#Lehreohnegrenzen erasmus+ Berufsbildung
Finanziert von
Coverfoto: Nadine, Maschinenbaulehrling, KNAPP AG, Hart in der Steiermark Lesen2Sie mehr dazu in der Reportage auf Seite 24.
EdiTorial
Die heutige Arbeitswelt verlangt, in vielen Bereichen flexibel, kreativ und global denkend zu handeln. Das heißt, wir müssen unsere Bildungs systeme kontinuierlich weiterentwickeln, um junge Menschen bestmöglich auf die Anforderungen der Zukunft vorzubereiten. In diesem Kontext spielt das Erasmus+ Programm – das EU-Programm für die allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport – eine bedeutende Rolle. Diese Ausgabe der OeAD-Magazinreihe – mit dem passenden Titel „Lehre ohne Grenzen“ – nimmt Erasmus+ und seine Rolle in der Berufs bildung in den Fokus. Das europaweit populäre Mobilitätsprogramm bietet nicht nur Studierenden, sondern auch Berufsschüler/innen, Lehrlingen und Fachkräften die Möglichkeit, wertvolle Erfahrungen im globalen Ausland zu sammeln, neue Kulturen kennenzulernen und ihre fachlichen sowie persönlichen Kompetenzen zu erweitern. Für viele Teilnehmende ist ein Berufspraktikum im Ausland via Erasmus+ der erste Schritt in eine Welt voller neuer Möglichkeiten und Perspektiven. Christoph Wiederkehr Bundesminister für Bildung
Aber nicht nur die Lernenden profitieren. Auch für Schulen und Betriebe eröffnet Erasmus+ Türen zu neuen Methoden, Ideen und Partnerschaften. Lehrpersonen haben die Möglichkeit, internationale Best Practices kennenzulernen, sich weiterzubilden und neue Lehrmethoden zu sehen. Betriebe können durch das Angebot internationaler Berufspraktika und den Austausch von Fachkräften und Auszubildenden ihre Marke, ihr Netzwerk und ihre Innovationskraft stärken. Internationale Mobilität hat einen hohen Wert, sowohl für die individuelle Entwicklung als auch für die Wettbewerbsfähigkeit unseres Bildungssystems und unserer Wirtschaft. Ich bin überzeugt, dass Programme wie Erasmus+ dazu beitragen, Brücken zwischen den Nationen zu bauen. Sie fördern nicht nur den interkulturellen Austausch, sondern stärken auch die Zusammenarbeit und den Zusammenhalt innerhalb Europas. Die Berufsausbildung wird durch diese Erfahrungen bereichert und erhält eine internationale Dimension, die für die berufliche und persönliche Zukunft unserer jungen Menschen von großer Bedeutung ist. Die Berichte im Magazin zeigen, wie vielfältig und bereichernd ein Berufspraktikum oder auch -wettbewerbe im Ausland sein können – und welche positiven Auswirkungen internationale Berufserfahrung auf die berufliche Laufbahn und das persönliche Wachstum haben.
3
Geh über deine
Grenzen
miT erasmus+ für Lehrlinge Ein Plakat aus der Kampagne „Lehre ohne Grenzen“
4
auf lehreohnegrenzen.at In Kooperation mit:
#lehreohnegrenzen
EdiTorial
Lehre ohne Grenzen – Erasmus+ Berufsbildung
Diese Ausgabe der OeAD-Magazinreihe steht ganz im Zeichen des Erasmus+ Programms für Berufsbildung. Das globale Mobilitätsprojekt bietet viele spannende Möglichkeiten an internationalen Lernpraktika für Lehrlinge und junge Fachkräfte. Auf den folgenden Seiten geben wir Ihnen vielfältige Einblicke in Erfolge, Herausforderungen und Entwicklungen der „Lehre ohne Grenzen“.
Jakob Calice Geschäftsführer OeAD – Agentur für Bildung und Internationalisierung
Für viele junge Leute ist es ein großer Schritt, in ein anderes Land mit anderer Kultur und Sprache zu gehen, um dort ein Berufspraktikum zu absolvieren. Die Teilnehmer/innen kommen aber gestärkt mit neuem Selbstbewusstsein und neuen Ideen zurück. Mobilitätsprogramme er mutigen junge Menschen dazu, über nationale Grenzen hinweg zu denken und stärken so das Bewusstsein für ein gemeinsames, internationales Miteinander. Die Bedeutung von Erasmus+ geht jedoch weit über die individuelle Entwicklung hinaus. Es wertet die Lehrlingsausbildung auf, stärkt Betriebe und fördert den internationalen Austausch von Wissen und Arbeitsprozessen zwischen Bildungseinrichtungen und Unternehmen. Dem OeAD – als nationale Agentur für Erasmus+ in Österreich – ist es ein großes Anliegen, die Angebote der EU-Mobilitätsprogramme möglichst vielen Interessierten zugänglich zu machen. Deshalb sucht der OeAD seit vielen Jahren auch im Bereich Berufsbildung die Kooperation mit allen wesentlichen Stakeholder/innen und bietet auf vielen Ebenen Unter stützung und Begleitung an. 2024 wurde mit rund 1.300 Lehrlingen ein neuer Höchstwert an Erasmus+ Aufenthalten erreicht. Gemeinsam mit dem BMWET und der WKO verfolgen das Bildungsministerium und der OeAD nun das Ziel, bis 2027 die Mobilmachung von 2.000 Teilnehmenden pro Jahr zu erreichen. Anschließend an die erfolgreiche Kampagne „Lehre ohne Grenzen“ (2022) arbeiten wir gemeinsam laufend daran, weitere breitenwirksame Info- und Werbemaßnahmen zu finden, damit noch mehr junge Menschen, Schulen und Unternehmen von den wert vollen Auslandserfahrungen profitieren können. Wir laden Sie ein, sich von den Erfolgsgeschichten, Partnerschaften und Kommentaren in dieser Ausgabe inspirieren zu lassen und die vielfältigen Chancen zu entdecken, die Erasmus+ für die Berufsbildung bietet. Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre!
5
LADESTATION K3
12 InhalT
20 8
Fokus
10 Erasmus+ Berufsbildung in Zahlen 11 Dynamik für internationale Berufspraxis Ernst Gesslbauer und Martin Prinz, OeAD
12 Europa in Bewegung
16
ZukunfT
18 Lernen im inter nationalen Umfeld Georg Konetzky, Sektionschef, BMWET
20 Auslandserfahrung kann viele Türen öffnen Doris Wagner, Sektionschefin, BMB
Michael Teutsch, Europäische Kommission
21 Erasmus+ Netzwerke regional stärken
14 Berufsbilder neu denken
Alfred Klampfer, Bildungsdirektor OÖ
Renate Anderl, Präsidentin AK Wien und Bundesarbeitskammer
15 Traut euch! Harald Mahrer, Präsident WKO
22 Stimmen aus der Wirtschaft 24 Reportage: Der Mehrwert kommt vielfach zurück Erfahrungen der KNAPP AG: Auslandspraktika als Teil der Berufsausbildung
6
InhalT
24 30
ERfolg
32 Ein Praktikum mit Punktlandung Porträt Liv Dirmaier
26 Wertschätzung motiviert Porträt Simon Langhoff
36 Rein in neue Erfahrungen! Fotostrecke mit Erasmus+ Lehrlingen
46 44
PRaxis
46 Wer wagt, gewinnt! Round-Table-Gespräch mit Martina Jeindl, Helga Neunteufel und Kurt Schmid
50
BRanche
52 Wir wollen motivieren! Jürgen Kraft, Geschäfts führer SkillsAustria
54 Erfahrungsaustausch mit viel Gewinn Michael Pfeifer, Lehrer an der LBS Arnfels
55 Erasmus+ als Teil der Berufsausbildung Friedrich Hubert Esser, Präsident BIBB, Bonn
56 Wir organisieren inter nationale Erfahrungen Agenturen im Profil
58 OeAD-Serviceseite Impressum
7
„Transnationale Mobilität erleichtert den Übergang der Lernenden in den Arbeitsmarkt.“ Michael Teutsch, Europäische Kommission, Generaldirektion Bildung, Jugend, Sport und Kultur Referatsleiter Jugend, Bildung und Erasmus+
„Gerade für Lehrlinge kann es enorm bereichernd sein, im Ausland andere Arbeits- und Lebensrealitäten zu sehen.“ Renate Anderl, Präsidentin der AK Wien und der Bundesarbeitskammer
„Ein Auslandsaufenthalt wertet die Lehrlingsausbildung weiter auf und hilft, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren.“ Harald Mahrer, Präsident Wirtschaftskammer Österreich
8
Fokus ERASMUS+ BERUFSBILDUNG IN ZAHLEN IM INTERVIEW: ERNST GESSLBAUER UND MARTIN PRINZ MICHAEL TEUTSCH: EUROPA IN BEWEGUNG RENATE ANDERL: BERUFSBILDER NEU DENKEN HARALD MAHRER: TRAUT EUCH!
9
Zahlen, DaTEN, FakTen
FOKUS
OeAD – ERASMUS+
BERUFSBILDUNG IN ZAHLEN Bis 2024 haben bereits rund
13.200
österreichische Lehrlinge ein gefördertes Auslands praktikum absolviert.
ZIEL Bis 2027 Mobilmachung von rund
2.000
Über Erasmus+ Berufsbildung können Schüler/innen berufsbilden der Schulen, Lehrlinge sowie Lernende in der beruflichen Weiterbil dung, Lehr- und Fachkräfte sowie Ausbildner/innen Lernaufenthalte im weltweiten Ausland absolvieren. Erste Anlaufstelle für interes sierte Berufsschulen und Unternehmen zu Erasmus+ ist der OeAD. Mittlerorganisationen unterstützen hier gerne (siehe Seite 56–57).
DAUER ERASMUS+ AUSLANDSAUFENTHALTE 10 bis 365 Tage für Praktika für Lernende in beruflicher Aus- und Weiterbildung
Lehrlingen pro Jahr
2 bis 30 Tage für kurzfristige Lernaufenthalte für Lernende in beruflicher Erstausbildung im Rahmen einer Gruppenmobilität
BELIEBTE ZIELLÄNDER Irland
Der OeAD ist als nationale Agentur für die Umsetzung des gesamten Erasmus+ Programms in Österreich zuständig.
1 bis 10 Tage für die Teilnahme an Berufswettbewerben für Lernende in beruflicher Aus- und Weiterbildung
Deutschland Spanien
2 bis 365 Tage für Lehraufenthalte und Job Shadowings (bis 60 Tage) für Lehr- und Fachkräfte der beruflichen Aus- und Weiterbildung
2 bis 10 Tage für Kurse und Schulungen für Lehr- und Fach kräfte der beruflichen Aus- und Weiterbildung
BESONDERS MOBILE BERUFSGRUPPEN Gewerbe und Handwerk, Industrie, Handel, Bank und Versicherung, Transport & Verkehr, Tourismus & Freizeitwirtschaft, Information & Consulting und Öffentlicher Dienst 5 Schwerpunkte zur Erhöhung der Lehrlingsmobilität
10
Infofolder: Erasmus+ für Unternehmen
Der finanzielle Zuschuss richtet sich nach Aufenthaltsdauer und Gastland.
80+20 80%
der Lehrbetriebe, die bereits Erfahrung mit Auslandsmobilität ihrer Mitarbeiter/innen haben, zeigen großes Interesse am Erasmus+ Programm für Berufsbildung.
InTerview
DYNAMIK FÜR INTERNATIONALE BERUFSPRAXIS Erasmus+ Berufsbildung motiviert und unterstützt Lehrlinge, berufliche Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Der OeAD fungiert hier als Informationsund Beratungsdrehscheibe, vernetzt Stakeholder und startet Kampagnen. Ernst Gesslbauer und Martin Prinz über Schwerpunkte und Ziele. Das EU-Programm Erasmus+ ermöglicht es, jungen Leuten während und nach der Berufsausbildung Lernaufenthalte im weltweiten Ausland zu absolvieren. Welche Rolle spielt hier der OeAD? Erasmus+ wurde 1987 für Studieren de gegründet, seit 1995 bietet das Programm auch Auslandsaufenthalte für Lehrlinge, Schüler/innen und Fach kräfte. Der OeAD ist nationale Agentur für Erasmus+ in Österreich und fördert jährlich tausende Auslandsaufenthalte. Zu den Aufgaben gehören neben der strategischen Umsetzung des Pro gramms insbesondere Information und Beratung sowie die Begleitung der Erasmus+ Projekte. Was macht aus Ihrer Sicht dieses internationale Mobilitätsangebot für Lehrlinge und junge Fachkräfte so wertvoll? Erasmus+ ermöglicht Lehrlingen berufliche Erfahrungen im Ausland. Diese fließen auch in die persönliche Entwicklung ein, stärken das Selbst bewusstsein und fördern Unabhän gigkeit. Teilnehmende lernen neue Kulturen kennen, verbessern ihre
Sprachkenntnisse und knüpfen wert volle Kontakte. Unsere Erfahrungen zei gen, dass bereits kurzfristige Auslands aufenthalte einen großen Unterschied machen. Welche Schwerpunkte verfolgt der OeAD, um die internationale Lehrlingsmobilität zu erhöhen? Der OeAD startete 2022 mit der WKO die Kampagne „Lehre ohne Grenzen“, um noch mehr Lehrlinge für Erasmus+ zu motivieren. Zudem werden inter nationale Lehrlingskonferenzen und Kontaktseminare zur Vernetzung von Akteuren organisiert. Initiativen wie EuroApprentices und Erasmus back to School, bei denen ehemalige Teil nehmende über ihre Erfahrungen mit Erasmus+ berichten, ergänzen unsere Arbeit. Geld spielt auch eine Rolle. Ab Juni 2024 wurden die Fördersätze für Lehrlinge um 50 % erhöht. Darüber hinaus sind neben Praktika erstmals kurzfristige Lernaufenthalte von zwei (bis zu 30) Tagen im Rahmen der neu eingeführten Gruppenmobilität möglich. 2024 wurde mit 1.254 genehmigten Erasmus+ Aufenthalten für Lehrlinge ein neuer Höchstwert seit 1995 erreicht.
