Skip to main content

OECD Wirtschaftsausblick: Schweiz, Mai 2021

Page 1

1

Schweiz Da sich die Pandemielage zu entspannen scheint und die Schutzmaßnahmen gelockert werden, was mit einer Aufhellung des Gesamtklimas einhergeht, wird für 2021 ein reales BIP-Wachstum von 3,2 % und für 2022 von 2,9 % erwartet. Bessere Arbeitsmarktaussichten und die allmähliche Abnahme der aktuell hohen Ersparnis werden das Konsumwachstum stützen. Mit sinkender Unsicherheit dürfte sich die Investitionstätigkeit beleben. Die deflationären Tendenzen werden im Zuge der Erholung wohl abklingen, die Teuerung dürfte jedoch deutlich unter dem oberen Rand des Zielkorridors verharren. Die Regierung hat rasch gehandelt, um Beschäftigung und Einkommen während des Abschwungs zu stützen. Der fiskalpolitische Kurs dürfte 2021 konjunkturstützend ausgerichtet bleiben, was angemessen ist. Die fiskalischen Maßnahmen sollten dabei gezielter auf die Unterstützung wirtschaftlich tragfähiger Arbeitsplätze und Unternehmen ausgerichtet werden. Strukturreformen gilt es zu beschleunigen, insbesondere solche, die das Geschäftsumfeld verbessern und interne Wettbewerbshindernisse beseitigen. In Anbetracht der niedrigen Inflationserwartungen und der weiterhin hohen Ungewissheit sollte die Geldpolitik akkommodierend bleiben. Die Impfkampagne kommt voran und damit auch die Öffnung der Wirtschaft Angesichts stark steigender Infektionszahlen im Herbst 2020 wurden die Kontaktbeschränkungen im vierten Quartal nach und nach verschärft. Im Januar wurde dann ein partieller Lockdown verordnet, durch den sich die Zahl der täglichen Neuinfektionen deutlich verringerte. Im März wurde mit der Lockerung der Beschränkungen begonnen. Nicht essenzielle Läden, Museen und Sporteinrichtungen konnten wieder öffnen. Die zuständigen Stellen versuchen der Bedrohung, die von neuen Virusvarianten ausgeht, mit schnellerem Impfen, verstärkten Testkapazitäten und der Bereitstellung kostenloser Selbsttests zu begegnen. Lieferengpässe sorgten für Verzögerungen in der Impfkampagne, die Schweiz hält jedoch an ihrem Ziel fest, bis Ende Juni 70 % der Bevölkerung zu impfen.

Switzerland Policy support cushioned the impact of the pandemic on workers Index, 100 = max 140

The impact of the crisis differed greatly between sectors Thousands 1400

← The KOF Stringency Index¹ Short-time workers →

120

Diffusion index, s.a. 75

Index 2019 = 100 150 ← PMI, manufacturing sector

1200

70

100

1000

65

130

80

800

60

120

60

600

55

110

40

400

50

100

20

200

45

90

0 Feb-20

May-20

Aug-20

Nov-20

Feb-21

May-21

0

40 Jan-20

140

Retail trade sales, volume →

Apr-20

Jul-20

Oct-20

Jan-21

Apr-21

80

1. The KOF Stringency Index record the stringency of COVID-19 policy measures in Switzerland. The values range from 0 (no measures) to 100 (full lockdown). Source: Refinitiv; KOF Swiss Economic Institute; and SECO. StatLink 2 https://stat.link/085piy OECD-WIRTSCHAFTSAUSBLICK, AUSGABE 2021/1: LÄNDERNOTIZ SCHWEIZ © OECD 2021


2

Switzerland: Demand, output and prices 2017

2018

GDP at market prices Private consumption Government consumption Gross fixed capital formation Final domestic demand Stockbuilding1

694.0 365.3 78.6 180.2 624.1 - 6.9 617.3 452.5 375.7 76.7

Total domestic demand Exports of goods and services Imports of goods and services Net exports1 Memorandum items GDP deflator Consumer price index Core inflation index2 Unemployment rate (% of labour force) Household saving ratio, net (% of disposable income) General government financial balance (% of GDP) General government gross debt (% of GDP) Current account balance (% of GDP)

_ _ _ _ _ _ _ _

2020

2021

2022

Percentage changes, volume (2015 prices)

Current prices CHF billion

Switzerland

2019

3.0 0.8 0.9 0.8 0.8 0.3 1.1 3.4 0.4 2.0

1.1 1.4 0.9 1.2 1.3 0.1 1.4 -0.1 0.0 -0.1

-3.0 -4.5 2.9 -1.7 -2.7 0.6 -2.1 -6.8 -6.3 -1.1

3.2 3.6 4.0 2.3 3.3 -0.8 2.4 4.9 3.7 1.2

2.9 3.0 -0.8 2.9 2.5 0.0 2.5 5.8 5.8 0.7

0.7 0.9 0.5 4.7 16.0 1.3 39.8 6.7

-0.1 0.4 0.4 4.4 16.2 1.4 41.0 6.7

-0.6 -0.7 -0.3 4.8 20.9 -2.6 43.0 3.8

-0.5 0.2 0.4 5.4 18.9 -3.5 46.8 5.2

0.7 0.4 0.5 5.3 17.4 -0.6 47.8 5.4

1. Contributions to changes in real GDP, actual amount in the first column. 2. Consumer price index excluding food and energy. Source: OECD Economic Outlook 109 database.

