DasFestivalder besonderenKlangräume
Nichtnur dieKünstlermachenZermatt Unpluggedbesonders,sondern auch dieOrte, an denensie spielen. DieBühnen-Bandbreite reicht vonder Berghütteüberdas Zirkuszelt bis hinzum Fünf-Sterne-Boutiquehotel. Manche sind nurmit Bergbahnen erreichbar.Sechs Bühnen,die zeigen,wie intensiv Musikwirkenkann, wenn derRahmenstimmt.

BühneimZirkuszelt: ZermattUnplugged spielt auf 17 verschiedenenBühnen.
Nichtsvergleichbares
DieMusik,die aufSunneggaertönt, wirktanders. Die Luft,die Weite, diereduzierteGeräuschkulisse –all das verstärktdas Hören. DieLandschaftdrängtsichnicht auf, sondernbildeteinen kraftvollenResonanzraum –ideal fürUnplugged-Formate.«Es verbessert definitiv diePerformance,aneinem visuellsoschönen Ortzu spielen»,sagtJames Walsh. Derbritische Musikerhat vor einpaarJahrenfür ZermattUnplugged aufSunnegga gespielt
Sunnegga istkeinDurchgangsort,sondern einPlatz zumVerweilen auf2288MeternüberMeer. Beieinigen Besuchernlöstesein Gefühl vonKlarheitaus,das lange nachwirktund auch Künstler wieJames Walshbeeindruckt. «Ich finde, dass dieseArt vonUmgebungauch sehr inspirierend ist. Wenn manaus demAugenwinkel eine atemberaubende Aussicht hat, verstärktdas die Emotionen.»
Schondie Extrafahrt mitder Standseilbahnsei ein Erlebnis fürsich. «Die einzigartige Fahrtzum Veranstaltungsort unddie Aussicht vonobensindmeine schönstenErinnerungenandiesesrundumgrossartige Festival.»Einen vergleichbaren Orthabeernochnicht erlebt. «Ich habe schoneinmalvor einerHandvollLeutenauf einemRuderboot undauf einerFähre gespielt,abernirgendwo so hoch wieauf Sunnegga.»
Überhaupthat JamesWalsh diegesamte Atmosphäre alssehrangenehmin Erinnerung behalten.«Respektvoll undruhig,abermit Begeisterung im richtigenMoment.» DasSchweizer Publikum istihm ansHerzgewachsen undentsprechendgross istseine Freude,dasserdieses Jahr mitseinerBandStarsailornachZermatt zurückkehrt.
Dieses Jahr mischt er sich vielleicht unters SunneggaPublikum,nutzt dieZeitwährend desApéros, um den ikonischen Berg beiSonnenuntergang zu bestaunenund mitden anderenKonzertbesuchernins Gespräch zu kommen –die Plätze in derBerghütte sind aufhundert limitiert.

Gage verdoppelt
Unterhalbvon Sunnegga liegtdas «Cervo», einesder Herzstücke desFestivals.«Alsich vor16Jahrendas ‹Cervo›eröffnete,wollteich etwasanderes wagen–ungezwungenenLuxus nennen wires».Das «Wir»sindDaniel Lauber undseine Geschäftspartnerin,und derungezwungene Luxusheisst: allerbeste Küche, Konzerte undDJs. Achtsamkeitund Nachhaltigkeit spieleninLaubers Konzeptgenauso eine grosse Rollewie unverkrampfte Willkommenskultur. «Von Anfang an waruns dasgrösste Anliegen,dasssichallehierwohlfühlen, dass wirein Ort derBegegnung sind.» Aufder grossenTerrasse, in den mittlerweile drei Restaurants, in derLoungeund im Spa, überallist Offenheitdas gelebteKonzept.
«Unser Glückist aber auch,dasswir kleinmit nurdrei Chaletsangefangenhaben.Das hatuns erlaubt, stets Neuesauszuprobieren»,sagtLauber. Unteranderem auch dielegendärenUnplugged-Konzerteauf derTerrasse. 2010 fand hier daserste KonzertimRahmendes Festivals statt–damalsintim mit50Besuchern,während draussen Schneeflockentanzten.Heute stehen an einem Konzert-Samstagnachmittagübertausend Menschen auf derTerrasse, dieSonnenbrillen Richtung Matterhorn gerichtet. Diespezielle Atmosphäre istabergeblieben: Sanfte Gitarrenklänge wehengegen dieBerge,Schnee glitzert in derSonne undSkifahrer gleitenhinterder Bühnedie Pistehinunter. «Jedes Jahr spürtman wieder dieseMagie:Musik,Berge,Sonne –das ergibt eine fast filmischeStimmung»,sagtLauber.

