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Freitag, 4. September 2026

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Not that easy

KI-Blase. Marktkonzentration. Hohe Bewertungen. Wer durch Finanzmedien blättert, begegnet derzeit immer wieder denselben Warnungen. Sie haben einen Vorteil: Sie reduzieren eine komplizierte Welt auf einfache Erklärungen. Das Problem ist nur: Die Börse ist alles andere als einfach. Nehmen wir die Marktkonzentration. Wenige riesige Firmen, so die aktuelle Befürchtung, treiben den amerikanischen Aktienmarkt nach oben. Das klingt gefährlich. Aber ist es das auch? Eine Anfang 2026 veröffentlichte Studie mit dem Titel «Magnificent, but Not Extraordinary» hat fast 100 Jahre amerikanische Börsengeschichte untersucht und gezeigt: Eine starke Konzentration kann ein völlig normaler Bestandteil funktionierender Kapitalmärkte sein. Schon zwischen den 1930er und 1960er Jahren vereinigten zeitweise sieben Unternehmen – daruntert AT&T, Standard Oil und General Motors — rund ein Drittel des gesamten US-Börsenwerts. Mit anderen Worten: Gross ist nicht automatisch gefährlich und Konzentration ist nicht automatisch Blase. Also alles in Ordnung? So einfach ist es natürlich auch wieder nicht. Entscheidend für die langfristige Rendite ist nämlich nicht nur, wie gross ein Unternehmen ist, sondern welchen Preis Anleger dafür bezahlen – und was sie für diesen Preis bekommen. Und damit wären wir beim nächsten beliebten Schlagwort: den hohen Bewertungen. Doch selbst die erzählen nur einen Teil der Geschichte. Ben Snider, Chefstratege für US-Aktien bei Goldman Sachs, weist darauf hin, dass die aktuelle Börsenrally nicht allein von immer höheren Bewertungen getragen wird. Sie wird vor allem von kräftig steigenden Unternehmensgewinnen gestützt. Die Gewinnerwartungen wachsen derzeit sogar schneller als die Aktienkurse. Oder, vereinfacht gesagt: Ein Kuchen ist nicht teurer, nur weil er doppelt so viel kostet wie gestern – wenn er heute auch doppelt so gross ist. Bei Aktien verhält es sich ähnlich: Ein hoher Kurs allein sagt noch wenig darüber aus, ob eine Aktie tatsächlich teuer ist. Und damit wären wir wieder am Anfang. Wir mögen einfache Geschichten. Mal ist es die KI, mal sind es die «Magnificent Seven», mal die Marktkonzentration oder die hohen Bewertungen. Jedes dieser Schlagwörter kann auf ein reales Risiko hinweisen. Keines erklärt für sich allein den Markt. Vielleicht liegt gerade darin eine der wichtigsten Aufgaben guter Vermögensverwaltung: komplexe Zusammenhänge einfach zu erklären – ohne sie zu vereinfachen. Pamela Beltrame, verantwortlich für diesen Schwerpunkt

IMPRESSUM

Von 17 000 Prozent Gewinn bis zum Totalverlust Ein Börsengang kann Anleger reich machen – oder einen Einsatz nahezu vollständig vernichten. Ein Blick auf die spektakulärsten Gewinner und Verlierer der Schweizer Börse zeigt, was aus einstigen Hoffnungsträgern geworden ist und was langfristigen Börsenerfolg ausmacht.

FREDY GILGEN

Den Sprung auf die grosse Bühne. Jedes Jahr versuchen weltweit Hunderte von bislang wenig bekannten Unternehmen, via Börsengang ins helle Rampenlicht zu treten. Denn im allerbesten Fall winken dann raketenhafte Kurs- und Unternehmenswertsteigerungen, hoffen die Börsenneulinge. Doch längst nicht jedes Börsendebüt wird zur Erfolgsgeschichte. Die Dimensionen des weltweit dominierenden US-IPO-Marktes bleiben für die Schweiz zwar unerreichbar. Allein im zweiten Quartal 2026 gab es dort 39 Börsengänge mit einem Gesamtvolumen von 116 Milliarden US-Dollar. Darunter war der Börsengang von Elon Musks SpaceX mit einem Volumen von 86,2 Milliarden US-Dollar. So imponierend diese Zahlen sind, so beachtlich sind die Ergebnisse hierzulande. Einstellige Milliardengewinne sind nämlich auch in unserem Land erreichbar, wie vor zwei Jahren der Börsengang von Galderma gezeigt hat. In den Milliardenclub schafften es zuvor auch schon Alcon, Glencore und Landis + Gyr.

Im Durchschnitt jedes Jahr sechs IPOs Seit dem Jahr 2000 sind gemäss der Datenbank der Schweizer Börse SIX insgesamt 157 Unternehmen an die Börse gegangen. Das zeigt eine Auswertung von Tobias Meyer, Leiter Transaction Accounting und IPO Services bei EY Schweiz. Im Durchschnitt entspricht das rund sechs Börsengängen pro Jahr. Gemeinsam mit Joel Frick, Investment Lead bei der Bendura Bank, haben wir einen Blick auf die Gewinner und Verlierer geworfen. Die Bilanz könnte unterschiedlicher kaum ausfallen: Während einige Titel ihren Erstzeichnern Kursgewinne von mehreren tausend Prozent bescherten, verloren andere nahezu ihren gesamten Wert. Welche Börsengänge haben Anleger reich gemacht – und welche endeten im Desaster? Das sind die spektakulärsten Gewinner und Verlierer der Schweizer Börse.

1.

VAT Group (IPO 2016): Der Vakuumventilhersteller aus Haag im Kanton St.Gallen hat sich seit seinem Börsengang zu einem der erfolgreichsten Schweizer Industrieunternehmen entwickelt. VAT ist heute ein wichtiger Zulieferer der globalen Halbleiterindustrie und profitiert entsprechend stark vom Ausbau der Chipproduktion. Der Erfolg zeigt, wie sich eine führende Position in einem hoch spezialisierten Nischenmarkt auszah-

len kann, wenn dieser zugleich strukturell wächst. Seit dem Börsengang hat die Aktie rund 1350 Prozent zugelegt.

2.

Straumann (IPO 1998): Beim Börsengang 1998 war der Dentalimplantathersteller noch ein vergleichsweise kleines Schweizer Unternehmen. Der IPO verschaffte Straumann Kapital für die internationale Expansion. Heute ist das Unternehmen Weltmarktführer bei Zahnimplantaten und beschäftigt rund 17 000 Mitarbeitende. Der Fall Straumann zeigt exemplarisch, wie ein Börsengang die globale Expansion eines spezialisierten Schweizer KMU beschleunigen kann. Für Anleger zahlte sich diese Entwicklung aus: Seit dem Börsendebüt hat die Aktie rund 17 100 Prozent zugelegt.

3.

Sonova (IPO 1994): Die damalige Phonak war zum Zeitpunkt ihres Börsengangs ein wachsendes Schweizer Mittelstandsunternehmen. Mit Innovationen bei digitalen Hörgeräten entwickelte sich die heutige Sonova in den folgenden Jahrzehnten zu einem weltweit führenden Anbieter von Hörlösungen. Entscheidend für den Erfolg war die Fähigkeit, den technologischen Wandel in der Hörgerätebranche früh zu nutzen und daraus internationales Wachstum zu generieren. Wer seit dem Börsengang investiert ist, verzeichnet einen Kursgewinn von 2556 Prozent.

4.

Galderma (IPO 2024): Der Börsengang des Dermatologiekonzerns war mit einem Platzierungsvolumen von 2,3 Milliarden Franken der grösste in der Schweiz seit 2017. Seither entwickelte sich Galderma zu einem der jüngsten Grosserfolge an der SIX. Bis Mitte August dieses Jahres hat sich der Aktienkurs gegenüber dem Ausgabepreis mehr als verdreifacht. Hinter dem Kursanstieg steht vor allem die starke Position des Unternehmens in einem wachsenden Dermatologiemarkt, insbesondere in den Bereichen Hautpflege und ästhetische Behandlungen. Galderma ist heute einer der weltweit führenden Anbieter für Dermatologie und Hautgesundheit.

5.

Swissquote (IPO 2000): Swissquote setzte früh konsequent auf Online-Banking und -Trading und entwickelte sich vom Finanzportal zu einer führenden Schweizer Digitalbank. Neue Geschäftsfelder wie Forex, digitale Vermögensverwaltung und später der Handel mit Kryptowährungen kamen früh hinzu. Zum Erfolgsrezept gehörte, technologische Veränderungen im Finanzgeschäft früh zu erkennen und das Angebot laufend

auf neue Anlageformen auszuweiten. Seit dem Börsengang hat die Aktie rund 850 Prozent zugelegt.

6.

Comet Holding (IPO 2002): Der Freiburger Spezialist für Röntgen- und Hochfrequenztechnik ist ein stiller Star der Schweizer Börse. Seine Technologien kommen unter anderem in der Halbleiterindustrie zum Einsatz, wo Comet eine starke Marktposition aufgebaut hat. Der Börsenerfolg beruht wesentlich darauf, dass das Unternehmen mit hoch spezialisierten Technologien an der langfristig wachsenden Nachfrage nach immer leistungsfähigeren Halbleitern partizipiert. Seit dem Börsengang hat die Aktie um mehr als 480 Prozent zugelegt.

7.

Givaudan (IPO 2000): Der Börsengang des Genfer Aromen- und Riechstoffherstellers war kein klassischer IPO: Givaudan wurde im Juni 2000 von Roche abgespalten und als eigenständiges Unternehmen an der Schweizer Börse kotiert. Der Erfolg beruht auf einer starken Position in einem wenig konjunkturabhängigen Spezialmarkt, die Givaudan über die Jahre durch organisches Wachstum und Übernahmen weiter ausgebaut hat. Seit dem ersten Handelstag hat die Aktie rund 539 Prozent zugelegt.

8.

Sensirion (IPO 2018): Während der Covid-19-Pandemie erlebte der Sensorhersteller einen aussergewöhnlichen Nachfrageboom: Sensirion war ein wichtiger Lieferant von Sensoren für Beatmungsgeräte, deren Nachfrage sprunghaft anstieg. Nach dem Ende des Pandemiebooms und dem anschliessenden Lagerabbau in der Halbleiterindustrie geriet die Aktie allerdings deutlich unter Druck. Der Fall Sensirion zeigt damit auch, wie stark vorübergehende Sondereffekte die Börsenentwicklung eines Unternehmens überzeichnen können. Trotz der deutlichen Korrektur vom Höchststand notiert die Aktie noch immer rund 124 Prozent über dem Ausgabepreis.

9.

Bachem (IPO 1998): Das Baselbieter Unternehmen hat sich auf die Entwicklung und Herstellung von Peptiden spezialisiert und zählt heute zu den führenden Zulieferern der Pharma- und Biotech-Industrie in diesem Bereich. Der Börsenerfolg beruht auch auf einer klug gewählten Nische, deren Bedeutung stark gewachsen ist: Peptide spielen bei der Entwicklung moderner Medikamente eine immer grössere Rolle. Zusätzlichen Rückenwind erhält Bachem derzeit durch die hohe Nachfrage nach Wirkstoffen für Diabe-

Vermögensverwaltung ist ein Schwerpunkt des Unternehmens NZZ. Beilagen werden nicht von der Redaktion produziert, sondern bei NZZone von unserem Dienstleister für journalistisches Storytelling: NZZ Story Lab. Konzept und Realisation: Pamela Beltrame. Layout: Bahar Büyükkavir Verkauf: Katharina Kälin. Kontakt: NZZone, c/o Neue Zürcher Zeitung AG, Falkenstrasse 11, CH-8021 Zürich, +41 44 258 16 98, sales@nzzone.ch, nzzone.ch. Hinweis: Nicht gekennzeichnete Inhalte sind publizistisch unabhängig entstanden; bei Gastbeitrag oder Sponsored Content handelt es sich um kommerziell erworbene Inhalte.


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stoff, kann ein grosser Teil der zuvor eingepreisten Wachstumserwartungen auf einen Schlag verschwinden. Vom ursprünglichen Einsatz der IPOAktionäre blieb damit nur ein Bruchteil übrig.

4.

