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BILDUNG

Damit Lernen gelingt

SCHWERPUNKT | NZZ AM SONNTAG, 12 APRIL 2026

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Zwischen Reform und Realität: Wenn Schule Schule macht

Die Schweiz hat eines der besten Schulsysteme weltweit Doch gesellschaftlicher Wandel, neue Erwartungen und anhaltende Kritik stellen die Volksschule vor grosse Herausforderungen. Wie sieht die Schule der Zukunft aus? Von Cécile Hana

Die Schweiz hat eines der besten Schulsysteme weltweit. Bestens ausgebildete Lehrpersonen und einen Lehrplan, der den Fokus auf die Kompetenzen der Schüler und auch moderne Inhalte wie Medien und Informatik legt. Dass die Schweiz von einem guten Schulsystem profitiert, ist auch empirisch belegt. Auch wenn ein Rückgang zu vermerken ist zeigt die zuletzt veröffentlichte PISA-Studie aus dem Jahr 2022, dass die Schweiz im internationalen Vergleich in allen drei getesteten Kompetenzbereichen weit über dem OECD-Durchschnitt liegt. Und dennoch wird immer wieder Kritik am Volksschulsystem laut. Auch die Politik mischt sich ein – von links wie von rechts. Das digitale Zeitalter, die neuen Medien, jüngste Studien zum Rückgang der kognitiven Fähigkeiten der Generation Z werfen viele Fragen und Unsicherheiten auf Welche Schule braucht die Schweiz heute, um den aktuellen Herausforderungen und Erwartungen gerecht zu werden? Welche Strukturen sind veraltet und was ist innerhalb des Volksschulsystems möglich, um die nächste Generation voranzubringen?

Was Eltern sich wünschen

DieserFragegingaucheineimAuftragder Stiftung Mercator durchgeführte Studie nach.UnterdemTitel«WelcheSchulewill dieSchweiz?»führtedasForschungsinstitutSotomo–einaufgesellschaftlicheund politische Analysen spezialisiertes Institut – im Jahr 2022 insgesamt 7706 komplette Interviews durch. Ziel war es, zu eruieren, wie die Schweizer Bevölkerung dieidealeSchulesieht,umauch«diePrioritäten und Sensibilitäten von Eltern von Schulkindern in Bezug auf den Bildungsprozess besser verstehen und einordnen zu können». Die Ergebnisse zeigen auf, dass die schulische Leistung, also das Erlernen von Grundfertigkeit wie Lesen, Schreiben und Rechnen, etwas weniger gewichtet wird als das Erlernen von Toleranz und Respekt und dass die Kinder Freude am Lernen haben und das nötige

Wissen vermittelt bekommen, um in der Welt der Erwachsenen bestehen zu können. Auch der individuellen Förderung wurde ein grosser Stellenwert zugesprochen, was unter anderem die Motivation vieler Eltern (60 Prozent) unterstreicht, ihre Kinder in eine Privatschule zu schicken, wenn sie die Möglichkeit hätten Zusammenfassend kann man also sagen, dass die Eltern von heute sich eine Schule für ihre Kinder wünschen, in der sie Freude am Lernen haben und Werte wie Respekt und Toleranz vermittelt bekommen. Aus diesen Erkenntnissen leiteten die Forscherinnen folgende Entwicklungsfelder für die Volksschule ab:

• Flexiblere Lernformen: interessengeleitetes Lernen, Projektarbeit, Lernen im Team

• Offenere Schulstruktur: Aufbrechen des 45-Minuten-Takts und einer starren Fächerstruktur, kleinere Klassengemeinschaften, jahrgangs- und klassenübergreifendes Lernen, Tagesschule

Stabilität im Lehrpersonen- und Betreuungsteam Verzicht auf Hausaufgaben und traditionelle Benotung: individuelle Lernzeit in der Schule statt Hausaufgaben, regelmässige Gespräche über Entwicklung statt fester Noten

Quelle: Stiftung Mercator, «Warum Eltern ihre Kinder an Privatschulen schicken», 2025

DieseErkenntnissesindnichtneuunddecken sich zum Teil mit den Ergebnissen

der von John Hattie durchgeführten Metastudie zu Einflussgrössen und Effekten in Bezug auf den Lernerfolg. Eine Schule, die dieses Modell bereits seit 40 Jahren mit grossem Erfolg anwendet, ist die Gesamtschule Unterstrass, eine inklusive Mehrklassen- und Tagesschule in freier Trägerschaft.

Das Modell Unterstrass

Als die Schule 1981 von Christine und Dieter Rüttimann und einem gemeinsamen Freund gegründet wurde, waren die Volksschulen noch ganz anders als heute. Damals gab es keine Tagesschulen oder altersdurchmischten Klassen, Frontalunterricht und Uniformität waren an der Tagesordnung.

«Wir waren drei junge Studenten. Wir sahen, wie die Strukturen damals waren, und hatten so viele Ideen im Kopf –natürlich inspiriert von den 68ern, von antiautoritären Erziehungsmethoden, aber auch von Pädagogen wie Alexander Sutherland Neill, Célestin Freinet oder Martin Wagenschein. Wir waren fasziniert von den Ansätzen der Reformpädagogik und fanden, dass wir das auch so machen müssen», erinnert sich Dieter Rüttimann.

Und so gründeten sie eine Schule für Kinder die Mühe hatten, im regulären System ihren Platz zu finden. Eine Schule mit einer antidogmatischen Herangehensweise und den Ansätzen von Karl Popper, Paul Feyerabend und dem oft zitierten Bildungsforscher John Hattie im Thek Heute wird die Schule von Dieter Rüttimanns Sohn, Nicolas Rüttimann, geleitet. Und noch heute ist der Ansatz «Wider den Methodenzwang» Teil der DNA Was das konkret bedeutet: Die Gesamtschule folgt dem Lehrplan 21 und ermöglicht somit auch jederzeit einen Übergang in die Volksschule. Die Art und Weise aber wie Schule gegeben wird, unterscheidet sich in gewissen Punkten von den lang praktizierten Methoden. Nun kann man natürlich sagen dass dies in einem privaten Setting einfacher umzusetzen ist, die Klassen sind kleiner, die Strukturen lockerer, die Schülerschaft ist homogener Und dennoch verfolgt die Gesamtschule interessante Ansätze, die erfolgreich zu sein scheinen und auch Vertreter öffentlicher Schulen aus dem In- und Ausland anziehen, um sich das Modell anzuschauen und sich davon inspirieren zu lassen.

«Wir sind keine ideologische oder dogmatische Schule, wir haben eine philosophische Herangehensweise, gestützt auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen bedeutender Forscher und Pädagogen», sagt Nicolas Rüttimann und fügt hinzu, dass sich die Gesamtschule Unterstrass zusammengefasst auf folgende drei Grundpfeiler stützt: beziehungs-

EDITORIAL

Damit Lernen gelingt

Wenn ich heute an meine Schulzeit zurückdenke, empfinde ich zunehmend grosse Achtung für jene Lehrerinnen und Lehrer die sich damals mit mir im Teenageralter auseinandersetzen mussten Nicht zuletzt deshalb weil es so lange gedauert hat, bis ich verstanden habe, was sie eigentlich leisten Grundsätzlich darf man davon ausgehen, dass hinter diesem Beruf die bestmöglichen Intentionen stehen. Dass es im Interesse dieser Frauen und Männer liegt, junge Menschen weiterzubringen – auch wenn sie dabei nicht selten gegen Wände laufen Wie gelingt es, den Kontakt zu Schülerinnen und Schülern in so einer prägenden Lebensphase aufrechtzuerhalten – und so zu gestalten, dass Lernen

ist ein

wieder als jener natürliche Prozess erfahrbar wird, der er eigentlich ist?

Dass das Schulsystem vor grossen Herausforderungen steht, hören wir ständig. Neu sind viele davon nicht. Doch es hat gelernt, seine Ansprüche an junge Menschen greifbarer, praxisnäher und bisweilen auch spielerischer zu gestalten. Längst geht es nicht mehr nur Inhalte, sondern die Lernumgebung und zahlreiche begleitende Faktoren, die darüber entscheiden, wie Wissen aufgenommen wird Auch wenn Lernen ohne Wiederholung nicht funktioniert, entscheidet heute auch der Kontext darüber ob etwas ankommt.

In dieser Beilage stellen wir unterschiedliche Schulkonzepte und Wertvorstellungen einander gegenüber. Illustriert werden sie durch Filmszenen, die sich mit ähnlichen Fragen beschäftigen: Wie lernen wir?

So konnten wir auch Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Unterstrasse für eine kleine Hommage an den Film «Dead Poets Society» auf der Titelseite zu gewinnen – ohne ihren eigenen Schulalltag dabei allzu sehr zu verfälschen. Viel Freude beim Lesen.

Alexander Vitolić, verantwortlich für diese Beilage

sind

Freies Gymnasium im Engadin.

Dein individueller Weg zureidg. Matura.

Infoanlass Mittwoch,15.April2026 17 30Uhr HateckeduThéâtre,Zürich

Anmeldungbis 14.April: academia-engiadina.ch individuellerWeg 17.30Uhr

Für eine Schule die mehr leisten will als reine Wissensvermittlung: «Dead Poets Society» (1989).

orientiert, problemorientiertes Lernen und Selbstentfaltung.

