globale Friedenssicherung bewerten.

…erklären, warum es nach dem Zweiten Weltkrieg zur Spaltung zwischen Ost und West kam.

…die Unterschiede zwischen Kapitalismus und Kommunismus darstellen.

…die Ziele und Folgen des Marshallplans analysieren.

…die Rolle von Stellvertreterkriegen im Kalten Krieg erklären.

…diskutieren, ob das Wettrüsten wirklich zur Friedenssicherung beigetragen hat.

…den Begriff „Globalisierung” definieren und seine Ursachen nennen.

…die Vorteile und Nachteile der Globalisierung für verschiedene Gesellschaftsgruppen erläutern.

…diskutieren, inwieweit die Globalisierung soziale Ungleichheiten verstärkt oder abbaut.

…erklären, warum Unternehmen in Ländern mit schwachen Arbeitsrechten produzieren

…eigene Konsumentscheidungen reflektieren und umwelt- und sozialbewusste Alternativen entwickeln.

…die Ursachen und den Verlauf der Entkolonialisierung in Afrika und Asien erklären.

…die Bedeutung der willkürlich gezogenen Grenzen in Afrika für heutige Konflikte erklären.

…die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Afrikas im 21. Jahrhundert bewerten.

…diskutieren, inwiefern das Internet eine neue Form der Globalisierung darstellt.

Buchtipps

Um deine Kompetenzen noch mehr zu steigern, hier unsere Buchtipps:

für besonders Wissensdurstige

Malala Yousafzai, Christina Lamb: Ich bin Malala: Das Mädchen, das die Taliban erschießen wollten, weil es für das Recht auf Bildung kämpft (Knaur TB 2014).

Nelson Mandela: Der lange Weg zur Freiheit: Autobiographie (FISCHER Taschenbuch 1997).

1. WAS IST EUROPA?

Wie viele Kontinente gibt es?

Wie viele Kontinente es gibt, ist nicht eindeutig festgelegt. In vielen Ländern ist das Modell mit sieben Kontinenten (Europa, Asien, Afrika, Nordamerika, Südamerika, Australien, Antarktika) üblich. In manchen Regionen, zum Beispiel in Teilen Lateinamerikas, werden Nord- und Südamerika als ein Kontinent („Amerika“) gezählt. Andere Modelle fassen Europa und Asien zu „Eurasien“ zusammen, weil sie geografisch eine zusammenhängende Landmasse bilden. Die Trennung in Europa und Asien ist vor allem historisch und kulturell begründet.

Levante, die: östliche Mittelmeerküste und ihr Hinterland; die heutigen Staaten: Syrien, Libanon, Israel, Jordanien sowie die palästinensischen Autonomiegebiete und die türkische Provinz Hatay

Subkontinent, der: geografisch eigenständiger großer Teil eines Kontinents

ideell: die Idee betreffend

D1+2+3 Arbeite heraus, welche Frage mit allen drei Darstellungen beantwortet werden soll!

Fasse die unterschiedlichen Sichtweisen zu Europa mit eigenen Worten zusammen!

Vergleiche die drei Darstellungen und achte dabei auf die unterschiedlichen Gewichtungen in den Aussagen!

Diskutiert gemeinsam in der Klasse, ob Europa ein Kontinent ist! Argumentiere deine Meinung mit mindestens drei Begründungen!

Beurteile, welche Definition von Europa (geographisch, kulturell, politisch, wirtschaftlich) für dich am wichtigsten ist – und begründe deine Entscheidung!

Unterschiedliche Blickwinkel auf Europa

D1: Der zweitkleinste Kontinent

Der Erdteil Europa ist mit rund 10 Mio. km² der nach Australien zweitkleinste Kontinent der Erde. Mit seinen rund 740 Mio. Bewohnern und Bewohnerinnen ist er aber sehr dicht besiedelt. […] Es lässt sich nur schwer eine tatsächliche Grenze zwischen den beiden Kontinenten [Europa und Asien] ziehen, deshalb hat man sich aus geografischer Sicht auf folgende Grenze geeinigt: Uralgebirge – Uralfluss – Kaspisches Meer –Kaukasus – Schwarzes Meer – Bosporus – Ägäis. Aus: Herndl, Karin; Schreiner, Eva: Geografie für alle 4. Wien (2015), S. 5

D2: Ein politisch-kultureller Raum

Europa ist ein politisch-kultureller Raum. Der geographisch-kulturelle Kern dieser ersten Vorstellung von Europa ist der gesamte Mittelmeerraum –Kleinasien, die Levante, Ägypten und Nordafrika einbeziehend. Und dieses Europa – jedenfalls seine mehr als drei Jahrtausende dauernde politische und kulturelle Entwicklung – reicht sogar über diesen geographischen und kulturellen Raum hinaus. Am Beginn des politischen Europas aber stehen das klassische Griechenland, der Hellenismus und das Römische Reich. http://www.bpb.de/internationales/europa/europa-kontrovers/38020/standpunkt-dietmar-herz (26.8.2017)

D3: Europa ist Musik

Auf die Frage, was Europa sei, gibt es viele Antworten. Eine lautet: Europa ist Musik – und die Musik zeigt Europas Vielfalt. Stellen wir uns als Gedankenexperiment vor, Europa wäre musikalisch stumm. Wäre die Vorstellung auszuhalten? – Wohl kaum. Und falls doch, welche Musik würden wir besonders schmerzlich vermissen? Die Bewohner der einzelnen Nationen, aber auch die jeweiligen Generationen würden wahrscheinlich sehr unterschiedliche Antworten geben – so unterschiedlich, wie es der kulturellen Vielfalt Europas entspricht. http://www.bpb.de/internationales/europa/europa-kontrovers/38029/standpunkt-wolfgang-rathert (26.8.2017)

Eine allgemein gültige Definition?

Die Frage, ob es eine allgemein gültige Definition für Europa gibt, lässt sich mit einem klaren Nein beantworten. Üblicherweise wird Europa als eigenständiger Kontinent angesehen. Geographisch betrachtet ist Europa jedoch ein Subkontinent, der mit Asien zusammen den Kontinent Eurasien bildet.

Dies zeigt, dass „Europa“ nicht nur mit Bezug auf geographische Aspekte, sondern – je nach Blickwinkel – auch durch historische, kulturelle, politische, wirtschaftliche, rechtliche und ideelle Aspekte definiert wird. Definitionen von „Europa“ sind somit immer das Ergebnis gesellschaftlicher Übereinkünfte Europa ist, was als Europa bezeichnet wird. In unterschiedlichen Zusammenhängen stößt man daher auf sehr unterschiedliche Definitionen, die immer in ihrem jeweiligen Zusammenhang betrachtet werden müssen.

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Untersucht in Gruppen, wie sich die Vorstellung von Europa im Laufe der Geschichte verändert hat! Ordnet folgende Ereignisse auf einer Zeitleiste und notiert jeweils kurz, wie Europa damals verstanden wurde:

• Antike: Europa als geografischer Raum in der griechischen Welt

• 800: Krönung Karls des Großen zum Kaiser

• 1648: Westfälischer Friede – Europa als Staatensystem

• 1957: Römische Verträge – Beginn der europäischen Integration

• Heute: Europäische Union Nutzt dazu euren Atlas und das Geschichtsbuch. Präsentiert eure Zeitleiste kurz in der Klasse!

Erstellt eine Zeitleiste mit den wichtigsten Meilensteinen (z. B. Antike, Mittelalter, Renaissance, Neuzeit, EU-Gründung)!

3

Präsentiert eure Ergebnisse in Form eines Kurzvortrags oder einer digitalen Präsentation!

Europa ist für jeden etwas anderes! Was ist Europa für dich? Formuliere deine Gedanken, die du mit dem Begriff Europa verbindest in mindestens 50 Wörtern!

Erstellt in Partnerarbeit eine Collage, in der ihr die kulturelle Vielfalt Europas darstellt!

Nun geht’s los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

Lies die folgenden Informationstexte und betrachte die Karten aufmerksam! Anschließend vergleiche die geografische Definition Europas mit den Beispielen dieser europäischen Organisationen! Welche Unterschiede fallen dir auf? Notiere diese in deinem Heft!

1954 wurde in Basel die UEFA gegründet. Ihre Aufgabe ist es, die „European football community“ zu stärken und zu entwickeln. Heute sind 49 Staaten Mitglied der UEFA.

Die Aufgabe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) ist die Friedenssicherung sowie der Aufbau nach Konflikten. Nach Stand 2016 hat die OSZE 57 Mitgliedsstaaten.

Seit 1956 findet jährlich der Eurovision Song Contest (ESC) statt, ein internationaler Musikwettbewerb, der von der Europäischen Rundfunkunion (EBU) organisiert wird.

Länder, die 2024 am Finale teilnahmen

Länder, die sich nicht für das Finale qualifiziert haben

Länder, die vom Finale ausgeschlossen wurden

Länder, die in der Vergangenheit teilgenommen haben, jedoch nicht 2024

Informiert euch im Internet über folgende europäische Organisationen:

2 Europäischer Gewerkschaftsbund

2 Europäische Umweltagentur (EEA)

2 CERN

2 Europäische Zentralbank (EZB)

2 Europarat

2 Europäische Weltraumorganisation (ESA

Wählt eine dieser Organisationen aus und gestaltet eine übersichtliche Darstellung (z. B. Tabelle, Poster oder Concept-Map) mit folgenden Punkten:

2 Aufgaben & Ziele

2 Einfluss & Bedeutung

2 Mitgliedsstaaten

2 Beispiele aktueller Projekte oder Entscheidungen

Präsentiert eure Organisation der Klasse mit eurer Darstellung!

Mind-Map: Ideen rund um ein Thema sammeln.

Concept-Map: Begriffe und ihre Beziehungen mit Pfeilen darstellen.

OSZETeilnehmerstaaten
Partnerstaaten

2. AUF DEM WEG ZUR EUROPÄISCHEN UNION

1951 entstand auf Initiative des französischen Außenministers Robert Schuman die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), die auch Montanunion genannt wurde. Diese gilt als Vorläufer der heutigen EU.

Q1: Robert Schuman anlässlich der Regierungserklärung 1950

Der Friede der Welt kann nicht gewahrt werden ohne schöpferische Anstrengungen, die der Größe der Bedrohung entsprechen. Der Beitrag, den ein organisiertes und lebendiges Europa für die Zivilisation leisten kann, ist unerläßlich für die Aufrechterhaltung friedlicher Beziehungen. Frankreich, das sich seit mehr als zwanzig Jahren zum Vorkämpfer eines Vereinten Europas macht, hat immer als wesentliches Ziel gehabt, dem Frieden zu dienen. Europa ist nicht zustande gekommen, wir haben den Krieg gehabt. Europa läßt sich nicht mit einem Schlage herstellen und auch nicht durch eine einfache Zusammenfassung: Es wird durch konkrete Tatsachen entstehen, die zunächst eine Solidarität der Tat schaffen. Die Vereinigung der europäischen Nationen erfordert, daß der Jahrhunderte alte Gegensatz zwischen Frankreich und Deutschland ausgelöscht wird. Das begonnene Werk muß in erster Linie Deutschland und Frankreich erfassen. [ …]

Die französische Regierung schlägt vor, die Gesamtheit der französischdeutschen Kohle- und Stahlproduktion einer gemeinsamen Hohen Behörde zu unterstellen, in einer Organisation, die den anderen europäischen Ländern zum Beitritt offensteht.

Die Zusammenlegung der Kohle- und Stahlproduktion wird sofort die Schaffung gemeinsamer Grundlagen für die wirtschaftliche Entwicklung sichern – die erste Etappe der europäischen Föderation – und die Bestimmung jener Gebiete ändern, die lange Zeit der Herstellung von Waffen gewidmet waren, deren sicherste Opfer sie gewesen sind.

Aus: http://www.europa.clio-online.de/Portals/_Europa/documents/fska/Q_2005_FS7-06.pdf (16. 1. 2025

Meilensteine der europäischen Integration

Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft

Im Jahre 1957 beschlossen die Mitgliedsstaaten der Montanunion, ihre Zusammenarbeit auszuweiten. Mit der Unterzeichnung des Vertrags von Rom gründeten sie die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG). Die EWG setzte sich für die Schaffung eines gemeinsamen Marktes ein, der diese vier Freiheiten beinhaltete:

Zivilisation, die: Gesamtheit der durch den technischen und wissenschaftlichen Fortschritt geschaffenen und verbesserten sozialen und materiellen Lebensbedingungen

Föderation, die: Bündnis zwischen Staaten

Q1: Fasse zusammen, welches Problem Schuman in Europa nach dem Krieg sieht! Erkläre, welche konkreten Maßnahmen er zur Lösung dieses Problems vorschlägt! Beurteile, wie diese Maßnahmen zur Sicherung des Friedens und zur Verringerung der Waffenproduktion beitragen sollen! Nimm in Form eines Leserbriefes Stellung zu den von Schumann vorgeschlagenen Maßnahmen!

europäische Integration, die: Erweiterung um neue Mitgliedsländer

Ziele der EWG

1. Waren: keine Zölle

2. Personen: Mobilität innerhalb der EWG

3. Dienstleistungen: Arbeitnehmer dürfen in jedem Land der EWG arbeiten.

4. Kapital: Man kann sein Vermögen in jedem Land der EWG anlegen.

Abb.1: Erkläre mit eigenen Worten, was der freie Personenverkehr bedeutet, wenn man innerhalb der EWG verreisen will! Gehe dabei darauf ein, dass Menschen in einem anderen EWGMitgliedsstaat leben und arbeiten dürfen, ohne dafür eine besondere Erlaubnis zu brauchen! Denke daran: Das bedeutet nicht, dass Grenzkontrollen wegfallen –Pässe werden beim Reisen trotzdem kontrolliert, da das Schengen-Abkommen erst später beschlossen wurde.

1. WAREN
3. DIENSTLEISTUNGEN 4.

EUROPÄISIERUNG

Vertrag von Maastricht

• gemeinsame Außenund Sicherheitspolitik

• gemeinsame Währung geplant

Ebenso wurde die Europäische Atomgemeinschaft (EURATOM) gegründet, um eine gegenseitige Kontrolle der Nutzung von Kernenergie zu gewährleisten. Darüber hinaus verfolgt die EURATOM das Ziel der Friedenssicherung.

Von der EWG zur EG und schließlich zur EU

1967 schlossen sich die EGKS, die EWG und die EURATOM zu den Europäischen Gemeinschaften (EG) zusammen. In den folgenden Jahren traten immer mehr Staaten der EG bei. 1993 wurde die EG mit dem Vertrag von Maastricht zur Europäischen Union (EU) umgewandelt.

Binnenmarkt, der: gemeinsamer Markt zwischen verschiedenen Staaten

Schengen: Stadt in Luxemburg

Buchgeld, das: keine Münzen oder Scheine; scheint nur auf einem Konto oder Sparbuch auf

Informiere dich, welche Auswirkungen die Flüchtlingsbewegung ab dem Jahr 2015 auf das Schengener Abkommen hatte!

Fasse deine Erkenntnisse in 3 – 5 Sätzen zusammen!

Die Gemeinschaft

wächst

1973: Dänemark, Irland und Großbritannien

1981: Griechenland

1986: Spanien und Portugal

1995: Österreich, Finnland und Schweden

2004: Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechische Republik, Ungarn, Malta, Zypern

2007: Bulgarien und Rumänien

2013: Kroatien

2020: Großbritannien tritt aus der EU aus („Brexit“)

Derzeit führt die EU Beitrittsverhandlungen mit Albanien, Nordmazedonien, Montenegro, Serbien und der Türkei. Weitere Beitrittskandidaten sind u. a. Bosnien und Herzegowina, die Ukraine und Moldau.

Abb. 2: Mitgliedsstaaten der EU 2024

Das Vereinte Europa

Im Jahr 1993 trat der Europäische Binnenmarkt in Kraft. Die Öffnung der innereuropäischen Grenzen ermöglicht es allen Bürgerinnen und Bürgern eines EULandes, sich in einem europäischen Land ihrer Wahl niederzulassen und dort Arbeit anzunehmen. Mit dem Schengener Abkommen von 1995 fielen nun endgültig die Grenzkontrollen zwischen jenen Staaten, die dem Abkommen beitraten. Nur mehr die Außengrenzen der Schengen-Staaten werden kontrolliert.

Schließlich führten 11 der 15 Mitgliedsstaaten am Neujahrstag 1999 eine einheitliche europäische Währung, den Euro, als Buchgeld ein. Münzen und Scheine wurden am 1. Jänner 2002 ausgegeben

2007 wurden mit dem Vertrag von Lissabon die Institutionen der EU modernisiert. Da die EU sehr groß geworden war, musste eine demokratische Aufteilung der Aufgabenbereiche der Europäischen Union vorgenommen werden. 2009 trat der Vertrag nach langen politischen Differenzen in Kraft.

Einige Bestimmungen aus dem Lissaboner Vertrag:

• Die nationalen Parlamente werden stärker in die Entscheidungsfindungen der EU eingebunden.

• Bürgerinitiativen werden gesetzlich verankert.

• Die Charta der Grundrechte (Freiheit, Solidarität und Sicherheit) wird allgemein rechtsgültig – bei Verletzung dieser Grundrechte kann geklagt werden.

• Es wird geregelt, wie ein Staat aus der EU austreten kann.

3. DAS JAHR 1989 VERÄNDERT EUROPA

In den 1970er-Jahren zeigten sich erste Anzeichen, dass die Sowjetunion (UdSSR) in Schwierigkeiten steckte. Die zentral gesteuerte Planwirtschaft mit ihren starren Fünfjahresplänen konnte den steigenden Bedarf der Bevölkerung immer schlechter decken. Misswirtschaft, mangelnde Innovation und sehr hohe Militärausgaben führten dazu, dass viele Produkte des täglichen Lebens knapp wurden. Die meisten Menschen lebten in Armut, und die kommunistische Partei kontrollierte alle Lebensbereiche und ließ keine Kritik zu.

In den 1980er-Jahren verschärften sich die Probleme weiter: Der Krieg in Afghanistan (1979–1989) entwickelte sich zu einem militärischen und finanziellen Desaster. Die Nuklearkatastrophe im Kernkraftwerk Tschernobyl 1986, die von der sowjetischen Führung zunächst vertuscht wurde, führte zu Misstrauen im eigenen Land und zu Spannungen mit westlichen Nachbarstaaten.

Gorbatschows Reformen

1985 wurde Michail Gorbatschow Generalsekretär der Kommunistischen Partei und Staatschef. Er wollte das System modernisieren und die Wirtschaft beleben. Unter den Schlagwörtern Perestroika (Umgestaltung) und Glasnost (Transparenz) wurden private Unternehmen zugelassen, freie Meinungsäußerung ermöglicht und 1990 erstmals auch andere Parteien zu Wahlen zugelassen. Diese Reformen leiteten einen Demokratisierungsschub in ganz Osteuropa ein; dafür erhielt Gorbatschow 1990 den Friedensnobelpreis.

Zerfall der UdSSR

1991 scheiterte ein Putschversuch kommunistischer Hardliner gegen Gorbatschow. In der Krise stellte sich der Präsident der russischen Teilrepublik, Boris Jelzin, an die Spitze des Widerstands. Kurz darauf lösten sich mehrere Unionsrepubliken von der UdSSR, Gorbatschow trat zurück und die Sowjetunion wurde aufgelöst. Aus der russischen Teilrepublik entstand die Russische Föderation, deren erster Präsident Jelzin wurde.

