Frauen der Wirtschaft
Frau Lenzlinger, Sie erhalten den diesjährigen Ehrenpreis des SEF.WomenAward, gewissermassen eine Auszeichnung für Ihr Lebenswerk als Wirtschaftsfrau. Wenn Sie heute auf Ihre Anfänge zurückblicken: Was hat sich seither für Frauen in der Wirtschaft verändert? Als ich geboren wurde, gab es noch kein Frauenstimmrecht. Man muss heute auch nicht mehr den eigenen Ehemann fragen, ob man arbeiten darf. Frauen in politischen oder wirtschaftlichen Führungspositionen wirken nicht mehr exotisch. Im Bildungsbereich haben sie enorm an Boden gewonnen. Die jungen Frauen haben heute ein ganz anderes Selbstverständnis, als wir es damals noch hatten. Da hat sich sehr viel zum Besseren entwickelt.
Haben Sie sich als junge Frau mit dem Thema Frauenrechte beschäftigt? Meine Mutter interessierte sich sehr für solche Fragen, obwohl sie ein traditionelles Familienmodell lebte. Deswegen waren solche Themen am Familientisch sehr präsent. Ich habe mich in jungen Jahren aktiv für Frauenrechte engagiert. Ein Ausdruck davon war, dass ich zuweilen mit violetten Pumphosen auf die Strasse gegangen bin.
Also ist für heutige Frauen alles gut? Nein, natürlich gibt es immer noch strukturelle Mängel. Dass wir erst im Jahr 2026 über die Individualbesteuerung abstimmen, verweist auf einen solchen Mangel. Auch gibt es immer noch zu wenig Frauen in MINT-Berufen. Die Zahl von Unternehmerinnen und Frauen in Führungspositionen könnte noch höher sein. Deswegen finde ich auch den Jungunternehmerinnenpreis des SEF.WomenAward so wichtig, weil dieser die Sichtbarkeit von Frauen im Startup-Bereich erhöht.
Wollten Sie selbst von Anfang an unternehmerisch tätig sein? Oder ist das eher zufällig geschehen?
Es war sicher kein gradliniger Weg. Weil ich nach der Matur meinen Weg ins Berufsleben suchte, absolvierte ich zuerst die Ausbildung zur Primarlehrerin. Sie war damals relativ kurz. Danach hatte ich einen eigenen Lohn, ein eigenes Auto und konnte von zu Hause ausziehen. Unabhängigkeit war immer wichtig für mich. Danach liess ich verschiedene Dinge auf mich zukommen, probierte dieses und jenes, ging für Arbeit und Studium ins Ausland und schrieb mich schliesslich an der Hochschule St. Gallen ein. Als ich an der Dissertation arbeitete, wurde im Unternehmen, das unserer Familie gehört, eine Stelle als Leiterin eines Profitcenters frei. Das löste dann vieles aus.
Was genau? Intensive Diskussionen in der Familie, die allerdings nicht ganz unerwartet kamen, weil mein Vater die Frage der Nachfolgeregelung in einem Familienrat bereits aufgebracht hatte. Da mein Bruder eine künstlerische Laufbahn einschlug und meine Schwester als Anwältin keine operative Führungstätigkeit anstrebte, dachte ich mir, es wäre doch schade, ein Familienunternehmen einfach so zu verkaufen. Und so übernahm ich, trotz eingeschlagenem Weg in die Forschung und Lehre, die offene Stelle.
Dann hatten Sie aber doch ein Faible für Wirtschaft und Unternehmertum?
Ich habe tatsächlich nicht lange Schule gegeben und bald einmal eine kleine Firma geführt, die mir jemand anvertraut hatte, der viel Vertrauen in mich

Karin Lenzlinger ist Unternehmerin, Verwaltungsrätin und Präsidentin der Zürcher Handelskammer (ZHK). PD
«Frauen in Führungspositionen sind doch kein Experiment!»
Karin Lenzlinger erhält den Ehrenpreis des SEF.WomenAward. Die Unternehmerin und mehrfache Verwaltungsrätin über ihre Karriere, ihre Erfahrungen als Frau in der Wirtschaft. Interview: Felix E. Müller
hatte. Bei dieser Gelegenheit merkte ich, dass mir eine derartige Tätigkeit durchaus zusagte.
Erlebten Sie den Einstieg in das Unternehmertum als problemlos? Oder mussten Sie als Frau gegen besondere Widerstände und Vorurteile ankämpfen?
Die Angestellten, deren Chefin ich wurde, waren zu Beginn schon etwas skeptisch und fragten sich: Was will denn dieses Girl da? Ich musste mich schon beweisen, etwa indem ich auch als Frau Baustellen besuchte, mit den Handwerkern sprach und so mein Interesse an der Baubranche signalisierte. Als es mir gelang, einige grössere Aufträge zu akquirieren, nahm man mich dann ernst. In der konservativen Baubranche musste ich durchaus gegen gewisse Vorurteile kämpfen. Nahm ich an Branchenanlässen teil, sahen die Männer in mir gerne eine Sekretärin, die für den Kaffee oder das Protokoll zuständig ist. Doch die Medaille hatte auch eine andere Seite: Wenn an Anlässen die Begrüssung lautete: Sehr geehrte Frau Lenzlinger, sehr geehrte Herren, dann war die Folge natürlich, dass mich alle sofort kannten. Insgesamt änderten sich die gesellschaftlichen Vorstellungen in dieser Zeit aber stark, sodass ich mich bald akzeptiert fühlte.
Glauben Sie, dass Sie über Fähigkeiten verfügen, die Ihre Karriere erst ermöglicht oder erleichtert haben?
Das müssten eigentlich andere beantworten. Ich bin sicher eine neugierige Person, blicke gern nach vorne, und ich bin lösungsorientiert. Dann habe ich von meinem Vater den Respekt für andere, für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder weitere Stakeholder übernommen. Das heisst, zuhören oder Wertschätzung zeigen zu können. Und drittens kann ich etwas, das ich allerdings ein Stück weit erlernen musste: Verantwortung übernehmen.
«Man muss Frauen öfter sagen, dass sie eine Aufgabe schon packen – sie sollten es doch wagen.»
Was meinen Sie mit Verantwortung übernehmen?
Das Rückgrat zu haben, Vorbild zu sein, eine Fehlerkultur zu entwickeln, weil man ohne Fehler nicht weiterkommt. Ich musste allerdings lernen, dass es hier auch einen Kipppunkt gibt. Ich selbst musste die Erfahrung machen, dass man sich überfordert, wenn man sich zu viel Verantwortung auflädt. Denn wenn zu viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Aufgaben einfach an die Chefin weiterreichen, kommt man rasch an die Grenzen der Belastbarkeit und verliert den Fokus. Ich glaube, dass Frauen eher dieser Gefahr ausgesetzt sind als Männer.
Das wäre also ein Beispiel für etwas, das in Ihrer Karriere nicht optimal lief?
Ja, absolut.
Gibt es andere? Eine schwierige Zeit war auch mein Ausstieg aus dem Familienunternehmen. Das erfolgte ungeplant. Als der Zeitpunkt kam, an den nächsten Generationenwechsel zu denken, was häufig viel Zeit braucht, löste dies grosse interne Diskussionen aus. Das war eine sehr belastende Zeit. Leider haben wir keine gemeinsame Lösung gefunden. Und so stieg ich vollständig aus. Gut war, dass ich ein breites Interessenspektrum habe
und sah, wie viele interessante Dinge es noch ausserhalb der Welt eines Familienunternehmens gibt.
Sicher gibt es manche Dinge, über die Sie im Rückblick sagen: Das habe ich gut gemacht! Mit der Familienfirma haben wir viel erreicht. Darauf bin ich stolz. Dann bin ich stolz auf die Mandate, die ich danach übernehmen durfte. Dabei war es mir immer ein spezielles Anliegen, die Förderung von Frauen zu verbessern, in den Gremien wie auch im operativen Bereich auf der Ebene Geschäftsleitung. Da ist mir doch einiges gelungen.
Und Sie sind Präsidentin der angesehenen und einflussreichen Zürcher Handelskammer. Das bedeutet doch einen Ritterschlag für Sie – oder besser: einen Ritterinnenschlag.
Das ist sicher ein Mandat, das mich mit Stolz erfüllt. Gleichzeitig sind solche Aufgaben anspruchsvoller geworden. Ich pflege zu sagen, dass immer dann, wenn es mühsamer und etwas weniger prestigeträchtig wird, die Wahrscheinlichkeit steigt, dass eine Frau zum Zug kommt. So gab es auch bei der Handelskammer zu Beginn einige Baustellen, die ich zusammen mit der Geschäftsführerin, Nationalrätin Regine Sauter, erfolgreich schliessen konnte.
Wenn Sie an die Stellung der Frauen in der heutigen Wirtschaft denken: Sehen Sie noch viele Dinge, die verbessert werden sollten?
Die Individualbesteuerung habe ich ja schon erwähnt. Wir sollten die Frauen auf eine Art und Weise in den Arbeitsprozess integrieren können, ohne dass ihnen deswegen zu viel Stress durch die Organisation der Familie entsteht. Es ist heute aber sehr stark ein Mindset-Thema. Ich beobachte gerade jetzt, wenn in der Wirtschaft nicht mehr alles so rund läuft und die Probleme zunehmen, dass es schon wieder etwas schwieriger für Frauen wird, in Führungsfunktionen zu gelangen. Noch immer steckt die Vorstellung in den Köpfen mancher Männer, dass die Verpflichtung von Frauen ein Experiment darstelle, das man sich in schwierigen Zeiten nicht leisten könne. Frauen in Führungsfunktionen sind doch kein Experiment!
Was raten Sie jungen Frauen, die sich zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn überlegen, ob sie unternehmerisch tätig sein wollen?
Auch da gibt es vielleicht ein MindsetThema. Wenn es um Verantwortung geht, müssen Frauen den Willen aufbringen, solche übernehmen zu wollen. Sie müssen die Bereitschaft aufbringen, auch einmal ein Risiko einzugehen –auch auf die Gefahr hin, dass die Sache schiefgehen könnte. Dann neigen Frauen dazu, zu viele Ansprüche an sich selbst zu stellen. Sie sollten in dieser Hinsicht etwas gelassener sein. Man muss Frauen erfahrungsgemäss öfter sagen, dass sie eine Aufgabe schon packen – sie sollten es doch wagen. Das ist manchmal etwas anstrengend. Es braucht einen Willen und ein gewisses Durchsetzungsvermögen, um in der Wirtschaft zu bestehen. Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung, die Sie erhalten haben? Ich war völlig überrascht, als mich die Nachricht erreichte, weil ich viele Frauen kenne, die eine solche Auszeichnung mindestens ebenso verdient hätten wie ich. Aber ich freue mich enorm über diese Anerkennung.

