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INVESTMENTFONDS

Der andere Blick

Das Zeitalter des ETFs

Fokus

Den Finanzinstituten fehlt es nicht an Phantasie. Sie haben unzählige Produkte erfunden – viele verschwanden wieder Mit dem ETF landeten sie jedoch einen Treffer.

FREDY GILGEN

Die Entwicklung der ETFs vor 35 Jahren war eine Revolution die das Investieren für Privatanleger demokratisierte. Seither kann auch mit kleinen und kleinsten Beträgen investiert werden wie bei Grossanlegern.

Laut Karsten-Dirk Steffens, Country Head Switzerland von Aberdeen Investments, sollten ETFs heute ein zentrales strategisches Fundament der Vermögensallokation bilden. «Sie bieten Kostenvorteile in allen Zinsumfeldern, eine breite Diversifikation, sind liquide und transparent Zudem bilden sie Markttrends und Faktoren effizient ab und eignen sich ideal für Core-SatelliteArchitekturen.»

Spektrum an Möglichkeiten

Raimund Müller, Leiter ETF & Index Fund Sales Schweiz und Liechtenstein bei UBS Asset Management, stimmt uneingeschränkt zu Als passiv gemanagte, kostengünstige und liquide Portfoliobausteine spielen ETFs heute eine zentrale Rolle Viele verbinden die Stabilität eines breit gestreuten Kerninvestments mit den Renditechancen fokussierter Beimischungen im sogenannten CoreSatellite-Ansatz.

Die Möglichkeiten sind vielfältig:Anleger können auf ETFs der bekanntesten Indizes wie MSCI World, S&P 500 oder SPI zurückgreifen, um die globale beziehungsweise regionale Aktienallokation effizient abzudecken. Diese

Core-ETFs bieten eine robuste Basis für das Gesamtportfolio, da sie das Marktrisiko über Hunderte oder gar Tausende von Einzeltiteln streuen. Ein einziger Welt-ETF kann beispielsweise über 1300 Aktien aus 23 Ländern enthalten Zugleich ermöglichen ETFs eine zielgenaue Abbildung spezieller Marktsegmente oder Nischenthemen, die früher nur schwer zugänglich waren. Themen-ETFs erlauben es Anlegern, an langfristigen Trends zu partizipieren, ohne einzelne Aktien auswählen zu müssen. Auch Faktor-ETFs (etwa mit Yield-, Value- oder Quality-Strategien) sowie Rohstoff-ETFs können dem Kernportfolio als «Satelliten» beigemischt werden, um gezielte Zusatzchancen zu nutzen. «Der grösste Teil des Vermögens sollte passiv via ETF investiert werden» sagt Jürg Kallay, Leiter von Swissprivate Einerseits sprechen historische Performancedaten für diese Strategie Aktive Manager sind nach Kosten nur selten erfolgreicher Andererseits können viele aktive Vermögensverwalter oft nicht zuverlässig beurteilen, wie es um ein Unternehmen steht. Geschäftsberichte und Interviews mit dem Management ersetzen den Einblick in operative Abläufe nicht

Handelbarkeit als Kernelement

Ein wesentliches Merkmal von ETFs ist nach der Ansicht von UBS-Experte Müller ihre tägliche Handelbarkeit an der Börse sowie die enge Kopplung des

Jürg Kallay, Leiter von Swissprivate

Marktpreises an den Nettoinventarwert (NAV) des Fonds. Im Gegensatz zu Anlagefonds, die einmal täglich zum Rücknahmepreis gehandelt werden, können Anleger ETFs wie Aktien fortlaufend intraday kaufen und verkaufen. Diese hohe Liquidität verleiht insbesondere Privatanlegern ein hohes Mass an Flexibilität: Sie können rasch auf Marktbewegungen reagieren oder ihr Investment bei Bedarf unmittelbar veräussern. Gleichzeitig sorgt die Kopplung des Börsenpreises an den zugrunde liegenden Indexwert (NAV) für transparente und faire Kurse Im Normalfall handeln ETFs nahe an ihrem NAV, da spezialisierte Market-Maker durch den kontinuierlichen Arbitragehandel Preisabweichungen ausgleichen. Dieser Mechanismus stellt sicher dass ETFKurse in ruhigen Marktphasen eng am «fairen» Wert bleiben.

Grenzen des Wachstums

Der Preis des Erfolgs: Passives Investieren beginnt nach Simon Lutz, CIO von Tareno, angesichts der starken Mittelzuflüsse der letzten Jahre an Grenzen zu stossen. Da die meisten Indizes nach Marktkapitalisierung gewichtet sind, fliesst neues Kapital systematisch in die grössten und häufig bereits hoch bewerteten Titel.

«Dies erhöht die Marktkonzentration und verstärkt Klumpenrisiken. Entsprechend enthalten immer mehr Indizes sektor- und titelspezifische Risiken.»

Dies mache zunehmend eine aktive Risikosteuerung erforderlich. Gerade in Phasen struktureller Umbrüche oder ausgeprägter Marktverwerfungen fehle ETFs die Flexibilität, Risiken aktiv zu steuern und Opportunitäten zu nutzen. Thomas Heller, CIO der Frankfurter Bankgesellschaft, sieht es ähnlich: «In den letzten Jahren hat die Gewichtung einiger weniger Titel in Indizes wie dem S&P 500 deutlich zugenommen. Mit einer Investition in einen ETF übernimmt man diese Klumpenrisiken.» Die Gewinner in einem Index zögen automatisch mehr Kapital an, was Bewertungen zusätzlich treiben könne.

Chancen auf eine Überrendite ETFs liefern definitionsgemäss die Marktrendite abzüglich der Kosten. Entsprechend lässt sich aus dem Instrument selbst keine Outperformance erzielen. Oder, wie Thomas Heller es auf den Punkt bringt: «Es ist kein Alpha möglich.»