Die Ganztagesschule kreiert ein Umfeld, in dem sich Schülerschaft und Lehrpersonen von morgens bis abends in den verschiedensten Situationen erleben. Regelmässig finden Gespräche statt und die Eltern werden aktiv miteinbezogen. Im Sinne der «Demokratisierung der Bildung» nach Paul Feyerabend haben die Kinder die Möglichkeit, sich aktiv einzubringen, wenn sie zum Beispiel der Meinung sind, dass ein Fach fehlt oder ein bestimmtes Thema besprochen werden soll. «Dies gibt ihnen das Gefühl, Teil einer Gesellschaft zu sein, in der sie partizipieren können und in der sie eine Stimme haben», sagt Nicolas Rüttimann.

Beim problemorientierten Lernen gehe es darum, dass die Schüler und Schülerinnen lernen sollen, von sich aus verständnisorientiert zu denken Umgesetzt wird dies mit Projekten, an denen die Kinder kooperativ und inklusiv in Gruppen arbeiten. «Dies hat wiederum einen Transfereffekt auf deren Problemlösekompetenz im Alltag», erklärt Rüttimann. Beim dritten Pfeiler gehe es vor allem darum, die Kreativität und Auftrittskompetenz der Kinder zu fördern und ihnen Raum zu lassen, ihre eigene Sprache zu finden.

Lernen ohne

starre Methoden

Man würde denken, dass dies viel Zeit in Anspruch nimmt und vom eigentlichen Stundenplan ablenken könnte. Tatsache ist aber, dass hier viel Präventivarbeit geleistet wird. «Mit regelmässigen Coachings, die auf Motivationstheorien basieren, stärken wir die Selbstwirksamkeit, das Erleben der eigenen Fähigkeiten

Mit dem Lehrplan 21 wird auch den Volksschullehrern gewisse Methodenfreiheit gewährt. Wird diese auch genutzt? Oder stimmt das veraltete und überspitzte Bild des Lehrers, der mit erhobenem Zeigefinger an der Wandtafel steht und den Schülern das Einmaleins in den Kopf hämmert? Frontal, rigid und ohne Einbezug? Absolut nicht!

Ein starkes System unter Druck

Auch die Volksschule hat sich weiterentwickelt. Heute gehören Projektwochen, altersdurchmischtes Lernen, Ganztagesschulen genauso in die Landschaft der Volksschulen wie die Förderung überfachlicher Fähigkeiten wie methodische, soziale und personale Kompetenzen.

tut weh.»

Dagmar Rösler, Zentralpräsidentin des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz

und die Autonomie der Kinder», sagt Rüttimann und fügt hinzu, «wenn diese Kompetenzen gestärkt sind, dann kommt die Leistung meistens von allein.» Aber natürlich brauche es dafür Raum und Zeit, sieht Nicolas Rüttimann ein. Zudem gebe es keine universelle, wissenschaftliche Methode, die die richtige sei. Wichtig sei aber immer neugierig und anpassungsfähig zu bleiben. «Wir werden jedes Jahr vom Volksschulamt kontrolliert und gewährleisten immer den Übertritt. Aber den Mut zu haben eine gewisse Prise Anarchie reinzubringen, nicht nur einer Methode zu folgen, sondern einer Mischform verschiedenster Herangehensweisen, das ist unserer Meinung das beste Rezept, um ein Umfeld zu schaffen, in dem die Kinder Freude am Lernen haben», schliesst der Schulleiter ab

Je nach Auslegung kann die SotomoStudie ein falsches Licht auf das Volksschulsystem vermitteln. Dies bedauert Dagmar Rösler, Zentralpräsidentin des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH): «Das Bild, das von der Volksschule gezeichnet wird, tut weh. Lehrpersonen unternehmen täglich grosseAnstrengungeninallenBereichen. Seit Jahrzehnten wird daran gearbeitet, wie in Zukunft die Kinder und Jugendlichen am besten gefördert und beurteilt werden können.»

Die Volksschule steht für alle offen und spiegelt so auch die Vielfalt der Schweizer Bevölkerung wider Im Klassenzimmer sitzen Kinder aus allen Gesellschaftsschichten, mit den verschiedensten Hintergründen und den unterschiedlichsten Bedürfnissen. Die Volksschule hat einen klaren Erziehungsauftrag vom Staat und ist deshalb auch an rechtliche und gesellschaftliche Vorgaben gebunden. Dass es in diesem Kontext etwas länger dauert, bis Veränderun-

gen implementiert werden und messbare Resultate bringen, ist nachvollziehbar Aber auch die oberste Lehrerin der Schweiz ist davon überzeugt, dass das Schulklima und die Beziehungen zu den Lehrpersonen zentral seien. Man solle aber auch den Schülern etwas zutrauen und Geduld haben. «Selbstwirksames Lernen wird in der Volksschule bereits gelebt und umgesetzt. Man darf aber die WichtigkeitdesÜbensundWiederholens nicht unterschätzen», sagt Dagmar Rösler Denn, auch wenn diese Methode von einigen als veraltet beschimpft wird und manchmal langweilig scheinen mag nur so könne man Kenntnisse festigen. Dass in der Volksschule vieles passiert, belegt auch die PISA-Studie 2022, bei der, neben der Erfassung der Grundkompetenzen, auch individuelle Einschätzungen und verschiedene Erfahrungen abgefragt wurden. Der Bericht beleuchtete hierbei auch die Schule als Lern- und Erfahrungsraum, dabei zeigte sich, dass sich die Jugendlichen in der Schweiz im Vergleich zu PISA 2018 weniger Mobbing ausgesetzt fühlen und ein gesteigertes positives Gefühl der Zugehörigkeit zur Schule empfinden. Eine Institution wie die Volksschule die aus einem Kollektiv besteht, in einer vermehrt individualisierten Welt voranzubringen, ist ein langsamer Prozess. Der eine gewisse Offenheit voraussetzt, Vertrauen und einen Willen seitens der Bevölkerung und der Politik Ein Prozess, der motivierte Lehrpersonen braucht und einen Lehrplan, der den Anforderungen des 21. Jahrhunderts entspricht. Tendenzen zeigen, dass das Schweizer Volksschulsystem auf Kurs ist. Langsam, manchmal schwerfällig aber bereit, zuzuhören und Lösungen zu finden, die für einen Grossteil der Bevölkerung und der Schülerschaft stimmt

«Werte durchdringen das ganze Schulsystem»

Was Kinder für richtig und wichtig halten, lernen sie nicht nur zu Hause, sondern auch in der Schule Bildungsforscherin Elena Makarova zeigt, wie Werte entstehen – und warum ihre Vermittlung oft unterschätzt wird. Interview: Yvonne Vahlensieck

Wann entwickeln Kinder eigentlich Wertvorstellungen?

ELENA MAKAROVA: Die erste Begegnung mit Werten findet natürlich in der Familie statt. Schon fünfjährige Kinder verfügen über ein eigenes Wertesystem, auch wenn es noch etwas diffus ist. Ergänzend kommt die Schule als wichtiger Ort für die Sozialisation hinzu. Dort sind die Lehrpersonen und das Schulklima ein entscheidender Faktor für die Wertevermittlung. Aber auch die Werte der Mitschülerinnen und Mitschüler haben einen Einfluss auf die Entwicklung von Werteorientierungen der Kinder

Welche Rolle spielen Werte im Leben? Werte sind wie ein innerer Kompass. Sie geben uns eine grundsätzliche Orientierung und bestimmen, wonach wir streben, wie wir unser Leben gestalten, wie wir handeln. Neben individuellen Werten gibt es auch gesellschaftliche Werte, die als Leitlinien für den Zusammenhalt und die Gestaltung unserer Gesellschaft dienen. Auch kleinere soziale Gruppen wie Vereine oder ein Freundeskreis verfügen über gemeinsame Wertvorstellungen

Welche Werte sind für unser Zusammenleben besonders prägend?

Im Rahmen unserer Forschung arbeiten wir mit einem universellen Modell von zehn Grundwerten. Einer dieser Grundwerte ist beispielsweise Selbstbestimmung, zu der das Streben nach Freiheit und unabhängiges Denken gehören. Weitere Grundwerte sind unter anderem Konformität, Tradition, Wohlwollen, Sicherheit oder Leistung. Jede Person muss mit sich selbst aushandeln, welche Werte in ihrem Leben Priorität haben. Das Gleiche gilt für die Gesellschaft oder andere soziale Gemeinschaften In einer Demokratie dürfen die gesellschaftlichen Werte auch hinterfragt oder neu ausgehandelt und bewertet werden

Welche Rolle spielen soziale Medien bei der Entwicklung von Werten?

Das Aushandeln von Werten verlagert sich zunehmend in die digitale Welt. Dort halten Influencer und Influencerinnen Werte hoch, die möglicherweise in Konkurrenz zu den in Familie und Schule vermittelten Werteorientierungen stehen. Diese Ambivalenz sollte in den Erziehungs- und Bildungskontexten in Betracht gezogen werden,

wenn es um Wertevermittlung geht.

Sie haben in einer grossen Studie Primarschulkinder dazu befragt, welche Werte ihnen wichtig sind Was ist dabei herausgekommen?

