UHREN & SCHMUCK

Was die Zeit überdauert








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Was die Zeit überdauert









Die Weltlage ist unsicher und die Schweizer Uhrenindustrie spürt das deutlich. Sie ist abhängig von internationaler Kundschaft, von Reisefreiheit, Vermögen und Kauflaune Entsprechend gross sind die Fragezeichen: China bleibt verhalten, in den USA ist die Zollfrage ungelöst, und im Nahen Osten ist eine zuletzt vielversprechende Wachstumsregion verunsichert.
Auf der Uhrenmesse Watches and Wonders (Seite 8) war deshalb zu spüren, dass viele Markenchefs mit Sorge auf die kommenden Monate blicken. Umso interessanter ist, was die Branche in diesem Umfeld hervorbringt.Wir stellen zwölf Neuheiten vor: von anspruchsvollen Chronographen über Modelle aus besonderen Materialien bis hin zur Uhr ohne klassische Krone, entwickelt für den Einsatz im Weltraum.
Der Aufmacher dieses Specials, wiederum eine Zusammenarbeit der Redaktionen von «Le Temps» und der NZZ, widmet sich Uhrenikonen (S 4). Was macht eine Uhr über Generationen begehrenswert? Wir haben acht Modelle ausgewählt und zeigen, warum manche Entwürfe mehr sind als erfolgreiche Produkte
Ein weiterer Beitrag porträtiert Alain Dominique Perrin (S 6), den Mann, der Cartier gross machte. Er verwandelte ein altehrwürdiges Juwelierhaus in eine globale Luxusmarke die Schmuck Uhren und andere begehrliche Objekte neu zusammendachte – und damit die Spielregeln der Branche veränderte Im Interview spricht zudem Lucia Silvestri (S 12), langjährige Kreativdirektorin und Chefeinkäuferin bei Bulgari, über die Jagd nach den seltensten Edelsteinen. Sie erzählt von unterschätzten Steinen, von Verhandlungstaktiken beim Einkauf – und davon, was es brauchte, um sich in einer Männerdomäne Respekt zu verschaffen.
Die Zürcher Bahnhofstrasse zeigt derweil, wie stark Luxuskonzerne auf Schmuck setzen (S 13) Wir zeigen auf, warum die grossen Marken ihre Präsenz ausbauen und warum im Schmuck noch immer erhebliches Wachstumspotenzial steckt Einen Gegenpol zur Konzernwelt bildet unsere Reportage aus Fleurier: Kari Voutilainen (S 10), einer der gefragtesten unabhängigen Uhrmacher der Welt, erklärt im Gespräch warum er sich bewusst gegen Trends und für eine strikte Limitierung entscheidet.Aus dieser kompromisslosen Haltung entstehen einige der begehrtesten Uhren unserer Zeit Schliesslich widmen wir uns Uhren, die weder Erbstück noch Statussymbol oder Investment Case sein wollen. Sie sollen vor allem Spass machen (S 14) –als Ring,Kette,Roboter,Mini-Ufo,Game Boy fürs Handgelenk oder CockpitGadget. Ein Kuriositätenkabinett der Zeitmessung
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.
ANDREA MARTEL STÉPHANE GACHET
Die Kunden lieben sie, die Marken verehren sie, die Branche verdankt ihnen ihren Erfolg Willkommen in der Welt der Ikonen, jener Uhren, die so kultig sind, dass sie allein den Grossteil des Wertes und des Image der gesamten Uhrenbranche auf sich vereinen Harte Daten zu ihrer Bedeutung fehlen zwar, doch das Gesamtbild lässt sich leicht skizzieren: Etwa zehn Hersteller dominieren den gesamten Markt, und einige wenige Modelle dieser Marken machen den Grossteil ihres Umsatzes aus Wir haben acht davon ausgewählt.
Der Begriff «Ikone», ursprünglich dem religiösen Vokabular entlehnt, ist in der Uhrenbranche vergleichsweise jung. Ein Blick in die Datenbank von «The Watch Library» zeigt, dass er erst um die Jahrtausendwende aufkam – und sich seither im Sprachgebrauch von Marketing und Medien festgesetzt hat Doch was macht eine Uhr zur Ikone? Um diese Frage zu klären, haben wir mit den Designern Eric Giroud und Emmanuel Gueit gesprochen – zwei prägende Figuren der zeitgenössischen Uhrmacherei. Aus den Gesprächen lässt sich ein Katalog von Merkmalen ableiten: Die Ikone wird nicht geschaffen. Sie entsteht – durch Zeit und die Kunden.
geht über die Marke hinaus: Die Hersteller sind lediglich ihre Hüter ist lebendig: Es ist eine Liebesgeschichte, die die Marke pflegen muss ist generationenübergreifend: Man besitzt sie nicht, man hütet sie nur ist beständig: Ihre ursprüngliche Form trotzt allen Moden.
ist ewig: Sie entsteht, sie lebt, sie kann sterben und wiedergeboren werden.
ist eine Offenbarung: Ihre Inspiration entspringt einer Vision, nicht der Vernunft.
ist ein Schock: Ihre Schaffung erfordert Mut und Ausdauer ist schwer fassbar: Sie ist ein Produkt ihrer Zeit.

Cartier: Tank, 1917
Das Elixier der Quintessenz
Was ist die Tank? Pierre Rainero, Direktor für Image, Stil und Kulturerbe bei Cartier, antwortet: «Die 1917 entworfene Tank verkörpert die kreative Vision von Louis Cartier – die Reduktion auf das Wesentliche: zwei parallele Linien die einfachste Lösung für eine Armbanduhr.»
Ergänzend lässt sich festhalten, dass die Tank, die im Umfeld des Ersten Weltkriegs entstanden ist, keine Militäruhr ist. Trotzdem hat sie sich an mehreren Wendepunkten der Marke als treuer Soldat erwiesen Sie gehörte zum Arsenal von Alain Dominique Perrin während des grossen Neustarts des Hauses in 1980er Jahren und wurde in der Kollektion «Must» in allen möglichen Varianten umgesetzt Sie stand auch im Mittelpunkt der Neuausrichtung von Cyrille Vigneron, als dieser vor zehn Jahren die Leitung der Marke übernahm. Im Jahr 2025 war sie wieder der Star auf der Watches and Wonders. Die Tank ist so einfach und unverwechselbar, dass sie alle Modetrends der verschiedenen Epochen überstanden hat, ohne jemals ihre Identität zu verlieren. Man fand sie gewölbt, in französischer, englischer, amerikanischer oder chinesischer Ausführung, asymmetrisch, mit Fensterchen, mit Kippmechanismus, als Quarz- oder mechanische Uhr, aus Gold, vergoldetem Silber oder Stahl, gross oder klein – und sie überwand alle Grenzen von Alter, Geschlecht und Gesellschaftsschicht. Steve McQueen trug sie in der «Thomas-Crown-Affäre» Andy Warhol trug sie, ohne sie einzustellen. Und die ursprüngliche Version von Louis Cartier ist bis heute im Katalog: mit weissem Zifferblatt, römischen Ziffern und Schwertzeigern.

Rolex: Oyster, 1926
Das Allerheiligste
Wer bei Rolex an Ikonen denkt, hat meistens die Daytona, die Submariner oder die GMT-Master vor Augen Die schlichte Oyster hingegen gilt vielen lediglich als Basismodell. Doch das verkennt ihre Bedeutung: Sie ist das Fundament der Marke Ohne sie gäbe es die anderen Legenden nicht.
In den 1920er Jahren war die Armbanduhr noch ein fragiles Accessoire. Am exponierten Handgelenk musste sie robuster sein als die geschützte Taschenuhr Entscheidend war der Schutz vor Wasser und Schmutz. RolexGründer Hans Wilsdorf und seinem Partner Hermann Aegler gelang 1926 mit der Oyster der Durchbruch: ein dank verschraubter Komponenten wasserdichtes Gehäuse – dicht wie eine Auster Wilsdorf war von seiner Oyster überzeugt Aber er wusste auch, dass es für die Wasserdichtigkeit Beweise brauchte Er gab der Schwimmerin Mercedes Gleitze eine Oyster mit auf ihre Ärmelkanaldurchquerung Nach zehn Stunden im eiskalten Salzwasser lief die Uhr einwandfrei. Wilsdorf nutzte den Moment und bewarb sie prominent in der «Daily Mail» Die Botschaft: Wer den Kanal übersteht, meistert auch den Alltag Die technische Vollendung folgte 1931 mit dem «Perpetual»-Rotor Der automatische Aufzug machte das tägliche Öffnen der Krone überflüssig –und verhinderte damit das Eindringen von Staub und Feuchtigkeit. Die Uhr versorgte sich fortan selbst mit Energie, das Gehäuse blieb versiegelt. Wie belastbar die Uhr war zeigte sich 1953 am Mount Everest. Expeditionsmitglieder hatten Oyster-Modelle dabei, aus denen später die Explorer hervorging Heute wirkt die Oyster Perpetual unscheinbar Tatsächlich aber bildet sie das Rückgrat der Marke: Ob Tiefsee oder Rennstrecke – fast jede RolexIkone ist im Kern eine Oyster.

Jaeger-LeCoultre: Reverso, 1931
Das Janusschild
Als die Reverso die Werkstätten im Vallée de Joux verliess, war sie eine Novizin, getragen vom Zeitgeist der Art-déco-Jahre. Die High Society liebte Polo – die Uhrenindustrie nicht JaegerLeCoultre erfand das kleine Extra: ein drehbares Gehäuse, das es ermöglicht, das Glas zu schützen, indem der Uhrenkopf gewendet wird, das Zifferblatt nach unten. Damit war die Botschaft gesetzt: Die Reverso ist nicht nur eine originelle Kreation, sie dient auch als Schutzschild Mit der Zeit wurde diese Erfindung zum Sinnbild der Manufaktur selbst, die seit den 1930er Jahren ebenfalls markante Wendungen und einige Komplikationen erlebt hat – und sich doch immer wieder behauptete Und jedes Mal war die Reverso dabei. Was die Komplikationen betrifft, gilt diese Uhr mit ihrem Gehäuse geradezu als Königin – auch wenn dieses in einem Poloklub zur Welt kam. Bereits wenige Jahre nach ihrer Erfindung durch den Ingenieur René-Alfred Chauvot planten die Uhrmacher des Hauses, darin einen retrograden ewigen Kalender unterzubringen. Über die Jahrzehnte zeigte sie sich bemerkenswert gefügig: Sie nahm ohne Widerstand nahezu alle denkbaren mechanischen Raffinessen auf und diente ebenso als Träger für Kunsthandwerk – Gravur, Email, Miniaturmalerei. Anfang der 1990er Jahre, als Jaeger-LeCoultre zum deutschen Mannesmann-Konzern gehörte und von Günter Blümlein geführt wurde, rückte die Reverso ins Zentrum der Wiederbelebungsstrategie Auch in jüngerer Zeit stellt die Marke dieses Modell systematisch in den Vordergrund. 1992 beschrieb der Verband der Schweizer Uhrenindustrie sie in seiner Zeitschrift so: «Zeitlos wie die Mythen steht sie seit 60 Jahren an der Avantgarde.»
zeigt: Es braucht mehr als gutes Design, damit eine Uhr über Generationen Bestand hat.