Allerdings haben Produktentwickler Wege gefunden, dennoch Mehrerträge zu erzielen. Der grösste Hebel liegt in der aktiven Steuerung und bewussten Abweichung von einer Benchmark in der Vermögensallokation. Ivan Durdevic, verantwortlich für den ETF-Vertrieb in Deutschland, Österreich und der Schweiz bei J.P. Morgan Asset Management, setzt auf aktiv gemanagte Strategien – entweder in Form klassischer Fonds oder zunehmend auch als aktive ETFs «Moderne aktive ETFs, etwa Research-EnhancedIndex-Strategien, kombinieren die Vorteile der ETF-Struktur mit aktivem Management und ermöglichen bei indexähnlichem Risiko gezielte Überund Untergewichtungen einzelner Titel auf der Basis fundamentaler Analysen.» So könne Alpha generiert werden ohne auf Liquidität, Transparenz und

Kostenkontrolle zu verzichten. Diese Strategien eigneten sich zur Diversifizierung bestehender passiver Allokationen, könnten aber auch als Kernbaustein dienen.

Erfolgsgeschichte geht weiter

Der ETF-Markt ist ständig in Bewegung und entwickelt sich kontinuierlich weiter. Aktuell prägen laut UBS mehrere Trends die Branche:

„ Core-ETFs Nach wie vor fliesst ein grosser Teil des Kapitals in breite Standardindizes Diversifizierte Aktien-ETFs wie MSCI World, S&P 500, MSCI Europe oder SPI zur defensiven Heimatmarktallokation rangieren weiterhin auf den vordersten Plätzen nach Volumen und Zuflüssen. Diese Core-ETFs gelten als unverzichtbare Grundbausteine für die meisten Portfolios.

„ Währungsabgesicherte ETFs

Die Volatilität an den Devisenmärkten und die erheblichen Wechselkursschwankungen der letzten Jahre haben die Bedeutung des Währungshedgings sowohl strategisch als auch taktisch erhöht. Für Anleger, die global investieren, ohne Währungsrisiken einzugehen, steht heute eine breite Palette währungsgesicherter ETF-Anteilsklassen zur Verfügung Das in Europa in WährungsHedge-ETFs investierte Volumen ist von 57 Milliarden Dollar (2017) auf 284 Milliarden Dollar (2025) gestiegen. Bei festverzinslichen Anlagen und Rohstoff-ETFs entfällt mittlerweile rund ein Viertel der Nettozuflüsse in Europa auf währungsgesicherte Tranchen. In der Schweiz, wo der Franken zur Aufwertung neigt, sichern Anleger internationale Aktien- und Anleihen-ETFs häufig in Franken ab um Wechselkursschwankungen zu vermeiden

„ Einkommensorientierte ETFs In einem Umfeld anhaltend niedriger Zinsen steigt das Interesse an einkommensorientierten ETF-Strategien. Viele Anleger suchen nach verlässlichen, regelmässigen Erträgen und damit nach Alternativen zu schwach verzinsten Bankeinlagen Besonders DividendenETFs, die auf ausschüttungsstarke Qualitätsaktien setzen, gewinnen an Bedeutung und werden vermehrt als stabile Einkommensbausteine genutzt.

„ Rohstoff-ETFs Rohstoff-ETFs, insbesondere auf Gold, verzeichnen im Umfeld von Inflation und Unsicherheit zusätzliche Nachfrage, da sie als Instrumente zum Werterhalt und als Inflationsschutz dienen

„ Aktive ETFs Ein besonders dynamischer Trend ist der zunehmende Einsatz aktiver Strategien im ETF-Mantel, der in den USA bereits etabliert ist und sich nun auch in Europa ausbreitet. Gleichzeitig entwickeln sich Geldmarkt-ETFs weiter

So wurde in der Schweiz erstmals ein ETF aufgelegt, der den SaronGeldmarktzins abbildet Die täglichen Zinserträge basieren auf dem SaronOvernight-Index; dank einer leichten Outperformance können nach Kosten positive Erträge erzielt werden. Ergänzend dazu hat die UBS vergleichbare «Overnight Rate ETFs» für den Euro (€STR) und den US-Dollar (SOFR) lanciert. Diese Produkte bieten eine Möglichkeit, kurzfristige Gelder effizient zu parkieren – mit wettbewerbsfähiger Verzinsung im Vergleich zu klassischen Bankeinlagen und der zusätzlichen Flexibilität eines ETFFormats

Die ETF-Industrie wächst damit nicht nur in der Breite, sondern auch in der Tiefe, und festigt ihre Rolle als Kern moderner Vermögensanlage

«Bei ETFs ist kein Alpha möglich.»

Thomas Heller CIO Frankfurter Bankgesellschaft

Stille Renditekiller

Bei der Wahl eines Investmentfonds wird häufig nur die Gesamtkostenquote (TER) betrachtet. Diese Kennzahl umfasst jedoch nicht alle Kosten für den Anleger.

Für eine ganzheitliche Kostenrechnung müssen laut dem CIO von Tareno, Simon Lutz, auch die versteckten Kosten innerhalb des Fonds sowie die indirekten Kostenfaktoren beim Kauf, Verkauf und Halten des Fonds berücksichtigt werden In der TER nicht enthalten sind Transaktionskosten, Devisenmargen, Steuern und performanceabhängige Gebühren. Diese Kosten schmälern die Nettorendite und werden für den Anleger im Zeitverlauf in der Performance sichtbar.

Für eine umfassende Gesamtkostenrechnung müssen zudem die fondsexternen Kosten berücksichtigt werden. Diese Gesamtbetrachtung wird auch als Total Cost of Ownership bezeichnet Dazu gehören Verwaltungsgebühren, Depotgebühren, Kosten für den Währungswechsel, Steuern sowie Transaktionskosten wie Courtagen, Börsengebühren, die Handelsspanne zwischen Geld- und Briefkurs sowie Ausgabeund Rücknahmekommissionen. Diese oft nicht berücksichtigten Kosten können sich je nach Investmentfonds deutlich unterscheiden und für den Anleger erheblich ins Gewicht fallen

Da die Total Cost of Ownership von der individuellen Situation abhängt und je nach Produktkategorie variiert, lässt sie sich nicht einfach berechnen. Genau hier können Vermögensverwalter durch Beratung und massgeschneiderte Anlagelösungen einen Mehrwert schaffen.

