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Wie ESG-Software zum Wettbewerbsvorteil wird

Vom Reporting zu Resilienz und Innovation: Der «Sustainability Software Radar 2026» gibt vertiefte Einblicke in aktuelle Marktentwicklungen und unterstützt Entscheidungsträger in Unternehmen bei der Auswahl passender Nachhaltigkeits-Tools.

Zehn Jahre nach dem Inkrafttreten des Pariser Klimaabkommens hat der klimapolitische Schwung spürbar nachgelassen. Dabei erlaubt die aktuelle Entwicklung eigentlich keine Pause. Im Gegenteil: Viele Ziele sind in weitere Ferne gerückt. Doch der politische Gegenwind hat deutlich zugenommen –mit dem Ausstieg der USA aus dem Pariser Abkommen als unrühmlichem Höhepunkt.

Der neue politische Wind zeigt sich auch in den Regulierungen. In Europa etwa werden zentrale Nachhaltigkeitsvorschriften (CSRD) vereinfacht, um Bürokratie abzubauen und Unternehmen wie Mitgliedstaaten mehr Zeit für die Umsetzung zu geben. Auch der Bundesrat folgt den europäischen Vorgaben, um Schweizer Firmen faire Handelsbedingungen zu sichern. Gleichzeitig gelten ab September mit den EmpCo-Richtlinien neue Vorgaben, die den Schutz der Verbraucher vor Greenwashing verbessern sollen.

Während sich die Rahmenbedingungen verändern, bleibt das klimapolitische Engagement vieler Firmen hoch. Gerade auch Schweizer KMU signalisieren, dass sie ihre nachhaltige Transformation weiter vorantreiben wollen – unabhängig von kurzfristigen politischen Schwankungen und regulatorischen Ungewissheiten.

Orientierung in wachsendem Markt

Die veränderten Regulierungsvorschriften sind nur einer der Trends im Nachhaltigkeitsmanagement, die das Jahr 2025 prägten. Ebenso wichtig ist der umfassendere Anwendungsbereich sowie der zunehmende Einsatz von künstlicher Intelligenz in den Applikationen. Dies geht aus dem «Sustainability Software Radar 2026» hervor, den der Technologiekonzern Swisscom gemeinsam mit der ITBeratung Atlantic Ventures zum dritten Mal veröffentlicht hat. Der Bericht gibt einen Überblick über ein Marktsegment, das auch 2025 gewachsen ist, sich nun aber in einer Konsolidierungsphase befindet. Der Radar identifiziert dabei 305 Anbieter von Nachhaltigkeits-Software – 22 mehr als in der letzten Ausgabe. Einige von ihnen werden im Radar in kurzen Porträts vorgestellt. Mit zahlreichen Informationen zu Tools und Trends unterstützt der Report Entscheidungsträger in Unternehmen bei der Auswahl passender Lösungen. Zudem zeigt er, welche Anforderungen ein modernes, datenbasiertes ESG- und CarbonManagement erfüllen muss.

Die regulatorische Unsicherheit zeigt Folgen: Viele Firmen haben Investitionsentscheidungen verschoben und nehmen sich mehr Zeit für die Einführung neuer Systeme. Dadurch steigt der Wettbewerbs- und Preisdruck im Markt. Für Unternehmen kann dies kurzfristig Vorteile bringen, wenn Lizenzkosten sinken und Gesamtpakete attraktiver werden. Diese Phase dürfte aber begrenzt sein. Spätestens ab 2028, wenn die EU-Zeitpläne greifen, dürfte die Nachfrage wieder deutlich anziehen. Andererseits nutzen viele Anbieter die aktuelle Situation, um ihre Lösungen weiterzuentwickeln. Der Fokus verschiebt sich vom reinen Reporting hin zu datengetriebenen Anwendungen, vor allem für das Management von Lieferketten und Lieferantenrisiken. Neben grossen ESG-Plattformen gewinnen spezialisierte Nischenanbieter an Bedeutung, die sich auf einzelne Branchen oder spezifische Funktionen konzentrieren.

Wichtiges Steuerungsinstrument Parallel dazu erkennen immer mehr Firmen, dass Nachhaltigkeitsmanagement weit mehr ist als die Erfüllung regulatorischer Vorgaben. Compliance bleibt zwar wichtig. Doch wer Nachhaltigkeit nur als Pflichtübung betrachtet, verschenkt Potenzial. «Nachhaltigkeit kann die Wirtschaftlichkeit einer Firma auf mehrere Arten unterstützen: Zu denken ist beispielsweise an Kosteneinsparungen durch höhere Effizienz und weniger fossile Energiequellen, eine bessere Reputation bei Kunden und Talenten oder neue Geschäftschancen durch nachhaltige Produkte», erklärt Marion Roeder, Business-Development-Managerin für datengetriebene Nachhaltigkeit bei Swisscom. Verantwortungsvolles Wirtschaften kann die Marktposition stärken, Kunden langfristig binden und die Attraktivität als Arbeitgeber erhöhen. Gleichzeitig verbessert ein nachhaltigkeitsorientiertes Risikomanagement die Fähigkeit, auf Klimarisiken oder Störungen in Lieferketten zu reagieren. Der strategische Nutzen entfaltet sich vor allem dann, wenn Nachhaltigkeit als Querschnittsthema im gesamten Unternehmen verankert wird. Dafür braucht es eine enge Zusammenarbeit über Abteilungs- und teilweise sogar Firmengrenzen hinweg. Nachhaltigkeitskennzahlen müssen stärker in zentrale Geschäftsprozesse integriert werden. Sie be-

Erweiterte Softwarelösungen und künstliche Intelligenz: Mit den richtigen Tools können Unternehmen von ESG-Daten proftieren.

einflussen sowohl die Szenarioplanung als auch Investitionsentscheidungen. Damit entwickelt sich ESG von einer Reporting-Pflicht zu einem wichtigen Steuerungsinstrument.