Patek Philippe: Calatrava, 1932 Die Wesentliche Nautilus oder Calatrava? Wer über Pateks Ikonen schreibt, trifft auf ein ungleiches Paar Hier die Nautilus: laut, begehrt, ein modernes Statussymbol. Dort die Calatrava: zurückhaltend, fast unsichtbar Während die eine den Markt bewegt, setzt die andere den Massstab für die moderne, klassische Armbanduhr Für Patek-Präsident Thierry Stern ist der Fall klar: «Die Calatrava ist für mich die grösste Ikone von Patek.» Sie sei «nobler» und gestalterisch anspruchsvoller da ihr puristisches Wesen behutsam für neue Generationen weiterentwickelt werden müsse Sterns Faible hat auch historische Gründe: Die Calatrava war 1932 die erste Uhr von Patek nach der Übernahme durch seine Familie Der Ursprung liegt in der Weltwirtschaftskrise Als die Brüder Stern die angeschlagene Manufaktur übernahmen, präsentierten sie mit der Referenz 96 jene Uhr, die zur DNA der Marke wurde Technisch und ästhetisch war sie eine Zäsur: Inspiriert vom Bauhaus, folgte sie, wie andere Ikonen, dem Prinzip «Form follows function» Die integrierten Bandanstösse waren 1932 eine kleine Revolution Ein zweites Kapitel begann 1985 mit der Referenz 3919. Die «Uhr der Bankiers» wurde mit ihrer Clous-de-ParisLünette – einem feinen Pyramidenmuster – zum Gesicht der Marke Der Erfolg war so gross, dass die Nachfrage kaum zu decken war Heute dient das Calatrava-Gehäuse als Basis für grosse Komplikationen; zugleich wird die klassische Dreizeigeruhr regelmässig neu interpretiert.
Für Stern steht fest: «Ikonen lassen sich nicht planen. Es sind die Kunden, die eine Uhr dazu machen.» Kenner wie der verstorbene Uhrenhändler René Beyer nennen die Calatrava die «Uhr für die Ewigkeit» Eine Uhr, die man –ganz im Sinne des bekannten Werbespruchs der Marke – nie ganz besitzt, sondern nur für die nächste Generation bewahrt.

Breitling: Navitimer, 1952
Der Pilotfisch im Cockpit
Als Willy Breitling die Navitimer konzipierte, waren Uhren noch Arbeitsinstrumente Breitlings Zeitmesser galten dank eines patentierten kreisförmigen Rechenschiebers als besonders vielseitig: Mit ihnen liessen sich Berechnungen durchführen oder Einheiten umrechnen. Die Skalen dienten wahlweise als Tachymeter, Telemeter oder Pulsometer Während andere Uhren der 1940er Jahre primär die Zeit anzeigten, war die Breitling Chronomat im Grunde ein mechanischer Computer für das Handgelenk.
Dieser Ruf bewog den weltweit grössten Pilotenverband, die Aircraft Owners and Pilots Association (AOPA), an Willy Breitling heranzutreten. Gesucht war ein Instrument für komplexe Flugberechnungen Breitlings Antwort im Jahr 1952 war die Navitimer Er adaptierte den Rechenschieber für die Luftfahrt, sodass Piloten fortan Durchschnittsgeschwindigkeiten, Treibstoffverbrauch oder Steigraten ermitteln konnten. Das Design folgte strikt der Funktion: Mit 41 Millimetern Durchmesser war das Gehäuse für die Epoche ungewöhnlich gross, um die Ablesbarkeit zu garantieren. Eine Perlenlünette erleichterte die Handhabung
«Willy Breitling ahnte nicht, welch grosser Wurf ihm gelungen war», sagt Fred Mandelbaum, Sammler und Markenhistoriker bei Breitling «Er hielt sie für eine einmalige Auftragsarbeit.» Die vom Verband bestellten 2000 Stück trugen nicht einmal das Breitling-Logo sondern das Emblem der AOPA Doch die Nachfrage unter Piloten war immens, ständig kamen neue Bestellungen 1954 ging die Uhr in Serie und bleibt laut Mandelbaum seither der Bestseller der Marke. Was die Navitimer auszeichnet, ist ihre klare Formensprache: «Man erkennt sie aus zehn Metern Distanz.» Für Mandelbaum gehört der Rechenschieber zwingend dazu. Das sahen nicht alle Besitzer der Marke so, aber heute ist die Navitimer wieder nahe am Original von 1952

Omega: Speedmaster, 1957
Die Himmlische
Wer bei der ersten Mondlandung dabei war und später zur Rettung der Crew der Apollo 13 beitrug, wird fast zwangsläufig zur Ikone. Für viele Menschen ist diese Historie denn auch das zentrale Kaufmotiv: Sie verlangen im Laden nach der Uhr, die auf dem Mond war. Für Robert-Jan Broer, Sammler und Gründer der Online-Community
#SpeedyTuesday, steht die Weltraumgeschichte jedoch nicht im Vordergrund. Entscheidend sei das Design der Speedmaster: die 1957 neuartige Verlagerung der Tachymeter-Skala auf die Lünette sowie die hervorragende Ablesbarkeit. Ohne diese gestalterische und technische Qualität hätte die Uhr kaum Kultstatus erreicht Hinzu komme eine konsequente Modellpflege: Die heutige «Moonwatch» gleicht optisch weitgehend jener Referenz, die 1965 ihren Dienst bei der Nasa antrat.
Auch CEO von Omega Raynald Aeschlimann sieht die Mondlandung eher als Folge dieser Qualitäten denn als deren Ursache. Erst funktionales Design und technische Exzellenz hätten die Nasa dazu bewogen, die Speedmaster als einzige Uhr für bemannte Missionen zu zertifizieren.
Dass der Chronograph die Wirren der Zeit überstand, ist laut Aeschlimann auch dem Gründer der Swatch Group, Nicolas Hayek, zu verdanken. In der Quarzkrise war das SpeedmasterSortiment auf ein einziges Modell zusammengeschrumpft; der betriebswirtschaftliche Druck, die Kollektion einzustellen, war beträchtlich. Doch Hayek habe an dem Klassiker festgehalten. Heute pflegt Omega die Speedmaster gezielt weiter Unter rund 60 Varianten finden sich weiterhin Modelle in der ursprünglichen Grösse von 39,7 Millimetern und mit dem historischen Handaufzugswerk 321, das aufgrund seines hohen Anteils an Handarbeit nur in kleinen Stückzahlen gefertigt wird. Zwar fehlt diesen Modellen die moderne Master-Chronometer-Zertifizierung, doch für viele zählt die Nähe zum Original. Dass das Design bis heute funktioniert, zeigte sich zuletzt an der MoonSwatch, die einen weltweiten Hype auslöste

Audemars Piguet: Royal Oak, 1972
Der Eckstein
Als Georges Golay, der damalige Direktor von Audemars Piguet, 1972 die Royal Oak auf den Markt brachte, ahnte er nicht, welche Tragweite seine Entscheidung haben würde Er reagierte lediglich auf die Nachfrage des italienischen Marktes: Gesucht war eine elegante, zugleich alltagstaugliche Uhr mit Metallband, die allen Beanspruchungen standhalten konnte Golay selbst war von der Idee nur bedingt überzeugt. Berichten zufolge begrenzte er die Produktion auf 1000 Stück – «keine einzige mehr» Denn die Uhr fiel aus dem Rahmen: achteckige Lünette, sichtbare Schrauben, ein Zifferblatt in «Schokoladetafel-Optik» Ohne es zu wissen, ebnete sie damit den Weg für die «SportChic»-Uhr – eine der prägendsten Kategorien der modernen Uhrmacherei Der Stylist – damals sprach man noch nicht von Designern – Gérald Genta soll sie in einer Nacht entworfen haben. Es war ein Hinweis darauf, dass Intuition manchmal mehr zählt als langes Nachdenken Den Rest der Geschichte schrieb jedoch Audemars Piguet selbst, indem das Haus das Modell im Katalog hielt – auch in einer Phase, in der der Erfolg noch ausblieb Nach rund zwanzig Jahren begann das Modell an Popularität zu verlieren Der Designer Emmanuel Gueit erinnert sich an ein Gespräch mit dem damaligen CEO Stephen Urquhart: «Die Uhr altert mit unserer Kundschaft. Kannst du für uns eine Royal Oak für ein jüngeres Publikum entwerfen?» Dieser Austausch markierte einen Wendepunkt. 1989 entwarf Gueit erste Skizzen mit einer klaren Idee: «Die Uhr ist das einzige Schmuckstück des Mannes Kreieren wir etwas Grosses, das Frauen nicht tragen können.» 1993 wurde die Royal Oak Offshore in Basel vorgestellt. Sie war nach damaligen Massstäben viel zu gross doch Urquhart «hatte den Mut, es zu versuchen»
Die neue, «aufgedopte» Version war ein Schock. Es dauerte mehr als fünf Jahre, bis die Offshore richtig durchstartete. Ihre Wirkung war jedoch nachhaltig: Sie führte Audemars Piguet ins 21 Jahrhundert. Die Marke positionierte sich neu, gewann somit ein jüngeres Publikum – und die Royal Oak wurde zum Motor einer Entwicklung, die aus einem Familienunternehmen einen globalen Akteur machte Fazit von Emmanuel Gueit: «Man muss es wagen, zu überraschen, zu schockieren und zu enttäuschen. Zu viel Marketing tötet die Uhrmacherei …»