SARA SPARASCIO / ADOBE STOCK

Wie Schweizer Fondsmanager in

Die angekündigte Waffenruhe im IranKonflikt sorgt kurzfristig für Entspannung an den Märkten – doch die Unsicherheit bleibt Anlageprofis erklären, wie sie in diesem Umfeld investieren.

 Swiss Rock: «Diszipliniert bleiben»

In geopolitischen Krisen sind Marktverwerfungen meist kurzlebig Wer diszipliniert bleibe und sich an Fundamentaldaten orientiere, könne aus der Unsicherheit gezielt Chancen ableiten, sagt Roman von Ah, Gründungspartner des unabhängigen Schweizer Vermögensverwalters Swiss Rock

Seit dem Kriegsausbruch am Persischen Golf haben von Ah und sein Team in den Swiss-Rock-Fonds, die auf Faktormodellen basieren, bewusst keine hektischen Anpassungen vorgenommen. Er verweist auf historische Muster: «Baissephasen im Zusammenhang mit militärischen Konflikten zeigen eine klare Tendenz zur raschen Erholung», wobei der durchschnittliche Ausverkauf nur etwa vier Wochen dauere. Gerade deshalb sei das Risiko eines falschen Timings hoch. Auffällig sei zudem, dass selbst Gold als klassischer sicherer Hafen unter Druck geraten sei. Ein Effekt, den er auf liquiditätsgetriebene Verkäufe zurückführt, die «weit über das hinausgehen, was angesichts der tatsächlich erwarteten wirtschaftlichen Veränderungen gerechtfertigt ist» Entsprechend bleibt von Ah seiner Linie treu: «Als systematischer Manager halten wir konsequent an den Fundamentaldaten fest und verzichten auf Panikverkäufe – und sehen die derzeitige Lage als attraktives Einstiegsfenster.»

schwierigen Zeiten eine Dividende zu zahlen»

Im Zementbereich wiederum seien Titel wie Holcim oder Amrize deutlich abgestraft worden Dies wegen Ölpreisängsten, die sich bei Entspannung der Lage aber als überzogen erweisen könnten.Ähnliches gelte für den Luxusgütersektor. Ein Kriegsende würde Unternehmen wie Richemont oder Swatch Group «unmittelbar und kräftig unterstützen»

Verkäufe kommen für von Ah hingegen nicht infrage «Aktien in Phasen der Marktpanik zu verkaufen ist erfahrungsgemäss keine gute Idee» betont er Er erhalte den Besitz von Aktien konsequent aufrecht und agiere «emotionsfrei, unabhängig vom kurzfristigen Marktlärm» Entscheidend sei jedoch der richtige Einstiegszeitpunkt für Neuengagements: «Der Markt beginnt typischerweise zu drehen, noch bevor ein formeller Waffenstillstand verkündet wird.» Wer auf offizielle Bestätigungen warte, verpasse oft den Grossteil der Erholung

REDAKTION THE MARKET

Die Unberechenbarkeit der Entwicklung am Persischen Golf prägt das Geschehen an den Aktienmärkten Die angekündigte Waffenruhe bringt eine Atempause – doch wie stabil sie ist, bleibt offen. Ebenso unklar ist, wie lange zentrale Risiken wie die Lage in der Strasse von Hormuz bestehen und welche Schäden Bomben und Drohnen an der Infrastruktur für Öl und Gas in der Region hinterlassen werden Trotz – oder gerade wegen – all dieser Unsicherheiten müssen Investoren weiterhin Anlageentscheide fällen. The Market hat deshalb Schweizer Fondsmanager dazu befragt, wie sie nun agieren. Sie alle sehen nach den Kurskorrekturen Chancen und nutzen sie bereits.

Auch mit Blick nach vorn bleibt er konstruktiv: «Unser Basisszenario geht davon aus, dass die heisse Phase des Konflikts zeitnah abklingt und die internationale Gemeinschaft innerhalb weniger Wochen eine Lösung für die Strasse von Hormuz findet.» Zwar dürfte der Ölpreis vorübergehend erhöht bleiben, sich mittelfristig aber normalisieren. Die Folgen wären «ein moderat gedämpftes Wirtschaftswachstum sowie ein etwas geringeres Wachstum auf Stufe Gewinn pro Aktie» Allerdings weiterhin im positiven Bereich und «ohne dass eine globale Rezession zu befürchten wäre», so der Experte. Langfristig orientierten Anlegern biete der Schweizer Markt in Krisenzeiten strukturelle Vorteile: Die Pharmaunternehmen Roche und Novartis hätten sich dank stabiler Nachfrage und planbarem Cashflow als besonders resilient erwiesen. Auch Nestlé und Zurich Insurance stehen exemplarisch für Geschäftsmodelle mit «Preissetzungsmacht, nichtdiskretionärer Nachfrage und der Fähigkeit, auch in

Den entscheidenden Wettbewerbsvorteil sieht der Fondsmanager jedoch im systematisch-quantitativen Ansatz von Swiss Rock. Während an den Märkten oft emotionale Reaktionen dominierten, agierten die SwissRock-Faktormodelle strikt datenbasiert. Historische Analysen von 26 geopolitischen Krisen zeigen, dass die Märkte kurzfristig zwar reagieren, im Schnitt mit einem Rückgang von rund 1,1 Prozent am ersten Tag und kumuliert etwa 4,6 Prozent, sich mittelfristig aber erholen. Zwölf Monate später tendieren sie durchschnittlich 7,8 Prozent höher, in knapp 70 Prozent der Fälle Systematische Modelle hätten hier den Vorteil, «keiner Panik, keiner Bestätigungsverzerrung und keinem Herdentrieb» zu unterliegen und unnötige Transaktionskosten durch überhastetes Handeln zu vermeiden.

schaffen Unsicherheiten, schärfen aber auch den Blick.