Doch auch er und sein Nachfolger Wladimir Putin konnten die tiefen wirtschaftlichen und sozialen Probleme nicht dauerhaft lösen: Armut, Korruption und politische Repression prägen Russland bis heute.

Das Ende der Volksdemokratien …

Die Politik Michail Gorbatschows hatte auch Auswirkungen auf die kommunistisch regierten Staaten in Osteuropa. 1989 lösten sich viele dieser Länder vom Kommunismus und beendeten ihre politische Abhängigkeit von der Sowjetunion, während einige der ehemaligen Sowjetrepubliken in den folgenden Jahren ihre staatliche Unabhängigkeit erklärten.

…in Ungarn

Ungarn war das erste osteuropäische Land, das 1989 nach dem Zusammenbruch der UdSSR seine Grenzen zum Westen öffnete. Der damalige österreichische Außenminister Alois Mock durchtrennte gemeinsam mit seinem ungarischen Amtskollegen Gyula Horn den Stacheldraht zwischen Österreich und Ungarn und öffnete so symbolisch den „Eisernen Vorhang“. Ungarn hatte damit entscheidenden Anteil an der politischen Wende in den Ostblockstaaten.

Abb. 1: Michail Gorbatschow

Nuklearkatastrophe, die: schwerer Unfall in einem Atomkraftwerk

KPdSU: Kommunistische Partei der Sowjetunion

Entnimm dem Text Hinweise auf die wirtschaftliche Lage in der UdSSR in den 1970er- und 1980erJahren und überlege, wie sich diese Probleme auf das Alltagsleben der Menschen ausgewirkt haben könnten! Notiere deine Vermutungen stichwortartig in dein Heft!

Arbeite die Ursachen, die zum Zusammenbruch der UdSSR führten, heraus!

Abb. 2: Foto der Außenminister Alois Mock (Österreich) und Gyula Horn (Ungarn) beim symbolischen Durchtrennen des Grenzzauns zwischen Österreich und Ungarn im Juni 1989 (APA)

EUROPÄISIERUNG 148

Werft, die: Anlage zum Bau von Schiffen

Solidarität, die –solidarisch sein: zusammenhalten, zusammengehören

Kriegsrecht, das: Ausnahmezustand, in dem die Bürgerrechte außer Kraft gesetzt werden

standrechtlich: nach Kriegsrecht; ohne Prozess vor einem Zivilgericht

Wähle zwei Länder aus und recherchiere, wie in diesen der Umbruch 1989 abgelaufen ist!

Vergleiche diese beiden Länder! Stelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten dar!

Präsentiere deine Ergebnisse vor der Klasse!

… in Polen

Bereits 1980 gründete Lech Walesa, ein Elektriker der Danziger Werft, mit einigen Mitstreiterinnen und Mitstreitern die erste freie Gewerkschaft Polens mit dem Namen Solidarnosc (Solidarität).

1981 rief das Regime das Kriegsrecht aus und verbot die Solidarnosc. Führende Mitglieder, darunter auch Lech Walesa, wurden inhaftiert. Bis 1989 arbeitete die Solidarnosc im Untergrund. Als im Juni 1989 die Regierung die ersten freien Wahlen zuließ, siegte die Solidarnosc mit überwältigender Mehrheit. Lech Walesa wurde 1990 zum Präsidenten gewählt.

…in der Tschechoslowakei

Ähnlich wie in Ungarn kam es auch in der Tschechoslowakei zu einem friedlichen Ende des Kommunismus. Im Dezember 1989 wurde der Schriftsteller und Regimekritiker Václav Havel zum Präsidenten gewählt.

In den Jahren danach kam es aber zwischen den beiden größten in der Tschechoslowakei lebenden Volksgruppen – den Tschechen und den Slowaken – zu Auseinandersetzungen. Man einigte sich auf eine Trennung. 1993 wurden die Tschechische und die Slowakische Republik gegründet.

… in Rumänien

Auch in Rumänien fand 1989 ein Umbruch statt. Das Regime des verhassten Diktators Nikolae Ceaușescu wurde durch einen blutigen Volksaufstand beendet. Nach offiziellen Angaben verloren dabei rund 1.100 Menschen ihr Leben. Ceaușescu und seine Frau wurden vor ein Militärgericht gestellt und noch am Tag der Urteilsverkündung standrechtlich erschossen.

Die Deutsche Einheit

Im Juni 1989 flüchteten viele DDRBürgerinnen und Bürger über Ungarn in den Westen. Als der sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow die Reformforderungen in der DDR unterstützte, musste der Parteisekretär der SED, Erich Honecker, zurücktreten. Friedliche Massendemonstrationen –die „Montagsdemonstrationen“ – und die anhaltende Massenflucht aus der DDR führten schließlich dazu, dass am 9. 11. 1989 die Grenzen zwischen der DDR und der BRD geöffnet wurden.

Montagsdemonstrationen

Die erste fand am 4. 9. 1989 in Leipzig statt. Später trafen sich auch in anderen ostdeutschen Städten Menschen, um friedlich gegen die politischen Verhältnisse zu demonstrieren.

Im Lauf der Zeit wurde aus der Parole: „Wir sind das Volk“ die Forderung: „Wir sind ein Volk“.

Abb. 5: junge Rumäninnen und Rumänen mit Flagge, aus der das Symbol der kommunistischen Partei herausgeschnitten wurde (RZ)

Abb. 3: Lech Walesa
Abb. 4: Vaclav Havel

In der Nacht vom 9. zum 10. November 1989 begannen begeisterte Bürgerinnen und Bürger aus Ost- und Westberlin, das Symbol der Trennung Deutschlands – die Berliner Mauer – einzureißen.

Abb. 6: In der Nacht vom 9. zum 10. 11. 1989 begannen die Menschen, die Berliner Mauer einzureißen.

Im Frühjahr 1990 kam es in der DDR zu den ersten freien Wahlen, aus denen die von der BRD unterstützte „Allianz für Deutschland“ als Sieger hervorging. In der Volkskammer wurde der Beitritt zur BRD beschlossen, der am 3. 10. 1990 vollzogen wurde. Das seit 1949 geteilte Deutschland war wieder vereint.

Die Umbrüche in den ehemaligen Ostblockländern führten zu einer weitreichenden Änderung Europas und schließlich auch zum EU-Beitritt von mittlerweile acht ehemals kommunistischen Ländern.

Wirtschaftliche Folgen des Jahres 1989

In der UdSSR sowie in den von ihr abhängigen Ländern galt das System der Planwirtschaft. Dieses unterscheidet sich grundlegend vom System der Freien Marktwirtschaft, das in westlichen Ländern zum wirtschaftlichen Erfolg geführt hat.

PLANWIRTSCHAFT

2 staatliche Festlegung der Produktionsmenge und des Preises von Waren

2 zentraler Wirtschaftsplan mit strikten Vorgaben

2 soziale Gleichheit und gemeinsames Eigentum

FREIE MARKTWIRTSCHAFT

2 Unternehmen sind unabhängig in ihren Entscheidungen

2 Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis

2 Vermögenkonzentration bei einigen Wenigen

Abb. 8: Gegenüberstellung von Planwirtschaft und Freier Marktwirtschaft

Nach dem Zusammenbruch der UdSSR wurde in den ehemaligen Ostblockländern nach und nach die Freie Marktwirtschaft eingeführt. Dies gelang nur sehr langsam, da sich die gesamte Wirtschaft dieser Länder umstellen musste. So traten in den Jahren nach 1989 in vielen Ländern große wirtschaftliche Probleme auf. Erst mit dem Beitritt zur EU konnten einige dieser Länder ihre wirtschaftliche Lage stabilisieren.

Abb. 7: West- und Ostdeutschland vor der Wiedervereinigung

Abb. 6: Beurteile, welche Botschaft diese Fotografie sendet! Welche Emotionen könnte dieses Foto bei den Betrachterinnen und Betrachtern auslösen?

Volkskammer: Parlament der DDR

Abb. 8: Beurteile, welche Vor- und welche Nachteile die beiden Wirtschafts-systeme haben!

Erörtere die Probleme, die sich beim Übergang von der Planwirtschaft zur Freien Marktwirtschaft ergeben könnten!

Befragt ältere Familienmitglieder oder Bekannte, die die Wende 1989 miterlebt haben! Erstellt daraus eine kurze Reportage mit den wichtigsten Erlebnissen!

Führe ein fiktives Interview mit einer Person, die 1989 in einem osteuropäischen Staat gelebt hat. Formuliere Fragen, die zeigen, wie sie diese Zeit erlebt hat, und präsentiere die Ergebnisse!

4. ÖSTERREICH WIRD MITGLIED DER EU

Abb. 1: Cover der „Kleinen Zeitung“ zum Ergebnis der Volksabstimmung

Abb.1: Nimm

Stellung! Welche Stimmung in Österreich drückt dieses Zeitungscover aus?

Begründe deine Meinung mit mindestens 40 Worten!

1989 – Österreich stellt ein Beitrittsansuchen an die EG.

1994 – Volksabstimmung über den EU-Beitritt

1995 – Beitritt zur EU

Für einen Beitritt zur EU traten vor allem die Regierungsparteien SPÖ und ÖVP ein. Von den Oppositionsparteien war nur das Liberale Forum für den Beitritt. Die Beitrittsverhandlungen gestalteten sich aber äußerst langwierig. 1994 kam es zu einer Volksabstimmung über den EU-Beitritt. Allgemein wurde ein knappes Ergebnis erwartet, doch 66,4 % der Österreicherinnen und Österreicher stimmten für den Beitritt zur EU.

Was hat sich seit dem Beitritt zur EU verändert?

Nach dem Beitritt zur EU musste Österreich einen Teil seiner Eigenstaatlichkeit aufgeben, denn kein österreichisches Gesetz darf dem geltenden Recht in der EU widersprechen. So sind auch die Zuständigkeiten in der Gesetzgebung zwischen der EU und den Mitgliedsstaaten genau geregelt.

Die EU-Mitgliedschaft brachte Österreich die vier „Grundfreiheiten“ des Binnenmarktes. Obwohl diese Ziele bisher nur teilweise erreicht worden sind und der europäische Binnenmarkt noch nicht vollständig umgesetzt ist, führte die Teilnahme am Binnenmarkt zu einem verstärkten Wirtschaftswachstum und zu einer Sicherung des Wohlstands.

Wie finanziert sich die EU?

Fraktion, die: Zusammenschluss mehrerer Abgeordneter, die die gleichen Interessen vertreten

Recherchiere unter dem Stichwort „Europäisches Volksbegehren“!

Beurteile, ob es sich dabei um eine Form der Mitbestimmung handelt!

Das Budget der EU setzt sich einerseits aus Beiträgen der Mitgliedsländer und andererseits aus den Zolleinnahmen auf Waren aus Nichtmitgliedsländern zusammen. Mit diesen Geldern fördert die EU unterschiedlichste Projekte in den einzelnen Mitgliedsstaaten. Dazu zählen die Unterstützung der Landwirtschaft und die Förderung von Forschung und Entwicklung . Ebenso gibt es das Erasmus+Programm als Austauschprogramm für Schülerinnen und Schüler/ Studentinnen und Studenten, mit dessen Hilfe sie in anderen EU-Ländern lernen und studieren können.

Wie bestimmst du in Europa mit?

Alle 5 Jahre wird das Europäische Parlament in allen Mitgliedsstaaten der EU neu gewählt. Dabei gibt es aber kein einheitliches Wahlverfahren, denn von Land zu Land gelten andere Regelungen.

In Österreich können die Wahlberechtigten ab ihrem 16. Geburtstag zur Wahl gehen und Abgeordnete für das Europäische Parlament wählen. Diese bestimmen in den Fraktionen die Politik in Europa mit. Es gibt aber auch Abgeordnete, die keiner Faktion angehören.

Was bedeutet die EU-Mitgliedschaft im Alltag?

Seit Österreich 1995 der Europäischen Union beigetreten ist, hat sich nicht nur die Politik verändert – auch unser Alltag, unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft haben sich stark gewandelt. Die EU-Mitgliedschaft betrifft jeden von uns, oft ohne, dass wir es direkt bemerken.

Hier sind einige wichtige Veränderungen und Vorteile, die wir heute in unserem täglichen Leben spüren:

Freies Reisen in Europa

B Wir können heute ohne Grenzkontrollen in fast alle EU-Länder reisen.

B An vielen Grenzen gibt es keine Passkontrollen mehr, weil Österreich Teil des Schengenraums ist.

B Das macht Urlaube, Klassenfahrten oder Familienbesuche im Ausland viel einfacher und schneller.

Gleiche Währung im Alltag

B In 20 EU-Ländern kann man mit dem Euro zahlen – auch in Österreich.

B Vor dem Euro musste man bei jeder Reise Geld wechseln und Wechselgebühren bezahlen.

B Heute ist es einfacher und günstiger, im Ausland einzukaufen oder Online-Bestellungen zu machen.

Weniger Kosten bei Handy und Internet

B Früher war Telefonieren oder Surfen im Ausland teuer.

B Heute gilt in der EU: „Roam like at home“ – man zahlt im EU-Ausland keine zusätzlichen Gebühren mehr für Telefonate, SMS oder mobiles Internet.

Mehr Auswahl beim Einkaufen

B In Supermärkten gibt es viele Produkte aus anderen EU-Ländern – oft zu günstigeren Preisen.

B Auch Online kann man bei Firmen in der ganzen EU bestellen, ohne zusätzliche Zölle oder Gebühren.

B Die EU schützt dabei auch die Verbraucherrechte: Wenn etwas kaputt ist, gibt es ein Recht auf Rückgabe oder Reparatur.

Höhere Standards für Sicherheit und Umwelt

B Die EU legt gemeinsame Regeln für Produkte fest, z. B. für Lebensmittel, Kleidung, Spielzeug oder Kosmetik.

B Dadurch sind Produkte in der ganzen EU sicherer und umweltfreundlicher.

B Auch der Umweltschutz wird oft von der EU vorgegeben (z. B. beim Recycling, bei CO₂-Grenzwerten oder beim Gewässerschutz).

Beschreibe, wie sich das Reisen innerhalb Europas seit dem EU-Beitritt Österreichs verändert hat!

Erkläre, wie sich die EUMitgliedschaft auf Jugendliche in Österreich auswirken kann (Schule, Freizeit, Konsum, Reisen).

Beurteile, welche dieser EU-Vorteile für Jugendliche am wichtigsten sind. Begründe deine Meinung!

Abb. 2: CE-Zeichen: Dieses Zeichen zeigt an, dass ein Produkt die europäischen Sicherheits-, Gesundheitsund Umweltschutzanforderungen erfüllt und in allen EU-Ländern verkauft werden darf.

Abb. 3: Logo des Erasmus +Programms (https://presse.oead.at/de/pressemeldungen)

Beschreibe, wie sich die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer verändert hat! Was sagt dir das über die Bedeutung der EU für junge Menschen?

Erkläre, wie sich dein Alltag verändern würde, wenn Österreich nicht in der EU wäre! Erstellt eine Tabelle mit zwei Spalten („Vorteile“ –„Nachteile“ der EUMitgliedschaft)! Diskutiert anschließend in der Klasse, welche Argumente für Jugendliche besonders wichtig sind!

Begründe, wie dir die EU in deiner Zukunft nützen könnte (z. B. Ausbildung, Beruf, Reisen …)!

Diskutiert in der Klasse, welche Vor- und Nachteile die EU-Mitgliedschaft für Jugendliche bringt!

Stelle dar, was der EUBeitritt für die österreichische Gesellschaft gebracht hat anhand der folgenden Fragestellungen! Wie würde das Leben in unserem Land aussehen, wenn Österreich NICHT Mitglied der EU wäre? Wie würde ich heute in diesem Fall leben? Wie würde sich mein Alltag (Schule, Freizeit, Konsumverhalten) ändern?

Erarbeitet in Gruppen einen kurzen Werbespot (Video, Plakat oder Radioskript), der Jugendliche vom Nutzen der EU-Mitgliedschaft überzeugen soll!

Lernen, studieren und arbeiten in Europa

B Mit Erasmus+ können Schülerinnen und Schüler, Lehrlinge oder Studierende in einem anderen EU-Land lernen oder arbeiten.

B Die EU fördert auch Praktika, Sprachkurse oder Schüleraustauschprogramme.

B So lernen junge Menschen andere Kulturen kennen und verbessern ihre Chancen am Arbeitsmarkt.

Entwicklung der Teilnehmerzahlen von Erasmus+ (Studierende und Auszubildende).

Die Balken zeigen die Anzahl der Teilnehmenden pro Jahr. Der breite Balken unten stellt die Gesamtzahl aller Teilnehmenden seit Beginn des ErasmusProgramms (1987) dar.

Legende:

• Balken: Teilnehmende pro Jahr

• Breiter Balken unten: Gesamtzahl aller Teilnehmenden seit 1987

Quelle: Darstellung nach Daten der Europäische Kommission, Erasmus+ Statistikberichte

Mehr Arbeitsplätze und wirtschaftlicher Aufschwung

B Der gemeinsame Binnenmarkt sorgt dafür, dass Firmen ihre Waren und Dienstleistungen leichter verkaufen können.

B Viele österreichische Unternehmen exportieren in EU-Staaten, das schafft Arbeitsplätze und stärkt die Wirtschaft.

B Die EU investiert auch Gelder in Projekte in Österreich, z. B. für Forschung, neue Technologien, ländliche Entwicklung oder den öffentlichen Verkehr.

Gemeinsam für Klima und Zukunft

B Viele Klimaschutzmaßnahmen werden in der EU gemeinsam beschlossen, z. B. beim Ausbau erneuerbarer Energien oder beim Schutz bedrohter Tierarten.

B Die EU gibt Umweltziele vor, die alle Mitgliedsstaaten einhalten müssen – das schützt unsere Gesundheit und unsere Lebensqualität.

Warum ist das für dich wichtig?

Die EU ist also nicht nur ein „fernes Parlament in Brüssel“, sondern hat ganz konkrete Auswirkungen auf dein Leben – in der Schule, in der Freizeit, beim Reisen, beim Einkaufen und für deine Zukunft.

Wenn du heute etwas online bestellst, mit dem Handy in Italien telefonierst, im Sommer nach Spanien fährst oder später einmal im Ausland studieren willst, dann hat das alles mit der EU-Mitgliedschaft Österreichs zu tun

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los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

Informiere dich zunächst, welche Staaten derzeit der Währungsunion angehören!

Informiere dich und zeichne in die folgende Karte die Mitgliedsländer des Schengenraums ein!

Sammelt in Partnerarbeit im Internet Informationen zu einem der EU-Beitrittskandidaten!

B Stellt fest, seit wann die Beitrittsverhandlungen mit den einzelnen Ländern laufen!

B Wie weit sind diese fortgeschritten?

Notiere jene EU-Staaten, die nicht dem Schengener Abkommen beigetreten sind!

Welche Staaten, die nicht bei der EU sind, gehören trotzdem dem Schengenraum an?

B Gibt es Gründe, die gegen einen Beitritt der jeweiligen Länder sprechen?

B In welchem Stadium befinden sich die Gespräche? 6 7

Gestaltet im Anschluss daran ein Plakat zu dem von euch ausgewählten Beitrittsland!

Welche Veränderungen hat es seit dem EU-Beitritt gegeben? Nur drei Aussagen sind richtig! Suche sie, dann erhältst du ein Lösungswort!

Die EU legt die Höhe des Arbeitslosengeldes in Österreich fest.

Die Zollunion liegt in der ausschließlichen Zuständigkeit der EU.

Kein österreichisches Gesetz darf geltendem EU-Recht widersprechen.