Ernst Gesslbauer, Abteilungsleiter und Direktor Erasmus+ & ESK
Martin Prinz, Bereichsleiter Erasmus+ Berufsbildung
Welche Ziele in Zahlen hat sich der OeAD gesteckt? Der OeAD verfolgt gemeinsam mit dem BMB, dem BMWET und der WKO das Ziel, die Auslandsaufenthalte von Lehrlingen bis 2027 auf 2.000 pro Jahr zu erhöhen. Der 2021 vereinbarte „5-Punkte-Plan zur Erhöhung der Lehrlingsmobilität“ umfasst die Nut zung höherer Erasmus+ Budgets, eine gemeinsame Informationsstrategie, die Vernetzung relevanter Akteure, zielgruppengerechte Kommunikation sowie die Beobachtung und Weiterent wicklung der Maßnahmen. Mit welchen Institutionen und Betrieben sollten noch verstärkt Allianzen gebildet werden? Großes Potenzial sehen wir z. B. im öffentlichen Bereich. Hier gibt es seit 2024 einen regelmäßigen Austausch mit dem BMWKMS. Auch große Unter nehmen sollen stärker für die Teilnah me an Erasmus+ gewonnen werden. Die erfolgreiche Informationsstrategie mit dem BMB, dem BMWET und der WKO wird fortgeführt. Der OeAD ist auf einem guten Weg, das ambitionierte „Ziel 2.000“ zu erreichen. 11
FOKUS
KommenTaR
EUROPA IN BEWEGUNG
Michael Teutsch, Europäische Kommission, Generaldirektion Bildung, Jugend, Sport und Kultur Referatsleiter Jugend, Bildung und Erasmus+
Das Erasmus+ Programm, eine der Erfolgsge schichten der EU, ist bekannt dafür, die Lernmo bilität von Studierenden mit höherer Bildung zu fördern, es unterstützt auch die Lernmobilität von jungen Leuten in Berufsausbildung und von Auszubildenden, inklusive Lehrlingen. Die Erfahrung hat gezeigt, welche Vorteile es bringt, eine Lernmobilitätsperiode im Ausland durch zuführen: 98 % der Erasmus+ Teilnehmer/innen geben an, dass sie von ihrer Teilnahme an der Lernmobilität profitiert haben, wie im Erasmus+ Jahresbericht 20221 ausgeführt wurde. Im Ausland zu studieren oder zu arbeiten, hilft den Lernenden, wichtige Kompetenzen nicht nur für ihren Lebenslauf auszubauen, sondern auch ihre persönlichen Fähigkeiten wie Selbstver trauen und interkulturelles Bewusstsein.
„TRANSNATIONALE MOBILITÄT ERLEICHTERT DEN ÜBERGANG DER LERNENDEN IN DEN ARBEITSMARKT.“ Transnationale Mobilität erleichtert den Über gang der Lernenden in den Arbeitsmarkt und hilft, den Fachkräftemangel in der EU zu thema tisieren, sowie insbesondere jene Fähigkeiten, die für den grünen und digitalen Übergang benötigt werden und somit zu der Europäischen Kompetenzagenda2 beitragen. Eine bessere Be rücksichtigung und Verankerung von Mobilität ist eines der Ziele des Europäischen Bildungs raums. Die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten arbeiten hier eng zusammen, die Qualität und Fairness der Europäischen Bil dungs- und Ausbildungssysteme zu verbessern.
Um transnationale Mobilität zu fördern und zu entwickeln, bedarf es einer Kombination von nationalen und europäischen Bemühungen. Zu diesem Zweck hat der Rat der Europäischen Union im Mai 2024 die Empfehlung „Europa in Bewegung“ verabschiedet. Diese enthält eine Liste von Empfehlungen für die Mitgliedstaaten, um ihnen dabei zu helfen, bestehende struktu relle Mankos im Zusammenhang mit Lernmobi lität im Ausland zu verbessern. Die Zusammenarbeit zwischen regionalen und lokalen Behörden und Institutionen, Bildungsund Ausbildungsanbietenden, Organisationen der Zivilgesellschaft, nichtstaatlichen Organisa tionen und privaten Trägern soll vorangebracht werden, um Lernmobilität zu fördern und zu unterstützen. Die Wertschätzung der Arbeit je ner Mitarbeiter/innen, die Lernmobilitätsprojekte vorbereiten und umsetzen sowie die Unterstüt zung der vollen Anerkennung von Kompetenzen, die durch Lernmobilität erworben wurden, sind ebenfalls wesentlich, um die besten Bedin gungen für die Verankerung von Mobilität zu schaffen. Darüber hinaus wird festgelegt, dass bis 2030 der Anteil von Berufsschüler/innen, die von einer Lernmobilitätserfahrung im Ausland profitieren, mindestens 12 % betragen soll. Ein Anhang befasst sich dezidiert mit den Rah menbedingungen für Lehrlingsmobilität, da die se Gruppe mit besonderen Herausforderungen konfrontiert ist, wie zum Beispiel der Komplexi tät der rechtlichen Verpflichtungen, die mit dem Status von Lehrlingen zu tun haben oder der Diversität nationaler Lehrlingsprogramme und -lehrpläne. Die Europäische Kommission wird in den kommenden Jahren die Mitgliedstaaten weiterhin bei ihren Bemühungen, „Europa in Bewegung“ umzusetzen, unterstützen sowie bei der Schaffung der besten Bedingungen für die Weiterentwicklung von Lehrlingsmobilität.
1 Erasmus+ Jahresbericht 2022, Seite 41 2 Europäische Kompetenzagenda für nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit, soziale Fairness und Resilienz, Seite 12
12
Eines der Ziele des Europäischen Bildungsraums ist die bessere Verankerung von Lernmobilität für junge Leute in Berufsausbildung.
13
FOKUS
InTerview
BERUFSBILDER NEU DENKEN Renate Anderl, Präsidentin AK Wien und der Bundes arbeitskammer, sieht spannende Impulse durch Berufspraktika im Ausland. Wichtig ist ihr vor allem, dass alle jungen Menschen den gleichen Zugang zu Mobilitätsangeboten haben.
Welche Bedeutung hat aus Ihrer Sicht berufliche Mobilität innerhalb und außerhalb Europas für Lehrlinge? Aufenthalte in anderen Ländern sind insbesondere für junge Menschen eine wertvolle Erfahrung. Gerade für Lehrlinge kann es enorm bereichernd sein, andere Arbeits- und Lebens realitäten zu sehen und Kenntnisse in ihren Berufen anderswo zu erweitern. Diese Erfahrungen werden ihnen ihr gesamtes Berufsleben lang nützlich sein. Wichtig ist mir dabei, dass auch die Rahmenbedingungen gut geregelt sind, zum Beispiel die Wohnsituation, arbeitsrechtliche Absicherung oder die Möglichkeit, Sprachkenntnisse zu erwerben. In welchem Rahmen unterstützt die Arbeiterkammer Mobilitätsprojekte für Lehrlinge? Die Arbeiterkammern haben je nach Bundesland unterschiedliche Unter stützungsangebote für Auslandsauf enthalte von Lehrlingen bzw. Berufs schüler/innen. Diese reichen von Förderungen für Auslandsexkursionen, über Unterstützungen von Auslands
14
praktika über Erasmus+ bis hin zu eigenen Projekten. Hier gibt es etwa das Projekt „Let’s Walz“ der Arbeiter kammer Niederösterreich (gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Nieder österreich) oder das Projekt „Discover Europe“ für Lehrlinge der Arbeiter kammer Oberösterreich. Die Arbeiter kammer Tirol unterstützt jährlich bis zu 100 Lehrlinge und auch junge Erwach sene, die eine Ausbildung abgebrochen haben, mit dem Projekt „Rückenwind“, um über einen Auslandsaufenthalt neue Perspektiven zu finden. Zudem wird von der AK Tirol das Projekt „Tiroler*innen auf Walz“ umgesetzt. Zielgruppe sind Jugendliche in bzw. nach erfolgter Ausbildung, die einen Auslandsaufenthalt planen. Mit welchen Argumenten könnten aus Ihrer Sicht noch mehr Lehrbetriebe dazu motiviert werden, „ihre Lehrlinge“ für ein Berufspraktikum ins Ausland zu entsenden? Das wäre aus zwei Gründen schlau: Österreich ist eine kleine Volkswirt schaft und abhängig davon, was rund um uns passiert. Und: Lehrlinge sind
Renate Anderl, Präsidentin AK Wien und Bundesarbeitskammer
die Fachkräfte der Zukunft. Wenn Be triebe also im europäischen oder auch im globalen Umfeld bestehen wollen, ist es sicher eine gute Idee, in den eige nen Reihen Mitarbeiter/innen zu haben, die schon frühzeitig über den Tellerrand geblickt haben. Die Erfahrungen aus den Auslandsaufenthalten können die jungen Arbeitnehmer/innen dann wieder in den Betrieben einbringen und hier positive Impulse setzen. Wie wird sich der europäische Arbeitsmarkt langfristig durch Mobilitätsprojekte wie Erasmus+ Berufsbildung verändern? Die Frage ist hier, wem diese Mobilität offensteht. Mir ist wichtig, dass prin zipiell alle jungen Menschen Zugang zu Ausbildungen und Berufstätigkeit in anderen Ländern haben, auch wenn sie nicht aus wohlhabenden Familien kommen. Wenn Europa im globalen Wettbewerb bestehen will, wird man auch über gewisse einheitliche Stan dards bei Berufsbildern nachdenken müssen. Das wäre ein Schritt zu einem einheitlichen großen Arbeitsmarkt.
InTerview
TRAUT EUCH! Harald Mahrer, Präsident Wirtschaftskammer Österreich, will Lehrlinge motivieren, neue Unternehmens- und Alltagskulturen kennenzulernen. Ein Gespräch über die Stärkung von Unternehmen und die vielfältige Aufwertung der Lehrlingsausbildung durch Auslandspraktika.
Das EU-Projekt Erasmus+ ist im Hochschulsektor sehr bekannt, aber welche Bedeutung hat aus Ihrer Sicht als Präsident der WKO berufliche Mobilität innerhalb und außerhalb Europas für Lehrlinge? Gerade für Lehrlinge sind Auslands praktika besonders wertvoll! Berufliche Mobilität gewinnt insgesamt an Be deutung. Auch von zukünftigen jungen Fachkräften wird mehr Flexibilität erwartet. Noch wichtiger ist aber die individuelle Perspektive: Auslandsprak tika sind für junge Menschen eine un bezahlbare Erfahrung. Sie lernen, sich selbst besser zu organisieren, werden selbstständiger und selbstbewusster. Welche Vorteile und welchen Mehrwert bringt das Mobilitätsangebot Erasmus+ Berufsbildung für österreichische Unternehmen? Wir sehen bei den Rückmeldungen der Unternehmen ein spannendes Muster. Vor der ersten Auslandserfahrung ihrer Lehrlinge stehen der Kompetenzer werb und das fachliche Know-how im Vordergrund. Das ändert sich allerdings nach den ersten Auslandspraktika
signifikant: Dann sind es gerade die „Soft skills“, die wertgeschätzt werden. Das zeigt, dass die Ausbildnerinnen und Ausbildner und Ausbilder an ihren Lehrlingen positive Veränderungen wahrnehmen – mehr Eigenständigkeit, eine persönliche Weiterentwicklung, verbesserte Fremdsprachenkenntnisse. Die Ausbildungsbetriebe „verlieren“ ihre Lehrlinge zwar für eine kurze Zeitspan ne. Sie erhalten diese aber als weltof fene, motivierte Mitarbeiter/innen mit neuen Erfahrungen zurück – und das dauerhaft. Welche Benefits ergeben sich daraus für den Wirtschaftsstandort Österreich? Österreich lebt als innovations- und exportgetriebene Volkswirtschaft davon, über den Tellerrand zu schauen. Dafür braucht es ein offenes Mindset – es ist vorteilhaft, wenn bereits in der Lehrlingsausbildung neue Erfahrungen als positiv und stärkend erlebt werden. Mit Unvorhersehbarem umgehen, sich in einem neuen Umfeld behaupten, das sind Stärken, die dem Wirtschafts standort zugutekommen.
Harald Mahrer, Präsident Wirtschaftskammer Österreich
Ein Auslandsaufenthalt wertet die Lehrlingsausbildung auch weiter auf und hilft Betrieben, sich als attraktive Arbeitgebende zu positionieren. Als Wirtschaftskammer ist es uns ein An liegen, die Unternehmen zu unterstüt zen und vor allem zu informieren. Denn die Möglichkeit von Auslandspraktika ist noch zu wenig bekannt. Was raten Sie jungen Leuten in Ausbildung, die sich für ein Berufspraktikum im Ausland interessieren, aber denen der Mut für die Anmeldung fehlt? Traut euch! Ihr werdet neue Menschen und andere Unternehmens- und All tagskulturen kennenlernen. Ihr werdet länderübergreifend unterschiedliche Arbeitsweisen erleben und neue Freundschaften knüpfen. Das sind Erfahrungen, an die ihr euch ein Leben lang erinnern werdet – und die euch beruflich und persönlich weiterbringen.
15
„Der Wert eines berufsbezogenen Auslandspraktikums liegt u. a. zweifellos in der Erfahrung, wie betriebliche Abläufe in anderen Ländern funktionieren.“ Georg Konetzky, Sektionschef, Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus
„Das Programm Erasmus+ trägt zur Entwicklung einer gut ausgebildeten, vielseitigen und motivierten Belegschaft bei.“ Paul Strassegger, Lehrlingsausbildner, RHI MAGNESITA
„Auslandspraktika sind eine Möglichkeit, Lehrlingen zu zeigen, wie sie in ihren zukünftigen Berufen zur Lösung globaler Probleme beitragen können.“ Doris Wagner, Sektionschefin, Bundesministerium für Bildung
16
ZukunfT IM INTERVIEW: GEORG KONETZKY, BMWET DORIS WAGNER, BMB ALFRED KLAMPFER: ERASMUS+ NETZWERKE REGIONAL STÄRKEN STATEMENTS: STIMMEN AUS DER WIRTSCHAFT REPORTAGE: DER MEHRWERT KOMMT VIELFACH ZURÜCK
17
ZUKUNFT
InTerview
LERNEN IM INTERNATIONALEN UMFELD Sektionschef Georg Konetzky, Sektion „Nationale Marktstrategien“ im Bundes ministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus, über den Mehrwert von Auslands aufenthalten für Lehrlinge – und warum sich ein Engagement der Unternehmen hier auf jeden Fall lohnt.
