Wirtschaft
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Donnerstag, 23. Oktober 2025
Dunkle Wolken über grünem Stahl
Das schwedische Unternehmen Stegra braucht dringend frisches Kapital INGRID MEISSL ÅREBO, STOCKHOLM
Ein halbes Jahr nach dem Konkurs des Batterieherstellers Northvolt stürmt es um das nächste grüne Grossprojekt in Nordschweden, wo die Energie dank Wasserkraft fast gratis ist. Stegra (früher H2 Green Steel) hat akuten Bedarf an frischem Kapital, erhält einen neuen Hauptaktionär, tauscht den Verwaltungsratspräsidenten aus und verschiebt den Produktionsstart erneut – sein Stahl, der fast ohne fossile Brennstoffe hergestellt wird, soll nun frühestens 2027 (statt 2025) auf den Markt kommen. Am Dienstag haben die wichtigsten Aktionäre in einer Krisensitzung über die Zukunft des Unternehmens beraten, das zusätzliche 10 Milliarden schwedische Kronen (840 Millionen Franken) benötigt. Die zuvor akquirierten 75 Milliarden Kronen, zwei Drittel davon Kredite, reichen nicht,um das zur Hälfte fertig gebaute Werk im norrbottnischen Boden fertigzustellen. Allgemeine Kostensteigerungen und höhere Zinsen verteuern das Projekt,zudem muss Stegra in Hafenund Bahn-Infrastruktur investieren, die man eigentlich nicht selbst bauen wollte. Die Firma verweist zudem auf Subventionen, die «trotz Bewilligung der EU-Kommission» ausbleiben. Tatsache ist, dass die erhofften 1,6 Milliarden Kronen des schwedischen Staates für komplett CO2-neutrale Projekte vorgesehen sind. Stegra aber muss während einer Übergangsperiode Naturgas einsetzen. Das verursacht grosse Emissionen und disqualifiziert es für den Staatsbeitrag. Bisher hat das grüne Projekt 4 Milliarden Kronen Subventionen vom
schwedischen Staat und der EU erhalten sowie staatliche Kreditgarantien von insgesamt 18 Milliarden Kronen.
Mitgründer muss zurückstehen Mit der laufenden Finanzierungsrunde erhält Stegra einen neuen Hauptaktionär: Der Klimafonds Just Climate von Ex-US-Vizepräsident Al Gore, mit 8,1 Prozent der drittgrösste Aktionär, will sich vollumfänglich an der Neuemission beteiligen. Dies tut der Hauptaktionär Vargas nicht. Die mit 22,3 Prozent der Aktien dominierende Investmentfirma des Mitgründers Harald Mix schiesst kein neues Kapital ein und sinkt damit in der Eigentümerliste. Mix gibt zudem das Verwaltungsratspräsidium ab und wird sich künftig mit operativen Fragen beschäftigen. Neu wird Shaun Kingsbury, der Co-Chief Investment Officer bei Just Climate, den Verwaltungsrat präsidieren. Dort werden zudem zwei Mitglieder ersetzt durch Personen mit Erfahrung im Investmentund Finanzierungsbereich, inkl. Firmenrestrukturierungen (Aidan de Brunner) sowie in der Stahl- und Energiebranche (Emmanuel Rodriguez). Mix selbst relativiert sein reduziertes Engagement via Vargas. Der 65-jährige Finanzmann will sich mit anderen Investmentfirmen an der Neuemission beteiligen, einschliesslich seiner privaten Kallskär-Holding sowie der von ihm mitgegründeten Risikokapitalfirma Altor, des mit knapp 15 Prozent zweitgrössten Stegra-Aktionärs. Stegras Steckbrief weckt Déjà-vus: Das Milliardenprojekt setzt auf eine vielversprechende, aber gänzlich neue grüne
Technologie und wird auf der grünen Wiese in Nordschweden hochgezogen. Es lockt bekannte in- und ausländische Investoren und schwedische Pensionskassen. Es holt umfassendes Fremdkapital, sichert lange vor dem Spatenstich Milliarden-Order, erfährt Bauverzögerungen und Kostensteigerungen und gerät in finanzielle Nöte.Alles schon gehabt, nämlich mit dem Batteriehersteller Northvolt. Das Flaggschiff der schwedischen grünen