DieseStimmungkannzuMomentenführen, dieauf eineranderen Bühnekaumvorstellbar sind.Als der SchweizerElektronikkünstlerPablo Nouvelle nach einembegeisternden Setaufhörenwollte, habenzwei Gästekurzerhanddie Gage verdoppelt,damit derAbend nichtzuEndegeht. DieOffenheit undNahbarkeit, die Lauber fürsichals Konzeptdefiniert hat, schlägtsich denn auch in spontanenMomentennieder: «Einer meinerliebstenMomente war, alsJames Walsh, derFrontmann derBritpop-BandStarsailor, im Weinkeller ein spontanesMitternachtskonzert gab.»
Wo Robbie Williams dieKlobürste schwang
Eine derintimsten KonzertbühnenamZermatt
Unpluggedist HeinzJulensLoft. DerArchitekt undBesitzer gibt Einblick
IhrLoftist einunglaublicher Ort. Wieist dieser Raum ursprünglich entstanden?
HEINZJULEN:Ich habe vormehrals 20 Jahren ein Hotelprojekt geplantund gebaut.ImUntergeschoss der Personalhäuser habe ichmir meinen eigenenWohnraum undRückzugsort geschaffen.Das eigentlicheHotel von damals stehtheute nichtmehr. Aber dasLoftist seit nunmehr20Jahrenein spezieller Ort. Es istfür mich wenigereineWohnung alseineBühne.Ein grosser, offenerRaummit viel Höhe,Glasfront undmit Blickin dieBerge.Wer eintritt,spürt sofort dieseMischungaus Intimitätund Weite.
Wasfür eine Rollespieltdas Loft fürZermatt Unplugged?
Es zeigtwas Musikineinem intimenRahmenauslösen kann –ohnegrosses Bühnenumfeld,einfach im richtigenSetting.DiesesGefühlträgt ZermattUnplugged bis heute: nahe dran an denKünstlerinnen undKünstlern, akustisch, reduziert, sehr persönlich.

me la ni eu hk öt te r ha nn ab üke r

WirbittenumNähkästchen-Plaudereien:Was sind Ihre speziellsten Momenteindem Loft gewesen?
Oh,dagibtessoviele!Robbie Williams warmehrmals da;einmalstand er oben aufder Galerie, legteseine eigene CD einund sang undperformte dazu –mit einer WC-Bürsteals Mikrofonersatz.
Undheute?
Heutegehtesgesitteterzuund her. DieLeute kommen mitihrem Ticket hoch,setzensichwie in eingrosses Wohnzimmer underleben einakustisches Konzertmit Panoramablickauf dieBerge.
Riffelberg:weniger Ablenkung, mehr Wahrnehmung
KlangtrifftHöhe
DerRiffelbergist diewohlspektakulärsteOpen-AirLocation desFestivals.Mitteninder ZermatterBergwelt liegtdie Bühnemit Panoramablickauf dieBerge.Akustische Konzerte in dünner Bergluft,umgeben von Viertausendern –das hatetwas Archaisches, fast Meditatives. VorzweiJahrenwar es dieBühne vonAlexandra Landtwingalias Ay Wing.
Wasist Ihre schönste Erinnerung an dieses Ereignis?
ALEXANDRALANDTWING:DieserGig warwirklich einHöhepunkt.Ich erinnere mich daran, wiewir frühmorgensmit derGondelhochgefahrensind, alsdie Pistennochleerund ganz stillwaren.Wir standendaoben in dieser unglaublichenWeite,haben unsere Instrumente eingestimmt–und dann später vordieserspektakulärenKulisse gespielt.Das Zusammenspielaus Aussicht, Publikum undAtmosphärewar einfachsurreal schön. DieStimmungwar unglaublichherzlich.
HabenSie davorschon einmal an einemähnlichen Ort gespielt?
NichtimAnsatz. Daswar wirklich einzigartig. Hinter unsdas Matterhorn,wir in Schneeanzügen–das fühlte sich an wieein Konzertineiner anderenWelt. Definitiv einesmeinerschönsten Live-Erlebnisse.
Worauf muss manachten, wenn mananeinem solchen Ortauftritt?
Manunterschätztschnell,wie anspruchsvolldie Bedingungen am Berg sind.Die Kältemacht dieInstrumente empfindlicher–wir musstenständig nachstimmen. Wir trugen Schneeanzüge,aberinder Sonnewar plötzlich fast T-Shirt-Wetter.Alles istetwas unberechenbarer, aber genaudas machtden Reiz aus.
HatIhreMusik fürSie in diesem Ambiente anders gewirktals an anderenOrten?
Absolut. Alleshat sich magischer, weiter undirgendwie weicherangefühlt.
2200 Personen im Rundzelt
DieZeltbühne,die Hauptbühne desFestivals,befindet sich in derMitte desDorfes. Einer, derhiermitwirkt, ist Fabian Schittenhelm.Der Produktionsleiterist verantwortlich fürdie technischenBelange vonZermatt Unplugged.
Waswar dasEindrücklichste,das SieimZelterlebt haben?
FABIAN SCHITTENHELM:Die eindrücklichsten Momentesindjene, beidenen manförmlichspürt,wie still mehrereTausend Menschen gleichzeitig werden können. Dieser Moment,wennein Künstler mitminimalen Mitteln denRaumkompletteinnimmt, isteinzigartig.
ni co le ro et he li fl or ia na eb y


