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Schweiz Das BIP wird den Projektionen zufolge 2023 um 0,6 % und 2024 um 1,4 % steigen. Die Auswirkungen von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine werden wohl weiter die Exportnachfrage schwächen und so den Handel und die Investitionstätigkeit beeinträchtigen. Das eingetrübte Konsumklima dürfte den Verbrauch dämpfen. Angesichts steigender Strompreise und Löhne wird die Gesamtinflation 2023 voraussichtlich oberhalb des Zielkorridors der Schweizerischen Nationalbank verharren, 2024 dann aber nachgeben. Zu einer ungünstigeren Konjunkturentwicklung als erwartet könnte es kommen, wenn die Industrieproduktion durch Gas- oder Strommangellagen beeinträchtigt wird und die weltweite Nachfrage sich stärker abschwächt. Die Geldpolitik wird weiter gestrafft werden müssen, um die Kerninflation einzudämmen und sicherzustellen, dass die langfristigen Inflationserwartungen verankert bleiben. Die Haushaltskonsolidierung sollte plangemäß fortgesetzt werden, gezielte Maßnahmen zur Unterstützung vulnerabler Flüchtlinge sollten aber ermöglicht werden. Strukturreformen sind nötig, um die Arbeitsmarktintegration zu fördern, Wettbewerbshindernisse zu beseitigen und die Energieeffizienz und damit auch die Versorgungssicherheit und die ökologische Nachhaltigkeit zu verbessern. Die Wachstumsdynamik hat nachgelassen Das Wirtschaftswachstum hat sich abgeschwächt. Im zweiten Quartal 2022 hat das reale BIP um 0,3 % expandiert, vor allem weil sich die Konjunktur im Dienstleistungssektor nach der Aufhebung der letzten Coronabeschränkungen wieder lebhafter entwickelte. Der Krieg, steigende Energiepreise und die erhöhte Inflation sorgen für erhebliche Unsicherheit, sodass das Konsumklima auf ein Rekordtief gesunken ist. Das KOF-Konjunkturbarometer liegt weiterhin auf niedrigem Niveau und der Einkaufsmanagerindex des Verarbeitenden Gewerbes hat nachgegeben. Der Arbeitsmarkt ist nach wie vor sehr angespannt, die Arbeitslosigkeit ist gering und viele Stellen bleiben unbesetzt. Im Oktober 2022 erreichte die Gesamtinflation mit 3,0 % den höchsten Stand seit 2008, bedingt vor allem durch die Preise für Energie und Importwaren. Die Kerninflation gab leicht auf 1,8 % nach. Die mittelfristigen Inflationserwartungen liegen immer noch unter 2 %, also innerhalb des Zielkorridors der Nationalbank. 15 % des Schweizer Energieverbrauchs werden durch Erdgas gedeckt. Vor dem Krieg kam die Hälfte davon aus Russland. Durch Russlands Invasion in der Ukraine sind die Energiepreise zwar drastisch gestiegen, in der Schweiz hat dies jedoch weniger Auswirkungen auf die Haushalte als in anderen Teilen Europas, weil ein geringerer Teil ihrer Konsumausgaben auf Energie entfällt. Die Regierung hat bislang noch keine Entlastungspakete für private Haushalte oder Unternehmen angekündigt, es wurden aber Schritte unternommen, um den Gasverbrauch im Winterhalbjahr zu drosseln. Im Fall von Mangellagen können Unternehmen mit Dual-Fuel-Anlagen aufgefordert werden, von Gas auf Öl umzuschalten. Zudem könnte die Gasnutzung für bestimmte Zwecke beschränkt (z. B. mit einer Obergrenze für die Heiztemperatur) oder untersagt werden. Der Gasverbrauch von Abnehmern, die keine „geschützten Verbraucher“ (also private Haushalte, Krankenhäuser, Pflegeheime usw., Polizei und Feuerwehr sowie Fernwärmeerzeuger für private Haushalte) sind, könnte kontingentiert werden. Pläne zur Verringerung des Stromverbrauchs im Fall von Mangellagen sind ebenfalls in Arbeit.
