Der Boost im richtigen Augenblick
Die Mountain Academy des Festivals Zermatt Unplugged ist für junge Musikerinnen und Musiker ein einmaliges Sprungbrett: Mit renommierten Coaches und im Austausch untereinander arbeiten sie an eigenen neuen Songs, die sie anschliessend in Showcases präsentieren.
Bei der allerersten Mountain Academy im April 2021 überraschte die Appenzeller Newcomerin Riana das Publikum mit ihren Songs. Nun kehrt sie als etablierte Künstlerin, die inzwischen mit Dabu Fantastic auf Tour war und ihr Debütalbum herausgebracht hat, für zwei Konzerte ans Festival Zermatt Unplugged zurück. «Das macht uns natürlich stolz», sagt Jannik Till. Als Academy Host, Musikmanager, Pädagoge und bekannter Schlagzeuger weiss er, wovon er spricht. Dass fast die Hälfte derjenigen, die das Förderprogramm absolviert haben, danach für «SRF 3 Best Talent» oder sogar für den Swiss Music Award nominiert wurden, zeigt die Effizienz und Nachhaltigkeit des Konzepts.
Die Mountain Academy des Festivals Zermatt Unplugged lädt im April 2026 erneut sechs Schweizer Nachwuchskünstlerinnen und -künstler ins Wallis ein. Christoph Spicher, der Verantwortliche für das Gesamtprogramm, erläutert das Konzept: «Es gibt kein standardisiertes Bewerbungsverfahren wie anderswo», sagt er, «wir sind selbst proaktiv. Jannik Till und ich halten das ganze Jahr über Ausschau nach jungen Talenten in der Singer-Songwriter-Szene.» Dabei geht es ihnen nicht primär um Leute, die schon Wettbewerbe gewonnen haben. Vielmehr gilt ihr Interesse echten kreativen Begabungen, die vielleicht noch im Verborgenen liegen. «Diese wollen wir fördern», so Spicher, «indem wir den Eingeladenen ermöglichen, mit erfahrenen Coaches und untereinander an ihrer Musik zu arbeiten und sich in Showcases einem qualitätsbewussten, neugierigen Publikum zu stellen. Das alles geschieht abseits des hektischen Alltags in der grandiosen Bergwelt Zermatts.»
Langfristig planen
Das Festival Zermatt Unplugged besteht seit 2007; seit 2011 ist Christoph Spicher in leitender Funktion dabei. Regelmässig bringt er grosse Namen der internationalen Musikwelt ins Wallis. 2025 gaben sich hier Stephan Eicher, UB40, Amy Macdonald, Mika und Clueso die Tür in die Hand; dieses Jahr zählen Herbert Grönemeyer, Tom Odell, Emeli Sandé und Placebo zu den Headlinern. In so einem Kraftfeld auftreten zu können, an einem Festival, das neben der Hauptbühne im Festivalzelt 16 weitere Bühnen bespielt, ist für die Newcomer eine Riesenchance. Doch es ist eine Win-win-Situation, wie Christoph Spicher betont: «Wir planen langfristig», sagt er. «Die Musikszene braucht Nachwuchs, um sich zu erneuern und lebendig zu bleiben. Und es ist eine besondere Genugtuung für uns, dass die Mountain Academy schon für mehrere Musikerinnen und Musiker der Auftakt zu einer professionellen Karriere war. Auf Claire My Flair wurde der britische SingerSongwriter Ben Howard 2024 aufmerksam, als er hier auftrat – und er engagierte sie vom Fleck weg als Support für seine Europatournee. Aber wir könnten auch Andryy, Nina Valotti, Soft Loft und Lily Claire als Beispiele nennen.»
Sechs Talente
2026 liegt der Schwerpunkt der Mountain Academy wiederum auf der Förderung vielversprechender Schweizer SingerSongwriterinnen und -Songwriter. Für die Zeit vom 4. bis 9. April hat das Festival sechs Acts eingeladen. Zum Angebot gehört neben Workshops und individuellen Coachings auch ein Rahmenprogramm mit Gesprächsrunden, Wanderungen, Jam-Sessions und Konzertbesuchen.

In der Mountain Academy entstehen innerhalb weniger Tage Songs, die dem Zermatt-Unplugged-Publikum präsentiert werden.