ILLUSTRATIONEN
Swatch: Gent, 1983
Die lächelnde Revolution
Die Swatch Gent ist für die Schweizer Uhr, was der Apfel für Wilhelm Tell ist: Symbol für Erneuerung, Unabhängigkeit und Fertigungskompetenz. Mit einem Vorteil für die Swatch: Auch wenn ihre Glanzzeiten vorbei sind, hat die Frucht nach 43 Jahren noch immer Saft – das hat die MoonSwatch kürzlich bewiesen. Die Gent wird zwar selten zu den Ikonen gezählt, doch sie ist eine perfekte Verkörperung davon.
Die Geschichte ist bekannt: Anfang der 1980er Jahre steckte die Schweizer Uhrenindustrie in der Krise Swatch gab ihr nicht nur wirtschaftlich sondern auch emotional neuen Schwung Carlo Giordanetti, langjähriger Kreativdirektor und Mitglied der Geschäftsleitung, bringt es auf den Punkt: «Die Gent bleibt eines der stärksten Symbole der Marke – ein reduziertes, zeitloses und zugleich sofort erkennbares Design. Ihre Codes prägen bis heute nahezu alle Swatch-Linien.»
Die Uhr vereint zwei entscheidende Elemente Erstens steht sie für die industrielle Revolution von Swatch: ein Werk aus nur 51 Komponenten, vollständig automatisiert gefertigt, mit neuen Materialien und konsequent «Swiss Made». Zweitens diente sie von Beginn an als offene Fläche für kreative Experimente – als Trägerin einer Ästhetik, die auf Farben, Ironie und spielerische Provokation setzt All das zu einem Preis, der ebenfalls stets revolutionär sein wollte Eine Mischung, die laut Giordanetti «die Art und Weise, wie man eine Uhr betrachtet, für immer verändert hat».
Über Jahrzehnte hinweg erschien im Schnitt alle 33 Stunden ein neues Modell. Heute ist das Tempo moderater, bleibt aber beachtlich. Zum 40-JahrJubiläum veröffentlichte Swatch eine vierbändige Enzyklopädie Sie umfasst 8419 Modelle – und damit nicht einmal alle Kreationen seit 1983
Alain Dominique Perrin machte aus einem verschlafenen Juwelier ein globales Luxushaus – und veränderte mit seiner Strategie die Spielregeln der Branche.
PIERRE-ANDRÉ SCHMITT
Er wählte das schlechtere Angebot – rein finanziell besehen: Für ein Salär von 4800 Francs hätte 1969 der 26-jährige Alain Dominique Perrin beim Autobauer British Leyland starten können, doch er entschied sich für Cartier Die Marke offerierte zwar nur 2900 Francs, aber: «Ich war damals Antiquitätenhändler, Geld verdiente ich bereits Ich suchte nicht einen Beruf um Geld zu verdienen. Ich suchte einen interessanten Job.» Den bekam er Und nutze das Potenzial. Alain Dominique Perrin avancierte zum Architekten des gigantischen Cartier-Erfolges Und später – als Richemont-CEO und Executive Director für strategische Funktionen – zum tonangebenden Mann in der Luxus-Gruppe. Es ist sein Verdienst, dass die zuvor verstaubte Marke Cartier zur Nummer eins im Schmuckbusiness und zur Nummer zwei im Uhrengeschäft wurde Oder, wie er es formulierte, zur «machine de guerre» Neudeutsch würde man sagen: zum schlagkräftigen Powerhouse
Von der Uhr zum Luxusgut
Heute ist Alain Dominique Perrin 83 Jahre alt – er hat die operativen Funktionen abgegeben und gibt auch keine Interviews mehr Doch der Autor dieser Zeilen hat ihn früher mehrmals getroffen. Die Zitate in diesem Artikel stammen aus zwei längeren Gesprächen. Das erste Treffen, 1993 war es, bleibt unvergessen: Als Alain Dominique Perrin mit seiner gewellten Löwenmähne in den Raum stürmte, füllte er ihn umgehend aus – charismatisch, souverän, entschlossen; ein Fels von einem Mann Sofort war eines klar: ADP, wie seine Entourage ihn nennt ist Chefmaterial in Blut und Fleisch, unübersehbar imposant. Aber er ist auch Geniesser und Feingeist, Kunstmäzen und Winzer, Jäger und Rugby-Spieler, was man seiner Statur ansieht. «Rugby hat mich geprägt», sagt er: «Der Wille zu erobern Die Fähigkeit, eine Niederlage wegzustecken Und die Grösse den Sieg zu teilen.»
Es ist nicht verwegen, in Alain Dominique den Erfinder der Luxus-
uhr zu sehen. Vor ihm hatte man teure Schweizer Zeitmesser vor allem als hochstehende Qualitätsprodukte positioniert. Das Wort Luxus passte nicht in die eher calvinistisch geprägt Branche –Perrin hingegen inszenierte das Prädikat. Etwa 1985 mit seiner Neulancierung der Pascha, eines Riesenklunkers, grösser als alle anderen Armbanduhren, die man bisher kannte Niemand glaubte, dass so etwas Erfolg haben könnte 2000 Stück werde er absetzen, wettete indes Perrin. Und am Ende des Jahres seien 7000 Stück über die Tresen gegangen. Rockröhre Tina Turner trug manchmal sogar mehrere am Handgelenk und befeuerte den Erfolg Gleichzeitig demokratisierte er mit der Linie «Les Must de Cartier» den Luxus Für Füllfedern, Lederwaren, Foulards, Brillen, Uhren – für schöne Dinge, die man einfach haben müsse, wie die Werbung meinte Das Konzept: Exklusiv, aber noch bezahlbar Genau das sei vielleicht sein bedeutendster Beitrag, sagt ein Mann, der ihn bestens kennt, heute eine einflussreiche Führungspersönlichkeit der Branche ist, seinen Namen jedoch nicht in der Zeitung lesen möchte Damals habe die Branche Perrins Ansatz heftig attackiert, ein halbes Jahrhundert später jedoch sei offensichtlich, wie visionär dieser Schritt gewesen sei – ganze Industriezweige hätten das Prinzip übernommen, das man inzwischen «accessible luxury» nennt. Sicher ist: Dank den «Must» explodierten die Umsätze der Pariser Luxusmarke.
Kontrolle statt Lizenzen
Auch Jean-Claude Biver, prominenter Doyen der Branche, zieht deshalb den Hut. Und erinnert daran, dass Cartier bei Amtsantritt von Alain Dominique Perrin praktisch nur ein Juwelier war. «Wir waren alle skeptisch, als er den Uhrenbereich aufzubauen begann.Aber er hat die Sparte zu einem phänomenalen Erfolg gemacht – und das war nicht so klar.» Seine bahnbrechende Idee so sagte Perrin später, sei allerdings nicht den Luxus erschwinglicher gemacht zu

«Ich bin kein Künstler, ich bin ein Businessman.»
Alain Dominique Perrin
haben. «Die bahnbrechende Idee war der Verzicht auf Lizenzen.» Erfolgreiche Luxusunternehmen, Pierre Cardin etwa, setzten voll auf Lizenzen – und hätten später die Kontrolle darüber verloren «Ich sagte: Wir machen alles selber. Wir müssen die Produkte selber entwickeln. Wir müssen sie selber produzieren oder mindestens unter unserer Kontrolle produzieren lassen Wir müssen uns die Zeit dafür nehmen und das Geld dafür finden. Und wir müssen auch die Distribution selber sicherstellen.» Das sei neu gewesen. Und letztlich die Quintessenz des Erfolges ADP ist ein Ideen-Vulkan: Er erfand den Salon de la Haute Horlogerie in Genf, den feinen Salon für Luxusuhren, die heutige Watches and Wonders. Die Basler Uhrenmesse, sagte er mit gerümpfter Nase, rieche zu sehr nach Bratwurst. Er lancierte Jahre später das Glamping, das luxuriöse Campieren. Motto: «Bringen Sie Ihr Necessaire mit –wir kümmern uns um den Rest.» Oder er kaufte sich mit Chateau Lagrézette ein Malbec-Weinschloss und machte es zum dekorierten Weingut.
Feuerzeug als Umsatzretter
Es war Robert Hocq, der 1969 Alain Dominique Perrin die Chance seines Lebens gab: Hocq, Unternehmer und Chef der Feuerzeug-Marke Silver Match,
verkaufte zuvor Feuerzeuge, viele Feuerzeuge Doch ihm schwante, dass damit bald kein Geld mehr zu verdienen wäre Also beschloss er, etwas anderes zu machen: Luxus-Feuerzeuge Die Lizenz dafür holte sich Hocq bei einem Unternehmen, das einst Könige, Maharadschas und den Adel beliefert hatte: Cartier Den passenden Manager fand er mit einem Inserat in «Le Monde»:Alain Dominique Perrin. Sechs Stunden lang dauerte das Anstellungsgespräch, eine Flasche Chivas wurde gekippt, dann war alles klar: Perrin startete Hocq, sekundiert von Investoren, kaufte Cartier kurz darauf Und förderte Alain Dominique Perrin, der kaum war die Chivas-Flasche leer, als Attaché commercial in der Abteilung Feuerzeuge begann, aber schon zwölf Monate später zum Geschäftsführer ernannt wurde. Und staunte: «Cartier war damals ein Haus im Dornröschenschlaf», erzählte er später «Es war ein wunderschönes Haus aber es war ein Haus das Geld verlor Ich war sehr erstaunt. Ich war 26 Jahre alt, und ich lernte Leute kennen, die lebten in diesem wundervollen Haus mit seiner wundervollen Vergangenheit und seinem unglaublichen Potenzial. Sie lebten in diesem Haus, das, ich wiederhole Geld verlor – aber sie hatten sich niemals die Frage gestellt, ob man vielleicht aufhören sollte mit dem Geldver-

lieren, ob man eine neue Strategie beschliessen sollte, ob man vielleicht sogar wieder Geld verdienen sollte.»
Perrin schon. Er konnte nicht anders: «Ich bin ein Businessman – das ist meine tiefe Natur», meint er über sich «Ich bin kein Künstler – leider nicht, denn ich wäre gerne Künstler gewesen. Robert Hocq hat einmal von mir gesagt, ich sei ein Moneymaker So ist es.»
Show gegen Fälschungen
Bis 1998 war ADP Präsident von Cartier Von 1999 bis 2003 amtete er als CEO von Richemont (Cartier gehörte ab 1997 zur Gruppe); zum 61. Geburtstag gab er auch dieses Amt auf, blieb aber mit der Gruppe verbunden. Und nach wie vor ist er Präsident der Fondation Cartier de l’art contemporain. Kein Wunder: Schon immer schlug sein Herz für die Kunst – auch wenn sein wichtigster Beitrag mit einem Zufall begann, seinem inszenierten Kampf gegen Fälschungen. In Aufsehen erregenden Happenings liess ADP damals Strassenwalzen über gefälschte Cartier-Uhren fahren. Dazu setzte er seine Anwälte auf die Fälscherwerkstätten an. Als ihm der französische Künstler César Baldaccini erzählte, dass auch Künstler kopiert würden, beschloss Perrin, etwas für die Künstler zu tun. «Ich habe César getroffen und ihm gesagt, was wir tun würden



