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Deutschland Das Wirtschaftswachstum wird den Projektionen zufolge 2021 3,3 % betragen und 2022 auf 4,4 % anziehen. Steigende Infektionszahlen und die damit verbundenen Eindämmungsmaßnahmen haben die Erholung im Dienstleistungssektor verzögert. Im exportorientierten Verarbeitenden Gewerbe ist dagegen trotz einiger Lieferkettenstörungen ein kräftiges Wachstum zu beobachten. Die Impfkampagne wird ein schrittweises Wiederhochfahren der Binnenwirtschaft ermöglichen. Das Wachstum wird 2021 durch eine expansiv ausgerichtete Fiskal- und Geldpolitik gestützt, die staatlichen Investitionspläne müssen jedoch zügiger umgesetzt werden, um die Nutzeffekte zu maximieren. Der ImpfRollout sollte durch eine stärkere Koordinierung zwischen Bundes- und Landesbehörden weiter beschleunigt werden. Die erweiterte Kurzarbeitsregelung hat den Anstieg der Arbeitslosigkeit während der Krise gedämpft, die Rückkehr der Kurzarbeitenden in den Arbeitsmarkt wird den Rückgang der Arbeitslosigkeit jedoch verlangsamen. Im Zuge der Konjunkturerholung werden Fort- und Weiterbildung immer wichtiger, um den zunehmenden strukturellen Herausforderungen der Energiewende, der Digitalisierung und der Bevölkerungsalterung zu begegnen. Die Öffnung der Wirtschaft wurde durch Corona-Ausbrüche verzögert Die Eindämmungsmaßnahmen wurden wegen der Verbreitung von ansteckenderen Virusvarianten über den Winter verlängert. Mitte Februar begannen einige Regionen, die Einschränkungen zu lockern. Einige Schulen und nicht der Grundversorgung dienende Geschäfte wurden wieder geöffnet, wobei allerdings zwischen den Bundesländern große Unterschiede festzustellen waren. Die Lockerung wurde unterbrochen, als die Fallzahlen im März und April wieder anstiegen. Im April erhielt der Bund mehr Kompetenzen zur Durchsetzung von Eindämmungsmaßnahmen in Regionen, in denen die Inzidenz der Neuinfektionen bundeseinheitliche Schwellenwerte überschreitet. Die Impffortschritte waren zunächst langsamer als in der Europäischen Union insgesamt, im April nahm die Kampagne jedoch Fahrt auf. Die Impfpriorisierung bestimmter Gruppen wie Grundschullehrkräfte und Beschäftigte in Kindertagesstätten wird das Wiederhochfahren einiger wichtiger Sektoren erleichtern.
Germany 1 The recovery has been delayed by virus outbreaks Index 2019Q4 = 100, s.a. 105
Manufacturing conditions are robust while services and construction lag Business climate
%, 7-day m. a., inverted scale 0
Balance, s.a. 40 30
100
20
10
10 95
20
90
30
0 -10
← Real GDP
Service sector
-20
Manufacturing
-30
Construction
-40
Share of positive Covid-19 tests →
85
2020
2021
2022
40
0
2018
2019
2020
-50 2021
Source: OECD Economic Outlook 109 database; ifo business surveys; and Refinitiv. StatLink 2 https://stat.link/xbtvfn
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2
Germany: Demand, output and prices 2017
2018
Current prices EUR billion
Germany GDP at market prices Private consumption Government consumption Gross fixed capital formation Final domestic demand Stockbuilding1 Total domestic demand Exports of goods and services Imports of goods and services Net exports1
2019
2020
2021
2022
Percentage changes, volume (2015 prices)
3 263.3 1 705.5 648.2 667.5 3 021.2 13.1 3 034.2 1 541.6 1 312.5 229.1
1.3 1.5 1.2 3.6 1.9 -0.1 1.8 2.5 3.8 -0.4
0.6 1.6 2.7 2.6 2.1 -0.7 1.3 1.0 2.6 -0.6
-5.1 -6.3 3.3 -3.9 -3.7 -0.7 -4.4 -10.2 -9.0 -1.0
3.3 -0.3 2.6 3.5 1.3 0.1 1.5 11.9 9.2 1.7
4.4 6.9 0.9 4.8 5.0 0.0 5.0 5.2 6.8 -0.3
3260.0 _ _
1.3 1.7 1.9
0.6 2.2 1.4
-4.8 1.6 0.4
3.3 1.3 2.6
4.3 1.5 1.6
1.3 3.4 10.9 1.8 69.5 61.7 7.5
1.3 3.1 10.9 1.5 68.1 59.6 7.2
0.7 4.2 16.2 -4.2 79.8 69.9 7.0
1.9 4.2 16.6 -4.5 83.8 73.8 7.5