Stegra prüft, ob sich Bereiche outsourcen lassen oder gar Lohnzahlungen aufgeschoben werden können. Industrierevolution und Hoffnungsträger der europäischen Autoindustrie musste im März Konkurs anmelden. Noch ist Stegra nicht verloren, doch das Projekt hat eine weitere Gemeinsamkeit mit Northvolt: Harald Mix war einer der Architekten beider Firmen. Während Northvolt grüne LithiumIonen-Batterien für Elektroautos produzierte – ein Prozess, der komplexer war als erwartet –, will Stegra die Stahlindustrie revolutionieren, die 7 Prozent der globalen und 10 Prozent der schwedischen CO2-Ausstösse verursacht. Europas erstes neues Stahlwerk
seit fünfzig Jahren sieht einen zweistufigen Kreislaufprozess vor. In der ersten Anlage wird Eisenerz mithilfe von Wasserstoff – statt traditionell mit Kohle – zu Eisenschwamm reduziert. Dieser wird dann in einem Elektro-Lichtbogenofen in praktisch kohlendioxidneutralen Stahl umgewandelt. Betrieben werden die Fabriken mit Wasser- und Windkraft, als Abfallprodukt fällt einzig Wasserdampf an. Stegra hält an dem Plan fest, ab 2030 jährlich 5 Millionen Tonnen grünen Stahl produzieren zu wollen. Neben der neuen Kapitalspritze prüft das Unternehmen, ob sich gewisse Bereiche outsourcen oder verkaufen lassen und Rechnungen oder gar Lohnzahlungen aufgeschoben werden können, um Mittel freizuschaufeln.
Die Nachfrage ist eingebrochen Nicht alle teilen Mix’ Optimismus und Glauben an Stegras Geschäftsmodell und Zukunft trotz den immer dunkleren Wolken. Anfang dieses Jahrzehnts herrschte Euphorie in der Stahlbranche. In Schweden wurde neben Stegra ein weiteres Projekt für fossilfreien Stahl lanciert, Hybrit, hinter dem die staatlichen oder staatlich kontrollierten Konzerne SSAB (Stahl), LKAB (Bergbau) und Vattenfall (Energie) stehen. Auch in Deutschland, Spanien, Frankreich und weiteren Ländern gab es Pläne für grüne Stahlwerke. Mit dem Krieg in der Ukraine, der Energiekrise und dem Wachstumseinbruch nach der Pandemie veränderten sich die Voraussetzungen für die Stahlindustrie. Globale Überkapazitäten und die eingebrochene
Nachfrage der wichtigsten Kunden in der Auto- und Bauindustrie drückten den Stahlpreis. Seither sind viele grüne Projekte in der Schublade oder im Papierkorb gelandet. Im Sommer etwa stoppte der französische Stahlkonzern Arcelor Mittal den klimafreundlichen Umbau zweier Werke in Deutschland. Auch Behörden legen Steine in den Weg. So steht Hybrit praktisch still, nachdem ein Umweltgericht vorige Woche das bereits stark verzögerte Bewilligungsverfahren für eine EisenschwammFabrik in Nordschweden auf nächstes Jahr verschob. LKAB hätte die Produktion eigentlich 2026 starten sollen. Fragezeichen gibt es auch bezüglich der langfristigen Profitabilität von grünem Stahl. Obwohl eine der grössten Umweltsünderinnen, hat Europas Stahlbranche bisher kostenlose Emissionsrechte erhalten. Damit hat es bis 2035 schrittweise ein Ende, wovon Produzenten von grünem Stahl profitieren werden, allerdings nur, wenn der Preis der Emissionsrechte hoch genug ist. Und nur, solange das Angebot an grünem Stahl knapp ist. Ganz neue Konkurrenten wie Stegra sind jedoch auf langfristig hohe Stahlpreise angewiesen, um angesichts der enormen Investitionen profitabel wirtschaften zu können. Neben Investoren und Gläubigern zittert man auch in Boden um das Schicksal Stegras.Die Gemeinde hat sich mit 1,6 Milliarden Kronen verschuldet, um Strassen, Gleise und Wasserleitungen zu bauen. Das grüne Stahlwerk verheisst Arbeitsmöglichkeiten, Bevölkerungszuwachs, Steuereinnahmen und ein aufblühendes Gemeindeleben in einer Gegend, die von Abwanderung betroffen ist.