Wir würden Rechtsanwälte engagieren und die Künstler verteidigen. Es werde alles gratis sein, Cartier werde alles bezahlen.»
Das sei die Mühe nicht wert, antwortete César Im Grunde genommen sei es Künstlern nämlich ziemlich egal, dass sie kopiert würden. Es gereiche ihnen sogar zur Ehre. Viel nötiger hätten es vorab junge zeitgenössische Künstler, Möglichkeiten für Ausstellungen zu haben. Und so wurde 1984 die Fondation geboren – eine Plattform für zeitgenössische Kunst in all ihren Ausdrucksformen. «Hommage à Ferrari» hiess eine der ersten spektakulären Ausstellungen, ein Publikumsmagnet war auch das «Andy Warhol – Velvet Underground»Projekt oder «J’en rêve», eine Ausstellung mit über 60 jungen Künstlern, ausgewählt von etablierten Stars wie Nan Goldin oder Takashi Murakami Heute ist die Fondation eine der besten Kultur-Adressen in Paris, neu mitten im Zentrum Hinter einer traditionellen hausmannschen Fassade, die Stararchitekt Jean Nouvel unberührt liess, steht die im vergangenen Herbst eingeweihte Kunst-Maschine eine Verbindung der Pariser Architektur des 19 Jahrhunderts mit einer radikal offenen, zeitgenössischen Ausstellungsstruktur Dazu gehören spektakuläre Räume, deren Böden als bewegliche Plattformen eine nahezu unbegrenzte Vielfalt an Szenografien ermöglichen. Nach der Ära ADP – dies als Nachtrag – testete Cartier im Uhrenbusiness den Weg in eine neue Richtung und wagte einen Ausflug in die Haute Horlogerie mit extremen mechanischen Komplikationen und entsprechenden Namen wie etwa Rotonde de Cartier Astrotourbillon. Wie Perrin dem deutschen Uhren-Publizisten Gisbert Brunner bei einem Treffen erzählte hat es ihn mit Genugtuung erfüllt, dass die Eskapade – «Ein Fehler!» – 2017 abgebrochen wurde Man setzte den Fokus wieder auf die grossen Modellklassiker wie Santos oder Tank. Mit Erfolg So hatte es einst Alain Dominique Perrin gemacht Und so ist es wieder das eigentliche Cartier-Erfolgsrezept. Eine «machine de guerre».

Mit der Oris Star Edition erweist die Marke aus Hölstein ihrem Ehrenpräsidenten Rolf Portmann die Ehre Portmann war als junger Jurist 1956 von Oris angestellt worden, um das damals seit rund 30 Jahren geltende «Uhrenstatut» zu beseitigen. Dieses nach dem Börsencrash von 1929 eingeführte Gesetz sollte die Schweizer Uhrenindustrie schützen, verunmöglichte es aber Marken der unteren Preiskategorie von den technischen Fortschritten teurerer Marken zu profitieren. Oris litt darunter, nur minderwertige Stiftankerwerke bauen zu dürfen. Portmann schaffte es 1965, das Statut – eigentlich ein Kartell – zu kippen 1966 lancierte die Marke das Modell Star mit dem ersten eigenen modernen Ankerwerk. Die elegante 35 Millimeter grosse Uhr aus Stahl ist eine massstabgetreue Nachbildung und lässt die Aufbruchstimmung der 1960er Jahre aufleben.
1800 Franken
2. Patek Philippe
Die Genfer Edelmanufaktur beschloss 2021, ihre Ikone Nautilus in Stahl Ref. 5711 aus dem Sortiment zu verbannen, um nicht zum Synonym für das Modell zu werden Zum 50. Geburtstag des Wurfs von Gérald Genta gibt es aber immerhin eine originalgetreue Version der Uhr in Weissgold, die Ref. 5810/1G-001 Das 41 Millimeter grosse Gehäuse wird am bekannten Gliederarmband getragen. Auf dem Zifferblatt kreisen, wie vor 50 Jahren, lediglich zwei Zeiger, was den puristischen Charakter dieser 6,9 Millimeter flachen Uhr unterstreicht Im Inneren tickt ein extraflaches Automatikkaliber mit Mikrorotor, dasselbe, das auch die begehrte Variante in Stahl antrieb. Neben diesem Modell präsentierte Patek eine weitere Version an einem blauen Textilband, eine Platinvariante mit 38 Millimetern Durchmesser sowie eine Tischuhr mit den charakteristischen Designcodes
75000 Franken
Die Monaco war 1969 eine Sensation. Ausgerüstet mit dem ersten automatischen Chronographenwerk mit Mikrorotor, fiel sie vor allem durch ihr quadratisches Gehäuse und die Krone auf der linken Seite auf Mit dem Monaco Evergraph aus Titan sorgt Tag Heuer erneut für eine Sensation: das quadratische Uhrwerk wartet mit gleich zwei Innovationen auf Anstelle einer metallischen Unruhspirale kommt die lange angekündigte Spirale aus Kohlenfaser zum Einsatz, die selbstverständlich gegen Magnetfelder resistent ist. Zusammen mit einer Unruh aus Aluminium mit Goldgewichten sorgt sie für eine Schwingfrequenz von 5 Hertz, die es ermöglicht, Zehntelsekunden zu stoppen. Die zweite Innovation betrifft den Auslösemechanismus des Chronographen. Hier kommen anstelle von Federn, Wippen und Säulenrad elastische Elemente zum Einsatz, die deren Aufgaben ohne Schmierung und ohne Spiel übernehmen.
23000 Franken
5. Jaeger-LeCoultre
Neben der Reverso gehört die Linie Master Control zu den für Jaeger-LeCoultre typischen Produktfamilien. Die schlichte runde Uhr steht für elegantes Understatement und Präzision. Neu in dieser Linie ist ein perfekt integriertes Gliederarmband mit interessanten Designelementen wie etwa den unterschiedlich bearbeiteten Facetten. Gebürstete Flächen wechseln sich mit polierten Kanten ab und sorgen für ein interessantes Lichtspiel. Die Stahlvariante des Modells Master Control Chronometre Date Power Reserve besitzt ein blaugraues Zifferblatt mit zwei Zählern für die Gangreserve bei 9 Uhr und das Datum bei 3 Uhr, die für eine ausgewogene Optik sorgen Angetrieben wird die Uhr durch ein als Chronometer zertifiziertes Automatikwerk mit 70 Stunden Gangautonomie, das durch den Glasboden sichtbar ist.
14600 Franken
























4. Universal Genève Gentas erster Wurf
Die Marke Universal Genève ist nach einem langen Dornröschenschlaf zurück und überrascht mit gleich fünf Kollektionen und zusätzlichen Kapselkollektionen bestimmter Modelle Eines der bekanntesten Modelle ist die Polerouter, die Universal Genève 1954 für die Fluggesellschaft SAS entwickelte Der Entwurf für die gegen Magnetfelder geschützte Uhr stammte vom damals erst 23-jährigen Gérald Genta. Zu den herausragenden Merkmalen gehörten die in vier Sektoren eingeteilte Zifferblattgestaltung mit separatem Aussenring die sich heute für vielfältige Variationen anbietet, sowie die verdrehten Bandanstösse, die durch diesen Trick schlanker wirken und dem Zeitmesser zusätzliche Eleganz verleihen. Die neue Polerouter ist mit oder ohne Datum erhältlich und wird darüber hinaus in zahlreichen Varianten angeboten. Abgebildet: Polerouter Black aus der Kollektion Prêt-à-Porter 14 000 Franken
6. H. Moser & Cie.
Die von Edouard Meylan geführte Marke H. Moser & Cie ist stets für einen Spass zu haben. So haben die Techniker der am Rheinfall beheimateten Marke sich für das etablierte Modell Streamliner eine originelle Lösung für den Aufzug einfallen lassen. Inspiriert wurden sie von Turnschuhen der Marke Reebok, die in den 1990er Jahren einige ihrer Modelle mit einer ballförmigen Pumpe auf der Zunge ausstatteten, mit der die Polsterung für besseren Sitz mit Luft gefüllt werden konnte Die in schwarz oder weiss lieferbare Streamliner Pump aus geschmiedeten Quarzfasern zeichnet sich durch eine orange eloxierte Halbkugel am Gehäuse bei 8 Uhr aus, die der Reebok-Pumpe nachempfunden ist und genau gleich funktioniert mit dem Unterschied, dass damit nicht Luft sondern Energie ins Federhaus gepumpt wird Ein Druck auf den Knopf bewirkt mehr als eine Stunde Gangzeit. Der Tank fasst 74 Stunden, und der Füllstand wird auf dem Zifferblatt angezeigt.
31360 Franken



























































































