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PostFinance (D)

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Samstag, 19. September 2026

Gender Pension Gap: Vorsorgen ist für Frauen besonders wichtig Für viele Frauen ist die Vorsorgelücke kein abstraktes Problem, sondern bittere Realität: Im Alter steht häufig deutlich weniger Vermögen zur Verfügung, auch die AHV-Rente fällt tiefer aus. Warum es sich lohnt, die Weichen früh zu stellen. weist. Die Expertin bringt es auf den Punkt: Die beiden ­Zivilstände werden besonders in der ersten, aber auch in der zweiten Säule beim Eintreten eines Schicksalsschlags unterschiedlich behandelt. Was für ein Paar sinnvoller ist, lasse sich nur anhand einer ­individuellen Situationsanalyse beurteilen. Die Idee, Vorsorgelücken später «aufholen» zu können, sobald die Kinder grösser sind oder das Pensum wieder erhöht werden kann, hält die dip­ lomierte Finanzberaterin für trügerisch. Wer lange Teilzeit gearbeitet hat, findet es schwierig, danach wieder in dieselbe Verantwortung zurückzukehren. «Nach 20 Jahren dort wieder anzufangen, wo man aufgehört hat, ist oft nicht möglich», sagt sie.

Erfahrung als Antrieb

Bettina* (39) wurde klar, dass sie als Teilzeit arbeitende Mutter die Vorsorge bereits heute auf dem Radar haben muss.

Zahlen des Bundesamts für Sozialversicherun­ gen (BSV) belegen die Schieflage: Der sogenannte Gender Pension Gap führt dazu, dass Frauen im ­Alter durchschnittlich 37 Prozent weniger Renten­ einkommen zur Verfügung haben als Männer. ­Sarah Bitz, Finanzberaterin bei PostFinance in Thun, begeg­net Menschen hinter dieser Statistik regel­ mässig in ihren Beratungsgesprächen. Die E ­ xpertin weiss, dass die Lücke oft schleichend ­entsteht. Ein typisches Beispiel ist Bettina*: Die 39-jäh­ rige Mutter arbeitet in einem 60-Prozent-Pensum – und versucht zu sparen. Doch ohne eine klare Stra­ tegie steuert sie in eine Sackgasse. Seit fast zehn Jahren begleitet Bitz Frauen dabei, das Vage hinter sich zu lassen und durch Wissen die Kontrolle über ihre finanzielle Zukunft zurückzugewinnen. Aber weshalb haben Frauen eine so ausgeprägte Vorsorgelücke? Bitz gibt zu bedenken, dass sich das nicht auf einen einzelnen Grund zurück­führen lässt. Frauen übernehmen häufiger unbezahlte Betreu­ ungsarbeit, sind deshalb öfter in Teilzeit tätig und arbeiten überproportional in schlechter b ­ ezahlten Branchen. Dazu kommt der ­ Gender Pay Gap, also die Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen, die sich auch bei vergleichbaren Stellen und Qualifikationen nicht vollständig erklären lässt. Ein weiterer Faktor fällt Bitz im direkten Kun­ denkontakt auf: Das Interesse an Finanzthemen sei beim weiblichen Geschlecht tendenziell geringer – geprägt durch gesellschaftliche Muster, in denen Geld lange als Männerdomäne galt. Einkommens­ lücke und Wissenslücke bedingen sich in der Regel gegenseitig. Mehr Aufklärung würde viele Frauen dazu bringen, früher und besser zu handeln. Den gewichtigsten Faktor sieht die Finanzberaterin aber klar in der Teilzeiterwerbs­tätigkeit in Kombination mit den Pflichten, die E ­ ltern gegenüber ihren Kin­ dern haben. Wer w ­ eniger arbeitet und verdient, zahlt weniger in die zweite Säule ein – und unterschätzt dabei häufig, was das langfristig wirklich bedeutet.