Wenn Leidenschaft auf Präzision trifft, entsteht Vielfalt.
Mit gezielten Programmen stärken wir Frauen und schaffen bei der AMAG eine Arbeitswelt mit mehr Möglichkeiten.
Unternehmerinnen im Fokus
Mit dem SEF.WomenAward werden jedes Jahr herausragende Unternehmerinnen ausgezeichnet.
Corine Blesi, Managing Director von NZZ Connect und Jurymitglied des SEF.Women.Award, erklärt, welche Rolle der Preis im wirtschaftlichen Umfeld der Schweiz spielt.
THOMMEN, NZZ CONNECT
Der SEF.WomenAward hat sich seit seiner Lancierung zu einer wichtigen Plattform für Unternehmerinnen in der Schweiz entwickelt. Die Auszeichnung rückt erfolgreiche Gründerinnen und Führungspersönlichkeiten ins Rampenlicht und verbindet sie mit dem Netzwerk des Swiss Economic Forum. Für viele Finalistinnen und Preisträgerinnen entstehen daraus neue Kontakte, Kooperationen und unternehmerische Perspektiven.
Doch wie hat sich das Umfeld für Unternehmerinnen in den letzten Jahren verändert? Welche Herausforderungen prägen den Alltag von Gründerinnen heute – und welche Rolle spielt der SEF.WomenAward dabei?
Frau Blesi, welche konkrete Rolle spielt der SEF.WomenAward heute im wirtschaftlichen Umfeld der Schweiz? Der Award zeigt, wie viel unternehmerische Substanz hinter vielen Unternehmerinnen in der Schweiz steckt. Gleichzeitig verbindet er sie mit der Plattform des Swiss Economic Forum. Dort treffen sie auf ein Umfeld, in dem Ideen, Kapital und Erfahrung zusammenkommen. Diese Kombination schafft echte Chancen.
Mit welchen spezifischen Herausforderungen sind Unternehmerinnen 2026 konfrontiert – und wie greift der SEF. WomenAward diese Realitäten auf? Viele Unternehmerinnen bewegen sich in einem Umfeld mit viel Tempo und Unsicherheit. Märkte verändern sich schnell, Investitionen müssen gut überlegt sein, und Verantwortung für Mitarbeitende gehört immer dazu. Der Award rückt Frauen ins Zentrum, die genau in diesem Umfeld erfolgreich handeln.
Was unterscheidet die heutige Generation von Gründerinnen von jener vor fünf Jahren?
Ich erlebe viele Gründerinnen, die sehr selbstbewusst auftreten. Sie denken international, arbeiten digital und bauen ihre Unternehmen von Anfang an vernetzt auf. Gleichzeitig bleibt Unternehmertum ein Handwerk. Entscheidungen treffen, Risiken tragen und dranbleiben gehören immer dazu.
Welche nachhaltigen Effekte ergeben sich für Finalistinnen und Preisträgerinnen aus dem Zugang zum SEFNetzwerk?
Viele berichten, dass sich nach der Auszeichnung neue Türen öffnen. Gespräche entstehen, Kontakte vertiefen sich, und manchmal ergeben sich daraus ganz konkrete Projekte. Für junge Unternehmerinnen kann das ein wichtiger Entwicklungsschritt sein.

«Der Award zeigt, wie viel unternehmerische Substanz hinter vielen Unternehmerinnen in der Schweiz steckt.»
Der SEF.WomenAward 2026
Der SEF.WomenAward würdigt Unternehmerinnen, die mit ihren Ideen, ihrem Mut und ihrer Verantwortung die Schweizer Wirtschaft mitgestalten. Die diesjährige Ausgabe zeigt eindrücklich, wie vielfältig diese unternehmerischen Wege sein können. Junge Gründerinnen wie Siria Berli oder Lara Gervaise entwickeln neue Geschäftsmodelle an der Schnittstelle von Technologie, Kommunikation und Datenanalyse, während die Forscherin und Unternehmerin Deana Mohr daran arbeitet, medizinische Innovationen in konkrete Anwendungen zu überführen.
Gleichzeitig stehen unternehmerische Persönlichkeiten wie Natalie Spross oder Karin Lenzlinger für Kontinuität, Verantwortung und lang-
fristige Wertschöpfung über Generationen hinweg, wofür sie im Rahmen des SEF.WomenAward ausgezeichnet werden.
Der SEF.WomenAward macht diese unterschiedlichen Formen von Unternehmertum sichtbar und verbindet Finalistinnen, Preisträgerinnen und ehemalige Ausgezeichnete in einem Netzwerk, das weit über die Preisverleihung hinaus wirkt. In diesem Umfeld entstehen Gespräche, Kooperationen und neue Perspektiven, oft zwischen Generationen von Unternehmerinnen, die ganz unterschiedliche Wege gegangen sind.
Begleitet wird diese Entwicklung durch Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Netzwerkorganisationen, die mit ihrem Engagement dazu beitragen,
unternehmerische Leistungen sichtbar zu machen und den Austausch zwischen Gründerinnen, Führungspersönlichkeiten und der nächsten Generation zu stärken.
Der SEF.WomenAward ist deshalb weit mehr als nur eine Auszeichnung: Er bietet eine Plattform, auf der Erfahrungen weitergegeben werden, neue Ideen entstehen und unternehmerische Vorbilder sichtbar gemacht werden. Genau darin liegt seine Wirkung für die ausgezeichneten Unternehmerinnen, ebenso wie für jene, die ihren Weg noch vor sich haben. Der SEF.WomenAward verbindet Generationen von Unternehmerinnen und macht sichtbar, wie vielfältig und wirkungsvoll Unternehmertum in der Schweiz gelebt wird.
Hat sich die öffentliche Wahrnehmung von Unternehmerinnen in den letzten Jahren verändert? Welche strukturellen Hürden bestehen weiterhin? Unternehmerinnen sind heute präsenter in Medien und Wirtschaft. Trotzdem sehen wir noch immer deutliche Unterschiede bei Unternehmensgründungen oder in Führungspositionen. Deshalb bleibt es wichtig, erfolgreiche Beispiele sichtbar zu machen.
Welche Bedeutung hat der Ehrenpreis im generationenübergreifenden Unternehmertum?
Der Ehrenpreis erinnert daran, dass Unternehmertum ein langfristiges Projekt ist. Die ausgezeichneten Persönlichkeiten haben über viele Jahre Verantwortung übernommen und Unternehmen geprägt. Ihre Erfahrungen sind für jüngere Generationen sehr wertvoll. Es freut mich besonders, dass wir in diesem Jahr Karin Lenzlinger mit dem Ehrenpreis auszeichnen dürfen. Sie steht für all diese Werte.
Spiegeln die SEF.WomenAwardFinalistinnen die Vielfalt der Schweizer Wirtschaft wider?
Unsere Finalistinnen kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Manche führen Industrieunternehmen, andere gründen Technologieplattformen oder sie bauen Dienstleistungsbetriebe auf. Diese Vielfalt zeigt meiner Meinung nach sehr gut, wie breit Unternehmertum in der Schweiz gelebt wird.
Erkennen Sie in den letzten Jahren Verschiebungen bei den Branchen, aus denen die SEF.WomenAwardFinalistinnen kommen? Ja, wir sehen immer häufiger Gründerinnen in technologieorientierten und skalierbaren Geschäftsmodellen. Gleichzeitig bleibt das klassische KMU ein wichtiger Teil des Bildes. Beide Welten prägen die Schweizer Wirtschaft.
Nach welchen Kriterien wählen Sie die Preisträgerinnen aus? Gibt es Aspekte, die Sie künftig stärker berücksichtigen möchten?
Uns interessiert vor allem unternehmerische Wirkung. Also die Frage, ob jemand mit seinem Unternehmen wirklich etwas bewegt. Innovation, Führung und Verantwortung spielen dabei eine wichtige Rolle.
Wo steht die Schweiz im internationalen Vergleich bei der Förderung von Unternehmerinnen?
Die Schweiz bietet sehr stabile Rahmenbedingungen für Unternehmertum. Gleichzeitig sehen wir, dass das Potenzial von Unternehmerinnen noch längst nicht ausgeschöpft ist. Initiativen, die Sichtbarkeit schaffen und Netzwerke öffnen, können hier viel bewirken.
Jungunternehmerin des Jahres: Das waren die Finalistinnen
Drei Gründerinnen, drei Branchen, ein Anspruch: Dinge neu denken. Siria Berli, Deana Mohr und Lara Gervaise entwickeln Geschäftsmodelle zwischen Social Media, Biotech und KI. Von Marco Cousin