«Nachhaltigkeit kann die Wirtschaftlichkeit einer Firma auf mehrere Arten unterstützen: Zu denken ist etwa an Kosteneinsparungen, eine bessere Reputation oder neue Geschäftschancen.»

Marion Roeder, Business-Development-Managerin für datengetriebene Nachhaltigkeit bei Swisscom

Pilotprojekt aus der Praxis Wie solche Ansätze aussehen können, zeigt ein Pilotprojekt von Swisscom mit Schweizer Carrosserie-Betrieben. Gemeinsam mit Allianz Suisse, Amag, Akzo Nobel und der Zurich Versicherung begleitet der Technologiekonzern Betriebe auf ihrem Weg zu Netto-Null. Herzstück der neuen Lösung ist eine digitale Plattform, welche die Firmen unterstützt, ihre Emissionen zu erfassen, konkrete Reduktionsmassnahmen umzusetzen und Fördergelder für die Finanzierung der Massnahmen zu erhalten. So wird Nachhaltigkeit zum Bestandteil des Kerngeschäfts und ist nicht mehr nur eine Aufgabe für das Reporting. Bei der Ausarbeitung des Pilotprojekts stand eine einfache Nutzung der Plattform im Vordergrund. Gerade kleine und mittlere Unternehmen verfügen oft über wenig Zeit und nur begrenzten Zugang zu relevanten Daten. Deshalb konzentriert sich die Plattform auf jene Informationen, mit denen sich ein grosser Teil der CO2-Emissionen berechnen lässt. Noch befindet sich das System in der Testphase. Der Roll-out ist für dieses Jahr geplant. Gespräche mit weiteren Branchen laufen ebenfalls. Langfristig soll die Plattform nicht nur in der Carrosserie- und Lackbranche, sondern auch in anderen Bereichen mit ähnlichen Herausforderungen eingesetzt werden.

regulatorische Anforderungen besser zu interpretieren. Weiter kann KI Berichtsentwürfe erstellen, Stakeholder-Feedback strukturieren oder Inkonsistenzen zwischen Zahlen und Texten aufdecken. Während die Systeme grosse Datenmengen analysieren, treffen Menschen die strategischen Entscheidungen. Noch einen Schritt weiter geht das sogenannte Agentic-ESG-Management. Dabei übernehmen KI-Agenten teilweise autonom Aufgaben in der Datensammlung, Validierung und Analyse. Sie können ESG-Informationen aus internen Systemen, Lieferketten, IoT-Geräten oder öffentlichen Quellen kontinuierlich erfassen und standardisiert aufbereiten.

Echte Wertschöpfung

«In Zeiten politischer und geostrategischer Unsicherheit zählen Resilienz und Anpassungsfähigkeit zu den elementaren Erfolgsfaktoren», erklärt Studien-Mitautor Dr. Carlo Velten, Managing Partner und Principal Analyst bei Atlantic Ventures. «Unternehmen, die ihr Nachhaltigkeitsmanagement vom reinen Reporting hin zur echten Wertschöpfung weiterentwickeln und dabei die Chancen der Agentic-AI nutzen, können an Wettbewerbsfähigkeit gewinnen. Ein AI- und datenbasiertes ESGManagement wird zum Hebel schneller und vorausschauender Entscheidungen für erfolgreiche CEOs und CFOs», so Velten.

Sustainable Switzerland ist die nationale Nachhaltigkeitsplattform des Unternehmens NZZ mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft. Gemeinsam beschleunigen wir die nachhaltige Entwicklung der Schweiz. sustainableswitzerland.ch

Mit der wachsenden Bedeutung von Nachhaltigkeitsdaten steigt auch der Bedarf an intelligenten Analysesystemen. ESG-Informationen müssen heute über Abteilungs-, System- und teilweise sogar Firmengrenzen hinweg gesammelt und ausgewertet werden.

Auch wenn politische Signale derzeit für Unsicherheit sorgen, wächst die strategische Bedeutung von Nachhaltigkeit in den Firmen weiter. Wer ESG nicht nur als Berichtspflicht versteht, sondern als datenbasiertes Steuerungsinstrument nutzt, kann daraus einen klaren Wettbewerbsvorteil ziehen. Nachhaltigkeitssoftware wird so zum zentralen Instrument – und der «Sustainability Software Radar 2026» zu einer wichtigen Orientierungshilfe in diesem dynamischen Markt

Dieser Inhalt wurde von NZZ Story Lab und Sustainable Switzerland im Auftrag von Swisscom erstellt. Zum kostenlosen

Hier kommt zunehmend Künstliche Intelligenz ins Spiel. Large-Language-Model-(LLM-)basierte Chatbots oder sogenannte ESG-Copiloten werden als Schnittstelle zwischen komplexen Datenstrukturen und den Fachanwendern eingesetzt. Sie ermöglichen es, Informationen in natürlicher Sprache abzufragen, Berichte automatisch zu erstellen oder

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