An erster Stelle stand der Grundwert Wohlwollen, also der Wunsch, nahestehenden Personen Gutes zu tun.

Danach kam Universalismus, der Toleranz gegenüber allen Menschen und den Schutz der Natur beinhaltet. An dritter Stelle wurde der Grundwert Sicherheit genannt. Wir vermuten allerdings, dass dies auch mit der Covid-19-Pandemie zusammenhängt, die insbesondere für Kinder mit grossen Unsicherheiten verbunden war Werte wie Leistung oder Macht wurden von den Kindern am wenigsten priorisiert. Es ist aber möglich, dass diese in höheren Schulstufen wichtiger werden. Deswegen wollen wir die Werteentwicklung über die ganze Schullaufbahn hinweg untersuchen.

Auch die Lehrpersonen durften angeben, welche Werte sie in der Erziehung vermitteln wollen. Stimmten deren Prioritäten mit denen ihrer Schülerinnen und Schüler überein?

Auch bei den Lehrpersonen rangierten Wohlwollen und Universalismus ganz oben, gefolgt vom Grundwert Selbstbestimmung. Dieser Wert war den von uns befragten Primarschulkindern hingegen nicht so wichtig Wenn es aber um die Wertebildung im Rahmen des Lehrplans geht, so gewichteten die Lehrpersonen Konformität und das Befolgen von Regeln am stärksten Das steht eigentlich im Widerspruch zum Grundwert Selbstbestimmung und zeigt, dass Werteerziehung und Wertebildung im schulischen Kontext von den Lehrpersonen je nach Situation unterschiedlich gewichtet werden

Ist es überhaupt die Aufgabe der Schule Werte zu vermitteln?

Die Schule als öffentliche Institution hat unter anderem auch den Auftrag, kulturelle Wertvorstellungen zu tradieren und die soziale Integration zu fördern. Dies befähigt die Kinder und Jugendlichen später, ihre Rolle in der Gesellschaft einzunehmen. Bei uns in der Schweiz heisst das auch, dass sie die Möglichkeiten der pluralistischen Demokratie aktiv wahrnehmen und die Zukunft mitgestalten.

Ist das auch im Lehrplan so als Bildungsziel verankert?

Wir haben dazu eine Analyse des Lehrplans 21 für die ersten vier Jahre der Volksschule durchgeführt, der die zu erwerbenden Kompetenzen als Bildungsziele für die Volksschule in 21 Schweizer Kantonen festlegt. Wir haben dort über 420 Referenzen identifiziert, die auf humanistische Werte wie zum Beispiel Selbstbestimmung, Wohlwollen und Universalismus hinweisen. Allerdings sind diese in rund 95 Prozent der Fälle nicht explizit formuliert. Nicht nur im Lehrplan 21, sondern auch in den von uns untersuchten Leitbildern von Primarschulen treten ähnliche Werte zumeist implizit hervor Das heisst, Werte müssen indirekt aus dem Kontext erschlossen werden. Ich denke, das sollte transparenter und klarer formuliert werden, damit in den Schulen ein Dialog dazu angeregt wird. Wie vermitteln Lehrpersonen Werte? Werte durchdringen das ganze Schulsystem. Man kann eigentlich gar nicht unterrichten, ohne Werte zu transferieren. Lehrpersonen setzen nicht nur wertebezogene Bildungsziele um, sondern üben durch ihr Verhalten

eine Vorbildfunktion aus. Widersprüche im Vermitteln von Werten und dem individuellen Handeln von Lehrpersonen im Kontext von Werten werden von den Kindern registriert. In der Primarschule sind sie genau in jener Phase, in der widersprüchliche Werte gegeneinander abgewogen werden.

Das ist keine leichte Aufgabe für die Lehrpersonen Wie können sie dabei unterstützt werden? Wir verfolgen derzeit ein Projekt, um die Ergebnisse unserer Forschung für die Praxis nutzbar zu machen. Dafür entwickeln wir eine Bildungsplattform für Lehrpersonen. Zum einen sollen die Lehrpersonen dazu angeregt werden, selbst über ihr Werteverständnis zu reflektieren, um sich bewusst zu werden, welche Werte sie im Klassenzimmer hochhalten wollen. Zum anderen vermittelt die Plattform Wissenswertes zum Thema Werte. Zuletzt entwickeln wir gemeinsam mit den Schulen und Lehrpersonen altersgerechte Unterrichtsmaterialien, damit die Lehrpersonen mit den Schulkindern in einen Dialog zum Thema treten können.

Und wenn es unterschiedliche Wertvorstellungen zwischen Eltern und Schule gibt?

Das kann tatsächlich vorkommen. Genau deshalb ist es so wichtig dass die im Rahmen der schulischen Bildung intendierten Werte sichtbar werden – und zwar auf allen Ebenen, von der Bildungspolitik über die Leitlinien der Schulen bis hin zum Klassenzimmer Ausformulierte Ziele bilden die Grundlage für einen Dialog unter allen an der Wertebildung der Kinder Beteiligten. Wichtig ist: Werte werden nicht nur in Familie und Schule vermittelt und angeeignet. Deshalb muss ein Wertedialog kontextübergreifend geführt werden.

Zur Person

Prof Dr Elena Makarova ist Direktorin des Instituts für Bildungswissenschaften an der Universität Basel. Einer ihrer Forschungsschwerpunkte ist die Bedeutung, Entwicklung und Vermittlung von Werten im schulischen Umfeld.

Freiheit und Konformität im Schulalltag sind Werte, die verhandelt werden wollen: «Ferris Bueller’s Day Off» (1986).

Aussenposten der Schweizer Pädagogik

Bergamo, Brasilien, Bangkok: Schweizerschulen im Ausland sind weit mehr als Bildungsinstitute für Expatriates. Das globale Netzwerk aus aktuell 17 Instituten ist Türöffner, diplomatischer Anker und Talentschmiede. Von Brigitte Selden

Wer die Schweizerschule in Barcelona besucht, erlebt eine kleine Überraschung: Die Kinder sprechen Deutsch, doch der vertraute helvetische Klang verrät sofort, woher die sprachliche Prägung stammt. Es wirke wie ein Stück Heimat fernab der Alpen – ein Phänomen, das ihn immer wieder beeindrucke, wenn er einen der weltweit 17 Standorte besuche, sagt Serge Künzler Direktor von educationsuisse, dem Dachverband der Schweizerschulen im Ausland. «Es war eindrücklich, zu erleben, wie lokale Kinder mit einem Akzent sprachen der ebenso gut aus dem Zürcher Oberland oder dem Emmental stammen könnte. Die Verbundenheit, die dort entsteht, hält ein Leben lang. Das ist die grosse Stärke dieses Netzwerks» so Künzler.

Das verbreitete Bild der Schweizerschule als kleiner Expat-Insel hat mit der Realität wenig zu tun. 2024 waren 8023 Schülerinnen und Schüler eingeschrieben, davon hatten 1371 einen Schweizer Pass – rund 17 Prozent. Über 80 Prozent sind lokale Kinder, deren Eltern sich bewusst für das Schweizer Bildungsmodell entscheiden.

In der Metropole São Paulo oder in Lima sind die Schweizerschulen längst zu bildungsökonomischen Schwergewichten geworden, mit bis zu 150 Mitarbeitenden pro Standort. Insgesamt verfügten die Schweizerschulen im Ausland 2024 über 958 Lehrerstellen. Laut Künzler ist das Management anspruchsvoll: «Das ist Schulleitung plus. Unsere Direktoren verantworten nicht nur die Pädagogik sondern auch Marketing Immobilienprojekte und umfangreiche Verwaltungsaufgaben.» Rund 80 Prozent der

Mittel stammen aus Elternbeiträgen –ein beträchtliches privates Investment. Wie international dieses Umfeld tatsächlich ist, beschreibt Rita Sauter Direktorin der Schweizerschule Bergamo. «Wir sind eine ausgesprochen multikulturelle Schule – bei den Schülerinnen und Schülern ebenso wie beim Personal», sagt sie Für viele Eltern sei gerade diese Vielfalt ein entscheidender Grund für die Wahl der Schule. Eine Mutter habe ihr erklärt wie wichtig es ihr sei, dass ihr Kind in einer weltoffenen, kulturell durchmischten Umgebung aufwachse. In Brasilien, einem wichtigen Standort des globalen Netzwerks, zeigt sich die strategische Bedeutung der Schweizerschulen besonders deutlich Manuela Merki, Präsidentin der Schweizerschulen in Brasilien, beschreibt die Institutionen in São Paulo und Curitiba als lebendige Begegnungszentren, die weit über ihren Bildungsauftrag hinauswirken. «Unsere Schulen sind mehr als Lernorte; sie sind Brücken zwischen den Kulturen», sagt sie. Tatsächlich geniessen die Schweizerschulen in Brasilien einen sehr guten Ruf, die Schweizer Tugend mit brasilianischer Lebensfreude verbinden – und damit Werte wie Aufrichtigkeit, Zuverlässigkeit und demokratischen Diskurs vermitteln. Rund 1600 Schülerinnen und Schüler besuchen die beiden Schulen. Sie folgen gleichzeitig dem Schweizer Lehrplan 21, dembrasilianischenCurriculumunddem International Baccalaureate. «Diese Kombination öffnet unseren Jugendlichen Türen – in der Schweiz, in Europa und in Brasilien» sagt Merki. «Wir wollen sie als offene, kritisch denkende Weltbürger entlassen.» Dass die Kinder vom Kindergarten bis zum Gymnasiumsabschluss am selben Ort bleiben, schaffe ein enges

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«Wir sind eine ausgesprochen multikulturelle Schule – bei den Schülerinnen und Schülern ebenso wie beim Personal.»