Österreich zahlt Mitgliedsbeiträge an die EU.

LÖSUNGSWORT: . . .

Österreich darf ohne Zustimmung der EU keine Waren aus den USA einführen.

Österreichische Studenten und Studentinnen dürfen im Ausland nicht studieren.

So schätze ich mich nach dem Großkapitel „Europäisierung“ selbst ein: Kreuze jenen Daumen an, der für dich am ehesten zutreffend ist!

Ich kann…

…erklären, wie sich die Vorstellung von Europa historisch entwickelt hat und welche Kriterien zur Definition Europas herangezogen werden.

…unterschiedliche geographische, kulturelle und politische Definitionen von Europa analysieren und vergleichen.

…die Entstehung und Entwicklung der EU von der Montanunion bis heute erklären.

…die vier Freiheiten des Binnenmarktes erläutern und deren Auswirkungen auf die Bürgerinnen und Bürger der EU beschreiben.

…den Einfluss der Schengener Abkommen auf die Reisefreiheit in Europa analysieren.

…die wirtschaftlichen und politischen Vorteile und Herausforderungen der EU-Mitgliedschaft bewerten.

…die Ursachen und Folgen des Zusammenbruchs der Sowjetunion erläutern.

…erklären, welche Reformen Michail Gorbatschow einleitete und wie sie den politischen Wandel in Osteuropa beeinflussten.

…den Übergang Osteuropas von kommunistischen Regimen zu demokratischen Strukturen nach 1989 beschreiben.

…die Gründe für den EU-Beitritt Österreichs und den Verlauf der Beitrittsverhandlungen erklären.

…die Auswirkungen der EU-Mitgliedschaft auf die österreichische Wirtschaft, Politik und Gesellschaft beschreiben.

…die Vorteile und Herausforderungen der EU-Mitgliedschaft Österreichs kritisch hinterfragen.

…argumentieren, wie sich das tägliche Leben in Österreich durch den EU-Beitritt verändert hat.

…reflektieren, wie mein Leben ohne die EU-Mitgliedschaft meines Landes anders aussehen würde.

Buchtipps für besonders Wissensdurstige

Um deine Kompetenzen noch mehr zu steigern, hier unsere Buchtipps:

Susanne Fritsche: Die Mauer ist gefallen: Eine kleine Geschichte der DDR (Carl Hanser Verlag 2004).

Wolfgang Böhm, Otmar Lahodynsky: EU for you!: So funktioniert die Europäische Union (G & G Kinder- u. Jugendbuch 2018)

1. JUGENDKULTUREN  WIE JUGENDLICHE DIE WELT VERÄNDERN

Jeder kennt sie: Jugendliche mit bunten Haaren, coolen Klamotten oder lauter Musik auf den Ohren. Aber wusstest du, dass es viele verschiedene Jugendkulturen gibt? Sie sind mehr als nur ein Modetrend – sie zeigen, wie junge Menschen denken, fühlen und was ihnen wichtig ist.

Was ist eine Jugendkultur?

Eine Jugendkultur ist eine Gruppe von Jugendlichen, die sich durch ihre Musik, Kleidung, Hobbys oder Einstellungen von anderen unterscheidet. Sie drücken ihre Persönlichkeit und ihre Meinung aus. Meistens entstehen Jugendkulturen, wenn junge Menschen sich von der Welt der Erwachsenen abgrenzen wollen.

Bekannte Jugendkulturen im Laufe der Zeit

Hippies (1960er – 1970er) – Sie setzten sich für Frieden und Liebe ein, trugen bunte Kleidung und hörten Rockmusik. Ihr Motto: „Make love, not war!“

Punks (1970er – heute) – Sie wollten gegen Regeln und Ungerechtigkeit protestieren. Typisch für sie sind bunte Haare, Lederjacken und laute Musik.

Hip-Hop (1980er – heute) – Entstanden in den Straßen von New York, ist Hip-Hop eine der größten Jugendkulturen. Rap-Musik, Breakdance und Graffiti gehören dazu.

Manche neuen Gruppen wie Gamerinnen und Gamer oder Influencerinnen und Influencer werden manchmal als Jugendkulturen bezeichnet, manchmal aber auch nicht – weil sie eher Hobbys oder Online-Aktivitäten sind und nicht immer gemeinsame Werte oder eine Protesthaltung haben. Ihr seid die Expertinnen und Experten für eure Generation: Wie seht ihr das?

Warum gibt es Jugendkulturen?

Jugendkulturen helfen jungen Menschen, sich selbst zu finden. Sie bieten einen Ort, an dem man sich verstanden fühlt. Oft setzen sie sich für wichtige Themen ein, z. B. Umweltschutz, Gleichberechtigung oder gegen Rassismus.

Wie sieht Jugendkultur heute aus?

Arbeitet in Vierergruppen: Jede Gruppe recherchiert eine Jugendkultur, die in Österreich im 20. oder 21. Jahrhundert eine Rolle gespielt hat (z. B. Hippies, Punks, Skater, Techno-Szene, Social-Media- Influencer)! Wann und warum entstand diese Jugendkultur? Welche gesellschaftlichen Entwicklungen haben sie beeinflusst? Welche Kleidung, Musik oder Werte sind für sie typisch? Wie wurde sie von der Gesellschaft wahrgenommen?

Abb. 1: Collage über Jugendkulturen, die verschiedene Stile wie Hippies, Punks, Hip-Hop, Gamer und Social-Media-Influencer zeigt

Moderne Jugendkulturen sind oft durch das Internet geprägt. Jugendliche aus der ganzen Welt können sich online vernetzen und ihre Interessen teilen. Ob Musik, Mode, Gaming oder Aktivismus – heute gibt es mehr Möglichkeiten als je zuvor, eine eigene Identität zu entwickeln.

Was bedeutet Jugendkultur für dich?

Vielleicht gehörst du selbst zu einer Jugendkultur oder hast Freunde, die sich einer bestimmten Gruppe zugehörig fühlen. Welche Musik hörst du? Welche Kleidung trägst du gern? Oder hast du ein Hobby, das dich besonders begeistert?

Egal, welcher Jugendkultur du dich zugehörig fühlst – sie alle haben eines gemeinsam: Sie sind ein Zeichen dafür, dass Jugendliche die Welt mitgestalten und verändern!

Erstellt eine Präsentation oder ein Plakat und stellt eure Ergebnisse der Klasse vor!

Untersucht in Gruppen, wie Jugendkulturen gesellschaftliche Veränderungen beeinflusst haben (z. B. Hippies –Friedensbewegung, Punks –Kritik an Ungerechtigkeit, Hip-Hop – Einsatz gegen Rassismus). Erstellt ein Plakat oder eine Präsentation mit euren Ergebnissen!

2. SOZIALE BEWEGUNGEN VERÄNDERN UNSERE GESELLSCHAFT

Umweltschutz geht uns alle etwas an

Abb. 1: Österreichisches Umweltzeichen: Es wird an umweltfreundliche Produkte und Betriebe seit 1990 vergeben.

Abb. 1: Erstelle ein eigenes Umweltzeichen! Präsentiere es deinen Mitschülerrinnen und Mitschülern!! Erkläre, was du tun kannst, um im Alltag Energie zu sparen!

Der Erdölschock von 1973 brachte ein Umdenken im Umgang mit den natürlichen Lebensgrundlagen, die auf der Erde nicht unbegrenzt vorhanden sind. Große Umweltkatastrophen führten zur Gründung von Umweltschutzorganisationen. In Österreich setzte sich zuerst die Partei Die Grünen politisch für den Umweltschutz ein. Aber auch die anderen Parteien „entdeckten“ nach und nach, dass der Umweltschutz ein wichtiges Anliegen für die Zukunft ist.

Einige umweltpolitische Projekte wurden in den letzten Jahren umgesetzt, aber nach wie vor sind viele Umweltprobleme noch nicht gelöst. So sehen die Österreicherinnen und Österreicher folgende Bereiche als vordringlichste Umweltprobleme an.

Klimaveränderung

Zerstörung der Natur

Zu hoher Rohstoffverbrauch

Zu hoher Energieverbrauch

Zu viel Verkehr

Zu viel Müll

Bodenversiegelung

thermische Sanierung; die: Anbringen von Wärmeschutzfassaden und Austausch von Fenstern, um den Wärmeverlust zu stoppen

Abb. 2: Nenne jene Bereiche, die dir in Umweltfragen wichtig sind!

Erstellt gemeinsam eine Liste der aktuellen Umweltprobleme in eurer unmittelbaren Umgebung!

Abb. 3: Nenne Möglichkeiten, wie du den Umweltschutz unterstützen kannst!

Statistik Austria: Mikrozensus Umweltbedingungen – Umweltverhalten, 2020

Abb. 2: Von der österreichischen Bevölkerung als „wichtig“ eingeschätzte Umweltprobleme (2023)

In einzelnen Regionen wie in Tirol, Salzburg und Ostösterreich entwickelte sich der steigende Transitverkehr in den letzten Jahrzehnten zu einem großen umweltpolitischen Problem. Der Ausbau des Straßennetzes wirkt sich auch auf die Artenvielfalt und die Ökosysteme negativ aus.

Daneben war und ist auch die globale Erwärmung durch zu viel CO2 in der Atmosphäre seit den 1980er-Jahren ein wichtiges umweltpolitisches Thema (Klimawandel). Mit der Nutzung alternativer Energieformen und der thermischen Sanierung von Gebäuden soll der CO2 -Ausstoß reduziert werden.

Bewegung für den Frieden

Abb. 3: Straßenblockade im Salzkammergut (17. 9. 2010)

Die österreichische Friedensbewegung geht auf Bertha von Suttner zurück, die 1890 mit der Gründung der „Österreichischen Friedensgesellschaft“ den Grundstein für eine Friedensbewegung legte.

Einen Aufschwung erlebte die Friedensbewegung in Österreich ab 1980. Das Aufrüsten der beiden Supermächte USA und UdSSR führte auch im neutralen Österreich zu Verunsicherungen.

D1: Den Atomkrieg verhindern! Abrüsten!

Die wichtigsten Forderungen waren ein „atomwaffenfreies und entmilitarisiertes Europa“, die „Umstellung der Rüstungsindustrie auf zivile und sozialnützliche Güter“ und der „Verzicht auf die zivile Nutzung von Atomenergie“.

Aus: „erinnerungsort wien“ – ein Projekt des Kreisky-Archivs – neue soziale Bewegungen; erinnerungsort wien - erinnerungsorte - neue sozialebewegungen - friedensbewegung (6. 2. 2025)

Abb. 4: Friedens-demonstration am Wiener Rathausplatz (1983)

Ein wichtiges Instrument der Friedensbewegung, mit dem sie auf ihre Anliegen aufmerksam machte, waren die zwischen 1981 und 1983 stattfindenden Friedensdemonstrationen, an denen bis zu 70 000 Menschen in Wien teilnahmen. Daneben gab es noch Veranstaltungen wie Konzerte, Friedenscamps, Friedenskonferenzen oder gesamtösterreichische Friedenswochen.

Frauenrechte – Feminismus

Emanzipierte Frauen entwickelten aus den Ideen der 1960er-Jahre eine eigenständige Frauenbewegung. Sie traten für mehr Rechte der Frauen ein, aber auch für Gleichberechtigung im sozialen und wirtschaftlichen Bereich.

Durch die Erfindung der Anti-Baby-Pille konnten Frauen einfacher selbst bestimmen, ob und wann sie Kinder bekommen wollten. Mit dem Schlagwort „Mein Bauch gehört mir“ forderten sie auch Straffreiheit für Schwangerschaftsabbrüche. So kam es 1971 in der deutschen Zeitschrift „Stern“ zu einer aufsehenerregenden Kampagne, die sich für das Recht auf Abtreibung einsetzte. Prominente Frauen wie die Filmschauspielerinnen Romy Schneider und Senta Berger bekannten sich öffentlich dazu, illegal abgetrieben zu haben.

Die Initiatorin dieser Aktion – Alice Schwarzer – veröffentlichte in den kommenden Jahren mehrere Bücher zum Thema Feminismus. Ihr Bestseller „Der kleine Unterschied und seine großen Folgen“ machte sie zur Ikone der deutschen Frauenbewegung. 1977 gründete Alice Schwarzer die erfolgreiche feministische Monatszeitschrift „Emma“. Trotz rechtlicher Veränderungen ist eine umfassende und selbstbestimmte gesundheitliche Versorgung rund um Schwangerschaftsabbrüche für Frauen bis heute nicht überall ausreichend gewährleistet. Als modernes, jugendnahes Beispiel für feministische Medien gilt heute etwa das österreichische Magazin an.schläge, das sich mit aktuellen Themen wie Gleichstellung, Diskriminierung und queeren Perspektiven beschäftigt.

In Österreich führte Ende der 1970er-Jahre die Forderung nach einer stärkeren politischen Repräsentanz von Frauen in der Politik dazu, dass mehr Frauen ein Ministerium übernahmen. Außerdem wurde auch ein Staatssekretariat für allgemeine Frauenfragen eingerichtet. Dieses wurde 1990 in ein eigenes Ministerium umgewandelt.

Auch wenn sich die Teilnahme von Frauen am sozialen und wirtschaftlichen Leben seither deutlich erhöht hat, sind Frauen in Politik und Wirtschaft weiterhin unterrepräsentiert. Außerdem ist in Österreich der Zugang zu umfassender, wohnortnaher und selbstbestimmter reproduktiver Gesundheitsversorgung, inklusive Schwangerschaftsabbrüchen, noch immer nicht flächendeckend und barrierefrei gewährleistet.

Abb. 4: Nenne jene Strategien, die du einsetzen würdest, um ein Anliegen einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen!

Abb. 5: Analysiere dieses Cover! Was drückt es aus und mit welchen Mitteln?

Kampagne, die: gemeinschaftliche Aktion für oder gegen etwas

Feminismus, der: Bewegung, die für die Frauenrechte kämpft

Ikone, die: Idol unterrepräsentiert: gemessen an der Gesamtheit nur schwach vertreten

Abb. 5: Das erste Cover der Zeitschrift „Emma“ mit Alice Schwarzer als zweite von links (1977)

3. ANTIRASSISTISCHE BEWEGUNGEN UND POLITISCHE PARTIZIPATION

Antirassistische Bewegungen in Österreich

Notiere drei konkrete Dinge, die du in deinem Alltag tun kannst, um Rassismus entgegenzuwirken!

Vergleiche deine Ideen mit denen deiner Mitschülerinnen und Mitschüler!

Abb. 1: „Lichtermeer“ am Wiener Heldenplatz –Demonstration gegen das Ausländervolksbegehren der FPÖ am 23. Januar 1993

Petition, die: eine schriftliche Bitte oder Forderung an eine Regierung oder eine andere wichtige Stelle. Menschen unterschreiben eine Petition, um gemeinsam eine Veränderung zu erreichen, z. B. ein neues Gesetz oder bessere Regeln.

Abb.2: Logo von ZARA

Informiere dich über eine der genannten Bewegungen (z. B. ZARA, Black Lives Matter Österreich, SOS Mitmensch)!

Erstelle ein kurzes Infoblatt oder eine digitale Präsentation darüber!

In Österreich gab es viele Veränderungen im Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung. Früher wurden Menschen wegen ihrer Hautfarbe, Religion oder Herkunft benachteiligt, doch antirassistische Bewegungen setzen sich seit Jahrzehnten für Gleichberechtigung ein.

Was bedeutet Antirassismus?

Antirassismus bedeutet, sich aktiv gegen Rassismus einzusetzen – im persönlichen Verhalten und gegen rassistische Strukturen in der Gesellschaft (z. B. in Schulen, auf dem Arbeitsmarkt oder in den Medien). Ziel ist, diese Ungerechtigkeiten abzubauen und gleiche Chancen für alle zu schaffen.

Bekannte antirassistische Bewegungen in Österreich

Plattform für Menschenrechte: Setzt sich gegen Diskriminierung ein und organisiert Demonstrationen.

SOS Mitmensch: Kämpft seit den 1990ern für Menschenrechte. 1993 organisierten sie das „Lichtermeer“, eine der größten Kundgebungen gegen Fremdenfeindlichkeit.

Black Lives Matter Österreich: Engagiert sich seit 2020 gegen Rassismus und Polizeigewalt, besonders durch große Demonstrationen.

ZARA (Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit): Hilft Betroffenen von rassistischen Angriffen und gibt Tipps zur Zivilcourage.

Wie machen diese Bewegungen auf sich aufmerksam?

Demonstrationen (z. B. „Lichtermeer“, „Black Lives Matter“-Proteste)

Soziale Medien (Instagram, TikTok, um viele Menschen zu erreichen)

Petitionen und Volksbegehren (um politische Veränderungen zu bewirken)

Kunst und Musik (Plakate, Graffiti, Songs mit politischen Botschaften)

Bildungsarbeit (Workshops, Vorträge über Rassismus)

Warum ist politische Partizipation wichtig?

Sich an gesellschaftlichen Themen zu beteiligen – z. B. durch Wahlen, Proteste oder Petitionen – ist entscheidend für Veränderungen. Auch junge Menschen gestalten so die Zukunft mit!

Was kannst du gegen Rassismus tun?

Aufklären: Sprich mit anderen über Rassismus.

Hinschauen: Zeige Zivilcourage bei Ungerechtigkeit.

Mitmachen: Unterstütze Kampagnen oder Proteste.

Informieren: Lies über das Thema und höre Betroffenen zu.

Respekt zeigen: Behandle alle Menschen gleich.

Antirassistische Bewegungen in Österreich haben viel erreicht, aber der Kampf gegen Rassismus geht weiter. Jeder kann dazu beitragen – durch kleine Gesten oder aktives Engagement. Eine offene und gerechte Gesellschaft beginnt bei uns allen!

4. FORMEN VON EXTREMISMUS UND POPULISMUS IN ÖSTERREICH

In Österreich gibt es verschiedene politische Strömungen, manche sind extrem und gefährlich für die Demokratie. Hier erfährst du, was sie bedeuten und warum sie problematisch sind.

Was ist Extremismus?

Extremismus bedeutet, dass Gruppen extreme politische Ansichten mit Gewalt oder Hass durchsetzen wollen. Sie akzeptieren keine anderen Meinungen und bedrohen die Demokratie.

Arten von Extremismus in Österreich:

Rechtsextremismus: klar rassistisch, fremdenfeindlich, gegen Vielfalt und Gleichberechtigung; verherrlicht Gewalt und ist häufig für Gewalt gegen Menschen (auch mit Todesfolge) verantwortlich.

Linksextremismus: gegen Kapitalismus und Staat; manchmal gewaltbereit (z. B. Sachbeschädigung), aber seltener Gewalt gegen Menschen.

Religiöser Extremismus: radikale Auslegung von Religion, Ablehnung anderer Meinungen, teils Gewalt im Namen der Religion, oft Radikalisierung im Internet.

Was ist Populismus?

Populismus ist eine Art Politik, die einfache Lösungen für komplexe Probleme anbietet und behauptet, „die Stimme des Volkes“ zu sein.

Merkmale von Populismus:

Einfache Lösungen für schwierige Probleme „Wir gegen die da oben“ – Behauptung, nur sie würden das Volk vertreten Nutzung von Angst und Wut zur Verunsicherung

Populismus in Österreich:

Populistische Parteien und Gruppen – sowohl von rechts als auch von links – nutzen Angst und Wut, um Wählerinnen und Wähler zu gewinnen. Sie versprechen einfache Lösungen, verbreiten Misstrauen gegenüber Medien sowie gegenüber Politikerinnen und Politikern und suchen Schuldige für Probleme.