Perfect Holding (IPO 1999): Perfect Holding war im Geschäft mit Privat- und Geschäftsflugzeugen tätig und zählt zu den schwächsten langjährigen Performern der Schweizer Börse. Die Aktie verlor mehr als 99 Prozent ihres Werts, ehe die Gesellschaft über eine Manteltransaktion neu ausgerichtet wurde. Der Fall zeigt, wie ausbleibende operative Erfolge und wiederholter Kapitalbedarf denWert einer Beteiligung über Jahre nahezu vollständig aufzehren können.

5.

Evolva (Reverse Merger 2009): Das Reinacher Biotech-Unternehmen kam Ende 2009 über einen Reverse Merger mit der bereits kotierten Arpida an die SIX. Mit biotechnologisch hergestellten Substanzen wie Resveratrol und Stevia-Inhaltsstoffen setzte Evolva auf einen kommerziellen Durchbruch, der jedoch ausblieb. Nach Jahren mit operativen Verlusten und gescheiterten Partnerschaften wurde das operative Geschäft Ende 2023 verkauft. Evolva zeigt, dass technologische Ambitionen allein noch kein tragfähiges Geschäftsmodell ergeben: Entscheidend ist, ob sich daraus Produkte entwickeln lassen, die sich dauerhaft kommerzialisieren lassen. Für die langjährigen Aktionäre blieb am Ende kaum Wert übrig.

6.

Börsen-Top oder -Flop? Die Unterschiede zeigen sich erst mit der Zeit.

tes- und Adipositasmedikamenten. Seit dem Börsengang hat die Aktie rund 539 Prozent zugelegt.

10.

SFS Group (IPO 2014): Das Heerbrugger Traditionsunternehmen für Präzisionskomponenten und Befestigungssysteme ging 2014 an die Schweizer Börse. Seither hat SFS seine internationale Präsenz ausgebaut und das Geschäft durch organisches Wachstum und gezielte Übernahmen erweitert. Zum Börsenerfolg beigetragen hat die Kombination aus hoher Profitabilität, technologischer Spezialisierung und einer konsequenten Expansion in internationale Märkte. Seit dem Börsengang hat die Aktie rund 140 Prozent zugelegt.

11.

Vom Börsenstar zum Nonvaleur Wo an der Börse Vermögen entstehen, werden allerdings auch welche vernichtet. Die Schweizer IPO-Geschichte kennt neben ihren Tausend-Prozent-Gewinnern eine Reihe spektakulärer Verlierer. Einige scheiterten früh, andere wurden zunächst als Börsenstars gefeiert – und stürzten erst Jahre später ab.

1.

Meyer Burger (IPO 2006): Das Thuner Solarunternehmen Meyer Burger wurde nach dem Börsengang 2006 zum Anlegerliebling. Beflügelt vom weltweiten Ausbau der Solarenergie, stieg die Aktie zeitweise um 2663 Prozent gegenüber dem Emissionspreis. Mit dem wachsenden Preisdruck durch chinesische Anbieter geriet das Geschäftsmodell jedoch zunehmend unter Druck. Zahlreiche Restrukturierungen, Strategiewechsel und Kapitalerhöhungen konnten den Niedergang nicht aufhalten. Der Fall zeigt, wie schnell selbst eine starke Technologieposition an Wert verlieren kann, wenn sich die globalen Wettbewerbsbedingungen grundlegend verändern. Langfristig büsste

die Meyer-Burger-Aktie praktisch ihren gesamten Wert ein; Anfang 2026 wurde sie dekotiert.

2.

Addex Therapeutics (IPO 2007): Das Genfer Biotech-Unternehmen ging im Mai 2007 zu einem Ausgabepreis von 60 Fr. an die Börse. Wiederholte Rückschläge bei klinischen Studien wichtiger Medikamentenkandidaten liessen die Erwartungen der Anleger und damit den Aktienkurs einbrechen. Addex steht exemplarisch für das hohe Risiko junger Biotech-Unternehmen: Der Börsenwert hängt wesentlich vom Erfolg weniger Wirkstoffkandidaten ab – und damit von klinischen Studien mit ungewissem Ausgang. Seit dem Börsengang hat die Aktie weit über 95 Prozent ihres Werts verloren und notiert heute im Pennystock-Bereich.

3.

Santhera Pharmaceuticals (IPO 2006): Auch Santhera illustriert die Risiken von Biotech-Börsengängen. Das Unternehmen ging im November 2006 an die Börse. Rückschläge in der klinischen Entwicklung und bei der Zulassung wichtiger Medikamente wie Paxidem und Raxone setzten dem Börsenwert wiederholt stark zu. Hinzu kamen Kapitalmassnahmen, die den Anteil der bestehenden Aktionäre verwässerten. Wie bei Addex zeigte sich die Abhängigkeit von wenigen Hoffnungsträgern: Scheitert ein zentraler Wirk-

Totalverluste bleiben die Ausnahme Die Liste der Flops mag einen anderen Eindruck erwecken. Doch dass ein Unternehmen kurz nach dem Börsengang scheitert und die Aktionäre ihr gesamtes Geld verlieren, ist an der SIX die Ausnahme, sagt Joel Frick. Das liegt auch daran, dass die Hürden für einen Börsengang vergleichsweise hoch sind. Wer ins Hauptsegment der SIX will, muss in der Regel eine mindestens dreijährige Unternehmensgeschichte vorweisen, bestimmte Anforderungen an Eigenkapital und Streubesitz erfüllen und nach der Kotierung umfassenden Publizitätspflichten nachkommen. SIX-Sprecher Julian Chan sieht darin wichtige Leitplanken des Schweizer Aktienmarkts. Vor unternehmerischem Scheitern schützen allerdings auch strenge Börsenregeln nicht. Die Gewinner und Verlierer der vergangenen Jahrzehnte Börsengeschichte zeigen vielmehr, worauf es langfristig ankommt: Die einen besetzten lukrative Nischen, nutzten technologische Umbrüche oder expandierten erfolgreich ins Ausland. Die anderen wurden von neuen Konkurrenten, technologischen Umbrüchen oder den Risiken des eigenen Geschäftsmodells eingeholt. Der Weg an die Börse ist die eine Sache. Sich dort wirklich zu behaupten, eine ganz andere.

KI-generiert

Partners Group (IPO 2006): Die 1996 in Zug gegründete Partners Group entwickelte sich vom spezialisierten Vermögensverwalter zu einem der weltweit führenden Anbieter von Privatmarktanlagen. Seit dem Börsengang 2006 stieg das verwaltete Vermögen von rund 11 Milliarden Dollar auf zuletzt 186 Milliarden Dollar. Der Börsenerfolg ist eng mit dem Aufstieg von Private Equity und anderen Privatmarktanlagen zu einer bedeutenden Anlageklasse verbunden – ein Trend, den die Partners Group früh nutzte und international skalierte. Zuletzt geriet das Unternehmen allerdings unter Druck: Sorgen um Rücknahmen bei Evergreen-Fonds und die Bewertung

von Privatmarktanlagen belasteten den Aktienkurs. Trotz des deutlichen Rückgangs liegt dieser noch immer mehr als 1000 Prozent über dem Emissionspreis.

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Myriad Group / Esmertec (IPO 2005): Der Softwarehersteller Esmertec ging 2005 während des Handybooms an die Schweizer Börse und wurde später in Myriad Group umbenannt. Mit dem Aufstieg des Smartphones veränderte sich der Markt jedoch grundlegend – und das Unternehmen verlor den Anschluss. Nach Jahren mit schrumpfendem Geschäft und starken Kursverlusten wurde die Aktie 2018 von der SIX dekotiert. Myriad steht damit für ein klassisches Technologierisiko: Ein Unternehmen kann in einem wachsenden Markt erfolgreich sein und dennoch langfristig scheitern, wenn ein technologischer Umbruch seine Produkte und Geschäftsmodelle verdrängt. Langfristige Aktionäre verloren nahezu ihren gesamten Einsatz.

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Die Maschine, die widerspricht

Künstliche Intelligenz übernimmt Research, Risikoanalyse und Portfoliooptimierung. Was ist die Vermögensverwaltung dann noch wert, wenn die KI die Arbeit erledigt, für die früher ein Mensch benötigt wurde?

Gerät der Mensch in den Schatten der KI? In der Vermögensverwaltung verschieben sich die Rollen, jedoch nicht die Verantwortung.

MARK BAER

Ein Berater sitzt vor seiner Kundin und muss ihr sagen, dass ihr Portfolio zu einseitig und ihre Renditeerwartung unrealistisch ist. Die Forschung zeigt: Genau in diesem Moment reagieren Menschen unterschiedlich – je nachdem, ob die unbequeme Botschaft von einem Menschen kommt oder von einem Algorithmus. Diese Erkenntnis berührt eine zentrale Frage beim Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Vermögensverwaltung: «Wie verändert KI die Beratung über die reine Automatisierung von Prozessen hinaus?» Anne Scherer forschte an der Universität Zürich zu dieser Frage: Wie reagieren Menschen auf ein und dieselbe Nachricht, je nachdem, ob sie von einem Menschen oder von einer KI kommt? Heute leitet sie das Startup Delta Labs, das Unternehmen dabei unterstützt, künstliche Intelligenz sinnvoll einzusetzen. Ein Feldexperiment mit einem Schweizer Finanz-Startup und ein Anlageexperiment lieferten eindeutige Resultate.: Überbringt ein Berater eine schlechte Nachricht, etwa die Empfehlung, eine Position abzubauen, reagieren Kundinnen und Kunden mit starkem Widerstand. Sie spielen die Information herunter, zweifeln am Überbringer oder sind schlicht unzufrieden. Kommt dieselbe schlechte Nachricht von einer KI, verändert sich das Bild

deutlich: Die Kundschaft nimmt die Information ernst. «Gute Nachrichten werden dagegen unabhängig von der Quelle stets bereitwillig akzeptiert», sagt Scherer.

Abwehr schlechter Nachrichten Die ehemalige Assistenzprofessorin für quantitatives Marketing an der Universität Zürich führt dies auf einen psychologischen Mechanismus zurück, den die Forschung als Reaktanz bezeichnet: den inneren Widerstand, der entsteht, wenn Menschen ihre Freiheit oder ihr Selbstbild bedroht sehen. Sie neigen dazu, gute Nachrichten über- und schlechte Nachrichten unterzubewerten. Korrigiert uns ein Mensch, unterstellen wir ihm eher die Absicht, uns zu bevormunden. Einer KI schreiben wir eine solche soziale Absicht nicht zu. Sie hat weder Ego noch Überzeugungswillen. Deshalb löst dieselbe unangenehme Botschaft weniger Widerstand aus. Hier liegt laut Scherer ein besonderes Potenzial der KI als neutrale Zweitmeinung. Sie kann eigene blinde Flecken sichtbar machen, ohne belehrend aufzutreten. Scherer weist allerdings auch auf die Kehrseite dieses Effekts hin: «Wer eine schlechte KI-Empfehlung nicht mehr hinterfragt, riskiert, einen Fehler ungeprüft zu übernehmen.» Gerade darin liegt eine neue Gefahr: Dass eine Emp-

fehlung der KI weniger Widerstand auslöst bedeutet nicht, dass sie richtig ist.