 IFS Independent Financial Services: «Den Tiefpunkt trifft man nie» Phasen politisch getriebener Börsen verlaufen erfahrungsgemäss sehr erratisch und sind kaum planbar. Dieses Muster hat sich unter US-Präsident Donald Trump mehrfach gezeigt. Für Patrik Jäger Fondsmanager beim Vermögensverwalter IFS, ist es jedoch kein Grund für hektische Umschichtungen. Seit dem Kriegsausbruch am Persischen Golf hat er mit seinem Team keine Position verkauft. Stattdessen hat er dank Liquidität eine Einkaufsliste mit potenziellen Zukäufen vorbereitet. Denn Jäger rechnet nicht mit einer länger anhaltenden militärischen Eskalation: «Weder die USA noch Iran haben ein Interesse an einem langwierigen Konflikt.» Für Washington sprechen innenpolitische Faktoren wie Inflation und die Midterm-Wahlen dagegen, während Teheran vor allem Stärke demonstrieren und Abschreckung aufbauen will, ohne den Fortbestand des Regimes zu gefährden Aus Jägers Sicht hat die jüngste Korrektur bereits viel Negatives vorweggenommen. Entsprechend erkennt er selektiv attraktive Einstiegschancen Zahlreiche Industrieunternehmen

Roman von Ah, Swiss Rock
Patrik Jäger, IFS Independent Financial Services
Adrian Lechthaler
Peter J. Lehner & Partner

in Zeiten der Krise entscheiden

SARA SPARASCIO / ADOBE STOCK

entwicklung und -produktion (CDMO) sowie Medacta mit strukturellen Wachstumstreibern. Auch den Backwarenhersteller Aryzta erachtet er als attraktiv, da die Nachfrage weitgehend unabhängig vom Konjunkturverlauf ist Ebenfalls überzeugt zeigt er sich vom Liftbauer Schindler, dessen Servicegeschäft für hohe Resilienz sorgt «Sobald sich die Lage beruhigt, dürften die Märkte wieder in Richtung ihrer früheren Höchststände tendieren», sagt Jäger. Das exakte Timing sei dabei nicht entscheidend. «Den Tiefpunkt trifft man nie Wir nutzen die Verwerfungen für gestaffelte Zukäufe.»

 Peter J. Lehner & Partner: «Time beats timing» Auch Adrian Lechthaler und Manuel Bottinelli vom Vermögensverwalter Peter J. Lehner & Partner sehen sich durch den Kriegsausbruch am Persischen Golf nicht dazu veranlasst, Veränderungen im Portfolio vorzunehmen. «Wir halten seit geraumer Zeit eine taktisch leicht erhöhte Cashposition», so die Portfoliomanager Mit Blick nach vorn halten sie an ihren Positionen fest, ganz nach dem Credo «Time in the market beats market timing» Langfristig investiert zu bleiben,verspricht demnach mehr Erfolg als der Versuch, durch taktisches Kaufen und Verkaufen den «perfekten Moment» zu treffen. Historische Daten für den US-Markt seit 1970 würden zeigen, so Lechthaler und Bottinelli, dass ein geopolitischer Ölpreisschock zu einem Kursrückgang von bis zu 15 Prozent führe. «Nach sechs Monaten haben sich Aktien erholt Nach zwölf Monaten liegt die Rendite bei plus 5 Prozent.»

den Pharmazulieferer Dottikon, den Klimatechniker Belimo und den Halbleiterzulieferer VAT.

wurden stark abgestraft und notieren auf historisch moderatem Bewertungsniveau. «Im Medtech-Sektor ist der Bewertungsaufschlag so tief wie seit der Finanzkrise nicht mehr», betont er Titel wie Straumann, ein Anbieter von Dentalimplantaten, oder Medacta, ein Hersteller orthopädischer Implantate, stehen entsprechend im Fokus

Gerade in Phasen erhöhter Unsicherheit sieht Jäger zahlreiche Titel, die sich mit einem langfristigen Anlagehorizont anbieten. «Wir bevorzugen Unternehmen mit einem robusten, wenig konjunkturabhängigen Geschäftsmodell», sagt er Dazu zählt er etwa den Pharmaauftragsfertiger Siegfried im Bereich der Auftrags-

Dennoch verfolgen die Portfoliomanager die Lage aufmerksam und prüfen laufend mögliche Einstiegs- und Aufstockungsgelegenheiten Für grosse Zukäufe sei es jedoch noch zu früh: «Der Nebel des Krieges wiegt noch zu schwer.» Aufstockungsmöglichkeiten sehe man derzeit bei vielen Firmen: bei Bachem (Pharmaauftragsfertiger), Dätwyler (Industriezulieferer), CFT (Finanzdienstleister), Interroll (Intralogistik) sowie bei TX Group (Mediengruppe)

Insbesondere Bachem gehöre zu den Schweizer Aktien, die man mit einem langfristigen Anlagehorizont auch in Zeiten höchster Verunsicherung immer kaufen könne Dazu zählen die Portfoliomanager ebenso

Bei Belimo schränken sie trotz aller Qualität des Unternehmens ein: «Die Aktie erscheint immer noch etwas teuer, und die Bewertung muss sich zuerst auf einen angemessenen Wert einpendeln.» Auf Sicht von fünf Jahren und mehr relativiere sich der Einstiegspreis jedoch da hervorragende Unternehmen in die Bewertung hineinwachsen würden. Definitiv meiden sie derzeit Immobilienaktien. Mit einer Prämie von rund 40 Prozent zum Nettoinventarwert notieren sie im historischen Vergleich am oberen Ende der Bandbreite: «Auf diesem Bewertungsniveau erscheint uns das Chancen-Risiko-Profil wenig attraktiv, und es besteht in einem sich normalisierenden Umfeld erhebliches Rückschlagspotenzial.»