Warum sind Extremismus und Populismus gefährlich?

Sie spalten die Gesellschaft Sie bedrohen die Demokratie Sie können zu Gewalt führen

Wie kann man sich dagegen wehren?

Kritisch bleiben und Aussagen hinterfragen

Fakten checken – also in mehreren verlässlichen Quellen nachlesen (z. B. bei Nachrichtenseiten, Faktencheck-Seiten oder in Lexika), bevor man etwas glaubt oder weiterverbreitet

Toleranz zeigen – jeder Mensch ist gleich viel wert

Sich engagieren und für Demokratie eintreten

Extremismus und Populismus sind gefährlich für unsere Gesellschaft. Kritisches Denken, Faktenprüfung und demokratische Mitbestimmung helfen, Österreich offen und gerecht zu halten.

Abb. 1: „Stop Extremism“ –Eine klare Botschaft gegen Radikalisierung und Gewalt. Die ausgestreckte Hand symbolisiert den Aufruf zur Ablehnung extremistischer Ideologien und den Einsatz für eine offene, tolerante Gesellschaft.

Schreibe eine kurze Erklärung zu den beiden Begriffen Extremismus und Populismus in eigenen Worten und gib Beispiele!

Sucht eine aktuelle politische Aussage (z. B. von einem Wahlplakat, in sozialen Medien oder einer Zeitung).!

Analysiert, ob sie Merkmale von Populismus enthält. Nutzt dazu diese Fragen: Wird ein komplexes Problem sehr einfach dargestellt?

Gibt es ein „Wir gegen die da oben“?

Wird mit Angst oder Wut gearbeitet?

Wird jemandem pauschal die Schuld gegeben?

Beurteilt, ob diese Aussage populistisch ist und ob sie für die Demokratie gefährlich sein könnte. Begründet eure Meinung in 2–3 Sätzen!

5. ANTISEMITISMUS HEUTE  „ERKENNEN, VERSTEHEN, HANDELN“

Antisemitismus bedeutet Feindseligkeit oder Vorurteile gegenüber jüdischen Menschen. Obwohl der Holocaust über 80 Jahre zurückliegt, gibt es auch heute noch antisemitische Vorfälle – auch in Österreich. Doch wie zeigt sich Antisemitismus in der Gegenwart, und was kann man dagegen tun?

Wie zeigt sich Antisemitismus heute?

Formuliere in eigenen Worten eine kurze Definition von Antisemitismus.

Schreibe außerdem drei Gründe auf, warum Antisemitismus bekämpft werden muss!

Antisemitismus tritt in verschiedenen Formen auf. Manchmal ist er offensichtlich, manchmal versteckt:

Beleidigungen und Bedrohungen: Jüdische Menschen werden beschimpft oder im Alltag angefeindet.

Verschwörungstheorien: Manche behaupten, jüdische Menschen hätten heimliche Macht über Politik oder Wirtschaft. Das ist eine Lüge, die oft im Internet verbreitet wird.

Schmierereien und Angriffe: Synagogen (jüdische Gotteshäuser) oder jüdische Friedhöfe werden mit Hassparolen beschmiert oder beschädigt.

Sucht in Gruppen auf einer Nachrichtenoder Faktencheckseite nach einem aktuellen antisemitischen Vorfall. Fasse kurz zusammen, was passiert ist!. Erkläre, wie darauf reagiert wurde (z. B. Polizei, Schule, Politik, Zivilgesellschaft)!

Hass im Internet: In sozialen Medien gibt es oft antisemitische Kommentare oder Fake News.

Warum

gibt es Antisemitismus heute noch?

Antisemitismus hat sich über viele Jahrhunderte verbreitet. Besonders im Internet und in sozialen Medien können falsche Behauptungen oder Hass schnell verbreitet werden. In Krisenzeiten suchen manche Menschen nach „Schuldigen“ und greifen jüdische Menschen oder andere Minderheiten an.

Warum ist Antisemitismus gefährlich?

Verfasst als Klasse ein gemeinsames Statement gegen Antisemitismus, das in der Schule aufgehängt oder veröffentlicht werden kann.

Jede/Jeder schreibt einen Satz, warum Respekt, Vielfalt und Menschenwürde wichtig sind! Formuliert daraus einen Klassenkodex gegen Hass und Diskriminierung!

Er greift Menschen an, nur weil sie einer bestimmten Religion angehören. Er bedroht die Demokratie, weil er Hass und Spaltung fördert Er kann zu Gewalt führen – verbale Angriffe können in körperliche Übergriffe umschlagen.

Was kann man dagegen tun?

Aufklären: Sich informieren und mit anderen über das Thema sprechen Falschinformationen hinterfragen: Nicht alles glauben, was man im Internet liest.

Zivilcourage zeigen: Wenn jemand antisemitische Parolen äußert, widersprechen.

Solidarität zeigen: Veranstaltungen besuchen oder jüdische Kultur kennenlernen.

Antisemitismus ist nicht nur ein Problem der Vergangenheit, sondern auch der Gegenwart. Es ist wichtig, ihn zu erkennen und sich dagegen auszusprechen. Jeder kann etwas tun, um für eine offene und gerechte Gesellschaft einzustehen!

6. NEUE HERAUSFORDERUNGEN: GLOBALISIERUNG UND ARBEITSMARKT

Die Arbeitswelt verändert sich

Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich die Berufswelt in Österreich grundlegend. Während Berufe in Landwirtschaft, Industrie und Gewerbe an Bedeutung verloren, wuchs die Zahl der Beschäftigten im Dienstleistungssektor. Seit den 1980er-Jahren hat sich die Wirtschaft stark globalisiert, was neue Chancen, aber auch Herausforderungen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit sich brachte.

Zum tertiären Sektor zählen heute Bereiche wie Handel, Banken, Versicherungen, Tourismus, Bildung oder Gastronomie. Viele dieser Branchen profitieren von der Globalisierung, aber gleichzeitig entstanden neue, oft unsichere Arbeitsverhältnisse. Während hochqualifizierte Berufe im Finanz- oder IT-Sektor florieren, stehen Menschen in schlecht bezahlten Dienstleistungsjobs oft unter hohem Druck.

Prekäre Beschäftigung und „working poor“

Die steigenden Anforderungen an Flexibilität und Mobilität haben dazu geführt, dass viele Menschen in unsicheren Arbeitsverhältnissen arbeiten. Besonders betroffen sind Berufsgruppen mit niedriger Qualifikation, die oft nur befristete oder geringfügige Jobs finden. Diese Form der Arbeit wird als „prekäre Beschäftigung“ bezeichnet, weil sie keine langfristige finanzielle Sicherheit bietet.

Dienstleistungssektor/ tertiärer Sektor: Berufsgruppen, die nichts herstellen, sondern Dienstleistungen erbringen

Abb. 1: Teilzeitarbeit als Kellnerin

Ein zentraler Bereich, in dem solche Beschäftigung häufig vorkommt, ist der tertiäre Sektor. Hier gibt es oft keine durchgängige Erwerbstätigkeit, da Arbeitsverhältnisse immer wieder von Phasen der Arbeitslosigkeit unterbrochen werden. Um mit dieser Unsicherheit umzugehen, haben sich neue Arbeitszeitmodelle wie Teilzeitarbeit oder geringfügige Beschäftigung verbreitet. Viele Menschen arbeiten in mehreren Teilzeitjobs gleichzeitig, weil ein einzelner Job nicht genug zum Leben einbringt. Diese Arbeit bietet zwar Flexibilität, geht aber häufig mit unsicheren Einkommen und mangelnder sozialer Absicherung einher.

Besonders problematisch ist in diesem Zusammenhang das Phänomen der „Working Poor“ – also Menschen, die trotz regulärer Erwerbstätigkeit nicht genug verdienen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Dies betrifft vor allem Beschäftigte in niedrig bezahlten Dienstleistungsberufen, z. B. in der Gastronomie, im Einzelhandel, in der Pflege, in der Reinigung, in Lieferdiensten oder in befristeten Kultur- und Kreativjobs. Viele von ihnen können sich trotz Arbeit keine stabile Existenz aufbauen und haben kaum Chancen auf langfristige finanzielle Sicherheit.

Arbeitsmarkt und soziale Ungleichheit

Die Globalisierung hat zu einer stärkeren Spaltung des Arbeitsmarktes geführt:

2 Hochqualifizierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer profitieren von neuen Technologien, digitalen Berufen und internationaler Vernetzung.

2 Geringqualifizierte Arbeitskräfte haben es schwer, langfristig stabile Jobs zu finden. Viele sind in unsicheren oder schlecht bezahlten Branchen tätig.

Flexibilisierung: Anpassung von Arbeitszeiten undbedingungen an wirtschaftliche Anforderungen, oft auf Kosten der Beschäftigten.

Mobilität: Beweglichkeit in Bezug auf Beruf, soziale Stellung und Wohnsitz geringfügige Jobs: geringes Einkommen; die oder der Beschäftigte ist nur unfallversichert; keine Kranken- und Pensionsversicherung

Prekäre Beschäftigung: Unsichere Arbeitsverhältnisse mit niedrigem Lohn, oft ohne langfristige Perspektive.

Erstellt in Partnerarbeit eine MindMap, in der du darstellst, welche Berufe in der heutigen Zeit besonders gefragt sind und welche eher unsicher sind! Präsentiere deine MindMap vor der Klasse!

Beschreibe, wie sich die Teilzeitquote zwischen 2004 und 2022 für Frauen, Männer und im Gesamtschnitt verändert hat!

Vergleiche die Entwicklung der Teilzeitquote von Frauen und Männern! Welche Unterschiede fallen dir auf?

Erkläre, warum die Teilzeitquote bei Frauen deutlich höher ist als bei Männern! Welche gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Gründe könnten dafür verantwortlich sein?

Entwickelt in Partnerarbeit Ideen, wie der Anteil von Frauen und Männern in Vollzeit- und Teilzeitarbeit gleicher verteilt werden könnte!

Schreibe eine fiktive Geschichte über eine Person, die in Teilzeit arbeitet, und zeige in der Geschichte die Vor- und Nachteile dieser Arbeitsform!

Reflektiere, ob du dir vorstellen könntest, später in Teilzeit zu arbeiten, und begründe deine Meinung!

Scheinselbstständigkeit: Eine Anstellung, die als Selbstständigkeit gilt, aber eigentlich einem festen Job ähnelt – meist ohne soziale Absicherung.

Entwickelt in Partnerarbeit mindestens drei Maßnahmen, wie soziale Ungleichheiten am Arbeitsmarkt verringert werden können (z. B. faire Löhne, bessere Kinderbetreuung, Weiterbildung für gering Qualifizierte, gesetzliche Mindeststandards)! Diskutiert eure Vorschläge mit der Klasse!

Frauen sind besonders betroffen. Selbst Frauen mit Vollzeitjobs verdienen im Durchschnitt um 16 % weniger als Männer

Entwicklung der Teilzeitquote

Abb. 2: Entwicklung der Teilzeitquote in Österreich (2004 – 2022); Statistik Austria

Auch junge Menschen haben Schwierigkeiten, stabile Arbeitsverhältnisse zu finden. Viele absolvieren Praktika oder arbeiten in befristeten Jobs, ohne langfristige Planungssicherheit.

Neue Arbeitszeitmodelle und Herausforderungen

Um den veränderten Bedingungen des globalen Arbeitsmarkts gerecht zu werden, entstanden neue Arbeitszeitmodelle:

2 Teilzeitarbeit: Vor allem in Dienstleistungsberufen verbreitet, aber oft mit niedrigem Lohn.

2 Geringfügige Beschäftigung: Flexible Arbeitsverhältnisse ohne soziale Absicherung.

2 Befristete Verträge: Kurzzeitige Anstellungen, die keine langfristige Sicherheit bieten.

2 Scheinselbstständigkeit: Beschäftigte gelten offiziell als Selbstständige, haben aber oft keine echten unternehmerischen Freiheiten.

Diese Modelle sind für Unternehmen vorteilhaft, weil sie Kosten sparen, führen aber für viele Beschäftigte zu Unsicherheit und Armut trotz Arbeit.

Wer profitiert – und wer verliert?

Die Globalisierung hat die Wirtschaft verändert und bietet neuen Chancen für gut ausgebildete Arbeitskräfte. Gleichzeitig hat sie aber auch soziale Ungleichheiten verschärft. Viele Menschen arbeiten unter prekären Bedingungen, während große Unternehmen von internationalen Märkten profitieren. Besonders betroffen sind Frauen, junge Menschen und geringqualifizierte Arbeitskräfte.

Die Zukunft der Arbeitswelt wird davon abhängen, wie Politik, Wirtschaft und Gesellschaft mit diesen Herausforderungen umgehen. Maßnahmen wie faire Löhne, soziale Absicherung und bessere Arbeitsbedingungen sind entscheidend, um den sozialen Zusammenhalt zu erhalten und Armut trotz Arbeit zu verhindern.

Stelle eine Playlist zusammen, die typische Songs aus verschiedenen Jugendkulturen enthält! Spiele einige Lieder vor und erkläre, was sie über die jeweilige Kultur aussagen!

Rollenspiel: Umweltdebatte: Führt eine Debatte zum Thema „Soll der Ausbau des Straßennetzes in Österreich gestoppt werden, um die Artenvielfalt zu schützen?“. Übernehmt verschiedene Rollen wie Umweltaktivistin/Umweltaktivist, Politikerin/Politiker oder betroffene Bürgerinnen/Bürger!

Erkläre, warum es wichtig ist, zwischen Meinungen und Fakten zu unterscheiden! Finde jeweils 4 Beispiele für beide Kategorien in Nachrichten!

MEINUNGEN

Lies den folgenden Text und unterstreiche die wesentlichen Aussagen!

D3: Von der Entgrenzung der Arbeit bis zur Arbeit auf Abruf

FAKTEN

Ich AG: von einer arbeitslosen Person gegründetes kleines Unternehmen

[…] Es muss mehr in kürzerer Zeit gearbeitet werden, und das bei einer im Vergleich ohnehin langen Arbeitszeit. Begleitet durch ein immer diffuseres Verständnis der Grenze von Arbeit und Freizeit. […] Das Maximum an „flexibler Arbeitszeit“, so genannte „Null-Stunden-Verträge“ – oder Arbeit auf Abruf – wie sie in anderen Ländern bereits an der Tagesordnung stehen, sind das absolute Gegenteil von Selbstbestimmtheit. Arbeitende sind durch sie dazu gezwungen, ständig zur Verfügung zu stehen und auf Arbeit zu warten, werden aber nur für die Zeit bezahlt, in der sie arbeiten. Während sie warten, verdienen sie nichts. So müssen sie in ständiger Unsicherheit leben, ohne zu wissen, ob sie morgen wieder Arbeit bekommen werden und wieviel Geld sie sich im Laufe der Woche erarbeiten können. Ähnlich ergeht es in Österreich vielen der „Ich AGs“, den Neuen Selbstständigen oder Ein-PersonenUnternehmen. Hier werden wir nicht daran vorbeikommen, den ArbeitnehmerInnen-Begriff neu zu definieren. Aus: https://kontrast.at/geschaeftsmodell-digitalisierung-und-die-maer-von-der-massenarbeitslosigkeit/ (10. 2. 2025) - von SPÖ-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern erstellt

Analysiere, welche Auswirkungen die Flexibilisierung der Arbeitswelt auf viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hat! Berücksichtige dabei die Aspekte der finanziellen Sicherheit und der Freizeitgestaltung!

Erweitere deine Analyse, indem du auch reflektierst, wie die politische Ausrichtung der Quelle (SPÖ-nah) die Darstellung beeinflussen könnte!

Erörtere, welche Auswirkungen die „neue Arbeitswelt“ auf Beziehung, Partnerschaft, Kinderwunsch und Kinderbetreuung haben könnte!

Präsentiere deine Ergebnisse der Klasse und tauscht euch darüber aus!

So schätze ich mich nach dem Großkapitel „Gesellschaftlicher Wandel“ selbst ein: Kreuze jenen Daumen an, der für dich am ehesten zutreffend ist!

Ich kann…

…erklären, was Jugendkulturen sind und wie sie entstehen.

…darstellen, wie Jugendkulturen durch Musik, Kleidung und Hobbys ihre Persönlichkeit ausdrücken.

…erläutern, wie Jugendkulturen gesellschaftliche Veränderungen beeinflussen.

…meine eigene Zugehörigkeit zu einer Jugendkultur reflektieren und erklären, warum sie mir wichtig ist.

…die Bedeutung des Umweltschutzes für die Gesellschaft erläutern.

…erklären, wie soziale Bewegungen wie die Umwelt-, Frauen- und Friedensbewegung in Österreich entstanden sind.

…Strategien sozialer Bewegungen wie Demonstrationen, Kampagnen und Bildungsarbeit beschreiben.

…erklären, wie antirassistische Bewegungen durch Demonstrationen, soziale Medien und Bildungsarbeit Veränderungen bewirken.

…erläutern, warum politische Partizipation wichtig ist.

…konkrete Maßnahmen nennen, wie ich selbst aktiv gegen Rassismus vorgehen kann.

…erklären, was Extremismus und Populismus bedeuten und warum sie gefährlich sind.

…die verschiedenen Formen von Extremismus beschreiben.

…Merkmale und Strategien des Populismus erkennen und analysieren.

…Maßnahmen benennen, wie man sich gegen Extremismus und Populismus wehren kann.

…beschreiben, wie sich Antisemitismus heute zeigt

…die Auswirkungen der Globalisierung auf den Arbeitsmarkt in Österreich erklären.

…darstellen, wie sich Arbeitszeitmodelle wie Teilzeitarbeit oder befristete Verträge auf Beschäftigte auswirken.

…Maßnahmen nennen, wie soziale Ungleichheiten im Arbeitsmarkt abgebaut werden können

Buchtipps für besonders Wissensdurstige

Um deine Kompetenzen noch mehr zu steigern, hier unsere Buchtipps:

Buchtipps für besonders Wissensdurstige

Inés María Jiménez: Dann geh doch die Welt retten: Zusammen für den Klimaschutz (Carlsen 2022).

Angie Thomas: The Hate U Give (cbt 2018).

1. ALLE MENSCHEN SIND FREI UND GLEICH

Q1: Menschenrechtserklärung (1948)

Art. 1: Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. […]

Aus: http://www.un.org/depts/german/menschenrechte/aemr.pdf (3. 2. 2025)

Dieser erste Satz der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte sichert jedem Menschen – unabhängig von sozialer und nationaler Herkunft, von Hautfarbe, Geschlecht, Religion oder Vermögen – gleiche Rechte und Freiheiten zu. Diese gelten ausnahmslos für jeden Menschen weltweit, sind also universell gültig. Alle Menschenrechte sind gleichrangig und unteilbar. Das bedeutet, dass wir uns nicht aussuchen können, welche Menschenrechte wir anerkennen und achten wollen.

Die Menschenrechte wurden in mehreren Schritten und über eine Dauer von mehreren Jahrhunderten niedergeschrieben. Die wesentlichen Schritte von der Aufklärung bis zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte 1948 hast du schon in der 2. Klasse kennengelernt. Derzeit sind Menschenrechte in zahlreichen unterschiedlichen Dokumenten festgeschrieben, u. a. in den internationalen Menschenrechtsverträgen der Vereinten Nationen und in regionalen Organisationen wie dem Europarat oder der Europäischen Union sowie den Verfassungen der einzelnen Staaten. Durch diese Festschreibung in Verfassungen und völkerrechtlichen Verträgen ist es möglich, die Einhaltung der Menschenrechte einzuklagen.