Vom Experiment in die Praxis Dass KI in Banken längst zum Alltag gehört, ist unbestritten. Eine aktuelle Erhebung der Finanzmarktaufsicht (Finma) zeigt, dass künstliche Intelligenz in Schweizer Finanzinstituten auf dem Vormarsch ist. Bei der Genfer Privatbank Lombard Odier entstehen jährlich mehr als 25 000 Anlagedokumente. Geoffroy De Ridder, Leiter Technologie und Operations, setzt KI ein, um aus dieser Informationsfülle verwertbare Erkenntnisse zu gewinnen. Die Technik erstellt mehrsprachige Inhalte, durchsucht Marktanalysen und hilft Bankern per Chatbot, relevante Daten zu finden. Bei Kapitalmassnahmen extrahiert sie selbständig Informationen aus komplexen Dokumenten. Die Bank stellt ihre KI-Werkzeuge mittlerweile auch anderen Finanzinstituten im Rahmen von BusinessProcess-Outsourcing zur Verfügung, unter anderem, um operative ITProbleme rascher zu beheben. Auch bei Indosuez, der in der Schweiz tätigen Wealth-Management-Tochter der französischen Gruppe Crédit Agricole, zeigt sich der Nutzen zunächst im Research. Dimitri Devlamminck, Leiter Daten und KI, setzt auf multimodale Modelle. Diese Systeme können Text, Bil-

der und Zahlen gleichzeitig verarbeiten. Devlamminck verweist auf die sogenannte Retrieval-Augmented Generation. Dabei greift das KI-Modell auf eine klar definierte Auswahl bankinterner Dokumente zurück statt auf sein allgemeines Wissen. Das kann etwa die Prüfung juristischer Texte oder interner Richtlinien deutlich beschleunigen. KI schreibt ausserdem Sitzungsprotokolle und greift den Programmierern als digitaler Assistent unter die Arme. Auch Florian Weigert, Professor für digitale Finanzen an der Technischen Universität München, sieht den grössten Nutzen derzeit im Investment-Research und in der Asset-Allokation. «KI kann heute enorme Mengen strukturierter und unstrukturierter Daten auswerten – von Unternehmensberichten und Nachrichten bis hin zu alternativen Datenquellen – und daraus neue Anlageinformationen gewinnen», sagt er. Seine Forschung zeigt, dass Methoden des maschinellen Lernens die Prognose von Renditen im Optionshandel und die Auswahl von Anlagefonds verbessern können – vorausgesetzt, die Modelle werden sorgfältig entwickelt und validiert. Stuart Dunbar, Partner beim schottischen Vermögensverwalter Baillie Gifford, der auch in der Schweiz tätig ist, ordnet die Entwicklung nüchtern ein: Was in der Vermögensverwaltung oft noch als Zukunftsmusik gelte, sei bei der Beschaffung,Verarbeitung und Überwa-

«Unbequeme Wahrheiten akzeptieren wir eher von einer KI als von einem Menschen.» Anne Scherer, Mitgründerin und Leiterin des KI-Startups Delta Labs


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«Die Verantwortung bleibt beim Menschen.» Dimitri Devlamminck, Group Head of Data and AI, Indosuez Wealth Management

Automatisierung und aufsichtsrechtliche Delegation sind dabei klar zu trennen. Eine Bank lagert eine Aufgabe nicht automatisch aus, nur weil sie dafür ein KI-System einsetzt. Finanzinstitute dürfen Anlageentscheide unter strikten gesetzlichen Voraussetzungen an bewilligte Dritte übertragen. Die Verantwortung für die Einhaltung der Vorschriften bleibt jedoch bei der Bank.

Grenzen der Automatisierung Das Treffen des Anlageentscheids kann laut Finma nicht an ein KI-System delegiert werden. Mitarbeitende müssen automatisierte Empfehlungen kritisch prüfen und mit dem eingesetzten System vertraut sein. Auf technischer Ebene sieht Hugh Macquarrie, Partner beim IT-Infrastruktur-Dienstleister Kyndryl, eine weitere Herausforderung für Schweizer Vermögensverwalter: Die Fähigkeiten der

künstlichen Intelligenz entwickeln sich rascher als die Kontrollmechanismen. Macquarrie verweist auf Lösungen wie Policy as Code, mit denen sich Governance-Vorgaben direkt in digitale Arbeitsabläufe integrieren lassen. Ein KI-System darf etwa nicht in der Lage sein, Risikolimiten zu überschreiten oder unbefugt auf sensible Daten zuzugreifen. Gerade in der Schweiz, wo Vertraulichkeit und Bankgeheimnis für die Branche von zentraler Bedeutung sind, müssen die Institute jederzeit wissen, wo ihre Daten verarbeitet werden. Ohne lückenlose Rückverfolgbarkeit lässt sich dieses Vertrauen kaum gewährleisten.

Verantwortung Entscheidungen Wer haftet, wenn das Modell irrt? Die befragten Experten sind sich einig: Die Verantwortung bleibt bei der Bank und beim Berater. Geoffroy De Ridder

verweist auf den sogenannten Humanin-the-Loop-Ansatz: «Die Verantwortung liegt bei der Finanzinstitution und dem Berater, nicht beim Modell.» Auch Dimitri Devlamminck betont, dass eine Maschine keine Verantwortung übernehmen könne. Am Ende steht damit eine Arbeitsteilung zwischen menschlichem Urteil und maschineller Verarbeitung, die sich durch alle Gespräche zieht. Künstliche Intelligenz kann Informationen durchaus schneller und konsistenter verarbeiten als ein Mensch. Unbequeme Botschaften kann sie offenbar auch wirkungsvoller vermitteln. Was sie nicht übernehmen kann, ist Verantwortung. In der Vermögensverwaltung der Zukunft geht es deshalb weniger um die Entscheidung zwischen Mensch und Maschine als um die Frage, wer für einen Entscheid geradesteht. Bei aller Effizienz der Technik bleibt dies der Mensch.

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Risiken der neuen Werkzeuge Damit rückt die Risikokontrolle stärker in den Mittelpunkt. Die Schweiz kennt bislang keine spezifische KI-Gesetzgebung. Die Finma verfolgt einen technologieneutralen Ansatz: Neue Technologien sollen eingesetzt werden können, sofern die beaufsichtigten Institute die damit verbundenen Risiken angemessen erfassen, begrenzen und kontrollieren.

Die Finma betrachtet Innovation als wichtig für den Finanzplatz. Sie könne zur Wertschöpfung beitragen und die Qualität der Dienstleistungen für Kundinnen und Kunden verbessern. Dazu gehört auch der Einsatz von KI. Wie die einzelnen Institute die Technologie konkret nutzen, liegt in ihrer unternehmerischen Verantwortung. Im Zentrum der Aufsicht stehen operationelle Risiken: mangelnde Robustheit und Korrektheit, instabile Modelle sowie Lücken bei der Erklärbarkeit. Hinzu kommen Cyberrisiken und die wachsende Abhängigkeit von wenigen grossen Technologieanbietern. Im Bereich der Vermögensverwaltung können sich solche Risiken unmittelbar auf Anlageentscheide und damit auch auf die Kundschaft auswirken. Die Finma verlangt von den beaufsichtigten Instituten eine klare Governance mit definierten Rollen und Verantwortlichkeiten. Dazu gehören ein Inventar, eine risikobasierte Klassifizierung, Vorgaben zur Datenqualität sowie Tests und Kontrollen über den gesamten Lebenszyklus. Zudem braucht es eine transparente Dokumentation. Es muss nachvollziehbar sein, wie die eingesetzten Modelle funktionieren, auf welchen Annahmen sie beruhen und wo ihre Grenzen liegen. Für den Fall, dass ein System ausfällt oder nicht zuverlässig arbeitet, müssen Rückfalllösungen vorgesehen sein.

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chung von Informationen längst Alltag. KI-Agenten analysieren Unternehmen anhand definierter Kriterien. Ähnliche Werkzeuge können die erste Auswahl aus dem Anlageuniversum effizienter gestalten und wiederkehrende Aufgaben im Kundenreporting übernehmen. Beim langfristigen, fundamental ausgerichteten Investieren ersetzt die Technik das menschliche Urteilsvermögen jedoch nicht. Weigert erwartet deshalb auch einen Wandel des Berufsbilds. «Vermögensverwalter werden weniger Zeit mit Datenauswertung verbringen und sich stärker auf Strategie, Kundenberatung und die kritische Beurteilung von KIModellen konzentrieren», sagt er. Dunbar weist zugleich auf Risiken hin: Erkennen verschiedene KI-Handelsagenten gleichzeitig dieselben Anlagechancen, könnten die Korrelationen an den Märkten steigen und die Kursschwankungen zunehmen.

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«Wir setzen auf die weniger of

Der KI-Boom treibt Europas Industrie an – doch viele der direkten Profiteure sind inzwischen teuer. Birgit mitgenommen hat und nun Chancen bei Andritz, Trotz des Kriegs am Persischen Golf setzen die europäischen Aktienmärkte ihren Aufwärtstrend fort. Birgitte Olsen von Bellevue Asset Management hält europäische Titel dennoch weiterhin für günstig bewertet. Rückenwind liefern aus ihrer Sicht strukturelle Investitionsthemen wie Infrastruktur, Elektrifizierung und künstliche Intelligenz (KI). Zwar hat Europa keine eigenen Hyperscaler, mit spezialisierten Industrieunternehmen und Zulieferern ist der Kontinent im KI-Ökosystem aber gut positioniert. Bei direkten Profiteuren des KIBooms hat Olsen nach dem starken Bewertungsanstieg aber Gewinne mitgenommen. Chancen sieht sie nun bei weniger offensichtlichen Gewinnern wie dem österreichischen Anlagenbauer Andritz, der vom wachsenden Energiebedarf profitiert. Stärker gewichtet hat sie zudem den frühzyklischen Verbindungstechnikspezialisten Bossard oder den spanischen Zughersteller CAF. Genau beobachtet sie vermeintliche KIVerlierer sowie servicestarke, derzeit aber schwächelnde Industrieunternehmen. Frau Olsen, 2025 legte der Stoxx Europe 600 trotz der US-Zölle knapp 17 Prozent zu. Auch 2026 bewegt sich die annualisierte Performance trotz des Kriegs am Persischen Golf in einer ähnlichen Grössenordnung. Wie beurteilen Sie das Marktumfeld? Die Märkte haben sich an exogene Schocks gewöhnt und erweisen sich als resilient. Gleichzeitig bleiben europäische Aktien günstig bewertet. Die Unternehmensergebnisse im zweiten Quartal fallen überraschend robust aus. Weshalb? Die europäische Wirtschaft hält sich trotz ihrer hohen Energieabhängigkeit erstaunlich gut. Die Eurozone wuchs im zweiten Quartal um 0,4 Prozent, und das Rezessionsrisiko schätze ich wieder als tief ein. Besonders Technologie- und Industrieunternehmen profitieren von strukturellen Investitionsthemen wie Infrastruktur, Elektrifizierung, Deglobalisierung, Energiesicherheit und Verteidigung. Die Rechenzentrumskapazitäten dürften bis 2028 um 28 Prozent pro Jahr wachsen, wenn auch von einer tiefen Basis. Diese Investitionen sind also eine Notwendigkeit? Europa muss seine Energieversorgung sichern und zugleich die Voraussetzungen schaffen, um an der KI-Entwicklung teilzunehmen. Stromkosten und -verfügbarkeit werden wesentlich über die Wettbewerbsfähigkeit im KI-Zeitalter entscheiden. Europa hat keine eigenen Hyperscaler wie Alphabet. Im dazugehörigen Ökosystem ist der Kontinent dennoch gut aufgestellt. Europäische Unternehmen verkaufen gewissermassen die Schaufeln und Pickel für den KI-Goldrausch. Die Hyperscaler investieren Hunderte Milliarden Dollar und benötigen enorme Mengen an Energie, Infrastruktur und Komponenten. Davon profitieren die Zulieferer. An welche europäischen Unternehmen denken Sie konkret? In der Schweiz unter anderem an spezialisierte Industrieunternehmen wie Huber+Suhner, Belimo, VAT, Inficon oder Accelleron, in Europa an Besi, Jenoptik, Wärtsilä, Nordex oder Nexans. Vergleiche mit der Technologieblase um die Jahrtausendwende sind beliebt. Bewegt sich der Markt in einem gesunden Rahmen? Man muss zwischen dem Potenzial von KI und Übertreibungen am Kapitalmarkt unterscheiden. In den USA sor-

Die Anlagechancen rund um KI reichen tiefer als der Technologiesektor: bis zu Energie, Infrastruktur und spezialisierten Industriezulieferern.

skaliert und ob weitere Hyperscaler folgen. Zusätzlich arbeitet Huber+Suhner mit Microsoft an der HohlkernGlasfasertechnologie. Gelingt die Kommerzialisierung, könnte der Umsatz dieses Geschäfts auf 200 Millionen Franken steigen. Offen ist jedoch auch hier, wie schnell sich dieses Potenzial realisieren lässt.

gen der hohe Anteil der Privatanleger, die starke Indexgewichtung von Technologiewerten und gehebelte ETFs für Ausschläge. Bei der Korrektur im Juli verloren aber selbst grosse Technologiewerte zeitweise rund 40 Prozent. Dass der Markt spekulative Exzesse teilweise bereinigt, ist ein gesundes Zeichen. Wo befinden wir uns im Investitionszyklus? Bis 2027 oder 2028 lässt sich die Entwicklung der KI- und Halbleiterinvestitionen relativ gut abschätzen. Für 2027 werden Investitionen von 1 bis 1,1 Billionen Dollar erwartet, nach 750 bis 800 Milliarden Dollar in diesem Jahr. Entscheidend ist, ob sich das Wachstum anschliessend weiter beschleunigt oder abflacht. Denn ein Unternehmen kann kräftig weiterwachsen und an der Börse dennoch enttäuschen, wenn sich das Wachstum verlangsamt. Zudem sind viele Rechenzentrumszulieferer bereits hoch bewertet. Deshalb haben wir unser Engagement schon vor der Korrektur im Juli reduziert. Wo haben Sie im Schweizer Portfolio das KI-Exposure verringert? Wir haben bei VAT, Inficon, Belimo sowie Huber+Suhner Gewinne mitgenommen, halten aber dennnoch Positionen. Wo liegen die Unsicherheiten beim Verbindungstechniker Huber+Suhner? Optische Switches ermöglichen höhere Datenraten und geringere Latenzzeiten. Ein Grossauftrag von Google dürfte im laufenden Jahr den Umsatz auf über 100 Millionen Franken steigen lassen, bei einem Konzernumsatz von rund 1 Milliarde Franken. Entscheidend ist aber, wie stark Google die Technologie

«Europäische Firmen verkaufen die Schaufeln und Pickel für den KI-Goldrausch.»

