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Sponsored Content für St. Galler Festspiele
mentierte Musik bietet ein Feuerwerk an Harmonien, Melodien, beschwingten Rhythmen. Kurzum: «The Fairy Queen» ist bestes Entertainment, mehr Revue als Drama, leicht verdaulich und doch gehaltvoll. Das Londoner Publikum jener Zeit verlangte nach solcher Kost; nicht zufällig hat Purcell nur eine einzige VollOper («Dido und Aeneas», 1689), aber mehrere Semi-Opern geschrieben. Das Libretto für «The Fairy Queen» beruht auf William Shakespeares «Sommernachtstraum», einer der schönsten und tiefsinnigsten romantischen Komödien der Weltliteratur. Allerdings ist der anonyme Textdichter mit der Vorlage sehr frei verfahren: Nicht ein einziger Vers von Shakespeare ist in Purcells Vertonung zu hören, keine seiner Hauptfiguren hat eine tragende Rolle. Die Handlung steht bei Purcell nicht im Vordergrund; es geht um festliche, unterhaltsame, teils zarte, teils auch burleske Szenen. Im Schlussakt fehlt von der Chinoiserie bis zum Affentanz keine Attraktion. Doch beim blossen Spektakel bleibt die St.Galler Produktion auf dem Flumserberg nicht stehen: Sie bietet eine Fassung der Oper, in der vier Liebende sowie die Feenkönigin Titania, der Feenkönig Oberon und das Fabelwesen Puck die Bühne beherrschen: In der Menschenwelt soll Hochzeit gefeiert werden, doch als ein Streit zwischen Titania und Oberon eskaliert, kommt es zum Liebeschaos, das nicht nur beim Brautpaar, sondern auch im Zauberreich der Feen für Turbulenzen sorgt. Gesungen wird auf Englisch, gesprochen wird Deutsch; in der trefflichen Übertragung von Frank Günther.
Premiere: Die St.Galler Festspiele gastieren auf dem Flumserberg.
Ein Fest für die Königin SUSI REINHARD
Die St.Galler Festspiele bringen diesmal Purcells Barockoper «The Fairy Queen» – in einer spektakulären Freilichtaufführung. Erstmals nicht im Kantonshauptort, sondern auf dem Flumserberg: ein Augenschein vor Ort.
Organisches Gesamtkunstwerk Die Luftseilbahn bringt den Besucher von Unterterzen über knapp eintausend Höhenmeter bequem zur Station Tannenboden. Zwanzig Minuten dauert die Fahrt. In sattem Grün leuchten nach dem verregneten Mai die Matten. Die Freilichtbühne erreicht man locker in fünf Gehminuten. Obwohl sie stolze 32 Meter breit ist und auf eine gedeckte Stahlrohrtribüne schaut, die 750 Besuchern Platz bietet, verschwindet der temporäre Aufbau fast in der Gebirgslandschaft. Das ist ganz im Sinn von Georges Hanimann, dem technischen Leiter des Theaterbe-
triebs. Er will nicht klotzen, sondern ein stimmiges, organisches Gesamtkunstwerk bieten. Man kann nur darüber staunen, wie er es mit seinem Team geschafft hat, an diesem idyllischen Ort Hightech und Natur diskret zu verbinden. Während ringsum Kuhglockengeläut ertönt und hin und wieder ein Bauer auf dem Traktor vorbeirumpelt, wird in den Kulissen von Hannah Oellinger und Manfred Rainer eifrig geprobt. Ihr Bühnenbild will nicht die Natur ringsum übertrumpfen, sondern sorgt mit stilisierten organischen Formen und Pastellfarben für einen reizvollen Kontrast. Noch tragen die Sängerinnen und Sänger nicht ihre festlichen Kostüme, sondern Jeans, Pullover, Schals und – des kräftigen Windes wegen – sogar Wollmützen. Sie werden auch noch nicht vom Sinfonieorchester St.Gallen unter der Leitung von Corinna Niemeyer begleitet, sondern von einem unsichtbaren Korrepetitor am Klavier. Manche Szenen werden dutzendmal geprobt, bis sie exakt so sitzen, wie die geduldige, aber bestimmte österreichische Regisseurin Anna Bernreitner sie haben will. Sie fühlt sich wohl hier oben; schliesslich hat sie mit «OPER RUND UM» schon verschiedentlich bewiesen, dass sie die besonderen Gegebenheiten verschiedenster Spielorte in ihre Produktionen einzubeziehen weiss.
St.Galler Festspiele 2024 Werk: «The Fairy Queen», eine Semi-Oper von Henry Purcell Musikalische Leitung: Corinna Niemeyer Inszenierung: Anna Bernreitner Spielort: Tannenboden, Flumserberg (Tribüne gedeckt) Vorstellungen: 21.6., 22.6., 28.6., 29.6., 5.7., 6 7., jeweils 20:00 bis 22:30 Uhr Tickets: 65 bis 155 Franken pro Person
Die Semi-Oper «The Fairy Queen» wurde 1692 am Queen’s Theatre in London uraufgeführt.