Auch grundsätzlich mahnen sie: «Solange die Risiken einer weiteren Eskalation des Krieges am Persischen Golf nicht vom Tisch sind und keine Klarheit bezüglich der wichtigen Transportroute durch die Strasse von Hormuz herrscht werden die Aktienmärkte grossen täglichen Schwankungsbreiten ausgesetzt sein.» Entsprechend befinden sie sich bis auf Weiteres in einem «Risk-off-Modus» und nutzen in Phasen der Marktschwäche gezielt einzelne Opportunitäten. Nachhaltig steigende Kurse erwarten sie erst bei einer klaren Deeskalation, einem fallenden Ölpreis sowie einer Übereinkunft zum sicheren Transport durch die Strasse von Hormuz. «Eine Entspannung dürfte dann zu einer raschen und heftigen Rotation in risikobehaftete Anlagen führen», sind Scilingo und Jäger überzeugt

Dieser Artikel ist am 26. März auf themarket.ch erschienen. Die Finanzplattform richtet sich an Anleger und ist eine Firma der NZZ-Gruppe

 Mirabaud: «In einer Marktschwäche investieren» Thomas Jäger und Daniele Scilingo Fondsmanager von Mirabaud, haben die seit dem Kriegsausbruch am Persischen Golf sinkenden Kurse bereits für Neuinvestitionen genutzt: «In der SwissDividend-Strategie hatten wir kurz vor Ausbruch des Krieges bei Pharmaaktien Gewinn mitgenommen und hielten eine Cash-Quote von mehr als 6 Prozent mit der Absicht, diese Mittel in einer kommenden Marktschwäche wieder zu investieren.» Nun haben sie bereits einen ersten Schritt gemacht und in der Kursschwäche ihre Positionen in Partners Group und Richemont erhöht. Ihr Small-&-Mid-Cap-Fonds ist zu 98 Prozent investiert. «Zugekauft haben wir bei Unternehmen, die über eine besonders starke Marktposition sowie einen intakten strukturellen Wachstumstrend verfügen»: Galderma – nun ihre grösste Position im Fonds – sowie Sonova und Straumann, zudem auch Lindt & Sprüngli und Emmi aus dem Sektor nichtzyklischer Konsum. Scilingo und Jäger betonen dabei den langfristigen Anlagehorizont, den Aktieninvestoren mitbringen müssen: «Dann bieten die derzeitigen Kurse sehr attraktive Einstiegsgelegenheiten.» Insbesondere sehen sie solche bei Unternehmen, die über eine starke Marktposition verfügen, dadurch eine attraktive Rendite auf dem investierten Kapital erzielen sowie strukturell wachsen – den sogenannten Compoundern. «Unserer Meinung nach werden in gewissen Industriegruppen, beispielsweise im Bereich der Medizinaltechnik, diese Eigenschaften derzeit nicht adäquat bewertet.» Konkret nennen sie aus dem Gesundheitsbereich die Titel von Galderma, Straumann und Sonova «Die Aktien des Hörgeräteherstellers Sonova sind im Zug der Risikoaversion zu weit gefallen und sollten sich im Falle einer Markterholung überdurchschnittlich stark entwickeln, getrieben durch eine Bewertungsexpansion hin zu historischen Durchschnittswerten», meinen die Fondsmanager von Mirabaud Grundsätzlich setzen sie derzeit auf Unternehmen, die nicht einzig von kurzfristigen Konjunkturzyklen abhängig sind, sondern aus eigener Kraft wachsen: Belimo, Geberit, Straumann, Sonova, Lindt & Sprüngli, Ems-Chemie und Geberit: «Der Sanitärexperte Geberit bietet als Dividendenaristokrat mit Eigenschaften eines Compounders in diesem Umfeld eine attraktive Kombination von kurzfristigem Einkommen aus einer stabilen und wachsenden Dividende sowie einem langfristigem Wachstumspotenzial.»

Thomas Jäger, FOTOS: PD Mirabaud
Manuel Bottinelli
Peter J. Lehner & Partner
Daniele Scilingo Mirabaud

Wie wirktsichder Irankonflikt aufdie Schweiz aus?

fliktsEndeFebruar sind die aufdie sind in derSchweiz geringer als

SchweizerFrankens. DieSNB Wiewirkt

sich derIrankonfliktauf dieSchweiz

Seit Ausbruch desNahostkonflikts EndeFebruarsinddie internationalenEnergiepreise starkangestiegen.Was bedeutet dasfür dieSchweiz?Die Auswirkungen aufdie Inflation sindinder Schweizgeringerals anderswo.Das Hauptrisikofür die Konjunktur istdie Entwicklung derWeltwirtschaftund des Schweizer Frankens. Und: Die SNB kann es sich leisten, abzuwarten.

istjedochvergleichsweise

derSchweizer Wirtschaft,der starken Währung,einem vorteilhaftenEnergiemix, demniedrigen preise(LIK) sowieden staatlichregulierten Energiepreisen

DerNahostkonflikthat dieinternationalen Energiepreise seitEndeFebruar 2026 starkansteigen lassen.Die Schweiz ist jedoch vergleichsweise wenigerstark betroffenals andereLänder. DieGründedafür liegen in dergeringen Energieintensität derSchweizerWirtschaft, derstarken Währung, einemvorteilhaften Energiemix,dem niedrigen Gewicht vonEnergie im Landesindexder Konsumentenpreise (LIK)sowie denstaatlich reguliertenEnergiepreisen.

Inflation

Starker Frankendämpftdie Inflation

Der SchweizerFranken hatsich in deraktuellen Krise als «sicherer Hafen» erneut aufgewertet. Da Erdölund andereEnergiegüterinUS-Dollar gehandeltwerden, mildert derstarkeFranken dieEnergiepreisanstiege. Zudemverbilligtdie starke WährungauchandereimportierteGüter,was dieGesamtinflationzusätzlich dämpft

Die starke Heimwährungschützt dieBevölkerung also vor Inflationund Kaufkraftverlust.

DerSchweizer Frankenhat sich «sichererHafen»erneutaufgewertet.DaErdöl und gehandeltwerden, mildertder starke Frankendie Energiepreisanstiege tierteGüter,was dieGesamtinflationzusätzlichdämpft. DiestarkeHeimwährung schütztdie Bevölkerungalsovor Inflation undKaufkraftverlust.

«Der SchweizerFranken wirktin Krisenzeiten alssicherer Hafenund dämpft durchseine Aufwertung die importierteInflation.»

VorteilhafterEnergiemix undgeringe Abhängigkeit vomNahen Osten

vom Nahen

DieSchweiz profitiert voneinem Energiemix,der starkauf

ist im internationalenVergleich kleiner(Grafik 1).Zudem bezieht dieSchweiz ihrErdöl hauptsächlichaus denUSA Nigeria. Somitist dieImportabhängigkeitvom Nahen Osten gering.Die aktuelle Krisehat daherbislang keine wesentlichenAuswirkungenauf dieVerfügbarkeit fossiler Energieträgerinder Schweiz.