Wie sind Sie bei Belimo und VAT positioniert? Es bleiben hervorragende Unternehmen mit hohen Marktanteilen, starker Profitabilität und grossen Eintrittsbarrieren. VAT bietet eine hochwertige Beteiligung am strukturellen Wachstum der Investitionsausgaben im Halbleiterbereich. Durch die führende Position des Unternehmens bei geschäftskritischen Vakuumventilen, die für die moderne Chipfertigung unentbehrlich sind, erzielt VAT über den gesamten Konjunkturzyklus hinweg hohe EbitdaMargen von 20 bis 35 Prozent. Unsere Zurückhaltung betrifft nicht die Qualität, sondern die Bewertung. Gilt das auch für Accelleron? Ja. Accelleron profitiert ausser von der Schifffahrt auch vom wachsenden Energiegeschäft und einem starken Servicegeschäft. Der Unternehmenswert entsprach vor kurzem etwa dem 25-Fachen des Ebitda und liegt damit deutlich über dem Fünfjahresdurchschnitt von 16. Ausserdem ist entscheidend, wie viel Wachstum bereits eingepreist ist und ob das Unternehmen die hohen Erwartungen weiterhin übertreffen kann. Auf dem aktuellen Kursniveau sind wir skeptisch. Accelleron, Belimo und VAT würden wir zu einem attraktiveren Preis wieder stärker gewichten.

BILDER: AI/NZZ STORY LAB

Wo sehen Sie im KI-Boom noch Chancen? Bei Unternehmen, die ebenfalls profitieren, aber nicht als offensichtliche KIPure-Plays gelten. Dazu gehören Jenoptik in Deutschland und Inficon in der Schweiz. Beide sind im Halbleiterbereich tätig, aber breiter diversifiziert und günstiger bewertet als manche reinen Zulieferer. Inficon ist etwa neben dem Halbleitergeschäft, das derzeit 54

Zur Person Birgitte Olsen ist seit 2008 als Leiterin Entrepreneur Investments bei Bellevue Asset Management tätig. Sie verantwortet die Fonds Bellevue Entrepreneur Europe Small, Entrepreneur Switzerland und Entrepreneur Swiss Small & Mid. Die Norwegerin studierte an der Universität St.Gallen und ist CFA-Charterholder.


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offensichtlichen KI-Gewinner»

tte Olsen von Bellevue Asset Management erklärt, warum sie bei VAT, Belimo und Huber+Suhner Gewinne , Bossard und vermeintlichen KI-Verlierern sieht. Prozent des Umsatzes ausmacht, auch in der Kälte- und Klimatechnik sowie in weiteren industriellen Vakuumanwendungen tätig. Dadurch partizipiert das Unternehmen an strukturellen Wachstumsthemen, ohne von einem einzigen Endmarkt abhängig zu sein. Ein weiteres Beispiel ist Andritz. Was hat der österreichische Anlagenbauer mit KI zu tun? Andritz verfügt über vier Divisionen, darunter das Wasserkraftgeschäft. Das Unternehmen produziert Turbinen, Generatoren sowie elektromechanische Systeme und bietet Service- und Modernisierungsdienstleistungen an. Der Auftragseingang dieser Sparte ist im ersten Halbjahr um 86 Prozent gestiegen. Andritz profitiert vom weltweit wachsenden Ausbau von Wind- und Solarenergie, was die Nachfrage nach Pumpspeicherkraftwerken steigen lässt. Bestehende Anlagen müssen modernisiert und neue Kapazitäten aufgebaut werden. In Europa sind rund 40 Prozent der Energieinfrastruktur älter als vierzig Jahre. Welche Titel haben Sie zuletzt neu in das Schweizer Portfolio aufgenommen? Neu aufgebaut haben wir Autoneum sowie die Frühzykliker Bossard und SFS. Was spricht denn für den Verbindungstechnikspezialisten Bossard und die stärker auf industrielle Werkzeuge ausgerichtete SFS? Die europäischen Industrie-PMIs hellen sich auf. Nach drei schwachen Jahren verdichten sich die Anzeichen für

eine konjunkturelle Erholung, von der beide Unternehmen profitieren werden. Der Automobilsektor bleibt anspruchsvoll. Europäische Hersteller stehen unter starkem chinesischem Konkurrenzdruck und verlieren Marktanteile. Weshalb haben Sie dennoch Autoneum gekauft? Entscheidend ist, ob ein Zulieferer bei chinesischen Elektroautoherstellern vertreten ist. Dank zwei Akquisitionen in China kann Autoneum mit lokalen Produzenten wachsen, wenn diese international nach Lateinamerika, Indonesien oder Europa expandieren. Wie attraktiv ist das Geschäft mit Akustik- und Wärmemanagement? Auch Elektroautos benötigen eine thermische Isolierung der Batterien und trotz der fehlenden Motorengeräusche eine gute Schalldämmung. Autoneum besitzt in dieser Nische hohe Marktanteile, eine starke Bilanz und konnte seine Profitabilität trotz tiefer Produktionsvolumen halten. Erholen sich die Volumen, besteht Potenzial für höhere Margen und Cashflows. Sie suchen gezielt Unternehmen, die einen Rückschlag erlitten haben, deren Geschäftsmodell aber intakt ist. Gilt das für die SIG Group, wo Sie eine kleine Position halten? Ja. Der neue CEO Mikko Keto hat einen überzeugenden Leistungsausweis und dürfte die Restrukturierung konsequent angehen. Vor weiteren Zukäufen wollen wir jedoch sehen, welche Massnahmen er ergreift und wie rasch sie

Bellevue Entrepreneur Swiss Small & Mid Die zehn grössten Positionen

Aktie

Gewicht im Portfolio

Sandoz

5,6%

Galderma

4,6%

VAT

4,0%

Roche

3,8%

Helvetia Baloise

3,7%

Straumann

3,4%

Lindt & Sprüngli

2,9%

SFS

2,9%

Swissquote

2,8%

Flughafen Zürich

2,8%

QUELLE: BELLEVUE AM

wirken. Die Bewertung ist im Vergleich zu anderen Verpackungsunternehmen weiterhin attraktiv. Bei Helvetia Baloise setzen Sie auf Synergien und operative Verbesserungen. Wie zufrieden sind Sie mit den Fortschritten? Das Management rund um CEO Fabian Rupprecht hat einen guten Leistungsausweis, das Nichtlebensversicherungsgeschäft mit einer Combined Ratio von ungefähr 93 Prozent ist sehr profitabel und die Bilanz äusserst solide bei einer Solvenzquote von 260 Prozent. Bis Ende Jahr soll etwa die Hälfte der angestrebten Synergien von 650 Millionen Franken realisiert sein. Im vergangenen Jahr sprachen wir über Schweizer Unternehmen mit starken Servicegeschäften. Wird Burckhardt Compression nach der jüngsten Schwäche wieder interessanter? Der Auftragseingang ist von einem hohen Niveau gesunken. Zugleich sorgen einzelne Grossaufträge von bis zu 100 Millionen Franken für starke Umsatzschwankungen, die Bewertungsopportunitäten schaffen können. Unsere Position ist derzeit klein, doch wir schauen wieder genauer hin. Entscheidend ist, ob sich konkrete Katalysatoren wie zum Beispiel ein Anziehen des Servicegeschäfts abzeichnen und ob das Systemgeschäft in den Endmärkten LNG, Petrochemie, Industriegase und Wasserstoff wieder anzieht. Wo sehen Sie weitere Chancen in der Schweiz? Bei stark gefallenen Softwaretiteln wie SoftwareOne und Temenos. Sie gelten als KI-Verlierer und werden teilweise so bewertet, als würden sie nie mehr wachsen. Für Stockpicker können solche Gegenpositionen interessant sein. So dürfte Temenos von der beschleunigten Umstellung der Banken auf moderne Cloud-basierte Kernbankplattformen profitieren. Gleichzeitig schaffen die hohe Regulierung und die Komplexität der Bankensysteme erhebliche Eintrittsbarrieren. Tiefe Bewertungen können auch auf strukturelle Probleme oder übertriebenen Pessimismus hindeuten. Bei welchen europäischen KI-Verlierern ist Letzteres der Fall? Unternehmen wie der französische ITKonzern Capgemini gelten als Verlierer, weil KI Berater und Software ersetzen könnte. Das ist teilweise berechtigt. Unternehmen können KI aber auch

selbst einsetzen, um produktiver zu werden und ihre Geschäftsmodelle anzupassen. Ein Beispiel dafür ist Publicis. Klassische Werbeagenturen galten bereits von der Digitalisierung als bedroht. Publicis kaufte jedoch gezielt digitale Kompetenzen zu und positionierte sich erfolgreich neu. Wo sehen Sie darüber hinaus interessante europäische Aktien? Attraktiv sind derzeit Nordex und Nexans. Was spricht für Nordex? Die Windkraftbranche ist deutlich profitabler geworden. Nordex schrieb 2023 noch rund 300 Millionen Euro Verlust, dürfte dieses Jahr aber einen Reingewinn von fast 500 Millionen Euro erzielen. Gleichzeitig wuchs der Auftragseingang in den vergangenen drei Jahren jährlich um mehr als 17 Prozen. Wie beurteilen Sie die Bewertung nach dem starken Kursanstieg? Wir haben zwischenzeitlich Gewinne mitgenommen, halten die Position aber weiterhin für interessant. In den USA ist Onshore-Windkraft noch wenig ausgebaut, dürfte angesichts des steigenden Strombedarfs jedoch an Bedeutung gewinnen. Nordex erzielt dort erst rund 9 Prozent des Umsatzes, hat dieses Jahr aber bereits vier Grossaufträge für insgesamt 1300 MW erhalten, was wohl 1,2 Milliarden Euro Umsatz entspricht. Was zeichnet Nexans aus? Der Kabelhersteller profitiert von der Elektrifizierung. Offshore-Windparks müssen ans Festland angeschlossen, Stromnetze modernisiert sowie ausgebaut und der Strom bis zu den Haushalten transportiert werden. Nexans deckt die gesamte Infrastruktur von Hochüber Mittel- bis Niederspannung ab. Wir erwarten ein Wachstum von 9 Prozent pro Jahr auf Stufe Ebitda. Welche Positionen haben Sie im europäischen Portfolio neu aufgebaut? Neben Andritz haben wir den spanischen Zughersteller CAF aufgenommen, der mit Stadler Rail vergleichbar, aber günstiger bewertet ist. Der Zugbau weist tiefe Margen auf. Was spricht dennoch für CAF? Erstaufträge in neuen Märkten sind meist wenig profitabel. Folgeaufträge und das Servicegeschäft bieten dagegen höhere Margen. Mit zunehmender internationaler Präsenz kann CAF selektiver bieten und bessere Preise

durchsetzen, was sich in der leicht gestiegenen Ebit-Marge im ersten Halbjahr 2026 bemerkbar macht. Unter der Marke Solaris produziert CAF auch Elektro- und Hybridbusse. Dieses Geschäft bietet strukturell höhere Margen und kürzere Zyklen als der Zugbau. Subsea 7 profitiert von anziehenden Offshore-Investitionen. Was macht den Titel interessant? Subsea 7, das derzeit mit der italienischen Saipem fusionieren will, erbringt mit Spezialschiffen Dienstleistungen für Offshore-Öl- und -Gasplattformen sowie -Windparks. Nach dem Ölpreiseinbruch von 2014 bis 2016 konsolidierte die Dienstleistungsbranche mit einer anschliessenden Welle von Megafusionen zwischen 2020 und 2022. Viele Anbieter verschwanden, und Kapazitäten wurden abgebaut. Als die Nachfrage zurückkehrte, traf sie auf ein knappes Angebot. Subsea 7 hat deshalb volle Auftragsbücher von 13,6 Milliarden US-Dollar und hohe Preissetzungsmacht. Das Unternehmen kann somit bei Aufträgen selektiver sein und bessere Konditionen durchsetzen, was die Margen stützt. Die europäischen Banken profitieren von steigenden Zinsen. Weshalb bevorzugen Sie Bankinter? Spaniens Bankensektor wurde nach der Finanzkrise 2008 rasch rekapitalisiert und konsolidiert. Bankinter hält rund 7 Prozent Marktanteil und konzentriert sich auf KMU sowie vermögendere Privatkunden. Die Bank ist auch in schwierigen Jahren gewachsen und erzielt mit einer Rendite auf das materielle Eigenkapital (ROTE) von 17 bis 20 Prozent einen der höchsten Werte unter Europas Banken. Zudem entwickelt sich die spanische Wirtschaft kräftig: Tourismus und Zuwanderung aus Lateinamerika stützen Arbeitsmarkt, Konsum und Wohnungsnachfrage. Hinzu kommt ein konservatives Management. Gerade bei Banken entscheidet die Risikokultur wesentlich über den langfristigen Erfolg. Interview: Manuel Boeck