Die Stimmung ist blendend, das junge Ensemble voll bei der Sache, die fokussierte Arbeit mündet bisweilen in helles Gelächter. Als Zuschauer spürt man augenblicklich die Energie, die sich in Spiel und Gesang entfaltet. Vuvu Mpofu (Helena) kommt aus Südafrika, Kali Hardwick (Hermia) aus Kalifornien, Matthias Hoffmann (Lysander) aus Tirol und Robert Bartneck (Demetrius) aus Hannover; doch sie sind wandelnde Beispiele dafür, dass Musik keine Grenzen kennt und dass das Liveerlebnis durch nichts zu ersetzen ist. Die St.Galler Festspiele haben sich seit ihrer Gründung im Jahr 2006 immer wie-
der durch originelle Opernprogrammierungen hervorgetan, statt, wie bei Open Airs oft üblich, auf die allerbekanntesten Werke zu setzen: So kamen etwa von Verdi neben dem «Trovatore» und «Giovanna d’Arco» auch «Attila», «I Lombardi» und «I due Foscari» zur Aufführung, von Donizetti neben «La favorita» auch «Il diluvio universale». Nachdem letztes Jahr die veristische Revolutionsoper «Andrea Chenier» von Umberto Giordano auf dem Klosterplatz das Publikum bewegte, setzen die Veranstalter diesmal auf ein leichteres, ganz zauberhaftes Werk: Henry Purcells «The Fairy Queen». Die Semi-Oper, die 1692 am Queen’s Theatre in London uraufgeführt wurde, vermutlich zu Ehren von Queen Mary, war zu Lebzeiten des Komponisten ein grosser Erfolg. Kurz nach seinem Tod ging jedoch die Partitur verloren; erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde sie wiedergefunden. Seither wird das Märchenspiel glücklicherweise alle zehn oder zwanzig Jahre neu entdeckt.
Teils gesungen, teils gesprochen Eigentlich ist Purcells Geniestreich nur eine halbe Oper, da sie teils gesungene, teils gesprochene Passagen enthält, dazu auch Zwischenspiele, Chöre und Tänze. Mit einigem Recht könnte man sie als Musical bezeichnen. Die originell instru-
URS BUCHER
«Komm, lass uns die Stadt verlassen und im angenehmen Schatten auf dem Grase liegen»: So heisst es im ersten Duett von Henry Purcells Barockoper «The Fairy Queen». Raus aus der Stadt, zurück zur Natur: So könnte auch das Motto der diesjährigen Festspiele der Genossenschaft Konzert und Theater St.Gallen lauten. Denn deren 19. Ausgabe findet nicht wie gewohnt auf dem Klosterplatz im Stiftsbezirk der Stadt statt, der zum Unesco-Weltkulturerbe zählt, sondern auf dem Flumserberg, in 1400 Metern Höhe, in einer höchst eindrucksvollen Naturkulisse, zu der die schroffen Churfirsten ebenso gehören wie der tiefe und entsprechend dunkle Walensee.
Anreise mit dem ÖV: via Unterterzen mit der Gondelbahn namens SeeJet, Fahrt im Ticketpreis inkludiert; nach den Vorstellungen werden Sonderfahrten der Gondelbahn angeboten, der Anschluss an die letzten Zugverbindungen Richtung St.Gallen, Zürich oder Chur ist gewährleistet Anreise mit dem Auto: Parkmöglichkeiten beim Bahnhof Unterterzen oder direkt beim Festspielgelände QR-Code scannen, mehr erfahren und Tickets bestellen
Georges Hanimann, technischer Leiter des Theaterbetriebs.
NZZ am Sonntag 16. Juni 2024
Ein Spielort mit Anforderungen Der Tannenboden auf dem Flumserberg ist ein besonderer Spielort, und er stellt besondere Anforderungen: an die Künstlerinnen und Künstler, aber auch an die Licht- und Tonregie sowie an die ganze Logistik. «Wenn wir im Theater St.Gallen bei den Proben merken, dass ein Teil fehlt», sagt Georges Hanimann, «dann gehen wir schnell in die Werkstätten hinüber und holen es. Von hier auf dem Flumserberg aus ist das eine mehrstündige Reise.» Eine Herausforderung sind die Freilichtaufführungen bei Wind und Wetter auch für das Orchester, namentlich für so empfindliche Instrumente wie das Cembalo. Deshalb hat Hanimann das dreissigköpfige Ensemble nicht vor oder unter der Bühne platziert, sondern in einem geschützten, klimatisierten Container neben der Bergstation der Seilbahn. «Von hier aus», so der technische Leiter, «wird der Klang via Glasfaserkabel ohne Zeitverlust auf die 220 Meter entfernte Bühne übertragen. Die Dirigentin sieht auf zwei Bildschirmen, was dort gerade passiert. Der eine zeigt die Totale, der andere in Nahaufnahme die Solistinnen und Solisten, die gerade im Einsatz sind.» Das Soundboard der Tonregie findet sich zuoberst auf der Tribüne; hier wird der Ton live abgemischt. Die Sängerinnen und Sänger tragen Headsets, die man kaum sieht. Für Fans der St.Galler Festspiele ist die Orchesterbox übrigens nichts Neues: Sie kam auch schon auf dem Klosterplatz zum Einsatz. Besonders gespannt ist Hanimann darauf, wie sich die sechs Aufführungen im Abendlicht präsentieren werden. Die Premiere findet tatsächlich am längsten Tag des Jahres statt, und einmal wird auch bei Vollmond gespielt. Wenn um 20 Uhr das Spiel beginnt, ist es noch hell. Erst im Lauf der folgenden zweieinhalb Stunden senkt sich die Nacht über das Geschehen. Die Lichtregie muss deshalb spontan und subtil reagieren. Ohnehin macht das einen wesentlichen Teil des Zaubers von «The Fairy Queen» auf dem Flumserberg aus: Nichts lässt sich bis ins Letzte planen, jede Vorstellung wird einmalig sein. Während internationale Grossproduktionen mit identischer Ausstattung und auswechselbarem Personal synchron rund um den Erdball präsent sind, regiert hier die Magie des Augenblicks, für den sowohl die Regisseurin als auch die Dirigentin mit ihrem ganzen Ensemble leben.
Dieser Inhalt wurde von NZZ Content Creation im Auftrag der St.Galler Festspiele erstellt.