Menschenrechtsverletzungen weltweit

Im Jahr 2023 hat Amnesty International die Menschenrechtslage in Ländern und Gebieten weltweit untersucht.

MENSCHENRECHTE

2 Recht auf Leben

2 Verbot der Folter

2 persönliche Freiheit

2 Privatheit

2 Recht auf Nahrung und Wasser

2 Recht auf Wohnung

2 Recht auf Bildung

2 Recht auf ein faires Verfahren

2 Recht auf Religionsfreiheit

2 Recht auf Familie

2 Meinungsäußerungsfreiheit

2 Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit

2 Recht auf Arbeit

2 Recht auf angemessene Arbeitsbedingungen

2 Recht auf Gesundheit

2 Recht auf soziale Sicherheit

Q1: Lies unter www.un.org/depts/german/ menschenrechte/aemr.pdf die Erklärung der Menschenrechte aufmerksam durch!

Arbeitet zu zweit und macht Folgendes: Wählt 3 Artikel aus, die ihr besonders wichtig findet!

Fasst sie in einfachen Worten zusammen!

Erklärt, warum sie für das Leben der Menschen wichtig sind und gebt je ein Beispiel aus dem Alltag, wo dieses Recht eine Rolle spielt!

Erläutere, welche Bedeutung Menschenrechte in deinem Alltag, in der Schule und in der Freizeit haben!

Sammelt gemeinsam Beispiele für Situationen, in denen ihr direkt mit verschiedenen Rechten in Berührung kommt, in denen eventuell sogar eure Rechte eingeschränkt werden!

universell: alle Bereiche umfassend

Viele Regierungen unterdrückten Meinungs- und Pressefreiheit, indem sie kritische Stimmen kriminalisierten, Journalistinnen und Journalisten verhafteten und Proteste gewaltsam niederschlugen. Politische Gefangene wurden in zahlreichen Ländern inhaftiert, oft ohne faire Verfahren. Diskriminierung und Gewalt gegen Minderheiten, Frauen und LGBTQ+-Personen nahmen in vielen Regionen zu.

Amnesty International: Nichtregierungsorganisation, die sich weltweit für Menschenrechte einsetzt Recherchiere gezielt auf den Webseiten von Amnesty International oder Human Rights Watch! Sammle 3 aktuelle Beispiele für Menschenrechtsverletzungen in unterschiedlichen Weltregionen. Notiere zu jedem Beispiel:

• In welchem Land es passiert ist

• Welches konkrete Menschenrecht verletzt wurde (z. B. Meinungsfreiheit, Schutz vor Folter, Recht auf Bildung …)

• Wer besonders betroffen ist (z. B. Frauen, Kinder, Minderheiten)

Stelle deine Ergebnisse in der Klasse vor und besprecht, welche Rechte am häufigsten verletzt werden!

Politische Urteile bilden

Wenn wir Menschenrechtsverletzungen bewerten, geben wir ein politisches Urteil ab. Das ist mehr als eine Meinung – es ist eine begründete Bewertung.

Die Menschenrechte gelten auch für Kinder – Kinderrechte

Ebenso wie Menschenrechte waren auch Kinderrechte lange Zeit nicht selbstverständlich. Erst im Zuge der ersten Menschenrechtserklärungen kam es zu einer Auseinandersetzung mit den Rechten der Kinder

In der Erklärung der Menschenrechte von 1789 wird nicht auf Kinder eingegangen. Trotzdem kommt es zu einer Auseinandersetzung mit den Rechten der Kinder.

Der Völkerbund verabschiedet die „Children´s Charta“. Durch diese sogenannte „Genfer Erklärung“ sollten die Versorgung und der Schutz von Kindern garantiert werden.

Die schwedische Reformpädagogin Ellen Key ruft das „Jahrhundert des Kindes“ aus.

Die UN-Generalversammlung verabschiedet die „Erklärung der Rechte des Kindes“. Die UN-Generalversammlung ruft das Internationale Jahr des Kindes aus. Die UNO beschließt die UN-Kinderrechtskonvention.

DIE UN-Kinderrechtskonvention

Kinder haben das Recht auf …

… Gleichheit

… Gesundheit

… Bildung

… gewaltfreie Erziehung

… Spiel und Freizeit

… Schutz vor wirtschaftlicher und sexueller Ausbeutung

… Schutz im Krieg und auf der Flucht

… Betreuung bei Behinderung

… elterliche Fürsorge

… freie Meinungsäußerung, Information und Gehör

D1: Notiere auf einem Blatt, welche Menschenrechtsverletzungen UNICEF dokumentiert!

Verfasse einen Leserbrief, in dem du auf die Verletzungen der Kinderrechte aufmerksam machst!

Die UN-Kinderrechtskonvention besteht aus 54 Artikeln, die meistens zu den zehn wichtigsten Rechten für Kinder zusammengefasst werden. Diese gelten weltweit für alle jungen Menschen von Geburt an bis zum Abschluss ihres 18. Lebensjahres. Mit Ausnahme der USA und Somalias wurde die Konvention von allen Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen unterschrieben und in Kraft gesetzt.

Verletzungen der Kinderrechte

Noch immer wächst eine große Anzahl von Kindern ohne ausreichende Nahrung, ohne sauberes Trinkwasser, ohne medizinische Versorgung und ohne Zugang zu Bildung auf.

D1: UNICEF Österreich zum internationalen Tag der Kinderrechte

Obwohl in den vergangenen Jahrzehnten ein deutlicher Fortschritt für Kinder erzielt wurde, sterben immer noch beinahe sechs Millionen Kinder jährlich an Ursachen, die eigentlich vermeidbar wären. Des Weiteren sterben Kinder aus ärmeren Haushalten doppelt so oft vor ihrem fünften Geburtstag als Kinder aus reicheren Ländern.

Beinahe 50 Millionen Kinder sind von ihrem Zuhause entwurzelt – 28 Millionen davon mussten aufgrund von Konflikten und Kriegen flüchten. […] Fast 385 Millionen Kinder leben in extremer Armut und über 250 Millionen haben keine Möglichkeit in die Schule zu gehen und zu lernen. Fast 300 Millionen Kinder leben in Gebieten mit stark verunreinigter Luft – das ist nahezu jedes siebte Kind weltweit.

Aus: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20161118_OTS0207/unicef-oesterreich-zum-internationalen-tag-der-kinderrechte (3. 2. 2025)

1 2

Kreativwettbewerb – Menschenrechte? Sind doch selbstverständlich, oder nicht? Fasse deine Gedanken zum Thema Menschenrechte in Worte, in Töne oder Bilder! Mit Fantasie und Kreativität kannst du die Idee der Menschenrechte lebendig und erfahrbar machen!

Zitate zu den Menschenrechten Lies die folgenden Zitate zunächst aufmerksam durch!

Die Menschenrechtsverletzungen von heute sind die Massaker von morgen.

Kofi Annan, Generalsekretär der Vereinten Nationen, 1997 - 2006

Nicht Menschenrechte werden verletzt, sondern Menschen.

Walter Ludin, Journalist, Theologe und Buchautor, geb. 1945

3

Die Befreiung von der Unterdrückung ist ein Menschenrecht und das höchste Ziel jedes freien Menschen.

Nelson Mandela, erster schwarzer Staatschef Südafrikas, 1918 - 2013

Ich bin nicht Ihrer Meinung, aber ich werde mich vehement dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen. René Descartes, französischer Philosoph, 1596 - 1650

Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.

Benjamin Franklin, amerikanischer Staatsmann, 1706 - 1790

Ich habe einen Traum, dass meine vier Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilen wird.

Martin Luther King, amerikanischer Bürgerrechtler, 1929 - 1968

Wähle nun eines der Zitate aus und notiere deine Gedanken zu folgenden Fragestellungen!

2 Welches politische Urteil wird mit diesem Zitat abgegeben?

2 Ist dieses Urteil auch heute noch von Bedeutung?

2 Wie kann dieses Urteil begründet werden?

2 Welche Auswirkungen hat dieses Urteil auf die Umsetzung der Menschenrechte?

4 5

Suche nun Mitschüler/innen, die das gleiche Zitat wie du ausgewählt haben und bildet eine Gruppe! Diskutiert nun zunächst in der Gruppe folgende Fragen:

2 Was genau spricht mich an diesem Zitat an?

2 Wie interpretiere ich dieses Zitat?

2 Teile ich die Einstellung, die durch dieses Zitat vermittelt wird?

Die Gruppe stellt im Anschluss darin ihr Zitat der Klasse vor und präsentiert die gewonnenen Ergebnisse!

Arten von politischen Urteilen:

Sachurteil: Ist etwas richtig oder falsch? (Stimmt die Behauptung?)

Werturteil: Ist etwas gerecht, fair oder mit Grundrechten vereinbar?

Folgenurteil: Welche Folgen hat etwas für die Gesellschaft oder für Betroffene?

So baust du ein Urteil auf:

1. Aussage oder Problem benennen

2. Standpunkt einnehmen (zustimmen / ablehnen / teilweise)

3. Begründung mit Wissen, Werten und möglichen Folgen

4. Fazit ziehen

Wähle eines der folgenden Länder aus (z. B.): Afghanistan – Iran – Russland – Myanmar – China Recherchiere gezielt (z. B. auf Amnesty International, Human Rights Watch, UN-Menschenrechtsrat oder seriösen Nachrichtenseiten):

2 Welche Menschenrechte dort verletzt werden (z. B. Meinungsfreiheit, Recht auf Bildung, Frauenrechte, Schutz vor Folter, Kinderrechte …).

2 Wer davon besonders betroffen ist (z. B. Frauen, Kinder, Minderheiten).

Beurteile in deinem Heft:

2 Wie ist die Menschenrechtssituation insgesamt in diesem Land?

2 Wie schwerwiegend sind die Verstöße?

2 Welche Maßnahmen wären nötig, um die Situation zu verbessern? Schreibe deine Beurteilung in ganzen Sätzen!

Fantasiereise – Stelle dir vor, du reist in Gedanken in ein Land, in dem alle Kinderrechte erfüllt sind! Gestalte deine Reiseerlebnisse: Verfasse einen Reisebericht oder male ein Bild / eine Collage!

Daran kannst du dich orientieren:

2 Wie leben die Kinder dort?

2 Wie werden sie behandelt?

2 Was dürfen und können sie alles?

2 Wie sieht ihr Alltag aus (Schule, Freizeit, Gesundheit, Schutz, Mitbestimmung)?

Die folgende Grafik wurde von UNICEF erstellt. Die Studie „Fairness für Kinder“ erstellte aufgrund von erhobenen Daten (Ungleichheiten beim Einkommen, beim Schulerfolg, bei selbst berichteten Gesundheitsproblemen, bei der persönlichen Lebenszufriedenheit) eine Rangliste von 41 Industrieländern. Diese Rangliste zeigt, wie weit dort die am stärksten benachteiligten Kinder am unteren Ende der Gesellschaft hinter ihren Altersgenossen in der Mitte zurückbleiben.

UNICEF

Beschreibe die dargestellten Länder, die Anzahl der teilnehmenden Staaten und die untersuchten Kriterien

Erkläre die Bedeutung der Rangplätze und die Aussage der Grafik zur Situation benachteiligter Kinder!

Beurteile die Situation von Kindern in Österreich im Vergleich zu anderen Ländern und leite Maßnahmen ab, um Benachteiligungen abzubauen!

Teilt die Klasse in zwei Gruppen: Gruppe 1 spricht sich dafür aus, Kinderarbeit weltweit komplett zu verbieten, Gruppe 2 dafür, sie nur unter strikten Regulierungen und Schutzmaßnahmen zu erlauben. Jede Gruppe erarbeitet mindestens drei politische Argumente mit Bezug auf Rechte, Wirtschaft, Bildung und Menschenwürde! Führt eine Debatte durch, in der jede Gruppe ihre Position präsentiert, Argumente austauscht und ein Gegenargument en tgegnet. Abschließend erstellt jede Gruppe ein

und wie Kinderarbeit weltweit beendet oder reguliert werden sollte, und präsentiert dieses Urteil mit Begründung!

Quelle:
Office of Research – Innocenti (2020): Report Card 16: Worlds of Influence – Understanding what shapes child well-being in rich countries.

2. POLITISCHE PARTIZIPATION

Wie funktioniert Politik in Österreich?

Die vier wichtigsten Grundsätze der österreichischen Bundes-verfassung sind:

ÖSTERREICH IST EINE DEMOKRATIE: Die Volksvertreterinnen und Volksvertreter (Abgeordnete) sind vom Volk gewählt. Dies ermöglicht Staatsbürgerinnen und Staatsbürgen, die Politik der Gemeinden, des Bundeslandes und des Gesamtstaates mitzubestimmen

ÖSTERREICH IST EINE REPUBLIK: Es gibt keinen Monarchen, sondern ein gewähltes Staatsoberhaupt, den Bundespräsidenten.

ÖSTERREICH IST EIN RECHTSSTAAT: Dies bedeutet, es gibt Gesetze, die von allen Staatsorganen eingehalten werden müssen. Die Richterinnen und Richter sind unkündbar, unversetzbar und unabsetzbar.

ÖSTERREICH IST EIN BUNDESSTAAT: Das österreichische Bundesgebiet besteht aus neun Bundesländern, 95 politischen Bezirken und 2092 Gemeinden. Gesetze werden auf Bundes- und Landesebene beschlossen, Gemeinden können hingegen nur Verordnungen erlassen, um bestehende Gesetze für ihren Bereich genauer zu regeln.

Um alle Aufgaben des Staates durchführen zu können, gibt es Organe der Gesetzgebung (Legislative), Organe der Verwaltung (Exekutive) und Organe der Gerichtsbarkeit (Judikative).

Wie du bereits gehört hast, sind die drei Gewalten. unabhängig von einander. Dies wird als Gewaltentrennung bezeichnet. Auf dieses Weise werden eine zu große Machtkonzentration und Willkür verhindert.

Das föderalistische (bundesstaatliche) Prinzip

Da Österreich ein Bundesstaat ist, ist in der Verfassung geregelt, dass auch Länder und Gemeinden Gesetze beschließen und vollziehen können. Alle Themen, die nicht ausdrücklich dem Bund zugewiesen sind, werden von den Bundesländern und den Gemeinden bearbeitet.

Abb. 1: Erkläre, warum die Unabhängigkeit von Richterinnen und Richtern in einer Demokratie so wichtig ist!

Ordne die Begriffe Legislative (1), Exekutive (2) und Judikative (3) den passenden Bildern zu!

Begründe deine Entscheidung: Warum passt der Begriff zu diesem Bild?

Abb. 1: Gewaltentrennung in Österreich

Judikative

Die Exekutivorgane vollziehen die Gesetze. Auf Bundesebene ist dies die Bundesregierung. Diese besteht aus allen Ministerinnen und Ministern, Staatssekretärinnen und Staatssekretären unter dem Vorsitz der Bundeskanzlerin oder des Bundeskanzlers. Auf Landesebene ist dafür die Landesregierung zuständig.

Die Ministerien verfügen über eigenes Personal, das die Gesetze vollzieht. Es gibt aber auch zahlreiche untergeordnete Organisationen, die ebenfalls für den Vollzug von Gesetzen verantwortlich sind. Dazu gehört auch „die Exekutive“ – die Polizei – die dem Innenministerium untersteht.

Der Oberste Gerichtshof (OGH), der Verfassungsgerichtshof (VfGH), und der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) sind Höchstgerichte. Ihre Entscheidungen sind endgültig. Zusätzlich gibt es noch Oberlandesgerichte, Landesgerichte, und Bezirksgerichte.

OGH: entscheidet in Fällen, die das Straf- oder Zivilrecht betreffen

VfGH: Achtet auf die Einhaltung der österreichischen Verfassung und prüft, ob Gesetze der Verfassung entsprechen

VwGH: befasst sich mit Beschwerden gegen Entscheidungen der Verwaltung; in jedem Bundesland gibt es ein Landesverwaltungsgericht.

POLITISCHE MITBESTIMMUNG

Diskutiert in der Klasse über die Machtverteilung in Österreich! Berücksichtigt dabei folgende Aussagen!

• Gesetze werden von der Mehrheit der Abgeordneten beschlossen.

• Minderheiten haben keine politische Macht.

• Demokratisch gewählte Regierungen können auch undemokratische Maßnahmen beschließen.

Das österreichische Parlament

Wesentlichste Aufgaben des österreichischen Parlaments, das aus Nationalrat und Bundesrat besteht, sind die Kontrolle der Regierung und der Beschluss von Gesetzen, die für ganz Österreich gelten. Diese dürfen jedoch nicht den EU-Gesetzen widersprechen.

Der Nationalrat besteht aus 183 Abgeordneten, die alle fünf Jahre von den wahlberechtigten Österreicherinnen und Österreichern bei den Nationalratswahlen gewählt werden. Der Bundesrat hat 60 Mitglieder, die von den Bundesländern in den Landtagen entsandt werden und die Interessen der einzelnen Bundesländer vertreten.

D1: Erkläre, warum eine Demokratie Parteien braucht!

Abb. 3: Wählt zwei bis drei der im Nationalrat vertretenen Parteien aus und sucht auf deren Homepage jeweils einen kurzen Abschnitt oder ein Kapitel zu je einem der folgenden Themen:

• Europäische Union

• Umwelt / Klima

• Bildung

Erstellt in Partnerarbeit eine Tabelle mit diesen Spalt| Partei | Thema | Wichtigste Aussagen / Forderungen | Gemeinsamkeiten mit anderen Parteien | Unterschiede zu anderen Parteien! |Nutzt gezielt nur kurze Textpassagen (z. B. ein Abschnitt mit 1–2 Seiten) aus den Programmen, damit ihr die wichtigsten Aussagen herausarbeiten könnt!

Präsentiert danach eure Tabelle der Klasse und gebt ein politisches Urteil, welches Parteikonzept ihr in welchem Thema für besonders überzeugend haltet – mit Begründung!

Jugendgemeinderat

Viele österreichische Gemeinden haben bereits eine Jugendgemeinderätin bzw. einen Jugendgemeinderat. Diese oder dieser gehört dem Gemeinderat an und wird bei Entscheidungen einbezogen, die Jugendliche betreffen. Sie oder er unterstützt die Bürgermeisterin/den Bürgermeister bei der Jugendarbeit in der Gemeinde.

Landtage und Gemeinderat

Jedes österreichische Bundesland hat ein eigenes Landesparlament, den sogenannten Landtag. Ebenso wie das Parlament hat der Landtag die Aufgabe, Gesetze zu beschließen und die Landesregierung zu kontrollieren. Der Gemeinderat ist die gewählte Volksvertretung innerhalb einer Gemeinde. Er trifft Entscheidungen für die jeweilige Gemeinde.

Politische Parteien

D1: Politische Partei

Politische Parteien sind Vereinigungen von Menschen mit ähnlichen politischen Zielen. […]

In Österreich ist es vergleichsweise einfach, eine politische Partei zu gründen. Die Statuten der Partei müssen beim Bundesministerium für Inneres hinterlegt werden, und die Ziele dürfen nicht gegen die österreichische Verfassung gerichtet sein. […]

Aus: http://www.politik-lexikon.at/politische-partei/ (3. 2. 2025)

Um im Parlament vertreten zu sein, ist es notwendig, dass eine Partei bei der Nationalratswahl mehr als 4 % der gültig abgegebenen Stimmen erhält. Derzeit sind im Nationalrat folgende Parteien vertreten: FPÖ, ÖVP, SPÖ, NEOS und DIE GRÜNEN.