Berli, Co-Founder & COO Marketingagentur equipe Social Media als Geschäftsmodell
Mit 19 gründete Siria Berli ihre eigene Marketingagentur equipe. Heute hat sie 20 Angestellte, und ihr Unternehmen gehört zu den Leading Swiss Agencies. Wie ist ihr das gelungen?
«Ich mache keine halben Sachen», meint Siria Berli, als sie von der Gründungsphase ihres Unternehmens erzählt. Die fand zwischen Schulzimmer, Fussballplatz und Kinderzimmer statt, noch vor ihrem Maturabschluss an der Alten Kantonsschule Aarau. Bevor sie sich für die Selbständigkeit entschied, bestand ihr Leben aus Fussball: Bis zu 16 Stunden trainierte sie pro Woche, dazu kam noch ein Spiel am Wochenende. Mit dem eigenen Unternehmen hat sie eine Vollzeitbeschäftigung gegen die andere eingetauscht: Dem Leistungssport geht sie zwar nicht mehr nach, aber der Ehrgeiz war und ist derselbe. Die Idee: eine Agentur, die von Kurzvideos bis zu strategischem Performance-Management alles produziert und den Erfolg des Contents messbar macht. Kurzerhand gründete sie mit ihrem Partner ihre eigene Agentur, quasi von zu Hause aus: die Büroadresse war Berlis Elternhaus, Kundenmeetings hielten die beiden aus ihrem Jugendzimmer ab, und das Startkapital betrug gerade mal 500 Franken. Dem gegenüber stand die Überzeugung, eine Marktlücke gefunden zu haben: «Wir wussten von Anfang an, dass wir den Markt aufmischen können.» Der zweite Schritt bestand in der Akquirierung eines Kunden, den die Agentur bis heute betreut: Swiss International Airlines. «Mein Partner weckte mich eines Nachts um drei auf und meinte völlig begeistert, die Swiss habe keinen Tiktok-Kanal, das sollten wir ausnutzen!» Nach nur einem Monat der Selbständigkeit gingen die beiden auf Swiss zu und boten an, ihren Tiktok-Kanal zu übernehmen. Die Kooperation besteht bis heute. Mit kaum mehr als einer Matur im Sack Schweizer Unternehmen zeigen, was ihnen im Bereich Social Media fehlt? Klingt mutig, Berli aber sagt: «Mit Mut hatte das nichts zu tun, eher Naivität. Für uns war vielmehr die Frage: Warum sollten wir keinen Erfolg haben?» Das Darlehen ihres Vaters, das sie für das Startkapital brauchte, konnte Berli bereits im ersten Geschäftsjahr vollständig zurückzahlen. Gerade die Anfangsphase war geprägt von unkonventionellen Angeboten, denen nur eines gemeinsam war: Berlis Ehrgeiz und die Überzeugung, auf der richtigen Spur zu sein. Den Chief Operating Officer (COO) des Detailhändlers Spar kontaktierte sie zweieinhalb Monate lang mehrmals pro Woche, bis er einem Treffen zusagte. Sie stellte ihm 100 000 Interaktionen auf den Social-Media-Kanälen von Spar in Aussicht – in einem Monat.
Sollten Berli und ihr Partner dieses Ziel nicht erreichen, müsste er die restlichen zwei Monate des Deals nicht mehr bezahlen. equipe erreichte das Ziel, auch die Zusammenarbeit mit SPAR besteht nach wie vor. Heute würde Berli so ein Angebot nicht mehr machen. Gleichzeitig kam den beiden gerade in der Anfangsphase des Unternehmens zugute, dass sie eben nicht aus der Branche stammten. «Unsere Ideen zu Social-Media-Kampagnen waren so unkonventionell, dass andere Agenturen meinten, so arbeite niemand.» Davon beirren lassen hat sie sich nicht, unkonventionelle Ansätze spiegeln nach wie vor den Geschäftsalltag von equipe wider, zusammen mit einer hohen Leistungsbereitschaft. Trotzdem wandelt sich Berlis Rolle nach vier Jahren im operativen Bereich je länger, je mehr. Sie möchte zukünftig lieber im strategischen Bereich arbeiten, die Mitarbeiter mit ihrem Ehrgeiz und ihrer Energie motivieren und anleiten.
Ein Team von 20 Festangestellten erfordert auch eine klare Vision, wohin die Agentur in den nächsten 10 Jahren unterwegs sein soll: «Wir bauen bestehende Partnerschaften lieber über Jahre hinweg aus, statt ständig neue Kunden zu akquirieren. Alles soll in einem persönlichen Rahmen stattfinden können, auch intern: Wir werden bestimmt keine Agentur mit 150 bis 200 Angestellten. 50 ist aktuell die Obergrenze, aber bis dahin ist noch einiges geplant.»
Deana Mohr, Co-Founder und CEO von Muvon Therapeutics Biotech für ein Tabuthema
Jede vierte Frau leidet nach einer Geburt unter Inkontinenz. Das Unternehmen Muvon Therapeutics hat eine neue Therapie für Betroffene entwickelt. Gründerin Deana Mohr berichtet von den Herausforderungen. Die Idee für Muvon Therapeutics hatte Deana Mohr in einem Schockmoment. 2012 besucht sie im Rahmen ihres ETH-Doktorats in Radiopharmazie ihre erste Konferenz für regenerative Medizin. Ein Vortrag thematisiert, wie Geburten funktionieren – und wie viele Muskeln und Nerven des weiblichen Körpers dabei langfristig geschädigt werden. Weit verbreitet ist zum Beispiel postnatale Inkontinenz, wobei der Schliessmuskel der Blase – der sogenannte Sphinktermuskel – dauerhaft geschwächt ist. Mindestens jede vierte Frau ist nach einer Geburt davon betroffen, mit zunehmendem Alter erhöhe sich die Zahl, so der Professor damals. Wenn Physio nicht helfe, brauche es eine Operation. Diese Aussage prägt sie bis heute: «Ich konnte nicht glauben, dass man diese Tatsache einfach so hinnimmt. Ich war schockiert darüber, dass es keine andere Lösung für ein so weit verbreitetes Problem gibt.» Mohr begreift, dass ihre Doktorarbeit eine Lösung für genau dieses Problem bieten könnte. Aus ihrer wissenschaftlichen Arbeit entsteht ein selbst auferlegter gesellschaftlicher Auftrag. 2020 gründet sie mit drei Mitgründerinnen das Biotech-Unternehmen Muvon Therapeutics. Zusammen entwickeln sie eine Technologie, bei der aus kleinen Gewebeproben Muskelvorläuferzellen isoliert, vermehrt und wieder in geschädigtes Muskelgewebe injiziert werden, wo sie die Funktion des Muskels regenerieren. «Unser Ziel ist eine minimal-invasive Therapie, die den Muskel funktionell regeneriert, statt nur Symptome zu beheben», erklärt Mohr. Bisherige Eingriffe gegen Inkontinenz beruhten auf der Implantation von Fremdkörpern. Diese Eingriffe führen häufig zu schweren Nebenwirkungen; in Australien und dem Vereinigten Königreich sind sie mittlerweile verboten. Wo sie noch zugelassen sind, entscheiden sich höchstens 18 Prozent der betroffenen Frauen dafür. Mohr sagt: «Der Rest leidet im Stillen weiter.»
Bei der Suche nach Probandinnen für eine erste Humanstudie wurde Muvon Therapeutics förmlich überrannt. Ein klares Zeichen, dass sie und ihre Mitgründerinnen einen Nerv getroffen haben. Die Nachfrage geht Mohr zufolge auch auf eine strukturelle Ungleichheit zurück: «Nur zwei Prozent aller Venture-Capital-Investitionen fliessen in die Erforschung weiblicher Gesundheitsprobleme. In Anbetracht des medizinischen Bedarfs und Potenzials ist das absurd.» Neben ihrer Arbeit als CEO hält Mohr Vorträge und möchte junge Absolventinnen dazu inspirieren, die Biotech-Branche als Karriereweg in Betracht zu ziehen. Dafür engagiert sie sich bei feminno, einer ETH-Initiative, die Forscherinnen zur Startup-Gründung motiviert, sowie beim BEI-Programm der Universität Zürich, das die nächste Generation von Bio-Entrepreneurs fördert. «Es gibt nach dem Studium mehr Optionen als nur den Postdoc oder die Pharmaindustrie. Wer etwas bewegen möchte, soll im Biotech-Sektor starten.»
Der Weg zum eigenen Unternehmen dauerte bei Mohr mehr als zehn Jahre. Die ersten präklinischen Experimente führte sie noch während ihrer Doktorarbeit durch; wenige Wochen vor der Dissertation erhielt das Projekt von Swissmedic die Bewilligung für die ersten klinischen Tests. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 15 Mitarbeitende und arbeitet an einer neuen Finanzierungsrunde für die Marktzulassung in Europa und den USA.
Neben dem wissenschaftlichen Erfolg ist für Mohr das Zusammenbringen von Frauen in Forschung und Biotech eine grosse Herzensangelegenheit: «Es geht darum, die Tabus zu brechen, eine Community zu bilden und Sichtbarkeit zu schaffen.» Sie hofft, dass die Venture-Capital-Investitionen in den kommenden Jahren über zwei Prozent hinausgehen. Potenzial gibt es genug.
Fotos: NZZ Connect