Welche Bedeutung hat aus Ihrer Sicht berufliche Mobilität innerhalb und außerhalb Europas für die Lehrlingsausbildung in Österreich langfristig? Die Zahl der Auslandspraktika von Lehrlingen ist in den letzten zehn bis 20 Jahren deutlich gestiegen. Das zeigt, dass Lernen im Ausland nicht nur für Studierende einer Hochschule, sondern auch für Lehrlinge möglich ist. Der Wert eines berufsbezogenen Aus landspraktikums liegt zweifellos in der Erfahrung, wie betriebliche Abläufe in anderen Ländern funktionieren, und im persönlichen Erleben eines internatio nalen Umfelds. Dieses Know-how trägt einerseits zur Persönlichkeitsentwick lung der zukünftigen Fachkräfte bei und bringt andererseits den Unternehmen Mitarbeitende, die sich im internatio nalen Kontakt bewähren können.
18
In Betrieben werden Lehrlinge dringend im Arbeitsteam benötigt – mit welchen Argumenten können Betriebsleitungen für die Entsendung der Lehrlinge ins Ausland mit Erasmus+ motiviert werden? Die Lehrlingsausbildung ist für die Unternehmen eine – in den meisten Fällen langfristig angelegte – Investi tion in ihre künftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Je besser diese aus gebildet werden und die Ausbildungs verantwortlichen auf die individuellen Interessen und Talente der jungen Erwachsenen eingehen, desto mehr lohnt sich das Engagement der Unter nehmen. Weiters dauern Auslandsprak tika von Lehrlingen normalerweise vier bis acht Wochen. Das ist in der Regel in betriebliche Abläufe integrierbar.
Georg Konetzky, Sektionschef, BMWET
Wie unterstützt das BMWET Auslandspraktika für Lehrlinge? Mit dem Verein zur Förderung des internationalen Fachkräfteaustauschs (IFA-Verein) steht eine erfolgreiche Unterstützungseinrichtung für Betriebe und Lehrlinge zur Verfügung. Das BMWET fördert dieses Angebot mit einer jährlichen finanziellen Unterstüt zung. Weiters werden den Betriebs praktika vorausgehende und somit ergänzende Sprachaufenthalte der Lehrlinge gefördert. Unternehmen erhalten zusätzlich den auf die Zeit des Auslandsaufenthalts entfallenden Teil des von ihnen zu bezahlenden Lehr lingseinkommens ersetzt. Wo sehen Sie im Besonderen die Chance für Betriebe im Wettbewerb um zukünftige Arbeitskräfte? Die Attraktivität der Ausbildung in einem Unternehmen ist natürlich ein wichtiges Argument, um Lehrlinge zu rekrutieren und auch ihr Umfeld, insbesondere die Eltern und Verwand ten, von der Qualität des betrieblichen Lernens zu überzeugen. Wichtig sind in diesem Zusammenhang auch bereits in Ausbildung befindliche Lehrlinge oder Lehrabsolventinnen und Lehrab solventen, die über ihre Auslandserfah rungen authentisch berichten können und so dazu beitragen, das Image des Unternehmens als Lehrbetrieb zu unterstützen.
InTerview
AUSLANDSERFAHRUNG KANN VIELE TÜREN ÖFFNEN
Die Zahl junger Menschen in Aus bildung in Österreich, die sich für das Mobilitätsprojekt Erasmus+ Berufsbildung interessieren, steigt stetig – wo sehen Sie die Vorteile von Austausch und ‚Going abroad‘ für Lehrlinge? Auslandspraktika sind eine gute Mög lichkeit, die sprachlichen, fachlichen und interkulturellen Kompetenzen zu erweitern. Zudem fördern sie die persönliche Entwicklung. Berufliche Kompetenzen werden ausgebaut, man lernt neue Arbeitsabläufe und Techniken kennen, und es bieten sich neue Einblicke in fremde Kulturen und Länder. Durch den Aufenthalt im Aus land kommt es unweigerlich zu einer Erweiterung des Horizonts junger Men schen; sie müssen lernen, sich rasch auf neue Bedingungen einzustellen und
sich völlig neuen Herausforderungen zu stellen, im beruflichen wie auch im privaten Bereich. Wie beurteilen Sie die europaweite Bedeutung von organisierten Auslandspraktika für Lehrlinge? Im politischen Kontext gewinnen orga nisierte Auslandspraktika für Lehrlinge an Bedeutung, und das aus mehreren Gründen: 1. EU-Politik der Mobilität: Die Europä ische Union fördert die Mobilität von jungen Menschen durch Programme wie Erasmus 2. Fachkräftemangel: In vielen europä ischen Ländern gibt es einen Mangel an qualifizierten Fachkräften. Durch die Förderung von Auslandspraktika kann die berufliche Ausbildung verbessert werden.
3. Integration und Diversität: Poli tisch gesehen ist die Integration von Jugendlichen aus unterschiedlichen Herkunftsländern ein wichtiges Ziel. Praktika im Ausland fördern interkultu rellen Austausch und tragen dazu bei, Vorurteile abzubauen und den sozialen Zusammenhalt zu stärken. 4. Wirtschaftswachstum und Innovation: Regierungen unterstützen Programme, die die Mobilität und den Austausch von Lernenden fördern, da dies zur Schaffung von Innovationen beiträgt. 5. Bildungspolitik: Auslandspraktika sind ein zentraler Bestandteil der Bildungspolitik, um die Bildungsqualität weiter zu steigern und die Zusammen arbeit zu stärken – insbesondere in der Berufsbildung. 6. Nachhaltige Entwicklung: Politische Ansätze der nachhaltigen Entwicklung betonen die Notwendigkeit, junge Men schen in Bildungssysteme einzubinden, die auf globale Herausforderungen reagieren. Auslandspraktika sind eine Möglichkeit, Lehrlingen zu zeigen, wie sie in ihren zukünftigen Berufen zur Lösung globaler Probleme beitragen können. SEITE 20
<
Doris Wagner, Sektionschefin der Sektion „Allgemeinbildung und Berufsbildung“ im Bundesministerium für Bildung, im Gespräch über die Bedeutung von Auslandspraktika im politischen Kontext, steigendes Interesse und die Idee eines Mentoring-Systems.
Doris Wagner, Sektionschefin, BMB
19
ZUKUNFT
InTerview
Im europaweiten Kontext tragen die Auslandspraktika dazu bei, dass es zu einem Wissens- und Erfahrungs austausch von Lehrlingen aus ganz unterschiedlichen Ländern und damit auch verschiedenen Ausbildungssyste men kommt. Sie waren selbst lange im Berufs schulsektor tätig – wo sehen Sie hier noch Möglichkeiten für Anreize, um Lehrer/innen und Auszubildende für Auslandspraktika zu begeistern? Ich sehe verschiedene Möglichkeiten, um sowohl Lehrerinnen und Lehrer als auch Auszubildende für Auslandsprak tika zu begeistern. Zunächst denke ich, dass finanzielle Anreize wie Stipendien oder Reisekostenzuschüsse helfen könnten, die zusätzlichen Kosten für Auslandspraktika zu decken und die Teilnahme attraktiver zu gestalten. Außerdem würde ich Auslandspraktika gerne als Option in die Lehrpläne inte grieren und mit Credits oder Zertifi katen anerkennen, um den Anreiz zu erhöhen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Schaffung von NetworkingMöglichkeiten. Ein Mentoring-System, in dem erfahrene Lehrkräfte oder Alumni die Auszubildenden auf ihren Auslandsaufenthalt vorbereiten, könnte deren Sicherheit und Motivation eben falls erhöhen. In welchem Rahmen unterstützt das BMB Mobilitätsprojekte für Lehrlinge? Das BMB unterstützt seit Beginn die Mobilitätsprogramme der EU durch Aufstockung der Förderung der EU durch sogenannte Kofinanzierungs mittel. Zudem gibt es einen klaren bildungspolitischen Auftrag, Mobilität in der EU weiter zu fördern – in den letzten Jahren ist die Förderung der Lehrlinge ein besonderes Anliegen, da immer noch relativ wenige Lehrlinge ins Ausland gehen.
20
2020 wurden erstmals über 1.000 Lehrlingspraktika genehmigt, die noch vor Covid-19 geplant waren. In der Erasmus+ Programmperiode 2021 bis 2027 soll sich die jährliche Zahl der Lehrlinge, die an Erasmus+ teilnehmen, verdoppeln. Der OeAD in Zusammen arbeit mit dem BMB, der WKO und dem BMWET hat daher als nationale Agentur für Erasmus+ die Kampagne „Lehre ohne Grenzen“ gestartet. Die Kampagne soll Lehrlinge dazu motivie ren, den ersten Schritt zu machen für das Erweitern des eigenen Horizonts und für das Abenteuer Erasmus+.
„ICH WÜRDE AUSLANDSPRAKTIKA GERNE ALS OPTION IN DIE LEHRPLÄNE INTEGRIEREN.“ Sie raten jungen Leuten, die Chance, im Ausland Berufspraktika zu absolvieren, zu ergreifen, weil … … sie dadurch wertvolle Erfahrungen sammeln können, die ihre berufliche und persönliche Entwicklung fördern. Praktika im Ausland erweitern nicht nur die fachlichen Fähigkeiten, sondern auch interkulturelle Kompetenzen, die in einer globalisierten Arbeitswelt immer wichtiger werden. Zudem können junge Menschen ihr Netzwerk international ausbauen, was ihnen in der Zukunft viele Türen öffnen kann. Außerdem hilft ein Praktikum im Ausland dabei, die eigene Selbststän digkeit zu stärken und den Horizont zu erweitern, da man in neue Kulturen und Arbeitsweisen eintaucht. Weiters verbessern sich die Fremdsprachen kenntnisse sowie die Selbstreflexionsund Konfliktlösungsfähigkeit. Also kurz gesagt – weil die jungen Leute davon profitieren werden!
Im Rahmen eines MentoringSystems könnten erfahrene Lehrkräfte oder Alumni die Auszubildenden auf ihren Auslandsaufenthalt vorbereiten.
KommenTar
ERASMUS+ NETZWERKE REGIONAL STÄRKEN Durch die Akkreditierung Erasmus+ Berufsbil dung im Jahr 2022 und die Zusammenführung aller 22 oberösterreichischen Berufsschulen in ein Konsortium wurde der Startschuss gege ben für das EU-Programm Erasmus+ Berufsbil dung. Der Erfolgsfaktor Mobilität im Rahmen von Erasmus+ Berufsbildung für Lehrlinge ist ein zentraler Baustein für die berufliche und persönliche Weiterentwicklung junger Men schen. Durch Auslandspraktika und Lernau fenthalte erhalten Lehrlinge die Möglichkeit, ihre Fachkenntnisse in einem globalen Kontext zu erweitern und interkulturelle Kompetenzen zu erwerben. Die Teilnahme an Berufswettbe werben sind im Sinne der Begabtenförderung besonders zu erwähnen. Ein weiterer Meilen stein ist die Möglichkeit der 2023 geschaf fenen Gruppenmobilität – eine Initiative zum länderübergreifendes Peer Learning.
Alfred Klampfer, Bildungsdirektor, Bildungsdirektion Oberösterreich
Erasmus+ Berufsbildungs-Mobilitäten fördern nicht nur den Zugang zu internationalen Arbeitsmärkten, sondern erhöhen auch die At traktivität der Berufsbildung insgesamt, indem sie den Lehrberufen eine international aner kannte Dimension verleihen. Der Mehrwert für die Lehrlinge liegt in der Steigerung ihrer beruf lichen Qualifikationen, der Verbesserung ihrer Sprachkenntnisse und der Erweiterung ihres beruflichen Netzwerks, was ihre Wettbewerbs fähigkeit auf dem Arbeitsmarkt deutlich stärkt. Die Erasmus+ Programme für Berufsbildung sind der Schlüssel, um junge Fachkräfte fit für die Zukunft zu machen.
21
ZUKUNFT
STaTemenTs
STIMMEN AUS DER WIRTSCHAFT
ERASMUS+ BEREICHERT DIE BERUFSWELT A
ls internationaler Technologie konzern sehen wir bei der Ermöglichung von Erasmus+ Mobi litäten mehrere Vorteile. Einerseits profitieren die Lehrlinge enorm: Sie kehren mit erweiterten Fähigkeiten und einem breiteren Horizont zu rück. Andererseits stärkt es unsere Belegschaft, da motivierte und inter national geschulte Mitarbeiter/innen frische Ideen und innovative Ansätze ins Unternehmen einbrin gen. Durch den Aufenthalt in einem fremden Land stärken junge Ta lente nicht nur ihre fachlichen und sprachlichen Kompetenzen, son dern entwickeln auch mehr Eigen verantwortung und verbessern ihre interkulturellen Fähigkeiten. Alles Eigenschaften, die einen persönlich reifen lassen und aus unserer Sicht entscheidend sind, um auf einem zunehmend globalisierten Arbeits markt erfolgreich zu agieren. Die neuen Perspektiven und Impul se steigern die Innovationskraft bei ANDRITZ und tragen so zur langfris tigen Wettbewerbsfähigkeit unseres Konzerns bei. Erasmus+ ist für uns daher ein integraler Bestandteil mo derner Ausbildungsprogramme, die strategisch auf die Anforderungen der Zukunft ausgerichtet sind.
ANDRITZ AG MANUFACTURING GRAZ DI Helmut HEINLE, Head of LEAN Excellence, Head of Apprentice Training
22
K
S
Erasmus+ bietet jedem Lehrling die Chance, sich weiterzuentwickeln, Erfahrungen zu sammeln und vielleicht schon erste internationale Kontakte für die Zukunft zu knüp fen. Wir freuen uns auf viele weitere Berichte und Eindrücke unserer Lehrlinge aus der ganzen Welt!
Die Lehrlinge stehen somit vor der spannenden Herausforderung, sich in einer neuen Umgebung zurecht zufinden. Nebenbei knüpfen sie Kontakte, die ihnen vielleicht intere ssante berufliche Perspektiven für die Zukunft eröffnen.
enntnisse und Erfahrungen über die verschiedenen Kulturen und Werte anderer Länder sind wichtige Themen, die unseren Lehrlingen durch Erasmus+ vermittelt werden. Durch den Aufenthalt in fernen Ländern haben unsere jungen Mitarbeiter/innen die Möglichkeit, ihre Sprachkenntnisse zu verbes sern, wertvolle Erfahrungen für den Berufsalltag zu sammeln und ihren Horizont zu erweitern. Davon profitieren nicht nur sie selbst, son dern auch wir als familiengeführtes Unternehmen. Ob an der Rezeption, im Service oder in der Küche - als Hotellerie- und Gastronomiebetrieb sind Kenntnisse über verschiedene Kulturen und Sprachen ein großer Vorteil in der Berufswelt.
