OBS-Arbeitspapier 72
Barbara Witte, Gerhard Syben
Öffentlichkeit ohne Journalismus? Rollenverschiebungen im lokalen Raum Kurzfassung der Studie
Frankfurt am Main, im Oktober 2024
Allgemeiner Kontext zur Studie
Auf einen Blick
Was in der lokalen Öffentlichkeit entscheidend
Die lokale Öffentlichkeit wandert in neue
war, darüber wurde vor einigen Jahren noch in
Hände: Die Presse ist kein Gatekeeper
den Redaktionsstuben der Lokalzeitungen ver-
mehr, da die Organisationen digital, vor
handelt. Ob ein Brückenbau oder die Schul
allem per Social Media, zunehmend eigen-
sanierung, ob der Skandal am örtlichen Theater
ständiger kommunizieren.
oder das Jubiläum des Sportvereins, erst gingen
Ein weiterer Grund für diese Entwicklung:
die Informationen durch die Hände der Lokal-
Lokale Akteure fühlen sich von der Pres-
journalist*innen, erschienen dann aufberei-
se häufig nicht mehr ausreichend wahr
tet in der Zeitung, wurden daraufhin von den
genommen.
Bürger*innen diskutiert, gegebenenfalls vom
Die lokale Presse bleibt dennoch Ansprech-
öffentlich-rechtlichen Regionalprogramm auf-
partner für die lokale Öffentlichkeitsarbeit:
genommen und die so geschaffene Öffentlich-
Als Kooperationspartner, als Garant für über-
keit von der Politik in die Entscheidungsfindung
prüfte Informationen und um weniger digital
einbezogen.
ausgerichtete Zielgruppen zu erreichen. Öffentlichkeitsarbeit ist durch die Entwick-
Die Journalist*innen haben dabei in der Regel ei-
lung hin zu einer eigenständigeren, digi-
nen kritischen Blick auf die jeweilige Problematik
talen Kommunikation zeitintensiver gewor-
geworfen. Sie haben recherchiert, die Kontexte
den. Sie erfordert mehr und besser ausge-
und Hintergründe beleuchtet und den Bürger*in-
bildetes Personal. Wo finanziell möglich,
nen damit die Möglichkeit gegeben, das jeweilige
wird dem Rechnung getragen.
Problem zu verstehen, die jeweilige Geschichte einzuordnen.
OBS-ARBEITSPAPIER 72 | KURZFASSUNG
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