QR-Code scannen für die Videoporträts der Finalistinnen

Lara Gervaise, Co-Founder Startup Virtuosis AI Diagnosen aus der Stimme
Das Lausanner Startup Virtuosis AI analysiert mittels künstlicher Intelligenz Sprachproben und leitet daraus mögliche Erkrankungen ab. Wie kam die 27jährige Gründerin Lara Gervaise auf diese Idee?
Es klingt zu einfach, um wahr zu sein: Knapp 30 Sekunden einer Stimmprobe genügen den KI-gestützten Sprachmodellen von Virtuosis AI, um daraus verschiedene Krankheitsbilder abzuleiten. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Aufnahme extra für die Untersuchung erhoben wird oder spontan in einem Gespräch stattfand: Jeder Clip lässt sich analysieren. Die Idee zur Gründung fand Lara Gervaise während ihres Masterstudiums an der EPFL. Dass sie eines Tages ein Unternehmen gründen würde, war für die Lausanner Studentin schon immer klar. Die Frage war nur: vor oder nach Olympia? Denn Lara Gervaise galt auch im Sport als Nachwuchshoffnung. In der Disziplin Rhythmische Gymnastik schaffte sie es bis ins Team der französischen Anwärterinnen für die Olympischen Spiele 2021 in Tokio. Irgendwann musste sie sich entscheiden: «Im Leistungssport sah ich nur die Aussicht auf Verletzungen und finanzielle Unsicherheit, im Studium war ich dafür gut. Also habe ich aufgehört, von einem Tag auf den anderen.»
Ihr Studium in Robotik und Data Sciences widmet sie der Frage, wie von optisch bemerkbaren Indizien – Mimik oder Gestik – und akustischen Signalen auf verschiedene Krankheitsbilder geschlossen werden kann. Gervaise sagt: «Mit dem richtigen Datensatz lässt sich fast alles vorhersagen, auch emotionale Zustände.» Ausgestattet mit stundenlangem Videomaterial, widmet sie sich der Erforschung von Affektprognosen. Im Rahmen ihrer Zusammenarbeit mit einem Psychiater am Universitätsspital Lausanne stösst sie auf Fachliteratur dazu, wie Depressionen allein aus einer Patientenstimme abgeleitet werden können – ein bisher wenig beachtetes Feld: «Bereits in den späten 1980er Jahren hat man versucht, Parkinson-Erkrankungen aus Stimmproben abzuleiten. Da war mir klar, dass KI-gestützte Stimmprobenanalysen ein riesiges Potenzial haben.»
2022 wird daraus das Startup Virtuosis AI. Die Technologie wird zunächst im Rahmen von Depressions- und Burn-out-präventionen von Unternehmen genutzt. «Dafür sind wir aktuell noch am bekanntesten, doch wir arbeiten stetig daran, den Anwendungsbereich zu erweitern», sagt Gervaise. Mittlerweile können auch Privatpersonen ihre Stimme mittels der Web-App auf app.virtuosis.ai testen. Die grösste Hebelwirkung liegt allerdings im medizinischen Bereich. Dementsprechend verschiebt sich der Fokus hin zu Anwendungen im Gesundheitswesen. Die wichtigste Kundengruppe sind Versicherungen, die in Gesundheitsprävention investieren wollen und eigene Telemedizin-Angebote betreiben, dazu kommen Spitäler. Im Rahmen klinischer Studien bezieht Virtuosis AI auch Datensätze, um die eigenen Modelle weiter zu verfeinern. Insgesamt arbeitet das Team von Virtuosis AI daran, Indikatoren für rund 25 verschiedene Erkrankungen zu identifizieren. Bei Depressionen, Alzheimer oder Parkinson könne man nach viel Hörpraxis gewisse Muster erahnen, sagt Gervaise. Eine Diabeteserkrankung dagegen hören selbst Profis kaum heraus, die Modelle von Virtuosis AI finden trotzdem Muster. Sie hofft, dass Stimmproben sich in Zukunft medizinisch als Informationsquellen genauso verlässlich etablieren wie Blutproben: «Vielleicht weil ich selber kein Blut sehen kann und bei Tests deshalb auch schon umgekippt bin», gesteht sie mit einem Lachen.
Die Vorzeichen für eine Ablösung der Blutprobe durch die Stimmprobe stehen stellenweise nicht schlecht. Für die Überprüfung eines Verdachts auf Parkinson sind die Analyseinstrumente von Virtuosis AI bereits in Kanada und in fünf europäischen Ländern im Einsatz. Spezialisten können sie einsetzen, wenn eine Diagnose im Raum steht. Der grösste Vorteil liegt jedoch in der niederschwelligen Handhabung: Für eine erste Beurteilung ist weder ein Arzt- noch ein Praxisbesuch erforderlich.
«Man muss viele Bälle gleichzeitig in der Luft halten»
Deana Mohr, Co-Founder und CEO von Muvon Therapeutics, wird am SEF.WomenAward 2026 als Jungunternehmerin des Jahres ausgezeichnet. Sie arbeitet an einer Therapie gegen ein verbreitetes Leiden von Frauen, das von der Pharmaindustrie bisher vernachlässigt wurde.

Frau Mohr, herzliche Gratulation zu Ihrem Preis. Wie haben Sie den Jurierungsprozess erlebt?
Der ganze Prozess war gut strukturiert. Die Interviewrunde war einzigartig, weil ich zum ersten Mal vor so vielen Frauen pitchen durfte. Dieser Zuhörerschaft musste ich nicht zuerst mühsam erklären, warum es unsere Therapie und unsere Technologie braucht. Viele Frauen leiden an Inkontinenz.
Wie sind Sie überhaupt auf die Idee gekommen, das Problem der Inkontinenz lösen zu wollen?
Meine Doktorarbeit behandelte das Thema der Zucht von Muskelgewebe. Ich besuchte deswegen eine Konferenz in Wien, die sich mit Geburtsverletzungen von Müttern befasste. Darüber spricht man nach einer Geburt kaum, weil alle auf das Baby fixiert sind. Dabei weiss man seit langem, dass bei vielen Müt-
Die Schweizer LeichtathletikSchwestern Mujinga und Ditaji Kambundji verwenden RAUSCH aus Überzeugung.
tern diese Verletzungen nicht vollständig verheilen. Statistisch gesehen, ist das bei jeder vierten Frau der Fall.
Dann war diese Konferenz in Wien eine Art persönlicher HeurekaMoment? Genauso ist es.
Sie sind seither den Weg von der Wissenschafterin zur Unternehmerin gegangen. Welchen Teil Ihres WissenschafterinnenIchs mussten Sie ablegen, um eine gute Unternehmerin zu werden?
Die Hands-on-Arbeit im Labor. Aber die vermisse ich auch nicht mehr. Ich finde es spannend, mir für den Aufbau unseres Unternehmens neue Fähigkeiten anzueignen, sei es im Qualitätsmanagement, bei den regulatorischen Anforderungen oder bei medizinischen Standards. All dies bildet die Grundlage dafür, eine Therapie auf den Markt zu bringen.
Wie erklären Sie sich, dass ein so weit verbreitetes medizinisches Problem von der Wissenschaft und der Pharmaindus trie nicht stärker angegangen worden ist?
Eine unserer Patientinnen hat das sehr gut auf den Punkt gebracht: Wenn etwas nicht erforscht wird, dann gibt es auch keine Therapien. Inkontinenz ist mit einem Stigma behaftet. Das ist kein Thema für eine Konversation im Freundeskreis. Und es betrifft hauptsächlich Frauen. Manche von ihnen sagen, das ist halt einfach so. Aber dagegen wehre ich mich. Dieses Leiden lässt sich behandeln. Dadurch verbessert sich die Lebensqualität der Betroffenen stark

und indirekt dann auch die ihrer Ehemänner oder Familien.
Können Sie auf einfache Weise erklären, wie Ihr Therapieansatz aussieht? Wir entnehmen einer Patientin einige Muskelzellen, die wir dann im Labor züchten. Aus einigen wenigen Zellen werden so innerhalb einiger Wochen Hunderte Millionen. Dann werden diese mit einem Gel gemischt und gezielt in den Schliessmuskel der Blase gespritzt. Dadurch wird der Muskel gestärkt und funktioniert wieder, wie er sollte.
In welchem Stadium der Markteinführung befindet sich Ihre Therapie? Wir haben soeben eine Phase-2-Studie mit sehr guten Ergebnissen abgeschlossen. 87 Prozent der Probandinnen haben positiv auf die Therapie reagiert. Jetzt
«Wenn man auch eine Familie haben möchte, dann sind 24 Stunden manchmal zu wenig.»
nehmen wir die letzte Etappe, eine Phase-3-Studie, in Angriff. Dafür möchten wir aber mit einer grossen Pharmaoder Medtech-Firma zusammenarbeiten. Damit das möglich ist, brauchen wir nochmals eine Finanzierungsrunde. Ist die Suche nach Geld in Ihrem Fall besonders schwierig, weil Inkontinenz kein populäres Thema ist? Auf jeden Fall.
Und woher kam das Geld bisher? Mussten Sie auch im Ausland suchen? Bisher haben wir ausschliesslich Geld aus der Schweiz erhalten und dank Horizon 2020 eine Unterstützung der EU. Für die neueste Finanzierungsrunde gehen wir jetzt ins Ausland. In der Schweiz finden wir bisher nicht die Risikoaffinität, die es für das Wachstum solcher Projekte braucht. Dabei sind wir ein Beispiel dafür, wie aussichtsreich die sogenannte regenerative Medizin ist.
Sind Sie gerne Unternehmerin? Manchmal ist es, wie das Beispiel der Finanzierung zeigt, schon mit Frustrationen verbunden. Man muss sich einfach bewusst sein, dass es sich nicht um einen 9-to-5-Job handelt. Man muss sehr viele Bälle gleichzeitig in der Luft halten können. Wenn man auch eine Familie haben möchte, dann sind 24 Stunden manchmal zu wenig. Aber es ist möglich. Und es ist wichtig, den eigenen Kindern vorzuleben, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind, wenn es darum geht, ihre Träume zu verwirklichen.
Interview: Felix E. Müller
Die Repair-Linie mit Amaranth stärkt die Haarstruktur und schützt vor Haarbruch.

Ein Abend voller Strahlkraft und Inspiration
Am 13. März 2026 versammelte der SEF.WomenAward in Zürich inspirierende Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Die Preisverleihung würdigte starke Frauen, visionäre Leistungen und bot den festlichen Rahmen für Begegnungen, Austausch und unvergessliche Momente.


Gustav Baldinger, CEO, PwC
Karin Lenzlinger, Präsidentin, Zürcher Handelskammer und Ehrenpreisträgerin SEF.WomenAward 2026

Manuel P. Nappo, Director NZZ Academy, NZZ Connect
Valérie Henzen, Gründerin und CEO, minds & heart
Nadine Borter, Geschäftsführerin & Inhaberin, Contexta Schoscho Rufener
Monika BaudlerKlein
Felix Graf, CEO, Neue Zürcher Zeitung
Beatrice Stirnimann, Inhaberin und CEO, Baloise Session
Martina Koch, Head Corporate und Real Estate Basel, UBS Schweiz
Cathrine Steiner, Geschäftsführerin, BigTime Productions
Caterina Schneeberger, Geschäftsführerin, Velaya Consulting
Sandra Schwenn, Corporate Client Advisor, UBS Schweiz
Elena Carolin Gross, CEO, KetoSwiss




und Verwalungsrat,
«Ich war oft in der Minderheit oder stand mit meiner Meinung isoliert da»
Philomena Colatrella, langjährige CEO der CSS-Gruppe und Jurymitglied des SEF.WomenAward, engagiert sich für Jungunternehmerinnen in der Schweiz. Im Interview spricht sie darüber, warum Vielfalt in Führungsetagen ein Erfolgsfaktor ist.