Rita Sauter, Direktorin Schweizerschule Bergamo

soziales Gefüge. «Über die Jahre entsteht ein starkes Netzwerk, das von den Werten der Schule getragen wird», erklärt Merki. «Dieses Netzwerk wirkt weit über die Schulzeit hinaus und stärkt die kulturelle undpolitischeAusstrahlungderSchweiz.» SobildesicheinländerübergreifendesBeziehungsgeflecht, das wirtschaftliche Kooperationen erleichtere und kulturelle Brücken stabilisiere. Die Verbindung zwischen lokaler und Schweizer Kultur ist im Schulalltag allgegenwärtig. Brasilianische Feste und Musik stehen selbstverständlich neben Schweizer Traditionen wie dem Samichlaus, dem Guetzlibacken oder der Auseinandersetzung mit Schweizer Literatur und Film. «Besonders spannend wird es dort, wo die Kulturen sich im pädagogischen Alltag begegnen», sagt Merki. Das zeige sich in kleinen Dingen wie dem Tragen von Hausschuhen oder dem Waldkindergarten ebenso wie in projektorientierten Formaten wie der Wirtschaftswoche, im Schülerparlament oder in modernen Unterrichtspraktiken.

Am anderen Ende der Welt, in Thailand, sieht Christian Vogel, Direktor der RIS Swiss Section in Bangkok seine Schule in einer ähnlichen Rolle. Auch hier fungiert die Institution als kulturelle Brückenbauerin. Laternenumzug und Samichlaus gehören ebenso selbstver-

ständlich zum Jahreslauf wie die thailändischen Feste Loy Krathong oder Songkran. Mit über 30 Nationalitäten spiegelt die Schule die globale Diversität der Metropole wider «Diese kulturelle Offenheit ist ein wesentlicher Bestandteil unserer pädagogischen Identität», sagt Vogel. Deutsch bleibt die zentrale Unterrichtssprache, doch ein stark ausgebautes Englischprogramm und bilingualer Unterricht in der Sekundarstufe bereiten die Jugendlichen gezielt auf internationale Bildungswege und Karrieren vor. Lebendige Verbindung zur Schweiz

In Zeiten des Fachkräftemangels würden die Auslandschweizerschulen eine zusätzliche strategische Bedeutung gewinnen, betont Künzler: «Sie werden zu Talentreservoirs, die der Schweiz langfristig zugutekommen.» Absolventinnen und Absolventen der Maturitätsstufe erhalten prüfungsfreien Zugang zu Schweizer Universitäten «Wir brauchen hochqualifizierteTalente,diemitunsererSpracheundKulturbestensvertrautsind»,hält der Direktor von educationsuisse fest. Wie sich die Bildungswege der Schülerinnen und Schüler entwickeln, zeigt das Beispiel Bergamo Die Schule begleitet Kinder vom Kindergarten bis zum Ende

der Sekundarstufe. Danach wechseln die meisten Jugendlichen an ein Liceo in Bergamo oder der Region, einige an die Schweizerschule in Mailand oder an andere deutschsprachige Institutionen. Die Lebenswege der Ehemaligen sind entsprechend breit gefächert. «Zu unseren Absolventinnen und Absolventen gehören junge Menschen im Hochleistungssport, Personen in verantwortungsvollen Positionen sowie viele, die heute in der Schweiz oder weltweit leben», sagt Sauter Bemerkenswert sei die Bindung an die Schule: Manche kehren Jahre später als Lehrpersonen zurück Christian Vogel unterstreicht den akademischen Vorsprung der Schülerinnen und Schüler: «Unsere Jugendlichen profitieren von einer vertieften Allgemeinbildung und echter Mehrsprachigkeit. Das verschafft ihnen einen entscheidenden Vorteil gegenüber Absolventinnen und Absolventen rein englischsprachiger Systeme, die sich oft zu früh spezialisieren.» Die Zahlen aus Bangkok sind eindrücklich: Rund 84 Prozent der Absolventinnen und Absolventen beginnen unmittelbar ein Hochschulstudium in der Schweiz, Deutschland oder Österreich; über 30 Prozent zieht es direkt an Schweizer Institutionen wie die ETH Zürich, die HSG oder die Universitäten Zürich, Basel und Bern. «Viele unserer Ehemaligen be-

Zwischen Arlecchino und Spongebob: Der Alltag an der Schweizerschule Bergamo ist so vielfältig wie die Kinder selbst, geprägt von kultureller Vielfalt und spielerischem Lernen.

richten, dass gerade die mehrsprachige und interkulturelle Ausbildung ihnen bei Zulassungen und im Studium einen klaren Vorteil verschafft hat.»

Auch in Brasilien zeigt sich dieser Trend. Von den 27 Schulabgängerinnen und -abgängern in Curitiba im Dezember 2025 haben sich vier für ein Studium in der Schweiz entschieden – drei an der HSG, eine an der Universität Zürich. Aus São Paulo werden fünf der 48 Abgängerinnen und Abgänger ein Studium in der Schweiz aufnehmen: vier an der ETH Zürich, eine Person in Lugano oder Bern Für Merki ist klar: «Unsere Schulen öffnen Türen – und sie halten die Verbindung zur Schweiz lebendig.»

Föderalistischer Anker und Qualitätssiegel

Die Freiheit der Schulen endet dort, wo die Schweizer Identität beginnt. Der rechtliche Rahmen ist im Bundesgesetz über die Vermittlung schweizerischer Bildung im Ausland (Schweizerschulengesetz) präzise definiert. Artikel 2 ver-

«Unsere Direktoren verantworten nicht nur die Pädagogik, sondern auch Marketing und umfangreiche Verwaltungsaufgaben.»

Serge Künzler, Direktor educationsuisse

pflichtet zur Förderung schweizerischer Bildung und Kultur, Artikel 3 legt strikte Voraussetzungen fest: Gemeinnützigkeit, politische und religiöse Neutralität sowie eine Schweizer Trägerschaft. Die Kantone spielen im föderalen Bildungssystem der Schweiz die zentrale Rolle und sie fungieren im Rahmen der Schweizerschulen im Ausland als sogenannte Patronatskantone. Jede Schule wird von einem Patronatskanton betreut und beaufsichtigt. Er sorgt dafür, dass die Qualität des Unterrichts in den Schweizerschulen den kantonalen Vorgaben entspricht.

«Der Patronatskanton trägt die Verantwortung für die Überprüfung der Abschlüsse und Lehrprogramme», erklärt Serge Künzler Entsprechend müssen sowohl das Führungsgremium als auch die Schulleitung mehrheitlich in Schweizer Hand sein. So wird etwa die Schule in Bangkok vom Kanton Luzern betreut –dort finden sich dieselben Lehrmittel wie in einem Klassenzimmer in Sursee. In Brasilien wiederum garantieren die Patronatskantone Aargau und Basel-Stadt,

dass die Abschlüsse trotz der geografischen Distanz zu Europa vollumfänglich anerkannt bleiben. «Wo ‹Schweiz› draufsteht, muss auch ‹Schweiz› drin sein –von der Schulleitung bis zur Lehrberechtigung», betont Künzler Wie wirkungsvoll dieses Modell ist, zeigt sich für Manuela Merki insbesondere im engen Austausch mit den Patronatskantonen. «Diese Zusammenarbeit ist für uns enorm wertvoll», sagt sie. Im Rahmen eines Job-Shadowing-Programms erleben brasilianische Lehrpersonen die Schweizer Schulrealität unmittelbar; im Gegenzug erhalten Lehrkräfte aus den beiden Kantonen Einblick in den Unterrichtsalltag in Brasilien. «Dieser gegenseitige Blick über den Tellerrand bringt beiden Seiten neue Impulse. Genau das macht unser Modell so stark.» Rund 250 Schweizer Lehrpersonen vermitteln weltweit helvetische Werte wie demokratisches Verständnis und Diskussionskultur – und sie tun dies auf Grundlage des Lehrplans 21. Zusätzlich haben sich die Schweizerschulen in ihrer Charta ausdrücklich zur Vermittlung die-

«Unsere Schulen sind mehr als Lernorte – sie sind Brücken zwischen den Kulturen.»