7. Omega


























8. Sinn Spezialuhren






















































































Im Frühling 2026 zeigte sich die Uhrenszene nostalgisch, technisch und materialbewusst. Eine Auswahl der Neuheiten.
Von Timm Delfs und Andrea Martel 8 3 6 12
Bereits 1952 etablierte Omega die Constellation als Inbegriff der Präzision. Mit der neuen Constellation Observatory greift die Marke diese Historie in einem modernen 39,4 Millimeter grossen Gehäuse auf Das zwölfeckige Zifferblatt, das sogenannte Pie-Pan-Dial, und die markanten Bandanstösse, die sogenannten Dog-Leg-Lugs, zitieren das Design der 1950er Jahre.Technisch markiert die Kollektion eine Zäsur in der Uhrenprüfung: Sie ist die erste Zweizeigeruhr mit Master-Chronometer-Zertifikat. Bisher war dafür ein Sekundenzeiger nötig, um Abweichungen optisch zu messen. Omega ersetzt dies durch eine akustische Analyse im speziell geschaffenen Laboratoire de Précision. Sensoren erfassen während der 25-tägigen Prüfung kontinuierlich das Ticken des Werks Als Master Chronometer hat die Uhr eine Ganggenauigkeit von 0 bis +5 Sekunden pro Tag und widersteht Magnetfeldern von 15000 Gauss – was etwa der Kraft eines Magnetresonanztomografen entspricht.
9200 Franken
9. Parmigiani
Chronographen sind Armbanduhren mit eingebauter Stoppuhrfunktion. Entsprechend dieser Aufgabe sind die Zifferblätter der meisten davon gespickt mit zusätzlichen Anzeigen und den entsprechenden Zeigern. Wer die Stoppfunktion liebt und sich dennoch ein aufgeräumtes Zifferblatt mit drei Zeigern wünscht, dem sei das Modell Tonda PF Chronographe Mystérieux empfohlen. Die schlichte Dreizeigeruhr wird durch einen Knopfdruck zur Stoppuhr mit fünf Zeigern. Zwei zuvor verborgene goldfarbene Zeiger übernehmen die Anzeige der Normalzeit während die übrigen drei Zeiger auf die 12-Uhr-Position springen und bei einem erneuten Knopfdruck die Kurzzeitmessung starten. Ein dritter Knopfdruck stoppt den Vorgang, und ein weiterer lässt die Zusatzzeiger magisch verschwinden, sodass auf dem Zifferblatt erneut nur drei Zeiger sichtbar sind, die ihre ursprüngliche Funktion fortsetzen, als sei nichts geschehen. 36900 Franken
Die 1737 gegründete Marke schlummerte lange und meldete sich vor zwei Jahren überraschend zurück Ihr CEO Patrik Hoffmann bringt die nötige Erfahrung als ehemaliger Chef von Ulysse Nardin mit. Da die Marke in Indien noch immer viel bekannter ist als hierzulande, konzentrieren sich die Anstrengungen vor allem auf jenen Markt. Doch auch für europäische Kunden hat die in Grenchen beheimatete Favre Leuba viel zu bieten. Zu den Favoriten gehört das Modell Harpoon, das dem Original von 1966 getreu nachgebildet ist, allerdings mit moderner Mechanik und einem Glas aus Saphir Besonders schön ist das anthrazitfarbene, gewölbte Zifferblatt mit seinen horizontalen Indexen, dem Sonnenschliff und dem konischen Zifferblattreif, der dem Gesicht Tiefe verleiht. Angetrieben wird die 36,8 Millimeter grosse Uhr aus Stahl von einem Automatikwerk 1800 Franken
Die Frankfurter Marke hat es sich zur Aufgabe gemacht, für jeglichen anspruchsvollen Outdoor-Beruf die passende Spezialuhr zu konzipieren. So gibt es von Sinn nicht nur Profi-Fliegeruhren, sondern auch mit speziellen Features ausgestattete Einsatzzeitmesser für Sanitäter, Luftretter, Feuerwehrleute, Polizeikräfte und natürlich das Militär An eine spezielle Klientel richtet sich die Jagduhr 308. Auch sie ist mit einer speziell für diese Berufsgattung ausgelegten Funktion ausgestattet. Da für die nächtliche Jagd in Deutschland kein Kunstlicht verwendet werden darf, sind die Jäger auf das Licht des Mond angewiesen. Die Mondlichtanzeige bei 6 Uhr informiert über den Zeitraum um Vollmond, während dem gutes «Büchsenlicht» vorhanden sein sollte Sämtliche Anzeigen sind üppig und dreidimensional mit Leuchtmittel belegt, sodass eine lange Leuchtzeit garantiert ist.
2920 Franken
10. Norqain
Wer wie Norqain mit Sportlern wirbt, muss dafür sorgen, dass diese die Uhren auch beim Ausüben ihres Sports tragen können. Was liegt da näher, als die Uhr so leicht zu konstruieren, dass man sie möglichst nicht spürt. Mit dem Modell Wild One Skeleton X-Lite ist eine Art Konzeptuhr entstanden, die an die Grenzen des Machbaren geht und für künftige Entwicklungen wegweisend sein soll. Fast so komplex wie das Uhrwerk ist dabei die Gehäusekonstruktion, die aus über 30 Komponenten besteht, von denen jede eine andere Aufgabe übernimmt. So ruht das Werk beispielsweise in einem zylindrischen Container aus Titan, die Verbindung zum Armband wird mit Elementen aus Kohlenfaser (Norteq) sichergestellt, während Kautschukelemente dazwischen als Stossdämpfer agieren. Das Ganze wird an einem raffinierten, zweiteiligen Kautschukband getragen und wiegt lediglich 45 Gramm. Limitiert auf 200 Stück. 9900 Franken
Ist die Rede von Fliegeruhren, denkt man unweigerlich an IWC und deren lange Tradition dieser für Piloten entwickelten Instrumentenuhren. Was lag also näher für die Schaffhauser Manufaktur, als sich um eine Uhr für Menschen zu kümmern, die noch höher hinaus wollen: Astronauten Gemeinsam mit der Raumfahrtagentur VAST die an einer Raumstation arbeitet, welche die in die Jahre gekommene ISS bald ablösen soll, machten sich die Schaffhauser an die Entwicklung einer Uhr für den Orbit. Bisher trugen Astronauten und Kosmonauten reguläre oder modifizierte Uhren, die ursprünglich für die Verwendung auf der Erde entwickelt waren. Die neue Pilot’sVentureVertical Drive ist die erste Uhr, die von Grund auf für die Verwendung im All entwickelt und auch zertifiziert wurde. Die Funktionen der Automatikuhr werden nicht über eine Krone, sondern über die Lünette und einen Funktionswahlschalter links am weissen Keramikgehäuse gesteuert
24 000 Franken
Kari Voutilainen baut Uhren nach eigenen Regeln: ohne Werbung, ohne Investoren, fern von Trends Hoch über dem Val-de-Travers betreibt der finnische Uhrmacher eine Manufaktur, deren Zeitmesser zu den gefragtesten der Branche zählen

TIMM DELFS, ANDREA MARTEL FLEURIER Wer von Neuenburg ins Val-de-Travers fährt, muss zunächst eine enge Schlucht überwinden. Hinter Noiraigue öffnet sich das Tal, die Felsen treten zurück, die Dörfer liegen weiter auseinander Und über Fleurier bleibt der Blick plötzlich an einem weissen Gebäude hängen, das auf einem Felssporn über der Ebene thront.
Was aus der Ferne wie ein abgelegenes Bergrestaurant wirkt – und bis 2021 tatsächlich eines war – ist heute eine Uhrmacherwerkstatt. Die Uhren, die dort entstehen, gehören zu den begehrtesten der Welt.Auf ihren Zifferblättern steht ein Name, der für ein Schweizer Atelier eher ungewöhnlich klingt: Voutilainen.
Kari Voutilainen gehört zu jener kleinen Gruppe unabhängiger Uhrmacher, deren Arbeit unter Sammlern Kultstatus erreicht hat. Seine Werkstatt produziert rund 70 Uhren im Jahr Wer heute eine bestellt, wartet mehr als ein Jahrzehnt. Die Preise beginnen bei gut 100000 Franken und reichen deutlich darüber hinaus Die Lage des Ateliers passt zur Arbeitsweise seines Besitzers Hier oben gibt es wenig Ablenkung Und viel freien Blick.
Der lange Weg aus Finnland
Kari Voutilainen stammt aus Finnland, aus einer Landschaft mit langen Wintern, viel Natur und wenig Industrie. Als Jugendlicher spielt er Eishockey und macht Langlauf Doch schon früh interessiert ihn auch alles Mechanische, wie er bei einem Besuch in seinem Atelier erzählt. Mit zwölf hätten ihn seine Eltern gefragt, welchen Beruf er einmal ergreifen wolle «Ich sagte ihnen: Ich will mit den Händen arbeiten, und ich will unabhängig sein.» Beides sollte später zu Leitmotiven seines Lebens werden Voutilainen besucht die Uhrmacherschule im finnischen Espoo. Dabei wird ihm sofort klar, dass das für ihn das Richtige ist: «Zum ersten Mal fühlte ich mich wohl in einer Schule.» 1986 kommt er erstmals in die Schweiz, um am renommierten Ausbildungszentrum Wostep in Neuenburg seine Ausbildung zu vertiefen. Bei seinem nächsten Kurs am Wostep erlernt er die Konstruktion komplizierter Uhrwerke. Nach dem Abschluss arbeitet er im Restaurierungsatelier von Michel Parmigiani in Fleurier, wo er sich jahrelang mit historischen Zeitmessern beschäftigt Diese Arbeit prägt ihn stark Wer alte Uhren repariert, lernt nicht nur, ihre Mechanik zu verstehen, sondern auch die Denkweise der grossen Meister vergangener Jahrhunderte.Voutilainen studiert ihre Konstruktionen, ihre ästhetischen Entscheidungen, ihre handwerklichen Techniken. Als er später beginnt, eigene Uhren zu bauen, greift er auf dieses Wissen zurück und entwickelt daraus seine eigene Handschrift. Bis zur Selbständigkeit dauert es allerdings noch eine Weile. Nach neun Jahren bei Parmigiani kehrt Voutilainen zunächst zum Wostep nach Neuenburg zurück, diesmal als Lehrer In dieser Zeit lernt er die Académie Horlogère des Créateurs Indépendants (AHCI) kennen, einen Zusammenschluss unabhängiger Uhrmacher Gleichzeitig arbeitet er bereits als Konstrukteur für etablierte Marken; einige seiner Entwürfe werden an der Basler Uhrenmesse unter deren Namen präsentiert. Einer der bekanntesten Vertreter der AHCI, Philippe Dufour, ermutigt ihn schliesslich, den Schritt zu wagen und unter eigenem Namen zu arbeiten. 2002 ist es dann so weit: In Môtiers im Val-de-Travers mietet Voutilainen
eine Wohnung und richtet in einem Zimmer seine erste eigene Werkstatt ein, um Uhren unter seinem Namen zu bauen Auslöser ist ein Schicksalsschlag: Sein Bruder stirbt. «Da wurde mir klar: Ich will jetzt machen, was ich wirklich will.»
Eine eigene Handschrift
Voutilainen entwickelt rasch seine eigene unverwechselbare Formensprache Das Gehäuse, die charakteristischen «Pommes»-Zeiger mit ihrem grossen Ring und das dreiteilige, aufwendig gestaltete Zifferblatt ergeben eine Gestaltung, die bewusst klassisch wirkt.All das ist für Kenner «typisch Voutilainen»
Gerade den Zifferblättern widmet Voutilainen besondere Aufmerksamkeit. Häufig werden sie guillochiert –eine traditionelle Gravurtechnik, bei der feine Muster mit einer historischen Drehbank von Hand in das Metall geschnitten werden. Durch verschiedene Rosetten entstehen Kreise, Wellen und andere geometrische Strukturen, die jedes Zifferblatt leicht unterschiedlich wirken lassen Wenn ein VoutilainenZifferblatt nicht guillochiert ist, wird es meist mit anderen klassischen Techniken veredelt, etwa mit Email oder japanischem Lack
Auch technisch folgt er einer Philosophie, die sich von vielen Trends der Branche unterscheidet. Während manche Hersteller ihre Uhrwerke immer flacher machen wollen, misst er dieser Entwicklung wenig Bedeutung bei. «Ich will meine Uhr am Handgelenk spüren», sagt er Wichtiger sind für ihn praktische Überlegungen. Sehr flache Werke benötigen kurze Schrauben mit wenigen Gewindegängen. «Wenn so ein Gewinde ausreisst ist das Bauteil kaputt.»
Seine Uhren sollen langlebig und auch nach Jahrzehnten noch reparierbar sein.