Auch im Zelt gilt:alpin,intim,unplugged
AufwelchetechnischeLeistungsindSie besondersstolz?
Dass es unsgelingt,unter alpinenBedingungen eine konstant hohe technische Qualität zu liefern. Wetter, Höhe,Logistikund eben auch dasZeltstellen enorme Anforderungenandie Technikund mein Team.Dass sich internationale Top-Acts genausowohlfühlen, ist eine echteTeamleistung.
Gabesschon Wünscheder Künstler,die sich im Zelt nichtumsetzenliessen?
Einmal hatten wirdie Anfrage, ob wireinerund350 Kilo schwereGlockeindas Bühnendach hängen könnten. Dies waraber, nach einerstatischenAbklärung,nicht möglich. Wobeidas sicher toll gewesenwäre.
HatesimVerlauf derJahre Anpassungengegeben? Technik, Bühnenbild,Infrastruktur undSicherheitwerdenkontinuierlichoptimiert.Diese Anpassungensind wichtig, um densteigendenAnforderungen gerechtzu werden,ohneden ursprünglichen Charakterder Location zu verlieren.
VonLondonnach Zermatt
In derFerne hatsichZermatt Unpluggedzueinem weiterenHighlight inspirierenlassen: Derlegendäre Ronnie Scott’sJazzClubaus London wird im HotelMontCervin Palace in Zermattnachgebaut. Dasoriginalgetreue Popup desangesagtenJazzklubs wird vonSchweizer Bühnenbildbauernals Raum im Raum errichtetund während desFestivals vonder Hausband desbritischenJazzklubs bespielt.
NatalieWilliamsist dieSängerindes Jazz-Ensemble Ronnie Scott’sAll Stars. Fürsie unddie Band istdas Pop-up in Zermattihr zweitesZuhause geworden.«Jedes Jahr fühltessichinjeder Hinsicht wieeineHeimkehr an», schwärmt dieSängerin. «Einrichtung,Beleuchtung unddas ‹Feeling›auf derBühne müssen demOriginal nahekommen,damit es sich gleich,soanfühlt.» Es gibt nureineSache,die sich nichtändernlässt unddie Band daranerinnert, dass sieinZermatt undnicht in London ist: dieHöhe. «Das kleine Paradies Zermattkönntenicht weiter entfernt sein,abergenau deshalbkommenwir so gernehierher.Esfühlt sich an wieein Hauchfrischer Luft.ImwahrstenSinne desWortes.»
EinweitererPunkt,der vomOriginalabweicht, istdie Grösse desLokals. Das«Ronnie’s» in Zermattbietet mehr Platz. DasinLondonhat Sitzplätzeimgesamten Club.«Wenn es etwasfunkigerwird, habenwir in LondonkeinenPlatz zumTanzen, dahermacht es Spass, den PlatzinZermatt zu haben.»Denngeradebei dentemporeichenSetsverspürtman denDrang,sichzubewegen NatalieWilliamskanneskaumerwarten, biseswiederlosgeht.«DasFondue, dieKünstlerund dieMenschen, diedas Festival organisieren –esist einzigartig.»
zermatt unplugged
JedesJahr im April verwandeltsichZermatt während fünf Tageninein spektakuläresFestivalgelände: Über 120 Konzerte auf 17 Bühnen stehen auf demProgramm. Vom 7. bis 11. April 2026 spielen unteranderem HerbertGrönemeyer, Emeli Sandé, Placebo undNewcomer aus nah und fern auf denverschiedenen Bühnen desFestivals.