Mehr Wählen wagen?
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gung bei der Bundestagswahl sehr viel größer als
Schulen zu mobilisieren und – bei entsprechen
bei Wahlen auf Kommunal- oder Länderebene.
der bildungspolitischer Begleitung – so sozia
Es lässt sich somit kaum sagen, dass junge Men
len Unterschieden entgegenzuwirken. Jedoch
schen mit einem nur für Kommunalwahlen ge
scheinen Wahlmöglichkeiten nur auf kommu
senkten Wahlalter emotional ,abgeholt‘ werden.
naler oder Landesebene wenig geeignet, um Ju gendliche und junge Erwachsene für Politik zu
Gleichzeitig berührt die vorherrschende Reform
interessieren.
tendenz, das Wahlalter zunächst auf der lokalen Ebene abzusenken, wiederum Fragen der poli
Über die Autoren: Thorsten Faas ist Professor für Polit ikwissenschaft am Otto- Suhr-Institut der Freien Univer sität Berlin und leitet dort die Arbeitsstelle „Politische Sozio logie der Bundesrepublik Deutschland“. Foto: Bernd Wannemacher
tischen Gleichheit. In der Befragung finden sich deutliche schichtspezifische Unterschiede auch bei der Wahlbeteiligung. In der Oberschicht fällt die Wahlbeteiligung deutlich höher aus als in der Unterschicht. Bei den 16- und 17-Jährigen, die nur bei der BVV-Wahl wahlberechtigt waren, sind die Abstände noch größer. Diese Ergebnisse können
Arndt Leininger ist Juniorprofes sor für Politikwissenschaftliche Forschungsmethoden an der Tech nischen Universität Chemnitz und forscht unter anderem zur Wahlund Abstimmungsbeteiligung, Jugend und Politik sowie zu direkter Demokratie. Foto: Jenny Fitz
auf ein Mobilisierungsproblem bei minderjähri gen Erstwähler:innen aus bildungsfernen Schich ten hindeuten oder auch Ausdruck der geringen Bedeutung sein, die junge Menschen der Wahl der Bezirksverordnetenversammlungen zuschreiben. In jedem Fall sprechen auch diese Resultate nicht
Herausgeber und Redaktion: Otto Brenner Stiftung, Jupp Legrand, Wilhelm- Leuschner-Straße 79, 60329 Frankfurt am Main, Tel.: 069-6693-2810, E-Mail: info@otto-brennerstiftung.de, www.otto-brenner-stiftung.de Veröffentlicht unter CC BY-NC-SA 4.0-Lizenz.
dafür, das Wahlalter nur oder zuerst auf kommu naler Ebene zu senken. Für einen Flickenteppich beim Wahlalter gibt es wenig gute Gründe.
Fazit
Mehr Wählen wagen? Ungleichheiten beim „Wählen ab 16“ und ihre Folgen Kurzfassung der Studie
Frankfurt am Main im Januar 2023
Allgemeiner Kontext zur Studie
Auf einen Blick
Bereits in der Jugendwahlstudie 2019 wurden
Elf Bundesländer haben das Wahlalter für
die Voraussetzungen, Chancen und Risiken von
Kommunal- und/oder Landtagswahlen
Wahlaltersabsenkungen durch eine Befragung
schon auf 16 Jahre gesenkt. Die Ampel
junger Menschen in Brandenburg und Sachsen
koalition möchte dies auch für Bundes
erforscht. So konnte unter anderem ein oft ge
tagswahlen tun – hat dafür aber keine
hörtes Argument, Minderjährigen mangele es im
verfassungsändernde Mehrheit.
Vergleich zu jungen Erwachsenen an politischer
Die Jugendwahlstudie 2021 liefert neue
Reife, widerlegt werden. Die vorliegende Jugend
empirische Erkenntnisse zur Unterfütterung
wahlstudie 2021 – im Kontext der Bundestags
der Debatte.
wahl am 26. September 2021 – bestätigt Befunde
Zeitgleich stattfindende Wahlen mit unter
der Jugendwahlstudie 2019 und erweitert diese
schiedlichen Mindestaltern führen bei jun
um neue Aspekte.
gen Menschen zu Unsicherheiten bezüg-
Die Jugendwahlstudie 2021 bestätigt zentrale
nig Anlass, an der Befähigung 16- und 17-Jähriger zu politischer Teilhabe zu zweifeln. Gleichzeitig zeigen sich schichtspezifische Unterschiede OBS-Arbeitspapier 56
in den politischen Grundvoraussetzungen und Mehr Wählen wagen? Ungleichheiten beim „Wählen ab 16“ und ihre Folgen
der Wahlbeteiligung. Ein abgesenktes Mindest wahlalter könnte helfen, junge Menschen über
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Faas, Leininger – Mehr Wählen wagen?
kenntnisse. Ihre Ergebnisse geben weiterhin we
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Befunde aus 2019 und ergänzt sie um neue Er
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Thorsten Faas, Arndt Leininger
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Thorsten Faas, Arndt Leininger
Mehr Wählen wagen? Ungleichheiten beim „Wählen ab 16“ und ihre Folgen IG METALL EIN PROJEKT DER OTTO BRENNER STIFTUNG Gliederungsname FRANKFURT AM MAIN 2023
Mehr Infos sowie die Langfassung der Studie finden Sie auf unserer Website: www.ottobrenner-stiftung.de
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lich der eigenen Wahlberechtigung.
Der Fokus liegt auf den Aus- und Nebenwirkun
Unsicherheiten entstehen besonders bei
gen von Wahlaltersabsenkungen. Empirisch fußt
jenen, die sich niedrigeren gesellschaft
die Untersuchung auf einer erneuten Befragung
lichen Schichten zuordnen.
in Sachsen und Brandenburg sowie einer Befra
Ein Wahlalter von 16 Jahren nur auf kommu
gung in Berlin. Zusätzlich kann durch eine Kombi
naler oder Länderebene scheint wenig
nation der Befragungen in 2019 und 2021 gezeigt
geeignet, zur demokratischen Teilhabe zu
werden, dass das Erleben der Corona-Pandemie
mobilisieren.
und das generelle Vertrauen junger Menschen in politische Institutionen zusammenhängen.
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