«Den Begriff ‹Unplugged›, der ja für die Besonderheit des ganzen Festivals steht, nehmen wir auch in der Mountain Academy sehr ernst», erklärt Jannik Till weiter. «Es geht uns ganz wesentlich um den handwerklichen Aspekt des Musikalischen. Heute gibt es gerade für junge Musikerinnen und Musiker ja zahllose Möglichkeiten, mit elektronischer Technik zu arbeiten. Wir setzen dagegen ganz aufs Direkte, Unmittelbare, Ursprüngliche.» In der Mountain Academy entstehen so innerhalb von wenigen Tagen Songs, die dann dem Zermatt-Unplugged-Publikum in LiveSets von 20 bis 30 Minuten präsentiert werden.
Das ist eine grosse Herausforderung. Sie eröffnet aber auch Möglichkeiten, denn am Anfang von Musikerkarrieren fehlen oft noch die finanziellen Mittel für Begleitmusiker und aufwendige Shows. Umso mehr kommt es darauf an, was man allein zustande bringt. «Das Erlebnis, einen Auftritt selbständig bestreiten zu können», so Till, «und zwar vorwiegend mit eigenem Material, ist unersetzlich. Es gibt Selbstvertrauen. Auch Schüchterne lernen, aus sich herauszukommen, und haben fortan grössere Chancen, gebucht zu werden.»
Die junge Zürcher Sängerin und Multiinstrumentalistin KEZA etwa studiert Mathematik an der ETH; gleichzeitig verfolgt sie ihre künstlerische Karriere. Auch die Sängerin Elin kommt aus Zürich. Wie Riana hat sie entdeckt, dass sie sich in Mundart besonders direkt und spontan ausdrücken kann. Keinen weiten Weg nach Zermatt hat die Sängerin und Songwriterin Milla: Sie wurde im Unterwallis geboren. Der aus Sion stammende Sänger Marc Aymon hat sie darin bestärkt, ihren Mix aus französischem Chanson, amerikanischem Folk und der Melodik der Beatles weiterzuverfolgen.
Mehr als Entertainment
Showcases
Keza und Milla: Campfire, 8.4., 16 Uhr Unique Hotel Post, 9.4., 21 Uhr
Elin und Paolafuerte: Unique Hotel Post, 7.4., 21 Uhr Campfire, 9.4., 16 Uhr
Nucya und Irikanto: Campfire, 7.4., 16 Uhr Unique Hotel Post, 8.4., 21 Uhr
Riana: Taste Village, 10.4., 13.15 Uhr Riffelberg, 11.4., 14.30 Uhr
Das Interesse gilt echten kreativen Begabungen, die vielleicht noch im Verborgenen liegen.
Als Coach wirkt dieses Jahr der britisch-irische Künstler Ryan O’Reilly. Der Singer-Songwriter trat als Strassenmusiker in London auf, bevor er 2016 sein erstes Studioalbum veröffentlichte. Inzwischen ist er Dozent an der BIMM University Berlin. Stilistisch bewegt er sich zwischen Folk, Americana und Indie. Die sechs Talente, mit denen er zusammenarbeiten wird, stehen für vielfältige kulturelle Hintergründe und Musikstile.
Aus Zug in der Innerschweiz kommt die Sängerin Nucya mit ihren deutsch, englisch und spanisch vorgetragenen Songs, aus Genf die Singer-Songwriterin Irikanto: Bevor sie sich dem Jazz, Pop und Soul zuwandte, lernte sie klassische Gitarre. Ein Spross der Aarauer Altstadt ist Paolafuerte, der einzige männliche Teilnehmer an der diesjährigen Mountain Academy. Sein 2024 erschienenes Album «la vie part 1» und zahlreiche LiveAuftritte zeigen ihn als Künstler, der in seinen Mundart-Songs Tiefsinn mit Verspieltheit verbindet.
«Wir haben Talente eingeladen», sagt Jannik Till summierend, «die sich auf verschiedenen Stufen ihrer Karriere befinden. Aber ob sie ganz am Anfang stehen oder schon einen Schritt weiter sind: Unsere Aufgabe sehen wir darin, ihnen im richtigen Moment den entscheidenden Boost zu geben.»
Zermatt Unplugged ist mit seinem Fokus auf akustische Acts das grösste Fes-
tival seiner Art in Europa. In herrlicher Landschaft bietet es dem Publikum weit über 100 Konzerte – mit den Big Names von heute, aber auch mit den aufgehenden Sternen von morgen. Während fünf Tagen im April verwandelt sich Zermatt in einen Hotspot der Musik. Die Newcomer auf den Discovery Stages sind dabei ebenso wichtig wie die internationalen Acts auf der Zeltbühne. «Uns geht es nicht um blosses Entertainment», sagt Christoph Spicher, «sondern um kreative Substanz und Innovation mit Fokus auf relevanten Themen.»
Dieser Inhalt wurde von NZZ Content Creation im Auftrag von Zermatt Unplugged erstellt.