Frau Colatrella, warum engagieren Sie sich in der Jury des Jungunternehmerinnenpreises des SEF.WomenAward?
Als langjährige passionierte CEO eines Grossunternehmens schlägt mein Herz für Jungunternehmerinnen. Es ist mir wichtig, dass Kreativität, unternehmerisches Handeln, gepaart mit Mut, früh erkannt und unterstützt werden. Die Plattform des SEF.WomenAward ist dafür sehr geeignet, weil sie professionell und innovativ ist: Dieses Feedback habe ich in den letzten Jahren immer wieder von Unternehmerinnen gehört, die ihren Weg erfolgreich fortgesetzt haben. Das hat mich gefreut und beeindruckt.
Welche Ratschläge geben Sie aufgrund Ihrer persönlichen Erfahrung jungen Unternehmerinnen auf den Weg? Verfolgt eure Ambitionen und Träume konsequent, bleibt euch und euren Werten treu. Und macht gegenüber Vorgesetzten, eurem Netzwerk oder potenziellen Förderern kein Geheimnis daraus, dass ihr weiterkommen und Erfolg haben wollt! Daran habe ich mich persönlich immer gehalten. Ich habe mich zudem regelmässig mit anderen Unter-
nehmerinnen und Unternehmern sowie CEOs ausgetauscht und dabei viel von ihren Erfahrungen profitiert. Es ist auch wichtig, in die persönliche Weiterentwicklung zu investieren – mir hat es zum Beispiel geholfen, an Gelassenheit und innerer Stärke zu arbeiten und somit Hürden und Schwierigkeiten leichter zu überwinden. Der Erfolg fühlt sich dann umso besser an.
Wie haben Sie selbst es an die Spitze geschafft?
Interessant ist vielleicht, dass ich ursprünglich nicht den Plan hatte, es an die Spitze zu schaffen. Ich bin jedoch seit jeher wissbegierig, will Neues lernen und natürlich auch Erfolg haben. Dazu kommt, dass ich gerne arbeite, ein hohes Energielevel habe und es mir nie etwas ausmachte, die Extra-meile zu gehen. Noch lange bevor ich CEO wurde, habe ich mich als junge Frau hauptsächlich für Sachthemen, Inhalte und spannende Projekte interessiert, wollte die Strategie mitgestalten und umsetzen können. Ich hatte Lust, mit unterschiedlichsten Menschen zusammenzuarbeiten, und es gelang mir schon früh, sie für gemeinsame Visionen und Ziele zu begeistern. Zu-
«Es gibt kaum etwas Kreativeres und Aufregenderes, als eine Businessidee zu entwickeln und umzusetzen.»
dem hatte ich das Glück, dass die Menschen im Unternehmen all die Jahre an mich geglaubt haben.
War die Tatsache, dass Sie eine Seconda und eine Frau sind, Ihrer Karriere hinderlich?
Nein, ich spürte keinen expliziten Gegenwind, weil ich eine Frau bin – so wurde ich während meiner Karriere zu Beginn vornehmlich von Männern gefördert und befördert. Was mir allerdings immer wieder auffiel: Ich war oft in der Minderheit oder stand mit meiner Meinung isoliert da. Ob das damit zusammenhing, dass ich eine Frau bin, lasse ich offen. Dass ich eine Seconda bin, war auf jeden Fall kein Hindernis. Im Gegenteil – ich hatte eine starke intrinsische Motivation, vorwärtszukommen, und zu Hause waren wir mehrsprachig, das war in einem Unternehmen, das in der ganzen Schweiz verankert ist, natürlich ein grosser Vorteil.
Wie könnte man die Freude am Unternehmertum unter jungen Frauen noch besser verankern?
Indem man sie ermutigt und unterstützt, sein Netzwerk öffnet und für sie
Die Mobilität wird weiblicher
Die Autoindustrie galt lange als Männerdomäne. Doch Frauen prägten die Branche von Beginn an. Mit Elektromobilität, neuen Arbeitsmodellen und gezielter Förderung verschiebt sich das Bild spürbar.
MICHAEL BAUMANN
Mobilität prägt unseren Alltag weit über Technik hinaus: Sie beeinflusst Arbeit, Familie und Freizeit und spiegelt gesellschaftliche Rollenbilder. Wer über Autos spricht, spricht deshalb immer auch über Bedürfnisse, Sicherheit, Komfort, Kosten und Alltagstauglichkeit. Genau jetzt, in einer Phase technologischer und kultureller Umbrüche, wird diese Vielfalt zum Wettbewerbsfaktor, auch im Kampf um Talente.
Pionierinnen der Automobilgeschichte
Das gängige Vorurteil, Frauen und Autos passen nicht zusammen, wurde früh widerlegt. Bertha Benz bewies im Jahr 1888 mit ihrer berühmten Fernfahrt Mut, Durchhaltewillen und Sinn für Praxis: Sie machte das Automobil nicht nur sichtbar, sondern auch alltagstauglich.

Wer über Autos spricht, spricht immer auch über Sicherheit, Komfort, Kosten und Alltagstauglichkeit.
1903 trat Dorothy Levitt ins Rampenlicht als erste britische Teilnehmerin an Autorennen, später auch mit einem Ratgeber: «The Woman and the Car». Sie zeigte öffentlich, dass Technikbegeisterung keine Frage des Geschlechts ist. Diese Beispiele zeigen: Frauen prägen die Automobilwelt von jeher als Kundinnen, Fahrerinnen und Mitentwicklerinnen, oft mit Blick auf Praktikabilität statt Prestige. Wer die Geschichte kennt, versteht, warum die Branche heute alte Rollenbilder aktiv hinter sich lässt.
Teilzeitmodelle in Werkstatt und Service
Die entscheidende Frage lautet: Wie kommen mehr Frauen in Berufe, die jahrzehntelang als «klassische Männerberufe» galten? Ein Hebel sind Stellenausschreibungen, die nicht stillschweigend von Vollzeit und starrer Präsenz ausgehen. Die Amag Gruppe schreibt grundsätzlich alle Stellen mit einem Pensum von 80 bis 100 Prozent aus, auch in Werkstatt- und Servicefunktionen. Damit stellt die Amag eine Annahme infrage, die in der Branche lange als gesetzt galt, dass Werkstattarbeit zwingend Vollzeit bedeuten müsse. Das erweitert den Talentpool und erhöht gleichzeitig die Bindung, weil Lebensphasen besser berücksichtigt werden können.
Frauen in Führung und Beratung
da ist, wenn es mal nicht so gut läuft. Zudem ist gerade eine Plattform wie der SEF.WomenAward für junge Unternehmerinnen wichtig, wir sollten möglichst viele animieren, da mitzumachen. Im Vordergrund steht ja nicht der Preis per se, sondern auch der Austausch mit anderen Unternehmerinnen aus ganz unterschiedlichen Branchen – von Kolleginnen, die eben ihr Startup gegründet haben, bis zu Frauen, die schon lange in Spitzenpositionen sind, auch in der Politik oder der Wissenschaft. Erfahrene Unternehmerinnen sollten bereit sein, der jungen Generation mit Rat zur Seite zu stehen und gerne als Role Model zu agieren. Dabei ist es unsere Aufgabe, die unermesslichen Möglichkeiten des Unternehmertums hervorzuheben und glaubhaft darzulegen, dass es kaum etwas Kreativeres, Inspirierenderes und Aufregenderes gibt, als eine Businessidee zu entwickeln und umzusetzen.
Interview: Felix E. Müller
Philomena Colatrella war bis Ende 2025 CEO der CSS-Gruppe und prägte die strategische Neuausrichtung sowie die Transformation des Unternehmens.
Der günstige Moment des Umbruchs
In kaum einer anderen Industrie überlagern sich so viele Veränderungen wie im Mobilitätsmarkt: Elektrifizierung, Software, neue Vertriebsmodelle, geteilte Nutzung, strengere Regulierung und ein neues Verständnis von Nachhaltigkeit. Das verschiebt Kompetenzprofile, weg vom reinen Schrauben hin zu Beratung, Datenanalyse und Energiemanagement. Genau darin sieht die Amag die Chance, alte Rollenbilder aufzubrechen und neue Gruppen anzusprechen. Je sichtbarer Frauen werden, desto stärker verändern sich Berufsbilder, Produkte und Kommunikation. Und je näher Angebote an realen Alltagsbedürfnissen liegen, desto leichter finden neue Talente Zugang, unabhängig vom Geschlecht. Der Anspruch, Stereotype aufzubrechen und «gemeinsam vorwärtszumachen», gibt auch bei der Amag die Richtung vor. Die Mobilität wird nicht «weiblicher», weil sich Frauen verändern, sondern weil wir gemeinsam die Branche bewegen.
Michael Baumann ist PR-Manager E-Mobility, Technology & Sustainability, Amag Gruppe.
Der Kulturwandel zeigt sich auch in beeindruckenden Biografien: Frauen verantworten grosse Kundensegmente, leiten Retail-Betriebe, beraten Flottenkunden oder verbinden Mobilität mit Energie- und Ladefragen. Diese Frauen stehen sinnbildlich dafür, dass sich die Branche öffnet und dass Karrierepfade nicht mehr an Geschlechterrollen gekoppelt sind, sondern an Kompetenz, Neugier und Führungswillen. Wer als Frau in einer Männerdomäne startet, kennt die Mechanik: Ohne Vorbilder erscheint der Weg exotisch, ohne Rückhalt ist er schwierig. Entscheidend ist, dass Unternehmen nicht nur Geschichten erzählen, sondern Strukturen schaffen: flexible Arbeitsmodelle, Entwicklungspfade, transparente Standards in Auswahlprozessen und eine Führungskultur, die Leistung anerkennt, ohne dass sich jemand zuerst gegen Vorurteile durchsetzen muss.
Heute vorsorgen, morgen sorgenfrei
Wer seine Vorsorgeplanung frühzeitig angeht, kann den Lebensstandard im Alter sichern und eröffnet die Chance auf echte finanzielle Unabhängigkeit.
SABINE MAGRI
Die wenigsten planen ihre Sommerferien erst im Juni. Im Gegenteil, meist beginnt die Planung schon Monate zuvor. Genauso sollte auch die Vorbereitung auf den Ruhestand, mit gut 20 Jahren Dauer die längsten Ferien unseres Lebens, frühzeitig erfolgen. Wer früh mit der Vorsorge beginnt, legt den Grundstein für finanzielle Sicherheit im Alter.
Insbesondere die jüngere Generation kann eine einfache Faustregel anwenden: ab dem ersten Lohn 10 bis 15 Prozent des Bruttolohns monatlich diversifiziert investieren, um den Lebensstandard später aufrechtzuerhalten. Doch auch wer einen frühen Start verpasst hat, kann durch gezielte Massnahmen den Lebensstandard im Alter erheblich beeinflussen. Spätestens 15 Jahre vor der Pensionierung empfiehlt sich eine umfassende Vorsorgeplanung, die auch Steueroptimierungen berücksichtigt. Für Frauen ist es besonders wichtig, sich frühzeitig bewusst zu machen, wie mögliche Lebensmodellentscheide die finanzielle Absicherung im Ruhestand beeinflussen.
Vorsorgelücken in der zweiten Säule
Teilzeitarbeit und Erwerbsunterbrüche führen insbesondere in der zweiten
Säule zu Vorsorgelücken. Frauen übernehmen häufiger familiäre Betreuungsaufgaben von Kindern oder Angehörigen. In mehr als 80 Prozent der Fälle führt dies zu einer Verringerung oder einem Unterbruch der Erwerbstätigkeit. Das Resultat: tiefere Renten und ein Gender-Pension-Gap von gut einem Drittel im Vergleich zu Männern. Hinzu kommt, dass Frauen laut der UBS-Studie «Women and Financial Wellbeing» (2022) ihr Finanzwissen oft unterschätzen und seltener in Wertpapiere investieren. Wer sich jedoch frühzeitig mit der eigenen Vorsorge beschäftigt, ist im Alter unabhängiger, das zeigt auch die Studie «Own Your Worth» (2022).
Der erste Schritt ist, regelmässig und automatisiert Ersparnisse in die Säule 3a einzuzahlen und vor allem diese anzulegen, um vom Zinseszinseffekt zu profitieren. In diversifizierte Aktien angelegte Ersparnisse können so innert 40 Jahren zu einem gut 50 Prozent höheren Rentenkapital führen als Ersparnisse auf dem Sparkonto.
Individuelle Beratung mit System
UBS begleitet ihre Kundinnen und Kunden jeden Alters mit einer individuell abgestimmten, ganzheitlichen Beratung, die Budget, Liquidität, eiserne Reserve, Altersvorsorge und Nach -
KMU-Parlament
für
Wer Vorsorge und Anlagen rechtzeitig angeht, stärkt die finanzielle Sicherheit im Alter.