1.5 3.6 12.0 -1.6 82.7 72.7 6.9
Memorandum items GDP without working day adjustments GDP deflator Harmonised index of consumer prices Harmonised index of core inflation2
_ _ _ _ _ _ _
Unemployment rate (% of labour force) Household saving ratio, net (% of disposable income) General government financial balance (% of GDP) General government gross debt (% of GDP) General government debt, Maastricht definition (% of GDP) Current account balance (% of GDP)
1. Contributions to changes in real GDP, actual amount in the first column. 2. Harmonised index of consumer prices excluding food, energy, alcohol and tobacco. Source: OECD Economic Outlook 109 database.
StatLink 2 https://stat.link/jv9ri1
Germany 2 Considerable fiscal support for the economy
Many people remain in government-supported short-time work
General government % of GDP 6
% of GDP 90
% of labour force, s.a. 10
% of employees 25
← Unemployment rate
4
75
2
60
0
45
-2
30 Debt, Maastricht definition →
-4 -6
15
← Financial balance
2015
2016
2017
2018
2019
2020
2021
2022
0
Short-time workers¹ →
8
20
6
15
4
10
2
5
0
2018
2019
2020
2021
2022
0
1. Share of employees working reduced hours under the government-supported short-time work ('Kurzarbeit') scheme. Source: OECD Economic Outlook 109 database; and Federal Employment Agency. StatLink 2 https://stat.link/fb51lt
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Das Verarbeitende Gewerbe boomt, der Dienstleistungssektor und das Baugewerbe hinken hinterher Die exportorientierte Fertigungsindustrie profitiert von der kräftigen globalen Nachfrage. Die Exportaufträge liegen über dem Vorkrisenniveau und die Geschäftserwartungen im Verarbeitenden Gewerbe haben den höchsten Stand seit mehr als zehn Jahren erreicht. Unternehmensumfragen zeigen, dass die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe in der ersten Jahreshälfte 2021 trotz einiger Lieferkettenstörungen – vor allem Engpässe bei Halbleitern, die die Automobilindustrie beeinträchtigen, und ein Mangel an Schiffscontainern – stark gestiegen ist. Der Dienstleistungssektor wird durch das Infektionsgeschehen und die Eindämmungsmaßnahmen gebremst. Die durchschnittliche Mobilität erreichte im ersten Quartal 2021 einen neuen Tiefstwert und erholt sich seitdem nur langsam. Die Einzelhandelsumsätze waren im Januar und Februar 2021 noch niedriger als im März und April 2020, zogen jedoch im März um 7,7 % an. Das Baugewerbe wurde durch ungünstige Wetterbedingungen und das Ende der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung Anfang 2021 gebremst, die Trendnachfrage und die Kapazitätsauslastung verharren jedoch auf hohem Niveau. Der Arbeitsmarkt hat sich als widerstandsfähig erwiesen und die Arbeitslosigkeit blieb im Winter nahezu unverändert. Die Zahl der Kurzarbeitenden stieg im Januar 2021 auf 3,27 Millionen, was immer noch deutlich unter dem Höchstwert von 6 Millionen im Frühjahr 2020 liegt. Im Winter entfiel knapp über die Hälfte der Kurzarbeitsanträge auf Dienstleistungsbranchen, die von den Eindämmungsmaßnahmen besonders betroffen waren: Handel, Gastgewerbe, Kultur, Unterhaltung und Erholung sowie sonstige persönliche Dienstleistungen. Der Lohndruck ist in allen Wirtschaftsbereichen gedämpft. Nachdem die tariflich vereinbarten Lohnerhöhungen zehn Jahre lang zwischen 2 % und 3 % lagen, fielen sie Anfang 2021 auf durchschnittlich 1,5 %. Die Verbraucherpreise stiegen im ersten Quartal 2021 unter dem Einfluss mehrerer vorübergehender Faktoren stark an. Dazu gehörten Lieferkettenstörungen, steigende Rohstoffpreise, statistische Effekte aufgrund der während der Krise veränderten Gewichtungen der Konsumgüter sowie das Ende der befristeten Mehrwertsteuersenkung.