Kundinnen verstehen, was passiert ist, k ­ ämen sie ins Handeln. Besonders bedenklich: Manche Frauen kommen erst mit 59 oder 60 zur Beratung, oft nach einer Scheidung. Dann sei die Situa­tion manchmal so angespannt, dass der Lebens­standard massiv gesenkt werden oder man über das Pensionsalter ­hinaus arbeiten müsse. «Das ist eine Ohnmachts­ situation», sagt die Finanzberaterin. Der erste Schritt ist für Sarah Bitz immer der­ selbe: die Ermittlung der Vorsorgelücke. Die Vor­ sorgespezialistin führt mit ihren Kundinnen eine Analyse durch, die nicht nur die finanzielle Si­ tuation im Alter beleuchtet, sondern auch eine ­mögliche Erwerbsunfähigkeit infolge von Krank­ heit oder Unfall berücksichtigt. Denn auch dieses Risiko ist häufig ungenügend abgesichert. Bevor konkrete Massnahmen besprochen wer­ den, macht S ­ arah Bitz eine grundlegende Bestands­ aufnahme: Wie hoch ist die Sparquote, was sind die Ziele und Wünsche? Wenn kein Sparpotenzial ­vorhanden ist, werde gemeinsam analysiert, ­warum

«Das Leben lässt sich nicht planen, die Finanzen aber schon.»

das so ist. Die Expertin bietet keine klassische Budget­beratung an. Doch nach zehn Jahren Erfah­ rung spürt sie, wo sich der zweite Blick lohnt. In der Analyse zeigt sie auf, welche Hebel die grösste Wir­ kung entfalten. Denn Bitz will niemanden mit dem Problem allein lassen. Wer die Lücken der ersten beiden Säulen schliessen will, landet unweigerlich bei der ­privaten ­Vorsorge. Der Unterschied in Bezug auf p ­ otenzielle Renditechancen zwischen einem klassischen 3aSparkonto und einem entsprechenden Anlagepro­ dukt wird oft unterschätzt. Die ­Vorsorgespezialistin rechnet das am Beispiel von Bettina vor: Wer ­monatlich 300 Franken über 26 Jahre auf ein 3aSparkonto mit 0,05 Prozent Zins einzahlt, hat am Ende rund 94 100 Franken, davon sind gerade einmal 612 Franken Zinsen. Wer denselben Betrag in ein 3aAnlageprodukt mit durchschnittlich 5 Prozent Ren­ dite steckt, kann im Idealfall auf fast das Doppelte kommen – vorausgesetzt, die Kundin möchte die entsprechenden Wertschwankungsrisiken eingehen. «Es ist schade, wenn man jeden Morgen auf­ steht, Geld verdient und es dann einem Kauf­ kraftverlust durch die Teuerung aussetzt», sagt Bitz. Wer auf Renditechancen verzichtet, kann über die Jahrzehnte an Kaufkraft verlieren. Je nach ­individuellem Risikoprofil und Anlagehori­ zont kann es Sinn m ­ achen, alternative Lösungen zu ­prüfen, zum Beispiel, indem man innerhalb der Säule 3a in Wertpapiere investiert.

Handeln statt hoffen

PK-Auszug als Weckruf Viele Frauen bemerken die Lücke erst, wenn es fast zu spät ist, weil sie den alljährlichen Auszug der Pensionskasse (PK) zu lange nicht genau studieren. Die Vorsorgespezialistin erklärt das am konkreten Beispiel: Wer mit 30 noch Vollzeit arbeitet, sieht dort stattliche Zahlen fürs Alter. Wer danach das Pensum auf 60 Prozent reduziert, zwei Kinder be­ kommt und sich Jahre später denselben Auszug an­ schaut, kann den eigenen Augen kaum trauen. Die Zahlen klaffen weit auseinander und oft fehlt das Verständnis, wie dieser massive Unterschied über­ haupt zustande kommen konnte. «Ich fange die Angst durch Wissen auf», erklärt die Expertin im Gespräch. Konkret bedeutet das: In der Beratung erklärt sie Schritt für Schritt, wie die Lücke entstanden ist und welche Stellschrauben es gibt, um sie möglichst zu schliessen. Erst wenn die