Dieser Artikel ist am 12. August auf themarket.ch erschienen. Die Finanzplattform richtet sich an Anleger und ist eine Firma der NZZ-Gruppe.

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Vermögensverwaltung

NZZ-Schwerpunkt

Freitag, 4. September 2026

Im Rampenlicht stehen die Gewinner. Wie viele aktive Fonds hinter ihrem Vergleichsindex zurückbleiben, erfährt das Publikum oft nicht.

AI/NZZ STORY LAB

Das teure Versprechen der aktiven Fonds Aktive Fonds versprechen Expertise, Flexibilität und die Chance auf Mehrrendite. Doch erfüllen sie auch diesen Anspruch? Eine aktuelle Studie des VZ VermögensZentrums macht den Praxistest – mit ernüchternden Ergebnissen.

MANUEL RÜTSCHE

Aktive Fonds werben mit wohlklingenden Marketingbotschaften wie: «Unsere Fondsmanager können die Titel flexibel an neue Marktbedingungen anpassen, Risiken reduzieren und Chancen nutzen.» Oder: «Dank unserem globalen und erfahrenen Team von über 150 Finanzanalysten können wir die Märkte schlagen.» In einer aktuellen Studie hat das VZ VermögensZentrum solche Werbebotschaften auf ihre Stichhaltigkeit überprüft. Das Ergebnis: In der Praxis bleiben aktive Fonds typischerweise hinter den Erwartungen zurück. Zudem werden in der Werbung oft nur die besten Fonds gezeigt. Mitunter werden auch unpassende Vergleichsindizes herangezogen oder Vergleichszeiträume gewählt, in denen die Fondsperformance besonders stark war. Deshalb rät das VZ, Werbebotschaften stets kritisch zu hinterfragen. Doch worin liegt der Unterschied zwischen aktiven und passiven Fonds?

Aktiv verwaltete Fonds verfolgen das Ziel, eine Mehrrendite gegenüber einem Vergleichsindex zu erzielen. Dafür müssen Fondsmanager gezielt vom Index abweichen – sei es durch die Auswahl anderer Titel oder durch eine abweichende Gewichtung. Damit haben sie die Chance auf eine Mehrrendite; Fehlentscheide können allerdings ebenso eine Minderrendite zur Folge haben. Passive Anlagen wie Indexfonds und börsenkotierte ETFs bilden einen Vergleichsindex, etwa den Swiss Performance Index (SPI), so genau wie möglich ab.

Hohe Gebühren Die für aktive Fonds notwendigen Analysen sind aufwendig und führen zu hohen Gebühren. Bei aktiven Schweizer Aktienfonds betragen die jährlichen Kosten im Durchschnitt 1,3 Prozent. Das ist rund sechsmal so viel wie bei einer passiven Lösung mit 0,2 Prozent. Anleger lassen sich von scheinbar geringen Kostenunterschieden oft

täuschen. Langfristig fallen diese jedoch stark ins Gewicht: Durch den Zinseszinseffekt können selbst vermeintlich kleine Unterschiede bei den Gebühren zu erheblichen Renditeeinbussen führen (siehe Tabelle).

Versprechen der Mehrrendite Das Hauptversprechen aktiver Fonds lautet, für Anleger eine Mehrrendite zu erzielen. Das bedeutet, nicht nur die Rendite des zugrunde liegenden Index zu erreichen, sondern diesen nach Abzug aller Kosten zu übertreffen. Die untersuchten Daten zeigen jedoch: Die grosse Mehrheit der aktiven Fonds erzielt keine Mehrrendite, sondern schneidet schlechter ab als ihre Vergleichsindizes und vergleichbare passive Fonds. Nur wenigen aktiven Fonds gelingt es, für Anleger einen Mehrwert zu erwirtschaften. Welche Fonds dazu gehören, lässt sich jedoch erst im Rückblick erkennen; im Voraus können sie nicht zuverlässig identifiziert werden. Zudem gilt: Je länger Anleger einen

aktiven Fonds halten, desto grösser ist das Risiko einer Minderrendite. Für wichtige Aktienmärkte wie die Schweiz und die USA zeigen Auswertungen renommierter Fondsanalyse-Unternehmen wie Morningstar, dass die Erfolgs-

quoten aktiver Fonds – also der Anteil der Fonds mit Mehrrenditen – bei einem Anlagehorizont von zehn Jahren auf 26 Prozent in der Schweiz und 4 Prozent in den USA sinken (siehe Abbildung auf S. 9).

Hohe Gebühren belasten den Anlageerfolg Nach 20 Jahren hat dieser Anleger mit passiven Produkten über 100 000 Franken eingespart. Alle Angaben in Franken.

Aktive Fonds

Passive Fonds

Anfangsvermögen

200 000

200 000

Bruttorendite

6,00%

6,00%

Jährliche Produktgebühren (TER)

1,30%

0,20%

1,10%

Endvermögen nach 5 Jahren

251 631

265 130

13 499

Endvermögen nach 10 Jahren

316 590

351 469

34 879

Endvermögen nach 20 Jahren

501 145

617 651

116 506

QUELLE: VZ

0,3 Prozent – so gering ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Depot mit aktiven Fonds langfristig eine Mehrrendite erzielt.

Differenz


Vermögensverwaltung

Freitag, 4. September 2026

NZZ-Schwerpunkt

9

Welche Fonds zu den Gewinnern gehören, lässt sich erst im Rückblick erkennen.

Angesichts dieses ungünstigen Verhältnisses zwischen «Gewinner-» und «Verliererfonds» müssten Anleger erwarten dürfen, dass eine glückliche Fondsauswahl mehr einbringt, als eine unglückliche Auswahl kostet. In der Praxis ist jedoch häufig das Gegenteil der Fall: Die wenigen «Gewinnerfonds» erzielen oftmals eine geringere Mehrrendite, als die Minderrendite der «Verliererfonds» ausmacht.

ven Aktienfonds ein Depot mit passiven Produkten schlägt? Angenommen wird, dass ein Anleger über einen Zeitraum von zehn Jahren je einen Fonds für die Aktienmärkte Schweiz, Global, USA, Europa, Japan

und Schwellenländer hält und diese sechs Fonds in seinem Depot gleich gewichtet (siehe Abbildung). Zur Vereinfachung wird unterstellt, dass die Mehrund Minderrenditen der «Gewinner-» beziehungsweise «Verliererfonds» gleich

Depot mit aktiven Fonds enttäuscht Kein Schutz in der Krise fast immer Auch bei grösseren Marktkorrekturen

überzeugen die Renditen aktiver Fonds nicht. Zwar werben deren Manager häufig damit, Kursverluste reduzieren zu können. Im Durchschnitt erleiden aktive Aktienfonds jedoch ähnlich hohe Verluste wie ihre Vergleichsindizes beziehungsweise passive Fonds. Einige begrenzen Verluste, andere verzeichnen grössere Einbussen. Für Anleger besteht damit das Risiko, in negativen Marktphasen deutlich mehr zu verlieren als mit passiven Anlagen.

Mehr Fonds, geringere Chancen In der Praxis investieren Anleger selten nur in einen einzigen Fonds, sondern verteilen ihr Vermögen auf mehrere Produkte. Entscheidend ist deshalb die Frage: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Depot mit mehreren akti-

Bei einer gleichgewichteten Anlage in sechs Aktienfonds über zehn Jahre müssen mindestens vier Fonds eine Mehrrendite erzielen, damit auch das Depot insgesamt eine Mehrrendite gegenüber einem ETF-Depot erwirtschaftet – unter

Aktive Fonds nach Region

der Annahme gleich hoher Mehr- und Minderrenditen. Im Vergleich zur Auswahl nur eines Fonds sinkt dadurch die Wahrscheinlichkeit, mit dem gesamten Depot eine Mehrrendite zu erzielen, auf 0,3 Prozent.

Wahrscheinlichkeit einer Mehrrendite

hoch ausfallen. Damit das Depot insgesamt eine Mehrrendite erzielt, müssen mehr als die Hälfte der sechs Fonds – also mindestens vier – ihren jeweiligen Vergleichsindex schlagen. Die Wahrscheinlichkeit dafür beträgt lediglich 0,3 Prozent. Die tiefen Erfolgsquoten in einzelnen Regionen verringern die Chance auf eine Mehrrendite im Gesamtportfolio somit nochmals deutlich. Ein einfaches Würfelbeispiel verdeutlicht dies: Angenommen, der aktive Fonds schlägt das passive Produkt, wenn eine Sechs gewürfelt wird; bei jeder anderen Zahl schneidet er schlechter ab. Die Wahrscheinlichkeit, mit einem einzigen Wurf eine Sechs zu würfeln, beträgt ein Sechstel oder rund 17 Prozent. Das entspricht ungefähr der durchschnittlichen Erfolgsquote in den sechs untersuchten Regionen. Damit bei sechs Fonds – analog zu sechs Würfen – mindestens viermal eine Sechs fällt, braucht es viel Glück. Die statistische Wahrscheinlichkeit dafür beträgt lediglich 0,9 Prozent.

Schweiz

25,90%

Schwellenländer Japan

22,80% 19,60%

Die Hoffnung der Aktiven

Europa USA

7,10%

Global

3,80%

Depot mit 6 Fonds (1 Fonds pro Region)

0,30%

Insbesondere Verfechter aktiver Fonds argumentieren bisweilen, dass die zunehmende Verbreitung passiver Fonds die Märkte ineffizienter machen könnte. Dadurch würde es für aktive Fondsmanager einfacher, Mehrrenditen zu erzielen. Die Fakten zeigen aber ein anderes

QUELLEN: VZ, MORNINGSTAR; DATEN PER 30. JUNI 2025

4,40%

Gemeinsam für heute, morgen und die nächste Generation. Weitblick beginnt mit dem Verständnis Ihrer individuellen Ziele. Daraus entwickeln wir Ihre Anlagestrategie, die auf Qualität, Liquidität und Transparenz baut.

Bild: In den vergangenen rund 20 Jahren hat sich der Leistungsausweis aktiver Fonds tendenziell verschlechtert. Der Anteil der aktiven Fondsmanager, die den Markt geschlagen haben, hat kontinuierlich abgenommen. Es lässt sich allerdings nicht ausschliessen, dass es künftig unter bestimmten Umständen wieder mehr aktiven Fonds gelingen wird, passive Produkte zu schlagen.