Manuela Merki, Präsidentin der Schweizerschulen in Brasilien

ser Schweizer Werte verpflichtet. Für die Schweiz ist dieser Einsatz weit mehr als ein Exportmodell: Es wirkt zurück «Die Lehrpersonen kehren mit einem Rucksack an Erfahrung zurück Sie sind resilienter und flexibler geworden», sagt Künzler Oft bringen sie pädagogische Innovationen, interkulturelle Kompetenzen und neue Perspektiven mit in die Schweizer Schulhäuser – ein Mehrwert der im Inland häufig unterschätzt werde. Zugleich ist die Vermittlung schweizerischer Bildungsstandards im Ausland ein Balanceakt. Als Privatschulen benötigen die Standorte lokale Schullizenzen und müssen deren Vorgaben erfüllen, von Lehrplänen über Prüfungsformate bis hin zu Sprachregelungen. «Es ist eine Symbiose zwischen der Schweiz und den lokalen Verhältnissen», erklärt Künzler So steht etwa in Barcelona auch Katalanisch auf dem Stundenplan, anderswo kommen Fächer oder Inhalte hinzu, die für das Gastland zentral sind.

Politische Gewitterwolken

Trotz ihrer strategischen Bedeutung geraten die Schweizerschulen im Ausland finanziell unter Druck So standen sie im Fokus des Entlastungspakets 2027 In der aktuellen Frühjahrssession entschied das Parlament jedoch, die ursprünglich vorgesehenen Kürzungen teils deutlich zu reduzieren. Damit sei ein klares politisches Signal gesetzt worden, freut sich Serge Künzler Der Direktor warnte indes vor verkürzten Darstellungen in der politischen Debatte: «Es wurde teils behauptet, die Schulen hätten zu viel Vermögen. Dabei sind dies Rückstellungen für die Kosten der Lehrpersonen, die monatlich ausbezahlt werden müssen.»

Nun richtet sich der Blick in den Schulen nun auf die kommenden Jahre der Umsetzung. Für Künzler steht viel auf dem Spiel: «Schule ist Vertrauen über Jahrzehnte. Wenn wir dieses Vertrauen durch unsichere Bundesbeiträge gefährden, riskieren wir unsere Soft Power.» Wie fragil die Situation werden kann, zeigt das Beispiel der Schweizerschule in Madrid. Sie wird in eine privatwirtschaftliche Schulgruppe integriert. Zwar bestehen Übergangsfristen, damit die aktuellen Schülerinnen und Schüler ihren Abschluss machen können, langfristig geht damit aber ein wichtiger

Standort in seiner bisherigen Form verloren. «Die Schweizerschule ist neben den Konsulaten oft die grösste repräsentative Vertreterin unseres Landes im Gastland», gibt Künzler zu bedenken. Angesichts der Tatsache, dass vier Fünftel der Kosten ohnehin von den Eltern getragen werden, sei der Bundesbeitrag eine hocheffiziente Investition in die globale Präsenz der Schweiz. «Was wir brauchen, sind Sicherheit und Kontinuität. Nur so bleibt die Schweizerschule das, was sie heute ist: ein Stück verlässliche Schweiz in einer volatilen Welt.» Für Künzler ist klar: Die Schweizerschulen sind keine Relikte, sondern eine zukunftsorientierte Notwendigkeit. Das Netzwerk diene der Standortförderung, der Diplomatie und der Bildungsinnovation zugleich: «Selbst wenn viele Absolventinnen und Absolventen später nicht in der Schweiz arbeiten – ihr Herz schlägt für immer für unser Land. Das ist eine unbezahlbare Stärke.»

Schweizerschulen weltweit

17

Standorte

8023

Schülerinnen und Schüler 958

Lehrpersonen >80% lokale Kindern 80%

durch Elternbeiträge finanziert

Internat fürMädchen undJungen, Gymi,Sek Generation 900plus

Internat fürMädchen undJungen, Gymi,Sek Generation 900plus

Siesinduralt,die Regeln des Benedikt.Dochsie leben, als Werte, als Grundfeste für Generationen: Präsenz durchgeregeltenTages-

ablauf,Verantwortung für sichund andere.Ja, Bildung istsinn- undwertvoll, auf vieleWeisen. –Gymiohne Aufnahmeprüfung:

Siesinduralt,die Regeln des Benedikt.Dochsie leben, alsWerte,als Grundfeste für Generationen: Präsenz durchgeregeltenTagesablauf,Verantwortung für sich undandere. Ja,Bildung istsinn- undwertvoll, auf vieleWeisen. –Gymiohne Aufnahmeprüfung:

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+41(0)41 6396100·www.stiftsschule-engelberg.ch

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Der Unterricht verbindet Schweizer Bildungsstandards mit lokalen Perspektiven.
Die RIS Swiss Section in Bangkok: Schulleiter Christian Vogel (Mitte) mit seinem internationalen Lehrerteam

Was Bildungssysteme weltweit leisten –und wo die Schweiz steht

Welches Schulsystem der Welt ist das beste? Wer die exakte Antwort auf diese Frage geben kann, dürfte schnell berühmt werden. Sicher ist nur: Schweizer Schülerinnen und Schüler schneiden im internationalen Vergleich sehr gut ab. Von Cornelia Glees

Wenn Louise oder Gabriel ihren dritten Geburtstag in Paris oder Bordeaux feiern, wird’s spannend: Denn dann geht es los mit der «École maternelle» Diese dreijährige Vorschule ist in ganz Frankreich seit 2019 verpflichtend. Doch auch schon vor dieser Gesetzesreform haben nahezu alle Eltern dieses Angebot für ihre Kinder angenommen. Denn die École maternelle ist keineswegs als harter Einstieg in den Ernst des Lebens zu verstehen – sie ist vielmehr seit eh und je im Land ziemlich beliebt. In der Schweiz beginnt die Schulpflicht nur ein Jahr später also mit vier Jahren Fliegt man rund 10000 Kilometer Richtung Osten nach Tokio, dann ist dort bei Mädchen und Jungen mit drei noch lange nicht an so etwas wie Schule zu denken. In Japan beginnt die obligatorische Schulpflicht erst mit sechs. Dann startet die Grundschule (Shōgakkō), in der Englisch bereits zum festen Lehrplan gehört Himari oder Haruto haben dann zwar drei oder zumindest zwei Jahre länger zu Hause gespielt als ihre französischen oder schweizerischen Altersgenossen. Doch was dann folgt – die obligatorische Grund- und Mittelschule (Chūgakkō) – gilt als recht stressig im internationalen Vergleich (siehe Kasten rechts).

DafürkönnenKinderundJugendliche in Japan das Pflichtpensum in Sachen Schule mit insgesamt nur neun Jahren vergleichsweise schnell hinter sich bringen. Der OECD-Durchschnitt liegt mit zehn bis elf Jahren etwas darüber Oder in anderen Zahlen ausgedrückt: Schüler und Schülerinnen in den OECD-Ländern erhalten während ihrer Grundschulzeit und in der Sekundarstufe I durchschnittlich 7642 Stunden Pflichtunterricht, wobei die Spanne von 5304 Stunden in Polen bis zum Doppelten in Australien (11000 Stunden) reicht. Fest steht: Die jeweiligen Schullaufbahnen unterscheiden sich zum Teil erheblich. Auch im Vergleich dieser fünf Länder die hier im Fokus stehen sollen:

Die Schweiz gehört im internationalen Vergleich zu den TopPerformern. Besonders in Mathematik.

Schweiz, Deutschland, Frankreich, die USA und Japan. Dauer, Bildungsziele, Finanzierung (staatlich, privat) und politische Organisation (zentral, föderal) sindtypischeUnterscheidungsmerkmale bei der Analyse der Systeme (siehe Kasten unten). So gehört der Kindergarten zum Beispiel in Deutschland zur Kinderund Jugendhilfe und gar nicht zum Bildungsbereich. Und hitzig wird die öffentliche Diskussion schnell, wenn es um die Wirksamkeit und Leistungsfähigkeit schulischer Angebote geht. Doch dazu später mehr

Was Schule im Alltag ausmacht

Aus Schülerperspektive dürfte es interessanter sein, mal einen Blick auf den Alltag im Klassenzimmer zu werfen: In Japan gilt es als gute pädagogische Tradition, dass Schülerinnen und Schüler ihre Klassenräume, nicht selten auch die Toiletten putzen und mittags das Essen austeilen. Diese Jobs sind nicht unbedingt beliebt, wie man von Youtubern wie Melonsoda erfahren kann, sollen aber Disziplin und soziale Kompetenzen

stärken. Jede Schule definiert übrigens eigene, meist recht strenge Regeln, die etwa die Schuluniform und das Verhalten auf dem Schulgelände betreffen.

Kommen wir zurück zu der Frage, was Kinder und Jugendlichen eigentlich inhaltlich beherrschen sollen, wenn sie ihre verpflichtenden Schuljahre hinter sich haben. Ein heisses Eisen, vor allem seit Studien wie PISA (Programme for International Student Assessment), die die OECD seit 2000 alle drei Jahre durchführt, teils unliebsame Ergebnisse zutage gefördert haben. PISA-Kritiker zweifeln die Methodik an und bemängeln, dass die Ergebnisse zu politischen Zwecken ausgeschlachtet würden. Wie funktioniert PISA?