«Die Swiss-made-Regeln sind zu lasch und werden kaum kontrolliert.»
Kari Voutilainen, Uhrmacher und Unternehmer
Entsprechend sind Voutilainens Werke eher robust gebaut – und zugleich technisch eigenständig Unter einer gross dimensionierten Unruh arbeitet eine besondere Hemmung, die Voutilainen selbst entwickelt hat. Sie basiert auf dem historischen «Echappement naturel» von Abraham-Louis Breguet und verwendet zwei abwechselnd arbeitende Hemmungsräder «Sie ist sehr zuverlässig», sagt Voutilainen. «Und weil wir sie vollständig selbst herstellen, bleiben wir unabhängig von grossen Zulieferern wie der Swatch Group.» Das Prädikat, das Voutilainen seinen Uhren verleiht, lautet «handmade» Es steht auf dem Zifferblatt, dort, wo in der Branche gewöhnlich «Swiss made» zu lesen ist. Dabei erfüllen seine Uhren die Schweizer Herkunftsregeln ohne Weiteres Doch Voutilainen begegnet dem Label mit Skepsis. «Die Swissmade-Regeln sind viel zu lasch», sagt er «Und sie werden auch nicht richtig kontrolliert.»
Gegen den Strom der Industrie Die unabhängigen Uhrmacher bilden eine kleine, aber einflussreiche Strömung innerhalb der Schweizer Uhrenbranche Namen wie Philippe Dufour, François-Paul Journe oder Max Büsser haben gezeigt, dass kleine Werkstätten globalen Kultstatus erreichen können Voutilainen gehört zu dieser Garde. Und setzt konsequent auf seinen eigenen Weg. So betont er etwa, dass er sich sehr darum bemühe, sich in seiner Kreativität nicht vom Zeitgeist beeinflussen zu lassen: «Ich schaue bewusst nicht auf die Sozialen Medien und auch nicht auf die Arbeit meiner Kollegen. Ich will den Kopf frei haben.» Auch beim Vertrieb entscheidet er sich früh für einen eigenen Weg. Als er

2006 eine Uhr auf der Basis des Handaufzugswerks Peseux 7001 an der Baselworld zeigt, explodiert die Nachfrage «Ich hätte die Produktion gleich verdreifachen können.»
Doch statt Händlernetze aufzubauen, entscheidet er sich für den direkten Kontakt mit Sammlern. «Ich habe alle Bestellungen von Händlern zurückgewiesen und mich auf Privatkunden konzentriert.»
Viele dieser Kunden wollen den Uhrmacher persönlich kennenlernen Voutilainen nimmt sich Zeit für sie, empfängt Besucher, erklärt Konstruktionen, diskutiert über Details Man spürt dabei allerdings, dass er eigentlich lieber an neuen Uhren arbeiten würde.
Eine Manufaktur im Kleinen
Über die Jahre ist aus der Ein-MannWerkstatt ein Unternehmen mit 47 Mitarbeitenden geworden, davon sind 35 direkt in die Herstellung der Uhren involviert. Dennoch bleibt die Produktion extrem klein. Rund 70 Uhren verlassen jedes Jahr die Ateliers Rein rechnerisch baut jeder Uhrmacher kaum mehr als zwei Stück pro Jahr
Das erklärt auch ihren Preis «Bei uns zahlt der Kunde kein Marketing», sagt Voutilainen, «sondern die Arbeit der Uhrmacher.»
Gleichzeitig hat Voutilainen seine Unabhängigkeit konsequent ausgebaut
Er hat eine Zifferblattmanufaktur übernommen, die heute unter dem Namen Comblémine arbeitet, sowie einen Gehäusehersteller In Fleurier entsteht zudem ein Zentrum für traditionelle Dekorationstechniken mit inzwischen rund 45 Guillochiermaschinen – vermutlich mehr als in jeder anderen Uhrenmanufaktur der Welt
Die Übernahmen folgen dabei zwei Motiven. Zum einen will Voutilainen


möglichst viele Schritte der Herstellung selbst kontrollieren. Zum anderen geht es darum, handwerkliches Wissen zu bewahren. Mehrere seiner langjährigen Zulieferer gerieten in Schwierigkeiten oder wollten aus Altersgründen verkaufen. Mit den Betrieben drohte auch das über Jahrzehnte aufgebaute Knowhow zu verschwinden – Wissen, das für Voutilainens eigene Uhren ebenso wichtig ist wie für die Branche insgesamt
Die Kunst der Begrenzung
In den Jahren nach der Pandemie stieg die Nachfrage nach mechanischen Uhren stark an, auch nach Voutilainens Uhren. Die Warteliste wuchs weiter –am Ende lag sie nicht mehr bei drei, sondern elf Jahren «Ich habe zu viele Bestellungen angenommen», sagt Voutilainen rückblickend. Lange Wartelisten waren nie Teil seines Plans; sie ergaben sich eher beiläufig aus der plötzlich stark gestiegenen Nachfrage. Damit stand Voutilainen vor einer klassischen Unternehmerfrage: Sollte er wachsen, mehr Mitarbeitende einstellen und die Produktion ausweiten? Voutilainen entschied sich dagegen. Er wolle ein Unternehmen «à l’échelle humaine», sagt er – ein Unternehmen in menschlicher Grössenordnung, in dem sich alle kennen.
Anfang 2026 zog der Uhrmacher deshalb die Reissleine und nahm keine neuen Bestellungen mehr an.
Die kommenden Jahre wird seine Werkstatt nun damit verbringen, die bestehenden Bestellungen abzuarbeiten.
Danach will Voutilainen wieder freier arbeiten, neue Ideen entwickeln und vor allem kompliziertere Uhren bauen. «Ich werde künftig eher weniger Uhren machen mit den bestehenden Leuten» sagt er «Es gibt genügend Firmen die viele Uhren machen.»
Als er die Marke gründete, war Voutilainen noch unsicher, ob sein Name auf einer Uhr funktionieren würde «Am Anfang dachte ich, mein Name sei zu schwierig zum Aussprechen», sagt er Doch dann wurde ihm klar, dass das kein Hindernis sein musste. «Auch Breguet ist für Engländer schwierig auszusprechen »
Mehr als ein Name
Der Name blieb – und wurde zum Markenzeichen. «Ich will zeigen, dass ich der Verantwortliche für die Marke bin.»
Heute trägt Voutilainen diese Verantwortung nicht mehr allein Seit Ende 2025
führt die ausgebildete Uhrmacherin und Ingenieurin Angélique Singele als CEO das operative Geschäft der Manufaktur Sie koordiniert Produktion, Organisation und die verschiedenen Firmen der Gruppe – von der Zifferblattmanufaktur Comblémine bis zu den Guillochage-Ateliers Voutilainens Tochter Venla, ebenfalls ausgebildete Uhrmacherin, arbeitet nun ebenfalls in seinen Werkstätten Voutilainen selbst will sich künftig wieder stärker auf das konzentrieren, was ihn einst in die Uhrmacherei geführt hat: Entwerfen, konstruieren, bauen.Auf dem Felssporn hoch über dem Val-de-Travers.

Lucia Silvestri entscheidet, welche Edelsteine es in die exklusivsten Schmuckstücke von Bulgari schaffen, und entwirft diese gleich selbst