Die expansive Fiskalpolitik stützt das Wachstum Der zusätzliche Mittelbedarf im Staatshaushalt fiel 2020 dank robuster Einnahmen und geringerer Ausgaben viel niedriger aus als geplant. Für 2021 sind weitere Konjunkturimpulse geplant. Sie umfassen Unterstützung für die von den Eindämmungsmaßnahmen betroffenen Unternehmen, finanzielle Hilfen für Familien, eine Verlängerung der erweiterten Kurzarbeitsregelung bis Ende 2021, eine Deckelung der Sozialversicherungsbeiträge sowie Investitionen in Digitalisierung, Bildung, Gesundheit und grüne Infrastruktur. Zur Finanzierung wurde für 2021 eine Nettokreditaufnahme des Bundes von 240 Mrd. EUR (6,9 % des BIP) verabschiedet. Außerdem wird auch 2022 die Schuldenbremse ausgesetzt und eine Neuverschuldung von 80 Mrd. EUR (2,3 % des BIP) veranschlagt. Ein großer Teil der im Jahr 2021 bereitgestellten Mittel wurde noch nicht abgerufen und die Steuereinnahmen erholen sich allmählich wieder. Deshalb wird das Defizit wahrscheinlich erneut niedriger ausfallen als geplant. Die Zuschüsse im Rahmen der Aufbau- und Resilienzfazilität der EU werden genutzt werden, um den Klimawandel zu bekämpfen, die Digitalisierung zu fördern, das Gesundheitswesen zu stärken und Investitionshemmnisse abzubauen. Die überaus akkommodierende Geldpolitik der Europäischen Zentralbank stützt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage ebenfalls. Die Behörden haben den antizyklischen Kapitalpuffer gesenkt und andere Aufsichtsmaßnahmen ergriffen, um die Kreditvergabe zu stützen und eine Bilanzverkürzung der Banken zu verhindern. Erhebungsdaten deuten darauf hin, dass die Banken die Kreditbedingungen gegenüber KMU trotzdem verschärft haben. Der nach Abklingen der Politikimpulse zu erwartende Anstieg der Unternehmensinsolvenzen wird den Druck auf die deutschen Banken, die eine relativ niedrige Rentabilität und einen mittleren bis hohen
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4 Verschuldungsgrad aufweisen, wahrscheinlich erhöhen. Die Bundesbank geht jedoch davon aus, dass diese Entwicklung beherrschbar ist, u. a. weil die Kapitalpuffer nach der Weltfinanzkrise erhöht wurden. Die Bundesregierung entwickelt derzeit einen Aktionsplan, um die Finanzmarktregulierung im Anschluss an zwei spektakuläre Insolvenzen zu stärken.