Parkhotel Pörtschach Christopher Zavodnik, Direktor Pörtschach, Kärnten
eit vielen Jahren haben die Collini-Lehrlinge an unserem Hauptsitz die Möglichkeit, einige Wochen unseren benachbarten Standort in Dübendorf (Schweiz) kennenzulernen. Auch ich hatte vor etwa zehn Jahren das Privileg, an einem solchen Austausch teilzu nehmen und drei Wochen wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Mittler weile bin ich Lehrlingsverantwort licher und es ist mir wichtig, diese Tradition fortzuführen. Einige Zeit in einem anderen Betrieb zu ver bringen, bietet nicht nur fachliche Einblicke, sondern auch persönliche Wachstumschancen. Obwohl wir alle zur gleichen Firma gehören, gibt es Unterschiede in Bezug auf die Produkte, Verfahren und Abläufe, und natürlich auch in der Kultur.
Collini GmbH Marcel Lercher, Team Lead Apprentices, Hohenems, Vorarlberg
STaTemenTs
B
ei MPREIS haben Praktika eine lange Tradition, und es war uns immer wichtig, dass diese Möglich keit nicht nur Schüler/innen und Studierenden vorbehalten bleibt. Deshalb ermöglichen wir unseren Lehrlingen seit über 20 Jahren Aus landspraktika über Erasmus+. Diese Praktika bringen Vorteile für beide Seiten: Unsere Lehrlinge werden selbstständiger und verbessern ihre Sprachkenntnisse. Sie lernen neue Arbeitsweisen kennen und bringen diese als frische Impulse in unser Unternehmen ein. Gleichzeitig stär ken wir die Loyalität und Bindung der jungen Talente an MPREIS. Nach ihrer Rückkehr sehen wir bei den Jugendlichen beeindruckende Veränderungen: Sie treten selbstbe wusster auf, sind gereift und haben die Herausforderung „Arbeiten im Ausland“ gemeistert. Viele schätzen ihren Ausbildungsplatz nun noch mehr, sie erkennen, wie gut bei uns alles organisiert und wie modern das Arbeitsumfeld ist. Fast alle Lehrlinge empfehlen ein Auslands praktikum weiter und würden es sofort wieder machen. Dass die Praktika so gut ankommen, bestärkt uns, diesen Weg auch in Zukunft fortzusetzen.
D
W
Daraus ergeben sich mehrere Vor teile: Die Lehrlinge bringen innova tive Ideen und neue Perspektiven in den Betrieb ein, was die Innovati onskraft und Wettbewerbsfähigkeit von RHI MAGNESITA stärkt. Zudem fördert die internationale Erfahrung die Selbstständigkeit und Problem lösungsfähigkeiten der Lehrlinge, was zu einer höheren Qualität der Arbeit und einer stärkeren Mitarbei terbindung führt. Insgesamt trägt das Programm zur Entwicklung einer gut ausgebildeten, vielseitigen und motivierten Belegschaft bei, die den globalen Herausforderungen gewachsen ist.
Für uns als Unternehmen bringt dies einen enormen Mehrwert: Lehrlinge kehren mit neuen Ideen, erweiterten Perspektiven und gesteigertem En gagement zurück. Sie sind besser darauf vorbereitet, sich den Heraus forderungen eines globalisierten Markts zu stellen. Gleichzeitig stärken solche Programme unsere Attraktivität als Ausbildungsbetrieb und tragen zur Sicherung qualifi zierter Fachkräfte bei. Kurz gesagt: Erasmus+ ist eine Investition in die Zukunft – für unsere Lehrlinge und unser Unternehmen.
RHI MAGNESITA Paul Strassegger, Lehrlingsausbildner Labortechnik, Breitenau am Hochlantsch, Steiermark
Frauenthal Handel Gruppe Klaus Moormann, Leitung Integriertes Managementsystem, Projekte und Prozesse, Lehrlingsausbildner Zweigstelle Gerasdorf, Niederösterreich
as Unternehmen RHI MAGNESITA ermöglicht Lehrlingen Auslands praktika über Erasmus+, um deren berufliche und persönliche Ent wicklung zu fördern. Diese Praktika bieten den Lehrlingen die Chance, internationale Arbeitspraktiken ken nenzulernen, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern und interkulturelle Kompetenzen zu erwerben.
ir bei der Frauenthal Handel Gruppe sehen es fast schon als gesellschaftliche Verantwor tung, Lehrlingen die Möglichkeit eines Auslandspraktikums über Erasmus+ zu bieten. Internationa le Erfahrungen fördern nicht nur die fachlichen und sprachlichen Kompetenzen, sondern auch das Selbstbewusstsein und die kulturel le Offenheit der Auszubildenden.
MPREIS Thomas Schrott, Lehrlingskoordinator, Völs, Tirol
23
RUBRIK
ReporTage
DER MEHRWERT KOMMT VIELFACH ZURÜCK Die Europäische Union ermöglicht über das Programm Erasmus+ globale Mobilität nicht nur für Studierende, sondern auch für junge Leute, die eine berufliche Ausbildung absolvieren. Bei der Umsetzung müssen dann vor allem die Unternehmen und Betriebe mitspielen. Wie gut das funktionieren kann, zeigt die KNAPP AG.
24
Das Werksgelände der KNAPP AG in Hart in der Steiermark ist beeindruckend. Über den Empfang betritt man ein Gebäude mit hoher Glasfassade, dahinter öffnen sich große Werksund Lagerhallen auf. Das Unternehmen agiert weltweit an 53 Standorten – in Österreich hat die KNAPP AG zwei Firmensitze, in Hart und in Leoben in der Steiermark. Als staatlich aus gezeichneter Lehrbetrieb beschäftigt die AG aktuell 135 Lehrlinge in fünf Bereichen: Metall technik, Mechatronik, Applikationsentwicklung, Informationstechnologie und Industriekauffrau/mann. Jörg Bergmann, Vice President Operations, über die Kernarbeitsfelder der Knapp AG: „Wir versorgen unsere Kunden mit umfassenden Logistiklösungen und produzieren in diesem Kontext nicht nur die Mechanik und Elektronik, sondern liefern auch die gesamte Software dazu, damit die Anlagen bestmöglich gesteuert werden können. Die KNAPP AG bietet hier also Gesamtpakete entlang der gesamten Logistik kette.“ In den hellen Büroräumlichkeiten wird rasch klar, dass hier Offenheit und flache Hie rarchien gelebt werden. Zum Gespräch mit dem Vice President Operations und dem Leiter der Lehrlingsausbildung, Christoph Haidic, kommt auch Maschinenbaulehrling Marc (24) dazu – die Atmosphäre ist locker und entspannt.
KurzreporTage
Jörg Bergmann, Vice President Operations, (v. r.) bei der Abstimmung mit Christoph Haidic, Leiter der Lehrlingsausbildung bei der KNAPP AG in Hart. Beide sind überzeugt, dass Auslandspraktika den Horizont sehr erweitern.
25
ZUKUNFT
ReporTage
„UNS IST WICHTIG, DIE JUNGEN LEUTE ZU FÖRDERN. IHNEN DIE CHANCE ZU GEBEN, ANDERE BLICKWINKEL EINZUNEHMEN UND SICH DABEI ZU ENTWICKELN – ÜBER EINE ANDERE SPRACHE, EINE ANDERE KULTUR.“ Jörg Bergmann, Vice President Operations, KNAPP AG, Standort Hart
AUSLANDSPRAKTIKUM ERMÖGLICHT NEUE PERSPEKTIVEN Wir wollen heute nachfragen, welche Erfah rungen das Unternehmen mit dem Programm Erasmus+ für Lehrlinge hat – und welche Ausund Wechselwirkungen sich hier für Mitarbei ter/innen und Unternehmen entwickeln. Das EU-Programm Erasmus+, vor allem bei Studie renden in aller Munde, bietet auch Lehr- und Fachkräften der Berufsbildung die Möglichkeit, ins europäische und globale Ausland zu gehen, um dort Praktika im Umfang von zehn Tagen bis zu einem Jahr zu absolvieren. „Die KNAPP AG hat ja über ihr globales Fir mennetzwerk viele Möglichkeiten, aber das Erasmus+ Programm bietet hier den jungen, angehenden Fachkräften noch eine zusätzliche, spannende Möglichkeit, Auslandserfahrungen zu sammeln“, meint Jörg Bergmann. „Über das EU Programm können unsere Lehrlinge außer halb des KNAPP-Umfelds andere Unternehmen und Betriebe in der ganzen Welt kennenlernen, die manchmal nicht originär mit ihrem Lehrberuf zusammenhängen.“ Christoph Haidic, Leiter der Lehrlingsausbildung am Standort Hart, stimmt hier zu: „Ja, wir errei chen Orte, die wir im KNAPP-Netzwerk nicht an bieten können, zum Beispiel das Land Japan …“ Schmunzelnd dreht er sich zu Marc, der den Ball sofort aufnimmt und über seinen vierwöchigen Aufenthalt in Fukuoka von Mai bis April 2024 berichtet. Was besser war als erwartet? Marc lacht und meint: „Eigentlich alles.“ Unterge bracht in einem typisch japanischen Haus
26
mit Futon-Matratzen zum Schlafen, etwa fünf Stunden entfernt von Tokio, arbeitete er mit drei Kolleg/innen bei der japanischen Sprachschule Meiji. Als gelernter Maschinenbauer war er dort für den Aufbau eines neuen Webdesigns tätig, die Sprachschule möchte ihre Fühler noch mehr nach Europa ausstrecken und braucht hier Know-how. „Ja, ich hatte dort ein ganz anderes Berufsfeld“, meint Marc. „Zuerst haben wir gezögert, aber dann haben wir gesagt – egal, wir probieren das! Und es war super, eine Abwechslung zu meinen üblichen Tätigkeiten und vor allem die andere Arbeitsweise war sehr spannend. Man bekommt eine komplett neue Perspektive auf viele Dinge und lernt, sich in einer anderen Kultur zu bewegen. Arbeitszei ten, Hierarchien, Essen, Anrede, Bewegen im öffentlichen Raum – all das hat in Japan andere Regeln als bei uns“, erzählt Marc.
„DASS SIE SICH IM AUSLAND VIELFÄLTIG AUSPROBIEREN KÖNNEN, DASS WIR IHNEN DAS ZUTRAUEN, DAS DANKEN UNSERE JUNGEN FACHKRÄFTE DEM UNTERNEHMEN SEHR.“ Christoph Haidic, Leiter der Lehrlingsausbildung KNAPP AG, Standort Hart
VIELFÄLTIGES AUSPROBIEREN Während wir durch Gänge und gläserne Ver bindungsbrücken, die Einblicke in die großen Produktionshallen geben, in die Lehrwerkstatt gelotst werden, berichtet Christoph Haidic als Leiter der Lehrlingsausbildung in Hart und Chef über 110 Lehrlinge, dass über Erasmus+ viele der KNAPP-Lehrlinge im Ausland in sparten fremden Berufsfeldern arbeiten würden. Das geht? Haidic lacht: „Wir lassen unsere Lehrlinge gerne über den Horizont blicken und akzeptieren auch berufsfremde Aufenthalte und Praktika.
Maschinenbaulehrlinge Fabian und Marc beim Training am Industrieroboter. Beide waren bereits mit „Erasmus+ Berufsbildung“ im Ausland – Fabian in Schweden und Marc in Japan. 27
ZUKUNFT
ReporTage
Vor Kurzem war eine junge Fachkraft auf einem Bauernhof in Spanien, ein Kollege bei Volvo Trucks in Schweden und ein weiterer machte sein Praktikum in einer Schiffswerft auf Malta.“ „Dass sie sich im Ausland vielfältig ausprobie ren können, dass wir ihnen das zutrauen, das danken unsere jungen Fachkräfte dem Unter nehmen sehr. Wir haben topmotivierte Mitarbei ter/innen – und die Bindung zum Unternehmen ist größer“, ergänzt Jörg Bergmann.
UND WIE ERFAHREN DIE LEHRLINGE, WELCHE PRAKTIKA UND ORTE MÖGLICH SIND? Die KNAPP AG bekommt regelmäßig Informati onen mit einer Übersicht über Termine, Länder, Anzahl der Plätze und bevorzugten Berufsgrup pen über die Steirische Volkswirtschaftliche Gesellschaft zugeschickt, eine der regionalen Anlaufstellen für die Organisation von Erasmus+ Agenden im Bereich Berufsbildung. „Wenn die Leistung da ist, wenn die Zielabteilung das OK gibt und wenn es mit der Berufsschuleinteilung klappt, dann gibt es von uns grünes Licht“, meint der Leiter der Lehrlingsabteilung.
RÜCKKEHR INS UNTERNEHMEN MIT NEUEM MINDSET Inzwischen sind wir in der Lehrwerkstatt ange kommen und treffen auf viele junge Leute, die eifrig an den verschiedensten Maschinen hantieren. Auch hier herrscht eine ausnehmend lockere und freundliche Atmosphäre. Vanessa (20) und Nadine (22) sind gleich damit einver standen, dass wir sie beim Schweißen foto grafieren. Beide sind im dritten Lehrjahr in der Sparte Maschinenbau. Nadine hat bereits eine abgeschlossene Kochlehre. Sie war zwar noch nicht im Ausland unterwegs, hat aber erlebt, wie es ist, wenn über Erasmus+ Lehrlinge aus einem anderen Land zur KNAPP AG in Hart kommen. Sechs junge portugiesische Fachkräfte waren von Juni bis August in Hart in der Maschinen bauabteilung. „Mir taugt das total, wenn Leute von außen kommen. Wenn ich dann mitbekom
28
me, wie bei denen die Ausbildung ist und wie das alles abläuft in einem anderen Land, das finde ich sehr interessant“, meint sie. Vanessa war im Herbst 2023 für einen Monat in Malta, in einem Unternehmen, das im Bereich Maschi nenbau Praktikant/innen suchte. „Ich empfehle allen ein Auslandspraktikum, weil man lernt neue Techniken und kommt viel selbstständiger zurück.“ Das kann Christoph Haidic nur bestä tigen. Die meisten kämen mit einem anderen Mindset, mit mehr Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen zurück. „Vor allem die wirklich Jungen, die kommen ganz anders zurück – wir bekommen hier sogar die Rückmeldungen von den Eltern, dass sie zu Hause viel selbstständi ger sind“, schmunzelt er.