DieSchweizprofitiertvon einemEnergiemix, derstark auf Kernenergie underneuerbare Energien wieWasserkraft setzt.Der Anteil vonErdöl undGas am Energieverbrauch istiminternationalen Vergleichkleiner (Grafik1). Zudem beziehtdie Schweizihr Erdölhauptsächlich ausden USA und Nigeria.Somit istdie Importabhängigkeit vomNahen Ostengering. DieaktuelleKrise hatdaher bislangkeine wesentlichen Auswirkungen aufdie Verfügbarkeitfossiler Energieträger in derSchweiz

RegulierteEnergiepreise EinViertel derPreiseimLIK istinder Schweizdirektoder teilweise staatlichreguliert.Besonders dieStrompreise die rund 40%der Energie- undTreibstoffpreiseausmachen,werdennur einmal jährlich werdenEnergiepreisschocks zeitlich gedämpft weitergegeben(Grafik zeigt,wirdein möglicherInflationsschub durchhöhere Elektrizitätspreiselediglich aufgeschoben,abernicht aufgehoben. Dies bedeutet auch,dassdie Auswirkungen längeranhaltenkönnen. preisetypischerweiseerstzueinem Zeitpunkt, zu dem andere Energiekomponenten bereitswiederfallen– wie

Regulierte Energiepreise glättenPreisschocks Ein Viertelder Preise im LIKist in derSchweizdirektoder teilweisestaatlich reguliert. Besondersdie Strompreise, dierund40% derEnergie-und Treibstoffpreise ausmachen, werden nureinmaljährlich angepasst. Dadurch werdenEnergiepreisschocks zeitlich verzögertund gedämpftweitergegeben (Grafik 2).Wie Grafik 2jedoch zeigt, wird einmöglicher Inflationsschubdurch höhere Elektrizitätspreise lediglichaufgeschoben, aber nicht aufgehoben.Diesbedeutetauch, dass dieAuswirkungen länger anhaltenkönnen. Immerhin reagierendie Strompreise typischerweise erst zu einemZeitpunkt,zudem andereEnergiekomponentenbereits wieder fallen –wie im Jahr 2023

DerArbeitsmarktist Konjunkturlage verhaltenund dasLohnsich dieInflationsprognoseder ZürcherKantonalvon

fürZweitrundeneffektezusein. DerArbeitsmarkt ist geschwächt,die Konjunkturlageverhalten unddas Lohnwachstum traditionell niedrig. DerNettoeffekt aufdie Preisstabilitätfällt daherinder mittlerenFrist wenigergross aus alsinder kurzen Frist. Aufgrund destiefenAusgangsniveaus befindet sichdie Inflationsprognose derZürcher Kantonalbank bisEnde2027weiterhin klar im Zielband derSNB von 0% bis2%(Grafik 3)

Grafik 2: Elektrizitätstarife sindfür einJahrfixiert

Energieinflation (YoY), Inflationsbeiträge derKomponenten

Quellen: ZürcherKantonalbank, Bundesamt fürStatistik

Grafik 3: Vorallem kurzfristigeinehöhereTeuerung

RealisierteInflation undZKB-Prognose (YoY), Jahresdurchschnitte in Box(Prognose vorIrankonfliktinKlammern)

Quellen: ZürcherKantonalbank,LSEGDatastream

Bundesamtfür Statistik undZKB-Prognose(YoY),Jahresdurchschnitte

Energiemit tiefem GewichtimLIK

DerAnteilder

DerAnteilder EnergiepreiseamIndex derKonsumentenpreiseist in derSchweiz im internationalenVergleich niedrig. Untersonst gleichen Bedingungen istdiesein weiterer Grund dafür, dass sich Energiepreisbewegungen inder Schweizlangsamer undweniger starkauswirken als beispielsweise im Euroraum.Der direkteInflationsimpuls durch steigendeEnergiepreise wird durchdas niedrige GewichtimLIK begrenzt

Grunddafür,dasssichEnergiepreisbewegungen niedrige

WirtschaftlicheAuswirkungen:Indirekte imFokus

Wirtschaftliche Auswirkungen:Indirekte Effekte im Fokus

DieSchweizer Wirtschaft istweniger als andere Länder.Dennoch belasten diehöheren

DieSchweizerWirtschaftist weniger starkvon den direktenAuswirkungensteigenderEnergiepreise betroffen alsandereLänder. Dennochbelastendie höheren Energiepreiseund gestiegene Unsicherheit dieKaufkraft der Haushalteund dasInvestitionsklima derUnternehmen Schwerwiegenderkönnten jedoch dieindirektenEffekte sein, etwa durcheineAbkühlung derWeltwirtschaftoder eine starke Aufwertung desSchweizerFrankens, diedie exportorientierteSchweizerWirtschafttreffen könnten. DieSchweizerIndustrie istzwarweniger energieintensiv alsjeneanderer Länder,docheineglobale Konjunkturverlangsamung würdedie wirtschaftlicheErholunghierzulande bremsen.

Schwerwiegender könntenjedochdie indirektenEffekte sein,etwadurch eine Abkühlungder Weltwirtschaft oder einestarkeAufwertungdes SchweizerFrankens, exportorientierte SchweizerWirtschafttreffen könnten. Die SchweizerIndustrie als jene andererLänder, doch eine globaleKonjunkturverlandebremsen

«Schwerwiegender könntenjedoch dieindirektenEffekte sein,etwa durcheineAbkühlung der Weltwirtschaft oder eine starke Aufwertung desSchweizer Frankens, diedie exportorientierteSchweizer Wirtschaft treffenkönnten.»

DieAusgangslageinder stabil.Devisenmarktinterventionenbleiben dasbevorzugzu undsichallmählichauf das gesamtePreisniveau auswirken, Zinserhöhung Weltkonjunktur undein noch stärkerer Frankenkönnten mittelfristigaberauchfür eine Zinssenkung sprechen.Aktuell sprichtjedochvielesdafür,dass bleibt.Nullzinsenbleiben Basisszenario.