Passiv bleibt im Vorteil Unter dem Strich kommt die Studie zum Ergebnis, dass ein breit diversifiziertes und kostengünstiges passives Portfolio für Anleger die bessere Wahl ist. In der Schweiz machen aktive Fonds mit rund 75 Prozent jedoch nach wie vor den mit Abstand grössten Teil des Fondsmarkts aus. Die meisten Anlegerinnen und Anleger profitieren folglich nicht oder nur unzureichend von den Vorteilen passiver Fonds. Dadurch entgeht ihnen langfristig Rendite. Dies wiegt umso schwerer, als das Angebot an ETFs und Indexfonds inzwischen so gross ist, dass Anleger ihre gesamte Anlagestrategie mit kostengünstigen und transparenten passiven Fonds umsetzen können. Das gilt nicht nur für das freie Vermögen, sondern etwa auch für die Säule 3a. Gastbeitrag Manuel Rütsche ist Leiter Asset Management beim VZ VermögensZentrum.

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Freitag, 4. September 2026

«Investieren muss für mehr Menschen in der Schweiz zugänglich sein»

Digitale Vermögenswerte, künstliche Intelligenz, Cybersicherheit, demografischer Wandel und der Weg zu Netto-Null prägen die Wirtschaft von morgen. Wie PostFinance diese Wachstumstreiber für Privatkunden investierbar macht, sagt CIO Philipp Merkt. PostFinance hat zwei neue E-Vermögensverwaltungsmandate im Angebot. Das Produkt «Zukunft» verbindet eine globale Anlagestrategie mit Megatrends und Beimischung von Kryptowährungen. Mit dem Produkt «Nachhaltig» strebt die Bank eine Ausrichtung am Klima-Netto-NullZiel bis 2050 an. Philipp Merkt, Chief Investment Officer (CIO) von PostFinance, erklärt im Interview, wie beide Mandate funktionieren und mit welchen Irrtümern Privatanleger bei Kryptowährungen und nachhaltigen Anlagen häufig kämpfen. Herr Merkt, können Sie in einfachen Worten erklären, was es mit den beiden neuen E-Vermögensverwaltungsmandaten auf sich hat? Der Fokus «Zukunft» investiert in globale Anlagen, Megatrends und Kryptowährungen. Mit dem Fokus «Nachhaltig» bietet PostFinance eine Lösung, die bestrebt ist, mit dem globalen Klima-Netto-NullZiel bis 2050 verträglich zu sein. Für wen eignet sich das Mandat «Zukunft» und für wen eher die Lösung «Nachhaltig»? Das Mandat «Zukunft» richtet sich an Anlegerinnen und Anleger mit hoher Risikofähigkeit und hoher Risikobereitschaft, die langfristig investieren und sich für Zukunftstrends und Kryptowährungen interessieren. Das Mandat «Nachhaltig» richtet sich an Kundinnen und Kunden, die Rendite mit strengen Nachhaltigkeitskriterien verknüpfen wollen. Beim Mandat «Zukunft» investieren Sie 80 Prozent global, 15 Prozent in Megatrends und 5 Prozent in Kryptowährungen. Warum genau dieser Mix? Das ist ein klassischer Core-Satellite-Ansatz: ein breiter globaler Kern, ergänzt um kleinere thematische Beimischungen. Die 80 Prozent bilden die globale Kernanlage in breit diversifizierten Aktien, Schweizer Immobilien und Gold. Die Megatrends und die Kryptowährungen sind die Satelliten. Wir setzen auf strukturelle Wachstumstreiber wie künstliche Intelligenz, Cybersicherheit, den demografischen Wandel und Innovationen im Gesundheitsbereich. Sie integrieren Kryptowährungen als erste Schweizer Retail-Bank in ein reguliertes, professionell verwaltetes Mandat. Was war die grösste Hürde? Wir haben damit Neuland betreten. Es gab schlicht keine vergleichbaren Prozesse für einen Finanzdienstleister unserer Grösse. Wir mussten die Auswahl der Kryptowährungen treffen und die technische Integration anpassen – dabei haben wir stets eng mit der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht zusammengearbeitet. Wie geht das Mandat «Zukunft» mit den starken Ausschlägen bei Kryptowährungen um? Neben Bitcoin sind Ethereum, Solana, Chainlink und Ripple im Mandat enthalten. Das sorgt bereits für eine gewisse Streuung. Wir steuern die Volatilität über ein diszipliniertes Rebalancing. Rund um den Zielwert von 5 Prozent setzen wir Leitplanken. Bei einer zu grossen Abweichung führen wir die Anlagen wieder zurück auf ihre neutrale Gewichtung. Damit vermeiden wir, dass das Mandat zu stark von kurzfristigen Marktstimmungen getrieben wird.

Vermögensverwaltung soll in der Schweiz mehr Menschen offenstehen und ihnen zugleich die Wahl lassen, welche Anlagewege sie gehen möchten.

den Dialog mit Unternehmen aktiv Einfluss auf klimarelevante Themen nehmen. Darüber hinaus wird die PostFinance Klima-Methodik von einem Sounding Board mit unabhängigen Expertinnen und Experten überprüft. Kann man sagen, dass «Nachhaltig» eine direkte Wirkung garantiert, so wie herkömmliches ImpactInvesting? Nicht ganz. Impact-Investing zielt auf eine direkte und messbare ökologische oder gesellschaftliche Wirkung ab, beispielsweise durch Investitionen in Unternehmen oder Projekte im Bereich der CO2Entnahme aus der Atmosphäre. Beim neuen Anlagefokus «Nachhaltig» investieren wir hingegen in sorgfältig ausgewählte Fonds und ETFs, deren Anlagerichtlinien mit einem Klima-Absenkpfad in Richtung Netto-Null vereinbar sein müssen. Das Nachhaltigkeitsziel fokussiert auf die Klimaverträglichkeit des Gesamtportfolios und soll die Transformation der Wirtschaft hin zu geringeren CO2-Emissionen unterstützen.

«Bei der Nachhaltigkeit höre ich oft, man müsse zwingend auf Rendite verzichten. Das ist ein Irrtum. Nachhaltigkeit und Rendite müssen kein Widerspruch sein.»

Wie läuft der Einstieg in die beiden Mandate für interessierte Privatkunden praktisch ab? Der Einstieg ist hybrid gestaltet. Kundinnen und Kunden können das Mandat entweder selbst über unsere E-Finance-Plattform oder in der PostFinance App elektronisch eröffnen oder sich in einer Filiale von einer Beraterin oder einem Berater unterstützen lassen. Das Anlegerprofil – also die Risikofähigkeit und Risikobereitschaft, der Anlagehorizont und die Nachhaltigkeitspräferenzen – wird digital oder im persönlichen Gespräch erfasst.

Beim Mandat «Nachhaltig» sprechen Sie von einem Klima-Netto-Null-Ziel bis 2050. Was bedeutet das konkret für die Auswahl der Fonds und ETFs? Das Klima-Netto-Null-Ziel bis 2050 ist ein zentrales Kriterium bei der Auswahl der Fonds und ETFs. Es geht also nicht nur um Ausschlüsse, sondern auch darum, in kollektive Kapitalanlagen zu investieren, die einen glaubwürdigen Klima-Absenkpfad in Richtung Netto-Null verfolgen. Wir prüfen die Fonds und ETFs regelmässig und nach transparenten Kriterien, damit die Auswahl nachvollziehbar bleibt. Das Nachhaltigkeitsziel fokussiert auf die Klimaverträglichkeit des Gesamtportfolios. Damit soll die Transformation der Wirtschaft hin zu geringeren CO2-Emissionen unterstützt werden. In der Öffentlichkeit gibt es viel Kritik an Greenwashing. Wie sorgen Sie dafür, dass der Netto-NullAnspruch glaubwürdig bleibt? Wir begegnen dem mit einem klar definierten, mehrstufigen Selektionsprozess und transparenten Kriterien. Die externen Asset Manager müssen die Erreichung ihrer Klimaziele regelmässig kontrollieren und die Klimawirkung der Fonds und ETFs offenlegen. Zudem überprüfen wir mindestens jährlich, ob die definierten Anforderungen weiterhin erfüllt sind, und passen die Auswahl bei Bedarf an. Bei Aktienanlagen achten wir darauf, dass die externen Asset Manager über Stimmrechte und

Beide Mandate sind bereits ab 5000 Franken zugänglich. Wieso dieser niederschwellige Ansatz? Wir wollten die Mandate bewusst für eine breite Kundschaft öffnen und eine tiefe Einstiegsschwelle bieten. Professionelle Vermögensverwaltung war lange fast ausschliesslich wohlhabenden Kundinnen und Kunden vorbehalten. Bei uns ist die Vermögensverwaltung bereits ab 5000 Franken erhältlich. Die Gebühren beginnen bei 0,75 Prozent pro Jahr und sinken bei höheren Vermögen: ab 250 000 Franken auf 0,70 Prozent, ab 500 000 Franken auf 0,65 Prozent und ab 1 Million Franken auf 0,60 Prozent. Investieren muss für mehr Menschen in der Schweiz zugänglich sein.

Philipp Merkt Chief Investment Officer bei PostFinance

PD

Was ist der grösste Irrtum, dem Privatanleger heute bezüglich Kryptowährungen oder nachhaltige Anlagen erliegen? Bei der Nachhaltigkeit höre ich oft, man müsse zwingend auf Rendite verzichten. Das ist ein Irrtum. Man kann durchaus nachhaltig investieren und gleichzeitig nach Ertrag streben. Nach-

AI / NZZ STORY LAB

haltigkeit und Rendite müssen kein Widerspruch sein. Bei Kryptowährungen ist der verbreitete Irrtum, dass sie nur für junge Menschen geeignet seien oder dass man sie mit einem einzigen Coin abdecken könne. Das stimmt so nicht. Gerade die Diversifikation innerhalb der Anlageklasse wird oft unterschätzt. PostFinance ist die erste Retail-Bank mit diesem Angebot. Wie lange bleibt dieser Vorsprung bestehen? Wir haben in der Schweiz früh einen Schritt gemacht, den andere erst später gehen werden. Wie schnell Mitbewerber nachziehen, hängt stark von ihren technologischen und regulatorischen Voraussetzungen ab. Wir haben es aber nicht gemacht, um als Erste zu gelten, sondern weil wir das Bedürfnis bei unseren Kundinnen und Kunden gesehen haben. Worin unterscheidet sich Ihre Vermögensverwaltung heute am stärksten von jener anderer Anbieter? In der Kombination aus tiefer Einstiegsschwelle, fairen Kosten und der Integration digitaler Lösungen. Wie wollen Sie die Vermögensverwaltung von PostFinance in den nächsten Jahren weiterentwickeln? Ein Thema, das wir intensiv verfolgen, ist die Flexibilisierung. Kundinnen und Kunden signalisieren uns, dass sie ihre Vermögensverwaltungslösung noch individueller gestalten möchten, etwa indem sie selbst gewisse Ausschlüsse definieren oder einen eigenen Akzent setzen können. Wir beobachten Marktentwicklung und Kundenbedürfnisse laufend und genau.

Zur Person Der gebürtige Solothurner Philipp Merkt (53) arbeitet seit 2015 für PostFinance, seit 2022 als Chief Investment Officer (CIO). Er verantwortet mit einem Team von rund 60 Personen die Anlagestrategie und die Anlagelösungen der Bank und präsidiert deren Anlageausschuss. Der studierte Informatiker und Ökonom mit MBA verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung im Banking.

Dieser Inhalt wurde von NZZ Story Lab im Auftrag von PostFinance erstellt.


Freitag, 4. September 2026

Vermögensverwaltung

NZZ-Schwerpunkt

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Wenn Erben Unternehmer werden

Gastbeitrag Die eine Generation hat ein Unternehmen aufgebaut, die nächste übernimmt ein Vermögen. Venture Capital kann beide Welten verbinden: Kapital trifft auf junge Firmen, neue Technologien und unternehmerisches Risiko. Doch die spannendste Geschichte ist noch lange kein gutes Investment. und nutzt die internationale Präsenz der Gruppe, um entsprechende Kontakte herzustellen. Gerade in privaten Märkten, in denen Informationen und Zugänge ungleich verteilt sind, kann ein solches Netzwerk relevant sein. Zum Zugang gehört auch Wissen: Wie entstehen Bewertungen? Wie belastbar sind Schutzrechte? Wann eignet sich ein Fonds, wann ein Co-Investment? Wer die Mechanismen versteht, kann Chancen und Risiken besser einordnen.

