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Rolex (D)

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VERLAGSSERIE ZEIT FÜRS KLIMA

FOTOS: ROLEX

15. Dezember 2024

Bioakustiker Michel André: Träger des «Rolex-Preises 2002» auf dem Amazonas.

Projekt Providence: Zustand des Regenwalds dank bioakustischer Techniken erfassen.

Ein akustisches Frühwarnsystem zum Schutz von Flora und Fauna Der französische Bioakustiker Michel André hat eine Technik entwickelt, die Schiffe vor Kollisionen mit Walen bewahrt. Nun weitet er das Projekt auf ein weltweites Netz von Mikrofonen aus, um Umweltbedrohungen in Echtzeit zu erkennen. Schon als Kind war der Franzose Michel André (61) von den mystischen Geräu­ schen der Ozeane fasziniert. Jahrzehnte später, Ende der 1990er Jahre, bereiteten ihm die zunehmenden Kollisionen von Passagierfähren mit Pottwalen vor den Kanarischen Inseln immer mehr Kopf­ zerbrechen. «Nachdem der Pottwal als ‹Species of Interest› bei den Kollisionen identifiziert war, wurde auch klar, dass sich diese ­Probleme häufen werden. Wir suchten nach Lösungsansätzen, mit denen sich solche Kollisionen in Zukunft vermeiden ­liessen», erklärt André. «Zuerst wollten wir mit eigenen Geräuschen die Tiere von den Schifffahrtsrouten fernhalten. Doch das Meer war schon voller Lärm. Diesen noch zu verstärken, war keine gute Strategie.»

Problem von den Walen her gelöst Seine weiteren Nachforschungen er­ gaben, dass die gigantischen Tiere durch die vom Menschen verursachte Lärm­ belastung Hörschäden erleiden und des­ halb den herannahenden Schiffen nicht rechtzeitig ausweichen können – meist mit tödlichen Folgen für die Wale. «Wir dachten uns: Diese Tiere produzieren in rund 80 Prozent ihrer aktiven Zeit ­Geräusche. Warum nutzen wir das nicht, um sie zu orten und Schiffskapitäne zeit­ gerecht zu alarmieren, sodass sie den Kurs ändern können?», sagt der Bio­ akustiker. Also entwickelte André das Wal-Anti­ kollisionssystem (WACS), das er mit dem Preisgeld des «Rolex Award» finanzierte, der ihm vor 22 Jahren verliehen wurde. Diese Unterwasser­methode ist in der Lage, die Geräusche der grossen Meeres­ säuger abzuhören und die Kapitäne in Echtzeit zu alarmieren, sobald sie auf einen Wal zusteuern. Der Ansatz, Hydro­ phon-Daten live zu übertragen und per Algorithmen auszu­werten, war damals

«Wir müssen der Natur zuhören.»

bahnbrechend. Für ­André war es die ­Geburtsstunde eines grossflächigen akus­ tischen Biodiversitäts­monitorings. Nach der Lancierung von WACS er­ forschte der Träger des «Rolex-Preises 2002», welche ­negativen Auswirkungen der zunehmende Lärm von Schiffs­ schrauben, Bohrinseln, Baggern, seis­ mischen Überwachungsgeräten, Militär­ manövern und Ähnlichem auf sämtliche Meeresbewohner hat. Dies führte zur Entwicklung des Pro­ jekts LIDO («Listen to the deep ocean ­environment»), einem weltweiten Netz­ werk von Tiefsee-Mikro­fonen, das rund um die Uhr die akustische Umgebung der Ozeane abhört, den vom Menschen verursachten Lärm aufspürt und diesen von den natürlichen Geräuschen der Meereslebewesen oder geologischer ­Ereignisse unterscheidet. So entsteht ein weltumspannendes Bild der Ozean­ geräusche und ihrer Auswirkungen auf die Flora und Fauna – dies ein bahn­ brechendes Resultat auf einem lang­ fristigen Weg, den André seit mehr als zwanzig Jahren als Teil der Rolex-­ Familie geht. Der Wissenschafter führt aus: «Die Menschen haben die Fähigkeit einge­ büsst, auf die Natur und ihre akustischen Botschaften zu hören. Wir haben jetzt die einmalige Gelegenheit, zu verstehen, was getan werden muss, damit wir die Zukunft unserer Welt nicht aufs Spiel setzen.»

