OBS-Arbeitspapier 74 Christine E. Meltzer
Tragische Einzelfälle? Trendreport zur Berichterstattung über Gewalt gegen Frauen
Kurzfassung der Studie
Frankfurt am Main, im Dezember 2024
Allgemeiner Kontext zur Studie
Auf einen Blick
Gewalt gegen Frauen ist ein gravierendes gesell-
Die Studie analysiert die Berichterstattung
schaftliches Problem, das weit über individuelle
über Gewalt gegen Frauen in deutschen
Einzelschicksale hinausgeht. Die Istanbul-Kon-
Printmedien von 2020 bis 2022.
vention erkennt Gewalt gegen Frauen ausdrück-
Es zeigt sich eine überproportionale Fo-
lich als Menschenrechtsverletzung an und ver-
kussierung auf Tötungsdelikte, während
pflichtet auch Deutschland, das die Konvention
häufigere und alltägliche Gewaltformen
2017 ratifizierte, umfassende Maßnahmen zum
wie Körperverletzung und Bedrohung un-
Schutz von Frauen zu ergreifen. Aktuelle Statisti-
terrepräsentiert sind.
ken zeigen, dass in Deutschland jeden Tag mehr
Oft wird Gewalt gegen Frauen isoliert dar-
als 140 Frauen sexualisierte Gewalt erleben, alle
gestellt, ohne strukturelle Ursachen oder
drei Minuten eine Frau von häuslicher Gewalt be-
Präventionsmöglichkeiten anzusprechen.
troffen ist und nahezu täglich eine Frau Opfer ei-
Das gilt insbesondere für deutsche Täter.
nes Femizids wird.
Die Perspektive der Opfer findet selten Raum in der Berichterstattung, Hilfsange-
Die öffentliche Wahrnehmung dieser Gewalt und
bote werden so gut wie nie erwähnt.
die gesellschaftliche Dringlichkeit, Maßnahmen
Die Studie schließt an die Erhebung der
dagegen zu ergreifen, wird maßgeblich mitge-
Berichterstattung in den Jahren 2015 bis
prägt durch die mediale Berichterstattung. Me-
2019 an. Im Vergleich sind nur geringe Fort-
dien sind nicht nur wichtige Informationsquel-
schritte erkennbar.
len, sondern setzen durch ihre Berichterstattung auch politische Themen. Die mediale Darstellung kann somit entscheidend sein, um den Schutz vor
OBS-ARBEITSPAPIER 74 | KURZFASSUNG
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