Abb. 3: Die im Nationalrat vertretenen Parteien (Stand 2025)
Abb. 2: Sitzungssaal des Parlaments

BONUS-SEITE MITBESTIMMUNG IN DER EU

Was hat sich seit dem Beitritt zur EU geändert?

Seit dem EU-Beitritt 1995 wurden einige staatliche Aufgaben von Österreich auf die EU übertragen. Neben Parlament, Landtagen und Gemeinderäten werden nun auch im EU-Parlament und in der EU-Kommission Entscheidungen getroffen. Österreich musste dafür einen Teil seiner Eigenstaatlichkeit abgeben, denn EU-Recht steht über nationalem Recht.

Wer entscheidet in der EU?

In der EU gibt es politische Organe, die für unterschiedliche Bereiche zuständig sind.

Europäische Kommission

© besteht aus 27 Kommissarinnen und Kommissaren

© schlägt Gesetze vor

© überwacht die Umsetzung der europäischen Gesetze

© verwaltet den EU-Haushalt

Europäischer Rat

© besteht aus den Staats- und Regierungschefinnen und Chefs, der Kommissionspräsidenten/dem Kommissionspräsidenten und der Hohen Vertreterin/dem Hohen Vertreter der EU für Außen- und Sicherheitspolitik unter dem Vorsitz der Präsidentin/des Präsidenten des Europäischen Rates

© legt die politischen Ziele der EU fest

Rat der Europäischen Union (Ministerrat)

© besteht aus den Fachministern der Mitgliedsstaaten

© legt EU-Rechtsvorschriften fest

© handelt internationale Übereinkünfte zwischen der EU und anderen Staaten oder internationalen Organisationen aus

Europäisches Parlament

© wird alle 5 Jahre von den Bürgerinnen und Bürgern der EU gewählt

© besteht aus 720 Abgeordneten

© entscheidet über Gesetze und das Budget

© kontrolliert die Kommission

Europäischer Gerichtshof

© stellt sicher, dass das europäische Recht einheitlich in allen Mitgliedsstaaten angewendet wird

Zur EU gehören auch die Europäische Zentralbank (zuständig für die Geld- und Währungspolitik der Euro-Staaten) und der Europäische Rechnungshof (kontrolliert die Verwendung der EU-Gelder und unterstützt Parlament und Kommission bei der Haushaltskontrolle).

Grundrechte in der EU

Die EU hat sich von einer Wirtschaftsgemeinschaft zu einer Wertegemeinschaft mit den Grundwerten Freiheit, Demokratie und Menschenrechte entwickelt. Die „Charta der Grundrechte“ stärkt die Rechte der EU-Bürgerinnen und Bürger. Laut Vertrag von Lissabon beruht die EU auf repräsentativer Demokratie, an der alle Bürgerinnen und Bürger mitwirken dürfen.

Kommissarin/Kommissar, die/der: Mitglied der EURegierung, eines aus jedem Mitgliedsstaat

Brüssel

Europäische Kommission

Brüssel

Rat der Europäischen Union

Straßburg

Europäisches Parlament

Luxemburg

Europäischer Gerichtshof

Abb. 1: von oben nach unten: Sitz der Europäischen Kommission; Sitz des Rats der Europäischen Union; Europäisches Parlament; Europäischer Gerichtshof

Diskutiert in der Klasse darüber, was diese Grundrechte für euch und euer Leben bedeuten! Was bedeutet es, am demokratischen Leben der Union teilnehmen zu können?

Nun geht’s los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

Millionenquiz der Politik! Wie weit kommst du? Beantworte die Fragen! Ob du richtig liegst, erfährst du am Schluss, denn die Buchstaben ergeben ein Lösungswort! Achtung: Nicht alle Antworten findest du in diesem Kapitel, einiges hast du schon in den letzten Jahren gelernt!

1. Wie viele Bundesländer hat Österreich?

O 12 S 9 P 10 100 €

4. Welche Wahl findet nur alle 6 Jahre statt?

I Bundespräsident B Nationalrat

W EU-Parlament 1 000 €

5. Was ist ein Mandatar?

W Kanzler D Abgeordneter T Makler 5 000 €

8. Wer ist in Österreich für die Außenpolitik zuständig?

I Bund J Länder S Gemeinden 100 000 €

9. Wer kann in Österreich Gesetze bestätigen oder ablehnen?

Ö Nationalrat T Bundesrat

C Bundeskanzler 150 000 €

2. Wie nennt man das Grundgesetz eines Staates?

A Verwaltung R Verpflichtung

O Verfassung 300 €

3. Wer wählt den Landeshauptmann/ die Landeshauptfrau?

A Volk L Landtag C Bundesrat 500 €

6. Welche Mehrheit ist notwendig, um ein Verfassungsgesetz zu ändern?

C 1/3 B 1/2 A 2/3 15 000 €

7. Welche Volksabstimmung gab es nicht in Österreich?

R Gentechnik H Zwentendorf

Ü EU-Beitritt 50 000 €

10. Wer vollzieht Gesetze?

R Legislative Ä Exekutive M Judikative 300 000 €

12. Aus welchem Jahr stammt die Bundesverfassung?

§ 1920 $ 1921 & 1919 1 000 000 €

LÖSUNGSWORT:

11. Wie viele Abgeordnete sind im Parlament vertreten?

A 163 N 193 T 183 500 000 €

. SYMBOL: ______

Das Recht auf Partizipation von Kindern und Jugendlichen ist in der 1989 verabschiedeten UN-Kinderrechtskonvention festgeschrieben.

Diskutiert in Gruppen zu jeweils fünf Schülerinnen/Schülern, die Bedeutung der rechtlichen Verankerung des Kinderrechts auf Partizipation! Beachtet dabei folgende Punkte:

© Wie steht ihr zu der in der Konvention genannten Einschränkung, dass das Alter und die Reife des Kindes den Grad der Beteiligung bestimmen?

© Welches Alter erscheint euch für welche Form der (Mit)-Entscheidung sinnvoll?

Q1:

Kinderrechtskonvention – Art. 12, Absatz 1 (1989)

Die Vertragsstaaten sichern dem Kind, das fähig ist, sich eine eigene Meinung zu bilden, das Recht zu, diese Meinung in allen das Kind berührenden Angelegenheiten frei zu äußern, und berücksichtigen die Meinung des Kindes angemessen und entsprechend seinem Alter und seiner Reife.

https://www.kindersache.de/bereiche/kinderrechte/un-kinderrechtskonvention/artikel-12-meine-meinung (3. 2. 2025)

3. MÖGLICHKEITEN DER

MITBESTIMMUNG

Indirekte Demokratie: Was bedeutet das?

Wie du bereits gehört hast, gibt es in einer Demokratie verschiedene Parteien , zwischen denen die Bürgerin und der Bürger eines Staates frei wählen können. Vor einer Wahl macht jede Partei für ihre Ziele Werbung. Anhand dieser Wahlwerbung und der Parteiprogramme können sich die Wählerinnen und Wähler über die Ideologie der verschiedenen Parteien informieren.

Mit deiner Stimmenabgabe wählst du eine Partei. Je mehr Stimmen eine Partei bei einer Wahl bekommt, desto mehr Mandate (Abgeordnetensitze) hat sie im Parlament.

Direkte Demokratie: Was bedeutet das?

Die Österreichische Verfassung besteht aus Elementen der indirekten und direkten Demokratie. Politische Entscheidungen werden zum größten Teil nicht von den Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern persönlich getroffen, sondern von den gewählten Abgeordneten.

Volksabstimmung, Volksbegehren und Volksbefragung sind Instrumente der direkten Demokratie, die es der Staatsbürgerin und dem Staatsbürger ermöglichen, direkt eine Entscheidung zu beeinflussen.

VOLKSABSTIMMUNG

Beschreibe mit eigenen Worten die Unterschiede zwischen direkter und indirekter Demokratie!

Vergleiche die Instrumente der direkten Demokratie! Welches Instrument gibt den Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern die meiste Macht?

Begründe deine Einschätzung!

Zwentendorf EU-Beitritt

Das Volk entscheidet über die Annahme oder Ablehnung eines Gesetzes.

ist für den Nationalrat bindend

VOLKSBEGEHREN

Auf direktem Wege können die österreichischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger auch Gesetzesvorschläge einbringen.

Rundfunkvolksbegehren Frauenvolksbegehren

Ein Gesetzesvorschlag muss von mindestens 100 000 Wahlberechtigten unterschrieben werden, damit der Nationalrat sich damit beschäftigt.

Volksabstimmungen in Österreich

In Österreich gab es bisher erst zwei Volksabstimmungen:

ist für den Nationalrat nicht bindend

Der Gesetzgeber befragt jedoch auch die Wahlberechtigten zu bestimmten Themen.

VOLKSBEFRAGUNG

Atomsperrgesetz: 1978 wurde über die friedliche Nutzung der Atomkraft abgestimmt. Nach dieser Abstimmung wurde das fertig gebaute Kraftwerk in Zwentendorf (NÖ) nicht in Betrieb genommen.

Landeshauptstadt NÖ

Wehrpflicht

Es wird die Meinung der Bevölkerung zu einem Thema abgefragt.

ist für den Nationalrat oder den Landtag nicht bindend

EU-Beitritt: 1994 entschied sich die Mehrheit der Bevölkerung für den Beitritt zur EU.

Nun geht’s los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

Mitbestimmen – aber wie? Sammelt zunächst in einem Brainstorming alle Möglichkeiten der Mitbestimmung, die euch einfallen! Notiert eure Ergebnisse!

Lest nun in Partnerarbeit die Texte aufmerksam durch!

Eine Bürgerinitiative ist der Zusammenschluss mehrerer Personen zur Verhinderung oder Durchsetzung bestimmter Ziele.

Soll z.B. in einem Ort ein bestimmtes Bauvorhaben durchgeführt werden und mehrere Personen sind dagegen, so können sie eine Bürgerinitiative gründen und gemeinsam gegen dieses Vorhaben auftreten.

Eine Bürgerinitiative kann aber genauso gut zur Durchsetzung eines bestimmten Zieles gegründet werden: Wenn z.B. in einer Gemeinde zu wenige Kindergartenplätze vorhanden sind und die Gemeindevertretung dennoch keine weitere Kindergartengruppe schaffen will, so können jene, die eine neue Kindergartengruppe möchten, eine Bürgerinitiative gründen und damit gemeinsam ihr Interesse mit mehr Nachdruck vertreten.

Aus: Politiklexikon für junge Leute (4. 2. 2025)

Unter Zivilgesellschaft versteht man in erster Linie jenen Bereich der Gesellschaft, der nicht staatlich(partei)politisch ist, sondern sich freiwillig und öffentlich in gesellschaftlichen und politischen Fragen engagiert. Zur Zivilgesellschaft gehören zahlreiche NGOs und Initiativen. Ziel dieser Einrichtungen ist es, auf demokratischem Wege die Achtung der Menschenrechte und Solidarität zu fördern, die Kluft zwischen Arm und Reich abzubauen und so zu einer gerechteren Gesellschaftsordnung beizutragen. Non Governmental Organization (NGO) heißt übersetzt Nichtregierungsorganisation (NRO). Gemeint sind damit Organisationen, die wichtige gesellschaftliche Interessen vertreten, aber nicht dem Staat oder der Regierung unterstellt sind. Viele NGOs sind im Umweltschutzbereich tätig (z.B. Greenpeace), andere beschäftigen sich mit Fragen der Menschenrechte (z.B. Amnesty International) oder vertreten die Interessen bestimmter Gruppen (z.B. Landfrauen). Auch das Österreichische Rote Kreuz, die Caritas, Zara – Zivilcourage und Antirassismusarbeit (Zivilcourage), die Asylkoordination oder Ärzte ohne Grenzen sind NGOs.

Aus: http://www.politik-lexikon.at/zivilgesellschaft/ + http://www.politik-lexikon.at/ngo/ (4. 2. 2025)

Erklärt nun mit eigenen Worten, wie Menschen ihre Interessen mit Hilfe einer Bürgerinitiative vertreten können.

Erklärt mit eigenen Worten den Begriff Zivilgesellschaft!

Einigt euch auf ein Thema, das euch sehr stark beschäftigt! Sammelt Möglichkeiten, wie ihr auf euer Anliegen aufmerksam machen könnt und einigt euch im Anschluss daran auf eine dieser Möglichkeiten! Verfasst nun jenes Schriftstück, auf das ihr euch geeinigt habt!

Was könnte zum Erfolg bzw. Misserfolg eures Vorhabens beitragen?

So schätze ich mich nach dem Großkapitel „Politische Mitbestimmung“ selbst ein: Kreuze jenen Daumen an, der für dich am ehesten zutreffend ist!

Ich kann…

…die Bedeutung der Menschenrechte erklären und deren universelle Gültigkeit begründen.

…die wichtigsten Menschenrechtsverletzungen weltweit nennen und Beispiele dazu recherchieren.

…die UN-Kinderrechtskonvention erklären und deren Bedeutung für Kinder weltweit beschreiben.

…die vier Grundprinzipien der österreichischen Verfassung (Demokratie, Republik, Rechtsstaat, Bundesstaat) erklären.

…den Unterschied zwischen direkter und indirekter Demokratie beschreiben und Beispiele geben.

…die Rolle des Parlaments, der Regierung und der Justiz in Österreich erklären.

…politische Möglichkeiten der Mitbestimmung (Bürgerinitiativen, Proteste, Petitionen) beschreiben.

…die Bedeutung von Parteien in der Demokratie erklären und Parteiprogramme vergleichen.

…erläutern, welche Aufgaben Nationalrat, Bundesrat, Landtage und Gemeinderäte haben.

…erklären, warum Österreich ein Bundesstaat ist.

…den Unterschied zwischen Gesetzgebung, Verwaltung und Gerichtsbarkeit erläutern.

…die Unterschiede zwischen Volksabstimmung, Volksbegehren und Volksbefragung erklären.

…die Bedeutung von Bürgerinitiativen und NGOs für politische Entscheidungen beschreiben.

…verschiedene Strategien politischer Partizipation nennen.

…den Begriff Zivilgesellschaft erklären und Beispiele für deren Einfluss auf die Politik nennen.

…selbst eine politische Aktion oder Kampagne zu einem gesellschaftlichen Thema planen.

Buchtipps für besonders Wissensdurstige

Um deine Kompetenzen noch mehr zu steigern, hier unsere Buchtipps:

Jan-Werner Müller: Was ist Populismus? Ein Essay (Suhrkamp Verlag 2016).

Annette Mierswa: Wir sind die Flut: Ein Roman zum Thema Aktivismus (Loewe 2020).

1. MASSENMEDIEN UND IHRE AUFGABEN

Die Funktion der Massenmedien

Medium: Mittel zur Verbreitung von Mitteilungen oder Darstellungen in Schrift, Bild, Ton oder Film

Abb. 1: Logo der Nachrichtensendung des ORF

Abb. 2: Logo der Nachrichtensendung des Privatsenders Puls 4

Vergleicht in Partnerarbeit klassische und neue Medien hinsichtlich ihres Einflusses auf die politische Meinungsbildung. Stellt eure Ergebnisse in einer Tabelle dar!

Bezieht Stellung, ob neue Medien (z. B. soziale Netzwerke) eine Gefahr oder eine Chance für die Demokratie darstellen. Begründet eure Position mit Beispielen!.

Massenmedien, wie Radio, Fernsehen, Tageszeitungen, aber auch die sogenannten Neuen Medien erfüllen in einer Demokratie vielfältige Aufgaben. Einerseits informieren diese Medien die Menschen über Politik, äußern sich jedoch auch kritisch über politische Entscheidungen, andererseits unterhalten sie die Menschen auch durch vielfältige Angebote.

Dadurch, dass Massenmedien informieren, haben sie auch einen wesentlichen Anteil an der öffentlichen politischen Meinungs- und Willensbildung.

Demokratien zeichnen sich meist durch eine Vielzahl an unterschiedlichen Medien aus, die verschiedene Funktionen erfüllen.

INFORMATIONSFUNKTION: Medien vermitteln politisches, wirtschaftliches und soziales Wissen. Aus der Informationsfunktion der Massenmedien ergeben sich folgende Forderungen, die Massenmedien erfüllen sollten: Einerseits ist es wichtig, dass sie möglichst vollständig berichten. Andererseits sollte die Berichterstattung objektiv erfolgen. Persönliche Meinungen müssen in jedem Fall als solche gekennzeichnet sein. Darüber hinaus soll die Berichterstattung auch verständlich sein, sodass auch Nicht-Expertinnen und Nicht-Experten den Sachverhalt verstehen.

(MEINUNGS-)BILDUNGSFUNKTION: Im direkten Zusammenhang mit der Informationspflicht steht die Meinungsbildungsfunktion. Es ist wichtig, dass politische Diskussionen und Entscheidungen öffentlich gemacht werden, damit die Wählerinnen und Wähler über ihre Interessen entscheiden können. Der Österreichische Rundfunk (ORF) hat außerdem einen gesetzlich verankerten Bildungsauftrag.

SOZIALE FUNKTION: Medien vermitteln Normen und gesellschaftliche Werte.

POLITISCHE FUNKTION: Medien ermöglichen die Kommunikation zwischen Politik und Bevölkerung.

KONTROLLFUNKTION: Aufgabe der Medien ist es, unabhängig von politischen Parteien zu berichten und Missstände aufzuzeigen.

UNTERHALTUNGSFUNKTION: Unterhaltung ist eine der Hauptaufgaben der Massenmedien.

Wichtig: Diese Funktionen lassen sich in der Praxis oft nicht klar voneinander trennen. Deshalb ist es wichtig, Medieninhalte immer kritisch zu hinterfragen.

Welche Massenmedien gibt es?

In der Regel unterscheidet man zwischen „Klassischen Medien“ und „Neuen Medien“.

KLASSISCHE MEDIEN

Printmedien – Tageszeitungen, Wochenzeitungen, Magazine, … Rundfunk – Fernsehen, Radio Film, Kino, …

Viele dieser Geräte nutzen das Internet als Grundlage. Darauf basieren zahlreiche Dienste wie soziale Netzwerke (z. B. Instagram, TikTok), Streamingplattformen (z. B. YouTube, Netflix), Suchmaschinen, OnlineNachrichtenportale, E-Mail oder Messenger-Dienste (z. B. WhatsApp).

Mediennutzung

D1: Die Mediennutzung der Österreicher

12. Juli 2022: 8,7 Stunden täglich nutzen die Menschen ab 14 Jahren in Österreich Medien: Zu dem Schluss kommt die Onlinebefragung Media-Server im Auftrag österreichischer Medien. Zu diesen 522 Minuten im Schnitt pro Tag trägt die gesamte Onlinenutzung am meisten bei vor TV und Radio. Social Media machen hier 73 Minuten aus.[…] Beim Publikum unter 50 Jahren liegt die tägliche Internetnutzung laut Media-Server schon bei 337 Minuten; Menschen zwischen 14 und 29 kommen auf 420 Minuten täglich. Davon gehen 111 beziehungsweise 161 an Social Media. 155 Minuten sehen die Menschen zwischen 14 und 49 täglich fern, 145 Minuten jene bis 30.[…] Die Printnutzung ist in der jüngsten ausgewiesenen Zielgruppe zwischen 14 und 29 mit 30 Minuten etwas höher als in der Altersgruppe bis 49 mit 26 Minuten.