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Neu an der Hallwylstrasse 71: Die Stiftung Juventus Schulen eröffnet zweiten Standort in Zürich Intelligenz (KI) und damit auf Belange, die die Arbeitswelt der Zukunft prägen werden. «Wir investieren gezielt in Bereiche, die Wirtschaft, Technologie und Gesundheit miteinander verknüpfen – denn dort entsteht die Wertschöpfung von morgen.» erklärt Dr. Sidler-Brand. Der JuveCampus City bietet Jugendlichen auf der Sekundarstufe II ebenso wie Erwachsenen in der Weiterbildung also ein Umfeld, das auf die Bedürfnisse einer vernetzten, technologischen und menschlichen Zukunft reagiert. Hier finden sich Grund- und Weiterbildungen in Gesundheit, Wirtschaft, Technik und Management – vom KV EFZ und der Berufsmaturität (BM) und eidgenössische Fachausweise (FA) über die Höhere Fachschule (HF) bis hin zu CASund MAS-Weiterbildungen im Gesundheitsmanagement (in Zusammenarbeit mit der HWZ). «Wir nehmen uns Zeit für die Lernenden und Weiterbildungsteilnehmenden – für ihre Fragen, ihre Entwicklung und ihre Zukunft. Bildung ist für uns nicht nur Wissenstransfer, sondern Persönlichkeitsbildung und gesellschaftlicher Auftrag.» sagt Dr. Claudia Sidler-Brand.
Der JuveCampus City fördert flexibles Lernen und persönliche Begegnung für Aus- und Weiterbildungen in den Schwerpunkten Wirtschaft,Technik und Gesundheitsmanagement. Mit der Eröffnung des JuveCampus City an der Hallwylstrasse 71 setzt die Stiftung Juventus Schulen ein Zeichen für eine zeitgemässe Bildungskultur in Zürich. Der neue Standort ergänzt den bestehenden «JuveCampus HB» an der Lagerstrasse bei der Europaallee, der noch bis Frühjahr 2026 auf zeitgemässe Aus- und Weiterbildungen im Gesundheitswesen ausgerichtet und umgebaut wird. An beiden Standorten werden insgesamt 2’300
Lernende und Studierende unterrichtet. Der neue JuveCampus City wurde bewusst so gestaltet, dass er sowohl persönliche Begegnung als auch digitale Lernformen ermöglicht. Moderne Unterrichtsräume, flexible Arbeitszonen und digitale Infrastruktur bieten Raum für Unterricht vor Ort ebenso wie für Online-Sequenzen. Damit trägt Juventus der zunehmenden Bedeutung flexibler Lernmodelle Rechnung, ohne auf die menschliche Dimension zu verzichten. «Wir gestalten Bildung dort, wo Mensch und Technologie zusammenkommen», sagt Dr. Claudia Sidler-Brand, Direktorin der Stiftung Juventus Schulen. «Digitalisierung ist kein Selbstzweck – sie ist ein Werkzeug, um Lernen individueller, vernetzter und wirkungsvoller zu machen. Entscheidend bleibt dabei der Mensch als aktive/r Gestalter/in der eigenen Zukunft.»
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