lassplanung beinhaltet. Nach einer umfassenden Analyse empfehlen die Beraterinnen und Berater von UBS gezielte Spar- und Anlagelösungen, die den Lebensstandard im Ruhestand sichern und oft steuerliche Vorteile bieten. Eine klare Projektion zeigt, ob die finanziellen Ziele erreichbar sind, ob die Vorsorge auch unabhängig vom Partner gewährleistet ist und wie sich Vorsorgelücken schliessen lassen.
Entscheidungen vor der Pensionierung
Kurz vor der Pensionierung stehen weitere wichtige Entscheidungen an: Ist eine Frühpensionierung realistisch?
Lohnt sich der Renten- oder Kapitalbezug? Reicht das Vermögen für die eigene Immobilie im Ruhestand? Die Finanzplanerinnen und Finanzplaner von UBS erstellen dafür individuelle Pläne, die Klarheit über Möglichkeiten, Zeitpunkte und notwendige Entscheidungen schaffen.
im Bundeshaus:
32 Vorstösse
weniger Bürokratie und mehr Fachkräfte
Das KMU-Parlament gab der Wirtschaftsbasis der Schweiz eine Bühne im Bundeshaus. Die Teilnehmenden formulierten Vorstösse, stimmten darüber ab und übergaben sie dem parlamentarischen Prozess

CÉLINE THOMMEN, NZZ CONNECT
Schweizer KMU sind das Rückgrat der Wirtschaft. Sie stehen für Innovationskraft, Stabilität und Verantwortung in allen Regionen. Beim ersten KMUParlament 2025 erhielten sie im Bundeshaus eine direkte Stimme. In einem eigens geschaffenen Format diskutierten 46 Unternehmerinnen und Unternehmer konkrete wirtschaftspolitische Anliegen, formulierten Vorstösse und brachten diese direkt in den politischen Prozess ein.
Wie direkt sich diese Mitwirkung anfühlen kann, betont Bianca Braun, Verwaltungsrätin der maxon Group. Sie beschreibt den Moment, als sie ihre Motion gegen die Juso-Erbschaftsinitiative formulieren durfte, als bewegend. «Ich hatte Gänsehaut, als ich die Motion für unsere Schweizer Verfassung schreiben durfte», sagt sie. Für sie war es die Gelegenheit, konkrete Sorgen aus dem Unternehmensalltag in einen offiziellen Prozess einzubringen.
«Ich hatte Gänsehaut, als ich die Motion für unsere Verfassung schreiben durfte.»
Bianca Braun, Verwaltungsrätin der maxon Group
Warum Unternehmer teilnehmen
Der Antrieb zur Teilnahme war bei vielen ähnlich. «Wir sind täglich mit Problemen konfrontiert. Wenn wir die Möglichkeit haben, etwas zu verbessern, dann müssen wir diese Chance ergreifen», erklärt Rita Lüönd-Steiner, Mitglied der Geschäftsleitung der Lüönd Transport AG. Eine weitere Vertreterin betont, dass KMU das Fundament der Schweizer Wirtschaft bilden. Gerade angesichts globaler Herausforderungen wie US-Zöllen oder stockenden Lieferketten brauche es Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg. Spaltung hilft niemandem.
Die Bandbreite reicht vom Abbau unnötiger Bürokratie über bessere Bedingungen für Fachkräfte bis hin zu mehr Innovationsförderung und stärkerer inländischer Wertschöpfung.
Staat und Regulierung
Das KMU-Parlament verlangt klare, verlässliche Regeln. Angenommen wurden Vorstösse gegen rückwirkende Rechtsprechung, überbordende Kontrollpflichten und Bürokratie, unter anderem zur Abschaffung des IKS und zur «Clean-up-Session», damit Gesetze wieder unternehmertauglich werden.
Innovation, Kapital und Digitalisierung vorantreiben Angenommene Vorstösse fordern wirksamere Innovationsförderung, besseren Zugang zu Wachstumskapital, digitale Register und eine «E-CH Wallet». Ziel sind weniger Reibungsverluste und mehr Tempo bei der digitalen Transformation der KMU.
Arbeitsmarkt und Fachkräfte sichern Das KMU-Parlament setzt auf höhere Arbeitsanreize und mehr Talente. Angenommen wurden Vorstösse zum AHVFreibetrag, zu Vollzeitanreizen, zu fairen Wettbewerbsbedingungen gegenüber der Verwaltung sowie zu einfacheren Bewilligungen und Arbeitszugängen für Fachkräfte.
Standort und Wertschöpfung stärken Angenommen wurden Vorstösse für schneller verfügbare Industrieflächen, regionale Kompensation bei Waldfestlegung sowie die Förderung der nationalen Wertschöpfung bei KMU.
Mit der UBS Women’s Wealth Academy bietet die Bank Frauen praxisnahes Finanzwissen, von der ersten Geldanlage bis zur Nachlassplanung. In kostenlosen Seminaren und Onlinekursen lernen Frauen, wie sie ihr Geld langfristig und nachhaltig investieren können.
Finanzielle Unabhängigkeit stellt sich nicht von allein ein. Neben Eigeninitiative und gezielten Massnahmen sind passende Rahmenbedingungen entscheidend, etwa Verbesserungen im Pensionskassensystem und bei der Kinderbetreuung. Entscheidend ist jedoch, heute Verantwortung zu übernehmen. UBS unterstützt Frauen und Männer mit einer individuellen Beratung, für mehr finanzielle Sicherheit und ein sorgenfreies Alter. Die Zukunft beginnt heute.
Sabine Magri ist Leiterin Personal Banking, UBS Schweiz.
32 von 34 Vorstössen angenommen
Der Austausch mit der Politik sei offen gewesen, doch gleichzeitig fehle oft das Verständnis dafür, was Unternehmerinnen und Unternehmer im Alltag wirklich brauchen, sagt Alessia Schrepfer, Co-CEO von WeNurse. Genau hier liegt die Bedeutung des KMU-Parlaments. Es schafft nicht nur Sichtbarkeit, sondern verbindet Praxis und Politik direkt. Wenn wirtschaftliche Realität frühzeitig in politische Prozesse einfliesst, entstehen tragfähigere Entscheidungen. Dass diese Plattform 2025 erstmals realisiert wurde, ist Andri SilberschmidtBuhofer, FDP-Nationalrat, und Corine Blesi, Managing Director NZZ Connect, zu verdanken. Ihre Initiative hat gezeigt, wie konstruktiv der Dialog zwischen Wirtschaft und Politik sein kann.
Nachhaltigkeit, Mobilität und Versorgungssicherheit neu denken
Das KMU-Parlament will praktikable Lösungen statt Symbolpolitik, mit Vorstössen zu unbürokratischer Nachhaltigkeit, Hürdenabbau für Biobetriebe, CO2-Anreizen für Microcars und Multifunktionsanlagen für eine resilientere Versorgung.

