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Deutschland Die Wirtschaft wird den Projektionen zufolge 2022 um 1,8 % wachsen, 2023 um 0,3 % schrumpfen und 2024 wieder um 1,5 % zulegen. Die Unsicherheit ist angesichts der starken Volatilität der Energiepreise hoch. Die hohe Inflation schmälert die Realeinkommen und Ersparnisse, wodurch der private Konsum gedämpft wird. Das Exportwachstum dürfte sich trotz der rückläufigen Auslandsnachfrage im Jahresverlauf 2023 erholen, weil die Lieferkettenengpässe nachlassen und sich ein Auftragsbestand in Rekordhöhe angestaut hat. Wenn im Winter nicht genügend Energie eingespart wird, könnte eine Gasrationierung zu schweren Produktionsstörungen führen. Das Haushaltsdefizit wird sich 2023 vergrößern, bevor es 2024 wieder zurückgeht. Entscheidend ist, dass die Energiepreisentlastungen starke Anreize für Einsparungen im Gasverbrauch setzen und gezielt vulnerablen Haushalten zugutekommen. Die Unterstützungsmaßnahmen für Unternehmen sollten Liquiditätsproblemen begegnen und den notwendigen Strukturwandel nicht behindern. Bessere Planungs- und Genehmigungsverfahren und -kapazitäten, insbesondere auf kommunaler Ebene, würden die Energiewende und die Digitalisierung beschleunigen. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, sollte die Erwerbsbeteiligung von Frauen sowie älteren und geringqualifizierten Arbeitskräften erhöht und die Ausund Weiterbildung verbessert werden. Außerdem sollte die Anerkennung der Qualifikationen von Migrant*innen und Geflüchteten erleichtert werden. Unsicherheit und eine hohe Inflation bremsen das Wachstum Nach Russlands Invasion in der Ukraine hat sich das BIP-Wachstum (saisonbereinigte vierteljährliche Rate) im zweiten Quartal 2022 auf 0,1 % und im dritten Quartal auf 0,3 % verlangsamt. Die hohe Inflation und der Einbruch des Verbrauchervertrauens dämpfen die Belebung des privaten Verbrauchs, die sich infolge der hohen Ersparnisüberschüsse und der Aufhebung der Coronabeschränkungen eingestellt hatte. Die gestiegene Unsicherheit, hohe Energiepreise und Materialengpässe beeinträchtigen das Verarbeitende Gewerbe, die Bauwirtschaft und die Investitionstätigkeit. Das Geschäftsklima ist im September eingebrochen, hat sich im Oktober jedoch wieder stabilisiert. Die Exporte werden durch den hohen Auftragsbestand und die Entspannung der Lieferketten gestützt. Der Verbraucherpreisauftrieb stieg im September mit dem Auslaufen des Tankrabatts und des 9-Euro-Tickets im Vorjahresvergleich auf 10,9 % und erhöhte sich im Oktober weiter auf 11,6 %. Die Erzeugerpreise stiegen in den zwölf Monaten bis September 2022 um 45,8 %. Die Inflationserwartungen der privaten Haushalte für ein, fünf und zehn Jahre lagen im September bei durchschnittlich 8,2 %, 6 % bzw. 5,5 %. Der Arbeitsmarkt ist angesichts des sich verschärfenden Arbeitskräftemangels weiterhin robust, die Tariflöhne stiegen im zweiten Quartal 2022 im Vorjahresvergleich jedoch nur um 2,9 %, was einem Reallohnrückgang um 4,4 % entspricht.
OECD-WIRTSCHAFTSAUSBLICK, AUSGABE 2022/2: LÄNDERNOTIZ DEUTSCHLAND © OECD 2022