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Kurzfassung: Mehr Wählen wagen? Ungleichheiten beim „Wählen ab 16“ und ihre Folgen

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Mehr Wählen wagen?

OBS-Arbeitspapier 56

gung bei der Bundestagswahl sehr viel größer als

Schulen zu mobilisieren und – bei entsprechen­

bei Wahlen auf Kommunal- oder Länderebene.

der bildungspolitischer Begleitung – so sozia­

Es lässt sich somit kaum sagen, dass junge Men­

len Unterschieden entgegenzuwirken. Jedoch

schen mit einem nur für Kommunalwahlen ge­

scheinen Wahlmöglichkeiten nur auf kommu­

senkten Wahlalter emotional ,abgeholt‘ werden.

naler oder Landesebene wenig geeignet, um Ju­ gendliche und junge Erwachsene für Politik zu

Gleichzeitig berührt die vorherrschende Reform­

interessieren.

tendenz, das Wahlalter zunächst auf der lokalen Ebene abzusenken, wiederum Fragen der poli­

Über die Autoren: Thorsten Faas ist Professor für Poli­t ikwissenschaft am Otto-­ Suhr-Institut der Freien Univer­ sität Berlin und leitet dort die Arbeitsstelle „Poli­tische Sozio­ logie der Bundes­republik Deutschland“. Foto: Bernd Wannemacher

tischen Gleichheit. In der Befragung finden sich deutliche schichtspezifische Unterschiede auch bei der Wahlbeteiligung. In der Oberschicht fällt die Wahlbeteiligung deutlich höher aus als in der Unterschicht. Bei den 16- und 17-Jährigen, die nur bei der BVV-Wahl wahlberechtigt waren, sind die Abstände noch größer. Diese Ergebnisse können

Arndt Leininger ist Juniorprofes­ sor für Politikwissenschaftliche Forschungsmethoden an der Tech­ nischen Universität Chemnitz und forscht unter anderem zur Wahlund Abstimmungsbeteiligung, Jugend und Politik sowie zu direkter Demokratie. Foto: Jenny Fitz

auf ein Mobilisierungsproblem bei minderjähri­ gen Erstwähler:innen aus bildungsfernen Schich­ ten hindeuten oder auch Ausdruck der geringen Bedeutung sein, die junge Menschen der Wahl der Bezirksverordnetenversammlungen zuschreiben. In jedem Fall sprechen auch diese Resultate nicht

Herausgeber und Redaktion: Otto Brenner Stiftung, Jupp Legrand, Wilhelm-­ Leuschner-Straße 79, 60329 Frankfurt am Main, Tel.: 069-6693-2810, E-Mail: info@otto-­brennerstiftung.de, www.otto-brenner-­stiftung.de Veröffentlicht unter CC BY-NC-SA 4.0-Lizenz.

dafür, das Wahlalter nur oder zuerst auf kommu­ naler Ebene zu senken. Für einen Flickenteppich beim Wahlalter gibt es wenig gute Gründe.

Fazit

Mehr Wählen wagen? Ungleichheiten beim „Wählen ab 16“ und ihre Folgen Kurzfassung der Studie

Frankfurt am Main im Januar 2023

Allgemeiner Kontext zur Studie

Auf einen Blick

Bereits in der Jugendwahlstudie 2019 wurden

Elf Bundesländer haben das Wahlalter für

die Voraussetzungen, Chancen und Risiken von

Kommunal- und/oder Landtagswahlen

Wahlaltersabsenkungen durch eine Befragung

schon auf 16 Jahre gesenkt. Die Ampel­

junger Menschen in Brandenburg und Sachsen

koalition möchte dies auch für Bundes­

erforscht. So konnte unter anderem ein oft ge­

tagswahlen tun – hat dafür aber keine

hörtes Argument, Minderjährigen mangele es im

verfassungsändernde Mehrheit.

Vergleich zu jungen Erwachsenen an politischer

Die Jugendwahlstudie 2021 liefert neue

Reife, widerlegt werden. Die vorliegende Jugend­

empirische Erkenntnisse zur Unterfütterung

wahlstudie 2021 – im Kontext der Bundestags­

der Debatte.

wahl am 26. September 2021 – bestätigt Befunde

Zeitgleich stattfindende Wahlen mit unter­

der Jugendwahlstudie 2019 und erweitert diese

schiedlichen Mindestaltern führen bei jun­

um neue Aspekte.

gen Menschen zu Unsicherheiten bezüg-

Die Jugendwahlstudie 2021 bestätigt zentrale

nig Anlass, an der Befähigung 16- und 17-Jähriger zu politischer Teilhabe zu zweifeln. Gleichzeitig zeigen sich schichtspezifische Unterschiede OBS-Arbeitspapier 56

in den politischen Grundvoraussetzungen und Mehr Wählen wagen? Ungleichheiten beim „Wählen ab 16“ und ihre Folgen

der Wahlbeteiligung. Ein abgesenktes Mindest­ wahlalter könnte helfen, junge Menschen über

www.otto-brenner-stiftung.de

Faas, Leininger – Mehr Wählen wagen?

kenntnisse. Ihre Ergebnisse geben weiterhin we­

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Befunde aus 2019 und ergänzt sie um neue Er­

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Thorsten Faas, Arndt Leininger

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Thorsten Faas, Arndt Leininger

Mehr Wählen wagen? Ungleichheiten beim „Wählen ab 16“ und ihre Folgen IG METALL EIN PROJEKT DER OTTO BRENNER STIFTUNG Gliederungsname FRANKFURT AM MAIN 2023

Mehr Infos sowie die Lang­fassung der Studie finden Sie auf unserer Website: www.ottobrenner-­stiftung.de

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lich der eigenen Wahlberechtigung.

Der Fokus liegt auf den Aus- und Nebenwirkun­

Unsicherheiten entstehen besonders bei

gen von Wahlaltersabsenkungen. Empirisch fußt

jenen, die sich niedrigeren gesellschaft­

die Untersuchung auf einer erneuten Befragung

lichen Schichten zuordnen.

in Sachsen und Brandenburg sowie einer Befra­

Ein Wahlalter von 16 Jahren nur auf kommu­

gung in Berlin. Zusätzlich kann durch eine Kombi­

naler oder Länderebene scheint wenig

nation der Befragungen in 2019 und 2021 gezeigt

geeignet, zur demokratischen Teilhabe zu

werden, dass das Erleben der Corona-Pandemie

mobilisieren.

und das generelle Vertrauen junger Menschen in politische Institutionen zusammenhängen.

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