Aus: Neue Studie: Menschen in Österreich nutzen Medien täglich 8:42 Stunden - Medien - derStandard.at › Etat (15. 2. 2025)

Nach neuesten Daten lesen nur mehr 58 % der Österreicherinnen und Österreicher regelmäßig eine Tageszeitung. Vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen geht diese Zahl ständig zurück. In diesen Gruppen gewinnen hingegen Informationsplattformen wie das Internet kontinuierlich an Bedeutung.

Das Mediengesetz

Wie du bereits gehört hast, ist in der österreichischen Bundesverfassung das Recht auf freie Meinungsäußerung garantiert.

D2: Die Pressefreiheit in Österreich

D1: Fasse die Studie zur Mediennutzung in eigenen Worten zusammen!

Abb. 3 + D1: Analysiere die Daten aus der Grafik und setze sie mit der Studie in Verbindung! Zu welchem Schluss kommst du?

Abb.3: Reichweitenentwicklung 2010 – 2020; Ergebnisse der Medienananlyse 2010 und 2020

Die Pressefreiheit, also die freie Berichterstattung von Rundfunk, Fernsehen und Presse, ist ein wichtiger Bestandteil einer Demokratie. Die Medien informieren die Menschen über das öffentliche Geschehen, was die Regierung und das Parlament tut und was die Opposition dazu sagt. Dafür ist es ganz wichtig, dass die Medien frei und unabhängig berichten können, damit sich auch jede und jeder seine eigene Meinung bilden kann.

Aus: https://www.demokratiewebstatt.at/demokratie/lexikon/pressefreiheit (10.2. 2025))

Im Mediengesetz ist dieses Recht auf freie Meinungsäußerung zusätzlich garantiert, allerdings gibt es gewisse Einschränkungen. Das Mediengesetz schützt die Einzelne/den Einzelnen vor übler Nachrede, Beschimpfungen, Verspottung und Verleumdung. Wird dieses Recht durch ein Medium verletzt, hat die betroffene Person Anspruch auf Schadenersatz sowie auf eine unentgeltliche Gegendarstellung.

Weiters wird auch die Privatsphäre geschützt. So darf nicht über höchstpersönliche Lebensbereiche einer Person berichtet werden und es darf zu keiner Bloßstellung in der Öffentlichkeit kommen.

Verdächtige Personen, die aber noch nicht rechtskräftig verurteilt wurden, dürfen in den Medien nicht als Täterin oder Täter dargestellt werden. Man spricht in diesem Fall vom Schutz der Unschuldsvermutung. Ein Urteil steht ausschließlich den Gerichten zu. Durch diese Einschränkung soll eine Vorverurteilung durch die Medien verhindert werden.

Das Mediengesetz gilt auch für öffentliche Websites. Dies bedeutet, dass auch von einzelnen Personen betriebene Websites sich an dieses Gesetz halten müssen.

D2: Nimm Stellung: Welche Bedeutung hat die Pressefreiheit für die Demokratie? Fasse deine Gedanken in mindestens 6 Sätzen zusammen!

Recherchiert mit „Reporter ohne Grenzen –Pressefreiheitsindex“ gezielt 3 Länder mit stark eingeschränkter Pressefreiheit!

Wählt ein Land aus und notiert kurz: Hauptgründe der Einschränkung, ein aktuelles Beispiel (mit Quelle) und eure Beurteilung, wie gravierend die Lage ist! Verfasst anschließend eine Petition an die Regierung dieses Landes, in der ihr

• die Missstände kurz beschreibt,

• euch auf internationale Menschenrechte (z. B. Art. 19 AEMR) beruft

• und drei konkrete Forderungen für mehr Pressefreiheit stellt!

Nun geht’s los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

Beschreibe deine persönliche Mediennutzung in einem kleinen Aufsatz! Erläutere dein Medienverhalten hinsichtlich der benutzten Medien, der Nutzungsdauer und deiner Motivation nach bestimmten Formen von Mediennutzung!

Vergleicht eure Ergebnisse zunächst in Partnerarbeit und anschließend in Gruppenarbeit anhand folgender Fragen!

B Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede könnt ihr feststellen?

B Gibt es Kritik an deinem Medienverhalten und wenn ja von wem, mit welcher Begründung?

B Kannst du die Kritik nachvollziehen? Begründe deine Einschätzung!

Nenne die Funktionen, die Medien zu erfüllen haben und beschreibe jede Funktion mit mindestens einem Satz!

Die folgende Tabelle zeigt dir die täglichen Verkaufszahlen österreichischer Tageszeitungen in absoluten Zahlen für das Jahr 2022 (Die Zahlen beziehen sich auf die durchschnittlichen Verkäufe von Montag bis Samstag, so wie sie von der österreichischen Auflagenkontrolle erhoben worden sind). Analysiere diese Tabelle und erstelle anschließend mit einem Tabellenkalkulationsprogramm ein Kreisdiagramm, das die jeweiligen Anteile darstellt!

5 gefällt mir: gefällt mir nicht:

Sammelt eine Woche lang die Ausgaben der auflagenstärksten Zeitung eures Bundeslandes und lest diese dann in der Klasse!

Formuliere anschließend in Stichworten, was dir an dieser Zeitung gefällt bzw. nicht gefällt!

Führe eine Pro-Contra-Diskussion zum Thema: „Tageszeitungen mit hoher Auflage haben zu viel Einfluss auf die öffentliche Meinung.“ Erarbeite in Gruppen je drei politische Argumente, diskutiere sie und formuliere am Ende ein eigenes begründetes Urteil!

2. POLITIK ALS INSZENIERUNG – MEDIENDEMOKRATIE

inszenieren: technisch und künstlerisch vorbereiten, gestalten, leiten, geschickt präsentieren

Recherchiere im Internet zum Thema „Inserate der Regierung in Zeitungen“! Diskutiert anschließend darüber, was die Regierung damit erreichen will!

D1: Arbeite die Kernaussage dieser Darstellung heraus und unterstreiche sie im Text!

perfekt geplanter

Medienauftritt: jedes Detail (Kleidung, Körperhaltung, Frisur, Inhalte, …) werden zuvor genau festgelegt

Wie du bereits gehört hast, sind Massenmedien in einer Demokratie von zentraler Bedeutung. Dadurch, dass sie Öffentlichkeit herstellen, sind sie zentrale Informationsvermittler, aber auch Interpreten politischer Entscheidungen. Die politischen Parteien versuchen daher möglichst viel Kontakt zu Journalistinnen und Journalisten zu haben, um so auch möglichst oft in der Berichterstattung vorzukommen. Umgekehrt suchen Journalistinnen und Journalisten den Kontakt zu Politikerinnen und Politikern, um Zugang zu möglichst vielen Informationen zu erhalten.

D1: Mediendemokratie

Mediendemokratie bedeutet, dass sich Politik immer mehr an den Bedürfnissen und Vorgaben von Massenmedien ausrichtet. Wenn über ein bestimmtes Ereignis in der ZiB 1, also den Hauptnachrichten im ORF, berichtet werden soll, so wissen Politiker und Politikerinnen, dass sie rechtzeitig vorher die Redaktion informieren müssen. Wer erst um 21.00 Uhr eine Pressekonferenz ansetzt, kann nicht damit rechnen, dass am nächsten Morgen darüber bereits in Zeitungen und Magazinen berichtet wird. Zur Mediendemokratie gehört auch, dass bestimmte Ereignisse oder Themenfelder regelrecht inszeniert werden (z.B. Wahlkampfauftritte). Es wird genau geplant, wer wie auftreten muss, um möglichst vorteilhaft in den Medien zu erscheinen. Eine Gefahr bei dieser Entwicklung ist, dass Inszenierungen im Vordergrund stehen und politische Inhalte in den Hintergrund treten.

Aus: http://www.politik-lexikon.at/mediendemokratie/ (10. 2. 2025)

D2: TV-Duelle geben Impulse

Plasser [Politologe Fritz Plasser] schätzt, dass die TV-Debatten in den kommenden Tagen und die Elefantenrunde am Donnerstag jenen Wählern eine „letzte Orientierungshilfe“ und einen „letzten Impuls“ geben könnten, die zuletzt auf Distanz zu ihren bisher favori-sierten Parteien gegangen sind.

Insgesamt, resümiert der Politikwissen-schafter, „haben die Massenmedien, Fernsehen, Radio und Print, in diesem Wahlkampf unglaubliches Interesse bei den Bürgern ausgelöst und die Bereitschaft, an der Wahl teilzunehmen, gestärkt“.

Aus: Kopenik, Margaretha: Schmutz-Wahlkampf nützt Blau, Grün, Pink&Pilz in Kurier vom 10. 10. 2017, S. 3

Diese Entwicklung wird auch als Mediendemokratie bezeichnet. In einer Parteiendemokratie ist es die Aufgabe der Medien, die Politik zu beobachten und darüber zu berichten.

In einer Mediendemokratie hingegen beobachten die Politikerinnen und Politiker die Medien und passen sich ihren Vorgaben an. Dies führt dazu, dass politische Debatten mehr und mehr mit Unterhaltung verknüpft werden und Wahlkämpfe sich durch perfekt geplante Medienauftritte auszeichnen.

Abb 1: Die Spitzenkandidatin und die Spitzenkandidaten bei der TV-Diskussion vor der Nationalratswahl 2024 (Elefantenrunde) im ORF (26. 9. 2024); von links nach rechts: Werner Kogler (Die

Andreas

Herbert Kickl (FPÖ), Beate Meindl-Reisinger (NEOS)

Karl

Grünen),
Babler (SPÖ),
Nehammer (ÖVP),

Onlinemedien – Soziale Netzwerke

Soziale Netzwerke ermöglichen es Menschen, miteinander in Kontakt zu treten bzw, einander zu treffen. Geschah dies früher vor allem persönlich, so ermöglicht das Internet heute die Kontaktaufnahme und den Austausch über verschiedene Onlineplattformen . Die größte und bekannteste Onlineplattform ist Facebook. Weitere Soziale Netzwerke sind Instagram, Pinterest, YouTube und Twitter.

Abb. 2: Logos der Sozialen Netzwerke

Im Internet findet sich eine Fülle von Informationen, die für die traditionellen Medien eine große Konkurrenz darstellen. Die meisten Tages- und Wochenzeitungen bieten daher mittlerweile ihre Informationen auch im Internet an.

Die Neuen Medien bieten Vorteile, aber auch Nachteile. Die folgende Übersicht gibt dir darüber einen Überblick.

VORTEILE DER NEUEN MEDIEN

2 schnelle Kommunikation

2 direkte Kommunikation

2 Kommunikation weltweit möglich

2 Kommunikation 24 Stunden täglich möglich

2 Anmeldung ist meist kostenlos

NACHTEILE DER NEUEN MEDIEN

2 Eigene Daten sind nicht immer sicher

2 Kommunikation mit „realen” Personen geht immer mehr verloren

2 fehlende Kontrolle der Inhalte

2 Möglichkeiten der Manipulation

2 häufig wird im Netz gemobbt

Durch Soziale Netzwerke und Neue Medien wird der Zugang zu freiem Meinungsaustausch und politischen Diskussionen wesentlich erleichtert. Es ist jedoch wichtig, darauf zu achten, wie man damit umgeht. Vor allem sogenannte „Fake News“ (falsche Nachrichten) werden immer öfter bewusst eingesetzt, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

Beispiele für Fake News:

2 In der Corona-Pandemie wurden in sozialen Netzwerken falsche Behauptungen verbreitet, dass Impfungen Mikrochips enthalten würden.

2 Bei Wahlen tauchen manchmal gefälschte Meldungen auf, dass bestimmte Wahllokale geschlossen seien, um Menschen vom Wählen abzuhalten.

2 Es werden erfundene Zitate berühmter Politiker:innen verbreitet, um sie schlecht dastehen zu lassen.

2 Bei Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Überschwemmungen werden manchmal alte oder gefälschte Fotos verbreitet, die gar nichts mit dem aktuellen Ereignis zu tun haben.

Daher ist es besonders wichtig, nicht alle Informationen, die du im Internet findest, bedingungslos zu glauben, sondern sie immer genau zu überprüfen (z. B. Quellen vergleichen, Faktenchecks nutzen).

Diskutiert in der Klasse die Vor- und Nachteile der Sozialen Netzwerke!

Fasse mit eigenen Worten zusammen, was mit dem Begriff Internetdemokratie gemeint ist!

Wählt eine fiktive oder realistische Beispielkampagne (z. B. zu Umwelt, Schule, Jugendrechten, Verkehr, Tierschutz …).

Erstellt eine kurze Gruppenpräsentation (3–5 Minuten), in der ihr erklärt,

• welches Ziel die Kampagne hat,

• wie sie in sozialen Netzwerken oder über eine Online-Petition durchgeführt wird,

• wie sie viele Menschen erreichen und Aufmerksamkeit erzeugen kann,

• und wie sie dadurch Druck auf Politik oder Entscheidungsträger ausüben könnte.

• Nutzt ansprechende Visualisierungen (z. B. Plakat, digitale Folien, Storyboard, Rollenspiel).

Zeigt, wie digitale Beteiligung politische Prozesse beeinflussen kann, und überlegt, welche Verantwortung dabei entsteht!

Formuliere konkrete Regeln, wie man selbst verantwortungsvoll an Diskussionen im Internet teilnehmen kann, ohne andere zu verletzen oder Falschinformationen zu verbreiten.

Internetdemokratie

Das Internet hat in den letzten Jahren das politische Leben stark verändert. Immer mehr Menschen informieren sich online über politische Themen, diskutieren in sozialen Netzwerken und beteiligen sich an digitalen Aktionen. Dadurch ist ein neuer Begriff entstanden: Internetdemokratie. Er steht in engem Zusammenhang mit der Mediendemokratie, geht aber einen Schritt weiter.

Früher hatten hauptsächlich große Medienunternehmen wie Fernsehen, Radio oder Zeitungen Einfluss auf die politische Meinungsbildung. Heute können auch einzelne Bürgerinnen und Bürger sehr leicht Inhalte veröffentlichen, zum Beispiel über Blogs, YouTube, Instagram, TikTok oder andere Plattformen. Damit ist es einfacher geworden, eigene Meinungen öffentlich zu äußern, andere zu überzeugen oder Unterstützung für ein Anliegen zu bekommen.

Auch Parteien, Politikerinnen und Politiker, NGOs und staatliche Institutionen nutzen das Internet, um Informationen zu verbreiten, Programme vorzustellen und Kontakt mit der Bevölkerung zu halten. So können Menschen schneller und direkter an politischen Diskussionen teilnehmen.

Die Internetdemokratie bietet viele Chancen

2 schnelle und vielfältige Informationsmöglichkeiten

2 direkte Kommunikation zwischen Politik und Bevölkerung

2 neue Formen der Beteiligung (Online-Petitionen, digitale Abstimmungen, Social-Media-Kampagnen)

Gleichzeitig gibt es auch Risiken

2 Fake News und gezielte Desinformation können Meinungen manipulieren

2 Hasspostings und Cybermobbing können Diskussionen vergiften

2 Algorithmen sozialer Netzwerke verstärken oft nur bestimmte Meinungen (Filterblasen)

Deshalb ist es besonders wichtig, Informationen im Internet nicht einfach unüberlegt zu übernehmen, sondern sie kritisch zu hinterfragen. Man sollte stets überprüfen, woher eine Information stammt, wer sie verfasst hat und welche Absichten oder Interessen dahinterstehen könnten

Ebenso ist es sinnvoll, mehrere unterschiedliche Quellen zu vergleichen, um ein möglichst vollständiges und ausgewogenes Bild eines Themas zu erhalten. Nur wenn Menschen lernen, Informationen im Netz sorgfältig zu prüfen und verschiedene Perspektiven zu berücksichtigen, können sie sich eine eigene, fundierte Meinung bilden.

Das ist entscheidend, damit Internetdemokratie tatsächlich zu mehr Mitbestimmung, Teilhabe und Meinungsvielfalt beitragen kann, anstatt durch Falschinformationen, Manipulation oder einseitige Darstellungen die demokratischen Werte zu gefährden

Bildet zuerst Teams zu drei bis vier Personen! Seht euch nun den offiziellen Website-Auftritt der Parteien an, die im österreichischen Parlament vertreten sind!

Tipp: https://www.oevp.at/; https://spoe.at/; https://www.fpoe.at/; https://partei.neos.eu/; Startseite - Die Grünen Beantwortet anschließend die folgenden Fragen und haltet eure Überlegungen auf einem Plakat fest!

B Welche Informationen enthalten die Websites?

B Findet ihr euch auf den Websites gut zurecht?

B Wie übersichtlich sind die Websites gestaltet?

B Sind die Beiträge verständlich formuliert?

B Welche Zielgruppen werden besonders angesprochen?

B Welche Unterschiede im Webauftritt zwischen den Parteien fallen euch auf?

B Gibt es Möglichkeiten, Kontakt zu den Parteien bzw. zu deren Politikerinnen und Politikern aufzunehmen?

B Könnt ihr euch vorstellen, zu einem der Politiker Kontakt aufzunehmen? Begründet eure Meinung!

B Zu welchem Thema könnt ihr euch vorstellen, Kontakt aufzunehmen?

Lest in Partnerarbeit die Berichterstattung zu einem Thema in mindestens zwei verschiedenen Tageszeitungen und in zwei Onlinemedien! Notiert die Unterschiede, die euch auffallen!

Bildet Gruppen und wählt jeweils ein Wahlplakat einer im Parlament vertretenen Partei (z. B. aus früheren Wahlkämpfen). Druckt es aus oder speichert es ab!

Identifiziert die Partei, die auf eurem Wahlplakat zu sehen ist! Beschreibt die verwendeten Farben, Symbole und Schlagwörter auf dem Plakat! Beschreibt die abgebildeten Personen (z. B. Alter, Geschlecht, Kleidung, Blickrichtung

Analysiert, welche Gefühle (z. B. Sicherheit, Zukunft, Angst, Zusammenhalt) durch das Plakat angesprochen werden sollen! Erläutert, wie die Darstellung der Personen zur beabsichtigten Wirkung beiträgt. Untersucht, welche Zielgruppe mit dem Plakat besonders angesprochen werden soll und begründet eure Vermutung!

Beurteilt, wie wirksam euer Plakat im Vergleich zu den anderen ist! Gestaltet eure Analyseergebnisse übersichtlich auf einem Plakat und präsentiert sie der Klasse!

Recherchiere ein aktuelles Interview mit einer österreichischen Politikerin oder einem österreichischen Politiker (z. B. auf ORF.at, DerStandard.at, DiePresse.com, Profil.at). Beschreibe, welches Thema oder welche Themen im Interview behandelt werden! Stelle die wichtigsten Aussagen der interviewten Person stichpunktartig dar!

Analysiere, ob die interviewte Person auf alle Fragen konkret eingeht oder ob sie manchen Fragen ausweicht (z. B. durch Ablenkung, Verallgemeinerungen oder Nichtbeantwortung).

Untersuche, ob und wann die Interviewerin oder der Interviewer die Person unterbricht, und erläutere, welche Gründe dahinterstecken könnten (z. B. Zeitdruck, kritisches Nachfragen, Widerspruch)!

Beurteile, wie glaubwürdig und überzeugend die Antworten der interviewten Person wirken, und begründe deine Einschätzung!

Reflektiere, warum bestimmte Fragen möglicherweise nicht beantwortet oder nur oberflächlich behandelt wurden (z. B. politische Strategie, Schutz sensibler Informationen, Unsicherheit)!

Bewerte, wie das Verhalten der Interviewerin / des Interviewers den Verlauf und die Wirkung des Interviews beeinflusst!

