OBS-Arbeitspapier 59
Wolfgang Schroeder, Bernhard Weßels
Radikalisiert und etabliert Die AfD vor dem Superwahljahr 2024 Kurzfassung der Studie
Frankfurt am Main, im Juli 2023
Allgemeiner Kontext zur Studie
Auf einen Blick
Am 6. Februar 2023 feierte die AfD ihr zehnjäh-
Die AfD ist vielschichtig und befindet sich
riges Bestehen. In dieser Zeit hat sich die Partei
permanent im Wandel.
zu einer festen Größe im deutschen Parteiensys-
Kontinuität findet sich bei der Partei vor
tem entwickelt. Aktuelle Wahlumfragen sehen sie
allem in ihrer Fähigkeit, zentrale Repräsen-
immer häufiger als zweitstärkste Kraft im Bund.
tationslücken inhaltlich und emotional zu
In Thüringen, wo die Partei am 25. Juni 2023 ihr
besetzen.
erstes Landratsmandat errang, und in Sachsen so-
Die Beobachtung durch den Verfassungs-
gar als stärkste Kraft. Die Entwicklung der Partei
schutz ist ambivalent: Einerseits limitiert
war stets von internen Auseinandersetzungen und
sie das Spektrum der Ansprechbaren für
Führungswechseln geprägt. Sieben verschiedene
die Mitarbeit; andererseits stärkt sie die
Vorsitzende hatte die AfD in zehn Jahren, vier da-
Dominanz rechtsextremer Kräfte in der AfD.
von sind heute nicht mehr Mitglieder der Partei.
Die Corona-Krise war kein Mobilisierungsmotor für die AfD, hat aber weiter zu ihrer
Die Partei radikalisierte sich mit jedem Führungs-
Radikalisierung beigetragen.
wechsel weiter. Eine Abgrenzung zum offenen
Die prorussische Haltung der Partei ist nicht
Rechtsextremismus spielt mittlerweile kaum noch
nur Wahlkampftaktik, sondern integraler
eine Rolle. Das scheint zunehmend auch der Ver-
Bestandteil rechtspopulistischer Ideologie.
fassungsschutz so zu sehen. Trotz oder vielleicht
Die AfD bleibt ein dynamisches Konstrukt,
auch wegen dieser Entwicklung, steht die AfD in
dessen Entwicklung kaum prognostizierbar
der aktuellen Wählergunst besser da denn je. Vor
ist.
diesem Hintergrund stellt die Studie die Lage der Partei vor dem ‚Superwahljahr‘ 2024 – mit Land-
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