Frau Silvestri, wie finden Sie die aussergewöhnlichen Steine, die Sie für Ihre Arbeit brauchen?
Ich reise viel – nach Indien oder Sri Lanka, oder an Messen in New York oder Genf Gleichzeitig habe ich enge Beziehungen zu grossen Händlern und Sammlern Oft rufen sie mich direkt an Sie wissen, welche Qualität ich suche
Gegen wen konkurrieren Sie, wenn es ernst wird?
Händler sprechen nicht offen darüber
Aber natürlich gibt es andere Häuser und private Sammler Ich erwarte, dass ich aussergewöhnliche Steine als Erste sehe Habe ich das Gefühl, dass ich nur
Lucia Silvestri ist Kreativdirektorin für Schmuck und Chef-Einkäuferin für Edelsteine von Bulgari. Ihre Karriere im Unternehmen begann zufällig: Die studierte Biologin die eigentlich Ernährungsberaterin werden wollte, vertrat als junge Frau Anfang der 1980er Jahre die Sekretärin der Bulgari-Brüder während eines Mutterschaftsurlaubs Dabei entdeckte sie ihre Faszination für Edelsteine – und die Bulgaris ihr Talent Später wurde sie zur Einkäuferin aussergewöhnlicher Farbsteine und 2013 zur prägenden Kreativinstanz der Haute Joaillerie der Unternehmens
als Druckmittel benutzt werde, arbeite ich nicht mehr mit diesem Händler Wie entscheidet sich der Preis? Das ist immer Verhandlungssache Manchmal dauern die Verhandlungen zwei Stunden, manchmal ein Jahr Ich kenne den Wert der Steine genau – das ist entscheidend. Ich weiss, dass sie gerne haben, wenn Bulgari ihre Steine kauft.
Weshalb?
Weil sie wissen, dass wir damit Schmuckstücke kreieren, die für Aufmerksamkeit sorgen.
Haben Sie schon einmal einen spektakulären Stein nicht gekauft, weil er zu teuer war?
Ja Ich kaufe nicht um jeden Preis. Und meine Verhandlungen beginnen fast immer damit, dass ich sage: Der Preis ist zu hoch
Sind Spitzenfarbsteine heute teurer als zu Beginn Ihrer Karriere?
Auf jeden Fall Ein gutes Beispiel ist der Mandarin-Granat. Vor 20 Jahren wollte ihn niemand für Haute Joaillerie
Wir bei Bulgari gehörten zu den Ersten, die ihn einsetzten. Damals kostete er 50 Dollar pro Karat Heute kostet die Topqualität 3000 Dollar pro Karat. Spitzenqualität ist sehr rar geworden, weil die Nachfrage so hoch ist.
Welche Steine sind derzeit gefragt?
Rubine Saphire, Smaragde sowie Diamanten in Topqualität. Aber auch
Mandarin-Granat, Paraíba-Tumaline oder Spinell. Spinell ist faszinierend, weil der Stein ganz verschiedene Farben haben kann Mittelmässige Qualität gibt es genug, aber echte Spitzenqualität ist selten
Sehen Sie Anzeichen für Spekulation?
Die Nachfrage ist hoch, deshalb versuchen Händler, die Preise zu erhöhen. Aber wenn man den Wert kennt, kann man dagegenhalten.
Die Haute Joaillerie – also meist einzigartige Stücke mit aussergewöhnlichen Edelsteinen – wächst stärker als der restliche Schmuckmarkt. Warum?
Die Menschen wollen schöne Dinge, die von Dauer sind Unser Schmuck ist nicht nur für eine Saison gedacht, sondern für Generationen
Wird heute anders gekauft als früher?
Ja Unsere Kundschaft ist sowohl internationaler als auch jünger geworden.
Wird Haute Joaillerie zunehmend auch als Investition angesehen?
Ja es ist sicher auch eine Form von Investment – gerade auch angesichts der stark gestiegenen Preise von Gold oder von gewissen Steinen. Sie brauchen qualitativ hochwertige Steine, ein gutes Design und eine vertrauenswürdige Marke.
Ist es ein gutes Investment?
Durchaus aus den erwähnten Gründen. Es handelt sich jedoch um ein
«Ich rede mit meinen Steinen – so wie andere mit ihren Zimmerpflanzen reden.»
langfristiges Investment. Sie können den Schmuck nicht einfach am darauffolgenden Tag wieder verkaufen und damit Geld verdienen.
Wie haben die Nachhaltigkeitsanforderungen Ihre Arbeit verändert? Wir können die Lieferkette heute sehr gut nachvollziehen. Dafür arbeiten wir mit Prüflaboren zusammen wie jenem der Schweizerischen Stiftung für Edelsteinforschung (SSEF) oder Gübelin.
Labordiamanten haben den Markt verändert. Spüren Sie das?
Ich kann mit Labordiamanten nichts anfangen. Meine Arbeit betreffen sie allerdings nicht. Unsere Kunden kaufen künstliche Diamanten höchstens mal zum Spass für sich selbst. Aber ein Labordiamanten verschenken? Das ist schrecklich.
Haben die Kunststeine die Preise von natürlichen Diamanten beeinflusst? Viele Käufer warten ab Die Preise natürlicher Diamanten steigen deshalb nicht mehr so stark wie früher Das ist aus meiner Sicht allerdings auch gesünder denn vorher waren die Preissteigerungen teilweise extrem. Aber gute Qualität bleibt teuer
Wenn ein Labordiamant kaum zu unterscheiden ist – wofür zahlt der Kunde beim Naturstein?
Für die Geschichte Für die Herkunft. Für das was ich die Seele eines Steins nenne.
Entstehen zwei Märkte?
Ja Einer für Naturdiamanten Er ist für Kunden, die an die Tradition glauben. Und einer für Labordiamanten.
Diamanten sind allerdings generell weniger selten als Farbedelsteine
Das stimmt. Mittlere und tiefe Qualität gibt es haufenweise, aber Topqualität ist selten
Sie sind nicht nur Einkäuferin, sondern auch Chefdesignerin für Schmuck. Was kommt bei Ihnen zuerst – der Stein oder die Idee?
Der Stein. Ich schaue ihn an, spiele mit ihm, stelle mir vor was er werden könnte Ich rede auch mit meinen Steinen – so wie andere mit ihren Zimmerpflanzen reden.
Haben Sie bei Ihren Kreationen die völlige Freiheit?
Ich kenne die Preise genau, weil ich die Steine selbst auswähle und einkaufe. Das gibt mir grosse kreative Freiheit –allerdings innerhalb klar definierter Rahmenbedingungen Es gibt stets ein Budget, selbst in der Haute Joaillerie.
Wie stellen Sie sicher, dass ein Stück unverkennbar Bulgari ist?
Ich habe mein Handwerk bei der Familie Bulgari gelernt. Entscheidend ist, die DNA der Marke weiterzuführen, ohne sie zu kopieren. Man darf sich
von den Archiven inspirieren lassen, aber man darf weder die Vergangenheit noch sich selbst wiederholen Ein Auge muss in die Vergangenheit, das andere in die Zukunft schauen.
Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen?
Durch Zufall. Ursprünglich habe ich Biologie studiert, weil ich Ernährungsberaterin werden wollte Dann habe ich für drei Monate die Sekretärin von Herrn Bulgari vertreten, während sie in Mutterschaftsurlaub war Auf seinem Schreibtisch lagen Edelsteine Es war Liebe auf den ersten Blick.
Und dann?
Ich konnte nicht aufhören, die Steine anzuschauen. Die Familie hat das bemerkt und mich ermutigt, mit Farben zu arbeiten. So habe ich angefangen – noch als Sekretärin. Schritt für Schritt wurde ich dann in den kreativen Prozess eingebunden, habe Steine ausgewählt und schliesslich den Einkauf übernommen.
Sie arbeiteten in einer männerdominierten Branche Es war schwierig Händler wollten nicht mit mir reden und fragten: «Wo ist Mr Bulgari?» Ich ging manchmal auf die Toilette und weinte Aber die Familie stand hinter mir, und ich habe gekämpft. Heute kann ich auswählen, mit wem ich arbeite
Interview: Andrea Martel

«Ein Auge muss in die Vergangenheit, das andere in die Zukunft schauen.»
Schlägt nach dem Uhrenboom die Stunde des Schmucks?
Bewegungen an Luxuseinkaufsmeilen wie der Zürcher Bahnhofstrasse lassen darauf schliessen
MARIANNE ESCHBACH
An der Zürcher Bahnhofstrasse verschieben sich die Gewichte Wo lange Zeit Uhren das Bild prägten, drängen nun vermehrt die grossen Juweliere ins Rampenlicht. In den letzten drei Jahren hat sich die Dichte der Schmuckmarken an der Prestigeadresse massiv erhöht.
Richemont hat das Geschäft seiner Flaggschiffmarke Cartier umgebaut und die Marken Buccellati sowie Van Cleef & Arpels an exklusivere Standorte verlegt. Auch die Kering-Gruppe hat ihre Präsenz ausgebaut. Neben Pomellato ist seit diesem Frühling auch die Marke Boucheron präsent. Ebenfalls neu an der Bahnhofstrasse: Messika.
Zürich als strategischer Hub
Valérie Messika, die in einer Diamanthändlerfamilie aufwuchs, gründete ihr Unternehmen, um «Konventionen zu durchbrechen» Diamantschmuck soll bei Messika kein formelles Erbstück sein, sondern ein modernes, funkelndes Accessoire.
Die Expansion nach Zürich folgt einer ökonomischen Logik: «Die Schweiz ist aus wirtschaftlicher Sicht ein sehr dynamischer und energiegeladener Markt mit einer Kundschaft, die Luxus und Handwerkskunst wirklich zu schätzen weiss.» Die Stadt biete eine einzigartige Balance zwischen Tradition und Moderne Hélène Poulit-Duquesne CEO von Boucheron, wählte Zürich für die weltweit 100. Boutique des Hauses «Wir wollten schon seit Langem unsere Präsenz in der Schweiz stärken, die für Boucheron ein strategischer Markt ist», sagt sie In Zürich als bedeutendem Wirtschaftszentrum sei es entscheidend gewesen, an der Bahnhofstrasse ansässig zu sein. Als sich die Gelegenheit geboten habe, habe man sie ergriffen.
Investition in Sicherheit
Messika sieht den Grund für die gestiegene Nachfrage in der Suche nach bleibenden Werten. Während Kunden Anschaffungen wie Handtaschen hinterfragen, verkörpere Schmuck Lang-


























lebigkeit. Markenschmuck gewinne an Bedeutung, weil Kunden nach Identität und einer klaren kreativen Vision suchten. Eine starke Marke vermittle Sicherheit. Die Signatur stehe für Authentizität und trage massgeblich zum Werterhalt bei.
Weitblickende Juweliere haben ihre Kreationen schon Ende des 18 Jahrhunderts nicht nur mit ihrem Markenzeichen versehen, sondern sie auch in signierten Behältern präsentiert. Verbreitet sind Markensignaturen allerdings erst seit dem Ersten Weltkrieg Bis heute sind schätzungsweise 70 bis 80 Prozent des Schmuckmarkt nicht markengebunden Es handelt sich oft um Kreationen lokaler Goldschmiede. Diese sind handwerklich oft exquisit, tragen aber keinen begehrten Namen Hier setzen die Grosskonzerne an.
Generation Z als Zielgruppe Das Potenzial für Markenschmuck ist gross, da die Generation Z ihr Interesse an Gold und Edelsteinen entdeckt hat. Ganz oben auf der Beliebtheitsskala stehen bei den 16- bis 30-Jährigen ikonische Linien wie Love von Cartier oder Alhambra von Van Cleef & Arpels. Die Designs stammen oft aus den 1960er Jahren. Tiffany & Co (LVMH) vollzog unter Alexandre Arnault eine Verjüngungskur mit dem Motto: Not your Mother’s Tiffany.
Dieser Trend hat auch Modehäuser wie Armani oder Prada dazu veranlasst in eigene Echtschmuckdivisionen zu investieren.
Die jüngsten Firmenkäufe zeigen, wie die Luxusgruppen ihr Geschäft stärken. Das Marktwachstum liegt konstant bei über fünf Prozent. KeringCEO Luca de Meo will den Schmuckbereich gezielt ausbauen; der Konzern erwarb im März Anteile am italienischen Hersteller Raselli Franco Group. Hélène Poulit-Duquesne von Boucheron sieht einen wesentlichen Unterschied zur Uhrenindustrie: «Der Uhrenmarkt ist fast vollständig von Marken geprägt, während im Schmuckbereich der Marktanteil von Marken noch weitaus geringer ist.» Genau aus diesem Grund sei das Wachstumspotenzial dort besonders gross.
Für die einen sind sie ein Geniestreich, für andere Gadgets. Uhren, die einfach nur Freude