Nun geht’s los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

Jugend-Internet-Monitor Österreich 2024 – Der Jugend-Internet-Monitor ist eine Initiative von Saferinternet.at und präsentiert aktuelle Daten zur Social-Media-Nutzung von Österreichs Jugendlichen. Für den Jugend-Internet-Monitor 2024 wurden in einer repräsentativen Online-Umfrage des Instituts für Jugendkulturforschung 400 Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren zu ihrer Nutzung von Sozialen Netzwerken befragt.

Beschreibe, welche sozialen Netzwerke von Jugendlichen in Österreich am häufigsten genutzt werden!

Stelle die Nutzungsanteile von Mädchen und Burschen für die fünf meistgenutzten Plattformen dar!

Benenne, welche Plattformen im Vergleich zum Vorjahr zu- oder abgenommen haben!

Vergleiche, wie sich die Nutzung zwischen Mädchen und Burschen unterscheidet (z. B. bevorzugte Plattformen, Nutzungszwecke).

Analysiere, welche Funktionen und Inhalte für Jugendliche an den einzelnen Plattformen besonders wichtig erscheinen.

Ordne die Plattformen nach ihrer Beliebtheit und begründe, warum manche Plattformen für Jugendliche attraktiver sein könnten als andere.

Vergleiche deine eigene Nutzung von sozialen Netzwerken mit den Ergebnissen der Grafik.

Beurteile, ob und inwiefern dich die Ergebnisse überraschen – und erörtere, welche Chancen und Risiken du bei dieser Social-Media-Nutzung siehst.

Formuliert gemeinsam eine kritische Stellungnahme zur Aussagekraft der Grafik (z. B. Repräsentativität, Altersgruppe, nur häufigste Plattformen berücksichtigt).

los – Aufgaben für schlaue Köpfe!

24

Lies folgenden Artikel aufmerksam durch und nimm anschließend dazu Stellung!

D3: Funktionen der Massenmedien in der Demokratie

In der politischen Praxis sind die Möglichkeiten, am Meinungsbildungsprozeß teilzunehmen, recht unterschiedlich verteilt. Die in den Parlamenten vertretenen Parteien, die Kirchen, Gewerkschaften, Unternehmerverbände und andere Organisationen haben bessere Aussichten, in den Massenmedien Beachtung zu finden als ethnische, religiöse und politische Minderheiten – dies behaupten vor allem jene, die sich Minderheiten zurechnen. Sie argumentieren weiter: Die Standpunkte der ohnehin schon Mächtigen würden herausgestellt, die Meinungen von Minderheiten blieben unberücksichtigt; infolge dieses Ungleichgewichts würden die bestehenden Machtverhältnisse zementiert, und es kämen neue und abweichende Meinungen gar nicht erst in die Öffentlichkeit.

Aus: Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.): Tele-Visionen. Fernsehgeschichte Deutschlands in West und Ost, S.2. Auszug übernommen aus: Chill, Hanni / Meyn, Hermann 1996: Funktionen der Massenmedien in der Demokratie. In: Informationen zur politischen Bildung, Heft 260, 3/1996.

So schätze ich mich nach dem Großkapitel „Medien und politische Kommunikation“ selbst ein: Kreuze jenen Daumen an, der für dich am ehesten zutreffend ist!

Ich kann…

…die verschiedenen Funktionen der Massenmedien (Informations-, Meinungsbildungs-, Kontroll-, Unterhaltungsfunktion) beschreiben und Beispiele nennen.

…die Rolle der Medien in einer Demokratie erklären und ihre Bedeutung für die politische Meinungsbildung erläutern.

…die Unterschiede zwischen klassischen und neuen Medien erkennen und deren Einfluss auf die Gesellschaft analysieren.

…die Grundsätze des österreichischen Mediengesetzes erklären und ihre Bedeutung für die Pressefreiheit darstellen.

…erklären, warum Medien auch Verantwortung tragen und warum eine unabhängige Berichterstattung wichtig ist.

…mein eigenes Medienverhalten reflektieren und mit dem von anderen vergleichen.

…beschreiben, wie sich das Mediennutzungsverhalten in den letzten Jahren verändert hat und welche Auswirkungen dies auf die Gesellschaft hat.

…die Bedeutung der Pressefreiheit für eine Demokratie bewerten und Argumente für und gegen Medienregulierungen diskutieren.

…erklären, was eine Mediendemokratie ist und wie Medien politische Prozesse beeinflussen.

…untersuchen, wie sich Politikerinnen/Politiker gezielt in den Medien inszenieren und welche Wirkung dies auf die Bevölkerung hat.

…politische Wahlkämpfe und Medienauftritte analysieren und die dahinterliegenden Strategien verstehen.

…die Vor- und Nachteile von sozialen Netzwerken für die politische Meinungsbildung erklären.

…erklären, wie jede Einzelne und jeder Einzelne einen verantwortungsvollen Umgang mit sozialen Netzwerken pflegen kann.

…analysieren, welche Chancen und Risiken digitale politische Partizipation mit sich bringt.

…Strategien entwickeln, um sich kritisch mit politischen Informationen im Netz auseinanderzusetzen.

Buchtipps für besonders Wissensdurstige

Um deine Kompetenzen noch mehr zu steigern, hier unsere Buchtipps:

Ingrid Brodnig: Lügen im Netz: Wie Fake News, Hass, Populisten und unkontrollierte Technik uns manipulieren. (Brandstätter Verlag 2018).

Thomas Feibel: Like me. Jeder Klick zählt (Carlsen 2014).

Internetseiten: saferinternet.at; Mimikama.org

PERSONEN UND SACHREGISTER

Absolute Mehrheit: 37

Aktien: 25

Allianz für Deutschland: 149

Alliierte: 55, 56, 58, 59, 63, 72, 85, 88, 89, 117

Amnesty International: 165

Anschluss: 42, 72, 87, 93, 118

Antisemitismus: 64, 65, 67, 160

Apartheid: 135

Arbeitslager: 27, 70

Arbeitslosigkeit: 10, 12, 20, 25, 35, 36, 42, 63, 161

Arier: 38

Armstrong, Louis –Trompeter: 23

ARPANET: 139

Ausgesteuerte: 25

Austrofaschismus: 32

Autoritäre Regime: 27

Beatles: 138

Berchtesgaden: 42

Berliner Mauer: 149

Bernaschek, Richard –

Schutzbundführer: 31

Berufsheer: 19

Besatzungszonen: 59, 88

Binnenmarkt: 146, 150, 152

Blauhelme: 123

Blitzkrieg: 55

Bolschewiken: 27

Börsenkrach: 25

Boykott: 38, 66

Bücherverbrennungen: 44

Bund Deutscher Mädel (BDM): 45, 46

Bundesrat: 9, 92, 94, 170

Bundesrepublik

Deutschland (BRD): 148, 149

Bundesstaat: 24, 32, 92, 93, 169, Bundesverfassung: 89, 90, 91, 174

Buren: 135

Bürgerkrieg: 28, 31, 32, 83, 136

Castro, Fidel – Politiker: 126

Ceausescu, Nikolae – Diktator: 148

CERN: 139

Charta der Grundrechte: 146, 171

Charta der Vereinten Nationen: 122

Christlichsoziale Partei: 7

Chruschtschow, Nikita – Präsident: 126, 127

Chrysler Building: 24

Churchill, Sir Winston –Premierminister: 59, 79

D-Day: 56

Demagogen: 27

Demarkationslinie: 88

Demokratie: 7, 8, 9, 10, 11, 12, 15, 16, 18, 19, 20, 25, 27, 32, 35, 36, 37, 87, 92, 94, 96, 111, 124, 159, 160, 169, 170, 171, 176, 177, 180

Denkmal: 112, 113

Deportation: 118

Deutsch, Julius – Abgeordneter: 19

Deutsche Demokratische Republik (DDR): 124, 148, 149

Deutschösterreich: 7, 19

Diaspora: 64

Die Grünen: 156, 170, 180

Dienstleistungssektor: 161

Direkte Demokratie: 173

Disco-Musik: 138

Dollfuß, Engelberg –Bundeskanzler: 31, 32, 41, 93

Duce: 28, 41

Einstein, Albert – Physiker: 44

Eisenhower, Dwight D. – Präsident: 59

Eiserner Vorhang: 124

Entnazifizierung: 88

Erdölschock: 156

Erinnerung: 58, 76, 81, 83, 111, 113, 114, 119, 119

Erinnerungskulturen: 113, 119

Ermächtigungsgesetz: 37

Euro: 35, 151

Europäische Atomgemeinschaft (EURATOM): 146

Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS): 145

Europäische Integration: 145

Europäische Kommission: 171

Europäische Union (EU): 154, 170

Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG):

145

Europäischer Gerichtshof: 171

Europäisches Parlament: 171

Europäischer Rat: 171

Euthanasie: 77

Exekutive: 94, 169

Extremismus: 159

Faschismus: 23, 24, 25, 27, 28, 31, 32, 34, 35, 36, 37, 38, 41, 42, 44, 45, 46, 47, 48, 54, 55, 56, 59, 62, 114

Feminismus: 157

Fidel, Castro – Politiker: 126

Figl, Leopold – Bundeskanzler: 87, 89, 117

Flüchtlinge: 59

Föderation: 145, 147

Franco, Francisco – Diktator: 28 Frank, Anne – jüdisches Mädchen: 76

Freie Marktwirtschaft: 149

Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ): 148, 170

Freud, Sigmund – Arzt: 44, 65

Friedensbewegung: 155, 156, 157

Friedensvertrag von Versailles: 35

Friedensvertrag von St. Germain: 12, 19

Frontkämpfer: 20

Gandhi, Mahatma –Rechtsanwalt: 134

Gaskammern: 71

Geheime Staatspolizei (GESTAPO): 37, 80

Gemeindebauten: 15, 32

Gemeinderat: 114

Genozid: 64, 65, 66, 67, 68, 70, 71, 72, 74, 75, 76, 79, 80, 81, 83, 85, 91

Ghetto: 64, 70, 71, 81, 138 Glasnost: 147

Glöckel, Otto –

Stadtschulratspräsident: 16

Globalisierung: 122, 123, 124, 125, 127, 129, 130, 131, 132, 134, 135, 136, 137, 138, 139, 161, 162

Goebbels, Joseph –

Propagandaminister: 37, 38, 44, 45, 58, 79

Gorbatschow, Michael – Präsident: 147, 148

Göring, Hermann – Reichsminister: 42, 80

Guerillakrieg: 28, 127

Guevara, Che – Guerillaführer: 137

Hakenkreuz: 37, 46, 47, 62 Havel, Václav – Präsident: 148

Heimwehr: 19, 20

Hendrix, Jimi – Musiker: 138 Heroisierung: 111

Himmler, Heinrich –SS-Sturmbandführer: 47, 66, 72, 79

Hindenburg, Paul von –

Reichspräsident: 36, 37

Hip-Hop: 138, 155

Hippies: 137, 155

Hiroshima: 56, 85

Histotainment: 111

Hitler, Adolf – Diktator: 28, 36, 37, 38, 41, 42, 45, 46, 47, 48, 54, 55, 56, 58, 62, 75, 76, 79, 80, 117

Hitlerjugend (HJ): 45, 46 Holocaust: 47, 56, 64, 65, 66, 67, 68, 70, 71, 72, 74, 75, 76, 79, 80, 81, 83, 85, 160

Homosexualität: 72

Horn, Gyula – Außenminister: 147 Hutu: 83

Hrdlicka, Alfred – Bildhauer: 114 Immerwährende Neutralität: 89, 96

Indirekte Demokratie: 173

Inflation: 12, 35

Interessenvertretungen: 10, 98 Internetdemokratie: 182

Jägerstätter, Franz –Wehrdienstverweigerer: 75 Jazz: 23

Jelzin, Boris – Präsident: 147

Joseph II. – Kaiser: 65

Judikative: 94, 16

Juliabkommen: 42 Jungvolk: 45

So verwendest du dieses Register:

Ein Register hilft dir, wichtige Begriffe in deinem Geschichtslehrbuch einfach zu finden. Diese sind alphabetisch angeordnet und mit Seitenzahlen versehen.

So findest du z. B. auf der S. 123 in deinem Buch das Wort „Blauhelme“. Oft kommen Begriffe nicht nur einmal, sondern öfter im Buch vor. Daher stehen manchmal neben dem gesuchten Begriff auch mehrere Seitenzahlen.

PERSONEN- UND SACHREGISTER 188

Kabarett: 23, 24

Kalter Krieg: 122

Kapitalismus: 124, 159

Karl-Marx-Hof: 15, 32

Kastensystem: 134

Kennedy, John F. – Präsident: 126, 127

Kinderrechte: 166

Koedukation: 16

Kommunisten: 28, 37, 70, 75, 76

Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ): 87

Konferenz von Jalta: 59

Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes: 79

Konzentrationslager (KZ): 47, 62, 68, 70, 71, 72, 76, 80, 81, 91, 119

Konzentrationsregierung: 87

Koreakrieg: 126

Kraft durch Freude (KdF): 48

Kreml: 126

Kubakrise: 126

Landtag: 94, 170, 171

Legislative: 94

Lichtermeer: 158

Luther, Martin – Reformator: 65

Mahnmal: 74, 113, 114

Mahnmal gegen Krieg und Faschismus: 114

Mandela, Nelson – Präsident: 135

Maria Theresia – Herrscherin: 65

Marsch auf Rom: 28

Marshallplan: 89, 124

Massenmedien: 174, 176, 180 Mauthausen: 71, 72

Mediendemokratie: 180, 182 Menschenrechte: 74, 79, 96, 122, 135, 158, 165, 166, 171

M-Pesa: 136

Miklas, Wilhelm –Bundespräsident: 41 Mock, Alois – Außenminister: 147

Montags-demonstrationen: 148

Moskauer Deklaration: 59, 117 Moskauer Memorandum: 89 Münchner Abkommen: 54

Münichreiter, Karl –Schutzbundkommandant: 32

Mussolini, Benito – Diktator: 28, 41, 42, 56

Nagasaki: 56, 85

Nation: 28, 113

Nationalrat: 7, 9, 19, 25, 31, 89, 92, 93, 94, 103, 118, 170

Nationalratswahl: 25, 87, 91, 93, 170, 180

Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP): 35, 36, 37, 38, 41, 42, 44, 45, 47, 48, 87, 88, 91

Nichtangriffspakt: 55, 126

Niedriglohnländer: 129, 131, 132

Nordatlantikpakt (NATO): 96, 126

Novemberpogrome: 67, 68, 70

Nürnberger Prozesse: 79, 80, 83

Nürnberger Rassengesetze: 38

Oberster Gerichtshof (OGH): 169

Onlinemedien: 181

Opfermythos: 117, 118

Österreichische Volkspartei (ÖVP): 87, 118, 150, 170, 180

Österreichischer Gewerkschaftsbund (ÖGB): 98

Ostmark: 42, 93

Partizipation: 158, 169

Pearl Harbor: 55, 85

Perestroika: 147

Planwirtschaft: 147, 149

Pogrom: 65, 68

Politische Parteien: 111, 170

Presley, Elvis – Sänger: 138

Pressefreiheit: 37, 44, 165, 174

Propaganda:35, 36, 42, 44, 46, 47, 62, 66, 124

Prohibition: 23

Provisorische Regierung: 91

Putin, Wladimir – Präsident: 147

Putsch: 41

Rap: 138

Rassismus: 64, 65, 66, 155, 158

Rat der Europäischen Union

(Ministerrat): 171

RAVAG: 41

Reichskristallnacht: 67

Reichsmark: 35, 48

Relative Mehrheit: 36

Renner, Karl – Staatskanzler u.

Bundespräsident: 87

Reparationszahlung: 12, 35, 59

Republikanischer Schutzbund: 19, 20, 31

Reumann, Jakob – Bürgermeister: 15

Roma und Sinti: 46, 70, 80

Roosevelt, Franklin D. – Präsident: 122

Schattendorf: 20

Schengener Abkommen: 146

Schilling: 12, 25, 89

Schindler, Oskar – Industrieller: 62, 76

Scholl, Hans und Sophie –Widerstandskämpfer: 75

Schuman, Robert – Politiker: 145

Schuschnigg, Kurt –

Bundeskanzler: 34, 41, 42

Schutzstaffel der NSDAP (SS): 41

Schwarzer, Alice –

Frauenrechtlerin: 157

Seeblockade: 126

Seipel, Ignaz – Bundeskanzler: 12

Seitz, Karl – Bürgermeister: 15, 20

Seyß-Inquart, Arthur –

Bundeskanzler: 42, 93

Shoa: 64, 65, 66, 67, 68, 70, 71, 72, 74, 75, 76, 79, 80, 81, 83, 85

Solidarnosc: 148

Sondergerichte: 75

Sozialdemokratische Partei: 7, 32

Soziale Ungleichheit: 98, 101, 102, 103, 106, 107, 109, 150, 170, 180

Sozialer Wohnbau: 15

Sozialistische Partei Österreichs (SPÖ): 87, 91, 118, 149, 167, 177

Sozialpartnerschaft: 98, 103

Spekulant: 25

Sputnik: 139

Staatsvertrag: 89

Stalin, Josef – Diktator: 27, 55, 59, 89

Stalingrad: 55, 58

Ständestaat: 32

Stauffenberg, Claus Schenk v. –

Widerstandskämpfer: 76

Stellvertreterkriege: 126

Studentenunruhen: 137

Sturmabteilung (SA): 37

Sudetenland: 54:

Synagoge: 67

Tandler, Julius – Stadtrat: 16

Tausendmarksperre: 41,42

Todesmärsche: 72

Totaler Krieg: 127

Truman, Harry S. – Präsident: 56

Tschernobyl: 147

Tse-tung, Mao – Staatspräsident: 137

Tutsi: 83

UdSSR: 27, 28, 36, 124, 125, 126, 127, 147, 149, 156

Ufa-Film: 44

Umweltschutz: 151, 155, 156

UNICEF: 166

UNIDO: 123

UN-Kinderrechtskonvention: 166

Vaterländische Front: 32

Verband der Unabhängigen (VdU): 87

Verbotsgesetz: 91

Vereinte Nationen (UNO): 122

Verfassung: 7, 8, 9, 28, 32, 37, 92, 93, 94, 103, 135, 165, 169, 170, 173

Verfassungsgerichtshof (VfGH): 92, 93, 169

Vertrag von Lissabon: 146, 171

Vertrag von Maastricht: 146

Verwaltungsgerichtshof (VwGH): 169

Vierjahrespläne: 38

Vietnamkrieg: 127, 137

Völkerbund: 12, 28, 36, 38, 54, 122, 166

Völkische Bewegung: 65

Volksabstimmung: 42, 94, 150, 173

Volksaufstand: 148

Volksbefragung: 42, 173

Volksbegehren: 150, 158, 173

Volksdemokratien: 124, 147

Volksempfänger: 44

Volksgemeinschaft: 38

Volkssturm: 58

Volkswagen: 48

Vranitzky, Franz – Bundeskanzler: 118

Watchlist: 118

Wahlrecht: 7, 24, 38

Waldheim, Kurt –

Bundespräsident: 118

Walesa, Lech – Präsident: 148

Wall Street: 25

Wannsee-Konferenz: 71

Warschauer Ghetto: 71

Warschauer Pakt: 125

Weiße Rose: 75

Weißes Haus: 126

Weltwirtschaftskrise: 25, 35

Westmächte: 36, 54, 55, 88

Wettrüsten: 125

Widerstand: 31, 47, 63, 66, 74, 75, 76, 113, 114, 119, 127, 134, 135

Wohlfahrtsstaat: 102

Woodstock: 138

Zwangsenteignung: 67

Zwentendorf: 173

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