VERENA GROSS

Die Übergabe von Vermögen zwischen Generationen ist mehr als eine Frage des Bewahrens. Sie zwingt Unternehmerfamilien auch zu einer Entscheidung: Wo soll das Kapital künftig eine Wirkung erzielen? Ein Vermögen, das einst durch unternehmerisches Risiko entstanden ist, muss nach anderen Regeln angelegt werden, sobald es Teil eines Portfolios wird. Das Fundament bilden in der kotierte Aktien und Anleihen. Private Markets erweitern dieses Spektrum um Unternehmen, die noch nicht an der Börse gehandelt werden. Unternehmerfamilien sind mit dieser Welt vertraut. Sie wissen aus eigener Erfahrung, wie lange Wachstum dauert, wie unsicher der Weg dorthin sein kann – und auch, dass Kapital allein noch kein Unternehmen baut.

Kapital über Generationen

Innovation vor dem Börsengang Private Markets umfassen Anlageklassen wie Private Equity, Private Debt, Immobilien und Infrastruktur. Private Equity ermöglicht dabei Beteiligungen an nicht kotierten Unternehmen über unterschiedliche Entwicklungsphasen hinweg und kann somit einen Baustein einer langfristig ausgerichteten Vermögensallokation bilden. Venture Capital ist innerhalb dieses Spektrums eine besondere Form von Private Equity. Es konzentriert sich auf junge Unternehmen, neue Technologien und Geschäftsmodelle und weist damit eine andere Risiko- und Renditecharakteristik auf als klassische Private-Equity-Strategien. Entscheidend ist deshalb, welche Rolle Venture Capital im Gesamtvermögen übernehmen soll – und wie gross dieser Baustein angesichts von Vermögensstruktur, Liquidität und Risikofähigkeit sein kann. Das Interesse an einer frühen Beteiligung an Innovation ist in der Schweiz deutlich erkennbar. In den Laboren der ETH Zürich und der EPFL entstehen Roboter, Therapien und energiesparende Chips. Laut dem Swiss Deep Tech Report 2026 flossen von 2020 bis 2026 rund 63 Prozent des Schweizer Venture Capitals in Deep Tech – der höchste Anteil weltweit. Im Jahr 2025 erreichte die Finanzierung mit 2,6 Milliarden US-Dollar einen Rekord; innerhalb eines Jahrzehnts hat sich das investierte Kapital damit etwa verfünffacht. Doch aus einer innovativen Technologie wird nicht automatisch eine gute Anlage. Prototypen können scheitern, Finanzierungsrunden verzögern sich, Bewertungen werden korrigiert. Die Ergebnisse von Venture-Capital-Fonds sind sehr ungleich verteilt, das Kapital bleibt über Jahre gebunden. Zudem können Investitionen aufgrund der sogenannten J-Kurve zunächst über mehrere Jahre negative Renditen aufweisen, bevor sich überhaupt eine positive Entwicklung einstellt. Die Konsequenz ist nicht, Innovation zu meiden, sondern sie mit ausreichend Zeit, Liquiditätsreserven und Diversifikation zu finanzieren.

Mit dem Vermögen kann auch unternehmerische Verantwortung weitergegeben werden.

Venture Capital verführt zur Einzelfallgeschichte: ein aussergewöhnliches Gründerteam, ein Durchbruch im Labor, ein scheinbar grenzenloser Markt. Solche Geschichten faszinieren. Für Anleger ist jedoch weniger entscheidend, welches Startup am erfolgreichsten ist, sondern welche Rolle Venture Capital im Gesamtportfolio spielt. Ein robuster Aufbau entsteht über mehrere Auflagejahre, Regionen, Sektoren und Manager. Letztere verbinden auch Fondsanlagen mit ausgewählten Co-Investments und planen zudem Kapitalzusagen sowie Reserven im Voraus. Bei Unternehmerfamilien zählt ein weiterer Faktor: Das eigene Unternehmen bindet oft einen grossen Teil des Vermögens und konzentriert damit genau jenes unternehmerische Risiko, das im übrigen Portfolio gezielt gesteuert werden sollte.

Damit rückt die Managerwahl ins Zentrum. Entscheidend sind nicht nur historische Renditen, sondern auch Strategie, Entscheidungsprozesse, Bewertungspraxis, Reserven für Folgefinanzierungen, Governance und operative Unterstützung. Pictet investiert seit 1989 in Private Equity. Die Erfahrung über unterschiedliche Strategien und Marktphasen hinweg dient dazu, spezialisierte Manager einzuordnen und ihre jeweilige Rolle im Portfolio zu bestimmen.

Der Weg in den Weltmarkt Die internationale Aufmerksamkeit für Schweizer Deep Tech ist längst da. Bei Finanzierungsrunden von mehr als 100 Millionen US-Dollar stammen laut Swiss Deep Tech Report 2026 88 Prozent des Kapitals aus dem Ausland. Das zeigt die internationale Attraktivität des Standorts – und legt zugleich eine Lücke

AI/NZZ STORY LAB

offen: In späteren Wachstumsphasen fehlt im Inland oft Kapital in der nötigen Grössenordnung. Das Nadelöhr ist allerdings selten nur finanziell. Vom Prototyp zum globalen Unternehmen braucht es Industriekunden, regulatorische Erfahrung, spezialisierte Führungskräfte und Zugang zu internationalen Märkten. Gute Venture-Capital-Manager bringen solche Ressourcen zusammen und unterstützen Unternehmen dabei, die schwierigen Übergänge zwischen Forschung, Markteintritt und Skalierung zu bewältigen. Ein Netzwerk ist vor allem dann wertvoll, wenn es Zugang schafft: zu Industriekunden, Führungskräften, Märkten und spezialisiertem Wissen. Entscheidend ist nicht die Zahl der Kontakte, sondern ob im richtigen Moment die richtigen Partner erreicht werden. Pictet verbindet dazu Unternehmerfamilien, Anlagepartner und Gründer

Nicht jede gute Firma wird automatisch zu einer guten Anlage.

Für die nächste Generation von Unternehmerfamilien liegt darin ein besonderer Reiz. Sie entdeckt neue Technologien und Geschäftsmodelle oft früh; die ältere Generation hingegen bringt Erfahrung aus Unternehmensaufbau, Krisen und Finanzierung ein. Im besten Fall trifft technologische Neugier auf unternehmerisches Urteilsvermögen. Beide Perspektiven können helfen, die blinden Flecken der jeweils anderen zu erkennen. Ein klar begrenzter Venture-CapitalBaustein kann so zum Lernfeld für die Familie werden. Die jüngere Generation analysiert Chancen, trifft Gründer und übernimmt schrittweise Verantwortung. Die ältere muss nicht jede Technologie selbst beurteilen, wohl aber Budget, Zuständigkeiten und Entscheidungsregeln mittragen. Governance wird damit nicht zur Bremse, sondern zum Geländer. Ein gemeinsames Venture-Engagement kann dabei mehr leisten als Rendite. Es schafft eine gemeinsame Sprache für Risiko,Verantwortung und die langfristige Ausrichtung des Familienvermögens. Begeisterung sollte dabei allerdings nicht mit Überzeugung verwechselt werden. Eine belastbare Anlagethese entsteht erst, wenn Annahmen geprüft, Risiken benannt und Entscheidungen gemeinsam reflektiert und dokumentiert werden. Für die Umsetzung gibt es nicht den einen Weg. Fonds schaffen Breite und Zugang zu mehreren Unternehmen; CoInvestments erlauben gezieltere Beteiligungen, verlangen aber zusätzliche Prüfung und erhöhen das Einzelrisiko. Entscheidend ist, ob die gewählte Kombination die vorgesehene Rolle im Familienvermögen tatsächlich erfüllt. Private Equity und Venture Capital sind damit kein Gegenentwurf zu disziplinierter Vermögensverwaltung, sondern langfristige Bestandteile davon. Venture Capital setzt einen gezielten Akzent: kleiner, riskanter und schwerer zugänglich, zugleich aber näher an den Ideen, aus denen neue Unternehmen oder sogar Branchen entstehen können. Die Schweiz wird weiter erfinden. Nicht jede Erfindung wird sich durchsetzen, und nicht jede gute Firma wird automatisch zu einer guten Anlage. Für Anleger besteht die Kunst deshalb nicht darin, die Zukunft vorherzusagen. Sie besteht darin, ein Portfolio zu bauen, das ausgewählte Unternehmen auf ihrem Weg in diese Zukunft über lange Zeit begleiten kann. Gastbeitrag Verena Gross, Equity Partner und Leiterin Pictet Wealth Management Deutschschweiz.


Vermögensverwaltung

12 NZZ-Schwerpunkt

Freitag, 4. September 2026

Tradition allein reicht nicht mehr

Gastbeitrag Der Finanzplatz Hongkong zieht vorbei, Singapur setzt digital die Massstäbe und die Schweiz punktet weiterhin mit Stabilität und Vertrauen. Doch im Wealth Management verschiebt sich der Wettbewerb: Technologie entscheidet zunehmend mit, wer Kunden erreicht, Beratung skalieren kann – und wer den Anschluss verliert. CHRISTIAN HAUX

Die Rangordnung der grossen Vermögensverwaltungszentren gerät in Bewegung. Hongkong hat gemäss dem BCG Global Wealth Report 2026 die Schweiz erstmals als grössten Buchungsstandort für grenzüberschreitende Vermögen überholt, während Singapur immer selbstbewusster auftritt. Für den Schweizer Finanzplatz ist das noch kein Alarmsignal. Aber es zeigt: Tradition und Reputation reichen nicht mehr aus, um die künftige Stärke eines Standorts zu sichern. Dass die Ausgangslage der Schweiz dennoch gut ist, zeigt der erstmals erschienene Wealth Management Index von Avaloq. Unter 15 untersuchten Märkten belegt sie Rang fünf, hinter Singapur, den USA, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Hongkong. Besonders gut schneidet sie dort ab, wo ihre traditionellen Stärken liegen: beim regulatorischen Umfeld, der makroökonomischen Stabilität und der Reife des Finanzmarkts. Gerade bei komplexen Vermögenssituationen bleiben diese Faktoren zentral. Sie schaffen Orientierung, reduzieren Unsicherheit und bilden die Grundlage für langfristige Kundenbeziehungen. Doch allein reichen sie nicht mehr aus. Entscheidend ist zunehmend auch, wie gut Banken digitale Angebote ausbauen, Prozesse skalieren und neue Kundengruppen erschliessen können. Wie gross der Abstand hier teilweise ist, zeigt Singapur. Der Stadtstaat führt den Avaloq Wealth Management Index an und verbindet eine starke Regulierung mit deutlich besseren digitalen Voraussetzungen. Besonders gross ist der Vorsprung gegenüber der Schweiz bei Technologie und der Akzeptanz digitaler Angebote. Die Schweiz ist technologisch nicht schwach, bietet laut Index derzeit aber weniger günstige Voraussetzungen, um moderne Wealth-ManagementDienstleistungen digital zu skalieren.

Rolle der Beratung ändert sich Das bedeutet nicht, dass sich Vermögensverwaltung vom persönlichen Kontakt auf digitale Kanäle verlagern muss. Für alltägliche Anliegen erwarten Kundinnen und Kunden einfache digitale Lösungen und ständigen Zugang. Bei wichtigen finanziellen Entscheidungen wollen sie weiterhin ein Gegenüber, das berät, einordnet und im Zweifel auch einmal widerspricht. Gerade diese Mischung macht Wealth Management anspruchsvoller. Auf der einen Seite bleibt das Verhältnis zwischen Bank und Kundschaft hochgradig individuell und beziehungsgetrieben, wie es Banken aus dem Umgang mit (U)HNWI-Kundinnen und -Kunden kennen. Gleichzeitig wächst ein Segment vermögender Kunden, das mehr erwartet als Retail Banking, aber nicht in das klassische Private-BankingModell passt. Diese Kunden wollen nicht für jede Frage einen Termin – aber auch keine anonyme Selbstbedienung. Sie erwarten digitale Eigenständigkeit, verständliche Analysen und bei Bedarf persönliche Beratung.

Für Schweizer Banken liegt darin die Chance, neue Kundengruppen zu erschliessen. Operativ ist das allerdings anspruchsvoll: Leistungen, die bisher personalintensiv, exklusiv und teuer waren, müssen breiteren Kundengruppen zugänglich werden, ohne an Qualität zu verlieren.