„ICH EMPFEHLE ALLEN EIN AUSLANDSPRAKTIKUM, WEIL MAN LERNT NEUE TECHNIKEN UND KOMMT VIEL SELBSTSTÄNDIGER ZURÜCK.“ Vanessa, Maschinenbaulehrling, KNAPP AG, Standort Hart
„Uns ist wichtig, die jungen Leute zu fördern. Ihnen die Chance zu geben, andere Blickwinkel einzunehmen und sich dabei zu entwickeln – über eine andere Sprache, eine andere Kultur. Das ist ein USP, den sie für sich selbst, aber auch für uns mitnehmen, denn diese Erfahrun gen fließen wiederum in unsere Arbeits- und Teamprozesse ein. Der Mehrwert kommt vielfach zurück, es bringt immer Veränderung“, so Jörg Bergmann. Veränderung gibt es auch schon wieder im Team: Bald fährt die nächs te Gruppe los – es wird noch ein Ausbildner gesucht, der KNAPP-Lehrlinge nach Martinique begleitet – lange kann die Suche nicht dauern. Und Marc ist in ein paar Wochen am Weg Rich tung Deutschland – im Zuge eines RobotnikWettbewerbs wird er in Nürnberg gleichaltrige Fachkräfte treffen. Japanisch-Kenntnisse wird er dort zumindest nicht brauchen.
Vanessa und Nadine in der Lehrwerkstatt der KNAPP AG. Nach ihren Erfahrungen mit Erasmus+ schätzen sie die Qualität der Ausbildung in Österreich noch viel mehr.
29
„Ich glaube, ein Auslandspraktikum ist eine schöne Belohnung für junge Mitarbeiter/innen, bei der die Firma aber auch viel zurückbekommt.“ Simon Langhoff, Produktmanager, Siemens Österreich
„Die Einblicke, wie in anderen Betrieben Lösungen gefunden werden, das nehme ich mit ins weitere Berufsleben.“ Sarina, Oberflächentechnikerin, Collini Holding AG – Hohenems
„Über den Sprung in ein anderes Arbeitsumfeld habe ich viel gelernt. Wenn man im Ausland gutes Feedback bekommt, ist man doppelt stolz.“ Bleron, Bürokaufmann und Speditionslogistiker, Hafen Wien AG
30
ERFOLG PORTRÄTS: LIV DIRMAIER, SIMON LANGHOFF FOTOSTRECKE – REIN IN NEUE ERFAHRUNGEN!
31
PorTräT
32
ERFOLG
PoRTRäT
EIN PRAKTIKUM MIT PUNKTLANDUNG Als Floristik-Lehrling in Norwegen große Events dekorieren? Liv Dirmaier hat sich diesen Traum über ein Erasmus+ Berufspraktikum erfüllt.
Dass es während der Lehre die Möglichkeit für Berufspraktika im Ausland gibt, hat Liv Dirmaier in der Berufsschule in Linz mitbekommen. „Ich habe mir dann sofort das OK meiner Chefin bei Floristik Artenreich in Ostermiething geholt und mich an die Bewerbung gemacht“, meint sie. Die Salzburgerin absolvierte die Schulzeit in Linz, weil es von Salzburg die nahe gelegenste Schule mit dreijähriger Ausbildung zur Floristin ist. In der Erasmus-Info-Broschüre waren einige Länder angegeben, aber Liv wollte nach Nor wegen, weil es dort „richtig tolle Eventfloristik gibt. Diese moderne Art wird in Österreich erst langsam übernommen und ich wollte unbedingt in dieser Richtung dazulernen“, betont Liv. Im Motivationsschreiben musste sie angeben, was sie schon gelernt hat und was sie noch lernen wollte – ein paar Wochen später hatte Liv be reits die Zusage des Vereins „IFA Internationaler Fachkräfteaustausch“, der auf die Organisation und Abwicklung von Erasmus+ Praktika für Lehrlinge spezialisiert ist. Ausgewählt wurde für das vierwöchige Praktikum 2023 ein Floristik-Unternehmen in Oslo, das größere Aufträge in der Eventfloristik durchführt. „Ich habe es perfekt erwischt. Es war ein Betrieb mit Topaufträgen, wie zum Beispiel die florale De koration von Hochzeiten und Hotels. Sogar für den Nationalfeiertag haben wir Tausende kleine Boxen mit Blumen bestückt und in Restaurants und auf den Straßen verteilt.“ Livs Highlight war
die Mithilfe bei der Dekoration einer großen Hochzeit für ein sehr wohlhabendes Brautpaar. Nur Tage davor hatte sie im Rahmen einer Sight seeing-Tour eine ungewöhnliche Kirche nahe des Zentrums von Oslo entdeckt, die sie sofort faszinierte. „Und genau in dieser Kirche durfte ich dann bei der Hochzeitsdekoration mithel fen“, lacht Liv. Sogar das private Ferienhaus des Paares durfte sie schmücken. Überhaupt war sie überrascht und glücklich, wie selbstständig sie bei den Projekten arbeiten konnte. In ihrer Freizeit hat sie oft drei weitere österreichische Lehrlinge auf Auslandspraktikum in Oslo ge troffen – eine Labortechnikerin, einen Elektriker und einen Kfz-Techniker. „In einem Monat kann man schon richtig in ein Land eintauchen“, schwärmt sie. Geholfen hat ihr auch die tolle Unterstützung durch das IFA-Team, das jede Woche nachgefragt habe, ob alles in Ordnung sei und Meetings mit norwegischen Lehrlingen organisierte, die bereits in Österreich ein Berufs praktikum absolviert hatten. „Die Jungs konnten uns natürlich feine Tipps geben, was wir in Oslo anschauen und unternehmen sollen.“ Sie kenne viele Lehrlinge, die bereits ein Berufspraktikum im Ausland gemacht hätten – und alle waren begeistert. Livs Begeisterung bringt aber noch eine erstaunliche Wende in ihre Geschichte. Das Reisen und die Auslandserfahrung haben ihr so gut gefallen, dass sie nach dem Ende der Lehre als Floristin dann den Weg zur Reisbüroassis tenz einschlug. „Ja, diese Erfahrung hat mich animiert, eine zweite Lehre zu starten. Mich hat Norwegen sehr fasziniert und ich wollte mehr – mehr reisen, mehr Länder kennenlernen.“ So ist sie in der Restplatzbörse in der Salzburger Altstadt gelandet und kann bereits im nächsten Jahr ihre verkürzte Lehre zur Reisebüroassis tentin abschließen. „Das Praktikum in Oslo hat mich und meinen Blick auf die Welt tatsächlich verändert. Es ist eine Inspiration für mein ganzes Leben.“
33
ERFOLG
34
PorTräT
ERFOLG
PoRTRäT
WERTSCHÄTZUNG MOTIVIERT Nach der Matura ab in die Lehre bei Siemens Österreich. Simon Langhoff erzählt, warum das eine sehr gute Entscheidung war und wie ihn sein Auslandspraktikum in Ungarn inspiriert hat.
An Selbstbewusstsein mangelt es Simon Langhoff nicht. Erfährt man mehr über seinen Werdegang, wird auch rasch klar, wieso das so ist. Um selbstständig zu sein, wollte er nach der Matura rasch Geld verdienen. „Ich wusste damals schon, dass ich etwas in die technische Richtung machen möchte und auch, dass ich in einem größeren Unternehmen arbeiten will“, meint Simon Langhoff. Der Weg zu Siemens war für ihn nahe liegend. Entschieden hat er sich dann für die Lehre „Elektrotechnik und Automati sierungstechnik“. Eine Ausbildungskoordinatorin im Unternehmen hat im zweiten Lehrjahr die Idee eines Auslandspraktikums mit Erasmus+ vorgestellt – und vier Lehrlinge wollten das Angebot, für drei Wochen eine Berufspraktikum in einem ungarischen Unternehmen zu absol vieren, annehmen. „Das war schon eine Herausforderung auf meh reren Ebenen – nicht Urlaub dort zu machen, sondern sich in andere Teams mit einer anderen Sprache und einer anderen Arbeitskultur zu integrieren“, erinnert sich Simon Langhoff an das Auslandsabenteuer. Bei Siemens Österreich arbeitete er viel über digitale Tools und Pro gramme am Computer, während er in Budapest einem noch sehr maschinenorientierten Betrieb mit Kerngeschäft Transformatorenbau zugeteilt war. „Wir haben mit den ungarischen Lehrlingen zusammengearbeitet, sie haben uns viel gezeigt.
Die Kommunikation mit älteren Ausbildner/innen war nicht so einfach, weil sie nicht sehr gut Englisch gesprochen haben, aber alles geht, wenn man will“, hebt Simon Langhoff hervor. In der Arbeit habe er sich über Kulturunterschiede gewundert, obwohl ja zwischen Wien und der ungarischen Grenze nur rund 70 Kilometer lie gen. Aber genau das sei das Spannende, meint er. „Als Lehrling macht man glaube ich noch eine größere Erfahrung als Studierende, weil Lehrlinge meist jünger sind und von einem Aus landspraktikum viel mehr mitnehmen können. Das erste Mal auf sich selbst gestellt, richtig verantwortlich in einem anderen Betrieb im Aus land – man wird automatisch selbstständiger!“ Die Möglichkeit zu reisen und sich in anderen Kontexten ausprobieren zu können, sieht Simon Langhoff als Wertschätzung des Unternehmens für Lehrlinge. „Ich glaube, es ist eine schöne Belohnung für junge Mitarbeiter/innen, bei der die Firma aber auch viel zurückbekommt – ei nen erfahreneren und offeneren Mitarbeiter, der Lösungen anders erkennen kann.“ Er selbst hat neben seiner Lehre dann noch ein Studium ab geschlossen, „Smart Engineering“ an der FH in St. Pölten. Siemens Österreich hätte auf seinen Wunsch sehr positiv und flexibel reagiert, nicht nur das Studium wurde ihm bezahlt, er bekam auch einen halben Tag frei für Lerneinheiten. Mittlerweile arbeitet er im Unternehmen erfolg reich als Produktmanager für Einbruchstechnik. „Für mich ist das alles optimal verlaufen“, lacht er. Auch bei der Übernahme der neuen Manage mentrolle habe ihm seine Auslandserfahrung geholfen. Die Scheu, nachzufragen, habe er in Budapest verloren. „In meiner neuen Position bin ich nur durchs Netzwerken weitergekommen – ich habe erfahrene Techniker angerufen und mich durchgefragt.“ Engagement, eine schlaue Unternehmensphilosophie und eine Portion Glück ergeben ein ideales Sprungbrett, um mit einer Lehre Karriere zu machen.
35
ERFOLG
REIN IN NEUE ERFAHRUNGEN Wie ist es, im Ausland sein berufliches Können auszuloten, in einer anderen Sprache und Kultur? Acht Lehrlinge berichten. Helena, 20, besucht die Landesberufsschule in Langenlois und ist als bautechnische Zeichnerin im dritten Lehrjahr im Team des international agierenden Unternehmens Doka GmbH. Über ihren Arbeitgeber absolvierte sie im Sommer 2024 ein vierwöchiges Berufs praktikum in zwei Niederlassungen in England.
„AM BESTEN HAT MIR GEFALLEN, DASS ICH ÜBER MEINE KOLLEGEN EINEN EIN BLICK IN DIE ARBEITSWELT UND AUCH DIE BRITISCHE LEBENSART BEKOMMEN HABE. NICHT IN DER MUTTERSPRACHE KOMMUNIZIEREN ZU KÖNNEN, WAR AUF JEDEN FALL EINE HERAUSFORDERUNG. EIN AUSLANDSPRAKTIKUM IST ABER DEFINITIV EINE CHANCE, SELBST STÄNDIGER UND MUTIGER ZU WERDEN!“ Location: Landesberufsschule Langenlois, Niederösterreich
36
ts
FoTosTrecke
Lucas, 22, hat im Herbst 2024 für fast drei Monate einen Installateur Betrieb in Oslo mit der Wiener Installateurbetrieb Breitschopf gewechselt. Die deutsche Sprache und die Stadt Wien faszinierten den Norweger schon länger. Die größte Herausforderung war das Verstehen einer anderen Kultur und Berufswelt.
„ICH HABE IN DEN DREI MONATEN WIRKLICH GUT DEUTSCH GELERNT. DIE ZUSAMMENARBEIT MIT MEINEN KOLLEGEN HAT MIR SEHR GEHOLFEN. ES IST EINE WIRKLICH COOLE ERFAHRUNG, ABER ES GIBT NATÜRLICH AUCH ANSTRENGENDE TAGE. ICH NEHME AUF JEDEN FALL VIELE TOLLE ERFAHRUNGEN MIT NACH HAUSE! ZUM BEISPIEL HABE ICH JETZT VIEL MEHR VERSTÄNDNIS FÜR LEUTE MIT ANDEREN KULTURBACKGROUNDS.“ Location: Firma Breitschopf, Wien
37
ERFOLG
Sarina, 20, absolvierte 2023 als Lehrling für Oberflächentechnik über das Vor arlberger Unternehmen Collini Holding AG in Hohenems, hochspezialisiert auf Beschichtungslösungen, ein zweiwöchiges Berufspraktikum in der Schweiz. Das neue Arbeitsumfeld hat sie als positive Herausforderung erlebt, vor allem das selbstständige Arbeiten in mehreren Abteilungen.
„MIR HAT DAS AUSPROBIEREN VON ETWAS NEUEM SEHR GUT GEFALLEN! SO EINE ERFAHRUNG – FÜR KURZE ZEIT MIT ANDEREN MENSCHEN IN EINEM ANDEREN LAND ZU ARBEITEN – IST SCHON ETWAS BESONDERES. DIE EINBLICKE, WIE ANDERE TEAMS ZUSAMMEN ARBEITEN, WIE IN ANDEREN BETRIEBEN LÖSUNGEN GEFUNDEN WERDEN, DAS NEHME ICH MIT INS WEITERE BERUFSLEBEN.“
Location: Collini Holding AG – Hohenems, Vorarlberg
38
FoTosTrecke
Sebastian, 22, ist aktuell in Ausbildung zum Tischlermeister an der HTBLVA Graz-Ortweinschule. 2022 absolvierte er in einer Gruppe aus Tischler/innen und Tischlereitechniker/innenlehrlingen ein zweiwöchiges Berufspraktikum in Spanien. Organisiert wurde der Erasmus+ Aufent halt in Sevilla von der Landesberufsschule in Fürstenfeld. Begleitet von Lehrpersonen war die Reise ein voller Erfolg – auch die Erkenntnis für alle Teilnehmenden, dass sie fachlich in Österreich top ausgebildet werden.