Geldpolitik: Abwarten bleibt dieDevise DieSNB dürfte ihre Nullzinspolitikvorerst beibehalten. DieAusgangslageinder Schweizist komfortabel: Die Inflationist niedrig, unddie Binnenwirtschaft zeigtsich stabil.Devisenmarktinterventionen bleibendas bevorzugte Instrument,umeineunkontrollierte Frankenaufwertung zu verhindern.Sollten dieEnergiepreise jedoch längerfristighochbleiben undsich allmählich aufdas gesamtePreisniveau auswirken, könnte mittelfristig eine Zinserhöhung notwendigwerden. Einmarkanter Abschwungder Weltkonjunkturund einnochstärkerer Franken könntenmittelfristig aber auch füreineZinssenkung sprechen. Aktuellspricht jedoch vieles dafür, dass derSNB-Leitzinszumindest bisEnde2026unverändert bleibt. Nullzinsenbleiben somitdas Basisszenario Fazit

Letztlichhängendie Auswirkungen aufdie Preise unddie Konjunktur –und ab,wie Energiepreisesteigen einemerhöhtenNiveaubleiben.Die Schweizist Frankens,ihres vorteilhaften aufgestellt, um diewirtschaftlichenAuswirkungen Entwicklungder istdabei anhaltendenEnergieschock

Letztlich hängen dieAuswirkungenauf diePreiseund die Konjunktur–und somitauchauf dieGeldpolitik –davon ab,wie starkdie Energiepreisesteigen undwie lange sieauf einem erhöhten Niveau bleiben. DieSchweiz ist aufgrund ihresstarken Frankens, ihresvorteilhaften Energiemixes undihrer geringeren Energieintensität besser aufgestellt,umdie wirtschaftlichen Auswirkungen desNahostkonflikts zu bewältigen.Die Entwicklung der Weltwirtschaft undsomit derinternationalen Nachfrage istdabei dasHauptrisiko fürdie SchweizerKonjunktur. DieSNB wird in diesem Umfeld ihre Nullzinspolitikvorerst beibehalten, währendsie dieSituation genaubeobachtet. Denn trotzeiner vorteilhaftenAusgangslageund geringererBetroffenheit istauchdie Schweiznicht voreinem starkenund anhaltenden Energieschock gefeit.Jenach Verlaufdes Konfliktskönnteder zinspolitische Handlungsbedarf in dieeineoderandereRichtungzunehmen.

Im PrivateBanking zähltVertrauen

Grafik1:Die Schweizist weniger abhängig vonÖlund Gas EnergieverbrauchnachQuelleund Land,2024, Anteilein% Quellen: ZürcherKantonalbank,Our WorldinData

nachhaltigen AnlagenüberRohstoffe zu global diversifizierUniversalbankmit dermassgeschneinehmen uns Ihre WerteganzheitlichzuversteVermögensstrategie daserreicht, alssichererHafen und wenigerabhängigvon Öl undGas Energieverbrauch nach Quelle undLand, 2024,Anteile in % ZürcherKantonalbank, OurWorld in Data AustralienBrasilienKanadaChinaFrankreich

UnterAnnahme eineszeitlichbegrenztenKonflikts werden allem ansteigenlassen. von bleiben dieAuswirkungeniminternationalen Vergleichjedochmoderat.Inder Frankenund dieglobale Wachstumsverlangsamungden Inflationsdruckzusätzlich Darüber hinaus scheintdie Schweizaktuell weniganfällig

Inflation: Kurzfristighöher,mittelfristig wenig verändert UnterAnnahmeeines zeitlich begrenzten Konfliktswerden höhere Energiepreisedie Inflationinder Schweizvor allem kurzfristig ansteigenlassen. Dank desgeringenAnteils von EnergieproduktenimWarenkorb,des vorteilhaftenEnergiemixes undder reguliertenStrompreise bleibendie Auswirkungen im internationalenVergleich jedoch moderat. In der mittlerenFrist dämpfender starke Franken unddie globale Wachstumsverlangsamung denInflationsdruck zusätzlich Darüberhinausscheint dieSchweizaktuell weniganfällig

GeopolitischeSpannungenund volatile Märkte erfordernfundierte Entscheidungen undeine vorausschauendeStrategie –von nachhaltigen AnlagenüberRohstoffe bishin zu globaldiversifiziertenPortfolios. UnserPrivate Bankingkombiniertdie Stabilitäteiner Universalbank mitder massgeschneiderten Betreuungeiner Privatbank.Wir nehmen uns dieZeit, Ihre Zieleund Werteganzheitlich zu verstehen–damit Ihre Vermögensstrategiedas erreicht, wasfür Siezählt

Finanzanalyse).Die ZürcherKantonalbankübernimmt keineGarantiefür dieRichtigkeit,Vollständigkeit empfohlen, vorEntscheidungenfachkundigenRat einzuholen.© 2026 ZürcherKantonalbank. Alle Rechte vorbehalten.

zkb.ch/privatebanking

Prognose neu

Ist der Fonds ein Auslaufmodell?

Gastbeitrag Der Fonds hat das Investieren demokratisiert. Doch das Erfolgsmodell ist infrage gestellt: Neue Technologien und digitale Angebote verändern das Investieren grundlegend.

ADRIAN SCHATZMANN

Seit mehr als 100 Jahren ist der Investmentfonds eines der erfolgreichsten Finanzprodukte der Welt. Das Prinzip ist alt und bewährt sich bis heute: Das Geld vieler Anleger wird gebündelt, breit gestreut und macht Verluste weniger wahrscheinlich.

1774 setzte der Amsterdamer Kaufmann Adriaan van Ketwich dieses Prinzip erstmals um 1924 machte der Massachusetts Investors Trust den Fonds endgültig zu einem Produkt für breite Anlegerkreise: Anleger konnten Anteile kaufen und zurückgeben und so an den Renditen der Märkte teilhaben. Damit fiel eine Hürde, die den Kapitalmarkt lange zu einer Domäne der Wohlhabenden gemacht hatte.