Am Handgelenk noch Uhr


im Stand Roboter, der den Spieltrieb weckt.
MICHELLE MUSSLER
In der Welt der Haute Horlogerie pflegt man Traditionen mit Ernst Komplikationen – also Zusatzfunktionen wie Kalender oder Chronograph – gelten als Ausdruck uhrmacherischer Reife Aufwendige Finissierungen, die dekorative Bearbeitung von Werkteilen, werden mit fast religiöser Sorgfalt zelebriert. Der hohe Preis verlangt nach Begründung Zugleich schwingt stets die Erwartung mit, die Uhr könne auch als Anlage taugen. Es gibt aber auch eine andere Seite der Uhrmacherei. Dort wo uhrmacherisches Können auf Unbefangenheit trifft, entstehen Uhren mit einem anderen Anspruch. Sie sollen nicht primär beeindrucken oder Werte sichern. Sie sollen Freude bereiten. Sie überraschen, amüsieren und ziehen Blicke an. Sie liefern Gesprächsstoff – oft gerade dann, wenn die Zeiten ernst sind. Sicherlich erreichen die verbau-
ten Kaliber und ihre Herstellung nicht immer die höchsten uhrmacherischen Ansprüche Sie pauschal als Spielerei abzutun, greift jedoch zu kurz. Oft steckt erhebliche Kreativität dahinter, ebenso der Wille, neue Ideen umzusetzen.
Ihr Prinzip ist einfach: auffallen Gepaart mit einer gewissen Leichtigkeit und mit Blick auf soziale Medien steigern sie Aufmerksamkeit und Image Etablierte Manufakturen nutzen dieses Prinzip ebenso wie junge Anbieter oder Lifestyle-Marken.
Casio:
Vom Handgelenk zum Finger
Der japanische Hersteller Casio nutzte das 50-Jahr-Jubiläum seiner ersten Digitaluhren geschickt. Er legte mehrere Retro-Modelle neu auf Bei einer Variante ging Casio einen Schritt weiter: eine Digitaluhr im Ringformat, die nicht nur auffällt, sondern auch funktioniert Dafür verkleinerte das Unternehmen die Technik klassischer Armbanduhren um etwa den Faktor zehn. Das Edelstahlgehäuse misst 25 auf 19 Millimeter Das kleine LC-Display (Flüssigkristallanzeige) zeigt Stunden, Minuten und Sekunden an sechs Stellen an Die Bedienelemente fallen entsprechend winzig aus und verlangen Präzision. Über sie lassen sich Beleuchtung, Datum, Stoppuhr und eine zweite Zeitzone steuern.
Das Modell traf auf grosse Nachfrage Die CRW-001 war innerhalb weniger Tage ausverkauft und wird auf dem Sekundärmarkt deutlich über dem ursprünglichen Preis gehandelt. Im November folgte die nächste Variante: eine G-Shock im Ringformat. Die DWN-5600 ist bis 20 bar wasserdicht und verfügt über ein stossfestes ResinGehäuse Bei der Passform wählte Casio eine praktische Lösung: Ein gelochtes Band mit Stiftschliesse erlaubt die Anpassung an verschiedene Fingergrössen.

Auf der Rückseite der verpixelten Coco Chanel verbirgt sich das Zifferblatt.
Chanel:
Selbstironie zum Schmunzeln
Auch das vornehme Haus Chanel setzt auf spielerische Schmuckstücke mit Zeitanzeige. Im Fokus stehen Ringuhren und Uhren als Kettenanhänger die zwei Disziplinen verbinden: hohe Juwelierskunst und die aufwendige Konstruktion sogenannter «Secret Watches» Diese Objekte verbergen ihr Zifferblatt zunächst. Erst ein Handgriff gibt die Anzeige frei Der Reiz liegt im Spiel mit dem Verborgenen. Chanel treibt dieses Prinzip weiter – mit einer Portion Selbstironie die in der Luxusuhrenbranche selten ist. So inszeniert das Haus seine Gründerin als Figur: Coco Chanel erscheint im schwarzen Kostüm, stilisiert und zugleich augenzwinkernd
Die «Watch Coco Black Jacket» greift dieses Motiv auf Sie besteht aus Weissgold Onyx und Diamanten und wird an einem Collier getragen. Öffnet man den kleinen Hut der Figur, kommt eine Zwei-Zeiger-Uhr zum Vorschein.
Das Ergebnis ist ein bewusst verspieltes, zugleich hochwertiges Objekt. Entsprechend gross ist die Nachfrage: Solche Kreationen sprechen unterschiedliche Generationen an und stossen auf anhaltendes Interesse.
Hautlence:
Neue Raum-Zeit-Kontinuen
Völlig anders, aber nicht minder selbstbewusst tritt Hautlence auf. Die Schweizer Manufaktur präsentiert mit der Retrovision 85 einen Roboter mit Zeitanzeige Die Absicht ist klar: Das Objekt soll zum Schmunzeln bringen und den Spieltrieb wecken. Die rund zehn Zentimeter hohe Figur lässt sich wie ein Transformer zu einer Armbanduhr zusammenfalten. Das Ergebnis ist allerdings nichts für schmale Handgelenke. Das Gehäuse aus Titan und rhodiniertem, PVD-beschichtetem Messing misst 64 auf 60 Millimeter


Nostalgie pur: Nintendo macht den GameBoy handgelenktauglich.

machen, ob am Finger oder um den Hals, im Auto oder fürs Ufo-Feeling. Ein Kuriositätenkabinett.

Casio seine Digitaluhrengeschichte ins Miniaturformat































Hinter der auffälligen Form steht solide Uhrmacherei Im Mittelpunkt steht ein Tourbillon mit Automatikantrieb, das die zentrale Minutenscheibe mit drei umkreisenden Stundensatelliten antreibt. So viele Gadgets fressen Energie, dennoch hält der Transformer üppige 72 Stunden durch. Bei Hautlence räumt man ein, dass das Projekt ein wahrgewordener Kindheitstraum sei, inspiriert von japanischen Transformer-Mangas aus den 1980er Jahren Und spricht von einer «retro-futuristischen Konzeptuhr für den Alltag»
Urwerk:
Per Anhalter durch die Galaxie Diese verspielte Art der Uhrmacherei findet sich vor allem bei kleinen, unabhängigen Ateliers Dahinter stehen oft Enthusiasten Sie sind vor allem vom futuristischen Design der 1960er und 1970er Jahre, von frühen Computerspielen und Serien wie «Captain Future» geprägt.Auch die Gründer von Urwerk, Felix Baumgartner und Martin Frei, verweisen auf diese Einflüsse Sie verstehen ihre Marke als eine Art Raumschiffwerft Seit 1997 verblüffen die Space-Cowboys,wie Insider sie gerne nennen regelmässig mit ihren futuristischen Konstruktionen.Anstelle klassischer Zeiger gibt es auch mal rotierende Satelliten Oder Mini-Turbinen mit Luftkompressor als Aufzugssystem. Als ausgeklügelter Spassmacher für Tekkies offenbart sich das Titan-UFO «UR-112 Aggregat Odyssée» Als Vorbilder dienten Figuren aus bekannten Science-Fiction-Universen wie «StarWars», «Battlestar Galactica» oder «Watchmen» Durch zwei Cockpit-Fenster zeigen sich Stunden und Minuten auf drehbaren Satellitenprismen. Drückt man die beiden Knöpfe am Gehäuserand, öffnet sich ein Deckel. Er gibt den Blick frei auf das Automatikwerk, die Gangreserveanzeige und eine Siliziumscheibe als kleine Sekunde
Bugatti und Audemars Piguet: Uhrenbeweger mit 1600 PS Es geht noch verspielter Treffen Automobilsport und Haute Horlogerie aufeinander, entstehen mitunter ungewöhnliche Konzepte Ein Beispiel lieferten Bugatti und Audemars Piguet im Januar Bugatti präsentierte den Hypercar «F.K.P Hommage Veyron» – ein Fahrzeug mit rund 1600 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von über 400 km/h. Der Clou steckt jedoch im Cockpit: eine Royal Oak Tourbillon als mechanische Dash-Clock. Die Idee: Selbst in einem technologisch hochgerüsteten Fahrzeug soll eine mechanische Uhr bestehen. Audemars Piguet entwickelte dafür ein eigenes
Edelstahlgehäuse mit 41 Millimetern
Durchmesser Die Uhr lässt sich in einen Uhrenbeweger in der Mittelkonsole einsetzen. Dieser sorgt elektronisch dafür dass die Automatikuhr mehrmals pro Stunde durch Rotation aufgezogen wird. Eigentlich völlig absurd. Aber verrückte Hautevolee-Gadgets machen Laune und können Stil beweisen: das rote Zifferblatt ist selbstverständlich identisch mit der Autolackierung Beide, sowohl das Tourbillon als auch der Sportwagen, sind Unikate die es geschätzt für galaktische 20 Millionen Franken gab
Nintendo:
Der Game Boy als Uhr Witzig und genial simpel – auch wenn das Objekt auf den ersten Blick wie ein
Blutdruckmessgerät aussieht. Nintendo hat das Originaldesign der legendären Handheld-Konsole von 1989 aufgenommen und den Game Boy in Form und Farbe zu einer Retro-Armbanduhr geschrumpft. Die Uhr verfügt über ein LCD-Display mit Kalenderfunktion. Es leuchtet im typischen Grün früher Bildschirme. Als Weckton dient die Titelmelodie von
«Super Mario Land» Das sorgt für einen hohen Wiedererkennungswert – kann auf Dauer jedoch das Umfeld strapazieren. Spiele lassen sich damit allerdings nicht spielen.
Qlocktwo:
Uhrzeit auf Schweizerdeutsch Ob Gag oder Designobjekt: Die Idee der schwäbischen Künstler Marco Biegert und Andreas Funk fällt aus dem Rahmen. Die beiden entwickelten 2009 eine Uhr, die die Zeit nicht mit Zeigern oder Ziffern darstellt sondern in Worten. Statt 7:30 liest man: «Es ist halb acht», oder auf Berndeutsch: «Es isch haubi achti» Gewiss, man benötigt einen Moment, um den Witz dahinter zu verstehen, aber das gehört dazu. Inzwischen ist die Qlocktwo von Biegert & Funk mit ihrer Wortmatrix in etlichen Varianten als Wand-, Stand- oder Armbanduhr zu haben. Am Handgelenk mit bequem tragbaren 38 Millimetern Kantenlänge. Acht Sprachen stehen zur Auswahl, darunter Schweizerdeutsch.
Ziiro:
Zeit als Farbspiel Abgerundete Formen, wiederkehrende Muster, fröhliche Farben – all das fördert positive Emotionen, kann sogar Spannungen lösen. Und genau darauf setzt die junge Marke Ziiiro mit ihrer Celeste-Watch-Kollektion. Mithilfe von zwei semitransparenten Scheiben mit Farbverlauf lassen sich die Stunden und Minuten ablesen. Dieses sich ständig verändernde Farbenspiel bezeichnet die Marke sogar als Heiligenschein. Wohl eher stecken psychedelische Designeffekte mit fast schon hypnotischer Wirkung dahinter Man muss nur lang genug darauf schauen und daran glauben. Günstiger als synthetische Drogen ist die 40 Millimeter grosse Quarzuhr aus Edelstahl allemal.