Mehr über die Vorstösse aus dem KMU-Parlament und ihren Fortschritt erfahren.
«Ich bin kein Tischklopfer»
Natalie Spross, Unternehmerin und CEO der Spross-Gruppe, erhält die Auszeichnung CEO des Jahres des SEF.WomenAward. Ein Gespräch über Familienunternehmen, Bauen in Zürich, Cotoneaster und Sterbehilfe. Interview: Felix E. Müller
Frau Spross, Sie erhalten vom SEF.WomenAward einen ehrenvollen Preis. Kann ich daraus schliessen, dass die Firma Spross erfolgreich unterwegs ist? Ich musste im Zusammenhang mit diesem Preis, über den ich mich sehr freue, keine Geschäftsunterlagen einreichen. Aber ich kann sagen, dass es der Firma Spross gut geht. Ich traf bei meinem Einstieg im Jahr 2005 eine gesunde Firma an und habe sie hoffentlich fit gemacht für die Zukunft.
Man kennt Spross vor allem als Gartenbauunternehmen. Kann man damit überhaupt noch Geld verdienen? Das ist in der Tat seit etwa 20 Jahren schwierig geworden. Doch ich hoffe, dass wir diese Sparte auf dem jetzigen Niveau noch auf einen grünen Zweig bringen. Die Gründe, weshalb es ein schwieriges Geschäft geworden ist, liegen sicher auch beim enormen Preisdruck, der bei Grossbaustellen ausgeübt wird. Und wir operieren nicht so, dass wir sehr tiefe Preise offerieren und danach über Nachtragsrechnungen unsere Marge verbessern.
Früher hatte Spross doch den Ruf in der Stadt Zürich, dass man quadratmeterweise Cotoneaster pflanzte. Ist das heute nicht mehr so?
Wir haben uns von Grossaufträgen zurückgezogen und uns auf kleinere oder auf fachthematische Aufträge konzentriert. Für uns ist heute die Nachhaltigkeit in allen Arbeitsfeldern ein zentrales Anliegen. Das ist gerade im Baubereich wichtig, wo wir neben dem Gartenbau auch mit einer grossen Transport- und Recyclingabteilung für einen aktiven Materialkreislauf engagiert sind.
Sie haben damit das zweite Standbein der Firma Spross genannt, die Entsorgung und das Recycling. Das dritte Standbein bilden die Immobilien. Ich nehme an, dass Sie als Unternehmerin vor allem diesen Geschäftszweig gepusht haben, weil sich damit in Zürich doch schön Geld verdienen lässt? Jein. Die Führungscrew mit und um meinen Vater war da zu meinen Anfangszeiten aktiver. Ich habe mich zuerst mehr mit dem Gartenbau beschäftigt, weil es dort Margenprobleme gab. Und dann habe ich mich auf den Ausbau des Transport- und Recyclingbereichs konzentriert. Mein Zugang zum Thema Immobilien fand eher unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit statt. Wie baut man? Welche Baumaterialien verwendet man? Wie sieht die Energiebilanz aus?
Aber Sie sitzen mitten im heissesten Immobilienmarkt der Schweiz. Wäre es da nicht naheliegend, dass sich Spross ein schönes Stück dieses Kuchens sichert? Der Markt und seine Anbieter sind mannigfaltig. Ich agiere anders als institutionelle Investoren. Diese funktionieren nicht schlechter, aber sie funktionieren mit einem anderen Fokus. Für Pensionskassen sind Immobilien ein Anlagevehikel. Da ist die Rendite zugunsten der Versicherten ein entscheidendes Kriterium. Ich aber habe ein Gesicht. Wenn es meinen Mietern nicht gut geht, wissen sie, wie die Vermieterin heisst. Mich stört dennoch die negative Sicht auf die Immobilienbranche. Das Problem ist doch, dass wir einen Wohnungsmangel haben. Das empfinden Leute, die Mühe haben, eine Wohnung zu finden, rasch als unfair. Und Wohnen ist ein sehr existenzielles Thema, da kann man als Anbieter von Wohnungen, für den auch

ökonomische Aspekte zählen, emotional im Vergleich nur verlieren. Dennoch arbeite ich auch in diesem Bereich sehr bewusst – sei dies in der Art des Bauens, der Bandbreite an Wohnungstypen und ihrer Preisgestaltung wie auch im Umgang mit unseren Mietern. Wir stehen aber auch vielen reglementarischen Herausforderungen gegenüber.
Dann sind Sie im Immobilienbereich nur aktiv, wenn sich eine gute Gelegenheit bietet?
Wir konzentrieren uns aktuell stärker auf unseren Bestand von rund 1300 Wohnungen und erneuern ihn, da die Liegenschaftspreise bekanntlich hoch sind, weshalb ich meinem Anspruch, für jedes Portemonnaie etwas anzubieten, nur schwer Folge leisten kann. Ich betreibe keine Renditemaximierung.
Sie vertreten die fünfte Generation der Familie Spross. Wie gelingt es, eine
Familienfirma über eine so lange Zeit zusammenzuhalten?
In den ersten beiden Generationen war Spross eine Handelsgärtnerei und wurde jeweils vom Vater dem Sohn übergeben. Es war Werner H. Spross, der aus der Gärtnerei ein KMU machte und auch in die beiden ergänzenden Bereiche Recycling und Immobilien einstieg. Er hatte keine Kinder, sodass der Familienzweig meines Vaters die Firma übernahm. Andere Geschwister und Verwandte wurden jeweils abgegolten. Man machte aus den jeweiligen Umständen einfach das Beste. Entscheidend ist, dass die Familienzweige konzentriert blieben.
Wollten Sie selbst denn immer schon CEO der Firma Spross werden?
Ich kam auf diese Position, weil es in meiner Generation keine anderen Anwärter gab und auch aus Pflichtgefühl meinem Vater gegenüber. Ich war allerdings mit
der Firma immer verbunden und habe etwa als Gymnasiastin Unkraut gejätet oder während des Studiums in der Buchhaltung gearbeitet. Mein Vater wurde dann CEO. Er ist ausgebildeter Gartenarchitekt. Weil ich nach einem Wirtschaftsstudium an der Universität Zürich mit Zahlen und Buchhaltungen gut umgehen konnte, stand ich ihm zur Seite. So stieg ich bereits mit 27 Jahren auf Geschäftsleitungsebene in die Firma ein.
Dann haben Sie einen Vater erlebt, der Sie stets gefördert hat. Das ist in vergleichbaren Situationen nicht immer so. Er hat mich tatsächlich immer unterstützt, er hat mich nie infrage gestellt. Er stand immer hinter meinen Entscheidungen, wofür ich ihm dankbar bin. Sie sind sehr jung in eine Führungsverantwortung gekommen. War der Start schwieriger, weil Sie eine Frau sind?
«Wenn es meinen Mietern nicht gut geht, wissen sie, wie die Vermieterin heisst.»
Ich hatte zuweilen eher den Eindruck, dass dies ein Vorteil war, weil man mir helfen wollte. Probleme ergaben sich eher daraus, dass man nicht so recht wusste, wie man mit mir umgehen sollte. Als speziell empfand ich anfänglich Veranstaltungen mit Gremien der Bauwirtschaft, die in meinen Anfangszeiten – also vor rund 20 Jahren – noch sehr männlich geprägt waren.
Was machten Sie als Chefin anders als Ihre Vorgänger?
Ich pflegte und pflege ein total anderes Führungsverständnis. Ich bin kein Tischklopfer. Ich wollte nicht einfach befehlen, sondern mit den Leuten arbeiten. Das Team ist mir wichtig. Man soll Themen und Entscheidungen diskutieren. Das ist nicht immer einfach und nicht immer angenehm. Doch ich finde, dass auf diese Weise am Ende bessere Resultate herauskommen.
Sind Sie speziell stolz auf etwas, das Sie als Unternehmerin erreicht haben? Es gab zwei oder drei grössere Klippen zu überwinden. Wir hatten einmal einen Fall von Wirtschaftskriminalität in der Firma, der uns intern ziemlich durchschüttelte. Dann gab es vor einigen Jahren einen massiven Stellenabbau im Bereich Gartenbau zu bewältigen. Und ich musste eine Abteilung für Erdsonden schliessen. Stolz bin ich, dass die Firma heute gut aufgestellt ist.
Und wie sieht der nächste Schritt aus? Ich gebe mein Amt als CEO ab und wechsle ins Verwaltungsratspräsidium. Ich habe den Eindruck, dass ich das, was ich der Firma operativ geben konnte, gemacht habe. Jetzt ist es Zeit für neue Ideen durch bewährte Köpfe mit noch mehr Freiraum.
Was machen Sie neben dem Mandat als Verwaltungsratspräsidentin? Ich habe eine Einzelfirma gegründet und möchte Menschen begleiten –einerseits im beruflichen Kontext, aber auch bei zwei Situationen, die für mich eine besondere Bedeutung haben: Lebensanfang und Lebensende, etwa in Form von Schwangerschafts- oder Sterbebegleitung.
Woher stammt Ihr Interesse für solche Fragen? Es ist einerseits das Resultat persönlicher Erfahrungen – ich habe Zwillinge nach der Geburt verloren. Andererseits habe ich nicht gerne Tabus. Und der Tod ist in unserer Gesellschaft nach wie vor ein Tabuthema.
Gibt es zwischen dieser privaten Natalie Spross und der CEO Natalie Spross einen gemeinsamen Nenner? Beide sind überzeugt davon, dass man Verantwortung übernehmen und bewusst handeln muss.
Zur Person
Natalie Spross ist Unternehmerin und CEO der Zürcher Spross-Gruppe, einem Familienunternehmen in fünfter Generation mit Dienstleitungen in Gartenbau, Recycling, Transport und Immobilien. Sie trat 2005 in die Firma ein und wechselt nun ins Verwaltungsratspräsidium. Am SEF.WomenAward 2026 wird sie als CEO des Jahres ausgezeichnet.
Wenn Wachstum Training braucht
Raus aus dem Tagesgeschäft, rein in die Strategie: Eine Gründerin zeigt, was eine Masterclass und der Austausch mit anderen Unternehmen bewirken. Nun ist das Angebot auch gemeinsam mit SEF.Growth in der Schweiz verfügbar.
MICHELLE STOFFEL, NZZ CONNECT
Cornelia Klaubert-Lath, Gründerin und Geschäftsführerin von ProSafeCon, erlebte den Wendepunkt im eigenen Betrieb, als das Unternehmen wuchs. ProSafeCon übernimmt für Firmen operative Compliance-Themen wie Arbeitssicherheit, Gefahrgut und Brandschutz. Klaubert-Lath ist promovierte Ingenieurin und arbeitete zu Beginn stark in der Produktentwicklung und im Kundenmanagement mit. «Bis es zehn Mitarbeitende waren, konnte ich alles noch selbst im Griff behalten», sagt sie. Doch mit mehr Umsatz und mehr Mitarbeitenden wird Führung komplex. Plötzlich fehlt die Zeit für Strategie, und das Know-how, eine Firma systematisch zu skalieren, muss erst aufgebaut werden. Vision und Mission waren zwar formuliert und veröffentlicht, aber nicht in der Organisation verankert.
Wachstum ist ein Lernprozess
Genau solche Situationen begegnen Beat Wyss immer wieder. Der Coach der scale up Masterclass beschreibt typische Hürden bei stark wachsenden Startups. Erstens fehlt oft der Mut zum Nein: «Es ist unglaublich schwierig, Nein zu sagen.» Wer jeder Opportunität nachgeht, verzettelt sich, statt sich auf wenige Prioritäten zu konzentrieren.
Zweitens gerät oft die Teamdynamik unter Druck. Es menschelt. Reibungen im Führungsteam würden oft zu lange toleriert, bis sie das Wachstum bremste.