Erfolgsmodell unter Druck

Heute bewegen Fonds mit einem globalen Kapitalpool von rund 70 Billionen Dollar die Weltwirtschaft. In Schweizer Depots sind mehr als drei Billionen in Anlagefonds und ETFs investiert. Über 10 000 Fonds sind in der Schweiz zugelassen, davon rund 2000 ETFs Diese investieren weltweit in alle wichtigen Anlageklassen, sei es global, regional oder in spezifischen Industriesektoren – und dies mittels unterschiedlicher Strategien, die beispielsweise auf Wachstum, Wertentwicklung oder Nachhaltigkeit setzen

Dabei ist der seit über einem Jahrhundert anhaltende Erfolg des Fonds nicht allein dem stabilen und breiten Zugang zu den Renditen der Kapitalmärkte zuzuschreiben. Das Vertrauen der Anlegerinnen und Anleger wird durch ein robustes System getragen: klare Regulierung, standardisierte Prozesse und eine vernetzte institutionelle Infrastruktur aus Asset-Managern, Depotbanken, Aufsichtsbehörden und Wirtschaftsprüfern. Der klassische Anlagefonds ist gleichwohl in die Jahre gekommen: Anbieter klagen über lange Bewilligungsverfahren, strenge Regeln und hohe laufende Kosten. Vor allem aber passt das Produkt nicht mehr zur heutigen Kundschaft, die digital geprägt ist: Sie erwartet auch beim Anlegen Tempo, Transparenz und Wahlfreiheit. Beim klassischen Fonds gilt jedoch für alle dieselbe Strategie: Zeichnungen und Rücknahmen laufen meist nur einmal täglich. Der Preis steht oft erst am nächsten Tag fest Und ein einfacher tagesaktueller Blick ins Portfolio fehlt ebenfalls ETFs treffen diese neue Erwartung besser Sie sind einfacher, liquider und günstiger Deshalb wächst ihr Markt auch in der Schweiz seit der Finanzkrise stark

Geldanlage nach Mass

Der klassische Anlagefonds konkurriert allerdings nicht nur mit ETFs Auch andere Anlageprodukte wie Actively Managed Certificates (AMC), Exchange Trade Products (ETP) oder Mandatslösungen gewinnen Anleger, da sie Zugang zu ähnlichen Anlagestrategien bieten wie der Anlagefonds Eine Entwicklung verdient dabei besonderes Augenmerk: In den USA steigt der Marktanteil von sogenannten Separately Managed Accounts (SMA) zurzeit schneller als bei klassischen Anlagefonds Dies reflektiert das

Der Fonds: ein bewährtes Modell mit Korrekturbedarf.

zunehmend ausgeprägte Bedürfnis nach Individualisierung In einem SMA halten Anleger die Wertpapiere direkt im eigenen Depot. Dadurch können innerhalb einer definierten Strategie persönliche Präferenzen berücksichtigt werden – beispielsweise Nachhaltigkeitskriterien, der Ausschluss bestimmter Titel oder steuerliche Optimierungen. Solche Mandate gibt es in der Schweiz zwar seit langem. Neu ist jedoch etwas anderes: Sie werden nun auch für Kleinstanleger zugänglich. Bereits 100 Franken reichen, um breit gestreut in ein globales Aktienportfolio zu investieren. Der Anlagefonds ist folglich nicht mehr notwendig Möglich macht dies das sogenannte «Fractional Trading» Statt wie in der Vergangenheit immer eine ganze Aktie oder einen ganzen Fondsanteil zu kaufen, können Anleger nun mit kleinsten Bruchteilen verschiedener Wertpapiere ein global diversifiziertes Portfolio nach individuellen Wünschen zusammenstellen und verwalten lassen Ein Algorithmus stellt dabei das Rebalancing sicher, das heisst, das

Anlageportfolio bleibt im Einklang mit der gewählten Anlagestrategie.

Strategie vor allem

Ob nun Anlagefonds Mandate oder Zertifikate: Anleger können in die gleiche Anlagestrategie investieren und dabei zwischen diesen verschiedenen und unterschiedlich regulierten «Verpackungsformen» wählen Die Unterscheidung ist dabei zentral: Anleger entscheiden sich in erster Linie für ein Investment, zum Beispiel in globale Aktien, Obligationen oder Gold – und erst in zweiter Linie für die Verpackung. Hier manifestiert sich denn auch eine generelle Schwäche der etablierten Regulierungsarchitektur für Anlageprodukte in den relevanten Jurisdiktionen. Die Regulierung setzt in erster Linie bei der Verpackung, beispielsweise beim Anlagefonds an – und nicht beim Inhalt, das heisst bei der Anlagestrategie, den zugrunde liegenden Anlageinstrumenten und den Kapitalmarktrisiken Je anspruchsvoller die Regulierungsanforderungen für Anlagefonds werden, umso stärker wird der Anreiz für Anbieter, auf Anlageprodukte, das heisst Verpackungsformen, auszuweichen, die weniger reguliert sind oder keine direkte, auf die Verwaltung bezogene Aufsicht kennen Diese bieten auch weniger Anlegerschutz. Mehr und komplexere Regulierung führt nicht zwingend zu besseren Ergebnissen für Anleger Die Entwicklung hin zum SMA ist weder gesichert, noch wird sie bereits morgen Realität. In der Zwischenzeit bleibt der Anlagefonds zusammen mit dem ETF das wichtigste Anlagegefäss in der Schweiz. Er bleibt eine Erfolgsgeschichte – aber keine abgeschlossene Während sich Märkte, Technologien und Anlegerbedürfnisse rasant weiterentwickeln, gerät die klassische Fondsstruktur zunehmend unter Druck. Die entscheidende Frage ist nicht, ob der Anlagefonds verschwindet, sondern in welcher Form er in dieser neuen Welt bestehen wird

Die Asset Management Association Switzerland (AMAS) ist die repräsentative Branchenorganisation der Schweizer Asset-Management-Industrie Sie verfolgt das Ziel, die Schweiz als führendes Asset-ManagementZentrum mit hohen Standards in Qualität, Performance und Nachhaltigkeit zu stärken. Die AMAS unterstützt ihre Mitglieder dabei, für ihre Kunden langfristige Werte zu schaffen. Als Stimme der Branche in der Öffentlichkeit erläutert sie deren Mehrwert.

Gastbeitrag Adrian Schatzmann ist CEO der Asset Management Association Switzerland (AMAS)

Die Frage ist nicht, ob der Fonds verschwindet, sondern in welcher Form er weiterbestehen wird.

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