„ES IST TOLL, EIN LAND NICHT ALS TOURIST, SONDERN ALS MITARBEITER EINES BETRIEBS KENNENZULERNEN! MAN LERNT LAND UND LEUTE GANZ ANDERS KENNEN. DER AUSTAUSCH IN EINER ANDEREN SPRACHE IST MANCHMAL SCHWIERIG, ABER MIT GOOGLE-ÜBERSETZER FUNKTIONIERT DAS SCHON. AM BESTEN HAT MIR DAS OFFENE MINDSET DER SPANISCHEN BEVÖLKERUNG GEFALLEN – AN HALLOWEEN HABEN ALLE GEMEINSAM AUF DER STRASSE GETANZT.“
Location: HTBLVA Graz-Ortweinschule, Steiermark
39
ERFOLG
Bleron, 21, war im Rahmen seiner Doppellehre als Speditionskaufmann und -logistiker mit einer Erasmus+ Förderung für ein Monat in Deutschland. Initiiert und ermöglicht hat das sein Arbeitgeber, die Hafen Wien GmbH. Organisiert über den Verein „IFA – Internationaler Fachkräfteaustausch“ landete er bei einer Hamburger Firma, spezialisiert auf Seefracht und Transport.
„DIESER WECHSEL IN EIN ANDERES UNTERNEHMEN, VERBUNDEN MIT DEM REISEABENTEUER, WAR GROSSARTIG! RAUS AUS DER KOMFORTZONE! ICH KANN DAS NUR JEDEM LEHRLING EMPFEHLEN – ES IST EIN ERLEBNIS, DAS MAN NICHT VERGISST. ÜBER DEN SPRUNG IN EIN ANDERES ARBEITSUMFELD HABE ICH VIEL GELERNT. WENN MAN IM AUSLAND GUTES FEEDBACK BEKOMMT, IST MAN DOPPELT STOLZ.“ Location: Hafen Wien GmbH, Wien
40
FoTosTrecke
Über den Lehrlingsbeauftragen der Bezirkshauptmannschaft Leibnitz hat Johanna, 20, Verwaltungsassistentin, über die Möglichkeit eines Erasmus+ Aufenthalts erfahren. Sie reiste dann 2023 nach Malta, um dort für zwei Wochen in der Buchhaltung eines Café- Shops zu arbeiten. Mit der Gastfamilie steht sie noch in Kontakt und wird sie bald besuchen.
„ALLEINE ZU REISEN UND BEI EINER FREMDEN FIRMA IM AUSLAND ZU ARBEITEN, WAR DEFINITIV EINE GROSSE HERAUSFORDERUNG FÜR MICH! ICH MUSSTE DORT NATÜRLICH VIELE COMPUTERPROGRAMME NEU LERNEN UND DIE GESAMTE KOMMUNIKATION IN ENGLISCH FÜHREN. ABER ICH BIN SELBSTBEWUSSTER ZURÜCKGEKOMMEN. ICH WEISS JETZT, WAS ICH SCHAFFEN KANN!“ Location: Bezirkshauptmannschaft Leibnitz, Außenstelle, Veterinärreferat, Steiermark
41
ERFOLG
Melanie, 26, ist über das Erasmus+ Programm für ein sechswöchiges Berufspraktikum in Belfast gelandet. Ermöglicht hat ihr die Reise nach Nordirland die Frauenthal Handel Gruppe AG mit Sitz in Wien, wo sie parallel zur Matura die Lehre zur Großhandelskauffrau abgeschlossen hat. Die größte Herausforderung im Ausland war ab und an der irische Akzent.
„ICH WOLLTE UNBEDINGT INS AUSLAND GEHEN! ES WAR EINE TOLLE ERFAHRUNG, SICH SELBSTSTÄNDIG UM VIELES ZU KÜMMERN UND IN EINEM INTERNATIONALEN KONTEXT ZU ARBEITEN. WIR HATTEN IN BELFAST LEUTE AUS VERSCHIEDENEN NATIONEN IM TEAM. AM LIEBSTEN WÄRE ICH IM NÄCHSTEN JAHR GLEICH WIEDER VERREIST.“
Location: Kontinentale – Zweigniederlassung der Frauenthal Handel GmbH, Gerasdorf, Niederösterreich
42
FoTosTrecke
Alle zwei Jahre findet der internationale Berufs wettbewerb WorldSkills statt. Lehrlinge und junge Fachkräfte messen dort ihr Können in vielen Berufs sparten. Stefan und Christoph, beide 19, haben 2024 dort die Goldmedaille im Betonbau für Österreich gewonnen. Austragungsort war die riesige Expo- Halle in Lyon. Angetreten sind sie dort gegen Teams aus u. a. Dänemark, Indien und China. Ihr Lehrlings mentor bei der Georg Fessl GmbH in Zwettl, Nieder österreich, hat alles ins Rollen gebracht.
„ES IST SUPER, WENN MAN SICH IN SEINEM BERUF INTERNATIONAL BEWEISEN KANN! DAS WIRKLICH SCHÖNE IST AUCH DAS ZUSAMMENARBEITEN UND REISEN IM TEAM. VOR DEM WETTBEWERB WAREN WIR SEHR AUFGEREGT UND ES IST SCHON STRESSIG, ABER DIE ATMOSPHÄRE WAR EINMALIG. WIR HABEN SCHON BEI DEN VORBEREITUNGEN VIEL GELERNT UND SIND STOLZ, DASS WIR GOLD EROBERN KONNTEN!“
Location: Georg Fessl GmbH, Zwettl, Niederösterreich
43
„In anderen Betrieben arbeiten, mit anderen Prozessen und in anderer Sprache – da passiert viel persönliche Weiterentwicklung.“ Helga Neunteufel, Leiterin der Lehrlingsausbildung IKEA Vösendorf
„Ich erlebe, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Erasmus+ Auslandspraktika sehr stark persönlich wachsen.“ Martina Jeindl, Direktorin der Landesberufsschule Graz 3
„Jene Unternehmen, die schon Erfahrung mit Erasmus+ haben, schätzen die Auslandsaufenthalte deutlich positiver ein und haben viel realistischere Erwartungen.“ Kurt Schmid, Forschung und Lehre am Institut für Bildungsforschung und Wirtschaft
44
PRaxis ROUND-TABLE-GESPRÄCH: WER WAGT, GEWINNT! miT MarTina Jeindl, Helga NeunTeufel & KurT Schmid
45
PRAXIS
Round Tabel
WER WAGT, GEWINNT! EIN ROUND TABLE MIT
46
KURT SCHMID
Forschung und Lehre am Institut für Bildungsforschung und Wirtschaft (ibw), Leiter der 2021 durchgeführten Stu die „Auslandsmobilität in der Lehrlingsausbildung“, getragen von OeAD, BMB, BMWET und WKÖ.
HELGA NEUNTEUFEL
Leiterin der Lehrlingsaus bildung IKEA Vösendorf
MARTINA JEINDL
Direktorin der Landesberufs schule Graz 3
PRAXIS
Round Table
Lehrlingen und jungen Fachkräften Auslandserfahrung zu ermöglichen, ist eine tolle Sache – darin sind sich Martina Jeindl/ Berufsschuldirektorin, Helga Neunteufel/Leiterin der Lehrlingsausbildung bei IKEA, und Kurt Schmid/ Bildungsforscher, am ibw einig. Ein Gespräch über Auswirkungen, Entwicklungen und Herausforderungen.
HERR SCHMID, WELCHE KERNPUNKTE RESULTIEREN AUS DER VON IHNEN GELEITETEN STUDIE „AUSLANDSMOBILITÄT IN DER LEHRLINGSAUSBILDUNG“? Kurt Schmid: Ein wesentliches Ergebnis ist sicher, dass es beim Wissensstand über Auslandspraktika im Bereich Berufsbildung definitiv noch Luft nach oben gibt. Tendenziell sind die großen Unternehmen besser informiert als die kleinen, aber generell gilt: Lediglich ein Drittel der Betriebe ist über die Möglichkeit von Auslandspraktika und noch weniger sind über die finanzielle Unterstützung durch Erasmus+ informiert. Ein wesentliches Ergebnis ist auch, dass jene Unternehmen, die schon Erfahrung
damit haben, Erasmus+ deutlich positiver einschätzen und viel realistischere Erwartungen haben. Die Betriebe erkennen dann, dass es bei diesen Auslandspraktika weniger um die Erwei terung der fachlichen Kompetenzen als vielmehr um den Ausbau der „Soft Skills“ wie Schub in der Eigenständigkeit, Motivation und Persönlich keitsentwicklung geht.
WIE GESTALTEN SICH DER INFORMATIONS PROZESS UND DIE ORGANISATION IN IHREM UNTERNEHMEN BZW. SCHULE? Martina Jeindl: An unserer Schule, der Landes berufsschule Graz 3, organisieren wir Auslands aufenthalte für Lehrlinge schon seit mehr als zehn Jahre. Ich brenne dafür! Wir haben uns in der Steiermark in einer Kooperation mit anderen Berufsschulen zusammengefunden und forcie ren Möglichkeiten eines Erasmus+ Auslandsauf enthalts für Lehrlinge. Damit die Betriebe entlas tet sind, übernehmen engagierte Lehrer/innen und ich die Organisation und führen die Praktika integriert in den Unterricht durch. Wir bilden in zehn Ausbildungsberufen aus – und wir waren in der Kommunikation der Vorteile des Erasmus+ Programms schon so erfolgreich, dass bereits einige Unternehmen und zum Beispiel auch die Innung der Karosseriebautechnik diese Praktika im Ausland vorantreiben. Mittlerweile hat unsere Schule auch viele tolle Kooperationen mit Schu len und Betrieben im Ausland. Helga Neunteufel: Ich bin seit 20 Jahren bei IKEA und betreue seit sechs Jahren die Lehrlinge am größten IKEA-Standort in Österreich in Vösendorf – die Angebote für Auslandsaufent halte gibt es bei uns schon lange. Es ist aber kein Muss, sondern eine Freiwilligkeit und hängt stark vom Lehrling ab. Wir bereiten die jungen Leute gut vor und schauen, dass sie dann vor Ort gut betreut sind. Unsere Erfahrung ist: Auch schon eine Woche bringt etwas!
WELCHE GELUNGENEN BEISPIELE FALLEN IHNEN EIN? Martina Jeindl: Viele. Aber spontan fällt mir ein Schüler in Ausbildung zum Maler ein – er plante einen Aufenthalt in Irland und hatte große Angst
47
PRAXIS
Round Tabel
Kurt Schmid
„BEIM WISSENSSTAND ÜBER DIE AUSLANDS PRAKTIKA VIA ERASMUS+ GIBT ES DEFINITIV NOCH LUFT NACH OBEN.“
vor der Kommunikation in einer anderen Spra che. Er hat es dann toll geschafft und ist auch mit seinem Fachwissen dort sehr gut angekom men. Dieser Lehrling ist verändert zurückgekom men – das hat man dann bei seiner Präsenta tion, bei der auch Betriebe eingeladen waren, sehr gespürt. Eine Gruppe von pharmazeutisch kaufmännischen Lehrlingen war dieses Jahr in Sizilien – sie haben sich mit Händen und Füßen verständigt, waren aber alle sehr begeistert!
Außerdem ist das 3. Lehrjahr oft verplant mit der Vorbereitung für die Lehrabschlussprüfung …
Helga Neunteufel: Bei uns im Team sind ehema lige Lehrlinge, jetzt schon ausgelernte Fachkräf te, die erzählen immer noch ganz begeistert von ihren Auslandsaufenthalten. So eine Erfahrung vergisst man nicht. So entstehen auch größere Bindungen ans Unternehmen. Lernerfahrungen können übrigens auch so verlaufen: Wir hatten einen Lehrling, der immer wieder Pünktlichkeit nicht so genau nahm. Sein Chef beim Praktikum im Ausland hatte das gleich angemerkt – dann hat es auch bei uns geklappt. Manchmal muss man Dinge extern hören. (lacht)
Helga Neunteufel: Die Vorarbeit im Unterneh men ist nicht zu unterschätzen. Wer hat Lust zu fahren, für wen passt welches Angebot – und man muss schauen, dass die jungen Leute dann dort vor Ort gut betreut werden.
WO SEHEN SIE DIE GRÖSSTEN HERAUSFORDERUNGEN BEI DER AUSLANDSMOBILITÄT FÜR LEHRLINGE? Kurt Schmid: Es ist eine komplexe Situation, weil mehrere Akteurinnen und Akteure an einem Strang ziehen müssen. Hinzu kommt, dass die Lehrlinge meist ziemlich jung sind – viele von ihnen waren noch nie im Ausland. Es muss hier viel Vorarbeit und Information seitens der Schule und der Betriebe geleistet werden.
48
Martina Jeindl: Ja, das stimmt. Ich habe ein Wunschszenario: Über die Schulen könnte ein niederschwelliger Einstieg für Erasmus+ in der 2. Klasse starten, begleitet von Lehrpersonen, und in der 3. Klasse fahren die Lehrlinge dann alleine ins Ausland über den jeweiligen Betrieb, das wäre toll!
WAS MACHT AUS IHRER SICHT EIN AUSLANDSPRAKTIKUM FÜR LEHRLINGE WERTVOLL? Helga Neunteufel: Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Es macht einen Unterschied! Man kommt mit einem anderen Blickwinkel zurück, der Horizont ist ein anderer. Ein wichtiger Aspekt ist das Ausprobieren, das Sich-etwas- Zutrauen und dass wir ihnen das zutrauen; in anderen Betrieben, mit anderen Prozessen und anderer Sprache – da passiert viel persönliche Weiterentwicklung. Es ist schön, das zu beob achten, wie die jungen Mitarbeiter/innen ein Stück reifer zurückkommen und sagen: Wow, das habe ich geschafft! Sie müssen im Ausland out of the box denken und kommen dann mit neuen Ideen zurück. Das Schönste ist, wenn
PRAXIS
Round Table
sie zu mir kommen und sagen, das und das habe ich dort gesehen – darf ich das bei uns umsetzen? Kurt Schmid: Ja, ich glaube, dieses Sich-etwasZutrauen und der Schritt in die Eigenständigkeit in einem anderen Land ermöglichen einen großen Schub in der Entwicklung. Viele Unter nehmen unterschätzen, wie stark hier der Sprung in kurzer Zeit sein kann – und dass es nicht nur dem Lehrling, sondern auch dem Unternehmen viel bringt. Von Lehrlingsausbild ner/innen haben wir auch die Rückmeldung erhalten, dass die Lehrlinge extern nochmals die Bestätigung erhalten, warum sie in der Schule was lernen – diese Rückkoppelung ihres Wissens in anderen betrieblichen Settings, dass das Gelernte Sinn macht, ist sehr wertvoll. Martina Jeindl: Ich will den Schüler/innen diese Auslandserfahrung bieten, weil ich es für grandios halte! Ich erlebe, dass alle Teil nehmer/innen sehr stark persönlich wachsen – egal, ob es vorher Auslandserfahrung gibt oder nicht.