StatLink 2 https://stat.link/1upgx0

Die Erholung wurde durch die zweite Pandemiewelle ausgebremst Infolge der erneut verhängten Schutzmaßnahmen verlangsamte sich das Wachstum im vierten Quartal 2020 erheblich. Der Dienstleistungssektor unterlag noch bis Februar 2021 starken Einschränkungen und der Einzelhandel brach ein. Im Verarbeitenden Gewerbe setzte sich der starke Aufschwung laut Umfragedaten hingegen fort. Dem KOF-Indikator zufolge hellte sich die Lage im März und April auch in anderen Branchen auf und der Einzelhandel belebte sich deutlich. Die Arbeitslosigkeit stieg im ersten Quartal nicht mehr weiter an, die Zahl der Kurzarbeitenden erhöhte sich jedoch von rd. 250 000 im Oktober 2020 auf 450 000 im Januar 2021. Die Gesamtinflation nahm aufgrund der steigenden Rohstoffpreise und des sinkenden Wechselkurses zu und war im April leicht positiv.

Die energische Reaktion der Politik half, die Folgen für Beschäftigung und Einkommen abzufedern Der Staat leistete 2020 großzügige Unterstützung durch arbeitsplatzerhaltende Maßnahmen, Einkommensersatzleistungen für Selbstständigerwerbende und Kreditbürgschaften für Unternehmen. Zudem wurden gezielte Maßnahmen getroffen, um der Sport- und Kulturbranche, dem Fremdenverkehr und der Luftfahrt unter die Arme zu greifen. Die Mehrzahl dieser Programme wurde bis 2021 verlängert. Das Kreditbürgschaftsprogramm wurde von einem umfassenderen Härtefallprogramm abgelöst (mit Bürgschaften, Krediten oder Finanzhilfen für Unternehmen, die durch die Corona-Schutzmaßnahmen stark in Mitleidenschaft gezogen wurden). Die Geldpolitik ist nach wie vor sehr akkommodierend ausgerichtet. Der Leitzins ist negativ und es wurden Maßnahmen ergriffen, um den Druck abzufedern, der auf dem Schweizer Franken als sicherer Hafen lastet, sowie um die Versorgung mit Dollar-Liquidität und Bankkrediten zu sichern.

OECD-WIRTSCHAFTSAUSBLICK, AUSGABE 2021/1: LÄNDERNOTIZ SCHWEIZ © OECD 2021


3

Die Lockerung der Beschränkungen wird der Konjunktur Auftrieb geben Die allmähliche Aufhebung der Beschränkungen sorgt zusammen mit den Impffortschritten ab dem zweiten Quartal 2021 für einen Konjunkturaufschwung. Die Investitionstätigkeit wird sich dank einer gesunkenen Unsicherheit und niedriger Kapitalkosten erholen. Verbesserte Arbeitsmarktbedingungen und ein Rückgang der aktuell hohen Ersparnis der privaten Haushalte werden den Konsum beleben. Eine lebhafte Auslandsnachfrage dürfte zudem die Exporte fördern. Die Arbeitslosigkeit wird jedoch nur allmählich sinken, da die Politikimpulse früher oder später entzogen werden und die Insolvenzen voraussichtlich zunehmen werden. Die Inflation dürfte ein positives Vorzeichen erhalten, aber niedrig bleiben. Es besteht weiterhin erhebliche Unsicherheit. Sollte das institutionelle Rahmenabkommen mit der Europäischen Union über den Marktzutritt nicht zustande kommen, hätte dies negative Auswirkungen auf den Handel. Der kontinuierliche Anstieg der Transaktionspreise bei gleichzeitig wachsendem Wohnungsleerstand erhöht zudem die an den Immobilienmarkt geknüpften Risiken. Schnellere Impffortschritte könnten dem privaten Verbrauch allerdings zusätzlichen Auftrieb geben.

Es gilt die Produktivität zu steigern und den Aufschwung inklusiv zu gestalten Angesichts erheblicher Unwägbarkeiten und einer voraussichtlich niedrigen Inflation sollte die Geldpolitik akkommodierend ausgerichtet bleiben. Die finanziellen Risiken, insbesondere im Zusammenhang mit dem Immobilienmarkt, sollten genau beobachtet werden. Starke fiskalische Impulse haben den Abschwung gut abgefedert. Sie sollten beibehalten werden, bis die Erholung auf einem soliden Fundament steht. Die fiskalischen Maßnahmen sollten mit der Zeit gezielter ausgerichtet werden, um wirtschaftlich tragfähige Arbeitsplätze und Unternehmen zu unterstützen und den Arbeitsplatzwechsel zu erleichtern. Maßnahmen zur Stärkung des Geschäftsumfelds, Verringerung der Wettbewerbshindernisse, Erhöhung der Bildungsgerechtigkeit und Verbesserung der digitalen Kompetenzen der Erwachsenenbevölkerung würden die Produktivität steigern und die Erholung zusätzlich unterstützen.

OECD-WIRTSCHAFTSAUSBLICK, AUSGABE 2021/1: LÄNDERNOTIZ SCHWEIZ © OECD 2021


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
OECD Wirtschaftsausblick: Schweiz, Mai 2021 by OECD - Issuu