Von Weltmeeren in den Regenwald Michel André, Professor für Bioakustik an der Technischen Universität Katalo­ niens in Barcelona und dort Direktor des Labors für angewandte Bioakustik, hat an verschiedenen von der EU finan­ zierten Projekten über Lärmbekämp­ fung mitgewirkt und arbeitet bei einem Projekt zum Schutz der rosa Delfine mit dem brasilianischen Mamirauá Institut

für nachhaltige Entwicklung von José Márcio Ayres zusammen, der Träger des «Rolex-Preises 2002» ist zwar ein Jahr später verstorben, doch sein Vermächt­ nis besteht über seinen Tod hinaus im Herzen des Amazonas weiter. Fasziniert von der Biodiversität des Mamirauá-­ Reservats, begann André 2016 ge­ meinsam mit ­Ayres’ Nachfolger, neue akustische ­Mittel zu entwickeln, um sein Abhör­s ystem auf das gesamte Naturschutz­gebiet auszuweiten. Das aktuell laufende Projekt Provi­ dence hat das Ziel, den Zustand des ­Regenwalds dank bioakustischer Tech­ niken besser erfassen zu können. Her­ kömmliche Vermessungsinstrumente wie Fernerkundungssatelliten und Flug­ zeuge können zwar das Kronendach ­kartieren, sind aber nicht empfindlich genug, um ein genaues Bild von der ­Realität vor Ort zu zeichnen – schon gar nicht unter Wasser. André und das brasilianische Team haben ein Netzwerk aus akustischen Sensoren über das gesamte MamirauáReservat verteilt. Diese Sensorknoten zeichnen ein breites Spektrum an Wel­ lenlängen auf und können Geräusche über mehrere Kilometer hinweg er­ fassen. «Die Idee hinter dem Projekt Pro­ vidence wurde im Meer geboren, wo wir diese Möglichkeit zur automatischen Echtzeit-Überwachung entwickelt ­haben», erklärt der in Toulouse gebo­ rene Forscher. Die Sensorknoten senden die Aufnahmen an Server. An diesem Punkt kommt künstliche Intelligenz zum Einsatz, die anhand der Datenbank die Geräuschquellen bestimmt und den Bestand der verschiedenen Arten ermit­ telt. Dank der akustischen Botschaften des Projekts Providence wird das Bild des Ökosystems mehrdimensionaler und detaillierter. Langfristig plant Michel André, sein Sensornetz zur Erforschung der Bio­ diversität auf die ganze Region auszu­ weiten. Von den Anden bis zum Atlan­

tischen Ozean wurden bereits knapp 100 Sensorknoten angebracht. «Wir arbeiten uns langsam an den Ufern des Amazonas in Richtung Bolivien, Peru und Ecuador vor», sagt der Bio­ akustiker. «Unser Ziel ist es, das ge­ samte, über neun Länder verteilte Ge­ biet abzu­decken.» Sollte dies gelingen, könnten die Ergebnisse neue Einblicke in die Flora und Fauna des Amazonas gewähren und möglicherweise Wege für einen besseren Umweltschutz auf­ zeigen. Andrés globales Überwachungs­ system für Geräusche ist eines von ­vielen Beispielen für das, wofür die Perpetual Planet Initiative von Rolex steht. «Ich liebe das Konzept. Die Natur ist per­ petuell. Sie hört niemals auf und ich glaube nicht, dass es für unseren Ansatz bei der Untersuchung von Geräuschen ein Ende gibt.» Denn: «Wir müssen der Natur zuhören.»

Zeit fürs Klima Die Artikel unserer Verlagsserie «Zeit fürs Klima» in Kooperation mit Rolex veran­schaulichen das Engagement der Schweizer ­Uhrenmanufaktur im Rahmen ihrer globalen Perpetual Planet Initiative, Forschung und Entwicklung zu ­Klimafragen zu unterstützen und dafür mit Persönlichkeiten sowie Organisationen zusammenzu­ arbeiten, die aktiv Lösungen für den Umweltschutz suchen. QR-Code scannen und weitere Artikel der Verlagsserie auf NZZ Bellevue lesen. Dieser Inhalt wurde von NZZ Content Creation erstellt.


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