Einzelne KI-Tools reichen nicht Hier kommt künstliche Intelligenz ins Spiel. Noch wird KI in Banken häufig vor allem als Effizienzthema verstanden: Nach einem Kundengespräch werden etwa Gesprächsnotizen automatisch zusammengefasst. Das spart Zeit und entlastet Mitarbeitende von Routinearbeit. Im Kern bleibt es aber bei dem, was Banken seit Jahren tun – einzelne Arbeitsschritte digitalisieren und effizienter machen. Interessant wird KI dort, wo sie nicht einfach manuelle Prozesse ersetzt, sondern neue Arbeitsweisen ermöglicht. KI-Agenten sind technisch bereits heute in der Lage, Kundengespräche vorzubereiten, Portfolios laufend auf Handlungsbedarf zu prüfen oder Anlagevorschläge anhand von Echtzeitdaten stärker auf einzelne Kunden zuzuschneiden. Im Middle Office können sie Source-ofWealth-Prüfungen, Suitability Checks, Rebalancing und regulatorisches Monitoring unterstützen; im Back Office unstrukturierte Daten bearbeiten, Dokumente auswerten und Abgleiche automatisieren. Die eigentliche Wirkung entsteht jedoch nicht durch einzelne Anwendungen. Sie entsteht, wenn diese Fähigkeiten miteinander verbunden werden und Banken auf dieser Grundlage ihre Prozesse neu organisieren. Entscheidend ist deshalb, ob Institute Daten, Systeme und Abläufe so aufstellen, dass KI nicht nur punktuell hilft, sondern Teil eines neuen Betriebsmodells werden kann. In den kommenden drei bis fünf Jahren dürfte sich zeigen, welche Institute KI vor allem als Sammlung einzelner Werkzeuge einsetzen – und welche damit ihr Beratungsmodell grundlegend weiterentwickeln. Der Vorsprung entsteht dabei nicht erst bei der KI selbst.Wer über eine moderne Systemlandschaft, konsistente Datenmodelle und klare Schnittstellen verfügt, kann neue Anwendungen schneller produktiv einsetzen. Wer zunächst Daten bereinigen, Systeme verbinden und Verantwortlichkeiten klären muss, braucht länger.

Daten gewinnen an Wert Wie gross der Handlungsbedarf tatsächlich ist, zeigt eine aktuelle AvaloqUmfrage. Rund zwei Drittel der befragten Branchenfachleute geben an, dass ihr Institut mit Hürden kämpft, die die digitale Modernisierung bremsen. Gleichzeitig arbeitet fast die Hälfte der Schweizer Wealth-Management-Fachpersonen im Alltag mit sieben oder mehr Systemen. Das ist nicht nur ein Effizienzproblem. Sind Kundendaten, Portfolios, Risikoprofile und Dokumente über verschiedene Systeme verteilt, fehlt auch

Tradition öffnet weiterhin Türen. Doch im Wealth Management braucht es heute neue Zugänge.

Vertrauen entsteht nicht mehr nur im persönlichen Gespräch.

der einheitliche Blick auf die Kundschaft. Genau dieser Gesamtblick wird wichtiger, wenn Beratung stärker personalisiert, schneller und über verschiedene Kanäle hinweg konsistent erbracht werden soll. Dabei verfügen Banken über einen Vorteil, den neue Anbieter nicht ohne Weiteres kopieren können: Sie kennen die finanzielle Situation ihrer Kundinnen und Kunden, oft bis hinein in Familien- und Unternehmensstrukturen. Durch KI gewinnt dieses Wissen zusätzlich an Wert. Banken können Bedürfnisse früher erkennen, Risiken schneller identifizieren und Vorschläge genauer auf die individuelle Situation zuschneiden. Wenn sie dieses Potenzial nicht nutzen, droht ihnen, Kunden an technologisch fortschrittlichere Konkurrenten zu verlieren.

Vertrauen definiert sich neu Vertrauen bleibt der Kern der Vermögensverwaltung. Kundinnen und Kunden werden grosse finanzielle Entscheidungen auch künftig nicht einfach einer Maschine überlassen. Sie wollen wissen, wer Verantwortung trägt. Doch Vertrauen entsteht nicht mehr nur im persönlichen Gespräch. Es zeigt sich auch daran, ob Daten stimmen, Empfehlungen nachvollziehbar sind, Prozesse funktionieren und sensible Informationen geschützt bleiben. Gerade hier kann die Schweiz ihre traditionellen Stärken ausspielen. Stabilität,Verlässlichkeit und Diskretion sind in einer von KI geprägten Finanzwelt keine überholten Werte. Im Gegenteil: Sie dürften an Bedeutung gewinnen. Je häufiger Kunden mit digitalen Assistenten, automatisierten Vorschlägen und neuen Anlageformen konfrontiert

AI/NZZ STORY LAB

werden, desto wichtiger wird die Frage, ob sie der Institution hinter einer Empfehlung vertrauen können. Die Entwicklung läuft deshalb nicht auf «Mensch gegen Maschine» hinaus. Der Schweizer Finanzplatz muss seine Vermögensverwaltung nicht neu erfinden. Sein Erfolgsmodell ist nicht überholt. Die nächste Phase des Wettbewerbs wird allerdings nicht allein über Tradition und stabile Rahmenbedingungen entschieden. Ausschlaggebend wird sein, das eigene Betreuungsmodell so weiterzuentwickeln, dass Vertrauen, Qualität und persönliche Beratung auch in einer stärker digital geprägten Vermögensverwaltung den Unterschied machen.

Avaloq Avaloq ist ein führender Anbieter von Software und Dienstleistungen für über 170 Finanzinstitute weltweit. Das in Zürich ansässige Unternehmen bedient Privatbanken,Vermögensverwalter und Retailbanken – als Cloud-Lösung oder im Outsourcing von Geschäftsprozessen. QR-Code scannen und mehr erfahren.

Gastbeitrag Christian Haux ist Managing Director Schweiz und Liechtenstein bei Avaloq und verfügt über langjährige Erfahrung im Schweizer Bankensektor.


Vermögensverwaltung

Freitag, 4. September 2026

Beständigkeit in bewegten Märkten Gastbeitrag Die düsteren Schlagzeilen, die seit einiger Zeit die Weltlage beschreiben, könnten bei Anlegern zu schnellen Entscheidungen führen. «Wachsamer Pragmatismus» ist wohl zielführender. THOMAS R. SCHÖNBÄCHLER

«Ölpreise unter dem Einfluss geopolitischer Spannungen», «Schwäche der europäischen Industrie» oder «Geopolitische Risiken dominieren die Marktstimmung»: Solche Schlagzeilen beeinflussten in den letzten zwölf Monaten die Anlagemärkte. Begleitet werden sie von Empfehlungen für «sicheres Investieren»: etwa Titel aus Chemie- und Industrieunternehmen mit hohem Energieverbrauch abstossen und dafür in Rohstoffproduzenten investieren. Oder Maschinenbauunternehmen mit starkem China-Geschäft durch europäische Qualitätsunternehmen mit hohem USAnteil ersetzen. Und Indexschwergewichte aus dem Technologiesektor untergewichten, da diese deutlich überbewertet seien. Solche Ansätze mögen im Grundsatz richtig sein, können aber auch zu einer kostentreibenden Hektik führen. In der schnelllebigen Realität jedem Trend hinterherzujagen, können sich Influencer leisten – einem seriösen Anlagegeschäft ist dies abträglich. Empirische Studien zeigen seit Jahrzehnten dasselbe Bild:

Aktive Anlageentscheide bringen im Durchschnitt keinen Mehrwert. Einer Pensionskasse stellt sich zudem eine weitere Herausforderung, da das anzulegende Geld die Altersvorsorge von Tausenden von arbeitnehmenden und rentenbeziehenden Menschen ist. Um das Spannungsfeld zu komplettieren, sollen die Anlagen eine gute Rendite abwerfen, um die Altersleistungen sicher

finanzieren und die persönlichen Einlagen möglichst gut verzinsen zu können. Der Anlageerfolg hängt vor allem von der Anlagestrategie ab. Diese ist langfristig ausgerichtet und berücksichtigt eine breite Diversifikation sowie die Risikofähigkeit der Pensionskasse. Aufgrund von Kursschwankungen kann die Vermögensaufteilung des Portfolios kurzfristig von der Anlagestrategie abweichen. Die BVK beispielsweise hat dafür Bandbreiten definiert. Werden diese über- oder unterschritten, greift sie ein und führt das Portfolio nach festen Regeln wieder an die strategische Vermögensaufteilung heran. Sinkt etwa der Aktienanteil bei starken Kursrückschlägen ab und fällt deutlich unter die vorgesehene Quote, kauft die BVK Aktien dazu, um den Anteil wieder mit der langfristigen Strategie und damit dem Risikoprofil in Einklang zu bringen. Umgekehrt verkauft sie Aktien, wenn starke Kursgewinne dazu führen, dass die obere Grenze der Bandbreite überschritten wird. Dieses regelbasierte Rebalancing hilft, die Risiken zu

Die BVK – alt und verantwortungsbewusst Die BVK ist mit 48 Milliarden Franken Anlagevermögen und 146 000 Versicherten die grösste Pensionskasse der Schweiz. Gegründet wurde sie 1926 – also exakt vor 100 Jahren. Sie versichert Menschen aus den Branchen Gesundheit, Bildung, Infrastruktur, Transport sowie Verwaltung. Sie ist sich der Verantwortung gegenüber den ihr anver-

trauten Geldern bewusst und zeichnet sich durch eine klare Anlagestrategie und tiefe Anlagekosten aus. QR-Code scannen und mehr erfahren.

In unruhigen Märkten zählt Orientierung.

kontrollieren und die langfristigen Strategieziele zu erreichen – auch wenn es im schnelllebigen Tagesgeschäft manchmal nicht sinnvoll erscheint. Die Anlagestrategie wird alle vier bis fünf Jahre im Rahmen einer ALM-Studie überprüft, die untersucht, wie gut das Vermögen und die künftigen Verpflichtungen aufeinander abgestimmt sind. Ziel ist es, Risiken und mögliche finanzielle Entwicklungen zu analysieren und daraus eine langfristig tragfähige Anlageund Finanzierungsstrategie abzuleiten. Die jüngsten Studien haben ergeben, dass nur geringfügige Anpassungen an der bestehenden Strategie nötig waren,

NZZ-Schwerpunkt

AI/NZZ STORY LAB

um die Anlagen auf Kurs zu halten. Daraus folgt, dass im langfristig ausgerichteten Anlagegeschäft einer Pensionskasse kurzfristige Anpassungen eher zu mehr Unsicherheit, mehr Aufwand und mehr Kosten führen. Einen kühlen Kopf zu bewahren, die Märkte stets im Blick zu behalten und Entscheidungen mit gesundem Pragmatismus zu fällen, haben sich in der Vergangenheit bewährt und sollen auch in Zukunft Bestand haben.

Gastbeitrag Thomas R. Schönbächler ist Vorsitzender der Geschäftsleitung der BVK.

Von finanzieller Unsicherheit zur finanziellen Unabhängigkeit.

Werbung für eine Finanzdienstleistung gemäss FIDLEG.

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Künstliche Intelligenz kennt die Daten. Wir kennen den Menschen.

Geld im Wandel

Wie Geopolitik und Technologie die Zukunft formen

KI verändert die Vermögensverwaltung. Doch hinter jedem Vermögen stehen Menschen mit eigenen Zielen, Werten und Plänen. Wir bringen Analyse und Erfahrung zusammen und behalten im Blick, was unseren Kunden wirklich wichtig ist. Sprechen wir von Mensch zu Mensch. trigon.fo

Wie werden wir in Zukunft bezahlen: Mit Bargeld, Stablecoins oder dem E-Franken? Erfahren Sie, welche neuen Geldsysteme entstehen und was dies für die Schweiz bedeutet.

KOF Prognosetagung

30. September 2026, ab 15 Uhr UBS Konferenzgebäude Grünenhof, Zürich Mit Pascale Bruderer (Unternehmerin und unabhängige Verwaltungsrätin), Prof. Dr. Hans Gersbach (Direktorium KOF/ETH Zürich), Dr. Livia Moretti (Geschäftsführerin der Banque de Luxembourg), Prof. Dr. Jan-Egbert Sturm (Direktorium KOF/ETH Zürich) und Dr. Petra Tschudin (Mitglied des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank).

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