Zürich und Region
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Donnerstag, 26. März 2026
Überraschende Wende im Fall des mutmasslichen Hochstaplers Ali Syed Das Bundesgericht rügt die Zürcher Justiz – der Beschuldigte sei zu Unrecht in Haft gesessen
Seit Ende 2022 befindet sich der gebürtige Inder Ali Syed im Kanton Zürich in Haft. Er soll sich als Milliardär ausgegeben und seine Kunden mit Fake-Darlehen um mehr als 28 Millionen Franken betrogen haben. Erst im Juli 2025 wurde Syed in einem Prozess, der weltweit für Schlagzeilen sorgte, vom Bezirksgericht Zürich zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Doch nun gibt es eine überraschende Wende: Das Bundesgericht kritisiert, Syed sei zeitweise zu Unrecht im Gefängnis gesessen. Das geht aus einem kürzlich veröffentlichten Urteil hervor. Darin stellt das Bundesgericht der Zürcher Justiz ein schlechtes Zeugnis aus.
Ein Leben in Saus und Braus Angefangen hat alles vor 16 Jahren mehr als 4300 Kilometer entfernt von Zürich – in Manama, der Hauptstadt von Bahrain. Dort soll Syed sich als Chef eines Finanzinstituts namens Western Gulf Advisory inszeniert haben. Um potenzielle Kunden zu beeindrucken, soll er imposante Büros gemietet
und mit bronzenen Pferdeköpfen und teuren Möbeln ausgestattet haben. Zudem soll er dreissig Personen als Schauspieler angeheuert haben. Sie sollten bei Kundenmeetings in den Büros so tun, als seien sie sehr beschäftigt. Auch einen Jahresbericht habe Syed gefälscht, heisst es in der Anklageschrift. Zudem soll der 52-jährige Familienvater versucht haben, potenzielle Kunden mit Werbeplakaten für seine Western Gulf Advisory zu beeindrucken. Diese habe er in Manama aufstellen lassen. Ziel sei es gewesen, kriselnde Unternehmen anzulocken, ihnen ein vermeintlich rettendes Darlehen anzubieten, das dann nie überwiesen wurde. Für diverse Dienstleistungen und Gebühren hätten die Kunden eine Vorauszahlung leisten müssen, oftmals in Millionenhöhe, so heisst es in der Anklageschrift. Viele dieser Zahlungen liefen über ein Konto bei der Credit Suisse, weshalb schliesslich die Zürcher Behörden zu ermitteln begannen. Die Zürcher Staatsanwaltschaft warf Syed vor, sich mit den erhaltenen Vorschüssen ein Luxusleben gegönnt zu haben. Er soll Millionen ausgegeben haben für Privatjets, Bodyguards, teure Autos und Luxuswohnungen. Zudem
soll er spektakuläre Investments geplant haben. Syed habe versucht, den spanischen Fussballverein Racing Santander und den Premier-League-Klub Black-
Denn Syed streitet alle Vorwürfe ab. Er sei unschuldig, so der gebürtige Inder. Der Vorwurf, es habe sich um eine Scheinfirma gehandelt, sei absurd. Er habe die Western Gulf Advisory 2008 auf Bitte des Königshauses von Bahrain gegründet. Dieses habe mit 51 Prozent auch stets die Mehrheit der Anteilscheine besessen.
Behörden patzen mehrmals
PD
CLAUDIA REY
Ali Syed Chef von Western Gulf Advisory
burn Rovers zu kaufen. Beide Übernahmen scheiterten jedoch, weil Syed schliesslich doch nicht bezahlte. 2022 liessen die Zürcher Behörden Syed per internationalem Haftbefehl suchen. Wenige Monate später wurde er in Grossbritannien festgenommen und 2024 in die Schweiz ausgeliefert. Syed wurde 2025 vom Bezirksgericht Zürich wegen gewerbsmässigen Betrugs zu sechseinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig, seine Anwälte haben den Fall weitergezogen ans Obergericht.