Dr. Cornelia Klaubert-Lath Gründerin und Geschäftsführerin, ProSafeCon

Beat Wyss Coach, scale up Masterclass
SEF_Growth_26-Inserate-Print-SWA_VB-172x73mm.indd 1 03.03.26 15:49 Die scale up Masterclass bringt Gründerinnen und Gründer mit erfahrenen Coaches zusammen.
Wyss’ Kernpunkt: Viele CEOs sind Spezialistinnen und Spezialisten auf ihrem Gebiet, doch Unternehmertum lernt man meist erst on the Job. Wyss vergleicht das mit einem Hausbau. Beim ersten Bau lernt man enorm viel. Nur die wenigsten bauen ein zweites Haus und können das Wissen aus dem ersten Projekt nochmals nutzen. Genau hier setzt die scale up Masterclass an: Sie soll Führungsteams einen erprobten Werkzeugkasten geben, damit Wachstum nicht nur über Trial and Error gelingt.
In der Masterclass tritt das Führungsteam bewusst einen Schritt zurück und schafft Raum für den Rollenwechsel vom Operativen hin zum Strategischen. Schon die Frage «Wer ist hier eigentlich das Führungsteam?» schafft Klarheit. Dazu kommt ein praktischer Vorteil, den Klaubert-Lath besonders schätzt: Das Programm ist organisiert, die Termine stehen fest, und das Team nimmt sich bewusst Zeit weg vom Tagesgeschäft. Für sie war das spürbar entlastend. Sie musste nicht nur vorangehen, sondern war auch einmal Teil der Gruppe.
Austausch schafft Klarheit
Ein Aha-Moment war der Austausch mit anderen Unternehmen. Entwicklungen lassen sich spiegeln, Unsicherheiten einordnen, Erfahrungen vergleichen. Inhaltlich ging es weniger um Produktoptimierung als um Führung und Skalierung: Fokus, ein messbares Zielbild, ein Umsetzungsplan und der Aufbau eines leistungsfähigen Teams. Ein konkreter Hebel war das «Top Grading». Alle drei Monate wird strukturiert über Leistung gesprochen, Krite-
rien werden definiert und Entscheidungen vorbereitet. Was zunächst als Tabu wirkte, wurde zur Grundlage, um Performance sichtbar zu machen und Rollen klar zu besetzen.
Die Resultate beschreibt KlaubertLath als spürbaren Wandel: mehr Struktur, mehr Transparenz und ein Führungsteam, das sich deutlich verändert hat. Gleichzeitig bleibt es Arbeit. Impulse kommen aus den Sessions, umgesetzt werden muss aber im Unternehmen. Wyss bringt es auf den Punkt: «It’s a gym, not a spa.» Wer nur Matches spielt, wird nicht besser. Man muss auch trainieren und an der Taktik arbeiten.
Auch in der Schweiz zugänglich Das Masterclass-Angebot, das scale up bereits in Deutschland umgesetzt hat, wird nun gemeinsam mit SEF.Growth in der Schweiz zugänglich gemacht. SEF. Growth ist das Wachstumsprogramm des Swiss Economic Forum für Jungunternehmen und KMU. Laut Website unterstützt das Programm seit 2012 Startups beim Umgang mit Wachstumsherausforderungen. Die strategische Evaluation des Geschäftsmodells durch unternehmerische Expertinnen und Experten ist Kernstück des SEF.GrowthProgramms.
QR-Code scannen und mehr über SEF.Growth erfahren.








































Was Frauen für Gründung und Führung brauchen
Weibliches Unternehmertum gelingt, wenn Sichtbarkeit, Kompetenz und Kapitalzugang zusammenkommen und wenn Rollenbilder in Rekrutierung und Kultur nicht länger bremsen. Von Bea Knecht, Tina Rodriguez und Marianne Wildi
Was braucht es, damit weibliches Unternehmertum gelingt? Es braucht Mut zur Sichtbarkeit, zur Selbstbehauptung und zum Zulassen von Vulnerabilität. Ebenso entscheidend ist Ausdauer beim Aufbau von Expertise, um in männlich dominierten Feldern als gleichwertig anerkannt zu werden. Es braucht Unternehmenskulturen, in denen Frauen ihre Karrieren aktiv gestalten können. Frauen treiben Produktivität, Innovation und nachhaltiges Wachstum. Ihr Beitrag schafft messbare ökonomische und soziale Vorteile für Unternehmen. Wo unterschiedliche Perspektiven in Produktentwicklung und Führung integriert werden, entstehen Wettbewerbsvorteile, wirtschaftlich wie kulturell. In einer Wirtschaft, die von Digitalisierung, technologischer Disruption, Dekarbonisierung und demografischen Verschiebungen geprägt ist, wird Diversität zur Führungsfrage, nicht zur Nebenbedingung.
Wo die Schweiz heute steht
Der Schillingreport 2026 zeigt nach Erreichen der Geschlechterrichtwerte eine Stagnation. In den Geschäftsleitungen stagniert der Frauenanteil bei 22 Prozent, im Verwaltungsrat steigt er nur minimal auf 34 Prozent. Mit Ablauf der Übergangsfrist rückt die Verantwortung der Unternehmen stärker in den Fokus.
Zwar erreichen 71 Prozent der untersuchten Unternehmen den Richtwert von 30 Prozent Frauen im Verwaltungsrat, 29 Prozent verfehlen ihn weiterhin, vier Prozent haben keine Frau im Verwal-



tungsrat. In den Geschäftsleitungen liegt der Frauenanteil unter den neu ernannten Mitgliedern bei 21 Prozent, der tiefste Wert seit 2020, gleichzeitig ist die Zahl der ausgetretenen Frauen mit 28 hoch.
Rollenbilder hinterfragen
Stagnation ist selten nur eine Frage fehlender Kandidatinnen. Sie ist oft ein Hinweis auf persistente Erwartungen daran, wer als «natürliche» Führungsperson gilt, wer als «risikofähig» wahrgenommen wird und wessen Ambition als legitim gilt. Geschlechterrollen wirken dabei nicht nur individuell, sondern auch strukturell, über Rekrutierungslogiken, Nachfolgeplanung, Netzwerke und informelle Sponsorships.
Wenn Diversität primär als regulatorische Pflicht verstanden wird, bleibt sie fragil. Wenn sie als strategischer Erfolgsfaktor verstanden wird, wid sie zur Führungsaufgabe.
Was es braucht, damit weibliches Unternehmertum gelingt
Sichtbarkeit, die Leistung zeigt, mit Netzwerken, die Türen öffnen
Kompetenzaufbau, der anerkannt wird, mit Kriterien für Expertise und Wirkung
Kapitalzugang, der transparent ist, mit fairen Prozessen von Term Sheet bis Governance
Kulturen, die Entwicklung ermöglichen, mit Sponsorship, Feedback und Aufstiegspfaden
Ambition, die ausgesprochen werden darf, mit Vereinbarungen, die auch privat tragen
Resilienz, die gestützt wird, mit Lernräumen nach Rückschlägen und Neustarts
Warum sich Investition in Diversität auszahlt
Zentrale Treiber, die erklären, weshalb Gender Diversity in der Praxis an Bedeutung gewinnt, sind: strategische Einsicht auf CEO-Ebene, Erschliessung des
Welches Nachwuchstalent in Ihrem Umfeld hat
Unternehmergeist?
weiblichen Talentpools, gesellschaftlicher und politischer Erwartungsdruck, internationale Vergleichs- und Governance-Standards, Anspruchsveränderung bei Frauen selbst sowie die Wirkung von Diversity- und Talentmanagement-Programmen.
Das ist keine Moral, sondern eine Standortlogik. Wenn das verfügbare Talent breiter genutzt wird und Führungsteams unterschiedliche Perspektiven integrieren, steigen Lernfähigkeit, Marktnähe und Krisenresistenz.
Indem auch wir das Unternehmertum von Frauen als strategische Ressource begreifen, stärken wir unsere Wettbewerbsund Zukunftsfähigkeit.
Bea Knecht ist Mitgründerin und Verwaltungsrätin von Zattoo sowie Partnerin bei Realr.vc. Der Venturefonds investiert in FrühphasenUnternehmerinnen und -Unternehmer in der Schweiz und den Nordics und gilt als Pionier bei der systematischen Bewertung von Gründerqualitäten.
Tina Rodriguez übernimmt bei Zattoo ab April 2026 ad interim die Rolle des CEO von Roger Elsener. Sie ist seit Januar als Chief Consumer Officer bei Zattoo verantwortlich für das Endkundengeschäft in Deutschland, Schweiz und Österreich sowie Corporate Communications des europäischen TV-Streaming-Anbieters mit Sitz in Zürich und Berlin.
Marianne Wildi war mehr als zehn Jahre CEO der Hypothekarbank Lenzburg AG und ist heute deren Verwaltungsratspräsidentin. Sie gilt als eine der Pionierinnen des Open Banking in der Schweiz und treibt als Präsidentin des Verwaltungsrats der Finstar AG Innovationen im Fintech-Ökosystem voran.
Das SEF.NextGen Sommercamp bringt junge Erwachsene aus der ganzen Schweiz zusammen, die unternehmerisch denken und Verantwortung übernehmen wollen. Fünf Tage lang arbeiten sie an konkreten Business Cases, tauschen sich mit erfahrenen Unternehmerinnen und Unternehmern aus und werden Teil eines starken Netzwerks rund um das Swiss Economic Forum
Vielleicht denken Sie gerade an jemanden. Eine junge Person, die sich für Innovation, Unternehmertum und neue Ideen begeistert. Mehr erfahren

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