Helga Neunteufel
„EIN WICHTIGER ASPEKT IST DAS AUSPROBIEREN – DAS SICH-ETWASZUTRAUEN UND DAS ZUGETRAUTBEKOMMEN.“
Die sozialen Kompetenzen steigen, viele sehen auch ihre Ausbildung in einem größeren Kontext und sagen: „Super, wie toll wir es hier in Öster reich haben!“ Sie schätzen ihren Betrieb und die Schule wieder stärker. Sehr viele bekommen im Ausland dann auch Jobangebote, weil sie fach lich so gut sind. Das ist natürlich eine schöne Bestätigung und ein großer Motivationsschub!
ALS ABSCHLUSS DIE FRAGE NACH DEN WÜNSCHEN … Kurt Schmid: Aus meiner Sicht fehlt noch der große Wurf. Es bräuchte einen Zusammen schluss auf institutioneller Ebene – dass alle Stakeholder an einem Strang ziehen und hier eine Kampagne mit Basisinformationen starten, wie zum Beispiel ein Aktionsjahr zum Thema Erasmus+ in der Berufsbildung. Einzelne Akteurinnen und Akteure stecken hier viel En gagement in die Sache – es wäre schade, wenn das langfristig verpufft! Martina Jeindl: Ein verwegener Gedanke von mir dazu: Erasmus+ in die Ausbildungsordnung hineinzunehmen. Das wäre meine Vision: Aus landserfahrung wird in die Lehrpläne integriert. Martina Jeindl
„ES BRAUCHT RAUM, UM PÄDAGOGISCHE KONZEPTE IN GANG ZU BRINGEN.“
Helga Neunteufel: Ja, die Möglichkeiten für Aus landserfahrung in der Berufsbildung müssen gut kommuniziert werden – Flexibilität und Mut für Neues wird in Zukunft noch wichtiger sein!
49
„Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer von internationalen Berufswettbewerben sind Testimonials für die Qualität der beruflichen Bildung in Österreich.“ Jürgen Kraft, Geschäftsführer SkillsAustria
„Nach der Rückkehr von ihren Berufspraktika im Ausland sind viele Lehrlinge deutlich selbstbewusster.“ Michael Pfeifer, Lehrer an der Landesberufsschule Arnfels
„Die zunehmende Relevanz von Auslandsaufenthalten für Auszubildende zeigt sich in Deutschland derzeit auch bei den steigenden Mobilitäts- und Antragszahlen.“ Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), Bonn
50
BRanche JÜRGEN KRAFT: WIR WOLLEN MOTIVIEREN! MICHAEL PFEIFER: INTERNATIONALER ERFAHRUNGSAUSTAUSCH MIT VIEL GEWINN FRIEDRICH HUBERT ESSER: ERASMUS+ ALS ATTRAKTIVER TEIL DER BERUFSAUSBILDUNG BERICHTE: WIR ORGANISIEREN INTERNATIONALE ERFAHRUNGEN
51
BRANCHE
InTerview
WIR WOLLEN MOTIVIEREN! SkillsAustria ist ein Kompetenzzentrum für Berufswett bewerbe in der Berufsbildung. Junge Fachkräfte aus ganz Österreich erhalten hier u. a. eine intensive Vorbereitung, um bei nationalen (AustrianSkills) oder internationalen Bewerben (EuroSkills, WorldSkills) ihre Fachkenntnisse bestmöglich umsetzen zu können. Österreich landet international regelmäßig auf Spitzenplätzen. Jürgen Kraft, Geschäftsführer SkillsAustria, im Gespräch über Erfolge und Motivation
Jürgen Kraft, Geschäftsführer SkillsAustria
52
2023 war Österreich die beste Nation beim Wettbewerb EuroSkills. Wer steckt hinter den Erfolgen der österreichischen Teams? Prinzipiell die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst. Es ist jedoch zu betonen, dass ohne die Top-Ausbildung in den Betrieben, aber auch in den be rufsbildenden Schulen, der Erfolg nicht möglich wäre. Wir als SkillsAustriaTeam bereiten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch gezielte Trainings und Unterstützung (fachliche Trainings, Teamtrainings, Mentaltrainings, sport medizinische Unterstützung u. v. m.) auf die internationalen Berufswett bewerbe vor. Rund 80 % der Teilneh menden der internationalen Berufswett bewerbe haben eine Lehre absolviert. Die duale Berufsausbildung, um die uns weltweit viele Länder beneiden, ist somit der Garant für die heimischen Erfolge bei internationalen Berufs wettbewerben. Bei den EuroSkills treten übrigens 38 verschiedene Berufsgruppen an.
Welche unterstützenden Organisationen sind an Bord? An Bord sind die Wirtschaftskammer Österreich, die Landeswirtschafts kammern, das BMWET, das BMB, die ausbildenden Unternehmen, das IFA, das WIFI, die spezifischen Sparten und Fachorganisationen der Wirtschafts kammer, die berufsbildenden Schulen und viele Teamsponsor/innen sowie Förder/innen und Unterstützer/innen von SkillsAustria. Die Erasmus+ För derungen sind ebenfalls eine wertvolle Unterstützung für unsere Teilnehmerin nen und Teilnehmer. Wo sehen Sie die großen Benefits für die jungen Fachkräfte? Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der internationalen Wettbewerbe geben uns sehr oft Feedback, dass Sie neben den kulturellen Erfahrungen in anderen Ländern auch andere Arbeitsweisen, neue Arbeitstechniken gesehen und auch gelernt haben, die ihnen im
beruflichen Alltag helfen. Auch durch das Training und die Vorbereitung entwickeln sich die jungen Fachkräfte enorm weiter. Es ist mit einer Weiter bildung vergleichbar und wird von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern als sehr bereichernd empfunden. Verges sen darf man auch nicht die internatio nale Vernetzung; bei den Wettbewerben werden internationale Freundschaften geschlossen, die oft ein Leben lang bestehen. Welche Entwicklungen sehen Sie in den letzten Jahren bei jungen Leuten in Ausbildung? Die jungen Fachkräfte zeigen – entge gen der oft vorherrschenden Mei nung – sehr viel Engagement! Vor der Qualifizierung für internationale Wettbe werbe haben die Teilnehmer/innen an Landeslehrlings- oder Schulbewerben teilgenommen, anschließend sehr oft einen Bundeslehrlingswettbewerb bestritten und bei den AustrianSkills eine sehr gute Platzierung erreicht. Und diese Motivation möchten wir an die nächsten Jahrgänge weitergeben und vermitteln. Dafür wurde das SkillsHeroes-Programm ins Leben gerufen. Ehemalige Teilnehmende von interna tionalen Berufswettbewerben werden hier gezielt in der Berufsorientierung und Berufsmotivation eingesetzt, z. B. im Rahmen von Berufsinformations messen oder Vorträgen in Schulen und Unternehmen. Wo sehen Sie die Vorteile für das Image der Berufsbildung? Alle Teilnehmer/innen von internatio nalen Berufswettbewerben sind Testi monials für die Qualität der beruflichen Bildung in Österreich. Sie sollen junge Menschen motivieren, ebenfalls den Weg der Berufsbildung einzuschlagen. Die Lehre wird dadurch attraktiver und sichtbarer in der Gesellschaft gemacht!
53
BRANCHE
InTerview
INTERNATIONALER ERFAHRUNGSAUSTAUSCH MIT VIEL GEWINN Unter der Rubrik „Highlights“ steht auf der Website der steirischen Landesberufsschule Arnfels (LBS) das Angebot für Erasmus+ Aufenthalte. Michael Pfeifer, Lehrer an der Schule, engagiert sich hier seit vielen Jahren, organisiert und begleitet dieses Angebot und gibt sein Wissen rund um Auslandspraktika auch an Kolleginnen und Kollegen weiter. Warum ist das Erasmus+ Programm für die LBS Arnfels wichtig? Auslandspraktika bieten den Lehrlingen die Möglichkeit, in einem anderen Land zu arbeiten und zu leben – das fördert ihre interkulturellen Kompetenzen und ihre Weltoffenheit. Die Lehrlinge kön nen neue Perspektiven gewinnen und ihre beruflichen Fähigkeiten in einem neuen Umfeld testen. Eine Schule, die Erasmus+ Programme anbietet, erreicht Innovationsfreude, Offenheit und eine hohe Qualität der Ausbildung. Dies steigert die Reputation der Schule und fördert auch die Zusammenarbeit mit internationalen Partnerinstitutionen und Unternehmen. Unter dem Titel „Irish Adventure“ sind 2024 24 Lehrlinge der LBS Arnfels nach Irland gefahren. Wie läuft so ein Aufenthalt ab? Teilgenommen haben Lehrlinge der Lehrberufe Kraftfahrzeugtechnik für Pkw und vereinzelt auch Lkw – alle im 3. Lehrjahr. Am Zielort Sligo in Irland angekommen, wurden alle von ihren
54
Gastfamilien empfangen. Bei einem Meeting mit unserer Partnerorganisa tion haben die Teilnehmer/innen dann wichtige Tipps und Informationen zum weiteren Ablauf des zweiwöchigen Aufenthalts erhalten. Unter der Woche erfolgten verschiedene gemeinsame Treffen für einen Erfahrungsaustausch. Wieder zurück im Schulalltag besuch ten alle Teilnehmer/innen andere Berufsschulen, um von ihren Auslands aufenthalten zu berichten. Welche Rückmeldung erhalten Sie von den Lehrlingen? Die Teilnehmer/innen sind begeistert und auch absolut motiviert, von ihren Erfahrungen zu erzählen. Sie empfehlen meistens anderen Lehrlingen, ebenfalls an solchen Projekten teilzunehmen. Nach der Rückkehr sind viele Lehrlinge deutlich selbstbewusster, weil sie bewiesen haben, sich in einem fremden Umfeld behaupten zu können. Viele ha ben reale Jobangebote von ihren Prakti kumsbetrieben erhalten und alle haben auch eine enorme Wertschätzung ihrer
Michael Pfeifer, Lehrer Berufsschule Arnfels Fächer: Politische Bildung, Deutsch und Kommunikation, Englisch und Angewandte Wirtschaftslehre
Arbeit und ihres Einsatzes erfahren. Nicht selten führen solche Erfahrungen dazu, dass sie sich neuen Herausfor derungen offener und sicherer stellen. Auch fachtechnisch schätzen viele die Chance, moderne Technologien oder alternative Ansätze im jeweiligen Bereich kennenzulernen. Was würden Sie sich betreffend der Auslandsprogramme für Schulen wünschen? Wir wünschen uns eine Erweiterung des Netzwerks an Partnerschulen und Unternehmen im Ausland, auch die Lehrkräfte könnten stärker in internati onale Projekte und den Erfahrungsaus tausch einbezogen werden. Eine Idee wäre auch, ein System zur Nachverfol gung der beruflichen Entwicklung der ehemaligen Teilnehmenden zu entwi ckeln, um den langfristigen Nutzen der Auslandspraktika besser verstehen und optimieren zu können. Auch das Thema Nachhaltigkeit sollte besser verankert werden: Unsere Teilnehmer/innen pflanzen in unserem Erasmus-ParkArnfels jeweils einen Baum, um den persönlichen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren.
KommenTaR
ERASMUS+ ALS ATTRAKTIVER TEIL DER BERUFSAUSBILDUNG Auslandsaufenthalte spielen eine bedeuten de Rolle für die Leistungsfähigkeit und die Attraktivität der Berufsbildung sowie für die internationale Öffnung der Ausbildungseinrich tungen. Daher definiert die „Exzellenzinitiative Berufliche Bildung“, die im Dezember 2022 vom deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) initiiert wurde, die inter nationale Ausrichtung und Förderung von Mobilität als eine Exzellenzdimension der dualen Berufsausbildung.
„DIE MIT AUSLANDSAUF ENTHALTEN VERBUNDENEN LERNEFFEKTE SIND VIELSCHICHTIG.“ Die zunehmende Relevanz von Auslandsaufent halten für Auszubildende, für das ausbildende Personal sowie für ausbildende Betriebe und berufliche Schulen zeigt sich in Deutschland derzeit insbesondere bei den steigenden Mobilitäts- und Antragszahlen in Erasmus+ und im BMBF-Förderprogramm „AusbildungWelt weit“. In der Studie „Auslandsaufenthalte in der Berufsausbildung 2017“ der Nationalen Agentur beim BIBB sahen Betriebe, die Auslandsaufent halte ermöglichen, die größten Vorteile darin, dass sich Ausbildungsplätze attraktiver bewer ben ließen und die Arbeitgebermarke gestärkt wurde.
In der Praxis zeigt sich jedoch, dass Auslands aufenthalte noch nicht durchgängig als Instru ment zur Gewinnung, Bindung und Entwicklung von Fachkräften genutzt werden. Dabei sind die damit verbundenen Lerneffekte vielschichtig. Unterschiedliche Studien und Praxisberichte zeigen, dass Ausbildungsabschnitte im Ausland zum Erwerb und zur Verbesserung von Fremd sprachenkenntnissen, von internationalen Fach kenntnissen und von personalen Kompetenzen beitragen. Bei Letzteren werden vor allem das Selbstbewusstsein, die Verantwortungsbereit schaft, die Motivation und die Selbstständigkeit gestärkt. Zudem führen Auslandsaufenthalte dazu, dass Auszubildende ihre beruflichen Fähigkeiten ausbauen, etwa für die Arbeit in internationalen Teams, die Bewältigung neuer Aufgaben oder der Aneignung neuer Arbeitsab läufe in einem von digitaler und ökologischer Transformation geprägten Umfeld.
Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), Bonn
Angesichts des Nutzens von Auslandsaufent halten ist das neue Ziel des Rates der Europäi schen Union, die Auszubildendenmobilität auf 12 Prozent zu steigern, sehr zu begrüßen. Ver schiedene Herausforderungen sind jedoch auf der nationalen und europäischen Ebene anzu gehen, um diese Quote zu erreichen. Wesentlich hierfür sind eine ausreichende finanzielle und personelle Ausstattung sowie die kontinuierliche Weiterentwicklung des Erasmus+ Programms und der nationalen Förderprogramme. Hinzu kommt die notwendige Mitwirkung der Unter nehmen und aller beteiligten Stakeholder, um die systemischen Voraussetzungen weiter zu verbessern.
55
BRANCHE
WIR ORGANISIEREN INTERNATIONALE ERFAHRUNGEN IFA – Internationaler Fachkräfteaustausch ist ein nicht gewinnorientier ter Verein, der seit 1995 Lehrlingen geförderte Auslandsaufenthalte ermöglicht. Wir beraten Lehrlinge, Lehrbetriebe und Berufsschulen, or ganisieren Praktikumsaufenthalte für Lehrlinge in Gruppen und kümmern uns um die Abwicklung von euro päischen und nationalen Förderun gen. Rund 500 Lehrlinge aus ganz Österreich, aus vielen verschiedenen Berufen und allen Branchen absolvie ren jährlich ein Auslandspraktikum mit IFA. Während eines Auslands praktikums lernen Lehrlinge andere Arbeitsabläufe, Strukturen und Pro blemstellungen kennen und erweitern dabei ihre fachlichen Kompetenzen. Bei Praktikumsaufenthalten steht aber vor allem die Entwicklung der persönlichen, der Sozial- und der Fremdsprachenkompetenzen im Mit telpunkt. Lehrbetriebe können sich mit dem Angebot von Auslandsprakti ka als attraktive Ausbildungsbetriebe positionieren. Wir hoffen, noch viele weitere Lehrlinge und Lehrbetriebe vom Abenteuer eines Auslandsprakti kums überzeugen zu können! Susanne Klimmer, Geschäftsführerin, IFA – Internationaler Fachkräfteaus tausch, Wien
56
Unser Team kümmert sich um die er folgreiche Umsetzung von Erasmus+ Mobilitäten, d. h. auch für die Ziel gruppe Lehrlinge und Ausbildner/innen. Wir übernehmen – als Teil der STVG – die gesamte Planung von Erasmus+ Aufenthalten, von der Vorbereitung über die Durchführung bis hin zur Nachbereitung. Besonders wichtig ist uns hier die Qualitäts sicherung: Wir wählen passende Arbeitsplätze aus und achten darauf, dass alles den Erasmus+ Standards entspricht. Wir stehen immer für Beratung und Unterstützung bereit und sind während der Praktika eine verlässliche Anlaufstelle. Unser Netzwerk ist dabei unser wichtigster Partner. Durch die Zusammenarbeit mit Unternehmen, Bildungseinrich tungen und Expert/innen schaffen wir tolle, nachhaltige Auslandspraktika für alle Teilnehmenden. Was mich besonders freut, ist, wie viel Selbst vertrauen und Eigenständigkeit die Jugendlichen gewinnen. Es sind oft die interkulturellen Erfahrungen, die nachhaltig wirken und den Horizont erweitern. Jürgen Maierhofer, Steirische Volks wirtschaftliche Gesellschaft (STVG) Projektmitarbeit „Young Styrians GO Europe!“ | Inhaltliche und organisatori sche Abwicklung im Lehrlingsbereich
Die globale Wirtschaft bietet jungen Menschen zahlreiche Chancen. Im Rahmen des EU-Programms Erasmus+ Berufsbildung, das praktische Erfahrungen im Ausland ermöglicht, werden bereits erlernte fachliche Kompetenzen weiter ver tieft. Die erlebten Herausforderungen, insbesondere der Umgang mit unter schiedlichen Kulturen und Sprachen, fördern die Persönlichkeitsentwick lung der Teilnehmenden. Die Volkshochschule Hohenems übernimmt eine zentrale Rolle, indem Jugend lichen die Teilnahme am Erasmus+ Programm erleichtert wird. Sie agiert als essenzielle Schnittstelle zwischen Betrieben, Schulen und internationa len Partnern und unterstützt dabei, administrative Hürden zu überwin den. Dadurch wird der Zugang zu Fördermitteln sowie die Organisation von Austauschprogrammen erheb lich erleichtert. Die Rückmeldungen seitens der Teilnehmenden und beteiligten Betriebe sind durchwegs positiv. Erasmus+ Programme tragen definitiv dazu bei, die Attraktivität der dualen Berufsausbildung nachhaltig zu steigern. Elisabeth Schmid, Obfrau der VHS Hohenems, Projektleitung Erasmus+ Berufsbildung
BerichTe
Mittlerorganisationen unterstützen Schulen, Betriebe und Interessierte bei der Umsetzung von Erasmus+ Auslandsaufenthalten. Ein Überblick über Aufgaben und Ziele.
Die Standortagentur Tirol wickelt gemeinsam mit der AK, dem Land Tirol und Tiroler Ausbildungseinrich tungen das Projekt „Tiroler/innen auf der Walz“ ab. Wir sind Ansprechpart ner für Lehrlinge selbst, aber auch für Tiroler Ausbildner/innen. Unsere Serviceleistungen umfassen Bera tung und Hilfestellung bei der Prakti kumsplatzsuche sowie die finanzielle Unterstützung im Rahmen des Eras mus+ Programms. Ein Auslandsprak tikum bietet Lehrlingen zahlreiche Vorteile, die sowohl ihre berufliche als auch persönliche Entwicklung fördern können. Lehrlinge lernen, neue Situationen zu meistern, mit verschiedenen Kulturen umzugehen und sich an andere Arbeitsweisen anzupassen. Unternehmen können sich als attraktive Arbeitgeber/innen präsentieren und neue Kooperationen über Ländergrenzen hinweg finden. Langfristig soll über die Durchfüh rung von Auslandspraktika – und der damit verbundenen Qualifizierung von Tiroler Fachkräften – der Wirt schaftsstandort gestärkt werden. Katharina Schmidhofer, Petra Faullend, Projektleitung Erasmus+ Standortagentur Tirol GmbH, Innsbruck
Der Verein ALE – Arbeiten und Lernen in Europa wurde 2019 ge gründet und ist mittlerweile einer der bedeutenderen regionalen Förder mittelverwalter für Erasmus+. ALE ermöglicht es seinen Partnereinrich tungen, sich ausschließlich auf die Planung der Auslandsaufenthalte zu konzentrieren. Damit ist die größte Hemmschwelle für Betriebe aus dem Weg geräumt: Angst vor bürokrati schen Hindernissen. Allerdings steht Salzburg bei der Zahl der Entsendun gen von Lehrlingen noch ziemlich am Anfang. Daher arbeitet ALE intensiv mit den Berufsschulen zusammen. Gruppenmobilitäten können gut als „Eisbrecher“ fungieren: Die Lehrlinge haben ein berufliches und soziales Auslandserlebnis, die Betriebe sehen, wie ihre Lehrlinge begeistert über ihre Erfahrungen berichten. Damit wird sowohl die Ausbildung in der jeweili gen Branche und Firma attraktiver als auch die Lehre mit vielen Perspekti ven erlebbar. Die Selbsttätigkeit der Lehrlinge erscheint uns hier beson ders wichtig. Daher hat ALE neben der finanziellen und bürokratischen Abwicklung die Beratung für Planung und Organisation als Hauptaufgabe. Franz Heffeter, Obmann Verein ALE – Arbeiten und Lernen in Europa, St. Gilgen, Salzburg
Die Mobilitäten im Rahmen von Erasmus+ bieten eine wertvol le Erfahrung für unsere jungen Teilnehmenden im Rahmen der Qualifizierung. Für viele ist es der erste Aufenthalt im Ausland ohne ihre Eltern. Die Teilnahme am Programm bietet Menschen mit Lernschwierigkeiten die Möglich keit, ihre Fähigkeiten in einer neuen Umgebung zu entdecken und wei terzuentwickeln. Durch die intensive Betreuung und die praktischen Erfahrungen im Ausland gewin nen sie nicht nur Selbstvertrauen, sondern auch neue Perspektiven, die ihre persönliche und berufliche Entwicklung fördern. Die Praktika werden gezielt nach den Interessen der Teilnehmenden ausgewählt. Wir arbeiten dazu mit Einrichtungen und Unternehmen in Bereichen wie Gastronomie, Gartenbau, Einzel handel, Hotellerie oder auch mit einem Tierpark zusammen. Nach der Rückkehr ist es ihre Aufgabe, im Rahmen eines Trainingsmoduls in Kleingruppen sowie in einer Prä sentation vor allen Teilnehmenden von ihren Erlebnissen zu berichten und ihre Erfahrungen reflektiert zu teilen. Walburga Fröhlich, Geschäftsführerin, atempo, Graz
57
LEHRE OHNE GRENZEN
OeAD-ServiceseiTe
erasmus+ Berufsbildung DAS EU-PROGRAMM ZUR FÖRDERUNG DER BERUFLICHEN BILDUNG IN EUROPA Der OeAD ist als nationale Agentur für die Umsetzung des gesamten Erasmus+ Programms in Österreich zuständig. Auch im Bereich „Berufsbildung“ ist der OeAD die erste Anlaufstelle für interessierte Unternehmen, Lehrpersonen und Ausbildner/innen.
Kontakt: OeAD berufsbildung@oead.at www.oead.at/berufsbildung www.oead.at/lehreohnegrenzen
Sie wollen Ihren Lehrlingen oder Fachkräften Erasmus+ Lernaufenthalte im Ausland ermöglichen? Finden Sie gemeinsam mit dem OeAD Ihre passende Mittlerorganisation. Sie wollen selbst ein Erasmus+ Projekt durchführen? Der OeAD zeigt Ihnen, wie es geht.
DER RASCHE WEG VON DER IDEE ZUR UMSETZUNG
Ob Europa oder weltweit – die Möglichkeiten sind grenzenlos!
? Wie kann ich inter nationale Lernaufenthalte für meine Lehrlinge oder Ausbildner/innen realisieren?
Finden Sie gemeinsam mit dem OeAD die passende Mittlerorganisation und Lösung.
Mittlerorganisationen in mehreren Bundesländern koordinieren vom OeAD genehmigte Erasmus+ Projekte. Sie unterstützen österreichweit Berufsschulen und Unternehmen bei der Organisation und Durchführung von Erasmus+ Lernaufenthalten. Sie vermitteln Kontakte, über nehmen die Fördermittelabwicklung und begleiten Auslandsaufenthalte von Lehrlingen, Lehr- und Fachkräften sowie Ausbildner/innen im weltweiten Ausland. Finanziert werden diese Mobilitätsprojekte durch den OeAD aus Erasmus+ Mitteln. Kontakt: IFA Internationaler Fachkräfteaustausch www.ifa.or.at STVG Steirische Volkswirtschaftliche Gesellschaft / Young Styrians Go Europe! www.youngstyrians.com
Auf ins globale Auslandsabenteuer!
ALE – Arbeiten und Lernen in Europa www.ale.or.at Feiern Sie nach der Rückkehr gemeinsam die Erfolgsgeschichten und neue Perspektiven!
58
Infofolder: Erasmus+ für Unternehmen
Standortagentur Tirol www.standort-tirol.at/erasmusplus VHS Hohenems www.vhs-hohenems.at
UNTERSTÜTZUNG Erasmus+ bietet pauschale Zuschüsse zu Reise- und Aufenthaltskosten.
Erasmus+ Berufsbildung wird finanziert von:
Im Rahmen der betrieblichen Lehrstellenförderung – einzureichen bei den Lehrlingsstellen der Wirtschaftskammern – von WKO und BMWET finanziert: + Ersatz des Bruttolehrlingseinkommens + Sprachkurse im Zusammenhang mit Auslandspraktikum + Praktikumsprämie für den Lehrling von 15 Euro pro Tag
Die Wirtschaftskammer Österreich unterstützt mit einem umfassenden Förderprogramm Lehrbetriebe, die ihren Lehrlingen einen Sprachkurs sowie ein damit zusammenhängendes berufsbezogenes Auslandspraktikum ermöglichen, sowie die Lehrlinge selbst.
Nähere Informationen dazu unter: www.wko.at/lehre/foerderung-auslandspraktikum-lehre
IMPRESSUM | Medieninhaber & Herausgeber: OeAD-GmbH | Ebendorferstraße 7 | 1010 Wien | Sitz: Wien | FN 320219 k | Handels gericht Wien | ATU 64808925 | Geschäftsführer: Jakob Calice | Konzeption und Chefredaktion: Ursula Hilmar | Konzeption und leitende Redaktion: Eva Trötzmüller, art:phalanx, Agentur für Kultur und Urbanität, 1070 Wien, www.artphalanx.at; OeAD: Martin Prinz, Nadja Simeoni, Lothar Semper-Wang | Fotograf: Michael Obex-Erben, www.obex.photo | Fotohinweise: Cover Foto und alle Fotos: Michael Obex-Erben, ausgenommen: BKA/Andy Wenzel (S. 3), OeAD/Harald Klemm (S. 5, 11), Europäische Kommission (S. 12), SolStock (S. 13), Sebastian Philipp (S. 14), WKÖ (S. 15), BMWET (S. 18), Martin Lusser (S. 19), SolStock (S. 20), Bildungsdirektion Oberösterreich (S. 21), SkillsAustria (S. 52), SkillsAustria/MaxSlovencik/Florian Wieser (S. 53), Michael Pfeifer (S. 54), Gelowicz (S. 55), Robert Lettner (S. 56), STVG (S. 56), VHS Hohenems (S. 56), Standortagentur Tirol GmbH (S. 57), Verein ALE (S. 57), atempo (S. 57) | Grafik Design: Alexandra Reidinger, www.reidinger-grafik.at | Druck: Print Alliance HAV Produktions GmbH, Bad Vöslau | Wien, Mai 2025 Der OeAD ist eine Agentur des Bundes.
www.oead.at /OeAD.worldwide /OeAD_worldwide /oead.worldwide /TheOeAD /OeADBildung oead.at/schulangebote oead.at/publikationen oead.at/newsletter oead.at/socialmedia
Der OeAD, Österreichs Agentur für Bildung und Internationalisierung, ist eine gemeinnützige GmbH im Eigentum der Republik Österreich. Eigentümervertreter ist das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung. Die Programme und Maßnahmen des OeAD werden insbesondere von BMFWF, BMB, BKA, BMWKMS, der ADA sowie der Europäischen Kommission finanziert. Er ist zudem die nationale Agentur für die Umsetzung von Erasmus+ und des Europäischen Solidaritätskorps.