Seit seiner Auslieferung 2024 befindet sich Syed in der Schweiz in Haft. Doch aus Sicht des Bundesgerichts nicht ganz zu Recht. Denn bei der Haftverlängerung lief einiges schief. Am Anfang stand ein Fauxpas der Zürcher Behörden: Im November 2025 sass Syed zeitweise ohne rechtliche Grundlage in Haft, der sogenannte Hafttitel war abgelaufen. Trotzdem sei Syed inhaftiert geblieben, so das Bundesgericht. Er soll eineinhalb Monate lang ohne gültige rechtliche Grundlage im Gefängnis gewesen sein. Zudem habe die erste Strafkammer des Obergerichts zwar eine mündliche Haftverhandlung durchgeführt. Der Beschuldigte habe jedoch keine Möglichkeit gehabt, sich zum Plädoyer der
Staatsanwaltschaft zu äussern. Damit sei sein Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt worden, heisst es im Urteil weiter. Und schliesslich gebe es im Entscheid des Obergerichts zur Haftverlängerung einen Formfehler. Denn die Begründung sei unzureichend und unverständlich. Sie bestehe aus einem einzigen Satz, der sechseinhalb Seiten lang sei. Entsprechend schwer sei das Urteil zu lesen. Syed wird nun zwar nicht aus der Haft entlassen. Aber das Obergericht muss erneut über die Haftverlängerung urteilen. Zudem soll in einem separaten Verfahren entschieden werden, ob Syed für die eineinhalb Monate Haft eine Entschädigung bekommt. Die Kosten für das Bundesgerichtsverfahren muss der Kanton Zürich bezahlen. Das sei zwar unüblich, schreibt das Bundesgericht, aber: «Unnötige Kosten hat zu bezahlen, wer sie verursacht.» Und in diesem Fall sei klar, dass Syed und seine Anwälte den Fall überhaupt erst vor Bundesgericht hätten ziehen müssen, weil die Zürcher Behörden Fehler gemacht hätten. Bundesgerichtsurteil 13. 3. 2026.
7B_178/2026
vom
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P U B L I R E P O R TA G E
Die neue Logik der modernen Kriegsführung: Was «Future Warfare» für uns bedeutet drohnen, Sensorik, Kommunikationssysteme und Effektoren greifen immer enger ineinander und verkürzen die Zeit zwischen Erfassung und Wirkung drastisch. Vertreter aus Industrie, Militär und Forschung beschrieben sie auf der Enforce Tac als allgegenwärtige, schwer kalkulierbare und sich rasant entwickelnde Bedrohung, zugleich aber auch als zentralen Baustein moderner Gefechtsführung. „Die perfekte militärische Technologie muss günstig, zuverlässig und skalierbar sein“, lautete eine zentrale Erkenntnis ukrainischer Streitkräfte, die Mykyta Puz, Miltech Scouting and Partnerships Officer bei der 12. Brigade „Azov“, auf der Messe zusammenfasste.
Krieg beginnt im Weltraum: Space als neue Domäne
Auf der EnforceTac 2026 wurde deutlich, wie sich hybride und kriegerische Auseinandersetzungen verändern und was Europa daraus ableiten muss. Wer heute über Europas Sicherheit spricht, spricht nicht mehr nur über Truppenstärke oder Verteidigungsbudgets. Vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine hat sich das Verständnis moderner Kriegsführung grundlegend verschoben. Militärische Stärke und Abschreckungswirkung werden zunehmend durch das Zusammenspiel von Technologie, industrieller Leistungsfähigkeit und strategischer Vernetzung definiert. „Future Warfare“ ist keine abstrakte Zukunftsdebatte mehr, sondern längst Teil der Realität. Das zeigten die über 1.400 Aussteller der Enforce Tac 2026 an ihren Ständen und die Experten bei Paneldiskussionen und Fachvorträgen. Die Leitmesse für Sicherheit und Verteidigung bringt einmal im Jahr Vertreter aus Streitkräften, Industrie, Politik und Forschung in einem geschützten Rahmen zusammen und schafft
so die Grundlage, dass sich Europa für die moderne Kriegsführung richtig aufstellen kann. Im diesjährigen Rahmenprogramm zeigte sich dabei besonders klar, wie sich die Logik militärischer Macht verändert hat. Geschwindigkeit, Datenverarbeitung und technologische Skalierbarkeit werden zunehmend zu entscheidenden Faktoren strategischer Handlungsfähigkeit.