Die Studie misst in erster Linie die Kompetenzen von 15-Jährigen in Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen. Sie betrachtet auch ein innovatives Feld wie zuletzt «Lernen in der digitalen Welt». Die aktuell vorliegenden Ergebnisse aus den Leistungstests in 81 Ländern stammen aus dem Jahr 2022. Die nächste, gerade laufende Überprüfung wird im September dieses Jahres veröffentlicht So viel dürfte unstrittig und

Wo ist die Schulpflicht am kürzesten

Länder-Ranking PflichtjahreBemerkung

weithin bekannt sein: Singapur war 2022 in allen vier Bereichen Spitzenreiter –weltweit Die Tendenz seit der letzten Erhebung ist in vielen OECD-Staaten ebenfalls eindeutig: Die Leistungskurve zeigte in vielen Ländern nach unten, was Bildungspolitiker, Lehrkräfte und Eltern gleichermassen aufschreckte. Der Abfall war offenbar zum Teil bedingt durch die Pandemie, aber eben auch durch strukturelle Defizite. Bei den Strukturen scheiden sich die Geister So beispielswiese bei der Frage wie früh eine leistungsorientierte Selektion der Schülerinnen und Schüler nach Schultypen erfolgen sollte. In Deutschland ist dies recht früh der Fall, Fachleute streiten darüber nun schon seit mehr als 50 Jahren

Die Schweiz im Spitzenfeld

Im internationalen Vergleich darf sich die Schweiz zu den «Top-Performern» zählen. Die 15-Jährigen hierzulande rangieren insbesondere in Mathematik weit vorne (auf Platz 8 weltweit) und schneiden auch sehr gut in Naturwissenschaf-

Japan 9verteilt auf Grund- und Mittelschule

Deutschland 9 bis 10 danach Teilzeitschulpflicht (Berufsschule) in Verbindung mit beruflicher Ausbildung

Vereinigtes Königreich 11 danach Ausbildungspflicht, aber keine Schulpflicht

Schweiz11inklusive obligatorischer Kindergarten

Frankreich 13 inklusive obligatorische «École maternelle»

USA10 bis 13 inklusive Kindergarten, varriert je nach Bundesstaat

OECD-Durchschnitt 10 bis 11 –

Schulpflicht weltweit 6 bis 12 –

Quelle: Eigene Recherche internationale Bildungsstatistiken und OECD-Daten

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Welches Schulsystem gilt als schwer

Länder OrganisationCharakteristika

Japan ZentralSitzenbleiben gibt es während der Pflichtjahre nicht

Frankreich Zentraldanach Teilzeitschulpflicht (Berufsschule) in Verbindung mit beruflicher Ausbildung

Deutschland

Föderal (Bundesländer)danach Ausbildungspflicht, aber keine Schulpflicht

SchweizFöderal (Kantone)inklusive obligatorischer Kindergarten

Vereinigtes Königreich

DezentralisiertEngland, Schottland, Wales, Nordirland haben je eigene Systeme, grundsätzlich hohe Spezialisierung, frühe Selektion mit 11 Jahren in Teilen des Bildungssystems

USAFöderal (Bundesstaaten)breit angelegt, keine Selektion

ten ab Klára Sokol, die Generalsekretärin der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK), betont auf Nachfrage den insgesamt hohen Bildungsstandard in der Schweiz. «In absoluten Zahlen sind in Mathematik tatsächlich sehr gute Ergebnisse zu verzeichnen. Auch in den Bereichen Lesen und Naturwissenschaften ist eine positive Entwicklung festzustellen: Zwischen 2015 und 2022 bestätigte und bestärkte die Schweiz ihre Position. Die Zahl derjenigen Länder die ein vergleichbares oder besseres Ergebnis als die Schweiz erzielten, sank im Bereich Lesen von 33 auf 23 Länder, im Bereich Naturwissenschaften von 23 auf 17 Länder und in Mathematik von 9 auf 7 Länder.» Schaut man allein auf die fünf hier ausgewählten Länder dann ergibt sich folgendes Bild: Japan glänzt mit TopWerten auf Platz 5 im gesamten PISARanking – gefolgt von der Schweiz, die deutlich über dem OECD-Durchschnitt liegt. Im Vereinigten Königreich sind die Schülerinnen und Schüler besonders gut in Naturwissenschaften. Das Land liegt aber auch in den anderen beiden Kompetenztests stabil über dem durchschnittlichen Niveau der OECD-Länder – und lässt damit in Europa Deutschland und Frankreich hinter sich, die sich in der PISA-Runde 2022 im Vergleich zu 2018 verschlechterten.

Zwischen Leistung und Gerechtigkeit

Gute Lesefähigkeiten und naturwissenschaftliche Kompetenzen werden auch 15-Jährigen in den USA bescheinigt, in Mathe läuft es hier allerdings nicht so rund. Deutschlands Jugendliche lagen mit ihren Leistungen im OECD-Durchschnitt – leicht über denen in Frankreich, wo man in Mathematik leicht unter dem Niveau der besten Vergleichsländer rangierte, aber insgesamt im OECD-Durchschnitt blieb

Zwischen 5300 und 11000 Unterrichtsstunden: Die Unterschiede im OECD-Raum sind enorm.

Ob sich aus schlechten Testergebnissen direkt auf die Qualität eines Schulsystems schliessen lässt, ist umstritten. «Ja und nein» – so lässt sich die bildungspolitische Debatte zusammenfassen. Zwar liefern internationale Vergleiche wichtige Hinweise, doch sie greifen oft zu kurz. Schnell rückt dabei die Frage der Chancengleichheit in den Mittelpunkt.Auffällig ist etwa, dass in Deutschland und Frankreich der Einfluss der sozialen Herkunft auf die schulische Laufbahn besonders hoch ist. In der Schweiz hält man sich nicht nur hohe Qualität, sondern auch die Durchlässigkeit zwischen den Bildungsgängen zugute. EDK-Generalsekretärin Klára Sokol sieht darin «ein konstituierendes Merkmal» des hiesigen Bildungssystems. «Egal, welchen Weg man nach der obligatorischen Schule einschlägt, die Tür für einen anderen Bildungsweg steht zu jedem Zeitpunkt offen. Ganz im Sinne: kein Abschluss ohne Anschluss. So kann eine Person eine Berufslehre absolvieren und schliesslich an einer Universität oder ETH das Studium abschliessen. Diese Durchlässigkeit trägt zur Bildungsgerechtigkeit bei, für die sich die Kantone stark einsetzen», sagt sie

Die OECD geht in ihrer PISA-Studie von 2022 jedenfalls davon aus, dass nur 12 Prozent der Varianz bei den Mathematikleistungen auf die Unterschiede zwischen Bildungssystemen beruhten. Die Merkmale der Bildungssysteme spielten hier also keine wichtige Rolle für die Erklärung der Unterschiede bei den Schülerleistungen. Einig ist man sich in der OECD dass Reformbedarf bestehe und internationale Vergleiche auf Basis einheitlicher Datenerhebungen dazu hilfreich sind. Auch bei den Bildungszielen gibt es jenseits nationaler Definitionen gemeinsame Stossrichtungen: Angestrebt werden grundlegende Kompetenzen wie Lesen, Rechnen und Problemlösen, um hohe Bildungsniveaus und Arbeitsmarktfähigkeit zu sichern. Ziel

Alarmierende Zahlen

Immer mehr Kinder und Jugendliche haben keinen Zugang zu Bildung. Die Zahl liegt nach neuesten Angaben des UnescoWeltbildungsberichts 2026 inzwischen bei 273 Millionen, das heisst: Jedes sechste Kind weltweit kann nicht zur Schule gehen. Dieser Anstieg dauere schon das siebte Jahr in Folge an, so der Bericht Die Unesco sieht die Hauptgründe im Bevölkerungswachstum, in Krisen und sinkenden Bildungsetats

ist auch, den Zugang zu (höherer) Bildung zu ermöglichen, um die soziale und wirtschaftliche Situation Einzelner zu verbessern. Die OECD bekennt sich auch zur Inklusion und Persönlichkeitsentwicklung. Man könnte in Anlehnung an die bayerische Kultusministerin Anna Stolz auch sagen: Hightech und Herzschlag gehören zusammen.

Auf dem Weg in die Zukunft

Um alle diese Ziele zu erreichen, sind die Herausforderungen immens. Nicht nur, aber auch in der Schweiz stehen Digitalisierung und Fachkräftemangel weit oben auf der Agenda der Bildungsverantwortlichen. Es gilt, in den nächsten Jahren ausreichend junge Leute fit zu machen für eine sich wandelnde Wirtschaft, wie auch das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation betont. Klará Sokol sieht für die Schweiz noch eine weitere besondere Herausforderung – und Chance zugleich: die Mehrsprachigkeit. «Für den schulischen Erfolg und für den erfolgreichen Einstieg ins Berufsleben ist das Erlernen einer anderen Landessprache zentral.» Aus diesem Grund setzten sich Kantone und Bund mit Nachdruck für die Mobilität von Lernenden aller Stufen ein, um den Austausch zwischen den einzelnen Sprachregionen zu fördern. Wenn also Louise, Gabriel, Hirami und Haruto nach den Pflichtschuljahren entscheiden müssen, wie es für sie in Richtung Studium oder Beruf weitergeht, wird die Arbeitswelt schon nicht mehr so sein wie an ihrem ersten Schultag. Keine leichte Aufgabe für Schulen, das richtige Lern- und Lehrkonzept zu finden. Im März war übrigens der bekannte neuseeländische Erziehungswissenschafter John Hattie in der Schweiz zu Gast. Der Professor an der Universität in Melbourne hat bei der Auswertung diverser Studien 400 Faktoren für den Lernerfolg ausgemacht. 400!