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Switzerland
Source: KOF Swiss Economic Institute; Swiss Association for Material Management and Purchasing; and Federal Statistical Office. StatLink 2 https://stat.link/qo0crb
Switzerland: Demand, output and prices 2019
2020
GDP at market prices Private consumption Government consumption Gross fixed capital formation Final domestic demand Stockbuilding¹ Total domestic demand Exports of goods and services Imports of goods and services Net exports¹ Memorandum items GDP deflator Consumer price index Core inflation index² Unemployment rate (% of labour force) Household saving ratio, net (% of disposable income) General government financial balance (% of GDP) General government gross debt (% of GDP) Current account balance (% of GDP)
717.3 375.6 81.4 190.8 647.8 - 2.2 645.6 481.0 409.3 71.7 _ _ _ _ _ _ _ _
2022
2023
2024
Percentage changes, volume (2015 prices)
Current prices CHF billion
Switzerland
2021
-2.5 -4.2 3.5 -3.1 -2.9 2.1 -0.6 -5.5 -3.0 -2.0
4.2 1.7 3.5 4.1 2.7 -3.2 -0.8 12.2 4.9 5.0
2.1 3.7 0.9 0.1 2.3 1.0 3.4 0.4 2.1 -0.9
0.6 0.7 -0.2 0.6 0.5 0.9 1.5 0.7 2.0 -0.7
1.4 0.8 0.8 1.5 1.0 0.0 1.0 3.2 2.9 0.5
-0.8 -0.7 -0.3 4.8 23.1 -3.1 43.8 1.6
1.1 0.6 0.3 5.1 24.1 -0.5 41.2 7.4
3.0 2.9 1.7 4.4 21.9 -0.1 42.3 6.5
2.2 2.5 1.6 4.6 21.2 0.1 42.7 5.8
1.5 1.5 1.5 4.5 20.8 0.3 43.0 6.3
1. Contributions to changes in real GDP, actual amount in the first column. 2. Consumer price index excluding food and energy. Source: OECD Economic Outlook 112 database.
StatLink 2 https://stat.link/kig9om
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Um die Inflation zu senken, muss die Geldpolitik gestrafft werden Nach sieben Jahren Negativzinsen hat die Schweizerische Nationalbank ihren Leitzins zwischen Juni und September 2022 um insgesamt 125 Basispunkte auf 0,5 % angehoben. Bei Bedarf will sie weiter am Devisenmarkt intervenieren, um den Kurs des Franken auf einem Niveau zu halten, bei dem angemessene monetäre Bedingungen gewährleistet sind. Angesichts des zunehmenden Inflationsdrucks und weltweit steigender Zinsen wird mit einer weiteren Anhebung des Leitzins auf 2,0 % im zweiten Quartal 2023 gerechnet. Anschließend dürfte er bis zum Ende des Projektionszeitraums unverändert bleiben. Die Coronahilfen des Bundes wurden vor dem Hintergrund der verbesserten Wirtschaftslage weiter zurückgefahren. Für 2023 wird ein Haushaltsüberschuss erwartet, und die Haushaltskonsolidierung dürfte 2024 fortgeführt werden.
Das Wachstum dürfte schwach bleiben und die Inflation allmählich nachgeben Das reale BIP-Wachstum dürfte 2023 und 2024 mit 0,6 % bzw. 1,4 % schwach bleiben. Hauptgrund dafür sind die negativen Auswirkungen, die Russlands Krieg in der Ukraine auf das weltweite Wachstum und damit auch auf die Schweizer Exporte und die Inlandsnachfrage hat. Eine allmähliche Abnahme der hohen Sparquote dürfte den privaten Verbrauch in den nächsten zwei Jahren stützen. Wegen des Drucks, der von der angespannten Arbeitsmarktlage und den hohen Energiepreisen ausgeht, wird die Gesamtinflation 2023 oberhalb des Zielkorridors der Nationalbank verharren. 2024 dürfte sie aber allmählich auf 1,5 % zurückgehen. Die Rationierung der Gasversorgung im Fall schwerer Engpässe würde jedoch die Industrieproduktion beeinträchtigen. Zusätzliche Störungen der globalen Lieferketten könnten die Konjunktur ebenfalls weiter schwächen und die Inflation in die Höhe treiben. Zudem müssen die mit dem Immobilienmarkt und steigenden Zinsen zusammenhängenden Finanzmarktrisiken aufmerksam beobachtet werden.
Es gilt, ein inklusives Wachstum zu sichern und die ökologische Wende zu beschleunigen Ungefähr 68 000 Geflüchtete aus der Ukraine (was 0,8 % der Schweizer Bevölkerung entspricht) sind seit Beginn des Kriegs in der Schweiz eingetroffen. Sie müssen weiter aus staatlichen Mitteln unterstützt werden. Die geplante Haushaltskonsolidierung sollte indessen fortgesetzt werden. Durch eine einfachere und schnellere Anerkennung ausländischer Qualifikationen und einen besseren Zugang zu Weiterbildung kann die Arbeitsmarktbeteiligung angehoben werden. Wenn die Arbeitsmarktintegration unterrepräsentierter Gruppen gefördert und Zugangsschranken abgebaut werden, können Konjunkturerholung und Teilhabe gestärkt werden. Weitere Investitionen in erneuerbare Energien und E-Mobilitätsinfrastruktur können die Abhängigkeit von den Gas- und Ölmärkten verringern und die Energieversorgungsicherheit erhöhen.
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