Unbemannte Systeme verändern das Gefechtsfeld Besonders zeigt sich dieser Wandel im Bereich unbemannter Systeme. Ein Beispiel: Drohnen sind längst mehr als ein ergänzendes Instrument militärischer Operationen. Durch Aufklärung, Zielidentifikation und ihre Einbindung in vernetzte Systeme prägen sie zunehmend das Gefechtsfeld. Aufklärungs-
Parallel dazu erweitern sich die Räume militärischer Auseinandersetzung. Moderne Konflikte finden nicht mehr nur auf Land, zur See oder in der Luft statt. „Moderne Kriegsführung beginnt im Weltraum“, betonte HansLothar Domröse, General a.D. und ehemaliger Oberbefehlshaber des NATO Allied Joint Force Command Brunssum. Was er genau damit meint und wie stark moderne Streitkräfte bereits von weltraumgestützten Systemen abhängen, wurde auf der Enforce Tac sehr deutlich. Satelliten liefern hochauflösende Aufklärung, ermöglichen sichere Kommunikation und bilden die Grundlage für präzise Navigations- und Zielsysteme. Ohne diese Infrastruktur wären viele militärische Fähigkeiten kaum denkbar. Der Weltraum entwickelt sich damit von unterstützender Infrastruktur zu einer eigenständigen militärischen Domäne. Für Europa ergibt sich daraus eine neue Herausforderung: Der Kontinent verfügt über erhebliche technologische Fähigkeiten, doch häufig fehlen industrielle Skalierung, strategische Koordination und gemeinsame Prioritäten. „Wir müssen den Weltraum als eine gesellschaftliche Gesamtdimension betrachten, unsere Technologien weiterentwickeln – und nicht zuletzt müssen wir in Europa und vor allem in Deutschland ein bisschen mehr Risiko ein-
gehen“, fasste Sabine von der Recke, Mitglied des Vorstands OHB System AG, zusammen.
Die Revolution der militärischen Realität Ein Besuch der Messestände, Paneldiskussionen und Fachvorträge auf der Enforce Tac machte vor allem eines klar: die Dynamik moderner Konflikte verändert sich rasant. Als zentrale Plattform für Europas Sicherheit bringt die Leitmesse jene Akteure zusammen, die diese Transformation aus unterschiedlichen Perspektiven erleben – militärische Anwender, Technologieunternehmen, politische Entscheidungsträger und Sicherheitsbehörden. Eine zentrale Erkenntnis: In einer Welt, in der Technologien wie Drohnen, Datenanalyse und weltraumgestützte Systeme noch stärker ineinandergreifen und so die Geschwindigkeit, Reichweite und Dynamik militärischer Operationen verändern, ist „Future Warfare“ weniger eine einzelne technologische Revolution als eine grundlegende Veränderung der militärischen Realität.
Enforce Tac 2027
01.–03. März 2027, Messezentrum Nürnberg Unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzler Friedrich Merz und mit dem Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV) als ideellem Träger richtet sich die Enforce Tac als zugangsbeschränkte Messe ausschließlich an Fachbesucher aus Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), Streitkräften, Regierungsstellen sowie an Vertreter der sicherheitsrelevanten Industrie und Forschung. enforcetac.com linkedin.com/company/enforcetac