Lernens, sondern auch ein Spiegel unterschiedlicher
sozialer Schichten: «The Breakfast Club» (1985).
Klára Sokol, Generalsekretärin der EDK

Mit dem Kompass

den richtigen Weg einschlagen

Das Bildungsangebot ist heute so vielfältig wie schwer zu überblicken. Im Bereich Nachhaltigkeit kann der Bildungskompass helfen, den passenden Weg zu finden. Von Anja Ruoss

NNachhaltigkeit ist ein grossers Wort. Sie betrifft Wirtschaft, Gesellschaft und Technologie gleichermassen – und stellt damit auch neue Anforderungen an Bildung. Wer hier Schritt halten will, muss sich laufend neues Wissen aneignen und bestehende Kompetenzen erweitern.

Bildung im Bereich Nachhaltigkeit wird zunehmend vielfältiger – und damit auch unübersichtlicher Wer sich heute gezielt Wissen aneignen oder sich in diesem Feld vertiefen möchte, sieht sich mit einer wachsenden Zahl von Programmen, Schwerpunkten und Abschlüssen konfrontiert.

Diese Entwicklung spiegelt eine grundsätzliche Verschiebung wie sie auch im Bildungsdiskurs immer wieder beschrieben wird: Lernen endet nicht mehr mit einem Abschluss, sondern begleitet die eigene Biografie dauerhaft. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die individuelle Orientierung. Nicht aus oder nur Inhalte zählen, sondern auch die Passung zu beruflichen Zielen unddenErwartungendesArbeitsmarkts

Orientierung schaffen

Genau hier setzt der «Bildungskompass» von Sustainable Switzerland an. Die Plattform bündelt mehr als 350 nachhal-

tigkeitsbezogene Bildungsangebote von Schweizer Fachhochschulen und Universitäten und will die Suche nach passenden Lehrgängen gezielter und effizienter machen. «Die Nachfrage ist gross. Aus diesem Grund haben wir unseren Bildungskompass entwickelt. Mit ihm lässt sich online ermitteln, welcher Nachhaltigkeitslehrgang in der Schweiz am besten zu den eigenen Bedürfnissen passt», sagt Tina Baumberger Plattform-Verantwortliche von Sustainable Switzerland Nutzerinnen und Nutzer erhalten raschen Zugang zu relevanten Lehrgängen und können Angebote anhand zentraler Kriterien wie Kosten, Dauer

Inhalten und Karrieremöglichkeiten veinordnen und vergleichen. Damit reagiert das Tool auf ein zentrales Bedürfnis: Orientierung in einem zunehmend ausdifferenzierten Bildungsmarkt Zu ausgewählten Lehrgängen erscheinen zudem redaktionelle Beiträge, die in Zusammenarbeit mit den Partnerhochschulen entstehen. Sie bieten zusätzliche Einblicke in Inhalte, Praxisbezug und mögliche berufliche Perspektiven.

So funktioniert die Suche

Der Weg zum passenden Angebot erfolgt in wenigen Schritten: Zunächst beantworten Nutzerinnen und Nutzer online

Fragen zu ihren Interessen und Zielen. Darauf aufbauend schlägt das Tool passende Lehrgänge vor Anschliessend lassen sich die Angebote weiter filtern und vergleichen.

Wer sich vertieft informieren möchte, gelangt direkt zu den Detailangaben der jeweiligen Hochschule und kann sich dort für Informationsveranstaltungen anmelden oder sich unmittelbar für einen Lehrgang einschreiben.

QR-Code scannen und Bildungskompass gleich selbst ausprobieren.

• Schweizerund internationalerLehrplan

• 2-sprachiger Bildungsweg

• Non-profitSchule

Manchmal führt der Weg dorthin, wo man ihn nicht erwartet: «Legally Blonde» (2001).

Bildungsgerechtigkeit in der Schweiz: Ein Realitätscheck

Bildungsgerechtigkeit klingt einfach, ist aber hochkomplex. Zwischen früher Förderung, sozialem Umfeld und schulischer Selektion entscheidet sich, welche Chancen Kinder haben – und welche nicht. Von Susanna Valentin

Bildungsgerechtigkeit ist dann erreicht, wenn Geschlecht, soziale Herkunft oder Nationalität die Bildungschancen nicht beeinflussen. Was sich in einem Satz formulieren lässt, ist in der Realität deutlich komplizierter. «Wir sind noch nicht dort, wo wir hinwollen», sagt Katharina Maag Merki, Professorin für Theorie und Empirie schulischer Bildungsprozesse an der Universität Zürich. «Zu viele Kinder, rund 25 Prozent, erreichen die Lernziele nicht.» Kinder aus bildungsnahen Familien schneiden weiterhin häufig besser ab «Das zeigt: Junge Menschen werden zu wenig unterstützt. Individuelle Voraussetzungen haben noch immer einen zu grossen Einfluss.»

Die Verantwortung dafür liegt nicht allein bei den Schulen. Katharina Maag Merki veranschaulicht Bildungsbenachteiligungen gern mit dem Bild eines Hochhauses. Im ersten Stock liegt die Vorschule, darüber die öffentliche Schule, gefolgt von Gemeinde, Kanton und Staat Auf jeder dieser Etagen können Benachteiligungen entstehen. «Bildungspolitik ist auch Sozialpolitik und Wohnpolitik», fasst Maag Merki zusammen «Wo ein Kind aufwächst – in welchem Kanton, in welcher Gemeinde und in welchem Quartier – ist bedeutsam.»

Frühe Kindheit im Fokus

Gerade die erste Etage, die frühe Förderung, hat in den letzten Jahren an Aufmerksamkeit gewonnen. Die Universität Basel hat etwa einen spezialisierten Fragebogen entwickelt, der den Sprachstand von Kindern im Alter von 2,5 bis 3,5 Jahren erfasst. Zahlreiche Kantone und Gemeinden nutzen das Dokument, um Förderbedarf vor dem Kindergarteneintritt zu erkennen. Auch der Kanton Basel-Landschaft hat sich in den letzten Jahren dafür entschieden, den Fokus auf die Förderung der Bildungssprache in der frühen Kindheit zu legen. «Sprache ist der Schlüssel zur Welt», sagt Manuela Hofbauer, Koordinatorin frühe Sprachförderung Basel-Landschaft. Sie organisiert die Sprachstandserhebungen im ganzen Kanton. «Langzeitstudien zeigen, dass sich sprachliche Hindernisse am Anfang der Schullaufbahn stark auf die Leistungen auswirken und nie ganz aufgeholt werden können.»

Bildungsgerechtigkeit beginnt vor der Schule: In den vergangenen Jahren ist die frühe Kindheit stärker in den Fokus gerückt, weil Studien zeigen, dass sich soziale Ungleichheiten bereits in den ersten Lebensjahren verfestigen. Unterschiede im Zugang zu sprachlicher Förderung und frühkindlicher Bildung sowie stabile Lebensbedingungen wirken sich nachhaltig auf Bildungswege aus Frühkindliche Angebote und Familienarbeit gelten daher als entscheidender Hebel, um Benachteiligungen früh auszugleichen, Entwicklungschancen zu verbessern und langfristig mehr Chancengleichheit im Bildungssystem zu erreichen

Eine durchmischte Klassenzusammensetzung fördert die soziale Integration – und stärkt die konsequente Nutzung der gemeinsamen Schulsprache, sagt der Bildungsbericht.

nur die Erwartungen der Lehrpersonen, auch ihre Beurteilung von Schülerleistungen durch unbewusste Stereotype können die Bewertung beeinflussen. «Es steckt dabei keine Absicht dahinter», betont Maag Merki. «Aber wir sehen zum Beispiel, dass Buben oder auch Kinder mit höherem Körpergewicht tendenziell schlechter bewertet werden. Zudem empfehlen die Lehrpersonen eher die Sekundarschule, wenn den Eltern – trotz hoher Leistung des Kindes – die Unterstützung ihrer Tochter oder ihres Sohnes im Gymnasium nicht zugetraut wird.» Bildungsbenachteiligung könne beispielsweise reduziert werden, indem Lehrpersonen gemeinsame Standards miteinander besprechen und bei der Beurteilung der Kinder unterschiedliche Perspektiven einfliessen lassen, führt die Professorin weiter aus. Insbesondere, wenn die Beurteilung sich in Zeugnisnoten niederschlägt. Denn diese sind nach wie vor die Goldwährung unseres Schulsystems für die Selektion. Die Selektion geschieht in der Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern sehr früh. «Es zeigt sich, dass in Ländern, in denen die Selektion nach der obligatorischen Schulzeit, also nach 8 oder 9 Jahren, geschieht, mehr Bildungsgerechtigkeit besteht», sagt Maag Merki. «Fakt ist, dass immer dort wo Übergänge stattfinden, die Bildungsgerechtigkeit in Gefahr ist», fasst die Professorin für Theorie und Empirie schulischer Bildungsprozesse zusammen. «Ziel muss es sein, all diese Hürden abzuschaffen oder zumindest zu reduzieren, damit alle dieselben Chancen haben.»