AI / NZZ STORY LAB

Sarah Bitz Finanzberaterin bei PostFinance

JAMILA ROTA/FINNA

Einen häufigen Fallstrick kennt Sarah Bitz aus der Praxis: Es geht um Frauen, die gleichzeitig bei zwei Arbeitgebern angestellt sind – etwa in der Pflege und bei der Spitex. Solche Mitarbeiterinnen k ­ önnen bei beiden Arbeitgebern unter der Eintritts­schwelle verdienen und damit gar keinen PK-Anschluss ha­ ben, obwohl ihr Gesamteinkommen eigentlich hoch genug wäre. «Das sollte man genau prüfen», sagt sie. Fast jede zweite Frau, die Bitz in der Beratung trifft, hat eine ähnliche Aussage parat: «Ich habe ja einen Partner, der mich absichert.» Die Finanzbe­ raterin hinterfragt dann konsequent, was das kon­ kret bedeutet und ob sich der Partner wirklich Ge­ danken über beide Seiten gemacht hat. Denn was passiert bei einer Trennung, einem Todesfall oder einer längeren Krankheit? Häufig sind sich Paare gar nicht bewusst, wie unterschiedlich sie vorsor­ getechnisch dastehen, weshalb die Fachperson den Partner oft zum gemeinsamen Gespräch einlädt. Ob eine Heirat aus Vorsorgesicht vorteilhafter ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Hat das Paar Kinder und kümmert sich ein Elternteil inten­siver um sie, ist die Betreuungsarbeit leistende Person durch eine Heirat bei Todesfall oder ­Scheidung meist besser abgesichert. Aus der G ­ esamtbetrachtung einer Kundensituation kann es aber auch Gründe geben, warum eine Heirat sich als nachteilig er­

Sarah Bitz ist 26 Jahre alt, aufgewachsen in Ueten­ dorf bei Thun, und nun schon ein Jahrzehnt für PostFinance tätig. Sie begann mit einer Banklehre, ergänzte 2020 ihr Wissen mit einem Diplom in Finanz­beratung und absolviert aktuell den Fach­ ausweis für Finanzplanung. Heute ist sie hauptsäch­ lich in Thun, aber auch in Interlaken und Münsin­ gen unterwegs, vorwiegend für Hypothekarkunden, wobei Vorsorge und Anlegen immer mitschwingen. Was sie antreibt, hat auch eine persönliche Dimen­ sion. Im vergangenen Jahr veränderte sich ihre Gesundheitssituation schlagartig: Eine ­chronische Krankheit stellte ihr Leben gewisser­ massen auf den Kopf. «Das ist wahnsinnig prägend, weil man sich erstmals damit auseinandersetzt, wie unplanbar das Leben ist», erklärt sie ganz offen. Und wie dankbar man sei, wenn man in einem solchen Moment gut vorgesorgt habe – sei es für das ­Alter oder für den Fall der Erwerbsunfähigkeit. «Alle denken, dass einem so etwas nicht passiert», sagt die junge Frau. Und deshalb lautet ihr Credo: «Vorsor­ gen, liebe Frauen, ist besser als Nachsorgen.» Für Bettina und alle anderen Frauen da draussen gilt: Mit 39 ist es nicht zu spät. Für die Altersvor­ sorge sei das sogar ein guter Zeitpunkt. Besonders dringend ist das Thema Erwerbsunfähigkeit. Wer durch Krankheit oder Unfall nicht mehr arbeiten kann, verliert schnell den Boden unter den Füssen. Die Leistungen aus der Unfallversicherung und der Pensionskasse decken oft nicht den gesamten Be­ darf. Bitz’ Empfehlung ist deshalb klar: Wer auf die Absicherung wartet, bis der Ernstfall eintritt, war­ tet zu lange. «Das Leben lässt sich nicht planen, die Finanzen aber schon.» * Ein fiktives repräsentatives Beispiel.

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Tipps für Frauen von Sarah Bitz • Analysieren, wie sich ein reduziertes ­Arbeitspensum konkret auf die eigene Vor­ sorge auswirkt. Wer den Pensionskassen­ auszug regelmässig liest und versteht, ­erkennt Lücken frühzeitig – und nicht erst kurz vor der Pensionierung. • Sich beraten lassen und Möglichkeiten prüfen. Wer keine Zeit oder Lust hat, sich selbst in die Materie einzuarbeiten, soll sich einer Fachperson wie einer Bankberaterin oder einer Finanzplanerin anvertrauen, ­damit diese die Situation analysiert. • Das Gespräch mit dem Arbeitgeber ­suchen, gerade was die Pensionskasse ­betrifft. Manche PKs bieten auch für Teilzeitangestellte unterhalb der regulären ­Eintrittsschwelle einen Anschluss an. Wer zusätzlich freiwillig mehr einzahlen kann, sollte das ernsthaft prüfen.

Dieser Inhalt wurde von NZZ Story Lab im Auftrag von PostFinance erstellt.


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