Eine kräftige Erholung bahnt sich an In der zweiten Jahreshälfte 2021 wird sich die Haupttriebfeder des Wirtschaftswachstums von der Auslands- auf die Inlandsnachfrage verlagern, da die Impfkampagne ausgeweitet und die Wirtschaft wieder hochgefahren wird. Die gute Konjunktur im Verarbeitenden Gewerbe wird in Verbindung mit einer Belebung im Dienstleistungssektor und im Baugewerbe im dritten und vierten Quartal voraussichtlich zu einer kräftigen Erholung des BIP-Wachstums führen. Der Konsum wird durch einen Rückgang der aktuell hohen Ersparnisbildung gestützt werden. Aufgrund der Konzentration der zusätzlichen Ersparnisbildung auf hohe Einkommensgruppen mit einer niedrigen marginalen Konsumneigung ist jedoch nur mit einer allmählichen Normalisierung zu rechnen. Die vierteljährliche Verbraucherpreisinflation dürfte sich angesichts abklingender vorübergehender Faktoren abschwächen, bevor ein Rückgang der Kapazitätsüberhänge 2022 allmählich zu einem dauerhafteren Anstieg führt. Die Rückkehr der Kurzarbeitenden in den Arbeitsmarkt wird die Reduzierung der Arbeitslosigkeit verlangsamen, insbesondere Anfang 2022, wenn die erweiterte Kurzarbeitsregelung ausläuft. Das größte Risiko für den Ausblick besteht darin, dass die Wiederaufnahme der Wirtschaftstätigkeit durch neue Virusvarianten oder langsame Impffortschritte verzögert werden könnte, insbesondere bei personenbezogenen Dienstleistungen. Andauernde Versorgungsengpässe im Verarbeitenden Gewerbe könnten den für die zweite Jahreshälfte 2021 antizipierten synchronen Aufschwung gefährden. Ein starker Anstieg der Unternehmensinsolvenzen und Turbulenzen auf den Immobilien- und Finanzmärkten könnten die Banken veranlassen, die Kreditvergabe einzuschränken, was die Konjunkturbelebung verzögern würde. Umgekehrt würde eine raschere Normalisierung der Ersparnisbildung oder eine volle Inanspruchnahme des gebilligten staatlichen Finanzrahmens das Wachstum beschleunigen.
Die Umsetzung der Impfkampagne und der Haushaltspläne würde sich positiv auswirken Eine weitere Beschleunigung der Impfkampagne ist entscheidend, um die Bevölkerung zu schützen und eine Rückkehr zur Normalität zu ermöglichen. Um bei steigendem Angebot einen effizienten Einsatz der Impfstoffe sicherzustellen, ist eine gute Koordinierung zwischen Bundes- und Landesbehörden erforderlich. Die Umsetzung der geplanten Konjunkturmaßnahmen ist wichtig, um eine nachhaltige Erholung zu stützen. Das gilt insbesondere für notwendige Investitionen in die Digitalisierung und die Energiewende. Der Abruf der Mittel sollte sichergestellt werden, damit die staatlichen Hilfen rechtzeitig ankommen. Im Bereich der Infrastrukturinvestitionen sind hierfür weitere Schritte notwendig, um die Engpässe in den kommunalen Planungsbehörden und im Baugewerbe zu beseitigen. Dazu ist es erforderlich, die Finanzausstattung der Kommunen zu verbessern und die Planungsverfahren sowie die Zusammenarbeit zwischen den staatlichen Stellen zu straffen. Eine Erhöhung der Steuerentlastungen für Forschung und Entwicklung und der Wagniskapitalfinanzierung würde das Wachstum innovativer Unternehmen stützen. Um die digitale Teilhabe zu verbessern und dem Geschlechterungleichgewicht in diesem Bereich entgegenzuwirken, sollte „informatisches Denken“ schon früher gefördert werden. Außerdem sollten mehr Fortbildungen für Lehrkräfte angeboten werden, um einen effektiven Einsatz digitaler Technologien in den Schulen sicherzustellen.
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