Trotzdem ist es weiterhin ein Novum, dass der Vorschulbereich vom Kanton unterstützt wird Mit der einstimmigen Annahme des Sprachfördergesetzes im Kanton Basel-Landschaft im Jahr 2024 wurde die Grundlage geschaffen. Eltern sind verpflichtet, den Sprachstandsfragebogen auszufüllen Was dann geschieht, entscheiden die Gemeinden. Wird Förderbedarf erkannt, werden zum Beispiel Bildungsgutscheine für Kitas oder Spielgruppen verteilt. Ziel ist, Eltern für die Bedeutung der Sprache zu sensibilisieren und so die Startchancen der Kinder zu verbessern

Die Sprache gilt demnach als zentrales Instrument, um faire Startbedingungen zu entwickeln. Nicht nur für einzelne Kinder sondern für ganze Klassen. Der Bildungsbericht 2026 der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung (SKBF) zeigt auf, dass Kinder aus bildungsfernen oder fremdsprachigen Familien ein höheres Risiko haben, schulisch schlechter abzuschneiden. Häufen sich solche Faktoren, verstärken sich die Effekte. Ab einem Anteil von 40 bis 50 Prozent kann dies auch die Leistungen anderer Kinder beeinflussen.

Wenn Vielfalt wirkt

Auch in der Zusammensetzung einer Schulklasse sieht Professorin Maag Merki eine Ressource. «Eine Konzentration von Kindern mit grosser Bildungsferne ist sicher ungünstig», bestätigt sie, «eine Mischung von Leistungs- und Sprachfertigkeiten ist ideal, so dass alle voneinander profitieren.» Auf Seite 80 des 404 Seiten starken Bildungsberichts 2026 wird das Fazit gezogen: «Eine durchmischte, nicht zu homogene Zusammen-

setzung fördert die soziale Integration und die Notwendigkeit, die gemeinsame Schulsprache zu verwenden.» Zudem wird festgehalten, dass hohe Heterogenität positive Effekte auf soziale und andere, nichtkognitive Kompetenzen wie interkulturelle Kommunikationsfähigkeit und Teamfähigkeit haben kann. Damit werden in durchmischten Klassen überfachliche Kompetenzen gestärkt, deren Einfluss auf die spätere Berufslaufbahn positiv ist, sich aber nicht in den Noten abbildet.

Die Macht der Noten

Sie sind denn auch eine weitere Quelle möglicher Bildungsungerechtigkeit «Die Beurteilung gehört zum Kerngeschäft jeder Lehrperson», führt Maag Merki aus. «Doch Studien zeigen: Kinder erhalten je nach Hintergrund unterschiedliche Noten – bei gleicher Leistung.» Auch der Bildungsbericht dieses Jahres weist auf Verzerrungen bei der Leistungsbeurteilungen durch Lehrpersonen hin und unterstreicht die Bedeutung, wie Beurteilungen vorgenommen werden. Nicht

Gemeinsam handeln

Ein Ziel, das der Kanton Basel-Landschaft beim Übergang in den Kindergarten mit den Sprachstandserhebungen erreichen möchte. Wie sich an der Rücklaufquote zeigt, sind auch Eltern motiviert, ihren Kindern einen guten Start zu verschaffen: Ende Januar wurden bereits 90 Prozent der Fragebogen retourniert, letztes Jahr lag die Rücklaufquote Ende Sprachstandserhebung bei 96 Prozent.

Eltern, Betreuungs- und Bildungsinstitutionen im Frühbereich, Schulen, Gemeinden und Kantone sind interessiert, Lösungen für eine komplexe Fragestellung zu finden. Denn Bildungsgerechtigkeit beinhaltet unzählige Faktoren, die ineinandergreifen – von der Herkunft über die Schulstruktur bis zur Bildungspolitik Ihre Förderung bleibt eine anspruchsvolle und dauerhafte Herausforderung für alle Beteiligten. Oder anders gesagt: Chancengleichheit entsteht nicht von selbst. Sie muss auf jeder Etage des Hochhauses immer wieder neu erarbeitet werden.

Bildungserfolg hängt

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pädagogischem Weitblickeinsetzen

vonfehlender Orientierung über Unsicherheiten im Umgang mit Tools bis hin zu Themenwie Datenschutz, Urheberrechtund der Förderung vonkritischem Denken. Gleichzeitig entsteheninSchulzimmern bereits heute Lösungen, die zeigen, wie mit KI konstruktiv umgegangen werden kann. Der EduAI Awardmachtdiese Praxis sichtbar und gibtihr die Anerkennung,die sie verdient.

Fachpersonen auszutauschen,

Fachpersonenauszutauschen, sowie Teil einer nationalenEntwicklung zu werden.

Bewertetwirdnichtnur,was technisch möglich ist, sondern vorallem, waspädagogisch überzeugt: die Umsetzbarkeit im Schulalltag,der Mehrwert für das Lernen, einreflektierter Umgang mit KI, der Innovationsgrad sowie die nachvollziehbareWirkung

umgegangenwerden EduAIAward macht diese ein reflektierter eine

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FürLehrpersonen ist eine Einreichung mehr als eine Chance auf einen Preis. Sie bietetdie Möglichkeit, die eigene Arbeit zu reflektieren, sich mit anderen engagiertenLehr- und

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bleibt oftunsichtbar. Unterdem SevenEducationden «SmartfeldEduAI Award» und gibt Lehrpersonen Bühnefür Projekte,die zeigen,wie eingesetzt werden

Künstliche Intelligenz verändert denUnterricht, aber gute Praxis bleibtoft unsichtbar Unter dem Motto «Ihr Unterrichtwirdausgezeichnet» präsentiert SevenEducation den «Smartfeld EduAIAward»und gibtLehrpersonen eine nationale Bühne für Projekte, die zeigen, wie KI verantwortungsvoll, kreativ und wirksam eingesetztwerden kann

Individualisierung damit

Künstliche Intelligenz verändert Schule nichtirgendwann, sondern jetzt. Während neue KI-Tools und Funktionen fast wöchentlich auftauchen und die Möglichkeiten für Vertiefung,Differenzierung und Individualisierungdamit stetig wachsen, stehen Lehrpersonenvor einer entscheidendenFrage:Wie lässt sich KI so einsetzen, dass das Lernen tatsächlich unterstützt wird?

Lehrpersonen voreiner entscheidenden Frage: Wie dassdas leisten bereits

Genau aus diesem Spannungsfeld ist der Smartfeld EduAI Award entstanden: Viele Lehrpersonen

leistenbereits heute Pionierarbeit, oftimeigenen Klassenzimmer und ohne grosse Sichtbarkeit. Der Awardmachtdiese Arbeit sichtbar und rücktUnterrichtsprojekte ins Zentrum, die zeigen, wie sich neue Technologien sinnvoll in bestehende Lernprozesse einfügenlassen.

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Ob erprobte Unterrichtseinheiten oder Pilotprojekte: Eingereichtwerden kann alles, waseinen nachvollziehbaren Zugang erkennen lässt. Entscheidend ist nicht, wie weit ein Projekt entwickelt ist, sondern ob

eine klarepädagogische Überlegung dahintersteht. Projekte können in Deutsch, Französisch oder Italienisch eingereichtwerden.

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Entscheidendist nicht, wastechnisch möglich ist, sondern waspädagogisch überzeugt.

Warum brauchtesdiesen Award gerade jetzt? Weil sich rund um KI im Unterrichtviele Fragen bündeln:

Werunschlüssigist,ob Projektpasst, genössischenHochschulen,

Werunschlüssig ist, ob sein Projekt passt, kann unkompliziert an einem Info-Webinar teilnehmen und sich einen Überblick verschaffen.

Die Jury bringtzusammen,was im Bildungssystem oftgetrenntist: Forschung,Entwicklung und Praxis. Sie vereintPerspektiven aus eidgenössischen Hochschulen, Universitäten, Fachhochschulen, Pädagogischen Hochschulensowie aus der Schulpraxis und schafft so eine nationale Sichtauf Unterrichtmit KI, fundiert, kritisch und nah am Klassenzimmer

ist ein Verein, der sichder

Smartfeld istein gemeinnütziger Verein,der sich der Förderung vonZukunftskompetenzenimMINT-Bereichwidmet.Die Organisation verbindetForschung,Entwicklung und Praxisund arbeitetmit einem breiten Netzwerkaus Bildungsinstitutionen, sowiemit Wirtschaftspartnernund Stiftungen zusammen.

BILDUNGSPARTNER

PLATINPARTNER

GÖNNER DES EDUAI AWARD

zenimMINT-Bereich widmet. Die Praxis und Netzwerk aus sowie mit Wirtschaftspartnern und Mit dem Unterrichtspraxis sichtbarund denAustausch

Mitdem EduAIAward machtSmartfeld gute Unterrichtspraxissichtbar und trägt dazu bei, den Austausch zwischen Lehrpersonen, Schulen und Bildungsakteuren in der ganzen Schweiz zu stärken.

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Die wichtigsten Infosauf einen Blick

Teilnahme: Lehrpersonenund Teams, Sek Iund II ausder Schweiz

Einsendeschluss: 14.September 2026

Lehrpersonen und 14. September November 2026,

Preisverleihung: 4. November2026, Kraftwerk Zürich Informationen &Einreichung: www.smartfeld.ch/eduai-award

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ist KI generiert

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